Pressemitteilungen 

 

Okt 24 2018
13:36

Kantorowicz Lecture des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 31. Oktober 2018

Vortrag: Amerika, Land der Sentimentalen?

FRANKFURT. Seit geraumer Zeit, so scheint es, lässt sich ein Comeback des Sentimentalen in der amerikanischen politischen Kultur beobachten. Dabei ist in der US-amerikanischen Geschichte das massierte Auftreten des Sentimentalen zur Erzeugung von öffentlichem Gefühl in verschiedenen gesellschaftlichen Funktionsbereichen stets ein Symptom für politische Krisen und korrelierende Krisen der politischen Kommunikation angesichts nationaler Zerreißproben gewesen. Welche Rolle das Sentimentale in jüngerer und jüngster Zeit in den USA spielt, ist Thema der aktuellen Kantorowicz Lecture in Political Language an der Goethe-Universität, veranstaltet vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die Amerikanistin und diesjährige Leibniz-Preisträgerin Heike Paul spricht über

„Staatsbürgersentimentalismus, American Style“ am Mittwoch, dem 31. Oktober 2018, um 18.00 Uhr, Campus Westend der Goethe-Universität, IG Farben Gebäude, Raum 411.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Der Vortrag gibt zunächst einen kurzen Rückblick auf die Geschichte von Krisen im 19. und 20. Jahrhundert, in denen das Sentimentale als Bewältigungsstrategie im Politischen eingesetzt wurde. Es geht hierbei insbesondere um die affektive Dimension zivilreligiöser, mythengesättigter Komplexe sowohl auf der nationalen als auch auf der subnationalen Ebene von Gemeinschaftsbildung. Im Anschluss wird die aktuelle Situation anhand folgender Leitfragen analysiert: Wie lässt sich die gegenwärtige politische Gemengelage mit Blick auf die Präsenz und Instrumentalisierung des Sentimentalen analysieren? Welche Funktion haben sentimentale Muster bei der Produktion von Narrativen der Viktimisierung und der Ermächtigung im Kampf um gesellschaftliche Teilhabe und Transformation?

Anhand von einzelnen Fallbeispielen (Selbst- und Fremdrepräsentationen der Präsidentschaft Donald Trumps und seines „politischen Körpers“ sowie zivilgesellschaftlicher Rituale und Protestaktionen gegen die aktuelle Politik) zeigt der Vortrag die Ambiguität der kulturellen Arbeit des Sentimentalen. Dabei wird auch zu diskutieren sein, inwiefern die Staatsbürgerin oder der Staatsbürger und auch der Staatskörper bzw. der „Volkskörper“ (im Sinne von „We, the People“) gleichzeitig Subjekt und Objekt sentimentaler Konstruktionen und affektiver Aufladung sein können.

Heike Paul ist Professorin für Amerikanistik, insbesondere nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet einer kulturhermeneutisch orientierten Amerikanistik beschäftigen sich u.a. mit kulturellen Mustern der Gemeinschaftsbildung in den USA. Zu ihren Publikationen gehört „The Myths That Made America“ (2014). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zeichnete sie mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018 aus.

Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen sehr renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner, der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt, der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels oder die Sozialwissenschaftlerin Joan W. Scott. Seit 2013 findet die Kantorowicz Lecture in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ statt.

Information:
Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de; www.fzhg.org
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

 

Okt 22 2018
11:57

„Das Kino von Chantal Akerman“ bildet ab dem 25. Oktober 2018 den Mittelpunkt der neuen Frankfurter Lecture & Film-Reihe

Die Erfinderin der Film-Formen

FRANKFURT. Mit Godard wird das Kino historisch, mit Akerman fängt es neu an: Das Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman (1950 – 2015) ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino noch möglich ist. Dieser These folgend trägt die aktuelle Lecture & Film-Reihe den Titel „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“. Beginnend mit dem 25. Oktober stehen bis zum nächsten Sommersemester 15 Termine auf dem Programm, bei denen jeweils nach einem einleitenden Vortrag der besprochene Film gezeigt wird.

Zu den Veranstaltern  der Lecture & Film-Reihe gehören wieder das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum, in dessen Kino die Vorträge und Filmvorführungen auch stattfinden.

Zum Auftakt am 25. Oktober um 20.15 Uhr spricht Vinzenz Hediger über „Das Melodrama des kolonialen Wahns: zu ‚La Folie Almayer‘“. Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Zudem leitet er das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“. Ebenfalls aus den Reihen des Exzellenzclusters kommt Martin Seel. Der Philosophieprofessor analysiert gegen Ende der Reihe (am 27. Juni 2019) „Die andere Seite des Kinos: Chantal Akermas ‚De l’autre côté‘“. Seel ist Organisator viel beachteter Kino- und Vortragsreihen, in denen mit Blick auf das Forschungsprogramm des Clusters die Rolle des Films in den kontroversen moralischen, rechtlichen und politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart untersucht wird.

Die Regisseurin Chantal Akerman zeigt Kinomöglichkeiten jenseits der fast durchweg männlichen Helden-Geschichte von Griffith bis Hitchcock auf, als deren Erben sich die Nouvelle Vague verstand. Viele ihrer Filme sind im Kino ohne Vorbild und prägen mit ihren bahnbrechenden feministischen Sichtweisen seit ihrem Erscheinen die Ausdrucksmöglichkeiten des Films. Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, ihr Überschreiten der Genregrenzen zwischen Spielfilm, Dokumentarfilm und Experimentalfilm, ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung jenseits der Stechuhr-Dramaturgie des herkömmlichen Spielfilms machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden ist sie zudem eine singuläre Zeitzeugin der historischen Brüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Ihre Auseinandersetzung mit jüdischem Leben durchzieht ihre Filme auf vielfältige und subtil reflektierende Weise.

In seinem Eröffnungsvortrag am 25. Oktober hebt Vinzenz Hediger ein Merkmal von Chantal Akermans Werk hervor. Es besteht darin, dass sie Formen zu finden vermag, die einen Zusammenhang zwischen der Intimität der Autobiographie und der Erfahrung von Geschichte herstellen. Das gilt auch für ihren zweitletzten Film, „La Folie Almayer“. Akerman, die Tochter polnischer Juden, die in der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht Belgien aufwuchs, nimmt „Almayer’s Folly“, den Debüt-Roman des polnischen Exilanten Joseph Conrad aus dem Jahr 1895, dem Geburtsjahr des Kinos, zum Ausgangspunkt für eine Meditation mit melodramatischen Zügen über die Abgründe des kolonialen Wahns und transponiert den historischen Stoff in eine irritierende Gegenwart. Der Film stammt aus dem Jahr 2011, ist rund 130 Minuten lang und im Anschluss an den Vortrag zu sehen.

Die Lecture & Film-Reihe „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“ wird veranstaltet vom Deutschen Filminstitut &Filmmuseum und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“, in Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie. Kuratiert von Vinzenz Hediger und Marc Siegel.

Die Reihe findet im Kino des Deutschen Filminstituts &Filmmuseums statt (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main). Eintritt: 5 €. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter: 069 / 961 220-220.

Details zum Programm: www.chantal-akerman.de, www.normativeorders.net/lecture-and-film

Informationen:
Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079: hediger@tfm.uni-frankfurt.de, www.tfm.uni-frankfurt.de
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, http://www.normativeorders.net

 

Okt 22 2018
11:52

Zweisemestrige Vortragsreihe im Vorgriff auf das Gründungsjubiläum der berühmten Kunstschule beginnt am 1. November

Das Bauhaus aus Frankfurter Sicht

FRANKFURT. Das Staatliche Bauhaus in Weimar war eine legendäre Kunstschule mit maximalem Einfluss auf Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert. 2019 jährt sich die Gründung zum 100. Mal. In Frankfurt beginnt das Bauhaus-Jahr bereits 2018, und zwar mit einer zweisemestrigen Vortragsreihe, die einen kritischen Blick auf das Bauhaus richten wird. Den Auftakt der „Bauhaus-Lectures“ macht

am Donnerstag, 1. November, 19 Uhr Deutsches Architekturmuseum (DAM), Auditorium

der Vortrag des renommierten Kunsthistorikers Frederic Schwarz (University College London) mit dem Titel „Bauhaus and Critical Theory: An Uneasy Relationship“. Obwohl zahlreiche biographische Parallelen und gemeinsame politische Überzeugungen zwischen Vertretern des Bauhaus und der Kritischen Theorie existieren, stellt sich das Verhältnis zwischen beiden als schwierig dar. Der Vortrag fragt nach den Gründen hierfür sowie nach Möglichkeiten, das Erbe des Bauhauses mit den Positionen der Kritischen Theorie in Einklang zu bringen.

Im Zentrum der „Bauhaus Lectures“ steht die Architektur: ihre Rezeption, die Migration der Akteure und die Kritik am Bauhaus. Hierbei kommt besonders die Frankfurter Perspektive auf die legendäre Schule zum Tragen – galt das Bauhaus doch vor allem im Kontext des „Neuen Frankfurt“ als das zentrale Vorbild für die architektonische Bewältigung der großen Wohnungsnot. Dies hatte nicht zuletzt mit persönlichen Verbindungen und biographischen Verflechtungen zu tun: Ferdinand Kramer, einer der wichtigsten Protagonisten des „Neuen Frankfurt“, studierte bereits 1919 für kurze Zeit am Bauhaus in Weimar. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Frankfurter Hochbauamt und der Frankfurter Kunstschule ab 1922 sollte eine am Bauhaus orientierte Architektenausbildung in Frankfurt etabliert werden.

Der damalige Oberbürgermeister Ludwig Landmann warb gar für die Umsiedlung des Bauhauses von Weimar nach Frankfurt. Mit dem Weggang wichtiger Träger des Neuen Frankfurt (Ernst May, Ferdinand Kramer, Magarete Schütte-Lihotzky, Martin Elsaesser) endete diese emphatische Rezeption des Bauhauses in Frankfurt, die allerdings von Anfang an von einer eigenständigen Perspektive auf das Neue Bauen begleitet wurde. Nach dem Krieg stellte sich die Situation dann völlig anders dar. Während an anderen Orten noch über die Frage diskutiert wurde, wie man an die Tradition des Bauhauses anschließen könnte, entwickelte sich in Hessen eine höchst eigenständige Diskussion. Sie reicht von der Architekturdebatte 1951 in Darmstadt, wo wichtige Vertreter des Neuen Bauens sowie dessen Kritiker aufeinandertrafen, der Eröffnung des Bauhausarchivs 1961 auf der Mathildenhöhe unter Beteiligung von Walter Gropius, der Auseinandersetzung der Kritischen Theorie (Adorno, Bloch) mit dem Neuen Bauen bis zu den Beiträgen Jürgen Habermas’ und der Revision der Moderne im Zusammenhang mit Heinrich Klotz’ Gründung des deutschen Architekturmuseums.

Veranstaltet werden die Bauhaus Lectures vom Center for Critical Studies in Architecture (CCSA), einer Kooperation zwischen der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Kunstgeschichtliches Institut), der Technischen Universität Darmstadt (Fachbereich Architektur) und dem Deutschen Architekturmuseum.

Die Vorträge finden im Auditorium des DAM statt und sind öffentlich. Die Vortragsreihe wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Weitere Termine und Themen des Wintersemesters im Überblick:

Donnerstag, 15.11.2018
Werner Durth (TU Darmstadt) & Thomas Flierl (Berlin)
„Systemvergleich. Bauhaus-Rezeption in der Bundesrepublik und in der DDR“

Donnerstag, 29.11.2018
Reto Geiser (Rice University, Houston) & Daniel Talesnik (TU München):
Cold War. Bauhäusler in the Soviet Union and the USA”

Donnerstag, 13.12.2018
Rixt Hoekstra (Design Academy Eindhoven) & Carsten Ruhl (Goethe-Universität)
»Italien. Manfredo Tafuris und Giulio Carlo Argans Position zur Moderne«

Donnerstag, 31.1.2019
Kathleen James-Ckakraborty (University College Dublin)
»Bauhaus 50th Anniversary in 1969«

Donnerstag, 14.2.2019
Daniela Fabricius (Pratt Institute, New York)
»Postmodernism and the Bauhaus Critique in West Germany«

Information: Dr. Daniela Ortiz dos Santos, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunstgeschichtliches Institut, Tel. 069 798 23468, OrtizDosSantos@kunst.uni-frankfurt.de

Homepage: criticalarchitecture.org

 

Okt 22 2018
11:27

Internationaler Kongress „Die Zukunft des kritischen Idealismus: 100 Jahre nach dem Tode Hermann Cohens“

Fragendes Denken

FRANKFURT. 2018 jährt sich das Todesdatum des berühmten Marburger Neukantianers Hermann Cohen zum 100. Mal, das Erscheinen seines posthum veröffentlichten großen Werkes Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums liegt 2019 ein Jahrhundert zurück. Aus diesem Anlass findet an der Goethe-Universität

vom 28. bis 30. Oktober im Casino-Gebäude, Raum 823 und 1.801, am Campus Westend

der große internationale Kongress mit dem Titel „Die Zukunft des kritischen Idealismus: 100 Jahre nach Hermann Cohen“ statt. Die Veranstaltung befasst sich mit der Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung der philosophischen Perspektiven des jüdischen Denkers im Bereich der Ästhetik, Erkenntnistheorie, Ethik und Religion statt. Veranstalter ist die Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie am Fachbereich Evangelische Theologie.

Hermann Cohen war einer der bedeutendsten Vertreter eines kritischen Idealismus und liberalen jüdischen Denkens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Cohens Neukantianismus forderte in Anlehnung an den Kategorischen Imperativ Kants: „Mache Dir die Selbstgesetzgebung in der Person eines jeden Menschen zum Zwecke“. Der Marburger Neukantianismus nutzte die Philosophie Kants dazu, um ein politisches und soziales Programm zu begründen, das dem Sozialismus nahestand. Cohen trat vor einer breiteren Öffentlichkeit vor allem für das Recht der Juden ein, auch ohne die christliche Taufe Deutsche sein zu können. Denn für ihn war der ethische Idealismus, den er von Kant theoretisch begründet sah, in der deutschen Kultur ebenso verankert wie in der jüdischen Religion, der „Glut des sittlichen Enthusiasmus der Propheten“.

Der Kongress geht der Frage nach, ob die Perspektiven des Philosophen zum Zusammenhang von Vernunft, Religion und Ethik auch für aktuelle Diskurse relevant sein können. Fast vierzig Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland und aus unterschiedlichen Disziplinen (Philosophie, Judaistik, Theologie) ermöglichen es, mehrere Stränge der Cohen-Forschung miteinander ins Gespräch zu bringen: die allgemeine philosophische und philosophiegeschichtliche Forschung zum facettenreichen Phänomen des Neukantianismus und die Erforschung der deutsch-jüdischen Dimension von Cohens Denken.

Leitmotiv des Kongresses ist die Frage nach der orientierenden Bedeutung des Denkens und der damit verbundenen Rolle der Wissenschaft. Auf welche Weise legt wissenschaftliches Denken Rechenschaft über die Erkenntnis und über sich selbst ab? Wie ist der Denkprozess zu verstehen – als Produktion feststehenden Wissens oder als beständiger Akt des Fragens und Hinterfragens? Was bedeutet es für gegenwärtige wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Debatten, wenn man Cohens Deutung der Philosophie als fragendes Denken folgt, das unterwegs ist zur Beantwortung der klassischen Fragen nach dem Wissen, nach dem Tun, dem Hoffen, und dem Sein des Menschen, und zwar dialogisch und kommunikativ, bestimmt durch seinen offenen, beweglichen, fragmentarischen Charakter? Was bedeutet dies für religiöse und philosophische Konflikte über Wahrheit und Werte, für die Spannung von Pluralität und Differenz in der globalisierten Gesellschaft?

Die Vorträge gehen den unterschiedlichen Facetten von Cohens kritischen Idealismus im Bereich der Ästhetik und der Erkenntnistheorie nach, aber auch der Ethik und der Geschichte. Musik und Kunst spielen dabei ebenso eine Rolle wie Logik und Mathematik oder Sozialtheorie. Der religionsphilosophische Teil des Kongresses befasst sich mit Cohens Bestreben, einen zeitgemäßen, für die Herausforderungen des frühen 20. Jahrhunderts bedeutsamen Begriff der Religion zu entwickeln. Thematisiert werden zentrale Aspekte wie sein Verständnis des Verhältnisses von Judentum und Vernunft, seine Auseinandersetzung mit dem Christentum, sein philosophisches Verständnis der Bibel, seine Deutung messianischer Erlösung sowie seine religiös begründete Sozialkritik.

Der Kongress ist Teil der Forschungen der Martin-Buber-Professur zur Philosophie jüdischer Denker des 19. und 20. Jahrhunderts. Mitorganisatoren sind die Hermann-Cohen-Gesellschaft, das interdisziplinäre Frankfurter Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“, der von Prof. Christian Wiese geleitete LOEWE-Forschungsschwerpunkt „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“, der nach der Pluralismusfähigkeit der drei monotheistischen Religionen und ihrer Rolle in der modernen Gesellschaft fragt, das Frankfurter Institut für Religionsphilosophische Forschung und die philosophische Fakultät der Università degli Studi di Torino.

Ausgewählte Termine:
Sonntag, 28. Oktober, 18:00 Uhr
„Die Zukunft des kritischen Idealismus: Reflexionen über das Denken“
Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Andrea Poma (Università degli Studi di Torino)

Montag, 29. Oktober, 9:00 Uhr
„Critical Idealism in an Age of Identity Politics: Cohen’s Ethic of Minority“
Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Paul Nahme (Brown University)

Mittwoch, 31. Oktober, 9:00 Uhr (Casino Festsaal)
„Hermann Cohens Reflexionen über das Judentum im Kontext seiner Positionierung gegenüber dem Christentum“
Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität) 

Weitere Informationen: https://www.uni-frankfurt.de/42839537/aktuell_conf; Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-33313; E-Mail: C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten bei Eva Kramberger: kramberger@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 19 2018
10:53

Der Staat und die Banken im krisengeprüften Europa: Die zehnte Alfred-Grosser-Gastprofessorin beschäftigt sich mit den neuen Regulierungsstrukturen im Finanzmarktsektor

Cornelia Woll erhält Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung im Wintersemester 2018/2019

FRANKFURT. Im Wintersemester 2018/2019 bekleidet Prof. Dr. Cornelia Woll die internationale Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung an der Frankfurter Goethe-Universität. Sie ist die zehnte Persönlichkeit, die dieser Einladung nach Frankfurt gefolgt ist. Cornelia Woll ist Professorin für Politikwissenschaft an der renommierten sozialwissenschaftlichen Universität Sciences Po in Paris, wo sie am Centre d’études européennes et de politique comparée forscht und derzeit das Amt der Vizepräsidentin für Studium und akademische Angelegenheiten innehat.

Bevor sie 2006 zur Sciences Po kam, war sie als Research Fellow beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln beschäftigt. Im Rahmen der Grosser-Gastprofessur wird sie gemäß ihrem Forschungsschwerpunkt einen Blick auf die internationale politische Ökonomie werfen, insbesondere die Politik der Finanzmarktregulierung in Europa und die Zukunft der Europäischen Union. Bis Ende Januar finden unter anderem ein Blockseminar zur „Einführung in die soziale Konstruktion der Wirtschaftsordnung“ für Studenten der Goethe-Universität und ein öffentlicher Vortrag zum Thema „Der Staat und die Banken im krisengeprüften Europa“ (21. Januar 2019, 19 Uhr, Hörsaalzentrum HZ8 Campus Westend) statt.

Das internationale Programm Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung wurde 2009 am Fachbereich Gesellschafts-wissenschaften der Goethe-Universität angesiedelt. Namensgeber ist der 1925 in Frankfurt geborene Publizist, Politologe und Soziologe Alfred Grosser. Gestiftet wurde die Professur auf Anregung der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

„Dass eine deutsch-französische Wissenschaftlerin von der renommierten Pariser Sciences Po die Alfred-Grosser-Gastprofessur bekleidet, passt hervorragend zum Namensgeber der Professur, denn Alfred Grosser hat dort selbst viele Jahre unterrichtet“, so Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

„Als Mitglied der Auswahlkommission für die Alfred-Grosser-Gastprofessur und als Europaforscherin freue ich mich sehr, dass Cornelia Woll unsere Einladung an die Goethe-Universität angenommen hat. In ihrer Forschung leistet sie einen herausragenden Beitrag zur vergleichenden und internationalen politischen Ökonomie. Sie hat viel diskutierte Publikationen zum Verhältnis von Privatwirtschaft und Staat vorgelegt, so etwa eine Monographie zur Bankenrettung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Im Kern befasst sich Cornelia Woll mit den Grenzverschiebungen zwischen politischen Gestaltungsmöglichkeiten und ökonomischer Internationalisierung. Dieses Spannungsverhältnis stellt eine zentrale Herausforderung für die Demokratie dar, in Europa und weltweit. Cornelia Woll wird in ihren Vorträgen in Frankfurt Themen adressieren, die disziplinär und gesellschaftspolitisch höchst relevant sind und sicherlich auf breites Interesse stoßen“, so Prof. Dr. Sandra Eckert, Inhaberin der Juniorprofessur für Politik und Europäische Mehrebenensysteme am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Frankfurter Gothe-Universität.

„Es ist mir eine große Ehre, von Alfred Grossers Heimatuniversität Sciences Po Paris an die Goethe-Universität Frankfurt und damit in seine und meine Geburtsstadt eingeladen zu werden. Uns verbinden aber nicht nur diese zwei Wirkungsorte, sondern vor allem das Bedürfnis, durch deutsch-französische Wissenschaftskooperation einen Beitrag zum Zusammenhalt der europäischen Gesellschaft zu leisten“, betont Prof. Dr. Cornelia Woll

Prof. Dr. Cornelia Woll
Alfred-Grosser-Gastprofessorin für das Wintersemester 2018/19

Frau Prof. Dr. Cornelia Woll ist Professorin für Politik­wissenschaft am Centre d’études européennes an der Université Sciences Po in Paris. Derzeit bekleidet sie dort das Amt der Vizepräsidentin für Studium und akademische Angelegenheiten. Von 2008 bis 2012 war sie stellvertretende Dekanin für Forschung an der Sciences Po.

Als Co-Direktorin leitete sie von 2012 bis 2015 das deutsch-französische Max Planck Sciences Po Center on Coping with Instability in Market Societies (MaxPo), 2011 war sie Mitbegründerin des Laboratory for Inter­disciplinary Evaluation of Public Policies (LIEPP, ange­gliedert an die Sciences Po).

2011/2012 verbrachte sie einen Forschungsaufenthalt am Center for European Studies an der Harvard University in Cambridge, MA, USA.

Bevor sie 2006 zur Sciences Po kam, war sie als Research Fellow beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln beschäftigt. Sie habilitierte in Politikwissenschaft an der Universität Bremen (2013), hat einen bi-nationalen PhD der Sciences Po und der Universität Köln (2005) und erwarb ihren Master- und Bachelorabschluss in ‚International relations and political science‘ an der University of Chicago, USA.

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der internationalen politischen Ökonomie unter besonde­rer Berücksichtigung der Finanz- und Regulierungsstrukturen in der Europäischen Union und den USA. Prof. Woll veröffentlichte zwei Bücher zu „business government relations“: ‚Firm Interests: How Governments Shape Business Lobbying on Global Trade‘ (2008, Ithaca, NY/ Cornell University Press) und ‚The Power of Inaction: Bank Bailouts in comparison’ (2014, Ithaca, NY/ Cornell University Press).

Weiterhin ist sie Mitherausgeberin von zwei Sammelbänden: ‚Les usages de l’Europe: acteurs et transformations européennes‘ (mit Sophie Jacquot), 2004, Paris /L’Harmattan und ‚Economic Patriotism in Open Economies’ (mit Ben Clift), 2013, London /Routledge und hat über 20 Artikel in Fachzeitschriften publiziert.

Weitere Informationen unter: http://www.corneliawoll.org/

Die Inhaber der Alfred-Grosser-Gastprofessur seit 2009

2009/2010   
Prof. Dr. Alfred Grosser (Paris)
Bürgergesellschaft und Demokratie in Deutschland und Frankreich

2010/2011   
Prof. Dr. Saskia Sassen (New York)
Globale Migrationsphänomene

2011/2012   
Ratna Omidvar (Toronto)
Bürgergesellschaft und Migration

2012/2013   
Prof. Dr. Annette Zimmer (Münster)
Wandel der Zivilgesellschaft

2013/2014   
Prof. Dr. Thamy Poghrebinschi (Rio de Janeiro)
Direkte Demokratie – Projekte aus Südamerika

2014/2015   
Prof. Dr. Yves Sintomer (Paris)
Deliberative und partizipative Demokratie in Europa

2015/2016   
Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène (Rennes)
Sozialstaat und Legitimitätskrise demokratischer Gesellschaften

2016/2017   
Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix (Paris)
Demokratie und Nationalstaat in Frankreich und Deutschland

2017/2018   
Prof. Dr. Ulrike Guérot (Krems)
Ein Kompass für Europa. Frankfurter Lieux de Mémoires und europäische Horizonte

Für weitere Informationen und Bildmaterial, das wir Ihnen bei Interesse gerne kostenfrei zur Verfügung stellen, kontaktieren Sie bitte Miriam Mandryk, mandryk@sptg.de, 069-789889-40.

 

Okt 19 2018
10:00

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

FRANKFURT. Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine Schlüsselrolle. Biotechnologen der Goethe-Universität konnten jetzt aufklären, wie diese Enzyme untereinander wechselwirken. Damit kommen sie ihrem Ziel, maßgeschneiderte Peptid-Wirkstoffe zu synthetisieren, einen Schritt näher.

Viele wichtige Naturstoffe wie Antibiotika, Immunsuppressiva oder Mittel gegen Krebs stammen aus dem Stoffwechsel von Mikroorganismen. Diese Naturstoffe sind meistens kleine Eiweißmoleküle (Peptide), die in der Zelle mit Hilfe der NRPS-Enzyme wie in einer modernen Autofabrik entstehen: an jeder Station werden dem Grundgerüst weitere Teile zugefügt, bis am Ende das fertige Auto aus der Fabrik rollt. Im Fall der NRPS wird an jeder Station (genannt Modul) eine bestimmte Aminosäure eingebaut und prozessiert, so dass am Ende ketten-, ringförmige oder anders modifizierte Peptide entstehen, die auch ungewöhnliche Aminosäuren tragen können.

Sollen größere Peptide entstehen, kommen mehrere NRPS-Enzyme, also Fließbänder, nacheinander zum Einsatz. In welcher Reihenfolge dies geschieht, legen sogenannte Docking Domänen fest. Das sind kleine Bereiche am Ende des Fließbands, die wie Schlüssel und Schloss mit dem nächsten NRPS-Enzym in der Reihe zusammenpassen. Obwohl die grundlegenden Prinzipien dieser NRPS-Interaktion schon lange bekannt sind, war die Struktur der Docking-Domänen bisher nicht bekannt. Diese aufzuklären, ist den Arbeitsgruppen von Prof. Jens Wöhnert vom Institut für Molekulare Biowissenschaften und Prof. Helge Bode aus der Molekularen Biotechnologie an der Goethe-Universität nun gelungen.

„Wir konnten die Strukturen von einzelnen Docking Domänen und erstmals auch eines Docking Domänen Paars von NRPS bestimmen“, erläutert Carolin Hacker, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Jens Wöhnert. „So war es möglich, die Regeln für die Wechselwirkung der Docking-Domänen aufzuklären und diese so zu verändern, dass neue Naturstoffe gebildet werden“, fügt Xiaofeng Cai, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe von Helge Bode, hinzu.

„Unsere Arbeit steht erst am Anfang: Wir brauchen Strukturen weiterer und strukturell unterschiedlicher Docking-Domänen, um diese schließlich wie einen Baukasten zu verwenden. Unser Ziel ist es, verschiedene Biosynthesewege zu verknüpfen und so ganz neue Wirkstoffe herzustellen“, erklärt Wöhnert. „Die Natur war da sehr erfinderisch und es gibt offensichtlich viele unterschiedliche Möglichkeiten, diese komplexen Enzyme zur Zusammenarbeit zu überreden“, ergänzt Bode.

In beiden Arbeitsgruppen geht die Forschung auf diesem Gebiet also weiter. Erste Ergebnisse zu Strukturen weiterer Docking-Domänen sehen vielversprechend aus.

Publikation: Carolin Hacker, Xiaofeng Cai, Carsten Kegler, Lei Zhao, A. Katharina Weickhmann, Jan Philip Wurm, Helge B. Bode, Jens Wöhnert: Structure-based redesign of docking domain interactions modulates the product spectrum of a rhabdopeptide-synthesizing NRPS, Nature Communications, https://www.nature.com/ncomms/, DOI: 10.1038/s41467-018-06712-1

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74390329

Bildtext: 3D-Struktur eines NRPS Docking Domänen Paares. Die Docking-Domäne von NRPS B (grün) bindet über ein β-Faltblatt an die passende Docking-Domäne von NRPS C (magenta).

Information:
Prof. Dr. Jens Wöhnert, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-29785, woehnert@bio.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Helge B. Bode, Molekulare Biotechnologie, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.

 

Okt 18 2018
19:00

Die Freundesvereinigung der Goethe-Universität feiert ihr hundertjähriges Bestehen mit einem Festakt und macht der Universität Geschenke

100 Millionen Euro in 100 Jahren

FRANKFURT. Der liberale Geist einer dem Gemeinwohl verpflichteten Frankfurter Bürgerschaft hat zur Gründung der Goethe-Universität geführt. Dieselben Mäzene und Stifter sorgten 1918 mit der Vereinigung von Freunden und Förderern dafür, dass die junge Universität nach den verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs weitermachen und sich behaupten konnte. Seitdem fördern die Freunde Zukunft, indem sie die Universität jährlich mit umgerechnet einer Million Euro unterstützen. Vieles von dem, was heute den weltoffenen Geist der Goethe-Universität ausmacht, ist mit Mitteln der Freunde finanziert worden, etwa die Gründung des ersten Lehrstuhls für Soziologie in Deutschland, auf den Franz Oppenheimer berufen wurde, oder die 1959 eingerichtete Poetik-Vorlesung, die seinerzeit von Ingeborg Bachmann eröffnet wurde.

Auf den Tag genau hundert Jahre nach der Gründung laden die Freunde mit ihrem Vorsitzenden, dem früheren Fraport-Chef Professor Wilhelm Bender, wieder zum Feiern ein. Beim Festakt auf dem Campus Westend am 18. Oktober 2018 um 19 Uhr werden der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier anwesend sein, die Präsidentin der Goethe Universität Professor Birgitta Wolff, der Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Frankfurt Uwe Becker, der Vorsitzende der Geschäftsleitung und CEO von Merck Stefan Oschmann sowie tausend geladene Gäste. Die Festrede wird der einem breiten Publikum durch seine Bestseller und Fernsehsendungen bekannte Historiker Professor Christopher Clark aus Cambridge halten. Clark hat wie kein anderer die politischen Umbrüche vor und nach dem Ersten Weltkrieg untersucht, also der Gründungszeit von Goethe-Universität und Freundesvereinigung.

Die Freunde würden ihrer Berufung und ihrer Tradition nicht gerecht werden, wenn sie die Universität in ihrem Jubiläumsjahr nicht in besonderer Weise beschenken würden. Dazu haben sie neben der Millionensumme, die sie ohnehin jedes Jahr ausschütten, einen weiteren siebenstelligen Zusatzbetrag eingeworben. „Wir wollen damit zeigen, wie ernst es uns mit der Förderung von Zukunft ist“, sagt Professor Bender über die Ambitionen der Freunde. „Gerade in Zeiten von Fake News und Populismus brauchen wir kritisch denkende Menschen, die unsere Zukunft im Dienst des Fortschritts und der Humanität gestalten. Probleme der Gegenwart werden auch an Hochschulen gelöst – davon waren auch unsere Gründer zutiefst überzeugt.“

Welche Geschenke erhält die Goethe-Universität?

Die Freunde stiften mehrere Gastprofessuren für Zukunftsfragen. Angesehene Vertreter ihres Faches werden in Vorlesungen und Bürgerdialogen öffentlich Stellung beziehen. Eine Gastprofessur wird sich mit neuen onkologischen Therapien beschäftigen, eine mit der Volkskrankheit Arthrose und ihren Auswirkungen auf eine alternde Gesellschaft. Eine dritte Gastprofessur wird ausloten, warum Westeuropa nicht mehr die globale Deutungshoheit beanspruchen kann und was das bedeutet. Eine vierte Gastprofessur wird sich damit beschäftigen, dass unsere Welt heute politisch und ökonomisch besser dasteht als früher, auch wenn die tägliche Berichterstattung über Krisen und Kriege einen anderen Eindruck vermittelt.

Ein Geschenk erhält auch das neu gegründete Frankfurt Cancer Institute (FCI), das aus Mitteln der LOEWE Initiative finanziert wird und für das ein Neubau errichtet wird. Die Goethe-Universität stärkt damit ihre Position in der internationalen Krebsforschung. Die beiden Ehrensenatorinnen Renate von Metzler und Karin Giersch haben zusammen mit Stefan Quandt bei einem Benefizkonzert zum hundertjährigen Jubiläum rund 200.000 Euro gesammelt. Mit diesem Geldgeschenk soll ein Labor eingerichtet werden, das die komplexen immunologischen Veränderungen bei Krebs untersucht.

Die Freunde finanzieren auch Stiftertafeln mit den Namen der Gründer und engagierter Freunde und Förderer. Damit werden diejenigen geehrt, die in der Vergangenheit der Universität ihre heutige Bedeutung ermöglicht haben. Gleichzeitig sind Stiftertafeln ein Anreiz für alle, die sich in gleicher Weise engagieren wollen.

Über den siebenstelligen Zusatzbetrag können zudem viele zusätzliche Projektanträge bewilligt werden. „Die Freunde sind für die Goethe-Universität eine unverzichtbare Brücke in die Frankfurter Stadtgesellschaft und die Rhein-Main-Region. Sie sind unsere Botschafter, Stifter und Ratgeber. Mit ihrem unermüdlichen Engagement haben sie einen wichtigen Anteil am Erfolg der Goethe-Universität in Wissenschaft und Gesellschaft“, sagt Universitätspräsidentin Wolff. „Wie es so schön im Leitspruch der Freunde heißt: Sie fördern Zukunft seit 100 Jahren. Und gemeinsam mit Ihnen sehen wir der Zukunft optimistisch entgegen.“

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gratuliert. „Das Jubiläum ist ein Anlass, um an die Menschen zu erinnern, die vor 100 Jahren – nach den Wirren des Ersten Weltkriegs – die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt gegründet haben. Dieser beispielhafte Einsatz für den Wissenschaftsstandort Frankfurt trug entscheidend zur Wiederbelebung der Goethe-Universität nach dem Weltenbrand der Jahre 1914 bis 1918 bei“, so der Ministerpräsident. „Mit viel Leidenschaft und Engagement gingen diese Frankfurter Bürger zu Werke – und das zeichnet die Mitglieder der Freundesvereinigung auch heute noch aus. Sie sind ein Bindeglied zwischen der Universität und den Menschen in der Stadt und der Region. Für ihren Einsatz für Forschung und Lehre gebührt ihnen großer Dank und Anerkennung“.

Weil man nie genug Freunde haben kann, setzen sich Bender und die stellvertretende Vorsitzende der Freundesvereinigung Julia Heraeus-Rinnert mit Nachdruck für die Gewinnung neuer Mitglieder ein. Mit 1600 Freunden gehört die Vereinigung zwar zu den Größten ihrer Art, aber viele Aufgaben warten noch. Deshalb ist jedes neue Mitglied willkommen. Einfache Mitglieder zahlen 70 Euro im Jahr, Förderer 200 Euro und Donatoren 500 Euro. Darüber hinaus ist jede weitere Summe willkommen

„Die Goethe-Universität und die Freundesvereinigung wurden im Geist der Paulskirche und mit dem Selbstbewusstsein einer ehemaligen freien Reichsstadt gegründet“, sagt Professor Bender „Die Frankfurter Stadtgesellschaft hat sich stets dem Gemeinwohl verpflichtet gefühlt und anstehende Aufgaben selbst in die Hand genommen. Darauf sind wir stolz und in diesem Geist möchten wir die Zukunft gestalten.“

Fotos zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74358960

Bildtext:
Professor Wilhelm Bender, Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, ©Kirsten Bucher
Julia Heraeus-Rinnert, Stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, ©Uwe Dettmar

Kontakt: Nike von Wersebe, Geschäftsführerin der Freundesvereinigung, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 -798 12234, E-Mail: wersebe@vff.uni-frankfurt.de

 

Okt 18 2018
16:51

Cornelia Goethe Colloquien im Wintersemester zu „100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung“

Feministische Erinnerungskulturen

FRANKFURT. Was wird erinnert – und vor allem, wie? Dieser Frage gehen die Cornelia Goethe Colloquien im aktuellen Wintersemester nach. Anlass dazu bieten gleich zwei Jubiläen: Titel der Reihe ist denn auch: „100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung“. Den Auftakt macht der Vortrag „Was Objekte erzählen. Die Ausstellung ‚Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht‘ im Historischen Museum Frankfurt“

am Mittwoch, 24.10., um 18 Uhr im Vortragssaal des Historischen Museums

von Dorothee Linnemann. Die Historikerin und Ausstellungskuratorin wird mit ihrem Team anwesend sein, bestehend aus Jenny Jung, wissenschaftliche Volontärin, und Katja Koblitz, Historikerin und Kuratorin mit den Schwerpunkten Frauen- und Geschlechterforschung in Berlin.

Historische Ereignisse werden anlässlich ihrer „runden“ Wiederkehr gefeiert. Häufig gibt das Gedenken traditionelle Ansichten und Perspektiven weiter. Feministische „Memory Studies“ nehmen überlieferte Daten und Fakten kritisch in den Blick und fragen nach Ein- und Ausschlüssen, nach feministischen Erinnerungskulturen und nach Spuren „anderer“ Geschichten.

Im Rahmen der Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) präsentieren Forscherinnen aus dem In- und Ausland ihre Analysen zu Stimmrechtsbewegungen um 1900 und zu Impulsen der antiautoritären autonomen Frauenbewegung. Mit dabei sind renommierte Historikerinnen wie Dagmar Herzog und Angelika Schaser sowie Politik- und Sozialwissenschaftlerinnen wie Ute Gerhard, Ilse Lenz und Christiane Leidinger, aber eben auch die Ausstellungsmacherinnen des Historischen Museums, Dorothee Linnemann und ihr Team.

Das aktuelle Cornelia Goethe Colloquium ist eingebettet in ein umfangreiches Programm verschiedener Frankfurter Organisationen und Initiativen. Kooperationspartner sind u.a. das Historische Museum, das bis 20. Januar 2019 die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ zeigt, und das Frauenreferat der Stadt Frankfurt mit der Tagung „Feministische Generationendialoge“ vom 22. bis 24. November. 

Bei der Beschäftigung mit dem Erinnern steht jedoch auch die Frage nach dem Hier und Jetzt zur Diskussion. Die Reihe möchte Erinnern - nicht, um Siege zu feiern, sondern um herauszufinden, was alte und neue feministische Bewegungen herausfordert und zusammenhält. Die Cornelia Goethe Colloquien bieten die Gelegenheit, sich mit aktuellen Themen der Geschlechterforschung auseinanderzusetzen und renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dieses innovativen Forschungsfeldes zu begegnen. Die interdisziplinäre Vortragsreihe lädt auch die interessierte Öffentlichkeit herzlich zum Mitdiskutieren ein.

14.11.2018
Christiane Leidinger: Feministisch bewegte Geschichte, Debatten und Politik von Lesben
18-20 Uhr c.t., Historisches Museum

22.11.2018 (Achtung Donnerstag!)
Auftaktveranstaltung zur Tagung Feministische Generationendialoge
18-22 Uhr s.t., Historisches Museum
Weitere Informationen zur Kooperationstagung unter: http://frauen-macht-politik-ffm.de/feministische-generationendialoge/

05.12.2018
Ute Gerhard: Zwischen Recht und Gewalt – die Internationale Frauenstimmrechtsbewegung nach 1900 und wie wir sie erinnern
18-20 Uhr c.t., Historisches Museum

12.12.2018
Dagmar Herzog: Feminismen und Sexualpolitik. Die #metoo-Bewegung und ihre Kritiker*innen
18-20 Uhr c.t., Campus Westend, Casino 1.801

16.01.2019
Ilse Lenz: Intersektionalität in den Neuen Frauenbewegungen: Ambivalenzen und Konsequenzen
18-20 Uhr c.t, Campus Westend, PEG Raum 1.G191

06.02.2019
Angelika Schaser: Ein Wunder wird Wirklichkeit: Zur Einführung des Frauenwahlrechts 1918/19
18-20 Uhr c.t., Historisches Museum

Jeweils mittwochs von 18-20 Uhr c.t.; Ausnahme: Donnerstag, 22.11.2018 18:00 bis 22:00 Uhr

Information: Franziska Vaessen, Cornelia Goethe Centrum, vaessen@em.uni-frankfurt.de; Näheres zum Programm: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/en/news-and-events/cornelia-goethe-colloquien/; http://frauen-macht-politik-ffm.de/feministische-generationendialoge/

 

Okt 18 2018
12:23

Öffentliche Vortragsreihe der Goethe-Universität im Rahmen der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik

FRANKFURT. Zweckrationales Gewinnstreben auf der einen, zweckfreier Genuss gepaart mit kritischer Reflexion auf der andern: Wirtschaft und Kunst, Ökonomie und Ästhetik scheinen in einem unüberwindlichen Gegensatz zu stehen. Was aber, wenn Kunst nicht nur Kritik an der Ökonomisierung der Lebenswelt übt oder als Kompensation für den Stress des Wirtschaftslebens dient, sondern selbst von ökonomischer Logik durchdrungen ist, ja sogar zur ökonomischen Entwicklung beiträgt? Diesen Fragen geht die interdisziplinäre Vortragsreihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG, nach. Namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften denken in sieben öffentlichen Vorträgen im Museum Angewandte Kunst das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu.

Den Auftakt der Reihe bildet der Vortrag „Verwickelte Wertschöpfung. Waren und Werke zwischen Ästhetisierung und Ökonomisierung“ des Ökonomen und Soziologen Prof. Michael Hutter

am 24. Oktober (Mittwoch) um 18 Uhr im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt.

Moderiert wird die Veranstaltung von Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität.

In Kunstspielen folgen die Mitspieler anderen Regeln und setzen ein anderes Wertmedium ein als sie das in Wirtschaftsspielen tun. Die jeweils geschaffenen Werte sind aber voneinander abhängig, sie verhindern und ermöglichen sich gegenseitig. Die gegenwärtige Ästhetisierung von Waren und die Ökonomisierung von Kunstwerken liefern Beispiele für die zunehmend komplexere, jedoch ressourcenschonende Verwicklung der beiden Wertschöpfungsprozesse.

Hutter ist Professor Emeritus am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Nach Studium in Portland, Seattle und München hielt er von 1987–2007 den Lehrstuhl für „Theorie der Wirtschaft und ihrer gesellschaftlichen Umwelt“ an der Universität Witten/Herdecke. Von 2008–2014 war er Direktor der Abteilung „Kulturelle Quellen von Neuheit“ am WZB, sowie Forschungsprofessor für Wissen und Innovation am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin. Jüngere Buchveröffentlichungen sind „Ernste Spiele. Geschichten vom Aufstieg des ästhetischen Kapitalismus“ (2015), und (als Mitherausgeber) „Innovationsgesellschaft heute. Perspektiven, Felder und Fälle“ (2016).

Verstehen Philosophie und Kulturtheorie Kunst und Kultur in der Regel als Korrektiv oder Kompensation des Kapitalismus oder als Kritik der lebensweltlichen Verluste, welche die zunehmende Ökonomisierung der Lebensverhältnisse mit sich bringt, so schlägt die Vorlesungsreihe „Kunst als Wertschöpfung“ vor diesem Hintergrund einen anderen Weg ein. Sie stellt die Geschichte der Kunst in den Horizont einer Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung und geht davon aus, dass die Kunst in der Moderne sich auch und gerade unter dem Gesichtspunkt von Wagnis, Wettbewerb und Wertschöpfung verstehen lässt.

Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien.

Termine und Themen im Überblick:

7. November 2018
Prof. Monika Dommann
Kunst im Lager
Zur Logistik von Exterritorialität
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

21. November 2018
Prof. Bénédicte Savoy
Unsere Museen
ein übermäßiges und damit unbrauchbares Kapital?
Moderation: Prof. Vinzenz Hediger, Goethe-Universität

5. Dezember 2018
Prof. Elena Esposito
Die Realität der Fiktion
Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft
(Vortrag in englischer Sprache mit dt. Übersetzung)
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

19. Dezember 2018
Prof. Moritz Baßler
Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums 
Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

23. Januar 2018
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2018
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 17 2018
12:01

Gebäude der 3. Ausbaustufe entsteht am nordöstlichen Rand des Campus Westend

Spatenstich für den Neubau der Sprach- und Kulturwissenschaften der Goethe-Universität

FRANKFURT. Der Campus Westend der Goethe-Universität erhält einen Neubau, der den Umzug der letzten noch auf dem Campus Bockenheim verbliebenen geisteswissenschaftlichen Fächer auf den Hauptcampus ermöglicht. Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein, Staatssekretär Dr. Martin J. Worms, Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff und der Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen Thomas Platte setzten heute gemeinsam den ersten Spatenstich des Bauprojektes am nordöstlichen Rand des Campus im Stadtteil Westend-Nord. Die Gesamtbaukosten des Projekts liegen bei ca. 102 Millionen Euro.

„Mit dem Neubau führen wir den Ausbau des Campus Westend fort und treiben so die Standortneuordnung und -entwicklung der Goethe-Universität tatkräftig voran“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein. „Die Investition in Höhe von 102 Millionen Euro aus dem Hochschulbauprogramm HEUREKA und dem Programm Hochschulpakt 2020-Invest Phase III ermöglicht den Bau eines modernen Gebäudes, das den Campus bereichert und in dem der Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften seine Institute vereinen kann. Das schafft kurze Wege und noch intensiveren Austausch. Mit dem Hochschulbauinvestitionsprogramm HEUREKA fördern wir die Modernisierung und den Ausbau der baulichen Infrastruktur mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2026. Der Bauboom, den unser Programm an den Hochschulen ausgelöst hat, zeigt sich auch ganz deutlich an der Goethe-Universität: Auf dem Campus Riedberg werden die Chemischen Institute neu aufgebaut. Mit der Planung eines ersten Bauabschnitts für die Chemie wird nun begonnen. Für den Fachbereich Informatik und Mathematik, der sich noch auf dem Campus in Bockenheim befindet und auf den Campus Riedberg umziehen wird, wird Mitte November 2018 über die Entwürfe des Architektenwettbewerbs entschieden. Die Goethe-Universität bleibt also in Bewegung“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein abschließend.

„Unser Fachbereich ‚Sprach- und Kulturwissenschaften‘ ist in Forschung und Lehre so eng und weiter zunehmend mit den anderen geisteswissenschaftlichen Fachbereichen verbunden, dass es höchste Zeit wird, auch die räumliche Nähe wieder herzustellen. Dadurch werden auch für Studierende Wege verkürzt. Der Spatenstich ist ein schöner symbolischer Ausdruck für die nun konkret werdende Erwartung, auch wieder räumlich auf engste verbunden und vernetzt zu sein. Darauf freuen wir uns sehr!“, betonte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff beim Spatenstich.

Im Neubau werden Institute des Fachbereichs 09 der Sprach- und Kulturwissenschaften (u.a. Kunstgeschichte, Kunstpädagogik, Musikwissenschaften, außereuropäische Sprachen, Empirische Sprachwissenschaften) und das Dekanat untergebracht sein. Die im Augenblick noch über den Campus Bockenheim verteilten Bestände des Fachbereichs werden in einer zu einem Studienzentrum weiterentwickelten Bereichsbibliothek zusammengeführt. Darüber hinaus wird das Gebäude auch zentralen Einrichtungen der Universität (Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Philosophische Promotionskommission, Teile des Hochschulrechenzentrums etc.) und des Studentenwerkes Platz bieten; ferner sind auch eine Cafeteria, ein teilbarer Hörsaal für 700 Personen sowie eine Tiefgarage vorgesehen.

Zu den Besonderheiten des Gebäudes von BLK2 Böge Lindner K2 Architekten PartG mbH Hamburg gehört eine zweischichtige Außenfassade aus Naturstein in zwei Farbtönen. Die gesamte Nutzfläche des Gebäudes beläuft sich auf 20.216 Quadratmeter, das Baugrundstück hat eine Größe von 11.342 Quadratmeter. Finanziert wird der Neubau im Rahmen des HEUREKA-Hochschul-Investitionsprogramm und des von Land und Bund gemeinsam aufgelegten „Hochschulpakt-2020-Investitionsprogramms“. Die Fertigstellung des Gebäudes wird voraussichtlich August 2021 erfolgen, der Einzug Ende 2021.

Zum 3. Bauabschnitt des Campus Westend gehört ebenfalls neben dem bereits realisierten Seminarhaus auch der Neubau des Studierendenhauses. Im Rahmen der Standortneuordnung und –entwicklung verlässt die Goethe-Universität fast vollständig ihren historischen Gründungsstandort in Bockenheim. An dessen Stelle wird der so genannte „Kulturcampus“ errichtet. Der Neubau auf dem Campus Westend macht die Aufgabe des Juridicums, der Neuen Mensa und der Kunstpädagogik möglich.

Kontakt: Julian Artner, Baubeauftragter Standortneuordnung und –entwicklung. Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798 17252; artner@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 17 2018
10:43

Führung zum Thema „Moose und Farne“ im Wissenschaftsgarten. 19. Oktober, 16 Uhr

Wenig beachtet, oft dominant in der Vegetationsdecke

FRANKFURT. Dort, wo mildes und dauerfeuchtes Klima herrscht, sind Moose und Farne oft dominante Elemente der Vegetationsdecke. Durch den verborgenen Lebenszyklus und ihre auf den ersten Blick nicht auffälligen Merkmale werden sie oft von Pflanzeninteressierten weniger beachtet. Die Führung „Moose und Farne“ im Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität auf dem Campus Riedberg soll den Blick für diese Pflanzengruppen schärfen. Dr. Ralph Mangelsdorff, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Ökologie, Diversität und Evolution, wird aus den Beständen der Gewächshäuser Vertreter dieser Gruppen vorstellen und ihre Ökologie erläutern.

Treffpunkt ist um 16.00 Uhr am Eingang Wissenschaftsgarten, Altenhöfer Allee 1f. Die Führung dauert voraussichtlich 90 Minuten.

Kontakt: Prof. Georg Zizka, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-42176, Georg.Zizka@senckenberg.de

 

Okt 15 2018
15:18

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 23. Oktober 2018 im Klingspor Museum

Vortrag: Dekoloniale Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit

FRANKFURT/OFFENBACH. Kinderrechte sind Menschenrechte. Und wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948 sieht sich auch das seit 1990 geltende Übereinkommen über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen mit dem Vorwurf konfrontiert, westliche Sichtweisen und Wertvorstellungen als alleingültig vorauszusetzen. Wie sich dieses Spannungsfeld auch bei der Entwicklungszusammenarbeit zeigt und vielleicht lösen lässt, gehört zum Thema der kommenden „Goethe Lecture Offenbach“. Die Ethnologin Franziska Fay spricht über

„Kinderrechte und Kritik: Dekoloniale Perspektiven auf ein Feld der Entwicklungszusammenarbeit“ am Dienstag, dem 23. Oktober 2018, um 19.00 Uhr im Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main.

Die UN-Kinderrechtskonvention hat sich seit ihrem Inkrafttreten zur Grundlage zahlreicher Interventionen im Bereich des Kinderschutzes entwickelt. Dieser normative Rahmen wird in den Empfängerländern von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit oft kritisch betrachtet, weil sein Ansatz als wertend und exklusiv gegenüber differierenden Moralvorstellungen und Richtlinien verstandenen wird. Wie wichtig es ist, lokale Kritiken von Programmen, die auf die Verbesserung von Lebensumständen in ‚nicht-westlichen‘ Gesellschaften abzielen, ernst zu nehmen, um dekoloniale Denkweisen auch im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit zu fördern, zeigt Franziska Fay am Beispiel von Kinderschutzprogrammen in Sansibar, Tansania.

Dr. Franziska Fay promovierte in Sozialanthropologie (Ethnologie) an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London. Zuvor studierte sie Ethnographische Forschungsmethoden, Afrikanische Sprachwissenschaften (Swahili), Erziehungswissenschaften und Kulturanthropologie an der SOAS, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der State University of Zanzibar. Nach ihrer Promotionsforschung zu Kinderschutz und Körperstrafe in sansibarischen Qur’an- und Grundschulen arbeitet sie nun zu Reformbewegungen im islamischen Bildungswesen in Sansibar. Seit November 2017 ist sie Postdoktorandin am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normative Ordnungen“.

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor Museum und auch der Gesamtreihe „Goethe Lectures Offenbach“ sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Die „Goethe Lectures Offenbach“ im Internet: www.normativeorders.net/glo

Informationen:
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

 

Okt 12 2018
15:12

Studierende der Erziehungwissenschaften laden zur Ringvorlesung

„Bildung für nachhaltige Entwicklung“

FRANKFURT. Der Aufruf, nachhaltiger zu wirtschaften und zu konsumieren, begegnet uns täglich in den Medien. Angesichts knapper werdender Ressourcen und zunehmender Umweltbelastung sollte der Nachhaltigkeitsgedanke auch an den Schulen eine zentrale Rolle spielen. Mit dem Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) befasst sich eine Ringvorlesung im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität.

Den Auftakt macht ein Vortrag von Dr. Helge Kminek von der Goethe-Universität

am Montag, 15. Oktober, um 18 Uhr 
HZ 4 Hörsaalzentrum Campus Westend.

Kminek spricht über die spezifischen Problemstellungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Er ist Dozent am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität und Mitorganisator der Ringvorlesung.

Globale Herausforderungen gibt es genug: Die Folgen der globalen Erwärmung, die Verknappung natürlicher Rohstoffe, der Verlust an Biodiversität sind ein dringender Anlass für gesellschaftliche Diskussionen und die Suche nach Lösungen. Hinzu kommen die weltweite Armut, die Einschränkung politischer Rechte und ziviler Freiheiten in vielen Teilen der Welt, Kriege und Bedrohung durch Terrorismus sowie Risiken im Bereich der Finanzsysteme. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ nimmt die unterschiedlichsten Konzepte und Theorien in den Fokus. Studierende der Goethe-Universität haben hierzu eigens eine Ringvorlesung organisiert „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit Fachvorträgen aus den Gesellschafts-, Bildungs- und Naturwissenschaften, die in einer abschließenden Podiumsdiskussion kritisch beleuchtet werden.

Die Ringvorlesung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ findet jeweils montags von 18 bis 20 Uhr im HZ 4 im Hörsaalzentrum am Campus Westend der Goethe-Universität statt. Die Organisation liegt in Händen von Franziska Bank, Leon Fuchs (Lehramtsstudierende) und Dr. Helge Kminek. Die Veranstaltung ist mit der Angebotsnummer 01893707 für Lehrer und Lehrerinnen im Schuldienst als Fortbildung akkreditiert.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

22.10.
All you need is less – Aufbruch in die Postwachstumsökonomie
Apl. Prof. Dr. Niko Paech, Universität Siegen/Oldenburg

29.10.
Gefahren für eine nachhaltige Entwicklung der weltweiten Wasserressourcen und wie wir diesen Gefahren begegnen können
Prof. Dr. Petra Döll, Goethe-Universität Frankfurt 

5.11.
Mit Vollgas in die Heißzeit? Risiken, Konsequenzen und möglich Maßnahmen
Prof. Dr. Manfred Stock, Institute for Climate Impact Research, Potsdam

12.11.
Education for Sustainable Development (ESO): The turn away from ‘environment’ in environmental education?
Dr. Helen Kopnina, The Hague University of Applied Science (HHS)/Niederlanden

19.11.
Purpose Led Innovation sichert den Geschäftserfolg der SAP /Nachhaltigkeit durch Digitalisierung
Dr. Will Ritzrau, SAP

26.11.
Plastic Diary – No Waste, DIY und andere Ideen auf dem Weg zur Postwachstumsökonomie
Andreas Arnold, Blogger

10.12.
Substantiating Epistemic Justice through an Ethical Approach to Development
Siseko H. Kumalo, Universtiy of Pretoria / Südafrika

17.12.
Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals
Prof. Dr. Marco Rieckmann, Universität Vechta

14.1.
Bildung für nachhaltige Entwicklung als Aspekt des mehrperspektivischen Sachunterrichts in der Grundschule
Prof. Dr. Ilonca Hardy, Goethe-Universität

21.1.
Was sollen Schüler*innen im Lernbereich Globale Entwicklung lernen? Empirische und theoretische Perspektiven auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen in der Sekundarstufe
Prof. Dr. Barbara Asbrand, Goethe-Universität

28.1.
Bildungsangebote für BNE in der Praxis der Frankfurter Schullandschaft
Umweltlernen Frankfurt e.V.

4.2.
SDGs und Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland
Dipl.-Geogr. Riccarda Retsch, Rat für Nachhaltige Entwicklung

11.2.
Podiumsdiskussion: Welche Grenzen, Chancen und Perspektiven hat eine Bildung für nachhaltige Entwicklung?
Auf dem Podium: Franziska Bank, Lehramtsstudentin Goethe-Universität, Silke Bell, Hessischees Kultursministerum, Prof. Dr. Tim Engartner, Goethe-Universität, ABL Direktorium, Dr. Steffen Hamborg, Universität Oldenburg, Dr. Mark Lenz, GEOMAR, Kiel

Information: Dr. Helge Kminek, kminek@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 11 2018
14:00

Der Masterstudiengang Umweltwissenschaften ist auch dank seines fächerübergreifenden Profils sehr gefragt. Porträt im aktuellen UniReport

Allrounder mit Knowhow für Umweltschutz

Rekordhitze und -trockenheit in Deutschland, das Dieselfahrverbot zur Verbesserung der Luftqualität, Rückstände von Antibiotika in Gewässern – an offenen Themen mangelt es den Umweltwissenschaften wirklich nicht. Die Goethe-Universität bietet daher einen interdisziplinären Masterstudiengang an, der zu 70 Prozent Naturwissenschaftler anzieht, aber auch Bachelor aus den Sozial- sowie Ingenieurswissenschaften. Das Porträt in der neuen Ausgabe des UniReport zum Semesterstart stellt die Besonderheit des Studienganges vor.

Bei der Beobachtung, Messung und Auswertung von Vorgängen in der Biosphäre, Geosphäre, Hydrosphäre und Atmosphäre wird der Fokus auch auf die Beeinflussung durch den Menschen der Fokus gerichtet. Daher tragen die Gesellschaftswissenschaften sowie das außeruniversitäre Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zum Lehrangebot bei. Sorgen um spätere Beschäftigungsmöglichkeiten muss sich wohl einer der Studierenden machen, denn Umweltwissenschaftler sind gefragt – das fächerübergreifende Profil eröffnet vielfältige Berufsperspektiven.

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • Die UB ist überall: Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg im Porträt.
  • „Es ist wichtig, den derzeitigen nationalen Abgrenzungstendenzen etwas entgegenzusetzen“: Uni-Vizepräsident Rolf van Dick spricht im Interview mit dem UniReport unter anderem über die Bedeutung von universitären Partnerschaften in Zeiten politischer Instabilitäten.
  • Schneller von der Forschung profitieren: Am neuen Frankfurt Cancer Institute soll die Zeitspanne von der Krebsforschung zur -therapie verkürzt werden.
  • Philosophie ist immer auch Literatur: Der Philosoph Prof. Martin Seel hat über das „Nichtrechthabenwollen“ ein gleichermaßen unmögliches wie lehrreich-unterhaltendes Buch geschrieben.
  • Schwer vermittelbar? Eine Jobmesse für Studierende der Geistes-und Sozialwissenschaften auf dem Campus Westend.
  • KURSWECHSEL-Konferenz: Karrierewege für Doktorandinnen und Postdoktorandinnen außerhalb der Universität.
  • Allrounder mit Knowhow für Umweltschutz: Der Masterstudiengang Umweltwissenschaften vermittelt fachübergreifend Wissen über die Einflüsse von Natur und Mensch auf Ökosysteme.
  • Gerichtstag halten über uns selbst“: Ein Gedenkakt und eine interdisziplinäre Tagung beschäftigten sich mit dem Wirken des ehemaligen hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer.
  • Politik nicht den Politikern überlassen: Der regierungskritische Wissenschaftler und Publizist Dr. Miguel Angel Latouche ist zu Gast an der Goethe-Universität.
  • Ein Ding, ein Raum: Die Ausstellung „»Faszination der Dinge“ im Museum Giersch der Goethe-Universität befindet sich gerade in Vorbereitung.
  • Schatzkiste voller Daten: Ergebnisse der zweiten universitätsweiten Studierendenbefragung liegen vor.
  • Stimme für die Frauen: Ein Projekt der Frankfurter Judaistin Rebekka Voß macht auf das Leben und Wirken von Bertha Pappenheim aufmerksam
  • Starke Frauen in Bangladesch: Mit ihrer ausgezeichneten Dissertation weist Elisabeth Fink Wege aus der prekären Situation der Textilarbeiterinnen.
  • Geschichte mit Geflüchteten: Ein geschichtsdidaktisches Projekt in Frankfurt.

Der UniReport 5/2018 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://tinygu.de/UniReport-5-2018

 

Okt 10 2018
16:46

Frankfurter Wissenschaftsrunde kritisiert Entscheidung des Vatikans, Wiederwahl des Rektors der Hochschule St. Georgen zu verhindern

Ist die Erde eine Scheibe?

FRANKFURT. Die Frankfurter Wissenschaftsrunde teilt das Befremden der Katholisch-Theologischen Wissenschaftler der Goethe-Uni. Diese haben in einer Stellungnahme mit Empörung auf die Verweigerung des „Nihil obstat“ zur Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Philosophisch-Theolo­gischen Hochschule St. Georgen reagiert. Die Wissenschaftsrunde erwartet, dass die Entscheidung des Vatikans korrigiert wird.

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, stellt fest: „Manchmal entsteht der Eindruck, im Rom gäbe es doch noch Leute, die glauben, die Erde sei eine Scheibe“. Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences, führt weiter aus: „Mit diesem Verhalten schädigt die katholische Kirche ihrem Ansehen; damit verliert sie auch den Anschluss an die vielfältige Gesellschaft, in der wir leben. Wir sind entsetzt, dass in die Freiheit einer Frankfurter Wissenschaftsinstitution eingegriffen wird.“

Prof. Dr. Niels Stieglitz, Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School of Finance & Management, betont: „Der Fall zeigt einmal mehr, dass Religion nicht in die Freiheit der Wissenschaft eingreifen darf.“

Prof. Dr. Eva Schwinghammer, Präsidentin der Provadis School of International Management and Technology AG, unterstreicht: „Die Freiheit der Gedanken, auch der schriftlich verfassten, ist unantastbar und darf nicht sanktioniert werden.“

Stellungnahme der Katholischen Theologie der Goethe-Universität: http://tinygu.de/stellungnahme-kath-theologie

Die Frankfurter Wissenschaftsrunde ist ein informeller Zusammenschluss aller wissenschaftlichen Institutionen, die in Frankfurt oder im allernächsten Umfeld beheimatet sind. An den ersten Zusammenkünften beteiligten sich neben der Frankfurt University of Applied Sciences, der Goethe-Universität sowie der Frankfurt School of Finance and Management die Leitungen folgender Institutionen: Deutsches Archäologisches Institut – Römisch-Germanische Kommission, Stiftung Georg-Speyer-Haus – Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Freies Deutsches Hochstift –Frankfurter Goethe Museum, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Paul-Ehrlich-Institut, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frobenius Institut an der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für sozial-ökologische Forschung, Dechema Forschungsinstitut, Provadis School of International Management & Technology, Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte, FOM Hochschule für Ökonomie & Management, Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt Institute for Advanced Studies – FIAS, Zoo Frankfurt, Max-Planck-Institut für Hirnforschung. Inzwischen sind auch die folgenden Einrichtungen Mitglieder der Frankfurter Wissenschaftsrunde: Hessische Berufsakademie, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, International School of Management, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Fritz-Bauer-Institut – Geschichte und Wirkung des Holocaust, Institut für Sozialforschung, Max-Planck-Institut für Biophysik, Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.

Kontakt 
Goethe-Universität, Hochschulleitung, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Telefon: (069) 798-11101, E-Mail: praesidentin@uni-frankfurt.de, Frankfurt University of Applied Sciences, Hochschulleitung, Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Telefon: (069) 1533-2415, E-Mail: praesident@fra-uas.de

 

Okt 10 2018
16:43

Fachbereich Katholische Theologie fordert Respekt für die Freiheit theologischer Wissenschaft

Solidarität mit Rektor Wucherpfennig

FRANKFURT. Der Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität hat die Verweigerung des „Nihil obstat“ für die Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Hochschule St. Georgen durch den Vatikan scharf verurteilt. In einer Stellungnahme haben Vertreterinnen und Vertreter des Faches ihre Empörung zum Ausdruck gebracht. Sie sehen darin einen „Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung.“ Sie fordern die Verantwortlichen auf, „ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren“.

Stellungnahme des Fachbereichs Katholische Theologie der Goethe-Universität

„Mit Empörung reagieren wir auf die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ zur Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Philosophisch-Theolo­gischen Hochschule St. Georgen. Der Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität verurteilt diese Verweigerung durch den Vatikan entschieden. Wir sehen darin einen Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung. Wir möchten alle Kolle­gin­nen und Kollegen der katho­li­schen Theologie motivieren, diesem Skandal mit Ent­schie­denheit entgegen zu treten. Die für die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ Verantwort­li­chen fordern wir dringend auf, ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren.

Wir, die Professoren des Fachbereichs Katholische Theologie, haben über viele Jahre Pater Wucherpfennig als einen in fachlicher wie menschlicher Hinsicht herausragenden und vorbildlichen Kollegen erlebt. Als langjähriger Rektor der Hochschule St. Georgen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Kooperation in Forschung und Lehre zwischen der Hochschule und dem Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität in den letzten Jahren erfolgreich ausgebaut und vertieft werden konnte. Pater Wucherpfennig ist maßgeblich für die vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre verantwortlich, in der sich Lehrende und Studierende der beiden Standorte der katholischen Theologie in Frankfurt begegnen.

Es macht uns fassungslos, dass ausgerechnet in Zeiten, in der die katholische Kirche durch die skandalösen Fälle massenhaften sexuellen Missbrauchs in der Öffentlichkeit und in den Ge­mein­den so viel Vertrauen verspielt hat, die von seelsorgerlicher Verantwortung getragenen Stellungnahmen von Professor Wucher­pfennig zur biblischen Bewertung von Homosexualität zensiert und abgestraft werden. Hier wird die Kompetenz eines renom­mierten Theologen und Hochschulleiters aus durchsichtigen kirchen­politi­schen Motiven in Misskredit gebracht.

Wir unterstützen ausdrücklich die Stellungnahme des Bischofs von Limburg Georg Bätzing, der sich eindeutig hinter Pater Wucherpfennig stellt. Wir sehen darin eine große Ermutigung und Wertschätzung selbständiger und freier akademischer Forschung innerhalb der katholi­schen Theologie. Wir erklären uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, die von diesem verstörenden Vorgehen betroffen sind, besonders aber mit dem von uns sehr geschätzten Kollegen Ansgar Wucherpfennig, mit dem wir uns verbunden fühlen.“

 

Okt 10 2018
13:32

Zum Unistart auf dem Campus Westend werden knapp 10.000 Erstsemester erwartet

Goethe-Universität begrüßt neue Studierende

FRANKFURT. Tausende von Studierenden werden am Donnerstag an der zentralen Erstsemesterveranstaltung der Goethe-Universität teilnehmen. Zum Wintersemester 2018/19 wird die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester bei knapp 10.000 liegen, die Gesamtstudierendenzahl wird die Marke von 48.000 voraussichtlich überschreiten.

Begrüßt werden die neuen Studierenden auf der unistart-Messe im Hörsaalzentrum auch von Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff: „Wir heißen alle ‚Erstis‘ an der Goethe-Universität herzlich willkommen! Mit dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und zwar an einer der größten deutschen Universitäten“, unterstreicht Birgitta Wolff, und gibt den neuen Studierenden gleich eine Empfehlung mit: „Seien Sie neugierig, erobern Sie den Campus, schnuppern Sie auch mal in Veranstaltungen hinein, die nicht zwingend auf Ihrer Agenda stehen.“ Die Goethe-Universität sei ein wichtiger Teil der faszinierenden Metropole Frankfurt, die ein großes Kultur- und Freizeitangebot biete.

Wie der Start ins Studium gelingt? – Der Frage stellen sich Birgitta Wolff, Stadtrat Claus Möbius, Kyra Beninga und Juri Ghofrani vom AStA sowie Vertreterinnen und Vertreter der Fachschaften ausführlich in einer Gesprächsrunde im Rahmen der zentralen Begrüßungsveranstaltung ab 14 Uhr im Audimax des Campus Westend.

Auf dem Markt der Möglichkeiten können sich die neuen Studierenden über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität informieren: So präsentieren sich auf der Messe unter anderem das Studierenden-Service-Center (SSC), der Hochschulsport, das International Office und zahlreiche studentische Initiativen. 

Medienvertreter sind herzlich zur Semestereröffnung eingeladen.  

Programm der unistart-Messe, 11. Oktober 2018
13.00 bis 17.00 Uhr: Messe im Hörsaalzentrum, Campus Westend
Ab 13.00 Uhr: Verschiedene Vorträge und Präsentationen (u.a. Hochschulrechenzentrum, Deutschlandstipendium, Career Center)
14.00 Uhr: Zentrale Begrüßung im Audimax durch Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, Stadtrat Claus Möbius (Frankfurt am Main), AStA-Vorstand und Fachschaftsvertreterinnen und -vertreter.
Ab 21.00 Uhr: Große unistart-Party

Weitere Informationen unter www.uni-frankfurt.de/48370161/unistart-frankfurt

 

Okt 9 2018
12:36

Frankfurter Forschergruppe untersucht die Bedingungen produktiver Konflikte im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Institutsneugründung

„Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ unter Beteiligung der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mittteilte, wird die größte hessische Hochschule jetzt gemeinsam mit zehn weiteren Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur für das dezentral angelegte Institut erarbeiten. In der einjährigen Vorphase fördert das BMBF jede der beteiligten, in einem wissenschaftsgeleiteten Wettbewerb ausgewählten Institutionen mit einem Startbetrag. Für die daran anschließende vierjährige Hauptphase stehen laut BMBF insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung. Das Forschungsministerium stellt eine Verlängerung um weitere fünf Jahre in Aussicht. Danach ist eine Verstetigung des Instituts angedacht.

Ziel der interdisziplinären Frankfurter Forschergruppe ist es, neue Formen sozialer Pluralität und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte zu untersuchen und die Bedingungen produktiver Konflikte als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Das positiv beurteilte Projekt der Goethe-Universität, das normativ und empirisch ausgerichtet ist, stellt die Frage nach den Bedingungen produktiven Streits. Denn, so die Hypothese, es ist nicht in erster Linie Gemeinsinn als feststehende kulturelle Ressource, sondern der produktive Austrag von Konflikten, der moderne Gesellschaften integriert. Wo die Pluralität individueller Gruppenzugehörigkeit anerkannt und die Auseinandersetzung über widerstreitende Positionen durch politische Institutionen und zivilgesellschaftliche Mechanismen eingehegt wird, entsteht gesellschaftlicher Zusammenhalt innerhalb einer demokratischen normativen Ordnung.

Das Frankfurter Projekt gliedert sich in drei Teilaspekte: Es will erstens zur grundbegrifflichen Klärung des (nicht leicht zu definierenden) Konzepts „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ beitragen, indem die konstitutive Bedeutung von Pluralität und Konflikt für gesellschaftlichen Zusammenhalt herausgearbeitet wird. Zweitens sollen neue Formen sozialer Pluralität untersucht und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte empirisch analysiert werden. Der dritte Punkt zielt auf Konzepte für eine Erneuerung der Konfliktkultur, indem die integrative Kraft von Institutionen und Verfahren erforscht wird, die Konflikte nicht nur zulassen, sondern produktiv gestalten und Vertrauen schaffen.

Projektleiterin in Frankfurt ist Prof. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung; als stellvertretende Sprecher fungieren Prof. Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels, und Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie sowie Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die Arbeit in dem neuen Institut baut auf der bereits elfjährigen Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Frankfurter Fachbereich Gesellschaftswissenschaften auf.

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein beglückwünscht die erfolgreiche Frankfurter Initiative: „Ich halte gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land für sehr wichtig. Daher lohnt es sich, in dem geplanten Institut wissenschaftlich zu untersuchen, was diesen gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmacht und fördert. Ich freue mich besonders, dass mit der Goethe-Universität auch eine hessische Universität ausgewählt wurde, gemeinsam mit anderen Hochschul- und Forschungsinstituten ihren Beitrag zum Gründungskonzept dieses Instituts zu leisten. Den beteiligten Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität gratuliere ich zu der Gründungsmitgliedschaft am ‚Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt‘.“

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff hebt hervor: „Diese Institutsgründung bietet ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie Spitzenforschung dazu beitragen kann, eine ganz konkrete gesellschaftliche Herausforderung besser zu bewältigen. Es steht auch dafür, dass nicht nur mehrere wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch verschiedene Forschungseinrichtungen ihre Kräfte bündeln. Die Goethe-Uni und ihre Partner verfügen hier inhaltlich und strukturell – vor allem durch die lange gemeinsame Verbundforschung im Exzellenzcluster ‚Normative Ordnungen‘ – über eine große Expertise.“

Die Sprecherin des Frankfurter Projekts Prof. Nicole Deitelhoff sagt: „Die Entscheidung für den Standort Frankfurt zeigt, wie stark die Zusammenarbeit zu Fragen politisch-normativer Ordnungen zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften, Universität und außeruniversitären Instituten inzwischen ist: Wir freuen uns, diese Stärke jetzt im Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt einbringen zu können.“

Pressemitteilung des BMBF und Liste der ausgewählten Einrichtungen: www.bmbf.de/de/institut-fuer-gesellschaftlichen-zusammenhalt-startet-7044.html

Weitere Informationen: Rebecca Schmidt, Exzellenzcluster Normative Ordnungen, Tel: 069-798-31400; rebecca.schmidt@normativeorders.net

Anmerkung: In einer älteren Version der Pressemitteilung stand fälschlicherweise „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhang“; der Name lautet aber richtig „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

 

Okt 8 2018
15:47

„Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 16. Oktober mit dem Juristen Günther Frankenberg zum Thema Würde

70 Jahre Grundgesetz: Wie aktuell ist unsere Verfassung?

FRANKFURT. Das Schauspiel Frankfurt setzt seine Redenreihe „Denkraum“ als kritische Betrachtung der gesellschaftlichen Gegenwart in der Spielzeit 2018/19 fort – diesmal in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Gefördert wird die partizipative Vortrags- und Diskussionsreihe von der Heraeus Bildungsstiftung. An sechs Abenden geht es im Chagallsaal des Schauspielhauses um das Oberthema „Verfassung_Aber wie?“. Drei Vortragende stammen aus den Reihen des Exzellenzclusters, so auch der Auftaktredner Günter Frankenberg. Der Rechtsprofessor spricht am 16. Oktober 2018 um 20 Uhr zum Thema „Würde_Wer bestimmt, was einem Menschen zusteht?“

Das Grundgesetz trat 1949 in Kraft. Jeweils zusammen mit einem Gast aus dem Bereich Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Politik oder Literatur werden im „Denkraum“ zentrale Werte des Grundgesetzes auf den Prüfstand gestellt, abgewogen und das verteidigt, was auch in den nächsten Jahrzehnten unser Zusammenleben sichern soll. Nach jedem Impulsvortrag erhält das Publikum die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Thesen zu diskutieren und Fragen zu formulieren. In einem abschließenden moderierten Gespräch wird der oder die Vortragende mit diesen Fragen konfrontiert.

Besonders die Würde, so scheint es, hat in den vergangenen Jahrzehnten geradezu Karriere gemacht. Mit ihr beginnt das Grundgesetz. Fast zeitgleich wird sie in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Im Lissabon-Vertrag über die Europäische Union, der wiederum 2009 in Kraft trat, ist sie das erste Grundprinzip – noch vor der Freiheit. Doch woher kommt dieser Begriff, warum ist „die Würde des Menschen unantastbar“ und wie steht es um die Realisierbarkeit? Immerhin, so sagt das Grundgesetz, sind die Achtung und der Schutz der Würde „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Und das „Deutsche Volk“, so weiter, „bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft“. Zu einem Leben in Würde gehören auch soziale Mindeststandards, und eine „menschliche Gemeinschaft“ macht nicht an Landesgrenzen halt.

Der Anspruch und die Wirklichkeit von Recht und Verfassung gehört zu den Forschungsgebieten des Rechtswissenschaftlers Günter Frankenberg. Er ist Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Seine Schwerpunkte umfassen: Vergleichendes Verfassungsrecht, Rechts- und Verfassungstheorie sowie Gefahrenabwehr- und Migrationsrecht. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, insbesondere zum Verfassungs- und zum Ausländerrecht. Zu seinen Publikationen zählen eine Einführung in das Grundgesetz und die Studie „Staatstechnik. Perspektiven auf Rechtsstaat und Ausnahmezustand“. Er ist einer der Herausgeber der Zeitschrift „Kritische Justiz“.

Die nächsten Termine im Überblick:

4. Dezember 2018
Religionsfreiheit_Wie viel Toleranz verlangt die demokratische Gesellschaft?
mit Rainer Forst (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)

29. Januar 2019
Meinungsfreiheit_Wie verändert sich das Kommunikationsklima?
mit Bernhard Pörksen (Universität Tübingen)

26. Februar 2019
Gleichberechtigung_Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
mit Ute Sacksofsky (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)

19. März 2019
Gemeinwohl_Was bleibt vom Allgemeinen, wenn alle das Besondere wollen?
mit Andreas Reckwitz (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder)

2. April 2019
Privatsphäre_Wie sind wir geschützt im digitalen Zeitalter?
mit Constanze Kurz (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Sprecherin des Chaos Computer Clubs)

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de

Detailliertes Programm: https://www.normativeorders.net/denkraum 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Okt 5 2018
15:58

Allison ist der 23. Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger, der auch den Nobelpreis erhält. Die deutsche Auszeichnung wurde ihm 2015 verliehen. Damit hat der renommierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Preis wieder einmal bewiesen, dass er eine Shortlist für den Nobelpreis ist

Goethe-Universität und Freundesvereinigung gratulieren James P. Allison zum Nobelpreis für Medizin

FRANKFURT. Allison ist der Begründer einer neuartigen Immuntherapie, der sogenannten Checkpoint-Hemmung. Den Nobelpreis für Medizin teilt er sich mit dem Japaner Tasuku Honjo. Bei dieser Immuntherapie wird nicht mehr der Tumor behandelt, sondern das Immunsystem. Sie steht für ein neues Therapieprinzip in der Onkologie. Das hat auch der Stiftungsrat 2015 in seiner Begründung gewürdigt. Checkpoint-Hemmer werden bei verschiedenen fortgeschrittenen Tumorerkrankungen eingesetzt.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ehrt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich auf den von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebieten besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie und der Krebsforschung. Verliehen wird er von der Paul Ehrlich-Stiftung, einer unselbstständigen Stiftung, die von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe Universität treuhänderisch verwaltet wird. Die Freundesvereinigung feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Sie unterstützt die Goethe Universität seit ihrer Gründung mit rund einer Million Euro jährlich und fördert dadurch Zukunft.

„Wir gratulieren James Allison zum Nobelpreis für Medizin“, sagt Professor Wilhelm Bender, Vorsitzender der Freundesvereinigung. „Und freuen uns, dass in unserem Jubiläumsjahr wieder einer der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger den Nobelpreis erhalten hat. Das zeigt, dass der Stiftungsrat die Preisträger und Preisträgerinnen mit Weitsicht und hohem Sachverstand auswählt. In den vergangenen zwölf Jahren hat der Stiftungsrat gleich sechs spätere Nobelpreisträger ausgezeichnet. Weitere Preisträger gelten ebenfalls als Nobelpreiskandidaten“.

„Dass James Allison bereits wenige Jahre nach der ersten Zulassung eines Checkpoint-Hemmers mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt wird, unterstreicht die Bedeutung eines schnellen Transfers von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis“, sagt Professor Simone Fulda, Vizepräsidentin für Forschung und Akademische Infrastruktur der Goethe Universität. „Gratulation an James Allison!“