​​​​Pressemitteilungen ​

 

Jan 28 2019
13:24

Dr. Anna Possner erforscht den Einfluss erdnaher Wolken auf das Klima

Von Kalifornien an den Main

FRANKFURT. Die Klimaforscherin Dr. Anna Possner ist eine von 13 jungen Wissenschaftlerinnen, die im Rahmen des Programms „Make our planet great again“ aus dem Ausland nach Deutschland berufen wurden. Das Programm beruht auf einer Vereinbarung mit Frankreich, die Forschung zum Klimawandel gemeinsam zu stärken.

Die 31jährige ist im Dezember von der renommierten Carnegie Institution for Science in Stanford an das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität gekommen. Dank der Förderung von einer Million Euro wird sie in Frankfurt eine eigene Forschergruppe aufbauen. 

Das Forschungsgebiet von Anna Possner sind Schichtwolken. Diese erstrecken sich im untersten Kilometer der Atmosphäre über hunderte Kilometer und bedecken allein ein Fünftel der Meeresoberfläche. Weil sie einerseits das Sonnenlicht reflektieren, andererseits aber ähnlich viel Wärme wie ein wolkenloser Himmel abstrahlen, vergleicht sie Anna Possner gern mit riesigen halb-durchlässigen Sonnenschirmen.

Schichtwolken können einen beträchtlichen Einfluss auf die Temperatur auf der Erdoberfläche haben. Am meisten kühlen sie in den Subtropen, Nahe des Äquators, wo die Sonneneinstrahlung am höchsten ist. Im hohen Norden der Arktis wärmen sie jedoch, da hier der Unterschied der Wärmeabstrahlung zwischen Erdboden und Wolkenoberkannte bei geringer Sonneneinstrahlung doch entscheidend ist. Die Wolken liegen quasi wie eine Decke über den dicken Eismassen. 

„Hier kann es eventuell zu Klima relevanten Wechselwirkungen kommen zwischen dem abschmelzenden Meereis und den Strahlungseigenschaften der Wolken. Die Wolken könnten das Abschmelzen des Polareises zusätzlich beschleunigen“, erklärt Anna Possner. „Über den freiwerdenden Meeresflächen könnte es dann zu verstärkter Wolkenbildung kommen, welche wiederum die Erwärmung der Arktis verstärken.“ 

In den mittleren Breiten und der Arktis bestehen Schichtwolken oft aus einer Mischung von Wassertropfen und Eiskristallen. Wobei das Verhältnis von Wasser zu Eis nicht nur relevant ist für die Strahlungseigenschaften, sondern auch für die Organisation der Wolken. Wenn man Wolkendecken über Wasser mit dem Flugzeug überfliegt, sieht man unter bestimmten Bedingungen Zellen in der Wolkendecke, die wie verzogene Bienenwaben aussehen. Jede einzelne Zelle kann bis zu 50 Kilometer groß werden und die gesamte Bienenwabe kann sich über hunderte von Kilometern erstrecken. Die Struktur der Bienenwabe kann ebenfalls entscheidend sein für die Strahlungseigenschaften der gesamten Wolkendecke. 

Die Organisation der Wolken in Abhängigkeit von der Wasser-Eis-Zusammensetzung mit hochaufgelösten numerischen Modellen zu reproduzieren ist eine der ersten Aufgaben, die sich Anna Possner gestellt hat. „Am Ende der vier Jahre möchte ich in der Lage sein zu sagen, ob und inwiefern Wolkeneis die Struktur der Wolkenschicht beeinflusst und ob dies relevante Folgen für das Klima mit sich bringt“, sagt die Klimaforscherin. In einem weiteren Schritt will sie auch den Einfluss von Aerosolen berücksichtigen. „Noch können wir nur schwer quantifizieren, wie Schichtwolken auf anthropogene Partikelemissionen reagieren. Basierend auf unserem Prozessverständnis sollten sie optisch dicker werden. Aber zu welchem Grad ist weiterhin eine offene Frage, da hier viele Prozesse einander entgegen wirken.“ 

Anna Possner, geboren 1987 in Rostock, untersuchte bereits in ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich, welchen Einfluss Schiffsabgase auf Wolken haben können. Während ihrer Jahre als Postdoktorandin an der ETH Zürich und der Carnegie Institution for Science in Stanford, dehnte sie ihre Analysen auf Mischphasenwolken aus. 

Das deutsch-französische Programm „Make Our Planet Great Again“ wurde nach dem Pariser Klimagipfel vereinbart und soll dazu beitragen, solide Fakten für politische Entscheidungen in den Bereichen „Klimawandel“, „Erd-System-Forschung“ und „Energiewende“ zu schaffen. Von den 13 für Deutschland ausgewählten Wissenschaftlern kommen sieben aus den USA, zwei waren zuletzt in Großbritannien tätig und jeweils einer in der Schweiz, Kanada, Südkorea und Australien. Sie wurden in einem zweistufigen Verfahren aus rund 300 Bewerbungen ausgewählt. 

Das Projekt zur Erforschung von Mischphasenwolken wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Forschungsinitiative „Make our Planet Great Again – German Research Initiative“, die durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) umgesetzt wird. 

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/76002319 

Bildtext: Satellitenbild von unterschiedlich organisierten Schichtwolkenfeldern: stratiform und nicht-organisiert (I), geschlossene Zellen (II), offene Zellen (III) und ungeordnet (IV). Bild: NASA MODIS 

Informationen: Dr. Anna Possner, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-40255, possner@iau.uni-frankfurt.de.

 

Jan 28 2019
13:17

Bewerbung des LOEWE-Zentrums SAFE als „exzellent“ bewertet

Wissenschaftsrat empfiehlt Aufnahme von SAFE in die Leibniz-Gemeinschaft

FRANKFURT. Der Wissenschaftsrat hat die Bewerbung des LOEWE-Zentrums SAFE als „exzellent“ bewertet und empfiehlt die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft ab 2020. Die finale Entscheidung über die Aufnahme wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz voraussichtlich im Zeitraum April/Mai 2019 treffen. 

Das Land Hessen hatte im September 2017 die Aufnahme des Forschungszentrums SAFE („Sustainable Architecture for Finance in Europe“) im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt in die Leibniz-Gemeinschaft beantragt. Nach Annahme der Bewerbung durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz war SAFE im vergangenen Jahr durch die Leibniz-Gemeinschaft und den Wissenschaftsrat evaluiert worden. Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. SAFE hat mit der Note „exzellent“ die bestmögliche Bewertung erhalten. 

Nachdem Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn selbst am vergangenen Freitag an der Sitzung des Wissenschaftsrates teilnahm, dankte sie diesem für seine Arbeit. „Ich freue mich sehr über die hervorragende Bewertung von SAFE durch den Wissenschaftsrat. Auf dieser Grundlage bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Aufnahme von SAFE in die Leibniz-Gemeinschaft realisieren werden können.“

„Das ist eine sehr schöne Nachricht“, sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff. „SAFE hat damit einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Leibniz-Institut erreicht. Ich danke Jan Pieter Krahnen und seinem Team für die enorm produktive und erfolgreiche Arbeit. Und dem HMWK danke ich für die unermüdliche Unterstützung, nicht zuletzt über LOEWE. SAFE zeigt, dass sich die geduldige und nachhaltige Entwicklung leistungsstarker wissenschaftlicher Schwerpunkte mittel- und langfristig auszahlt. Nun drücken wir alle die Daumen, dass auch die letzte wichtige Hürde gemeistert wird.“ 

„Wir freuen uns sehr über das Votum des Wissenschaftsrats und sind stolz, dass unsere Arbeit die wissenschaftlichen Gutachterinnen und Gutachter überzeugt hat“, sagt Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Wissenschaftlicher Direktor von SAFE. Die Empfehlung bestärke SAFE, die Vorhaben in den Bereichen der Forschung und Politikberatung mit großem Engagement weiter voranzutreiben. „Nun hoffen wir, dass auch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz eine positive Entscheidung treffen wird und SAFE 2020 als Leibniz-Institut an den Start gehen kann“, so Krahnen. 

Das Forschungszentrum SAFE ist ein Kooperationsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt und des Center for Financial Studies. Es beschäftigt sich mit der Analyse der europäischen Finanzmärkte und ihrer Regulierung und wird seit 2013 von der hessischen Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischen Exzellenz (LOEWE) gefördert. SAFE hat sich zum Ziel gesetzt, die Anforderungen an einen optimalen Ordnungsrahmen für die europäischen Finanzmärkte und ihre Akteure zu erforschen. Um die Komplexität der Märkte und ihr Zusammenspiel mit Wirtschaft, Politik und Zentralbanken in allen wichtigen Komponenten erfassen zu können, setzt das LOEWE-Zentrum auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von rund 40 Professorinnen und Professoren, 20 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, 50 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie einem großen Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Forschungseinrichtungen weltweit aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Mikro- und Makroökonomie, Rechtswissenschaft und Soziologie. Neben der Forschung ist es ein Kernanliegen von SAFE, durch professionelle Politikberatung auf Basis aktueller Forschungsergebnisse zu einer nachhaltigen, an Stabilität und Wachstum orientierten Politik beizutragen. Das SAFE Policy Center unterhält dazu einen kontinuierlichen Dialog mit hochrangigen Entscheidungsträgern aus Politik, Zentralbanken und Regulierungsbehörden in Brüssel, Berlin und Wiesbaden/Frankfurt. 

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 95 selbstständige Forschungsinstitute aus verschiedensten Fachbereichen, die sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen widmen. Sie setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer und berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Leibniz-Institute beschäftigen insgesamt rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gehören das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das ifo-Institut, das Leibniz-Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zur Leibniz-Gemeinschaft. 

Mehr Informationen: https://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=1452&L= 

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/76003121

 

Jan 25 2019
15:56

Vortrag über einen einst blühenden Wirtschaftszweig in den Niederlanden

„Walfische groß und fett“

FRANKFURT. Über den niederländischen Walfang vom 16. bis 19. Jahrhundert handelt ein Vortrag in der Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Kultur“ des Lektorats Niederländisch am Institut für deutsche Literatur und Didaktik. Die ursprünglich für diesen Termin geplante literarische Lesung mit Alfred Birney wurde wegen Krankheit abgesagt. 

Was ursprünglich eine Art „Beifang“ war, wurde bald zu einem blühenden Wirtschaftszweig für die Niederlande: Um 1600 machten sich Entdeckungsreisende wie Willem Barendsz auf den Weg zum Nordpol, weil sie eine kürzere Route zu den Gewürzfeldern Asiens finden wollten als die bekannte über das Kap der Guten Hoffnung. Auf der Reise über das Meer wurden zahlreiche Wale gesichtet. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich daraus der arktische Walfang. 

In ihrem Buch „Walvissen groot en vet. Nederlanders op walvisvaart in het Hoge Noorden“ haben Dr. Hans Beelen und Ingrid Biesheuvel Reiseberichte aus den Hochzeiten des Walfangs gesammelt, die deutlich machen, mit welchen Entbehrungen und mitunter Katastrophen dieser verbunden war. Anhand einiger dieser Reise- und Überwinterungsberichte wird Hans Beelen 

am Mittwoch, 6. Februar, 19 Uhr im Casinogebäude, Raum 1.812 (Campus Westend) 

darstellen, wie die Seeleute damals den hohen Norden erlebten und wie sie versuchten, mit den schwierigen Witterungsverhältnissen zurechtzukommen. Dramatische Ereignisse spielten sich ab: Walfangschiffe wurden vom Eis zerdrückt, zahlreiche Seefahrer fielen den Naturgewalten zum Opfer. Die Schilderungen zeigen, wie sehr sich die Erfahrungen mit der Natur und die Sicht auf sie von der heutigen unterschieden. 

Das Sammeln und Veröffentlichen von Berichten arktischer Walfänger ist Teil eines größeren Unterfangens der „Stiftung Freiwilligennetzwerk Niederländische Sprache“ (SVNT), dessen Mitkoordinator Hans Beelen ist. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, niederländische historische Texte zu transkribieren und digital und interaktiv für alle zugänglich zu machen. Der reich bebilderte Vortrag wird auf Deutsch sein, die vorgelesenen Fragmente auf Niederländisch. 

Informationen: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch des Instituts für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Tel.: 069/79832851, E-Mail: artois@lingua.uni-frankfurt.de 

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75985346 

Bildunterschriften: 

Bild 1: Detail eines Eckschrankes aus Nadelholz (1780-1850). Museum Sorgdrager, Ameland. (Foto: Jan van Dijk)
Bild 2: Walfang auf hoher See, um 1660. Die Buchstaben GIS auf der Fahne verweisen auf den Verleger: Gillis Joosten Saeghmann. Aus: Drie Voyagien gedaen na Groenlandt. Amsterdam, ca. 1665. (Foto: UB Utrecht)
Bild 3: Seeleute beim Abspecken eines Grönlandwales, um 1700, unbekannter Zeichner. Die Seeleute benutzen lange "Flensmesser' und tragen an den Schuhen sog. Specksporen, damit sie nicht ausrutschen und ins Wasser fallen. Die Seetiere rings herum sind Seeteufel, gefleckter großer Sandaal, Hering und Garnele. (Foto: Schifffahrtmuseum Amsterdam)

 

Jan 24 2019
11:47

Für die Wissenschaft oder für das Leben?

Umweltschutz im Weltall

FRANKFURT. Sollten die Regeln für den Umweltschutz auch außerhalb unseres Sonnensystems angewendet werden? Bisher gelten außerirdische Lebensformen nur als schützenswert, wenn sie damit wissenschaftlich erforscht werden können. Aber wie ist es mit den zahlreichen, vermutlich unbelebten Planeten, die aufgrund ihrer Sauerstoffatmosphäre prinzipiell für die Besiedlung durch irdische Lebensformen infrage kämen, fragt der theoretische Physiker Claudius Gros von der Goethe-Universität. 

Auf der Erde zielt der Umweltschutz in erster Linie darauf ab, dass wir Menschen auch in Zukunft mit sauberem Wasser und sauberer Luft versorgt sind. Menschliche Interessen haben in der Regel auch dann Vorrang, wenn es um den Schutz höherer Tiere und Pflanzen geht. Niedere Organismen wie Bakterien werden dagegen nur in Ausnahmefällen als schützenswert betrachtet. 

Claudius Gros, Professor für theoretische Physik an der Goethe-Universität, hat nun in einer neuen Arbeit untersucht, inwieweit der Schutz von Planeten auf Fragestellungen zurückgeführt werden kann, die sich in Analogie zum Umweltschutz auf der Erde ergeben. Nach den internationalen COSPAR Vereinbarungen zur Weltraumforschung müssen Raumfahrtmissionen darauf achten, dass eventuell vorhandenes Leben - wie auf dem Jupitermond Europa - oder Spuren vergangener Lebensformen – etwa auf dem Mars - nicht verunreinigt werden, so dass sie der Wissenschaft erhalten bleiben. Ein Schutz von außerirdischem Leben als Wert an sich ist nicht vorgesehen. 

Die COSPAR Richtlinien gelten für unser Sonnensystem. Doch inwieweit wären sie auch auf den Schutz von Planetensystemen außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplaneten) anwendbar? Relevant wird diese Fragestellung, sobald eine Abschussrampe für miniaturisierte interstellare Raumsonden verwendet würde, wie sie im Rahmen der „Breakthrough Starshot“-Initiative entwickelt wird. Gros legt dar, dass der Schutz von Exoplaneten zum Nutzen der Menschheit nicht begründbar wäre. Abgesehen von Vorbeiflügen könnten wissenschaftliche Studien nur mit Raumsonden durchgeführt werden, die in einem fremden Sonnensystem auch wieder abbremsen können. Nach dem heutigen Stand der Technik wären dafür aber magnetische Segel notwendig und Missionen würden mindestens einige Jahrtausende dauern. 

Gros zufolge wäre der Schutz von Exoplaneten zudem irrelevant, wenn diese Planeten zwar im Prinzip bewohnbar wären, aber dennoch unbelebt. Dazu gehören wahrscheinlich Planetensysteme wie das Trappist-1-System, deren Zentralstern ein Zwergstern ist. Planeten, die in der bewohnbaren Zone um einen Zwergstern kreisen, verfügen über eine dichte Sauerstoffatmosphäre, die schon vor dem Abkühlen durch physikalische Prozesse erzeugt wurde. Ob sich aber Leben auf solchen Planeten entwickeln kann, ist fraglich. Denn freier Sauerstoff wirkt zersetzend auf die präbiotischen Reaktionszyklen, die als Voraussetzung für die Entstehung von Leben gelten. „Ob Leben dennoch auf anderen Wegen auf Sauerstoffplaneten entstehen kann, ist eine derzeit noch offene Fragestellung“, so Gros. „Falls nicht, würden wir in einem Universum leben, in dem die meisten bewohnbaren Planeten unbelebt sind, und damit für die Besiedlung durch irdische Lebensformen geeignet wären“, fügt er hinzu.

Publikationen:
Claudius Gros: Why planetary and exoplanetary protection differ: The case of long duration Genesis missions to habitable but sterile M-dwarf oxygen planets, Acta Astronautica 2019, in press, https://arxiv.org/abs/1901.02286

Claudius Gros: Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, Astrophysics and Space Science 361, 324 (2016). 
http://link.springer.com/article/10.1007/s10509-016-2911-0 

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069-798 47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de

 

Jan 21 2019
14:54

Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie findet an der Goethe-Universität statt

Im Alter anders?

FRANKFURT. Was gilt im Alter als „normal“? Und wer verhält sich als alternder Mensch abweichend von den gesellschaftlichen Erwartungen? Über diese Frage geht es bei der Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die in Kooperation mit der Goethe-Universität stattfindet. 

Die Menschen leben immer länger, und die Lebensphase Alter wird immer vielfältiger in ihren Erscheinungsformen. Damit wandeln sich auch die Vorstellungen, die wir vom Alter und vom Altwerden haben: Wer und was im Alter als „normal“ oder „abweichend“ gilt, ist nicht mehr so streng festgelegt. Dies betrifft so unterschiedliche Phänomene wie Homosexualität, Straffälligkeit oder Krankheit: Ältere homosexuelle Menschen sind heute weit weniger stigmatisiert als früher. Hingegen trägt die immer häufiger gestellte Diagnose „Frühdemenz“ dazu bei, dass immer mehr ältere Menschen wegen einer ‚normalen' altersbedingten Vergesslichkeit stigmatisiert werden. 

Bei der Tagung unter dem Titel „Im Alter anders? Zur Bedeutung von Devianz und Abweichung in Zeiten zunehmender Langlebigkeit“ diskutieren 

am 15. Februar, 13:30 Uhr 
bis 16. Februar, 13:30 Uhr
Casino, Renate von Metzler Saal (Raum: Cas 1.801)
Nina-Rubinstein-Weg (Campus Westend) 

Soziologen und Soziologinnen über von hergebrachten Normvorstellungen abweichende Lebensweisen im Alter heute. Die Vorträge thematisieren Straffälligkeit und Strafvollzug im Alter, (Früh-)Demenz und Drogen konsumierende Senioren, aber auch sexuelle Identität, Migration und Unternehmertum von alten Menschen. Auch die so genannten „New Ageing Populations“, z.B. Menschen mit Behinderung, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen und fehlender Behandlungsmöglichkeiten früher keine hohe Lebenserwartung hatten, werden von den Wissenschaftlern in den Blick genommen. 

Veranstaltet wird die Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kooperation mit der Goethe-Universität und dem hier angesiedelten Frankfurter Forum für Interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA).   

Anmeldung: Dr. Miranda Leontwotisch, leontowitsch@em.uni-frankfurt.de; die Teilnahme kostet 10 Euro für Studierende und Mitglieder der Sektion Alter(n) und Gesellschaft, 30 Euro für Nichtmitglieder; Anmeldeschluss: 26. Januar 2019 

Weitere Informationen unter www.sociohub-fid.de/s/altern-und-gesellschaft

 

Jan 21 2019
11:05

Vortrag von Femke Grops, Doktorandin der Archäologie, am Dienstag, 29.01.2019, 19 Uhr, im Museum Giersch der Goethe-Universität. Ohne Anmeldung, Eintritt frei

„Kann das weg oder ist das echt?“ – Glasierte Quarzkeramik und ihre Bedeutung im Alten Orient 

FRANKFURT. „…und aus dem Ofen kommt Lapislazuli heraus!“ In kaum einer anderen Quelle des Alten Orients wird die Funktion von Glas und glasierter Quarzkeramik so deutlich wie in den sogenannten Glasrezepten aus der Bibliothek des assyrischen Herrschers Assurbanipal (Regierungszeit: 668–631/627 v. Chr.). Ziel war es demnach, die schönen Edelsteine – gerade den beliebten Lapislazuli – zu imitieren. Dass der Stein „aus dem Ofen“ nicht nur das Aussehen, sondern auch die magische Funktion der schützenden und heilenden Steine übernimmt, zeigt die Ausstellung „Faszination der Dinge – Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie“ (noch bis 24. Februar 2019) im Museum Giersch der Goethe-Universität anhand antiker Objekte aus Assyrien (heutiger Nordirak). Im begleitenden Abendvortrag am Dienstag, 29.01.2019, um 19 Uhr, im Museum Giersch der Goethe-Universität, zeigt Femke Grops, Doktorandin der Archäologie, die magische Wirkung dieser „fakes“ in ihren archäologischen Fundkontexten. Selten lassen sich Spuren von Ritualen, an denen Quarzkeramik als materia magica teilnahm, so deutlich im archäologischen Befund erfassen wie im Ischtar-Tempel des Herrschers Tukulti-Ninurta I. (1233–1197 v. Chr.) in der Reichshauptstadt Assur. 

In der Sonderausstellung „Faszination der Dinge – Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie“ stellen 14 Promovierende und zwei Postdocs der Fächer Archäologie und Ethnologie aus dem Graduiertenkolleg „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität ihre Forschungsthemen vor und was sie daran so fasziniert. Die Themen umfassen die Zeitspanne vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart und sind bisher nur einer kleinen Fachöffentlichkeit bekannt. Ein Fotokunstprojekt von Studierenden der Hochschule RheinMain in Wiesbaden gibt den Forschenden des Graduiertenkollegs ein Gesicht. 

Femke Grops promoviert zum Thema „Assyrische Quarzkeramik“ und ist Mitglied des Graduiertenkollegs „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität Frankfurt. 

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl.-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de 

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

 

Jan 18 2019
13:55

Sechster Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts

FRANKFURT. Die Globalisierung des Kunstmarkts hat Folgen für den Kunstbegriff und, im weiteren, für den Charakter der Kunst selbst. So zeigt sich, dass das westlich-moderne Verständnis von Kunst, die Idee einer Kunstgeschichte sowie einer daraus abgeleiteten autonomen Kunst, lediglich einen Sonderfall darstellte. In den meisten anderen Kulturen gibt es beispielsweise weder eine klare Trennung zwischen freier und angewandter Kunst noch eine zwischen ‚high', moderner Kunst, und ‚low', Trivialkultur. Der Vortrag „Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts“ von Prof. Wolfgang Ullrich 

am 23. Januar (Mittwoch) um 18 Uhr im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt 

wird beleuchten, wie die Akteure des globalen Kunstmarkts Kategorien der Kunstbeurteilung relativieren, die von Theorie und Kritik zwar immer wieder infrage gestellt wurden, sich aber dennoch lange Zeit halten konnten. Werden sie nun endgültig obsolet? Und wie sieht die Kunst aus, die dann entsteht? 

Ullrich war von 2006 bis 2015 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seither lebt er als freier Autor und Kulturwissenschaftler in Leipzig und veröffentlicht Publikationen zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zu bildsoziologischen Themen sowie zur Konsumtheorie. 

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu. 

Zum Abschluss der Reihe referiert am 6. Februar 2019 Prof. Julika Griem, Anglistin und Direktorin des Kunstwissenschaftlichen Instituts Essen, zum Thema „Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft“. 

Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt. 

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/ 

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Jan 18 2019
12:03

Sybille Steinbacher spricht zum Holocaust-Gedenktag über die Geschehnisse von Palmnicken im Januar 1945

Eines der letzten NS-Massaker am Ende des Krieges

FRANKFURT. Rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar finden auch in diesem Jahr an der Goethe-Universität mehrere Veranstaltungen statt. Die Gedenkvorlesung hält am 28. Januar Prof. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Inhaberin der Professur zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Steinbacher spricht über eines der letzten Massaker der NS-Zeit, den Todesmarsch von Ostpreußen an die Bernsteinküste. Dorthin trieb ein SS-Mordkommando Tausende Menschen, fast ausschließlich jüdische Frauen. Sie wurden ins Meer gescheucht, erschossen und erschlagen. Das geschah etwa zur selben Zeit, als die Rote Armee am 27. Januar 1945 Auschwitz befreite. 

In ihrem Vortrag mit dem Titel „Der Todesmarsch an die Bernsteinküste. Die Geschehnisse von Palmnicken im Januar 1945“ wird Prof. Sybille Steinbacher 

am Montag, 28. Januar, um 12 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 1 

insbesondere die Rolle der Zivilbevölkerung und der lokalen Amtsträger in der Zeit der Todesmärsche beleuchten. Die Palette der Verhaltensweisen war breit: Mitleid und Hilfe, aber auch Feindseligkeit, Abscheu und Angst wurde den Frauen in Palmnicken entgegengebracht. Das Geschehen zeigt: Mit der Befreiung von Auschwitz endete der Massenmord nicht. 

Auch in diesem Jahr gibt es darüber hinaus eine Kooperation mit dem Verein Musica Judaica: Am Donnerstag, 24. Januar, findet um 19.30 Uhr im Casino, Campus Westend, ein Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Ramón Jaffé (Violoncello) und Monica Gutman (Klavier) spielen Ernest Blochs „From Jewish Life“ für Violoncello und Klavier (1924), ein Stück aus Erwin Schulhoffs Sonate für Violoncello und Klavier (1914), sowie 10 Klavierstücke op. 30 (1919) für Klavier solo, die Sonate Nr. 1 Passionen für Violoncello solo (1998) von Don Jaffé sowie Leon Gurvitchs „Mein Leben“ für Klavier solo (2003), das der Komponist Marcel Reich-Ranicki gewidmet hat, sowie die Anne Frank-Suite für Violoncello und Klavier (2018). Der Eintritt kostet 15 Euro, für Mitglieder 10 Euro, für Studierende und Schüler frei.

Zudem lädt das Fritz Bauer Institut zu weiteren Vorträgen und Filmvorführungen sowie zu einer Ausstellung über den Vernichtungsort Malyj Trostenez. 

Die Termine: 

„Gesucht wird… Josef Mengele“ 
Dokumentarfilm, WDR 1985
Filmvorführung und Gespräch mit Felix Kuballa
Mittwoch, 23. Januar, 20:15 Uhr
Campus Bockenheim, Pupille – Kino in der Uni,
Studierendenhaus, Mertonstr. 26–28 

Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Ramón Jaffé (Violoncello) und Monica Gutman (Klavier) spielen Werke von Ernest Bloch, Erwin Schulhoff, Don Jaffé und Leon Gurvitch (*1979)
Donnerstag, 24. Januar, 19:30 Uhr
Trude-Simonsohn- und Irmgard-Heydorn-Saal, Casino-Gebäude, Nina-Rubinstein-Weg Eintritt: 15 Euro, Mitglieder des Vereins Musica Judaica zahlen 10 Euro, Studierende und Schüler sind frei 

„Niemand will Nazi gewesen sein“
Überlegungen zur Nachgeschichte des „Dritten Reiches“
Vortrag von Prof. Dr. Norbert Frei
Donnerstag, 24. Januar 2019, 18:30 Uhr
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, Casino-Gebäude, Raum 1.801 

Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung
Ausstellungseröffnung mit einem Vortrag von Dr. Petra Rentrop-Koch: Freitag, 25. Januar 2019, 17 Uhr Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9 „Klänge des Verschweigens“ Ein detektivischer Musikfilm über Wilhelm Heckmann, 2012 Filmvorführung mit Dr. Klaus Stanjek: Sonntag, 27. Januar, 16 Uhr Campus Bockenheim, Pupille – Kino in der Uni, Studierendenhaus, Mertonstr. 26–28 

„Viktors Kopf“
Vom Umgang mit einem NS-Unrechtsurteil, 2016
Filmvorführung mit Carmen Eckhardt
Sonntag, 27. Januar, 19 Uhr
Campus Bockenheim, Pupille – Kino in der Uni,
Studierendenhaus, Mertonstr. 26–28

„Der Todesmarsch an die Bernsteinküste“
Die Geschehnisse von Palmnicken im Januar 1945
Vorlesung zum Holocaust-Gedenktag
Prof. Sybille Steinbacher
Montag, 28. Januar, 12 Uhr
Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1,
PA-Gebäude, Lobby

Informationen unter Telefon 069 798-32240, E-Mail: info@fritz-bauer-institut.de sowie unter Telefon 069 798-32112, E-Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 17 2019
14:56

Fortsetzung der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum Thema Krieg und politische Gewalt am 23. Januar 2019

Mit Gewalt zum Kriegsverbot?

FRANKFURT. Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, die sich mit dem Wandel von Krieg und politischer Gewalt beschäftigt, wird fortgesetzt. Der nächste Vortragende in der Reihe „The End of Pacification? The Transformation of Political Violence in the 21st Century“ ist Christopher Daase, Professor für Internationale Organisationen an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Der Politikwissenschaftler spricht über 

„Sanktionskriege: Probleme dezentraler militärischer Normdurchsetzung“ am Mittwoch, 23. Januar 2019, um 18.15 Uhr auf dem Campus Westend, Hörsaalzentrum, Raum HZ 9.

Mit der völkerrechtlichen Ächtung des Krieges im 20. Jahrhundert ist der Krieg nicht verschwunden. Vielmehr entwickelten sich spezifische Rechtfertigungen militärischer Gewalt, darunter der Sanktionskrieg zur Aufrechterhaltung eines internationalen Rechtszustands. Bis heute berufen sich Staaten auf die Notwendigkeit, globale Normen notfalls dezentral militärisch durchzusetzen, um langfristig ein globales Gewaltmonopol zu etablieren und das Kriegsverbot zu verwirklichen. Wie ist diese Erwartung – empirisch und normativ – zu bewerten? Hat sich die Zuversicht (etwa Hans Kelsens) erfüllt, und sind wir auf dem Weg zu einem globalen Gewaltmonopol; oder hat sich die Befürchtung (etwa von Carl Schmitt) bestätigt, Sanktionskriege würden die Kriegführung nur verschärfen? 

Im Vortrag werden (1) die theoretischen Positionen zum Kriegsverbot einerseits und zu dezentralen Sanktionskriegen andererseits historisch rekonstruiert; (2) werden die konkurrierenden Erwartungen mit den Ergebnissen der empirischen Kriegsforschung konfrontiert; und (3) wird eine normative Einordnung vorgenommen und nach Stand und Perspektive des liberalen Projektes einer Ächtung des Krieges gefragt. 

Christopher Daase gehört zum Organisationsteam der Ringvorlesung. Er ist auch Stellvertretender Leiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Die HSFK gehört zu den Partnerinstitutionen des Frankfurter Exzellenzclusters. 

Die nächsten Termine im Überblick: (Jeweils Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaalzentrum HZ 9, 18.15 Uhr) 

23. Januar 2019
Prof. Christopher Daase, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Sanktionskriege: Probleme dezentraler militärischer Normdurchsetzung 

30. Januar 2019
Prof. Matthew A. Evangelista, Cornell University
Disturbing the Peace: How the United States Influences Trends in Global Political Violence

6. Februar 2019
Prof. Stathis N. Kalyvas, University of Oxford
Global Change and Civil Wars 

13. Februar 2019
Prof. Jennifer M. Welsh, McGill University, Montreal
Pockets of Barbarism: Internal and External Challenges to the International Humanitarian Order 

Informationen:
Dr. Julian Junk, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), 030/206049120, junk@hsfk.de, www.hsfk.de
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Detailliertes Programm: http://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

 

Jan 15 2019
12:02

Der Allgemeinmediziner ist seit 2007Mitglied des Sachverständigenrats

Ferdinand Gerlach erneut zum Gesundheitsweisen berufen 

FRANKFURT. Prof. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität, ist erneut in den Sachverständigenrat Gesundheit der Bundesregierung berufen worden. Der Allgemeinmediziner ist bereits seit 2007 Ratsmitglied und ab 2012 war er Vorsitzender. Ob er das Amt des Vorsitzenden erneut übernimmt, entscheidet sich in der konstituierenden Sitzung am 27. Februar, wenn der Rat seinen Vorsitzenden wählt.

"Das deutsche Gesundheitssystem steht in den kommenden Jahren vor wichtigen Herausforderungen. Der Rat kann mit seiner interdisziplinären und unabhängigen Expertise wichtige Beiträge zu deren Bewältigung leisten. Ich freue mich auf spannende Aufgaben", so Ferdinand Gerlach.

Der Sachverständigenrat ist ein unabhängiges Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung im deutschen Gesundheitswesen. Er setzt sich aus sieben Professorinnen und Professoren zusammen, die die Bereiche Medizin, Wirtschaftswissenschaft und Pflegewissenschaft vertreten. Das Gremium wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung bis auf zwei neue Mitglieder bestätigt. An Stelle des ausscheidenden Gesundheitsökonomen Prof. Eberhard Wille (Universität Mannheim) und der Medizinerin Prof. Marion Haubitz (Universität Hannover) wurden neu berufen die Ökonomin Prof. Beate Jochimsen (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin) und den Mediziner Prof. Christof von Kalle (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg). 

Aufgabe des Sachverständigenrats ist es, die Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu analysieren. Der Rat soll Vorschläge für die bedarfsgerechte Versorgung von Patientinnen und Patienten machen, Versorgungsdefizite aufspüren und Vorschläge für den Abbau von Überversorgungen machen. Hierzu erstellen die Sachverständigen alle zwei Jahre ein Gutachten, das dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt wird. 

Im letzten Gutachten, das seit dem Sommer 2018 im Rahmen mehrerer, auch regionaler Konferenzen mit der Fachöffentlichkeit diskutiert wurde, hat der Rat sich besonders zur bedarfsgerechten Steuerung im Gesundheitswesen geäußert. Neben einem vieldiskutierten Konzept zur Neuorganisation der Notfallversorgung in Deutschland betrifft dies etwa die Weiterentwicklung der Kliniklandschaft, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxen sowie die koordinierte Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen und mit Rückenschmerzen. Die Gutachten enthalten weitreichende Empfehlungen zur inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung des Gesundheitswesens.

Informationen: Prof. Ferdinand Gerlach, Institut für Allgemeinmedizin, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: 069/6031- 5687; Gerlach@Allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de 

Foto zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/75792539 

Bildnachweis: Andreas Reeg, Goethe-Universität Frankfurt

 

Jan 15 2019
11:57

Archäologen der Universitäten Frankfurt und Mainz erforschen gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern bronzezeitliche Prozesse in der Steppe zwischen Europa und Asien – 600.000 Euro für zunächst zwei Jahre von der DFG

Was geschah vor 4000 Jahren am Ural?

FRANKFURT. Archäologen der Goethe-Universität um Prof. Rüdiger Krause werden wieder im Ural forschen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und russischen Kollegen wollen sie herausfinden, was im 2. Jahrtausend vor Christus zu großen Veränderungen in der Lebensweise geführt haben könnte. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst bis Ende 2020 mit 600.000 Euro gefördert. Die Forschungen knüpfen an ein früheres Projekt an, das von 2009 bis 2014 stattfand.

Ziel ist es, demographische Prozesse und Siedlungsstrukturen der Übergangszeit von der Bronze- zur Eisenzeit rekonstruieren zu können, die so genannte Post-Sintaschta-Petrovka-Periode. Bisherige Funde haben gezeigt, dass der südliche Trans-Ural an der Trennlinie zwischen Europa und Asien am nördlichen Rand der Eurasischen Steppe eine einzigartige Kulturlandschaft darstellt. Herausragende Denkmäler der Bronze- und Eisenzeit wie Grabhügel („Kurgane“) und Siedlungen zeigen, dass sich hier ein Zentrum wirtschaftlicher Entwicklung und soziokultureller Prozesse befand, die bereits im dritten Jahrtausend vor Christus einsetzten. Nach dem Niedergang der befestigten Siedlungen veränderte sich die Wohnstruktur, es entstanden „offene“ Siedlungen mit Reihenhausbauten ohne Befestigungsanlagen. Russische Forschungen datieren diese Siedlungen in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., also in die späte Bronzezeit.

In der von 2009 bis 2014 andauernden Forschungsphase hat sich Professor Rüdiger Krause vor allem den befestigten Siedlungen der Sintaschta-Petrovka-Phase gewidmet. Diese Kultur zeichnete sich durch frühe Streitwagen aus, durch intensiven Kupferbergbau und eine hoch entwickelte Bronzeherstellung. Nun rücken verschiedene andere archäologische Stätten der Bronze- und Eisenzeit in der Mikroregion des Flusses Yandyrka-Akmulla und am oberen Karagaily-Ayat in den Fokus. Wie haben sich die Siedlungsstrukturen verändert? Wie wurde die Landschaft als ökonomische Basis für Tierhaltung genutzt? Und wie haben sich die Bestattungsformen gewandelt? Die demographischen Prozesse, die alldem zugrunde liegen, sollen im Lauf des interdisziplinären Projekts erforscht werden. Dabei kommen Methoden der Palaeogenetik zum Tragen, aber auch archäologische Ausgrabungen, geophysikalische Prospektionen und die Interpretation der materiellen Kultur und die Archäobotanik.

Wer waren die Menschen, die den damaligen Wandel von einer sesshaften Lebensform zum Nomadismus vollzogen haben? Woher stammten sie und wie sind sie in den Ural gekommen? Auf der Suche nach Antworten werden Archäologie und Palaeogenetik eng zusammenarbeiten. Ein Ziel der Kollaboration ist es, mit modernsten Genomanalysen populationsgenetische Analysen durchzuführen.

Das Team von Professor Joachim Burger an der Universität Mainz ist auf die Analyse von Genomen aus archäologischen Skeletten spezialisiert. In diesem Projekt werden die Mainzer Palaeogenetiker der Frage nachgehen, inwiefern genetische Einflüsse aus Europa oder der zentralasiatischen Steppe einhergehen mit dem kulturellen Wandel, der im Transural zu beobachten ist. Waren es Fremde, die den Wandel einleiteten? Oder haben hier regionale kulturelle Entwicklungen stattgefunden? Wie hat sich die Bevölkerungsstruktur und Demographie über die Jahrtausende verändert? Um Antworten zu finden, werden die Mainzer Forscher die Genome aus den archäologischen Fundstellen des Projekts hochauflösend sequenzieren und sie mit eigens entwickelten statistischen Methoden analysieren, um möglichst viele Details über die Menschen der Bronze- und Eisenzeit herauszufinden.

Information: Prof. Dr. Rüdiger Krause, Institut für Archäologische Wissenschaften, Vor- und Frühgeschichte, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, Telefon +49(0)69 798-32120; https://www.uni-frankfurt.de/61564916/LOEWE-Schwerpunkt 

Prof. Dr. Joachim Burger, AG Palaeogenetik, Institut für Oragnismische und Molekulare Evolutionsbiologie (iomE), Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Anselm Franz von Bentzel Weg 7, 55128 Mainz, Telefon +49 (0)6131 39-20981; http://palaeogenetics-mainz.de 

 Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75784479

 

Jan 14 2019
11:33

Frankfurter Theoretiker untersuchen unverstandenes Phänomen im Quantengas

Isolatoren mit leitenden Rändern verstehen

FRANKFURT. Isolatoren, die an ihren Rändern leitfähig sind, versprechen interessante technische Anwendungen. Doch bisher sind ihre Eigenschaften noch wenig verstanden. Physiker der Goethe-Universität haben die sogenannten topologischen Isolatoren nun mithilfe ultrakalter Quantengase modelliert. In der aktuellen Ausgabe der Physical Review Letters zeigen sie, wie man die Randzustände experimentell sichtbar machen könnte. 

Man stelle sich eine Scheibe aus einem Isolator vor, an deren Rand ein Strom immer in dieselbe Richtung fließt. „Dadurch ist es unmöglich, dass ein Quantenteilchen aufgehalten wird, da es den Zustand in die andere Richtung zu laufen schlicht nicht gibt“, erklärt Bernhard Irsigler, der Erstautor der Studie. Anders ausgedrückt: In den Randzuständen fließt der Strom ohne Widerstand. Man könnte sie beispielsweise dazu verwenden, die Zuverlässigkeit und Energie-Effizienz von Mobilgeräten zu steigern. Aktuell wird auch erforscht, wie man damit effizientere Laser bauen könnte. 

Um das Verhalten topologischer Isolatoren besser verstehen zu können, hat man sie in den vergangenen Jahren auch in ultrakalten Quantengasen erzeugt. Diese Gase entstehen, wenn man ein gewöhnliches Gas auf Temperaturen zwischen einem Millionstel und einem Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt abkühlt. Damit sind ultrakalte Quantengase die kältesten Orte im Universum. Erzeugt man ein ultrakaltes Quantengas zusätzlich in einem optischen Gitter aus Laserlicht, ordnen sich die Gas-Atome so regelmäßig an wie im Kristallgitter eines Festkörpers. Anders als in einem realen Festkörper kann man viele Parameter variieren und so auch künstliche Quantenzustände studieren.

„Wir sprechen gern von einem Quantensimulator, weil ein solches System uns viele Dinge verrät, die in einem Festkörper passieren. So können wir mit ultrakalten Quantengasen in optischen Gittern die Grundlagenphysik von topologischen Isolatoren verstehen“, erläutert Koautor Jun-Hui Zheng. 

Ein bedeutender Unterschied zwischen einem Festkörper und einem Quantengas ist jedoch, dass die wolkenförmigen Gase keine definierten Ränder haben. Wie entscheidet also ein topologischer Isolator im ultrakalten Quantengas, wo seine Ränder sind? Diese Frage beantworten die Physiker aus der Arbeitsgruppe von Prof. Walter Hofstetter vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität in ihrer Studie. Sie haben eine künstliche Grenze zwischen einem topologischen Isolator und einem normalen Isolator betrachtet. Diese stellt den Rand des topologischen Isolators dar, an dem sich der leitfähige Randzustand ausbildet. 

„Wir zeigen, dass der Randzustand durch Quantenkorrelationen charakterisiert ist, die man im Experiment mit Hilfe eines Quantengas-Mikroskops messen könnte. Derartige Messungen werden beispielsweise an der Harvard University, am MIT und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München durchgeführt“, so Hofstetter. Ein Quantengas-Mikroskop ist ein Gerät, mit dem man im Experiment einzelne Atome sehen kann. „Entscheidend für unsere Arbeit ist, dass wir die Wechselwirkung zwischen den Teilchen des Quantengases explizit berücksichtigten. Das macht die Untersuchung realistischer, aber sehr viel komplizierter. Ohne Supercomputer kann man die aufwendigen Berechnungen nicht durchführen. Besonders wichtig ist für uns auch die enge Zusammenarbeit mit führenden europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen der DFG Forschergruppe'Artificial Gauge Fields and Interacting Topological Phases in Ultracold Atoms'“, ergänzt Hofstetter. 

Publikation: Bernhard Irsigler, Jun-Hui Zheng, and Walter Hofstetter: Interacting Hofstadter interface, Physical Review Letters, https://journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/PhysRevLett.122.010406 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75773481 

Bildtext: Künstliche Grenze in einem optischen Gitter (blau), befüllt mit einem ultrakalten Quantengas, das aus 'spin-up'-Teilchen (rot) und 'spin-down'-Teilchen (grün) besteht. 'spin-up'-Teilchen können an der Grenze entlang (und nur dort) nur nach links laufen, 'spin-down'-Teilchen nur nach rechts. Bildrechte: Bernhard Irsigler Informationen: Bernhard Irsigler, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069-798 47883. irsigler@th.physik.uni-frankfurt.de.

 

Jan 9 2019
13:34

Mentoringprojekt Balu und Du sucht engagierte neue Mentorinnen und Mentoren unter 30 Jahren. 

Grundschulkindern Zeit schenken 

FRANKFURT. Junge Erwachsene (Balus) setzen sich beim ehrenamtlichen Mentorenprojekt „Balu und Du“ für die Entwicklung von Frankfurter Grundschulkindern im Alter von sechs bis zehn Jahren (Moglis) ein. Sie fördern die Kinder ein Jahr lang regelmäßig einen Nachmittag in der Woche. Sie schenken ihnen ihre Zeit und Aufmerksamkeit und ermöglichen ihnen bei Freizeitangeboten unterschiedliche Zugänge zu informeller Bildung. „Wir suchen in diesem Jahr neben Pädagogik- und Lehramtsstudierenden, die bei uns ein reguläres Seminar besuchen können, auch interessierte Personen unter 30 Jahren, die unsere neue Ehrenamtsgruppe als Mentorinnen und Mentoren bereichern werden. Voraussetzungen sind Zeit, Verlässlichkeit und ein Herz für Kinder“, betont Julia Schulz, Projektkoordinatorin seit 2011 im Projekt „Balu und Du“. 

Das Projekt selbst gibt es jetzt schon seit über zehn Jahren am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Bundesweit hat sich das Projekt bereits an über 100 Standorten etabliert. Es ist das Größte seiner Art für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren in Deutschland. Durch die Begleitforschung wurde beispielsweise nachgewiesen, dass sich die ‚Moglis' durch das informelle Lernen im Projekt positiv entwickeln: Festgestellt wurden eine fröhlichere Grundstimmung, erhöhte Fähigkeit zur Selbstorganisation, erhöhte Motivation und Beteiligung in der Schule, realistischere Selbsteinschätzung, zunehmende Konzentrationsfähigkeit, erhöhte gesundheitsbezogene Lebensqualität, gesunkenes Stresslevel sowie gesteigerte soziale Kompetenz. 

Das Projekt am Standort Frankfurt wird in diesem Jahr von der aqtivator gGmbH und der Stiftung Frankfurter Löwenkinder finanziell unterstützt. Die Mentorenpaare erhalten zudem bei den Projektpartnern kostenlosen Eintritt (Palmengarten, Zoo, Kindermuseum, Struwwelpeter-Museum und Naturmuseum Senckenberg) und von vielen weiteren Bildungs- und Freizeiteinrichtungen Gutscheine und Freikarten. 

Interessierte, die auch ein Grundschulkind unterstützen möchten und zwischen 17 und 30 Jahre alt sind, sollten sich noch bis Ende Februar informieren und für den Projektstart im April/Mai 2019 anmelden. 

Kontakt: Chiara Schomburg, Tel. (069) 798-36355; schomburg@em.uni-frankfurt.de 

Weitere Informationen unter www.uni-frankfurt.de/balu-und-du bzw. www.balu-und-du.de

Pressefotos stehen zum kostenlosen Download bereit unter https://www.balu-und-du.de/presse/logo-und-bilder/. © Jan Voth

 

Jan 8 2019
13:59

Job-Messe an der Goethe-Universität für angehende Pädagoginnen und Pädagogen 

Der pädagogischen Praxis auf der Spur

FRANKFURT. „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ heißt die Job-Messe für angehende Pädagoginnen und Pädagogen der Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Sozialen Arbeit und Sonderpädagogik an der Goethe-Universität. Hier können Studierende und Absolventen aller Universitäten und auch erfahrene Pädagogen mit potentiellen Arbeitgebern in Kontakt treten. Ausstellende Einrichtungen, Unternehmen und Institutionen haben wiederum die Chance, sich zu präsentieren und potentielle neue Mitarbeiter zu gewinnen. Parallel dazu gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops – auch zum Mitmachen. 

Job-Messe: „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ Freitag, 25. Januar, 10.00 - 16.00 Uhr, im PEG-Gebäude auf dem Campus Westend. 

In diesem Jahr liegt der Fokus der einzelnen Workshops auf der „Professionalität in pädagogischen Feldern“. Zusätzlich diskutieren zu diesem Thema im Rahmen einer Podiumsdiskussion um 12.45 Uhr Vertretern aus den Bereichen Erziehung, Beratung, Politische Bildung, Erwachsenenbildung und Medienpädagogik. Dabei geht es insbesondere auch um Fragen zum Selbstverständnis der Erziehungswissenschaften.

Im Ausstellungsbereich erwarten die Besucher vielfältige Informationen zu Berufsmöglichkeiten, Weiterbildungen und Jobperspektiven von Einrichtungen von A wie AQA bis Z wie Zentrum für Weiterbildung gGmbH. Für Ratsuchende gibt es ein individuelles Beratungsangebot zu Bewerbung und beruflicher Orientierung. 

Veranstalter der Job-Messe sind der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, das Paritätische Bildungswerk Hessen e.V. sowie der Career Service der Goethe-Universität. Weitere Informationen zur Ausstellerliste und zum Rahmenprogramm unter www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de

 

Jan 7 2019
12:36

Frankfurter Mineraloge und Petrologe ist Namensgeber eines häufigen, in supertiefen Diamanten vorkommenden Minerals

Wichtiges Mineral nach Prof. Gerhard Brey benannt

FRANKFURT. Diamanten sind Boten aus dem Inneren der Erde. Ein sehr kleiner, aber für die Forschung wichtiger Anteil der seltenen Edelsteine enthält Einschlüsse aus dem Unteren Erdmantel. Eines der häufigsten Mineralien, die so an die Erdoberfläche gelangen, hat die Kommission der „International Mineralogical Association“ zu Ehren des Mineralogen Prof. Gerhard Brey von der Goethe-Universität nun „Breyit“ genannt.

Das Erdinnere ist der direkten Beprobung weitgehend verschlossen. Aufwendige Bohrungen gelangen maximal in Tiefen von 12 Kilometern, was eher einem Kratzen an der Oberfläche entspricht. Vulkane hingegen können Proben aus deutlich tieferen Zonen an die Erdoberfläche bringen. Die aus den größten Tiefen stammenden Proben sind Mineral- und Gesteinseinschlüsse in kostbaren Diamanten. Diese sind ein Forschungsfeld des inzwischen pensionierten Professors für Petrologie und Geochemie Gerhard Brey vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität. 

Nach gängigen Theorien besteht der Untere Erdmantel (in einer Tiefe von 660 bis 2900 Kilometern) fast ausschließlich aus den drei Mineralen Bridgemanite, Ferroperiklas und einem Kalzium und Silizium-reichen Mineral in Perowskitstruktur. Bilden sich Diamanten in diesen Tiefen, kommt es vor, dass sie diese Minerale einschließen. Beim Transport an die Erdoberfläche wandelt sich der Kalzium-Silizium-Perowskit in eine neue, unter geringerem Druck stabile Kristallstruktur um. Dieses Mineral war bisher nur als Einschluss in Diamanten bekannt. Es trägt nun den Namen Breyit.

„Die Benennung eines Minerals ist eine ganz besondere Auszeichnung und ehrt das Lebenswerk eines Wissenschaftlers in besonderer und nachhaltiger Weise“, erklärt Breys Kollege, der Mineraloge Prof. Frank Brenker. „Insbesondere dann, wenn es sich um ein so wichtiges Mineral der Erde handelt. Damit ist der Name von Gerhard Brey quasi für immer in Stein gemeißelt“. 

Der seit 2014 pensionierte Gerhard Brey gilt als Pionier der experimentellen Petrologie unter Hochdruck-Bedingungen. Er wurde weltweit bekannt durch die Entwicklung und Kalibration von Geothermobarometern für Gesteine des Erdmantels. Diese Thermobarometer sind nicht nur zentrale Hilfsmittel zur Erforschung des Erdinneren, sondern erfreuen sich auch bei der Suche nach neuen Diamantlagerstätten großer Beliebtheit. Musste man zuvor noch tonnenweise Gestein aufarbeiten, um zu beurteilen, ob die anvisierte Lagerstätte tatsächlich Diamanten enthält, so reichen nun ein paar Mineralkörner aus. 

Neben thermobarometrischen Berechnung gilt Breys Interesse der Löslichkeit von Fluiden und Gasen samt deren Einfluss auf die Bildung von Magmen. Zusammen mit anderen Kollegen war er einer der ersten Forscher, die den wissenschaftlichen Wert von Einschlüssen in Diamanten aus Ursprungstiefen von hunderten von Kilometern erkannten. 

Brey erhielt bereits zahlreiche andere Würdigungen, unter anderem die Ehrendoktorwürde der Russischen Akademie der Wissenschaften und die Abraham-Gottlob-Werner Medaille in Silber, die ihm von der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft für sein Lebenswerk verliehen wurde.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75659882 

Bildtext: Breyit-Einschluss in einem Brasilianischen Diamanten mit einem „supertiefen“ Ursprung. 

Bildrechte: Brenker, Goethe-Universität Porträts von Gerhard Brey: privat Informationen: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 18 2018
13:43

Goethe-Universität startet Kampagne „laut*stark sexualisierter Diskriminierung und Gewalt entgegentreten“

Bewusstsein schaffen und Prävention verstärken 

FRANKFURT. Mit der Kampagne „laut*stark“ richtet die Goethe-Universität die Aufmerksamkeit auf das Thema der sexualisierten Diskriminierung und Gewalt, das auch an der Goethe-Universität intensiv diskutiert wird. Sie nimmt damit ihre Verantwortung wahr, für Betroffene einzustehen und aktiv das Leitbild der Universität mit Leben zu füllen. Denn nur mit einem gemeinsamen „laut*stark“ gegen sexualisierter Diskriminierung und Gewalt ist eine Universität der Offenheit, Vielfalt, Chancengleichheit und Wertschätzung möglich. 

Über Plakate und Banner, die seit kurzem auf dem Campus hängen, fordert die Hochschulleitung mit klarer Botschaft auf, sexualisierter Diskriminierung und Gewalt entgegenzutreten: Sieh hin! Sag Nein! Speak Out! Doch die farbigen Plakate fordern nicht nur auf, sich einzumischen und Vorfälle zu melden, sie beziehen auch eine eindeutige Position: Übergriffe und Diskriminierung werden an der Goethe-Universität nicht toleriert. 

Aus diesem Grund intensiviert die Universität ihre Öffentlichkeitsarbeit, um für die häufig noch tabuisierte Problematik nicht nur eine größere Sichtbarkeit herzustellen, sondern Betroffene zu ermutigen, Hilfe und Unterstützung wahrzunehmen. Insbesondere möchte die Goethe-Universität aber auch diejenigen, die Vorfälle auf dem Campus oder in ihrem Arbeitsumfeld beobachten und als Helfer*innen einschreiten können, dazu aufrufen, sich einzumischen und beobachtete Fälle zu melden. Vonseiten Betroffener bestehen oft Ängste und Vorbehalte, dass Situationen falsch eingeschätzt werden, dass man als empfindlich gelten könnte oder durch eine Beschwerde Nachteile erfährt, sodass viele Betroffene häufig nicht gegen die grenzüberschreitende Person vorgehen.

Dafür möchte die Universität bei allen Universitätsangehörigen ein Bewusstsein für Sexismus und sexualisierte Gewalt verstärken. Zusätzlich haben das Gleichstellungsbüro und weitere Einrichtungen der Universität in letzter Zeit ihre Arbeit gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt verstärkt, um für mehr Sicherheit auf den Campus zu sorgen, für Betroffene besser einzustehen und Beratungsangebote auszubauen. 

Zum Beispiel hat das Immobilienmanagement einen 24h-Sicherheitsdienst und Begleitservice eingerichtet und die Beleuchtung der Wege auf den Campus verbessert. Es wurden der Faltplan „Sicher über den Campus“, indem beleuchtete Wege und Notfallnummern eingezeichnet sind, und die Notrufkarte „laut*stark“ herausgebracht, die beide im Pocketformat einfach einzustecken sind. 

Auch die Antidiskriminierungsstelle ist seit diesem Herbst wiederbesetzt und hat ihre Arbeit aufgenommen. Zusammen mit der AG Antidiskriminierung, an der auch Studierende beteiligt sind, arbeitet sie kontinuierlich am Ausbau der Unterstützungsangebote und an verbesserten Beratungsstrukturen. So wird es eine Antidiskriminierungs-Richtlinie geben, die konkrete Abläufe in der Beratung von Studierenden und Beschäftigten im Falle von Diskriminierung festlegen wird. 

Bereits in der zweiten aktualisierten Auflage erscheint die Broschüre „Grenzen wahren“, die über den Umgang mit sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an der Hochschule informiert und Hinweise zu Beratungseinrichtungen an der Goethe-Universität und innerhalb der Stadt Frankfurt zur Verfügung stellt. Darüber hinaus bietet das Gleichstellungsbüro regelmäßig Workshops für Beschäftigte und Studierende an, die dazu anregen, sich mit Diskriminierung auseinander zu setzen und diskriminierendem Verhalten entgegen zu wirken.

Weitere Informationen unter www.lautstark.uni-frankfurt.de. Bei Nachfragen zur Kampagne oder bei Bedarf an Plakaten und Flyern können Sie sich jederzeit wenden an: lautstark@uni-frankfurt.de. Zuständig für die Kampagne ist das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität Frankfurt.

 

Dez 13 2018
17:46

Fünfter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums – Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?

FRANKFURT. Die Frankfurter Schule behauptet, ästhetische Angebote unter Marktbedingungen würden die Kultur zu etwas Immergleichen machen, sie als Ware kommerziell vermarkten. Die enorme Ausdifferenzierung populärer Künste, etwa der Pop-Musik seit den 1950er Jahren, scheint dieses Urteil nicht zu bestätigen. Aber wie steht es mit der Literatur? Wie verhält sich diese zur Popkultur? Und wie verhalten wir uns generell gegenüber den Erzeugnissen der globalen Kulturindustrie?

Diesen Fragen geht Prof. Moritz Baßler in seinem Vortrag „Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums – Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?“ 

am 19. Dezember (Mittwoch) um 18 Uhr im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt 

nach. Baßler ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Studium der Germanistik und Philosophie absolvierte er in Kiel, Tübingen und Berkeley, bevor er 1993 bei Gotthart Wunberg in Tübingen über „Die Entdeckung der Textur“ promovierte. Anschließend war er Redaktor des Reallexikons der deutschen Literaturwissenschaft, bevor er sich 2003 in Rostock habilitierte. Heute leitet er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster den Studiengang „Kulturpoetik der Literatur und Medien“. 

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu. 

Weitere Termine und Themen im Überblick: 

23. Januar 2019
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2019
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Dez 13 2018
10:26

Zahnschmelz-Untersuchungen zeigen, was Urmenschen am Malawi-See aßen 

Frühe Urmenschen ernährten sich äußerst flexibel

FRANKFURT. Sich von regionalen und saisonalen Produkten zu ernähren, war für den Urmenschen alltäglich. Dabei waren die frühen Urmenschenarten Homo rudolfensis und die „Nußknacker-Menschen“ Paranthropus boisei, die vor 2,4 Millionen Jahren in Malawi lebten, überraschend anpassungsfähig. Wie ein Forscherteams der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung jetzt anhand von fossilem Zahnschmelz herausgefunden hat, änderten die frühen Urmenschen ihren Speiseplan gemäß regionaler Ressourcen. Diese Flexibilität hat zu ihrer erfolgreichen Ausbreitung beigetragen. Die Ergebnisse aus dem südöstlichen Afrika schließen eine bedeutende Wissenslücke, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der „Proceedings of the National Academy of Sciences“. 

Wer wissen will, was unsere Vorfahren vor rund 4 bis 1,4 Millionen Jahren aßen, kann auf Daten aus Fossilien-Fundstätten im ostafrikanischen Graben im heutigen Kenia und Äthiopien zurückgreifen sowie auf Funde in südafrikanischen Höhlen. Zwischen den beiden Regionen liegen rund 3000 Kilometer. Wovon sich die Urmenschen in diesem Teil der „Wiege der Menschheit“ ernährten, war bislang nicht bekannt.

Ein Forscherteam der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat zur Lösung dieses Rätsels fossilen Zahnschmelz von drei Homo rudolfensis und Paranthropus boisei-Individuen untersucht, die vor circa 2,4 Millionen Jahren an den Ufern des Malawisees lebten. Zahnschmelz ist die beständigste Substanz von Wirbeltieren. Selbst nach Jahrmillionen lässt sich aus dessen Kohlenstoff und Sauerstoff-Isotopenzusammensetzung rekonstruieren, was das Individuum gegessen hat. Geochemische Analysen ermöglichen es, die aufgenommenen Anteile von Pflanzen mit verschiedenen Photosynthesewegen zu unterscheiden. 

„Die von uns untersuchten Homo rudolfensis und Paranthropus boisei haben sich insgesamt zu 60 bis 70 Prozent von C3-Photosynthese-Pflanzen ernährt, die innerhalb des Grabensystems vorkamen. Das waren vermutlich vornehmlich Teile von Bäumen, beispielsweise deren Früchte, Blätter und Knollen. Es wurden beträchtlich weniger Pflanzenbestandteile verzehrt, die heute in offenen afrikanischen Savannen dominieren, nämlich Pflanzen die C4-Photosysnthese betreiben. Ein untersuchtes Homo rudolfensis-Individuum hat sogar fast ausschließlich C3-Pflanzenmaterial zu sich genommen“, erklärt die Leiterin der Studie, Dr. Tina Lüdecke, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. 

Wie das Team rekonstruiert hat, wuchsen im frühen Pleistozän am Malawisee in üppiger Menge Bäume und andere C3-Pflanzen. Im Vergleich zu offeneren Lebensräumen in Ostafrika führte hier ein kühleres und feuchteres Klima zur Ausbreitung von Baumsavannen. Zusätzlich analysierte fossile Zähne von umherziehenden Urpferden und Antilopen belegen, dass in größerer Entfernung vom Malawisee ausreichend C4-Pflanzenmaterial zur Verfügung stand. Doch Homo rudolfensis und Paranthropus boisei zogen es nicht nur wegen des Zugangs zum Wasser vor, in Seenähe zu bleiben, sondern auch um von dessen lokalen Resourcen zu profitieren. 

Etwa zeitgleich zu den untersuchten Homo rudolfensis und Paranthropus boisei lebte weiter nördlich im ostafrikanischen Graben Paranthropus aethiopicus. Im Gegensatz zu den Malawisee-Anwohnern nahm er deutlich mehr C4-Pflanzen zu sich. Solche C4-Pflanzen waren in der trockenen Graslandschaft des ostafrikanischen Grabens, in der Paranthropus aethiopicus lebte, eher zur Hand. „Das zeigt uns, dass einige der frühen Urmenschen überraschenderweise schon vor 2,4 Millionen Jahren in der Lage waren, ihre Ernährung auf ihre Umgebung auszurichten“, kommentiert Lüdecke. 

Zu diesem Befund passen auch bisherige Auswertungen von Paranthropus- und Homo-Vertretern, die vor zwei Millionen Jahren lebten und die dieses Verhalten fortführten. Wer in den südafrikanischen Wäldern lebte, ernährte sich weiter maßgeblich von C3-Pflanzen. Ihre Verwandten im trockeneren Norden hingegen aßen zunehmend die dort wachsenden C4-Pflanzen, die auch heute noch für viele Bewohner der Erde Hauptnahrungsmittel sind. 

„Soweit wir bisher wissen, gab es keine anderen Primaten, die ihre Ernährung so flexibel handhabten. Dass die frühen Urmenschen ihren Speiseplan differenziert an verschiedene Umweltbedingungen anpassen konnten, war daher sicher einer der Schlüssel zum Erfolg auf dem Weg zu Homo sapiens“, bilanziert Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, einer der Co-Autoren der Studie von der Goethe-Universität und vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum. 

Publikation 
Lüdecke, T. et al. (2018): Dietary Versatility of Early Pleistocene Hominins. PNAS, doi: 10.1073/pnas.1809439115; https://www.pnas.org/content/early/2018/12/05/1809439115

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75394836 

Bildtexte: 

Zahnreste des ungefähr zur gleichen Zeit lebenden Paranthropus bosei, Fundstätte Malema nahe des Malawisees, Copyright: Hessisches Landesmuseum 

Unterkiefer eines 2,4 Millionen Jahre alten Homo rudolfensis, Fundstätte Uraha nahe des Malawisee, Copyright: Hessisches Landesmuseum 

Der Lebensraum der untersuchten Homini heute, im Hintergrund der Malawisee, Copyright: Friedemann Schrenk

Information:
Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, und Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Tel.: (069) 7542 1364, ottmar.kullmer@senckenberg.de 

Prof. Andreas Mulch, Geologie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, und Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Tel. (069) 798 40265, mulch@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2018
16:40

Zwei Longterm-Forschungsgruppen der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft nehmen die Arbeit auf

Antworten auf lebensweltliche Fragen zum Islam

FRANKFURT. Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat zwei Projekte als Longterm-Forschungsgruppen ausgewählt. Bis 2022 stellt die Akademie den beiden Forschungsprojekten „Linked open Tafsīr“ und „Normativität des Korans“ insgesamt bis zu 2,7 Millionen Euro zur Verfügung. 

Linked open Tafsīr – Digitale Koranexegese 

Die AIWG Longterm-Forschungsgruppe „Linked open Tafsīr“ – ein Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Frankfurt am Main, Gießen und Hamburg – erstellt eine online abrufbare Datenbank frühislamischer Korankommentare (Tafsīr). Als Grundlage dient der Kommentar des muslimischen Gelehrten at-Tabarī (gest. 310/923), der als vollständigste Sammlung aller Anfang des 10. Jahrhunderts vorliegenden Berichte zum Koran und seinem Offenbarungskontext gilt. Während die meisten bisherigen Forschungsarbeiten überwiegend textimmanent vorgehen, um den Koran in seinem geschichtlichen Kontext zu verorten, greift die Forschungsgruppe auf die Möglichkeiten der „Digital Humanities“, also dem digitalen Zugriff auf Texte, zurück. Sie erhofft sich dadurch ergänzende Informationen über die Historizität des Korans: Schwerpunkt der systematischen Erschließung der exegetischen Überlieferungsmaterialien werden relevante theologische und rechtliche, sprachliche und lexikographische, phonetische und grammatische sowie inter- und intratextuelle Variablen des Korans sein. Neben diesen in den Überlieferungen enthaltenen Informationen wird die Datenbank auch die Überliefererketten (Isnāde), durch die diese Informationen tradiert wurden, sowie die daran Beteiligten erfassen. 

Durch die frei zugängliche Datenbank werden erstmals Informationen bereitgestellt, die womöglich neue Deutungsmöglichkeiten für einzelne Koranpassagen sowie neue Informationen zur Koran- und Islamentstehung mit sich bringen können. Die Forschungsgruppe arbeitet – das ist eine Besonderheit – mit Expertinnen und Experten aus der muslimischen Zivilgesellschaft zusammen. Zu diesem Zweck bieten die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gemeinsam mit der Gesellschaft zur Förderung der Islamstudien (GEFIS) in muslimischen Gemeinden Fortbildungen an. 

Die Leitung der Forschungsgruppe übernehmen Prof. Dr. Ömer Özsoy (Goethe-Universität), Prof. Dr. Yasar Sarikaya (Justus-Liebig-Universität Gießen) und Prof. Dr. Serdar Kurnaz (Universität Hamburg). 

Normativität des Korans: Islamische Textquellen unter der Lupe 

Die AIWG Longterm-Forschungsgruppe „Normativität des Korans“, ein Kooperationsprojekt mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Tübingen – fragt nach dem Verhältnis von Norm und Ethik im Koran und richtet dabei den Blick auf praktische Fragestellungen für Muslime in Deutschland. Forschungsschwerpunkt werden die Normenverse (ayāt al-aḥkām) des Korans sein – das heißt, ein Textkorpus von rund 600 Koranversen, aus denen normative Beurteilungen und Bestimmungen für Muslime und Musliminnen abgeleitet werden. Ziel der Untersuchung ist es, die Selbstbestimmung des Individuums als ethisches Prinzip in den klassischen und modernen Rezeptionen dieser Normenverse zu analysieren. Dies soll Rückschlüsse darüber ermöglichen, wie eine an praktischen Fragen und Lösungen orientierte Neuinterpretation der Normenverse des Korans aussehen kann. 

Die Auseinandersetzung mit den Normenversen erfolgt interdisziplinär aus den Fachperspektiven der Koranwissenschaften, des Islamischen Rechts und der Islamischen Religionspädagogik. Damit möchte die AIWG-Forschungsgruppe dazu beitragen, Debatten zur Frage nach einer zeitgenössischen religiösen Lebensführung zu ordnen und Gläubigen in Deutschland in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen eine Orientierungshilfe zum Umgang mit der Normativität des Korans in einer modernen Gesellschaft anzubieten. Zu diesem Zweck wird es Fortbildungen für Imame und Beschäftigte in der Sozialen Arbeit geben. 

Die Forschungsgruppe wird geleitet von Prof. Dr. Mohammed Nekroumi (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) sowie Prof. Dr. Mouez Khalfaoui und Jun.-Prof. Dr. Fahimah Ulfat (beide Eberhard Karls Universität Tübingen). 

Ein Beitrag für Wissenschaft und Gesellschaft 

„Mit unseren beiden Longterm-Forschungsgruppen unterstützen wir zwei innovative Forschungsvorhaben, die sich durch hohe Aktualität und große gesellschaftliche Relevanz auszeichnen“, betont Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG. „Gleichzeitig tragen sie zu den erklärten Zielen der AIWG bei: die islamisch-theologischen Studien zu konsolidieren sowie Antworten auf konkrete lebensweltliche Fragen von Musliminnen und Muslimen in Deutschland zu geben“, so Prof. Agai weiter. 

Auch Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer an der AIWG, freut sich auf die AIWG Longterm-Forschungsgruppen und erklärt: „Die Aufgabe der AIWG ist es nun, aktiv die Zusammenarbeit unter den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den Praxisakteuren zu gewährleisten. Gleichzeitig wird die AIWG in den kommenden Jahren die Forschungsarbeit der Gruppen in der Öffentlichkeit sichtbar machen und vor allem dafür Sorge tragen, dass Teilergebnisse sowohl für die muslimische als auch die allgemeine Zivilgesellschaft und die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden.“ 

Der Forschungsanteil beider Projekte wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert, die Stiftung Mercator fördert die Transferarbeit der Projekte. 

Über die AIWG 

Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteurinnen und Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Stiftung Mercator

Informationen: zu den AIWG-Longterm Forschungsgruppen: https://aiwg.de/wissenschaftsformate/#longterm-forschungsgruppen; zur AIWG: www.aiwg.de

Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer, Telefon 069 798-22457, E-Mail engelhardt@aiwg.de 

Pressekontakt: Ariana Neves, Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 069 798-22459, E-Mail neves@aiwg.de

 

Dez 12 2018
12:22

Goethe-Universität und Partnerhochschulen wollen sich zur „Europäischen Universität“ vernetzen – „Vertrauen durch Mobilität“ zentrales Thema 

Schulterschluss mit Mailand, Lyon und Birmingham

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat sich gemeinsam mit Hochschulen in Mailand, Lyon und Birmingham zu einer Allianz europäischer Hochschulen zusammengeschlossen, um in Zukunft noch intensiver zu kooperieren. Gemeinsam will man sich im Februar um den Titel „Europäische Universität“ und Förderung durch die EU bewerben. Am Montag und Dienstag trafen sich die Partner in Frankfurt, um Ziele und Möglichkeiten der Kooperation zu diskutieren. 

„Die Bewerbung als Europäische Universität ist eine große Chance für die Goethe-Uni“, sagt Prof. Rolf van Dick, als Vizepräsident der Goethe-Universität zuständig für Internationales, am Rande des Treffens. Als Europäische Universität könne man sich in Europa stärker vernetzen und neue wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Projekte angehen. 

Jeweils drei bis fünf Universitäten können sich bei der Europäischen Kommission als „Europäische Universität“ bewerben. Wichtige Voraussetzungen sind eine gemeinsame langfristige Bildungsstrategie, ein gemeinsamer (virtueller) „europäischer Campus“, eine von Diversität geprägte Studierendenschaft und Forschung, die die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft in den Blick nimmt. Mit der University of Birmingham, der Université Lumière Lyon II und Sciences Po Lyon sowie der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand unterhält die Goethe-Universität bereits eine Partnerschaft, und auch die vier Städte sind jeweils als Partnerstädte freundschaftlich miteinander verbunden. Als „Europäische Universität“ könnte die Zusammenarbeit konkretisiert und intensiviert werden. Bei einem Erfolg stünden dem Konsortium bis zu fünf Millionen Euro für zunächst drei Jahre zur Verfügung. 

In einer vielbeachteten Grundsatzrede hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron im September 2017 den Aufbau von zwanzig Europäischen Universitäten bis 2024 vorgeschlagen, womit er keine neu zu schaffenden Institutionen meinte, sondern die europäische Vernetzung und Ausrichtung der bestehenden Hochschulen. In einer für die Europäische Union schwierigen Zeit soll die universitäre Wissenschaft als wichtiger Motor der europäischen Integration gestärkt werden. Gerade die jüngere Generation könnte dadurch wieder mehr Verbundenheit zum Projekt Europa entwickeln. Doch auch allgemein ist die Wissenschaft für die Herausbildung einer europäischen Identität von großer Bedeutung – Ausdruck davon sind schon in der Vergangenheit zum Beispiel das Austauschprogramm Erasmus oder durch die EU geförderte Forschungsverbundprojekte. 

An der Goethe-Universität hatte Macron seine Vorstellungen bei einem Besuch im Oktober 2017 eindrucksvoll bekräftigt. „Das hat uns alle sehr begeistert“, sagt van Dick. Im April wurde eine entsprechende Task Force eingerichtet, die van Dick leitet. „Das Treffen war für mich sehr inspirierend“, lobte James Walker von der Université Lumière Lyon II die Initiative der Goethe-Universität. Man habe sich sehr schnell auf derselben Seite gefunden, was Ziele und Werte angehe. „Selbst wenn die Bewerbung jetzt nicht klappen sollte, wäre das nicht schlimm, denn wir werden trotzdem kooperieren“, so Walker. „Wenn wir als Unis nicht zusammenarbeiten können, wie sollen wir es dann von unseren Politikern erwarten?“, meinte Michael Whitby von der University of Birmingham in Anspielung auf die Brexit-Krise. Und Edilio Mazzolini von der Università Cattolica in Mailand ist „stolz, Teil dieses Netzwerks“ zu sein, denn die Identität seiner Hochschule sei „zutiefst europäisch“. 

Mobilität, so das Fazit des Treffens, soll ein wesentliches Thema der Europäischen Universität sein: Mobilität von Studierenden, aber auch des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals sowie die Mobilität von Ideen. Die Hochschulen stehen vor ähnlichen Herausforderungen zum Beispiel in der Lehre, gemeinsam könnten bessere Lösungen gefunden werden. Birmingham ist ein langjähriger strategischer Partner, mit der Université Lumière Lyon II gibt es seit vielen Jahren Kooperationen in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, mit Sciences Po Lyon eine gelebte Partnerschaft mit den Politikwissenschaften und mit Mailand einen gemeinsamen Masterstudiengang mit der Filmwissenschaft. 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.muk.uni-frankfurt.de/75375741 

Bildtext: Vertreter der Hochschulen in Lyon, Mailand und Birmingham fanden sich zu einem ersten Treffen an der Goethe-Universität ein, um über Möglichkeiten der Vernetzung zu einer „Europäischen Universität“ nachzudenken. (Foto: Jürgen Lecher) 

Informationen: Andrea Grebe, Büro des Vizepräsidenten Prof. Dr. Rolf van Dick, Telefon 069 798-12242, E-Mail: grebe@pvw.uni-frankfurt.de