​​​​​Pressemitteilungen ​

 

Nov 27 2017
17:39

Physiker der Goethe-Universität sind mit drei Projekten beteiligt

Neuer SFB entschlüsselt Chiralität von Molekülen

FRANKFURT. Die Spiegelbildlichkeit von Molekülen verstehen und manipulieren – das ist das Ziel eines von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs.  An dem Forschungsverbund „Extreme light for sensing and driving molecular chirality“ (ELCH)unter Federführung der Universität Kassel ist die Goethe-Universität mit drei Einzelprojekten wesentlich beteiligt.

Für die physikalische Grundlagenforschung, aber auch für die Medizin und Lebenswissenschaft ist es wichtig, die „Chiralität“ zu verstehen, also die Tatsache, dass zwei Moleküle aus denselben Atomen spiegelverkehrt aufgebaut sein können. So kann eine Chemikalie in der einen Variante giftig und in der anderen ein Medikament sein. Die Kasseler Forschungsgruppe will chirale Moleküle hochempfindlich analysieren und letztlich ihre Chiralität oder „Händigkeit“ manipulieren und umkehren. Dafür werden die Moleküle mit extremen Lasern beschossen und mit modernsten Nachweistechniken erfasst, unter anderem mit der an der Goethe-Universität entwickelten COLTRIMS Technik, eine Art Supermikroskop, mit dem sich einzelne Moleküle untersuchen lassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll dabei weltweit erstmals ein Gasphasenlabor für die ausschließlich mit Licht getriebene Physik chiraler Moleküle entstehen.

Die DFG finanziert den Sonderforschungsbereich zunächst für die kommenden vier Jahre mit rund 9 Millionen Euro. Danach sind zwei Verlängerungsperioden auf maximal 12 Jahre möglich. Sprecher ist Prof. Dr. Thomas Baumert, Leiter des Fachgebiets Femtosekundenspetroskopie und ultraschnelle Laserkontrolle. Beteiligt am Sonderforschungsbereich sind sieben Professuren der Universität Kassel, weitere Partner sind das Deutsche Elektronensynchrotron (DESY) Hamburg, die Philipps-Universität Marburg und die Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Reinhard Dörner und Dr. Markus Schöffler, Institut für Kernphysik).

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel. (069) 798- 47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de.

Martin Pitzer, Reinhard Dörner und Markus Schöffler: „Wenn Licht Moleküle in Stücke reißt“ in: Forschung Frankfurt 2/2015 (PDF-Download).

 

Nov 27 2017
17:38

Szenenwissen macht die Verarbeitung von Seheindrücken effizienter

Virtual Reality im Dienst der Psychologie

FRANKFURT. Der Aufbau unserer Umwelt folgt bestimmten Strukturen und Merkmalen, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir ihrer kaum bewusst sind. Dieses „Szenenwissen“ untersucht die Psychologin Prof. Melissa Lê-Hoa Võ an der Goethe-Universität – unter anderem im Virtual Reality-Labor. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichtet die Journalistin Jessica Klapp über ihren virtuellen Ausflug nach Italien und erklärt, warum wir die Milch nicht unter dem Bett suchen oder das Kissen in der Badewanne.

„Wenn wir einen bestimmten Gegenstand in einer Szene suchen, scheinen wir genaue Vorstellungen darüber entwickelt zu haben, welche Objekte wir wo suchen und finden müssen“, erklärt Melissa Võ. Bei der Erforschung dieser natürlichen Szenen interessiert sie insbesondere, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Bei welchen Gegebenheiten merken wir besonders auf? Und an was würden wir uns später erinnern? Um das herauszufinden, setzt die Psychologin in ihrem Labor neben Hirnpotenzialmessungen auch Eye-Tracking und Virtual Reality Szenen ein.

„Mit Eye-Tracking messen wir, welche Teile eines Bildes vom Betrachter als interessant oder wichtig befunden werden, wie schnell der Blick auf bestimmte Objekte in Szenen fällt und wie lange der Blick dort verweilt“, erklärt Dr. Dejan Draschkow aus der Arbeitsgruppe von Võ. Wegen der engen Beziehung von Augenbewegung und kognitiven Prozessen ist das Eye-Tracking von großer Bedeutung. Die videobasierten Systeme, die die Forscher verwenden, erfassen die Augenbewegungen mithilfe einer Kamera. Sowohl kopfgetragene, brillenähnliche Systeme kommen zum Einsatz als auch Remote-Eye-Tracker, die sich mit einer Kamera und Infrarot-LEDs im Computermonitor befinden. Mit dem mobilen System können sich die Versuchspersonen im Raum bewegen, Gegenstände suchen und mit ihnen interagieren.

Mit dem Virtual Reality-Headset wird über den Computer eine virtuelle 3-D-Welt simuliert, durch die sich der Proband bewegt. Mit simulierten Umgebungen wie einer italienischen Piazza, in deren Mitte unterwartet braune Kisten schweben, prüfen die Forscher, ob die Ergebnisse, die sie auf zweidimensionalen Bildschirmen feststellen, auch in einer realitätsnahen, dreidimensionalen Umgebung gelten. Sie wollen Gesetzmäßigkeiten verstehen, mit deren Hilfe Menschen ihre Umwelt aufbauen und mit den Objekten in ihr interagieren.

Die Erforschung von Szenenwissen im Kindesalter ist eines der Felder, mit denen sich die Arbeitsgruppe sehr intensiv auseinandersetzt. Ziel des Projekts „SCESAM“, das mit der Unterstützung von IDeA – einem interdisziplinären Forschungszentrum – initiiert wurde, ist es, eventuelle kognitive Defizite wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Mit einem mobilen Forschungslabor finden die Studien direkt vor der KiTa statt: Die Forscher zeigen den Kindern „ungrammatische“ Bilder, auf denen etwa ein Schuh anstelle eines Topfes auf dem Herd steht, und beobachten die Reaktionen mithilfe einer Eye-Tracking-Kamera. Verhält sich eines unter vielen Kindern anders, interessiert sie, ob ein Zusammenhang zur sprachlichen Entwicklung und dem Aufmerksamkeitsverhalten besteht.

Auch Bereiche wie die Medizin ziehen Nutzen aus den Ergebnissen. So haben die Forscher Blickbewegungen von Radiologen bei der Betrachtung von Röntgenbildern gemessen und untersucht, welche Strategien sie zur Erkennung von Tumoren nutzen und mit welchem Erfolg diese Strategien einhergehen. Ebenso von Bedeutung sind die Forschungsergebnisse bei der Handgepäck-Sicherheitskontrolle an Flughäfen. Wie entscheiden Mitarbeiter, welche Gepäckstücke näher geprüft werden müssen? Warum wurde ein gefährlicher Gegenstand nicht gefunden? Hat der Kontrolleur nicht auf diesen Bereich geschaut? Oder hat er darauf geschaut, diesen Teil aber nicht für wichtig erachtet?

Schließlich könnten auch Menschen mit Demenz von der Erforschung des Szenenwissens profitieren. Denn Võ und ihre Mitarbeiter haben herausgefunden, dass die Gedächtnisleistung für Bilder in einer Szene zunimmt, wenn die Probanden zuvor einzelne Objekte gesucht und gefunden haben. Bei einem überraschenden Gedächtnistest schnitten sie deutlich besser ab als Personen, die sich explizit Objekte merken sollten. „Dies bedeutet für uns, dass bei der visuellen Suche eine starke Auseinandersetzung mit der Szene stattfindet und sich Objekte besser einprägen“, erklärt die Psychologin.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69396691

Bildtext: Ein Bild aus der Datenbank SCEGRAM, die Objekte an ungewöhnlichen Standorten zeigt. Die Arbeitsgruppe von Melissa Võ untersucht, wie das Gehirn darauf reagiert.

Information: Prof. Melissa Le-Hoa Võ, Dr. Dejan Draschkow, Scene Grammar Lab, Institut für Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069)798-35342, mlvo@psych.uni-frankfurt.de, Tel.: (069)798-35310, draschkow@psych.uni-frankfurt.de.

 

Nov 24 2017
15:31

„Normative Ordnungen“ ab dem 29. November mit fünf Beiträgen bei der Frankfurter Biennale des bewegten Bildes zum Thema „Desire“

Utopie und Filosofie: Der Cluster auf dem B3-Festival

FRANKFURT. Der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beteiligt sich auch an der diesjährigen B3 Biennale des bewegten Bildes, aktuell zum Leitthema „On Desire. Über das Begehren“. Der Bogen reicht vom idealen Staat über heißes Rechtsgefühl bis zum Internet als Wunschmaschine der Gegenwart und einer frühen filmischen Versöhnungsutopie von Mensch und Maschine. Hinzu kommt das Begehren nach Weisheit – auf Niederländisch übrigens „Wijsbegeerte“ und dort ein Synonym für „Filosofie“.

Die B3 wird jetzt zum dritten Mal von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach veranstaltet. 2015 kamen rund 370.000 Besucher. Das Festivalzentrum „FOUR Frankfurt“ der jüngsten Auflage befindet sich in den ehemaligen Vorstandsetagen der Deutschen Bank und im Hermann-Josef-Abs-Saal an der Junghofstraße. Dort und an weiteren Orten Frankfurts und der Rhein-Main-Region präsentieren nationale und internationale Akteure aus Kunst, Medien, Technologie und Wissenschaft ihre Projekte und Ideen. Es geht um Fernsehen, Film und Virtuelle Realität, den Computer und das Internet. Flankierend und den Fokus erweiternd machen sich auch Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes Gedanken über das Begehren. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit normativen Ordnungen kann Prinzipien aufzeigen, Begriffe klären und Orientierung geben. Sie benennt dabei auch Sehnsüchte - und hinterfragt sie zugleich kritisch.

Dass Philosophie auch „Wijsbegeerte“ heißt, kann kaum verwundern. Denn in der Tat gibt es ein Begehren nach Wissen und Weisheit  – was die letzten Dinge betrifft, aber auch in Bezug auf die alltägliche Lebensführung. Doch während die populären Philosophie-Formate im Fernsehen, Radio und in Zeitschriften wohl gerade deshalb Konjunktur haben, weil sie konkrete Relevanz versprechen, zeigt sich die akademisch betriebene „Liebe zur Weisheit“ bei einer direkten Verwertung oft zurückhaltend. „Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?“ heißt das Podiums- und Publikumsgespräch mit Marcus Willaschek, Philosophie-Professor an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters, am 29. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Die Moderation hat Bernd Frye, Pressereferent des Clusters.

Die „Gesetze des Begehrens im Internet“ untersucht der Jurist Matthias C. Kettemann, der sich am Cluster zur normativen Ordnung des Internets habilitiert, in seinem Vortrag am 30. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Im Internet als Wunschmaschine der Gegenwart produzieren und konsumieren wir laufend Inhalte und sehen und erwerben Produkte. Zwischen uns und anderen, zwischen uns und den Produkten stehen Vermittler: die Intermediäre (Plattformen und soziale Medien), die Gesetze des Begehrens im Internet aufstellen. Doch was sind das für Normen, die das Begehren strukturieren?

Rainer Forst referiert am 1. Dezember. Er ist einer der beiden Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Sein Thema von 17.30 bis 18.30 Uhr: „Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo“. Das utopische Denken ist umstritten: Es gilt als unabdingbar, um gegebene Ordnungen zu überschreiten, andererseits wird es als sinnlose Träumerei oder totalitäre Produktion des neuen Menschen kritisiert. Im Rückgang auf die 500 Jahre alte „Utopia“ des Thomas Morus aber lässt sich zeigen, dass es gerade dort seinen Sinn hat, wo es uns in eine kritische und ironische Distanz zum Hier und Jetzt und auch zur Idee der perfekten Gesellschaft bringt.

Klaus Günther ist der weitere Cluster-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 2. Dezember von 17.30 bis 18.30 Uhr dem Thema „Hitze und Kälte im Recht“. Denn eine Funktion, die dem Recht zugeschrieben wird, ist die Abkühlung von heißen Emotionen: Das Recht nötigt dazu, sich auf geregelte Verfahren einzulassen. Doch heften sich Emotionen an das Recht, die umso heißer werden, sobald es nicht dem eigenen Begehren entspricht. Sophokles‘ Drama „Antigone“ oder Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ sind literarische Beispiele dafür.

Ein Vortrag mit Filmbeispielen steht für den 3. Dezember von 14.30 bis 15.30 Uhr auf dem Programm: „L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930)“, so das Thema von Tatjana Sheplyakova, Philosophin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster. In Vertovs Klassiker „Enthusiasmus“, dem ersten sowjetischen Tonfilm überhaupt, wird die Utopie der Versöhnung von Mensch und Maschine real. Menschliche Arbeit ist hier ein Begehren, das sich im Spiel der mechanischen Wiederholungen potenziert. Ihr Antrieb ist kein Mangel, sondern Luxus der Kräfte. Was sagt uns dieser Film heute, in dem das Kino die Kirche ablöst, das Sehen zum Hören wird und das Individuum im Kollektivkörper aufgeht?

Die Termine im Überblick:

Mittwoch, 29. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Marcus Willaschek: Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie? (Moderation: Bernd Frye); 1. OG, Plenarsaal

Donnerstag, 30. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Dr. Matthias C. Kettemann: Gesetze des Begehrens im Internet; 1. OG, Plenarsaal

Freitag, 1. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Rainer Forst: Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo; 1. OG, Plenarsaal

Samstag, 2. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Klaus Günther: Hitze und Kälte im Recht; 1. OG, Plenarsaal

Sonntag, 3. Dezember 2017, 14.30 bis 15.30 Uhr
Dr. Tatjana Sheplyakova: L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930); 2. OG, Congress Raum 1

Festivalzentrum FOUR Frankfurt, Junghofstraße 5-9, 60311 Frankfurt; der Eintritt zu den Veranstaltungen des Exzellenzclusters ist frei

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net
http://www.normativeorders.nethttp://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/b3-biennale;
http://www.b3biennale.de

 

Nov 22 2017
16:37

Aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt

Vorstandsvergütung: Unterhalb des Dax ist die Vergütung angestiegen

FRANKFURT. Auch unterhalb des Dax werden Millionengehälter für Vorstände allmählich zur Regel – das zeigt die aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt. Während die Dax-Vorstände 2016 ähnlich viel verdienten wie im Jahr zuvor, stiegen die Gehälter bei MDax-, SDax-, und TecDax-Unternehmen zum Teil deutlich an. So erhielt der Vorstandschef eines MDax-Konzerns im Median 2,9 Millionen Euro, was einem Gehaltssprung von 17 Prozent entsprach. Die weiteren Vorstandsmitglieder erzielten auch ein Plus von 17 Prozent auf 1,6 Millionen Euro. Im SDax wurden die Vorstandsvorsitzenden im Median mit 1,3 Millionen Euro vergütet (plus 8 Prozent), seine Kollegen mit 1,1 Millionen Euro (plus 28 Prozent). Auch im TecDax ging es deutlich nach oben. Hier kam ein Vorstandschef auf 1,5 Millionen Euro (plus 18 Prozent), die weiteren Vorstandsmitglieder auf 0,8 Millionen Euro (plus 9 Prozent).

„Gehaltssprünge spiegeln die hohe Profitabilität der Unternehmen, aber auch Verschiebungen in den einzelnen Indizes wider“
„Die Entwicklung der Vorstandsgehälter spiegelt die robuste Konjunktur, die gerade bei vielen mittelgroßen Unternehmen höhere Gewinne und steigende Aktienkurse nach sich zieht“, sagt Petra Raspels, Arbeitsdirektorin bei PwC in Deutschland. Zu berücksichtigen ist hier aber auch der Effekt, der durch die Wechselhäufigkeit in der Zusammensetzung der Unternehmen in den betrachteten Indizes entsteht. Je nach Vergütungsniveau in den auf- oder absteigenden Unternehmen haben diese Wechsel entsprechende Auswirkungen auf das Vergütungsniveau des betreffenden Index. Hinzu komme die hohe Bedeutung variabler Gehaltselemente. Ein Beispiel: Die Vorstandschefs von TecDax-Unternehmen bezogen 2016 im Schnitt zwei Drittel ihrer Gesamtvergütung aus erfolgsabhängigen Komponenten. „Insofern würde ich in den steigenden Vorstandsgehältern auch keine ungesunde Entwicklung sehen. Denn durch die variablen Anteile ist sichergestellt, dass – wenn die Gewinne irgendwann zurückgehen sollten – auch die Vergütung wieder sinkt und die Unternehmen dann entsprechend weniger belastet werden“, so Raspels.

Die Langfristperspektive wird immer wichtiger
Unterm Strich fällt auf, dass sich die Vergütungsstrukturen in der deutschen Wirtschaft inzwischen eindeutig an einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung orientieren. So handelte es sich beispielsweise bei zwei Drittel der variablen Gehälter von Dax-Chefs um sogenannte „Long Term Incentives“ – also um Vergütungskomponenten, die nur dann vollständig ausbezahlt werden, wenn das Unternehmen auch langfristig Erfolg hat. „Darüber hinaus wird der Faktor Nachhaltigkeit auch in den maßgeblichen Regelwerken immer stärker betont“, sagt PwC-Vergütungsexpertin Nicole Fischer. „Die Corporate-Governance-Kommission hat ihre Vorgaben in diesem Jahr nochmals genau dahingehend präzisiert. Und auch die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (in Form des CSR-RUG) forciert eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, indem sie die vergleichbare Offenlegung nicht-finanzieller Aspekte fördert.“

Wie sich die Vergütungsmodelle optimieren ließen
Gleichwohl – auch das geht aus der Studie von PwC und der Goethe-Universität hervor – ließen sich die Vergütungsstrukturen bei vielen Unternehmen durchaus noch verbessern. So zahlen die meisten „Long Term Incentives“ immer noch Cash statt Aktien aus – womit sich der Bonus im Moment der Auszahlung von der Geschäftsentwicklung abkoppelt. „Eine Alternative hierzu wären sogenannte Restricted Share Units, kombiniert mit speziellen Bedingungen, die im Fachjargon als Vesting-Klauseln bezeichnet werden“, erläutert PwC-Partnerin Raspels. Dieses Modell läuft darauf hinaus, langfristige Boni in Form von Aktien zu gewähren – und die Vorstände anzuhalten, die Papiere auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum zu halten. Eine zusätzliche Komponente einer solchen, strikt nachhaltigen Vergütungsstruktur wären die international üblichen Share Ownership Guidelines. Petra Raspels: „Diese Richtlinien legen fest, dass Vorstände möglichst ein Mehrfaches ihrer Grundvergütung in Aktien des eigenen Unternehmens zu halten haben. Dadurch werden die persönlichen Interessen des Top-Managements endgültig mit den langfristigen Unternehmenszielen in Einklang gebracht.“

Klare Differenzierung in der Aufsichtsratsvergütung:
Im Median erhielt ein Aufsichtsratsvorsitzender im Dax 321.000 Euro – 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Stellvertreter und weiteren Aufsichtsratsmitglieder erhielten mit 249.000 Euro (plus 8 Prozent) bzw. 134.000 Euro (plus 5 Prozent) jeweils mehr als noch 2015. Für die weiteren Indizes ist eine klare Differenzierung entlang der Höhe der Gesamtvergütung erkennbar: Ein Aufsichtsratsvorsitzender im MDax erhielt 2016 199.125 Euro, im SDax waren es 100.000 Euro und im TecDax noch 89.855 Euro. Interessant ist zu beobachten, dass der TecDax der einzige Index ist, der einen Rückgang der Gesamtvergütung für Vorsitzende und weitere Aufsichtsratsmitglieder verzeichnete: 3 Prozent weniger für Aufsichtsratsvorsitzende und sogar 9 Prozent weniger für die weiteren Mitglieder. Ein Grund für diese unterschiedlichen Entwicklungen ist laut Studienautoren die sich geänderte Zusammensetzung der einzelnen Indizes.

Verzicht auf eine variable Aufsichtsratsvergütung zumeist erkennbar:
Zudem ist der Trend, auf ein variables Vergütungssystem zu verzichten, in nahezu allen Indizes beobachtbar: Im Dax bspw. verzichten bereits 77 Prozent der Unternehmen – im Vorjahr waren es nur 70 Prozent. Im SDax hingegen gibt es einen Stillstand: Seit 2014 verzichten 68 Prozent der Unternehmen auf ein variables System. „Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig auch hier Anpassungen vorgenommen werden. Ein Umdenken ist jedoch schon heute für alle Indizes erkennbar“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking, Mitautor der Studie und Professor an der Goethe-Universität Frankfurt.

Hinweis:
Die Studie wird unter folgenden Links abrufbar sein:
Ab dem 22.11.2017, 19:00 Uhr: https://www.pwc.de/de/human-resources/verguetungsstudie-2017.pdf
Ab dem 23.11.2017, 12:00 Uhr: https://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-boecking/aktuelles.html

Weitere Informationen:
Pressekontakt PwC: Sven Humann, PwC Communications,Tel.: +49 (0)211 981 – 2188, E-Mail: sven.humann@pwc.com
Pressekontakt Goethe-Universität: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Pressesprecher des Präsidiums, Tel.: 069/798-13035, E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Ergänzung zur Pressemitteilung

  Vorstandsvorsitzende weitere Vorstandsmitglieder
Dax 5,62 Mio. € 3,03 Mio. €
MDax 2,87 Mio. € 1,64 Mio. €
SDax 1,34 Mio. € 1,08 Mio. €
TecDax 1,52 Mio. € 0,80 Mio. €

Gesamtvergütung (Median) des Vorstands in 2016

  AR-Vorsitz stellv. AR-Vorsitz weiteres AR-Mitglied
Dax 321.000 € 249.000 € 134.000 €
MDax 199.125 € 124.750 € 80.000 €
SDax 100.000 € 68.000 € 45.000 €
TecDax 89.855 € 70.000 € 42.0000 €

Gesamtvergütung (Median) des Aufsichtsrats in 2016

 

Nov 22 2017
12:03

Studie an der Goethe-Uni: Bei intelligenteren Menschen arbeiten manche Gehirnregionen besonders eng zusammen, während andere sich abschirmen

Kluge Köpfe haben die besser vernetzten Gehirne

FRANKFURT. Bisher wurden verschiedene Ausprägungen von Intelligenz vor allem mit Unterschieden in einzelnen Hirnregionen erklärt. Sind die Gehirne von intelligenteren Personen jedoch auch anders verschaltet als die Gehirne von weniger intelligenten Personen? Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Goethe-Universität bestätigt diese Vermutung. Bestimmte Gehirnregionen sind bei intelligenteren Personen stärker, andere Regionen hingegen schwächer in den Informationsfluss zwischen und innerhalb von Gehirnmodulen eingebunden.

Die Grundlagen des menschlichen Denkens faszinieren Wissenschaftler und Laien seit jeher. Unterschiede in kognitiven Leistungen – und daraus resultierende Differenzen etwa bei Schulerfolg und Karriere – werden vor allem auf individuell unterschiedlich ausgeprägte Intelligenz zurückgeführt. Dass damit auch Unterschiede in der Vernetzung funktioneller Module im neuronalen Netzwerk des Gehirns einhergehen, zeigt eine Studie, die gerade in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht worden ist. Kirsten Hilger, Christian Fiebach und Ulrike Basten vom Institut für Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt nutzten MRT-Hirnscans von mehr als 300 Personen und moderne Verfahren der graphentheoretischen Netzwerkanalyse, um die neurobiologischen Grundlagen menschlicher Intelligenz zu untersuchen.

Schon  2015 hat die Forschergruppe eine Meta-Studie in der Fachzeitschrift „Intelligence“ veröffentlicht, worin sie Hirnregionen identifizierte – darunter den Präfrontalcortex – , in denen Aktivierungsveränderungen während kognitiver Herausforderungen einen zuverlässigen Zusammenhang mit Intelligenz zeigten. Wie diese „Intelligenz-Regionen“ des Gehirns jedoch untereinander vernetzt sind, darüber gab es in der Forschung bis vor wenigen Jahren kaum Einsichten.

Anfang 2017 dann berichtete das Forscherteam der Goethe-Universität, dass bei intelligenteren Personen zwei Hirnregionen, die mit der Verarbeitung aufgabenrelevanter Informationen in Verbindung gebracht werden (vorderer insulärer und cingulärer Cortex), über kürzere und somit effizientere Verbindungen mit dem Rest des Hirnnetzwerks verbunden sind (2017, „Intelligence“). Eine andere Region, die mit dem Ausblenden irrelevanter Informationen in Verbindung gebracht wird (die Übergangsregion zwischen Temporal- und Parietalcortex), ist hingegen weniger stark mit dem Rest des Netzwerks verbunden. „Die unterschiedlich starke Einbettung dieser Regionen ins Gesamtnetzwerk des Gehirns könnte es intelligenteren Personen erleichtern, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden – was bei vielen kognitiven Herausforderungen einen Vorteil darstellen würde“, spekuliert Studienleiterin Ulrike Basten.

In ihrer aktuellen Studie nun berücksichtigten die Wissenschaftler, dass das menschliche Gehirn modular organisiert ist. „Das ist ähnlich wie bei einem sozialen Netzwerk, das sich aus Subnetzwerken (Familien, Cliquen, Freundeskreise) zusammensetzt, in denen die Personen untereinander stärker verbunden sind als zu Personen anderer Subnetzwerke. So ist auch unser Gehirn organisiert. Im Gehirn gibt es Subnetzwerke von Hirnregionen – oder eben Module –, die untereinander eng vernetzt sind, während sie zum Rest des Netzwerks nur schwache Verbindungen haben. In unserer Studie haben wir uns intelligenzabhängige Unterschiede in der Rolle einzelner Hirnregionen für die Kommunikation zwischen und innerhalb von Subnetzwerken angesehen: Unterstützt eine Region eher den Informationsfluss innerhalb der eigenen ‚Clique’ oder ermöglicht sie durch Verbindungen zu anderen Subnetzwerken den Informationsaustausch mit anderen ‚Cliquen’, und wie hängt dies mit Intelligenz zusammen?“

Die Studie zeigt: Bei intelligenteren Personen sind bestimmte Gehirnregionen deutlich stärker am Austausch von Informationen zwischen Subnetzwerken beteiligt, so dass bedeutsame Informationen schneller und effizienter kommuniziert werden können. Auf der anderen Seite konnten die Forscher auch Regionen identifizieren, welche bei intelligenteren Personen stärker vom restlichen Netzwerk abgekoppelt sind, wodurch Gedanken möglicherweise besser gegen störende Einflüsse abgeschirmt sind. „Wir gehen davon aus, dass Netzwerkmerkmale, die wir bei intelligenteren Personen in stärkerer Ausprägung gefunden haben, es den Menschen erleichtern, sich gedanklich auf etwas zu konzentrieren und dabei irrelevante, möglicherweise störende Reize auszublenden“, sagt Basten. Dabei bleibt zunächst offen, wie die Zusammenhänge, die die Autoren in ihren Studien finden, zustande kommen. Ulrike Basten: „Es ist möglich, dass manche Menschen aufgrund einer biologischen Veranlagung Hirnnetzwerke ausbilden, die intelligente Leistungen wahrscheinlicher machen. Genauso gut kann sich aber umgekehrt der häufigere Gebrauch des Gehirns für intelligentere Leistungen positiv auf die Ausformung der Netzwerke im Gehirn auswirken. Bei allem, was wir über den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Intelligenz wissen, erscheint ein Wechselspiel beider Prozesse am wahrscheinlichsten.“ 

Publikation: Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Intelligence is associated with the modular structure of intrinsic brain networks. Scientific Reports. (DOI:10.1038/s41598-017-15795-7)

Weitere ReferenzenBasten, U., Hilger, K., & Fiebach, C. J. (2015). Where smart brains are different: A quantitative meta-analysis of functional and structural brain imaging studies on intelligence. Intelligence, 51, 10-27 | Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Efficient hubs in the intelligent brain: Nodal efficiency of hub regions in the salience network is associated with general intelligence. Intelligence, 60, 10-25.

Informationen: Dr. Ulrike Basten, Institut für Psychologie, Fachbereich 05, Theodor-W.-Adorno-
Platz 6 (Campus Westend), 60323 Frankfurt, basten@psych.uni-frankfurt.de, Telefon 0176 23973329; vgl. Arbeitsgruppe für Neurokognitive Psychologie, http://fiebachlab.org

 

Nov 22 2017
12:00

Aus dem Dornröschenschlaf in den Fokus der Wissenschaft: die Felsbildkopien des Frobenius-Instituts

Vergessene Bilder

FRANKFURT. Lange Zeit schlummerten sie in den Archiven des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität. Nun erleben die Kopien prähistorischer Felsbilder, die der Ethnologe und Institutsgründer Leo Frobenius in Afrika und anderen Erdteilen erstellen ließ, ein beeindruckendes Comeback.

Elefanten, Büffel, Hirsche und Antilopen, Menschen, teils mit Tierköpfen, und seltsam organisch wirkende Formen: Die Menschen der Vorgeschichte hatten offenbar das Bedürfnis, ihre Umwelt in Bildern zu verewigen. Im Verhältnis 1:1 dokumentiert wurden diese Gemälde im Auftrag des Ethnologen Leo Frobenius Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schon kurz nach ihrem Entstehen waren diese beeindruckenden Kopien in Ausstellungen in Frankfurt zu sehen, in den 30er Jahren gingen sie dann „auf Tournee“. Berlin, Oslo und Brüssel, Paris, Zürich und Wien – die aufwendig von Künstler(innen)hand erstellten Bilder wurden in zahlreichen europäischen Städten gezeigt. 1937 dann in New York. Ein Meilenstein der Kunstgeschichte, wie Sabine Graichens Beitrag in der neuesten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, deutlich macht: Die Ausstellungen der Felsbildkopien sollten zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne nachhaltig beeinflussen. Pablo Picasso und Joan Miró, Ernst Ludwig Kirchner, Willi Baumeister und Alberto Giacometti waren nachweislich fasziniert davon.

Jahrzehnte waren die Bilder dann vergessen, die Ethnologie arbeitete lieber mit Fotografien. Seit ihrer Wiederentdeckung haben sie viel Beachtung erhalten. Dr. Richard Kuba, Ethnologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frobenius-Institut, hat die Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte der Bilder aufgearbeitet. Längst ist klar, wie bedeutend sie sind – nicht nur, weil sie bis zu 30.000 Jahre alte Gemälde dokumentiert haben, die inzwischen zum Teil zerstört oder verblasst sind; gleich mehrere Forschungsdisziplinen haben die Felsbildkopien und ihre Entstehungsgeschichte im Blick, neben der Ethnologie die Archäologie, die Kunstgeschichte, aber auch die Genderforschung – und nicht zuletzt die Wissenschaftsgeschichte.

Der Beitrag „Vorgeschichtliche Bilder schreiben (Kunst-)Geschichte“ im Forschung Frankfurt-Heft zum Thema „Bild und Bildlichkeit“ versucht, die vielschichtige Bedeutung der Felsbildkopien, die unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen entstanden sind, zu erfassen und zu erklären. Und er verweist auf das Frühjahr 2019, wenn die Bilder endlich wieder in Frankfurt zu sehen sein werden, in der Stadt, in der Leo Frobenius sein Institut beheimatet hat.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.de

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 21 2017
10:49

Ab 27. November diskutiert die Frankfurter Bürger-Uni an insgesamt drei Abenden über Medien und öffentliche Meinung im Wandel

Informiert oder manipuliert?

FRANKFURT. Das Erfinden von Nachrichten macht immer häufiger Schlagzeilen. Nicht von ungefähr wurde „postfaktisch“ zum „Wort des Jahres 2016“ gekürt. Es wird zum allgegenwärtigen Attribut unserer Zeit. Die Reihe „Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel“ möchte der Bedeutung des Journalismus in Zeiten von Falschmeldungen, ihrer Entstehung und deren Folgen für gesellschaftliche und politische Diskurse sowie gängigen Techniken und Praktiken der Manipulation auf den Grund gehen.

Den Auftakt bildet die Podiumsdiskussion zum Thema „Old School oder En Vogue? Journalismus neu denken“

am 27. November 2017 um 19.30 Uhr
in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt.

Meinungsbildend, faktisch, aktuell, relevant – Merkmale, die den klassischen Journalismus auszeichnen. Oder etwa ausgezeichnet haben? Gewiss ist, die Branche unterliegt einem Wandel. Die Digitalisierung hat den Journalismus verändert, seine Funktion als Gatekeeper in Frage gestellt. Leser bestimmen Themen, Internet-Provider filtern Nachrichten und Roboter sorgen für Content. Doch in Zeiten von Ungewissheit, Trump und Fake News erfährt der klassische Journalismus am Beispiel von „The New York Times“ plötzlich wieder eine besondere Relevanz. Welche tatsächliche Bedeutung haben die klassischen Medien heute (noch)? Kann die Branche in Zeiten von Blogs und Social Media noch Schritt halten? Wie sehen Formate der Zukunft aus?

Über diese und weitere Fragen diskutieren Prof. Manfred Faßler, Medienwissenschaftler an der Goethe-Uni, Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Joachim Braun, Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse und Nils Bremer, Chefredakteur des Journal Frankfurt. Die Moderation übernimmt Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Uni.

Raum- und Medienpartner der Reihe sind die Stadtbücherei Frankfurt und die Frankfurter Rundschau.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

11. Dezember 2017
Auf der Suche nach der Wahrheit. Folgen von Fake-News für politische und gesellschaftliche Diskurse
Podium: Prof. Marcus Willaschek (Philosoph, Goethe-Uni), Prof. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaftler, Goethe-Uni), Anna-Maria Wagner (Referentin für Digitale Kommunikation, Deutscher Journalistenverband), Andreas Platthaus (stellv. Feuilleton-Chef, Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Moderation: Pitt von Bebenburg (Frankfurter Rundschau) 

15. Januar 2018
„Soziale“ oder „asoziale“ Medien? Technologien der Wahrnehmungsüberwältigung
Podium: Dr. Thorsten Thiel (Politologe, Goethe-Uni), Julia Krüger (Autorin, netzpolitik.org), Karolin Schwarz (Autorin und Gründerin von hoaxmap.org)
Moderation: Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Das Programmheft mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Besuchen Sie auch unseren Online-Veranstaltungskalender unter: www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Nov 20 2017
11:45

Oft überzeugt eine künstlerische Interpretation mehr als das reale Bild/ Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt zu „Bild und Bildlichkeit“

Mit gestylten Grafiken auf das Cover

FRANKFURT. Schönheit liegt auch in der Wissenschaft im Auge des Betrachters. So wie Eltern ihre Sprösslinge schön finden, schwärmen Forscher wie Mike Heilemann und Ivan Dikic von ihren Bildern fluoreszierender Bakterien. Doch um es auf das Cover der renommierten Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ zu schaffen, beauftragten sie die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko.

„Auf das Cover zu kommen, ist für einen Forscher ähnlich erstrebenswert wie für ein Fotomodell – wenn auch eher mit wissenschaftlichen als mit nackten Tatsachen“, schreibt Dr. Kerstin Koch in ihrem Artikel: „Mit gestylten Grafiken auf das Cover“ in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“. Nachdem das Manuskript mit den Forschungsergebnissen erst einmal zur Publikation angenommen sei, beginne das Rennen um den prominenten Platz auf dem Titel.

Anders als die Publikumsmedien machen Fachzeitschriften es sich einfach: Sie fordern die Autoren auf, Ideen für den Titel einzureichen. Bei der Wahl des Titelbildes ist den Redakteuren der künstlerische Wert meist wichtiger, als eine spezifische wissenschaftliche Botschaft rüberzubringen. „Das Hauptkriterium ist die Ästhetik“, bekennt Andrew Jermy, Chefredakteur von „Nature Microbiology“ im Interview mit „Forschung Frankfurt“.

Forscher Ivan Dikic vom Institut für Biochemie 2 der Goethe-Universität weiß um den künstlerischen Anspruch der Fachzeitschriften, aber gleichzeitig möchte er, dass die wissenschaftlich wichtige Botschaft eines Forschungsbildes auch noch transportiert wird. Deshalb beauftragte er in diesem Jahr die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko von Ella Maru Studio. Die geborene Russin lebt mit ihrem Mann, einem Wissenschaftler, in den USA. Ihre ersten Aufträge bekam sie durch den Chef ihres Mannes. Schnell sprach sich die Qualität ihrer Arbeit herum und sie eröffnete ein Grafikatelier, das sich auf wissenschaftliche Illustrationen und Animationen spezialisierte.

Ivan Dikic ist überzeugt, dass die Ehre, auf den Titel gehoben zu werden, die damit verbundene Mühe wert ist: „Die Erfahrung zeigt, dass eine Titelstory nach wie vor viel Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Community erzeugt.“ Im Juli 2017 erschien schließlich eines der vorgeschlagenen Bilder auf dem Titel.

Ästhetik ist den meisten Naturwissenschaftlern bei der Publikation ihrer Bilder wichtig. Das zeigte auch das Interview mit den Lebenswissenschaftlern Prof. Volker Dötsch und Junior Professorin Michaela Müller-McNicoll. „Der Editor blättert das Manuskript erst mal durch, und wenn die Abbildungen schlampig gemacht sind, wenn die Farben und Größen nicht stimmen, dann liest er das nicht, obwohl die Daten vielleicht toll sind“, berichtet Müller-McNicoll. „Ästhetik ist das, was hilft“, urteilt Volker Dötsch ganz pragmatisch.

Gute Abbildungen sind umso wichtiger, als deren Bedeutung sich oft nur einem kleinen Kreis von Kennern erschließt. Das wird in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ besonders deutlich an den „Lieblingsbildern“. Die Redaktion bat fünf Naturwissenschaftler um ein Bild, das für ihre Forschung sehr wichtig war. In allen Fällen waren viele erklärende Worte notwendig.

Dass Bilder in der Wissenschaft so facettenreich sind wie die Wissenschaft selbst, beleuchten auch die weiteren Beiträge zum Thema „Bild und Bildlichkeit“. Themen sind die unterschiedlichen Entstehungsweisen und Funktionen von Bildern, aber auch Bilder als Gegenstand der Forschung.

Weitere Themen:

  • Jessica Klapp: Virtual Reality im Dienst der Kognitionspsychologie
  • Bastian von Harrach: In der medizinischen Bildgebung geht nichts ohne Mathematik
  • Mireen Friedrich-Rust, Andrea Tal und Jörg Bojunga: Mit der Kamera durch das Verdauungssystem
  • Michael Stolleis: Bilder im Recht – Recht im Bild
  • Rolf Wiggershaus: Bilderhorizonte: Formierung der Vergangenheitsvorstellungen durch Bilder
  • Dirk Frank interviewt Bernd Dolle-Weinkauf: Können auch Bilder erzählen? Visualität und Narrativität im Comic
  • Anke Sauter: Das Gesicht – ein Abbild der Persönlichkeit?

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 15 2017
16:52

Physikprofessor Claudius Gros wendet die Theorie der dynamischen Systeme an

Sind hochentwickelte Demokratien inhärent instabil?

FRANKFURT. Die politischen Turbulenzen, die viele westliche Demokratien derzeit heimsuchen, lassen sich naturwissenschaftlich erklären: Claudius Gros, Professor für Theoretische Physik, macht in seiner Analyse das ungleiche Tempo von politischer Willensbildung und politischem Handeln dafür verantwortlich.

Fernsehen, Mobiltelefonie, Internet – die moderne Kommunikation trägt dazu bei, dass sich der Prozess der politischen Meinungsbildung immer mehr beschleunigt. Die politischen Akteure und Institutionen hingegen brauchen unter Umständen noch immer Jahre, um auf die Bedürfnisse der Wähler einzugehen. „Aus der Theorie der dynamischen Systeme ist bekannt: In einer solchen Situationen wird der der Status quo unausweichlich instabil“, sagt Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität.

In einer systemtheoretischen Analyse hat Gros ein Modell entwickelt, mit dem sich der Zustand der Demokratie als Funktion der Werte der Wähler bestimmen lässt. In diesem Modell reagieren die politischen Eliten typischerweise erst nach einer Verzögerung von bis zu einigen Jahren auf veränderte soziopolitische Konstellationen. Hinsichtlich der Wähler wird darüber hinaus angenommen, dass diese sich ihrerseits erst dann mit Nachdruck engagieren, wenn sich die Lage in ihren Augen deutlich verschlechtert hat.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist potentiell für das Verständnis der politischen Turbulenzen relevant, die sich in den vergangenen Jahren in vielen westlichen Demokratien gezeigt haben. Falls verifiziert werden kann, dass die politische Meinungsbildung in der Tat tendenziell immer schneller abläuft, dann werden moderne Demokratien unausweichlich solange von Instabilitäten in der Form von sich selbst verstärkenden „Schweinezyklen“ heimgesucht werden, solange die politischen Akteure neu auftretende Probleme lediglich mit substantiellen Verzögerungen angehen. In der Folge wird sich die unterschwellige Tendenz zu selbst-verstärkenden Entwicklungen immer wieder in dem jeweils aktuellen soziopolitischen Kontext manifestieren.

Publikation: Claudius Gros, Time delays versus accelerating opinion dynamics: Are advanced democracies inherently unstable? European Physical Journal B 90, 223 (2017); https://epjb.epj.org/articles/epjb/abs/2017/11/b170341/b170341.html

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69245039

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069 798-47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de.

 

Nov 15 2017
11:59

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 23. und 24. November 2017

Tagung zur Krise: „Die Grenze zwischen den Ordnungen“

FRANKFURT. Es ist schon paradox: Lange Zeit schien es, als ob die liberale Weltordnung westlicher Prägung vor allem von außen unter Druck gerate. Mittlerweile könnte auch das Gegenteil der Fall sein. Die Stichworte reichen von Trump, über den Brexit bis zu nationalistischen und populistischen Bewegungen. Hinzu kommen nach wie vor virulente transnationale Herausforderungen wie die Migrations-, Klima- oder Finanzkrisen. Um ein besseres Verständnis der gesellschaftlichen Konflikte und globalen Probleme, die mit dem Begriff Krise bezeichnet oder zu einer übergreifenden Krise zusammengefasst werden, geht es dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in seiner zehnten Internationalen Jahreskonferenz. Sie trägt den Titel: „Crisis – Interdisciplinary Perspectives“.

Die zweitägige Veranstaltung findet am 23. und 24. November statt, auch dieses Mal im Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Auf den Jahreskonferenzen werden zentrale Themenstellungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Gästen aus dem In- und Ausland diskutiert. Ist die Welt nun wirklich – um mit Shakespeares Hamlet zu sprechen – „aus den Fugen“? Immerhin gab es nach 1989 einen großen Fortschrittsglauben bezogen auf Wohlstand, Gerechtigkeit und Demokratie in einer friedlichen internationalen Ordnung. Dieser Optimismus scheint nun vielfach abgelöst worden zu sein von Gefühlen der Angst und Unsicherheit, die sich auch in antidemokratischen Formen äußern.

Prägend, besonders auch für die aktuelle Jubiläums-Jahreskonferenz, so der Anspruch des Exzellenzclusters, ist die transdisziplinäre Methode, die seit zehn Jahren den Kern des Forschungsverbundes bildet und eine differenzierte Analyse der Geschehnisse ermöglichen soll. Gegenstand der Untersuchungen sind dabei nicht nur die Defizite von Regelwerken oder transnationalen und supranationalen Institutionen, sondern ebenso deren normative Begründungen und tatsächliche Akzeptanz. Auf dem diesjährigen Programm stehen drei Panels mit insgesamt neun Vorträgen. Hinzu kommt eine Keynote von Hauke Brunkhorst, Professor für Soziologie an der Europa-Universität Flensburg.

Die Konferenz beginnt mit einem Panel zum Thema „Conceptions of Crisis“. Hier soll auch der grundlegenden Frage nachgegangen werden, was es genau bedeuten könnte, wenn davon die Rede ist, eine normative Ordnung stecke in der Krise. Rainer Forst und Klaus Günther, die beiden Sprecher des Exzellenzclusters, verweisen bei einer Begriffsklärung auf den Philosophen Schleiermacher und dessen Definition einer „Grenze zwischen zwei verschiedenen Ordnungen der Dinge“, die Krise als eine Zeit des Übergangs von einer alten zu einer neuen Ordnung, da die alte Ordnung nicht mehr herstellbar und die neue noch nicht vorgezeichnet ist. Gegenwärtig könne man, so der politische Philosoph und der Rechtswissenschaftler in ihrem Beitrag „Normative Crisis: Conceptual and Diagnostic Remarks“, von verschiedenen Formen von „Rechtfertigungskrisen“ sprechen.

Weitere Vortragende des ersten Panels, moderiert von der Cluster-Geschäftsführerin Rebecca Caroline Schmidt, sind Albena Azmanova und Brian Milstein, beide auf dem Feld der politischen Philosophie zu Hause. Die Professorin an der University of Kent spricht über „Crisis of Crisis: On Normative and Institutional Stuckness“ und der wissenschaftliche Mitarbeiter des Exzellenzclusters widmet sich der Frage „What Does Legitimation Crisis Mean Today?“. Im Anschluss an das Eröffnungspanel steht die Keynote Lecture auf dem Programm. „Normative Orders in Crisis – Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System“, heißt der Vortrag von Hauke Brunkhorst. Hier zeichnet er u.a. die Entwicklung der vergangenen 40 Jahre nach. Sie ist, so seine These, geprägt durch eine Abwertung politischer und persönlicher Rechte durch soziale Ungerechtigkeit.

Das zweite Panel – dann am 24. November – hat einen Fokus auf der historischen und ethnologischen Perspektive. Es heißt „Historical Interpretations in Crisis – The Search for Concepts beyond the Secularization Paradigm“ und wird moderiert von Annette Warner, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt und Mitglied des Exzellenzclusters. Zu den mittlerweile unzulänglichen historischen Konzepten gehöre auch die Rede von Europa als eines hervorzuhebenden Ortes. Zu bevorzugen sei „A Concept of Eurasia“. So heißt auch der Vortrag von Chris Hann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale). Judith Blume (bis vor kurzem am Cluster, jetzt in Göttingen) zeigt am Beispiel von Sammelbildern und dem Ende der Nazizeit, wie sich normative Krisen in der Alltagskultur abbilden. Der Mittelalter-Historiker und Cluster-Angehörige Bernhard Jussen plädiert in seinem Beitrag, nicht nur auf Schriftlichkeit fixiert zu sein, sondern auch visuelle Medien stärker mit einzubeziehen.

Das abschließende Panel beschäftigt sich mit der Frage, was die gegenwärtigen nationalistischen Narrative für das Konzept der internationalen Ordnung bedeutet, verstanden als System von Staaten, die in einem kosmopolitischen Geist eng kooperieren. Moderator ist der Rechtswissenschaftler Stefan Kadelbach vom Exzellenzcluster. Die drei Referierenden stammen aus der Politikwissenschaft. Zu Gast in Frankfurt ist Vivienne Jabri. Die Professorin für Internationale Politik am King’s College London spricht über: „Crisis and World Order: A Postcolonial Political Ontology“. Der Professor für Internationale Organisationen Christopher Daase („The Contradictions of the Liberal World Order“) und der Postdoktorand Stefan Kroll („The Crisis of the Liberal World Order: And the Politics of its Defense“) gehören zum Cluster. Sie adressieren Aspekte, der vermeintlich von innen heraus gefährdeten liberalen Weltordnung und fragen, ob nicht auch die Grundannahmen liberaler und institutionalistischer Ansätze einer kritischen Prüfung unterzogen werden müssten.

Die Konferenz ist presseöffentlich. Eine vorherige Anmeldung wird erbeten – bitte unter: office@normativeorders.net

Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/jahreskonferenzen

 

Nov 15 2017
11:54

Repräsentative Online-Befragung von Studierenden zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage

21. Sozialerhebung: Ergebnisse der Goethe-Universität

FRANKFURT. Nachdem bereits im Sommer 2017 das Gesamtergebnis der 21. Sozialerhebung bekannt gegeben worden ist, liegt nun die Einzelauswertung der Goethe-Universität vor. Der durchschnittliche Studierende dieser Hochschule ist 24,4 Jahre alt, nicht verheiratet und hat monatlich 1014 Euro zur Verfügung. Die meisten der Befragten studieren in Vollzeit und im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften. Sie investieren durchschnittlich 31 Stunden pro Woche in ihr Studium. 13 Stunden davon verbringen sie in Lehrveranstaltungen, 18 Stunden im Selbststudium. 67 Prozent der befragten Studierenden bewerten ihren Arbeitsaufwand als hoch bis sehr hoch, die übrigen 33 Prozent von mittel bis niedrig.

Die alle vier Jahre erscheinende Studie ermittelt die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland. Sie wird im Rahmen einer Onlinebefragung einer zufällig gezogenen Stichprobe von Studierenden bundesweit vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und dem Deutschen Studentenwerk (DSW) durchgeführt. Von der Goethe-Universität nahmen rund 1.055 Studierende teil (auswertbare Fälle), vor allem Studierende aus den ersten sechs Fachsemestern. Bundesweit machten rund 67.000 Studierende an 248 Hochschulen bei der Befragung mit (davon ~55.000 ausgewertet).

Die Spezifika des Hochschulstandortes spiegeln sich durchaus im Vergleich der Ergebnisse der Goethe-Uni mit der bundesweiten Auswertung wider, wie etwa hohe Mieten oder ein höherer Anteil an Migranten in der Stadt Frankfurt als anderswo. Somit leben knapp 40 Prozent der Befragten ausschließlich außerhalb Frankfurts, damit liegen die Studierenden der Goethe-Uni deutlich über dem bundesweiten Ergebnis in dieser Kategorie von knapp 30 Prozent. Mit 27 Prozent wohnen die meisten aller Befragten bei den Eltern. Bundesweit dagegen ist die Wohngemeinschaft die am häufigsten gewählte Wohnform. Im Vergleich zur Motivation für andere Wohnformen, wird die Wahl der Wohnform „bei den Eltern“ von den Frankfurter Studierenden seltener als eine bewusst gewählte Option angegeben. Mehr Prozentpunkte hat die Auswertung der Goethe-Uni im Vergleich zum bundesweiten Ergebnis auch ergeben, wenn es um den Migrationsstatus der Studierenden geht. 30 Prozent der Befragten an der Goethe-Universität haben einen Migrationshintergrund, bundesweit sind es 20 Prozent.

Die Goethe-Uni weist laut der Befragungsergebnisse ebenso mehr Studienfach- (25%; bundesweit: 21%) und Hochschulwechsler (22%; bundesweit: 17%) auf. Elf Prozent der Befragten geben an, das Studium nicht in Vollzeit zu absolvieren, das sind rund vier Prozent mehr als bundesweit an Universitäten. 25 Prozent geben an, gesundheitlich beeinträchtigt zu sein (bundesweit: 23%).

Die wichtigsten Finanzierungsquellen für die Studierenden der Goethe-Uni sind die Elternleistungen, sowie bundesweit auch. Zwölf Prozent der Befragten erhielten im Sommersemester 2016 BAföG. Damit sind es weniger als hessen- (15%) und bundesweit (18%). Hingegen sind mit 76 Prozent mehr Studierende der Goethe-Uni erwerbstätig als in der deutschlandweiten Auswertung ermittelt (69%).

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff kommentierte die Zahlen mit den Worten: „Frankfurt ist als Studienstandort ziemlich attraktiv, jedoch auch teurer für Studierende als andere Orte. Das erklärt die vielen Nebenjobs und den überdurchschnittlichen Anteil an Studierenden, die bei ihren Eltern wohnen. Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine Herausforderung in Frankfurt. Mit Deutschlandstipendien versuchen wir auch als Uni, Hunderte von Studierenden von finanziellem Druck zu entlasten. Jede Unterstützung ist willkommen.“

Neben der Auswertung der 21. Sozialerhebung von DZHW und DSW werden für die Goethe-Universität auch die Ergebnisse, der in diesem Wintersemester laufenden universitätseigenen Studierendenbefragung relevant für die Qualitätssicherung und Studiengangsentwicklung sein. Die Studie wird anders als die Sozialerhebung fächerspezifische Auswertungen erlauben, die insbesondere vor dem Hintergrund der verschiedenen Fachkulturen an der Goethe-Uni von Bedeutung sind. Die Studierendenbefragung umfasst darüber hinaus Themen, wie die Bewertungen von Studium und Lehre sowie Rückmeldungen zur Studien- und Prüfungsorganisation.

Randauszählung zur 21. Sozialerhebung für die Goethe-Universität als PDF-Download: www.uni-frankfurt.de/69214378

Informationen: Lena Opitz, Abteilung Lehre & Qualitätssicherung, Telefon: 069-798-12457, Opitz@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2017
10:37

Vortrag im Forschungskolleg Humanwissenschaft über Bildung und Erziehung im Kontext der Gülen-Bewegung

„Pädagogik der Anderen?“

FRANKFURT. Dr. Thomas Geier von der Universität Halle-Wittenberg spricht am Mittwoch, 22. November, in Bad Homburg darüber, welche Bedeutung dem türkisch-muslimischen Netzwerk der Gülen-Bewegung im hiesigen Bildungssystem zukommt.

Das zumeist als Gülen-Bewegung bezeichnete transnationale türkisch-muslimische Bildungsnetzwerk hizmet (türk. für Dienst) ist spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 auch in Deutschland bekannt. Kontroversen über deren sozial-religiöses Engagement im Bildungsbereich gab es schon zuvor; doch seitdem die Akteure in der Türkei als für den Putsch verantwortliche Terroristen gelten, haben sich diese verschärft. Zwischen den Anhängern Gülens und jenen von Erdoğans AKP kam es auch in der deutschen Migrationsgesellschaft zu einer starken Polarisierung, die auch die allgemeine öffentliche Debatte beeinflusst.

Dr. Thomas Geier untersucht in seinem Vortrag „Pädagogik der Anderen? Bildung und Erziehung im Kontext der Gülen-Bewegung“

am Mittwoch, 22. November 2017, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

das türkisch-muslimische Bildungsnetzwerk aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive, ohne dabei die aktuellen politischen Zusammenhänge außer Acht zu lassen. Er arbeitet heraus, welche Bedeutung dem Netzwerk im hiesigen Erziehungs- und Bildungssystem zukommt. Dabei greift der Erziehungswissenschaftler auf empirische Ergebnisse zurück, die im Kontext eines laufenden von der DFG finanzierten Projekts zur „Pädagogik der Gülen-Bewegung“ entstanden sind.

Dr. Thomas Geier ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Schul- und Bildungsforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2016 leitet er das DFG-Projekt „Die Pädagogik der Gülen-Bewegung – Rekonstruktion von Bildungspraktiken und Biographien in türkisch-muslimischen Gesprächskreisen“. Derzeit ist Geier auf Einladung des an der Goethe-Universität Frankfurt und der Justus-Liebig Universität Gießen angesiedelten LOEWE-Schwerpunktes „Religiöse Positionierung. Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“ Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Die Einführung in die Thematik und die Moderation übernimmt Prof. Isabell Diehm, Professorin am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktes »Religiöse Positionierung« leitet sie gemeinsam mit Dr. Patricia Stošić das Teilprojekt »Zwischen Distinktion und Diskriminierung. Zur Bedeutung religiöser Positionierungen für Professionalität in Bildungsorganisationen«.

Nach dem Vortrag gibt es einen Umtrunk im Kolleggebäude.

Ein Bild von Prof. Thomas Geier finden Sie zum Download unter www.uni-frankfurt.de/69219454

Copyright: Stefanie Wetzel

Anmeldung per Email unter: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Informationen: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172 13977 0; Iris Helene Koban (Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften), i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Beate Sutterlüty (Wissenschaftskommunikation), b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Nov 13 2017
18:34

Theoretiker der Goethe-Uni kalkuliert den Effekt magnetischer Segel

Kann man interstellare Raumsonden auch wieder abbremsen?

FRANKFURT. Mit einer miniaturisierten Raumsonde, die man auf bis zu ein Viertel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigen könnte, wäre unser nächster Stern, Alpha Centauri, in 20 bis 50 Jahren erreichbar. Ohne einen Mechanismus zum Abbremsen kann die Raumsonde allerdings nur im Vorbeiflug vom Stern und seinen Planeten Daten sammeln. Ein theoretischer Physiker der Goethe-Universität hat jetzt untersucht, ob sich interstellare Raumsonden mit Hilfe von „magnetischen Segeln“ abbremsen ließen.

Lange war die Vorstellung, unbemannte Raumsonden durch die Weiten des interstellaren Raumes zu fremden Sternen zu schicken, reine Utopie. Seit Neuestem wird jedoch u.a. im Rahmen der „Breakthrough Starshot Initiative“ an Konzepten gearbeitet, miniaturisierte Raumsonden mittels starker Laser zu beschleunigen. Noch schwieriger wäre es, interstellare Raumsonden darüber hinaus auch wieder abzubremsen, da man sie aus Gewichtsgründen nicht mit Bremsaggregaten ausstatten kann. Nach Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt wäre es dagegen möglich, zumindest vergleichsweise langsame Raumsonden mit Hilfe magnetischer Segel wieder abzubremsen.

„Langsam würde in diesem Fall eine Reisegeschwindigkeit von 1000 Kilometern pro Sekunde bedeuten, was zwar nur 0.3 Prozent der Lichtgeschwindigkeit ist, dafür aber etwa fünfzigmal schneller als die Voyager-Raumsonden“, erläutert Claudius Gros. Um die Bewegungsenergie der Raumsonde auf das interstellare Gas zu übertragen, ist nach den Berechnungen von Gros ein magnetisches Segel notwendig, das aus einer großen supraleitenden Schlaufe mit einem Durchmesser von gut 50 Kilometern besteht. In dieser Schlaufe wird verlustfrei ein Strom induziert, der seinerseits ein starkes Magnetfeld erzeugt. Der ionisierte Wasserstoff des interstellaren Mediums wird in der Folge vom Magnetfeld der Sonde reflektiert, wodurch diese nach und nach abgebremst wird. Das funktioniert, wie Gros zeigen konnte, trotz der extrem niedrigen Teilchendichte des interstellaren Raums (0,005 bis 0,1 Teilchen pro Kubikzentimeter).

Die Arbeiten von Gros zeigen auf, dass Magnetsegel ‚langsame‘ Raumsonden mit einer Masse von bis zu 1500 Kilogramm abbremsen können. Für die Reise wären allerdings historische Zeiträume notwendig. Die sieben bekannten Planeten des Trappist-1 Systems könnten so in etwa 12000 Jahren erreicht werden. Interessant ist auf der anderen Seite, dass für den Start der gleiche Laser geeignet wäre, mit dem sich nach bisherigen Planungen auch wenige Gramm schwere Raumsonden fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und nach Alpha-Centauri schicken ließen.

Missionen zu fremden Sternen, die Jahrtausende benötigen, kommen nicht für wissenschaftliche Erkundungsmissionen infrage. Anders sieht es dagegen aus, wenn die Reisedauer keine Rolle spielt. Ein Beispiel hierfür sind Missionen, die dem irdischen Leben alternative Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Solche Missionen, wie sie 2016 von Gros unter dem Namen 'Genesis Projekt' vorgeschlagen wurden, würden einzelliges Leben mit sich führen, entweder als tiefgekühlte Sporen oder kodiert in einem miniaturisierten Gen-Labor. Für eine Genesis Sonde ist nicht der Zeitpunkt der Ankunft wichtig, sondern die Möglichkeit abzubremsen und schlussendlich in eine Umlaufbahn um den Zielplaneten einzuschwenken.

Publikationen:
Claudius Gros: Universal scaling relation for magnetic sails: momentum braking in the limit of dilute interstellar media, Journal of Physics Communications 1, 045007 (2017) http://iopscience.iop.org/article/10.1088/2399-6528/aa927e

Claudius Gros: Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, in: Astrophysics and Space Science 361, 324 (2016) http://link.springer.com/article/10.1007/s10509-016-2911-0

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 47818, gros07[@]itp.uni-frankfurt.de.

Scobel 3sat Scobel Interview vom 19.10.2017:  Lässt sich neues Leben auf Exoplaneten bringen? http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=69526

 

Nov 10 2017
18:33

Zweiter Vortrag in der Reihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“

Zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vorteilen von Einwanderung

FRANKFURT. Migration sorgt in Europa aus verschiedenen Gründen für kontroverse Diskussionen. Kritiker und Populisten werfen Einwanderern vor, sie würden Arbeitsplätze wegnehmen, den Wohlfahrtsstaat belasten und die nationale Identität, lokale Kulturen sowie die Sicherheit gefährden. In unserer offenen Welt werden sich mehr Menschen unweigerlich über Grenzen hinweg bewegen, sagt Philippe Legrain - und wir sollten sie generell begrüßen. Über die Vorteile von Einwanderung spricht der Wirtschaftswissenschaftler vom London School of Economics’ European Institute in seinem Vortrag „The diversity dividend: Why the economic, social and cultural benefits of immigration are much greater than commonly thought“ 

am 15. November 2017 um 18.00 Uhr im Anbau Casino Saal West, Campus Westend.

Er findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“. Sie wird veranstaltet von den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Psychologie sowie der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Prof. Rolf van Dick, Goethe-Universität.

Warum kommen immer mehr Menschen aus armen Ländern nach Europa, in die Vereinigten Staaten und Australien? Können wir sie fernhalten? Sollten wir es überhaupt versuchen? Diesen Fragen geht Philippe Legrain in seinem Buch „Immigrants. Your country needs them“ nach. Der frühere Berater des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso hat mit seinem Buch auch außerhalb der Wissenschaft viel Beachtung gefunden.

Legrain gründete das Open Political Economy Network (OPEN), einen internationalen Think-Tank, und arbeitet als Kolumnist für die „Project Syndicate“ und die „Foreign Policy“. Zuvor beriet er den Direktor der Welthandelsorganisation Mike Moore und arbeitete als Handels- und Wirtschaftskorrespondent für „The Economist“.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

24. Januar 2018
Im Jahrhundert der Migration. Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften
Thomas Elbert, Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

31. Januar 2018
Trauma in a cross-cultural perspective
Devon Hinton, Professor der Psychiatrie am Massachusetts General Hospital und am Department of Global Health and Social Medicine der Harvard Medical School
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

07. Februar 2018
Migration im Verlauf der Schulbiografie. Die Situation migrierter Kinder, Jugendlicher sowie junger Erwachsender im deutschen Bildungssystem und Möglichkeiten der Professionalisierung im Lehramt
Mona Massumi, Lehrerin und Mitarbeiterin im Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln
Moderation: Prof. Isabell Diehm, Goethe-Universität

14. Februar 2018
Let’s Talk about Difference. Enpowering First-generation College Students to Succeed
Nicole M. Stephens, Professorin für Management und Organisation an der Kellogg School of Management
Moderation: Prof. Tanja Brühl, Prof. Rolf van Dick, beide Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Für die Vorträge in englischer Sprache werden Zusammenfassungen in deutscher Sprache bereit gelegt.

Alle Veranstaltungen finden im Anbau Casino Saal West, Campus Westend, statt.

Programm im Internet: www.abl.uni-frankfurt.de/vortragsreihe

Informationen: Ute Kandetzki, Geschäftsführerin Goethe-Lehrerakademie, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22650, E-Mail: vortragsreihe@abl-uni-frankfurt.de

 

Nov 9 2017
13:13

Biochemiker Christian Münch erhält Noether-Stipendium der DFG / 2 Millionen Euro zum Aufbau einer Forschergruppe

Fehlfaltung in Mitochondrien: Wie reagiert die Zelle?

FRANKFURT. Falsch gefaltete Proteine verursachen viele Krankheiten, darunter neurodegenerative Erkrankungen und Krebs. Deshalb hat die Zelle zu ihrem Schutz ausgefeilte Kontrollmechanismen entwickelt. Wie diese bei Fehlfaltung von Proteinen in Mitochondrien funktionieren, erforscht Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt ihn dabei mit einem Emmy-Noether-Stipendium in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro.

Die Fehlfaltung einzelner oder vieler zellulärer Proteine ist eine stetige Gefahr. Allein eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur bei Fieber reicht, um das Faltungsgleichgewicht in Zellen zu stören. Wenn das in Mitochondrien geschieht, können die üblichen Kontrollmechanismen der Zelle nicht greifen. Denn die kleinen Organellen, auch „Kraftwerke der Zelle“ genannt, sind durch zwei Membranen vom Rest der Zelle getrennt. Sie brauchen daher ihre eigenen Kontrollmechanismen, um die Faltung der mitochondrialen Proteine sicherzustellen.

Daher aktivieren Mitochondrien bei Fehlfaltung ihrer Proteine eine Stressantwort, die versucht, die Proteinfaltung zu korrigieren. Durch die Aktivierung bestimmter Gene im Zellkern induzieren sie die Herstellung von Proteinen, welche die Faltung in den Mitochondrien unterstützen. „Besonders in Säugetierzellen ist sehr wenig darüber bekannt, wie die Information über fehlgefaltete mitochondriale Proteine an den Zellkern übermittelt wird“, erklärt Dr. Christian Münch.

In der Forschergruppe, die Münch mithilfe der bewilligten Gelder aufbaut, soll zudem untersucht werden, wie sich die Stressantwort unter chronischen Bedingungen verhält und wie der programmierte Zelltod ausgelöst wird, wenn die Proteinfaltung nicht wiederhergestellt werden kann. Daraus versprechen sich die Forscher Erkenntnisse darüber, welche Rolle diese Prozesse in Krankheiten spielen und ob diese für therapeutische Zwecke modifiziert werden können.

Dr. Münch studierte Biochemie in Tübingen und München und promovierte 2011 an der Cambridge University in England. Danach folgte ein mehrjähriger Forschungsaufenthalt an der Harvard Medical School in den USA. Seit Dezember 2016 ist er Gruppenleiter am Institut für Biochemie II der Medizinischen Fakultät der Goethe-Universität.

Mit dem Emmy Noether-Programm fördert die DFG herausragende Nachwuchswissenschaftler, so dass sie eigenverantwortlich eine Nachwuchsgruppe leiten und sich als Hochschullehrer qualifizieren können. Besonders versucht das Programm hierbei auch herausragende Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland zurück zu rekrutieren.

Ein Bild von Christian Münch zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69177152 (Foto: Uwe Dettmar)

Information: Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie 2, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-6599, ch.muench@em.uni-frankfurt.de.

 

Nov 9 2017
13:12

Emeritus der Goethe-Universität erhält höchste Auszeichnung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Henry-Dunant-Medaille für Völkerrechtler Michael Bothe

FRANKFURT. Für seinen langjährigen Einsatz für die Genfer Konventionen ist Prof. Michael Bothe, emeritierter Jura-Professor der Goethe-Universität, heute von der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit der Henry-Dunant-Medaille ausgezeichnet worden. Die Medaille gilt als die höchste Ehrung, die die Bewegung zu vergeben hat.

Seit mehr als 50 Jahren engagiert sich Prof. Michael Bothe für die Entwicklung, Verbreitung und Durchsetzung des Rechts der Genfer Konventionen zum Schutz der Opfer bewaffneter Konflikte. Als Mitglied der deutschen Regierungsdelegation war er an der Verhandlung der beiden Zusatzprotokolle von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 beteiligt. Seitdem wirkte er in zahlreichen Expertengremien und Konferenzen zu diesem Recht mit. Schon seit 1973 ist Bothe Mitglied des Deutschen Komitees für humanitäres Völkerrecht, einem Fachausschuss des Deutschen Roten Kreuzes, mehr als 20 Jahre lang war er dessen Vorsitzender. Zur Kenntnis und zum Verständnis der Genfer Konventionen hat der Frankfurter Wissenschaftler Entscheidendes beigetragen: durch eine Fülle von Veröffentlichungen, z.B. als Autor eines der beiden führenden Kommentare zu den Protokollen von 1977, durch seine akademische Lehrtätigkeit hier in Frankfurt und an Universitäten in Deutschland und rund um die Welt sowie durch zahlreiche Vorträge im In- und Ausland.

Auch für die Durchsetzung dieses Rechts hat sich Bothe wirksam eingesetzt: Er war Mitglied und Vorsitzender der Internationalen Humanitären Ermittlungskommission, hat Opfer von Rechtsverletzungen beraten, z.B. Bombenopfer im ehemaligen Jugoslawien. Hilfsorganisationen stand er mit seiner Expertise zur Verfügung, etwa wenn es darum ging, den Zugang für Hilfsaktionen in Syrien und im Gaza-Streifen sichern. Auch vor hohen Gerichten, z. B. vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag im Verfahren um den Bau einer Mauer im besetzten Gebiet Palästinas, hat er sich im Sinne der Genfer Konventionen eingesetzt. Inspiration für diese Arbeit, sagt Bothe, sei für ihn stets, durch Verwirklichung des Rechts das Leid zu lindern, das Kriege in unsäglicher Weise über die Menschheit bringen.

„Das DRK ist stolz, einen so engagierten und kompetenten Rotkreuzler sowie international anerkannten Völkerrechtler an seiner Seite zu wissen“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters am Rande der internationalen Tagung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes in Antalya, in deren Rahmen die Medaille verliehen wurde. „Wir alle freuen uns sehr über diese ehrenvolle und hochverdiente Auszeichnung unseres Kollegen Michael Bothe. Seine Arbeit ist ein Vorbild für theoretische rechtswissenschaftliche Tätigkeit, die unmittelbar fruchtbare Wirkung in der Praxis entfaltet“, so Prof. Albrecht Cordes, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität.

Die Henry-Dunant-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Sie ist für Mitglieder gedacht, die sich in besonderer Weise auf internationaler Ebene um die Bewegung des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes verdient gemacht hat – etwa durch den langjährigen außergewöhnlicher Einsatz für die Bewegung oder durch Einzelhandlungen von herausragender Einsatzbereitschaft und Tapferkeit unter schwierigen Bedingungen, die mit einem hohen persönlichen Risiko für das eigene Leben, die Gesundheit oder die persönliche Freiheit verbunden waren. Die Medaille wird alle zwei Jahre vergeben, in der Regel an nicht mehr als fünf Empfänger.

Die Medaille ist benannt nach Henry Dunant (1828-1910), dem Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Mit seiner Schrift „Eine Erinnerung an Solferino“ hatte der Schweizer Humanist und Kaufmann die Grundlage der Konventionen gelegt. Der Abschluss der ersten Genfer Konvention von 1864, die der erste Völkerrechtsvertrag des modernen humanitären Völkerrechts ist und auf die Garantie eines Mindestmaßes an Menschlichkeit in bewaffneten Konflikten abzielt, wurde von Henry Dunant initiiert.

Ein Bild von Prof. Michael Bothe finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/69176638 (Foto: Goethe-Universität)

Information: Dr. Susanne Pelster, Geschäftsführung Dekanat, Fachbereich Rechtswissenschaft, Theodor-W.-Adorno-Platz 4, 60629 Frankfurt, Telefon 069 798-34205; Fax 069 798-34530, E-Mail Pelster@jur.uni-frankfurt.de

 

Nov 8 2017
16:26

Bürger-Universität am 19. Januar 2018 widmet sich der Frage, welche Veranstaltungen und Debatten im Rahmen eines wissenschaftsgeleiteten Diskurses an der Uni möglich sind

Diskurskultur auf dem Campus

FRANKFURT. Die Goethe-Universität veranstaltet im aktuellen Wintersemester (19. Januar 2018, 19 Uhr, Campus Westend (Ort wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben)) eine zusätzliche „Bürger-Universität“ mit dem Titel: „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“ Teilnehmende des Forums sind Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, der Philosoph Prof. Rainer Forst, die Ethnologin Prof. Susanne Schröter, der Humangeograf Prof. Bernd Belina (angefragt) sowie ein/e Vertreter/Vertreterin (angefragt) der insgesamt 60 Unterzeichner eines Offenen Briefs gegen den Vortrag von Rainer Wendt; Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard. Mit der Veranstaltung greift die Goethe-Universität am Fall des kürzlich im Rahmen einer Veranstaltungsreihe kurzfristig ausgeladenen Gastredners Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, Diskussionsstränge einer kontroversen öffentlichen Debatte auf, die sich an der Ein- und Ausladung Wendts entzündet hatte.

Universitätspräsidentin Birgitta Wolff sagte: „Auch wir sehen Gesprächsbedarf darüber, welche Veranstaltungen und Debatten im Rahmen eines wissenschaftsgeleiteten Diskurses an der Uni möglich sind und welche nicht. Eine solche Debatte wird derzeit auch an vielen andere deutschen Universitäten und Hochschulen intensiv geführt. Unsere Veranstaltung ist ein Angebot zur Versachlichung der Debatte angesichts eines sich immer weiter verschärfenden, öffentlichen Meinungsklimas, das auch die Wissenschaftsfreiheit gefährdet.“

Wolff verwies darauf, dass ein inneruniversitärer Diskurs zum Thema Meinungsfreiheit an der Goethe-Universität bereits seit 2014 stattfinde, als die Universität ihr Leitbild diskutierte und beschloss. Hier heißt es u.a.: „(…) Ihrer wechselvollen Geschichte kritisch verpflichtet, ist sie (die Goethe-Universität) geleitet von den Ideen der Europäischen Aufklärung, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit und wendet sich gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus. Die Goethe-Universität ist ein Ort argumentativer Auseinandersetzung; Forschung und Lehre stehen in gesellschaftlicher Verantwortung (…)“

Wolff ergänzte: „Immer wieder gibt es Vorfälle und Themen, die eine Erörterung und Diskussion der praktischen Folgerungen aus diesem Leitbild notwendig machen. Die Diskussion darüber, welche Kommunikations- und Verständigungskultur auf dem Campus wünschenswert und demokratisch geboten ist, setzen wir nicht nur im Rahmen der zusätzlichen Bürger-Universität fort“, kündigte Wolff an, „sondern auch bei anderen Gelegenheiten wie im Senat, im AStA-Jour fixe oder in der AG „Leitbild leben“.

Eines müsse klar sein, so Wolff: Positionen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gedeckt seien, müssten im Rahmen der wissenschaftsgeleiteten Debatten selbstverständlich auch auf dem Campus offen angesprochen werden können. Dies gebiete der demokratische Respekt vor der Position des/der Andersdenkenden. Aufgabe der Universität sei ein wissenschaftsgestützter Diskurs über Positionen, nicht Tabuisierung. Ein Klima der Angst – ganz gleich von welcher Seite dieses geschürt werde – gefährde die Wissenschaftsfreiheit.

Die vollständige Stellungnahme von Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff vom 3. November zum Fall Wendt finden Sie unter: http://tinygu.de/Statement-Wolff

 

Nov 8 2017
15:01

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sagt finanzielle Unterstützung des Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek für die Jahre 2018 und 2019 zu

Weiterer Ausbau von Open Access an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität ist in ihren Bemühungen, allen Interessierten weltweit einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu ermöglichen, auf erfreuliche Weise bestärkt worden: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Goethe-Uni jetzt eine finanzielle Unterstützung des Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek für die Jahre 2018 und 2019 zugesagt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität mit rund 290.000 Euro. Insgesamt werden dem Fonds im Zeitraum 2018-2019 mehr als 400.000 Euro zur Verfügung stehen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität können durch Mittel aus diesem Budget dabei unterstützt werden, ihre Publikationen im Open Access (OA) und damit frei zugänglich für alle zu verbreiten.

Der OA-Publikationsfonds fördert die Publikation wissenschaftlicher Artikel, die in Open-Access-Zeitschriften erscheinen und für die Publikationsgebühren anfallen, indem er diese Gebühren bis zu einer Höhe von 2.000 Euro übernimmt. Alle Angehörigen der Universität können diese Förderung in Anspruch nehmen. Der Fonds wird durch die Universitätsbibliothek betreut, die zu allen praktischen Fragen des Open-Access-Publizierens berät. Zudem sollen nach Möglichkeit auch andere Formen des OA-Publizierens finanziell unterstützt werden, etwa indem Open-Access-Zeitschriften in den Geisteswissenschaften, die keine Publikationsgebühren erheben, direkt gefördert werden.

Bibliothekdirektor Heiner Schnelling sieht die Bibliothek und die Universität auf dem richtigen Weg: „Die Hochschulbibliotheken können nicht bei ihren traditionellen Aufgaben wie Sammeln und Erschließen von Medien verharren. Sie sind gefordert, Services zu entwickeln, welche die Forschenden im gesamten Publikationsprozess unterstützen. Hinzu kommt, dass Open Access nicht nur den Autorinnen und Autoren der Texte Vorteile bringt, indem sie besser sichtbar werden, sondern dass alle Forschenden und Studierenden von der freien Zugänglichkeit von Fachliteratur profitieren.“

In der Open-Access-Policy der Universität heißt es: „Die Goethe-Universität ermuntert ihre WissenschaftlerInnen, Open Access zu publizieren.“ Sie belässt es aber nicht bei diesem Appell, sondern unterstützt die wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren mit ganz konkreten Angeboten. Neben dem Publikationsfonds bietet die Bibliothek etwa eine Plattform für das kostenlose Hosting von OA-Zeitschriften, die bereits von fünf Herausgebern genutzt wird, während acht weitere Titel in Vorbereitung sind.

Die Universitätsbibliothek hatte 2015, 2016 und 2017 zur Förderung von OA-Publikationen testweise Mittel bereitgestellt, die rasch abgerufen wurden und eine große Resonanz auslösten. Dank der großzügigen Unterstützung des Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds konnte die Bibliothek den Fonds im Laufe des Jahres 2017 noch einmal erheblich aufstocken. Mit der Zusage der DFG kann nun für die nächsten Jahre ein verlässliches Angebot eingerichtet werden.

Weitere Informationen: http://www.ub.uni-frankfurt.de/publizieren/

Open-Access-Policy der Goethe-Universität: http://www.ub.uni-frankfurt.de/publizieren/oa_policy_goetheuniversitaet_2017.pdf

Kontakt: Dr. Roland Wagner, Open-Access-Beauftragter der Universität: Tel. 069/798-49101, Mail: r.wagner@ub.uni-frankfurt.de | Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, Tel. 069/798-39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de

 

Nov 8 2017
12:14

Wassergefilterte Infrarot-A-Strahlung lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen

Wärmetherapie vielseitig einsetzbar

FRANKFURT. Wärme tut bei vielen Beschwerden gut, besonders, wenn sie tief ins Gewebe eindringt. Seit 1991gibt es dafür spezielle Infrarotstrahler, mit denen Mediziner vor allem bei der Wundheilung und Schmerzlinderung gute Erfahrungen machen. Das zeigt ein aktueller Übersichtsartikel von einem Sportmediziner der Goethe-Universität.

Ein bestimmter Teil des Infrarotspektrums, das Infrarot A, dringt besonders tief ins Gewebe ein. Filtert man aus dem Spektrum zudem die Anteile, welche die Hautoberfläche erhitzen, kann die Strahlung optimale Wirkung entfalten und sogar bei Entzündungen und Verbrennungen eingesetzt werden.

Das Verfahren, mit dem man aus dem Infrarot-A-Spektrum die unerwünschten Anteile herausfiltert, orientiert sich am Vorbild der Natur: In gemäßigten Klimazonen wird die Wärmestrahlung der Sonne durch das Wasser und den Wasserdampf der Atmosphäre gefiltert. Entsprechend tritt die Strahlung in der Infrarotlampe durch eine mit Wasser gefüllte Küvette. Für bestimmte in der Medizin wichtige Wellenlängen, wie zum Beispiel 820 Nanometer, kann man daher im Vergleich zu Infrarotlampen („Rotlichtlampen“) ohne Wasserfilter mit wIRA eine 6-30mal so hohe Bestrahlungsstärke anwenden.

Wassergefiltertes Infrarot A hat drei Hauptwirkungen auf das Gewebe: Es steigert wesentlich die Temperatur, die Versorgung mit Sauerstoff und die Durchblutung. Bestrahlung mit wIRA lindert Schmerzen, hemmt Entzündungen und eine vermehrte Flüssigkeitsabgabe, fördert die Infektionsabwehr und die Regeneration. Das zeigt ein aktueller Übersichtsartikel von Prof. Gerd Hoffmann vom Institut für Sportwissenschaften zu den medizinischen Anwendungen von wIRA. Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift "Physikalische Medizin – Rehabilitationsmedizin – Kurortmedizin" erschienen.

Es gibt eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für wIRA. So verläuft die Heilung akuter und chronischer Wunden schneller und schmerzärmer. Typische Anwendungen sind Operationswunden und chronische Geschwüre („offenes Bein“). wIRA wird außerdem eingesetzt bei Warzen, Lippen-Herpes, Gürtelrose (Herpes Zoster), Sklerodermie, Akne und Lichtalterungsschäden der Haut (aktinischen Keratosen). Auf die Haut aufgetragene Substanzen werden unter Bestrahlung mit wIRA besser aufgenommen.

Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Arthrosen, Gelenkentzündungen (Arthritiden), Rückenschmerzen (Lumbago) oder Morbus Bechterew (ankylosierende Spondyloarthritis). wIRA lindert Schmerzen vom gewöhnlichen Muskelkater bis zum komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS). Die Strahlung fördert die Regeneration nach Sport und wird zudem bei Polyneuropathien und in Kombination mit Strahlentherapie oder Chemotherapie in der Tumortherapie (Onkologie) eingesetzt.

Die Schmerzminderung durch wIRA beruht auf verschiedenen Effekten: Dank der gesteigerten Durchblutung können angehäufte Stoffwechselprodukte wie Schmerzbotenstoffe, Milchsäure und Bakteriengifte besser entfernt werden. Die erhöhte Gewebetemperatur beschleunigt parallel dazu den Abbau dieser Substanzen und fördert die Regeneration. Nicht-thermische Effekte beinhalten direkte Wirkungen auf Zellen und zelluläre Strukturen und Substanzen und möglicherweise auch auf Schmerzrezeptoren. wIRA wirkt deutlich muskelentspannend und auch hierüber schmerzmindernd. Dadurch verbessert sich nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Sauerstoffversorgung im Gewebe – und das senkt deutlich das Infektionsrisiko bei Wunden.

Publikation: Hoffmann G. Klinische Anwendungen von wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) – eine Übersicht. Phys Med Rehabilitationsmed Kurortmed. 2017;27:265-274. DOI: 10.1055/s-0043-113047, frei zugänglich unter: http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/45000, urn:nbn:de:hebis:30:3-450002

Ausführliche frei zugängliche Darstellung zahlreicher Anwendungsmöglichkeiten von wassergefiltertem Infrarot A (in Deutsch mit englischer Zusammenfassung): http://www.waerme-therapie.com/fachartikel.html

Bilder zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/69156872

Abbildung 1: Spektren der Sonne, eines Strahlers für wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) und von zwei Halogenstrahlern ohne Wasserfilter. Grafik: Piazena

Abbildung 2: Wundheilungsverlauf einer infizierten Wunde nach 4 Tagen und nach insgesamt 3 Wochen mit täglich dreimal 1 Stunde Bestrahlung mit wassergefiltertem Infrarot A (wIRA). Foto: Winkel

Information: Prof. Dr. Gerd Hoffmann, Institut für Sportwissenschaften, Fachbereich 5, Sport Campus Ginnheim, Tel.: (06181)62287, hoffmann@em.uni-frankfurt.de.

 

Nov 8 2017
11:12

Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur zu neuer Therapie gegen Altersschäden des Gehirns

Eine Spritze gegen Alzheimer & Co.?

FRANKFURT. Kann man vorbeugen gegen Demenz, Altersschwerhörigkeit, Parkinson, Epilepsie und ALS? Die großen Pharma-Firmen scheinen nicht mehr daran zu glauben, aber überraschende Befunde der letzten zwei Jahre wecken die Hoffnung, dass regelmäßige Injektionen speziell designter RNA im nächsten Jahrzehnt zur Routine-Prävention gegen Altersschäden des Gehirns eingesetzt werden könnten.

Am Beispiel von zwei Krankheiten, bei denen fortschreitende Lähmungen auftreten, weil die Muskeln versorgende Nerven (Motoneuronen) absterben (SMA und ALS) zeigte der neue Therapieansatz überraschend vielversprechende Ergebnisse. An Mäusen konnte der diesjährige Merz Stiftungsgastprofessor Aaron Gitler von der Stanford University, USA, zusammen mit Prof. Georg Auburger von der Goethe Universität, den Krankheitsprozess über mehr als ein Jahr aufhalten. Unbehandelt sterben die Tiere nach 22 Tagen. Die Entdeckung, die im April 2017 in der angesehenen Fachzeitschrift „Nature“ publiziert wurde, diskutieren internationale Fachleute im Rahmen eines Symposiums

am 22. November von 9 bis 17 Uhr
im Hörsaalgebäude des Universitätsklinikums Frankfurt (Haus 22, HS 2).

In Deutschland haben an der Universitätsklinik Ulm (Direktor: Professor Albert Ludolph) bereits erste Therapie-Versuche mit RNA-Injektionen bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) begonnen. Prof. Jochen Weishaupt aus der Abteilung von Prof. Ludolph wird über die ALS-Arbeiten in Ulmauf dem Symposium an der Goethe-Universität berichten. Ebenso konnte Prof. Felix Rosenow von der Goethe Universität kürzlich nachweisen, dass die Injektion von RNA auch zur Behandlung von Epilepsie ein vielversprechender Weg ist.

Beim Bürgerforum haben Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, direkt mit den Forschern zu diskutieren

am 23. November (Donnerstag) von 16.30 bis 18 Uhr
im Arkadensaal des Goethe-Hauses, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt.

Themen der Podiumsdiskussion mit Prof. Aaron Gitler, Prof. Georg Auburger und Prof. Felix Rosenow unter der Moderation von Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz werden sein: Lässt sich dieser Ansatz übertragen auf Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer, auf fortschreitende Taubheit und Blindheit? An welchen Standorten kann man sich schon behandeln lassen? Wie viele Jahre werden vergehen bis zur routinemäßigen Einführung der Therapie? Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen? Wie kann man schon Jahre vor Ausbruch der Erkrankung wissen, ob man sich vorbeugend behandeln lassen sollte? Anschließend besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Pressevertreter sind zu beiden Veranstaltungen herzlich eingeladen. Wenn Sie ein Interview mit Aaron Gitler oder anderen Experten bei dem Symposium wünschen, wenden Sie sich bitte an Prof. Auburger: (069) 6301-7428, auburger@em.uni-frankfurt.de.

Information: Prof. Dr. Georg Auburger, Klinik für Neurologie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-7428, auburger@em.uni-frankfurt.de