​​​​Pressemitteilungen ​

Veranstaltungen

Okt 16 2015
09:41

16 Promovenden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ nehmen die Besucher mit auf eine interaktive Entdeckungsreise

Geistwissenschaften multimedial: Ausstellung „Menschen / Tun / Dinge“ zu Wert und Wandel von Objekten

FRANKFURT. Geisteswissenschaften multimedial – Wissensvermittlung per Touch und Click – vergnüglicher Erkenntnisgewinn, das bieten die 16 Doktorandinnen und Doktoranden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ der Goethe-Universität in ihrer Ausstellung „Menschen | Tun | Dinge“. Sie ist von Donnerstag (15. Oktober) bis 20. Dezember im Foyer des IG-Farben-Hauses auf dem Campus Westend, aber auch unter www.Menschen-Tun-Dinge.de zu sehen.

Mit diesen drei Worten umfassen die Kuratoren der Ausstellung, der Ethnologe Prof. Hans Peter Hahn und die beiden Archäologinnen Annabel Bokern und Prof. Fleur Kemmers, was Kultur ausmacht. Dazu Hahn: „Die Kultur einer Gesellschaft wird durch die Handlungen von Menschen – deren Tun – geformt. Und Dinge, die Menschen herstellen, gebrauchen oder denen sie besondere Bedeutung zumessen, gibt und gab es in allen Kulturen und zu allen Zeiten.“ Wer – wie die Gruppe junger Wissenschaftler – von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Drittmittel erhält, verpflichtet sich, nicht nur an dem Opus Magnum der Dissertation zu arbeiten, sondern die Öffentlichkeit an den eigenen Forschungsergebnissen teilhaben zu lassen – und so entstand diese Ausstellung mit viel Kreativität und begrenztem Budget.

Im Zentrum der Ausstellung und ihrer virtuellen Präsentation, deren ansprechendes minimalistisches Konzept einer jungen Mainzer Kommunikationsdesignerin unter dem Label „Martina Miocevic | Mathilda Mutant“ in enger Kooperation mit den Kuratoren und Promovenden entwickelt haben, steht die Frage, wie Menschen und Dinge sich wechselseitig beeinflussen. So deutlich die wechselseitigen Beziehungen von Menschen und Dingen sind, so offensichtlich ist auch deren Vielgestaltigkeit. „Dinge können zeitgleich ganz unterschiedliche Bedeutung haben“, so Bokern, und Kemmers ergänzt: „Mehrdeutigkeit ist dabei nicht nur ein Problem, sondern auch eine besondere Stärke für den Zugriff auf materielle Zeugnisse.“

In jeder einzelnen Fallstudie, die die 16 Promovenden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ in vier Themenbereichen vorstellen, werden die Wandelbarkeit der Dinge und die Möglichkeiten unterschiedlicher Interpretationen mit berücksichtigt. Die vier Themenkreise „Produktion und Gebrauch“ (ab 15.10.), „Tradition und Wandel“ (ab 29.10.), „Landschaft und Urbanisierung“ (ab 12.11.), „Wirtschaft und Verwaltung“ (ab 26.11.) bespielen jeweils zwei Wochen die interaktive Box im Foyer des IG-Farben-Hauses, auf der Web-Page www.Menschen-Tun-Dinge.de sind alle vier Bereiche ab 15. Oktober freigeschaltet.

Das Plakat der Ausstellung schmückt eine Kürbisfratze – auf diese hatten sich die zwei Archäologen und zwei Ethnologen schnell verständigt, die den Themenbereich „Tradition und Wandel“ bearbeitet haben. Dazu der Ethnologe Sebastian Schellhaas, der sich eigentlich mit indigener Küche in British Columbia befasst: „Keiner von uns beschäftigt sich mit Kürbisfratzen, doch der sinnbildliche Charakter dieses Objekts ist unmissverständlich und verweist unmittelbar auf ein Phänomen, nämlich Halloween. Das verbindet die vielen Fragestellungen, mit denen wir uns auseinandersetzen.“ Am Exempel Halloween können sie zeigen, dass Tradition aus dem Aneignen, Zusammenfügen, Neuordnen und Wiederaufgeben kultureller Praktiken und Glaubensinhalte gebildet wird. Besucher, ob in der interaktiven Box im Foyer des IG-Farben-Hauses oder über die Web-Page, erfahren spannende Details über Traditionen im Wandel der Zeiten.

„Auch wenn Traditionen wie die Halloween  ihren Ursprung im Dunkel der Vergangenheit haben, sind sie doch nicht zeitlos“, so Schellhaas. Es bleibt die Frage, wie viel Altes braucht es und welches Maß an Neuem ist erlaubt, um im Wandel trotzdem als Tradition zu bestehen? In der Archäologie und Ethnologie finden sich zahlreiche Beispiele, die auf einen solchen Prozess hindeuten. So führt die nächste „Ebene“ der multimedialen Präsentation zu dem empirischen Material, das die vier Promovenden in ihren Projekten erforschen. Der Archäologe Lukas Wiggering verfolgt beispielsweise den Austausch von materiellen und immateriellen Gütern in der europäischen Bronzezeit. Dieser Austausch stellt nicht nur eine Abkehr vom Alten, sondern gleichzeitig die Aneignung von Neuem dar. Mit der Verbreitung der Bronze gingen umfassende gesellschaftliche Veränderungen einher.

Nach ähnlichem Muster werden auch die anderen drei Themenbereiche medial umgesetzt – immer knüpfen die Dinge im Zentrum des mit neongrünen Ecken markierten Quadrats an heutige Alltagsverfahren an: die Zahnbrüste für „Produktion und Gebrauch“, der klassische Achter-Legostein für „Landschaft und Urbanisierung“ und das Klemmbrett mit Darth Vader von „Starwars“ für „Wirtschaft und Verwaltung“. Nach jedem dieser Objekte folgt eine Zwischenseite mit einem erklärenden Text zum Thema. Auf den weiteren Seiten gibt es zu den Dissertationsprojekten erklärende Texte, Fotos, Karten, Videos, 3D-Modelle und Simulationen, Interviews mit Doktoranden und Fotos zur Arbeitssituation.

Wer all dieses nicht nur virtuell erleben möchte, für denjenigen gibt es auch einen Katalog zum Blättern und Lesen. Er ist im Kerber-Verlag (ISBN 978-3-7356-0163-6, 30 Euro) erschienen und enthält u.a. fünf Seiten zu jedem der vier Themenbereiche als Einführung und zum Konzept sowie jeweils fünf Seiten zu jedem der 16 Projekte. In einem Dokumentationsteil wird außerdem erklärt, warum das Graduiertenkolleg diese Ausstellung macht, dazu wird eine Auswahl von Fotos bei der Arbeit gezeigt.

Jeweils zum Wechsel der ausgestellten Projekte in der Box des Foyers im IG-Farben-Haus findet auch um 18.15 Uhr im Raum EG 411 ein öffentlicher Vortrag statt.

Informationen: Annabel Bokern, Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“, Campus Westend, Tel. 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.Menschen-Tun-Dinge.de

Hochschulpolitische Themen

Okt 14 2015
16:56

Uni-Präsidentin Birgitta Wolff: Auch unter erschwerten Bedingungen Studium möglich

Flüchtlingssituation: Goethe-Uni organisiert Sportstudium um

FRANKFURT. Seit Mitte September stellt die Goethe-Universität auf Bitten von Stadt und Land fünf Hallen des Sportcampus Ginnheim als Notunterkünfte für inzwischen über 270 Geflüchtete zur Verfügung. Sie tat dies angesichts einer öffentlichen Notsituation in einer schwierigen Abwägung zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Verantwortung für Studium und Lehre.

Sportwissenschaften, Präsidium und Stadt stehen seither in ständigem Austausch mit dem Ziel, auf dem Campus Ginnheim so schnell wieder einen regulären Uni-Betrieb zu ermöglichen. Parallel wurden jedoch auch umfassende Vorbereitungen für den jetzt eintretenden Fall getroffen, dass in Ginnheim auf absehbare Zeit insbesondere die sportpraktischen Studienteile nicht bzw. nur eingeschränkt stattfinden können.

Dank interner Umorganisationen und einer hohen Kooperationsbereitschaft befreundeter (Frankfurter) Einrichtungen kann die Goethe-Uni Sportstudierenden nun auch unter den veränderten Bedingungen ein vollständiges Studium bieten. Uni-Präsidentin Prof. Birgitta Wolff sagte: „Alle Theorieveranstaltung und zumindest einige Praxiskurse starten planmäßig in dieser Woche; für die weiteren Praxisveranstaltungen werden wir bis zur dritten Semesterwoche Ersatzregelungen finden. Besonders gefreut haben wir uns über die Hilfsangebote der befreundeten Unis in Gießen, Marburg und Darmstadt. Um die Zeit für das Pendeln unserer Studierenden auf ein Minimum zu begrenzen, arbeitet das Institut für Sportwissenschaften an Lösungen in Frankfurter Sportstätten.“

Parallel hat das Präsidium gegenüber der Stadt Frankfurt weitere  – derzeit ungenutzte – Uni-Räumlichkeiten für die Unterbringung von Geflüchteten vorgeschlagen mit der Bitte um rasche Prüfung. Dorthin könnten die am Campus Ginnheim untergebrachten Flüchtlinge umziehen, sobald sich dafür eine realistische Perspektive ergibt.

Veranstaltungen

Okt 14 2015
16:02

Veranstaltungen und Informationsangebote der Goethe-Universität zum diesjährigen Ehrengast der Buchmesse

Wer kennt Indonesien?

FRANKFURT. Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober) ist das asiatische Land Indonesien. Wer sich fachwissenschaftlich mit dem größten muslimischen Land der Welt beschäftigen möchte, vielleicht aber auch aus privatem Interesse auf der Suche nach geeigneter Literatur ist, findet in der aktuellen „Literaturvitrine“ der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg jede Menge Vertiefungsmöglichkeiten. Dieses virtuelle Informationsangebot wird zu aktuellen Themen zusammengestellt. Die letzten „Literaturvitrinen“ waren unter anderem dem jüngst verstorbenen Dichter Henning Mankell, dem 25jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit und der frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Aleksievic gewidmet. (http://www.ub.uni-frankfurt.de)

Die Universitätsbibliothek der Goethe-Universität widmet auch einen Vortrag auf ihrem Buchmessen-Stand dem Gastland Indonesien. Am Donnerstag wird Referent Holger Warnk in seinem Vortrag über „Orang Utans, Amok und Kopfjäger“ über die Indonesien-Bestände der Universitätsbibliothek sprechen. Die Bibliothek besitzt umfangreiche Sammlungen zur Malaiischen Welt und zu Indonesien im Besonderen. Die Bibliothek der Deutschen Kolonialgesellschaft sammelte intensiv zur damaligen Kolonie Niederländisch-Indien, auch die Handschriftenabteilung weist seltene Bestände auf. In der Teilbibliothek der Südostasienwissenschaften sind ebenfalls einzigartige Bestände vorhanden, die zu einem erheblichen Teil aus Indonesien selbst stammen. Der Vortrag wird einige Schätze aus diesen Sammlungen vorstellen.
15. Oktober 2015, 14:30 Uhr, am Stand der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Halle 4.2., Stand N74. (Englischsprachiger Vortrag zum Thema am Freitag, 16.10., um 11 Uhr).

Eine vom Exzellenzcluster Normative Orders veranstaltete Podiumsdiskussion auf dem Campus Westend wird sich mit der Provinz Aceh im Nordosten Indonesiens beschäftigen, die im Jahre 2004 besonders stark vom Tsunami im Indischen Ozean getroffen wurde. Versucht werden soll, die Entwicklungen des Friedensprozesses in den vergangenen zehn Jahren in Bezug auf die islamische Rechtsordnung der Provinz, Geschlechterverhältnisse, Menschenrechte und lokale politische Dynamiken nachzuzeichnen. Es diskutieren die indonesische mehrfach preisgekrönte freie Schriftstellerin und Journalistin Linda Christanty, der aus Aceh stammende Menschenrechtsaktivist und freie Autor Azhari Aiyub, der US-amerikanische Ethnologe Prof. Dr. James T. Siegel  und Dr. Gunnar Stange. Die Diskussion wird von der Ethnologin Prof. Dr. Susanne Schröter moderiert.

15. Oktober 2015, 18.15 bis 19.45 Uhr, Campus Westend, Gebäude "Normative Ordnungen", EG 02, Max-Horkheimer-Str. 2.

Forschung

Okt 13 2015
10:16

Vorschläge für die Bundesregierung entstanden unter Beteiligung des Rechtswissenschaftlers Matthias Jahn von der Goethe-Universität

Das Strafverfahren zukunftstauglich machen

FRANKFURT. Strafverfahren in Deutschland sollen effektiver und praxistauglicher werden: Mehr Beteiligungsrechte für den Beschuldigten, mehr Transparenz und Kommunikation in der Verhandlungsführung sowie einen besseren Einsatz moderner Technik im Ermittlungsverfahren sollen dazu beitragen. Eine eigens eingesetzte Expertenkommission übergibt heute in Berlin ihren Abschlussbericht an Bundesjustizminister Heiko Maas. Mit dabei als einer von sechs Hochschullehrern der Kommission: Prof. Matthias JahnStrafrechtsprofessor an der Goethe-Universität.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung war der Auftrag festgeschrieben: Die bestehenden Regelungen zum Strafverfahren sollten unter Berücksichtigung rechtsstaatlicher Grundsätze überprüft und effektiver gestaltet werden. Der zweite Anlass, das deutsche Strafverfahren genauer unter die Lupe zu nehmen, war ein Urteil des Bundesverfassungsgericht von 2013 zur Verständigung im Strafprozess („Deal“), das eine Neuregelung nahelegte. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Anwendungsmöglichkeiten  einer Verständigung im Strafprozess („Deal“) stark eingeengt.

Im Juli 2014 nahm die Expertenkommission die Arbeit an ihrem Bericht auf. Ein gutes Jahr – nicht gerade viel Zeit für eine so umfassende Überprüfung. Außer den sechs Wissenschaftlern gehörten der Expertenkommission auch Vertreter der juristischen Praxis (Bundesgerichtshof, Generalbundesanwalt) an sowie Experten aus den Landesjustizverwaltungen und den Bundesministerien. Alle Verfahrensabschnitte des Strafverfahrens – vom Ermittlungsverfahren bis zur Strafvollstreckung – wurden daraufhin untersucht, inwieweit sie in ihrer heutigen strukturellen Ausgestaltung den Anforderungen an ein modernes Strafverfahren noch entsprechen. Das Resultat sind mehr als 50 konkrete Vorschläge für Gesetzesreformen.

„Ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden“, betont Matthias Jahn. „Die drei großen Leitlinien einer sinnvollen größeren Reform des deutschen Strafprozesses spiegeln sich wieder: Mehr Partizipation der Verteidigung, mehr Kommunikation und Konsens der Beteiligten und – endlich – die Nutzung der heutigen technischen Möglichkeiten der Dokumentation des Verfahrensablaufs“, erklärt Jahn. Matthias Jahn (46), der seit 2013 den Lehrstuhl für Straf- und Strafprozessrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt innehat und die bundesweit einzigen Forschungsstelle für Recht und Praxis der Strafverteidigung (RuPS) leitet, hat auch Erfahrungen aus der Praxis eingebracht: Im zweiten Hauptamt arbeitet Jahn als Richter am Oberlandesgericht Frankfurt, vor dem Wechsel in die Wissenschaft war er als Strafverteidiger und Staatsanwalt tätig.

Die Kommission empfiehlt, die Beteiligungsrechte des Beschuldigten zu stärken – z.B. durch ein Anwesenheitsrecht des Verteidigers bei polizeilichen Beschuldigtenvernehmungen oder durch eine Mitsprache bei der Auswahl von Sachverständigen. In Bezug auf das BVerfG-Urteil zum „Deal“ steht die Empfehlung, für mehr Transparenz und Kommunikation in der Verhandlungsführung zu sorgen, indem zum Beispiel bei umfangreichen Strafverfahren ein Koordinationstermin zur Vorbereitung der Hauptverhandlung anberaumt wird und die ausdrückliche Aufforderung an die Verfahrensbeteiligten ergeht, vorhandene gesetzliche Vorschriften zur Verständigung großzügig zu nutzen. Außerdem regt die Kommission an, die Möglichkeiten moderner Technik im Ermittlungsverfahren stärker zu nutzen; im geltenden Recht wird z.B. das technische Potential audiovisueller Aufzeichnungsmöglichkeiten in Zeugen- und Beschuldigtenvernehmungen bei weitem nicht ausgeschöpft.

Der Abschlussbericht ist über www.bmjv.de downloadbar.

Informationen: Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie sowie Forschungsstelle Recht und Praxis der Strafverteidigung (RuPS) der Goethe-Universität, Goethe-Universität, Heike Brehler, Tel. 069/798-34336, E-Mail: rups@jura.uni-frankfurt.de, Web: http://www.jura.uni-frankfurt.de/RuPS

Ein Porträt von Prof. Jahn zum Download unter: http://www.jura.uni-frankfurt.de/46098693/Zur-Person

Forschung

Okt 13 2015
10:15

Frankfurter Sozialforscher legen Ergebnisse einer Studie vor – Veröffentlichung in der neuen Ausgabe von „American Journal of Sociology”

Frauen: Längere Job-Pause führt zu weniger Lust auf Karriere

FRANKFURT. Familienpolitik beeinflusst nicht nur das ökonomische Verhalten von Familien, sondern setzt auch deutliche normative Signale, an denen Menschen ihre individuellen Lebensentwürfe orientieren: Je länger Mütter nach der Geburt eines Kindes im Job pausieren, umso stärker verlieren sie das Interesse an der eigenen Karriere: Das können die Soziologen Prof. Markus Gangl und Dr. Andrea Ziefle von der Goethe-Universität Frankfurt jetzt empirisch belegen. Soeben ist in dem international renommierten „American Journal of Sociology” (Jg. 121, Heft 2) ihr Aufsatz „The Making of a Good Woman: Extended Parental Leave Entitlements and Mothers’ Work Commitment in Germany” erschienen.

In der internationalen Forschung deutete sich bereits an, dass kurze Elternzeiten von bis zu einem oder eineinhalb Jahren, wie sie etwa in Skandinavien üblich sind, zu einer besseren Integration der Mütter in den Arbeitsmarkt führen. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu den Erfahrungen in angelsächsischen Ländern, wo Familie überwiegend Privatsache ist. Je länger Elternzeit gesetzlich ermöglicht wird, umso stärker fallen deren Nachteile ins Gewicht. „Als Grund dafür sah die bisherige Forschung eher das Verhalten der Arbeitergeber, die Müttern bei längeren Ausfallzeiten seltener mit anspruchsvollen Tätigkeiten oder wichtigen Aufgaben betrauen“, so Gangl und ergänzt: „Das nennen wir ‚statistische Diskriminierung‘.“ Die beiden Frankfurter Soziologen können jetzt allerdings zeigen, dass dies nicht der einzige Grund für die nachteiligen Wirkungen langer Elternzeiten ist. „Die subjektive Erwerbsorientierung von Müttern nimmt im Laufe der Zeit deutlich ab, das heißt, diese Frauen verlieren durch die längere Auszeit zunehmend das Interesse, an der eigenen beruflichen Perspektive zu arbeiten“, sagt Ziefle.

Um diese Aussage zu belegen, nutzten die beiden empirischen Sozialforscher die weltweit einmaligen Befragungsdaten des Sozio-ökonomischen Panels. Dieses Instrument der empirischen Sozialforschung wurde übrigens vor über 30 Jahren am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in enger Kooperation mit der Goethe-Universität und der Universität Mannheim entwickelt, damit werden seit 1984 jährlich – inzwischen schon in der 30. Befragungswelle – repräsentativ ausgewählte Personen und Haushalte in Deutschland nach ihren Einkommens- und Lebensverhältnissen befragt. In ihrer Studie nahmen die Forscher die Antworten unter die Lupe, die Frauen zu ihrer subjektiven Erwerbsorientierungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten gegeben haben: Wie hat sich die Einstellung der Frauen verändert, nachdem im Jahr 1992 der Erziehungsurlaub in Deutschland von 18 Monaten auf drei Jahre ausgeweitet wurde? Gefragt nach ihrer Einstellung zum Beruf antworteten die Mütter nach einer längeren Zeit im Erziehungsurlaub, dass ihnen die Erwerbsarbeit nicht mehr so sehr wichtig sei; stattdessen rangierte die Familie an erster Stelle.

Damals hatten übrigens fast 50 Prozent der Mütter bereits vor der Geburt des Kindes nicht gearbeitet, heute ist es nur noch ein Drittel. „Und sogar unter den nicht erwerbstätigen Hausfrauen war in den 1990er Jahren zu beobachten, dass ein Einstieg in den Beruf weniger zum Thema wurde, je länger das neue Gesetz Geltung hatte“, sagt Gangl und interpretiert dies als „Gewöhnungseffekt an die neue politische Umgebung“. Nicht nur das gesellschaftliche Bewusstsein hat sich seit den 1990er Jahren langsam, aber stetig verändert, auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, wie stärkere Einbeziehung der Väter in die Elternzeit und das Scheidungsrecht.

Welche Relevanz haben die Ergebnisse dieser Retro-Studie für die heutige Situation? „Die Studie zeigt erstmalig: Familienpolitik hat nicht nur Einfluss auf das ökonomische Verhalten von Familien. Es sind auch die normativen Signale, die ausgesandt werden und die individuellen Lebensentwürfen wohl unbewusst beeinflussen“, so Gangl. Die Frankfurter Forscher belassen es nicht bei der Rückschau: „Aus einer anderen Studie, die wir im vergangenen Jahr veröffentlicht haben, wissen wir, dass Mütter durch das neue Elterngeld schneller wieder in ihren Beruf zurückgekehrt sind“, sagt Andrea Ziefle. „Jetzt arbeiten wir daran herauszufinden, ob sich die neue Familienpolitik der letzten Jahre auch in den subjektiven Einstellungen von Vätern und Müttern niedergeschlagen hat.“

Veröffentlichung: Gangl, Markus, und Andrea Ziefle. 2015. The Making of a Good Woman: Extended Parental Leave Entitlements and Mothers’ Work Commitment in Germany. American Journal of Sociology 121 (2): 511-563. Online unter: http://doi.org/10.1086/682419

Informationen: Prof. Dr. Markus Gangl, Dr. Andrea Ziefle, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-36633 bzw. -36613, E-Mail mgangl@soz.uni-frankfurt.de oder aziefle@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 9 2015
16:59

Auftaktveranstaltung des Forschungsprojektes an der Goethe-Universität

Lehrerbildung vernetzt entwickeln

FRANKFURT. Die Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) lädt ein zur Auftaktveranstaltung des Forschungsprojektes „Lehrerbildung vernetzt entwickeln (LEVEL)“ am Donnerstag, 15. Oktober 2015, um 16 Uhr. Die Veranstaltung findet statt auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt im Eisenhower-Saal des IG-Gebäudes (Raum IG 1.314). Nach der Begrüßung durch den Projektleiter Prof. Dr. Udo Rauin sowie einer Rede der Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl und einem wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Dr. Johannes König wird es eine Vorstellung des Forschungsprogramms mit einer anschließenden Podiumsdiskussion geben (Ende circa 18.15 Uhr).

Ziel des LEVEL-Projektes ist es, die angehenden Lehrerinnen und Lehrer besser auf die Lehrsituation vorbereiten zu können. Hierbei wird auf eine Harmonisierung der Inhalte und Ausbildungsabschnitte gesetzt. Das heißt, dass die verschiedenen Lehrangebote, die bisher getrennt voneinander konzipiert wurden, stärker aufeinander abgestimmt werden.

Als Forschungsmethode steht insbesondere die Videoanalyse im Vordergrund. Dafür werden unterschiedliche Unterrichtsarten und -konstellationen in verschiedenen Schulen per Video aufgezeichnet und gemeinsam von Wissenschaftlern und Lehrern analysiert. Die Studierenden können dann online mit den ausgewerteten Unterrichtsvideos arbeiten und erhalten dadurch einen differenzierten Einblick in die Situation des Unterrichtens und ihre zukünftige Rolle im Lehrberuf.

„LEVEL – Lehrerbildung vernetzt entwickeln“ wird im Rahmen der gemeinsamen Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit rund 5 Millionen Euro dreieinhalb Jahre lang gefördert. Damit sollen langfristige Entwicklungsprozesse in der Lehrerbildung an der Goethe-Universität angestoßen werden.

Weitere Informationen:

Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL), www.abl.uni-frankfurt.de/40103693/ABL

Ansprechpartner: Johannes Appel, Projektkoordinator, Tel. (069) 798 28069;

Ute Schorradt, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (069) 798 25114

Veranstaltungen

Okt 9 2015
09:52

16 Promovenden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ nehmen die Besucher mit auf eine interaktive Entdeckungsreise

Einladung zum Ausstellungspreview: Multimediale Ausstellung „Menschen / Tun / Dinge“ im Foyer des IG-Farben-Hauses

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Geisteswissenschaften multimedial – Wissensvermittlung per Touch und Click – vergnüglicher Erkenntnisgewinn, das bieten die 16 Doktorandinnen und Doktoranden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ in ihrer Ausstellung „Menschen | Tun | Dinge“. Sie wird am 15. Oktober um 18.15 Uhr im Foyer des IG-Farben-Hauses auf dem Campus Westend eröffnet.

Wir laden Sie vor der offiziellen Eröffnung zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein, bei dem die Kuratoren und jungen Wissenschaftler Ihnen auch die Besonderheiten des Ausstellungskonzepts erläutern werden. Denn das geht weit darüber hinaus, was im Foyer des IG-Farben-Hauses zu sehen sein wird.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen

am: Mittwoch, 15. Oktober 2015, um 17.30 Uhr,
Ort: Foyer des IG-Farben-Hauses, Campus Westend

Ihre Gesprächspartner sind: 

  • Prof. Hans Peter Hahn, Kurator der Ausstellung und Sprecher des Graduiertenkollegs
  • Prof. Fleur Kemmers, Kuratorin
  • Annabel Bokern, Kuratorin
  • Laura Picht, Doktorandin
  • Martina Miocevic, Gestalterin

Sie sind außerdem herzlich eingeladen an der offiziellen Eröffnung teilzunehmen, bei der die Kuratoren und Doktoranden Einblick in die Entstehung und das Konzept der Ausstellung geben und Dr. Astrid van Oyen von der Cambridge University zu dem Thema „Produktion und Gebrauch“ mit „People do things, but what do things do“ spricht.

Wenn Sie teilnehmen möchten, schicken Sie bitte bis zum 14. Oktober eine E-Mail an jaspers@pvw.uni-frankfurt.de

Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Jaspers
Referentin für Wissenschaftskommunikation

Informationen: Annabel Bokern, Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“, Campus Bockenheim, Tel. 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt

Veranstaltungen

Okt 9 2015
09:51

Wissenschaftsstadtplan vermittelt Studienanfängern ein Stück Frankfurter Wissenschaftsgeschichte

Begegnung mit historischen Forscherpersönlichkeiten

FRANKFURT. Zum Semesterauftakt hat die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, heute bei der UniStart-Messe Studienanfänger eingeladen, an einem wissenschaftsgeschichtlichen Rundgang durch das Frankfurter Westend teilzunehmen, um „ihre“ neue Universität von einer anderen Seite kennenzulernen. Dank des im Jubiläumsjahr 2014 mit Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft geschaffenen „Wissenschaftsstadtplans“ können Studierende so herausragende Forscherpersönlichkeiten der Goethe-Universität und ihre ehemaligen Wohnorte kennenlernen. Stadtführer Björn Wissenbach stellt in seiner Führung die Verknüpfungen zwischen Stadt(-gesellschaft), Wissenschaftsgeschichte und Universitätsgeschichte her.

Startpunkt ist am Montag, 12.10.2015, 18 Uhr das ehemalige historische Universitätshauptgebäude (Jügelhaus) in der Mertonstraße auf dem Campus Bockenheim (Treffpunkt: Haupteingang), Ziel gegen 20 Uhr der Campus Westend der Goethe-Universität. Weitere Termine finden statt am 23.10.2015 (18-20 Uhr) und 06.11.2015 (12-14 Uhr).

Der im Jubiläumsjahr initiierte und 2015 erfolgreich erweiterte „Wissenschaftsstadtplan“ erneuert und verstärkt die historische Bindung zwischen Universität und Frankfurter Bürgerschaft. Koryphäen der Frankfurter Wissenschaftsgeschichte werden mit künstlerisch gestalteten Plaketten an deren ehemaligen Wohnhäusern wieder sichtbar gemacht.

Frankfurter Stadt- und Wissenschaftsgeschichte wird in dieser besonderen Form anders erlebbar und erstmalig in einem umfassenden innovativen Konzept präsentiert. Unter den 19 Nobelpreisträger/innen und Wissenschaftler/innen der Goethe-Universität sind unter anderem Plaketten zu Theodor W. Adorno, Max von Laue, Paul Ehrlich, Ruth Moufang, Franz Oppenheimer zu finden. Ein umfangreiches Programm – mit geführten Spaziergängen und Internet Präsenz (als App und mobile Webseite, erreichbar unter www.uni-frankfurt.de/wissplan) – stellt die Forscher-Persönlichkeiten auch im Web vor.

Für alle interessierten Medienvertreter besteht die Möglichkeit, an diesem Termin teilzunehmen und sich bei dem ca. zweistündigen Rundgang selbst ein Bild vom Wissenschaftsstadtplan in Aktion zu machen.

Sonstige

Okt 9 2015
09:39

Neue Ausgabe des UniReport beleuchtet das Thema Studienabbrecher

Trendforscher Horx: „Den Abschluss an der Uni vermisse ich weniger“

FRANKFURT. Er gilt als Deutschlands renommiertester Trend- und Zukunftsforscher: Matthias Horx hat in den 70er Jahren Soziologie und Kunst an der Goethe-Universität studiert. Im Interview mit der Unizeitung schaut er auf diese Zeit zurück und stellt fest: „Es war wie ein gigantischer Ort des Aufbruchs.“ Horx hat sein Studium abgebrochen – damit ist er einer von vielen, die ohne formalen Abschluss die Universität verlassen. Lange Zeit wurden „Studienabbrecher“ eher kritisch beäugt. Mit dem sympathischeren Begriff „Studienzweifler“ deutet sich jedoch ein Bewusstseinswandel an: Die Unterstützung für jene, die bereits ihr Studium abgebrochen haben oder sich zumindest mit dem Gedanken tragen, steigt. Die UniReport-Reportage zum Thema zeigt Möglichkeiten auf – von Beratungs- und Weiterbildungsangeboten bis hin zum „Studienzweifler-Stammtisch“.

Die weiteren Themen in der Oktober-Ausgabe des UniReport zum Semesterstart:

  • Willkommenskultur an der Goethe-Uni: Das „Academic Welcome Program“ für Asyl suchende Akademiker geht an den Start.

  • Abschied von der Ehrensenatorin Johanna Quandt: Unipräsidentin Birgitta Wolff und ihr Vorgänger Werner Müller-Esterl erinnern gemeinsam an die großer Förderin.

  • Der Pudel und der Mops: Der Soziologe Tilman Allert beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Latte Macchiato“ mit kleinen Dingen des Alltags.

  • Pilze der Tropen: Die Mykologin Meike Piepenbring füllt mit ihrem neuen Buch „Micología en los Trópicos“ eine Forschungslücke.

  • Besser lernen und arbeiten mit Medikamenten? Die Soziologin Greta Wagner hat sich in ihrer preisgekrönten Doktorarbeit mit „Neuroenhancement“ beschäftigt.

  • Der letzte Rektor der Goethe-Uni: Bertram Schefold erinnert an den jüngst verstorbenen Humanismusforscher und Soziologen Walter Rüegg.

  • „ICH PFEIFE“: Ein Literaturdozent der Goethe-Uni hat ein ebenso humorvolles wie erhellendes Buch über seine Tätigkeit als Fußballschiedsrichter geschrieben.

Der UniReport 5/2015 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/58412529

Veranstaltungen

Okt 7 2015
17:35

Goethe-Universität erwartet über 9.000 neue Studierende

Medien-Einladung: Unistart-Messe gibt Vorgeschmack auf neues Semester

FRANKFURT. Mit über 47.000 Studierenden startet die Goethe-Universität am kommenden Montag in das Wintersemester 2015/16. Zuvor begrüßen am Donnerstag, den 8. Oktober, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Unipräsidentin Prof. Birgitta Wolff und ein/e Vertreter/in des AStA bei der unistart-Messe auf dem Campus Westend die Erstsemester. Zur Begrüßungsveranstaltung im Hörsaalzentrum werden wieder Tausende von Studierenden erwartet, die sich auf dem Markt der Möglichkeiten über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität informieren können. Medienvertreter sind herzlich zur Semestereröffnung eingeladen.

Unistart-Messe Wintersemester 2015
8. Oktober, ab 13.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum

Begleitprogramm: 13.30 Uhr: Offizielle Begrüßungsansprachen von OB Peter Feldmann und Unipräsidentin Birgitta Wolff. HZ 1&2


Weitere Vorträge (alle in Raum HZ 3) :

14.30 Uhr: Der Career-Service der Goethe-Universität
15.00 Uhr: Stipendien zur Finanzierung des Studiums
15.30 Uhr: Arbeiterkind – erste/r Studierende/r an der Universität?
16.00 Uhr: studiumdigitale – immer eine gute Wahl

Weitere Informationen: www.unistart-frankfurt.de

Forschung

Okt 7 2015
12:35

Stiftung Giersch fördert neue Professur am FIAS mit 600.000 Euro

Verstärkung für die Bioinformatik an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Karin und Carlo Giersch Stiftung ermöglicht der Goethe-Universität, eine neue Professur für Bioinformatik in Kooperation mit dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) einzurichten. Die Professur wird in den kommenden sechs Jahren mit 600.000 Euro gefördert. Das am Riedberg angesiedelte FIAS hat die Stiftung auch schon in der Vergangenheit tatkräftig unterstützt.

„Echte Innovationen entstehen oft an Schnittstellen zwischen verschiedenen Fachgebieten, zum Beispiel Biowissenschaften und Informatik. Bioinformatik ist daher ein zukunftsträchtiges Forschungsgebiet, das die Goethe-Universität weiter verstärken will. Es ist schön, dass es weitsichtige Stifter wie Carlo Giersch und seine Frau gibt, die uns helfen, diese Vision in die Tat umzusetzen“, so Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. In den Fachbereichen Informatik und Biowissenschaften der Goethe-Universität existieren bereits zwei Professuren für Bioinformatik. Einen Schwerpunkt in der Lehre gibt es in dem Masterstudiengang Bioinformatik.

Die neue Professur wird am FIAS angesiedelt sein, wo theoretisch arbeitende Gruppen aus der Informatik und den Lebenswissenschaften interdisziplinär zusammenarbeiten. Schwerpunkt wird die bioinformatische Datenanalyse sowie die Erkennung und Modellierung komplexer Muster in biologischen Systemen sein.

„Bioinformatik ist ein zukunftsweisendes, neues Forschungsfeld. Wir bemühen uns stets im Rahmen unserer Stiftung, Innovationen gemäß den Stiftungsschwerpunkten anzustoßen und zu fördern. Mit einer Professur in dem neu geschaffenen Feld Bioinformatik des FIAS tun wir genau das. Fragestellungen aus der Biologie mit theoretischen computergestützten Methoden zu lösen, passt in unseren Ansatz der Grundlagenforschung, wie wir sie ja bereits seit vielen Jahren mit dem FIAS betreiben,“ so Senator E.h. ProfessorCarlo Giersch.

Die Mittel stammen aus einer großzügigen Zuwendung des Ehepaars Karin und Prof. Carlo Giersch. Die Stiftung engagiert sich seit Jahren auf vielfältige Weise an der Goethe-Universität. Auf dem Riedberg unterstützte sie nicht nur das FIAS, sondern finanzierte auch den Bau des 2014 eröffneten Giersch Science Center.

Informationen zur STIFTUNG GIERSCH

Die STIFTUNG GIERSCH wurde 1994 mit Mitteln aus dem Privatvermögen des Frankfurter Unternehmers Senator E.h. Professor Carlo Giersch und seiner Frau, Senatorin E.h. Karin Giersch, eingerichtet. Eines der Hauptziele der STITUNG GIERSCH besteht in der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und der Würdigung herausragender Leistungen auf den Gebieten Forschung und Lehre. So ermöglicht das von der Stiftung für die Universität Frankfurt erbaute FIAS – Frankfurt Institute for Advanced Studies – auf dem Campus Riedberg die theoretische und interdisziplinäre Grundlagenforschung und vereint Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher naturwissenschaftlicher Fachrichtungen unter einem Dach. Das 2014 fertiggestellte Giersch Science Center ist der Sitz der Graduierten Schule Giersch, einer von der STIFTUNG GIERSCH eingerichteten Graduiertenschule für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Auch bei den Deutschlandstipendien gehört die STIFTUNG GIERSCH zu den Förderern der ersten Stunde, und dies sowohl an der Universität Frankfurt als auch an der TU Darmstadt.

Weitere Leitprojekte der STITUNG GIERSCH betreffen die Förderung von Kunst und Kultur – hier unter Anderem zu nennen das MUSEUM GIERSCH der GOETHE UNIVERSITÄT, in dem seit seiner Gründung Wechselausstellungen zu kunst- und kulturgeschichtlichen Themen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gezeigt werden.

Informationen zum FIAS

Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) bildet eine übergreifende Plattform für die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Exzellente Wissenschaftler aus den Bereichen Physik, Neurowissenschaften, Lebenswissenschaften und Chemie sowie Computerwissenschaften werden am FIAS zusammen gebracht. Als Plattform für die Vernetzung der Wissenschaften legt es Grundlagen für entscheidende Fortschritte der Forschung durch Zusammenarbeit, durch Gedankenaustausch und durch Überwinden von strukturellen Grenzen zwischen den Disziplinen. Mehr als 200 Wissenschaftler aus 25 Ländern forschen am FIAS.

Informationen: Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47600, bergmann@fias.uni-frankfurt.de..

Veranstaltungen

Okt 7 2015
12:33

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 12. Oktober im Klingspor-Museum

Vortrag zur Schrift-Entstehung in Ägypten und Mesopotamien

FRANKFURT/OFFENBACH. Nach ihrem gelungenen Auftakt im vergangenen Sommersemester werden die „Goethe Lectures Offenbach“ nun fortgesetzt. Im kommenden Vortrag der Reihe, bei der der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität mit der Stadt Offenbach kooperiert, geht es um die „Schrift-Entstehung in Ägypten und Mesopotamien“. Referentin am Montag, dem 12. Oktober, um 19.00 Uhr im Offenbacher Klingspor-Museum ist Annette Imhausen, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Der Eintritt ist frei.

Ungefähr gleichzeitig, wahrscheinlich aber unabhängig voneinander, entwickelte sich die Schrift in Ägypten und Mesopotamien. Ein Grund für die Entstehung von Schrift war in beiden Kulturen das Bedürfnis, numerische Daten festzuhalten. In der Folge verwendeten beide Kulturen die Schrift sowohl im Alltag als auch in monumentalen Inschriften, die für die Ewigkeit bestimmt waren. Obwohl es oberflächlich eine Reihe von Übereinstimmungen der Ausprägung und Verwendung von Schrift in Ägypten und Mesopotamien gibt, lassen sich bei etwas genauerer Betrachtung jedoch ebenso eine Reihe von signifikanten Unterschieden herausarbeiten, die Rückschlüsse über die jeweiligen Kulturen und ihr Weltbild geben können.

Während die Schrift, zusammen mit der Entwicklung numerischer Techniken, damals einen Grundbaustein des Erfolges beider Kulturen darstellte, ist sie heute unser bester Zugang zur Erforschung dieser Kulturen und regt so auch zum Nachdenken über den Umgang mit verschriftlichtem Wissen in unserer Zeit an. Der Vortrag zeichnet den Entstehungsprozess der Schrift in beiden Kulturen und seine Motivation(en) nach und erläutert die Folgen, die sich aus der Wahl der Schriftträger und der auf ihnen festgehaltenen Schriftzeichen ergeben sollten.

Annette Imhausen studierte Mathematik, Chemie, Ägyptologie und Altorientalistik. Nach der Promotion in Geschichte der Mathematik im Jahr 2000 folgten Forschungsaufenthalte in Cambridge, Mass. (Dibner Institute for the History of Science and Technology, MIT) und Cambridge, England (Trinity Hall College und Department of History and Philosophy of Science). Nach einer Juniorprofessur für Geschichte der Mathematik an der Gutenberg Universität, Mainz, ist sie seit 2009 Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt am Historischen Seminar der Goethe Universität Frankfurt am Main.

Sie ist Mitglied des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“ und des Sonderforschungsbereichs „Ressourcenregime und Schwächediskurse“ (jeweils an der Goethe-Universität). Ihre Forschungsinteressen sind die Geschichte der vorgriechischen Wissenschaften, insbesondere der mathematischen Wissenschaften in Ägypten und Mesopotamien (Kontext und Techniken altägyptischer mathematischer Texte, Transmission von Wissen in hellenistischer Zeit, Historiographie vorgriechischer Mathematik). Am Exzellenzcluster leitet sie das Forschungsprojekt „Die Normativität formaler Ordnungen und Prozeduren in der Antike – Mathematische und rechtliche Regelsysteme im Vergleich“.

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor-Museum und auch der Gesamtreihe sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch wieder die Möglichkeit zur Diskussion.

Prof. Dr. Annette Imhausen:
Schrift-Entstehung in Ägypten und Mesopotamien
Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“
Montag, 12. Oktober 2015, 19.00 Uhr
Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main 

Vorschau:

26. November 2015, 19.00 Uhr
Dr. Manuel Wörsdörfer
(Wirtschaftswissenschaftler und Postdoktorand am Exzellenzcluster)
Banken und Menschenrechte – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Veranstaltungen

Okt 2 2015
11:42

Das "Sense of Doubt"-Projekt des Frankfurter Exzellenzclusters präsentiert sich noch bis zum 11. Oktober mit bewegten Bildern und wissenschaftlichem Veranstaltungen

Videokunst mit Wissenschaft während der B3 Biennale

FRANKFURT. Der „Zweifels-Sinn“ geht auf die Zielgerade. Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Sense of Doubt. Wider das Vergessen“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität läuft noch bis zum 11. Oktober. So lange werden im Metzler-Park des Museum Angewandte Kunst auch noch die 18 Videoarbeiten gezeigt. Zu den kommenden öffentlichen Veranstaltungen des Projekts gehört unter dem Titel „Journeys“ eine Podiumsdiskussion zur Rolle des Rechts und staatlicher Grenzziehungen in der jüngeren Migrationsgeschichte mit Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Vom 7. bis zum 11. Oktober ist „Sense of Doubt“ zudem Bestandteil des offiziellen Festivalprogramms der B3 Biennale des bewegten Bildes, die zum zweiten Mal in Frankfurt und Umgebung stattfindet, und zu der 200Künstler, Filmemacher, Designer, Internetspezialisten, Softwareexperten und Wissenschaftler aus aller Welt erwartet werden.

Die im Rahmen von „Sense of Doubt“ gezeigten Videos stammen aus der Sammlung Associacao Cultural Videobrasil in Sao Paulo. Ein Schwerpunkt liegt hier auf der Welt des so genannten Globalen Südens, Lateinamerika, Afrika, Osteuropa, Asien und dem Mittleren Osten. Bei den audiovisuellen Kunstwerken im Museumspark greift das Projekt auf die Auswahl „memórias inapagáveis“ („unauslöschliche Erinnerungen“) des spanischen Kurators Agustín Pérez Rubio zurück. Hierzu zählen Filme über fernere Vergangenheiten wie den Sklavenhandel zwischen Afrika und Brasilien und jüngere wie den Kampf von Ureinwohnern im Amazonasgebiet gegen einen Ölkonzern oder das Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“. Aber auch aktuellere Geschehnisse werden thematisiert – darunter die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die weltweiten Migrationsbewegungen.

Die Videos haben Formen der Unterdrückung und des Widerstandes zum Inhalt, die den geopolitischen Süden teilweise schon seit Jahrhunderten prägen. Sie versuchen, die Erinnerungen an Konflikte, Verfolgung und Gewalt vor dem Vergessen zu bewahren. Dabei nehmen die Videoarbeiten teil an den Deutungskämpfen über diese Ereignisse, vor allem gegenüber den „Meisterzählungen“ der Herrschenden. Um diesen Erzählungen der Macht entgegenzutreten, braucht es einen ausgeprägten Sinn zum Zweifeln. Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt will ihn wecken und schärfen. Auch im Dialog mit dem Publikum probieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters ihren „Sense of Doubt“ aus.

Flankierend zum Ausstellungsprojekt ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Er enthält einführende Texte, Informationen zu den Videos und kurze Essays, in denen sich Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes aus der Sicht ihrer Disziplin mit einzelnen Videos auseinandersetzen. Der Katalog ist während der Ausstellungszeit und am Ausstellungsort kostenlos erhältlich. Auch der Video-Parcours und die öffentlichen Veranstaltungen, die grundlegende Themen der Videos aufnehmen und weiterführen, können bei freiem Eintritt besucht werden.

Die nächsten Vortrags- und Diskussionstermine (jeweils im Vortragssaal des Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 15, 60594 Frankfurt am Main):

7. Oktober 2015, 17 Uhr
Vortrag: Kunst – Experiment – Leben
Prof. Dr. Christoph Menke (Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Rechtsphilosophie und Politische Philosophie an der Goethe-Universität)

8. Oktober 2015, 18.30 Uhr
Podiumsdiskussion: Journeys
Prof. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität), Prof. Dr. Jens Steffek (Professor für Transnationales Regieren an der Technischen Universität Darmstadt) und Mitarbeitende von Pro Asyl

8. Oktober 2015, 20 Uhr
Podiumsdiskussion: Schwarz ist die Farbe. Ein Dialog über Sklaverei und Kunst
Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität) und Prof. Dr. Juliane Rebentisch (Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main)

9. Oktober 2015, 16 Uhr
Podiumsdiskussion: Imaginative Dokumentationen struktureller Gewalt
Dr. Anja Peltzer (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Mannheim) und Jochen Schuff (Institut für Philosophie, Goethe-Universität)

„Sense of Doubt. Wider das Vergessen“ ist ein Projekt des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gemeinsam mit Sesc Sao Paulo, Associacao Cultural Videobrasil, dem Museum Angewandte Kunst und Dr. Paula Macedo Weiß Kulturproduktion, im Rahmen der B3 Biennale des bewegten Bildes. Weitere Kooperationspartner sind das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, die Städelschule Frankfurt am Main und das Goethe-Institut Sao Paulo. Das Projekt wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Programm: www.normativeorders.net/senseofdoubt

Kontakt: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/

Dorothee Maas, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Museum Angewandte Kunst, Tel.: 069/212-32828, dorothee.maas@stadt-frankfurt.de, www.museumangewandtekunst.de

Sonstige

Okt 1 2015
16:32

Beim ersten Tech Ecosystems Dialogue an der Goethe-Uni wird über Startup-Ökosysteme diskutiert

Startup-Kooperation: Frankfurt und Tel Aviv bauen digitale Brücke

FRANKFURT. Beim ersten „Tech Ecosystems Dialogue 2015“ auf dem Campus Westend der Goethe-Universität treffen sich am 27. Oktober 2015 hochkarätige Referenten, Startups aus Tel Aviv und Frankfurt Rhein-Main sowie prominente Gäste aus Politik, Industrie und Wissenschaft. Die deutschlandweit einzigartige Konferenz wirdvon Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, und Dr. Dan Shaham, Generalkonsul Israels, eröffnet.

Was sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Gründer-Ökosysteme? Wie können Unternehmen von einer kreativen Startup-Szene profitieren? Wie wichtig ist ein globaler Ansatz für Innovation? Diese und andere Fragen werden unter anderem von Finanzprofessor Andreas Hackethal von der Goethe-Universität in Keynotes aufgegriffen und in Panels diskutiert.

Anschließend haben insgesamt zehn vorausgewählte Startups, jeweils fünf aus Tel Aviv und fünf aus Frankfurt Rhein-Main, die Möglichkeit im Pitch Contest Finale ihre wegweisenden Innovationen auf dem Gebiet der Finanztechnologie (FinTech), Informations- und Kommunikationstechnik, Big Data und Cybersecurity zu präsentieren. Die zwei besten Startups (eines pro Land) gewinnen einen einwöchigen Aufenthalt in den jeweiligen Gründerzentren Unibator FinTech Lab in Frankfurt, das am 27. Oktober offiziell eingeweiht wird, beziehungsweise dem Tel Aviv Universität Entrepreneurship Center und haben die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu Industrie und Investoren im Gastland zu knüpfen. Für den Contest bewerben können sich Startups bis zum 08. Oktober 2015 unter http://www.tech-ecosystems.com/pitch/.

Tech Ecosystems Dialogue 2015, Dienstag, 27. Oktober 2015, Beginn 13 Uhr, Goethe-Universität, Campus Westend (Casino Gebäude), Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frankfurt a. M.

Die Konferenz „Tech Ecosystems Dialogue 2015“ markiert 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen: Am 12. Mai 1965 nahmen die beiden Länder ihre diplomatischen Beziehungen auf. Seit 1980 sind Frankfurt und Tel Aviv Partnerstädte. Zudem findet zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv Universität eine aktive wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit statt. Beide Städte sind Top-Standorte der Startup-Szene: Frankfurt bietet ein großes Startup-Ökosystem. Dank der Nähe zur Finanzbranche und global tätiger Konzerne der IT-, Chemie- und Pharma-Branche stehen eine hohe Zahl potenzieller Investoren und Kunden bereit. Die Weltstadt Tel Aviv gilt als einer der weltweit führenden Startup-Hubs mit der höchsten Zahl von Startups pro Kopf. Beide Universitäten sind forschungsstark, betreiben erfolgreiche Gründerzentren für Startups und wollen zukünftig insbesondere im Technologiebereich stärker kooperieren und Synergiepotenziale entwickeln.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.tech-ecosystems.com

Sonstige

Sep 30 2015
16:35

Aventis Foundation fördert „Academic Welcome Program“: qualifizierten Flüchtlingen soll Teilhabe an Bildung ermöglicht werden.

Begrüßungsprogramm für Flüchtlinge an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Als Bürgeruniversität möchte die Goethe-Universität zur Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen. Mit dem "Academic Welcome Program for highly qualified refugees" soll ein Beitrag dazu geleistet werden, hochqualifizierten Flüchtlingen die Integration in Deutschland zu erleichtern. Durch den Zugang zu universitärer Bildung, akademischer Infrastruktur und Netzwerken will die Goethe-Universität Geflüchteten, die einen Hochschulzugang in Deutschland haben oder die im Heimatland bereits studiert haben, sowohl Orientierung vermitteln als auch Teilhabe ermöglichen.

Universitätsvizepräsidentin Prof. Tanja Brühl betont: „Ich freue mich, das in kurzer Zeit das Begrüßungsprogramm konzipiert werden konnte und nun auch mit der Förderung der Aventis Foundation umfassend umgesetzt werden kann. Als Universität, die von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt gegründet wurde, sehen wir uns in der Verantwortung, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Daher wollen wir gerne den neu in unsere Stadt und Region hinzu gekommenen Menschen aus Krisenregionen Zukunftsperspektiven bieten.“

Gefördert wird das Programm mit 50.000 Euro von der Aventis Foundation. Deren Geschäftsführender Vorstand Eugen Müller erläutert das Engagement der Stiftung: "Die Aventis Foundation möchte einen Beitrag leisten zur Bewältigung der aktuellen, drängenden Flüchtlingsproblematik. Darum sind wir auf unsere langjährigen Projektpartner im Rhein-Main Gebiet zugegangen mit der Frage nach bereits laufenden oder geplanten Flüchtlings-Initiativen, die wir finanziell unterstützen können. Wir freuen uns, dass es mit der Goethe-Universität sehr schnell und unbürokratisch zu einer Vereinbarung gekommen ist. Durch das großartige Engagement der Universität und ihrer Studenten können unsere Mittel gezielt und effizient eingesetzt werden und kommen unmittelbar den Flüchtlingen zugute.“

Ebenfalls gefördert wird im Rahmen des Academic Welcome Program der von Studierenden der Goethe-Universität gegründete Verein aeWorldwide. Bereits seit zwei Jahren engagieren sich ehrenamtlich u.a. Studierende der Goethe-Universität und organisieren Projekte für hochqualifizierte Flüchtlinge. Beispielsweise helfen sich in Form von Tandems Flüchtlinge und Studierende gegenseitig. Regelmäßig können sich alle Teilnehmenden zu akademischen Themen austauschen. Mit Seminaren und Veranstaltungen wird eine Lobby für Flüchtlinge geschaffen. In Sprechstunden und Coachings-Sessions erhalten Flüchtlinge eine professionelle Beratung.

Weitere Informationen:

Academic Welcome Program: www.uni-frankfurt.de/58025323/Academic-Welcome-Program

aeWorldwide: www.aeWorldwide.de

Veranstaltungen

Sep 28 2015
15:05

Naturwissenschaftler und Philosophen treffen sich am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität

Interdisziplinäre Tagung zum Klimawandel

FRANKFURT. „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change“ – die jüngste Studie von Darrel Moellendorf, Professor für Internationale Politische Theorie am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität, trägt es schon im Titel: Der Klimawandel ist nicht nur ein Thema für Naturwissenschaften und Technik, auch geisteswissenschaftliche, zumal philosophische Überlegungen sind gefragt – insbesondere bei den „moralischen Herausforderungen des gefährlichen Klimawandels“. Um das Gespräch zwischen den Wissenschaften zu fördern, veranstaltet Moellendorf am 1. und 2. Oktober die internationale und vor allem auch interdisziplinäre Konferenz „Overshooting 2° C: Moral and Policy Considerations“.

Es erscheint durchaus möglich, dass über das Zwei-Grad-Ziel „hinausgeschossen“ wird. Zwar haben sich die Staaten auf dem Weltklimagipfel des Jahres 2010 darauf geeinigt, dass die Erderwärmung höchstens auf zwei Grad Celsius steigen solle. Doch der Trend zur weiteren Erwärmung scheint ungebrochen. Laut aktuellen Schätzungen wäre die Zwei-Grad-Erwärmung nach dem Ausstoß von insgesamt einer Billion Tonnen CO2 erreicht. Vom Beginn der Industrialisierung bis heute sind etwa 585 Millionen Tonnen in die Atmosphäre gelangt. Bei der gegenwärtigen Emissionsrate würde die billionste Tonne in den ersten Monaten des Jahres 2039 ausgestoßen werden.

Bislang, so Darrel Moellendorf, habe der Prozess multilateraler internationaler Verhandlungen – häufig nach dem Prinzip „pledge and review“, das auf freiwilligen Zusagen beruht – keine hinreichenden Erfolge gezeitigt. Nun richten sich alle Augen auf den kommenden Klimagipfel, der Ende November in Paris beginnen wird. Dort soll ein Nachfolgevertrag für das Kyotoprotokoll von 1997 ausgehandelt werden. Der Pariser Gipfel hat den Anspruch, einen umfassenden Plan zur Schadensminimierung zu verabschieden, der 2020 in Kraft treten soll. Beobachter betonen die eminente Wichtigkeit des Pariser Treffens mit seinen, wenn’s gut geht, entscheidenden Weichenstellungen.

Auf der Frankfurter Konferenz geht Darrel Moellendorf in seinem Tagungsbeitrag der grundsätzlichen Frage nach, ob der gefährliche Klimawandel denn überhaupt noch abgewendet werden könne („Can Dangerous Climate Change Be Avoided?”). Insgesamt stehen 14 Vorträge von ebenso vielen Teilnehmern auf dem Programm. Besprochen werden beispielsweise die Möglichkeiten der so genannten „Mitigation”, der Entwicklung neuer Technologien, Verfahren und Strategien, mit denen eine deutliche Minderung des Ausstoßes klimarelevanter Gase erreicht werden kann. Auch „Adaption“, also die Anpassung an jetzt schon unvermeidbare Folgen des Klimawandels ist ein Thema. Hinzu kommt die Erörterung desGeo- oder Climate-Engineering. Damit verbunden sind großräumige Eingriffe in die chemischen und biochemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen.

Und nicht zuletzt geht es um den Zusammenhang zwischen Klimawandel und globaler Gerechtigkeit: Welche Ansprüche haben die ohnehin ärmeren Länder, die unter einer ungebremsten Erderwärmung am meisten leiden würden? Nach Ansicht Darrel Moellendorfs dürfe sich eine globale Klimapolitik nicht darauf beschränken, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen; sie müsse zugleich die Bekämpfung der Armut im Blick behalten.

Neben Moellendorf kommen noch vier andere Teilnehmer aus Frankfurt, unter ihnen Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Wissenschaftlicher Koordinator des Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), einer gemeinsamen Einrichtung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität. Weitere Experten reisen aus den USA, Australien und England an.

Veranstaltungsort der zweitägigen Konferenz ist das Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters (Raum EG.01) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Die Konferenzsprache ist Englisch. Interessierte sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/alleveranstaltungen/3972-1-2-oktober-2015

Information und Anmeldung:  Professur für Internationale Politische Theorie, Sekretariat, Ellen Nieß, Exzellenzcluster Normative Orders, Campus Westend, Tel. (069) 798-31521, ellen.niess@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Forschung

Sep 25 2015
14:09

Frankfurter Physiker untersuchen Entstehung protonenreicher Elemente in den Sternen/ schwere Ionen treffen auf ruhende Protonen

Astrophysik: Rollentausch beim Protonen-Einfang

FRANKFURT. Die Synthese schwerer Elemente in den Sternen oder bei Supernovae ist in großen Teilen verstanden: Die meisten Isotope der Elemente schwerer als Eisen enstehen durch eine Reihe von Neutronen-Einfangprozessen und anschließenden radioaktiven Zerfall. Rätselhaft bleibt bis jetzt die Entstehung einiger Dutzend natürlich vorkommender protonenreicher Kerne. Astrophysiker vermuten, dass sie zum Teil eine Folge von Protoneneinfängen an schon vorhandenem Material sind und untersuchen dies in Beschleunigern. Die Gruppe um Prof. René Reifarth von der Goethe-Universität hat nun eine clevere Methode gefunden, die Ausbeute dieser Reaktionen deutlich zu erhöhen.

Bisher untersuchten Physiker die Protonen-Einfangreaktion, indem sie einen Protonenstrahl erzeugten und auf die Probe eines der protonenreichen Elemente prallen ließen. Problematisch wird diese Methode, wenn die Probe aus einem schnell zerfallenden radioaktiven Isotop besteht. Da solche Isotope an vielen wichtigen Proton-Einfang-Prozessen beteiligt sind, entzogen sich diese bisher der experimentellen Untersuchung. Nun hat die Gruppe von René Reifarth gezeigt, dass man die Rollen von Probe und Teilchenstrahl vertauschen kann. Sie schoss dazu einen Strahl frisch erzeugter Ruthenium-96-Ionen im Ionenspeicherring des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung auf ein quasi ruhendes Protonengas.

„Auf diese Weise können wir später den teuren und kurzlebigen radioaktiven Schwerionenstrahl am effizientesten nutzen“, erklärt Reifarth die Vorteile der Methode. Zwar könnte man die Zahl der Protenen-Einfangreaktionen auch erhöhen, wenn man die durchquerte Protonenschicht dicker machte, müsste dann aber in Kauf nehmen, dass der Schwerionenstrahl deutlich abgebremst wird. Die Forscher verwenden daher nur eine sehr dünne Protonenschicht und lassen den Ionenstrahl im Ring kreisen, so dass er eine Million Mal pro Sekunde mit dem Protonengas kollidiert. In jedem Umlauf wird dann die im Protonengas verlorene Energie mit einem Elektronenkühler wieder zugeführt.

Publikation: Bo Mei et al. : First measurement of the Ru 96 (p,gamma)Rh 97 cross section for the p-process with a storage ring, in: Phys. Rev. C 92, 035803 (2 .9.2015) http://journals.aps.org/prc/abstract/10.1103/PhysRevC.92.035803

Informationen: Prof. René Reifarth, Institut für Angewandte Physik der Goethe-Universität und Sprecher des Helmholtz International Center for FAIR, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47442, Reifarth@physik.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Sep 25 2015
14:07

Schöpfer der Frankfurter „Ampelmännchen“-Installation spricht auf Einladung des Marketing Club Frankfurt und der Goethe-Universität/Preisverleihung der Deutschen Gesellschaft für Kreativität

25. Jahrestag der Wiedervereinigung: Exklusiv-Vortrag von Konzeptkünstler Ottmar Hörl an der Goethe-Uni

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Prof. Ottmar Hörl zählt zu den führenden, innovativen deutschen Konzeptkünstlern. Seine Kunstprojekte sind immer öffentlichkeitswirksame, identitätsstiftende Großereignisse. Doch hinter dem internationalen Erfolg steht die zentrale Vision: Kunst näher an ALLE Menschen heranzubringen. Ob 2500 Ampelmännchen anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung, Wagner-Skulpturen zu den Festspielen in Bayreuth oder über 400 Goethe-Figuren zum 100. Jubiläum der Goethe-Universität 2014 auf der Rasenfläche des IG-Farben-Hauses: Ottmar Hörls serielle Kompositionen – immer mit konzeptuellem Bezug zum jeweiligen Aufstellungsort – beeindrucken durch ihre Lebendigkeit, ihren bisweilen subversiven Humor, ihr großflächiges Arrangement und ihre kommunikative nachhaltige Wirkung.

Seine vom Ost-Ampelmännchen inspirierten Einheitsmännchen – sympathisches Symbol der deutschen Wiedervereinigung – bevölkern derzeit den Frankfurter Römer und haben bereits in der ersten Woche ein enormes Echo in der Öffentlichkeit ausgelöst. Die etwa 40 cm hohen grünen Kult-Figuren bilden gleichsam die Vorhut für die zentralen Wiedervereinigungsfeierlichkeiten, die dieses Jahr vom 2. bis 4. Oktober in Frankfurt stattfinden.

Auf Einladung des Marketing Club Frankfurts und der Goethe-Universität hält Prof. Ottmar Hörl an der Goethe-Universität einen Vortrag über sein Werk und seine Arbeitsweise. 

am Donnerstag, den 1. Oktober 2015, 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)
Campus Westend, Casino Gebäude, Renate von Metzler-Saal
Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frankfurt am Main

Bevor Ottmar Hörl das Wort ergreift, erhält er jedoch zunächst von der Deutschen Gesellschaft für Kreativität e.V. den CREO, einen Preis, der jährlich an besonders verdiente, in der Öffentlichkeit stehende Personen verliehen wird, die sich auf innovative Weise für die Förderung von Kreativität ausgezeichnet haben. Die Laudatio hält der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Preisverleihung und dem Vortrag von Ottmar Hörl teilzunehmen. Bitte teilen Sie uns mit (ott@pvw.uni-frankfurt.de), ob Sie kommen können.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher

Veranstaltungen

Sep 24 2015
14:22

Offizielle Eröffnung mit dem hessischen Wissenschaftsminister Boris Rhein

Einladung zum medienöffentlichen Termin / Neue Kita auf dem Campus Riedberg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität wird am

Dienstag, den 29. September 2015, 14:30 Uhr,
Max-von-Laue-Str. 20, 60439 Frankfurt am Main

Hessens größte Uni-Kindertagesstätte „KAIROS“ von Wissenschaftsminister Boris Rhein, Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland sowie Unipräsidentin Prof. Birgitta Wolff offiziell eröffnet.

Wir laden Sie herzlich ein, an diesem medienöffentlichen Termin teilzunehmen. Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie kommen (ott@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher

Forschung

Sep 24 2015
14:19

Fressorgan von C. elegans ist Modell für genetisch bedingte Arrhythmie

Herzrhythmusstörungen am Fadenwurm studieren

FRANKFURT. Ein einfaches Modell, mit dem man Substanzen zur Behandlung genetisch bedingter Herzrhythmusstörungen testen könnte, haben Forscher der Goethe-Universität in dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans  erzeugt. Dazu verwendeten sie das Fressorgan des Tieres: eine rhythmisch aktive Muskelpumpe, die den Muskelzellen des Säugerherzens ähnelt. Dies könnte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer individuellen Therapie sein.

Herzrhythmusstörungen sind oftmals genetischen Ursprungs. Bei Patienten mit der gleichen Form von Arrhythmie lässt sich oft auch die gleiche Mutation nachweisen lässt. Doch ist nicht von vornherein klar, ob andere Mutationen in demselben Gen gleiche Auswirkungen haben. Je nach Art der Mutation können die Ausprägungen der Arrhythmien auch unterschiedlich sein. Für die Therapie könnte dieses Wissen durchaus von Bedeutung sein. Denn ein Medikament, das bei einer bestimmten Mutation besonders gut wirkt, könnte bei einer anderen weniger hilfreich sein. Forscher wünschen sich deshalb schon länger ein einfaches Modell, in dem man bestimmte genetische Defekte erzeugen und die Wirksamkeit von Substanzen testen kann.

Die Forschergruppe um Alexander Gottschalk vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität verwendete den Fadenwurm Caenorhabditis elegans, weil er sehr einfach genetisch veränderbar ist. Das Fressorgan des Tieres ist eine rhythmisch aktive Muskelpumpe, die ähnliche Ionenkanäle verwendet, wie die Muskelzellen des Säugerherzens. Ionenkanäle spielen für die Reizleitung im Herzmuskel eine wichtige Rolle und oft führen Mutationen in deren Genen zu Arrhythmien.

Dadas Fressorgan, der Pharynx, natürlicherweise nicht so regelmäßig pumpt wie es notwendig wäre, um Arrhythmien erkennen zu können, verwendeten die Forscher optogenetische Methoden. Sie brachten mit Licht steuerbare Ionenkanäle auf genetischem Weg in die Muskelzellen des Pharynx ein. So lässt sich das Organ, angetrieben von Licht, in eine regelmäßig arbeitende Pumpe verwandeln. Dann brachten sie verschiedene Mutationen eines Ionenkanals ein, die beim Menschen für das sogenannte Timothy-Syndrom (LQT8) verantwortlich sind. Tatsächlich zeigte der mutierte Pharynx nun abweichendes Pumpverhalten.

„Mit einer bereits bekannten pharmakologisch wirksamen Substanz , die in abgewandelter Form bei Timothy-Syndrom verabreicht wird, konnten wir diese Arrhythmieeffekte verbessern beziehungsweise umkehren“, erklärt Prof. Alexander Gottschalk. Sein Ziel ist es, im Wurm nach neuen Wirkstoffen für weitere Arrhythmiesorten zu suchen. Eventuell wäre dies sogar patientenspezifisch möglich, wenn man die genaue Mutation auf den Wurm überträgt. Die leichte genetische Manipulierbarkeit des Fadenwurms ist hierbei sehr vorteilhaft im Vergleich zu einem Mausmodell, das sehr umständlich zu erstellen wäre. Um die Suche nach neuen Medikamenten zu erleichtern, haben die Forscher außerdem eine neue optische Methode entwickelt, mit der sich viele Tiere parallel analysieren lassen.

Publikation: C. Schüler, E. Fischer, L. Shaltiel, W. Steuer Costa, A. Gottschalk. (2015) Arrhythmogenic effects of mutated L-type Ca2+-channels on an optogenetically paced muscular pump in Caenorhabditis elegans. Scientific Reports 5: 14427. DOI: 10.1038/srep14427

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/58253225

Bildtext: Das Fressorgan (Pharynx) eines optogenetisch veränderten Fadenwurms kann zuverlässig verschiedenen „Kommando“-Frequenzen folgen (blaue Schrift). Die Kontrolle zeigt die Reaktion des gesunden Wurms. Unten ein „kranker“ Wurm mit defektem Kalzium-Kanal, der bei hohen Frequenzen unregelmäßig pumpt.

Informationen: Prof. Alexander Gottschalk, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42518, a.gottschalk@em.uni-frankfurt.de.