Pressemitteilungen 

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:50

Am 8. Dezember empfing das Goethe-Schülerlabor Physik seine/n 1000. Besucher/in

1000 Mal Begeisterung

FRANKFURT. Im Goethe-Schülerlabor Physik können Schülerinnen und Schüler selbstständig spannende Experimente durchführen und so ihr Wissen aus dem Schulunterricht vertiefen und erweitern. Auch Messungen und Simulationen mit dem Computer sind Teil des Angebots. Bereits 11 Monate nach der Einweihung heißt  das Schülerlabor am Campus Riedberg nun seine/n 1000. Besucher/in mit einem kleinen Geschenk willkommen.

Nicht nur Schüler und Lehrer sind von dem breiten Themenangebot des Schülerlabors begeistert. Auch Referendare in der Ausbildung finden hier Inspirationen für einen spannenden Physik-Unterricht. Zurzeit bietet das Goethe-Schülerlabor Physik vor allem Themen für die Sekundarstufen I und II an, zum Beispiel das „Schülerlabor Kriminalistik“. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler den „Mord im Museum“ mit Hilfe kriminaltechnischer Untersuchungen lösen. Für Grundschulkinder wird das “Schülerlabor Grundverständnis Magnetismus“ angeboten, weitere Themen sollen nächstes Jahr folgen.

Gefördert wird der Auf- und Ausbau des Goethe-Schülerlabors Physik von der Adolf Messer Stiftung.

Aktuelle Angebote des Schülerlabors: http://www.uni-frankfurt.de/49209600/Schuelerlabor  

Informationen: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47845; wilhelm@physik.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:48

Frankfurter Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika beleuchtet die Diskussionen in Bosnien

Koran-Übersetzungen als Politikum

FRANKFURT. Die Übersetzung des Korans aus dem Arabischen in eine andere Sprache kann ein Politikum sein. Dies wird die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika von der Goethe-Universität in ihrem Vortrag am Montag (15. Dezember) am Beispiel der Übertragungen des Korans ins Bosnische/Serbische/Kroatische näher beleuchten.

Die Veranstaltung gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet. Die Vorlesung beginnt um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend.

Trotz der jahrhundertelangen Präsenz des Islam und der Einbindung weiter Teile Südosteuropas in die staatlichen Strukturen des Osmanischen Reiches erfolgte die erste direkte Übertragung des Korans aus dem Arabischen in die Sprache einer der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe der Region, der Bosniaken, erst im Jahre 1977 durch den Gelehrten Besim Korkut. Korkuts Übersetzung waren andere vorausgegangen, die allerdings auf Umwegen über andere Sprachen erfolgt waren, etwa über das Französische oder das Türkische. Die Übertragungsakte lösten zum Teil heftige innermuslimische Polemiken über die generelle Übersetzbarkeit des Korans und damit auch über den exegetischen Zugang zum koranischen Text aus.

Anhand von drei Koran-Übersetzungen ins Bosnische/Serbische/Kroatische (Ljubibratić 1895; Pandža/Čaušević 1937 und Korkut 1977) und der Darstellung der sie begleitenden Debatten wird die Wissenschaftlerin zeigen, dass die Frage der Koran-Übersetzungen in einem engen Zusammenhang mit der Neubewertung der islamischen theologischen Traditionen durch die Muslime des Westbalkans stand. Dabei spielten die Bedingungen der Moderne eine entscheidende Rolle. So wurden beispielsweise nicht nur die lexikalischen und grammatikalischen Entscheidungen der Übersetzer kritisiert, sondern auch die bei der Übersetzung zu Hilfe genommenen arabisch-sprachigen Korankommentare und deren theologischen Grundannahmen.

Darüber hinaus standen die Koran-Übersetzungen, ihre Motivationen und auch die ausgelösten Debatten in einem engen Zusammenhang mit den sprach-, wissenschafts- und religionspolitischen Entwicklungen. Sie waren auch nicht frei von vorherrschenden (national)staatlichen Ideologien der jeweiligen Zeit. „Es sind diese Wechselwirkungen, die aus den Übersetzungen des Offenbarungstextes über rein theologische Implikationen hinaus auch ein Politikum machten“, betont Armina Omerika.

Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin wurde 1976 in Mülheim an der Ruhr geboren, besuchte die Grundschule in Mostar, Bosnien und Herzegowina, Abitur machte sie 1996 in Mülheim. Armina Omerika studierte Islamwissenschaften, Film- und Fernsehwissenschaften und Anglistik an der  Ruhr-Universität Bochum und an der John Moores University Liverpool. Sie promovierte 2009 in Islamwissenschaften  an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Jungmuslime in Bosnien und Herzegowina, 1941-1983“. Es folgten Lehr- und Forschungstätigkeiten in Islam- und Geschichtswissenschaften an den Universitäten Bochum, Erfurt, Basel, Frankfurt und an der St. Lawrence University, Canton/NY (USA). Seit Mai 2013 ist sie Leiterin der Postdoc-Gruppe „Wissens- und Methodentransfer in den Islamischen Studien“ am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Sommersemester 2014 hatte sie eine Vertretungsprofessur Islamische Studien/Islamische Theologie an der Universität Hamburg inne.

Sie hat zahlreiche Publikationen zum Themenfeld „Islam auf dem Balkan“ veröffentlicht, u.a. „Muslimische Stimmen aus Bosnien und Herzegowina. Die Entwicklung einer modernen islamischen Denktradition“ (Herder Verlag 2013); „Islam in Bosnien und Herzegowina im 20. Jahrhundert und das Netzwerk der Jungmuslime“ (Harrassowitz Verlag 2014). Armina Omerika war Stipendiatin der Volkswagen-Stiftung und der Gerda-Henkel-Stiftung und von 2010 bis 2012 Mitglied des Plenums der Deutschen Islam Konferenz.

Weitere Vorträge in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ auf einen Blick:

Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.

12. Januar 2015
Nicolai Sinai, Universität Oxford
Wie viel Kritik verträgt der Koran? Zum gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Koranforschung

26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn
Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten

9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 9 2014
10:46

10 Jahre bürgerschaftliches Engagement

FIAS: 10 Jahre Spitzenforschung

FRANKFURT. Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) besteht seit zehn Jahren. Gegründet 2004 als Stiftung der Goethe-Universität gilt das Institut heute als ein international herausragender Ort der interdisziplinären Grundlagenforschung über komplexe Systeme. Getragen wird die Forschung am FIAS vom Land Hessen, anderen öffrentlichen Stellen und vom bürgerschaftlichen Engagement, von Stiftungen und Privatpersonen. Damit ist das FIAS auch ein einzigartiges Beispiel für die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatpersonen für die Grundlagenforschung in Deutschland, der sogenannten Public-Private-Partnership. Mehr als 60 Millionen Euro sind bisher aus Drittmitteln in die FIAS-Forschung geflossen.

Unterstrichen wird die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements am FIAS durch zwei neue Großspenden von je einer Million Euro aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums. Die Johanna-Quandt Universitäts-Stiftung stellt dem FIAS ohne Auflagen eine Million Euro  für die Forschung zur Verfügung. Bisher hat die Stiftung,  unter anderem mit der Johanna-Quandt-Stiftungsprofessur (Prof. Jochen Triesch), das  FIAS mit Zuwendungen und Finanzierungszusagen im Umfang von rund fünf Millionen Euro unterstützt. Der Vorstand der Johanna-Quandt-Stiftung, Dr. Jörg Appelhans, erläuterte das Engagement der Stiftung mit den Worten: „Das FIAS zeigt eindrucksvoll, wie aus privatem Engagement und öffentlicher Förderung wissenschaftliche Spitzenleistungen erwachsen können. Die zweckfreie Forschung am FIAS halten wir für besonders wichtig, um wichtige Zukunftsfragen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu  stellen und interdisziplinär nach Antworten zu suchen.“  

Die Stiftung Giersch beabsichtigt mit ihrer Spende, das Stiftungskapital des FIAS aufzustocken und vor allem ein Kulturprogramm für die am FIAS tätigen ausländischen Forscher zu finanzieren.

Beim Festakt zum zehnjährigen FIAS-Jubiläum sagte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, „beim FIAS haben wir es mit einer einzigartigen Denkfabrik zur Vernetzung der Naturwissenschaften zu tun. Hier wird Zukunft nicht nur ‚gedacht‘ sondern auch ‚gemacht‘. Es wird dort großartige interdisziplinare Grundlagenforschung betrieben. Daher unterstützen wir das FIAS auch mit einer jährlichen Förderung in Höhe von 410.000 Euro. Ich bin sehr stolz darauf, dass das FIAS eine Teil des Wissenschaftsstandortes Hessen ist.“

Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Werner Müller-Esterl, unterstrich beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen die positive Entwicklung der Zusammenarbeit von Universität und FIAS: „Es ist schön zu sehen, in welchem Ausmaß sich das FIAS in den letzten Jahren zu einer der drittmittelstärksten Einrichtungen im Umfeld der Goethe-Universität entwickelt hat. Die wissenschaftlichen Themen, die hier bearbeitet werden, sind relevant und wegweisend. Dank der fruchtbaren Kooperation mit der Goethe-Universität können an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis wichtige Neuerungen realisiert werden, wie in jüngster Zeit der effizienteste Großrechner der Welt.“

Das FIAS wurde 2004 auf Initiative des damaligen Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Rudolf Steinberg, und der beiden langjährigen Gründungsvorstände, dem Physiker Prof. Walter Greiner und dem Hirnforscher Prof. Wolf Singer, als Stiftung der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Ziel war es, ein Leuchtturm-Institut der hessischen Forschung zu errichten: Eine international herausragende Forschungsstätte, wo – aufbauend auf den Ergebnissen von Experimenten – für komplexe Systeme der Natur theoretische Modelle entworfen, in Simulationen überprüft und neue Fragestellungen entwickelt werden. Beispiele für derartige Systeme sind die Vorgänge im Atomkern, das Immunsystem oder die Arbeitsweise des Gehirns. Damit wurden attraktive Arbeitsmöglichkeiten für Spitzenforscher und hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs geschaffen. Dabei galt das Prinzip: Die Finanzierung der Infrastruktur trägt das Land Hessen, die Finanzierung der Forschung erfolgt durch Drittmittel.

Heute blickt das FIAS auf zahlreiche Erfolge zurück. So arbeiteten FIAS-Forscher daran, Wirkungen und Nebenwirkungen der Schwerionen-Krebstherapie berechenbar zu machen. Außerdem werden wesentliche Experimente des internationalen Beschleunigerzentrums FAIR, das derzeit bei Darmstadt entsteht, am FIAS modelliert und simuliert. Hirnforscher am FIAS entwickelten neue Einsichten, wie – trotz ständiger Veränderungen im Gehirn – das Langzeitgedächtnis des Menschen funktioniert. Ein jüngster, besonders auch international beachteter Erfolg der FIAS-Forscher ist die Entwicklung des weltweit energieeffizientesten Supercomputers für das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Da Supercomputer heute eines der wichtigsten Werkzeuge der theoretischen Naturwissenschaften sind, geht es bei den Höchstleistungsrechnern des FIAS darum, sie nicht nur superschnell, sondern auch umweltschonend, sowie energie- und kostensparend zu bauen und zu betreiben.

Am FIAS arbeiten heute rund 140 Wissenschaftler und Doktoranden aus 25 Nationen in den Arbeitsfeldern Physik, Hirnforschung, Lebenswissenschaften & Chemie und Computerwissenschaften. Enge Kooperationen bestehen mit der Goethe-Universität Frankfurt, Forschungsinstituten in der Region sowie mit international führenden Forschungszentren weltweit. Ergebnis einer Kooperation des FIAS mit dem Brookhaven National Laboratory in den USA war beispielsweise die gemeinsame Entdeckung des bisher schwersten Atomkerns der Antimaterie, des Anti-Heliums. In Zukunft will das FIAS in einem weiteren Arbeitsbereich komplexe systemische Risiken erforschen, wie sie in der Natur und auch in der Wirtschaft vorkommen.

Weitere bedeutende Unterstützer des FIAS im privaten Sektor sind die Hertie-Stiftung, der Stiftungsfonds Deutsche Bank, die Alfons und Getrud Kassel-Stiftung und die VolkswagenStiftung. Aber auch zahlreiche Privatpersonen haben das FIAS im Laufe der Jahre mit Zuwendungen unterstützt, etwa der frühere Spitzenmanager Dr. Helmut O. Maucher. Auf die von ihm gespendete Helmut-Maucher-Stiftungsprofessur für systemische Risiken hat vor wenigen Tagen ein junger Wissenschaftler einen Ruf erhalten.

Weitere Informationen: Hildegard Becker-Toussaint, Tel. 069 798 47618, E-Mail: BT@fias.uni-frankfurt.de; Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), Ruth-Moufang-Str. 1, 60438 Frankfurt am Main, Tel. 069-798 47600, E-Mail: voli@compeng.de, Web: fias.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:44

Prof. Werner Müller-Esterl übergibt am 13. Dezember Amt des Präsidenten an seine Nachfolgerin , Prof. Birgitta Wolff

Stabwechsel an der Spitze der Goethe-Universität

Medieneinladung

Stabwechsel an der Spitze der Goethe-Universität: Im Beisein des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, des Staatsministers bei der Bundeskanzlerin, Dr. Helge Braun, des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, sowie 400 weiterer Gäste übergibt Prof. Werner Müller-Esterl am 13. Dezember das Amt des Präsidenten an seine Nachfolgerin, Prof. Birgitta Wolff. Nach einer Bilanz des scheidenden Universitätspräsidenten wird die designierte Präsidentin einen ersten Ausblick geben.

Am 15. Juli 2014 war Wolff zur Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt gewählt worden. Offiziell übernimmt sie die Amtsgeschäfte an Hessens größter und Deutschlands drittgrößter Universität zum 1. Januar 2015.

Wir laden Sie als Medienvertreter herzlich ein, an dem Festakt teilzunehmen. Dieser findet statt am

Samstag, den 13. Dezember, 11-13 Uhr,
Goethe-Universität, Campus Westend, Festsaal Casino, 60323 Frankfurt am Main

Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können (Mitteilung an Frau Ott, Tel.: 069/798-12472, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Personalia/Preise

Dez 8 2014
14:38

Die Mäzenin Dagmar Westberg nimmt an ihrem 100. Geburtstag an einem Vortrag des deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen teil – Die jährlich stattfindende Vorlesungsreihe hat sie gestiftet

»Ich bin so alt wie die Goethe-Universität. Das passt doch gut.“

FRANKFURT. „Ich bin so alt wie die Goethe-Universität. Das passt doch gut zusammen«, freut sich die Mäzenin Dagmar Westberg. Sie ließ es sich heute nicht nehmen, auch an ihrem 100. Geburtstag an einem Vortrag des deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen teilzunehmen; die nach ihr benannte Vorlesungsreihe findet nun zum dritten Mal statt. Die enge Verbindung zwischen der alten Dame und der Universität besteht seit 2009; inzwischen unterstützt sie die Hochschule mit dem Dagmar Westberg-Universitätsfonds, mit einem nach ihr benannten Preis in der Anglistik, mit der jährlichen Dagmar Westberg-Vorlesung in den Geistes- und Humanwissenschaften und mit der fünfjährigen maßgeblichen Finanzierung des historischen Kollegs am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl, gratulierte der Jubilarin und dankte ihr für das Engagement: „Wir freuen uns darüber, mit Frau Westberg eine Mäzenatin für unsere Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden zu haben und danken Ihr herzlich für Ihr selbstloses Engagement. Förderinnen von Ihrer Art gibt es leider noch viel zu wenige in Deutschland. Wir hoffen daher, dass Sie uns noch lange die Treue hält.“ Der Vize-Präsident der Goethe-Universität, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, erklärte. Frau Westberg sei eine „sympathische Kosmopolitin mit weitem Horizont“; und er schätze in Gesprächen mit ihr besonders „ihre scharfsinnigen Bemerkungen und lebendigen Rückfragen“. Die Universität sei dankbar, dass sie als großherzige Stifterin besonders „die Geisteswissenschaften unterstützt, die es in Bezug auf externe Förderung stets schwerer haben als andere Disziplinen“.

Der Dagmar Westberg-Preis wurde erstmals 2010 verliehen, er  honoriert jährlich herausragende geisteswissenschaftliche Abschlussarbeiten, die einen Bezug zu Großbritannien haben. Zusätzlich richtete sie den Dagmar Westberg-Universitätsfonds ein. Mit seiner Hilfe werden wissenschaftliche Studien zur britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Goethe-Universität vorangetrieben. Beides wird von der Deutsch-Britischen-Gesellschaft, deren Ehrenmitglied Dagmar Westberg ist, zusammen mit der Goethe-Universität verantwortet. Seit 2011 gibt es auch einen zusätzlichen Universitätsfonds der Stifterin, der eine Stiftungsgastprofessur ermöglicht. Jährlich wird ein hochkarätiger Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin auf den Campus Westend oder an das Bad Homburger Forschungskolleg Humanwissenschaften als Fellow eingeladen, um Vorträge zu halten und an Kolloquien und Diskussionen teilzunehmen. 2013 kam Martha Nussbaum, Professorin für Recht und Ethik an der University of Chicago, nach Frankfurt; sie gilt als eine der profiliertesten Philosophinnen der Gegenwart. In diesem Jahr nimmt Lothar von Falkenhausen diese Gastprofessur wahr: sein Thema in den drei Vorlesungen „Chinas wirtschaftliche Hochblüte im ersten Jahrtausend vor Christus im Spiegel der archäologischen Entdeckungen“.

Als Dagmar Westberg am 8. Dezember 1914 als Jüngste von sechs Geschwistern in Hamburg zur Welt kam, hatte niemand mit ihr gerechnet. Dazu berichtet die 100-Jährige in einem Porträt in der Dezember-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“: „Nachdem mein Bruder Olaf geboren war, sagte die Hebamme: ‚Da kommt noch eins‘ – und das war ich.“ Ihr Vater, ein Anwalt aus einer baltisch-hamburgischen Unternehmerfamilie, ermunterte sie als 20-Jährige, ein privates College in England zu besuchen. Eigentlich hatte sie an der Lyton School nahe London eine Stelle als Lehrerin in Aussicht, doch aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihr Visum nicht verlängert.

Zurück in Deutschland wurde ihr erstmalig bewusst, dass ihre Mutter aus einer jüdischen Familie kam und dass sie als Tochter deshalb nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Halbjüdin“ galt – mit allen einhergehenden Diskriminierungen. Dagmar Westberg arbeitete unter anderem bis 1941 beim amerikanischen Generalkonsulat in Hamburg, was es ihr erleichterte, 1943 eine Anstellung in der Schutzmachtabteilung der Schweizer Botschaft in Berlin zu bekommen, die zum Ende des Krieges an die Schweizer Grenze verlegt wurde. So genoss sie auch einen gewissen Schutz vor Verfolgung.

Ende 1945 kam sie nach Bad Homburg und meldete sich wieder bei den Amerikanern. Im Januar 1946 nahm sie erneut eine Tätigkeit im amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt auf. Die Main-Metropole wurde für die Hanseatin zur zweiten Heimat. Hier konnte sie ihr selbstbestimmtes Leben fortsetzen. Auch finanziell war Dagmar Westberg durch das Vermögen ihrer Familie unabhängig. Der von ihr noch heute sehr verehrte Großonkel Oscar Troplowitz entwickelte die kleine Pharmafirma, die er von dem Apotheker Carl Paul Beiersdorf aus Altona gekauft hatte, zum weitverzweigten Unternehmen Beiersdorf, das unter anderem Nivea Creme, Hansaplast und Tesafilm auf den Markt gebracht hat. Von ihrem Großonkel hat Dagmar Westberg auch die Tradition und Verpflichtung übernommen, sich philantrophisch für das Gemeinwohl einzusetzen. In Frankfurt betrifft das insbesondere von Bürgern gegründete Institutionen im kulturellen, sozialen und Bildungsbereich.

Bild von Dagmar Westberg zum Download: hier.

Informationen: Vizepräsident Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Campus Westend, Tel. (069) 798- 12343, Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 8 2014
14:34

Neues Forschungsprojekt soll herausfinden, warum eine mediterrane Ernährung und ein aktiver Lebensstil vor Alzheimer schützen

Olivenöl und viel Bewegung

FRANKFURT. Wer isst wie am Mittelmeer und sich körperlich und geistig in Bewegung hält, schützt sich zugleich vor der Alterskrankheit Demenz: Dies gilt in der Fachwelt inzwischen als erwiesen. Warum dies so ist und was genau im Gehirn passieren muss, um dem gefürchteten Gedächtnisschwund vorzubeugen, das will der Pharmakologe Dr. Gunter Eckert, Privatdozent an der Goethe-Universität Frankfurt, in einem neuen Forschungsprojekt herausfinden. Finanziert wird das Projekt von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Bis jetzt ist Alzheimer unheilbar, umso mehr Bedeutung kommt einer präventiven Lebensweise zu. Gunter Eckert konnte mit seiner Forschungsgruppe „nutritional neuroscience“ bereits zeigen, dass es bei der Alzheimer-Krankheit früh zu einer Veränderung in den Kraftwerken der Nervenzellen (Mitochondrien) kommt. Diese lässt sich nach aktuellem Forschungsstand mit Polyphenolen, beispielsweise aus Oliven oder Trauben als Bestandteil einer mediterran ausgerichteten Ernährung, positiv beeinflussen. Darüber hinaus scheinen auch geistige Stimulation und körperliche Bewegung die Mitochondrien zu stärken.    

All dies haben auch schon vor Jahren epidemiologische Studien gezeigt, die Daten zu Ernährung, Lebensweise und Erkrankung unter die Lupe nahmen. Auch klinische Studien gibt es bereits. Nicht bekannt ist bislang jedoch, was genau im Gehirn, in den Mitochondrien der Nervenzellen, geschieht. „Es soll die These überprüft werden, dass eine polyphenolreiche Diät zusammen mit geistiger und körperlicher Ertüchtigung Alterungsprozesse des Gehirns verlangsamt, die mitochondriale Dysfunktion verbessert und somit Evidenzen für einen Schutz vor Alzheimer liefert“, hat sich Gunter Eckert zum Ziel gesetzt.

Für seine Forschung setzt Eckert genetisch veränderte Mäuse ein, die bereits nach wenigen Monaten alzheimerähnliche Symptome entwickeln. Die Nager erhalten ein polyphenolreiches Futter und leben in größeren Käfigen, die mit Laufrädern und anderen Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet sind, zum Beispiel mit Lego-Steinen. „Die Ausstattung wird wöchentlich ausgetauscht, damit die Mäuse gefordert sind“, erklärt der Forscher. Sollten diese Maßnahmen den Beginn der Alzheimer-Symptome bei den Mäusen nach hinten verschieben, würde das als Hinweis auf die Wirksamkeit dieses Ansatzes gelten.

Gunter Eckerts Forschungen wurden schon 2002 und 2008 von der Alzheimer Forschung Initiative gefördert, dem größten privaten Förderer öffentlicher Alzheimer-Forschung in Deutschland. Nun wurde der Ernährungs-Experte und Fachpharmakologe mit seinem auf zwei Jahre ausgelegten Projekt erneut von der AFI unterstützt. 74.950 Euro werden für das Frankfurter Projekt zur Verfügung gestellt. Das Forschungsvorhaben ist eines von sieben innovativen Alzheimer-Forschungsprojekten an deutschen Universitäten, welche die AFI ab sofort mit insgesamt 464.220 Euro bis 2016 fördert. Seit ihrer Gründung 1995 hat die AFI insgesamt 155 Wissenschaftler mit rund sieben Millionen Euro unterstützt.

Kostenfreies Foto von PD Dr. Gunter Eckert: hier.

Informationen: Dr. Gunter Eckert, Tel. (069) 798-29378, mailto:g.p.eckert@em.uni-frankfurt.de

Sonstige

Dez 8 2014
14:31

Leiterinnen der Schreibzentrums an der Goethe-Universität veröffentlichen Sammelband

Frankfurter Reader macht internationale Forschung zu Schreibprozessen erstmals zugänglich

FRANKFURT. Die beiden Leiterinnen des Schreibzentrums an der Frankfurter Goethe-Universität, Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, haben jetzt im UTB-Verlag einen Band mit dem Titel „Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung“ herausgegeben. Das Spektrum des Readers mit insgesamt 24 Texten reicht von den bedeutendsten nordamerikanischen Modellen zum Schreiben aus den 1980er Jahren bis hin zu den wichtigsten aktuellen Ansätzen in der Schreibberatung.

„In Deutschland gibt es noch immer ein Wissensdefizit über die Forschung zu Schreibprozessen oder Unkenntnis über bewährte Ansätze der Schreibberatung. Mit unserem Band möchten wir das bereits vorhandene Wissen allgemein zugänglich machen“, erklärt Sennewald. Dass zentrale Beiträge zur Theorie und Didaktik rund um das Thema Schreiben nur in schwer zugänglichen Originalversionen vorhanden waren, motivierte die beiden Expertinnen, diesen Band zusammenzustellen. „Viele der Texte liegen hier zum ersten Mal auf Deutsch vor“, so Dreyfürst. Zu einigen Themen – wie zum Beispiel zu verschiedenen Ansätzen der Schreibberatung – gab es noch gar keine Literatur; diese Texte wurden für den vorliegenden Band von Spezialisten neu verfasst.

Der Band richtet sich an alle, die sich theoretisch wie praktisch mit der Vermittlung von Schreibkompetenzen beschäftigen. Die beiden Frankfurter Wissenschaftlerinnen haben in den vergangenen Jahren weitreichende Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt: So ist es ihre Aufgabe an der Goethe-Universität, studentische Schreibberater auszubilden und Schreibworkshops zu halten. Gemeinsam mit Lehrenden aus den jeweiligen Fächern entwickeln sie aber auch Konzepte, wie wissenschaftliches Schreiben in ganz unterschiedlichen Fächern vermittelt werden kann – beispielsweise in der Ethnologie oder den Wirtschaftswissenschaften. Dies geschieht im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“, in dem sich mehr als 50 Lehrende gezielt mit der Verbesserung der Studieneingangsphase befassen.

Im Zuge des Bologna-Prozesses erkannten viele Hochschulen, dass nicht nur Fachinhalte, sondern auch Schlüsselkompetenzen wie fachliches Schreiben vermittelt werden müssen. Darauf geht auch die Gründung zahlreicher Schreibzentren an deutschen Universitäten in den vergangenen Jahren zurück – eine Entwicklung, die in den USA bereits in den 1980er Jahren stattgefunden hat.

Ein zentrales Thema in den Schreibzentren sind immer wieder die Schreibblockaden: Wie entstehen diese und wie kommt man aus ihnen wieder heraus? Auch dazu bieten die Autoren des neuen Bands Antworten. Typische Ursachen für Schreibblockaden sind zum Beispiel falsche Vorannahmen über das Schreiben. „So nehmen viele Studierende an, sie müssten beim wissenschaftlichen Schreiben erst eine detaillierte Gliederung fertig erstellt haben, bevor sie mit dem Schreiben beginnen“, erläutert Dreyfürst. Für Schreibtypen, die ihre besten Ideen erst während des Schreibens entwickeln, sei diese Herangehensweise kontraproduktiv und könne zu Schreibblockaden führen. „Die Ideen im Schreibfluss zu entwickeln und erst im Nachhinein zu strukturieren, kann ein möglicher Weg aus der Blockade sein“, ergänzt Sennewald.

Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald (Hrsg.): Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung, UTB-L 2014. 455 Seiten. 29,99 Euro

Informationen: Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, Schreibzentrum, Campus Westend, Tel: (069)-798-32845, dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de,  Sennewald@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 5 2014
14:09

Ausstellung „This Bloodless War“ in der Studiengalerie 1.357

Asiatische Wirtschaftskrise als Thema einer Kunstaktion

FRANKFURT. Der Künstler Manit Sriwanichpoom befasst sich in seiner 1997 entstandenen Arbeit „This Bloodless War“ mit der asiatischen Wirtschaftskrise, die im selben Jahr seine thailändische Heimat erfasste. Für eine Kunstaktion im Geschäftsdistrikt Bangkoks re-inszenierte er berühmte Reportagefotografien aus dem Vietnamkrieg. Anstelle von offener Gewalt und Waffen erscheinen in seinen Bildern Statussymbole der westlichen Konsumgesellschaft. Die implizierte Analogie ist unmissverständlich: Die westliche Konsumkultur und die globalen Finanzmärkte sind unmittelbar mit militärischer Macht verknüpft, setzen mit unblutigen Mitteln die hegemonialen Ziele des Vietnamkriegs fort. Für ihre deutliche Botschaft eignen sich die Fotografien die Ästhetik der Werbung an. Sie wenden, in der Kunstaktion wie Werbeschilder herumgetragen, die Mittel der Konsumkultur in ein kritisches Instrument um. Die Studiengalerie zeigt sechs Arbeiten der Serie und eine Fotografie, die die Kunstaktion dokumentiert. Manit Sriwanichpoom, geb. 1961 in Bangkok, setzte sich als Fotograf und sozialer Aktivist in seinen Arbeiten mit den Krisen seiner Heimat auseinander.

Die Ausstellung rund um Manit Sriwanichpoom und seine Arbeit „This Bloodless War“ startet am Mittwoch, 10. Dezember, in der Studiengalerie 1.357, IG Farben-Haus, Campus Westend. Sie ist von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet und läuft bis zum 13. Februar 2015. Die Ausstellung wird gefördert von der DZ-BANK Kunstsammlung.

In der Studiengruppe „Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in enger Kooperation mit dem Städel Museum projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Kunst in den Räumen des IG-Farben-Gebäudes aus.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Nicole Kreckel, Studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, frau.n.kreckel@stud.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Dez 5 2014
14:07

Bei der Festveranstaltung spricht die Berliner Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Weigel

25 Jahre Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die renommierte Berliner Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Weigel hält am Dienstag (9. Dezember) die diesjährige Martin-Buber-Vorlesung zur jüdischen Geistesgeschichte und Philosophie. Der öffentliche Vortrag zum Thema „In der Maske des Paulus – Jacob Taubes liest Walter Benjamin“ findet in einem besonders feierlichen Rahmen statt. Anlass ist das 25. Jubiläum der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Raum 1.801, Casino, Campus Westend. Ein Grußwort spricht die Pröpstin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Gabriele Scherle.

Die EKHN stiftete 1989 die Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie am Fachbereich Evangelische Theologie. Die Professur führte zahlreiche namhafte Gastwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen nach Frankfurt. Seit 2010 hat Prof. Dr. Christian Wiese die Professur nun dauerhaft inne und damit ist sie zum festen Bestandteil der interdisziplinären Erforschung jüdischer Religion, Geschichte und Kultur an der Goethe-Universität geworden. Die Professur erinnert an das Wirken des berühmten Religionsphilosophen Martin Buber (1878–1965) in Frankfurt, der zunächst am Freien Jüdischen Lehrhaus, seit 1924 dann als Lehrbeauftragter und zwischen 1930 und 1933 als Honorarprofessor für Jüdische Religionslehre und Ethik an der Universität Frankfurt bedeutende geistige Impulse setzte.

Bei der jährlichen Martin-Buber-Vorlesung präsentieren herausragende internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neueste Forschungsergebnisse zur jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte, zur jüdischen Religionsphilosophie sowie zu den Beziehungen des Judentums zu Christentum und Islam. Am Dienstag wird sich Sigrid Weigel, Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturwissenschaften Berlin, Vorsitzende der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin, damit auseinandersetzen, wie der Religionssoziologe, Philosoph und Judaist Jacob Taubes (1923-1987) Zitate aus Walter Benjamins (1892-1940) Schriften in seinen intellektuellen Kosmos aufgenommen hat.

Wie eine heiße Spur ziehen sich solche Zitate ab Anfang der 1960er Jahre durch die Vorträge, Briefe, Seminare und Veröffentlichungen von Jacob Taubes. Doch welcher Benjamin ist es, dessen Sätze seit dieser Zeit wie Funken in Taubes’ intellektuellem Kosmos auftauchen?, fragt Weigel. Der Vortrag verfolgt zwei Hauptlinien von Jacob Taubes’ Benjamin-Lektüre. In der ersten Linie, die entlang der „Noten zum Surrealismus“ (1963), des Aufsatzes „Kultur und Ideologie“ (1969), der Aufzeichnungen zum Seminar über die Thesen zum „Begriff der Geschichte“ aus dem Wintersemester 1984/85 bis zum Aufsatz „Walter Benjamin - ein moderner Marcionit?“ (1986) verläuft, tritt Benjamin als Gewährsmann einer geschichtsphilosophischen Betrachtung von Fragen auf den Plan, die ansonsten meist als ästhetische firmieren. Danach macht Taubes’ Benjamin mehrere Metamorphosen durch, tritt einmal in der Maske des „modernsten theologischen Marxismus“ auf, dann als Theoretiker des Messianismus, als Autor politischer Theologie und schließlich als Marcionit der Moderne, der – wie der Marcionismus des zweiten Jahrhunderts – den göttlichen Charakter der hebräischen Bibel bestreitet.

Die zweite Linie, die die Berliner Wissenschaftlerin in ihrem Vortrag verfolgt, setzt knapp ein Jahrzehnt später ein und verläuft entlang einer Engführung mit dem politischen Philosophen und Staatsrechtler Carl Schmitt (1888-1985), in der die beiden Autoren wie die Pole einer gleichsam elektrisch geladenen Denkspur erscheinen. Sie mündet in Taubes’ Paulus-Vorlesungen aus dem Jahr 1987, in denen Benjamin als Exeget des Römerbriefs auftritt. Die letzte Maske, die ihm Taubes aufgesetzt hat, ist demnach die des Apostels Paulus.

Prof. Dr. Sigrid Weigel ist u.a. die Autorin von „Walter Benjamin. Die Kreatur, das Heilige, die Bilder“, Frankfurt 2008, sowie die Herausgeberin der Schriften von Susan Taubes (1928-1969) – die US-amerikanische Religionswissenschaftlerin, Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin war die erste Ehefrau von Jacob Taubes.

Der Vortrag ist frei und öffentlich – eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, Tel: (069)-798-33313, C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

http://www.evtheol.uni-frankfurt.de/buber/Veranstaltungen/index.html

Personalia/Preise

Dez 5 2014
13:54

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl verabschiedet sich nach sechs Jahren Amtszeit

Bilanz einer Präsidentschaft

FRANKFURT. Der Präsident der Goethe-Universität, Professor Werner Müller-Esterl, zieht zum Ende seiner Amtszeit eine positive Bilanz: „Die Goethe-Universität hat sich in den letzten Jahren ausgezeichnet entwickelt“, sagte er am Freitag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Im Jahr 2009 sei er mit der Vision angetreten,

  • die damals gerade errungene Autonomie der Goethe-Universität inhaltlich auszugestalten und politisch wetterfest zu machen,
  • die Forschungsleistung und thematische Profilierung der Goethe-Universität entschieden voranzutreiben,
  • eine offensivere Berufungspolitik und wissenschaftliche Nachwuchsförderung zu betreiben,
  • den politischen und institutionellen Stellenwert der Goethe-Universität im Vergleich mit den besten deutschen Universitäten sichtbarer werden zu lassen,
  • die Qualität der Lehre zu steigern und die Schwächen der Bologna-Reform zu lindern,
  • den Kontakt mit der Frankfurter Bürgergesellschaft weiter auszubauen,
  • einen sachorientierten Dialog mit den Studierenden zu pflegen und
  • der grundlegenden baulichen Erneuerung der Goethe-Universität eine belastbare Perspektive über das Jahr 2020 hinaus zu geben.

„Nach sechs Jahren lautet mein Fazit: Wir haben diese Ziele gemeinsam erreicht! Die Goethe-Universität hat in den wichtigsten Belangen große Schritte nach vorne gemacht. Dafür möchte ich mich vor allem bei den vielen Mitstreitern aus Wissenschaft, Administration, Studierendenschaft, Bürgerschaft und Politik bedanken, die mich in diesen sechs Jahren mit Rat und Tat begleitet haben. Ich habe es als große Ehre empfunden, dass ich die Entwicklung der Goethe-Universität in dieser Zeit entscheidend mitprägen konnte. Ich wünsche meiner Nachfolgerin, Frau Birgitta Wolff, alles Gute!“

Wissenschaftsminister Boris Rhein würdigte die Arbeit des Präsidenten: „Ich danke Professor Müller-Esterl für seine geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren. Er hat sich immer mit viel Engagement für die Goethe-Universität eingesetzt und hinterlässt seiner Nachfolgerin ein gut bestelltes Haus. Müller-Esterl hat mit großem persönlichem Einsatz die Goethe-Uni geprägt und sie zu einem Flaggschiff der deutschen Hochschulen ausgebaut. Ich freue mich sehr, dass die Landesregierung, die die Stiftungsuniversität zum überwiegenden Teil finanziert, zu dieser positiven Bilanz beitragen konnte. Beispielsweise mit den vielen Millionen Euro die aus dem Hochschulbauprogramm Heureka in die Neugestaltung des Campus Westend geflossen sind. Mit dem neuen Hochschulfinanzierungspaket und der daraus resultierenden großzügigen Erhöhung des Grundbudgets, setzt das Land Hessen - auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - abermals die nötigen Rahmenbedingungen für die Hochschulen, um auch in Zukunft exzellentes leisten zu können.“

Forschung/Drittmittel: Besondere Fortschritte sieht Müller-Esterl in der wissenschaftlichen Schwerpunktbildung: „Wir haben alle drei Exzellenz-Cluster in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative gegen starke Konkurrenz verteidigt und damit weitere 70 Mio. € an Forschungsförderung nach Frankfurt holen können.“ Heute verfüge die GU über elf national und international sichtbare Forschungsschwerpunkte in Finanzmarkt-, Biodiversitäts- und Klima-, Herz-Kreislauf- und Krebsforschung, Translationale Medizin, Zell- und Gentherapie, Neurowissenschaften, Strukturbiologie, Gerechtigkeitsforschung, frühkindliche Entwicklung, Schwerionenforschung; hinzu komme der Bau von energieeffizienten Hochleistungsrechnern. Diese Stärke habe sich erst in der letzten Woche wieder gezeigt: Ein an der Goethe-Universität entwickelter Großrechner weise erstmals die weltweit höchste Energieeffizienz aller Computer auf. Auch die Vernetzung mit bestehenden bzw. die Ansiedlung neuer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen auf den Campi der Goethe-Universität seien erheblich vorangekommen: So versammelten sich um die Goethe-Universität inzwischen ein Dutzend renommierter außeruniversitärer Forschungsinstitute, mit denen ebenfalls intensive Kooperationen bestünden. Mit einem Drittmittelvolumen von 173 Millionen € (2013) sei die Goethe-Universität unter den großen deutschen Volluniversitäten in einer sehr guten Position. Dass insbesondere die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)während seiner Amtszeit um fast 50 % gestiegen ist, sieht Müller-Esterl mit großer Genugtuung. Als besonders drittmittelstark bei der DFG-Förderung zeigten sich die Geisteswissenschaften. Mit der LOEWE-Initiative, einer Exzellenzinitiative des Landes Hessen, sei seit 2008 sogar eine Steigerung um den Faktor 15 auf heute mehr als 30 Millionen € p.a. erreicht worden: „Die Forschung der Goethe-Universität erreicht heute Spitzenleistungen in der Breite“, resümierte Müller-Esterl.

Der Präsident räumte ein, dass die Entwicklung an einigen Stellen hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben sei: So sei das frühe Scheitern der Goethe-Universität im Wettbewerb um den Exzellenz-Titel auch für ihn persönlich eine große Enttäuschung gewesen. „Dass das dafür nötige Potenzial in der Universität nicht mobilisiert werden konnte, muss ich mir auch persönlich anrechnen lassen.“ Umso schöner sei es, dass jetzt viele der Ziele aus dem Zukunftskonzept von 2012 dank der großzügigen Förderung privater Stifter doch noch realisiert werden könnten.

Berufung/Organisation: „Zu einer national und international wettbewerbsfähigen Hochschule gehöre auch eine offensive Berufungspolitik“, sagte Müller-Esterl. „Bei der Realisierung von Spitzenberufungen haben uns insbesondere Mittel aus Erträgen der Stiftungsuniversität zusätzliche Spielräume ermöglicht – mit positiver Wirkung auf den Berufungserfolg.“ Zuletzt seien fast 85% der Neuberufungen vom 1. Listenplatz erfolgt. Die Berufungspolitik zeige auch international Wirkung: 2013 hatten 40% der neuen Professoren einen ausländischen Pass. Wegweisend unter den deutschen Universitäten sei auch das Professurenprogramm, das in den letzten beiden
Jahren 40 zusätzliche Neuberufungen ermöglicht habe. Die wissenschaftliche Nachwuchsförderung habe durch die Gründung der Graduiertenschule GRADE, in der inzwischen fast 25% aller Doktoranden organisiert seien, und durch interne, hoch dotierte Wettbewerbe für Nachwuchsforscher entscheidende Impulse erfahren. Mit der Reform der Präsidialverwaltung zu Beginn seiner Amtszeit habe er zudem eine schlagkräftige Organisation zur Umsetzung der gewünschten Ziele geschaffen, so mit dem Aufbau neuer Stabsstellen für ein professionelles Fundraising sowie Lehre und Qualitätssicherung.

Autonomie/Bauen: Der Präsident dankte dem Land Hessen und insbesondere Wissenschaftsminister Boris Rhein für die verlässliche Partnerschaft, die beträchtlichen Anstrengungen für eine bessere Finanzierung der hessischen Hochschulen und das besondere Vertrauen in die Autonomie der Goethe-Universität: „Ohne dieses Vertrauen hätte die Goethe-Universität in den vergangenen Jahren nicht zu diesen Höhenflügen in der Forschung und privaten Förderung ansetzen können. Unser Erfolg ist Ausdruck größerer Handlungsspielräume und kürzerer Entscheidungswege, aber auch Ergebnis einer gestiegenen Bereitschaft von Universitätsangehörigen, Eigenverantwortung zu übernehmen.“ Dies zeige sich insbesondere bei Bauprojekten: Nicht nur habe die Universität in jüngster Zeit bei zwei Projekten erfolgreich die Bauherrenschaft übernommen und bewiesen, dass man solche Projekte fristgerecht und kostenbewusst in Eigenregie umsetzen könne. Bei der Realisierung weiterer Vorhaben auf dem Campus Westend und dem Riedberg trete die Universität nun mit erheblichen Eigenmitteln in die Verantwortung. „Die Realisierung des dritten Bauabschnitts auf dem Campus Westend, der Bau der Mathematik und Informatik und der Einstieg in den Neubau Chemie auf dem Riedberg sind uns so wichtig, dass wir bereit sind, dafür erhebliche Eigenmittel aufzuwenden. Wir fordern also nicht nur, wir sind auch bereit, selbst Geld in die Hand zu nehmen, wenn sich dadurch Bauprojekte beschleunigen lassen“, sagte Müller-Esterl.

Strategie/politische Sichtbarkeit: Müller-Esterl betonte, dass mit dem Hochschulentwicklungsplan, dem universitären Leitbild sowie der Berufungssatzung und der Tenure Track-Richtlinie wichtige Akzente in der strategischen Hochschulentwicklung gesetzt worden seien. Auf Bundesebene habe man zudem mit dem „Frankfurter Manifest“ einen wichtigen Impuls zur engeren Kooperation von Universitäten und ihren außeruniversitären Partnern zur Förderung starker Wissenschaftsstandorte gegeben. Auch das Netzwerk German U15 – ein Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten und größten deutschen Universitäten – sei maßgeblich von der Goethe-Universität vorangetrieben worden. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Gelegenheiten gegeben, sich mit politischen Statements in der überregionalen Presse zu Wort zu melden, sei es zum Fall des Kooperationsverbotes, zum Erfolg des Deutschland-Stipendiums oder auch zur Gefährdung der Hochschulautonomie am Beispiel Nordrhein-Westfalens. In öffentlichen Äußerungen habe er sich stets zu einem leistungsorientierten Wissenschaftsverständnis und einem wettbewerbsorientierten Hochschulsystem bekannt.

Lehre/Studierendenaufwuchs: Eine große Herausforderung für die Lehre sieht Müller-Esterl in der enormen Steigerung der Studierendenzahlen. Mit einem Aufwuchs von mehr als 12.000 Studierenden während seiner Amtszeit auf heute mehr als 46.500 habe die Goethe-Universität die mit Abstand größte Last aller hessischen Hochschulen geschultert und stehe damit auch bundesweit mit an der Spitze. „Wir sind unserer Verantwortung gegenüber der jungen Generation und dem Land Hessen auch hier in besonderem Maße gerecht geworden“, erklärte er; umso mehr, als zu Beginn des Jahres 2009 eine Entwicklung in dieser Größenordnung noch nicht absehbar gewesen sei. Dennoch habe sich die Goethe-Universität mit Bravour dieser Herausforderung gestellt und hier mit einer G8-Task-Force, Sofort-Baumaßnahmen, Kapazitätserweiterungen sowie dem Professurenprogramm erfolgreich gegengesteuert. Besondere Akzente zur Verbesserung der Lehre setzten dabei  die Bologna-Werkstätten sowie das mit 21 Millionen € dotierte Förderprogramm Starker Start ins Studium, mit dem die Studieneingangsphase in vielen Fachbereichen grundlegend reformiert und mehr als 50 neue Lehrkräfte eingestellt worden seien; ganz zu schweigen von den Studiengebührenersatzmittel, den QSL-Mitteln, ohne die viele gute Projekte in den Fachbereichen nicht möglich gewesen wären.

Bürgeruniversität/privates Engagement: In seiner Amtszeit sei die Vernetzung der Goethe-Universität mit Stadt und Region enger geknüpft worden. Mit dem Veranstaltungsprogramm „Bürgeruniversität“ unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters und dem Aufbau verschiedener weiterer, bürgernaher Angebote habe sich die Goethe-Universität als Bildungsforum fest in Frankfurt etabliert. Skyline Symphony, ein Spitzenorchester unter Leitung des Chefdirigenten der Dresdener Philharmoniker, Michael Sanderling, bereichere das städtische Leben mit regelmäßigen Campus-Konzerten. Ein besonderer Höhepunkt sei die Gestaltung des Jubiläumsjahres mit insgesamt 120 Veranstaltungen gewesen, das komplett aus privaten Mitteln finanziert werden konnte: „Unsere Freunde in Stadt und Region haben uns im Jubiläumsjahr mit 71 Mio. Euro in beispielloser Weise finanziell unterstützt. Dies zeigt, wie vital die Stiftungsuniversität sechs Jahre nach ihrer Gründung geworden ist.“ Ein schöner Erfolg sei auch die Entwicklung des Deutschland-Stipendiums: Dank privater Stifter sei die Goethe-Universität hier deutschlandweit führend.

Dialog mit Studierendenschaft: Der Präsident erwähnte auch das kritisch-konstruktive Verhältnis zur verfassten Studierendenschaft. „Ich bin sachlichen Argumenten gegenüber stets aufgeschlossen, bleibe aber meinen Grundsätzen treu.“ Als erfreulich bezeichnete es der Präsident, dass in den letzten Jahren wieder ein sachliches Gesprächsklima entstanden sei: „In dem monatlich stattfindenden Jour-fixe haben wir trotz vorhandener Differenzen im Interesse der Studierenden viele größere und kleinere Probleme lösen können. Auch das werte ich als Erfolg. Denn am Ende geht es in einer großen Organisationen nicht um die Durchsetzung von Partikularinteressen, sondern um das gemeinsame Ringen um die besten Lösungen für die Gesamtuniversität.“

PDF-Download: Zahlen, Daten und Fakten der Amtszeit Müller-Esterl (2009-2013)

Hochschulpolitische Themen

Dez 5 2014
08:13

Welche Rolle Konventionen und Rituale bei weihnachtlichen Festivitäten spielen, erläutert eine soziologische Forschergruppe in der neuen Ausgabe des UniReport

Klischees unterm Weihnachtsbaum

FRANKFURT. Alle Jahre wieder heißt es, dem Partner, der Familie und den Freunden ein möglichst persönliches und originelles Weihnachtsgeschenk zu machen. Doch greifen die meisten Schenkenden dafür auf recht bekannte Ideen zurück. Denn Kritik übt der Beschenkte in der Regel ohnehin nicht an dem Geschenk, könnte dies doch das Verhältnis zum Schenkenden trüben. Nur in wirklich engen Beziehungen kann die Wahrheit über ein misslungenes Geschenk kommuniziert werden, so der Befund einer soziologischen Untersuchung. Die Lehrforschungsgruppe von Prof. Christian Stegbauer führte dafür qualitative Interviews, wertete aber auch Geschenktipps aus Hilfeforen im Internet aus. Ein weiteres Ergebnis: Die weihnachtlichen Festivitäten mit ihren bekannten Ritualen und Gewohnheiten mögen zwar nicht bei allen Zeitgenossen auf Gegenliebe stoßen. Aber versorgt es doch auch die Weihnachtsskeptiker mit  interessantem Klatsch und Tratsch über die Mitfeiernden. 

Die weiteren Themen im neuen UniReport (6/2014): 

  • Blick zurück: Universitätspräsident Werner Müller-Esterl zieht im Interview mit dem UniReport eine Bilanz seiner Amtszeit.
  • Sind die Studierenden politikmüde? Fragen an den AStA-Vorsitzenden Daniel Katzenmaier zum neuen Studierendensurvey. 
  • Tierversuche – die Sicht eines Ethikers. Prof. Dieter Birnbacher spricht in seinem Essay über Grenzen des Tierschutzes. 
  • English – no problem? Schreitet die Englischsprachigkeit in Forschung und Lehre unaufhaltsam voran, oder handelt es sich nur um einen Modetrend? 
  • Studieren mit Skyline-Blick: Ein Porträt des Medizin-Campus in Niederrad, auf dem auch etliche Zeugen der Uni-Geschichte zu besichtigen sind.
  • Bewachen, behüten und bewahren? Günter Ropohl schreibt in seinem neuen Buch über die Bevormundungen der „Besorgnisgesellschaft“.
  • Komplexe Atmosphäre: Geowissenschaftler entwickeln wichtige Bausteine zum Verständnis von Wolken- und Wetterphänomenen.
  • Ein fossiler Fund aus dem Drucker: Heute können Paläoanthropologen dank der 3D-Scan-Technik digitale Kopien nicht nur am Computer rekonstruieren und ergänzen, sondern auch mit 3D-Druckern reproduzieren.

Der UniReport erscheint als Printausgabe am 5. Dezember und steht jetzt schon zum Download bereit unter http://www.bit.ly/unireport_6-14

Kontakt: Dr. Dirk Frank, Pressereferent, Pressereferent /stv. Leiter, Abteilung Marketing und Kommunikation, Tel. (069) 798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 4 2014
10:51

Ungewöhnlicher Mechanismus aktiviert den entscheidenden Rezeptor

Kompass im Vogel-Auge: Die Wellenlänge ist entscheidend

FRANKFURT. Zugvögel und Haushühner orientieren sich im Magnetfeld der Erde mithilfe eines lichtaktivierten Kompasses im Auge. Seit einigen Jahren sind sich Ornithologen sicher, dass der zugrunde liegende Mechanismus auf der lichtaktivierten Bildung von Radikal-Paaren in dem Blaulicht-Rezeptor Cryptochrom 1a (Cry1a) beruht. Radikal-Paare werden im Redox-Zyklus (Abb. 1) von Flavin-Adenin-Dinukleotid (FAD) zweimal gebildet: Blaues und UV-Licht reduzieren FAD zu FADH, das mit Tryptophan ein Radikalpaar bildet (FADH/Trp). Blaues, grünes und UV-Licht reduzieren das FADH anschließend vollständig. Das so entstehende FADH- wird in einer lichtunabhängigen Reaktion wieder oxidiert und bildet, vermutlich mit Sauerstoff, das zweite Radikalpaar des Zyklus (FADH/O2•-). Die Arbeitsgruppe um Roswitha und Wolfgang Wiltschko, beide Biologen an der Goethe-Universität, hat nun nachgewiesen, dass bei der Wahrnehmung magnetischer Richtungen Cry1a durch die Reduktion von FADH zu FADH- in den aktivierten Zustand versetzt wird. Das ist ungewöhnlich, da für die Aktivierung der meisten bisher untersuchten Cryptochromen der erste Schritt der Photoreduktion entscheidend ist.

Vor etwa einem Jahr wiesen die Frankfurter Wissenschaftler nach, dass sich aktiviertes Cry1a von genau bei den Wellenlängen nachweisen lässt, bei denen Vögel sich mit ihrem magnetischen Kompass orientieren können: bei grünem, türkisem, blauem und UV-Licht. Allerdings kann grünes Licht FAD nicht zu FADH reduzieren, also den Redox-Zyklus nicht in Gang setzen. Die Forscher zeigten nun in zwei Studien, dass Vögel sich unter grünem Licht so lange orientieren können, bis das zuvor im Tageslicht gebildete FADH aufgebraucht ist. In einer immunhistochemischen Studie setzte Christine Nießner die Hühner jeweils 30 oder 60 min lang den vier verschiedenen Wellenlängen aus. Zuvor waren die Tiere bei Tageslicht gehalten worden. Nach 30 min in grünem Licht wies die Biologin in den Vogelaugen deutlich weniger aktiviertes Cry1a nach als nach 30 min in türkisem, blauem oder UV-Licht. Nach weiteren 30 min Grünlicht konnten sie das aktivierte Cryptochrom überhaupt nicht mehr nachweisen. Diesen Versuch führte das Forscherteam auch mit Hühnern durch, die sie vor Versuchsbeginn in totaler Dunkelheit gehalten hatten. In den Augen dieser Tiere ließ sich schon nach 30 min Grünlicht kein aktiviertes Cry1a finden. In einer parallel durchgeführten verhaltensbiologischen Studie setzten die Frankfurter Wissenschaftler Rotkehlchen zweimal 60 min lang den verschiedenen Wellenlängen aus. Waren die Vögel vor Versuchsbeginn in weißem Licht gehalten worden, konnten sie sich anfangs auch in Grünlicht gut orientieren. Hatte man sie dagegen in totaler Dunkelheit gehalten oder wurden sie dem grünen Licht mehr als 60 min lang ausgesetzt, verloren die Tiere ihr Orientierungsvermögen.

„Aufgrund unserer Versuche – besonders wegen der Orientierung bei grünem Licht, wo das erste Radikalpaar (FADH/Trp) nicht gebildet werden kann – halten wir das zweite Radikalpaar, das während der Reoxidation gebildet wird, für das entscheidende“, erklärt Roswitha Wiltschko. „Dass dies anders ist als bei den meisten bisher untersuchten Cryptochromen, kann daran liegen, dass das Radikalpaar hier eine andere Funktion hat.“ Während Cryptochromen zumeist die Anwesenheit und Intensität von Licht signalisieren, zeigt Cry1a im Magnetkompass der Vögel dagegen magnetische Richtungen an. Das ist möglich, weil die Häufigkeit verschiedener Formen des bei der Re-Oxidation gebildeten Radikalpaars (das Singulett-Triplett-Verhältnis) abhängig ist von der Orientierung des Rezeptors im geomagnetischen Feld. Diese könnte so auch die Effizienz der Re-Oxidierung von FADH- zu FADH beeinflussen. Wenn das zweite Radikalpaar des Flavin-Redox-Zyklus tatsächlich besser zur Richtungsanzeige geeignet ist, liegt der Schluss nahe, dass evolutionäre Prozesse den Mechanismus so verändert haben, dass er optimal an seine Funktion als Magnet-Kompass angepasst ist.
 
Publikationen: Christine Nießner, Susanne Denzau, Leo Peichl, Wolfgang Wiltschko & Roswitha Wiltschko, 2014: Magnetoreception in birds: I. Immunohistochemical studies concerning the cryptochrome cycle. The Journal of Experimental Biology, http://dx.doi.org/10.1242/jeb.110965

Roswitha Wiltschko, Dennis Gehring, Susanne Denzau, Christine Nießner & Wolfgang Wiltschko, 2014: Magnetoreception in birds: II. Behavioural experiments concerning the cryptochrome cycle. The Journal of Experimental Biology, http://dx.doi.org/10.1242/jeb.110981

Bild zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/53295508

Weitere Informationen: Prof. Roswitha Wiltschko, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel.: (069) 798-42107; wiltschko@bio.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 3 2014
15:09

Der deutsch-amerikanische Archäologe Lothar von Falkenhausen übernimmt in diesem Jahr die Dagmar-Westberg-Vorlesung

China blühte schon in der Bronzezeit

FRANKFURT. In unseren Tagen ist China auf dem Weg zur wirtschaftlichen Supermacht. Um Chinas wirtschaftliche Hochblüte in früheren Zeiten geht es in der dritten Ausgabe der Dagmar-Westberg-Vorlesung der Goethe-Universität: Für das Wintersemester konnte der international bekannte China-Experte Professor Lothar von Falkenhausen gewonnen werden, der an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) Archäologie lehrt und sich auf das „Reich der Mitte“ spezialisiert hat. Dagmar Westberg, die die Vorlesung gestiftet hat, feiert ihren 100. Geburtstag mit der Auftaktveranstaltung am Montag.

„Von Falkenhausen ist einer der renommiertesten China-Archäologen und Kunsthistoriker“, freut sich der Frankfurter Archäologe und Prähistoriker Prof. Rüdiger Krause auf die Vorlesungsreihe, die in der nächsten Woche am Campus Westend stattfindet. Krause selbst forscht im Ural und sieht etliche Berührungspunkte mit der chinesischen Frühkultur. Deshalb hatte er von Falkenhausen zusammen mit dem Frankfurter Sinologen Prof. Iwo Amelung für die Reihe vorgeschlagen.

„Chinas wirtschaftliche Hochblüte im ersten Jahrtausend vor Christus im Spiegel archäologischer Entdeckungen“ – so lautet der Titel der Veranstaltungsreihe mit drei Vorlesungen und einem abschließenden Kolloquium. Die Vorlesungen werden ein facettenreiches Bild vermitteln: Lothar von Falkenhausen spricht über die Herausbildung von Wirtschaftsräumen, über die Beziehungen zwischen Kernraum und Peripherie, über Landwirtschaft und Steuerwesen, über Handelsverbindungen, Märkte und die Rolle der Kaufmannschaft. Die Zuhörer erfahren auch etwas über frühe Formen von Industrie, dass es schon damals eine Massenproduktion von Gebrauchs- und Luxusgütern gab und welche Technologien man nutzte. Auch das Geld- und Münzwesen, der Fernhandel und die Wechselwirkung zwischen wirtschaftlichem Austausch und Kulturtransfer während des 1. Jahrtausends vor Christus werden thematisiert. Und es geht auch um methodische Probleme, nämlich darum, wie Erkenntnisse zu all diesen Bereichen aus archäologischem Material gewonnen werden können. Den Abschluss bildet am Donnerstag ein Kolloquium, das die Archäologie der Periode der Streitenden Reiche (475 bis 221 v. Chr.) in den Blick nimmt und nach Wechselwirkungen zwischen wirtschafts-, geistes-, kunst- und musikgeschichtlichen Entwicklungen fragt. Die Veranstaltungen richten sich nicht nur an das Fachpublikum, sondern an Hörer aller Fächer.

Der gebürtige Essener von Falkenhausen, der an der Universität Bonn Sinologie und Kunstgeschichte und anschließend als deutscher Austauschstudent in Peking Archäologie studiert, befasste sich als Graduierter in Harvard mit Ostasienstudien und wurde 1988 in Anthropologie promoviert. Dazwischen lagen Forschungsaufenthalte in Korea und Kyoto. Seit 1993 lehrt er am Cotsen Insitute of Archaeology an der UCLA. 2011 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences berufen. In seiner Forschung beschäftigt sich von Falkenhausen vor allem mit der chinesischen Bronzezeit, worüber er zwei Bücher und mehr als hundert Zeitschriftenbeiträge geschrieben hat.

Die Gastprofessur, ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich einen weltweit renommierten Vertreter nach Frankfurt einladen. „Alle fünf Dekane treffen sich und sammeln Vorschläge“, beschreibt der federführende Vizepräsident, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, das Auswahlverfahren. In den vergangenen beiden Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, und die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum. Für Lutz-Bachmann ist die Stiftungsvorlesung eine Chance, auch kleinere Disziplinen sichtbarer zu machen, indem namhafte Wissenschaftler eingeladen werden. Stets soll es um eine generalisierende Sichtweise gehen, um eine Wissenschaft, die „nicht bei sich bleiben will“. „Ich bin sehr gespannt auf die Vorträge von Professor von Falkenhausen“, sagt Lutz-Bachmann.

Stifterin Dagmar Westberg stammt aus einer baltisch-hamburgischen Unternehmerfamilie. Aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation während der Nazizeit konnte sie selbst nie studieren, möchte nun aber mit ihrem mäzenatischen Engagement jungen Menschen helfen, diese Chance wahrzunehmen. Der Stiftungsfonds für die Gastvorlesung ist nicht das einzige Engagement der Stifterin an der Goethe-Universität: Dagmar Westberg engagiert sich in der erheblicher Größenordnung für das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg und finanziert seit 2010 auch einen Preis für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Universität Frankfurt. Am 8. Dezember ist nicht nur der Auftakt der Stiftungsreihe, sondern auch der 100. Geburtstag Dagmar Westbergs.

Bilder zum Download: hier.

Die Termine:

Vorlesungen

„Langzeitperspektiven; die Verflechtung von Zentren und Peripherien“
Montag, 8. Dezember, 15 bis 17 Uhr, Festsaal Casino, Campus Westend

„Technologische Entwicklungen“
Dienstag, 9. Dezember, 18 bis 20 Uhr, Hörsaalzentrum, HZ4, Campus Westend

„Eurasiatische Vernetzungen (mit einem Exkurs über die Ritualmusik“)
Mittwoch, 10. Dezember, 18 bis 20 Uhr, Hörsaalzentrum, HZ4, Campus Westend

Das Kolloquium zu den Vorlesungen findet am Donnerstag, 11. Dezember, von 10 bis 16 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, am Wingertsberg 4, in Bad Homburg eingeladen.

Informationen: Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Vizepräsident der Goethe-Universität, Campus Westend, Tel. (069) 798-22343, Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 3 2014
11:12

Am 8. Dezember diskutiert die Frankfurter Bürger-Universität über den Klimawandel

Wer zahlt für die Folgen unseres Wohlstandes?

FRANKFURT. Die zweite Veranstaltung der Bürger-Universität im Wintersemester 2014/15 widmet sich am 8. Dezember der Frage „Wer zahlt für die Folgen unseres Wohlstandes? Armutsrisiko Klimawandel“. Dass sich die Erde immer weiter erwärmt, ist unumstritten, nicht jedoch die Antwort auf die Frage nach einer möglichen Eindämmung des Klimawandels. Und wenn ja, wie kann er gestoppt werden? Dies sind zentrale Aspekte, die an dem Abend Gegenstand der Podiumsdiskussion sind. Weitere daran anschließende Fragen werden sein: Können wir den Klimawandel aufhalten und sowohl wirtschaftliches Wachstum in den Schwellenländern erlauben und Armut in den Ärmeländern überwinden? Wenn der Klimawandel unaufhaltsam ist, was erwartet uns? Auch politisch? Zudem werden das Kyotoprotokoll von 1997 und dessen Nachfolgevertrag, der 2015 in Paris ausgehandelt werden soll, als Thema aufgegriffen.

Das Podium bestreiten von der Goethe-Universität der Atmosphärenforscher Prof. Joachim Curtius und der emeritierte Klimaforscher Prof. Christian Schönwiese vom Institut für Atmosphäre und Umwelt sowie der Experte für Klimagerechtigkeit Prof. Darrel Moellendorf vom Exzellencluster Normative Orders. Komplettiert wird die Runde von PD Thomas Kluge vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE). 

Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität nimmt sich im Wintersemester 2014/15 unter dem Titel „Alles nur Schwarzmalerei?“ der kaum noch überschaubaren Krisenanhäufungen an. An insgesamt sechs Abenden werden exemplarisch sechs Krisen und Konflikte analysiert, die uns in den kommenden Jahren sicherlich weiter beschäftigen werden.

Wie immer wird die Frankfurter Bürger-Universität von einer umfangreichen Broschüre begleitet. Diese beinhaltet neben den eigens konzipierten Diskussionsabenden auch zahlreiche Veranstaltungen aus den Fachbereichen der Goethe-Universität. Alle stehen für die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets offen.

Die Broschüre können Sie über die Homepage www.buerger.uni-frankfurt.de anfordern.

eginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Alle Veranstaltungen finden im Dominikanerkloster (Kurt-Schumacher-Straße 23, 60311 Frankfurt am Main) statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 2 2014
12:52

Forscher entwickeln künstliche, lichtgesteuerte Oberfläche / Publikation in Angewandter Chemie

Wie koppeln Bakterien an gesunde Zellen an?

FRANKFURT/KIEL. Wie gelingt es E. coli-Bakterien, an gesunde Wirtszellen im Körper anzukoppeln? Häufig geschieht dies über Proteine, die an den Zuckermantel der Zellen binden. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat einen wichtigen Schritt gemacht, die Zusammenhänge zu verstehen. Ihre Forschungsergebnisse zieren den Titel der neuen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Angewandte Chemie“.

Häufig geschieht die Bindung über Proteine, die nach einem komplizierten „Pass-Prinzip“ (vereinfacht: „Schlüssel-Schloss-Prinzip“) mit Kohlenhydratstrukturen auf der Wirtszelloberfläche wechselwirken. Die Studie zeigt nun erstmals, dass dafür die räumliche Ausrichtung der Kohlenhydratstrukturen entscheidend ist.

In der natürlichen Glycokalyx, einer nur nanometerdünnen Mehrfachzucker-Schicht, die alle Zellen umgibt, sind die Verhältnisse für die experimentelle Untersuchung zu komplex. Deshalb haben die Wissenschaftler eine künstliche Oberfläche geschaffen, auf der die Anhaftung von E. coli-Bakterien gesteuert werden kann. Die nur etwa vier Nanometer dünne Schicht imitiert die Glycokalyx von Zellen, an die Bakterien beispielsweise bei einer Infektion binden.

„Anhand unseres Modellsystems lassen sich Erkennungs- und Bindungseffekte der Glycokalyx sehr definiert und unter einem ganz neuartigen Blickwinkel untersuchen“, sagt Prof. Thisbe K. Lindhorst, Chemikerin an der Uni Kiel. „Wenn wir lernen, die Glycokalyx in einem Zusammenhang von Gesundheit und Heilung zu beeinflussen, wird dies zu einer Revolution in der Medizinischen Chemie führen.“

Lindhorst baute mit ihrem Team im Sonderforschungsbereich „Funktion durch Schalten“ Moleküle, die, bestrahlt mit Licht unterschiedlicher Wellenlängen, als biologische Schalter funktionieren. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe um den Oberflächenspezialisten Prof. Andreas Terfort (Uni Frankfurt) stellte sie ein System her, mit dem die Ausrichtung der Zucker-Andockpunkte und damit die Bindung von E. coli-Bakterien kontrolliert werden kann.

Die Wissenschaftler versahen eine extrem dünne Goldoberfläche mit einem genau definierten Zuckermantel, der an Azobenzol gekoppelt ist. Dieser Kohlenwasserstoff enthält eine Stickstoffbrücke, die lichtgesteuert wie ein Gelenk funktioniert. Darüber lassen sich nun die Bindungseigenschaften des Zuckermantels schalten: Bestrahlen die Forscher ihr System mit Licht einer Wellenlänge von 365 Nanometern, können sich erheblich weniger krankmachende Bakterienzellen an die künstliche Oberfläche anheften. Die Zuckermoleküle drehen sich dabei gewissermaßen von den Bakterien weg und können nicht mehr erkannt werden. Beim „Einschalten“ wiederum mit 450 Nanometer langen Lichtwellen orientieren sich die Strukturen wieder derart, dass Bakterienzellen erneut andocken können. So lässt sich die Anhaftung von E. coli kontrollieren.

„Durch den Einsatz eines Schichtsystems auf einer festen Oberfläche in Kombination mit einem Photo-Gelenk lässt sich die komplexe Dynamik einer realen Glycokalyx auf die wesentlichen Prozesse reduzieren und so verstehen“, erklärt Terfort. „Dieser neue Ansatz sollte sich auch auf andere biologische Grenzflächensysteme übertragen lassen.“

Publikation: Switching of bacterial adhesion to a glycosylated surface by reversible reorientation of the carbohydrate ligand. Theresa Weber, Vijayanand Chandrasekaran, Insa Stamer, Mikkel B. Thygesen, Andreas Terfort and Thisbe K. Lindhorst. Angew. Chem. 48/2014. DOI: 10.1002/ange.201409808 und 10.1002/anie.201409808 (Angew. Chem. Int. Ed.)

Fotos und Abbildungen zum Download hier (zip).

Bildtext: Links: E. coli-Bakterien können über das Protein FimH an den Zuckermolekülen der künstlichen Glycokalix andocken. Rechts: Bei Bestrahlung mit Licht einer Wellenlänge von 365 Nanometern knicken die Zuckermoleküle auf der Oberfläche weg und können von den Proteinen nicht erkannt werden. Die Bakterien können dann nicht mehr an die „Wirtszelle“ andocken.

Copyright: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA. Reproduced with permission.

Bildtext: Kontrollierte Bindung: Die Anhaftung von Bakterien an Zuckermolekülen auf dem Glycokalyx-Modell kann durch Licht umkehrbar gesteuert werden.

Copyright: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA. Reproduced with permission.

Bildtext: Rastertunnelmikroskopaufnahme von einer Kultur Escherichia Coli

Quelle: NIAID

Informationen: Prof. Dr. Andreas Terfort, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29180, aterfort@chemie.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Dez 2 2014
10:07

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl zieht nach sechs Jahren Amtszeit Bilanz seiner Präsidentschaft

Vorsprung durch Autonomie

Einladung zum Mediengespräch

FRANKFURT. Seit sechs Jahren ist er Präsident der Goethe-Universität. Nun neigt sich die Amtszeit von Prof. Werner Müller-Esterl dem Ende entgegen. Am 5. Dezember möchte er eine Bilanz seiner Amtszeit ziehen und sich gleichzeitig bei Ihnen persönlich für die gute und konstruktive Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken. Denn am 13. Dezember übergibt er bei einer Feier den Staffelstab an seine Nachfolgerin, Prof. Birgitta Wolff; offiziell ist er noch bis Ende des Jahres im Amt.

Unter seiner Leitung hat die Goethe-Universität wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen, sei es die Stärkung und Profilierung einer national und international sichtbaren Spitzenforschung, die Entfaltung universitärer Autonomie, die weitere bauliche Neuordnung und die Rückkehr der Goethe-Universität in die Stadtgesellschaft verbunden mit dem Aufbau einer erfolgreichen Stifterkultur.

Um diese und weitere Themen geht es bei einem Mediengespräch am

Freitag, den 5. Dezember 2014, 11:00 Uhr
Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Gebäude PA (Präsidium&Administration)
Raum 0.P21 (Erdgeschoss, rechte Gebäudeseite).

Wir würden uns freuen, Sie zu diesem besonderen Anlass an der Goethe-Universität begrüßen zu können. Bitte teilen Sie uns bis Mittwoch, 3. Dezember mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können (Frau Ott, E-Mail: Ott@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit den besten Grüßen

Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Veranstaltungen

Nov 28 2014
10:51

Ringvorlesung mit neuen Perspektiven auf Recht und Rechtstransfer beginnt am 4. Dezember 2014

Kann man Recht „übersetzen“?

FRANKFURT. Was passiert, wenn rechtliche Normen in einen neuen kulturellen oder sprachlichen Kontext übertragen werden? Wie verändert sich das Recht, wie verändert sich seine Normativität? Vor allem auch diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Ringvorlesung „Translating Normativity: New Perspectives on Law and Legal Transfers“, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in besonderer Zusammenarbeit mit dem Partner des Exzellenzclusters, dem Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte.

Die vier Termine umfassende Reihe beginnt am 4. Dezember 2014 mit Dr. Simone Glanert. Sie lehrt an der Kent Law School und geht in ihrem Vortrag der Frage nach, was die Diskussionen um ein gemeinsames europäisches Recht von Goethes Idee der „Weltliteratur“ lernen könnten („One European private law, more than one language: in vindication of Goethe“). Höhepunkt und zugleich Abschluss der kleinen Reihe ist der Vortrag des Cambridge-Historikers Peter Burke zum Thema „Translating norms: strength and weakness of a concept“. Burke, der durch seine Werke zur Renaissance und deren Sozialgeschichte international als einer der bedeutendsten Kulturhistoriker gilt, wird in diesem Vortrag einige grundlegende Betrachtungen zu kulturellen Übersetzungsprozessen anstellen.

Ziel der Ringvorlesung ist es, das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Fremden und dem Eigenen in interkulturell verflochtenen Rechtsbildungsprozessen zu diskutieren. Recht und rechtliches Wissen waren im Laufe der Geschichte stets über Kulturgrenzen hinweg in Bewegung. Die Aufnahme fremden, ausländischen Rechts erfolgte teils freiwillig, teils wurde sie von außen erzwungen, etwa im Zuge von Kolonialisierungsprozessen. Oft änderten sich hierdurch nicht nur einzelne Gesetze und Verordnungen, sondern die Struktur rechtlichen Denkens insgesamt.

Historisch ist hier etwa an die Rezeption römischen Rechts in Europa seit dem Mittelalter zu denken, an die Herausbildung eines „derecho indiano“ im frühneuzeitlichen Hispano-Amerika oder die Übernahme europäischen Rechts in Ostasien im 19. Jahrhundert. Doch auch aktuell spielt der Transfer von Recht eine wichtige Rolle: Nach Systemumbrüchen oder Regimewechseln sowie im Rahmen der juristischen Entwicklungszusammenarbeit dient ausländisches Recht regelmäßig als Vorbild bei der Erschaffung einer stabilen und funktionsfähigen Rechtsordnung.

Was passiert, wenn rechtliche Normen von einer anderen Kultur aufgenommen und in eine andere Sprache übersetzt werden? Die rechtswissenschaftliche Forschung zeigt, dass Recht nicht schlicht durch die Hand des Gesetzgebers geschaffen wird, sondern stets verwoben ist mit Sprache und Tradition. Ist Recht also überhaupt übersetzbar? Wie verschiebt sich durch Übersetzung seine Bedeutung, wie verändert sie seine normative Wirkung?

Die Vorträge der Ringvorlesung versuchen Antworten auf diese Fragen zu geben. Sie tun dies, indem sie die Aufnahme fremder normativer Ordnungen als einen Vorgang der „kulturellen Übersetzung“ verstehen. Mit diesem Begriff soll aufgezeigt werden, dass es zur Erklärung dieser Vorgänge eines komplexeren Modells bedarf als das eines linearen Gebens und Nehmens. Der Begriff der „kulturellen Übersetzung“ lädt dazu ein, den Blick auf die Begegnung, die Verständigung und Aushandlung, Widerstände und Eigendynamiken zu richten und hierdurch einen Einblick zu bekommen, wie vielschichtig die durch die Aufnahme fremden Rechts angeregten gesellschaftlichen Prozesse waren und sind.

Die Ringvorlesung stellt den Fokus bewusst weit: Neben dem Recht wird es auch um politische Philosophie, Religion und Technik als normative Ordnungen gehen. Dieser breite Zugriff ermöglicht es zu vergleichen: Wie reagieren unterschiedliche normative Ordnungen, wenn sie in andere kulturelle Kontexte „übersetzt“ werden? Wo reagiert das Recht auf eine ganz eigene Weise, wo lassen sich Gemeinsamkeiten ausmachen? Auf diese Weise sollen nicht nur Einblicke in die Funktionsweise von Recht gewonnen werden, sondern auch von Normativität insgesamt.

Die Termine im Überblick:

4. Dezember 2014, 18.15 Uhr
Dr. Simone Glanert (Kent Law School, UK)
One European private law, more than one language: in vindication of Goethe
Campus Westend, Casino, 1801

16. Dezember 2014, 18.15 Uhr
Prof. Dagmar Schäfer (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin)
Das ethische Produkt, oder wie man Moral in Material übersetzt. Regeln für Herrscher von Qiu Jun (1421-1495)
Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ10

20. Januar 2015, 18.15 Uhr
Javier Ferndández Sebastián (Universidad del País Vasco, Bilbao, Spain)
Translating political vocabularies in the Iberian Atlantic. Historical semantics and conceptual transfer
Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ11

5. Februar 2015, 18.15 Uhr
Peter Burke (University of Cambridge, UK)
Translating norms: strengths and weaknesses of a concept
Campus Westend, Casino 1801

Kontakt: Dr. Lena Foljanty, Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Tel. (069) 78978-186, foljanty@rg.mpg.de, www.rg.mpg.de, www.normativeorders.net

 

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Forschung

Nov 28 2014
10:09

Ergebnisse der bisher größten Untersuchung zur Artenvielfalt der Bodenpilze in der Zeitschrift Science veröffentlicht

Diversität und Verbreitungsmuster von Bodenpilzen erstmals weltweit dokumentiert

FRANKFURT. Das Reich der Pilze ist eine der vielfältigsten Organismengruppen der Welt. Sie sind in allen Ökosystemen vertreten, aber über die Verbreitungsgebiete insbesondere der mikroskopisch kleinen Arten ist nur wenig bekannt. Über 50 Wissenschaftler sammelten deshalb in Wäldern von 40 verschiedenen Ländern 14.600 Bodenproben. Meike Piepenbring und Miguel Rosas, Mykologen an der Goethe-Universität und Mitarbeiter im LOEWE Forschungsschwerpunkt Integrative Pilzforschung, trugen Proben und Daten zur Vegetation aus dem Taunus (Hessen) und aus Panama bei (Fotos 1, 2). Leho Tedersoo vom Naturhistorischen Museum der Universität zu Tartu (Estland) wies in den weltweit gesammelten Proben fast 1 Mio. Pilze nach, die zu nahezu 100.000 verschiedenen Arten gehören, und analysierte ihre Diversität erstmalig in großem Maßstab. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Science Journal.

Pilze sind als Mikroorganismen im Boden zuständig für die Zersetzung toten organischen Materials, sie unterstützen Pflanzen im Wurzelbereich bei ihrem Wachstum oder leben als Parasiten auf Kosten anderer Organismen. Sie sind außerordentlich vielfältig und insgesamt ist bisher wenig über sie bekannt. Einige Pilze wachsen auf Nährmedien im Labor (Foto 3), viele andere sind jedoch nur schwer zu entdecken oder sogar noch völlig unbekannt. Inzwischen ermöglichen moderne molekularbiologische Methoden (DNA-Metabarcoding, Pyrosequenzierung) den Nachweis verschiedener Arten anhand von Bruchstücken ihres Erbmaterials. So lassen sich in einer Bodenprobe zahlreiche verschiedene Pilze identifizieren. Diese Methoden nutzten Tedersoo und seine Mitarbeiter, um die Artenvielfalt in den Bodenproben aus verschiedenen Teilen der Welt zu charakterisieren.

Im Rahmen dieser Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler eine Pilzvielfalt, die der Anzahl der bisher insgesamt weltweit bekannten Arten (ca. 100.000) nahe kommt. Sie fanden heraus, dass die Artenvielfalt im Waldboden umso größer wird, je näher die Wälder am Äquator liegen. Die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten werden dagegen mit wachsender Entfernung vom Äquator immer größer. In Böden aus Gebieten mit hohem Jahresniederschlag war die Artenvielfalt meist größer als in Böden aus trockenen Regionen. Zudem zeigte sich, dass Bodenmerkmale wie pH-Wert, Kalzium- oder Phosphorkonzentration für das Vorkommen verschiedener Pilzgruppen wichtig sind. Interessanterweise stellten die Forscher keinen Zusammenhang fest zwischen der Vielfalt der Pflanzen und der Diversität der Bodenpilze - abgesehen von denjenigen Pilzen, die Lebensgemeinschaften mit Bäumen (Ektomykorrhiza) bilden.

"Die Ergebnisse der Analyse sind beeindruckend" erklärt Meike Piepenbring. "Sie zeigen, dass wir durch unsere bisherigen Studien, in denen wir die Pilze als lebende Organismen aus dem Boden isolierten, nur einen kleinen Teil der dort lebenden Pilze erfasst haben." Besonders in den Tropen gibt es offensichtlich noch Tausende von Pilzarten, die kein Mensch bisher gesehen hat; jede mit spezifischen Eigenschaften, die z. B. zur Herstellung neuer Antibiotika für den Menschen von großem Interesse sein können.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Meike Piepenbring Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-42222, Piepenbring@bio.uni-frankfurt.de

Bilder zum Download: hier.

Personalia/Preise

Nov 27 2014
12:36

Reinhard Dörner erhält den Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Angesehener Physik-Preis für Frankfurter Forscher

FRANKFURT. Der Physiker Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität erhält den angesehenen Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Der Preis wird für hervorragende Beiträge zur Physik verliehen, die eine besondere Ausstrahlung auf andere Disziplinen in Wissenschaft und Technik haben. Dörner teilt sich den mit 5.000 Euro dotierten Preis mit Privatdozent Dr. Robert Moshammer vom Max-Planck Institut für Kernphysik in Heidelberg.

Dörner und Moshammer erhalten den Preis für die Entwicklung einer neuen Messmethode und bahnbrechende Arbeiten in der Atom- und Molekülphysik: „Das COLTRIMS-Reaktionsmikroskop hat nicht nur für die Physik, sondern auch für die Chemie und andere benachbarte Forschungsgebiete völlig neue Forschungsziele eröffnet“, heißt es in der Begründung der Jury. Mit dem in Frankfurt entwickelten COLTRIMS-Reaktionsmikroskop konnten Dörner und Moshammer mehrere fundamental wichtige chemische Reaktionen und quantenmechanische Prozesse aufklären. Mittlerweile wird Die COLTRIMS-Technik in führenden Laboratorien weltweit angewendet.

Der Robert-Wichard-Pohl-Preis würdigt über die reine Forschungsleistung hinaus außergewöhnliches Engagement in der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis, in der Lehre, im Unterricht und in der Didaktik der Physik. Der Preis wird auf der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im März 2015 in Berlin überreicht. Bereits 2013 verlieh die Goethe-Universität Dörner für seine in Fachkreisen hoch anerkannte Arbeit und sein vorbildliches Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs die Auszeichnung „Scientist of the Year“. 

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de.

Forschung

Nov 26 2014
14:35

Deutsch-russische Kooperation testet erfolgreich in Kultur und Mausmodellen bei Philadelphia Chromosom-positiver Leukämie

Neuer Wirkstoff überwindet Therapieresistenz bei Leukämie

FRANKFURT. Die Heilungschancen von Patienten mit Philadelphia Chromosom-positiver Leukämie (Ph+) haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Dennoch entwickelt ein großer Anteil von Patienten Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente. Hämatologen der Goethe-Universität Frankfurt haben nun gemeinsam mit einer russischen Pharmafirma einen neuen Wirkstoff entwickelt, der sowohl in vitro als auch in vivo die aggressivsten Formen der Philadelphia Chromosom-positiven Leukämie sehr effektiv bekämpft. Sie berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Leukemia“.

Patienten mit dem Philadelphia Chromosom entwickeln chronisch myeloische (CML) oder akute lymphatische Leukämie (Ph+ ALL). Diese gehören zu den ersten Leukämieformen, die dank der Entwicklung gezielter molekularer Therapieansätze behandelt werden können. Die Wirkstoffe, selektive Kinase-Inhibitoren, greifen direkt am Krebs-induzierenden Gen BCR/ABL an. Doch bei vielen Patienten wird die Therapie nach einer gewissen Zeit unwirksam - entweder aufgrund von Mutationen im BCR/ABL oder durch andere, noch weitgehend unbekannte Mechanismen. Zurzeit ist nur eine Substanz, Ponatinib, in der Lage, alle klinische Resistenzen weitgehend zu überwinden. Leider ist Ponatinib wegen seiner zum Teil lebensgefährlichen Nebenwirkungen nur mit großer Vorsicht einsetzbar.

Fusion Pharma, mit Sitz in Moskau, hat einen neuartigen Kinase-Inhibitor, PF-114, mit dem Ziel entwickelt, die gleiche Wirkung auf Ph+ Leukämien zu entfalten wie Ponatinib, aber gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren. In der aktuellen Ausgabe von „Leukemia“ berichtet ein Team um Dr. Afsar Mian, Prof. Oliver Ottmann und Privatdozent Dr. Martin Ruthardt von der Abteilung Hämatologie der Medizinischen Klinik II, dass PF-114 ähnlich gut gegen resistente Ph+ Leukämie wirkt wie Ponatinib.

„Diese Ergebnisse liefern die Grundlage für den Einsatz von PF-114 bei Therapie-resistenten Patienten mit Ph+ Leukämie. Die gute Wirksamkeit und das gute Nebenwirkungsprofil muss jetzt in klinischen Phase I Studien am Menschen weiter untersucht werden“, erklärt Dr. Ruthardt. „Ohne die Frankfurter Kollegen, wäre PF-114 nie so weit gekommen. Auf der Basis dieser Daten werden wir im Laufe des 1. Halbjahrs 2015 eine internationale Phase I Studie starten können“, ergänzt Dr. Ghermes Chilov, CEO von Fusion Pharma, die das Projekt finanziert hat.

Publikation: Mian et al.: PF-114, a potent and selective inhibitor of native and mutated BCR/ABL is active against Philadelphia chromosome- positive (Ph+) leukemias harboring the T315I mutation, in Leukemia, 14. November 2014, doi: 10.1038/leu.2014.326.

Informationen: Privatdozent Dr. Martin Ruthardt, Hämatologie/Medizinische Klinik II, Universitätsklinik, Tel. (069)6301–5338, ruthardt@em.uni-frankfurt.de.