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Veranstaltungen

Nov 14 2016
10:45

Frankfurter „Tag der Rechtspolitik“ 2016 zu 70 Jahren Hessische Landesverfassung

Die unbekannte Verfassung

FRANKFURT.Der Frankfurter „Tag der Rechtspolitik“ widmet sich in diesem Jahr der Hessischen Verfassung. Aus Anlass des 70-jährigen Bestehens soll am 23. November darüber diskutiert werden, welche Rolle die Verfassung heute noch spielt.

Nicht nur Liza Minnelli, Udo Lindenberg und Sylvester Stallone vollenden 2016 ihr 70. Jahr, sondern auch die Verfassung des Landes Hessen. Hessen feiert diesen Geburtstag mit mehr als 150 verschiedenen Programmpunkten auf vielfältige Weise. Sogar ein Maskottchen gibt es – der blaue Löwe ist auch auf dem Unicampus Westend zu sehen.

Im Kontrast zum umfangreichen Jubiläumsprogramm steht, dass der Text der Landesverfassung und ihre Bedeutung den Menschen in Hessen relativ unbekannt sind. Vordergründig scheint es selbstverständlich zu sein, dass Verfassungen für einen freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat von zentraler Bedeutung sind. Aber gilt das auch für Landesverfassungen? Selbst Studierende im Fachbereich Jura denken beim Stichwort „Verfassung“ vor allem an das Grundgesetz, allenfalls noch an die Diskussionen um eine europäische Verfassung. Spielt die Landesverfassung heutzutage überhaupt noch eine Rolle? Sind Landesverfassungen nicht bedeutungslos geworden angesichts von Europäisierung und Globalisierung?

Die hessische Verfassung ist die älteste noch in Kraft befindliche Landesverfassung. Sie wurde vor dem Grundgesetz erlassen, viele ihrer Vorschriften sind vom Grundgesetz überlagert worden. Die hessische Verfassung nennt noch die Todesstrafe und enthält viele Versprechungen für eine sozial gerechte Wirtschaftsordnung – Bereiche, für die das Land kaum mehr Kompetenzen hat. Immer wieder prüfen Enquete-Kommissionen des Landtages, ob sie grundlegend überarbeitet werden soll. Lohnt sich der Aufwand?

Der diesjährige Tag der Rechtspolitik stellt sich diesen Fragen. Dies werde „keine reine Jubelveranstaltung“, teilt das Dekanat des Fachbereichs Rechtswissenschaft mit. Der Fachbereich steht für eine kritische Tradition: Die bestehenden Verhältnisse müssen unvoreingenommen geprüft und hinterfragt werden. „Zu viel Verfassungsrecht?“ – diese Frage will der Frankfurter Verfassungsrechtler Prof. Stefan Kadelbach in seinem Vortrag beantworten. Privatdozent Dr. Felix Hanschmann befasst sich mit der Landeshoheit im Schulwesen und nimmt Anspruch und Wirklichkeit unter die Lupe. Dirk Schönstädt schließlich, Vizepräsident des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, spricht über „Landesverfassungsrecht und verwaltungsrechtliche Praxis“. An der anschließenden Podiumsdiskussion beteiligen sich zudem Prof. Elke Gurlit, Sachverständige zur einschlägigen Enquete-Kommission des hessischen Landtages, und Thomas Metz, Staatssekretär im Hessischen Justizministerium. Die Moderation übernimmt Dekanin Prof. Ute Sacksofsky.

Der Frankfurter Tag der Rechtspolitik wird seit 1992 jährlich vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium der Justiz veranstaltet.

„Wozu Landesverfassung?“

Öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Frankfurter Tag der Rechtspolitik

23. November 2016, 10.00 bis 14.30 Uhr

Hörsaal 1 (Hörsaalgebäude, Campus Westend)

Details zum Ablauf: www.jura.uni-frankfurt.de/60709396/Tag-der-Rechtspolitik-2016

Veranstaltungen

Nov 14 2016
10:41

Neue Lecture & Film-Reihe des Exzellenzclusters und der Film- und Medienwissenschaften an der Goethe-Universität startet am 17. November

Schnell wie der Witz: Lubitsch mit Vorträgen und Filmen

FRANKFURT.„Schnell wie der Witz – Die Filme von Ernst Lubitsch“. Unter diesem Motto steht im aktuellen Wintersemester die Reihe „Lecture & Film“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität. Der deutsche Regisseur, Anfang der 1920er Jahre in die USA ausgewandert und später dort Staatsbürger geworden, drehte in rund 35 Jahren mehr als 80 Filme, auch als Schauspieler oder Produzent. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Trouble in Paradise“ aus dem Jahr 1932 und „To Be or Not to Be“ aus dem Jahr 1942. Die Lecture & Film-Reihe umfasst insgesamt 14 Termine, beginnt am 17. November und wird im nächsten Sommersemester weitergeführt. Neben den Vorträgen gehören Filmvorführungen zum Programm. Veranstaltungsort ist jeweils das Kino des Deutschen Filmmuseums (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main).

In Filmen von Ernst Lubitsch ist es im Nu um einen geschehen. Das fängt schon mit den Titeln an. Wer nennt seine Filme schon „Der Blusenkönig“, „Die Wohnungsnot“ oder „Der G.m.b.H.-Tenor“? Lubitsch ist schnell. Zwei Beispiele: Allein im Jahr 1915 und noch in Berlin dreht er elf Filme, 1932 in Hollywood waren es immerhin fünf, darunter „Trouble in Paradise“. Lubitsch scheint auch immer schon woanders zu sein: Als Asta Nielsen sich beklagt, sie habe in seinem Film gar nicht richtig weinen können, schreibt er ihr 1920 in einem Brief: „Sie können es mir immer noch nicht verzeihen, dass ich Sie bei einer Großaufnahme, statt fünf nur zwei Meter habe weinen lassen. Aber glauben Sie mir, Ihre Tränen kullerten so echt aus den Augen über die Backen auf die Bluse, dass das Publikum nach zwei Metern vollauf ergriffen war.“ Dann ging es zur nächsten Szene. Die Filmkritikerin Frieda Grafe schrieb, dass ihm „die Türen immer wichtiger als die Menschen“ waren. Ihr Essay hat den programmatischen Titel „Was Lubitsch berührt. (Schnell wie der Witz)“.

Witzig meint etymologisch nicht einfach nur, dass es etwas zu lachen gibt. Gewitzt ist jemand, der wach und präzise ist, Einfälle hat und scharf beobachten kann. Dem schnellen Witz des Ernst Lubitsch auf die Spur begeben sich 14 Expertinnen und Experten aus Deutschland, der Schweiz, England, Kanada und den USA. Sie wollen im Rahmen der Reihe auch neue Perspektiven auf das vielschichtige Schaffen von Lubitsch eröffnen.

Zum Auftakt am 17. November um 20.15 Uhr geht es um „Die Bergkatze“ aus dem Jahr 1921, ein Klassiker des Weimarer Kinos, eigentlich vollständig und in gutem Zustand verfügbar. Die Originalkopie jedoch ist erschollen, sodass jegliche Auskunft über seine ästhetische Konzeption, die zeittypische Einfärbung (Virage und Tonung) fehlt. Daran anknüpfend macht sich die Filmwissenschaftlerin und –restauratorin Anke Wilkening Gedanken über „Probleme der Überlieferung“ – so auch der Titel ihres Vortrags –, die jenseits von Digitalisierungsstrategien und Restaurierungsmöglichkeiten liegen.

„Das Böse verlachen. ‚To Be or Not to Be’ von Ernst Lubitsch“. Darüber spricht am 1. Dezember, ebenfalls um 20.15 Uhr, der Philosoph Martin Seel, Professor an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Der Film „To Be or Not to Be“ ist ein frühes – und herausragendes – Beispiel der bis heute andauernden komischen Verarbeitung der faschistischen Schreckensherrschaft im Kino. Gedreht in der Zeit des japanischen Überfalls auf Pearl Harbour und des anschließenden Kriegseintritts der USA, ist der Film zugleich eine rasante screwball comedy und einer der humansten je gedrehten Propagandafilme. In Form einer satirischen Farce stellt er den Eigensinn neurotischer Theaterleute dem mörderischen Welttheater des Nazi-Regimes entgegen.

In diesem Jahr steht am 15. Dezember um 20.15 Uhr dann noch ein Termin auf dem Programm: Valerie Weinstein (Cincinnati) zum Thema „Performing Jewishness. Ernst Lubitschs frühe Milieukomödien“ mit den Filmen „Der Stolz der Firma“ (1914) und „Schuhpalast Pinkus“ (1916). Weitere folgen bis in den Sommer 2017.

„Schnell wie der Witz – Die Filme von Ernst Lubitsch“ ist eine Veranstaltungsreihe des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum im Rahmen der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA), mit finanzieller Unterstützung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität und des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.

Eintritt frei. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter: 069/961 220-220.

Informationen:

Dr. Marc Siegel, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32082, msiegel@tfm.uni-frankfurt.de

Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/vorlesungsreihe-kino/vorlesungsreihe-lecture-an-film

 

Forschung

Nov 10 2016
17:35

Rechenzeit im Wert von mehr als 1 Mio Euro für Frankfurter Physiker

Gravitationswellen im Supercomputer simulieren

FRANKFURT.Der Theoretische Physiker Prof. Luciano Rezzolla erhält für die Simulation von Gravitationswellen aus kollidierenden Neutronensternen im kommenden Jahr 60 Millionen CPU-Stunden am Supercomputer superMUC des Leibniz-Rechenzentrums in Garching bei München. Die Rechenzeit im Wert von mehr als einer Million Euro wurde ihm in einem hoch kompetitiven Wettbewerb von der Gauss Allianz zugesprochen. Die Gauss Allianz ist ein Zusammenschluss mehrerer Rechenzentren, der Wissenschaftlern in Deutschland die effiziente Nutzung von Hochleistungsrechnern ermöglicht.

Doppelsternsysteme aus Neutronensternen sind einzigartige Laboratorien für fundamentale physikalische Gesetze. In ihrem Kern sind die Teilchen stärker komprimiert als in einem Atomkern. Kein physikalisches Experiment auf der Erde kann die extreme Dichte, Temperatur und Gravitationskraft im Inneren eines solchen Sterns reproduzieren. Als Alternative bleibt die Simulation im Computer. Dazu müssen allerdings die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie zusammen mit denen der relativistischen Hydrodynamik und der Magnetohydrodynamik gelöst und mit der komplexen Mikrophysik beim Verschmelzen zweier Neutronensterne kombiniert werden. Dies erfordert aufwändige numerische Simulationen.

Das Projekt von Luciano Rezzolla, Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität, hat zwei Schwerpunkte: Erstens simuliert er die Gravitationswellen von Neutronensterne, die einander in spiralförmigen Bewegungen umkreisen; zweitens untersucht er Zusammenhänge zwischen fusionierenden Neutronensternen und ihren elektromagnetischen Gegenstücken. „Die Simulationen sollen dabei helfen, die entsprechenden Signale von Gravitationswellen aufzuspüren, die vielleicht schon nächstes Jahr in den Detektoren LIGO und Virgo gemessen werden“, so Rezzolla. „Wir hoffen, dass wir dann die Natur und den Aufbau von Neutronensternen besser verstehen und insbesondere etwas über die Zustandsgleichung bei extrem hoher Kerndichte erfahren.“

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für  Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069)798-47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Nov 10 2016
17:31

Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und des Museum Angewandte Kunst zur Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ am 16. November

Podiumsgespräch zur Ästhetik der Waffenzerstörung

FRANKFURT.Wenn wir über die Ästhetik von Waffen sprechen, meinen wir meist ihre Verwendung in Design und Mode oder ihren spezifischen „Sex-Appeal“. Aber auch die Zerstörung von Waffen weist eine eigene Ästhetik auf. Diesem Thema widmet sich ein Podiumsgespräch im Frankfurter Museum Angewandte Kunst. Es heißt „Wie Waffen verschwinden. Zur Ästhetik der Zerstörung“ und findet am 16. November um 19 Uhr statt. Ausrichter ist neben dem Museum der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität.

Von der Welt der Waffen geht eine ambivalente Faszination aus. Ihren Spuren in Kunst, Mode, Design und Alltagskultur folgt das Museum Angewandte Kunst in der Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“. Kooperationspartner ist der geistes- und sozialwissenschaftliche Exzellenzcluster, der seinerseits in dem von ihm verantworteten Rahmenprogramm nach gesellschaftlichen Rechtfertigungsmustern für den Umgang mit Waffen fragt. Die anstehende Diskussionsveranstaltung gehört zum Rahmenprogramm und fungiert gleichzeitig als Teil der Podiumsreihe „Blickwechsel – Zukunft gestalten“ des Museums.

Waffenzerstörung ist eine der großen Herausforderungen für die Politik, um Konflikte nachhaltig zu beenden – so im Rahmen von Peacebuilding-Missionen, der Prävention von Konflikten oder bei der Überwachung von Waffenverboten. Zu denken ist hier an Chemie- und Biowaffen, an das nukleare Nichtverbreitungsregime oder auch an Landminen. Anders als das zerstörerische Potenzial dieser Waffen es erwarten lässt, ist die Zerstörung der Waffen selbst eine eher profane, bestenfalls technisch aufregende Angelegenheit. Umso wichtiger scheint es daher, Waffenzerstörung symbolisch zu inszenieren, um Glaubwürdigkeit und Wirkmächtigkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen. Beispiele dafür sind die öffentlichkeitswirksame Entsorgung syrischer Chemiewaffen auf hoher See oder Einschmelzungen von Kleinwaffen in Konfliktgebieten. Das Podium spürt diesen Inszenierungen und der spezifischen Ästhetik, die sie erzeugen, aus unterschiedlichen Perspektiven nach.

Teilnehmende von Seiten des Exzellenzclusters sind die Politikwissenschaftler Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase. Beide lehren an der Goethe-Universität und sind darüber hinaus Angehörige des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Nicole Deitelhoff als dessen Leiterin und Christopher Daase als stellvertretender Leiter. Ebenfalls von der HSFK, und dort Mitglied des Vorstands, kommt die Politikwissenschaftlerin Dr. Simone Wisotzki, zu deren Schwerpunkten die humanitäre Rüstungskontrolle gehört. Komplettiert wird das Podium durch den Designer, Kurator und Konzeptkünstler Peter Zizka. Zu seinen Projekten zählte eine Installation im Rahmen der Kampagne für das Verbot von Landminen bei den Vereinten Nationen in New York und die Demilitarisierungsaktion „Symbiosis“, bei der Bürgerkriegswaffen aus Burundi paarweise an ihren Gewehrläufen miteinander verschweißt und damit vollends unbrauchbar gemacht wurden.

Die Ausstellung hat Mitte September begonnen und ist noch bis März 2017 zu sehen. Im Jahr 2016 wird es noch eine weitere Veranstaltung des Rahmenprogramms geben: Am 14. Dezember spricht Prof. Günter Frankenberg über das Thema: „Right to Bear Arms. Die USA unter Waffen“. Das in den USA prinzipiell jedem zugestandene Recht, Waffen zu tragen, macht heute als Begünstigung von Waffenfetischisten und Amokläufern von sich reden, hat aber eine durchaus ehrwürdige Geschichte. Dieser wird der renommierte Rechtswissenschaftler in seinem Vortrag nachgehen und zudem aufzeigen, wie sich das Verteidigungsmittel – und Tötungsinstrument im Notfall – zum Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs normalisierte.

Im ersten Quartal 2017 stehen noch acht Termine auf dem Programm. Dabei geht es u.a. um die rechtliche Definition dessen, was überhaupt eine Waffe ist, und um die Folgen, die ferngesteuerte Drohnen, das Internet und der 3D-Druck auf das staatliche Gewaltmonopol haben. Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit der Darstellung und vermeintlichen Rechtfertigung von Gewalt in Kinofilmen. Die Welt der Waffen weist zweifelsohne starke symbolische Bezüge auf. Das wird auch an diesen Beispielen thematisiert: Schwerter im frühen Mittelalter hatten die Form eines Kreuzes, rund tausend Jahre später inszenieren sich junge Jihadistinnen im Internet mit Burka und Kalaschnikow.

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders bezeichnet, im Museum Angewandte Kunst statt (Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main). Medienpartner des Rahmenprogramms ist das Journal Frankfurt. Der Eintritt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms beträgt 5 € (erm. 3,50 €); freier Eintritt für Studierende/Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Universität und des Exzellenzclusters bei Vorlage des Universitätsausweises an der Kasse.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Museum Angewandte Kunst: Dorothee Maas (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 069/212-32828, presse.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de, www.museumangewandtekunst.de

Alle Termine des Rahmenprogramms und Veranstaltungs-Mitschnitte: www.normativeorders.net/unterwaffen

Veranstaltungen

Nov 10 2016
15:32

Bürgerforum mit Merz-Stiftungsgastprofessor Valter Longo

Fasten und Sport: Einfluss auf Krebs und Altern

FRANKFURT. Mit seiner Entdeckung, dass Fasten Chemo- und Strahlentherapie wirksam unterstützt, erregte der Biochemiker Prof. Valter Longo weltweites Aufsehen. Neue Ergebnisse der Tumorforschung zeigen immer deutlicher, dass Longo mit seiner Vermutung richtig liegt und welche Mechanismen dem Effekt des Fastens zugrunde liegen. Auch den Einfluss von Fasten auf Alterungsprozesse hat Prof. Longo gründlich untersucht. Vom 20. bis 25. November ist er als Merz Stiftungsgastprofessor an der Goethe-Universität. In einer Bürgerveranstaltung mit dem Thema „Fasten und Sport: Einfluss auf Krebs und Altern beantwortet er auch Fragen von Betroffenen und Interessierten. Die Dr. Senckenbergische Stiftung lädt als Mitveranstalter ein.

Die Bürgerveranstaltung beginnt mit einer Podiumsdiskussion zu aktuellen Konzepten und konkreten Empfehlungen.

Was? Podiumsdiskussion mit anschließender Öffnung für Fragen aus dem Publikum
Wann? 24. November 2016, 17 Uhr
Wo? Arkadensaal des Goethe-Hauses, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt

Auf dem Podium:
Prof. Valter Longo, University of Southern California, Los Angeles
Prof. Agnes Flöel, Leiterin der Arbeitsgruppe kognitive Neurologie, Charité Berlin
Prof. Helmuth Steinmetz, Direktor der Klinik für Neurologie, Goethe-Universität
Prof. Joachim Steinbach, Leiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie, Goethe-Universität
Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität (Moderation)

Valter Longo, geboren 1967 in Genua, ist Professor für Gerontologie und Direktor des „Longevity Institute“ der University of Southern California in Los Angeles, USA. Seine viel beachteten Arbeiten zu Mechanismen und Effekten des Fastens haben ihn über Fachkreise hinaus bekannt gemacht. Seine Konzepte sind Gegenstand einer Vielzahl von klinischen Studien.

Um diese klinischen Studien und den aktuellen Forschungs- und Wissensstand rund um das Thema „Cancer Metabolism: Mechanisms and Treatment Strategies“ wird es bei dem wissenschaftlichen Symposium am 23. November am Universitätsklinikum  (9:30h – 17:15h, Hörsaal 22-2) gehen. In der Mittagspause ab 12:30 Uhr besteht die Möglichkeit zu Interviews mit Prof. Longo und anderen Wissenschaftlern. Wir bitten um Anmeldung an Helga Ott unter ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Das pharmazeutische Unternehmen Merz aus Frankfurt am Main fördert mit der Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur seit 1987 internationale wissenschaftliche Beziehungen der Goethe-Universität in den Bereichen Medizin und Pharmazie.

Informationen: Prof. Joachim Steinbach, Leiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301 87711,  Neuroonkologie@kgu.de.

Forschung

Nov 9 2016
16:01

Durch eine Drehbewegung spaltet ABCE1 das Ribosom an Ende der Proteinsynthese

Struktur des Proteins „Eiserner Hammer“ aufgeklärt

FRANKFURT.Die Übersetzung des genetischen Codes in Proteine gehört zu den zentralen Vorgängen des Lebens. Dies geschieht im Ribosom, einem riesigen Molekül, das aus zwei Untereinheiten besteht. Wie am Fließband werden hier Aminosäuren zu langen Ketten zusammengesetzt. Einer interdisziplinären Forschergruppe der Goethe-Universität, des EMBL in Heidelberg und des Genzentrums der LMU München ist es jetzt gelungen, die Struktur eines zentralen Akteurs in diesem Prozess aufzuklären: Das Protein mit dem Spitznamen „Eiserner Hammer“ spaltet die beiden Untereineinheiten des Ribosoms, wenn die Proteinkette fertig ist, damit die Produktion eines neuen Proteins beginnen kann.

Dass die beiden Untereinheiten des Ribosoms nach Fertigstellung des Proteins aktiv gespalten werden müssen, fand in der Forschung lange Zeit keine Beachtung. Zentraler Akteur in diesem Prozess des „ribosomalen Recyclings“ ist das essentielle und hoch dynamische Metalloenyzm ABCE1. Der so genannte „Eiserne Hammer“ (benannt nach einer einzigartigen Eisenschwefelcluster-Domäne) von ABCE1 führt dabei eine Drehbewegung aus, die die ribosomalen Untereinheiten auseinanderdrückt.

Um das herauszufinden, hat die Forschergruppe von Prof. Robert Tampé am Institut für Biochemie der Goethe-Universität eine neuartige Präparationsmethode angewendet, mit der sie einen Komplex aus der kleineren Untereinheit des Ribosoms mit ABCE1 (Post-Spaltungs Komplex) aus Proben isolierte. Der Komplex wurde chemisch fixiert und in Stücke geschnitten, wobei die ursprüngliche Abstandsinformation erhalten blieb.

Am EMBL in Heidelberg nutzten die Forscher fortschrittlichste Massenspektrometrie, um die Struktur dieser klein gehäckselten Stücke auf der Nanometer-Skala zu analysieren und miteinander in Bezug zu setzen. Schließlich untersuchte die Gruppe in München den rekonstruierten Komplex mittels hochauflösender Elektronenmikroskopie. Aus zahlreichen zweidimensionalen Bildern konnte sie ein 3D-Modell des Post-Spaltungs-Komplexes mit fest gebundenem ABCE1 rekonstruieren.

„Wir haben das rebellische und aggressive Multi-Domänen Enzym ABCE1 in einen neuen Zustand auf dem Ribosom gezwungen und durch die geballte Expertise von drei Instituten das Lehrbuchwissen für kommende Generationen von Studierenden erweitert“, fasst Prof. Robert Tampé die Bedeutung des Ergebnisses zusammen.

Publikation: Kristin Kiosze-Becker, Alessandro Ori, Milan Gerovac, André Heuer, Elina Nürenberg-Goloub, Umar Jan Rashid, Thomas Becker, Roland Beckmann, Martin Beck & Robert Tampé (2016): Structure of the Ribosome Post-Recycling Complex Probed by Chemical Cross-Linking and Mass Spectrometry. Nature Communications, doi: 10.1038/NCOMMS13248

Information: Prof. Robert Tampé, Institute of Biochemistry, Campus Riedberg, phone: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Nov 9 2016
12:41

Goethe-Uni entwickelt OECD-Test mit Zwergdeckelschnecke

Test: Welche Chemikalien gefährden die Fortpflanzung?

FRANKFURT. Zulassungsbehörden rund um den Erdball können künftig Hersteller von Chemikalien und Arzneimitteln anweisen, die Fortpflanzungsschädigung ihrer Produkte mithilfe eines Tests zu überprüfen. Nach mehr als 10jähriger Förderung durch das Umweltbundesamt in Dessau mündete das von der Goethe-Universität koordinierte Projekt in eine Richtlinie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für die weltweite Chemikalientestung. Der Reproduktionstest prüft die Langzeiteffekte von Chemikalien auf die Vermehrung der Zwergdeckelschnecke Potamopyrgus antipodarum im Labor.

„Zwar handelt es sich bei dem Winzling um keine einheimische Schneckenart, aber als sogenannter Stellvertreterorganismus sind ihre biologischen Antworten auch auf andere Weichtiere übertragbar, ganz gleich, ob sie aus Europa, Asien oder Amerika stammen“, erklärt Prof. Jörg Oehlmann, Koordinator des Testentwicklungsteams und Leiter der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Potamopyrgus ist ein Wasserbewohner und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit Schiffen von Neuseeland nach Europa eingeschleppt. Mittlerweile gehört die gebietsfremde Art jedoch zum Alltagsbild in vielen deutschen Fließgewässern.

Neue, noch nicht zugelassene Chemikalien, die die Zwergdeckelschnecke im OECD-Test 242 im Labor schädigen, würden diese Wirkung bei den Tieren und verwandten Arten im Freiland ebenfalls besitzen. Da Weichtiere, nach den Insekten und Krebsen, die artenreichste Gruppe im Tierreich darstellen, wäre ein Ausfall dieser Organismen für die Biodiversität und damit für die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme fatal. Die Entwicklung des „Schneckentests“ stellt also einen wichtigen Beitrag für die Gesund- und Reinhaltung unserer Gewässer dar, denn Substanzen, die in diesem Test eine Giftwirkung für die Schnecke anzeigen, können zukünftig vor der Markteinführung identifiziert und reguliert werden.

Zusätzlich wird mit dem neu entwickelten Schneckentest eine bestehende Lücke bei der Umweltrisikobewertung von Chemikalien geschlossen, da die bisherigen standardisierten Tests mit wirbellosen Tieren hauptsächlich die Arthropoden (Insekten und Krebse) umfassten. Schnecken hatten sich in der Vergangenheit jedoch als außergewöhnlich empfindlich gegenüber zahlreichen Schadstoffen erwiesen, darunter Tributylzinnverbindungen und andere Umweltchemikalien, die das Hormonsystem beeinflussen.

Die von der Goethe-Universität Frankfurt koordinierten Arbeiten zur Entwicklung und Standardisierung des Schneckentests umfassten einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren. In einem umfangreichen Forschungsprogramm wurden die Testbedingungen für die Schnecken hinsichtlich der Wasser- und Futterqualität, der Temperatur, Dichte und zahlreicher weiterer Parameter optimiert. In den letzten sechs Jahren wurden abschließend vier Validierungsstudien mit sechs Testsubstanzen in 16 Laboren in Europa und den USA durchgeführt, bei denen sich zeigte, dass das entwickelte Testprotokoll robust ist und der Test reproduzierbare Ergebnisse ergibt, unabhängig davon, in welchem Labor er durchgeführt wird.

Für den Test werden weibliche Zwergdeckelschnecken einer Konzentrationsreihe von Chemikalien im Umgebungswasser ausgesetzt. Die Testorganismen verbleiben 28 Tage zusammen mit der Prüfsubstanz in ihren Testgefäßen. Danach wird bei allen überlebenden Weibchen die Zahl der Nachkommen bestimmt. „Dabei handelt es sich um ein einfach durchzuführendes Verfahren, das auch für den Einsatz in der wasserbehördlichen Praxis geeignet ist“, berichtet Oehlmann.

In ihrer Heimat Neuseeland kommen beide Geschlechter der Zwergdeckelschnecke vor. In Europa bestehen die Populationen aber ausschließlich aus Weibchen, die sich durch „Jungfernzeugung“ vermehren. Das vereinfacht den Gebrauch und die Auswertung des Tests, zumal die kleine Schnecke recht bescheidene Ansprüche an die Haltung im Labor stellt. „Die geringe Größe des Tieres hat noch einen weiteren Vorteil: im Vergleich mit vielen anderen Prüfverfahren ist dieser Test miniaturisierbar und nimmt wenig Platz in Anspruch“, erklärt Oehlmann. Dies erlaubt die Testung einer größeren Zahl von Chemikalien.

Informationen: Prof. Jörg Oehlmann, Abteilung Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42142, oehlman@bio.uni-frankfurt.de

Durchführungsanleitung für den OECD-Test: http://dx.doi.org/10.1787/9789264264311-en.

Veranstaltungen

Nov 9 2016
12:11

Ab 14. November diskutiert die Bürger-Universität an insgesamt vier Abenden die Krimireihe „Tatort“ inklusive Realitätscheck

Tatort-Forschung an der Goethe-Uni

FRANKFURT.. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Uni macht in diesem Wintersemester den Realitätscheck mit Deutschlands beliebtester Krimireihe. Unter dem Titel „Tatort-Forschung“ lässt die Diskussionsreihe an insgesamt vier Abenden die fiktionale Umsetzung der Kult-Fernsehreihe „Tatort“ auf die Realität echter Ermittlungsarbeit treffen. Gemeinsam mit dem Hessischen Landeskriminalamt lädt die Goethe-Universität interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, mehr über die neuesten Erkenntnisse aus der Kriminologie und Forensik sowie eine filmwissenschaftliche Würdigung der beliebten „Tatort-Reihe“ zu erfahren.

Der Auftaktabend am Montag, 14. November 2016, möchte zusammen mit Expertinnen und Experten die Frage diskutieren: „Medienphänomen Tatort: Was macht die Krimireihe zum Kult?“. Vor über 45 Jahren wurde mit „Taxi nach Leipzig“ der erste „Tatort“ im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Seitdem wurden tausende Leichen obduziert, Spuren gesichert und Täter festgenommen. Als erfolgreichste deutschsprachige Krimireihe ist der „Tatort“ inzwischen zum Medienphänomen avanciert. Längst organisieren sich Krimifreunde in Fanclubs und treffen sich regelmäßig zum kollektiven Tatort-Gucken. Woher rührt dieses durchgehend große Interesse an der Krimireihe? Was macht sie zum Kult? Wie steht es um die Qualität, kann sie mit amerikanischen Serien konkurrieren?

Diesen Fragen stellen sich am kommenden Montag Literaturwissenschaftlerin Prof. Julika Griem von der Goethe-Uni, Christian Buß, Kulturredakteur bei Spiegel Online, Liane Jessen, Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks und François Werner, Krimifan und Betreiber der Webseite www.tatort-fundus.de. Die Begrüßung übernehmen die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, LKA-Präsidentin Sabine Thurau und Stadträtin Elke Sautner. Moderiert wird die Veranstaltung von Petra Boberg (hr-iNFO).

Medienphänomen Tatort. Was macht die Krimireihe zum Kult?
Montag, 14. November 2016, 19.30 Uhr
Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.
 
Weitere Abende der Diskussionsreihe zum Thema „Tatort-Forschung“ sind:

21. November 2016: Der reale Tatort. Verdrängen Klischees die kriminalistische Wirklichkeit?

5. Dezember 2016: Kommissar Hightech. Wie die moderne Forensik die Ermittlungsarbeit verändert?

12. Dezember 2016: Kriminalstatistiken klären auf. Wovor müssen wir wirklich Angst haben?

Das Programmheft der Bürger-Universität im Web: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 9 2016
12:08

Öffentliche Vortragsreihe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens

FRANKFURT.Wohl kaum ein Thema fasziniert die Menschheit so sehr wie ihre eigene Herkunft. In Zeiten, in denen sich überall in der Welt populistisch-rassistische Tendenzen ausbreiten, ist das Wissen über die gemeinsamen Wurzeln besonders wichtig – und zwar nicht nur, was die Evolution des menschlichen Körpers anbelangt, sondern auch die weit weniger bekannte Evolution geistiger, kultureller und emotionaler Fähigkeiten. Die interdisziplinäre Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ wird dazu beitragen den Blick zu weiten. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.

Aktuell sind in allen Disziplinen, die die Evolution des Menschen betreffen, atemberaubende Fortschritte zu verzeichnen. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen werden. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus und befördert diese. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht, die noch vor wenigen Jahrzehnten nicht denkbar gewesen wären. Diese Erweiterung des Horizonts soll dem Publikum in der Reihe deutlich werden.

Den Auftakt der Reihe bildet die 15. Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture, mit dem Vortrag „The Definition of Species in Human Evolution“ von Prof. Dr. Francis Thackeray (University of the Witwatersrand, Johannesburg), einem der profiliertesten Paläoanthropologen Südafrikas,

am 16. November (Mittwoch) um 19.30 Uhr
im Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25.

Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung/Goethe-Universität.

Bis heute diskutieren Biologen über den Artbegriff und die Definition einer biologischen Art. Während bei rezenten Organismen viele Faktoren von der Morphologie der Weichteile bis zu genetischer Information zur Verfügung stehen, können Arten in der Paläobiologie meist nur anhand fragmentarischer Knochen und Zähnen beschrieben werden. Zudem ergeben sich viele Artabgrenzungen nur dadurch, dass zwischen verschiedenen Fossilfunden, die einen evolutiven Zusammenhang bilden, zum Teil große zeitliche Fundlücken bestehen. Ist das biologische Artkonzept bei Fossilien daher überhaupt anwendbar? Und wie sieht es speziell in der Paläoanthropologie aus? Thackeray stellt grundsätzliche Fragen zur Definition von Arten und versucht, sie mithilfe innovativer morphometrischer Methoden zu beantworten. Im Vortrag wird er seine Theorien am Beispiel der spektakulären Funde des Homo naledi aus dem südafrikanischen Rising-Star-Höhlensystem darlegen.

Francis Thackeray, geb. 1952, studierte Zoologie, Archäologie und Umweltforschung an der Universität in Kapstadt und promovierte anschließend in Yale im Fach Anthropologie. Heute hat er den Phillip-Tobias-Lehrstuhl für Paläoanthropologie am Institut für Evolutionsforschung der Witwatersrand-Universität inne und leitet das dortige Evolutionary Studies Institut. Seine wissenschaftlichen Arbeiten umfassen sowohl Gelände- als auch Laborprojekte. Bekannt wurde er vor allem durch jahrelange Grabungsarbeiten in der südafrikanischen Grabungsstätte „Craddle of Humankind“ („Wiege der Menschheit“) im Tal von Sterkfontein südwestlich von Johannesburg. Dort erforschte er auch die Fundstellen der robusten „Nussknackermenschen“ in Kromdraai und Swartkrans. Zahlreiche neue Hominidenfunde sowie Faunenanalysen und ökologische Rekonstruktionen machten ihn weltbekannt.

Termine und Themen im Überblick:

23. November 2016, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Die genetische Herkunft der Europäer: Migration und Anpassung in der Vorgeschichte
Dr. Wolfgang Haak, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena
Moderation: Dr. Christine Hertler, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt 

14. Dezember 2016, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Lob der Lüge. Zur Evolution von Intelligenz
Prof. Dr. Volker Sommer, University College London
Moderation: Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

18. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
The Skin of Homo sapiens: the Evolution of our Interface with the World
Prof. Dr. Nina Jablonski, Pennsylvania State University, State College
Moderation: PD Dr. Ottmar Kullmer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt 

25. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand
Prof. Dr. Nicholas J. Conard, Eberhard Karls Universität Tübingen
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

8. Februar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

15. Februar 2017, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenbergallee 25, 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt; PD Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau; Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim

Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, bis auf die abschließende Podiumsdiskussion, die um 19 Uhr startet. Für die erste Vorlesung am 16. November 15. Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture) ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich unter: Koenigswald-Lecture@senckenberg.de

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

Veranstaltungen

Nov 9 2016
12:07

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 24. und 25. November 2016

Tagung zu „Olympic Citizenship“ und den Krisen von Flucht und Migration

FRANKFURT. Allein im Jahr 2015 waren jüngsten Angaben der Vereinten Nationen zufolge mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht – als Binnenvertriebene oder in anderen Ländern. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) spricht von einem „traurigen Rekordniveau“ und betont, dass sich die weitaus meisten Flüchtlinge in Staaten außerhalb Europas aufhalten. Die weltweiten Migrationsbewegungen gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Sie resultieren aus sozialen Konflikten und bringen ihrerseits gesellschaftliche Veränderungen hervor. Die aktuelle, mittlerweile neunte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ nimmt dieses Wechselspiel aus einer interdisziplinären, empirischen und normativen Perspektive in den Blick und fragt dabei insbesondere auch nach der Bedeutung und den Veränderungen von Staatsbürgerschaft.

Die zweitägige Veranstaltung findet am 24. und 25. November statt, auch dieses Mal im Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Analog zur Konferenzsprache ist auch der Titel englisch: „Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis“. Auf den Jahreskonferenzen werden zentrale Themenstellungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Gästen aus dem In- und Ausland diskutiert. Die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung willkommen. Auf dem diesjährigen Programm stehen drei Panels mit insgesamt neun Vorträgen. Hinzu kommt eine Keynote von Ayelet Shachar, Direktorin am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen.

Der Beitrag der Rechtsprofessorin Shachar, zu deren Schwerpunkten Staatsbürgerschafts- und Einwanderungsrecht sowie hoch qualifizierte Migration zählen, widmet sich am 24. November um 17.00 Uhr dem Thema „Bordering Migration: Legal Cartographies of Membership and Mobility“. Darin wird sie grundsätzlich der Frage nachgehen, warum – und mit welchem Recht – Staaten einige wenige willkommen heißen, während sich viele andere, auch Schutz suchende Flüchtlinge, bei ihrem Einbürgerungswunsch kaum überwindbaren Hürden gegenübersehen. Die ehemalige Inhaberin des Canada Research Chair in Citizenship and Multiculturalism an der Universität Toronto beobachtet einen Trend in Richtung „Olympic Citizenship“ – höchstqualifizierte Menschen anderer Nationalität werden geradezu umworben, wie ja tatsächlich auch jene Topathleten, die kurz vor olympischen Spielen die Nationalität wechseln, um zum Ruhme ihres neuen „Heimatlandes“ Medaillen zu gewinnen.

Die Erörterung, was Staatsbürgerschaft, die wiederum faktische und normative Grenzen zwischen Menschen errichtet, heute heißt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Ebenso grundlegend sind Überlegungen, wie Staaten – jeweils einzeln oder im Verbund – ihrer Verantwortung für die Flüchtlingskrise gerecht werden sollten. Im ersten Panel geht es dabei auch um den Umgang mit den Ursachen. Es heißt „The Politics of Migration: Problems, Principles and Policies“ und wird moderiert von dem politischen Philosophen Rainer Forst und dem Rechtswissenschaftler Klaus Günther, den beiden Sprechern des Exzellenzclusters, die auch die Konferenz eröffnen. Vortragende sind die politischen Philosophinnen Lea Ypi von der London School of Economics and Political Science und Eszter Kollár, Postdoktorandin am Exzellenzcluster. Hinzu kommen der Makrosoziologe Steffen Mau (Humboldt-Universität zu Berlin) und der Politikwissenschaftler Jens Steffek (Exzellenzcluster).

„The Institutional, Legal and Normative Challenges of Europe’s Contemporary Migration Crisis“ stehen im Fokus des zweiten Panels am 25. November. Es geht von dem Befund aus, dass die so genannte Flüchtlingskrise in Europa auch hausgemacht ist. Schuld an dem krisenhaften Verlauf sind vor allem die unzureichenden institutionellen Entscheidungsstrukturen der EU, gepaart mit mangelnder Kooperationsbereitschaft. Zu den notwendigen Reformen gehört jetzt ein praktikables System der Lastenverteilung. Erster Referent ist Rainer Hofmann, Rechtswissenschaftler an der Goethe-Universität und Co-Direktor des Wilhelm-Merton-Zentrums für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsordnung. Die weiteren Mitwirkenden sind Angehörige des Clusters und auf dem Feld der politischen Wissenschaft zu Hause: Gunther Hellmann (Moderation), Nicole Deitelhoff und Christopher Daase sowie Nele Kortendiek.

Die „Rushdie-Affäre“ beeinflusste den europäischen Blick auf die so genannten Gastarbeiter, für die Menschen der westlichen Sahelzone ist Mobilität seit Jahrhunderten der Normalfall und das westliche Konzept der Staatsbürgerschaft nicht leicht zu verstehen, die diskursive Irrelevanz der südostasiatischen Flüchtlingskrise in Europa gibt Aufschlüsse über selektive Empathie: Das dritte Panel, mit dem die Jahreskonferenz am Nachmittag des 25. November endet, widmet sich dem Tagungsthema aus historischer und ethnologischer Perspektive. Eingeführt von der Ethnologin Susanne Schröter (Exzellenzcluster) sprechen der Migrationshistoriker Leo Lucassen (Amsterdam und Leiden) sowie die Ethnologen Mamadou Diawara (Exzellenzcluster) und Dominik M. Müller (zuvor Postdoktorand am Cluster, jetzt Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle).

Die Konferenz steht allen Interessierten offen. Eine vorherige Anmeldung ist jedoch erforderlich – bitte unter: office@normativeorders.net

Informationen:  Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/jahreskonferenzen

Veranstaltungen

Nov 8 2016
17:48

Öffentliche Vortragsreihe des IDeA-Zentrums an der Goethe-Universität

Migration – Integration – Bildungschancen

FRANKFURT. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IDeA-Zentrums wollen ihre Kenntnisse zum Themenfeld „Migration – Integration – Bildungschancen“ noch stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Im Wintersemester beginnt deshalb eine Vortragsreihe, die dieses Themenfeld von verschiedenen Seiten beleuchten soll. Die Reihe ist bereits im Vorfeld auf große Resonanz gestoßen.

Das IDeA-Zentrum vereint Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, die sich der Erforschung von Entwicklungs- und Lernprozessen bei Kindern innerhalb der ersten zwölf Lebensjahre widmen. Das Themenfeld „Migration – Integration – Bildungschancen“ spielt dabei naturgemäß eine wichtige Rolle. In einer öffentlichen Vortragsreihe, die an diesem Donnerstag beginnt, nähern sich Expertinnen und Experten des Forschungszentrums dem Thema an sechs Terminen aus verschiedenen Perspektiven. Außer um Erkenntnisse aus der Forschung geht es auch um Projekte, mit deren Hilfe Flüchtlingskinder und ihre Eltern unterstützt werden: So berichtet Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, aus ihrem Projekt „Step-by-Step“ mit Geflüchteten in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung „Michaelis Dorf“ in Darmstadt.

Organisiert wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Sprecher des IDeA-Zentrums, und Prof. Dr. Mareike Kunter, stellvertretender Sprecher von IDeA. Die Vorträge finden jeweils donnerstags von 18.15 bis 19.45 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaalzentrum, Raum 10, statt. Im Anschluss an die Vorträge besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten.

Termine und Themen im Überblick:

10. November
„Kinder auf der Flucht. Perspektiven und Befunde aus der Kindheitsforschung“
Prof. Dr. Sabine Andresen, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Goethe-Universität

24. November
„Migrationsspezifische Bildungsungleichheit – Eine soziologische Perspektive“
Prof. Dr. Birgit Becker, Institut für Soziologie, Goethe-Universität

15. Dezember
„Psychoanalytische Überlegungen zum Projekt Step-by-Step in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Darmstadt“
Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Institut

12. Januar 2017 „Deutsche Sprache als Schlüssel zum Bildungserfolg?“
Prof. Dr. Dominique Rauch, Goethe-Universität und Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

19. Januar 2017 „Kinder mit Deutsch als Zweitsprache: Wie lassen sich bildungsrelevante Fähigkeiten adäquat diagnostizieren?“
Prof. Dr. Petra Schulz, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Goethe-Universität, und Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

2. Februar 2017
„Migration im Klassenzimmer: Wie gehen Lehrkräfte mit kultureller und sprachlicher Heterogenität um?“
Prof. Dr. Mareike Kunter, Institut für Psychologie, Goethe-Universität

Weitere Informationen: Verena Diel, IDeA-Zentrum,  Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Tel. 069 24708-819, E-Mail: diel@dipf.de, www.idea-frankfurt.eu

Forschung

Nov 8 2016
17:45

Erfindung von Horst Schmidt-Böcking (Goethe-Universität) und seines Kollegen Dr. Gerhard Luther (Universität Saarbrücken) bilden Basis für neuartiges Meeres-Pump-Speicher-System, das vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) entwickelt wurde

Energiespeicher von morgen wird erstmals im Bodensee getestet

FRANKFURT/KASSEL/SAARBRÜCKEN. Wie kann man die enormen Mengen durch Offshore-Windkraft erzeugten Stroms bereits vor Ort zwischenspeichern? Bisher gab es auf diese Frage keine Antwort. Nun geht nach mehrjähriger Forschungsarbeit das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt StEnSea (Stored Energy in the Sea) in die Erprobungsphase. Darin entwickelt das auf Energiesystemtechnik spezialisierte Fraunhofer-Institut IWES in Kassel zusammen mit Partnern die „Meerei“-Erfindung von zwei Physik-Professoren der Universität Frankfurt und der Universität Saarbrücken zur Anwendungsreife.

Ein Modell im Maßstab 1:10 mit rund drei Metern Durchmesser wird am 8.11.2016 im Fährhafen von Konstanz in den Bodensee gebracht und am 9.11.2016 etwa 200 Meter vor dem Ufer in Überlingen in 100 Meter Tiefe abgelassen. Anschließend wird es für vier Wochen getestet: »Auf dem Meeresboden installierte Pumpspeicherkraftwerke können in großen Wassertiefen den hohen Wasserdruck nutzen, um mit Hilfe von Hohlkörpern Stromenergie speichern zu können«, erläutert Horst Schmidt-Böcking, emeritierter Professor der Universität Frankfurt. Zum Energieeinspeichern wird über eine Elektropumpe Wasser aus der Kugel herausgepumpt, um Strom zu erzeugen fließt Wasser durch eine Turbine in die leere Kugel hinein und erzeugt über einen Generator elektrische Energie. Dieses Prinzip der Offshore-Energiespeicherung hat Prof. Schmidt-Böcking 2011 wenige Tage vor dem Fukushima-Supergau mit seinem Kollegen Dr. Gerhard Luther von der Universität Saarbrücken zum Patent angemeldet.

Die beiden Erfinder erinnern sich: „Die schnelle Umsetzung dieser Idee in die Praxis ist eigentlich einem Bericht in der FAZ zu verdanken. Technik-Redakteur Georg Küffner stellte diese Speicheridee in einem Artikel der Öffentlichkeit vor – und zwar zufällig am 1. April 2011. Viele Leser nahmen das sicherlich zunächst als Aprilscherz auf. Fachleute der Hochtief Solutions AG in Frankfurt erkannten allerdings sofort die in dieser Idee verborgenen Möglichkeiten. Innerhalb weniger Wochen konnte mit dem Betonbauspezialisten Hoch-Tief und den Meeresenergie- und Speicherspezialisten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel ein Konsortium für eine erste Machbarkeitsstudie gebildet werden“, so Schmidt-Böcking und Luther.

Mit dem Nachweis der Machbarkeit förderte anschließend das BMWi das Projekt StEnSea zur Entwicklung und Erprobung dieses neuartigen Pumpspeicherkonzepts im Modellmaßstab. Nun geht dieses in die Testphase. „Auf Basis der Vorstudie haben wir eine detaillierte Systemanalyse mit Konstruktion, Bau- und Logistikkonzept des Druckbehälters durchgeführt, eine Pump-Turbinen-Einheit entwickelt, die Einbindung in das Stromnetz untersucht, Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt und eine Roadmap für die technische Umsetzung entwickelt“ fasst Projektleiter Matthias Puchta vom Fraunhofer IWES die bisherigen erfolgreichen Arbeiten zusammen.

„Nun beginnt der vierwöchige Modellversuch im Maßstab 1:10 im Bodensee. Wir werden verschiedene Tests fahren, um Detailfragestellungen zur Konstruktion, der Installation, der Auslegung des Triebstrangs und des elektrischen Systems, der Betriebsführung und Regelung, der Zustandsüberwachung und der dynamischen Modellierung und Simulation des Gesamtsystems zu überprüfen“, so Puchta weiter.

„Mit den Ergebnissen des Modellversuchs wollen wir zunächst geeignete Standorte für ein Demonstrationsprojekt in Europa genauer untersuchen. Für den Demonstrationsmaßstab des Systems streben wir einen Kugeldurchmesser vor 30 Metern an. Das ist unter ingenieurtechnischen Randbedingungen die derzeitige sinnvolle Zielgröße. Sicher ist, dass das Konzept erst ab Wassertiefen von ca. 600 - 800 Metern im Meer wirtschaftlich anwendbar sein wird. Die Speicherkapazität steigt bei gleichem Volumen linear mit der Wassertiefe und beträgt für eine 30 m-Kugel bei 700 Metern ungefähr 20 Megawattstunden (MWh)“, erklärt IWES-Bereichsleiter Jochen Bard, der seit vielen Jahren national und international auf dem Gebiet der Meeresenergie forscht.

„Es gibt ein großes Potential für die Anwendung von Meerespumpspeichersystemen in küstennahen Standorten, insbesondere auch vor den Küsten bevölkerungsdichter Regionen. Beispielsweise vor Norwegen (Norwegische Rinne). Aber auch Spanien, USA und Japan weisen große Potentiale auf. Mit heutiger standardisierter und verfügbarer Technik sehen wir bei der Speicherkapazität von 20 MWh pro Kugel eine weltweite elektrische Gesamtspeicherkapazität von 893.000 MWh. Damit ließen sich kostengünstig wichtige Ausgleichsbeiträge für die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne leisten“, stellt Bard fest.

Pressekontakt: Uwe Krengel | Tel. +49 561 7294-319 (oder-345) | E-Mail uwe.krengel(at)iwes.fraunhofer.de

Weitere Informationen: Prof. Dr. Horst Schmidt-Böcking, Tel. 069 / 798-47002 oder 06174 / 93 40 97, E-Mail: hsb@atom.uni-frankfurt.de

Forschung

Nov 8 2016
16:23

Das von der BHF-BANK-Stiftung initiierte Modellprojekt „Sprachentdecker“ im Frankfurter Westen begleiten Erziehungswissenschaftlerinnen der Goethe-Universität

Keine separaten Kurse: Kinder sollen ihr Deutsch im Alltagsumfeld von Kita und Grundschule verbessern

FRANKFURT. „Guten Morgen Sarah! Hängst du deine Jacke auf?“ – „Kann nicht auf...“ – „Kannst du deine Jacke nicht alleine öffnen? Ich helfe dir. Die Jacke hat einen Reißverschluss. Hat sich der Reißverschluss verhakt?“ Die Vierjährige nickt und sagt: „Der geht nicht auf.“ – „Dann versuchen wir es zusammen.“ Dieser Dialog zwischen der Erzieherin und dem Mädchen mit Migrationshintergrund ist ein gelungenes Beispiel für das, was Experten „alltagsintegrierte Sprachförderung“ nennen.

„Diese Kinder sollen nicht länger separiert werden, sondern in ihrem Alltagsumfeld ihre Sprachkompetenz verbessern, am besten schon mit Eintritt in die Kita und dann weiter in der Grundschule“, sagt Prof. Dr. Diemut Kucharz, Erziehungswissenschaftlerin an der Goethe-Universität, bei der Vorstellung des Modellprojekts „Sprachentdecker! Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kitas und Grundschulen im Frankfurter Westen“. An dem zunächst auf drei  Jahre mit der Option auf Verlängerung angelegten Projekt, das von der BHF-BANK-Stiftung initiiert und jährlich mit mehr als 50.000 Euro finanziert wird, sind neben drei Grundschulen und fünf Kitas in Griesheim und Höchst auch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und das Staatliche Schulamt der Stadt beteiligt.

Frankfurt ist der richtige Ort für dieses Projekt, das die Erziehungswissenschaftlerin in etwas anderer Form bereits mit Erfolg in Fellbach „getestet“ hat: In der Main-Metropole wachsen nach den Ergebnissen der jüngsten Einschulungsuntersuchung inzwischen 63 Prozent der Kinder zwischen fünf und sechs Jahren zwei- bzw. mehrsprachig auf oder ohne, dass in der Familie Deutsch gesprochen wird. In 40 Prozent der Frankfurter Kitas liegt der Anteil der mehrsprachigen Kinder bei über 80 Prozent. „Wir haben den wachsenden Bedarf an Sprachförderung in Kitas und Schulen in anderen von uns geförderten Projekten gesehen und deshalb die Initiative für das Projekt ‚Sprachentdecker‘ ergriffen“, so Dietmar Schmid, Vorsitzender des Vorstands der BHF-BANK-Stiftung. „Gerade gemeinnützige Stiftungen sind aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten, damit Kinder – auch im Interesse einer gelungenen Teilhabe – so früh wie möglich in ihren deutschen Sprachkenntnissen gefördert werden.“

Was unterscheidet den Modellversuch „Sprachentdecker“ von anderen, ebenfalls wissenschaftlich begleiteten Projekten? Während einige Bildungsexperten auf zusätzliche Kurse außerhalb des regulären Unterrichts setzen, wählt dieses Frankfurter Projekt einen anderen Weg, der erfolgversprechender zu sein scheint als additive Sprachfördermaßnahmen: Pädagogen in Kitas und Grundschulen sollen so geschult und begleitet werden, dass sie Kinder aus Migrationsfamilien, aber auch aus bildungsfernen spracharmen Familien im Alltag unterstützen können, damit diese Kinder in ihrem normalen Umfeld ihren aktiven Wortschatz vergrößern und ihre grammatikalischen Kompetenzen verbessern. Um das zu erreichen, brauchen Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer intensive, professionell begleitete Fortbildungen und ständiges Training, denn „Sprachförderung ist eine komplexe Aufgabe, die viel Wissen, Kompetenz und Übung erfordert“, sagt Kucharz.„Deutschkenntnisse sind der wichtigste Schlüssel zum Schulerfolg. Der Deutscherwerb erfolgt heute im interkulturellen Kontext. Der Spracherwerb mehrsprachiger Kinder weist Besonderheiten auf, die es zu berücksichtigen gilt. Dies ist an der Schnittstelle Kita-Grundschule besonders zu berücksichtigen“, so Stadträtin Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt.

Das Team um die Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin vom Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe lässt die beteiligten Pädagogen mit dem Gelernten im Alltag nicht allein, Videoaufzeichnungen aus dem Arbeitsalltag werden intensiv mit den Beteiligten ausgewertet. Rene Römer vom Kinderzentrum 53 in Höchst berichtet, wie aus einem ungezwungenen Gespräch eine „runden Sache“ wurde: „Ich habe beim Spielen das Handeln sprachlich begleitet, korrektives Feedback eingesetzt und etwas seltener auch modelliert, damit konnte ich die Kinder gut motivieren. Ich habe sie gezielt sprachlich begleitet – nicht instinktiv wie früher – und hatte das Gefühl, dass die Kinder meine Sätze aufgegriffen, wiederholt und dabei vielleicht für sich selbst nochmal verinnerlicht haben.“ Was Rene Römer und die Kita-Beteiligten zudem als positiv bei diesem Modellversuch wahrnehmen, ist die engere Kooperation mit der Grundschule im Übergang von der Kita zur ersten Klasse, bei der die gemeinsam erprobte „alltagsintegrierte“ Sprachförderung ein wichtiges Thema ist. Dann könnte es auch immer besser klappen, bei solchen Gesprächen eine gemeinsame Sprache zu finden.

Nach dem ersten halben Jahr sollen in der zweiten Phase des Projekts neue Impulse für die Zusammenarbeit mit den Eltern mit Migrationshintergrund gesetzt werden. „Hier könnte sich ein Perspektivenwechsel lohnen!“, sagt Dr. Armin von Ungern-Sternberg, Leiter des Amts für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, und ergänzt: „Die Mitwirkenden sollten Schwierigkeiten und Hürden, die sich hier in Kita- und Schulalltag zeigen, gemeinsam erkennen und die Chance einer solchen interkulturellen Bildungskooperation mit Eltern aufgreifen.“

Unterstützt wird das Projekt auch von dem Staatlichen Schulamt Frankfurt, weil es die Sprachkompetenz in allen Unterrichtsfächern und im Schulalltag der Kinder offensiv fördert. Reinhold Stahler, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts, würde sich freuen, „wenn bald auch weitere Schulen und Lehrkräfte mitmachen“. Das Projekt, das auch wissenschaftlich evaluiert wird und seine Wirksamkeit bei Fachkräften und Kindern entfalten soll, läuft noch bis mindestens 2019 – mit der Option auf Verlängerung.

Informationen: Prof. Dr. Diemut Kucharz, Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798-, E-Mail: Kucharz@em.uni-frankfurt.de; Sigrid Scherer, BHF-BANK-Stiftung, Tel. (069)718-3452, E-Mail: Sigrid.Scherer@bhf-bank.com; Manja Winkler-Hesse, Dr. Armin von Ungern-Sternberg (Amtsleiter), Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, Tel. (069) 212 – 74530, E-Mail: manja.winkler-hesse@stadt-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 7 2016
16:42

Musikalische Lesung zusammen mit Pianisten Arno Waschk anlässlich der Feierlichkeiten 70 Jahre Hessen

Medieneinladung / Brandauer kehrt an die Goethe-Uni zurück

FRANKFURT.Im Juni 2014 begeisterte der österreichische Schauspielstar Klaus Maria Brandauer zusammen mit dem Pianisten und Dirigenten Arno Waschk das Frankfurter Publikum mit seinem Programm „Faust… ein gefesselter Prometheus...?!“ anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität. Nun ist er zurück – mit einem neuen Programm „Hessen. Das Land im Zentrum“, das sich zum 70. Geburtstag Hessens dem Bundesland und seinen Dichtern widmet.

Lesung von
Klaus Maria Brandauer
am Donnerstag, den 10. November 2016,
um 19.30 Uhr / Einlass 19.00 Uhr,
im Hörsaalzentrum HZ 1&2,
Campus Westend der Goethe-Universität

Für die Veranstaltung stehen für Medienvertreter 20 Plätze zur Verfügung. Bitte teilen Sie uns unter veranstaltungen@uni-frankfurt.de mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können. Eine Akkreditierung ist noch bis Donnerstag, 10.11., 12 Uhr, möglich.

Vom Beruf des Schauspielers sagte Braudauer 2014 in einem Interview mit Frankfurter Hochschul-Zeitung Uni-Report: „Schauspieler kann man nicht werden, sondern nur sein. Neben dem Handwerkszeug, ohne dass es nicht geht, das man aber lernen kann und muss, geht es um eine bestimmte Form der Präsenz, ein Vermögen, sich mitzuteilen, die Bereitschaft, das eigene Erleben einfließen zu lassen. Es braucht den Zugriff auf das eigene gelebte Leben. Das ist die wichtigste Ressource des Schauspielers.“

Seit Anfang der siebziger Jahre ist Klaus Maria Brandauer einer der gefragtesten Schauspieler auf deutschsprachigen Bühnen. Zu seinen wichtigsten Rollen zählen Shakespeares Romeo, Schillers Fiesco, Büchners Leonce und der Prinz in Lessings Emilia Galotti, welchen er in der legendären Inszenierung von Fritz Kortner spielte. Seit 1972 ist er Mitglied am Wiener Burgtheater, dessen Ehrenmitglied er heute ist und wo er als Don Carlos, als Ferdinand, als Tartuffe, über hundert Mal als Hamlet und als Lessings Nathan der Weise aufgetreten ist. Im Dezember 2013 kehrte er als König Lear an sein Stammhaus zurück.

Im Jahr 2007 spielte er den Wallenstein in der zehnstündigen Inszenierung von Peter Stein am Berliner Ensemble. Zusammen mit Peter Stein erarbeitete er ebenfalls den Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug und die Titelrolle in Sophokles Ödipus auf Kolonos. Mit dieser Produktion kehrte er im Sommer 2010 zu den Salzburger Festspielen zurück, wo er bis 1990 den Jedermann gespielt hatte.

Neben seiner schauspielerischen Arbeit führt Klaus Maria Brandauer immer wieder Regie. Sein Debüt gab er bereits 1964 in Salzburg mit Aimée von Heinz Coubier. In den letzten Jahren inszenierte er Esther Vilars Speer in Berlin und London, Hamlet am Wiener Burgtheater, Richard Wagners Lohengrin an der Oper Köln und Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper im Berliner Admiralspalast. Klaus Maria Brandauer gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die weltweite Anerkennung gefunden haben. 1970 gab er in der Hollywood-Produktion The Salzburg Connection sein Filmdebüt. Im Laufe der Jahre folgten der James Bond-Streifen Never Say Never Again, Out Of Africa, White Fang, Streets Of Gold, Rembrandt und Introducing Dorothy sowie erst kürzlich Tetro in der Regie von Francis Ford Coppola. Mit seinem Freund István Szabó schuf er die Filmtrilogie Oberst Redl–Mephisto-Hanussen. Als Regisseur verfilmte er Georg Elser – Einer aus Deutschland und Mario und der Zauberer von Thomas Mann.

Klaus Maria Brandauer ist ordentlicher Professor am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, Ehrendoktor der Universität Tel Aviv und der Universität Salzburg, Ehrenbürger von Altaussee in der Steiermark und Haynes in Alaska. Wichtig ist ihm das Spiel mit verschiedenen Rollen: „Zuschauer, Schauspieler, Regisseur – nichts möchte ich immer und ausschließlich sein müssen. Theater und Film – auf keines von beiden möchte ich mich immer und ausschließlich festlegen müssen. Ich brauche das Spiel der Möglichkeiten. Ich brauche die Möglichkeiten des Spiels. Bleiben tu’ ich mir nicht. Noch nicht.“

Arno Waschk dirigierte 2009 Musiktheater-Uraufführungen von Sören Nils Eichberg in Tangermünde sowie von Christoph Schlingensiefs Mea Culpa am Burgtheater Wien, für das er zahlreiche eigene Kompositionen beisteuerte. Für die Burgtheater-Inszenierung von Faust I von Matthias Hartmann Im September 2009 komponierte er die Bühnenmusiken. Zudem war er an Schönbergs Moses und Aron auf der Ruhrtriennale sowie an der Uraufführung von Proserpina von Wolfgang Rihm in Schwetzingen beteiligt. Seit 2008 spielte er in Matthäuspassion (Regie: Sebastian Hartmann) am Centraltheater Leipzig. Er tritt regelmäßig als Klavierpartner von Klaus Maria Brandauer auf.

Möglich gemacht haben diesen Abend eine illustre Schar von Förderern: Hilmar Kopper, Claus Wisser, die Deutsche Apotheker und Ärztebank, die Vereinigung von Freunden und Förderern sowie die Hessische Staatskanzlei.

Die Veranstaltungsgäste sind zu Spenden aufgerufen zugunsten der Psychosozialen Beratungsstelle für Flüchtlinge an der Goethe-Universität. Diese ermöglicht Flüchtlingen eine muttersprachliche oder dolmetschergestützte Beratung, Diagnostik und weiterführende Therapie.

Veranstaltungen

Nov 7 2016
16:00

Internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ dekodiert vom 17. bis zum 19. November die Alltäglichkeit des Digitalen

Tagung zur normativen Unordnung digitaler Welten

FRANKFURT.Die internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beschäftigt sich vom 17. bis zum 19. November 2016 interdisziplinär mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Unter dem Titel „Digital <Dis>Orders“ werden die Einflüsse neuer Technologien auf Gesellschaft, Politik und ästhetische Wahrnehmung diskutiert. Die Themen umfassen Fragen nach der Herausbildung der Computertechnologie aus Kybernetik und Kryptographie, den ökonomischen Bedingungen der digitalen Technologie, der Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie deren Einfluss auf die ästhetische und praktische Weltwahrnehmung.

Die Konferenz untersucht das schnelle Altern und die fortwährende Verjüngung der neuen Technologien. Ihre massenhafte Verbreitung und die allgegenwärtige Vernetzung verändern unsere Lebenspraktiken, die Struktur des Zusammenlebens und die Formen ästhetischen Empfindens. Unter der Bedingung rastloser technologischer Umwälzung geraten unsere Vorstellungen von staatlichem Handeln, menschlichem Verstehen und Urteilen sowie künstlerischer Produktion zunehmend in Bedrängnis. Wie reagiert der Mensch auf die von ihm geschaffenen Herausforderungen einer digitalen Lebenswelt? Das Programm umfasst Abendvorträge, Kunstinstallationen, künstlerische Beiträge und Workshops sowie acht Panels in denen rund 30 Referentinnen und Referenten aus der aller Welt zusammentreffen.

Am Donnerstagabend (17.11.) hält Louise Amoore, Professorin für Geographie an der Durham University (Großbritannien), einen Vortrag mit dem Titel: „On Intuition: Machine Learning and Posthuman Ethics“. Am Freitag folgt der interaktive Vortrag „Contra-Internet“ von Zach Blas. Der Künstler ist Dozent am Goldsmiths, University of London und spricht über Überwachung, Militanz und Subversion im Internet. Konferenzsprache ist Englisch.

Die internationale Nachwuchskonferenz steht Interessierten offen. Die Veranstaltungen finden im Gebäude des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend statt. Eine vorherige Anmeldung wird erbeten unter: graduateconference2016@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/nachwuchskonferenzen

Informationen: Jerzy Sobotta vom Organisationsteam der Nachwuchskonferenz, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. 069/798-31405, jerzy.sobotta@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Veranstaltungen

Nov 7 2016
15:59

Vortrag über soziale und emotionale Robotik in der Reihe „Frankfurter Alternsforschung – Wissenschaft für Menschen in unserer Stadt“

Mehr Akzeptanz für Roboter bei älteren Menschen?

FRANKFURT.Der Vorstellung, Roboter zur Unterstützung älterer Menschen mit unterschiedlichem Hilfebedarf einzusetzen, wird immer populärer. So werden auch sogenannte soziale und emotionale Roboter erfunden, die dabei helfen sollen, das Bedürfnis Älterer nach Beschäftigung und Kommunikation zu befriedigen. Dazu gehören: „Paro“, ein Roboter, der einer echten Babyrobbe nachempfunden ist, der Roboterdinosaurier „Pleo“ oder „Giraff“ und „Vigo, die mit ihren Telepräsenzsystemen Kommunikation über größere Entfernungen ermöglichen. Zur Anwendung und Effizienz dieser Roboter gibt es erste positive Ergebnisse, aber werden diese künstlichen Tiere und Videotelefone auf Rädern auch von den älteren Menschen akzeptiert? An der Goethe-Universität erforschen die beiden Psychologinnen Prof. Dr. Monika Knopf und Dipl.-Psych. Stefanie Baisch, was die Akzeptanz durch die älteren Menschen eher fördert oder eher behindert. Die Altersforscher erklären, was soziale und emotionale Roboter sind und berichten von ihren bisherigen Studienergebnissen in einem öffentlichen Vortrag, zu dem alle Interessierten eingeladen sind

am Donnerstag (17.11.) um 19.30 Uhr
in der Zentralbibliothek der Stadt Frankfurt, Hasengasse 4.

Der Vortrag gehört zu der Reihe „Frankfurter Alternsforschung – Wissenschaft für Menschen in unserer Stadt“, die vom „Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung“ veranstaltet wird und sich bewusst an die Stadtgesellschaft richtet. Gefördert wird das Frankfurter Forum von der BHF-BANK-Stiftung, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über das Altern aus verschiedenen Disziplinen forschen, zusammenzuführen, neue interdisziplinäre Projekte anzustoßen und den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielt zu fördern. In dieser Veranstaltungsreihe werden Frankfurter Nachwuchswissenschaftler gemeinsam mit Experten des jeweiligen Fachgebiets ausgewählte Forschungsprojekte, die für ältere Menschen von Nutzen sind, vorstellen und diskutieren.

Informationen: Dr. Tanja Müller, Koordinatorin des Frankfurter Forums für interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA), Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Telefon +49 (69) 798 36393,  E-Mail: tanja.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/ffia

Veranstaltungen

Nov 4 2016
13:30

Studentische Initiative organisiert Messe an der Goethe-Uni

Deutschlandweit erster Karrieretag für Geistes- und Sozialwissenschaftler

FRANKFURT.Zum ersten Mal findet deutschlandweit am 9. November 2016 ein Karrieretag für Geistes- und Sozialwissenschaftler statt. Die „Karriere für den Geist“ ist eine Messe, die von Studierenden für Studierende der Goethe-Universität initiiert worden ist und an diesem Tag für alle Interessierten von 11 bis 16 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend Informationen zu Berufsfeldern und Bewerbungen bereit hält.

„Was willst du denn damit später machen?“ – eine Frage, die Geistes- und Sozialwissenschaftler oft zu hören bekommen. Ob sich das Studium im Hinblick auf ihre beruflichen Perspektiven auszahlt, beschäftigt tatsächlich viele Studierende dieser Fächer. Ein Grund für einige Deutschlandstipendiaten der Goethe-Uni eine Berufsmesse zu organisieren. „Es ist dringend notwendig, Geistes- und Sozialwissenschaftler auf Berufsfelder aufmerksam zu machen, die ihnen nicht so präsent sind“, sagt Magdalena Köhne, Studentin der Humangeographie und Mitorganisatorin. Vor allem Jobs in der freien Wirtschaft – etwa als Unternehmensberater, im Personalwesen, im Vertrieb oder im After-Sales-Bereich – können für diese Zielgruppe von besonderem Interesse sein. Die Schirmherrschaft seitens der Universität hat Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl übernommen: „Ich bin davon überzeugt, dass ein früher Kontakt zwischen Studierenden und Unternehmen zu weniger Studienabbrüchen führt. Hierfür ist eine solche Messe eine ideale Plattform.“ Unterstützt wird das Projekt außerdem vom Career-Service der Goethe-Universität.

Bei einem „Markt der Möglichkeiten“ präsentieren sich Unternehmen, Organisationen, Einrichtungen und Verbände an klassischen Messeständen. Eine Vortragsreihe mit abschließender Podiumsdiskussion und Workshops in Form von „World Cafés“ bieten darüber hinaus die Möglichkeit, sich zu informieren. Die Themen der Vorträge sind unter anderem „Karrierepfad Promotion?“, „Ihr Arbeitsplatz die Welt – Der höhere auswärtige Dienst stellt sich vor!“ oder „Einstiegsmöglichkeiten in der Verlagsbranche“. Als Vortragende mit dabei sind etwa Bertelsmann, der Personalvermittler Hays oder das Auswärtige Amt. Zudem können die Messebesucher nach vorheriger Anmeldung ihre Bewerbungsmappen checken und kostenfrei Bewerbungsfotos machen lassen.

„Karriere für den Geist“
Wann: 9. November 2016, 11 bis 16 Uhr
Wo: Hörsaalzentrum, Campus Westend

Zum Programm: www.karriere-fuer-den-geist.de/programm

Forschung

Nov 4 2016
13:06

Hessenweite Kooperation: Goethe Business School bietet neuen berufsbegleitenden MBA für Führungskräfte

Digitale Transformation aktiv gestalten

FRANKFURT. Die digitale Transformation ist schon lange kein Phänomen vereinzelter Industrien oder Geschäftsbereiche mehr. Um im Wettbewerb zu bestehen, reicht es für Unternehmen nicht mehr aus, mit Einzelmaßnahmen darauf zu reagieren. Die digitale Revolution systematisch und proaktiv zu gestalten, wird immer wichtiger. Deshalb gewinnt die Digitalkompetenz von Führungskräften zunehmend an Bedeutung. Die Goethe Business School (GBS) hat auf diese Entwicklung eine Antwort: den neuen berufsbegleitenden Master of Digital Transformation Management (MBA). „Das speziell auf die Herausforderungen der Digitalen Revolution ausgerichtete MBA-Programm füllt eine wichtige Lücke im Management-Bildungsportfolio: Es kombiniert IT- und Führungskompetenz“, freut sich Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität.

Der neue MBA wurde von der Goethe Business School, die über eine langjährige Expertise im Weiterbildungsbereich verfügt, in Kooperation mit der TU Darmstadt, der Universität Kassel, dem House of IT und mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung konzipiert. Zielgruppe sind aufstrebende Professionals, die mithilfe eines MBA-Programms die Digitale Transformation aktiv für sich und ihr Unternehmen gestalten und sich für weitergehende Führungsaufgaben qualifizieren wollen. Die Kombination aus klassischen Managementkenntnissen und hochaktuellen Themenfeldern der digitalen Transformation ist in dieser Form einzigartig in Deutschland.

Das englischsprachige MBA-Programm ist auf ideale Weise kompatibel mit einer Berufstätigkeit: Es umfasst drei Semester Vorlesungen im Zweiwochenrhythmus (freitagnachmittags und samstags im Semester) und schließt mit einer Masterarbeit ab, die in einem Zeitraum von 20 Wochen verfasst wird. Verliehen wird der MBA von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Geplanter Start des Programms ist zum Wintersemester 2017/18.

Weitere Informationen zum Master of Digital Transformation Management: www.goethe-business-school.de/masterprogramme/master-of-digital-transformation-management/

Interessierte sind herzlich zur Informationsveranstaltung eingeladen: 24. November 2016, um 18.00 Uhr im House of Finance, Campus Westend der Goethe-Universität. Anmeldungen bitte unter www.goethe-business-school.de/info-mdtm

Die Goethe Business School (GBS) bietet Führungskräften und Young Professionals eine exklusive Plattform für verschiedenste Weiterbildungsformate an der Goethe-Universität. Die GBS wurde im Jahr 2004 gegründet und ist, eng angebunden an den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, privatwirtschaftlich organisiert und geführt.

Kontakt: Dr. Christian Jansen, Managing Director, Goethe Business School gGmbH, Goethe-Universität. Tel. (069) 798 33846; jansen@gbs.uni-frankfurt.de www.goethe-business-school.de

Hochschulpolitische Themen

Nov 4 2016
09:55

Stolze Bilanz: Seit 2011 spendeten Bürger, Unternehmen, Vereine und Stiftungen vier Millionen Euro

581 Studierende der Goethe-Universität erhalten Deutschlandstipendium

FRANKFURT.„Chancen schenken“ haben in diesem Jahr 280 Förderer wörtlich genommen und insgesamt über eine Million Euro für Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität gespendet. So können 581 Studierende aller Fachrichtungen ein Jahresstipendium von 3600 Euro erhalten. Das ist die höchste Stipendiatenzahl unter den deutschen Hochschulen. „Das Deutschlandstipendium findet in Frankfurt besonders viele Unterstützer“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Dass es hier so viele Deutschlandstipendien gibt, sehen wir nicht nur als eine wunderbare Unterstützung für die Arbeit der Goethe-Universität, sondern auch als eine besondere Anerkennung für unsere Studierenden. Wir danken allen Stiftern und Stifterinnen für ihr großes Engagement!“

Seit Einführung des Deutschlandstipendium 2011 wurden insgesamt rund 2200 Studierende der Goethe-Universität mit insgesamt rund acht Millionen Euro gefördert. Vier Millionen kamen von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen aus Stadt und der Region, die andere Hälfte zahlte das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mit dem Deutschlandstipendium baut die Bundesregierung die Studienfinanzierung durch ein Programm aus, das zugleich eine neue Stipendienkultur in Deutschland anstößt: Bürger, auch ehemalige Hochschulabsolventinnen und -absolventen, Unternehmen oder Stiftungen sind aufgefordert, talentierte Studierende mit ihrem Beitrag zu unterstützen – und die Bundesregierung legt den gleichen Betrag noch einmal oben drauf.

Waren es im Jahr 2011 noch 161 Stipendiaten, können jetzt 581 Stipendien vergeben werden. „Das Stipendienprogramm funktioniert wie ein Scharnier zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgern“, so Lucia Lentes, die dieses Programm seit Beginn betreut und im engeren Kontakt mit den Förderern steht. Und das sind die Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre: Unter den Privatpersonen sind viele ehemalige Studierende der Goethe-Universität, diese Alumni drücken mit Beträgen zwischen 50 Euro und mehreren tausend Euro ihre Verbundenheit mit ihrer Alma Mater und der jungen Generation aus. Auch viele Hörer der Universität des 3. Lebensalters, der sogenannten U3L, beteiligen sich an der Förderung ihrer jungen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Unternehmen, insbesondere Mittelständler haben erkannt, dass das Deutschlandstipendium ein hervorragendes Mittel ist, um mit qualifiziertem Nachwuchs in Kontakt zu kommen. Große Unternehmen spenden häufig ohne konkrete Fächerbindung, im besten Sinne als „corporate citizens“. Und auch Service-Clubs wie Rotary und Zonta und ebenso etliche Stiftungen sind verlässliche Unterstützer der Studierenden.

300 Euro monatlich – das erleichtert den Studienalltag in der Metropole: „Das Leben in Frankfurt ist sehr teuer. Durch die Förderung müssen die Stipendiaten nicht so viele zeitaufwändige Nebenjobs übernehmen; es bleibt mehr Zeit für das Studium und vor allem für die Vorbereitung auf Prüfungen. Mancher kann sich dank des Stipendiums sogar ein Auslandssemester leisten“, sagte Birgitta Wolff.

Bei der Auswahl der Stipendiaten spielen nicht nur sehr gute Leistungen und gesellschaftliches Engagement eine Rolle. „Wir berücksichtigen auch Studierende, die biografische Hürden auf dem Weg zur Uni überwinden mussten, weil sie aus einer nicht-akademischen Familie kommen, Migrationshintergrund haben oder die Eltern sie nicht finanziell unterstützen können“, so Dr. Beate Firla, die für das Bewerbungs- und Auswahlverfahren sowie die anschließende Betreuung der Stipendiaten zuständig ist. In diesem Jahr haben 44 Prozent der Stipendiaten keinen akademischen Familienhintergrund, 29 Prozent stammen aus einer Migrantenfamilie, 19 Prozent sind BAföG-Empfänger. Die Mehrzahl der Geförderten – 58 Prozent – sind Frauen.

Über die finanzielle Förderung hinaus bietet die Goethe-Universität den Stipendiaten ein ideelles Förderprogramm an, für dessen Konzept sie 2013 in einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet wurde. So beteiligen sich Stipendiaten ehrenamtlich an sozialen Projekten, von denen die Bürgerschaft Frankfurts profitiert; dazu zählen zum Beispiel neue Vorschläge zur Unterbringung von Obdachlosen, die Arbeit mit akademischen Flüchtlingen oder ökologische Themen. So wurde am 24. Oktober die Stipendiatengruppe „PapierPilz Frankfurt“ mit dem Bruno H. Schubert-Preis 2016 ausgezeichnet. Die Gruppe wurde geehrt für ihr Projekt, das sich mit dem ressourcenschonenden Verbrauch und der Wiederverwertung von Papier unter den Studierenden befasst.

Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Präsidialbereich, Campus Westend, Tel. (069) 798 - 12756, E-Mail: lentes@pvw.uni-frankfurt.de

Sonstige

Nov 4 2016
09:50

Der älteste deutsche Fachbereich für Wirtschaftswissenschaften blickt zurück auf den Wandel von Traditionen, Aufgabenstellungen und Selbstverständnis im vergangenen Jahrhundert

Von Kontinuität und Brüchen: Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt hat den 100. Geburtstag der Universität im Jahr 2014 zum Anlass genommen, um auf die eigene Geschichte zurückzublicken, die sogar noch ein paar Jahre älter ist: Bereits 1901 wurde eine Handelshochschule in Frankfurt gegründet, die 1914 dann als erste deutsche Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in die neue Universität aufging. Auf seinem jährlichen „Dies Academicus“ präsentiert der Fachbereich am heutigen Freitagabend die dritte, stark erweiterte Auflage seiner Historie unter dem neuen Titel „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in Frankfurt am Main – Von der Handelshochschule zum hundertjährigen Jubiläum der Universität“, herausgegeben von Bertram Schefold. Schefold, seit 1974 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, versammelt auf 1142 Seiten per­sönliche Erinnerungen an das Charakteristische des wissenschaftlichen Lebens der beteiligten wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und verbindet sie mit Analysen der fachlichen Entwicklung.

Während sich die beiden ersten Teile des Werkes der Geschichte der Frankfurter Wirtschaftswissenschaften im 20. Jahrhundert widmen, beschreibt der vollkommen neue dritte Teil den Um- und Aufbruch in den vergangenen 15 bis 20 Jahren. Die Europäisie­rung der Wissenschaftspolitik im Rahmen der Bologna-Reform erforderte nicht nur eine komplette Neuaufstellung der Studiengänge, sondern machte auch eine Reform der Strukturen des Fachbereichs nötig. Eine Neuordnung in Abteilungen löste das alte Lehrstuhlsystem ab. Die zunehmende Internationalisierung der Disziplin hinterließ ebenso Spuren wie die Rückkehr der Goethe-Universi­tät zum Prinzip der Stiftungsuniversität im Jahr 2008. In persönlichen Erinnerungen beleuchten Mitglieder des Fachbereichs sowohl Vor- als auch Nachteile der Veränderungen und skizzieren Schwerpunkte in Forschung und Lehre der einzelnen Abteilungen.

Die älteren Teile des Bandes, der in erster Auflage 1989 erschienen war, umspannen in lebhaften Schil­derungen die Entstehungsge­schichte der Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts, die Blütezeit der Frankfurter Fakultät in der Weimarer Republik, Faschismus und Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau, die Studentenunruhen und die Hochschulreform der 1960er und 70er Jahre bis hin zu den Diskussionen über die Anpassung an angelsäch­sische Vorbilder Ende des Jahrtausends.

Das reich bebilderte, mit einer Lehrstuhlgeschichte und chronologischen Tabellen ergänzte Werk vermittelt einen Eindruck von den Veränderungen der wissenschaftlichen Aufgabenstel­lung und des Selbstverständnisses der Hochschul­lehrer in den vergangenen Jahrzehnten und beleuchtet die Kontinuitäten und Brüche von Forschungstraditionen vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeitumstände.

Bertram Schefold (Hg.): Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in Frankfurt am Main. Von der Handelshochschule zum hundertjährigen Jubiläum der Universität. 3., stark erweiterte Auflage, Metropolis-Verlag, Weimar bei Marburg, ISBN 978-3-7316-1215-5, 1142 Seiten, 79,80 EU