​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Forschung

Sep 21 2012
11:28

Aktuelle Studie eines Frankfurter Soziologen untersucht Unterrepräsentierung von Frauen in Managementpositionen

Wahl von Studienfächern und Folgen von Mutterschaft alleinige Gründe für Benachteiligung von Frauen

FRANKFURT. Der Aufstieg von Hochschulabsolventinnen in erste Managementpositionen scheitert nicht an betrieblicher Diskriminierung, sondern an der geschlechtsspezifischen Wahl von Studienfächern und den Folgen von Mutterschaft. Dies zeigt eine jüngst im angesehenen Fachblatt Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie veröffentlichte Studie. Darin wurden die Erwerbs- und Lebensverläufe in den ersten zehn Jahren nach dem Examen von 4246 Absolventinnen und Absolventen ausgewertet, die im HIS-Absolventenpanel aufwändig und deutschlandweit durch die HIS GmbH erhoben wurden. Die neuen Zahlen kratzen an der weit verbreiteten Vorstellung von einer „gläsernen Decke in den Betrieben“, der zufolge Frauen mindestens gleich gut wie Männer ausgebildet seien und erst durch betriebliche Diskriminierung an einer Karriere gehindert würden. In der ersten Karrierephase, die in der Studie untersucht wurde, ist dies nicht der Fall.

Zehn Jahre nach dem Examen erreichen 42 % der Männer eine erste Position mit Leitungsfunktion, hingegen lediglich 23 % der Frauen. Zu knapp einem Drittel kann dieses deutliche Gefälle durch die Tatsache erklärt werden, dass Frauen und Männer unterschiedliche Fächer studieren. Während Männer sehr stark in den karriereträchtigen Ingenieurswissenschaften vertreten sind, studieren Frauen weit überproportional Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie Lehramtsstudiengänge, die nur vergleichsweise geringe Karrierechancen eröffnen.

Die darüber hinaus bestehende Geschlechterungleichheit beim Erreichen erster Managementpositionen kann nahezu vollständig durch die unterschiedlichen Folgen einer Familiengründung erklärt werden. Während Elternschaft bei Frauen die Wahrscheinlichkeit, zehn Jahre nach dem Examen eine erste Managementposition inne zu haben fast halbiert, sind Kinder für Väter typischerweise nicht mit einem Karriereknick verbunden. Kinderlose Frauen hingegen erfahren keinen Nachteil aufgrund ihres Geschlechts, wie die Studie zeigt. 

Fabian Ochsenfeld, der Autor der Studie, stellt diesen Befund in den Zusammenhang zur Familienpolitik. Diese war in Westdeutschland lange Zeit konservativ geprägt und verfolgte das ausdrückliche Ziel, Frauen nach der Geburt eines Kindes möglichst lange aus dem Arbeitsmarkt fern zu halten. Anreize für eine traditionelle partnerschaftliche Aufgabenteilung in Karriere hier und Familie dort bestehen bis heute fort, etwa in Form des Ehegattensplittings oder der Familienversicherung. Infolge dieser Tradition bestehen bis heute erhebliche Ost-West-Unterschiede bei der Verfügbarkeit öffentlicher Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder und bei Ganztagsplätzen. Während 2010 in den alten Ländern nur jedes vierte Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens 7 Stunden öffentlich betreut wurde, waren es in Ostdeutschland zwei von drei.

Ochsenfelds Studie zeigt, dass Familie und Karriere für Frauen in Ostdeutschland entsprechend besser miteinander vereinbar sind. So arbeiten Hochschulabsolventinnen mit Kind in Ostdeutschland knapp 4 Stunden pro Woche mehr als westdeutsche Akademikerinnen mit Kind. Die Zahlen zeigen ferner, dass die bessere Vereinbarkeit tatsächlich mit besseren Karrierechancen für Frauen einher gehen. So fällt der Karriereknick infolge von Mutterschaft in Ostdeutschland weniger gravierend aus als in Westdeutschland.

Publikation:

Ochsenfeld, Fabian: Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64 (2012): 507-534.

Informationen:

Fabian Ochsenfeld, Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse, Goethe Universität Frankfurt, Tel.: 069/79822523, E-Mail: ochsenfeld@soz.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Sep 20 2012
16:51

Unternehmer wird für langjähriges Engagement ausgezeichnet

Ehrenbürgerwürde der Goethe-Universität für Jochen Hückmann

Dr. Jochen Hückmann, Vorsitzender des Gesellschafterrates der Merz GmbH & Co KGaA, wurde heute im Rahmen einer Feierstunde die Ehrenbürgerwürde der Goethe-Universität verliehen. Der Unternehmer engagiert sich schon seit vielen Jahren auf vielfältige Weise für Forschung an der Goethe-Universität. So rief Hückmann im Jahre 1985 anlässlich des 100. Geburtstages des Firmengründers Friedrich Merz die Merz-Stiftungsprofessur ins Leben. Mit dieser Professur wird jedes Jahr ein angesehener und verdienter Wissenschaftler aus den Bereichen Medizin oder Pharmazie zu einem Gastaufenthalt an die Goethe-Universität eingeladen. 

Darüber hinaus hat der promovierte Ökonom anlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums im Jahre 2008 zwei Doktorandenstipendien ausgelobt. Außerdem engagiert sich Hückmann ehrenamtlich in wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen. Er ist sowohl im Kuratorium der Vereinigung von Freunden und Fördern der Goethe-Universität als auch im Stiftungskuratorium der Goethe-Universität vertreten.

„Wir freuen uns, Herrn Dr. Hückmann in Anerkennung seines herausragenden Engagements für die Universität heute die Würde eines Ehrenbürgers verleihen zu dürfen. Damit zeichnen wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit aus, die nicht nur in der Goethe-Universität eine hohe Wertschätzung genießt“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl in seinem Grußwort. 

Weitere Informationen
Caroline Mattingley-Scott, Stabsstelle Fundraising, Tel: (069) 798-22471, mattingley-scott@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Sep 20 2012
14:01

Hundert Jahre Stiftungsvertrag für die Frankfurter Universität. Veranstaltung des KKF und der Goethe-Universität am 27. September

„…Wissenschaften frei von Einseitigkeiten und unabhängig von Parteien…“

 

Wann: Donnerstag, 27. September 2012, um 18:00 Uhr

Wo: Eisenhower-Saal im Poelzig-Bau der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 28. September 1912 wurde in Frankfurt der Stiftungsvertrag zur Gründung der Universität unterzeichnet. Vertragspartner waren die Stadt Frankfurt und mehrere alteingesessene und neu gegründete Stiftungen wie die Senckenberg-Stiftung oder die Georg und Franziska Speyer’sche Studienstiftung. Damit war die wichtigste Etappe in der langen, von Oberbürgermeister Adickes zielstrebig verfolgten Gründung der Frankfurter Universität erreicht. Zwei Jahre später im Oktober 1914, wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, konnte die Universität eröffnet werden. 2014 wird diese zu großem Renommee gelangte Institution, die seit 2008 wieder Stiftungsuniversität ist, ihren 100. Geburtstag mit prominenten Veranstaltungen begehen.

Die hundertjährige Wiederkehr der Unterzeichnung des Stiftungsvertrags ist bereits im Herbst 2012 ein wichtiger Anlass, die Gründungsgeschichte der Goethe-Universität durch führende Fachhistoriker vorab einmal in den Blick zu nehmen:


- Grußworte des Universitätspräsidenten Prof. Dr. Werner Müller-Esterl und des Vorsitzenden des KKF Jörg Reinwein
- Referentin Dr. Benigna von Krusenstjern, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin des, inzwischen umgewidmeten, Max-Planck-Instituts für Geschichte: Der unbekannte Beteiligte an der Universitätsgründung. Wer war der preußische Kultusminister August von Trott zu Solz?
- Referent Prof. Dr. Notker Hammerstein: Die Frankfurter Universität – eine Besonderheit?

Das Kuratorium Kulturelles Frankfurt und die Goethe-Universität laden Sie zu dieser Vortragsveranstaltung ganz herzlich ein und bitten um Ihre Anmeldung beim Kuratorium.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Claudia Müller-Proskar, Kuratorium Kulturelles Frankfurt(Polytechnische Gesellschaft), Untermainanlage 5 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069 - 789 889-80, Fax: 069 - 789 889-980, kkf@polytechnische.de, www.kulturellesfrankfurt.de
Dr. Olaf Kaltenborn, Goethe-Universität Frankfurt, Leiter Marketing und Kommunikation,  am Main, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel.: 069 - 798 23935, Fax: 069 - 798 28530 presse@pvw.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de

 

Forschung

Sep 19 2012
16:32

Der Philosoph Martin Seel erläutert in „Forschung Frankfurt“, warum das Geld eigentlich ein „ethisches Neutrum“ ist

Geld hat keine Tugend – hilft aber, großzügig zu sein

FRANKFURT. „Es sich leisten zu können, großzügig zu sein: Das wäre der ethische Sinn des Geldes, wenn es denn einen hätte“, schreibt Martin Seel, Philosophieprofessor an der Goethe-Universität, in seinem Essay für die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (FF 2/2012). Der Philosoph und Autor kennt sich mit Tugenden und auch mit Lastern aus. Der Erfolg seines Buches „111 Tugenden, 111 Laster – Eine philosophische Revue“ darf als Beweis dafür gelten. Doch Geld für sich genommen sei eben, wie Seel nüchtern konstatiert, ein „ethisches Neutrum“. Deshalb auch hat er seiner, so der Untertitel, „anthropologischen Betrachtung“ den fast schon programmatischen Titel gegeben: „Geld hat keine Tugend“.

Das eigentlich tugendneutrale Geld kann gleichwohl der Tugend selbst und ebenso dem Laster zu Diensten stehen. Die eindeutige Zuordnung geldgebundenen Handelns in Tugend oder Laster fällt dabei nicht immer leicht. Auch davon handelt der Text Martin Seels, der mit zwei Milliarden Schulden beginnt, Gier und Geiz auf fast dieselbe moralische Stufe stellt und am Ende in ein Lob der Großzügigkeit mündet.

Einer Anekdote nach begegnete der eigentlich steinreiche amerikanische Baulöwe Donald Trump einmal einem offensichtlich mittellosen Bettler. Trump – Wahlspruch: „Lunch is for losers“ – hatte sich gerade übel verspekuliert und stand mit satten zwei Milliarden in der Kreide. So gesehen war der Bettler eigentlich reicher – was diesem aber, so darf man annehmen, herzlich wenig nützte und Trump nicht übermäßig schadete. Denn auch ein Pleitier sei in unserer Gesellschaft immer noch ein Geschäftsmann, wie Seel resümiert, mit mächtigen Freunden, „die ihm wieder auf die Beine helfen – wie es im Falle Trumps denn auch geschah“.

Die Menge oder der Mangel an Geld allein sage nichts über den Charakter eines Menschen aus, und auch nicht über den Charakter der Epoche oder der Gesellschaft, in der er lebe, so Seel. Erst der individuelle oder kollektive Umgang mit Geld und anderen Schätzen mache den Grad der Tugend- oder Lasterhaftigkeit ökonomischer Verhältnisse aus. Gier und Geiz seien dafür gute Gradmesser. Die Gier – außer der nach Geld noch Habgier und auch Ruhmsucht – strebe nach Früchten des Glücks, die im Augenblick ihres Genusses verfaulten. Keines dieser Bestreben kann folglich Befriedigung finden. Die Gierigen können nicht genug kriegen; der Umschlag von Quantität in Qualität will ihnen einfach nicht gelingen.

Was auf der Ebene der Individuen gilt, kann auch auf Institutionen wie Banken zutreffen, wofür, so Seel, „die letzten Dekaden reichlich Anschauungsmaterial geboten haben“. Der Philosoph zieht ähnliche Schlüsse wie der Soziologe Sighard Neckel (siehe das Interview „Gier: Eine Emotion kommt ins Gerede“ in derselben Ausgabe von „Forschung Frankfurt“). Als Teil der „systemischen Imperative“, so formuliert es Seel, fresse hier „die Gier ihre eigenen Gewinne, um sich, wenn die Blase geplatzt ist, unter den Rettungsschirmen der internationalen Gemeinschaft für die nächste Jagd fit zu halten“.

Wenn die Gier das eine Extrem ist, könnte man den Geiz am anderen Ende der Skala verorten. Aber vielleicht schließt sich ja hier auch der Kreis wieder. Für Seel ist der Geiz „das Laster einer abartigen Vermeidung von Lastern“, folglich „ein Anti-Laster und darum eines der größten Laster“. Nicht genug damit, dass der Geizige in seiner „grotesken Maßhaltung“ für sich selbst nichts ausgibt, „weil ihm schon der Genuss seiner Besitztümer als unziemliche Völlerei erscheint“. Für ihn ist auch „Freigebigkeit bloße Verschwendung“. In den Augen des Geizigen ist der, der in Not gerät oder Schulden hat, selber schuld, „also wird er sich durch die Unterstützung dieser Versager nicht seinerseits schuldig machen“.

Der Essay Martin Seels umfasst sieben kurze Kapitel. Das letzte ist der Großzügigkeit gewidmet. Sie sei, so Seel, „ein Verhalten, das sich der Logik des Geldes und seiner Vermehrung oder auch Verschwendung entzieht“. Denn Großzügigkeit sei Freigebigkeit weit über alles Ökonomische hinaus. Wer diese Tugend besitze, sei generös nicht nur mit materiellen, sondern ebenso mit geistigen und sozialen Gaben. Martin Seel: „Großzügige Menschen müssen darum überhaupt keine begüterten Menschen sein. Sie sind nicht großzügig, weil sie reich, sondern reich, weil sie großherzig sind.“

Informationen: Prof. Martin Seel, Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel.: (069) 798-32770 , seel@em.uni-frankfurt.de, www.philosophie.uni-frankfurt.de/lehrende_index/Homepage_Seel/index.html

 „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Personalia/Preise

Sep 18 2012
11:10

Aktuelle Studie des Handelsblatt zur Qualität betriebswissenschaftlicher Forschung im deutschsprachigen Raum erschienen

Handelsblatt-Ranking BWL: Goethe-Universität auf 7. Platz

FRANKFURT. Gutes Abschneiden der Goethe-BWLer: Platz 7 belegt die Betriebswissenschaft im aktuellen Handelsblatt-Ranking. Im rein deutschen Vergleich kommt die Goethe-Universität sogar auf einen dritten Platz, hinter der TU München und der Uni Mannheim.  Angeführt wird das Handelsblatt-Ranking von der Universität St. Gallen, es folgen die Uni Wien, Uni Zürich und die Wirtschaftsuni Wien. Drei der 27 Betriebswissenschaftler der Goethe-Universität stehen zudem in der Top 100-Liste des Handelsblatt, die die stärksten BWL-Forscher der letzten Jahre erfasst.

Die Handelsblatt-Studie zieht für die Bewertung Publikationen in Fachzeitschriften heran, deren unterschiedliche Qualität berücksichtigt wird. Neben den forschungsstärksten Fakultäten und Forschern werden auch die besten Nachwuchsforscher erfasst. Weniger als die Hälfte der 25 besten BWL-Fakultäten sind laut Handelsblatt staatliche deutsche Hochschulen. 91 der 106 für das Ranking relevanten Hochschulen sind in der Bundesrepublik angesiedelt.

Weitere Informationen: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/bwl-ranking/

Forschung

Sep 18 2012
09:19

Wissenschaftler der Goethe-Universität um den Archäologen Rüdiger Krause finden erstmals Belege für massive Umweltzerstörungen in der antiken Tallandschaft des österreichischen Montafon

Menschgemachte Ökokatastrophen der Bronze- und Eisenzeit

FRANKFURT. Die scheinbar unberührte Idylle der Alpenlandschaft, der charakteristische Wechsel zwischen Weideflächen und Bergwäldern, ist offenbar auch das Ergebnis eines Jahrtausende währenden Raubbaus des Menschen an der Natur und daraus resultierender massiver Landschaftsveränderungen.

Massive Umweltzerstörungen und daraus entstehende Katastrophen für Mensch und Tier sind damit nicht nur ein Phänomen der Moderne. Forscher und 25 Studierende der Goethe-Universität unter Leitung des Archäologen Prof. Rüdiger Krause können dank wegweisender Funde im Montafon (Österreich) nun erstmals umfassend belegen, dass bereits die Menschen der Bronze- und Eisenzeit im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus ihre Heimatlandschaft durch extensiven Bergbau und weiträumige Brandrodung derartig stark veränderten, dass sie dafür am Ende einen hohen Preis zahlen mussten. Eine tödliche Folge dieser Eingriffe in die Natur: Schon in der Bronzezeit vor 3500 Jahren rutschten am Bartholomäberg ganze Hänge ab und begruben vereinzelt sogar Siedlungen unter sich:

„Wir können zweifelsfrei nachweisen, dass solche katastrophalen Ereignisse Folgen menschlichen Tuns waren“, erklärt Grabungsleiter Rüdiger Krause. „Schon die Menschen der Bronze- und Eisenzeit haben massiv in ihre natürliche Umwelt eingegriffen und diese mit den begrenzten technischen Möglichkeiten ihrer Zeit maximal ausgebeutet“, so Krause.

Die spektakulären Ergebnisse der aktuellen Grabungskampagne am Bartholomäberg wären nicht möglich gewesen ohne einen interdisziplinären Ansatz, den die Forscher um Rüdiger Krause wählten. Dank der Bodenkundlerin und Geomorphologin Dr. Astrid Röpke sowie der Botanikerin und Vegetationshistorikerin Dr. Astrid Stobbe gelang eine realistische Rekonstruktion der prähistorischen Siedlungsverhältnisse mit ihren durch den Menschen schon früh hervorgerufen Umweltveränderungen.

Alpweiden wurden zugunsten der Erzgewinnung aufgegeben. Die eisenzeitlichen Halden wurden später von den mittelalterlichen begraben und sind so konserviert. Eine wichtige neue Entdeckung für das archäologisch-naturwissenschaftliche Projekt, denn damit ist auch der prähistorische Bergbau und differenzierte Landnutzung in dieser Gebirgslandschaft belegt.

Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Raubbau an der Natur im ersten Jahrtausend vor Christus: „Im Bereich der Erzregion in Höhen zwischen 1300 bis 1450 Metern kam es in Folge des fehlenden Pflanzenbewuchses zu starken Beeinträchtigungen der Hangstabilität. Austretendes Wasser ließ die Hänge abrutschen und Muren entstehen. Das zu diesem Zeitpunkt erreichte Ausmaß an menschlicher Umweltzerstörung war so stark, dass es erst wieder rund 1500 Jahre später, im Spätmittelalter, erreicht und zum Teil noch übertroffen wurde.

Nicht nur Siedlungen wurden verschüttet, auch für das Vieh mussten neue, weniger ertragreiche Weidegründe in größerer Höhe gefunden werden. Die daraus resultierende Zweiteilung prägt seitdem das Landschaftsbild vieler Alpenregionen. Wie langfristig sich menschengemachte Veränderungen der alpinen Landschaft in die Zukunft auswirken, zeigte sich auch nach Beendigung des nicht mehr lukrativen Bergbaus im 17. Jahrhundert: Die Gefahr nachträglicher Rutschungen verhinderte noch lange Zeit die Wieder-Nutzung dieser Flächen als Weideland.

An den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Vorarlberger Illwerke unterstützten interdisziplinären Forschungen waren in diesem Sommer auch bis zu 25 Frankfurter Studenten im Rahmen eines Geoarchäologiekurses beteiligt.

Angesichts des Ausmaßes der hier sichtbar werdenden Naturzerstörung der Antike plädiert der Archäologe Rüdiger Krause für einen behutsamen Umgang mit der dortigen Landschaft: „Die charakteristische Kulturlandschaft dieser Region ist aufgrund ihrer Beschaffenheit sensibler, als dies auf den ersten Blick sichtbar wird. Es ist eine Illusion zu glauben, diese erhalte sich in ihrer heutigen Form gleichsam von selbst.“ Ganz besonders müsse auf eine moderate Bewirtschaftung und auf einen sanften Tourismus geachtet werden, so der Forscher.

Fotos der Grabungsarbeiten finden Sie hier.

Kontakt: Prof. Dr. Rüdiger Krause, Sprach- und Kulturwissenschaften, Campus Westend, Tel.: (069) 798 3 21 30, E-Mail: r.krause@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Sep 17 2012
14:54

Sekundenschnelles Handeln an der Börse kann positive wie negative Folgen haben / Automatisierte Textanalyse ermöglicht rascheren Informationsfluss

Hochfrequenzhandel differenziert betrachten

FRANKFURT. Finanzmärkte genießen seit Beginn der Krise im Jahr 2008 keinen guten Ruf. Das gilt auch für den Hochfrequenzhandel („High Frequency Trading“), bei dem automatisierte Algorithmen ohne menschlichen Eingriff große Wertpapiermengen handeln. Die Margen pro Einzeltransaktion sind dabei gering, aber Automatisierung, Schnelligkeit und Menge machen das Geschäft unter anderem lohnenswert. Während Kritiker den Hochfrequenzhandel für einige Krisenphänomene mitverantwortlich machen, plädiert Peter Gomber, Professor für e-Finance und Co-Chair des E-Finance Lab an der Goethe-Universität Frankfurt, hier für eine differenzierte Betrachtungsweise.

„Eine Bewertung von High Frequency Trading muss auf Basis der jeweiligen Einzelstrategien erfolgen“, schreibt Gomber mit zwei Koautoren in einem Beitrag für das Magazin „Forschung Frankfurt“ (2/2012). „Viele Strategien wie etwa Liquiditätsbereitstellung und das Ausnutzen von Kursunterschieden an verschiedenen Börsen leisten einen positiven Beitrag zur Marktqualität und Marktliquidität. Missbräuchliche Strategien versuchen dagegen, über das Aufspüren von Liquidität bei anderen Marktteilnehmern und/oder durch Vorspiegelung eines falschen Bildes der Angebots- und Nachfragesituation (,Quote Stuffing‘ oder ,Layering‘) den eigenen Profit zu maximieren.“

Gomber verteidigt die neuen Technologien rund um Algorithmic und High Frequency Trading als Phänomene ihrer Zeit: „Die Märkte haben sich seit ihrem Entstehen in einem kontinuierlichen Prozess fortentwickelt, der durch neue Technologien derzeit nur beschleunigt wird. Diese Technologien sind maßgeblich daran beteiligt, dass die Märkte im heutigen fragmentierten und hochtechnologisierten Umfeld ihre traditionelle Funktion weiterhin erfüllen können: die effiziente Zusammenführung von Angebot und Nachfrage zu möglichst geringen Transaktionskosten.“

In dem Beitrag für „Forschung Frankfurt“ geht das Autorenteam um Peter Gomber auf ein weiteres, von der EU gefördertes Forschungsprojekt (Projektname: FIRST) der Professur ein, das im Kontext des „Text Minings“ steht. Dabei geht es um computergestützte Analyseverfahren zur automatisierten Erkennung entscheidungsrelevanter Inhalte aus Quellen wie zum Beispiel Nachrichten oder  Unternehmensmeldungen. Anhaltspunkte sind dabei etwa (positive oder negative) Einschätzungen oder Stimmungen, die mit statistischen Methoden maschinell verarbeitet und eingeordnet werden. „Auf diese Weise wird die Dauer der Interpretation von Informationen im Vergleich zur menschlichen Informationsverarbeitung drastisch verkürzt. Dies verschafft Nutzern dieser Techniken potenzielle Profitmöglichkeiten, gewährleistet aber gleichzeitig auch eine hohe Informationseffizienz der Märkte und damit faire Marktpreise“, heißt es in dem Beitrag. Eine ergänzende Analyse unstrukturierter Datenquellen wie zum Beispiel Blogs oder Tweets lässt auch weitere Anwendungen für diese Technologie denkbar erscheinen, wie etwa das Aufdecken und die Prävention von Marktmissbrauch oder die Unterstützung der Risikoanalyse.

Informationen: Prof. Dr. Peter Gomber, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel.: (069) 798 34683, E-Mail: gomber@wiwi.uni-frankfurt.de 

Die aktuelle Ausgabe „Forschung Frankfurt“ beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema „Geld“.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Forschung

Sep 14 2012
15:05

In Forschung Frankfurt diskutieren Otmar Issing und Bertram Schefold über die Notwendigkeit einer weiteren europäischen Integration

„Dann ist die europäische Idee in Deutschland tot“

FRANKFURT. Braucht Europa eine Fiskalunion, um den Euro angesichts der fortschreitenden Finanz- und Staatsschuldenkrise zu retten? Über diese Frage diskutieren der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Prof. Dr. Otmar Issing, und der Frankfurter Wirtschaftstheoretiker Prof. Dr. Bertram Schefold in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“. Issing war 1998 maßgeblich an der geldpolitischen Strategie der EZB beteiligt. Derzeit leitet er eine Expertengruppe, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der internationalen Finanzmärkte erarbeiten soll. Das soeben erschienene Heft des Wissenschaftsmagazins (FF 2/2012) widmet sich ausschließlich dem Thema „Geld“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Issing, der auch Präsident des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität ist, spricht sich darin eindringlich gegen Zugeständnisse Deutschlands aus, etwa in Form höherer Lohnabschlüsse, um die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas schneller anzugleichen: „Man kann von den Deutschen nicht verlangen, dass sie allem zustimmen, nur damit der Laden zusammenbleibt. Das würde die Idee Europas in Deutschland erheblich beschädigen. Wenn beim deutschen Wähler nur übrig bleibt: Europa bedeutet, wir müssen mehr zahlen, dann ist die europäische Idee in Deutschland tot.“

Auch Schefold warnt vor „unkonventionellen“ Lösungen: „Deutschland ist wie alle Länder der Währungsunion in der Verantwortung, und als reichstes Land auch in besonderem Maße. Das bedeutet aber nicht, dass man sich ökonomisch versündigen sollte.“

Während sich Issing skeptisch zu einer gemeinsamen europäischen Fiskalpolitik äußert, unterstreicht Schefold die ökonomische und politische Notwendigkeit einer verstärkten politischen Integration: „Niemand hat gedacht, dass eine Währungsunion für sich allein lange Bestand haben könnte. Auch in der Vergangenheit waren Währungsunionen immer vorübergehende Kreationen.“ Schefold bezeichnet es dabei als großes Problem, dass die Eurozone nur ein Ausschnitt der Europäischen Union ohne eigene Verwaltung ist: „Solange es in Euroland keine Institutionen gibt und nur die einzelnen Länder handeln, ist es demokratisch nicht als Ganzes legitimiert und nur Improvisation. Entsprechend erweckt der Umgang mit der Krise auch nicht den Eindruck eines planvoll koordinierten Vorgehens.“

Issing, der der Goethe-Universität auch als Vorsitzender des Kuratoriums des House of Finance verbunden ist, betont die Bedeutung der Finanzmärkte bei der Lösung der Krise. Unterschiedliche Zinssätze für die Mitglieder der Währungsunion seien als Kontrollmechanismen für die jeweilige Haushaltspolitik wesentlich: „Ohne Kontrolle durch die Finanzmärkte wird es nicht gehen.“ Kritik an dem Druck, den die Märkte durch hohe Zinsen auf die Schuldnerländer erzeugen, weist Issing zurück: „Da wird maßlos übertrieben. Vor Einführung des Euro hatten diese Länder doch ähnlich hohe Zinssätze.“ Ein Land mit einer Staatsschuldenquote von mehr als 120 Prozent könne nicht erwarten, dass es von den Finanzmärkten genauso behandelt wird wie ein Land, das fiskalisch und wirtschaftlich besser aufgestellt ist.

In einem weiteren Einzelbeitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ geht Otmar Issing ausführlich auf die Ursachen der Staatsschuldenkrise ein. Er betont darin, dass die Europäische Union heute keineswegs weniger Probleme hätte, wenn sie über keine gemeinschaftliche Währung verfügte: „Ohne den Euro wäre aus der Interaktion zwischen Finanzkrise und exorbitanten Spannungen am Devisenmarkt ein explosives Gemisch entstanden, in dem der einheitliche Binnenmarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Strecke geblieben wäre.“

Bertram Schefold ist ebenfalls mit einem eigenen Beitrag in „Forschung Frankfurt“ vertreten. Darin untersucht er das ökonomische Werk von Johann Wolfgang von Goethe. Goethe beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit ökonomischen Theorien. In seinem dichterischen Werk entwarf er wirtschaftliche Visionen, die bis in das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert reichen. „Seine positive Vision des Kapitalismus ist von einer Sittlichkeit durchdrungen, die extreme Formen des Erwerbsstrebens und der Ausbeutung hemmt. Dagegen steht Goethes Schreckensbild eines uns modern erscheinenden Kapitalismus, wie es im ‚Faust‘ beschworen wird“, konstatiert Schefold.

Informationen: Muriel Büsser, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, House of Finance, Campus Westend, Tel: (069) 798 34006, E-Mail: buesser@hof.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe „Forschung Frankfurt“ beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema „Geld“.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Forschung

Sep 13 2012
15:25

In der neuesten Ausgabe von Forschung Frankfurt zum Thema Geld kommen prominente Deuter der Krise zu Wort

Finanzkrise besser verstehen

FRANKFURT. Kaum eine Errungenschaft ist universeller und beeinflusst den Alltag eines jeden Menschen nachhaltiger als Geld. Die soeben erschienene Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt (2/2012) widmet sich der aktuellen Euro-Krise, aber auch verschiedenen Themen rund ums Geld. Dabei kommen nicht nur prominente Finanzwissenschaftler und Regulierungsexperten der Goethe-Universität zu Wort, sondern auch Gesellschafts-, Sozialwissenschaftler und Philosophen.

Die Medien berichten seit Jahren geradezu sturzbachartig über die Finanzkrise, gleichzeitig nimmt das Interesse des Publikums an solchen Hiobsbotschaften dramatisch ab. Gleichzeitig wachsen die Ängste der Bürger – wie aktuelle Umfragen zeigen. Ökonomen der Goethe-Universität wie z.B. der langjährige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Prof. Otmar Issing, vermitteln die komplexen Zusammenhänge, die sich hinter dieser Krise verbergen: „Diagnosen aus verschiedenen Perspektiven, durch die auch die Unterschiede zwischen den Positionen deutlich werden, sind gefragt und fordern die Dialogkultur der Wissenschaftsdisziplinen heraus, fördern sie aber auch“, so der Vize-Präsident der Goethe-Universität und Ökonom Prof. Rainer Klump im Editorial von Forschung Frankfurt.

Diese längst überfällige Dialogkultur in der Finanzkrise unterstützt die Goethe-Universität im kommenden Wintersemester beispielsweise mit der Vortragsreihe der Bürgeruniversität „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte?“

Gesellschafts- und Sozialwissenschaftler kommen in dem aktuellen Heft ebenso ausführlich zu Wort. Ihre Stimme war in der Krise bisher kaum zu hören. Nun melden sie sich um so vernehmlicher zu Wort wie zum Beispiel der Frankfurter Soziologe Prof. Sighard Neckel mit einer Analyse der Gier. Die Geisteswissenschaftler sind vor allem skeptisch, was das jahrzehntelang gültige Dogma des Neoliberalismus angeht. Aus ihrer Sicht stoße die Finanzwirtschaft heute an ihre Grenzen. Vor diesem Hintergrund möchten die Geisteswissenschaftler diese Deutungshoheit nicht mehr akzeptieren und fordern, ihre Sichtweisen in eine angemessene Gesamtbetrachtung der Krise mit einzubeziehen. Und wie betrachten Philosphen das Geld? Das eigentlich tugendneutrale Geld kann der Tugend selbst und ebenso dem Laster zu Diensten stehen. Die eindeutige Zuordnung geldgebundenen Handelns in Tugend oder Laster fällt dabei nicht immer leicht.

Forschung Frankfurt widmet sich aber auch dem Phänomen „Geld“ jenseits des aktuellen Krisenmodus´: Geld ist nicht nur ein schlichtes Tauschmittel oder Medium. Hinter dem System „Geld“ verbergen sich Zeichen und Regeln, die die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen. Das, was Menschen leisten und hervorbringen, fasst Geld in Zahlen, macht es tauschbar und messbar.

Geld existiert nicht erst, seit die ersten Münzen geprägt wurden: Bereits aus dem 3. bis 1. Jahrtausend v. Chr. sind komplexe Wirtschaftssysteme aus Ägypten und dem Vorderen Orient bekannt. Rinder, Kessel, Bratspieße und Dreifüße dienen schon in der griechischen Frühgeschichte als Zahlungsmittel. Im Reich der Lyder unter König Kroisos um 600 v. Chr. tauchen dann zum ersten Mal Münzen auf. Vor 2000 Jahren tritt der römische Denar den Siegeszug in Europa an – der Euro des Altertums, allerdings bestimmen allein die römischen Herrscher die Geldpolitik. Archäologen und Numismatiker der Goethe-Universität beleuchten den neusten Stand der Forschung.

Unterschiedliche aktuelle und historische Perspektiven auf das Geldsystem werfen Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Philosophen, Historiker, Ethnologen und Literaturwissenschaftler in der neuesten Ausgabe des 128 Seiten umfassenden Wissensmagazins. Diese verschiedenen Blickwinkel lassen erkennen, wie der Substanzwert des Gelds immer stärker dem Funktionswert weicht: Erst zahlten die Menschen mit Gebrauchsgegenständen, später mit seltenen Metallen, dann mit Scheinen – und heute zirkuliert das Geld virtuell nahezu in Lichtgeschwindigkeit um die Welt. Aber auch Tauschringe gibt es nicht nur in abgelegenen Regionen der Erde wie Papua-Neuguinea; Tauschsysteme feiern in Finanzkrisen ein Comeback.

„Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr.“ So steht es in Goethes Faust. Wie ist es um den Umgang Einzelner mit Geld bestellt? Sozialpsychologen beschäftigen sich beispielsweise mit der Frage, warum die Finanzen so häufig zu Konflikten in Paarbeziehungen führen. Was Goethe und Geld mit einander zu tun haben, zeigen die Frankfurter Wissenschaftler ebenfalls: Goethe führte nicht nur akribisch seine Haushaltsbücher, er interessierte sich als Finanzminister und Schriftsteller auch für Fragen der Nationalökonomie – was nicht zuletzt in der Papiergeldszene des “Faust“ seinen Niederschlag fand. Literaturwissenschaftler eröffnen noch einen ganz anderen Blick auf das Geld, ob es um den ersten deutschsprachigen Wirtschaftsroman geht – übrigens ein Bestseller im 16. Jahrhundert – um Wagners „Ring des Nibelungen“ oder um die reichste Ente der Welt, Dagobert Duck.

Informationen: Dr. Anne Hardy, Ulrike Jaspers, Referentinnen für Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 – 23266, hardy@pvw.uni-frankfurt.de; jaspers@pvw.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe „Forschung Frankfurt“ beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema „Geld“.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

 Mehr Informationen zur Bürgeruniversität: „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte?“, www.buerger.uni-frankfurt.de/34831468/buergeruni

Personalia/Preise

Sep 12 2012
14:22

Höchstdotierte Forschungsförderung der EU für drei Lebenswissenschaftler

Nachwuchsforscher der Goethe-Uni erfolgreich

FRANKFURT. Gleich drei Wissenschaftler der Goethe-Universität waren bei der Einwerbung des begehrten „Starting Independant Researcher Grant“ des European Research Council (ERC) erfolgreich: Der Chemiker und Mikrobiologe Prof. Helge Bode, der Kardiologe Dr. Michael Potente und der Biochemiker Dr. Martin Vabulas. Die Höhe der Fördermittel beträgt insgesamt knapp 4,62 Millionen Euro. Mit dem 2007 erstmals ausgeschriebenen Programm will die Europäische Union europaweit kreative Wissenschaftler und zukunftsweisende Projekte fördern. Alleiniges Auswahlkriterium ist dabei die wissenschaftliche Exzellenz des Forschungsvorhabens. „In der Vergangenheit haben wir bereits sechs Starting Grants und drei Advanced Grants einwerben können. Der erneute Erfolg beweist, dass unsere Nachwuchsforscher auf internationalem Niveau arbeiten und sich gegen die geballte europäische Konkurrenz durchsetzen konnten“, betont Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl und gratulierte den ausgezeichneten Kollegen.

Prof. Helge Bode erforscht die Stoffwechselprodukte von Bakterien, die auch als pharmazeutische Leitstrukturen dienen können und z.B. antibiotische Aktivität aufweisen. Trotz ihrer großen Bedeutung weiß man bisher zu wenig über die natürliche Funktion dieser Metabolite in den bakteriellen Produzenten und die regulatorischen Netzwerke, die ihrer Produktion zugrunde liegen. „Zurzeit können wir typische Bodenbakterien nur schwer in ihrer natürlichen Umgebung untersuchen, weil wir zu wenig über ihre Wechselwirkung mit anderen Mikroorganismen wissen“, erklärt Bode. Deshalb erforscht er Bakterienarten, die in Symbiose mit Fadenwürmern leben und zusammen mit diesen Insektenlarven infizieren und töten. Die Forscher wollen in diesem einfachen Ökosystem die Funktion der dabei eine wichtige Rolle spielenden Metabolite erforschen und auch Methoden entwickeln, diese in großer Ausbeute von den Bakterien herstellen zu lassen. Fördersumme: 1,75 Millionen Euro.

Der Kardiologe Dr. Michael Potente untersucht das Wachstum von Blutgefäßen (Angiogenese). Die Angiogenese ist nicht nur aus entwicklungsbiologischer Sicht interessant, sondern auch medizinisch von allerhöchster Bedeutung. So trägt zum Beispiel eine unzureichende Gefäßneubildung entscheidend zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei, die durch eine Sauerstoffunterversorgung gekennzeichnet sind. Eine exzessiv gesteigerte Blutgefäßbildung ist hingegen zentrales Merkmal zahlreicher Tumorerkrankungen. Handelsübliche Therapeutika können dieses abnormale Gefäßwachstumsverhalten nur begrenzt kontrollieren. Um wirkungsvoller eingreifen zu können, setzt Potente bei den Endothelzellen an, die das Innere von Blutgefäßen auskleiden. Dabei will er mit seiner Arbeitsgruppe die Bedeutung des endothelialen Stoffwechsels (Metabolismus) für die Angiogenese untersuchen.

Wird das Gefäßwachstum durch bestimmte Faktoren angeregt, so sprossen und teilen sich die zuvor  ruhenden Endothelzellen rasant, um neue Gefäßausläufer zu formen. Weil dieses „angiogene“ Verhalten eine Erhöhung ihrer Stoffwechselleistung erfordert, wird Potente untersuchen, welche Faktoren Wachstum und Stoffwechsel von Endothelzellen aneinander anpassen. Er wird sich dabei auf Mechanismen der Genregulation konzentrieren, die Wachstum und Metabolismus von Endothelzellen koordinieren. Potente und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Feinabstimmung dieser Prozesse essentiell für eine normale Bildung und Funktion von Blutgefäßen ist. Von den Erkenntnissen dieser grundlagenorientierten Forschung erhofft sich der Mediziner, neue Strategien zur Behandlung von Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen ableiten zu können. Fördersumme: 1,5 Millionen Euro.

Dr. Martin Vabulas erforscht, welchen Zusammenhang es zwischen der Stabilität von zellulären Proteinen, der Entwicklung verschiedener Krankheiten und dem Alterungsprozess gibt. Mithilfe des ERC Grants kann er seine Untersuchungen nun auch auf Krebs ausweiten, speziell auf die Metastasierung von Krebszellen. Die meisten Tumorpatienten sterben durch die Metastasen, man weiß aber immer noch wenig über die molekularen Mechanismen dieser letzten Krebsphase. Technologische und wissenschaftliche Fortschritte in der Genom-Sequenzierung haben in den letzten drei bis vier Jahren bestätigt, dass vielfältige Mutationen die Anpassungsfähigkeit der Krebszellen erhöhen und damit ihre Ausbreitung im Gewebe begünstigen können. Die Mutationen machen aber ausgerechnet auch die Proteine instabil, welche die Krebszellen für die Metastasierung benötigten. „An dieser Stelle sind die Krebszellen angreifbar“, so Vabulas. Sein Ansatz besteht darin, eine bestimmte Gruppe von Chaperon-Proteinen, die HSP70 Familie, zu untersuchen. Chaperone stabilisieren Proteine, was ihre besonders hohe Aktivität während der Tumorentwicklung erklären könnte. Ziel ist es, diese Mechanismen besser zu verstehen und auf der molekularen Ebene wirksame Mittel zu finden, dort einzugreifen. Fördersumme: 1,37 Millionen Euro.

Bildmaterial als Download finden Sie hier.

Informationen:

Merck-Stiftungsprof. Helge Bode, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557; H.Bode@bio.uni-frankfurt.de

Dr. Michael Potente, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration, Universitätsklinik, Tel.: (069) 6301-83985, potente@em.uni-frankfurt.de

Dr. Martin Vabulas, Buchmann Institute for Molecular Life Sciences, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42568; vabulas@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Sep 12 2012
09:34

Fachtagung mit 150 Experten aus Wissenschaft und Praxis – Anlass: 20 Jahre Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität

Etwas tun gegen den Mangel an Fachkräften

FRANKFURT. In Hessen fehlen schon heute 2.000 Fachkräfte in der Altenpflege. Wenn die Rahmenbedingungen gleich bleiben, wird sich bedingt durch die Zunahme älterer und pflegebedürftiger Menschen bis 2020 ein zusätzlicher Bedarf von 1.800 Altenpflegefachkräften ergeben. Fachkräftemangel zeigt sich längst auch in anderen Branchen wie der Logistik, aber auch bei Ingenieuren oder IT-Fachleuten. Immer schwerer sei es auch, offene Lehrstellen in bestimmten Berufen zu besetzen. „Die Situation wird sich in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels weiter zuspitzen. Jetzt sind Konzepte gefragt, bei denen die unterschiedlichen Akteure zusammenarbeiten“, so Prof. Dr. Robert Pütz, Direktor des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität. Zum 20-jährigen Bestehen des Instituts veranstalten die Wissenschaftler daher keine große Feier; vielmehr laden sie zu einer Fachtagung ein: 150 Experten aus Praxis und Wissenschaft diskutieren am 20. September (Donnerstag) gemeinsam über Strategien, wie auch in Zukunft gesichert werden kann, dass genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Für Gesprächsstoff ist gesorgt. Denn einen Tag zuvor wird Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Ergebnisse der im vergangenen Jahr eingerichteten Fachkräftekommission Hessen bekannt geben. In dieser Kommission brachten auch die Experten des IWAK ihr Knowhow ein. „Wir wollen dann gleich über Umsetzungsmöglichkeiten diskutieren – über sogenannte integrierte Fachkräftesicherungsstrategien nachdenken“, sagt die Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) Dr. Christa Larsen.

Die gezielte Entwicklung solcher integrierten Konzepte steht noch am Anfang. Die Fachtagung will die unterschiedlichen Fäden der aktuellen Diskussion aufnehmen und Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, dem Bildungsbereich und der Arbeitsvermittlung mit den Möglichkeiten gezielter Strategien zur Rekrutierung von Fachkräften vertraut machen. Dabei ist auch einmal wieder die besondere Expertise des IWAK gefragt.

So zeigt eine Auswertung des IAB-Betriebspanels für Hessen zum Beispiel, dass die meisten Betriebe in Hessen schon verschiedene Strategien zur Fachkräftesicherung kennen, davon bisher aber nur sehr wenige anwenden [http://www.iwak-frankfurt.de/documents/IAB-Panel_Hessen_2011_01_Fachkraefte.pdf]. Das IWAK begleitet auch die Entwicklung von Fachkräftesicherungsstrategien in allen 18 Gesundheitsfachberufen in Rheinland-Pfalz wissenschaftlich [http://www.iwak-frankfurt.de/documents/BadP_Gutachten.pdf].

Bei einem Markt der Möglichkeiten sollen auf der Fachtagung einzelne Lösungswege vorgestellt und mit den Experten aus dem Bereichen Arbeitsmarkt, Qualifizierung und Unternehmen, die aus der Wissenschaft oder der Praxis kommen, erörtert werden. „Von besonderem Interesse ist dabei herauszufinden, wie einzelne Lösungswege, die sich bereits in bestimmten Branchen, Berufen oder Regionen bewährt haben, auf andere Bereiche übertragen werden können“, so Prof. Alfons Schmid, stellvertretender Direktor des IWAK.

Die Fachtagung wird vom Hessischen Wirtschaftsminister Florian Rentsch eröffnet, der die Perspektiven der Fachkräftesicherung für Hessen aufzeigt. Jacqueline Kraege, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz, spricht über die Praxis der Fachkräftesicherung in den Gesundheitsfachberufen in Rheinland-Pfalz. Bertram Hörauf, Leiter der Abteilung Arbeit im Hessischen Sozialministerium, fokussiert in seinem Beitrag auf die Potenziale, die die Förderung von Benachteiligten für die Fachkräftesicherung bietet.

Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) ist ein wissenschaftliches Zentrum der Goethe-Universität. Es betreibt praxisorientierte Forschung und Beratung in den Bereichen regionale Arbeitsmärkte und Qualifizierung und sorgt so für mehr Transparenz und Vernetzung in diesen Feldern. Dabei untersuchen die Wissenschaftler des Instituts nicht nur regionale und lokale Arbeitsmärkte in Hessen und Rheinland-Pfalz; sie arbeiten auch deutschlandweit und in verschiedenen europäischen Regionen. Das Frankfurter Institut bringt sich mit seiner Expertise seit 2010 auch verstärkt in europäischen Organisationen ein. Als Sprecher der 400 Mitglieder des European Network on Regional Labour Market Monitoring steht es im Austausch mit der europäischen Kommission und dem europäischen Gewerkschaftsbund über die Anforderungen an die Entwicklung neuer und veränderter Qualifikationen heute und in Zukunft.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798- 22152. Mail: C.Larsen@em.uni-frankfurt.de . Das Tagungsprogramm im Internet: [www.iwak-frankfurt.de/documents/IWAK_Jubilaeumsveranstaltung.pdf

Möglichkeit zu Interviews während der Tagung (20. September) zwischen 13.30 und 14.00 Uhr im Raum 1.811, Casino-Gebäude, Campus Westend. Zur Verfügung stehen Prof. Dr. Robert Pütz – Direktor,  Prof. Dr. Alfons Schmid  – stellvertretender Direktor, Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink – Vorstandsmitglied und Dr. Christa Larsen – Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK).

Veranstaltungen

Sep 10 2012
16:55

Gemeinsame Veranstaltung des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und des House of Finance: „Systemic Risk: Economists Meet Neuroscientists", 17./ 18. September, Goethe-Universität

Interdisziplinäre Konferenz zu systemischen Risiken

FRANKFURT. Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und das House of Finance, beide an der Goethe-Universität Frankfurt, bündeln zur Erforschung systemischer Risiken ihre Kräfte. Die Wissenschaftler beider Institutionen stehen vor der Herausforderung, systemische Risiken, die moderne Gesellschaften in verschiedenen wichtigen Lebensbereichen substantiell bedrohen, besser zu verstehen und aktiver zu steuern. Ziel der naturwissenschaftlich-ökonomischen Zusammenarbeit ist es, die jeweiligen Kompetenzen beider Institutionen zu nutzen, um die bislang nur ungenügend verstandenen Risiko-Phänomene im Rahmen eines interdisziplinären Projekts zu untersuchen, das Wirtschaftswissenschaftler, Neurowissenschaftler und Physiker zusammenführt. Wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts ist Prof. Ester Faia, Ph.D.

Zum Auftakt ihrer Zusammenarbeit veranstalten beide Institutionen eine Konferenz unter internationaler Beteiligung zum Thema "Systemic Risk: Economists Meet Neuroscientists" am 17. und 18. September 2012 in Frankfurt. Schwerpunkte der Konferenz sind verhaltenswissenschaftliche Zugänge zum Thema Risiko sowie Risiken in Netzwerkmodellen inklusive Risikomessung. Ein ausführliches Programm der Konferenz können Sie hier herunterladen:

www.hof.uni-frankfurt.de/images/Conference_Agenda_Systemic_Risk.pdf  

Termine und Veranstaltungsorte:

  • Montag, 17. September 2012: Frankfurt Institute for Advanced Studies, Goethe-Universität, Ruth-Moufang-Str. 1, 60438 Frankfurt am Main
  • Dienstag, 18. September 2012: House of Finance, Goethe-Universität, Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main

Organisationskommittee:

  • Ester Faia (HoF), Michael Haliassos (HoF), Jan-Pieter Krahnen (HoF), Volker Lindenstruth (FIAS), Wolf Singer (FIAS), Jochen Triesch (FIAS), Uwe Walz (HoF).

Pressevertreter sind herzlich eingeladen an der Konferenz teilzunehmen. Bitte melden Sie sich bis zum 14. September 2012 per E-Mail bei Muriel Büsser, buesser@hof.uni-frankfurt.de, an. Bitte geben Sie an, an welchem/n Tag/en Sie teilnehmen möchten.

Veranstaltungen

Sep 10 2012
16:53

Vortrag von Vishva Dixit an der Goethe-Universität

Amerikanischer Krebsforscher aus Industrielabor zu Gast

FRANKFURT. Der renommierte Onkologe Vishva Dixit von der US-amerikanischen Firma Genentech besucht die Goethe-Universität im Rahmen der Vortragsreihe „Perspectives in Oncology“. In seinem Vortrag geht er auf die Rolle des körpereigenen Markierungsproteins Ubiquitin bei der Entstehung von Krebs ein. Das Molekül besitzt vielfältige Funktionen in der Zelle, insbesondere markiert es nicht mehr benötigte Proteine für den Abbau und ist an der Übermittlung von Signalen innerhalb der Zelle beteiligt. Durch Fehlfunktionen des Ubiquitinsystems können Krankheiten wie Krebs entstehen.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, 13. September, 18.15 Uhr, im Klinikum der Goethe-Universität, Hörsaal-Gebäude 22

Als Arzt und Wissenschaftler geht der in Indien geborene Vishva Dixit seit über 30 Jahren den Ursachen und Auswirkungen verschiedener Krankheiten auf den Grund. Seine beiden Eltern praktizierten als Ärzte in Kenia, Dixit studierte an der Universität Nairobi. In seiner Zeit als Postdoktorand an der Washington School of Medicine widmete er sich verstärkt der Erforschung von zellulären Signalwegen und ihrer Regulierung im gesunden und kranken Körper. Ende der 1990er Jahre, als er die akademische Karriereleiter bereits bis zur Professur an der University of Michigan erklommen hatte, wechselte er in die Industrie — als Leiter der molekularen Onkologie bei Genentech in San Francisco. Seitdem setzt er dort seine langjährige Laborerfahrung erfolgreich in die Entwicklung von Therapeutika um. Seit kurzem betreibt er in der neugegründeten Abteilung für physiologische Chemie des Unternehmens wieder mehr Grundlagenforschung, um den molekularen Ursachen von Krebs auf den Grund zu gehen.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel: (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de.

Forschung

Sep 6 2012
16:11

Erste Atmosphärenmessungen mit neuem Forschungsflugzeug

HALO erkundet Region über den Wolken

FRANKFURT. Über den Wolken, dort, wo Flugreisende eine fantastische Fernsicht genießen, ist eine für das Klimageschehen besonders wichtige Region der Atmosphäre: die Tropopause. Darunter liegt die Troposphäre, die das Wetter bestimmt, und darüber die Stratosphäre mit ihrer schützenden Ozonschicht. Der Luftaustausch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Regionen hat einen großen Einfluss auf die Wärmebilanz und die Bodentemperaturen der Erde. Erste Atmosphärenmessungen des Forschungsflugzeugs HALO, die von der Goethe-Universität koordiniert werden, widmen sich der Untersuchung dieser Region.

Bisher waren Messungen in der Tropopause schwierig, weil sich die Lage dieser Grenzschicht vom Äquator bis zu den Polen in der Höhe ändert. Mit HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) konnten Atmosphärenforscher nun erstmals mit einem einzigen Flug Messungen von den mittleren Breiten bis in die Subtropen ausführen. Das Flugzeug erreicht eine Gipfelhöhe von über 15 Kilometern und kann eine vergleichsweise große Nutzlast wissenschaftlicher Instrumente von circa zwei Tonnen tragen. Kurz nach der Übergabe von HALO am 20. August durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung begann die von der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Messkampagne TACTS (Transport and Composition in the Upper Troposphere/Lowermost Stratosphere). Bislang konnten vier erfolgreiche Messflüge im Tropopausenbereich durchgeführt werden.

Was die Wissenschaftler interessiert, ist der Austausch von Luft zwischen der feuchten Troposphäre und der trockenen und ozonreichen Stratosphäre, denn er beeinflusst die chemische Zusammensetzung in der Tropopause. „Die starken chemischen Unterschiede, gepaart mit einer Änderung des Temperaturverlaufs, führen dazu, dass Änderungen in der Tropopause einen großen Einfluss auf die Strahlung in der Atmosphäre haben“, so Prof. Andreas Engel, der mit Dr. Harald Bönisch vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe Universität die TACTS-Mission koordiniert.

Die Wissenschaftler haben eine Messausrüstung zusammengestellt, die es erlaubt, die wichtigsten atmosphärischen Gase in der Tropopause zu messen. Darunter ist auch ein neues Messgerät, das in der Arbeitsgruppe von Engel entwickelt wurde. Es liefert hochpräzise Daten von Spurengasen (Tracern), die sich zur Rekonstruktion von Transportprozessen und –zeiten eignen. „So erhalten wir einen wichtigen Puzzlestein, der es uns erlaubt, die komplexen atmosphärischen Prozesse zu verstehen“, erläutert Bönisch.

Die ersten Ergebnisse lassen vermuten, dass der Luftaustausch zwischen der oberen tropischen Troposphäre und dem untersten Teil der Stratosphäre während der Sommermonate besonders effektiv ist. In dieser Zeit sind  die starken subtropischen Strahlströme relativ schwach ausgeprägt und stören deshalb, so die Vermutung der Wissenschaftler, den Luftaustausch wesentlich weniger als in anderen Jahreszeiten. Genauere Erkenntnisse über die Prozesse soll ein Vergleich der Messungen mit Modellrechnungen und meteorologischen Daten ergeben. Dadurch soll letztendlich eine präzisere Darstellung der wichtigen Tropopausenregion in Klimamodellen erreicht werden, um zukünftige Klimaänderungen besser vorhersagen zu können.

HALO ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft, des Freistaates Bayern, des Forschungszentrums Jülich (FZJ), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und betrieben durch das DLR.An der TACTS Mission unter Federführung der Goethe Universitätsind mehrere deutsche Universitäten beteiligt (die Universitäten in Wuppertal, Heidelberg und Mainz), sowie das FZJ, das KIT, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und das DLR.

Informationen: Prof. Andreas Engel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40259; an.engel@iau.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Sep 5 2012
14:37

Nachwuchswissenschaftler können im Rahmen des Programms GO-IN ihr Profil als Forscher stärken

Internationales Post-Doc-Programm der Goethe-Universität geht an den Start

FRANKFURT. Das GO-IN-Programm ist ein neues internationales Postdoc-Fellowship-Programm an der Goethe Universität, das talentierten Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt ermöglichen soll, an der Goethe-Universität ihre eigenständigen Forschungsprojekte umzusetzen.

Das Programm wird bis 2017 voraussichtlich jährlich ausgeschrieben. Die ersten Fellows starten April 2013 und werden an einem von sieben herausragenden Forschungsschwerpunkten der Goethe Universität wie beispielsweise den Exzellenzclustern Normative Ordnungen oder Makromolekulare Komplexe angesiedelt. Die Fellows erhalten neben der Möglichkeit, ein eigenständiges Forschungsprojekt über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren umzusetzen, Unterstützung durch ein umfassendes Mentoring-Programm.

Mit seinem Fokus auf Internationalität und Karriereentwicklung ist das Programm ein wichtiger Bestandteil der Strategie zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Goethe-Universität

GO-IN ist ein aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission mitfinanziertes COFUND-Projekt (Co-Funding of Regional, National and International Programmes), für das 1,4 Millionen Euro eingeworben werden konnten. Die Goethe Universität ist damit eine von nur vier Universitäten in Deutschland, die ein Vorhaben in diesem Förderprogramm einwerben könnten.

Weitere Informationen:

Tanja Hagedorn, Koordinatorin Goethe International Postdoc Programme (GO-IN), Tel. (069)-798-22130, goin@uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/research/go-in

Veranstaltungen

Sep 4 2012
13:41

Innovationsforum an der Goethe-Universität: Top-Manager diskutieren mit Wirtschaft und Studierenden über kreativen Unternehmergeist

Rohstoff in den Köpfen

FRANKFURT. Ein Abend mit vielen Geistesblitzen und Inspirationen: Das 1. Innovationsforum von Goethe-Universität und Handelsblatt auf dem Campus Westend übertraf mit 700 Vertretern aus Wirtschaft und Hochschule alle Erwartungen. Ein hochkarätig besetztes Podium von Vorstandsvorsitzenden diskutierte über die Bedeutung von neuen Ideen für beruflichen und ökonomischen Erfolg. „Für die Goethe-Universität gehören Patentieren und Publizieren ganz eng zusammen“, betonte Uni-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz in seiner Begrüßung. Die Makroökonomin Prof. Nicola Fuchs-Schündeln stellte in ihrem Eingangsstatement die Bedeutung von gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern für wirtschaftlich prosperierende Unternehmen und Regionen heraus: „Der Kampf um die besten Köpfe wird immer wichtiger.“

In einem Live-Talk sprach danach Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt, auf ebenso erhellende wie unterhaltsame Weise mit vier Vorstandsvorsitzenden bedeutender deutscher Unternehmen. René Obermann, Deutsche Telekom AG, Prof. Dr. Martin Winterkorn, Volkswagen AG, Dr. Marijn Dekkers, Bayer AG, und Roland Boekhourt, ING-DiBa AG, gewährten erstaunliche Einblicke in ihre Bildungsbiographien und formulierten gemeinsam mit dem Publikum Voraussetzungen für ein innovationsfreundliches Klima in Studium und Beruf. „Der Erfolg eines Unternehmens wie VW beruht vor allem auf den Ideen und dem Erfindungsreichtum seiner Mitarbeiter“, betonte Martin Winterkorn. „Wir prämieren im Rahmen eines Ideenmanagements kreative Vorschläge. Wenn man ein Mindestmaß an Disziplin und Selbstreflexion beherzigt, darf man auch mal ‚spinnen‘“, so René Obermann. Neugierde müsse bereits in den Schulen gefördert werden, so die Diskutanten. In Deutschland sei das Scheitern einer Geschäftsidee zu negativ besetzt. Risikobereitschaft sei aber eine Voraussetzung dafür, dass in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland Innovationen stärker umgesetzt werden könnten.

Verbunden war die von Dr. Friederike Lohse von der Freundesvereinigung initiierte Veranstaltung zugleich mit einem Spendenaufruf: Unibator, das Gründerzentrum an der Goethe-Universität, bietet Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Alumni Unterstützung auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Im Rahmen eines Mentoren-Programms begleiten Professoren der Goethe-Universität die Projektteams bei der Entwicklung ihrer Vorhaben. Der Goethe-UniBator ist damit eine Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft und ermöglicht innovativen Ideen den erfolgreichen Markteintritt.

Bildergalerie

Weitere Informationen: Goethe-Unibator, www.goetheunibator.de 

Veranstaltungen

Aug 31 2012
17:23

Öffentlicher Vortrag im Rahmen der ersten europäischen mineralogischen Konferenz an der Goethe-Universität. 3. September, 20.00 Uhr, Campus Westend

Wie und wann entstanden Diamanten?

FRANKFURT. Vom 2.-6. September findet auf dem Campus Westend die erste europäische mineralogische Konferenz statt, an der über 700 Wissenschaftler aus 40 Ländern teilnehmen werden.

Die Themen befassen sich mit dem Ursprung und der Weiterentwicklung des Sonnensystems und seiner Planeten, den Veränderungen des Planeten Erde seit seiner Entstehung vor 4,55 Mrd. Jahren durch Erosion, Vulkanismus, Subduktion und Metamorphose. Weitere Themenbereiche haben aktuelle Relevanz bedingt durch die fortschreitende Technisierung und den Bevölkerungszuwachs auf unserem Planeten. Diese betreffen die Eigenschaften von Mineralen und Werkstoffen, das Verständnis von Lagerstättenbildung zur Erschließung neuer Rohstoffquellen, den Umgang mit dem Zivilisationsmüll und die Wechselwirkung von organischer und anorganischer Materie.

Den öffentlichen Vortrag “Diamonds are forever - but when and where are they formed?” wird Prof. Thomas Stachel, der „Diamond chair of Canada“, halten. Stachel ist ein ehemaliges Mitglied der Goethe-Universität, der bei Prof. Brey habilitierte. Er erhielt  vor einigen Jahren einen Ruf nach Edmonton, Alberta/Kanada.

Der Vortrag „Diamonds are forever – but when and where are they formed?“ findet statt

am:         Montag, dem 3. September 2012, 20.00 Uhr,
Ort:        Campus Westend, Audimax.

Weitere Informationen zur First European Mineralogical Conference (emc2012): http://emc2012.uni-frankfurt.de/

Kontakt: Prof. Gerhard Brey, Dr. Heidi Höfer, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Geowissenschaften – Mineralogie, Altenhöferallee 1, 60438 Frankfurt am Main, Tel. (069)-798 40 122,  info-emc2012@uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 31 2012
13:42

Institut für Bienenkunde in Oberursel feiert sein 75jähriges Bestehen

Im Einsatz für bedrohte Bienenvölker

FRANKFURT. Seit 75 Jahren forschen Wissenschaftler des Institutes am Nordrand Oberursels an der Biologie der  Honigbiene. Zur 75-Jahr-Feier an das Institut am Freitagnachmittag kamen etwa 200 geladene Gäste und informierten sich über die Forschungsaktivitäten gestern und heute. Ganz im Zeichen der Forschung und der Bienenbiologie stand die Feier am Institut für Bienenkunde. Die zahlreichen Gäste verschafften sich anhand von Mitmachexperimenten rund um‘s Bienenlernen einen Eindruck von den Verhaltensleistungen der Honigbienen. So nahe kommen die Besucher den Bienen selten. Sicher hinter Glas lässt sich die Königin gefahrlos bei der Eiablage im Beobachtungsvolk bestaunen. Auch wie Bienen im Labyrinth zielsicher zur Honigbelohnung finden, konnten die Gäste bei einer Demonstration im Bienengarten des Instituts für Bienenkunde in Oberursel live beobachten.

Die Doktoranden und Bachelorstudierenden gaben anschauliche Einblicke in ihre Projekte und die Besucher wurden gleich als Experimentatoren eingebunden. Wie mit einem Mini-Chip versehene Sammlerinnen am Stockeingang automatisch registriert werden, wie Bienen zurück in ihren Stock finden oder welche Navigationsleistungen es ihnen ermöglichen, sich in einem Labyrinth zurecht zu finden: das waren einige der Stationen im Bienengarten des Instituts im Karl-von-Frisch-Weg in Oberursel.

Zuvor hoben Prof. Dr. Klaus Ring, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt am Main und Prof. Dr. Rainer Klump, Vizepräsident der Goethe-Universität, die hohe Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Universität und Polytechnischer Gesellschaft hervor. Das Institut wird von beiden Institutionen gemeinsam getragen und ist ein erfahrbarer Ort langjähriger Kooperation. In ihrem Grußwort ging Frau Prof. Dr. Anna Starzinski-Powitz auf die besondere Stellung des Instituts für den Fachbereich Biowissenschaften ein. Auch die Oberurseler Sicht kam nicht zu kurz. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Christoph Müllerleine betonte die enge Bindung der Oberurseler Bürger an „ihr“ Institut.

Als das Institut für Bienenkunde 1937 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründet wurde, drohte die Bienenhaltung in Deutschland zusammenzubrechen. Es war ein Gebot der Stunde, ein modernes Forschungsinstitut zu errichten. Heute, 75 Jahre später, ist die Arbeit am Institut nach wie vor brennend aktuell: Die parasitische Milbe Varroa destructor bedroht Bienenvölker weltweit und die Entwicklung innovativer Bekämpfungsmittel ist eine der Aufgaben des Teams um den Neurowissenschaftler und Leiter des Instituts, Prof. Bernd Grünewald.

Bienen haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung nicht nur als Honigproduzenten sondern auch als Bestäuber der meisten Obst- und Gemüsesorten. Daher ist die Forschung über die Bienen immer auch eine Forschung für den Menschen.

Das Institut blickt auf eine 75jährige, erfolgreiche Forschungstradition zurück. Hugo Gontarski, dem ersten Leiter, ist es zu verdanken, dass das Institut auch in den schwierigen Nachkriegsjahren erfolgreich Forschung betreiben konnte. Gontarski untersuchte besonders die Nosemose, eine Darmkrankheit der Bienen, er erforschte die Honigchemie, die Ernährungsphysiologie und die Anatomie von Bienen.

Eine neue Phase wurde 1963 eingeleitet, als das Bieneninstitut vertraglich an die Universität Frankfurt gebunden wurde. Prof. Friedrich Ruttner wurde 1964 neuer Institutsleiter und gleichzeitig Professor für Zoologie am Fachbereich Biologie der Goethe-Universität. Ruttner gilt als der Begründer der modernen Bienengeographie. Schon bald existierte in Oberursel die weltweit bedeutendste wissenschaftliche Sammlung von Bienenarten und -unterarten, die heute mehr als 3000 wertvolle Präparate umfasst. Unter seiner Leitung wurde das Oberurseler Institut zu einem der weltweit führenden Bieneninstitute in Paarungsverhalten, Genetik, Taxonomie und Biogeographie der Honigbienen. Seine Zuchtansätze und die Einführung der künstlichen Besamung beeinflussten die Bienenzucht in Deutschland nachhaltig.

Prof. Nikolaus Koeniger leitete von 1981 bis 2007 das Institut. Koeniger arbeitete zunächst über Alarmstoffe und Brutpheromone, entdeckte eine neue Milbenart der Riesenhonigbiene und beschrieb eine neue asiatische Honigbienenart. Während seiner Zeit wurden in Oberursel außerdem wichtige neue Erkenntnisse über die Paarungsbiologie der Honigbienen gewonnen.

Das Jahr 2007 markierte einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Instituts. Zwischen der Polytechnischen Gesellschaft und der Goethe-Universität wurde ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen. Seit 2008 ist der Neurobiologe Prof. Bernd Grünewald als Leiter des Instituts für Bienenkunde gleichzeitig erster Stiftungsprofessor der Polytechnischen Gesellschaft an der Goethe-Universität. Am neuerbauten Biologicum auf dem Campus Riedberg stehen der Arbeitsgruppe seit 2011 neue Laborräume zur Verfügung. Das erleichtert den wissenschaftlichen Austausch mit Fachkollegen und Studenten erheblich. Neben Therapieansätzen gegen Bienenkrankheiten wird heute am Institut für Bienenkunde überwiegend über die Mechanismen geforscht, die Lernen und Gedächtnis bei Bienen zugrunde liegen. Die Lernleistungen von Bienen sind enorm: sie merken sich Ort und Beschaffenheit von Futterquellen und navigieren zielsicher in einem Radius von 5 km um ihren Stock. „Dabei passt ihr Gehirn locker in einen Stecknadelkopf und enthält gerade einmal 1 Million Nervenzellen“, sagt Grünewald, „so viele Nervenzellen hat ein Mensch in einem Auge“.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Bernd Grünewald, Institut für Bienenkunde, Polytechnische Gesellschaft, FB Biowissenschaften - Zellbiologie und Neurowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Karl-von-Frisch-Weg 2,61440 Oberursel, Tel. 6171-21278, b.gruenewald@bio.uni-frankfurt.de, www.institut-fuer-bienenkunde.de

Hochschulpolitische Themen

Aug 30 2012
14:31

Goethe-Universität kann in diesem Jahr bis zu 382 Stipendien vergeben

Bewerbungsphase für Deutschland-Stipendium startet

FRANKFURT. Neue Runde für das Deutschland-Stipendium: Die Goethe-Universität startet heute die zweite Bewerbungsphase, nachdem das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für 2012 erneut einen Zuschuss für die Stipendien bewilligt hat. „Wir wollen junge talentierte Menschen fördern, damit sie den Kopf frei haben für ihr Studium und gleichzeitig gesellschaftlich aktiv sein können – dieser Gedanke steht im Zentrum des Deutschland-Stipendiums“, betont Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl.

Bewerben können sich alle Studierende, unabhängig davon, ob sie sich in der Studieneingangs- oder der Masterphase befinden, und unabhängig davon, was sie studieren - Literaturwissenschaft oder Zahnmedizin. Unterstützt werden besonders begabte Studierende. Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig. Über die Vergabe entscheiden neben Leistungskriterien soziale und individuelle Kompetenzen, der persönliche Lebenslauf - insbesondere die Überwindung von besonderen Hürden oder biographischen Brüchen - sowie außerfachliche Interessen. Die Förderdauer beträgt mindestens 12 Monate. Das Deutschland-Stipendium ist Einkommens- und BAföG-unabhängig. Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 21. September.

Das Deutschland-Stipendium an der Goethe-Universität bietet mehr als eine finanzielle Unterstützung: Wie im ersten Förderjahr wird auch dem neuen Jahrgang ein umfangreiches ideelles Förderprogramm geboten. Mentoren aus Unternehmen und Institutionen begleiten eine interdisziplinäre Stipendiatengruppe und geben Tipps und Hilfestellungen. Die eigenen Kompetenzen werden in einer gemeinsamen Projektarbeit ausgebaut. Die Themen bestimmen dabei die Gruppen selbst; mit diesem Engagement wollen die Stipendiaten ihrer Universität, der Stadt Frankfurt und der Region etwas zurück geben.

„Während man sich im Studium die meiste Zeit immer mehr in seinem Fachgebiet spezialisiert und vertieft, hat für mich der Austausch mit anderen Stipendiaten eine ganz neue Erfahrung und vor allem einen ganz neuen Blickwinkel ermöglicht“, erläutert Julia Heinen, Studentin der Germanistik. Ihr Kommilitone Andreas Abersberger ergänzt: „Was mich am Deutschland-Stipendium positiv überraschte, ist der ungezwungene und unkomplizierte Umgang der Stipendiaten und Mentoren verschiedenster Fachrichtungen und Professionen untereinander.“

Das ideelle Förderprogramm wird abgerundet durch monatlich stattfindende Seminare. Hierbei handelt es sich um abgeschlossene Abendveranstaltungen mit interessanten Persönlichkeiten. Einen Vortrag zugesagt haben bereits Helmut Sandrock, Generalsekretär des DFB, sowie Thomas Jühe, Bürgermeister der Stadt Raunheim und Alumnus der Goethe-Universität.

Das nationale Stipendienprogramm wurde vom Bund 2010 beschlossen und trägt sich durch eine Ko-Finanzierung:  Die Stipendien werden hälftig durch Spenden Privater und Mittel des BMBF finanziert. Im vergangenen Jahr konnten auf Grund der vorgegebenen Quote nur 161 Stipendien vergeben werden, dieses Jahr stehen der Goethe-Universität 382 zur Verfügung. Der Großteil der Stipendien ist schon ausfinanziert. Nun werden noch Förderer und Unternehmen gesucht, damit alle Stipendien vergeben werden können und möglichst viele Frankfurter Studierende von der Unterstützung profitieren. Pro Jahresstipendium wird eine Spende von 1.800 Euro benötigt, aber auch kleinere Teilbeträge sind möglich. Kontakt über: Caroline Mattingley-Scott, Leiterin Stabsstelle Fundraising der Goethe-Universität, Tel. 069-798-22471.

Weitere Informationen zum Stipendienprogramm und zur Bewerbung: www.deutschland-stipendium.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 30 2012
12:20

Tiefsee-Bohrungen zeigen langfristige Entwicklung des CO2-Kreislaufs/ Publikation in Nature

Klimaentwicklung ist keine Einbahnstraße

FRANKFURT. Wie sich die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre im Verlauf der Erdgeschichte entwickelte, lässt sich langfristig an den Kalkablagerungen in der Tiefsee ablesen. Durch die Verwitterung von Gesteinen wird nämlich der Luft Kohlendioxid entzogen. Über die Flüsse gelangt das chemisch gebundene Treibhausgas ins Meer und wird dort als Kalkablagerung gespeichert, zum Beispiel in kalkigen Mikrofossilen. Dieser Prozess führt langfristig zu einer globalen Abkühlung. Das konnten Forscher des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BIK-F) und der Goethe-Universität für die letzten rund 55 Millionen Jahre anhand von Tiefseebohrungen im äquatorialen Pazifik mit bisher unerreichter Genauigkeit belegen.

Parallel zum Übergang vom Supertreibhaus zum Eiszeitalter fiel auch die Meerestiefe, unterhalb der das Kohlenstoffmineral Kalkspat vollständig aufgelöst wird (Karbonat-Kompensationstiefe). Das berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature. Die Daten stammen aus Tiefseebohrungen in der Region beiderseits des äquatorialen Pazifiks, die für den globalen Kohlenstoffkreislauf äußerst produktiv ist. Während einer viermonatigen Expedition des US-amerikanischen Bohrschiffs JOIDES Resolution im Jahr 2009 bohrten die Expeditions-Teams in Wassertiefen von 4.300 bis 5.100 Metern. Sie entnahmen die Bohrkerne an acht Orten und über insgesamt 6.3 Kilometer Länge. Damit steht ein Klimaarchiv zur Verfügung, das die letzten 55 Millionen Jahre umspannt.

„Wir reden heute viel über das vom Menschen kurzfristig produzierte Kohlenstoffdioxid und die dadurch ausgelöste Klimaerwärmung“, sagt Prof. Heiko Pälike, einer der Expeditionsleiter. Er arbeitet seit Juni 2012 im MARUM - Zentrum für Marine Umwelt der Universität Bremen. „Über Jahrmillionen gesehen bestimmen allerdings andere Prozesse den Kohlenstoffkreislauf.“ Zum Beispiel Vulkaneruptionen, die große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre ausstoßen. Andererseits sorgt die Verwitterung kalkhaltiger Gesteine dafür, dass Kohlendioxid wieder gebunden und dem Klimakreislauf entzogen wird. Die Bilanz des Kohlenstoffkreislaufs spiegelt sich im Ozean, und zwar in der Karbonat-Kompensationstiefe. Unterhalb dieser Grenze bleiben keine kalkhaltigen Partikel wie Kalkschalenreste von Meeresorganismen erhalten.

Im äquatorialen Pazifik lag die Grenzlinie vor rund 55 Millionen Jahren in 3.300 bis 3.600 Meter Tiefe. Zwischen 52 und 47 Millionen Jahre vor heute, als es auf unserem Planeten besonders warm war, flachte sie sogar bis auf 3.000 Meter Meerestiefe ab. Als die Erde vor 34 Millionen Jahren allmählich abkühlte und sich in der Antarktis erste Eisschilde bildeten, senkte sich die Karbonat-Tiefenlinie im Pazifik ab, und zwar auf bis zu 4.800 Meter vor 10,5 Millionen Jahren.

Die Tiefseeablagerungen belegen eindrucksvoll, dass Klima und Kohlenstoffkreislauf nie eine Einbahnstraße waren: „In den Ablagerungen aus der Zeit, die der großen antarktischen Vereisung vor 34 Millionen Jahren voranging, haben wir fünf Ereignisse beschrieben, in denen sich die Karbonat-Kompensationstiefe kurzfristig zwischen 200 und 900 Metern nach oben und unten bewegte“, sagt der Geowissenschaftler Prof. Jens Herrle, einer der Expeditionsteilnehmer: „Diese Ereignisse, die oft für Erwärmungs- und Abkühlungsphasen stehen, dauerten zwischen 250.000 und einer Million Jahre. Sie sind durch einen Wechsel innerhalb des marinen Planktons von kalkigen zu kieseligen Mikrofossilien gekennzeichnet.“

Aber auch für die jüngere Vergangenheit sind vergleichbare Episoden belegt. So vor rund 18,5 Millionen Jahren, als besagte Karbonat-Tiefenlinie um rund 600 Meter Richtung Meeresoberfläche anstieg – um zweieinhalb Millionen Jahre später wieder auf 4.700 Meter abzusinken. Heute liegt sie im Pazifik bei etwa 4.500 Meter.

Um die Ursachen dieser Schwankungen zu bestimmen, setzte das internationale Wissenschaftlerteam auf Computermodelle, die das System Erde und die wesentlichen dort ablaufenden Prozesse nachbilden. Dies war eine der Forschungsarbeiten der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Cecily Chun aus der Arbeitsgruppe Paläontologie und Biogeochemie von Prof. Jens Herrle an der Goethe-Universität.

Publikation: Heiko Pälike et al.: A Cenozoic record of the equatorial Pacific carbonate compensation depth, in Nature DOI: 10.1038/nature11360

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:

  • Bild 1: Ausfahrt der Joides Resolution von Honolulu Hawaii im Mai 2009 (Expedition 320/321). Im Hintergrund der Vulkankrater Diamond Head an der Südostküste Hawaiis (Copyright: Integrated Ocean Drilling Program/United States Implementing Organization (IODP/USIO))
  • Bild 2: Bohrlokationen der Expedition 320 im äquatorialen Pazifik (Copyright:  IODP/USIO).
  • Bild 3: Bohrkern 1333B im Sedimentlabor auf dem Forschungsschiff Joides Resolution. Zu sehen ist der Übergang von braunen (links) zu weißen Sedimenten (rechts), die den Bereich der permanenten antarktischen Vereisung vor 34 Millionen Jahren (Eozän/Oligozän-Grenze) markieren (Copyright: Jens Herrle, Goethe Universität Frankfurt).
  • Bild 4: Teilnehmer der Expedition 320 mit Wissenschaftlern, Bohrteam und Mannschaft (Copyright: Integrated Ocean Drilling Program/United States Implementing Organization (IODP/USIO).

Informationen: Prof. Jens Herrle, Arbeitsgruppe Paläontologie und Biogeochemie, Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt und LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40180; jens.herrle@em.uni-frankfurt.de.