Pressemitteilungen 

Forschung

Nov 9 2016
12:41

Goethe-Uni entwickelt OECD-Test mit Zwergdeckelschnecke

Test: Welche Chemikalien gefährden die Fortpflanzung?

FRANKFURT. Zulassungsbehörden rund um den Erdball können künftig Hersteller von Chemikalien und Arzneimitteln anweisen, die Fortpflanzungsschädigung ihrer Produkte mithilfe eines Tests zu überprüfen. Nach mehr als 10jähriger Förderung durch das Umweltbundesamt in Dessau mündete das von der Goethe-Universität koordinierte Projekt in eine Richtlinie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für die weltweite Chemikalientestung. Der Reproduktionstest prüft die Langzeiteffekte von Chemikalien auf die Vermehrung der Zwergdeckelschnecke Potamopyrgus antipodarum im Labor.

„Zwar handelt es sich bei dem Winzling um keine einheimische Schneckenart, aber als sogenannter Stellvertreterorganismus sind ihre biologischen Antworten auch auf andere Weichtiere übertragbar, ganz gleich, ob sie aus Europa, Asien oder Amerika stammen“, erklärt Prof. Jörg Oehlmann, Koordinator des Testentwicklungsteams und Leiter der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Potamopyrgus ist ein Wasserbewohner und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit Schiffen von Neuseeland nach Europa eingeschleppt. Mittlerweile gehört die gebietsfremde Art jedoch zum Alltagsbild in vielen deutschen Fließgewässern.

Neue, noch nicht zugelassene Chemikalien, die die Zwergdeckelschnecke im OECD-Test 242 im Labor schädigen, würden diese Wirkung bei den Tieren und verwandten Arten im Freiland ebenfalls besitzen. Da Weichtiere, nach den Insekten und Krebsen, die artenreichste Gruppe im Tierreich darstellen, wäre ein Ausfall dieser Organismen für die Biodiversität und damit für die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme fatal. Die Entwicklung des „Schneckentests“ stellt also einen wichtigen Beitrag für die Gesund- und Reinhaltung unserer Gewässer dar, denn Substanzen, die in diesem Test eine Giftwirkung für die Schnecke anzeigen, können zukünftig vor der Markteinführung identifiziert und reguliert werden.

Zusätzlich wird mit dem neu entwickelten Schneckentest eine bestehende Lücke bei der Umweltrisikobewertung von Chemikalien geschlossen, da die bisherigen standardisierten Tests mit wirbellosen Tieren hauptsächlich die Arthropoden (Insekten und Krebse) umfassten. Schnecken hatten sich in der Vergangenheit jedoch als außergewöhnlich empfindlich gegenüber zahlreichen Schadstoffen erwiesen, darunter Tributylzinnverbindungen und andere Umweltchemikalien, die das Hormonsystem beeinflussen.

Die von der Goethe-Universität Frankfurt koordinierten Arbeiten zur Entwicklung und Standardisierung des Schneckentests umfassten einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren. In einem umfangreichen Forschungsprogramm wurden die Testbedingungen für die Schnecken hinsichtlich der Wasser- und Futterqualität, der Temperatur, Dichte und zahlreicher weiterer Parameter optimiert. In den letzten sechs Jahren wurden abschließend vier Validierungsstudien mit sechs Testsubstanzen in 16 Laboren in Europa und den USA durchgeführt, bei denen sich zeigte, dass das entwickelte Testprotokoll robust ist und der Test reproduzierbare Ergebnisse ergibt, unabhängig davon, in welchem Labor er durchgeführt wird.

Für den Test werden weibliche Zwergdeckelschnecken einer Konzentrationsreihe von Chemikalien im Umgebungswasser ausgesetzt. Die Testorganismen verbleiben 28 Tage zusammen mit der Prüfsubstanz in ihren Testgefäßen. Danach wird bei allen überlebenden Weibchen die Zahl der Nachkommen bestimmt. „Dabei handelt es sich um ein einfach durchzuführendes Verfahren, das auch für den Einsatz in der wasserbehördlichen Praxis geeignet ist“, berichtet Oehlmann.

In ihrer Heimat Neuseeland kommen beide Geschlechter der Zwergdeckelschnecke vor. In Europa bestehen die Populationen aber ausschließlich aus Weibchen, die sich durch „Jungfernzeugung“ vermehren. Das vereinfacht den Gebrauch und die Auswertung des Tests, zumal die kleine Schnecke recht bescheidene Ansprüche an die Haltung im Labor stellt. „Die geringe Größe des Tieres hat noch einen weiteren Vorteil: im Vergleich mit vielen anderen Prüfverfahren ist dieser Test miniaturisierbar und nimmt wenig Platz in Anspruch“, erklärt Oehlmann. Dies erlaubt die Testung einer größeren Zahl von Chemikalien.

Informationen: Prof. Jörg Oehlmann, Abteilung Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42142, oehlman@bio.uni-frankfurt.de

Durchführungsanleitung für den OECD-Test: http://dx.doi.org/10.1787/9789264264311-en.

Veranstaltungen

Nov 9 2016
12:11

Ab 14. November diskutiert die Bürger-Universität an insgesamt vier Abenden die Krimireihe „Tatort“ inklusive Realitätscheck

Tatort-Forschung an der Goethe-Uni

FRANKFURT.. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Uni macht in diesem Wintersemester den Realitätscheck mit Deutschlands beliebtester Krimireihe. Unter dem Titel „Tatort-Forschung“ lässt die Diskussionsreihe an insgesamt vier Abenden die fiktionale Umsetzung der Kult-Fernsehreihe „Tatort“ auf die Realität echter Ermittlungsarbeit treffen. Gemeinsam mit dem Hessischen Landeskriminalamt lädt die Goethe-Universität interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, mehr über die neuesten Erkenntnisse aus der Kriminologie und Forensik sowie eine filmwissenschaftliche Würdigung der beliebten „Tatort-Reihe“ zu erfahren.

Der Auftaktabend am Montag, 14. November 2016, möchte zusammen mit Expertinnen und Experten die Frage diskutieren: „Medienphänomen Tatort: Was macht die Krimireihe zum Kult?“. Vor über 45 Jahren wurde mit „Taxi nach Leipzig“ der erste „Tatort“ im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Seitdem wurden tausende Leichen obduziert, Spuren gesichert und Täter festgenommen. Als erfolgreichste deutschsprachige Krimireihe ist der „Tatort“ inzwischen zum Medienphänomen avanciert. Längst organisieren sich Krimifreunde in Fanclubs und treffen sich regelmäßig zum kollektiven Tatort-Gucken. Woher rührt dieses durchgehend große Interesse an der Krimireihe? Was macht sie zum Kult? Wie steht es um die Qualität, kann sie mit amerikanischen Serien konkurrieren?

Diesen Fragen stellen sich am kommenden Montag Literaturwissenschaftlerin Prof. Julika Griem von der Goethe-Uni, Christian Buß, Kulturredakteur bei Spiegel Online, Liane Jessen, Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks und François Werner, Krimifan und Betreiber der Webseite www.tatort-fundus.de. Die Begrüßung übernehmen die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, LKA-Präsidentin Sabine Thurau und Stadträtin Elke Sautner. Moderiert wird die Veranstaltung von Petra Boberg (hr-iNFO).

Medienphänomen Tatort. Was macht die Krimireihe zum Kult?
Montag, 14. November 2016, 19.30 Uhr
Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.
 
Weitere Abende der Diskussionsreihe zum Thema „Tatort-Forschung“ sind:

21. November 2016: Der reale Tatort. Verdrängen Klischees die kriminalistische Wirklichkeit?

5. Dezember 2016: Kommissar Hightech. Wie die moderne Forensik die Ermittlungsarbeit verändert?

12. Dezember 2016: Kriminalstatistiken klären auf. Wovor müssen wir wirklich Angst haben?

Das Programmheft der Bürger-Universität im Web: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 9 2016
12:08

Öffentliche Vortragsreihe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens

FRANKFURT.Wohl kaum ein Thema fasziniert die Menschheit so sehr wie ihre eigene Herkunft. In Zeiten, in denen sich überall in der Welt populistisch-rassistische Tendenzen ausbreiten, ist das Wissen über die gemeinsamen Wurzeln besonders wichtig – und zwar nicht nur, was die Evolution des menschlichen Körpers anbelangt, sondern auch die weit weniger bekannte Evolution geistiger, kultureller und emotionaler Fähigkeiten. Die interdisziplinäre Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ wird dazu beitragen den Blick zu weiten. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.

Aktuell sind in allen Disziplinen, die die Evolution des Menschen betreffen, atemberaubende Fortschritte zu verzeichnen. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen werden. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus und befördert diese. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht, die noch vor wenigen Jahrzehnten nicht denkbar gewesen wären. Diese Erweiterung des Horizonts soll dem Publikum in der Reihe deutlich werden.

Den Auftakt der Reihe bildet die 15. Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture, mit dem Vortrag „The Definition of Species in Human Evolution“ von Prof. Dr. Francis Thackeray (University of the Witwatersrand, Johannesburg), einem der profiliertesten Paläoanthropologen Südafrikas,

am 16. November (Mittwoch) um 19.30 Uhr
im Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25.

Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung/Goethe-Universität.

Bis heute diskutieren Biologen über den Artbegriff und die Definition einer biologischen Art. Während bei rezenten Organismen viele Faktoren von der Morphologie der Weichteile bis zu genetischer Information zur Verfügung stehen, können Arten in der Paläobiologie meist nur anhand fragmentarischer Knochen und Zähnen beschrieben werden. Zudem ergeben sich viele Artabgrenzungen nur dadurch, dass zwischen verschiedenen Fossilfunden, die einen evolutiven Zusammenhang bilden, zum Teil große zeitliche Fundlücken bestehen. Ist das biologische Artkonzept bei Fossilien daher überhaupt anwendbar? Und wie sieht es speziell in der Paläoanthropologie aus? Thackeray stellt grundsätzliche Fragen zur Definition von Arten und versucht, sie mithilfe innovativer morphometrischer Methoden zu beantworten. Im Vortrag wird er seine Theorien am Beispiel der spektakulären Funde des Homo naledi aus dem südafrikanischen Rising-Star-Höhlensystem darlegen.

Francis Thackeray, geb. 1952, studierte Zoologie, Archäologie und Umweltforschung an der Universität in Kapstadt und promovierte anschließend in Yale im Fach Anthropologie. Heute hat er den Phillip-Tobias-Lehrstuhl für Paläoanthropologie am Institut für Evolutionsforschung der Witwatersrand-Universität inne und leitet das dortige Evolutionary Studies Institut. Seine wissenschaftlichen Arbeiten umfassen sowohl Gelände- als auch Laborprojekte. Bekannt wurde er vor allem durch jahrelange Grabungsarbeiten in der südafrikanischen Grabungsstätte „Craddle of Humankind“ („Wiege der Menschheit“) im Tal von Sterkfontein südwestlich von Johannesburg. Dort erforschte er auch die Fundstellen der robusten „Nussknackermenschen“ in Kromdraai und Swartkrans. Zahlreiche neue Hominidenfunde sowie Faunenanalysen und ökologische Rekonstruktionen machten ihn weltbekannt.

Termine und Themen im Überblick:

23. November 2016, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Die genetische Herkunft der Europäer: Migration und Anpassung in der Vorgeschichte
Dr. Wolfgang Haak, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena
Moderation: Dr. Christine Hertler, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt 

14. Dezember 2016, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Lob der Lüge. Zur Evolution von Intelligenz
Prof. Dr. Volker Sommer, University College London
Moderation: Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

18. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
The Skin of Homo sapiens: the Evolution of our Interface with the World
Prof. Dr. Nina Jablonski, Pennsylvania State University, State College
Moderation: PD Dr. Ottmar Kullmer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt 

25. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand
Prof. Dr. Nicholas J. Conard, Eberhard Karls Universität Tübingen
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

8. Februar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14-16
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

15. Februar 2017, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenbergallee 25, 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt; PD Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau; Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim

Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, bis auf die abschließende Podiumsdiskussion, die um 19 Uhr startet. Für die erste Vorlesung am 16. November 15. Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture) ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich unter: Koenigswald-Lecture@senckenberg.de

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

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Nov 9 2016
12:07

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 24. und 25. November 2016

Tagung zu „Olympic Citizenship“ und den Krisen von Flucht und Migration

FRANKFURT. Allein im Jahr 2015 waren jüngsten Angaben der Vereinten Nationen zufolge mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht – als Binnenvertriebene oder in anderen Ländern. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) spricht von einem „traurigen Rekordniveau“ und betont, dass sich die weitaus meisten Flüchtlinge in Staaten außerhalb Europas aufhalten. Die weltweiten Migrationsbewegungen gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Sie resultieren aus sozialen Konflikten und bringen ihrerseits gesellschaftliche Veränderungen hervor. Die aktuelle, mittlerweile neunte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ nimmt dieses Wechselspiel aus einer interdisziplinären, empirischen und normativen Perspektive in den Blick und fragt dabei insbesondere auch nach der Bedeutung und den Veränderungen von Staatsbürgerschaft.

Die zweitägige Veranstaltung findet am 24. und 25. November statt, auch dieses Mal im Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Analog zur Konferenzsprache ist auch der Titel englisch: „Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis“. Auf den Jahreskonferenzen werden zentrale Themenstellungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Gästen aus dem In- und Ausland diskutiert. Die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung willkommen. Auf dem diesjährigen Programm stehen drei Panels mit insgesamt neun Vorträgen. Hinzu kommt eine Keynote von Ayelet Shachar, Direktorin am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen.

Der Beitrag der Rechtsprofessorin Shachar, zu deren Schwerpunkten Staatsbürgerschafts- und Einwanderungsrecht sowie hoch qualifizierte Migration zählen, widmet sich am 24. November um 17.00 Uhr dem Thema „Bordering Migration: Legal Cartographies of Membership and Mobility“. Darin wird sie grundsätzlich der Frage nachgehen, warum – und mit welchem Recht – Staaten einige wenige willkommen heißen, während sich viele andere, auch Schutz suchende Flüchtlinge, bei ihrem Einbürgerungswunsch kaum überwindbaren Hürden gegenübersehen. Die ehemalige Inhaberin des Canada Research Chair in Citizenship and Multiculturalism an der Universität Toronto beobachtet einen Trend in Richtung „Olympic Citizenship“ – höchstqualifizierte Menschen anderer Nationalität werden geradezu umworben, wie ja tatsächlich auch jene Topathleten, die kurz vor olympischen Spielen die Nationalität wechseln, um zum Ruhme ihres neuen „Heimatlandes“ Medaillen zu gewinnen.

Die Erörterung, was Staatsbürgerschaft, die wiederum faktische und normative Grenzen zwischen Menschen errichtet, heute heißt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Ebenso grundlegend sind Überlegungen, wie Staaten – jeweils einzeln oder im Verbund – ihrer Verantwortung für die Flüchtlingskrise gerecht werden sollten. Im ersten Panel geht es dabei auch um den Umgang mit den Ursachen. Es heißt „The Politics of Migration: Problems, Principles and Policies“ und wird moderiert von dem politischen Philosophen Rainer Forst und dem Rechtswissenschaftler Klaus Günther, den beiden Sprechern des Exzellenzclusters, die auch die Konferenz eröffnen. Vortragende sind die politischen Philosophinnen Lea Ypi von der London School of Economics and Political Science und Eszter Kollár, Postdoktorandin am Exzellenzcluster. Hinzu kommen der Makrosoziologe Steffen Mau (Humboldt-Universität zu Berlin) und der Politikwissenschaftler Jens Steffek (Exzellenzcluster).

„The Institutional, Legal and Normative Challenges of Europe’s Contemporary Migration Crisis“ stehen im Fokus des zweiten Panels am 25. November. Es geht von dem Befund aus, dass die so genannte Flüchtlingskrise in Europa auch hausgemacht ist. Schuld an dem krisenhaften Verlauf sind vor allem die unzureichenden institutionellen Entscheidungsstrukturen der EU, gepaart mit mangelnder Kooperationsbereitschaft. Zu den notwendigen Reformen gehört jetzt ein praktikables System der Lastenverteilung. Erster Referent ist Rainer Hofmann, Rechtswissenschaftler an der Goethe-Universität und Co-Direktor des Wilhelm-Merton-Zentrums für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsordnung. Die weiteren Mitwirkenden sind Angehörige des Clusters und auf dem Feld der politischen Wissenschaft zu Hause: Gunther Hellmann (Moderation), Nicole Deitelhoff und Christopher Daase sowie Nele Kortendiek.

Die „Rushdie-Affäre“ beeinflusste den europäischen Blick auf die so genannten Gastarbeiter, für die Menschen der westlichen Sahelzone ist Mobilität seit Jahrhunderten der Normalfall und das westliche Konzept der Staatsbürgerschaft nicht leicht zu verstehen, die diskursive Irrelevanz der südostasiatischen Flüchtlingskrise in Europa gibt Aufschlüsse über selektive Empathie: Das dritte Panel, mit dem die Jahreskonferenz am Nachmittag des 25. November endet, widmet sich dem Tagungsthema aus historischer und ethnologischer Perspektive. Eingeführt von der Ethnologin Susanne Schröter (Exzellenzcluster) sprechen der Migrationshistoriker Leo Lucassen (Amsterdam und Leiden) sowie die Ethnologen Mamadou Diawara (Exzellenzcluster) und Dominik M. Müller (zuvor Postdoktorand am Cluster, jetzt Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle).

Die Konferenz steht allen Interessierten offen. Eine vorherige Anmeldung ist jedoch erforderlich – bitte unter: office@normativeorders.net

Informationen:  Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/jahreskonferenzen

Veranstaltungen

Nov 8 2016
17:48

Öffentliche Vortragsreihe des IDeA-Zentrums an der Goethe-Universität

Migration – Integration – Bildungschancen

FRANKFURT. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IDeA-Zentrums wollen ihre Kenntnisse zum Themenfeld „Migration – Integration – Bildungschancen“ noch stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Im Wintersemester beginnt deshalb eine Vortragsreihe, die dieses Themenfeld von verschiedenen Seiten beleuchten soll. Die Reihe ist bereits im Vorfeld auf große Resonanz gestoßen.

Das IDeA-Zentrum vereint Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, die sich der Erforschung von Entwicklungs- und Lernprozessen bei Kindern innerhalb der ersten zwölf Lebensjahre widmen. Das Themenfeld „Migration – Integration – Bildungschancen“ spielt dabei naturgemäß eine wichtige Rolle. In einer öffentlichen Vortragsreihe, die an diesem Donnerstag beginnt, nähern sich Expertinnen und Experten des Forschungszentrums dem Thema an sechs Terminen aus verschiedenen Perspektiven. Außer um Erkenntnisse aus der Forschung geht es auch um Projekte, mit deren Hilfe Flüchtlingskinder und ihre Eltern unterstützt werden: So berichtet Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, aus ihrem Projekt „Step-by-Step“ mit Geflüchteten in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung „Michaelis Dorf“ in Darmstadt.

Organisiert wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Sprecher des IDeA-Zentrums, und Prof. Dr. Mareike Kunter, stellvertretender Sprecher von IDeA. Die Vorträge finden jeweils donnerstags von 18.15 bis 19.45 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaalzentrum, Raum 10, statt. Im Anschluss an die Vorträge besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten.

Termine und Themen im Überblick:

10. November
„Kinder auf der Flucht. Perspektiven und Befunde aus der Kindheitsforschung“
Prof. Dr. Sabine Andresen, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Goethe-Universität

24. November
„Migrationsspezifische Bildungsungleichheit – Eine soziologische Perspektive“
Prof. Dr. Birgit Becker, Institut für Soziologie, Goethe-Universität

15. Dezember
„Psychoanalytische Überlegungen zum Projekt Step-by-Step in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Darmstadt“
Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Institut

12. Januar 2017 „Deutsche Sprache als Schlüssel zum Bildungserfolg?“
Prof. Dr. Dominique Rauch, Goethe-Universität und Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

19. Januar 2017 „Kinder mit Deutsch als Zweitsprache: Wie lassen sich bildungsrelevante Fähigkeiten adäquat diagnostizieren?“
Prof. Dr. Petra Schulz, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Goethe-Universität, und Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

2. Februar 2017
„Migration im Klassenzimmer: Wie gehen Lehrkräfte mit kultureller und sprachlicher Heterogenität um?“
Prof. Dr. Mareike Kunter, Institut für Psychologie, Goethe-Universität

Weitere Informationen: Verena Diel, IDeA-Zentrum,  Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Tel. 069 24708-819, E-Mail: diel@dipf.de, www.idea-frankfurt.eu

Forschung

Nov 8 2016
17:45

Erfindung von Horst Schmidt-Böcking (Goethe-Universität) und seines Kollegen Dr. Gerhard Luther (Universität Saarbrücken) bilden Basis für neuartiges Meeres-Pump-Speicher-System, das vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) entwickelt wurde

Energiespeicher von morgen wird erstmals im Bodensee getestet

FRANKFURT/KASSEL/SAARBRÜCKEN. Wie kann man die enormen Mengen durch Offshore-Windkraft erzeugten Stroms bereits vor Ort zwischenspeichern? Bisher gab es auf diese Frage keine Antwort. Nun geht nach mehrjähriger Forschungsarbeit das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt StEnSea (Stored Energy in the Sea) in die Erprobungsphase. Darin entwickelt das auf Energiesystemtechnik spezialisierte Fraunhofer-Institut IWES in Kassel zusammen mit Partnern die „Meerei“-Erfindung von zwei Physik-Professoren der Universität Frankfurt und der Universität Saarbrücken zur Anwendungsreife.

Ein Modell im Maßstab 1:10 mit rund drei Metern Durchmesser wird am 8.11.2016 im Fährhafen von Konstanz in den Bodensee gebracht und am 9.11.2016 etwa 200 Meter vor dem Ufer in Überlingen in 100 Meter Tiefe abgelassen. Anschließend wird es für vier Wochen getestet: »Auf dem Meeresboden installierte Pumpspeicherkraftwerke können in großen Wassertiefen den hohen Wasserdruck nutzen, um mit Hilfe von Hohlkörpern Stromenergie speichern zu können«, erläutert Horst Schmidt-Böcking, emeritierter Professor der Universität Frankfurt. Zum Energieeinspeichern wird über eine Elektropumpe Wasser aus der Kugel herausgepumpt, um Strom zu erzeugen fließt Wasser durch eine Turbine in die leere Kugel hinein und erzeugt über einen Generator elektrische Energie. Dieses Prinzip der Offshore-Energiespeicherung hat Prof. Schmidt-Böcking 2011 wenige Tage vor dem Fukushima-Supergau mit seinem Kollegen Dr. Gerhard Luther von der Universität Saarbrücken zum Patent angemeldet.

Die beiden Erfinder erinnern sich: „Die schnelle Umsetzung dieser Idee in die Praxis ist eigentlich einem Bericht in der FAZ zu verdanken. Technik-Redakteur Georg Küffner stellte diese Speicheridee in einem Artikel der Öffentlichkeit vor – und zwar zufällig am 1. April 2011. Viele Leser nahmen das sicherlich zunächst als Aprilscherz auf. Fachleute der Hochtief Solutions AG in Frankfurt erkannten allerdings sofort die in dieser Idee verborgenen Möglichkeiten. Innerhalb weniger Wochen konnte mit dem Betonbauspezialisten Hoch-Tief und den Meeresenergie- und Speicherspezialisten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel ein Konsortium für eine erste Machbarkeitsstudie gebildet werden“, so Schmidt-Böcking und Luther.

Mit dem Nachweis der Machbarkeit förderte anschließend das BMWi das Projekt StEnSea zur Entwicklung und Erprobung dieses neuartigen Pumpspeicherkonzepts im Modellmaßstab. Nun geht dieses in die Testphase. „Auf Basis der Vorstudie haben wir eine detaillierte Systemanalyse mit Konstruktion, Bau- und Logistikkonzept des Druckbehälters durchgeführt, eine Pump-Turbinen-Einheit entwickelt, die Einbindung in das Stromnetz untersucht, Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt und eine Roadmap für die technische Umsetzung entwickelt“ fasst Projektleiter Matthias Puchta vom Fraunhofer IWES die bisherigen erfolgreichen Arbeiten zusammen.

„Nun beginnt der vierwöchige Modellversuch im Maßstab 1:10 im Bodensee. Wir werden verschiedene Tests fahren, um Detailfragestellungen zur Konstruktion, der Installation, der Auslegung des Triebstrangs und des elektrischen Systems, der Betriebsführung und Regelung, der Zustandsüberwachung und der dynamischen Modellierung und Simulation des Gesamtsystems zu überprüfen“, so Puchta weiter.

„Mit den Ergebnissen des Modellversuchs wollen wir zunächst geeignete Standorte für ein Demonstrationsprojekt in Europa genauer untersuchen. Für den Demonstrationsmaßstab des Systems streben wir einen Kugeldurchmesser vor 30 Metern an. Das ist unter ingenieurtechnischen Randbedingungen die derzeitige sinnvolle Zielgröße. Sicher ist, dass das Konzept erst ab Wassertiefen von ca. 600 - 800 Metern im Meer wirtschaftlich anwendbar sein wird. Die Speicherkapazität steigt bei gleichem Volumen linear mit der Wassertiefe und beträgt für eine 30 m-Kugel bei 700 Metern ungefähr 20 Megawattstunden (MWh)“, erklärt IWES-Bereichsleiter Jochen Bard, der seit vielen Jahren national und international auf dem Gebiet der Meeresenergie forscht.

„Es gibt ein großes Potential für die Anwendung von Meerespumpspeichersystemen in küstennahen Standorten, insbesondere auch vor den Küsten bevölkerungsdichter Regionen. Beispielsweise vor Norwegen (Norwegische Rinne). Aber auch Spanien, USA und Japan weisen große Potentiale auf. Mit heutiger standardisierter und verfügbarer Technik sehen wir bei der Speicherkapazität von 20 MWh pro Kugel eine weltweite elektrische Gesamtspeicherkapazität von 893.000 MWh. Damit ließen sich kostengünstig wichtige Ausgleichsbeiträge für die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne leisten“, stellt Bard fest.

Pressekontakt: Uwe Krengel | Tel. +49 561 7294-319 (oder-345) | E-Mail uwe.krengel(at)iwes.fraunhofer.de

Weitere Informationen: Prof. Dr. Horst Schmidt-Böcking, Tel. 069 / 798-47002 oder 06174 / 93 40 97, E-Mail: hsb@atom.uni-frankfurt.de

Forschung

Nov 8 2016
16:23

Das von der BHF-BANK-Stiftung initiierte Modellprojekt „Sprachentdecker“ im Frankfurter Westen begleiten Erziehungswissenschaftlerinnen der Goethe-Universität

Keine separaten Kurse: Kinder sollen ihr Deutsch im Alltagsumfeld von Kita und Grundschule verbessern

FRANKFURT. „Guten Morgen Sarah! Hängst du deine Jacke auf?“ – „Kann nicht auf...“ – „Kannst du deine Jacke nicht alleine öffnen? Ich helfe dir. Die Jacke hat einen Reißverschluss. Hat sich der Reißverschluss verhakt?“ Die Vierjährige nickt und sagt: „Der geht nicht auf.“ – „Dann versuchen wir es zusammen.“ Dieser Dialog zwischen der Erzieherin und dem Mädchen mit Migrationshintergrund ist ein gelungenes Beispiel für das, was Experten „alltagsintegrierte Sprachförderung“ nennen.

„Diese Kinder sollen nicht länger separiert werden, sondern in ihrem Alltagsumfeld ihre Sprachkompetenz verbessern, am besten schon mit Eintritt in die Kita und dann weiter in der Grundschule“, sagt Prof. Dr. Diemut Kucharz, Erziehungswissenschaftlerin an der Goethe-Universität, bei der Vorstellung des Modellprojekts „Sprachentdecker! Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kitas und Grundschulen im Frankfurter Westen“. An dem zunächst auf drei  Jahre mit der Option auf Verlängerung angelegten Projekt, das von der BHF-BANK-Stiftung initiiert und jährlich mit mehr als 50.000 Euro finanziert wird, sind neben drei Grundschulen und fünf Kitas in Griesheim und Höchst auch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und das Staatliche Schulamt der Stadt beteiligt.

Frankfurt ist der richtige Ort für dieses Projekt, das die Erziehungswissenschaftlerin in etwas anderer Form bereits mit Erfolg in Fellbach „getestet“ hat: In der Main-Metropole wachsen nach den Ergebnissen der jüngsten Einschulungsuntersuchung inzwischen 63 Prozent der Kinder zwischen fünf und sechs Jahren zwei- bzw. mehrsprachig auf oder ohne, dass in der Familie Deutsch gesprochen wird. In 40 Prozent der Frankfurter Kitas liegt der Anteil der mehrsprachigen Kinder bei über 80 Prozent. „Wir haben den wachsenden Bedarf an Sprachförderung in Kitas und Schulen in anderen von uns geförderten Projekten gesehen und deshalb die Initiative für das Projekt ‚Sprachentdecker‘ ergriffen“, so Dietmar Schmid, Vorsitzender des Vorstands der BHF-BANK-Stiftung. „Gerade gemeinnützige Stiftungen sind aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten, damit Kinder – auch im Interesse einer gelungenen Teilhabe – so früh wie möglich in ihren deutschen Sprachkenntnissen gefördert werden.“

Was unterscheidet den Modellversuch „Sprachentdecker“ von anderen, ebenfalls wissenschaftlich begleiteten Projekten? Während einige Bildungsexperten auf zusätzliche Kurse außerhalb des regulären Unterrichts setzen, wählt dieses Frankfurter Projekt einen anderen Weg, der erfolgversprechender zu sein scheint als additive Sprachfördermaßnahmen: Pädagogen in Kitas und Grundschulen sollen so geschult und begleitet werden, dass sie Kinder aus Migrationsfamilien, aber auch aus bildungsfernen spracharmen Familien im Alltag unterstützen können, damit diese Kinder in ihrem normalen Umfeld ihren aktiven Wortschatz vergrößern und ihre grammatikalischen Kompetenzen verbessern. Um das zu erreichen, brauchen Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer intensive, professionell begleitete Fortbildungen und ständiges Training, denn „Sprachförderung ist eine komplexe Aufgabe, die viel Wissen, Kompetenz und Übung erfordert“, sagt Kucharz.„Deutschkenntnisse sind der wichtigste Schlüssel zum Schulerfolg. Der Deutscherwerb erfolgt heute im interkulturellen Kontext. Der Spracherwerb mehrsprachiger Kinder weist Besonderheiten auf, die es zu berücksichtigen gilt. Dies ist an der Schnittstelle Kita-Grundschule besonders zu berücksichtigen“, so Stadträtin Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt.

Das Team um die Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin vom Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe lässt die beteiligten Pädagogen mit dem Gelernten im Alltag nicht allein, Videoaufzeichnungen aus dem Arbeitsalltag werden intensiv mit den Beteiligten ausgewertet. Rene Römer vom Kinderzentrum 53 in Höchst berichtet, wie aus einem ungezwungenen Gespräch eine „runden Sache“ wurde: „Ich habe beim Spielen das Handeln sprachlich begleitet, korrektives Feedback eingesetzt und etwas seltener auch modelliert, damit konnte ich die Kinder gut motivieren. Ich habe sie gezielt sprachlich begleitet – nicht instinktiv wie früher – und hatte das Gefühl, dass die Kinder meine Sätze aufgegriffen, wiederholt und dabei vielleicht für sich selbst nochmal verinnerlicht haben.“ Was Rene Römer und die Kita-Beteiligten zudem als positiv bei diesem Modellversuch wahrnehmen, ist die engere Kooperation mit der Grundschule im Übergang von der Kita zur ersten Klasse, bei der die gemeinsam erprobte „alltagsintegrierte“ Sprachförderung ein wichtiges Thema ist. Dann könnte es auch immer besser klappen, bei solchen Gesprächen eine gemeinsame Sprache zu finden.

Nach dem ersten halben Jahr sollen in der zweiten Phase des Projekts neue Impulse für die Zusammenarbeit mit den Eltern mit Migrationshintergrund gesetzt werden. „Hier könnte sich ein Perspektivenwechsel lohnen!“, sagt Dr. Armin von Ungern-Sternberg, Leiter des Amts für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, und ergänzt: „Die Mitwirkenden sollten Schwierigkeiten und Hürden, die sich hier in Kita- und Schulalltag zeigen, gemeinsam erkennen und die Chance einer solchen interkulturellen Bildungskooperation mit Eltern aufgreifen.“

Unterstützt wird das Projekt auch von dem Staatlichen Schulamt Frankfurt, weil es die Sprachkompetenz in allen Unterrichtsfächern und im Schulalltag der Kinder offensiv fördert. Reinhold Stahler, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts, würde sich freuen, „wenn bald auch weitere Schulen und Lehrkräfte mitmachen“. Das Projekt, das auch wissenschaftlich evaluiert wird und seine Wirksamkeit bei Fachkräften und Kindern entfalten soll, läuft noch bis mindestens 2019 – mit der Option auf Verlängerung.

Informationen: Prof. Dr. Diemut Kucharz, Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798-, E-Mail: Kucharz@em.uni-frankfurt.de; Sigrid Scherer, BHF-BANK-Stiftung, Tel. (069)718-3452, E-Mail: Sigrid.Scherer@bhf-bank.com; Manja Winkler-Hesse, Dr. Armin von Ungern-Sternberg (Amtsleiter), Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, Tel. (069) 212 – 74530, E-Mail: manja.winkler-hesse@stadt-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 7 2016
16:42

Musikalische Lesung zusammen mit Pianisten Arno Waschk anlässlich der Feierlichkeiten 70 Jahre Hessen

Medieneinladung / Brandauer kehrt an die Goethe-Uni zurück

FRANKFURT.Im Juni 2014 begeisterte der österreichische Schauspielstar Klaus Maria Brandauer zusammen mit dem Pianisten und Dirigenten Arno Waschk das Frankfurter Publikum mit seinem Programm „Faust… ein gefesselter Prometheus...?!“ anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität. Nun ist er zurück – mit einem neuen Programm „Hessen. Das Land im Zentrum“, das sich zum 70. Geburtstag Hessens dem Bundesland und seinen Dichtern widmet.

Lesung von
Klaus Maria Brandauer
am Donnerstag, den 10. November 2016,
um 19.30 Uhr / Einlass 19.00 Uhr,
im Hörsaalzentrum HZ 1&2,
Campus Westend der Goethe-Universität

Für die Veranstaltung stehen für Medienvertreter 20 Plätze zur Verfügung. Bitte teilen Sie uns unter veranstaltungen@uni-frankfurt.de mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können. Eine Akkreditierung ist noch bis Donnerstag, 10.11., 12 Uhr, möglich.

Vom Beruf des Schauspielers sagte Braudauer 2014 in einem Interview mit Frankfurter Hochschul-Zeitung Uni-Report: „Schauspieler kann man nicht werden, sondern nur sein. Neben dem Handwerkszeug, ohne dass es nicht geht, das man aber lernen kann und muss, geht es um eine bestimmte Form der Präsenz, ein Vermögen, sich mitzuteilen, die Bereitschaft, das eigene Erleben einfließen zu lassen. Es braucht den Zugriff auf das eigene gelebte Leben. Das ist die wichtigste Ressource des Schauspielers.“

Seit Anfang der siebziger Jahre ist Klaus Maria Brandauer einer der gefragtesten Schauspieler auf deutschsprachigen Bühnen. Zu seinen wichtigsten Rollen zählen Shakespeares Romeo, Schillers Fiesco, Büchners Leonce und der Prinz in Lessings Emilia Galotti, welchen er in der legendären Inszenierung von Fritz Kortner spielte. Seit 1972 ist er Mitglied am Wiener Burgtheater, dessen Ehrenmitglied er heute ist und wo er als Don Carlos, als Ferdinand, als Tartuffe, über hundert Mal als Hamlet und als Lessings Nathan der Weise aufgetreten ist. Im Dezember 2013 kehrte er als König Lear an sein Stammhaus zurück.

Im Jahr 2007 spielte er den Wallenstein in der zehnstündigen Inszenierung von Peter Stein am Berliner Ensemble. Zusammen mit Peter Stein erarbeitete er ebenfalls den Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug und die Titelrolle in Sophokles Ödipus auf Kolonos. Mit dieser Produktion kehrte er im Sommer 2010 zu den Salzburger Festspielen zurück, wo er bis 1990 den Jedermann gespielt hatte.

Neben seiner schauspielerischen Arbeit führt Klaus Maria Brandauer immer wieder Regie. Sein Debüt gab er bereits 1964 in Salzburg mit Aimée von Heinz Coubier. In den letzten Jahren inszenierte er Esther Vilars Speer in Berlin und London, Hamlet am Wiener Burgtheater, Richard Wagners Lohengrin an der Oper Köln und Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper im Berliner Admiralspalast. Klaus Maria Brandauer gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die weltweite Anerkennung gefunden haben. 1970 gab er in der Hollywood-Produktion The Salzburg Connection sein Filmdebüt. Im Laufe der Jahre folgten der James Bond-Streifen Never Say Never Again, Out Of Africa, White Fang, Streets Of Gold, Rembrandt und Introducing Dorothy sowie erst kürzlich Tetro in der Regie von Francis Ford Coppola. Mit seinem Freund István Szabó schuf er die Filmtrilogie Oberst Redl–Mephisto-Hanussen. Als Regisseur verfilmte er Georg Elser – Einer aus Deutschland und Mario und der Zauberer von Thomas Mann.

Klaus Maria Brandauer ist ordentlicher Professor am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, Ehrendoktor der Universität Tel Aviv und der Universität Salzburg, Ehrenbürger von Altaussee in der Steiermark und Haynes in Alaska. Wichtig ist ihm das Spiel mit verschiedenen Rollen: „Zuschauer, Schauspieler, Regisseur – nichts möchte ich immer und ausschließlich sein müssen. Theater und Film – auf keines von beiden möchte ich mich immer und ausschließlich festlegen müssen. Ich brauche das Spiel der Möglichkeiten. Ich brauche die Möglichkeiten des Spiels. Bleiben tu’ ich mir nicht. Noch nicht.“

Arno Waschk dirigierte 2009 Musiktheater-Uraufführungen von Sören Nils Eichberg in Tangermünde sowie von Christoph Schlingensiefs Mea Culpa am Burgtheater Wien, für das er zahlreiche eigene Kompositionen beisteuerte. Für die Burgtheater-Inszenierung von Faust I von Matthias Hartmann Im September 2009 komponierte er die Bühnenmusiken. Zudem war er an Schönbergs Moses und Aron auf der Ruhrtriennale sowie an der Uraufführung von Proserpina von Wolfgang Rihm in Schwetzingen beteiligt. Seit 2008 spielte er in Matthäuspassion (Regie: Sebastian Hartmann) am Centraltheater Leipzig. Er tritt regelmäßig als Klavierpartner von Klaus Maria Brandauer auf.

Möglich gemacht haben diesen Abend eine illustre Schar von Förderern: Hilmar Kopper, Claus Wisser, die Deutsche Apotheker und Ärztebank, die Vereinigung von Freunden und Förderern sowie die Hessische Staatskanzlei.

Die Veranstaltungsgäste sind zu Spenden aufgerufen zugunsten der Psychosozialen Beratungsstelle für Flüchtlinge an der Goethe-Universität. Diese ermöglicht Flüchtlingen eine muttersprachliche oder dolmetschergestützte Beratung, Diagnostik und weiterführende Therapie.

Veranstaltungen

Nov 7 2016
16:00

Internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ dekodiert vom 17. bis zum 19. November die Alltäglichkeit des Digitalen

Tagung zur normativen Unordnung digitaler Welten

FRANKFURT.Die internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beschäftigt sich vom 17. bis zum 19. November 2016 interdisziplinär mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Unter dem Titel „Digital <Dis>Orders“ werden die Einflüsse neuer Technologien auf Gesellschaft, Politik und ästhetische Wahrnehmung diskutiert. Die Themen umfassen Fragen nach der Herausbildung der Computertechnologie aus Kybernetik und Kryptographie, den ökonomischen Bedingungen der digitalen Technologie, der Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie deren Einfluss auf die ästhetische und praktische Weltwahrnehmung.

Die Konferenz untersucht das schnelle Altern und die fortwährende Verjüngung der neuen Technologien. Ihre massenhafte Verbreitung und die allgegenwärtige Vernetzung verändern unsere Lebenspraktiken, die Struktur des Zusammenlebens und die Formen ästhetischen Empfindens. Unter der Bedingung rastloser technologischer Umwälzung geraten unsere Vorstellungen von staatlichem Handeln, menschlichem Verstehen und Urteilen sowie künstlerischer Produktion zunehmend in Bedrängnis. Wie reagiert der Mensch auf die von ihm geschaffenen Herausforderungen einer digitalen Lebenswelt? Das Programm umfasst Abendvorträge, Kunstinstallationen, künstlerische Beiträge und Workshops sowie acht Panels in denen rund 30 Referentinnen und Referenten aus der aller Welt zusammentreffen.

Am Donnerstagabend (17.11.) hält Louise Amoore, Professorin für Geographie an der Durham University (Großbritannien), einen Vortrag mit dem Titel: „On Intuition: Machine Learning and Posthuman Ethics“. Am Freitag folgt der interaktive Vortrag „Contra-Internet“ von Zach Blas. Der Künstler ist Dozent am Goldsmiths, University of London und spricht über Überwachung, Militanz und Subversion im Internet. Konferenzsprache ist Englisch.

Die internationale Nachwuchskonferenz steht Interessierten offen. Die Veranstaltungen finden im Gebäude des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend statt. Eine vorherige Anmeldung wird erbeten unter: graduateconference2016@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/nachwuchskonferenzen

Informationen: Jerzy Sobotta vom Organisationsteam der Nachwuchskonferenz, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. 069/798-31405, jerzy.sobotta@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Veranstaltungen

Nov 7 2016
15:59

Vortrag über soziale und emotionale Robotik in der Reihe „Frankfurter Alternsforschung – Wissenschaft für Menschen in unserer Stadt“

Mehr Akzeptanz für Roboter bei älteren Menschen?

FRANKFURT.Der Vorstellung, Roboter zur Unterstützung älterer Menschen mit unterschiedlichem Hilfebedarf einzusetzen, wird immer populärer. So werden auch sogenannte soziale und emotionale Roboter erfunden, die dabei helfen sollen, das Bedürfnis Älterer nach Beschäftigung und Kommunikation zu befriedigen. Dazu gehören: „Paro“, ein Roboter, der einer echten Babyrobbe nachempfunden ist, der Roboterdinosaurier „Pleo“ oder „Giraff“ und „Vigo, die mit ihren Telepräsenzsystemen Kommunikation über größere Entfernungen ermöglichen. Zur Anwendung und Effizienz dieser Roboter gibt es erste positive Ergebnisse, aber werden diese künstlichen Tiere und Videotelefone auf Rädern auch von den älteren Menschen akzeptiert? An der Goethe-Universität erforschen die beiden Psychologinnen Prof. Dr. Monika Knopf und Dipl.-Psych. Stefanie Baisch, was die Akzeptanz durch die älteren Menschen eher fördert oder eher behindert. Die Altersforscher erklären, was soziale und emotionale Roboter sind und berichten von ihren bisherigen Studienergebnissen in einem öffentlichen Vortrag, zu dem alle Interessierten eingeladen sind

am Donnerstag (17.11.) um 19.30 Uhr
in der Zentralbibliothek der Stadt Frankfurt, Hasengasse 4.

Der Vortrag gehört zu der Reihe „Frankfurter Alternsforschung – Wissenschaft für Menschen in unserer Stadt“, die vom „Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung“ veranstaltet wird und sich bewusst an die Stadtgesellschaft richtet. Gefördert wird das Frankfurter Forum von der BHF-BANK-Stiftung, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über das Altern aus verschiedenen Disziplinen forschen, zusammenzuführen, neue interdisziplinäre Projekte anzustoßen und den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielt zu fördern. In dieser Veranstaltungsreihe werden Frankfurter Nachwuchswissenschaftler gemeinsam mit Experten des jeweiligen Fachgebiets ausgewählte Forschungsprojekte, die für ältere Menschen von Nutzen sind, vorstellen und diskutieren.

Informationen: Dr. Tanja Müller, Koordinatorin des Frankfurter Forums für interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA), Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Telefon +49 (69) 798 36393,  E-Mail: tanja.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/ffia

Veranstaltungen

Nov 4 2016
13:30

Studentische Initiative organisiert Messe an der Goethe-Uni

Deutschlandweit erster Karrieretag für Geistes- und Sozialwissenschaftler

FRANKFURT.Zum ersten Mal findet deutschlandweit am 9. November 2016 ein Karrieretag für Geistes- und Sozialwissenschaftler statt. Die „Karriere für den Geist“ ist eine Messe, die von Studierenden für Studierende der Goethe-Universität initiiert worden ist und an diesem Tag für alle Interessierten von 11 bis 16 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend Informationen zu Berufsfeldern und Bewerbungen bereit hält.

„Was willst du denn damit später machen?“ – eine Frage, die Geistes- und Sozialwissenschaftler oft zu hören bekommen. Ob sich das Studium im Hinblick auf ihre beruflichen Perspektiven auszahlt, beschäftigt tatsächlich viele Studierende dieser Fächer. Ein Grund für einige Deutschlandstipendiaten der Goethe-Uni eine Berufsmesse zu organisieren. „Es ist dringend notwendig, Geistes- und Sozialwissenschaftler auf Berufsfelder aufmerksam zu machen, die ihnen nicht so präsent sind“, sagt Magdalena Köhne, Studentin der Humangeographie und Mitorganisatorin. Vor allem Jobs in der freien Wirtschaft – etwa als Unternehmensberater, im Personalwesen, im Vertrieb oder im After-Sales-Bereich – können für diese Zielgruppe von besonderem Interesse sein. Die Schirmherrschaft seitens der Universität hat Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl übernommen: „Ich bin davon überzeugt, dass ein früher Kontakt zwischen Studierenden und Unternehmen zu weniger Studienabbrüchen führt. Hierfür ist eine solche Messe eine ideale Plattform.“ Unterstützt wird das Projekt außerdem vom Career-Service der Goethe-Universität.

Bei einem „Markt der Möglichkeiten“ präsentieren sich Unternehmen, Organisationen, Einrichtungen und Verbände an klassischen Messeständen. Eine Vortragsreihe mit abschließender Podiumsdiskussion und Workshops in Form von „World Cafés“ bieten darüber hinaus die Möglichkeit, sich zu informieren. Die Themen der Vorträge sind unter anderem „Karrierepfad Promotion?“, „Ihr Arbeitsplatz die Welt – Der höhere auswärtige Dienst stellt sich vor!“ oder „Einstiegsmöglichkeiten in der Verlagsbranche“. Als Vortragende mit dabei sind etwa Bertelsmann, der Personalvermittler Hays oder das Auswärtige Amt. Zudem können die Messebesucher nach vorheriger Anmeldung ihre Bewerbungsmappen checken und kostenfrei Bewerbungsfotos machen lassen.

„Karriere für den Geist“
Wann: 9. November 2016, 11 bis 16 Uhr
Wo: Hörsaalzentrum, Campus Westend

Zum Programm: www.karriere-fuer-den-geist.de/programm

Forschung

Nov 4 2016
13:06

Hessenweite Kooperation: Goethe Business School bietet neuen berufsbegleitenden MBA für Führungskräfte

Digitale Transformation aktiv gestalten

FRANKFURT. Die digitale Transformation ist schon lange kein Phänomen vereinzelter Industrien oder Geschäftsbereiche mehr. Um im Wettbewerb zu bestehen, reicht es für Unternehmen nicht mehr aus, mit Einzelmaßnahmen darauf zu reagieren. Die digitale Revolution systematisch und proaktiv zu gestalten, wird immer wichtiger. Deshalb gewinnt die Digitalkompetenz von Führungskräften zunehmend an Bedeutung. Die Goethe Business School (GBS) hat auf diese Entwicklung eine Antwort: den neuen berufsbegleitenden Master of Digital Transformation Management (MBA). „Das speziell auf die Herausforderungen der Digitalen Revolution ausgerichtete MBA-Programm füllt eine wichtige Lücke im Management-Bildungsportfolio: Es kombiniert IT- und Führungskompetenz“, freut sich Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität.

Der neue MBA wurde von der Goethe Business School, die über eine langjährige Expertise im Weiterbildungsbereich verfügt, in Kooperation mit der TU Darmstadt, der Universität Kassel, dem House of IT und mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung konzipiert. Zielgruppe sind aufstrebende Professionals, die mithilfe eines MBA-Programms die Digitale Transformation aktiv für sich und ihr Unternehmen gestalten und sich für weitergehende Führungsaufgaben qualifizieren wollen. Die Kombination aus klassischen Managementkenntnissen und hochaktuellen Themenfeldern der digitalen Transformation ist in dieser Form einzigartig in Deutschland.

Das englischsprachige MBA-Programm ist auf ideale Weise kompatibel mit einer Berufstätigkeit: Es umfasst drei Semester Vorlesungen im Zweiwochenrhythmus (freitagnachmittags und samstags im Semester) und schließt mit einer Masterarbeit ab, die in einem Zeitraum von 20 Wochen verfasst wird. Verliehen wird der MBA von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Geplanter Start des Programms ist zum Wintersemester 2017/18.

Weitere Informationen zum Master of Digital Transformation Management: www.goethe-business-school.de/masterprogramme/master-of-digital-transformation-management/

Interessierte sind herzlich zur Informationsveranstaltung eingeladen: 24. November 2016, um 18.00 Uhr im House of Finance, Campus Westend der Goethe-Universität. Anmeldungen bitte unter www.goethe-business-school.de/info-mdtm

Die Goethe Business School (GBS) bietet Führungskräften und Young Professionals eine exklusive Plattform für verschiedenste Weiterbildungsformate an der Goethe-Universität. Die GBS wurde im Jahr 2004 gegründet und ist, eng angebunden an den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, privatwirtschaftlich organisiert und geführt.

Kontakt: Dr. Christian Jansen, Managing Director, Goethe Business School gGmbH, Goethe-Universität. Tel. (069) 798 33846; jansen@gbs.uni-frankfurt.de www.goethe-business-school.de

Hochschulpolitische Themen

Nov 4 2016
09:55

Stolze Bilanz: Seit 2011 spendeten Bürger, Unternehmen, Vereine und Stiftungen vier Millionen Euro

581 Studierende der Goethe-Universität erhalten Deutschlandstipendium

FRANKFURT.„Chancen schenken“ haben in diesem Jahr 280 Förderer wörtlich genommen und insgesamt über eine Million Euro für Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität gespendet. So können 581 Studierende aller Fachrichtungen ein Jahresstipendium von 3600 Euro erhalten. Das ist die höchste Stipendiatenzahl unter den deutschen Hochschulen. „Das Deutschlandstipendium findet in Frankfurt besonders viele Unterstützer“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Dass es hier so viele Deutschlandstipendien gibt, sehen wir nicht nur als eine wunderbare Unterstützung für die Arbeit der Goethe-Universität, sondern auch als eine besondere Anerkennung für unsere Studierenden. Wir danken allen Stiftern und Stifterinnen für ihr großes Engagement!“

Seit Einführung des Deutschlandstipendium 2011 wurden insgesamt rund 2200 Studierende der Goethe-Universität mit insgesamt rund acht Millionen Euro gefördert. Vier Millionen kamen von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen aus Stadt und der Region, die andere Hälfte zahlte das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mit dem Deutschlandstipendium baut die Bundesregierung die Studienfinanzierung durch ein Programm aus, das zugleich eine neue Stipendienkultur in Deutschland anstößt: Bürger, auch ehemalige Hochschulabsolventinnen und -absolventen, Unternehmen oder Stiftungen sind aufgefordert, talentierte Studierende mit ihrem Beitrag zu unterstützen – und die Bundesregierung legt den gleichen Betrag noch einmal oben drauf.

Waren es im Jahr 2011 noch 161 Stipendiaten, können jetzt 581 Stipendien vergeben werden. „Das Stipendienprogramm funktioniert wie ein Scharnier zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgern“, so Lucia Lentes, die dieses Programm seit Beginn betreut und im engeren Kontakt mit den Förderern steht. Und das sind die Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre: Unter den Privatpersonen sind viele ehemalige Studierende der Goethe-Universität, diese Alumni drücken mit Beträgen zwischen 50 Euro und mehreren tausend Euro ihre Verbundenheit mit ihrer Alma Mater und der jungen Generation aus. Auch viele Hörer der Universität des 3. Lebensalters, der sogenannten U3L, beteiligen sich an der Förderung ihrer jungen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Unternehmen, insbesondere Mittelständler haben erkannt, dass das Deutschlandstipendium ein hervorragendes Mittel ist, um mit qualifiziertem Nachwuchs in Kontakt zu kommen. Große Unternehmen spenden häufig ohne konkrete Fächerbindung, im besten Sinne als „corporate citizens“. Und auch Service-Clubs wie Rotary und Zonta und ebenso etliche Stiftungen sind verlässliche Unterstützer der Studierenden.

300 Euro monatlich – das erleichtert den Studienalltag in der Metropole: „Das Leben in Frankfurt ist sehr teuer. Durch die Förderung müssen die Stipendiaten nicht so viele zeitaufwändige Nebenjobs übernehmen; es bleibt mehr Zeit für das Studium und vor allem für die Vorbereitung auf Prüfungen. Mancher kann sich dank des Stipendiums sogar ein Auslandssemester leisten“, sagte Birgitta Wolff.

Bei der Auswahl der Stipendiaten spielen nicht nur sehr gute Leistungen und gesellschaftliches Engagement eine Rolle. „Wir berücksichtigen auch Studierende, die biografische Hürden auf dem Weg zur Uni überwinden mussten, weil sie aus einer nicht-akademischen Familie kommen, Migrationshintergrund haben oder die Eltern sie nicht finanziell unterstützen können“, so Dr. Beate Firla, die für das Bewerbungs- und Auswahlverfahren sowie die anschließende Betreuung der Stipendiaten zuständig ist. In diesem Jahr haben 44 Prozent der Stipendiaten keinen akademischen Familienhintergrund, 29 Prozent stammen aus einer Migrantenfamilie, 19 Prozent sind BAföG-Empfänger. Die Mehrzahl der Geförderten – 58 Prozent – sind Frauen.

Über die finanzielle Förderung hinaus bietet die Goethe-Universität den Stipendiaten ein ideelles Förderprogramm an, für dessen Konzept sie 2013 in einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet wurde. So beteiligen sich Stipendiaten ehrenamtlich an sozialen Projekten, von denen die Bürgerschaft Frankfurts profitiert; dazu zählen zum Beispiel neue Vorschläge zur Unterbringung von Obdachlosen, die Arbeit mit akademischen Flüchtlingen oder ökologische Themen. So wurde am 24. Oktober die Stipendiatengruppe „PapierPilz Frankfurt“ mit dem Bruno H. Schubert-Preis 2016 ausgezeichnet. Die Gruppe wurde geehrt für ihr Projekt, das sich mit dem ressourcenschonenden Verbrauch und der Wiederverwertung von Papier unter den Studierenden befasst.

Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Präsidialbereich, Campus Westend, Tel. (069) 798 - 12756, E-Mail: lentes@pvw.uni-frankfurt.de

Sonstige

Nov 4 2016
09:50

Der älteste deutsche Fachbereich für Wirtschaftswissenschaften blickt zurück auf den Wandel von Traditionen, Aufgabenstellungen und Selbstverständnis im vergangenen Jahrhundert

Von Kontinuität und Brüchen: Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt hat den 100. Geburtstag der Universität im Jahr 2014 zum Anlass genommen, um auf die eigene Geschichte zurückzublicken, die sogar noch ein paar Jahre älter ist: Bereits 1901 wurde eine Handelshochschule in Frankfurt gegründet, die 1914 dann als erste deutsche Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in die neue Universität aufging. Auf seinem jährlichen „Dies Academicus“ präsentiert der Fachbereich am heutigen Freitagabend die dritte, stark erweiterte Auflage seiner Historie unter dem neuen Titel „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in Frankfurt am Main – Von der Handelshochschule zum hundertjährigen Jubiläum der Universität“, herausgegeben von Bertram Schefold. Schefold, seit 1974 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, versammelt auf 1142 Seiten per­sönliche Erinnerungen an das Charakteristische des wissenschaftlichen Lebens der beteiligten wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und verbindet sie mit Analysen der fachlichen Entwicklung.

Während sich die beiden ersten Teile des Werkes der Geschichte der Frankfurter Wirtschaftswissenschaften im 20. Jahrhundert widmen, beschreibt der vollkommen neue dritte Teil den Um- und Aufbruch in den vergangenen 15 bis 20 Jahren. Die Europäisie­rung der Wissenschaftspolitik im Rahmen der Bologna-Reform erforderte nicht nur eine komplette Neuaufstellung der Studiengänge, sondern machte auch eine Reform der Strukturen des Fachbereichs nötig. Eine Neuordnung in Abteilungen löste das alte Lehrstuhlsystem ab. Die zunehmende Internationalisierung der Disziplin hinterließ ebenso Spuren wie die Rückkehr der Goethe-Universi­tät zum Prinzip der Stiftungsuniversität im Jahr 2008. In persönlichen Erinnerungen beleuchten Mitglieder des Fachbereichs sowohl Vor- als auch Nachteile der Veränderungen und skizzieren Schwerpunkte in Forschung und Lehre der einzelnen Abteilungen.

Die älteren Teile des Bandes, der in erster Auflage 1989 erschienen war, umspannen in lebhaften Schil­derungen die Entstehungsge­schichte der Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts, die Blütezeit der Frankfurter Fakultät in der Weimarer Republik, Faschismus und Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau, die Studentenunruhen und die Hochschulreform der 1960er und 70er Jahre bis hin zu den Diskussionen über die Anpassung an angelsäch­sische Vorbilder Ende des Jahrtausends.

Das reich bebilderte, mit einer Lehrstuhlgeschichte und chronologischen Tabellen ergänzte Werk vermittelt einen Eindruck von den Veränderungen der wissenschaftlichen Aufgabenstel­lung und des Selbstverständnisses der Hochschul­lehrer in den vergangenen Jahrzehnten und beleuchtet die Kontinuitäten und Brüche von Forschungstraditionen vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeitumstände.

Bertram Schefold (Hg.): Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in Frankfurt am Main. Von der Handelshochschule zum hundertjährigen Jubiläum der Universität. 3., stark erweiterte Auflage, Metropolis-Verlag, Weimar bei Marburg, ISBN 978-3-7316-1215-5, 1142 Seiten, 79,80 EU

Veranstaltungen

Nov 4 2016
09:17

Die Stadt Hanau und die Goethe-Universität zeichnen „versierten Fürsprecher für die Grimm’schen Märchen“ aus – Vorlesungsreihe mit dem Preisträger

Erste Grimm-Bürgerdozentur geht an Tilman Spreckelsen

FRANKFURT.Eine neue Initiative haben die Brüder-Grimm-Stadt Hanau und das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität zum Wintersemester 2016/17 ins Leben gerufen: die erste Grimm-Bürgerdozentur. Preisträger ist in diesem Jahr Dr. Tilman Spreckelsen, Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In der Begründung zur Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur heißt es: „Dr. Tilman Spreckelsen hat sich als ein außergewöhnlich versierter Fürsprecher für die Grimm’schen Märchen und deren Fortwirken, insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur, erwiesen.“ Damit werde eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die das Grimm’sche Leben und Werk für die Gegenwart aktualisiert und sichtbar macht. Spreckelsen, Jahrgang 1967, hat immer wieder Jubiläen, Editionsprojekte und andere Anlässe genutzt, um intensiv über Märchen und über die Brüder Grimm zu recherchieren. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen machte er einem breiten Publikum in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zugängig – sachkundig und stilistisch brillant.

Auch sein erzählerisches Talent wird mit dieser Dozentur gewürdigt; er hat sich intensiv mit den nordischen Erzählwelten auseinandergesetzt und diese Erzähltraditionen in einen zeitgemäßen Sprachduktus übertragen. So erschienen im Verlag Galiani seine Nacherzählungen des finnischen Nationalepos „Kalevala“ sowie ausgewählte Isländer-Sagas. Im Verlag S. Fischer gibt er die viel beachtete Kinder- und Jugendbuchreihe „Die Bücher mit dem blauen Band“ heraus. Für sein Krimidebüt „Das Nordseegrab“ erhielt Spreckelsen 2014 den Theodor-Storm-Preis der Stadt Husum.

Die offizielle Übergabe der Dozentur durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, an Dr. Tilman Speckelsen findet statt

am 7. Dezember (Mittwoch) um 18 Uhr s.t.
im Roten Saal von Schloss Philippsruh, Philippsruher Allee 45, Hanau-Kesselstadt.

Vorlesungsreihe „Der goldene Schlüssel“

Mit der Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur ist eine dreiteilige öffentliche Vorlesungsreihe verbunden, der Spreckelsen den Titel „Der goldene Schlüssel“ gegeben hat: Sie beginnt am 7. Dezember (Mittwoch) mit dem Vortrag „Das schlechte Blatt des Junkers von Eschwege, oder: Die Spätfolgen einer Kindheit im Schatten der Löwenburg“.

Die Reihe wird im neuen Jahr fortgesetzt: am 19. Januar 2017 (Donnerstag) um 18 Uhr c. t. auf dem Campus Westend, Casino, Renate-Metzler-Saal 1.801 mit einer Vorlesung zu „Das Märchen von Beedle, dem Barden, oder: Harry Potter und der lange Schatten der Brüder Grimm“. Zur Einführung spricht Prof. Dr. Ute Dettmar, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung.

Im Kulturforum Hanau sind am 24. Februar 2017 (Freitag) um 9.45 Uhr Schülerinnen und Schüler der Oberstufenkurse Deutsch eingeladen. Spreckelsen referiert über „Jacob und Will Reckless hinter dem Spiegel, oder: Warum uns die Welt der Märchen keine Ruhe lässt“.

Die Grimm-Bürgerdozentur und die Vortragsreihe werden unterstützt von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität, der Märchen-Stiftung Walter Kahn und dem Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. Die Grimm-Bürgerdozentur soll alle zwei Jahre vergeben werden. Dr. Claudia Maria Pecher, Märchenforscherin am Institut für Jugendbuchforschung, und Diplom-Politologe Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, haben die Reihe konzipiert und organisiert.

Informationen: Dr. Claudia Maria Pecher, Franca Feil M. A., Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798–32995, E-Mail: pecher@em.uni-frankfurt.de, E-Mail: feil@em.uni-frankfurt.de

Voranmeldung für die Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur bitte an Christine Schilling, Stadtverwaltung Hanau, Tel. (06181)295-1723, E-Mail: Christine.Schilling@Hanau.de,.

Bild zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/63885741 / Copyright: Kat Menschik

Veranstaltungen

Nov 1 2016
17:00

Im Frankfurter Westen ist ein von der BHF-BANK-Stiftung gefördertes Modellprojekt zur Sprachförderung angelaufen – begleitet von Erziehungswissenschaftlerinnen der Goethe-Universität

EINLADUNG zum Mediengespräch / Keine separaten Kurse: Kinder sollen ihr Deutsch im Alltagsumfeld von Kita und Grundschule verbessern

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Thema ist nicht neu, aber die Herangehensweise ändert sich: Immer mehr Kinder benötigen Sprachförderung, dazu zählen nicht nur Kinder aus Migrationsfamilien, sondern auch viele aus bildungsfernen Familien kommen bereits mit sprachlichen Defiziten in den Kindergarten. Doch während Bildungsexperten lange auf zusätzliche Kurse außerhalb des regulären Unterrichts setzten, zeichnet sich inzwischen eine Trendwende ab: Die Kinder sollen nicht länger separiert werden, sondern in ihrem Alltagsumfeld ihre Sprachkompetenz verbessern, sei es möglichst früh in der Kita oder spätestens in der Grundschule.

In Frankfurt läuft dazu seit einem halben Jahr ein Modellversuch: „Sprachentdecker! Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kitas und Grundschulen im Frankfurter Westen“. Finanziert wird das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt von der BHF-BANK-Stiftung, neben drei Grundschulen und fünf Kitas in Griesheim und Höchst beteiligen sich auch das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und das Staatliche Schulamt der Stadt. Die wissenschaftliche Leitung haben Prof. Dr. Diemut Kucharz und ihr Team, Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, übernommen.

Wie sieht ein solches Förderkonzept in Kita und Schule und insbesondere im Übergang zur Grundschule aus, mit dem Kinder zwischen drei und zehn Jahren gut Deutsch lernen? Welche Fortbildungen und Coachingangebote benötigen die beteiligten Pädagogen? Welche Rolle spielt das Netzwerk dieser Beteiligten für die erfolgreiche Umsetzung? Wie gewinnt man die Eltern zur Mitarbeit? Innerhalb des Modellprojekts werden diese und viele andere Fragen im Berufsalltag angegangen. Über das Projekt und die Erfahrungen aus den ersten sechs Monaten wird berichtet:

am: Dienstag, 8. November, um 11.30 Uhr,
Ort: Seminarpavillon, Hansaallee/ Ecke Stralsunder Straße, Raum SP 2.03, gegenüber vom Campus Westend
(siehe Lageplan, Haus Nr.21: http://www.uni-frankfurt.de/38093807/Campus_Westend-pdf.pdf)

Ihre Gesprächspartner sind: 

  • Reinhold Stahler, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Frankfurt

  • Dr. Armin von Ungern-Sternberg, Leiter des Amts für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt

  • Prof. Dr. Tanja Brühl, Vizepräsidentin Goethe-Universität Frankfurt

  • Prof. Diemut Kucharz, die die wissenschaftliche Leitung des Projekts innehat und

  • Dietmar Schmid, Vorsitzender des Vorstands der BHF-BANK-Stiftung
  • Pädagoginnen aus den beteiligten Kita und Grundschule

Über Ihre Zusage freuen wir uns, mailen Sie uns doch bitte bis zum 4.November (jaspers@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Jaspers,
Referentin für Wissenschaftskommunikation

Forschung

Nov 1 2016
16:59

Goethe-Universität koordiniert 2-Mio-Euro-Projekt auf europäischer Ebene

Mit Bakterien Wertstoffe aus Kohlendioxid gewinnen

FRANKFURT. Mikroben werden schon vielfach für die Produktion von Treibstoffen und Basischemikalien eingesetzt, aber die meisten müssen dafür mit Zucker „gefüttert“ werden. Da die Zucker-basierte Biotechnologie in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, gerät sie immer stärker in die Kritik. Als Alternative ist inzwischen Kohlendioxid als Rohstoff für biotechnologische Verfahren in den Fokus gerückt. Die Goethe-Universität hat nun die Leitung eines europäischen Verbundprojekts übernommen, das die Entwicklung von Verfahren zur mikrobiellen, CO2-basierten Biotechnologie vorantreiben soll. Es wird in den nächsten drei Jahren mit zwei Millionen Euro gefördert.

„Diese anwendungsorientierte Arbeit ist eine logische Fortsetzung unserer jahrelangen erfolgreichen Bemühungen, den Stoffwechsel CO2-reduzierender acetogener Bakterien zu verstehen. Nun können wir beginnen, deren Stoffwechsel so zu lenken, dass sie für den Menschen interessante Wertstoffe und Treibstoffe produzieren“, so Prof. Volker Müller, Professor am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität. Er koordiniert das transnationale Projekt im Rahmen des European Research Area NETwork „Industrielle Biotechnologie“, in dem die deutschen Gruppen über das Bundesforschungsministerium (BMBF) finanziert werden. Damit hat die Goethe-Universität eine herausragende Stellung in der Entwicklung einer Zukunftstechnologie eingenommen.

Die besondere Gruppe der acetogenen Bakterien verarbeitet  Kohlendioxid (CO2) in einem Fermentationsprozess, der von Licht und Sauerstoff unabhängig ist. Als Energieträger nutzen die Bakterien Wasserstoff (H2) oder Kohlenmonoxid (CO) oder eine Mischung aus beiden (Synthesegase). Allerdings erzeugen die Bakterien bei diesem Stoffwechsel nur sehr wenig Energie. Das schränkt die die Produktpalette der Gasfermentation dramatisch ein, so dass zur Zeit nur Essigsäure und Ethanol im industriellen Maßstab hergestellt werden können. Das europäische Verbundprojekt hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, relevante acetogene Bakterien gentechnisch derart zu modifizieren, dass diese energetischen Barrieren überwunden werden können. Beteiligt sind die Goethe-Universität Frankfurt sowie die Universitäten in Ulm, Göttingen und La Coruna. Industriepartner ist der weltweit größte Stahlproduzent ArcelorMittal.

Die mikrobielle, CO2-basierte Biotechnologie könnte zukünftig eine umweltfreundliche Alternative zur Wiederaufbereitung von Energie- und Kohlenstoff reichen Abfallgasen aus der Industrie bieten und die Abhängigkeit von Rohöl reduzieren. Die mikrobielle Fixierung und Umwandlung von CO2 in biologisch hergestellte Rohstoffe ermöglicht es zudem, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Eine Grafik zum Download finden Sie unter:www.uni-frankfurt.de/63820642

Acetogene (essigsäurebildende) Bakterien produzieren aus H2 + CO2 oder CO Essigsäure oder Ethanol. Dabei wird Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) frei. Die Synthese anderer industriell interessanter Produkte aus dem Zwischenprodukt Acetyl-CoA verbraucht aber zusätzlich ATP. Ziel des Projektes ist es, die Energiebilanz der Bakterien durch genetische Modifikation so zu verändern, dass auch die Produktion solcher zusätzlich Energie-verbrauchender Verbindungen möglich wird.

Informationen: Prof. Volker Müller, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069)798-29507, VMueller@bio.uni-frankfurt.de.

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Okt 31 2016
13:38

Geflüchtete Akademiker präsentieren ihren Blick auf Forschung und Lehre

Neue Vortragsreihe: Opening Academia

FRANKFURT. In der deutschlandweit wohl einzigartigen Vortragsreihe stellen Exil-Akademikerinnen und -Akademiker aus verschiedenen Disziplinen ihre wissenschaftliche Arbeit erstmals vor und berichten, mit welchen Gefahren und Beschränkungen sie bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren – und noch heute sind. Die Vortragsreihe ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Verein academic experience Worldwide und der Goethe-Universität und wird am 16. November um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei der Zentralbibliothek der Stadt Frankfurt am Main eröffnet. Im Rahmen der Bürgeruniversität richtet sie sich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Mittlerweile öffnen sich viele Universitäten in Deutschland für geflüchtete Studierende. Die Öffnung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Exil bleibt jedoch in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. „Ach? In Äthiopien gibt es Universitäten?“ oder „In Afghanistan wird mit den gleichen Forschungsmethoden wie hier in Deutschland gearbeitet?“ Mit solchen Stereotypen sieht sich Merle Becker, Gründerin des gemeinnützigen Vereins academic experience Worldwide, bei ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert. Der Verein gibt geflüchteten Akademikerinnen und Akademikern Orientierung im Wissenschaftsbetrieb und organisiert einen Austausch auf Augenhöhe. Mit der Vortragsreihe möchte die Goethe-Universität bei der Integration von geflüchteten Wissenschaftlern Zeichen setzen und als weltoffene Bürgeruniversität eine Vorreiterrolle einnehmen.

Vier große Chancen
Gemäß dem Titel „Opening Academia“ bietet die Vortragsreihe vor allem vier große Chancen: So soll die Reihe einen Austausch zwischen geflüchteten und deutschen Akademikern sowie mit einer breiten Öffentlichkeit etablieren. Zudem kann die Reihe helfen, Stereotype wie das des „hilfsbedürftigen Flüchtlings“ aufzubrechen. Darüber hinaus soll „Opening Academia“ den Blick über den Tellerrand europäisch zentrierter Diskussionen in der Wissenschaft hinaus lenken. Und schließlich können Wissenschaftler im Exil so Anschluss an akademische Diskussionen in Deutschland finden und erste Schritte auf dem Weg ihrer akademischen Laufbahn in Deutschland unternehmen. „Uns ist es wichtig, dass die Vortragenden nicht auf den Flüchtlingsstatus reduziert werden, sondern wieder als kompetente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ernst genommen werden“, betont Merle Becker.

Auftaktvortrag „Design by Nature“ von Dr. Khaldoun Abaza
Den Auftakt zur Reihe „Opening Academia“ bildet am 16. November der Vortrag von Dr. Khaldoun Abaza mit dem Titel  „Design by Nature. Biologically-Inspired Mobile Robots and Worm-Like Locomotion.” Herausragende Erfindungen, so seine These, basieren zuvorderst auf Prinzipien der Natur – sei der menschliche Geist auch noch so brillant. Am Beispiel zweier Prototypen mit Wurm-artiger (peristaltischer) Lokomotion wird Dr. Abaza in seinem Vortrag die Schritte im Konstruktionsprozess von mobilen Robotern erläutern. „Deutschland hat vieles für Geflüchtete getan. Schutz, Solidarität, Freundschaft und die Chance wieder normal atmen und leben zu dürfen sind
sehr wichtig. Dafür bin ich dankbar“, erklärt Dr. Abaza, „Aber: Geflüchtete können mehr als nur Geschichten über den Krieg und die schreckliche Reise nach Deutschland bieten. Ich hoffe, dass mein Vortrag ein gutes Beispiel hierfür ist.“

Der zweite Vortrag der Reihe folgt am 13. Dezember. Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Aklilu Ghirmai spricht dann zum Thema „Eritrea – Diktatur und State-Building im Widerspruch.“

Die Vortragsreihe „Opening Academia. Geflüchtete AkademikerInnen präsentieren ihren Blick auf Forschung und Lehre“ wird gefördert von dem Gleichstellungsbüro, dem International Office und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Goethe Universität Frankfurt am Main sowie der Stadtbücherei der Stadt Frankfurt. Weiteres Material und Informationen unter folgendem Link: http://www.aeworldwide.de/opening-academia/

Kontakt: Merle Becker, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) / academic experience Worldwide e.V. Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-23301, E-Mail: merle.becker@em.uni-frankfurt.de / merle@aeworldwide.de

Personalia/Preise

Okt 31 2016
10:32

Horst Marschall ist neuer Wilhelm-Heraeus-Stiftungsprofessor

Einladung zum Medientermin / Er entschlüsselt Botschaften aus dem Inneren der Erde

FRANKFURT.Der Petrologe und Geochemiker Prof. Horst Marschall ist auf die neue Wilhelm-Heraeus-Stiftungsprofessur an der Goethe-Universität berufen worden. Sie konnte dank einer großzügigen Spende der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Universität eingerichtet werden. Ziel ist es, die Brücke zwischen der Physik und den Geowissenschaften an der Universität zu stärken. Horst Marschall erforscht Gesteine, die tief aus dem Erdmantel kommen. Am 7. November stellt er sein Forschungsgebiet im Rahmen eines Festakts vor.

Was? Festakt mit öffentlichem Vortrag von Wilhelm-Heraeus-Stiftungsprofessor Horst Marschall; Thema: „Geologie und Physik zwischen Erdmantel und Erdkruste“
Wann? 7. November 2016, 18 Uhr
Wo? Geozentrum, GW 0.124, Altenhöferallee 1, Campus Riedberg, 60438 Frankfurt

Die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung finanziert zusätzlich jedes Jahr eine Stiftungsgastprofessur, auf die abwechselnd ein Physiker und ein Geophysiker/Geowissenschaftler berufen wird. Dieser lehrt und forscht einige Wochen an der Goethe-Universität. „Wir sind der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung außerordentlich dankbar, dass sie die internationale Sichtbarkeit der Physik auch und gerade in Kooperation mit den Geowissenschaften an der Goethe-Universität auf diese Weise stärkt und die Vernetzung mit der internationalen Forschungsgemeinschaft fördert“, betont Vizepräsident Prof. Enrico Schleiff. Die Stiftungsgastprofessur 2015 hatte der Physiker Prof. Anatoli Kheifets von der Australian National University in Canberra inne. 2016 war Prof. Renata M. Wentzcovitch von der University of Minnesota in Minneapolis zu Gast in der Mineralogie.

„Wir freuen uns, dass wir mit dieser Stiftungsprofessur dazu beitragen können, die Brücke zwischen der Physik und den Geowissenschaften zu stärken. Die Professur erinnert an unseren Stifter Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus, der 1923 an der Universität Frankfurt promoviert wurde“, sagt Prof. Joachim Treusch, Vorstandsvorsitzender der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.

Prof. Horst Marschall studierte Geowissenschaften an der Universität Heidelberg. Nach der Promotion (2005) ging er mit einem Marie Curie-Stipendium als Postdoktorand an die Universität Bristol. Zwei Jahre später erhielt er dort eine Stelle als „Research Assistant“. Von 2010 bis 2016 war er an der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA. Dort hatte er eine Stelle als „Associate Scientist“ im  Fachbereich Geologie und Geophysik. Seit September 2016 ist er als Wilhelm-Heraeus-Stiftungsprofessor im Fachbereich Geowissenschaften der Goethe-Universität.

Informationen: Prof. Horst Marschall, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 40124,  marschall@em.uni-frankfurt.de. Ein Porträt von Prof. Horst Marschall finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Uni-Report. In Goethe-Uni Online unter http://tinygu.de/Horst-Marschall.

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Okt 31 2016
10:28

Vortrag des Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt bei den „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 9. November 2016

Religion als Option auf dem „Markt der Weltanschauungen“

FRANKFURT/OFFENBACH.Ob die Religion nun wirklich zurückkehrt oder es nur so scheint: Auf jeden Fall sollte man sich mit guten Gründen auch gegen den Glauben entscheiden können – oder aber, unter Abwägung der Alternativen, ganz bewusst dafür. „Religion als Option. Der Markt der Weltanschauungen“ heißt der jüngste Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“, einer gemeinsamen Reihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und der Stadt Offenbach. Referent am Mittwoch, dem 9. November 2016, um 19.00 Uhr im Offenbacher Klingspor-Museum ist Thomas M. Schmidt, Professor für Religionsphilosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Der Eintritt ist frei.

Religion wurde lange als ethischer Klebstoff betrachtet, der eine Gesellschaft zusammenhält, die immer stärker unter den ökonomischen Druck von Konkurrenz und Vereinzelung gerät. Religion galt dabei als eine Quelle gesellschaftlicher Solidarität. Die Prognose der Säkularisierung, die Rede vom Verschwinden der Religion, hat deshalb bisweilen selbst nicht-religiösen Menschen Sorge bereitet. In den letzten Jahren wird Religion mehr und mehr als Störfaktor, als Quelle sozialen Unfriedens wahrgenommen. Viele Konflikte, die andere Ursachen besitzen, werden der Religion als Auslöser zugeschrieben. Die Rede von der „Rückkehr der Religion“ beunruhigt daher viele, die befürchten, dass die mit der Säkularisierung errungenen Rechte und Freiheiten zunehmend bedroht werden.

Was bedeutet es also, wenn im Anschluss an Jürgen Habermas häufig der Ausdruck „postsäkulare Gesellschaft“ verwendet wird? Erlebt Religion – etwa das Christentum oder zunehmend der Islam – wirklich eine Stärkung als gesellschaftliche Kraft oder hat sich nur ihre öffentliche Wahrnehmung und Sichtbarkeit verändert? Der Ausdruck „postsäkular“ besagt auch, dass sich eine Religion, die sich unter säkularen Bedingungen behauptet, an diese Bedingungen erfolgreich angepasst hat. Dazu gehört auch die Einsicht, dass jede religiöse Tradition ein Angebot unter mehreren auf dem Markt der Weltanschauungen darstellt. Dies ist die Einsicht, „Glaube als Option“ (Hans Joas) als eine legitime Möglichkeit neben anderen zu verstehen.

Thomas M. Schmidt ist Professor für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie und kooptierter Professor am Institut für Philosophie der Goethe-Universität. Als Angehöriger des Exzellenzclusters leitet er Forschungsprojekt „Genese und Geltung des Konzepts des Säkularen“. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen ebenso Politische Philosophie, Diskurstheorie und Deutscher Idealismus. Vor seiner Berufung nach Frankfurt lehrte Schmidt als Assistenzprofessor für Philosophie an der California State University in Long Beach. Er hatte Gastprofessuren an der St. Louis University (2001) und an der University of Washington, Seattle (2004) inne. Der Religionsphilosoph ist Hauptantragsteller und stellvertretender Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „Theologie als Wissenschaft“; er war Fellow am Helsinki Collegium für Advanced Studies (2009) und am Max-Weber-Kolleg Erfurt (2011-2012).

Zu seinen Publikationen gehören die Monographien „Anerkennung und absolute Religion“ (1997) und „Discorso Religioso e Religione Discorsiva nella Societá Postsecolare (2009) sowie (als Herausgeber) „Religion in der pluralistischen Öffentlichkeit“ (2008), „Moderne Religion? Theologische und religionsphilosophische Reaktionen auf Jürgen Habermas“ (2009), „Herausforderungen der Modernität“ (2012), „Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch“ (2014), „Der Frankfurter Hegel in seinem Kontext“ (2015) und „Abschied von der Lebenswelt? Zur Reichweite naturwissenschaftlicher Ansätze“ (2015).

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor-Museum und auch der Gesamtreihe sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch wieder die Möglichkeit zur Diskussion.

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt
Religion als Option. Der Markt der Weltanschauungen
Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“

Mittwoch, 9. November 2016, 19.00 Uhr
Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de; Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft