​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Nov 30 2018
10:00

Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln erhält einen mit 1,6 Mio. Euro dotierten ERC Consolidator Grant

Verhalten und Erfolg im Arbeitsmarkt besser verstehen

FRANKFURT. Warum verhalten sich bestimmte Menschengruppen auf dem Arbeitsmarkt auf jeweils eigene Art und Weise? Wodurch erklärt sich ihr unterschiedlicher Erfolg auf dem Arbeitsmarkt? Und welchen Einfluss haben dabei politische Maßnahmen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftlerin und Leibniz-Preisträgerin Nicola Fuchs-Schündeln. Ermöglichen wird dieses Projekt der Consolidator Grant des European Research Council (ERC), einer der höchstdotierten Preise zur Wissenschaftsförderung der Europäischen Union. Gerade wurde bekannt, dass Fuchs-Schündeln, die derzeit im Forschungssemester in Australien weilt, diesen Preis erhalten wird. Ihr Projekt trägt den Titel „Macro- and Microeconomic Analyses of Heterogeneous Labor Market Outcomes“.

„Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit darf ich Nicola Fuchs-Schündeln zu einer beachtlichen Auszeichnung gratulieren“, kommentiert Uni-Präsidentin Birgitta Wolff die Nachricht. „Nach dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat diese herausragende Wirtschaftswissenschaftlerin nun noch einen ERC Consolidator Grant nach Frankfurt geholt, das ist ein enormer Erfolg. Es zeigt die große Anerkennung, die Fuchs-Schündeln auch international genießt. Wir sind froh, diese Kollegin mit ihrem innovativen Forschungsansatz bei uns zu haben. Sie verbindet in ihren Projekten Makro- und Mikroökonomik und lenkt den Blick auf in der Ökonomie eher ungewöhnliche Fragestellungen – eine große Bereicherung für die wissenschaftliche Diskussion und für die Goethe-Universität.“

Nicola Fuchs-Schündeln ist seit 2009 Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität. Am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ist sie als Principal Investigator beteiligt, ebenso am LOEWE-Zentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“. 2015/16 war sie für ein Jahr als Gastprofessorin an der Stanford University in Kalifornien. Promoviert wurde Fuchs-Schündeln an der Yale University, und war daraufhin bis zu ihrem Wechsel an die Goethe-Universität an der Harvard University tätig. In Köln hat sie Lateinamerikastudien und Volkswirtschaftslehre studiert.

Wie in ihren anderen Arbeitsschwerpunkten bleibt Fuchs-Schündeln auch im ERC-Projekt „Macro- and Microeconomic Analyses of Heterogeneous Labor Market Outcomes“ ihrem Forschungsstil treu, der makro- und mikroökonomische Methoden verbindet. Die 46-jährige Wissenschaftlerin plant vier Teilprojekte, drei davon nehmen unterschiedliche Verhaltensweisen von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt in den Blick, das vierte befasst sich mit den Unterschieden zwischen armen und reichen Ländern. Als Datengrundlage dienen vor allem die Arbeitsmarktdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesamts für Statistik. Aus den anonymisierten Sozialversicherungsdaten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern lassen sich sowohl individuelle Arbeitsbiographien ablesen als auch die Personalstrategie von Unternehmen. 

Eines der Teilprojekte werde der Frage nachgehen, wie sich familienpolitische Neuerungen wie die Einführung von Erziehungszeit und -geld auf den Arbeitsmarkterfolg von Frauen ausgewirkt haben, erläutert Fuchs-Schündeln. Was als familien- und frauenfreundliche Maßnahme gedacht war, könnte zum Teil auch negative Folgen gehabt haben, weil Arbeitgeber zurückhaltender wurden bei der Einstellung und Förderung von Frauen. „Diese möglichen negativen Auswirkungen sind bislang nicht untersucht worden“, so die Forscherin. Doch nicht nur in Deutschland sei man an solchen Erkenntnissen interessiert, denn familienpolitische Maßnahmen werden in vielen Ländern diskutiert und implementiert. Ein weiteres Teilprojekt wird sich mit dem Phänomen befassen, dass ein wachsender Frauenanteil in einem Berufssegment oft mit einem Absinken des Lohnniveaus einhergeht. „Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Es könnte an einem Prestigeverlust des Berufs liegen – aber auch daran, dass Frauen mehr Wert auf Flexibilität legen und höhere Flexibilität mit einem geringeren Gehalt verbunden ist“, erklärt Fuchs-Schündeln. Als Grundlage dienen hier unter anderem Daten aus Ostdeutschland, wo Frauen stärker in technische Berufe vorgedrungen sind.

All dies wird Fuchs-Schündeln nicht allein erforschen. Mehrere Doktorandinnen und Doktoranden sowie eine Postdoktorandin oder ein Postdoktorand werden in die Projekte eingebunden sein. „Das ist eine sehr datenintensive Forschungsagenda“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Kandidatinnen und Kandidaten hierfür gebe es in Frankfurt, sagt Fuchs-Schündeln: „Im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften haben wir eine eigene Graduiertenschule mit einem strukturierten Doktorandenprogramm, in dem wir unseren Nachwuchs gemeinsam ausbilden. Das ist eine der großen Stärken der Goethe-Universität.“ Das gesamte Projekt wird bis 2024 mit einer Summe von 1,6 Millionen Euro gefördert.

Der ERC Consolidator Grant reiht sich ein in eine Reihe von Auszeichnungen: Anfang 2018 wurde Fuchs-Schündeln mit dem Leibniz-Preis geehrt, dem renommiertesten deutschen Forschungspreis. 2016 erhielt Fuchs-Schündeln den Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, den wichtigsten deutschen Ökonomen-Preis. 2010 hatte sie bereits einen Starting Grant des European Research Council erhalten.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75159663

Informationen: Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, Professur für Makroökonomie und Entwicklung. Fachbereich 02, Theodor-W.-Adorno-Platz 3, Campus Westend, Tel.: (069) 069/798-33815, E-Mail fuchs@wiwi.uni-frankfurt.de.

 

Nov 29 2018
15:42

Stadt Hanau und Goethe-Universität zeichnen Persönlichkeit aus, die sich für populäres Erzählen in Kinder- und Medienproduktionen einsetzt – Vorlesungsreihe mit der Preisträgerin

Zweite Grimm-Bürgerdozentur geht an Irene Wellershoff

FRANKFURT. Zum zweiten Mal vergeben die Brüder-Grimm-Stadt Hanau und das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität im Wintersemester 2018/19 die Grimm-Bürgerdozentur. Preisträgerin ist in diesem Jahr Dr. Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm. Offizielle Übergabe der Dozentur ist am 

Donnerstag, 13. Dezember um 18 Uhr s.t., im Roten Saal von Schloss Philippsruhe, Philippsruher Allee 45, Hanau-Kesselstadt.

Vor rund 30 Jahren hat Irene Wellershoff die sehr beliebte TV-Kinderserie Siebenstein entwickelt. 1988 ging die Sendung mit Frau Siebensteins Trödelladen, in dem „Gegenstände mit Geschichten“ verkauft werden, erstmals an den Start.

In der Begründung zur Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur heißt es: „Dr. Irene Wellershoff wurde als Erfinderin der ZDF-Kinderserie Siebenstein und mit Fernseh-Teamproduktionen wie Pettersson und Findus, der Märchenperlen-Reihe, Dschermeni, mit dem Einsatz für den besonderen Kurzfilm wie Chika, die Hündin im Ghetto sowie Kinofilm-Koproduktionen wie etwa Hände weg von Mississippi und Bibi & Tina bekannt. Mit ihr wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich für das populäre und gehaltvolle Erzählen in Kinderfilm- und Medienproduktionen einsetzt. Darunter finden sich zahlreiche filmische Adaptionen von Erzählungen namhafter Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren. Gleichzeitig werden Wellershoffs Engagement für die historische Filmarbeit, wie etwa die Unterstützung der Restaurierung von Lotte-Reiniger-Filmen, und ihre Bereitschaft, ihre Beobachtungen zum kinderseriellen Erzählen im Fernsehfilm seit den 1980er Jahren regelmäßigen mit Studierenden der Goethe-Universität zu diskutieren, gewürdigt.“

Die offizielle Übergabe der Dozentur durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, an Dr. Irene Wellershoff findet am 13. Dezember 2018 im Schloss Philippsruhe in Hanau statt.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky: „Ich freue mich sehr, dass Schloss Philippsruhe, in dem im Frühjahr 2019 das GrimmsMärchenReich eröffnet wird, erneut Gastgeber der Verleihung ist“. Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz: „Der Name Wellershoff ist fester Bestandteil der literarischen Welt. Irene Wellershoff hat sich mit der Kinderserie Siebenstein und deren Binnengeschichten in die Fernsehgeschichte eingeschrieben. Darunter lassen sich Filme von Lotte Reiniger, Scherenschnittfilme des DEFA Studios und viele preisgekrönte Kurzfilme, u.a. auch zum Märchen, finden."

Vorlesungsreihe „Märchen, Medien und Magie“

Mit der Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur ist eine dreiteilige öffentliche Vorlesungsreihe verbunden, der Wellershoff den Titel „Märchen, Medien und Magie“ gegeben hat: Sie beginnt am 13. Dezember 2018 (Donnerstag) mit der Laudatio „Feuerfunken im Nachthimmel. Filmbiographische Reminiszenzen“ von Prof. Dr. Dieter Wiedemann (Potsdam). Gezeigt werden filmische Stationen, die unter der Redaktionsleitung von Dr. Irene Wellershoff entstanden sind.

Die Reihe wird im neuen Jahr am 30. Januar 2019 (Mittwoch) um 18 Uhr c. t. auf dem Campus Westend, Casino, Renate von Metzler-Saal 1.801 fortgesetzt mit einem Vortrag und moderierten Gespräch zu „Von Schlangen, Biestern und Berggeistern – Märchenfilme im Vergleich. Exzerpte aus verschiedenen Märchen-Filmwerkstätten“. Das anschließende Gespräch führt Dr. Christine Lötscher (Berlin).

Im Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18a, sind am 22. Februar 2019 (Freitag) um 10.00 Uhr Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 5 eingeladen. Wellershoff erläutert wie Rübezahl zum Filmstar wurde (Filmsichtung mit Q &A).

Die Grimm-Bürgerdozentur und die Vortragsreihe werden unterstützt von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität und der Märchen-Stiftung Walter Kahn. Dr. Claudia Maria Pecher, Märchenforscherin am Institut für Jugendbuchforschung, und Dipl. Pol. Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, haben die Reihe konzipiert und organisiert.

Informationen:
Martin Hoppe, Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, Tel. (06181)295-1723, E-Mail: Christine.Schilling@Hanau.de
Dr. Claudia Maria Pecher, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798–32995, E-Mail: pecher@em.uni-frankfurt.de.

Flyer zur begleitenden Veranstaltungsreihe: http://www.uni-frankfurt.de/50949197/Aktuelles

Voranmeldungen für die Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur richten Sie bitte an das Büro von Herrn Martin Hoppe, E-Mail: Christine.Schilling@Hanau.de

 

Nov 29 2018
15:40

Vierter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Die Realität der Fiktion: Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft

FRANKFURT. Modellbildungen in der Finanzwirtschaft kreisen um eine spezifische Form der Fiktion, die auf der sorgfältigen Konstruktion eines Bildes der Zukunft beruht, die um das Problem der Ungewissheit kreist und in der Beurteilung der zu erwartenden Marktschwankungen ihren Ausdruck findet. Der Vortrag „Die Realität der Fiktion: Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft“ von Prof. Elena Esposito

am 5. Dezember (Mittwoch) um 18 Uhr
im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt

geht dem Problem dieses Ansatzes nach, dass er der Tatsache nicht Rechnung trägt, dass diese Fiktion der Zukunft jene Zukunft, die noch nicht existiert, aber existieren wird, zugleich mitgestaltet. Esposito ist Professorin für Soziologie an den Universitäten Bielefeld sowie Modena und Reggio Emilia. Ihre zahlreichen Publikationen beschäftigen sich mit der Theorie der sozialen Systeme, der Theorie der Medien und der Soziologie der Finanzmärkte. Ihr aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Soziologie von Computer-Algorithmen.

Der Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

19. Dezember 2018
Prof. Moritz Baßler
Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums 
Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

23. Januar 2019
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2019
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2018
12:39

Spendenvolumen beläuft sich auf 1,14 Mio Euro

Goethe-Universität erzielt mit 633 Deutschlandstipendien wieder herausragendes Ergebnis

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat mit 633 Deutschlandstipendien für das akademische Jahr 2018/19 erneut eines der besten Ergebnisse der beteiligten Hochschulen erreicht. Das entspricht einem Spendenvolumen von 1,14 Mio Euro. Studierende mit herausragenden Leistungen im Studium sowie gesellschaftlichem, sozialem oder ehrenamtlichem Engagement erhalten mit dem Stipendium ein Jahr lang eine Unterstützung in Höhe von 300 Euro monatlich. Neben der finanziellen Förderung werden die Stipendiaten mit einem ideellen Förderprogramm darin unterstützt, Kontakte in einem Netzwerk zu knüpfen und dadurch auch berufliche Perspektiven zu entwickeln. Möglich wird dies durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen sowie Stiftungen, Vereinen und Service-Clubs. 129 neue Förderer konnte die Private Hochschulförderung in diesem Jahr begrüßen.

Auf der feierlichen Vergabe der Deutschlandstipendien im Festsaal auf dem Campus Westend gratulierte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff in ihrer Rede allen neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Sie dankte denen, die deren Unterstützung ermöglicht haben: „Mit dem Deutschlandstipendium fördern Sie, liebe Förderinnen und Förderer, junge Talente, die leistungsbereit und engagiert sind. Sie überzeugen schon in jungen Jahren durch ihre Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Von ihren Möglichkeiten, sich mit hoher Leistungsbereitschaft zu entfalten, wird die Gesellschaft sehr profitieren.“

Zu den größten Förderern zählen unter anderem Insight Health, die Stiftung Giersch, die Santander Universitäten, Hilmar Kopper, Claus Wisser, Dr. Jens-Peter Schaefer, die Annette-Hellwig-Stiftung, Biotest, Hahn Airlines, die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, die Evonik-Stiftung, die Friedrich Flick- Förderungsstiftung und die Sigi und Hans Meder Stiftung.

Seit Beginn des Programms konnten, den aktuellen Jahrgang eingerechnet, 4.023 Stipendien vergeben werden. Das entspricht einem Spendenvolumen von insgesamt 7.241.400 Euro. Ein hoher Anteil der Stipendiaten sind Bildungsaufsteiger und haben einen nichtakademischen Familienhintergrund. Die Mehrzahl der Geförderten sind Frauen.

Weitere Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-12756, lentes@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2018
12:38

Starker Anstieg erfolgreicher Wissenschaftler im Ranking von Clarivate Analytics

13 Goethe-Uni-Forscher unter den meist-zitierten

FRANKFURT. Jedes Jahr wird anhand der Daten aus dem „Web of Science“ eine Liste der weltweit ein Prozent erfolgreichsten Forscher publiziert, gemessen an der Häufigkeit, mit der ihre Arbeiten von anderen Wissenschaftlern zitiert werden. Die Zahl der gelisteten Naturwissenschaftler und Mediziner der Goethe-Universität hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr von drei auf 13 gesteigert.

Auch im Vergleich mit anderen deutschen Universitäten steht die Goethe-Universität hervorragend da: Nur die Universität Heidelberg hat eine dort gelistete Forscherpersönlichkeit mehr. Die Forschungsinstitution in Deutschland mit der größten Anzahl von meist-zitierten Forschern ist die Max-Planck-Gesellschaft mit 76 Nennungen. Insgesamt finden sich 356 Forscher aus deutschen Institutionen auf der Liste, die 6078 Forscher aus 22 verschiedenen Wissenschaftsfeldern umfasst.

Die top-publizierenden Forscher der Goethe-Universität sind der Atmosphärenforscher Joachim Curtius, der Biochemiker Ivan Dikic, die Biologin Stefanie Dimmeler, die Hydrologin Petra Döll, die Pharmakologin Jennifer Dressman, der Geograph Thomas Hickler, der Kardiologe Stefan Hohnloser, der Pharmazeut Stefan Knapp, die Krebsforscherin Sibylle Loibl, der Mediziner Christoph Sarrazin, der Hirnforscher Wolf Singer, der Physiker Ernst Stelzer und der Mediziner Stefan Zeuzem.

Das „Web of Science“ ist eine Plattform für die wissenschaftliche Literaturrecherche. Sie verzeichnet alle wissenschaftlich begutachteten Publikationen und ermittelt auch, wie häufig jede Publikation zitiert wird. Sie wird von der Firma Clarivate Analytics unterhalten.

Information: Prof. Dr. Joachim Curtius, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40258, curtius@iau.uni-frankfurt.de.

Liste der meist-zitierten Forscher: https://hcr.clarivate.com/

 

Nov 26 2018
11:58

Experten fordern bessere Wasserqualität

Wasserqualität in der Nidda belastet nicht nur Fische

FRANKFURT. Was können wir tun, um die Wasserqualität in deutschen Flüssen zu verbessern? Wie schaffen wir gute Lebensbedingungen für die dort lebenden Tiere und Pflanzen? Das hat ein interdisziplinäres Forscherteam unter Federführung der Goethe-Universität in den vergangenen drei Jahren im Verbundprojekt NiddaMan untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Projekt über drei Jahre mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Zu den wichtigsten Forderungen nach Projektabschluss gehört die Verbesserung von Kläranlagen.

Die Nidda in Hessen war für die Gewässerforscher ein ideales Untersuchungsobjekt. Neben naturnahen Bereichen im Oberlauf ist der Mittellauf in der Wetterau durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung gekennzeichnet. Am Unterlauf nahe der Metropole Frankfurt fließt der Fluss durch dicht besiedelte, urbane Gebiete. Stoffeinträge erfolgen zudem durch Einleitungen aus Kläranlagen und sonstigen Entwässerungssystemen.

„Insbesondere in den niederschlagsarmen Sommermonaten ist der Anteil an gereinigtem Abwasser im Einzugsgebiet der Nidda hoch. Auch deshalb werden, allen wasserbehördlichen Bemühungen zum Trotz, die Qualitätskriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht eingehalten“, so Prof. Jörg Oehlmann, Leiter von NiddaMan und der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Die Nidda ist dabei kein Einzelfall: Bei Projektstart im Jahr 2015 erreichten weniger als 10 Prozent der Gewässer in Deutschland den geforderten guten bis sehr guten ökologischen Zustand.

Neben stofflichen Einflüssen aus der Landwirtschaft wird die Nidda dauerhaft mit Spurenstoffen aus Kläranlagen belastet. Mancherorts sind sogar gesetzlich vorgeschriebene Umweltqualitätsnormen für einzelne Schadstoffe überschritten. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass bestehende Grenzwerte aquatische Lebensgemeinschaften nur unzureichend schützen“, erklärt Oehlmann. Bereits ab einem Anteil von circa 12 Prozent an konventionell gereinigtem Abwasser ändert sich die Zusammensetzung der Arten im Fließgewässer. Hinzu kommen die Einleitungen aus Mischwasserentlastungen, die dazu führen, dass bei starken Niederschlägen nicht gereinigtes Abwasser in die Gewässer gelangt. Deren Auswirkungen sind bisher noch wenig untersucht.

Obwohl Fische, im Gegensatz zu vielen Kleinstlebewesen wie Krebse und Schnecken, mobil sind und im Prinzip stark verunreinigte Gewässerabschnitte meiden können, leiden auch sie unter der schlechten Wasserqualität. Gewebeuntersuchungen der NiddaMan-Experten konnten krankhafte Veränderungen der Leber nachweisen, die zwar nicht direkt zum Tod der Fische führen, aber ihre Fitness und damit die Fortpflanzung beeinträchtigen. Das Fehlen gewässertypischer Fischarten, das bereits im Oberlauf der Nidda (Messstellen zwischen Eichelsdorf und Unterschmitten) zu beklagen ist, sehen die Forscher als Indiz dafür, dass es den Fischen an „Kraftreserven“ für die Fortpflanzung fehlt.

Um die Auswirkungen des hohen Anteils an gereinigtem Abwasser in den Flüssen des Nidda-Einzugsgebiets für die Organismen abzumildern, fordern die NiddaMan-Ingenieure Ertüchtigungsmaßnahmen von Kläranlagen, abhängig von gewässerspezifischen Indikatoren (z. B. Abwasseranteil, ökologische und ökotoxikologische Parameter). Dabei stehen nicht zwingend die großen Kläranlagen mit höheren Stofffrachten, sondern auch die kleinen Kläranlagen,die zwar geringere Frachten, aber hohe Stoffkonzentrationen im Gewässer verursachen, im Fokus der Betrachtung.

Der Eintrag von Feinsedimenten in die Fließgewässersysteme, wie im Nidda-Einzugsgebiet vor allem an der Horloff beobachtet, stellt ein weiteres Problem für die nachhaltige Bewirtschaftung von Flusslandschaften dar. Der Feinsedimenteintrag führt dazu, dass sich das Sohlenmaterial verfestigt (Kolmation) und verschlammt. Beides beeinträchtigt die Gewässersohle als Lebensraum, speziell für Arten, die in grobmaterialreichen Gewässern wie der Horloff vorkommen.

Das Forscherteam fand frühere Beobachtungen bestätigt, dass von Gewässerrenaturierungen, die bisher als der Königsweg zum guten ökologischen Zustand galten, oft nur im Uferbereich lebende Organismen und der Auenbewuchs profitieren, kaum jedoch die im Gewässer selbst lebenden Wasserpflanzen, Fische und vor allem Wirbellose. Als mögliche Ursachen sehen sie fehlende Schlüsselhabitate wie Totholz, oder eine zu große Entfernung von Quellpopulationen.

„Der Wille zur Veränderung ist da, doch häufig fehlt es bei den verantwortlichen Stellen wie Wasserbehörden und Kommunen an finanziellen und personellen Ressourcen, um Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität schnell und zielgerichtet umzusetzen“, fasst Oliver Schulz die Recherchen des Institut für sozialökologische Forschung (ISOE, Frankfurt) zusammen. Oftmals gibt es zudem Akzeptanzprobleme bei den Betroffenen, besonders dann, wenn Maßnahmen bestehende Nutzungsansprüche einschränken, zum Beispiel von Flächen am Gewässer. Offene Gespräche und die Beteiligung von Akteuren und der Bevölkerung haben während des Projekts vielerorts erst das Verständnis für Lösungen geschaffen, die alle gemeinsam tragen müssen. Auch nach Projektende ist die Arbeit hin zu einem besseren Zustand unserer Gewässer lange nicht beendet.

Über NiddaMan

Das Verbundprojekt „Entwicklung eines nachhaltigen Wasserressourcen-Managements am Beispiel des Einzugsgebiets der Nidda“ (NiddaMan) wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Teil der Fördermaßnahme „Regionales Wasserressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland“ im Rahmenprogramm “Forschung für Nachhaltige Entwicklung” (FONA) gefördert. Ein Abschlussbericht wird Ende Januar 2019 vorliegen.

Unter Federführung der Goethe-Universität (Frankfurt) war ein ein interdisziplinäres Team an NiddaMan beteiligt: Forschungsinstitut Senckenberg (Frankfurt), Eberhard-Karls Universität (Tübingen), Karlsruher Institut für Technologie, Technische Universität Darmstadt, Universität der Bundeswehr (München), Institut für sozial-ökologische Forschung (Frankfurt), Bundesanstalt für Gewässerkunde (Koblenz), Ingenieurbüros Brandt Gerdes Sitzmann Wasserwirtschaft GmbH (Darmstadt),  Ingenieurbüro Unger Ingenieure (Darmstadt), Hessisches Landesamt-s für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Wiesbaden), Regierungspräsidium Darmstadt und Wetteraukreis (Friedberg).

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75140818

Abb. 1: Der Erlenbach im Einzugsgebiet der Nidda. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Abb. 2: Auch nach Abschluss von NiddaMan können Bürgerinnen und Bürger weiterhin ihre Beobachtungen zur Tier- und Pflanzenwelt im Einzugsgebiet der Nidda in die Wissenskarte NiddaLand eintragen. Man kann sie als App auf sein Handy laden. https://niddaland.de/ Foto: Oliver Schulz, ISOE.

Abb. 3: Aktion NiddaLife am Hessischen Tag der Nachhaltigkeit: Information und Feldarbeit von und mit Schülern, Bürgern, Vereinen, Verbänden am Erlenbach. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Abb. 4: Das NiddaMan-Konstortium. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Informationen: Prof. Jörg Oehlmann, Abteilung für Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42142, oehlmann@bio.uni-frankfurt.dehttp://www.niddaman.de/

 

Nov 26 2018
11:17

Überraschende Entdeckung eines chimären Proteins, das Ionenpumpe und Ionenkanal vereint

Wie kommt Kalium in die Zelle?

FRANKFURT. Über Jahrzehnte wurde angenommen, dass Proteinkanäle und -pumpen vollkommen unterschiedliche Funktionen erfüllen und voneinander getrennt funktionieren. Forscherinnen der Goethe-Universität und der Universität Groningen haben nun den Transportweg eines Proteinkomplexes aufgeklärt, der beide Mechanismen vereinigt: Kalium wird dort zunächst vom Kanal aufgenommen und dann an die Pumpe übergeben, von wo aus es in die Zelle transportiert wird.

Ein ausgeglichener Kalium-Haushalt ist sowohl für den Menschen wie auch für Bakterien überlebenswichtig. Da Bakterien aber viel stärkeren Schwankungen der Umweltbedingungen ausgesetzt sind, stellt die kontrollierte Kaliumaufnahme für sie oft eine besondere Herausforderung dar. Da die Zellmembran für Kalium-Ionen undurchlässig ist, muss es über spezifische Membrantransportproteine gezielt aufgenommen werden.

Zum einen ermöglichen Kaliumkanäle das schnelle, aber passive Einströmen von Kalium-Ionen. Dieses endet, sobald sich ein elektrochemisches Gleichgewicht der Zelle und der Umgebung eingestellt hat. Um darüber hinaus höhere intrazelluläre Konzentrationen zu erlangen, wird Kalium durch Kaliumpumpen aktiv in die Zelle transportiert, wobei Energie in Form von ATP verbraucht wird.

Da beide Proteinfamilien – Kanäle und Pumpen – sehr unterschiedliche Funktionen übernehmen, wurden sie bisher als voneinander unabhängig beschrieben. Das stand jedoch im Widerspruch zu der Beobachtung, dass KdpFABC, ein hochaffines, aktives Kaliumaufnahmesystem von Bakterien, keine einfache Pumpe darstellt, sondern aus insgesamt vier unterschiedlichen Proteinen aufgebaut ist. Eines davon leitet sich von einer typischen Pumpe ab, während ein weiteres einem Kaliumkanal ähnelt.

Inga Hänelt, Juniorprofessorin für Biochemie an der Goethe-Universität, und ihre Kollegin Cristina Paulino von der Rijksuniversiteit Groningen, Niederlande, nahmen das Membranprotein KdpFABC deshalb genauer unter die Lupe bzw. das Kryo-Elektronenmikroskop. Das Ergebnis überraschte sie: „Alle früheren Hypothesen waren falsch“, erklärt Inga Hänelt. „Obwohl wir alle Daten vorliegen hatten, hat es eine Weile gedauert, bis wir verstanden haben, welchen Weg das Kalium tatsächlich durch den Komplex in die Zelle hineinnimmt.“

Zunächst bindet ein Kanal-ähnliches Protein das Kalium und reicht es dann durch den ersten Tunnel an die Pumpe weiter. Dort angekommen wird der erste, auswärtsgerichtete Tunnel verschlossen, während sich ein zweiter, einwärtsgerichteter Tunnel öffnet. Dieser erstreckt sich ebenfalls zwischen beiden Proteinen und endet schließlich im Inneren der Zelle. „Der Komplex vereint quasi die besten Eigenschaften beider Proteinfamilien“, erklärt Charlott Stock, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Inga Hänelt. „Das Kanal-ähnliche Protein bindet Kalium zunächst sehr spezifisch und mit hoher Affinität, während die Pumpe den aktiven Transport ermöglicht, wodurch das Kalium in der Zelle bis zu 10.000-fach angereichert werden kann.“

Die kürzlich in Nature Communications publizierten Daten verdeutlichten den Wissenschaftlerinnen eindrucksvoll, wie vielfältig Transporte über Membranen sein können. „Wir haben daraus gelernt, uns bei der Erforschung verschiedener Membrantransportproteine nicht auf scheinbar unumstößliche Mechanismen festzulegen, sondern offen für Überraschungen zu sein“, fasst Inga Hänelt zusammen.

Publikation: Charlott Stock, Lisa Hielkema, Igor Tascon, Dorith Wunnicke, Gert T. Oostergetel,  Mikel Azkargorta, Cristina Paulino, Inga Hänelt, Cryo-EM structures of KdpFABC suggest a K+ transport mechanism via two inter-subunit half-channels, in: Nature Communications, 10.1038/s41467-018-07319-2

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75137139

Bildtext: Auswärts und einwärts geöffnete Strukturen von KdpFABC in der Zellmembran. Bildrechte: Arbeitsgruppe Inga Hänelt

Information: Juniorprofessorin Dr. Inga Hänelt, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29262, haenelt@biochem.uni-frankfurt.de.

 

Nov 23 2018
14:59

Preisträger Alexander Vogel forscht für bessere Luftqualität

Den Quellen des Feinstaubs auf der Spur

FRANKFURT. Feinstaub gehört zu den Umweltbelastungen, deren Quellen bis heute nicht alle bekannt sind. Denn das sehr komplexe Gemisch entsteht in der Atmosphäre aus verschiedensten gasförmigen Vorläufermolekülen. Diesen auf die Spur zu kommen und damit zur Verbesserung der Luftqualität beizutragen, ist das Ziel von Alexander Vogel, Professor für Atmosphärische Umweltanalytik an der Goethe-Universität. Für sein Forschungsprojekt erhält er am 26. November in einer Feierstunde den Adolf-Messer-Stiftungspreis. Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums ist der Preis in diesem Jahr mit 50.000 Euro dotiert.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Glückwunsch für Alexander Vogel! Er forscht zu einem global wichtigen Thema, das uns alle betrifft, vor allem in den Metropolen: Feinstaub. Seine Forschung kann einen Beitrag leisten, dieses bedrohliche Phänomen besser zu verstehen und das Leben in den Städten dieser Welt gesünder zu machen. Wir danken der Stiftung für ihr unermüdliches Engagement für Nachwuchsforschende an der Goethe-Universität. Und wir begrüßen es, dass sich die Stiftung mit ihrer unlängst veröffentlichten Klarstellung zur Rolle ihres Namensgebers Adolf Messer zu ihrer historischen Verantwortung bekennt.“

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Ich gratuliere Prof. Alexander Vogel herzlich zu seinem Erfolg. Seine Forschung ist hochrelevant – mit dem Feinstaub widmet er sich einem Phänomen, das unsere Gesundheit bedroht und das wir verstehen sowie bekämpfen lernen müssen. Solche herausragende Wissenschaft, wie sie Prof. Vogel und viele seiner Kolleginnen und Kollegen betreiben, braucht hervorragende Bedingungen. Die Hessische Landesregierung hat deshalb gemeinsam mit den Hessischen Hochschulen den Hochschulpakt für die Jahre 2016 bis 2020 unterzeichnet und damit finanzielle Planungssicherheit für die Hochschulen bis ins Jahr 2020 geschaffen. Der Hochschulpakt ist ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Hessen und garantiert den Hochschulen des Landes Hessen über seine Laufzeit von fünf Jahren eine finanzielle Ausstattung von neun Milliarden Euro. Das ist die größte Summe, über die die Hochschulen in Hessen jemals verfügen konnten.“

Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Stefan Messer, betonte: „Aufgabe einer jeden Stiftung sollte es sein, Projekte und Ideen zu unterstützen, die im Rahmen staatlicher Grundversorgung nicht oder nicht ausreichend bedacht werden. Diese Idee verfolgt auch unsere gemeinnützige Stiftung, indem sie Wissenschaftler fördert und würdigt, die durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir freuen uns, dass auf diesem Wege, 2018, zum 25. Mal Innovationskraft, wissenschaftliche Neugier und Pioniergeist honoriert werden.“

Zum Projekt des Preisträgers:

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben jährlich rund 6,5 Millionen Menschen vorzeitig durch Luftverschmutzung, wovon ein Großteil der Feinstaubbelastung zuzuordnen ist. Entgegen der landläufigen Meinung stammen die meisten Feinstaubpartikel in der Atmosphäre nicht direkt aus dem Autoauspuff oder dem Schornstein von Kohlekraftwerken, sondern entstehen erst in der Atmosphäre aus gasförmigen Vorläufermolekülen. Dieser sekundäre Feinstaub besteht aus kleinsten Partikeln mit einem mittleren Durchmesser im Nanometerbereich. Diese können tief in die Lunge eindringen und über die Lungenbläschen sogar ins Blut gelangen. Ein Beispiel für die Entstehung sekundären Feinstaubs ist die Oxidation von Stickoxiden aus Dieselmotoren: Die entstehenden Salpetersäuremoleküle lagern sich in der Atmosphäre mit Ammoniak zu Ammoniumnitrat zusammen.

Die anorganischen Ausgangs-Moleküle und ihre Entwicklung zu sekundärem Feinstaub sind inzwischen gut erforscht: Stickoxide aus Verkehr und Industrie, Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken sowie Ammoniak aus der Landwirtschaft. Aber daneben gibt es eine Vielzahl organischer Moleküle, die teilweise auch in der Natur vorkommen, wie die von Fichtenwäldern freigesetzten Terpene. Organische Vorläufermoleküle, welche vom Menschen freigesetzt werden, sind in Bezug auf die Bildung von sekundärem Feinstaub ein hochaktuelles Forschungsthema. Diese Vorläufermoleküle, sowie ihre Wechselwirkungen mit anorganischen Spurenstoffen, sind bisher nur ansatzweise bekannt. Die Produkte dieser chemischen Umwandlung eindeutig zu identifizieren wird dadurch erschwert, dass die Moleküle sich zwar in der Struktur unterscheiden, aber oftmals die gleiche Masse haben.

In seiner Zeit als Post-Doktorand am Paul-Scherrer-Institut in der Schweiz hat Alexander Vogel eine Methode entwickelt, molekulare Fingerabdrücke von atmosphärischen Feinstaubproben zu erstellen. Aus ihrer Analyse kann er auf die sekundären Bildungsmechanismen zurückschließen. Der molekulare Fingerabdruck von Feinstaubproben aus Los Angeles weist beispielsweise einen hohen Anteil an stickstoffhaltigen organischen Molekülen auf. „Es lässt sich vermuten, dass eine Reduktion von Stickoxid-Emissionen auch zu einer Minderung der Feinstaubbelastung im städtischen Raum beiträgt“, erklärt Vogel.

Um jedoch die Bildungsmechanismen der einzelnen Substanzen aufzuklären, bedarf es weiterer Analysen atmosphärischer Proben und gezielter Laborversuche, mit denen die Entstehung von Feinstaub nachgestellt wird. Durch den Vergleich von Feldmessungen mit dem Experiment kann Alexander Vogel bereits einen Teil der Signale in den Realproben bestimmten Prozessen und Vorläufermolekülen zuordnen. Von den verbleibenden Unbekannten lässt sich zumindest die Summenformel bestimmten, so dass in weiteren Laborversuchen nach der Herkunft dieser Verbindungen geforscht werden kann.

Seine am Paul-Scherrer-Institut entwickelte experimentelle Methode wird Alexander Vogel nun auch an der Goethe-Universität etablieren. Dazu benötigt er unter anderem ein Gerät für die Hochleistungsflüssigchromatographie, das dank der Förderung durch die Adolf Messer Stiftung angeschafft werden kann. Bei den Studierenden des Masterstudiengangs Umweltwissenschaften stößt sein Forschungsansatz auf großes Interesse. Die Messungen werden voraussichtlich Anfang 2019 beginnen. Bereits jetzt bewerben sich Interessenten für Master- und Doktorarbeiten.

Die hohe Relevanz des Themas wird in diesem Jahr durch ein zur Preisvergabe begleitendes Symposium unterstrichen. Unter dem Titel „Understanding particulate matter: A grand challenge of the 21st century?“ geht es unter anderem um Feinstaubmessungen am Frankfurter Flughafen, den Smog in chinesischen Großstädten und die gesundheitlichen Effekte durch Feinstaub.

Alexander Vogel, Jahrgang 1984, studierte Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach seiner Promotion (2014) führten ihn Forschungsaufenthalte zum CLOUD-Experiment am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf und an das Paul-Scherrer-Institut in Villigen, Schweiz. Seit Januar 2018 ist er als Tenure track-Professor für Atmosphärische Umweltanalytik an der Goethe-Universität tätig.

Information: Prof. Dr. Alexander Vogel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40225, vogel@iau.uni-frankfurt.de.

 

Nov 23 2018
13:36

Interview mit Frankfurter Politikwissenschaftler: Wie wird es nach den Midterm-Elections mit den USA unter Trump weitergehen?

Gesetzgebung: Fehlanzeige

FRANKFURT. In einem Online-Interview spricht der Frankfurter Politikwissenschaftler Markus Siewert über die politische Situation in den USA nach den Midterm-Elections und über eine Zeit nach Trump.

„Es ist schon überraschend, wie wenig legislativ beschlossen wurde“, bilanziert der Frankfurter Politikwissenschaftler Dr. Markus Siewert die ersten beiden Amtsjahre von US-Präsident Donald Trump in einem Interview, das im Online-Magazin der Goethe-Universität veröffentlicht wurde (www.aktuelles.uni-frankfurt.de). Obwohl Trump vor den Midterm Elections eine republikanische Mehrheit im Kongress hatte, zog er es vor, durch administrative Entscheidungen Politik zu machen. Er habe gar nicht erst versucht, mit dem Kongress zusammenzuarbeiten, sagt der Politologe, der seine Dissertation über die Rolle des amerikanischen Präsidenten im Gesetzgebungsprozess geschrieben hat und an der Goethe-Universität forscht und lehrt. Insofern seien die veränderten Mehrheitsverhältnisse keine große Veränderung für den US-Präsidenten – er könne diese vielleicht sogar zu seinem Vorteil nutzen, meint Siewert.

Der Vorteil seines Regierungsstils für die Nach-Trump-Ära: Dekrete sind leichter rückgängig zu machen als Gesetze. Die Dissonanzen, die seine Politik zum Beispiel bei den internationalen Partnern hervorgerufen habe, könnten aber nicht von heute auf morgen beseitigt werden: „Der Vertrauensverlust ist enorm“, so Markus Siewert. Im Online-Interview sagt Siewert auch, warum die USA ein lehrreiches Beispiel für Deutschland sein kann, wo derzeit häufig die Klage laut wird, dass sich die politischen Parteien zu sehr ähnelten.

Das Interview finden Sie unter dem Link: http://tinygu.de/interview-siewert

Information: Dr. Markus B. Siewert, Institut für Politikwissenschaft, Fachbereich 03, Campus Westend, Telefon +49 (0)69 798 36646, E-Mail siewert@soz.uni-frankfurt.de

Ein weiteres Interview im Online-Magazin mit dem Amerikanisten Prof. Johannes Völz beleuchtet vor dem Hintergrund der Midterm-Wahlen Trumps ideologische Polarisierung: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/trump-und-die-ideologische-polarisierung-der-amerikanist-johannes-voelz-ueber-die-midterm-wahlen/

 

Nov 23 2018
11:06

Internationale Konferenz an der Goethe-Universität widmet sich dem wiedererstarkenden wissenschaftlichen Interesse an der Ästhetik.

Return of the Aesthetic in American Studies

FRANKFURT. Das Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität veranstaltet eine internationale Konferenz mit dem Titel „The Return of the Aesthetic in American Studies“. Die Vortragenden erörtern unter anderem den Status der Ästhetik in den Wissenschaften und ihr Verhältnis zu Politik, Ökonomie und Gesellschaft.

Die Ästhetik kehrt zurück: Innerhalb der Geisteswissenschaften war die Ästhetik zuletzt ein nebensächliches Forschungsfeld und das Ästhetische wurde häufig als ideologisch belastet oder politisch desinteressiert abgelehnt. Besonders in der Amerikanistik wurde eine anti-ästhetische Haltung in den letzten Jahrzehnten zum Konsens. Seit kurzem ist jedoch ein erneutes wissenschaftliches Interesse an der Ästhetik und ihren Verbindungen zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Sphären erkennbar. Diese Konferenz leistet eine kritische Bestandsaufnahme dieser Rückbesinnung auf die Ästhetik und erweitert das Feld der Ästhetik-Forschung. Hierzu versammelt sie führende Geisteswissenschaftler aus den USA und Europa. Zwei unterschiedliche Konzeptionen des Ästhetischen stehen im Zentrum des Programms: die eine fokussiert sich auf das Kunstwerk, die andere kehrt zum griechischen Ursprung des Wortes „aisthesis“ zurück und fokussiert sich auf Sinneswahrnehmung im Allgemeinen. In welchem Verhältnis stehen diese beiden Konzeptionen der Ästhetik? Kann die Annahme einer ästhetischen Autonomie der Kunst noch ein utopisches politisches Potential entfalten? Oder ist das Ästhetische - als „aisthesis“- gar eine treibende Kraft des Kapitalismus und Populismus?

„The Return of the Aesthetic in American Studies“. 29. November – 1. Dezember 2018.

Sprecher/innen sind unter anderen: Walter Benn Michaels, University of Illinois at Chicago, Caroline Levine, Cornell University, Lee Edelman, Tufts University, Elisabeth Bronfen, Universität Zürich, Winfried Fluck, Freie Universität Berlin

Die Konferenz ist öffentlich und die Teilnahme kostenlos. Um Anmeldung unter vatanasomboon@em.uni-frankfurt.de wird gebeten. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Weitere Informationen: http://www.returnoftheaesthetic.de

 

Nov 23 2018
11:04

Veranstaltung mit Buchpräsentation und Podiumsdiskussion im Anschluss an das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Tropical Underground“

Vortrag: „Molding a diabolical Messiah“

FRANKFURT. Von Oktober 2017 bis zum Sommer 2018 lief das vielschichtige wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Tropical Underground“, veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität. Nun wird die Beschäftigung mit kulturpolitischen Umbrüchen in Brasilien fortgesetzt. Suely Rolnik, Philosophin und Kulturwissenschaftlerin an der Universidade Católica de São Paul, spricht über

„Molding a diabolical Messiah“ am Donnerstag, dem 29. November 2018, um 18 Uhr im Mousonturm (Studio 1), Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main

In ihrem Vortrag nimmt Suely Rolnik die aktuellen politischen Ereignisse in den Blick und fragt, wie es zur Krise der brasilianischen Demokratie kommen konnte und zum Aufstieg des ultrarechten Politikers Jair Messias Bolsonaro. Welche Rolle spielt die mediale Repräsentation und die Selbstinszenierung des selbsternannten „Mythos“? Und was hat das Ganze mit dem rituellen Kannibalismus der Tupi-Völker zu tun? Ausgehend von den in ihrem jüngst erschienenen Buch „Zombie Anthropophagie. Zur neoliberalen Subjektivität“ entwickelten Thesen werden an diesem Abend die jüngsten Ereignisse rekapituliert, analysiert und in einem größeren Zusammenhang verortet. Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion sind der Philosoph Oliver Precht und der Filmwissenschaftler Vinzenz Hediger.

Suely Rolnik arbeitet auch als Kuratorin und Psychoanalytikerin. Bekannt ist sie zudem durch ihre zahlreichen Publikationen und Übersetzungen, unter anderem mit Felix Guattari („Micropolítica. Cartografias do desejo“). Oliver Precht ist Philosoph und Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitet als Autor und Übersetzer aus verschiedenen Sprachen. Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Informationen: Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079, hediger@tfm.uni-frankfurt.de, www.tropical-underground.de

 

Nov 23 2018
11:02

Befragung von Studierenden zur Wahrnehmung der Volkswirtschaftslehre

Monoparadigmatisch, mathematisch, praxisfern

FRANKFURT. Studierende der VWL stehen ihrem eigenen Fach kritisch gegenüber. Für eine Veränderung in der ökonomischen Hochschullehre treten sie selbst jedoch kaum aktiv ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine schriftliche Befragung unter 351 Studierenden des vierten Fachsemesters an den Universitäten Bonn, Frankfurt/M., Hamburg, Heidelberg und Mannheim, die im Sommersemester 2017 von Prof. Dr. Tim Engartner und Eva Schweitzer-Krah an der Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften durchgeführt wurde.

Die Volkswirtschaftslehre sei wenig interdisziplinär, auf abstrakte mathematische Modelle konzentriert und wiese selten Bezüge zur Praxis auf. Zentrale gesellschaftliche Themen wie Unsicherheit, Wandel oder Ungleichheit würden gegenüber traditionellen Knappheitsfragen kaum in den Blick genommen. Stattdessen dominiere auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise das Denken in neoklassischen Schemata. Die Studierenden bestätigen in ihrem Urteil die Kritikpunkte der Pluralismusbewegung, die für eine theoretische und methodische Erneuerung des Faches eintritt. Persönlich involviert, etwa durch die Mitarbeit in lokalen Initiativen oder Veranstaltungsreihen, sind dabei jedoch nur 6,4% der Befragten.

Die Befunde der Studie deuten darauf hin, dass das Missverhältnis zwischen ausgeprägter Fachkritik und geringem persönlichen Engagement eine Folge des immensen Wettbewerbsdrucks sein könnte, den die Befragten hochschulweit in der VWL beklagen. So geben 56,4% der Studierenden an, dass ihr Fach das Leistungs- und Konkurrenzdenken schüren würde. Im Studienverlauf führt dies in der Eigenbeobachtung der Studierenden zu einer Verhaltensänderung: gemeinwohlorientierte Attribute wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen treten zugunsten karrieristischer und vorteilsbedachter Eigenschaften in den Hintergrund. Damit sinkt zugleich die Motivation der Studierenden, sich uneigennützig in der Pluralismusbewegung einzubringen. Vielmehr – so die Schlussfolgerung der Autoren –müssten die Befragten abwägen, wie sie Zeit, Energie und Ressourcen zur Wahrung ihres Studienerfolges investieren.

Sollten weitere Untersuchungen diese explorativen Befunde bestätigen, so stünde die Pluralismusbewegung insgesamt vor dem Dilemma, trotz der inhaltlichen Zustimmung der Studierenden kaum aktive Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen zu können. Damit würde der Pluralismusbewegung langfristig der notwendige Impetus fehlen, um flächendeckende Veränderungen in der VWL anzustoßen. Entsprechende Impulse müssten dann durch Initiativen jenseits der studentischen Netzwerke gesetzt werden, etwa durch hochschulpolitische Aktivitäten, alternative Studienprogramme und eine verstetigte sozialwissenschaftliche Begleitforschung.

Die Studie wurde unterstützt durch das Themenfeld „Neues ökonomisches Denken“ des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V. in Düsseldorf und gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung. Sie ist in englischer Form im International Review of Economics Education erschienen und wurde in Times Higher Education besprochen.

Links:
www.fgw-nrw.de/start.html www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1477388017301081 www.timeshighereducation.com/news/economics-trapped-narrow-paradigm-study-suggests

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Tim Engartner, Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt politische Bildung, Institut für Politikwissenschaft. Goethe-Universität Frankfurt. E-Mail: engartner@soz.uni-frankfurt.de; www.fb03.uni-frankfurt.de/politikdidaktik. Sekretariat: Ilse Heck, Tel. (069) 798 36 544; E-Mail: heck@soz.uni-frankfurt.de

Eva Schweitzer-Krah M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt politische Bildung. E-Mail: schweitzer-krah@soz.uni-frankfurt.de; http://www.fb03.uni-frankfurt.de/63608134/220_Eva-Schweitzer-Krah

 

Nov 23 2018
11:00

Forscher haben einen klimatischen Wendepunkt vor 59 Millionen Jahren rekonstruiert/ Publikation in Nature Communications

Wie der Atlantik Teil der globalen Meeresströmung wurde

FRANKFURT. Viele Meeresströmungen im tiefen Ozean haben einen wichtigen Einfluss auf das globale Klima. In welchem Ausmaß, zeigte sich zuletzt vor 59 Millionen Jahren, als es zum Austausch großer Mengen an Wasser zwischen dem nördlichen und südlichen Atlantik kam. Das fanden Forscher aus Deutschland und Großbritannien heraus, indem sie Neodym-Isotope aus Sedimentproben vom Meeresboden aus beiden Regionen des Atlantiks miteinander verglichen. Wie sie in einer aktuellen Studie in Nature Communications mitteilen, kam es durch die verstärkte Zirkulation des Meereswassers und die gleichzeitige Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einem klimatischen Wendepunkt. Mit der gleichmäßigeren Wärmeverteilung über die Erde endete eine mehrere Millionen Jahre andauernde Kaltphase und es begann eine neue Warmzeit.

Neodym(Nd)-Isotope dienen als Tracer für Wassermassen. Sie gelangen aus Flüssen oder über Sedimente ins Meer oder werden als Bestandteile von Staub ins Wasser geweht. Wenn das Oberflächenwasser zum Meeresgrund sinkt, trägt es einen für seine Entstehungszeit charakteristischen Nd-Isotopen-Fingerabdruck des umgebenden Festlands in die Tiefe. Dort wird es von tiefen Meeresströmungen erfasst, mit anderen Wassermassen vermischt und nach und nach in das Sediment des Meeresbodens eingelagert. Die entstehenden Sedimentschichten haben sich als gute Archive für Meeresströmungen und das Klima vergangener Zeiten erwiesen.

Die Geschichte, die die Forscher aus der Analyse der Nd-Isotope in Bohrkernen aus Tiefseebohrungen rekonstruiert haben, beginnt in der späten Kreidezeit, als die Erde sich zwischen zwei Treibhaus-Phasen befand. Das Klima hatte sich für einige zehn Millionen Jahre abgekühlt, nachdem es vor etwa 90 Millionen Jahren in der Mitte der Kreidezeit seine heißeste Phase erreicht hatte. Aber trotz der langen Abkühlphase war der Meeresspiegel zum Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren höher als heute. Der Atlantische Ozean war noch jung und deutlich kleiner, und das nord- und südatlantische Becken war flacher als heute. Die Ozeanpassage, die auf der Höhe des Äquators zwischen Südamerika und Afrika verlief, erlaubte während der späten Kreidezeit nur einen oberflächlichen Wasseraustausch. Aktive Unterwasser-Vulkane bildeten Berge und Plateaus auf dem Meeresboden, die eine freie Zirkulation der Tiefenströmungen behinderten. Im südlichen Atlantik bildete sich der Walfischrücken als steiler Rücken über einem vulkanischen Hotspot. Er befand sich teilweise sogar oberhalb des Meeresspiegels.

Als der Atlantische Ozean sich weiter öffnete, kühlte die Erdkruste am Meeresboden ab und die vulkanische Aktivität ließ nach. Die Becken wurden tiefer und größer, die untermeerischen Plateaus und Meeresrücken sanken zusammen mit der Erdkruste ab. An einem bestimmten Punkt konnte das Tiefenwasser aus dem südlichen Ozean den Walfischrücken in Richtung Norden überqueren und die tieferen Becken des Atlantiks füllen. „In unserer Studie haben wir erstmals herausgefunden, wann und wie diese Verbindung entstand“, sagt Sietske Batenburg, die Erstautorin der Studie. „Vor 59 Millionen Jahren wurde der Atlantische Ozean Teil der globalen thermohalinen Zirkulation, also jener Strömung, die vier der fünf Weltmeere miteinander in einem großen, weltumspannenden Kreislauf verbindet.“

Die Studie hat gezeigt: Um die Rolle der Meeresströmungen in früheren Warmzeiten zu verstehen, ist es wichtig, zwischen geographischen Einflüssen und klimatischen Antrieben zu unterscheiden. Auch für die Gegenwart können wir etwas daraus lernen, denn das Treibhausklima der Kreidezeit und des frühen Eozäns könnten als Modelle für künftige Klimaveränderungen dienen.

Diese Forschung ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit der Goethe-Universität Frankfurt; der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; des GEOMAR-Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung Kiel; der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, der Royal Holloway University of London und der University of Oxford. Das Projekt wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

Die in der vorliegenden Studie verwendeten Sedimentproben stammen aus Tiefsee-Bohrkernen. Sie wurden im Rahmen des International Ocean Discovery Program (IODP) gewonnen, das wissenschaftliche Expeditionen zu Tiefseebohrungen koordiniert und die Sedimente lagert, so dass sie der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft für die Forschung zur Verfügung stehen.

Publikation: S.J. Batenburg, S. Voigt, O. Friedrich, A.H. Osborne, A. Bornemann, T. Klein1, L. Pérez-Díaz und M. Frank: Major intensification of Atlantic overturning circulation at the onset of Paleogene greenhouse warmth, in: Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-018-07457-7

Abbildungen zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74972308

Bildrechte: Sietske Batenburg

Information: Prof. Dr. Silke Voigt, Institut für Geowissenschaften, Geologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40190, s.voigt@em.uni-frankfurt.de.

 

Nov 22 2018
11:10

Institut für England- und Amerikastudien lädt Eltern zum Infoabend

Damit die Sprachenwahl nicht zur Qual wird

FRANKFURT. Eltern von Viertklässlern haben gewichtige Entscheidungen zu treffen: Sie müssen nicht nur die richtige Schulform für ihr Kind finden, sondern auch auswählen, welche Fremdsprache es als erstes lernen soll. Wer sich vorab genauer darüber informieren will, welche Angebote es gibt und was das Richtige für das eigene Kind sein könnte, hat

am 29. November, um 19:30 Uhr, in Raum 1.811, Casino, Campus Westend

Gelegenheit dazu. Unter dem Titel „Die Qual der Schul- und Sprachenwahl: Wegweisende Überlegungen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Schulpraxis für Eltern und Schüler“ lädt das Institut für England- und Amerikastudien (IEAS) der Goethe-Universität gemeinsam mit der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) zu einer Podiumsdiskussion ein.

Die Veranstaltung soll einen Einblick in die Fremdsprachenangebote an hessischen Schulen geben und vielfältige Fragen beantworten: Welche Sprachangebote gibt es an welchen Schulen und ab welcher Jahrgangsstufe? Was bedeuten traditioneller Fremdsprachenunterricht, bilingualer Unterricht oder CLIL für den Unterrichtsalltag von Schülerinnen und Schülern? Ab wann kann, soll, muss man welche Sprache lernen? Welche Angebote, Hürden oder Chancen gibt es für mehrsprachige Kinder? Hat die Sprachenwahl Implikationen für den Zugang zur Universität oder in den Arbeitsmarkt?

Zu Gast auf dem Podium sind: Thomas Schwarze (Leiter Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule, Wiesbaden), Dr. Gerhard Köhler (Leiter Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, Frankfurt), Prof. Ilonca Hardy (Erziehungswissenschaften, Goethe-Universität), Jan Fuchs (Leiter Phorms Gymnasium, Steinbach/Ts.), Prof. Daniela Elsner (Fremdprachen Lehr- und -lernforschung, IEAS, Goethe-Universität), Korhan Ekinci (Vorsitzender Landeselternbeirat Hessen), Uwe Diehl (AXA Investment Managers Deutschland GmbH). Moderiert wird die Veranstaltung von Robert Bittig von Rhein-Main-TV.

Information: Malte Schudlich (schudlich@nelk.uni-frankfurt.de)   

 

Nov 21 2018
10:11

Das zahnmedizinische Versorgungszentrum CAROLINUM PLUS behandelt auf universitärem Niveau

In der Uni zum Zahnarzt gehen

FRANKFURT. Viele Patienten kommen an eine Universität, weil sie eine Behandlung nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen wünschen. In einer Universitätszahnklinik finden aber viele Behandlungen nur durch die Studierenden statt und viele Fälle sind dann oft zu komplex für die Ausbildung von Studierenden. Aus diesem Grund hat das Frankfurter Zahnärztliche Universitäts-Institut Carolinum der Goethe-Universität jetzt ein eigenes zahnmedizinisches Versorgungszentrum „CAROLINUM PLUS“ ausgegründet. Hier können alle Patienten auf universitärem Niveau von erfahrenen Zahnärztinnen und Zahnärzten wie in einer Zahnarztpraxis versorgt werden, die Universitätszahnklinik und das Universitätsklinikum Frankfurt sind aber immer im Hintergrund.

Juristisch gesehen ist das CAROLINUM PLUS eine Tochterfirma der Goethe-Universität. Es liegt auf dem Gelände des Universitätsklinikums im Gebäude 29A direkt hinter der Zahnklinik und hat eine enge Bindung an die zahnmedizinische Forschung und Lehre. Den Patienten steht ein Team spezialisierter Zahnärzte zur Verfügung, das ein breites Spektrum an interdisziplinären Behandlungen anbietet. Insbesondere Patienten mit vorbestehenden allgemeinmedizinischen Erkrankungen und/oder altersbedingten Einschränkungen, die ein spezielles medizinisches Backup bei Zahnbehandlungen erfordern, können gegebenenfalls in Kooperation mit der Unizahnklinik oder dem Uniklinikum therapiert werden. Umgekehrt hat jetzt das Universitätsklinikum Frankfurt die Möglichkeit, eigene Patienten ortsnah unter eigener Aufsicht zahnärztlich behandeln zu lassen.

Kompetente Hilfe erhalten zum Beispiel auch Patienten, die bei einem Unfall einen Teil ihrer Schneidezähne verloren haben. „Die universitäre Poliklinik für Oralchirurgie besitzt langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Zahntraumatologie und nach der chirurgischen Versorgung können jetzt komplexe Frontzahntraumata von Kindern und Erwachsenen schnell und auf schonende Art und Weise funktionell und ästhetisch höchstwertig versorgt werden“, so Prof. Robert Sader, Ärztlicher Direktor der Uni-Zahnklinik. „Zahnerhalt hat bei uns höchste Priorität“, fügt er hinzu.

Auch die ästhetische Zahnmedizin ist ein Gebiet, das immer wichtiger wird, aber auch ein sehr interdisziplinäres Umfeld benötigt, das am eigentlichen Zahnärztlichen Universitäts-Institut Carolinum wegen mangelnder Kapazitäten nicht ausreichend zur Verfügung steht. Das Team am Zahnmedizinischen Versorgungszentrum CAROLINUM PLUS wendet neueste Techniken und Materialien an, um die Zahnfarbe, Zahnform und Zahnstellung so zu optimieren, dass sich die Zähne perfekt in die Harmonie des Gesichtes eingliedern. Ästhetische Verfahren wie Bleaching (Aufhellung der natürlichen Zahnfarbe) und Veneering (Korrektur der Zahnform und -stellung durch das Aufkleben hauchdünner Keramikschalen) werden genauso angeboten wie komplexe Restaurationen bei älteren Patienten.

„Auch unser Behandlungsmanagement ist an den neuesten digitalen Standards orientiert“, sagt Corinna Jung, Geschäftsführerin des CAROLINUM PLUS. Wir setzen das Konzept einer Smart Praxis um mit einem modernen System zum digitalen Management von Patientendaten. So wird der übliche „Papierkram“ bei der Anmeldung elektronisch über ein Tablet abgewickelt und komplexe Sachverhalte anschaulich durch Videosequenzen erläutert. Zuweisende Hausärzte oder Zahnärzte können vorab ihre Befunde elektronisch übertragen.

Information: Corinna Jung, Geschäftsführerin des CAROLINUM PLUS, Universitätsklinikum Haus 29A, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-4738, jung@med.uni-frankfurt.de.

Anmeldung beim CAROLINUM PLUS: Tel.: (069) 6301-4789, email: info@carolinumplus.de, www.carolinumplus.de

 

Nov 21 2018
10:09

Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessor Donald Ingber lässt Mini-Organe auf Mikrochips wachsen

Welche Alternativen gibt es zum Tierversuch?

FRANKFURT. Wie hoch ist die Aussagekraft von Tierversuchen wirklich? Welche menschlichen Organe lassen sich im Reagenzglas nachbilden? Wie kann die Zukunft der personalisierten Medizin mit patienteneigenen Organsystemen gestaltet werden? Diese Fragen stehen im Zentrum der diesjährigen Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur von Donald Ingber, der Anfang Dezember von der Harvard University für eine Woche an die Goethe-Universität kommt. Ingber entwickelt miniaturisierte, lebende Organsysteme aus menschlichen Zellen, um Krankheiten zu erforschen und neue Therapiemöglichkeiten zu testen.

Der Experte für Bio-Engineering entwickelte Verfahren, lebende menschliche Zellen auf Mikrochips zu miniaturisierten dreidimensionalen Organen wachsen zu lassen. Diese Modelle liefern in vielen Fällen präzisere Informationen als Tierversuche, deren Ergebnisse nur begrenzt auf den Menschen übertragbar sind. Darüber hinaus stellen sie eine zukunftsweisende Möglichkeit dar, Wirkstoffe im Labor zu testen. In der Krebstherapie werden patienteneigene Tumorzellen im Reagenzglas angezüchtet, um eine personalisierte und wirksame Behandlung der individuellen Krebserkrankung zu finden.

Diese faszinierenden neuen Ansätze stellen Prof. Ingber und Prof. Maike Windbergs, die an der Goethe-Universität an Alternativen zum Tierversuch forscht, im Rahmen eines Podiumsgesprächs für interessierte Laien mithilfe von Filmmaterial und Beispielen aus der Forschung und Klinik auf anschauliche und verständliche Weise vor.

Podiumsgespräch: Menschliche Organe und Krankheiten im Reagenzglas. Fiktion oder realistische Alternative zum Tierversuch?
am 6. Dezember (Donnerstag) um 18 Uhr
im Arkadensaal des Goethe-Hauses, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt.

Weitere Podiumsgäste sind die Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin und der Forschungsleiter der Firma Merz, Dr. Stefan Albrecht. Merz gehört u.a. zu den Vorreitern bei der Entwicklung von in-vitro-Tests für Botolinum-Toxin.

Bereits am Mittwoch, dem 5. Dezember, diskutieren internationale Fachleute im Rahmen eines Symposiums zum Thema „Modelling health and diseases: from in vitro design to future therapies“ (Ort: Biozentrum, Campus Riedberg, Hörsaal B1, 9 bis 17 Uhr). Zu den Experten gehören u.a. Prof. Andries van der Meer von der Twente Universität in Enschede, Niederlande. Er stellt künstliche Blutgefäße auf Chips dar und bildet damit die Vorgänge bei Thrombosen nach. Prof. Ernst Reichmann von der Kinderklinik in Zürich stellt klinische Studien zur Entwicklung von künstlicher Haut für Verbrennungsopfer vor. In dem Vortrag von Prof. Stefan Hippenstiel von der Charité in Berlin geht es um den Einsatz von menschlichem Lungengewebe zur Nachbildung von Infektionen der Lunge.

Von der Goethe-Universität sind beteiligt: Prof. Florian Greten, Sprecher des Frankfurt Cancer Institute, der über den Einsatz von Testsystemen mit menschlichen Krebszellen für präklinische Wirkstofftests und in der personalisierten Medizin spricht. Dr. Manuel Kaulich vom Institut für Biochemie II berichtet darüber, wie er die Genschere CRISPR/Cas für das großflächige Screening von Wirkstoffen einsetzt, um Resistenzen in der Krebstherapie zu begegnen. Prof. Ernst Stelzer vom Buchmann-Institut für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität untersucht mit seiner Arbeitsgruppe Hohlkugeln aus Zellen der Bauchspeicheldrüse, um neue Therapien für Typ-I-Diabetes zu testen. Erstmals werden auch drei junge Post-Doktoranden aus der Pharmazie und der Medizin ihre Arbeiten in Kurzvorträgen vorstellen.

Für Studierende hält Donald Ingber am 6.12. um 10 Uhr eine Vorlesung zum Thema „From Mechanobiology to Biologically Inspired Engineering“ (Ort: Otto-Stern-Zentrum, Campus Riedberg, HS 3). Im Anschluss daran ist eine Stunde für die Diskussion reserviert. Die Fragen haben Studierende des 8. Semesters Pharmazie vorbereitet.

Prof. Donald Ingber ist Gründungsdirektor des Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering an der Harvard University. Das Gewebe-Engineering ist nur einer seiner Arbeitsschwerpunkte neben der Mechano-Biologie, dem Gefäßwachstum bei der Tumorbildung, der Systembiologie und der Nanobiotechnologie. Für seine kreativen Ideen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. 2015 wählte ihn das „Foreign Policy“ Magazin zum „Leading Global Thinker“ und das London Design Museum erklärte seine „Organ-auf-dem-Chip-Technologie“ zum „Design of the Year“. Ingber hält 150 Patente und hat fünf Firmen gegründet.

Für Pressevertreter besteht am Tag des Symposiums (5.12.) die Möglichkeit, Donald Ingber oder andere Experten zu interviewen. Bitte wenden Sie sich zwecks Terminvereinbarung an Prof. Maike Windbergs: (069) 798-42715, windbergs@em.uni-frankfurt.de.

Information: Prof. Dr. Maike Windbergs, Institut für Pharmazeutische Technologie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42715, windbergs@em.uni-frankfurt.de.

http://www.uni-frankfurt.de/Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur

 

Nov 20 2018
10:25

Der politische Philosoph Rainer Forst spricht am 4. Dezember in der „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

70 Jahre Grundgesetz: Religionsfreiheit und Toleranz

FRANKFURT. Die Aktualität des Grundgesetzes steht im Mittelpunkt der laufenden „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Nach dem viel beachteten Auftakt zum Thema „Würde“ mit dem Rechtsprofessor Günter Frankenberg steht nun ein weiterer Termin mit einem Redner aus den Reihen des Exzellenzclusters auf dem Programm. Am 4. Dezember referiert dessen Co-Sprecher Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie, über „Religionsfreiheit _ Wie viel Toleranz verlangt die demokratische Gesellschaft?“. Die Veranstaltung im Chagallsaal des Schauspielhauses beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro, ermäßigt acht Euro.

Das Schauspiel Frankfurt hat die partizipative Vortrags- und Diskussionsreihe „Denkraum“ in der vergangenen Spielzeit ins Leben gerufen. Das aktuelle Oberthema heißt „Verfassung _ Aber wie?“. Das Grundgesetz trat 1949 in Kraft. Jeweils zusammen mit einem Gast aus dem Bereich Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Politik oder Literatur werden im „Denkraum“ zentrale Werte des Grundgesetzes auf den Prüfstand gestellt, abgewogen und das verteidigt, was auch in den nächsten Jahrzehnten unser Zusammenleben sichern soll. Nach jedem Impulsvortrag erhält das Publikum die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Thesen zu diskutieren und Fragen zu formulieren. In einem abschließenden moderierten Gespräch wird der oder die Vortragende mit diesen Fragen konfrontiert.

Die Religionsfreiheit gehört, wie die Würde, zu den Grundrechten. Im Grundgesetz findet sie vor allem in Artikel 4 Erwähnung. Ähnliche Normierungen gibt es in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union oder der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das Recht auf Religionsfreiheit schützt in einer demokratisch verfassten, kulturell und religiös pluralistischen Gesellschaft die individuelle und kollektive Glaubenspraxis. Dieses Recht bestimmt den Raum der Toleranz, die Bürgerinnen und Bürger wechselseitig aufbringen müssen – gerade dann, wenn es zu Konflikten kommt. Aber wie wird dieses Recht bestimmt? Muss es sich an den Grenzen der Toleranzfähigkeit von Mehrheiten ausrichten, an einer „Leitkultur“ oder „Hausordnung“? Vielleicht lassen sich Maßstäbe dafür finden, das Recht und damit den gebotenen Toleranzraum im Modus öffentlicher Vernunftausübung zu bestimmen. Rainer Forst unternimmt im „Denkraum“ den Versuch dazu.

Rainer Forst ist Professor für Politische Theorie und Philosophie und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er arbeitet zu Fragen der praktischen Vernunft und der Grundlagen der Moral sowie über die Grundkonzepte der normativen politischen Theorie, insbesondere über Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie. Im Jahr 2012 erhielt er den Leibniz-Preis, den höchsten deutschen Forschungspreis. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seine Werke erscheinen bei Suhrkamp, so auch „Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs“ und „Normativität und Macht. Zur Analyse sozialer Rechtfertigungsordnungen“.

Die nächsten Termine im Überblick:

29. Januar 2019:
Meinungsfreiheit _ Wie verändert sich das Kommunikationsklima?
mit Bernhard Pörksen (Universität Tübingen)

26. Februar 2019:
Gleichberechtigung _ Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
mit Ute Sacksofsky (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)

19. März 2019:
Gemeinwohl _ Was bleibt vom Allgemeinen, wenn alle das Besondere wollen?
mit Andreas Reckwitz (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder)

2. April 2019:
Privatsphäre _ Wie sind wir geschützt im digitalen Zeitalter?
mit Marina Weisband (ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, netzpolitische Beraterin)

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de

Detailliertes Programm: https://www.normativeorders.net/denkraum

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Nov 16 2018
15:35

Erfolgreiche Kooperation zwischen dem Fachinformationsdienst Jüdische Studien der UB Frankfurt, De Gruyter und Knowledge Unlatched

Open Access: 20 Titel aus dem Bereich Jüdische Studien frei verfügbar

FRANKFURT/BERLIN. Der Fachinformationsdienst (FID) Jüdische Studien der Frankfurter Universitätsbibliothek und De Gruyter stellen 20 Titel aus dem Bereich Jüdische Studien Open Access. Die Open Access-Stellung der E-Books erfolgte unter Vermittlung von Knowledge Unlatched und deren Modell „KU Reverse“. Auf der Titelliste finden sich wichtige Werke aus den Bereichen Geschichte, Judaistik und Literatur, darunter Grundlagenwerke wie das von Hans Otto Horch herausgegebene „Handbuch der deutsch-jüdischen Literatur“ und „Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert“ von Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz. Die Titel können auf Open Access-Portalen wie OAPEN sowie in Bibliothekskatalogen aufgerufen werden. Zusammen mit weiteren frei zugänglichen E-Books finden sich die 20 Titel auf der Webseite des Verlages (https://bit.ly/2PdMkDW).

Der FID Jüdische Studien an der Universitätsbibliothek JCS Frankfurt wird von Dr. Rachel Heuberger geleitet und hat die früheren Sondersammelgebiete „Wissenschaft vom Judentum“ und „Israel“ abgelöst. Ziel ist die Versorgung der Fachcommunity mit forschungsrelevanter Literatur, aber auch die Entwicklung innovativer Recherchetools. „Die freie Bereitstellung dieser Titel lag uns besonders am Herzen, da die Titel von unseren Wissenschaftlern in Kooperation mit anderen Institutionen auf der ganzen Welt genutzt werden. Die Erwerbungsbarriere hat die wissenschaftliche Arbeit zuvor erschwert.“ sagt Dr. Rachel Heuberger, Leiterin des FID Jüdische Studien an der Frankfurter Universitätsbibliothek.

„Die Kooperation mit dem FID Jüdische Studien ist für uns ein vielversprechender Anfang, um Open Access in diesem Programmsegment weiter auszubauen. Wir freuen uns, auch künftig im Dialog mit unseren Partnern konstruktiv an neuen Modellen zu arbeiten, um die Idee der freien Zugänglichkeit und einfachen Auffindbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen zu fördern“, sagt Martin Rethmeier, Editorial Director History bei De Gruyter.

Kontakt: 
FID Jüdische Studien: Dr. Rachel Heuberger, Leiterin des FID Jüdische Studien, Tel: (069) 798 39665; r.heuberger@ub.uni-frankfurt.de; www.jewishstudies.de 
De Gruyter: Eric Merkel-Sobotta, Communications, Tel: (030) 260 05 304; ems@degruyter.com; www.degruyter.com 
Knowledge Unlatched: Philipp Hess, Tel: 0176 239 230 94; philipp@knowledgeunlatched.org; www.knowledgeunlatched.org

 

Nov 16 2018
11:53

„Alles frei?“: Frankfurter Tag der Rechtspolitik 2018 befasst sich mit der Regulierung von Daten und Inhalten im Internet

Das Internet – (k)ein rechtsfreier Raum?

FRANKFURT. Der Frankfurter Tag der Rechtspolitik 2018 befasst sich mit rechtlichen Fragen zum Internet. Unter dem Titel „Alles frei? Regulierung der Daten und Inhalte im Netz“ lädt der Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität zusammen mit dem Hessischen Justizministerium interessierte Bürgerinnen und Bürger

am Donnerstag, 29. November, von 10 bis 14:30 Uhr, in den Hörsaal 1 im Hörsaalzentrums am Campus Westend.

Hier ein Klick, dort ein Klick, Informationen werden eingeholt, Meinungen geäußert, soziale Kontakte gepflegt, alles über das World Wide Web. Online-Shops, soziale Netzwerke und all die anderen Anbieter und Betreiber wissen längst viel mehr von uns, als wir tatsächlich preisgeben wollen. Sie kennen nicht nur unser Alter, unser Einkaufsverhalten, unsere Krankheiten, unsere Vorlieben. Wir werden, meist ohne uns dessen bewusst zu sein, auch in unserem Kaufverhalten gesteuert und in unserer Meinung beeinflusst. Zugleich löschen soziale Netzwerke seit neuestem Beiträge im Netz, oftmals ohne unsere Kenntnis. Mit unseren Daten wird viel Geld verdient, der Nutzer aber geht leer aus. Wollen wir das? Nehmen wir das einfach in Kauf? Was tut der Gesetzgeber zu unserem Schutz und für unsere Rechte? Den vielen rechtlichen Fragen rund um Daten im Netz widmet sich der Tag der Rechtspolitik in diesem Jahr.

Die Datenschutzrechtlerin Prof. Indra Spiecker gen. Döhmann mit der „Datenverwertung im Netz – Cambridge Analytics, der Bürger und die Demokratie“ befassen. Wie die Anbieter von Internetdienstleistungen in Haftung genommen werden können, darüber spricht Prof. Alexander Peukert in seinem Vortrag „Vom Intermediär zur Plattform: Die Haftung von Internetdienstanbietern im Wandel“. Aus der gerichtlichen Praxis wird Dr. Reto Mantz berichten; er ist Richter am Landgericht Frankfurt am Main und Diplom-Informatiker. Streit über Äußerungen im Netz, z.B. in sogenannten „Bewertungsportalen“, ist ebenso sein Thema wie der rechtliche Umgang mit „Hassrede“ im Netz. Auf dem abschließenden Podium bringt zudem Marvin Fechner, Mitglied der studentischen Initiative „Legal Tech Lab Frankfurt am Main e.V.“ die studentische Sicht in die Diskussion um die Digitalisierung der Rechtsberatung ein.

Der Frankfurter Tag der Rechtspolitik wird seit 1992 jährlich vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium der Justiz veranstaltet.

Information und Anmeldung: Dr. Susanne Pelster, Geschäftsführung Dekanat Fachbereich Rechtswissenschaft, Telefon 069 798-34205, E-Mail Pelster@jur.uni-frankfurt.de; Homepage: http://www.jura.uni-frankfurt.de/43496409/Tag-der-Rechtspolitik

 

Nov 16 2018
11:40

Am 22. November steht die Aufarbeitung des Holocaust im Fokus

50 Jahre in Bewegung: Bürger-Uni zu „1968 und die Folgen“ wird fortgesetzt

FRANKFURT. Ein Jubiläumsjahr neigt sich dem Ende entgegen: An 50 Jahre 68 wurde 2018 mit vielen Veranstaltungen gedacht. Das Datum hat auch die Goethe-Universität, damals Schauplatz der studentischen Revolte, in diesem Jahr bewegt. Mit einem vielfältigen Programm von Ausstellungen über Podiumsdiskussionen bis hin zu Filmreihen hat sie die entscheidenden Ereignisse von damals aufgegriffen, immer mit dem Fokus auf die Nachwirkungen in die heutige Zeit. Zum Abschluss finden noch zwei Veranstaltungen aus der Reihe der Frankfurter Bürger-Universität zu „50 Jahre in Bewegung: 1968 und die Folgen“ im November und Dezember statt, als Fortsetzung aus dem Sommersemester. Die Podiumsdiskussion

„Erinnern, Bekennen, Schuld, Aufarbeitung – 1968 und der Holocaust“ am 22. November 2018 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main 

greift die Ausschwitzprozesse in Frankfurt in den 60er Jahren auf, die als Initialzündung für ein verändertes Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus betrachtet werden können. An diese Aufarbeitung knüpfte auch die 68er-Bewegung an und konfrontierte die Tätergeneration mit ihren Vergehen. Inwiefern wirkt diese Abrechnung mit autoritären Väterfiguren in die heutige Erinnerungskultur nach? Auf dem Podium diskutieren darüber Prof. Michael Stolleis (Rechtshistoriker, Goethe-Universität), Dr. Tobias Müller (Historiker, stellv. Direktor des Fritz-Bauer-Institut) und Dr. Götz Aly (Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist). Die Moderation übernimmt Sandra Kegel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Abschlussveranstaltung der Reihe findet am 6. Dezember 2018 in der Stadtbücherei Frankfurt statt. An dem Nikolausabend wird es um die Theoriebeflissenheit in der 68er-Bewegung gehen.

Die vierteilige Reihe ist eine Kooperation der Goethe-Universität und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Weitere Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de