Pressemitteilungen 

Forschung

Aug 6 2013
15:17

Frankfurter Physik entwickeln Reaktionsmikroskop für stärkste europäische Röntgenquelle XFEL bei Hamburg

Ein Röntgenstroboskop für Moleküle

FRANKFURT. Für die stärkste Röntgenquelle der Welt, die zur Zeit für über eine Milliarde Euro am Forschungszentrum DESY in Hamburg entsteht, entwickeln Frankfurter Physiker ein Reaktionsmikroskop, mit dem sie extrem schnelle Prozesse in Molekülen „filmen“ können. Ausgangspunkt ist die in Frankfurt entwickelte spektroskopische COLTRIMS-Methode (Cold Target Recoil Ion Momentum Spectroscopy), die für diese Zwecke weiterentwickelt wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit insgesamt knapp zwei Millionen Euro.

Einzelne Atome, Moleküle oder Cluster sollen mit den sehr intensiven Laserpulsen der Röntgenquelle XFEL angeregt werden. Mit dem Reaktionsmikropskop werden dann die Richtung und Energie aller geladenen Fragmente rekonstruiert. Das Besondere ist: die Detektoren, Elektronik und Datenaufnahme sind bereits jetzt in der Lage, mehrere Teilchen gleichzeitig nachzuweisen. Durch die Kombination von COLTRIMS mit den am European XFEL zu Verfügung stehenden Lichtpulsen mit einzigartigen Intensitäten, Wiederholraten und Photonenenergien wird es erstmals möglich sein, Mehrteilchensysteme wie etwa Moleküle oder Cluster extrem effizient und kontrolliert in Teilprozesse zu zerlegen, die sich auf extrem kurzen Zeitskalen von Femtosekunden abspielen. Eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer milliardstel Sekunde.

„Eine der großen Herausforderungen in fast allen aktuellen Forschungsgebieten der Physik und Chemie ist es, die korrelierte Dynamik von Vielteilchensystemen zu untersuchen“, erklärt Projektleiter Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität. Er vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel, von dem man mit bisherigen Methoden nur ein einziges Standbild eines einzigen Spielers aufnehmen konnte. Will man aber den Verlauf des Spiels beobachten oder gar vorhersagen, in welche Richtung ein Pass gehen wird, muss man die Positionen und Geschwindigkeiten aller beteiligten Spieler kennen. Ebenso verhält es sich, wenn man viele der grundlegenden Mechanismen in der Physik und Chemie verstehen will, sei es die Dynamik chemischer Reaktionen oder die Wechselwirkung zwischen Licht und Materie.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003; doerner@atom.uni-frankfurt.de

Sonstige

Aug 1 2013
11:45

Bedeutung von Alltagsbewegung wird unterschätzt

Fitness: Es muss nicht immer Sport sein

FRANKFURT. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge sind vier von zehn Deutschen weniger als eine halbe Stunde pro Tag zu Fuß unterwegs. Die meisten Vielsitzer bedauern zwar ihre Bewegungsarmut, können sich aber nicht dazu aufraffen, etwas dagegen zu unternehmen. Prof. Winfried Banzer, Sportmediziner an der Goethe-Universität, setzt deshalb auf Alltagsbewegung: Zu Spaziergängen, Gartenarbeit, Fahrrad fahren oder Treppen laufen braucht man nicht extra Sportkleidung anzuziehen oder einem Verein beizutreten. Das reduziert die Hemmschwelle und unterm Strich bewegt man sich oft sogar mehr, als wenn man einmal am Tag Sport macht.

„Bewegung muss nicht unbedingt intensiv sein, um positive Auswirkungen auf die Gesundheit zu haben. Für früher Inaktive und Untrainierte ist Alltagsbewegung sogar besserer als Sport“, weiß Banzer. Umgekehrt hat sich langes Sitzen inzwischen als regelrechtes Gesundheitsrisiko entpuppt: Es führt zu Übergewicht und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht Banzer deshalb, wie man diese Risiken durch Pausen effektiv mindern kann.

Fünf Bewegungs-Tipps:

  • Stehen Sie während der Arbeit häufiger auf, zum Beispiel beim Telefonieren, oder gehen Sie ein paar Schritte.
  • Regen Sie bei Ihrem Arbeitgeber die Anschaffung von Stehpulten oder Höhen verstellbaren Schreibtischen an, so dass Sie zur Abwechslung auch im Stehen arbeiten können.
  • Steigen sie eine U-Bahn-Haltestelle früher aus oder gehen Sie spazieren: 30 Minuten strammes Gehen am Tag, fünf Mal in der Woche, reduzieren das Risiko einer Herzerkrankung um 19 Prozent.
  • Senioren über 60 Jahre sollten mit drei Mal pro Woche Gehen beginnen. Anfänglich nur 10 Minuten, dann allmählich auf 40 Minuten steigern. Ausdauer und körperliche Funktionen nehmen dadurch signifikant zu. Auch die mentale Gesundheit verbessert sich.
  • Fitness-Studio Treppenhaus: Gesunde Mitarbeiter der Uniklinik Genf liefen über 12 Wochen täglich durchschnittlich 20,6 Stockwerke zu Fuß (gegenüber 4,5 Stockwerken vor der Studie). Das hatte spürbare Auswirkungen auf Ausdauer, Blutdruck und Cholesterinwert.

Informationen: Prof. Winfried Banzer, Präventive und Rehabilitative Sportmedizin, Sport-Campus Ginnheim, Tel.: (069) 798-24543; winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jul 31 2013
12:29

Das „Lesebuch Fukushima“ macht vertraut mit Akteuren, Ansichten und Debatten

Japan nach der Erdbebenkatastrophe

FRANKFURT.  Ein Land debattiert über die Folgen der Erdbebenkatastrophe: Das „Lesebuch Fukushima“ umfasst über zwanzig Beiträge, die zum größten Teil von den Absolventen der Bachelor- und Master-Studiengänge der Universitäten Frankfurt und Leipzig im Rahmen des Internetprojekts „Textinitiative Fukushima“ in Auseinandersetzung mit japanischen Quellen entstanden sind. Eine Reihe von Übersetzungen wichtiger japanischer Zeitzeugendokumente werden im Buch vorgestellt. Außerdem beinhaltet das „Lesebuch“ Interviews mit Aktivisten und Künstlern sowie Reportagen und Analysen zur Debatte um die Folgen der Erdbebenkatastrophe und um das „System Japan“, das, so fordern etliche Stimmen, „nach Fukushima“ einer Überprüfung unterzogen werden muss.

Das erste Kapitel widmet sich der Einführung der Atomenergie in Japan und beleuchtet dabei zeitgeschichtliche Prämissen ebenso wie die Arbeitsverhältnisse in den Kraftwerken. Kapitel zwei betrachtet Repräsentationen des Themas „Fukushima“ in Literatur, Film, im Theater und im Medium der Photographie. Mit einer vielfach registrierten Medienmanipulation und mit den Möglichkeiten medialer Aufklärung befasst sich das dritte Kapitel, während der letzte Teil einem offenbar gestiegenen Wunsch nach politischer Partizipation nachgeht und Demonstrationen und andere Protestaktionen vorstellt.

Detaillierte Einblicke bietet der Band unter anderem in die Argumentationen von Vertretern eines kritischen Journalismus sowie in die Medienstrategien der japanischen Atom-Lobby und die Haltung japanischer Bürger gegenüber der Atomenergie. Politikwissenschaftliche Erkundungen geben Momentaufnahmen eines „Post-Fukushima-Nationalismus“ wieder, während auf philosophisch-ideengeschichtlicher Basis die Rolle von Intellektuellen als Stichwortgeber für Fragen nach der ideologischen Orientierung Japans und seiner demokratischen Entwicklung beleuchtet wird. Zudem erfährt man in kultur- und literaturwissenschaftlichen Analysen von künstlerischen Exkursionen ins Krisengebiet, von erzählerischen Erschließungen des Lebens in den Notunterkünften im Nordosten und den Beweggründen freiwilliger Katastrophenhelfer sowie von fiktionalen Überlegungen im Hinblick auf Japans Zukunft.

Das „Lesebuch“ richtet sich an Leser, die sich näher mit innerjapanischen Akteuren, Ansichten und Debatten vertraut machen wollen. Die Herausgeberinnen lehren Japanologie - Prof. Dr. Lisette Gebhardt an der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Steffi Richter an der Universität Leipzig.

Gebhardt, Lisette/Richter, Steffi (Hg.): Lesebuch "Fukushima". Übersetzungen, Kommentare, Essays. Berlin: EB-Verlag 2013, 448 Seiten.

Sonstige

Jul 26 2013
12:14

Durch neuen Anbau steigt die Zahl der Kindergartenplätze auf 78

Kita auf dem Campus Westend vergrößert

FRANKFURT.  Die Kita auf dem Campus Westend der Goethe-Universität ist um 530 Quadratmeter gewachsen. Durch den Anbau können demnächst 78 Kinder betreut werden, im Augenblick sind es noch 48. Entworfen wurde der Kita-Anbau von Ferdinand Heide, der mit seinen Entwürfen maßgeblich die Architektur des Campus Westend geprägt hat.

„Wir freuen uns, dass mit dem Anbau der Campus Kita noch mehr Universitätsangehörige ihre Kinder nahe dem Arbeitsplatz unterbringen können. Damit sind wir einen Schritt weiter gekommen bei der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit“, betont Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl.

Als betriebsnahe Einrichtung werden in der Campus Kita vorrangig Kinder von Beschäftigten der Goethe-Universität und des Studentenwerkes aufgenommen. Die restlichen Betreuungsplätze sind für Kinder von Studierenden sowie für Stadtteilkinder. Die Campus-Kita-Kinder leben in einer altersgemischten Gemeinschaft von 1 bis 7 Jahren. 

Beheizt wird das Gebäude mittels einer Fernwärme-gespeisten Fußbodenheizung. Durch eine extrem hohe Dämmung der Außenwände kann eine Energieeinsparung um 50 % erzielt werden.

Sonstige

Jul 23 2013
16:49

Dr. Martin Düvel, Betriebsarzt der Goethe-Uni, gibt Tipps, wie man trotz hoher Temperaturen einen langen Arbeitstag übersteht

Was hilft bei Hitze?

FRANKFURT. Ein stabiles Hochdruckgebiet beschert Mitteleuropa hochsommerliche Temperaturen. Das freut natürlich alle, die Urlaub haben und ihren Tag am Badesee verbringen können. In vielen Büros macht die Hitze aber den Arbeitnehmern zu schaffen, zudem auch keine Abkühlung in Sicht ist, denn auch für die kommenden Wochen sind Temperaturen um die 30°C angesagt.

Steigen die Temperaturen dann auch in den Büros bis über 30°C an, nimmt bei den meisten die Leistungsfähigkeit ab und sie können sich schlechter konzentrieren, sagt Dr. Martin Düvel, Betriebsarzt der Goethe-Universität und Facharzt für Arbeits- und Sozialmedizin. Er rät deshalb: „Wer die Möglichkeit hat, sollte besser früher zur Arbeit kommen und dafür auch früher Feierabend machen, da es zwischen 13 und 16 Uhr gewöhnlich am wärmsten ist.“ Außerdem sieht er die Arbeitgeber in der Pflicht, die Büros nachts oder morgens zu durchlüften, wenn es draußen kühler ist, und zusätzlich einen außenliegenden Sonnenschutz anzubringen, der die Hitze abhält.

Doch auch der Arbeitnehmer kann etwas tun: „Es ist wichtig, viel zu trinken und man sollte lockere Kleidung tragen, die nicht zu eng am Körper liegt“, so Düvel. Er selbst versucht sich während der Arbeit Abkühlung zu verschaffen, indem er sich, zum Beispiel in der Mittagspause, 30 Minuten lang an einem kühleren Ort im Gebäude aufhält. Wer sich am Wochenende die verdiente Abkühlung im Schwimmbad oder Badesee gönnen möchte, sollte eine wichtige Regeln immer beachten: „Nie ins Wasser springen, ohne sich vorher abzukühlen! Denn dadurch steigt der Blutdruck an, dies führt bei manchen zu Herzrhythmusstörungen und kann so eine Bewusstlosigkeit verursachen“, sagt Düvel. Im Wasser sei dies natürlich fatal, da der Schwimmer im schlimmsten Fall ertrinke.

Hält man sich sonst draußen auf, sei es ratsam immer eine Kopfbedeckung zu tragen, um einem Sonnenstich vorzubeugen, erklärt Düvel. Je nach Hauttyp sollte man außerdem eine Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor auftragen. Ein Lichtschutzfaktor zwischen 15 und 30 sei normalerweise ausreichend. Und was kann man tun, wenn man abends keinen Schlaf findet, weil die Temperaturen im Schlafzimmer unerträglich werden? „Ich empfehle, die Füße und Arme vor dem Schlafen kalt zu baden und dann nur eine leichte Decke zu nehmen, der Bettbezug ohne Füllung reicht vollkommen aus“, so Düvel. Nach einer erholsamen Nacht ist man dann auch wieder fit für den nächsten Arbeitstag.

Veranstaltungen

Jul 19 2013
14:27

Goethe-Unibator und Frankfurt Academy eröffnen Ideenwettbewerb für E-Publishing

Wandel im Verlagswesen gestalten

FRANKFURT. FRANKFURT.  Die Geschäftsmodelle im Verlagswesen ändern sich genauso rapide wie neue Technologien Einzug erhalten. Die Notwendigkeit, aus den Inhalten Mehrwert zu schaffen und sich am Markt zu bewähren, treibt die Veränderungen an. Für Innovatoren aus Wissenschaft und Industrie ergibt sich somit eine große Chance, den Wandel mitzugestalten. Der Goethe-Unibator und Frankfurt Academy haben sich mit dem „Digital Publishing Creative Ideas Contest“ das Ziel gesetzt, diesen Wandel abzubilden und vorantreiben.

Gesucht werden Beiträge, die

1. Bedarf identifizieren: Was sind zentrale Ziele, Herausforderungen oder Probleme?
2. Ideen entwickeln: Was soll verändert oder verbessert werden?

Eine Expertenjury des Goethe-Unibators,  bestehend aus Vertretern aus Wissenschaft, Industrie und Politik, wird die Ideen nach Kriterien wie der innovativen Nutzung von bestehenden Technologien, nachhaltiges Geschäftsmodell und Einfluss auf Industrie und Gesellschaft bewerten. Teilnehmen können alle, die eine kreative Idee haben und bereit sind, im Oktober 2013 zur Frankfurter Buchmesse anzureisen. Einsendeschluss ist der 15. August 2013. Die drei kreativsten Ideen werden am Donnerstag, den 10. Oktober 2013, auf der Buchmesse Frankfurt im HotSpot eReading Bereich (Halle 3.0) vorgestellt.

Der Digital Publishing Creative Ideas Contest wurde 2013 erstmals in Kooperation zwischen dem Goethe-Unibator (Existenzgründerzentrum der Goethe-Universität) und der Frankfurt Academy (als Teil der Frankfurter Buchmesse) ins Leben gerufen. Im Bemühen, Innovationen im Bereich des digital Publishing zu fördern, suchen der Goethe-Unibator und die Frankfurt Academy nach neuen und wegweisenden Geschäftsideen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: info@goetheunibator.de   Weitere Informationen zum Einreichungsprozess finden Sie unter: http://www.goetheunibator.de/index.php/de/digital-publishing.html   

Goethe-Unibator - Existenzgründung an der Goethe-Universität Frankfurt
Die Goethe-Universität bietet mit dem Goethe-Unibator tatkräftige Unterstützung für Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Alumni, die den Weg zum eigenen Unternehmen gehen möchten. Ziel ist es, durch eine gelebte Gründungskultur unternehmerisches Denken und Handeln an der Hochschule zu fördern. Der Goethe-Unibator bildet dabei eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ermöglicht innovativen Ideen aus der Wissenschaft einen erfolgreichen Markteintritt. http://www.goetheunibator.de  

Frankfurt Academy (Frankfurt Book Fair)
Die Frankfurt Academy bietet mit ihren Konferenzen, Workshops, Fach- und Fortbildungsangeboten Orientierung und Lösungsansätze für die Medien- und Verlagsbranche. Wir unterstützen Sie ganzjährig und weltweit dabei, Wandlungsprozesse nachzuvollziehen und für Ihr Geschäft zu nutzen. http://www.buchmesse.de/en/academy/

Sonstige

Jul 19 2013
11:33

Hessisches Sozialministerium unterstützt das Projekt AGILer zur Gesundheitsförderung bei Arbeitslosigkeit

In Bewegung bleiben

FRANKFURT.  Das Hessische Sozialministerium und die AOK Hessen fördern das Projekt AGILer mit 100 Schrittzählern. Das Gesundheitsförderprojekt AGILer (Aktivierende GesundheitsInitiative für Langzeiterwerbslose) der Abteilung Sportmedizin der Goethe-Universität Frankfurt bietet Gesundheitsberatung für ältere Erwerbslose.

GesundLeben – GesundBleiben! Das ist auch Ziel des Hessischen Sozialministeriums im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie und in Kooperation mit der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung (HAGE). „Vorbeugende, schützende und stützende Maßnahmen, die dem Erhalt oder der Verbesserung der Gesundheit in allen Lebensphasen und Lebenslagen dienen, werden immer wichtiger“, so Sozialminister Grüttner. Unter anderem wird mit solchen Maßnahmen die Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen angestrebt. Bewegung und körperlicher Aktivität kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu, langfristig die individuelle Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit zu fördern und zu erhalten.

Eine Vergleichsstudie der Abteilung Sportmedizin zum Bewegungsverhalten älterer Langzeitarbeitsloser, an der insgesamt 391 Personen teilnahmen, hat gezeigt, dass 41,3 Prozent der Langzeiterwerbslosen körperlich nicht ausreichend aktiv sind. Im Gegensatz dazu waren dies nur 27,3 Prozent der Erwerbstätigen. Andererseits konnte gezeigt werden, dass eine im Rahmen von AGILer angebotene Gesundheits- und Bewegungsberatung geeignet ist, zuvor inaktive Erwerbslose zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren. Mehr als die Hälfte der Personen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko aufgrund von Bewegungsmangel und Übergewicht konnte durch eine qualifizierte sportmedizinische Beratung in Aktivität gebracht werden.

Doch wie viel Bewegung ist überhaupt nötig, um Gesundheit und Fitness zu verbessern? Bereits 3.000 Schritte zusätzlich am Tag oder 30 Minuten Bewegung in Form von Spazierengehen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten und das Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfall, Diabetes mellitus und bestimmte Krebserkrankungen reduzieren. Die 100 gestifteten Schrittzähler, welche einfach am Hosenbund befestigt werden können, sollen den Teilnehmern helfen, das eigene Bewegungsverhalten besser kennen zu lernen und langfristig einen aktiveren Lebensstil zu entwickeln.

Gerade zu Beginn einer angestrebten Verhaltensänderung ist es wichtig, Rückmeldung über das bereits Erreichte zu erhalten und so durch kleine Ziele einen großen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Hierzu haben sich Schrittzähler bereits im Rahmen des Projektes „GesundLeben GesundBleiben – 3000 Schritte extra“ in zahlreichen Präventionsaktionen als einfaches und kostengünstiges Mittel erwiesen. „AGILer wird auch weiterhin mit seinen Partnern im regionalen Beschäftigungspakt ‚Chance 50plus – Leistung zählt!‘ und mit der Unterstützung des Hessischen Sozialministeriums daran arbeiten, Langzeitarbeitslosen eine Möglichkeit und Perspektive zu bieten, ihren Gesundheitszustand zu erhalten oder zu verbessern,“ sagt Prof. Dr. Dr. Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin der Goethe-Universität Frankfurt.

Jüngst wurde das Projekt AGILer für sein langjähriges Engagement im Bereich der Gesundheitsförderung bei Erwerbslosigkeit mit dem 1. Hessischen Gesundheitspreis ausgezeichnet. „Der Hessische Gesundheitspreis soll Menschen anregen, sich für die eigene Gesundheit und die ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger einzusetzen“ sagte Sozialminister Grüttner anlässlich der Preisverleihung. Denn Arbeitslosigkeit und im speziellen Langzeitarbeitslosigkeit geht neben finanziellen und sozialen Veränderungen häufig auch mit einem schlechteren Gesundheitszustand und verändertem, ungünstigerem Bewegungsverhalten der Betroffenen einher.

Weitere Informationen: Dr. Lars Gabrys, Abteilung Sportmedizin, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798 24582, gabrys@sport.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Jul 19 2013
11:31

MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ schließt sich Netzwerk zur Förderung von Doppelkarriere-Paaren an

Zu zweit für die Karriere in die Rhein-Main-Region

FRANKFURT/DARMSTADT. Hochqualifizierte Paare in das Rhein-Main-Gebiet zu holen, ist Ziel des Netzwerks, das vier Hochschulen und elf außeruniversitäre Forschungsinstitute in Frankfurt und Darmstadtvor zwei Jahren gegründet haben. Nun haben sich dem Netzwerk acht Mitglieder aus der Mainzer Wissenschaftsallianz angeschlossen, sodass das Netzwerk aktuell 26 Wissenschaftsorganisationen aus dem gesamten Großraum Rhein-Main umfasst. Alle Netzwerkmitglieder haben eine strategische Vereinba­rung zur Förderung dieser so genannten „Dual Career-Paare“ unterzeichnet. Das sind Paare, bei denen beide Wert darauf legen, ihre berufliche Laufbahn konsequent zu verfolgen.

Alle Organisationen im Verbund haben bei der Anwerbung von Fach- und Führungskräften die Erfahrung gemacht, dass diese in der Regel die angebotene Stelle nicht antreten wollen, wenn dadurch die Karriere ihrer Partnerin oder Partners leidet oder sie dauerhaft zwischen ihrer Familie und dem Arbeitsort pendeln müssen. Viele Fach- und Führungskräfte leben in einer Beziehung mit jemandem, der ebenfalls hochqualifiziert ist und die eigene Karriere engagiert verfolgt. Gleich zwei passende Stellen für solche Paare anzubieten, ist jedoch schwierig. Hier schafft ein dichtes Netzwerk von vielfältigen Organisationen attraktive Möglichkeiten. Es gibt feste Ansprechpersonen bei jeder Organisation, die Anfragen aus dem Netzwerk intern an die richtige Stelle bringt.

Das konnte Juan Castillo, promovierter Physiker und Informatiker aus Spanien, erfolgreich erproben. Nachdem seine Frau, Shizu Minami, ebenfalls promovierte Physikerin, die ursprünglich aus Japan stammt, eine Forschungsstelle beim Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung (GSI) angenommen hatte, suchte auch er Arbeit in der Region. Zuvor musste er aus den Niederlanden pendeln – nicht einfach, besonders da das Paar ein Kind von 15 Monaten hat. Seit vergangenem Herbst hat die Familie endlich einen gemeinsamen Wohnsitz zwischen Darmstadt und Frankfurt, denn Juan Castillo arbeitet seitdem am Max-Planck-Institut für Biophysik auf dem Frankfurter Riedberg. Gefunden hat er die Stelle über das Dual Career Netzwerk, dem beide Institute angehören. „Besonders gut war, dass ich die Stelle schon gefunden habe, als ich noch in den Niederlanden war. Außerdem gefällt mir das internationale Arbeitsumfeld. Meine Familie und ich haben uns hier sehr willkommen gefühlt.“

Auch die MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ hat seinen Mitgliedern empfohlen, diesem Netzwerk beizutreten. „Im Wettbewerb um Spitzenkräfte müssen die großen Standortvorteile, sich zum einen in einem überaus forschungsstarken Ballungsraum zu befinden und zum anderen sich in einem sehr internationalen Umfeld zu bewegen, ganz klar genutzt werden“, bekräftigt Professor Dr. Gerhard Muth, Vorsitzender der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ und Präsident der Fachhochschule Mainz. „Denn“, so führt Muth weiter aus, „ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben, dann kann man auch die ‚besten Köpfe‘ überzeugen. Daher ist dieser Verbund Rhein-Main auch so attraktiv – für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber auch für uns, die Forschungseinrichtungen.“

Auch Wirtschaftsunternehmen befassen sich zunehmend mit dem Thema, denn auch sie erleben, dass ihre Wunschkandidaten Stellenangebote ausschlagen, weil den Partnerinnen und Partnern keine berufliche Perspektive angeboten werden kann. Besonders Unternehmen, die den Fach- und Führungskräftemangel bereits spüren oder sich Familienfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben haben, vernetzen sich mit den Dual Career Services der Hochschulen. In Kürze wollen daher die ersten Unternehmen dem Dual Career-Netzwerk Metropolregion Rhein-Main beitreten.

Die acht neuen Mitglieder aus der Mainzer Wissenschaftsallianz:

  • Fachhochschule Mainz
  • Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Akademie der Wissenschaften und der Literatur
  • Helmholtz-Institut Mainz
  • Institut für Europäische Geschichte
  • Institut für Mikrotechnik Mainz GmbH
  • Max-Planck-Institut für Polymerforschung
  • Naturhistorisches Museum Mainz

Die bisherigen Mitglieder des Netzwerks:

  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Technische Universität Darmstadt
  • Evangelische Fachhochschule Darmstadt
  • Fachhochschule Frankfurt am Main
  • Hochschule Darmstadt
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
  • Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)
  • Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (Fraunhofer IGD)
  • Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (Fraunhofer SIT)
  • Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH (GSI)
  • Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
  • Institut für Molekulare Biologie gGmbH Mainz
  • Max-Planck-Institut für Biophysik
  • Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte
  • Max-Planck-Institut für Hirnforschung
  • Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN)

Informationen: Marlar Kin, Koordinatorin Dual Career Service, Goethe-Universität , Gleichstellungsbüro, Campus Westend, Tel: (069) 798-18113, kin@em.uni-frankfurt.de; Birgitta Loehr, Leitung Geschäftsstelle, Mainzer Wissenschaftsallianz, Tel: (06131) 628-7016, birgitta.loehr@fh-mainz.de

Personalia/Preise

Jul 19 2013
09:06

Amerikanist, Pharmazeut und Theologin sind die Preisträger 2013

1822-Universitätspreis für exzellente Lehre

FRANKFURT. Zum zwölften Mal ist am Donnerstagabend (18. Juli) der „1822-Universitätspreis für exzellente Lehre“ an der Goethe-Universität verliehen worden. Preisträger sind in diesem Jahr der Amerikanist Prof. Dr. Bernd Herzogenrath (1. Preis: 15.000 Euro), der Pharmazeut Dr. Bernd Sorg (2. Preis: 10.000 Euro) und die Theologin Prof. Dr. Melanie Köhlmoos (3. Preis: 5.000 Euro). Der von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse getragene „1822-Universitätspreis für exzellente Lehre“, der seit 2002 jährlich gemeinsam mit der Universität vergeben wird und den die Studierenden durch ihr Vorschlagsrecht maßgeblich mitgestalten, schenkt der grundständigen Lehre besondere Bedeutung, die Preisträger müssen hier besonders engagiert sein.

Seine Vergabe wird von Lehrenden wie Lernenden gleichermaßen aufmerksam verfolgt. Herbert Hans Grüntker, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Frankfurter Sparkasse betont: „Mit der Vergabe des 1822-Universitätspreises wollen wir die Bedeutung der Lehre hervorheben, die an den Hochschulen immer noch im Schatten der Forschung steht. Dass uns dies gelingt, zeigt das Engagement, mit dem Studentinnen und Studenten alljährlich für die von ihnen nominierten Professoren eintreten und wie überzeugend sie für ihre Favoriten plädieren." Der Preis ist somit eine wertvolle Initiative, Bedeutung und Wahrnehmung der Lehre in und außerhalb der Universität zu stärken. In diesem Jahr hatte die Jury die Qual der Wahl, ihre Entscheidung aus 18 Vorschlägen zu treffen. Aus diesen wählte eine Kommission, bestehend aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern der Universität sowie eines Vertreters der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger aus. Der Vorsitzende der Kommission, Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, bemerkt: „Exzellenz zeigt sich nicht nur in der Forschung, sondern auch in herausragender Lehre, die es wert ist, gefördert und gesehen zu werden.“

Zu den Preisträgern:

Prof. Dr. Bernd Herzogenrath (Fachbereich 10 – Neuere Philologien):
Bernd Herzogenrath ist seit 2010 Professor für Amerikanistik am Institut für England- und Amerikastudien, wo er den Schwerpunkt Literatur- und Kulturwissenschaft vertritt und Studierende aller Studienstufen im BA American Studies, im auslaufenden Magister Amerikanistik, im MA American Studies (ab WiSe 2013/14) und in den Lehramtsstudiengängen betreut sowie an der curricularen Weiterentwicklung der Bachelorstudiengänge und an der Einführung eines konsekutiven Masterstudiengangs American Studies beteiligt ist. Studierende aus dem Fachbereich 10, Neuere Philologien, Amerikanistik betonen: „Prof. Herzogenraths Lehre ist geprägt von Dialog und Austausch: interkulturell, interdisziplinär, interaktiv. Er schafft Räume und Gelegenheiten für ein Lernen voneinander; ein Lernen, das bleibende Spuren hinterlässt.“ Herzogenraths Lehre zielt zudem auf eine internationale Vernetzung von Studierenden und er steht für innovative Lehrmethoden und interdisziplinäre Forschung. Die von ihm geleiteten Seminare sind geprägt von Kommunikation und gegenseitigem Austausch. Beispielhaft dafür ist das innovative deutsch-tschechische Lehrprojekt "Theory into Practice", das die historische und theoretische Sicht auf den Gegenstand um praktische Perspektiven erweitert und den Studierenden Schlüsselkompetenzen im Bereich der Medien und des Mediengebrauchs vermittelt.
Für dieses Engagement und seinen Einsatz wird Herr Herzogenrath mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Dr. Bernd Sorg (Fachbereich 14 – Biochemie, Chemie und Pharmazie):
Bernd Sorg ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pharmazeutische Chemie. Er wurde bisher viermal mit dem fachbereichsinternen Preis für exzellente Lehre ausgezeichnet. Mit seiner Vorlesung „Biochemische Grundlagen der Arzneistoffwirkung“ bereitet er die Studierenden auf das Hauptstudium mit einer stärker berufsspezifischen Ausrichtung und mittelbar auch auf das zweite Staatsexamen vor. In dieser Vorlesung gelingt es ihm, ein „lockeres und zugleich hoch konstruktives Klima“ zu schaffen. Die Studierenden erhalten breiten Raum für Fragen. Er veranschaulicht Theorie und Praxis, immer mit Bezug zur aktuellen Forschung. Zudem stellt er hervorragende begleitende Materialien zur Verfügung, sowohl als Skript als auch im Internet.
Für seinen Einsatz und sein Engagement wird Bernd Sorg der 2. Preis verliehen.

Prof. Dr. Melanie Köhlmoos (Fachbereich 06 – Evangelische Theologie):
Melanie Köhlmoos ist seit 2010 Professorin für Altes Testament an der Goethe-Universität. Seit 2012 ist sie Studiendekanin des Fachbereichs Evangelische Theologie. Für den 1822-Preis wurde sie von der Fachschaft wegen ihrer exzellenten Betreuung der Studierenden vorgeschlagen, insbesondere auch bei Prüfungsvorbereitungen und Seminararbeiten. In ihren Lehrveranstaltungen herrscht eine „freundliche und lernproduktive Atmosphäre“, die den Dialog der Studierenden auch untereinander fördert. Die Veranstaltungen sind hervorragend didaktisch aufgebaut. Sie führt gleichzeitig ihre Studierenden in didaktische Methoden ein und bildet sie damit zu engagierten Lehrerinnen und Lehrer oder Pfarrerinnen und Pfarrern aus.
Für dieses Engagement und ihren Einsatz wird Melanie Köhlmoos mit dem 3. Preis ausgezeichnet.


Von links: Dr. Bernd Sorg, Prof. Dr. Bernd Herzogenrath, Prof. Dr. Melanie Köhlmoos

Als Preisträger vorgeschlagen worden waren neben den Ausgezeichneten folgende Lehrende:
Prof. Dr. Markus Ogorek, Fachbereich 01 – Rechtswissenschaft
Dr. Markus Müller, Fachbereich 07 – Katholische Theologie
Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Fachbereich 08 – Philosophie und Geschichtswissenschaften
Prof. Dr. Jörg W. Busch, Fachbereich 08 – Philosophie und Geschichtswissenschaften
Franziska Sperling, Fachbereich 09 – Sprach- und Kulturwissenschaften;
Dr. Stefanie Heraeus, Fachbereich 09 - Sprach- und Kulturwissenschaften;
Dr. Zakharia Pourtskhvanidze, Fachbereich 09 – Sprach- und Kulturwissenschaften;
Dr. Regina Toepfer, Dr. Stephanie Dreyfürst, Fachbereich 10 – Neuere Philologien;
Anne Marlene Hastenplug, Fachbereich 10 – Neuere Philologien;
Prof. Dr. Esther Rinke, Fachbereich 10 – Neuere Philologien;
Prof. Ulrich Achatz, Fachbereich 11 – Geowissenschaften, Geographie;
Dr. Hartwig Bosse, Fachbereich 12 - Informatik und Mathematik;
Dr. Rainer Hegger, Fachbereich 14 – Biochemie, Chemie und Pharmazie;
Dr. Martin Plath, Fachbereich 15 – Biowissenschaften
Dr. Puria Parvini, Fachbereich 16 - Medizin

Weitere Informationen
Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12431, Fax.: (069) 798- 763 12341, schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Jul 18 2013
12:14

Ausschreibung für Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“ der ZEIT-Stiftung in Frankfurt am Main

Hessen ist als achtes Bundesland dabei!

FRANKFURT.  Nach Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Bayern, Berlin und Schleswig-Holstein findet der Schülercampus der ZEIT-Stiftung nun auch in Hessen statt: Vom 1. bis 4. November 2013 gibt es das Studienorientierungsangebot für Oberstufenschüler auch in Frankfurt am Main. Bewerbungen sind bis 2. Oktober 2013 möglich.

Bei den jungen Menschen, in der Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen in Hessen beträgt der Migrationsanteil knapp 50%. Leider entscheiden sich jedoch bislang noch sehr wenige Abiturientinnen und Abiturienten, deren Familien Migrationsgeschichte haben, für den Lehrberuf. Man schätzt den bundesweiten Anteil von Lehrkräften mit Migrationshintergrund auf 7% ein. Um die Vielfalt im Lehrerzimmer zu gewährleisten, werden bundesweit mehr Lehrer mit Migrationshintergrund als kompetente Vorbilder und Vertraute gebraucht. Befragungen unter ehemaligen Schülercampus-Teilnehmern zeigen, dass viele Oberstufenschüler mit Migrationsgeschichte Vorbehalte gegenüber dem Lehrerberuf haben: Sei es das Informationsdefizit hinsichtlich der Berufsperspektiven, das prestigearme Bild des Lehrers oder der Mangel an ermutigenden Lehrervorbildern mit Migrationsgeschichte - der Beruf des Lehrers ist für viele eine nachrangige Option. Um Vorbehalte abzubauen und junge Migrantinnen und Migranten für das Lehramtsstudium und den Lehrerberuf zu interessieren, entwickelte die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius im Jahr 2008 ihren Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“.

Das viertägige Studienorientierungsangebot gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen und Anforderungen des Lehrerberufs. Die Teilnehmer informieren sich über Voraussetzungen für das Lehramtsstudium, dabei geben Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte Einblicke in ihre eigene Bildungsbiographie und vermitteln ihre Erfahrungen aus Studium und Schulalltag. Die Teilnehmer hospitieren in Schulen und Universitäten und diskutieren mit Hochschullehrern die Erfordernisse dieses Berufes, mit dem Ziel, eine fundierte Studienfachwahl treffen zu können.

Die Initiative der ZEIT-Stiftung wird auch in Hessen mit starken Partnern, dem Hessischen Kultusministerium, der Goethe-Universität Frankfurt und der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, realisiert.

Weitere Informationen
Hinweise zur Bewerbung und weitere Informationen finden Sie unter www.mehr-migranten-werden-lehrer.de. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Rebecca Röhrich, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL), Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation, roehrich@em.uni-frankfurt.de, Tel.: 069/ 798-25114.

Hochschulpolitische Themen

Jul 18 2013
12:13

Symposium an der Goethe-Universität widmete sich Perspektiven universitärer Lehre im Rahmen der aktuellen Hochschulentwicklung

Chancen und Herausforderungen für Volluniversitäten

FRANKFURT. Unter dem Titel „Selbstverständnis und Perspektiven universitärer Lehre – Gestaltungsspielräume einer Volluniversität“ hat die Goethe-Universität einen weiteren Schritt in ihrem Selbstverständigungsdiskurs gemacht und vier externe Referentinnen und Referenten nach den Chancen und Risiken der aktuellen Hochschulentwicklung gefragt. Eingeladen waren der Hochschulforscher Prof. Dr. Peer Pasternack von der Universität Halle, Dr. Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat, die studentische Vizepräsidentin Michelle Mallwitz von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen sowie Dr. Thomas Grünewald vom Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen. Einhelliger Befund war, dass sich das Hochschulsystem aktuell noch stärker als in der Vergangenheit ausdifferenziert und dabei traditionelle Volluniversitäten einerseits einer Vielzahl politisch-gesellschaftlicher Anforderungen ausgesetzt sind, andererseits durchaus Potential haben, ihre Strukturen und Lern-/Lehrformate zukunftsgerecht umzugestalten. Die Referentinnen und Referenten hoben in unterschiedlicher Nuancierung das strategische Moment hervor, das solche Prozesse partizipativ unterlegt sein müsse.

Vizepräsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl sah den Erfolg der Veranstaltung insbesondere in  der engen Verzahnung interner Diskussionen mit der aktuellen hochschulpolitischen Debatte. Dabei sei es wichtig, die einzelnen Punkte durch eine Außenperspektive zu reflektieren: „Der externe Blick gibt uns die Chance, manche Dinge klarer sehen zu können und andere, die wir nur versteckt am Horizont wahrgenommen haben, stärker ins Blickfeld zu nehmen.“ Die Goethe-Universität befindet sich momentan in einem Strategie-Prozess und arbeitet an einem Leitbild Lehre, das bis Ende des Jahres fertiggestellt werden soll.

Weitere Informationen
Dr. Cornelius Lehnguth, Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung (LuQ), Goethe-Universität Frankfurt a.M., Tel. (069) 798-12486, lehnguth@pvw.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 18 2013
09:12

Berndt Dugall wurde im festlichen Rahmen die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Biowissenschaften der Goethe-Universität verliehen

Feierlicher Abschied für langjährigen Leiter der Universitätsbibliothek

FRANKFURT.  Seit 1988 amtiert er als Direktor der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Ende September geht er in den Ruhestand. Um das Wirken von Berndt Dugall angemessen zu würdigen, fand auf dem Campus Riedberg im Otto-Stern-Zentrum eine Abschiedsfeier statt.  Im Rahmen dieser Feierlichkeit erhielt Dugall die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Biowissenschaften.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch den Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl, sprachen Ministerialdirigentin Irene Bauerfeind-Roßmann vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Dr. Anne Lipp von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Dr. Peter Reuter von der Hessischen Bibliotheksdirektorenkonferenz sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Vorsitzender des Bibliotheksbeirats, jeweils ein kurzes Grußwort. Den Festvortrag „Die beidseitige befruchtende Verbindung von Wissenschaft und Praxis“ hielt Prof. Dr. Wolfgang König, Geschäftsführender Direktor des House of Finance.

Fortentwicklung: UB wird zu einer der größten Forschungs- und Bestandsbibliotheken in Deutschland

In die Amtszeit von Berndt Dugall fiel die Überführung der Stadt- und Universitätsbibliothek (StUB) aus der Trägerschaft der Stadt Frankfurt am Main in die des Landes Hessen auf der Grundlage des Kulturvertrags. Damit war der Weg frei für die Integration der StUB mit der Senckenbergischen Bibliothek zur Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, die unter seiner Leitung fristgerecht Ende 2004 abgeschlossen wurde. 

Bereits in den 1990er Jahren hatte Dugall auf der Basis einer Evaluation durch den Wissenschaftsrat mit grundlegenden und wegweisenden  Reformen  im Bereich des gesamten Frankfurter universitären Bibliothekssystems begonnen.  In der Folge wurden bis 2012 ca. 150 dezentrale Bibliotheken zu 6 Bereichsbibliotheken zusammengelegt, von denen inzwischen drei Neubauten erhielten. Daraus und aus dem Umstand des Stellflächenmangels resultierten unzählige Bibliotheksumzüge, die für Außenstehende meist nahezu geräuschlos verliefen.

Die Fortentwicklung der Bibliothek zu einer der größten Forschungs- und Bestandsbibliotheken in Deutschland lässt sich vor allem an der Entwicklung der Medieneinheiten ablesen: 3,9 Mio. Medieneinheiten (1988)  stehen heute 9,0 Mio. gegenüber. Für Berndt Dugall war die Einführung von EDV-gestützten Geschäftsgängen in allen Bereichen der Bibliothek ein wichtiges Anliegen. Für den Nutzer wurde dies z.B. in der Digitalisierung der Zettelkataloge sichtbar, wodurch 2002 der Umbau der Eingangshalle (Einrichtung elektronischer Arbeitsplätze und ein kleines Cafe) erfolgen konnte, was von der Hessischen Architektenkammer mit einem Preis bedacht wurde.

Die Zahl der Ausleihen/Bestellungen erhöhte sich in seiner Ära von jährlich 1,2 Mio. (1988) auf 1,57 Mio. Hinzu kommen außerdem die Nutzungen der zahlreichen Online-Medien. Hier setzte sich Dugall von Anbeginn der digitalen Transformation wissenschaftlicher Literatur konsequent für eine optimale elektronische Literaturversorgung der Goethe-Universität und darüber hinaus ein. So beschloss 1999 das Land Hessen auf seine Initiative die Einrichtung einer Konsortialgeschäftsstelle. Die Leitung liegt seit Anbeginn bei Berndt Dugall, der in dieser Funktion unzählige Verhandlungen mit großen internationalen Verlagen führte (z.B. Elsevier, Springer, Wiley usw.). Die daraus resultierende Verbesserung im Bereich von Online-Zeitschriften blieb auch an den Fachbereichen nicht unbemerkt. 

O-Töne zur Verabschiedung von Berndt Dugall:

Prof. Dr. Michael Göbel, Professor für Organische Chemie und Vorsitzender der Bibliothekskommission des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie: „Besonders hervorzuheben sind Berndt Dugalls Verdienste bei der Einrichtung der Nationallizenzen durch die DFG. Jedes Mal wenn wir Nutzer einen digitalisierten Artikel aus der Zeit vor 1996 aufrufen und ihn ohne Formalitäten, Wartezeiten oder zusätzliche Kosten einfach öffnen können, sollten wir uns dankbar an Berndt Dugall und sein Team der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg erinnern. Die Nationallizenzen sind gewissermaßen sein ‚digitales Denkmal‘.“

Prof. Dr. Enrico Schleiff – Vizepräsident der Goethe-Universität: „Nationale und internationale Standards zu setzen und nicht nur umzusetzen, das war und ist eine Stärke von Herrn Dugall, der eine moderne Bildungs- und Forschungsbibliothek formte – und das immer in einem offen geführten Diskurs mit den Nutzern. Mit ihm als Partner zu arbeiten ist ein Genuss, denn Kompetenz, Fairness und Führungskompetenz verbindet sich mit einem visionären Weitblick.“    Prof. Dr. Dieter Steinhilber – Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und Stellvertretender Vorsitzender der Bibliothekskommission des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie: „Herr Dugall hat ganz wesentlich zur Etablierung eines modernen Bibliothekssystems beigetragen. Der elektronische Zugriff auf eine derartige Vielzahl an Zeitschriften ist letztendlich auch auf sein Engagement zurückzuführen“.

Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Stöcker, Wissenschaftlicher Geschäftsführer der GSI -Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, Darmstadt und ehemaliger Vizepräsident der Goethe-Universität:  „Als Vizepräsident habe ich es immer sehr genossen, mit wie viel Geschick Herr Dugall es geschafft hat, sein Team und unsere Bibliothek in die Top-Rankings der deutschen Landschaft zu führen. Er war bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit ein immer charmanter und zuverlässiger Partner. Ich habe ihn wirklich sehr geschätzt. Sein Wort gilt! Wir sind stolz, ihn an Bord zu haben.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Winter, Vorsitzender des Vorstandes der Universität des 3. Lebensalters (U3L) und ehemaliger Vizepräsident der Goethe-Universität: „Mit seiner Tat- und Überzeugungskraft gelang ihm mit der kontinuierlichen Zusammenlegung der Instituts- und Fachbereichsbibliotheken zu (dienst-)leistungsstarken Bereichsbibliotheken eine der schwierigsten Reformen des Bibliothekssystems der Goethe-Universität.  Nach außen wie nach innen ist er eine absolut verlässliche, geradlinige Führungspersönlichkeit. Wer ihn kennt, schätzt ihn als einen fairen, aber harten Verhandlungspartner.“

Forschung

Jul 17 2013
12:20

VolkswagenStiftung unterstützt Forschungsvorhaben am Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien mit 1,37 Mio. Euro

Vom Schwachen zum Schutzwürdigen – Verwobene Modernitäten in Ostasien

FRANKFURT. Jenseits wirtschaftlicher Liberalisierungsschritte wird in Japan und China immer stärker öffentlich darüber diskutiert, wie schwache Gruppen und Interessen geschützt werden können. Worin unterscheiden sich diese Diskurse in Ostasien von denen in der westlichen Welt, wo sind Ähnlichkeiten auszumachen? Das werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO) der Goethe-Universität in den nächsten drei Jahren genauer erforschen. Die VolkswagenStiftung unterstützt ihr Forschungsvorhaben in der Initiative „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“ mit 1,37 Mio. Euro. Diese freudige Nachricht traf jetzt in Frankfurt ein.

„Unsere Forschung soll einen innovativen Beitrag zum Dialog zwischen den Regionalstudien und den verschiedenen Disziplinen leisten“, so der Sinologe Prof. Iwo Amelung, der gemeinsam mit dem auf japanisches Recht spezialisierten Rechtswissenschaftler Prof. Moritz Bälz, der Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Area Studies China/Ostasien, Prof. Heike Holbig, und Prof. Cornelia Storz, ausgewiesen für Institutionen- und Innovationsökonomik in Ostasien und Japan, den nun erfolgreichen Antrag gestellt hat. „Wir wollen nicht nur unser Verständnis für die Entstehung von nicht-westlichen Weltbildern und ihre Rückwirkungen auf die Weltbilder des Westens hinterfragen, uns interessiert auch, wie sich neue Positionen zum Schutz des Schwachen in einer globalisierten Welt entfalten“, ergänzt Holbig. Die Ergebnisse der verschiedenen Projekte werden die Wissenschaftler in Publikationen und Vortragsreihen, zu der ebenso Forscher aus Ostasien eingeladen werden, einer breiten interessierten Öffentlichkeit präsentieren.

Die Frankfurter Forscher haben ein spannendes Phänomen ausgemacht: Weg vom Dogma eines Primats von Modernisierung und ausschließlicher Fokussierung auf Wachstum wird in Japan und China neu über das Gemeinwohl und damit über den Schutz des Schwachen in der Gesellschaft verhandelt – ähnlich wie im Westen, aber mit regionalen Unterschieden. Denn diese Debatten nehmen Anleihen nicht nur bei westlich geprägten Diskursen, sondern auch bei den reichhaltigen ostasiatischen Traditionen von Barmherzigkeit und Philanthropie. „Systematisch zu vergleichen, wie China und Japan schwache Gruppen und Interessen schützen, ermöglicht zugleich Besonderheiten der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in diesen beiden Ländern herauszuarbeiten“, so Bälz.

Vier Themen werden in Fallstudien jeweils in China und in Japan untersucht, was einen späteren Vergleich zwischen diesen beiden Ländern ermöglicht: Dabei geht es um Forderungen nach dem Schutz von Katastrophenopfern, nach respektablen Arbeitsbedingungen für Beschäftigte, nach Erhalt des kulturellen Erbes und nach dem Schutz von Tieren. Die Fallstudien übernehmen Doktoranden, die von jeweils zwei der Professoren mit unterschiedlicher Länderexpertise und disziplinärer Ausrichtung betreut werden. „Eingebettet sind diese Fallstudien in einen gemeinsamen Rahmen, den vier konzeptionellen Hintergrund-Studien schaffen. Diese sind interdisziplinär ausgerichtet und umfassen Politikwissenschaft, Recht, Wirtschaftswissenschaften und Sprach- und Kulturwissenschaften“, erklärt Storz.

Die Studien werden sich eine Untersuchung der historischen Bedingungen zu Nutze machen, an der ein Postdoc-Forscher arbeitet. Er beschäftigt sich besonders damit, wie sich philanthropische Vorstellungen und Praktiken in Ostasien während des späten 19. und  frühen 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss sozialdarwinistischer Vorstellungen verändert haben. Im Fokus steht auch, wie die Moderne in den westlichen und den ostasiatischen Kulturen sich gegenseitig bedingt hat. Die indische, in Genf lehrende Anthropologin Shalini Randeria bezeichnet dies als „verwobene Moderne“, die gekennzeichnet ist durch interaktive Prozesse von Übersetzung, Modifikation und Aneignung von westlichen Konzepten und der Einbeziehung von vermeintlichen und tatsächlichen Traditionen in Ostasien.

Aus den Fördermitteln der VolkswagenStiftung werden unter anderem Stellen für acht Doktoranden und einen Post-Doc finanziert sowie Kosten für Reise und längere Auslandsaufenthalte der beteiligten Wissenschaftler in China und Japan. Der Titel des Forschungsvorhabens lautet „Protecting the Weak. Entangled processes of framing, mobilization and institutionalization in East Asia“.

Zum Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO): Das Zentrum ist eine fächerübergreifende wissenschaftliche Einrichtung der Goethe-Universität. Das Zentrum bündelt die ostasienbezogenen Aktivitäten der Sprach- und Kulturwissenschaften, Gesellschafts-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Forschung und Lehre und fördert das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Region Ostasien in einer zunehmend komplexen, globalisierten und vernetzten Welt. Darüber hinaus verbindet das IZO wissenschaftliche Theoriebildung und aus der Forschung gewonnene Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung, insbesondere durch Kooperationen und den Austausch mit Institutionen und Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Gegründet 2008 als interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Ost- und Südostasien, ist es im Zuge der vom Land Hessen geförderten Zentrenbildung kleinerer geistes- und regionalwissenschaftlicher Fächer an hessischen Hochschulstandorten entstanden.

Informationen: Prof. Iwo Amelung, Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien, Campus Bockenheim,  Tel. (069) 798-22897, Amelung@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 16 2013
11:30

Dr. Till Jahnke wird für seine Beiträge zur Atom- und Molekülphysik geehrt/Mögliche Anwendung in der Strahlentherapie

Internationaler Physikpreis für Frankfurter Forscher

FRANKFURT.  Die oberste Internationale Fachgesellschaft für Physiker IUPAP verleiht Dr. Till Jahnke vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität den mit 1000 Euro dotierten Nachwuchsforscherpreis für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Atom- und Molekülphysik. Jahnke wird den Preis am 29. Juli auf der Jahreskonferenz der IUPAP in Lanzhou, China, entgegen nehmen.

Till Jahnke, 36, erregte bereits während seiner Doktorarbeit Aufsehen in Fachkreisen, als er im Oktober 2004 in den Physical Review Letters, der weltweit angesehensten physikalischen Fachzeitschrift, über den experimentellen Nachweis eines zuvor theoretisch vorhergesagten Effekts berichtete. Damals untersuchte er eng benachbarte Atome (Dimere): Wird eines der Atome mit hochenergetischen Synchrotronstrahlen angeregt, kann es seine überschüssige Energie in einer Art interatomarem Stress-Abbau an das Nachbar-Atom abgeben. Dies geschieht durch einen extrem schnellen Zerfallsprozess, „Interatomic Coulombic Decay“ (ICD) genannt.

Diesen Effekt konnte er im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts auch an Wassermolekülen erforschen – und stieß dabei auf medizinisch relevante Erkenntnisse. Denn die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass das Erbmolekül DNA nicht nur durch energiereiche Röntgenstrahlen geschädigt wird, sondern auch durch niederenergetische Elektronen, die im Körper erst infolge der Bestrahlung entstehen. Jahnke entdeckte einen Prozess, bei dem solche Sekundär-Elektronen frei werden:„Durch ICD treten bis zu 100 Mal mehr niederenergetische und für die Strahlentherapie relevante Elektronen auf“, hat Jahnke herausgefunden. Dies ist nicht nur wichtig für die Einschätzung von Strahlenschäden, sondern auch für die Dosierung bei der Strahlentherapie für Tumoren.

In den letzten Jahren konnte der Aspekt einer möglichen Strahlentherapie durch eine Idee der Gruppe von Prof. Lorenz Cederbaum der Universität Heidelberg ausgebaut werden. Mit einer bestimmten Unterart des ICD-Prozesses ist es möglich, in einem großen Komplex aus vielen Atomen ein beliebiges Atom direkt zu adressieren. In der Umgebung genau dieses einen Atoms entsteht dann ein ICD-Elektron, das Zellen schädigen kann. Eine zukünftige Anwendung könnte so aussehen, dass erkrankte Zellen mit bestimmten Substanzen markiert werden. Danach kann an diesen Markeratomen ICD durch Röntgenstrahlung ausgelöst und so die erkrankte Zelle gezielt beschädigt werden, während der restliche Körper nur wenig belastet wird. „Man kann sich dies so vorstellen, als platziere man kleine Bomben direkt an kranken Zellen, die dann durch Bestrahlung gezündet werden“, erklärt Jahnke. „Wir konnten nun in einem Experiment zeigen, dass der Prozess in einem einfachen Modellsystem wie geplant und mit einer unglaublich hohen Effizienz abläuft. Der Weg zur klinischen Anwendung ist allerdings noch sehr lang.“

Möglich wurden seine Experimente dank einer unter Frankfurter Federführung entwickelten spektroskopischen Methode, COLTRIMS genannt (Cold Target Recoil Ion Momentum Spectroscopy). Sie wird inzwischen international für unterschiedlichste Fragestellungen verwendet und ist mehrfach ausgezeichnet worden. Ausgangspunkt jeder Untersuchung ist die Anregung inner-atomarer Prozesse, die charakteristische Reaktionen auslösen und damit über die elektronische Struktur und Dynamik der Studienobjekte Auskunft geben. Das Besondere an dieser Methode ist, dass alle geladenen Teilchen im Detektor registriert werden. Aus der Messung der Flugzeit und des Auftrefforts lässt sich die gesamte Reaktion in voll-3D rekonstruieren.

Das „atomare Fußballspiel“ als Film

Kürzlich erweiterten Jahnke und die Frankfurter Arbeitsgruppe die Methode, so dass auch der zeitliche Ablauf rekonstruiert werden kann. „Wir können damit so etwas wie einen Film von einem atomaren oder molekularen Prozess drehen. Nehmen wir zum Vergleich ein Fußballspiel: die typischerweise eingesetzte Technik erlaubt es, ein einziges Standbild des gesamten Spiels aufzunehmen. Man erhält quasi nur eine Information über das Endergebnis. Mit der COLTRIMS-Technik waren wir nun in der Lage, zusätzlich einzelne Schnappschüsse zu machen und Informationen darüber zu erhalten, wo Spieler und Ball als nächstes hinlaufen werden. Unsere letzten Erweiterungen der Methode erlaubten es uns tatsächlich, dem Verlauf des Spieles inklusive aller Flanken und Doppelpässe direkt zu folgen.“, so Jahnke.

Für Jahnke ist der IUPAP-Preis nicht die erste Anerkennung. 2006 zeichnete die Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität seine Dissertation als eine der besten in den Naturwissenschaften aus. 2010 folgte der mit 10.000 Euro dotierte Röntgenpreis der Justus Liebig Universität Gießen. Jahnke hat inzwischen zahlreiche Angebote international angesehener Arbeitsgruppen aus Japan und den Vereinigten Staaten erhalten, ist Frankfurt aber treu geblieben. „Dass ich so gern hier bin, liegt definitiv an der Arbeitsgruppe und meinen beiden Mentoren Reinhard Dörner und Horst Schmidt-Böcking.“ erklärt er. „Die Bedingungen, die ich in Frankfurt für meine Forschung habe, sind außerdem phänomenal.“ Da er bereits als junger Nachwuchswissenschaftler zu den großen Synchrotronquellen in Berlin, Hamburg, Berkeley und in Japan reiste, und seither in ganz Europa, Amerika und Australien Forschungsaufenthalte absolvierte, kann er das internationale Feld gut beurteilen.

Ein Foto von Till Jahnke finden Sie hier.

Bildtext: Dr. Till Jahnke erhält den Nachwuchsforscherpreis für Atom- und Molekülphysik der obersten Internationale Fachgesellschaft für Physiker IUPAP.

Informationen: Dr. Till Jahnke, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47025; jahnke@atom.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 16 2013
10:39

Stefanie Zweig präsentiert ihr Buch „Nirgendwo war Heimat – Mein Leben zwischen zwei Kontinenten“ an der Goethe-Universität. 18. Juli, 18 Uhr, Campus Westend

Lebenserinnerungen

FRANKFURT. Am 18. Juli stellt die Bestsellerautorin Stefanie Zweig ihren Roman „Nirgendwo war Heimat – Mein Leben zwischen zwei Kontinenten“, das 2012 erschienen ist, an der Goethe-Universität Frankfurt vor. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im IG-Hochhaus Raum IG 411 auf dem Campus Westend statt. Der Buchvortrag ist Teil der 5. Frankfurter Goethe-Vorlesungen zum Thema „Jüdisch-christliche Literaturkontakte vom Mittelalter bis in die Gegenwart“, die vom Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik sowie dem Seminar für Judaistik organisiert werden.

Stefanie Zweig erzählt in ihrem neuesten Roman von ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen. 1938 floh ihr Vater aus Oberschlesien vor den Nationalsozialisten nach Afrika, um eine neue Heimat für seine jüdische Familie zu finden. Ein halbes Jahr später gelang es ihm in letzter Minute seine Frau und seine fünfjährige Tochter Stefanie nach Kenia zu holen. In ihrem Buch beschreibt Stefanie Zweig ihre ereignisreiche Kindheit, die sie auf einer Farm in Afrika verbrachte. Gleichzeitig erinnert sie sich aber auch an die Sorgen um ihre Großeltern und Tanten, die nicht rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnten und die sie nie wieder gesehen hat. 1947 kehrte die Familie auf Wunsch des Vaters nach Deutschland zurück, aber Stefanie Zweigs Herz blieb in Afrika.

Die 80-jährige Autorin verknüpft in ihrem neuesten Roman geschickt ihre eigenen Erinnerungen mit politischen und kulturellen Ereignissen der Zeit. Damit hat sie es auch früher schon wochenlang auf die Bestsellerlisten geschafft. Stefanie Zweig schrieb bereits mehrere autobiografische Romane über die Flucht ihrer jüdischen Familie nach Afrika und ihre Rückkehr nach Deutschland, wo die Familie in einem Haus in der Frankfurter Rothschildallee lebte. Die Bücher erreichten eine Gesamtauflage von über sieben Millionen Exemplaren und wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt.

Ansprechpartner:  PD Dr. Regina Toepfer, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Tel.: (069) 798- 32680, R.Toepfer@lingua.uni-frankfurt.de; Jun.-Prof. Dr. Rebekka Voß, Seminar für Judaistik, Tel.: (069) 798- 22796, Voss@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 16 2013
10:22

Verleihung des 1822-Preises 2013. 18. Juli, 17 Uhr, Campus Westend

Preis für exzellente Lehre

FRANKFURT. Am Donnerstag, den 18. Juli 2013, wird der diesjährige 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen. Es werden insgesamt drei Preise vergeben, die mit 15.000 €, 10.000 € und 5.000 € dotiert sind. Ausgezeichnet werden Professorinnen und Professoren sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für herausragendes Engagement in der Lehre sowie für die Entwicklung neuer Lehrangebote oder Lehrformate. Die Kandidaten für den Preis werden von den Studierenden vorgeschlagen, die Auswahl trifft eine Senatskommission gemeinsam mit einem Vertreter der Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Die Preisverleihung findet in Anwesenheit des Stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung der Frankfurter Sparkasse sowie des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Goethe-Universität statt am:

Donnerstag, 18. Juli 2013, 17.00 Uhr,
in der Lobby des PA Gebäudes (PA 0.P01),
Campus Westend der Goethe-Universität.

Im Anschluss an die Preisverleihung gibt es Gelegenheit, mit den Preisträgern zu sprechen.

Forschung

Jul 15 2013
11:30

Gemeinsames Vorgehen bei Infektionen

Neue „Sprache“ von Bakterien entdeckt

FRANKFURT.  Bakterien leben nicht isoliert, sondern in Gemeinschaft mit anderen Bakterien. Sie kommunizieren miteinander über chemische Prozesse und können sich dadurch in der Gruppe „absprechen“, beispielsweise um bei Infektionen gemeinsam vorzugehen. Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun erstmals einen bislang unbekannten bakteriellen Kommunikationsweg entdeckt, der auch von medizinischem Interesse ist. In der online-Ausgabe der Zeitschrift Nature Chemical Biology berichten die Wissenschaftler über die Entdeckung eines neuen Signalmoleküls.

Verschiedene Bakterien kommunizieren auf unterschiedliche Weise. Am besten erforscht ist bislang die Kommunikation über N-Acylhomoserinlaktone (AHLs). Diese Signalmoleküle werden durch das Enzym LuxI-Synthase produziert und von dem dazu passenden LuxR-Rezeptor erkannt. Daraufhin verändert sich die Expression verschiedener Gene, so dass die Bakterien bestimmte Eigenschaften wie  Virulenz ausbilden. Rätselhaft war bisher, dass viele Bakterien zwar den LuxR-Rezeptor besitzen, aber keine LuxI-Synthase. Die Kommunikation über diese als LuxR-Solos bezeichneten Rezeptoren konnten Prof. Helge Bode von der Goethe-Universität  und Privatdozent Dr. Ralf Heermann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München nun erstmals aufklären.

Die Forscher haben das Bakterium Photorhabdus luminescens untersucht, einen für Insekten tödlichen Krankheitserreger. „Wir haben ein neues Signalmolekül entdeckt, das auch biochemisch neuartig produziert wird“, sagt Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Der LuxR-Rezeptor erkennt in diesem Fall nicht AHLs, sondern andere Signalmoleküle, die alpha-Pyrone. Zusätzlich entdeckten die Forscher das dazu gehörige Enzym, die Pyron-Synthase (PpyS). Durch diese Kommunikation über die LuxR-Solos erkennen sich die Bakterien und bilden einen Oberflächenfaktor, der sie miteinander verklumpen lässt. Das schützt sie vermutlich bei der Infektion von Insektenlarven vor deren Immunsystem. Schließlich töten sie ihre Opfer durch die Produktion verschiedener Gifte. „Photorhabdus luminescens ist ein guter Modellorganismus, da er viele Verwandte bei menschlichen Krankheitserregern hat, darunter Kolibakterien wie EHEC und der Pest-Erreger“, sagt Ralf Heermann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Die Kommunikationswege von Bakterien sind ein möglicher Angriffspunkt für neue Medikamente. „Wenn Krankheitserreger nicht mehr wie bisher durch Antibiotika abgetötet, sondern an der Bildung krankmachender Eigenschaften wie Giften gehindert werden könnten, würde das die Gefahr von Resistenzbildungen erheblich mindern“, so Bode.

Publikation: Alexander O. Brachmann, Sophie Brameyer, Darko Kresovic, Ivana Hitkova, Yannick Kopp, Christian Manske, Karin Schubert, Helge B. Bode, and Ralf Heermann: Pyrones as bacterial signaling molecules, in: Nature Chemical Biology, DOI: 10.1038/nchembio.1295

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Bildtext: Ein neu entdeckter Signalweg für die Kommunikation zwischen Bakterien der Gattung Photorhabdus luminescens über den Naturstoff Photopyron bewirkt, dass die Bakterine einander erkennen und bei einer Infektion miteinander verklumpen. Vermutlich schützt sie das vor dem Immunsystem ihres Wirts.

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557; H.Bode@bio.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 12 2013
15:32

Förderung des Schwerpunkts „Ubiquitin-Netzwerke“ und Beteiligung an weiterem Schwerpunkt

Goethe-Uni erneut erfolgreich im Loewe-Programm

FRANKFURT. Erneut ist es der Goethe-Universität gelungen, bei der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz erhebliche Mittel einzuwerben. Ab Januar 2014 wird der LOEWE-Schwerpunkt „Ubiquitin-Netzwerke“ an der Goethe-Universität eingerichtet. Darüber hinaus sind Frankfurter Forscher an dem Schwerpunkt „SynChemBio“ beteiligt, der von der Philipps-Universität Marburg geführt wird. „Damit ist unsere Strategie aufgegangen, die Verzahnung von naturwissenschaftlicher und medizinischer Forschung zu befördern“, freut sich Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl. „Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen zu der hervorragenden Arbeit.“ 

Der neue LOEWE-Schwerpunkt „Ubiquitin-Netzwerke (Ub-Net)“ befasst sich mit dem kleinen Protein Ubiquitin, das in viele zelluläre Prozesse regulierend eingreift und mit der Entstehung zahlreicher Erkrankungen in Zusammenhang gebracht wird. Neben der Goethe-Universität ist das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim an dem Schwerpunkt beteiligt. „Die Komplexität des Netzwerkes von Ubiquitin wird bislang nur ansatzweise verstanden“, erklärt Prof. Ivan Dikic, Sprecher der Initiative. „Unser Ziel ist, grundlegende Mechanismen aufzuklären und den Zusammenhang zwischen Fehlern im Ubiquitin-System und den daraus resultierenden Erkrankungen des Menschen zu untersuchen.“ Innerhalb dieses Schwerpunktes werden Biochemiker, Struktur- und Molekularbiologen sowie Kliniker zusammenarbeiten. Als assoziierter Partner ist außerdem die Firma Merck-Serono in Darmstadt beteiligt. „Damit können wir vielversprechende neue Zielstrukturen schnell auf ihren möglichen therapeutischen Nutzen prüfen“, so Dikic. Der Schwerpunkt wird über zwei Jahre mit rund 4,3 Millionen Euro gefördert.

Darüber hinaus sind fünf Frankfurter Forschergruppen an dem neuen LOEWE-Schwerpunkt „SynChemBio“ beteiligt. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Marburg und Gießen entwickeln sie neuartige chemische Strategien zur Modellierung biologischer Prozesse, die unter anderem bei der Arzneimittel-Herstellung eine wichtige Rolle spielen. Bislang sind synthetisch-chemische Verbindungen oft nicht so selektiv und präzise, wie gewünscht. Das liegt vor allem an der enormen Komplexität biologischer Systeme. „Wir nutzen die moderne Strukturbiologie, um die Grundlagen der hochselektiven Modellierung zu verstehen“, so der Frankfurter Prof. Harald Schwalbe, einer der stellvertretenden Sprecher des Schwerpunkts. Dabei kommt ein breites Repertoire von Verbindungsklassen und Methoden der organischen, anorganischen und nanobasierten Chemie zum Einsatz. Die neuartigen chemischen Strukturen und Strategien sollen die Grundlage für industrielle Innovationsprozesse insbesondere in der Wirkstoffforschung in Hessen bilden. Die Landesmittelförderung für die kommenden drei Jahre beträgt rund 4,1 Millionen Euro.

Die Entscheidung wurde gestern durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst bekannt gegeben. Insgesamt werden sechs neue Schwerpunkte mit rund 25 Millionen Euro finanziert. LOEWE fördert seit 2008 qualitativ herausragende Projekte an hessischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen und trägt damit zu deren Profilschärfung bei.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5964; ivan.dikic@biochem2.de. Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29130; schwalbe@em.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jul 12 2013
15:25

Goethe-Universität diskutiert Chancen und Risiken der aktuellen Hochschulentwicklung. Symposium am 17. Juli, 10-14 Uhr, Campus Westend

Wohin geht die Lehre?

FRANKFURT. Die Differenzierung sowohl zwischen als auch innerhalb der Hochschulen hat auch in Studium und Lehre in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Dabei ist eine Heterogenisierung der Studierenden und Wissenschaftler als Teil dieser Entwicklung zu beobachten. Begleitet werden diese Prozesse von Diskursen über das Selbstverständnis einer Universität, wie sie in Leitbildern und anderen strategischen Dokumenten ihren Ausdruck finden.
Das Symposium „Selbstverständnis und Perspektiven universitärer Lehre –Gestaltungsspielräume einer Volluniversität“ fragt nach den Chancen und Risiken, die diesen Differenzierungsprozessen für Volluniversitäten innewohnen, gerade auch vor dem Hintergrund der Bologna-Reform.

Das Symposium findet statt:
Mittwoch, 17. Juli 2013, 10:00 – 14:15 Uhr, Renate von Metzler-Saal (1.801), im Casino des IG Farben-Hauses, Campus Westend der Goethe-Universität, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Referenten:
Prof. Dr. Peer Pasternack, Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg: „Humboldt minus Bologna = Hochschulbildung der Zukunft?“
Dr. Sabine Behrenbeck, Wissenschaftsrat Köln: „Differenzierung in der Lehre – Trends, Treiber und Grenzen“
Michelle Mallwitz, Zeppelin-Universität Friedrichshafen: „Uni ist nicht Schule. Universitäres Lehren/Lernen ernstgenommen“
Dr. Thomas Grünewald, Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen: „Differenzierung und Profilbildung – Hochschulstrategie im zweiten Jahrzehnt von Bologna“

Weitere Informationen
Dr. Cornelius Lehnguth, Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung (LuQ), Goethe-Universität Frankfurt a.M., Tel. (069) 798-12486, lehnguth@pvw.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Jul 12 2013
11:45

Auch hessische Schulen sollten das Fach ab Sekundarstufe I einführen

Forscher fordern Informatik als Pflichtfach

FRANKFURT. Bundesweit belegen zu wenige Schüler das Fach Informatik – so die Einschätzung von Informatikern der Goethe-Universität. Entsprechende Kenntnisse fehlten ihnen nicht nur im Studium oder Beruf, sondern auch bei der Teilhabe an der Informationsgesellschaft. Deshalb fordern die Forscher das Hessische Kultusministerium auf, das Fach in Hessen bereits in der Sekundarstufe I als Pflichtfach einzuführen, und zwar in allen Schulformen. In der Sekundarstufe II sollte Informatik den Naturwissenschaften gleich gestellt werden. Dieses Ansinnen wird von großen Unternehmen und namhaften Institutionen unterstützt. Bisher ist Informatik nur in Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ein Pflichtfach.

„An hessischen Schulen lernen Schülerinnen und Schüler nur Fragmente von Computeranwendungen kennen, weil die informations- und kommunikationstechnische Grundbildung in die Gesamtheit der Fächer integriert ist“, beklagt Prof. Jürgen Poloczek vom „AK Informatik in der Schule“, in dem sich Lehrende des Fachbereichs Informatik an der Goethe-Universität zusammen geschlossen haben. „Dies ist nicht mehr als eine Anwenderschulung. Ohne Kenntnis der informatischen Grundlagen ist das Wissen nicht nachhaltig und wird dementsprechend schon bei einem Versionswechsel der Software unbrauchbar“, so Poloczek weiter.

Bereits 2008 machte der Fachausschuss für Informatische Bildung in Schulen darauf aufmerksam, dass Menschen, die mit Informations- und Kommunikationstechnologie nicht kompetent umgehen können, aus der Informationsgesellschaft ausgeschlossen sind. Die IT stelle ebenso wie Lesen, Schreiben und Rechnen eine Schlüsseltechnologie unserer Zeit dar. Deshalb müssten alle Schulformen Grundkenntnisse vermitteln. Das Gymnasium sollte darüber hinaus das Fach nicht nur als Werkzeuglieferant betrachten, sondern seine eigenen Fragestellungen behandeln.

Die Schule habe eine Orientierungsfunktion für das Studium, betonen die Mitglieder des AK Informatik in der Schule. Da es gerade im Bereich der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu wenige Absolventen gebe, sei es wichtig, Schüler – und vor allem Schülerinnen – für diese Fächer zu interessieren und ihnen eine realistische Vorstellung zu vermitteln. „Es muss sich bald etwas tun, denn das Bildungsland Hessen kann es sich nicht leisten, ein Fach, dem eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der Technologie und des Wirtschaftsstandortes zukommt, weiter zu vernachlässigen“, so Prof. Reinhard Oldenburg, Prof. für Didaktik der Informatik und Mathematik an der Goethe-Universität.

Das Anliegen des AK Informatik in der Schule wird unterstützt von Fachgesellschaften, Partneruniversitäten und Unternehmen: dem Bundesverband IT-Mittelstand e.V., dem Beirat für Aus- und Weiterbildung der Gesellschaft für Informatik (GI), dem Fachbereichstag Informatik, der Fachgruppe der hessischen und Rheinland-Pfälzischen Informatiklehrkräfte in der GI, dem Fakultätentag Informatik, dem 4ING-– Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und Informatik an Universitäten e. V., der MNU - Deutscher Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts e.V., der Didaktik der Informatik an der Technischen Universität Darmstadt, dem Institut für Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem Fachbereich Mathematik und Informatik der Phillips-Universität Marburg, dem VDE (VERBAND DER ELEKTROTECHNIK ELEKTRONIK INFORMATIONSTECHNIK e.V.), dem VDI Landesverband Hessen (Verein Deutscher Ingenieure) sowie dem elternbund hessen e.V.

Unterstützende Unternehmen: Robert Bosch GmbH, Continental AG, Deutsche Bank, Ferchau Engineering GmbH, Frankfurter Sparkasse 1822, IT-KARRIEREMACHER.de GmbH, peiker acustic GmbH & Co. KG, SIGS DATACOM GmbH, Software AG, Thomas Cook AG.

Informationen: Prof. Jürgen Poloczek, Institut der Informatik, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798-28241; jupolocz@em.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/39419283/informatik_pflichtfach