​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Jan 15 2019
12:02

Der Allgemeinmediziner ist seit 2007Mitglied des Sachverständigenrats

Ferdinand Gerlach erneut zum Gesundheitsweisen berufen 

FRANKFURT. Prof. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität, ist erneut in den Sachverständigenrat Gesundheit der Bundesregierung berufen worden. Der Allgemeinmediziner ist bereits seit 2007 Ratsmitglied und ab 2012 war er Vorsitzender. Ob er das Amt des Vorsitzenden erneut übernimmt, entscheidet sich in der konstituierenden Sitzung am 27. Februar, wenn der Rat seinen Vorsitzenden wählt.

"Das deutsche Gesundheitssystem steht in den kommenden Jahren vor wichtigen Herausforderungen. Der Rat kann mit seiner interdisziplinären und unabhängigen Expertise wichtige Beiträge zu deren Bewältigung leisten. Ich freue mich auf spannende Aufgaben", so Ferdinand Gerlach.

Der Sachverständigenrat ist ein unabhängiges Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung im deutschen Gesundheitswesen. Er setzt sich aus sieben Professorinnen und Professoren zusammen, die die Bereiche Medizin, Wirtschaftswissenschaft und Pflegewissenschaft vertreten. Das Gremium wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung bis auf zwei neue Mitglieder bestätigt. An Stelle des ausscheidenden Gesundheitsökonomen Prof. Eberhard Wille (Universität Mannheim) und der Medizinerin Prof. Marion Haubitz (Universität Hannover) wurden neu berufen die Ökonomin Prof. Beate Jochimsen (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin) und den Mediziner Prof. Christof von Kalle (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg). 

Aufgabe des Sachverständigenrats ist es, die Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu analysieren. Der Rat soll Vorschläge für die bedarfsgerechte Versorgung von Patientinnen und Patienten machen, Versorgungsdefizite aufspüren und Vorschläge für den Abbau von Überversorgungen machen. Hierzu erstellen die Sachverständigen alle zwei Jahre ein Gutachten, das dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt wird. 

Im letzten Gutachten, das seit dem Sommer 2018 im Rahmen mehrerer, auch regionaler Konferenzen mit der Fachöffentlichkeit diskutiert wurde, hat der Rat sich besonders zur bedarfsgerechten Steuerung im Gesundheitswesen geäußert. Neben einem vieldiskutierten Konzept zur Neuorganisation der Notfallversorgung in Deutschland betrifft dies etwa die Weiterentwicklung der Kliniklandschaft, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxen sowie die koordinierte Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen und mit Rückenschmerzen. Die Gutachten enthalten weitreichende Empfehlungen zur inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung des Gesundheitswesens.

Informationen: Prof. Ferdinand Gerlach, Institut für Allgemeinmedizin, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: 069/6031- 5687; Gerlach@Allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de 

Foto zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/75792539 

Bildnachweis: Andreas Reeg, Goethe-Universität Frankfurt

 

Jan 15 2019
11:57

Archäologen der Universitäten Frankfurt und Mainz erforschen gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern bronzezeitliche Prozesse in der Steppe zwischen Europa und Asien – 600.000 Euro für zunächst zwei Jahre von der DFG

Was geschah vor 4000 Jahren am Ural?

FRANKFURT. Archäologen der Goethe-Universität um Prof. Rüdiger Krause werden wieder im Ural forschen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und russischen Kollegen wollen sie herausfinden, was im 2. Jahrtausend vor Christus zu großen Veränderungen in der Lebensweise geführt haben könnte. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst bis Ende 2020 mit 600.000 Euro gefördert. Die Forschungen knüpfen an ein früheres Projekt an, das von 2009 bis 2014 stattfand.

Ziel ist es, demographische Prozesse und Siedlungsstrukturen der Übergangszeit von der Bronze- zur Eisenzeit rekonstruieren zu können, die so genannte Post-Sintaschta-Petrovka-Periode. Bisherige Funde haben gezeigt, dass der südliche Trans-Ural an der Trennlinie zwischen Europa und Asien am nördlichen Rand der Eurasischen Steppe eine einzigartige Kulturlandschaft darstellt. Herausragende Denkmäler der Bronze- und Eisenzeit wie Grabhügel („Kurgane“) und Siedlungen zeigen, dass sich hier ein Zentrum wirtschaftlicher Entwicklung und soziokultureller Prozesse befand, die bereits im dritten Jahrtausend vor Christus einsetzten. Nach dem Niedergang der befestigten Siedlungen veränderte sich die Wohnstruktur, es entstanden „offene“ Siedlungen mit Reihenhausbauten ohne Befestigungsanlagen. Russische Forschungen datieren diese Siedlungen in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., also in die späte Bronzezeit.

In der von 2009 bis 2014 andauernden Forschungsphase hat sich Professor Rüdiger Krause vor allem den befestigten Siedlungen der Sintaschta-Petrovka-Phase gewidmet. Diese Kultur zeichnete sich durch frühe Streitwagen aus, durch intensiven Kupferbergbau und eine hoch entwickelte Bronzeherstellung. Nun rücken verschiedene andere archäologische Stätten der Bronze- und Eisenzeit in der Mikroregion des Flusses Yandyrka-Akmulla und am oberen Karagaily-Ayat in den Fokus. Wie haben sich die Siedlungsstrukturen verändert? Wie wurde die Landschaft als ökonomische Basis für Tierhaltung genutzt? Und wie haben sich die Bestattungsformen gewandelt? Die demographischen Prozesse, die alldem zugrunde liegen, sollen im Lauf des interdisziplinären Projekts erforscht werden. Dabei kommen Methoden der Palaeogenetik zum Tragen, aber auch archäologische Ausgrabungen, geophysikalische Prospektionen und die Interpretation der materiellen Kultur und die Archäobotanik.

Wer waren die Menschen, die den damaligen Wandel von einer sesshaften Lebensform zum Nomadismus vollzogen haben? Woher stammten sie und wie sind sie in den Ural gekommen? Auf der Suche nach Antworten werden Archäologie und Palaeogenetik eng zusammenarbeiten. Ein Ziel der Kollaboration ist es, mit modernsten Genomanalysen populationsgenetische Analysen durchzuführen.

Das Team von Professor Joachim Burger an der Universität Mainz ist auf die Analyse von Genomen aus archäologischen Skeletten spezialisiert. In diesem Projekt werden die Mainzer Palaeogenetiker der Frage nachgehen, inwiefern genetische Einflüsse aus Europa oder der zentralasiatischen Steppe einhergehen mit dem kulturellen Wandel, der im Transural zu beobachten ist. Waren es Fremde, die den Wandel einleiteten? Oder haben hier regionale kulturelle Entwicklungen stattgefunden? Wie hat sich die Bevölkerungsstruktur und Demographie über die Jahrtausende verändert? Um Antworten zu finden, werden die Mainzer Forscher die Genome aus den archäologischen Fundstellen des Projekts hochauflösend sequenzieren und sie mit eigens entwickelten statistischen Methoden analysieren, um möglichst viele Details über die Menschen der Bronze- und Eisenzeit herauszufinden.

Information: Prof. Dr. Rüdiger Krause, Institut für Archäologische Wissenschaften, Vor- und Frühgeschichte, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, Telefon +49(0)69 798-32120; https://www.uni-frankfurt.de/61564916/LOEWE-Schwerpunkt 

Prof. Dr. Joachim Burger, AG Palaeogenetik, Institut für Oragnismische und Molekulare Evolutionsbiologie (iomE), Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Anselm Franz von Bentzel Weg 7, 55128 Mainz, Telefon +49 (0)6131 39-20981; http://palaeogenetics-mainz.de 

 Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75784479

 

Jan 14 2019
11:33

Frankfurter Theoretiker untersuchen unverstandenes Phänomen im Quantengas

Isolatoren mit leitenden Rändern verstehen

FRANKFURT. Isolatoren, die an ihren Rändern leitfähig sind, versprechen interessante technische Anwendungen. Doch bisher sind ihre Eigenschaften noch wenig verstanden. Physiker der Goethe-Universität haben die sogenannten topologischen Isolatoren nun mithilfe ultrakalter Quantengase modelliert. In der aktuellen Ausgabe der Physical Review Letters zeigen sie, wie man die Randzustände experimentell sichtbar machen könnte. 

Man stelle sich eine Scheibe aus einem Isolator vor, an deren Rand ein Strom immer in dieselbe Richtung fließt. „Dadurch ist es unmöglich, dass ein Quantenteilchen aufgehalten wird, da es den Zustand in die andere Richtung zu laufen schlicht nicht gibt“, erklärt Bernhard Irsigler, der Erstautor der Studie. Anders ausgedrückt: In den Randzuständen fließt der Strom ohne Widerstand. Man könnte sie beispielsweise dazu verwenden, die Zuverlässigkeit und Energie-Effizienz von Mobilgeräten zu steigern. Aktuell wird auch erforscht, wie man damit effizientere Laser bauen könnte. 

Um das Verhalten topologischer Isolatoren besser verstehen zu können, hat man sie in den vergangenen Jahren auch in ultrakalten Quantengasen erzeugt. Diese Gase entstehen, wenn man ein gewöhnliches Gas auf Temperaturen zwischen einem Millionstel und einem Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt abkühlt. Damit sind ultrakalte Quantengase die kältesten Orte im Universum. Erzeugt man ein ultrakaltes Quantengas zusätzlich in einem optischen Gitter aus Laserlicht, ordnen sich die Gas-Atome so regelmäßig an wie im Kristallgitter eines Festkörpers. Anders als in einem realen Festkörper kann man viele Parameter variieren und so auch künstliche Quantenzustände studieren.

„Wir sprechen gern von einem Quantensimulator, weil ein solches System uns viele Dinge verrät, die in einem Festkörper passieren. So können wir mit ultrakalten Quantengasen in optischen Gittern die Grundlagenphysik von topologischen Isolatoren verstehen“, erläutert Koautor Jun-Hui Zheng. 

Ein bedeutender Unterschied zwischen einem Festkörper und einem Quantengas ist jedoch, dass die wolkenförmigen Gase keine definierten Ränder haben. Wie entscheidet also ein topologischer Isolator im ultrakalten Quantengas, wo seine Ränder sind? Diese Frage beantworten die Physiker aus der Arbeitsgruppe von Prof. Walter Hofstetter vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität in ihrer Studie. Sie haben eine künstliche Grenze zwischen einem topologischen Isolator und einem normalen Isolator betrachtet. Diese stellt den Rand des topologischen Isolators dar, an dem sich der leitfähige Randzustand ausbildet. 

„Wir zeigen, dass der Randzustand durch Quantenkorrelationen charakterisiert ist, die man im Experiment mit Hilfe eines Quantengas-Mikroskops messen könnte. Derartige Messungen werden beispielsweise an der Harvard University, am MIT und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München durchgeführt“, so Hofstetter. Ein Quantengas-Mikroskop ist ein Gerät, mit dem man im Experiment einzelne Atome sehen kann. „Entscheidend für unsere Arbeit ist, dass wir die Wechselwirkung zwischen den Teilchen des Quantengases explizit berücksichtigten. Das macht die Untersuchung realistischer, aber sehr viel komplizierter. Ohne Supercomputer kann man die aufwendigen Berechnungen nicht durchführen. Besonders wichtig ist für uns auch die enge Zusammenarbeit mit führenden europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen der DFG Forschergruppe'Artificial Gauge Fields and Interacting Topological Phases in Ultracold Atoms'“, ergänzt Hofstetter. 

Publikation: Bernhard Irsigler, Jun-Hui Zheng, and Walter Hofstetter: Interacting Hofstadter interface, Physical Review Letters, https://journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/PhysRevLett.122.010406 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75773481 

Bildtext: Künstliche Grenze in einem optischen Gitter (blau), befüllt mit einem ultrakalten Quantengas, das aus 'spin-up'-Teilchen (rot) und 'spin-down'-Teilchen (grün) besteht. 'spin-up'-Teilchen können an der Grenze entlang (und nur dort) nur nach links laufen, 'spin-down'-Teilchen nur nach rechts. Bildrechte: Bernhard Irsigler Informationen: Bernhard Irsigler, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069-798 47883. irsigler@th.physik.uni-frankfurt.de.

 

Jan 9 2019
13:34

Mentoringprojekt Balu und Du sucht engagierte neue Mentorinnen und Mentoren unter 30 Jahren. 

Grundschulkindern Zeit schenken 

FRANKFURT. Junge Erwachsene (Balus) setzen sich beim ehrenamtlichen Mentorenprojekt „Balu und Du“ für die Entwicklung von Frankfurter Grundschulkindern im Alter von sechs bis zehn Jahren (Moglis) ein. Sie fördern die Kinder ein Jahr lang regelmäßig einen Nachmittag in der Woche. Sie schenken ihnen ihre Zeit und Aufmerksamkeit und ermöglichen ihnen bei Freizeitangeboten unterschiedliche Zugänge zu informeller Bildung. „Wir suchen in diesem Jahr neben Pädagogik- und Lehramtsstudierenden, die bei uns ein reguläres Seminar besuchen können, auch interessierte Personen unter 30 Jahren, die unsere neue Ehrenamtsgruppe als Mentorinnen und Mentoren bereichern werden. Voraussetzungen sind Zeit, Verlässlichkeit und ein Herz für Kinder“, betont Julia Schulz, Projektkoordinatorin seit 2011 im Projekt „Balu und Du“. 

Das Projekt selbst gibt es jetzt schon seit über zehn Jahren am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Bundesweit hat sich das Projekt bereits an über 100 Standorten etabliert. Es ist das Größte seiner Art für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren in Deutschland. Durch die Begleitforschung wurde beispielsweise nachgewiesen, dass sich die ‚Moglis' durch das informelle Lernen im Projekt positiv entwickeln: Festgestellt wurden eine fröhlichere Grundstimmung, erhöhte Fähigkeit zur Selbstorganisation, erhöhte Motivation und Beteiligung in der Schule, realistischere Selbsteinschätzung, zunehmende Konzentrationsfähigkeit, erhöhte gesundheitsbezogene Lebensqualität, gesunkenes Stresslevel sowie gesteigerte soziale Kompetenz. 

Das Projekt am Standort Frankfurt wird in diesem Jahr von der aqtivator gGmbH und der Stiftung Frankfurter Löwenkinder finanziell unterstützt. Die Mentorenpaare erhalten zudem bei den Projektpartnern kostenlosen Eintritt (Palmengarten, Zoo, Kindermuseum, Struwwelpeter-Museum und Naturmuseum Senckenberg) und von vielen weiteren Bildungs- und Freizeiteinrichtungen Gutscheine und Freikarten. 

Interessierte, die auch ein Grundschulkind unterstützen möchten und zwischen 17 und 30 Jahre alt sind, sollten sich noch bis Ende Februar informieren und für den Projektstart im April/Mai 2019 anmelden. 

Kontakt: Chiara Schomburg, Tel. (069) 798-36355; schomburg@em.uni-frankfurt.de 

Weitere Informationen unter www.uni-frankfurt.de/balu-und-du bzw. www.balu-und-du.de

Pressefotos stehen zum kostenlosen Download bereit unter https://www.balu-und-du.de/presse/logo-und-bilder/. © Jan Voth

 

Jan 8 2019
13:59

Job-Messe an der Goethe-Universität für angehende Pädagoginnen und Pädagogen 

Der pädagogischen Praxis auf der Spur

FRANKFURT. „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ heißt die Job-Messe für angehende Pädagoginnen und Pädagogen der Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Sozialen Arbeit und Sonderpädagogik an der Goethe-Universität. Hier können Studierende und Absolventen aller Universitäten und auch erfahrene Pädagogen mit potentiellen Arbeitgebern in Kontakt treten. Ausstellende Einrichtungen, Unternehmen und Institutionen haben wiederum die Chance, sich zu präsentieren und potentielle neue Mitarbeiter zu gewinnen. Parallel dazu gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops – auch zum Mitmachen. 

Job-Messe: „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ Freitag, 25. Januar, 10.00 - 16.00 Uhr, im PEG-Gebäude auf dem Campus Westend. 

In diesem Jahr liegt der Fokus der einzelnen Workshops auf der „Professionalität in pädagogischen Feldern“. Zusätzlich diskutieren zu diesem Thema im Rahmen einer Podiumsdiskussion um 12.45 Uhr Vertretern aus den Bereichen Erziehung, Beratung, Politische Bildung, Erwachsenenbildung und Medienpädagogik. Dabei geht es insbesondere auch um Fragen zum Selbstverständnis der Erziehungswissenschaften.

Im Ausstellungsbereich erwarten die Besucher vielfältige Informationen zu Berufsmöglichkeiten, Weiterbildungen und Jobperspektiven von Einrichtungen von A wie AQA bis Z wie Zentrum für Weiterbildung gGmbH. Für Ratsuchende gibt es ein individuelles Beratungsangebot zu Bewerbung und beruflicher Orientierung. 

Veranstalter der Job-Messe sind der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, das Paritätische Bildungswerk Hessen e.V. sowie der Career Service der Goethe-Universität. Weitere Informationen zur Ausstellerliste und zum Rahmenprogramm unter www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de

 

Jan 7 2019
12:36

Frankfurter Mineraloge und Petrologe ist Namensgeber eines häufigen, in supertiefen Diamanten vorkommenden Minerals

Wichtiges Mineral nach Prof. Gerhard Brey benannt

FRANKFURT. Diamanten sind Boten aus dem Inneren der Erde. Ein sehr kleiner, aber für die Forschung wichtiger Anteil der seltenen Edelsteine enthält Einschlüsse aus dem Unteren Erdmantel. Eines der häufigsten Mineralien, die so an die Erdoberfläche gelangen, hat die Kommission der „International Mineralogical Association“ zu Ehren des Mineralogen Prof. Gerhard Brey von der Goethe-Universität nun „Breyit“ genannt.

Das Erdinnere ist der direkten Beprobung weitgehend verschlossen. Aufwendige Bohrungen gelangen maximal in Tiefen von 12 Kilometern, was eher einem Kratzen an der Oberfläche entspricht. Vulkane hingegen können Proben aus deutlich tieferen Zonen an die Erdoberfläche bringen. Die aus den größten Tiefen stammenden Proben sind Mineral- und Gesteinseinschlüsse in kostbaren Diamanten. Diese sind ein Forschungsfeld des inzwischen pensionierten Professors für Petrologie und Geochemie Gerhard Brey vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität. 

Nach gängigen Theorien besteht der Untere Erdmantel (in einer Tiefe von 660 bis 2900 Kilometern) fast ausschließlich aus den drei Mineralen Bridgemanite, Ferroperiklas und einem Kalzium und Silizium-reichen Mineral in Perowskitstruktur. Bilden sich Diamanten in diesen Tiefen, kommt es vor, dass sie diese Minerale einschließen. Beim Transport an die Erdoberfläche wandelt sich der Kalzium-Silizium-Perowskit in eine neue, unter geringerem Druck stabile Kristallstruktur um. Dieses Mineral war bisher nur als Einschluss in Diamanten bekannt. Es trägt nun den Namen Breyit.

„Die Benennung eines Minerals ist eine ganz besondere Auszeichnung und ehrt das Lebenswerk eines Wissenschaftlers in besonderer und nachhaltiger Weise“, erklärt Breys Kollege, der Mineraloge Prof. Frank Brenker. „Insbesondere dann, wenn es sich um ein so wichtiges Mineral der Erde handelt. Damit ist der Name von Gerhard Brey quasi für immer in Stein gemeißelt“. 

Der seit 2014 pensionierte Gerhard Brey gilt als Pionier der experimentellen Petrologie unter Hochdruck-Bedingungen. Er wurde weltweit bekannt durch die Entwicklung und Kalibration von Geothermobarometern für Gesteine des Erdmantels. Diese Thermobarometer sind nicht nur zentrale Hilfsmittel zur Erforschung des Erdinneren, sondern erfreuen sich auch bei der Suche nach neuen Diamantlagerstätten großer Beliebtheit. Musste man zuvor noch tonnenweise Gestein aufarbeiten, um zu beurteilen, ob die anvisierte Lagerstätte tatsächlich Diamanten enthält, so reichen nun ein paar Mineralkörner aus. 

Neben thermobarometrischen Berechnung gilt Breys Interesse der Löslichkeit von Fluiden und Gasen samt deren Einfluss auf die Bildung von Magmen. Zusammen mit anderen Kollegen war er einer der ersten Forscher, die den wissenschaftlichen Wert von Einschlüssen in Diamanten aus Ursprungstiefen von hunderten von Kilometern erkannten. 

Brey erhielt bereits zahlreiche andere Würdigungen, unter anderem die Ehrendoktorwürde der Russischen Akademie der Wissenschaften und die Abraham-Gottlob-Werner Medaille in Silber, die ihm von der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft für sein Lebenswerk verliehen wurde.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75659882 

Bildtext: Breyit-Einschluss in einem Brasilianischen Diamanten mit einem „supertiefen“ Ursprung. 

Bildrechte: Brenker, Goethe-Universität Porträts von Gerhard Brey: privat Informationen: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 18 2018
13:43

Goethe-Universität startet Kampagne „laut*stark sexualisierter Diskriminierung und Gewalt entgegentreten“

Bewusstsein schaffen und Prävention verstärken 

FRANKFURT. Mit der Kampagne „laut*stark“ richtet die Goethe-Universität die Aufmerksamkeit auf das Thema der sexualisierten Diskriminierung und Gewalt, das auch an der Goethe-Universität intensiv diskutiert wird. Sie nimmt damit ihre Verantwortung wahr, für Betroffene einzustehen und aktiv das Leitbild der Universität mit Leben zu füllen. Denn nur mit einem gemeinsamen „laut*stark“ gegen sexualisierter Diskriminierung und Gewalt ist eine Universität der Offenheit, Vielfalt, Chancengleichheit und Wertschätzung möglich. 

Über Plakate und Banner, die seit kurzem auf dem Campus hängen, fordert die Hochschulleitung mit klarer Botschaft auf, sexualisierter Diskriminierung und Gewalt entgegenzutreten: Sieh hin! Sag Nein! Speak Out! Doch die farbigen Plakate fordern nicht nur auf, sich einzumischen und Vorfälle zu melden, sie beziehen auch eine eindeutige Position: Übergriffe und Diskriminierung werden an der Goethe-Universität nicht toleriert. 

Aus diesem Grund intensiviert die Universität ihre Öffentlichkeitsarbeit, um für die häufig noch tabuisierte Problematik nicht nur eine größere Sichtbarkeit herzustellen, sondern Betroffene zu ermutigen, Hilfe und Unterstützung wahrzunehmen. Insbesondere möchte die Goethe-Universität aber auch diejenigen, die Vorfälle auf dem Campus oder in ihrem Arbeitsumfeld beobachten und als Helfer*innen einschreiten können, dazu aufrufen, sich einzumischen und beobachtete Fälle zu melden. Vonseiten Betroffener bestehen oft Ängste und Vorbehalte, dass Situationen falsch eingeschätzt werden, dass man als empfindlich gelten könnte oder durch eine Beschwerde Nachteile erfährt, sodass viele Betroffene häufig nicht gegen die grenzüberschreitende Person vorgehen.

Dafür möchte die Universität bei allen Universitätsangehörigen ein Bewusstsein für Sexismus und sexualisierte Gewalt verstärken. Zusätzlich haben das Gleichstellungsbüro und weitere Einrichtungen der Universität in letzter Zeit ihre Arbeit gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt verstärkt, um für mehr Sicherheit auf den Campus zu sorgen, für Betroffene besser einzustehen und Beratungsangebote auszubauen. 

Zum Beispiel hat das Immobilienmanagement einen 24h-Sicherheitsdienst und Begleitservice eingerichtet und die Beleuchtung der Wege auf den Campus verbessert. Es wurden der Faltplan „Sicher über den Campus“, indem beleuchtete Wege und Notfallnummern eingezeichnet sind, und die Notrufkarte „laut*stark“ herausgebracht, die beide im Pocketformat einfach einzustecken sind. 

Auch die Antidiskriminierungsstelle ist seit diesem Herbst wiederbesetzt und hat ihre Arbeit aufgenommen. Zusammen mit der AG Antidiskriminierung, an der auch Studierende beteiligt sind, arbeitet sie kontinuierlich am Ausbau der Unterstützungsangebote und an verbesserten Beratungsstrukturen. So wird es eine Antidiskriminierungs-Richtlinie geben, die konkrete Abläufe in der Beratung von Studierenden und Beschäftigten im Falle von Diskriminierung festlegen wird. 

Bereits in der zweiten aktualisierten Auflage erscheint die Broschüre „Grenzen wahren“, die über den Umgang mit sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an der Hochschule informiert und Hinweise zu Beratungseinrichtungen an der Goethe-Universität und innerhalb der Stadt Frankfurt zur Verfügung stellt. Darüber hinaus bietet das Gleichstellungsbüro regelmäßig Workshops für Beschäftigte und Studierende an, die dazu anregen, sich mit Diskriminierung auseinander zu setzen und diskriminierendem Verhalten entgegen zu wirken.

Weitere Informationen unter www.lautstark.uni-frankfurt.de. Bei Nachfragen zur Kampagne oder bei Bedarf an Plakaten und Flyern können Sie sich jederzeit wenden an: lautstark@uni-frankfurt.de. Zuständig für die Kampagne ist das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität Frankfurt.

 

Dez 13 2018
17:46

Fünfter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums – Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?

FRANKFURT. Die Frankfurter Schule behauptet, ästhetische Angebote unter Marktbedingungen würden die Kultur zu etwas Immergleichen machen, sie als Ware kommerziell vermarkten. Die enorme Ausdifferenzierung populärer Künste, etwa der Pop-Musik seit den 1950er Jahren, scheint dieses Urteil nicht zu bestätigen. Aber wie steht es mit der Literatur? Wie verhält sich diese zur Popkultur? Und wie verhalten wir uns generell gegenüber den Erzeugnissen der globalen Kulturindustrie?

Diesen Fragen geht Prof. Moritz Baßler in seinem Vortrag „Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums – Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?“ 

am 19. Dezember (Mittwoch) um 18 Uhr im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt 

nach. Baßler ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Studium der Germanistik und Philosophie absolvierte er in Kiel, Tübingen und Berkeley, bevor er 1993 bei Gotthart Wunberg in Tübingen über „Die Entdeckung der Textur“ promovierte. Anschließend war er Redaktor des Reallexikons der deutschen Literaturwissenschaft, bevor er sich 2003 in Rostock habilitierte. Heute leitet er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster den Studiengang „Kulturpoetik der Literatur und Medien“. 

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu. 

Weitere Termine und Themen im Überblick: 

23. Januar 2019
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2019
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Dez 13 2018
10:26

Zahnschmelz-Untersuchungen zeigen, was Urmenschen am Malawi-See aßen 

Frühe Urmenschen ernährten sich äußerst flexibel

FRANKFURT. Sich von regionalen und saisonalen Produkten zu ernähren, war für den Urmenschen alltäglich. Dabei waren die frühen Urmenschenarten Homo rudolfensis und die „Nußknacker-Menschen“ Paranthropus boisei, die vor 2,4 Millionen Jahren in Malawi lebten, überraschend anpassungsfähig. Wie ein Forscherteams der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung jetzt anhand von fossilem Zahnschmelz herausgefunden hat, änderten die frühen Urmenschen ihren Speiseplan gemäß regionaler Ressourcen. Diese Flexibilität hat zu ihrer erfolgreichen Ausbreitung beigetragen. Die Ergebnisse aus dem südöstlichen Afrika schließen eine bedeutende Wissenslücke, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der „Proceedings of the National Academy of Sciences“. 

Wer wissen will, was unsere Vorfahren vor rund 4 bis 1,4 Millionen Jahren aßen, kann auf Daten aus Fossilien-Fundstätten im ostafrikanischen Graben im heutigen Kenia und Äthiopien zurückgreifen sowie auf Funde in südafrikanischen Höhlen. Zwischen den beiden Regionen liegen rund 3000 Kilometer. Wovon sich die Urmenschen in diesem Teil der „Wiege der Menschheit“ ernährten, war bislang nicht bekannt.

Ein Forscherteam der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat zur Lösung dieses Rätsels fossilen Zahnschmelz von drei Homo rudolfensis und Paranthropus boisei-Individuen untersucht, die vor circa 2,4 Millionen Jahren an den Ufern des Malawisees lebten. Zahnschmelz ist die beständigste Substanz von Wirbeltieren. Selbst nach Jahrmillionen lässt sich aus dessen Kohlenstoff und Sauerstoff-Isotopenzusammensetzung rekonstruieren, was das Individuum gegessen hat. Geochemische Analysen ermöglichen es, die aufgenommenen Anteile von Pflanzen mit verschiedenen Photosynthesewegen zu unterscheiden. 

„Die von uns untersuchten Homo rudolfensis und Paranthropus boisei haben sich insgesamt zu 60 bis 70 Prozent von C3-Photosynthese-Pflanzen ernährt, die innerhalb des Grabensystems vorkamen. Das waren vermutlich vornehmlich Teile von Bäumen, beispielsweise deren Früchte, Blätter und Knollen. Es wurden beträchtlich weniger Pflanzenbestandteile verzehrt, die heute in offenen afrikanischen Savannen dominieren, nämlich Pflanzen die C4-Photosysnthese betreiben. Ein untersuchtes Homo rudolfensis-Individuum hat sogar fast ausschließlich C3-Pflanzenmaterial zu sich genommen“, erklärt die Leiterin der Studie, Dr. Tina Lüdecke, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. 

Wie das Team rekonstruiert hat, wuchsen im frühen Pleistozän am Malawisee in üppiger Menge Bäume und andere C3-Pflanzen. Im Vergleich zu offeneren Lebensräumen in Ostafrika führte hier ein kühleres und feuchteres Klima zur Ausbreitung von Baumsavannen. Zusätzlich analysierte fossile Zähne von umherziehenden Urpferden und Antilopen belegen, dass in größerer Entfernung vom Malawisee ausreichend C4-Pflanzenmaterial zur Verfügung stand. Doch Homo rudolfensis und Paranthropus boisei zogen es nicht nur wegen des Zugangs zum Wasser vor, in Seenähe zu bleiben, sondern auch um von dessen lokalen Resourcen zu profitieren. 

Etwa zeitgleich zu den untersuchten Homo rudolfensis und Paranthropus boisei lebte weiter nördlich im ostafrikanischen Graben Paranthropus aethiopicus. Im Gegensatz zu den Malawisee-Anwohnern nahm er deutlich mehr C4-Pflanzen zu sich. Solche C4-Pflanzen waren in der trockenen Graslandschaft des ostafrikanischen Grabens, in der Paranthropus aethiopicus lebte, eher zur Hand. „Das zeigt uns, dass einige der frühen Urmenschen überraschenderweise schon vor 2,4 Millionen Jahren in der Lage waren, ihre Ernährung auf ihre Umgebung auszurichten“, kommentiert Lüdecke. 

Zu diesem Befund passen auch bisherige Auswertungen von Paranthropus- und Homo-Vertretern, die vor zwei Millionen Jahren lebten und die dieses Verhalten fortführten. Wer in den südafrikanischen Wäldern lebte, ernährte sich weiter maßgeblich von C3-Pflanzen. Ihre Verwandten im trockeneren Norden hingegen aßen zunehmend die dort wachsenden C4-Pflanzen, die auch heute noch für viele Bewohner der Erde Hauptnahrungsmittel sind. 

„Soweit wir bisher wissen, gab es keine anderen Primaten, die ihre Ernährung so flexibel handhabten. Dass die frühen Urmenschen ihren Speiseplan differenziert an verschiedene Umweltbedingungen anpassen konnten, war daher sicher einer der Schlüssel zum Erfolg auf dem Weg zu Homo sapiens“, bilanziert Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, einer der Co-Autoren der Studie von der Goethe-Universität und vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum. 

Publikation 
Lüdecke, T. et al. (2018): Dietary Versatility of Early Pleistocene Hominins. PNAS, doi: 10.1073/pnas.1809439115; https://www.pnas.org/content/early/2018/12/05/1809439115

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/75394836 

Bildtexte: 

Zahnreste des ungefähr zur gleichen Zeit lebenden Paranthropus bosei, Fundstätte Malema nahe des Malawisees, Copyright: Hessisches Landesmuseum 

Unterkiefer eines 2,4 Millionen Jahre alten Homo rudolfensis, Fundstätte Uraha nahe des Malawisee, Copyright: Hessisches Landesmuseum 

Der Lebensraum der untersuchten Homini heute, im Hintergrund der Malawisee, Copyright: Friedemann Schrenk

Information:
Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, und Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Tel.: (069) 7542 1364, ottmar.kullmer@senckenberg.de 

Prof. Andreas Mulch, Geologie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, und Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Tel. (069) 798 40265, mulch@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2018
16:40

Zwei Longterm-Forschungsgruppen der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft nehmen die Arbeit auf

Antworten auf lebensweltliche Fragen zum Islam

FRANKFURT. Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat zwei Projekte als Longterm-Forschungsgruppen ausgewählt. Bis 2022 stellt die Akademie den beiden Forschungsprojekten „Linked open Tafsīr“ und „Normativität des Korans“ insgesamt bis zu 2,7 Millionen Euro zur Verfügung. 

Linked open Tafsīr – Digitale Koranexegese 

Die AIWG Longterm-Forschungsgruppe „Linked open Tafsīr“ – ein Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Frankfurt am Main, Gießen und Hamburg – erstellt eine online abrufbare Datenbank frühislamischer Korankommentare (Tafsīr). Als Grundlage dient der Kommentar des muslimischen Gelehrten at-Tabarī (gest. 310/923), der als vollständigste Sammlung aller Anfang des 10. Jahrhunderts vorliegenden Berichte zum Koran und seinem Offenbarungskontext gilt. Während die meisten bisherigen Forschungsarbeiten überwiegend textimmanent vorgehen, um den Koran in seinem geschichtlichen Kontext zu verorten, greift die Forschungsgruppe auf die Möglichkeiten der „Digital Humanities“, also dem digitalen Zugriff auf Texte, zurück. Sie erhofft sich dadurch ergänzende Informationen über die Historizität des Korans: Schwerpunkt der systematischen Erschließung der exegetischen Überlieferungsmaterialien werden relevante theologische und rechtliche, sprachliche und lexikographische, phonetische und grammatische sowie inter- und intratextuelle Variablen des Korans sein. Neben diesen in den Überlieferungen enthaltenen Informationen wird die Datenbank auch die Überliefererketten (Isnāde), durch die diese Informationen tradiert wurden, sowie die daran Beteiligten erfassen. 

Durch die frei zugängliche Datenbank werden erstmals Informationen bereitgestellt, die womöglich neue Deutungsmöglichkeiten für einzelne Koranpassagen sowie neue Informationen zur Koran- und Islamentstehung mit sich bringen können. Die Forschungsgruppe arbeitet – das ist eine Besonderheit – mit Expertinnen und Experten aus der muslimischen Zivilgesellschaft zusammen. Zu diesem Zweck bieten die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gemeinsam mit der Gesellschaft zur Förderung der Islamstudien (GEFIS) in muslimischen Gemeinden Fortbildungen an. 

Die Leitung der Forschungsgruppe übernehmen Prof. Dr. Ömer Özsoy (Goethe-Universität), Prof. Dr. Yasar Sarikaya (Justus-Liebig-Universität Gießen) und Prof. Dr. Serdar Kurnaz (Universität Hamburg). 

Normativität des Korans: Islamische Textquellen unter der Lupe 

Die AIWG Longterm-Forschungsgruppe „Normativität des Korans“, ein Kooperationsprojekt mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Tübingen – fragt nach dem Verhältnis von Norm und Ethik im Koran und richtet dabei den Blick auf praktische Fragestellungen für Muslime in Deutschland. Forschungsschwerpunkt werden die Normenverse (ayāt al-aḥkām) des Korans sein – das heißt, ein Textkorpus von rund 600 Koranversen, aus denen normative Beurteilungen und Bestimmungen für Muslime und Musliminnen abgeleitet werden. Ziel der Untersuchung ist es, die Selbstbestimmung des Individuums als ethisches Prinzip in den klassischen und modernen Rezeptionen dieser Normenverse zu analysieren. Dies soll Rückschlüsse darüber ermöglichen, wie eine an praktischen Fragen und Lösungen orientierte Neuinterpretation der Normenverse des Korans aussehen kann. 

Die Auseinandersetzung mit den Normenversen erfolgt interdisziplinär aus den Fachperspektiven der Koranwissenschaften, des Islamischen Rechts und der Islamischen Religionspädagogik. Damit möchte die AIWG-Forschungsgruppe dazu beitragen, Debatten zur Frage nach einer zeitgenössischen religiösen Lebensführung zu ordnen und Gläubigen in Deutschland in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen eine Orientierungshilfe zum Umgang mit der Normativität des Korans in einer modernen Gesellschaft anzubieten. Zu diesem Zweck wird es Fortbildungen für Imame und Beschäftigte in der Sozialen Arbeit geben. 

Die Forschungsgruppe wird geleitet von Prof. Dr. Mohammed Nekroumi (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) sowie Prof. Dr. Mouez Khalfaoui und Jun.-Prof. Dr. Fahimah Ulfat (beide Eberhard Karls Universität Tübingen). 

Ein Beitrag für Wissenschaft und Gesellschaft 

„Mit unseren beiden Longterm-Forschungsgruppen unterstützen wir zwei innovative Forschungsvorhaben, die sich durch hohe Aktualität und große gesellschaftliche Relevanz auszeichnen“, betont Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG. „Gleichzeitig tragen sie zu den erklärten Zielen der AIWG bei: die islamisch-theologischen Studien zu konsolidieren sowie Antworten auf konkrete lebensweltliche Fragen von Musliminnen und Muslimen in Deutschland zu geben“, so Prof. Agai weiter. 

Auch Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer an der AIWG, freut sich auf die AIWG Longterm-Forschungsgruppen und erklärt: „Die Aufgabe der AIWG ist es nun, aktiv die Zusammenarbeit unter den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den Praxisakteuren zu gewährleisten. Gleichzeitig wird die AIWG in den kommenden Jahren die Forschungsarbeit der Gruppen in der Öffentlichkeit sichtbar machen und vor allem dafür Sorge tragen, dass Teilergebnisse sowohl für die muslimische als auch die allgemeine Zivilgesellschaft und die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden.“ 

Der Forschungsanteil beider Projekte wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert, die Stiftung Mercator fördert die Transferarbeit der Projekte. 

Über die AIWG 

Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteurinnen und Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Stiftung Mercator

Informationen: zu den AIWG-Longterm Forschungsgruppen: https://aiwg.de/wissenschaftsformate/#longterm-forschungsgruppen; zur AIWG: www.aiwg.de

Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer, Telefon 069 798-22457, E-Mail engelhardt@aiwg.de 

Pressekontakt: Ariana Neves, Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 069 798-22459, E-Mail neves@aiwg.de

 

Dez 12 2018
12:22

Goethe-Universität und Partnerhochschulen wollen sich zur „Europäischen Universität“ vernetzen – „Vertrauen durch Mobilität“ zentrales Thema 

Schulterschluss mit Mailand, Lyon und Birmingham

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat sich gemeinsam mit Hochschulen in Mailand, Lyon und Birmingham zu einer Allianz europäischer Hochschulen zusammengeschlossen, um in Zukunft noch intensiver zu kooperieren. Gemeinsam will man sich im Februar um den Titel „Europäische Universität“ und Förderung durch die EU bewerben. Am Montag und Dienstag trafen sich die Partner in Frankfurt, um Ziele und Möglichkeiten der Kooperation zu diskutieren. 

„Die Bewerbung als Europäische Universität ist eine große Chance für die Goethe-Uni“, sagt Prof. Rolf van Dick, als Vizepräsident der Goethe-Universität zuständig für Internationales, am Rande des Treffens. Als Europäische Universität könne man sich in Europa stärker vernetzen und neue wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Projekte angehen. 

Jeweils drei bis fünf Universitäten können sich bei der Europäischen Kommission als „Europäische Universität“ bewerben. Wichtige Voraussetzungen sind eine gemeinsame langfristige Bildungsstrategie, ein gemeinsamer (virtueller) „europäischer Campus“, eine von Diversität geprägte Studierendenschaft und Forschung, die die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft in den Blick nimmt. Mit der University of Birmingham, der Université Lumière Lyon II und Sciences Po Lyon sowie der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand unterhält die Goethe-Universität bereits eine Partnerschaft, und auch die vier Städte sind jeweils als Partnerstädte freundschaftlich miteinander verbunden. Als „Europäische Universität“ könnte die Zusammenarbeit konkretisiert und intensiviert werden. Bei einem Erfolg stünden dem Konsortium bis zu fünf Millionen Euro für zunächst drei Jahre zur Verfügung. 

In einer vielbeachteten Grundsatzrede hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron im September 2017 den Aufbau von zwanzig Europäischen Universitäten bis 2024 vorgeschlagen, womit er keine neu zu schaffenden Institutionen meinte, sondern die europäische Vernetzung und Ausrichtung der bestehenden Hochschulen. In einer für die Europäische Union schwierigen Zeit soll die universitäre Wissenschaft als wichtiger Motor der europäischen Integration gestärkt werden. Gerade die jüngere Generation könnte dadurch wieder mehr Verbundenheit zum Projekt Europa entwickeln. Doch auch allgemein ist die Wissenschaft für die Herausbildung einer europäischen Identität von großer Bedeutung – Ausdruck davon sind schon in der Vergangenheit zum Beispiel das Austauschprogramm Erasmus oder durch die EU geförderte Forschungsverbundprojekte. 

An der Goethe-Universität hatte Macron seine Vorstellungen bei einem Besuch im Oktober 2017 eindrucksvoll bekräftigt. „Das hat uns alle sehr begeistert“, sagt van Dick. Im April wurde eine entsprechende Task Force eingerichtet, die van Dick leitet. „Das Treffen war für mich sehr inspirierend“, lobte James Walker von der Université Lumière Lyon II die Initiative der Goethe-Universität. Man habe sich sehr schnell auf derselben Seite gefunden, was Ziele und Werte angehe. „Selbst wenn die Bewerbung jetzt nicht klappen sollte, wäre das nicht schlimm, denn wir werden trotzdem kooperieren“, so Walker. „Wenn wir als Unis nicht zusammenarbeiten können, wie sollen wir es dann von unseren Politikern erwarten?“, meinte Michael Whitby von der University of Birmingham in Anspielung auf die Brexit-Krise. Und Edilio Mazzolini von der Università Cattolica in Mailand ist „stolz, Teil dieses Netzwerks“ zu sein, denn die Identität seiner Hochschule sei „zutiefst europäisch“. 

Mobilität, so das Fazit des Treffens, soll ein wesentliches Thema der Europäischen Universität sein: Mobilität von Studierenden, aber auch des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals sowie die Mobilität von Ideen. Die Hochschulen stehen vor ähnlichen Herausforderungen zum Beispiel in der Lehre, gemeinsam könnten bessere Lösungen gefunden werden. Birmingham ist ein langjähriger strategischer Partner, mit der Université Lumière Lyon II gibt es seit vielen Jahren Kooperationen in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, mit Sciences Po Lyon eine gelebte Partnerschaft mit den Politikwissenschaften und mit Mailand einen gemeinsamen Masterstudiengang mit der Filmwissenschaft. 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.muk.uni-frankfurt.de/75375741 

Bildtext: Vertreter der Hochschulen in Lyon, Mailand und Birmingham fanden sich zu einem ersten Treffen an der Goethe-Universität ein, um über Möglichkeiten der Vernetzung zu einer „Europäischen Universität“ nachzudenken. (Foto: Jürgen Lecher) 

Informationen: Andrea Grebe, Büro des Vizepräsidenten Prof. Dr. Rolf van Dick, Telefon 069 798-12242, E-Mail: grebe@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 10 2018
14:28

Vortrag der renommierten Historikerin Dagmar Herzog thematisiert Paradoxien rund um die #metoo-Bewegung in den USA. 12. Dezember, 18 Uhr, Campus Westend.

Was bringt #metoo?

FRANKFURT. Knapp ein Jahr nach der Entstehung der #metoo-Bewegung ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. „Patriarchen stürzen vom Sockel, aber das Patriarchat ist stärker denn je." Mit diesem Zitat der feministischen Journalistin Susan Faludi verdeutlicht Dagmar Herzog das Paradox der unzureichenden Erfolge der #metoo-Bewegung seit ihrer Entstehung 2017. Wie passt die Bewegung in divergierende Tendenzen der Gegenwart – andauernde sexuelle Liberalisierung einerseits, aber aggressive rechtslastige Rollbacks andererseits, gegen weibliche Selbstbestimmung sowie auch gegen die staatlichen Wohlfahrtsleistungen, auf die weit mehr Frauen als Männer angewiesen sind? Wie ist die merkwürdige Diskrepanz des Erfolgs der #metoo-Anklagen zu erklären, wenn republikanische Politiker wie der US-Präsident im Amt bleiben, aber wichtige Kritiker der gegenwärtigen Regierung wie der jüdische Senator Al Franken oder der afroamerikanische Kongressabgeordneter John Conyers entmachtet sind? 

In ihrem Vortrag 

„Feminismen und Sexualpolitik. Die #metoo-Bewegung und ihre Kritiker*innen“ am Mittwoch, dem 12. Dezember 2018, um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino 1.801, auf dem Campus Westend, 

untersucht Dagmar Herzog die beunruhigten und differenzierten Argumente sogenannter “pro-Sex" feministischer, queerer und antirassistischer Kritiker*innen der Bewegung und fragt nach der möglichen Einordnung des #metoo-Phänomens in historische intrafeministische Konflikte und Ambivalenzen rund um Sexualität. Dagmar Herzog ist Distinguished Professor für Geschichte am Graduiertenzentrum der City University New York. Sie beforscht die Geschichte der Sexualität im US-amerikanischen und europäischen Kontext und ist eine bedeutende Expertin für Sexualmoral im europäischen Faschismus. Ihre neusten Publikationen beschäftigen sich mit „Lust und Verwundbarkeit“ (Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA, 2018), „Unlearning Eugenics“ (Sexuality, Reproduction and Disability in Post-Nazi Europe, 2018) sowie „Cold War Freud“ (Psychoanalysis in an Age of Catastrophes, 2017). 

Der Vortrag findet im Rahmen der Cornelia Goethe Colloquien „Feministische Erinnerungskulturen: 100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung“ statt, die das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt und weiteren Kooperationspartner*innen im Wintersemester 2018/19 organisiert. 

Interessierte sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. 

Informationen: Franziska Vaessen, Cornelia Goethe Centrum, vaessen@em.uni-frankfurt.de; Näheres zum Programm: www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien

 

Dez 10 2018
10:40

Die Entscheidungen selbstlernender Systeme müssen nachvollziehbar sein

Künstliche Intelligenz: Wie verlässlich ist sie?

FRANKFURT. Künstliche Intelligenz (KI) führt heutzutage Aufgaben aus, die man einst nur Menschen zutraute. In vielen Bereichen unserer Gesellschaft ist intelligente Software bereits angekommen: in autonomen Fahrzeugen, der medizinischen Diagnostik, in Übersetzungsprogrammen, Gesprächsassistenten, Suchfunktionen und der Robotik. Doch können wir der intelligenten Software vertrauen? Kriterien für verlässliche KI-Systeme diskutiert der Informatiker Prof. Visvanathan Ramesh in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“. 

Auch wenn im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz immer wieder von einer Revolution gesprochen wird, handelt es sich um eine seit 60 Jahre andauernde Evolution. Diese erfolgte in drei Wellen: In der ersten entstanden Expertensysteme, für die man menschliches Expertenwissen in fest definierte Regeln übersetzte. Die Systeme waren jedoch relativ unflexibel, da sie mit Mehrdeutigkeit und Unsicherheiten der realen Welt nicht gut zurechtkamen. Das führte zur zweiten Welle der KI, in der statistische Methoden des maschinellen Lernens zum Einsatz kommen. Die KI-Systeme lernen mithilfe großer Mengen von Trainingsdaten und werden durch Optimierungsalgorithmen immer besser. Heute führen tiefe neuronale Netzwerke eine Vielzahl eng gefasster Aufgaben der KI aus. 

Der Erfolg der zweiten KI-Welle - und damit einhergehend der explosionsartige Umfang ihrer Anwendungen - ist in den letzten zehn Jahren insbesondere durch den Fortschritt bei der Rechenleistung, Trainingsalgorithmen und weltweit verfügbare Computernetzwerke möglich geworden. Am wichtigsten ist jedoch nach wie vor eine stetig zunehmende Menge an gesammelten und gespeicherten Daten, die die Basis des Lernens bilden. 

Trotz aller Erfolge weist auch die zweite Welle der KI Unzulänglichkeiten auf. Denn wie und warum ein KI-System zu Ergebnissen kommt ist, kann oft nicht erklärt werden. Erst im September gelang es einer Gruppe kanadischer Forscher, ein intelligentes Sehsystem zu narren. Sie forderten es auf, die Gegenstände in einem Wohnzimmer zu benennen. Das ging solange gut, bis das Bild eines Elefanten in der Szene auftauchte. Das brachte die Software so aus dem Konzept, dass sie den Stuhl als „Sofa“ bezeichnete, den Elefanten als „Stuhl“ und blind wurde für Gegenstände, die sie zuvor gesehen hatte. 

Dazu Prof. Ramesh: „Aus diesem Grund benötigen wir gründliche Analysen solcher Systeme, damit wir deren Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit laufend überprüfen können.“ Dazu müsse man wissen, wie das System die äußere Welt repräsentiert und wodurch es gestört wird, zum Beispiel durch das Auftauchen unerwarteter Gegenstände. Um die Ursache des Problems zu verstehen und zu beheben, muss man es schließlich mit der spezifischen Systemarchitektur in Beziehung setzen können. 

Als logische Konsequenz treten in der dritten Welle der KI, der „kontextuellen Adaption“, die drei Eigenschaften Erklärbarkeit, Argumentation und Abstraktion in den Vordergrund. Gerade bei sicherheitsrelevanten Anwendungen, wie dem autonomen Fahren, ist es von enormer Bedeutung, genau verstehen und nachvollziehen zu können, warum ein Algorithmus zu einer bestimmten Entscheidung gelangt ist. Das System muss seine eigene Verlässlichkeit selbst einschätzen können, um nötigenfalls auf eine sichere Alternative umsteigen zu können. Die zunehmenden Berührungspunkte zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz (z.B. in Assistenzsystemen, der Mensch-Roboter-Interaktion oder beim autonomen Fahren) erfordern zudem, dass das System mit dem Menschen kommunizieren und seine Annahmen, Motivation und Argumentation nahtlos begründen kann. 

Als Professor für Software Engineering mit dem Schwerpunkt „Biologisch inspirierte Sehsysteme“ hat Visvanathan Ramesh von 2011 bis 2016 den „Bernstein-Focus: Neurotechnology“ an der Goethe-Universität und am Frankfurt Institute of Advanced Studies (FIAS) koordiniert. Aktuell hat er das EU-Projekt AEROBI abgeschlossen, in dem er Systems-Engineering für intelligente Sehsysteme weiterentwickeln und in automatisierte Werkzeuge integriert hat. Seine Gruppe verfolgt einen systemorientierten Ansatz, der alle Aspekte der drei KI-Wellen vereint. 

Wie man sich das vorzustellen hat, erläutert Doktorand Tobias Weis: „In Fallstudien untersuchen wir beispielsweise Systeme zur Videoüberwachung, Bremslicht-Transitions-Detektion bei autonomen Fahrzeugen, Systeme, die Defekten an Bauten wie Brücken klassifizieren und sogar fußballspielende Roboter. Wir testen, wie diese Systeme Aufgaben lösen, besonders in komplexen Situationen. Und schauen, ob wir Anomalien entdecken wie jene, die durch den Elefanten im Wohnzimmer ausgelöst wurde.“ 

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de. Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren 

Informationen: Prof. Visvanathan Ramesh, Sofware Engineering mit dem Schwerpunkt „Biologisch inspirierte Sehsysteme“, Fachbereich Informatik und Mathematik, Campus Bockenheim, Tel.: (069)-798-25561, vramesh@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 7 2018
14:54

Am 19. und 20. März 2019 findet die „Global InsurTech Roadshow“ erneut in Frankfurt statt

Internationale Startup-Konferenz unter Beteiligung der Goethe-Universität

FRANKFURT. In Zusammenarbeit mit „InsurTech Asia“ hat die Goethe Business School an der Goethe-Universität im März 2018 die erste Ausgabe einer internationalen Startup-Konferenz zum Thema Versicherungstechnologien am Campus Westend erfolgreich organisiert. Am 19. und 20. März 2019 kehrt die „Global InsurTech Roadshow“ dieses Mal mit dem Länder-Fokus auf Israel in ihrer zweiten Auflage nach Frankfurt zurück. Ausrichter ist dieses Mal das Frankfurter TechQuartier, ein 2016 gegründetes Startup- und Innovations-Hub, an dem heute die Goethe-Universität, die TU Darmstadt, die Stadt Frankfurt sowie das Land Hessen über die WiBank beteiligt sind. Die Goethe Business School ist weiter unterstützend tätig. 

Zum Auftakt der zweitätigen Veranstaltung präsentieren junge internationale Gründer aus dem Bereich Versicherungstechnologien ("InsurTechs") ihre digitalen Geschäftsmodelle in sogenannten Pitches. Auf den Gewinner wartet der „Goethe InsurTech Award“, der am Abend in Anwesenheit von Gabriel Bernardino, Präsident der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung, vergeben wird. Am zweiten Tag diskutieren Experten in Workshops die neuesten digitalen Erkenntnisse im Bereich Blockchain, Künstliche Intelligenz und Versicherungen gegen Cyberkriminalität. Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich mit Versicherern, Beratern, Anbietern digitaler Dienste, Investoren, Entscheidern und vielen mehr zu vernetzen. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Wirtschaftsministers. 

Während 2018 die asiatischen Versicherungstechnologien im Vordergrund standen, stellen sich 2019 Startups aus über 20 Ländern vor, darunter insbesondere InsurTechs aus Israel sowie der große israelische Startup-Verband „InsurTech Israel" mit seinem Gründer und Geschäftsführer Kobi Bendelak. Der Präsident der Israelischen Versicherungsaufsicht, Dr. Moshe Bareket, wird die regulatorische Fragestellungen im Umgang mit InsurTechs darstellen und beleuchten. 

„Wir versuchen, extrem junge und innovative internationale InsurTechs auf die Bühne zu bringen, die - im Idealfall - bei uns in Frankfurt ihren ersten öffentlichen Auftritt haben", so Dr. Moritz Finkelnburg, Gründer der „Global InsurTech Roadshow“ und InsurTech-Berater des TechQuartier. „Natürlich wird unsere Veranstaltung auch in Zukunft ihren einzigartigen universitären und familiären Charakter behalten. Wir wollen in dieser besonderen universitären Atmosphäre nachhaltige Kontakte zwischen Entscheidern der traditionellen Wirtschaft und den jungen Kreativen ermöglichen, digitales Verständnis schaffen und Netzwerke etablieren." 

Neben seinem starken Engagement in der lokalen Startup-Szene liegt eine der Hauptaufgaben des TechQuartier darin, Schnittstelle zwischen Unternehmen des Finanzsektors und dem digitalen Ökosystem zu sein: „Wir freuen uns, die kommende ‚Global InsurTech Roadshow' zu begleiten. Nach intensiver Aufbauarbeit der Frankfurter FinTech-Szene in den vergangenen beiden Jahren bietet sich mit der Veranstaltung eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Schulterschluss mit der Versicherungsbranche zu suchen und unsere Erfahrungen und Erfolgsmodelle für die InsurTech-Szene zu öffnen", so Dr. Sebastian Schaefer, Geschäftsführer des TechQuartier. „Unser Ziel ist es, den Austausch beider Industrien zu fördern und den etablierten Unternehmen mit ihren Mitarbeitern eine Anlaufstelle für den Beginn ihrer digitalen Reise zu bieten.“ 

Weitere Informationen, Übersicht über Jury, Moderatoren und Redner sowie Bewerbungen über: www.gir19.com

 

Dez 7 2018
14:44

Neueste Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt thematisiert das Spannungsfeld von Wissen und Nichtwissen

Moderne Medizin kontra traditioneller Heiler

FRANKFURT. Wie gehen Menschen, wie gehen Wissenschaftler mit Ungewissheit und Nichtwissen um? Diese Frage steht im Fokus der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt mit dem Schwerpunktthema „Was können wir wissen?“. Der Ethnologe Professor Hans Peter Hahn lenkt den Blick auf die Gesellschaften Afrikas: Auf welcher Wissensbasis werden Entscheidungen dort getroffen? Haben traditionelle Wissensbestände ein Vorrecht oder moderne Technologien aus dem Ausland? Dabei wird deutlich: Tradition und Kultur – und die verfügbaren Ressourcen – spielen eine bedeutende Rolle. 

Am Beispiel einer jungen Frau in Ghana, die sich seit Wochen nicht wohlfühlt und ihren Alltag nicht mehr meistern kann, schildert der Ethnologe Hans Peter Hahn, welche Folgen das mangelnde Wissen haben kann: Anstatt einen akademisch ausgebildeten Mediziner im staatlichen Krankenhaus aufzusuchen, der ihrer rätselhaften Erkrankung auf den Grund gehen könnte, entscheidet sie sich für einen traditionellen Heiler am Ort. Denn der verlangt für Diagnose und Behandlung nur ein Bruchteil dessen, was sie im Krankenhaus zahlen müsste. Doch sein Versuch, einen vermeintlichen Geist (Dschinn) durch eine Wasserkur zu vertreiben, zeitigt keine Wirkung. Wertvolle Zeit verstreicht, Zeit, die am Ende für die Heilung fehlen könnte, wenn sich die immer schwächer werdende Patientin doch entschließt, einen naturwissenschaftlich gebildeten Mediziner aufzusuchen. 

Ähnliche Beispiele für inkonsequentes Handeln aufgrund von mangelndem Wissen gibt es auch in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaftsberatung in Burkina Faso hat ein einfaches Rezept, um die knapper werdenden Niederschläge optimal zu nutzen: Bringt man das Saatgut bereits auf die staubtrockenen Böden auf, geht es beim ersten Regen sofort auf. Doch die Bauern haben Vorbehalte, die nicht zuletzt mit den begrenzten Ressourcen und der althergebrachten Tradition zu tun haben. Denn für die neue Strategie braucht es für den Fall des Falles eine doppelte Bevorratung an Saatgut. 

Oft werden Situationen der Ungewissheit auch mit Hilfe von Schwarzer Magie angegangen. Hahns Beispiele zeigen: Pluralismus bei den Entscheidungsmöglichkeiten führt nicht zwangsläufig zu mehr Entscheidungsfreiheit, sondern zu größerer Unsicherheit. Junge Menschen in Afrika, die sich ihrer Unsicherheit und ihres Nichtwissens bewusst werden, reagieren jedoch auf unvorhergesehene Ereignisse flexibler und mit mehr Improvisationsbereitschaft. Hiervon könnten die Menschen in Industrieländern durchaus lernen. 

Die Forschung Frankfurt-Ausgabe zum Schwerpunkt „Was können wir wissen?“ beinhaltet Beiträge aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Linguistik und Medizin. Welche unterschiedlichen Perspektiven sich aus dem Themenkreis Wissen, Ungewissheit, Nichtwissen ergeben haben, können Sie bei einer Entdeckungsreise durch das Heft ersehen. 

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2018) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet ist sie zu finden unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Information: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften, Campus Westend, Telefon 069 798-33072, E-Mail hans.hahn@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2018
14:43

Die Ökonomen Sascha Wilhelm und Steffen Eibelshäuser haben das Rätsel der schwankenden Spritpreise gelöst. Bericht im neuen UniReport. 

Besser nicht morgens tanken

FRANKFURT. (Zu) hohe Spritpreise gehören bekanntlich zu den Lieblingsthemen der Autofahrer. Vor allem die Preiszyklen im Laufe eines Tages sind vielen ein Dorn im Auge. Wie es zu diesem eigenwilligen Auf und Ab der Spritpreise kommt, haben die Frankfurter Ökonomen Sascha Wilhelm und Steffen Eibelshäuser auf Grundlage spieltheoretischer Ansätze erforscht. Das Ergebnis: Demnach unterbieten sich Tankstellen im Laufe eines Tages immer schneller, bis die Preise so tief im Keller sind, dass einer der Anbieter wieder mit dem Preis hochgeht – die anderen ziehen dann nach. „Der Vorwurf, dass im Bereich der Spritpreise kein richtiger Wettbewerb herrsche und stattdessen Preisabsprachen getroffen würden, stimmt so nicht“, betont Steffen Eibelshäuser. Ihre Empfehlung lautet: Lieber nicht am frühen Morgen tanken; stattdessen wäre ein Besuch der Tankstelle am Mittag, kurz vor dem üblichen Preisanstieg, ein günstiger Moment. Weitere Erkenntnisse ihrer Forschung finden sich in der aktuellen Ausgabe des UniReport. 

Wie Gesellschaft und Wirtschaft zusammenhängen, erforscht die Politologin Prof. Cornelia Woll. Die neue Alfred-Grosser-Gastprofessorin für Bürgergesellschaftsforschung forscht und lehrt an der Université Sciences Po in Paris. Ihr geht es um Wirtschaft als Objekt – diese analysiert sie aus sozialwissenschaftlicher Perspektive: „Man kann ökonomische Entwicklung nicht verstehen, wenn man nicht hinterfragt, wer dort überhaupt wirtschaftet und Entscheidungen fällen muss – Personen, Staaten, Unternehmen -, und auf welchem Niveau diese Prozesse beeinflusst und gesteuert werden – lokal, national, international“, betont Cornelia Woll im Interview mit dem UniReport. Wolls öffentlicher Vortrag zum Thema „Der Staat und die Banken im krisengeprüften Europa“ findet am 21. Januar um 19.00 Uhr im Hörsaalzentrum des Campus Westend statt. 

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport: 

  • Speak Out: Die zentrale Gleichstellungsbeauftragte Dr. Anja Wolde und der Vizepräsident Prof. Rolf van Dick über die Kampagne „laut*stark sexualisierter Diskriminierung und Gewalt entgegentreten“. 
  • Experten für Krieg und Frieden: Der Masterstudiengang „Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung“ bietet durch Kooperationen mit der TU Darmstadt und der HSFK ein besonders breites Spektrum. 
  • Sprechend die Sprache entdecken: Ein Förderprojekt mit Studierenden unterstützt Kindergarten- und Grundschulkinder beim Deutschlernen. 
  • Fragiler Lebensraum Stadt: Die Biologin Madlen Ziege sieht Anzeichen für einen Schwund der Wildkaninchen-Population in Frankfurt. 
  • Zu Gast an der Goethe-Universität: Die mexikanische Biomedizinerin Dr. Angélica Zepeda forscht über die neuronale Rehabilitationsfähigkeit des Gehirns. 
  • Stolpersteine erinnern an Hugo Sinzheimer und seine Familie: Nachfahren des bedeutenden Arbeitsrechtlers besuchten den Campus Westend. 
  • Die Auseinandersetzung mit Auschwitz begann nicht erst 68: Nachbericht zum Diskussionsabend der Bürgeruniversität zum Umgang der Protestgeneration mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. 
  • Ein Herz für „Junge Weltbürger“: Mit ihrer Stiftung unterstützt Verena von Tresckow-Bronke das Uni-Projekt „Start ins Deutsche“. 
  • ERASMUS fürs Inland: Das Programm PONS bietet Studierenden einen Studienortwechsel in Deutschland; das Fach Gender Studies ist daran beteiligt. 

Der UniReport 6/2018 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/aktuelle-ausgabe. Die Printausgabe ist wegen einer verzögerten Auslieferung erst am Montag, 10. Dezember, an den bekannten Auslegestellen verfügbar.

 

Dez 6 2018
13:14

Susanne Schröter und Rainer Forst im Gespräch mit dem Rechtswissenschaftler Rudolf Steinberg über sein neues Buch „Zwischen Grundgesetz und Scharia“

Der lange Weg des Islam nach Deutschland

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Dieser Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, den er anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 formulierte, steht seither im Kreuzfeuer der Kritik. Islam und Demokratie seien unvereinbar, so heißt es immer wieder, und das liege an „der Scharia“ und der vermeintlichen Neigung des Islam zur Gewalt. In seinem jüngst im Campus Verlag erschienenen Buch „Zwischen Grundgesetz und Scharia. Der lange Weg des Islam nach Deutschland“ wirft Rudolf Steinberg einen differenzierten und kritischen Blick auf diese Annahmen über den Islam, die die aktuellen juristischen und politischen Diskussionen durchziehen. Darauf aufbauend geht es ihm um die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein muslimisches Leben und ein friedliches Miteinander von Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften in Deutschland gelingen können. 

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ laden sehr herzlich ein zum Autorengespräch mit Prof. em. Rudolf Steinberg 

am Donnerstag, 13. Dezember 2018, um 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg. 

Kommentiert werden die Thesen Steinbergs vom Co-Sprecher des Clusters Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität, und von der Direktorin des am Cluster angesiedelten „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ (FFGI) Prof. Susanne Schröter (Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität). Die Moderation übernimmt der Direktor des Forschungskollegs Prof. Matthias Lutz-Bachmann. 

Rudolf Steinberg ist emeritierter Professor für öffentliches Recht. Von 2000 bis 2008 war er Präsident der Goethe-Universität. Bereits 2015 veröffentlichte er unter dem Titel „Kopftuch und Burka: Laïzität, Toleranz und religiöse Homogenität in Deutschland und Frankreich“ (Nomos-Verlag) eine Untersuchung, die sich mit zentralen Streitpunkten im Kontext der Integration von Muslimen in die deutsche bzw. französische Gesellschaft auseinandersetzt. 

Das Autorengespräch ist Teil der Reihe „Das Forschungskolleg Humanwissenschaften stellt vor: …“. Mit dieser Reihe möchte das Kolleg aktuelle wissenschaftliche Bücher, die oft das Ergebnis jahrelangen Forschens, Reflektierens und Schreibens sind, sowie deren Autoren der Öffentlichkeit vorstellen. Dazu werden in unregelmäßigen Abständen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Rhein-Main-Universitäten ans Kolleg eingeladen, um über ihr Buch, dessen Hintergründe sowie die Fragen, die sie zu diesem Werk motivierten, zu sprechen. 

Um Anmeldung zum Autorengespräch mit Rudolf Steinberg wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Dez 5 2018
15:00

LOEWE-Projekt an der Goethe-Universität geht in die Schlussrunde

Gewalt und Krieg in der Bronzezeit

FRANKFURT. Der LOEWE-Schwerpunkt „Prähistorische Konfliktforschung – Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten“ kann seine Arbeit ein weiteres Jahr fortsetzen. Das geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt unter Federführung von Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Goethe-Universität, erforscht den Zusammenhang von Herausbildung und Struktur neuartiger politischer Mächte mit der Entstehung neuer Formen militärischer Gewalt. Hierfür erhält der Verbund eine Auslauffinanzierung von rund 722.000 Euro. 

Ziel des Projekts „Prähistorische Konfliktforschung“ war es, eine Lücke in der archäologischen Erforschung Mitteleuropas zu schließen und mit einem interdisziplinären Ansatz Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten zu untersuchen. Im Vergleich zu römischen Kastellen oder mittelalterlichen Burganlagen sind die Burganlagen der Bronzezeit bislang wenig erforscht. Bereits um die Wende vom 17. zum 16. Jahrhundert v. Chr. bauten Menschen jedoch mit starken Mauern befestigte Siedlungen, um sich vor Angreifern zu schützen und Verkehrswege zu kontrollieren. Fast zwei Jahrtausende lang waren diese Burgen ein prägendes Phänomen in Mitteleuropa. 

Dass es durchaus kriegerische Auseinandersetzungen in größerem Umfang gab, ist nicht nur an der Existenz der Burganlagen erkennbar, sondern auch an der Entwicklung und Verbreitung neuer Waffen wie Hieb- und Stichschwertern sowie Schutzschilden. Die Forschung gehe davon aus, dass Kriegergefolgschaften systematisch ihre Nachbarn überfallen und zuweilen auch größere Massaker verübt hätten, sagt Projektleiter Prof. Rüdiger Krause. So konnten bei den Ausgrabungen auf dem Sängersberg bei Bad Salzschlirf (Kreis Fulda) und in der großen Befestigung von Sântana bei Arad in Rumänien unmittelbares Kampfgeschehen an den Mauern durch zahlreiche Pfeilspitzen (Sängersberg) und durch Hunderte von Schleuderkugeln (Sântana) nachgewiesen werden. 

Im LOEWE-Schwerpunkt wird nun seit 2016 das Phänomen der bronzezeitlichen Burg auf eine neue empirische Grundlage gestellt: Moderne Prospektionsmethoden erlauben neue Einblicke in die Struktur der Anlagen, Grabungen können zielgenau geplant und durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei die sozialhistorische Perspektive auf gewaltsame Konflikte in der Bronzezeit und ein Vergleich mit den Verhältnissen im Mittelalter. Prof. Krause koordiniert den LOEWE-Schwerpunkt gemeinsam mit Prof. Svend Hansen, Direktor der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Beteiligt sind u.a. auch der Frankfurter Soziologe Ferdinand Sutterlüty, der Historiker Bernhard Jussen und die Archäobotanikerin Astrid Stobbe. Außeruniversitärer Partner ist die Römisch Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt. Die Abkürzung LOEWE steht für „Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“. Das Forschungsförderprogramm geht nun in eine 13. Auswahlrunde. Bis 15. April 2019 können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit ihren Forschungsvorhaben für die Förderung ab 2021 bewerben.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75281705 

Bildbeschriftungen: 

01 Bewaffnung und Krieg in der Bronzezeit – hier bronzezeitliche Felsbilder aus Tanum, Bohuslän, Westschweden. Schwertträger mit Streitäxten auf einem Schiff der Nordischen Bronzezeit. Foto: R. Krause, Goethe-Universität

02 Pfeilspitzen aus Bronze vom Sängersberg bei Bad Salzschlirf, Kreis Fulda. Die LOEWE-Ausgrabungen (2017-2018) haben an der Befestigungsmauer Hinweise auf eine bewaffnete Auseinandersetzung ergeben. Einige der Pfeilspitzen sind durch den Aufprall auf Stein verbogen. Um 1000 v. Chr. Foto: B. Voss, Goethe-Universität

03 Die große Befestigung der jüngeren Bronzezeit (1400-1300 v. Chr.) von Sântana bei Arad, Rumänien. Die LOEWE-Ausgrabungen 2018 haben einen bis zu 4,5 m tiefen Spitzgraben um die Anlage ergeben, der zusammen mit einer Holz-Erde-Mauer eine bedeutende Befestigung und ein Annäherungshindernis darstellte. Der rote Lehm im Graben stammt von der verbrannten Holz-Erde-Mauer, die brennend in den Graben gestürzt ist. Foto: V. Sava

04 Sântana bei Arad, Rumänien. Im Bereich der verbrannten Befestigung wurden Hunderte gebrannter Lehmkugeln bei Aufsammlungen und Ausgrabungen gefunden. Es handelt sich um Schleuderkugeln (bis zu 300 Gramm schwer!) von Schleudern, die ganz offensichtlich eine gefährliche Fern- und Angriffswaffe darstellten. Foto: V. Sava

Informationen: Prof. Rüdiger Krause, Institut für Archäologische Wissenschaften, Telefon 069-798-32120, R.Krause@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 5 2018
14:54

Wie Ärzte und Eltern sich über Fehlbildungen des Ungeborenen verständigen

Wissen und Nichtwissen in der Pränatalen Diagnostik

FRANKFURT. In der Pränataldiagnostik kann man heute schon im ersten Schwangerschaftsdrittel Fehlbildungen erkennen, die früher nicht behandelbar waren. Die Eltern müssen sich dann mit Fragen auseinandersetzen, die sie sich zuvor nie gestellt haben. Die Soziologin Prof. Claudia Peter und der Mediziner Prof. Rolf Schlößer untersuchen, wie Eltern mit den Ungewissheiten der Situation während und nach der Schwangerschaft umgehen. Über ihr gemeinsames Forschungsprojekt berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“. 

Gegenstand des Forschungsprojekts sind sogenannte Defekte der Bauchwand, die während der embryonalen Entwicklung des Kindes entstehen und die in der Regel schon im ersten Drittel der Schwangerschaft in der Ultraschalluntersuchung gesehen werden können: die Gastroschisis und die Omphalozele. Bei der Gastroschisis gibt es ein Loch in der Bauchwand, rechts neben dem Nabel, so dass die Eingeweide offen in der flüssigkeitsgefüllten Fruchthöhle schwimmen. Bei der Omphalozele liegen Teile des Darms oder der Leber in der Nabelschnur. 

Während die Gastroschisis in der Regel isoliert vorliegt, muss man bei der Omphalozele nach weiteren Anomalien suchen und möglicherweise ein komplexeres Syndrom erwarten. Die Häufigkeit der Gastroschisis liegt bei 1 Erkrankung auf 10.000 Neugeborene, die Omphalozele kommt einmal bei 4.000 Neugeborenen vor. Für sich gesehen sind beide Fehlbildungen nach der Geburt durch chirurgische Eingriffe gut behandelbar, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später ein normales Leben führen kann, groß ist. 

Dennoch bleibt auch beim beratenden Arzt immer eine gewisse Unsicherheit in der Prognose. Trotz seines Wissens, das objektiv durch medizin-wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt ist, können allgemeine Aussagen nur eingeschränkt auf den konkreten Fall übertragen werden. Diese prinzipielle Offenheit des Ausgangs einer Erkrankung beim konkreten Patienten muss deshalb auch in den Gesprächen mit den werdenden Eltern einen Platz finden. 

„Es ist gut, dass wir heute Krankheiten oder Fehlbildungen behandeln können, an denen frühere Generationen gestorben sind oder von denen die Kranken so invalidisiert waren, dass sie nur eingeschränkt zur Teilhabe am Leben fähig waren“, sagt der Mediziner Schlößer. „Aber mit diesen Chancen gehen Herausforderungen einher: die Kommunikation unsicheren Wissens durch den Arzt oder die Ärztin gegenüber den werdenden Eltern, und das Aushalten dieser Botschaften, für die kein Schuldiger gefunden werden kann“, fügt die Soziologin Claudia Peter hinzu. 

Wie sich das Kind während der Schwangerschaft weiterentwickelt, bleibt zunächst zu beobachten. Ob sich die Diagnose nach der Geburt genau bestätigt und was dann kommt, muss auch abgewartet werden. Eltern werden hier zu Zeugen eines Prozesses, der sie unmittelbar betrifft, den sie aber nur sehr begrenzt durch eigenes Handeln beeinflussen können. An manche Ungewissheit können sie sich gewöhnen, andere bleiben beängstigend und überfordernd. 

Ethisch komplex ist diese Konstellation für alle Beteiligten auch deshalb, weil sowohl Ärzte wie auch Eltern die Situation des Kindes hier nahezu vollständig stellvertreten müssen, ohne dass Äußerungen des ungeborenen Kindes einbezogen werden können. Somit sind diese besonderen Schwangerschaften dadurch gekennzeichnet, dass den werdenden Eltern in kurzer Zeit einerseits viel komplexes medizinisches Wissen angeboten wird, dessen Relevanz sie erst allmählich erfassen können.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de. Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren 

Informationen: Prof. Claudia Peter, Soziologin mit Schwerpunkt qualitative Methoden, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel.: (069)-798-36639, c.peter@soz.uni-frankfurt.de. Prof. Rolf Schlößer, Schwerpunkt Neonatologie, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5120, rolf.schloesser@kgu.de

 

Dez 5 2018
14:46

Das Land Hessen fördert Universitätsklinikum Frankfurt und Klinikum Kassel mit knapp 900.000 Euro

Telemedizin-Projekt soll Versorgung auf hessischen Intensivstationen verbessern

FRANKFURT. Im Rahmen der E-Health Initiative Hessen erhalten das Universitätsklinikum Frankfurt und das Klinikum Kassel eine Förderung zur Verbesserung der Versorgung von Intensivpatienten. Ihre Expertise in der Behandlung von schwerkranken Patienten wollen die beiden Hauptversorger künftig mit zuweisenden Krankenhäusern und Rehakliniken über Telemedizin teilen. Für den Aufbau eines Telemedizin-Systems hat das hessische Sozialministerium in den nächsten drei Jahren insgesamt 897.900 Euro bewilligt. 

„Telemedizin hilft, räumliche Distanzen zu überbrücken und fachärztliche Expertise in den ländlichen Raum zu bringen“, erklärt der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner. „Der schnelle Austausch von Bilddaten und Laborergebnissen in Echtzeit kann gerade in der Intensivmedizin Leben retten. Wie im Rettungswesen, das schon seit Jahren mit dem Programm IVENA Patientendaten vom Rettungswagen in die Notaufnahme übermittelt, wird nun auch auf hessischen Intensivstationen die Telemedizin genutzt, um die Behandlungsqualität von schwerkranken Intensivpatienten zu verbessern. Hier zeigt sich der hohe Nutzen der Digitalisierung des Gesundheitswesens für die Patientinnen und Patienten“, so Grüttner. 

Damit zukünftig Informationen und Daten zwischen den intensivmedizinischen Einrichtungen schnell und problemlos fließen können, entwickeln die Projektleiter Prof. Patrick Meybohm (Universitätsklinikum Frankfurt) und Prof. Ralf Muellenbach (Klinikum Kassel) definierte Schnittstellen für ein mobiles Telemedizin-System. Geplant ist, Patientendaten, Bilddaten und Laborergebnisse in Echtzeit unter Berücksichtigung des Datenschutzes auszutauschen. 

In der ersten Phase werden die Anforderungen an das System definiert und Lösungen für die technische Umsetzung entwickelt. Der Prototyp soll dann im zweiten Jahr von den teilnehmenden Einrichtungen getestet und im realen Betrieb weiter verbessert werden. Schließlich ist für die Betriebsphase im dritten Jahr geplant, die Zufriedenheit der Anwender zu evaluieren. 

Durch den Einsatz der Tele-Intensivmedizin kann eine engere Vernetzung von Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung mit Kliniken der Maximalversorgung erzielt werden, so dass eine Optimierung der Behandlungsqualität von schwerkranken Intensivpatienten möglich werden könnte. 

Information: Prof. Dr. Patrick Meybohm, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-5868, patrick.meybohm@kgu.de sowie Prof. Dr. Ralf Michael Muellenbach, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Kassel, Tel.: (0561) 980-3000, ralf.muellenbach@klinikum-kassel.de