​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Nov 15 2019
15:13

Projekt unter Beteiligung der Goethe-Universität erhält Horizont 2020-Förderung über 3,2 Millionen Euro

Arm trotz Arbeit

FRANKFURT. Das europäische Forschungsprojekt „Working, Yet Poor“ (WorkYP) erhält im Rahmen des EU-Programms Horizont 2020 Fördermittel in Höhe von 3,2 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Untersucht werden die sozialen und rechtlichen Gründe dafür, dass immer mehr EU-Bürger trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind. Ein Teilprojekt leitet Jura-Professor Bernd Waas von der Goethe-Universität.

Fast zehn Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung der EU waren 2017 von Armut bedroht, das entspricht etwa 20,5 Millionen EU-Bürgern. Außer den negativen Folgen für den Einzelnen wie soziale Ausgrenzung und mangelnde Teilhabe gefährdet Armut trotz Erwerbstätigkeit auch ein wesentliches Merkmal der EU-Staatsbürgerschaft: den Anspruch auf ein menschenwürdiges Leben. Bevor dagegen staatliche Maßnahmen ergriffen werden können, müssen zunächst die Ursachen verstanden werden. Dazu will das WorkYP-Projekt beitragen.

„Die Länder ergreifen bestimmte Maßnahmen, um Armut trotz Erwerbstätigkeit zu verhindern. Aber es gibt keinen festgelegten Ansatz zur Verringerung oder Beseitigung. Die EU-Mitgliedstaaten benötigen – individuell und gemeinschaftlich – ein besseres Verständnis des Problems, ein Verständnis, das auf sachbezogenen Daten beruht und es ihnen ermöglicht, das Problem zu kontrollieren und erfolgreich dagegen vorzugehen“, sagt Luca Ratti, Koordinator des WorkYP-Projektes und Associate Professor für Europarecht und vergleichendes Arbeitsrecht an der Universität Luxemburg.

Die Verteilung der Armut trotz Erwerbstätigkeit fällt in Europa sehr unterschiedlich aus, was auf unterschiedliche soziale und rechtliche Systeme oder Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zurückzuführen ist. Waren in Luxemburg im Jahr 2018 13,4% der erwerbstätigen Bevölkerung von Armut bedroht, waren es in Belgien im gleichen Zeitraum nur 5,2%. Die Gründe für diese Unterschiede wurden noch nicht ausreichend untersucht. Im Rahmen des WorkYP-Projekts werden nun sieben repräsentative Länder mit unterschiedlichen Sozial- und Rechtssystemen (Luxemburg, Belgien, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen und Schweden) analysiert, um Best-Practice-Lösungen zur Bekämpfung der Armut trotz Erwerbstätigkeit in allen Systemen vorzuschlagen. „Mit dieser Studie wollen wir die EU-Mitgliedstaaten und die EU als Ganzes dabei unterstützen, ihre Politik und ihre regulatorischen Maßnahmen gezielter einzusetzen“, erklärt Ratti.

Im Rahmen des WorkYP-Projekts wurden Personengruppen ermittelt, bei denen ein höheres Risiko für Armut trotz Erwerbstätigkeit besteht und auf die sich die Analyse konzentrieren wird. Hierzu zählen Niedriglohnarbeiter, Selbständige, Personen mit befristeten oder flexiblen Arbeitsverträgen sowie Gelegenheitsarbeiter oder „Null-Stunden-Arbeiter“. Da Frauen häufiger in Niedriglohnberufen beschäftigt sind oder mit ungleichen Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben, werden bei der Untersuchung die Zusammensetzung der Haushalte und das Einkommen berücksichtigt.

Luca Ratti wird von Luxemburg aus ein multinationales und interdisziplinäres Team leiten unter Beteiligung von acht europäischen Universitäten (Frankfurt, Bologna, Leuven, Rotterdam, Tilburg, Danzig und Lund) sowie drei in Europa tätigen Institutionen für soziale Rechte.

Im Rahmen des Projekts wird die Goethe-Universität eine wichtige Rolle innehaben. Zum einen wird sie die Projektführung für den Bereich übernehmen, welcher der Betrachtung der Arbeitnehmer mit atypischen Arbeitsverträgen gewidmet ist. Zum anderen wird sie die Arbeit der Experten bei der vergleichenden Analyse der verschiedenen Modelle zur Bekämpfung der Armut am Arbeitsplatz und der Systeme zur Gewährung eines Mindestlebensstandards und eines Mindestkatalogs an sozialen Rechten koordinieren. Insgesamt fließen an die Goethe-Universität 320.000 Euro aus den Projektmitteln. Professor Waas, der bereits das arbeitsrechtliche Expertennetzwerk der Europäischen Kommission leitet und auch die Arbeiten an einem sogenannten Restatement des Arbeitsrechts in Europa koordiniert, freut sich auf die zusätzliche Aufgabe: „Die Tage werden etwas länger, aber es wird sich lohnen“, sagt er. „Gerade im Zusammenhang mit der rasanten Digitalisierung der Arbeitswelt und dem Entstehen ganz neuer Beschäftigungsformen stellen sich zahlreiche Probleme, auf die dringend Antworten gefunden werden müssen“.

„Ich freue mich, dass die Goethe-Universität bei einem so wichtigen europäischen Forschungsprojekt mit an Bord ist. Für die Zukunft Europas sind menschenwürdige Arbeits- und Lebensverhältnisse in allen Ländern der Gemeinschaft von elementarer Bedeutung“, sagt Prof. Simone Fulda, als Vizepräsidentin der Goethe-Universität zuständig für den Bereich Forschung.

Horizont 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, das 2014 ins Leben gerufen wurde und Kooperationsprojekte in Forschung und Innovation fördert. Teilnahmeberechtigt sind Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen. Horizont 2020 finanziert jährlich 6.000 Projekte. Luxemburgische Einrichtungen haben bereits rund 40 Millionen Euro für mehr als 120 Projekte erhalten.

Ein Porträt von Prof. Waas finden Sie unter dem folgenden Link:
http://www.uni-frankfurt.de/83491970

Bildtext: Prof. Bernd Waas, Arbeitsrechtler an der Goethe-Universität, leitet das Frankfurter Teilprojekt des Horizont 2020-Vorhabens „Working, yet poor“.

Informationen: Prof. Dr. Bernd Waas, Lehrstuhl für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht, Institut für Zivil- und Wirtschaftsrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft, RuW-Gebäude, Campus Westend, Telefon 069-798 34232, E-Mail sekretariat-waas@jura.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2019
17:08

Prof. Rüdiger Krause von der Goethe-Universität hält Vortrag bei interkulturellen Wochen

Mega-Sites der Bronzezeit in Rumänien

FRANKFURT. Gemeinsam mit dem Rumänischen Kulturverein ARO lädt die Goethe-Universität im Rahmen der interkulturellen Wochen Frankfurt zu einem Vortrag des Archäologen Prof. Rüdiger Krause. Krause spricht

am Freitag, 15. November, 19 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)
im Hörsaalzentrum, 3. OG, Saal 10 (Campus Westend)

über zwei Großsiedlungen der jüngeren Bronzezeit in Sântana und Corneşti im rumänischen Banat, „ein faszinierendes deutsch-rumänisches Archäologieprojekt“. In seinem reich bebilderten Vortrag stellt der Archäologe die neuen Ergebnisse seiner Forschungen und Ausgrabungen in den beiden befestigten Großsiedlungen am Unterlauf des Mureş am Ostrand des Karpatenbeckens vor. Diese erreichten eine ungewöhnliche Größe: Corneşti-larcuri, südlich des Flusses Mureş bei der Stadt Timişoara, ist mit einer Fläche von 17 Quadratkilometern die größte bislang bekannte bronzezeitliche Befestigung Europas. Nördlich des Mureş und 40 Kilometer nördlich von Arad liegt eine weitere knapp zehn Hektar (0,1 Quadratkilometer) große Befestigung: Sântana. Beide Befestigungen wurden der C14-Datierung zufolge im 14. Jh. v. Chr. errichtet. Wohl im selben Jahrhundert wurden sie durch einen Brand zerstört. Eine Erkenntnis, die nicht nur zum allgemeinen Verständnis der Mega-Sites beitragen dürfte, sondern auch Aufschluss über die regionale spätbronzezeitliche Siedlungsdynamik, die Gesellschaftsstrukturen und die ökonomischen Aspekte geben könnte.

Die Bedeutung und Funktion dieser Mega-Sites dürfte in ihrer Lage entlang des Mureş begründet sein, denn der aus den Ostkarpaten kommende Mureş ist der wichtigste Fluss Siebenbürgens. Entlang des Flusses kommen alle wichtigen Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Eisen und Salz vor. Die befestigten Großsiedlungen haben den Warenfluss nach Westen entlang des Mureş kontrolliert. Nicht zuletzt erwachsen hieraus ganz neue Perspektiven für die Beurteilung prähistorischer Konflikte, die im Fokus des LOEWE-Programmes „Prähistorische Konfliktforschung“ stehen.

Rüdiger Krause ist Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er forscht u. a. an der bronzezeitlichen Befestigung in Bernstorf, im Montafon, sowie in Olgino im Trans-Ural. Zusammen mit Prof. Svend Hansen aus Berlin leitet er das Projekt „Prähistorische Konfliktforschung“ innerhalb der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE).

Hauptziel von ARO Rumänischer Kulturverein Frankfurt & Umgebung e. V. ist die Förderung der rumänischen Sprache, Kunst und Kultur, sowie die Erhaltung von Traditionen für Mitbürger mit rumänischen Wurzeln. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Frankfurt und in Offenbach präsentiert der Verein rumänische Filme, stellt hiesige Künstler vor oder veranstaltet Vorträge zu aktuellen Themen.

Beim anschließenden Buffet im Hörsaalzentrum werden rumänische Spezialitäten und Getränke angeboten. Der Eintritt ist frei.

Information: Prof. Dr. Rüdiger Krause, R.Krause@em.uni-frankfurt.de, 069 798-32120; ARO Rumänischer Kulturverein Frankfurt e. V., Brândusa Massion, secretar@aro-rhein-main.de, 069 8600-7374

 

Nov 14 2019
17:00

Bürgerveranstaltung zur 29. Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur

Stehen wir vor einer Depressionsepidemie? 

FRANKFURT. Immer mehr Menschen sind von Depressionen betroffen. Hat die Erkrankung inzwischen epidemische Ausmaße erreicht? Welche Konsequenzen hat das für die Gesellschaft? Und welche neuen Ansätze gibt es für die Therapie? Diese Fragen stehen im Zentrum der diesjährigen Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur von Prof. Brenda W.J.H. Penninx. Die Epidemiologin von der University of Amsterdam wird vom 19. bis 22. November zu Vorlesungen an der Goethe-Universität sein.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen zu einem Podiumsgespräch mit Prof. Brenda Penninx und ihrem Gastgeber, Prof. Andreas Reif von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Prof. Jürgen Deckert, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Würzburg. Die Moderation übernimmt Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz. Diskutiert werden die gesellschaftlichen Herausforderungen von depressiven Erkrankungen sowie Lösungsmöglichkeiten von der Prävention bis hin zur „Präzisionsmedizin“.

Thema: Stehen wir vor einer Depressionsepidemie?

am 21. November (Donnerstag) um 18 Uhr

im Arkadensaal des Goethe-Hauses, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt.

Das Forschungsgebiet von Prof. Brenda Penninx ist die psychiatrische Epidemiologie. Seit 2004 erforscht sie im Rahmen der „Netherlands Study on Depression and Anxiety“ den Verlauf und die Konsequenzen von Depressionen und Angststörungen. Zentrale Themen ihrer Forschung sind die psychosozialen, körperlichen und neurobiologischen Risikofaktoren für Depressionen und Angststörungen. Ihr Ziel ist die Entwicklung einer personalisierten Medizin, die für jeden Patienten eine gezielte, auf ihn oder sie zugeschnittene Behandlung ermöglicht.

Für Medienvertreterinnen und Medienvertreter besteht vor dem Bürgersymposium (21.11., 16.45-17.30 Uhr im Goethe-Haus, Arkadensaal) die Möglichkeit, Brenda Penninx, Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Leonhard-Reif vom Bündnis gegen Depression zu interviewen. Anmeldung unter ott@pvw.uni-frankfurt.de

Informationen zur diesjährigen Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur: Prof. Dr. Andreas Reif, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301 5222; Andreas.reif@kgu.de.
http://www.uni-frankfurt.de/Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur

 

Nov 12 2019
08:24

Internationale Konferenz in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a.M. und an der Goethe-Universität über Gedenkkultur und gesellschaftliche Verantwortung

Die Zukunft der Erinnerung

FRANKFURT. 81 Jahre ist es her, dass in der Nacht des 9. November 1938 Synagogen und jüdische Einrichtungen in Deutschland zerstört, hunderte jüdische Deutsche ermordet und zehntausende in Konzentrationslager verschleppt wurden. Der Novemberpogrom markiert nicht bloß die endgültige Zerstörung des jüdischen Gemeindelebens, sondern war zugleich ein wesentlicher Schritt auf dem Weg von der Verfolgung und Entrechtung zum Völkermord an den europäischen Juden.

Unter dem Titel „Die Zukunft der Erinnerung“ findet im Gedenken an den Pogrom

von 17. bis 19. November
in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Frankfurt
und im Casinogebäude der Universität (Campus Westend)

eine Konferenz statt, die die Bedeutungswandlungen der Erinnerung an die Shoah und an die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland in den Blick nimmt sowie die aktuellen Entwicklungen der erinnerungspolitischen Debatte, der Erinnerungsforschung und der Gedenkkultur diskutiert. In welcher Form und mit welchen Inhalten findet das Erinnern künftig statt? Wie soll es institutionell verankert sein – in politischen Diskursen, in der Wissenschaft, in der politischen Bildung und an den Gedenkorten? Wie kann die Erinnerung an die jüdische Geschichte in Deutschland und Europa, an die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Minderheit und an den Völkermord auch mehr als 80 Jahre nach der Pogromnacht aufrechterhalten werden und wirksam bleiben? Und wie wirkt sich der grassierende rechtsextreme Populismus und Antisemitismus gerade auch in Deutschland auf die Frage nach der Bedeutung und Gestaltung von historischer Erinnerung in unserer Gesellschaft aus?

Darüber diskutieren in Frankfurt international renommierte Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler, Praktikerinnen und Praktiker der Erinnerungsarbeit in Gedenkstätten und Museen. Die Konferenz beginnt am Sonntag, 17. November, um 17 Uhr in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Frankfurt (Westendstraße 43, Gemeinderatssaal) mit einem Keynote-Vortrag von Prof. Aleida Assmann (Universität Konstanz) zum Thema „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Erinnerung“. Der Vortrag ist zugleich Teil des Programms der Jüdischen Kulturwochen. Am 18. und 19. November geht die Konferenz im Casino-Gebäude auf dem Campus Westend der Goethe-Universität weiter. Am Montagabend spricht Nadine Meyer (Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung) dort mit der Schriftstellerin und Publizistin Gila Lustiger über deren Sicht als gebürtige Frankfurterin, Schriftstellerin und Jüdin auf die Zukunft der Erinnerung an die Geschichte der Juden in Deutschland und an die Shoah.

Das Thema der Konferenz ist auch von großer Relevanz für das Kooperationsprojekt „Synagogen-Gedenkbuch Hessen“, das von der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität, der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland und dem Institut für Christlich-Jüdische Studien an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau gemeinsam initiiert wurde. Darin geht es um die umfassende Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte der jüdischen Gemeinden in Hessen und ihrer Synagogen, die in ein mehrbändiges Gedenkbuch münden soll.

Das Programm der Tagung ist nachzulesen unter https://www.uni-frankfurt.de/82874444/Buber_Programm_Konferenz_Die_Zukunft_der_Erinnerung.pdf

Für die Teilnahme an der Abendveranstaltung in der Jüdischen Gemeinde am Sonntag, den 17. November bitten wir um Anmeldung unter s.vogt@em.uni-frankfurt.de. Für die Teilnahme an den Veranstaltungen am Montag und Dienstag ist keine Anmeldung erforderlich.

Information und Anmeldung: Dr. Stefan Vogt, Koordinator des Projekts „Synagogengedenkbuch Hessen“, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, 0179-5281106 / s.vogt@em.uni-frankfurt.dehttps://www.uni-frankfurt.de/40998908/Profil

 

Nov 11 2019
13:03

Ein Informationsabend für Betroffene und Interessierte zu normaler und pathologischer Trauer und deren Behandlungsmöglichkeit. 

Vortrag: „Ab wann wird Trauer zur Krankheit?“

FRANKFURT. Das Thema Trauer ist vor allem zur jetzigen Jahreszeit besonders aktuell, so stehen im „Trauermonat“ November wieder assoziierte Feiertage an wie Allerheiligen oder Totensonntag. Die Erfahrung, dass ein geliebter Mensch stirbt, machen alle Menschen im Laufe ihres Lebens. Trauer wird meist sehr individuell erlebt, aber häufig berichten Betroffene zu Beginn von einer starken Sehnsucht nach der Verstorbenen Person. Diese nimmt jedoch nach einigen Wochen und Monaten ab und den Betroffenen fällt es leichter wieder in ihren Alltag zurückzufinden. Allerdings gibt es Menschen, die besonders lange und intensiv unter dem Verlust leiden und dadurch anhaltend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind. Die „Anhaltende Trauer“ wurde im Sommer 2018 erstmals als eigenständige Diagnose in die 11. Auflage der International Classification of Diseases aufgenommen. Leitsymptome sind eine intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person und die intensive Beschäftigung mit der Person, die unbehandelt jahrelang anhalten können. Repräsentative Umfragen haben gezeigt, dass etwa 7% der trauernden Personen in Deutschland unter einer Anhaltenden Trauerstörung leiden. Obwohl die Erkrankung somit relativ häufig auftritt, ist sie leider noch unter der Bevölkerung aber auch unter praktizierenden Behandlern noch relativ unbekannt und wird daher teilweise gar nicht oder nicht hilfreich behandelt.

Im Rahmen eines Informationsabends, der am Donnerstag, den 14.11.2019, von 18.00 bis 19.30 Uhr in den Räumlichkeiten des Zentrums für Psychotherapie stattfindet (Raum 408, 4. Stock, Varrentrappstraße 40-42, 60486 Frankfurt), erhalten Interessierte sowie Betroffene die Möglichkeit, sich allgemein über das Thema Trauer zu informieren. Neben einer allgemeinen Einführung werden mögliche Risikofaktoren, mögliche Folgen sowie auch Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Dabei soll auch näher auf eine mögliche Behandlung im Rahmen der Studie „PROGRID“ (die Abkürzung steht für „Prolonged Grief Disorder“, dem englischen Ausdruck für Anhaltende Trauerstörung) eingegangen werden. Der Vortrag wird von der Studienkoordinatorin M.Sc. Octavia Harrison gehalten. Sie behandelt auch selbst Betroffene im Rahmen der Studie.

Bereits seit 2017 ist das Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Teil einer bundesweiten, DFG-geförderten Studie, die zwei unterschiedliche, bereits als wirksam erwiesene Therapieansätze zur Behandlung der ATS untersucht (www.trauer-therapie.de). Bei beiden Therapieprogrammen handelt es sich um Einzeltherapien, die aus 20 wöchentlich stattfindenden Sitzungen bestehen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Die erste Behandlungsform konzentriert sich dabei insbesondere auf die Trauer selbst, während die zweite Behandlungsform insbesondere die durch Trauer verursachten Schwierigkeiten im Alltag näher betrachtet. Bisher konnten bereits einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Studie aufgenommen werden und erste Therapien erfolgreich abgeschlossen werden. „Wir freuen uns, dass ärztliche Kolleginnen und Kollegen Betroffene mittlerweile direkt zu uns verweisen und wir so einigen Betroffenen bereits haben weiterhelfen können. Dennoch ist pathologische Trauer vielen kein Begriff, so dass Betroffene länger auf der Suche nach einem passenden therapeutischen Angebot sind, was den Leidensdruck nur weiter erhöht“, berichtet Privatdozentin Dr. Regina Steil, Leiterin der Studie in Frankfurt, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität. „Aktuell sind wir sind weiterhin auf der Suche nach Teilnehmerinnen und Teilnehmern und hoffen so weiteren Betroffenen helfen zu können“. Gesucht werden weiterhin Betroffene aus dem Rhein-Main-Gebiet, die zwischen 18 und 75 Jahren alt sind und aktuell keine weitere Psychotherapie in Anspruch nehmen. Die Studie läuft bis 2021.

Kontaktperson für weitere Informationen und ein Erstgespräch ist M.Sc. Octavia Harrison, Studienkoordinatorin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie (harrison@psych.uni-frankfurt.de, 069 798 23973).

Für weitere Informationen und eine Anmeldung zum Vortrag wenden Sie sich bitte an M.Sc. Octavia Harrison, Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität, Tel. (069) 798 23973; harrison@psych.uni-frankfurt.de; www.trauer-therapie.de)

 

Nov 11 2019
10:20

Vortragsreihe der Scientists for Future Frankfurt am Main

Das Klimapaket – Zu wenig, zu langsam, zu spät?

FRANKFURT. Am 20. September 2019 hat die deutsche Bundesregierung den Beschluss ihres Klimakabinetts als Vorlage für ein Klimaschutzgesetz vorgestellt - das Klimapaket. Nach umfangreicher Kritik, aber auch Zustimmung, aus der Bevölkerung und der Wissenschaft sieht die Regionalgruppe Frankfurt der Scientists For Future erheblichen Klärungs- und Diskussionsbedarf. Auf welchen Grundlagen handelt die Bundesregierung? Was steht genau in dem verabschiedeten Beschluss? Wie ist der Beschluss im Kontext des aktuellen wissenschaftlichen Konsenses zu bewerten? Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen sind zielführend im Sinne des Abkommens von Paris und wo ist es geboten nachzubessern?

Um diese und weitere Fragen zu klären, laden die Scientists for Future Frankfurt am Main herzlich ein zur Vortragsreihe „Das Klimapaket – Zu wenig, zu langsam, zu spät? Analysen und Diskussionen“. Der Eröffnungsvortrag findet am 13. November um 19.00 Uhr im Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (Georg- Voigt-Straße 14) statt. Zum Thema “Herausforderung Klimawandel: Grundlagen, Folgen, Maßnahmen“ spricht Prof. Dr. Joachim Curtius von der Goethe-Universität Frankfurt. Im Anschluss finden im wöchentlichen Turnus weitere Vorträge zu den Themen Energiewirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft, Gebäudeeffizienz und CO2-Bepreisung statt.

Weitere Informationen: https://wechange.de/project/scientists-for-future-frankfurt-am-main/

Kontakt: Dr. Georg S. Völker, Scientists for Future Frankfurt am Main. Tel.: 069 - 798 40260; voelker@iau.uni-frankfurt.de   

 

Nov 8 2019
11:57

Geschlechtsspezifische Prozesse bei Schizophrenie und Bipolarer Störung

Kleine RNAs verbinden Immunsystem und Gehirnzellen

FRANKFURT. Seit kurzem erst weiß man von der hohen genetischen Ähnlichkeit der psychiatrischen Erkrankungen Schizophrenie und Bipolare Störung, deren krankheitsspezifische Veränderungen in Gehirnzellen mehr als 70 Prozent Überschneidung zeigen. Dies betrifft vor allem die Expression von Genen, das heißt, deren Ablesen zum Zweck der Übersetzung in funktionelle Proteine. Eine Studie, die in Kooperation zwischen dem Institut für Pharmakologie und klinische Pharmazie der Goethe-Universität (Prof. Jochen Klein) und dem Institut für Neurowissenschaften der Universität Jerusalem (Prof. Hermona Soreq) entstanden ist, zeigt nun geschlechtsspezifische Unterschiede bei diesen Veränderungen auf. Ebenfalls verändert sind zelluläre Kontrollmechanismen auf der Basis von kurzen, körpereigenen Nukleinsäureketten.

Eine besondere Rolle spielen microRNAs, eine spezielle Gruppe dieser kleinen Nukleinsäuremoleküle, die für eine umfassende Kontrolle der Genexpression in allen menschlichen Zellen bekannt sind. Ist ein Gen das Ziel einer solchen microRNA, kann dies zu einer deutlichen Einschränkung seiner Expression führen. „Das Problem hierbei ist die enorme Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten“, sagt Sebastian Lobentanzer, der Erstautor der Publikation, die in der Zeitschrift Cell Reports erschienen ist. „Der Mensch besitzt etwa 2500 solcher microRNAs, und eine einzige kann hunderte, vielleicht sogar tausende Gene beeinflussen.“ 

Aus diesem Grund untersuchten die Wissenschaftler sowohl die Genexpression in den Gehirnen von Patienten als auch menschliche Nervenzellen in Zellkultur mit einer Kombination aus RNA-Sequenzierung und Bioinformatik. Dabei fiel auf, dass sich die Expression von Genen des Immunsystems bei Männern und Frauen unterscheidet, vor allem in Bezug auf Zytokine, die Botenstoffe der Immunzellen. Im Zellkulturversuch an männlichen und weiblichen neuronalen Zellen verwendeten die Forscher Substanzen aus dieser Klasse und stellten eine Wandlung der Nervenzellen zu Neuronen cholinergen Typs fest (eine Klasse von Nervenzellen, die den Neurotransmitter „Acetylcholin“ verwendet). 

Durch die Sequenzierung der microRNAs zu mehreren Zeitpunkten während dieses Prozesses konnte daraufhin ein umfängliches Bild der microRNA-Schnittstelle zwischen Immunsystem und Nervenzelle erstellt werden. Die Wissenschaftler identifizierten 17 teils geschlechtsabhängig beteiligte Familien von microRNAs und erstellten ein umfassendes Netzwerk mit 12495 beeinflussten Genen. Durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren wurden die einflussreichsten dieser microRNA-Familien bestimmt und in dezidierten Versuchen bestätigt. So wurden die beiden geschlechtsspezifisch exprimierten Familien mir-10 und mir-199 als Schnittstelle zwischen Zytokinen und cholinergen Funktionen identifiziert. 

Psychiatrische Erkrankungen sind aufgrund ihrer hohen genetischen Komplexität und ihrer Unzugänglichkeit für herkömmliche Therapieformen ein wichtiges Feld für neue Therapieansätze. Die vorliegende Studie zeigt einerseits zelluläre Parallelen zu den schon lange bekannten, aber bislang unerklärten klinischen Unterschieden zwischen erkrankten Männern und Frauen auf. Andererseits könnten Mechanismen auf der Basis von kleinen RNA-Molekülen neue Wege weisen, indem sie eine Vielzahl krankheitsrelevanter Gene beeinflussen – ein vielversprechender Ansatz auf der Suche nach Alternativen zu traditionellen Psychopharmaka. „Studien wie die unsere, die eine Darstellung aller Interaktionen der microRNAs erst möglich macht, sind der erste Schritt auf dem Weg zur Entwicklung neuer Arzneistoffe“, so Lobentanzer.

Publikation: Lobentanzer S, Hanin G, Klein J & Soreq H (2019). Integrative Transcriptomics Reveals Sexually Dimorphic Control of the Cholinergic/Neurokine Interface in Schizophrenia and Bipolar Disorder. CellReports. ElsevierCompany. 1–19. doi: 10.1016/j.celrep.2019.09.017. 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/83258617 

Bildtext: Die Abbildung zeigt das Netzwerk aus 212 microRNAs und den 12495 durch sie regulierten Genen, dekonstruiert zu vier Feldern nach ihren geschlechtsabhängigen Veränderungen. (Copyright: Sebastian Lobentanzer) 

Informationen: Sebastian Lobentanzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter; Prof. Dr. Jochen Klein; Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie, Campus Riedberg; lobentanzer@em.uni-frankfurt.de, klein@em.uni-frankfurt.de. https://slobentanzer.github.io/cholinergic-neurokine.

 

Nov 7 2019
13:21

Wissenschaftler von Goethe-Universität und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung erstellen Karten zum Zika-Infektionsrisiko

Wie sich das Zika-Virus verbreiten könnte

FRANKFURT. Es hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie sich Infektionskrankheiten wie das Zika-Virus verbreiten. Umweltfaktoren spielen ebenso eine Rolle wie sozioökonomische Faktoren. In jüngster Zeit gab es mehrere Versuche, das Übertragungsrisiko des Zika-Virus auf globaler oder lokaler Ebene vorherzusagen, doch sind die räumlichen und zeitlichen Muster der Übertragung noch nicht sehr gut verstanden. Nun konnten Forscher der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt verlässliche Karten des Zika-Infektionsrisikos für Südamerika erstellen. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „PeerJ“ erschienen. Basierend auf den Modellen für Südamerika nutzten sie die Methode, um das Zika-Risiko auch für Europa zu bestimmen. 

In den allermeisten Fällen übertragen Mücken der Gattung Aedes das Zika-Virus auf den Menschen, wenn sie ihn stechen. Als Hauptvektoren gelten die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Beide Stechmückenarten sind in Südamerika weit verbreitet. In Europa kommt die Gelbfiebermücke fast nicht vor, die asiatische Tigermücke ist hingegen im Mittelmeergebiet sehr weit verbreitet. 

„Mit unseren neuen Modellierungsansätzen können wir einerseits die Risikogebiete für Zika-Infektionen in Lateinamerika aufzeigen“, sagt Sven Klimpel, Professor für Parasitologie und Infektionsbiologie an der Frankfurter Goethe-Universität und am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Außerdem sind wir anhand der Modelle nun auch in der Lage, Zika-Risikogebiete für Europa darzustellen. Unsere Modelle bilden zum Beispiel auch die beiden autochthonen Fälle in Südfrankreich im Département Var ab (s. Abbildung).“ Ende Oktober meldeten französische Behörden den ersten Zika-Fall in Europa, etwa eine Woche später wurde ein zweiter Fall publik. 

In Südamerika ist das Zika-Infektionsrisiko den Berechnungen zufolge an der brasilianischen Ostküste sowie in Mittelamerika am höchsten. Für das Amazonas-Gebiet ist das Risiko moderat, die niedrigsten Werte finden sich in den südlichen Gebieten des Kontinents. Die folgenden Länder sind gemäß dem Modell besonders betroffen: Brasilien, Kolumbien, Kuba, die Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Jamaika, Mexiko, Puerto Rico und Venezuela. In Europa ist die Möglichkeit einer Infektion vor allem in den Gebieten am Mittelmeer gegeben, sie besteht jedoch auch im französischen Inland und den baden-württembergischen Rhein-Gebieten. 

Um das Infektionsrisiko in einem bestimmten Gebiet zu bestimmen, modellierten die Forscher um Dr. Sarah Cunze und Prof. Dr. Sven Klimpel die potenzielle Verbreitung der beiden Stechmückenarten. Weil die Mücken das Zika-Virus aber nur übertragen können, wenn das Zika-Virus in einer Region überhaupt vorkommt, schlossen die Forscher eine sogenannte Evidence Consensus Karte in ihr Risikomodell ein. Die Karte kategorisiert auf regionaler Ebene die Anzahl der gemeldeten Zika-Erkrankungen. Zudem banden sie die durchschnittliche Temperatur des wärmsten Quartals in das Modell mit ein, da die Temperatur entscheidenden Einfluss darauf hat, ob sich das Virus in der Stechmücke halten und vervielfältigen kann. Und schließlich nahmen die Wissenschaftler noch sozioökonomische Faktoren wie die Bevölkerungsdichte (je höher, desto höher das Übertragungsrisiko) und das Bruttoinlandsprodukt (je höher, desto niedriger das Übertragungsrisiko) hinzu. 

Publikation: Cunze S, Kochmann J, Koch LK, Genthner E, Klimpel S. 2019. Vector distribution and transmission risk of the Zika virus in South and Central America. PeerJ 7:e7920 DOI 10.7717/peerj.7920 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/83225123 

Bildtexte: 

Abbildung 1: Korrelativer Ansatz zur Modellierung der Gebiete mit erhöhtem Zika-Infektionsrisiko in Südamerika. In die Modellierung fließen neben der modellierten Verbreitung der beiden Hauptvektorarten (Aedes aegypti a1 und Ae. albopictus a2) die mittlere Temperatur des wärmsten Quartals (b), die Verbreitung des Zika-Virus (c) und des Dengue-Virus (e), die Bevölkerungsdichte (f) und das Brutto-Inlandsprodukt mit ein. 

Abbildung 2: Modelliertes Risiko, sich mit dem Zika-Virus zu infizieren, für Südamerika. 

Abbildung 3: Gebiete, in denen eine autochtone Übertragung des Zika-Virus durch den Stich einer infizierten Tigermücke möglich ist, da die Temperaturbedingungen geeignet sind (rote Bereiche) und die Tigermücke bereits als vektorkompetente Art vorkommt (schraffierte Bereiche). 

Informationen: Prof. Dr. Sven Klimpel, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich 15 (Biowissenschaften), Campus Riedberg, Telefon 069 798-42237, E-Mail klimpel@bio.uni-frankfurt.de

 

Nov 7 2019
10:13

Studie an der Goethe-Universität zeigt: Kommunikation der EZB hat einen starken Einfluss auf Finanzmärkte

Wie Wortwahl der EZB den Finanzmarkt beeinflusst

FRANKFURT. Acht Mal im Jahr legt die Europäische Zentralbank(EZB) den Leitzins fest und verkündet diesen mittels Pressemitteilung und Pressekonferenz. Eine Studie von Professor Christian Wagner (Wirtschaftsuniversität Wien, WU) und Professor Maik Schmeling (Goethe-Universität Frankfurt) zeigt, dass nicht nur der Leitzins an sich, sondern auch die Art und Weise der Kommunikation der EZB Auswirkungen auf den Finanzmarkt haben. 

Die wichtigste Aufgabe der EZB besteht darin, stabile Preise im Euroraum zu gewährleisten, indem sie größere Schwankungen im Geldwert vermeidet und die Inflationsrate nahe zwei Prozent hält. Dafür braucht sie unter anderem den Leitzins, der sowohl die Basis für Transaktionen im Finanzmarkt abgibt als auch die Konditionen für Sparen und Kredite bildet. Senkt die EZB den Leitzins, dann wird Sparen weniger attraktiv, Kredite hingegen werden günstiger. Etwa alle sechs Wochen legt die EZB den aktuellen Leitzins fest und veröffentlicht ihre Zinsentscheidung um 13:45 Uhr in einer kurzen Mitteilung. Um 14:15 Uhr folgt dann eine Pressekonferenz, in der die Zentralbank die Zinsentscheidung begründet und auch ihre Einschätzung zu weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen erläutert. 

In einem aktuellen Forschungsprojekt haben Christian Wagner (WU Wien) und Maik Schmeling von der Goethe-Universität untersucht, ob sich die Art, wie die EZB ihre Geldpolitik kommuniziert, auch in den Preisen von Vermögenspreisen wie z.B. Aktien widerspiegelt. Dabei kam heraus: Wenn der „Ton“ der EZB sich ändert, hat dies einen signifikanten Effekt auf die Preise von Finanzinstrumenten. Formuliert die EZB positiver, dann steigen die Kurse von Aktienindizes, gleichzeitig fallen die Preise von Derivaten, die zur Risikoabsicherung dienen. „Eine positivere Wortwahl scheint die Risikobereitschaft von Markteilnehmern und -teilnehmerinnen zu erhöhen und somit zu steigenden Aktienkursen zu führen“, so Maik Schmeling von der Goethe-Universität. Die Autoren konnten außerdem zeigen, dass ein optimistischerer Ton der EZB ein Indikator für günstigere wirtschaftliche Entwicklungen ist. Anhand der Tonänderungen ließen sich künftige Leitzinsänderungen prognostizieren, d.h. aus der Art und Weise, wie die EZB mit dem Markt kommuniziert, könnten Rückschlüsse auf ihre künftige Zinspolitik gezogen werden. 

Insbesondere mit Blick auf das Agieren von Zentralbanken sind die Studienergebnisse relevant, weil sie zeigen, dass Notenbanker durch ihre Wortwahl die Erwartungen und die Risikobereitschaft von Akteuren am Markt beeinflussen können. Die Kommunikation einer Zentralbank stellt somit ein eigenständiges Instrument der Geldpolitik dar. Für Marktteilnehmer und -teilnehmerinnen bedeuten unsere Ergebnisse, dass ein genaues Hinhören beim Ton der EZB zusätzliche Anhaltspunkte für Anlage- und Finanzierungsentscheidungen geben kann. Die Studienautoren analysierten den Ton der EZB und generierten eine Zeitreihe von Ton-Änderungen, jeweils von einer Pressekonferenz zur nächsten. Dadurch konnte man sehen, wie sich die Kurse von Aktienindizes und die Preise anderer Finanzinstrumente mit dem Ton der EZB ändern. Für ihre Analyse nutzten Wagner und Schmerling hochfrequente Kursdaten, die im 1-Minuten-Intervall zur Verfügung standen. So konnten sie die Preisentwicklungen genau ab Beginn der Pressekonferenz verfolgen. Außerdem kontrollierten die Autoren in ihrer Analyse die Höhe der Leitzinsänderung und andere „hard facts“, die im Zuge der Pressekonferenz veröffentlicht werden, wie z. B. Wachstums-und Inflationsprognosen. 

Maik Schmeling ist seit Mai 2018 Professor für Finance am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Vorher war er von 2013 bis 2018 Professor of Finance an der Cass Business School, City, University of London. In seiner Forschung beschäftigt sich Maik Schmeling mit verschiedenen Fragestellungen im Bereich internationaler Finanzmärkte, z.B. Risikoprämien auf Devisen- und Geldmärkten, dem Zusammenhang von Geldpolitik und Assetpreisen und der Erwartungsbildung auf Finanzmärkten. Schmeling publiziert in international renommierten Zeitschriften wie dem „Journal of Finance“, dem „Journal of Financial Economics“ oder der „Review of Financial Studies“. 

Publikation: Schmeling, Maik and Wagner, Christian, Does Central Bank Tone Move Asset Prices? (October 23, 2019). Abrufbar unter: https://ssrn.com/abstract=2629978 or http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.2629978

Informationen: Maik Schmeling, Professor für Finance, Abteilung Finanzen, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, schmeling@finance.uni-frankfurt.de

 

Nov 4 2019
14:26

Frankfurter Bürgeruniversität widmet sich am 11. November der Frage, wie ein zeitgemäßes Gedenken für mehr Demokratie aussehen könnte

Was wird aus der Paulskirche? 

FRANKFURT. Sie gilt als „Wiege der Demokratie“: In der Frankfurter Paulskirche verabschiedete die Nationalversammlung im Jahr 1849 die erste demokratische Verfassung Deutschlands. Und auch in jüngerer Zeit ist ihr Name mit Aufklärung und Emanzipation verbunden: hier werden u.a. der Theodor-W.-Adorno-Preis und der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Daran anknüpfend und mit Blick auf die für 2023 anstehende 175-Jahr-Feier der Revolution von 1848 mehren sich die Stimmen, die fordern, das symbol- und geschichtsträchtige Monument noch enger mit dem deutschen Demokratiegedenken zu verknüpfen: „Warum hat Deutschland nicht den Ehrgeiz, die Paulskirche zu einer modernen Erinnerungsstätte für die Demokratie zu machen?“, fragt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und plädiert für einen „Ort, der an Revolution, Parlamentarismus und Grundrechte nicht nur museal erinnert, sondern zu einem Erlebnisort wird, der Wissen, Bildung und Debatte verbindet“. 

Die Podiumsdiskussion „Neue alte Paulskirche – Demokratische Debatten in der Stadt“ am 11. November 2019 um 19.30 Uhr im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main behandelt den kürzlich begonnenen partizipativen Dialog zur Zukunft der Paulskirche als Demokratiezentrum und geht der Frage nach, ob dieser als Beispiel für Teilhabe und eine konstruktive Streitkultur in der Demokratie dienen kann.

Auf dem Podium diskutieren: Peter Feldmann (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt), Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal (DAM), Prof. Dr. Brigitte Geißel (Politikwissenschaftlerin, Goethe-Universität) und Prof. Dr. Carsten Ruhl (Kunsthistoriker, Goethe-Universität). Die Moderation übernimmt Rebecca C. Schmidt (Geschäftsführerin Zentrum Normative Ordnungen). 

Die Abschlussveranstaltung der Reihe zum Thema „Making Crises Visible – Krise der Demokratie“ findet am 10. Februar 2020 in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Arthur-von-Weinberg-Haus (Hörsaal), Robert-Mayer-Straße 2, 60325 Frankfurt am Main statt. 

Die dreiteilige Reihe im Rahmen der Frankfurter Bürgeruniversität ist eine Kooperation der Goethe-Universität und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main.

Weitere Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de

 

Okt 31 2019
15:45

Die Völkerrechtlerin Anne Peters referiert am 4. und 5. November 2019 bei den Frankfurt Lectures des Forschungsverbundes Normative Ordnungen über die „post-humanistische Konstellation“

Rechte für Tiere, Pflichten für Künstliche Intelligenz

FRANKFURT. Unser Erdzeitalter wird mittlerweile auch als „Anthropozän“ bezeichnet, als eine Gegenwart, die maßgeblich geprägt ist von menschlichen Eingriffen in Natur und Umwelt und deren Technisierung. Dass diesem Handeln Grenzen gesetzt werden müssen, wird immer offensichtlicher. Wichtige Impulse kommen dabei aus der rechtswissenschaftlichen Forschung. Zu den profiliertesten Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet gehört Anne Peters vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Die Professorin hält die kommenden Frankfurt Lectures des Forschungsverbundes Normative Ordnungen an der Goethe-Universität zum Thema „Rechte, Pflichten und Verantwortung in der post-humanistischen Konstellation“ am 4. und 5. November 2019, jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum, HZ3, auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Bezogen auf das gemeinsame Dachthema bestehen die Frankfurt Lectures aus zwei aufeinander aufbauenden Vorlesungen. Gemeinsam ist ihnen der Befund, dass die Grenzen zwischen Tier, Mensch und Maschine zunehmend verschwimmen und der Vorrang des Menschen, der im Begriff ist, den Planeten zu zerstören, hinterfragt wird. In dieser Konstellation könnte es sinnvoll und geboten sein, Tieren, Bergen, Flüssen und Wäldern Rechte zuzusprechen, wie Gerichte in Lateinamerika und Indien es bereits tun. Was aber sind die praktischen Konsequenzen für unseren Umgang mit der Natur und mit Tieren, insbesondere jenen, die wir milliardenfach ausbeuten und töten? Und sollten wir auf der anderen Seite, intelligenten Maschinen Rechtspflichten auferlegen? Könnte sich beispielsweise eine unbemannte Drohne selbst strafbar machen, wenn sie das humanitäre Völkerrecht verletzt? Alles in allem geht es um die grundsätzliche Überlegung, ob wir eine neue Rechtsgemeinschaft gründen müssen, in der Menschen, Tiere und auch Cyborgs Platz haben.

Prof. Dr. iur. Anne Peters, LL.M. (Harvard) ist Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg, einer Partnereinrichtung des Forschungsverbunds Normative Ordnungen, Titularprofessorin an der Universität Basel, Honorarprofessorin an der Universität Heidelberg und der FU Berlin sowie William W. Cook Global Law Professor an der Michigan Law School. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Völkerrecht, insbesondere seine Konstitutionalisierung und Geschichte, globales Tierrecht, global governance sowie der Status des Menschen im Völkerrecht.

Begonnen haben die Frankfurt Lectures des Forschungsverbundes Normative Ordnungen im Wintersemester 2009/2010. Zu den bisherigen Vortragenden gehörten Philip Pettit, der an der Princeton University Philosophie und Politische Theorie lehrt, R. Jay Wallace, Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley, und Liam B. Murphy, Professor für Recht und Philosophie an der New York University. Ebenfalls Frankfurt Lecturer waren Martti Koskenniemi, Völkerrechtler an der Universität Helsinki und Ehrendoktor der Goethe-Universität, sowie Charles Larmore, Professor für Philosophie an der Brown University (Rhode Island, USA). Seine Lectures sind in der Schriftenreihe „Frankfurter Vorlesungen“ unter dem Titel „Vernunft und Subjektivität“ im Suhrkamp Verlag erschienen.

Frankfurt Lectures im Wintersemester 2019/2020
Anne Peters: Rechte, Pflichten und Verantwortung in der post-humanistischen Konstellation 

Montag, 4. November 209, Lecture I: Rechte der Tiere und der Natur 
Dienstag, 5. November 2019, Lecture II: Pflichten, Verantwortung und künstliche Intelligenz 

Jeweils 18.15 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ 3
Der Eintritt ist frei, die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen.

Kontakt:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net www.normativeorders.net/de/

 

Okt 30 2019
12:35

Neue Lecture & Film-Reihe des Forschungsverbundes Normative Ordnungen und der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität mit Werken des Regisseurs Jia Zhangke startet am 31. Oktober

Filmische Seismogramme der chinesischen Transformation

FRANKFURT. Die aktuelle Lecture & Film-Reihe des Forschungsverbundes Normative Ordnungen und der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität widmet sich dem Werk des chinesischen Regisseurs Jia Zhangke. Seine Filme sind Seismogramme der atemberaubenden Wandlungsprozesse in China, in deren Verlauf der am Ende der Kulturrevolution zerschundene, teilindustrialisierte Agrarstaat binnen vier Jahrzehnten zur hoch technisierten zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufstieg.

Jia Zhangke gilt als der bedeutendste chinesische Regisseur der Gegenwart. Dem rasanten Tempo des gesellschaftlichen Umbruchs setzen seine Filme einen genauen Blick und einen geduldigen Rhythmus entgegen; auf heroische Zukunftsrhetorik antworten sie mit einem Sinn für die Abbrüche und Abgründe alltäglicher Geschichten. Auf den großen Festivals der Welt vielfach ausgezeichnet, zeigen sie zugleich dem Kino als Kunstform neue Möglichkeiten auf.

Die Reihe mit dem Titel „Jia Zhangke: Kino der Transformation“ startet in diesem Wintersemester und wird im kommenden Sommersemester fortgesetzt. Die einzelnen Termine bestehen aus Filmvorführungen und Vorträgen. Namhafte Kennerinnen und Kenner behandeln alle Facetten von den großen Spielfilmen über die dokumentarischen Arbeiten bis zu den Kurzfilmen. Zum Auftakt am 31. Oktober spricht Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen.

„Jia Zhangke: Kino der Transformation“ wird durchgeführt vom Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen an der Goethe-Universität und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ in Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie und dem Konfuzius Institut Frankfurt.

Die Reihe findet im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum statt (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main). Eintritt: 5 €. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter: 069 / 961 220-220.

Die Termine des Wintersemesters im Überblick: 

31. Oktober 2019, 20.15 Uhr: Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Das filmische Gedächtnis der Stadt: I WISH I KNEW (Vortrag in dt. Sprache)
Film: I WISH I KNEW, VR China 2010, 138 Min. 

7. November 2019, 20.15 Uhr: Daniel Fairfax (Frankfurt)
Die Anfänge eines auteur: Jia Zhangkes XIAOSHAN GOING HOME (Vortrag in engl. Sprache)
Film: XIAOSHAN GOING HOME, VR China 1995, 59 Min. 

28. November 2019, 20.15 Uhr: Dudley Andrew (New Haven)
Aufwachsen in THE WORLD (Vortrag in engl. Sprache)
Film: THE WORLD, VR China 2004, 85 Min. 

12. Dezember 2019, 20.15 Uhr: Dai Jinhua (Peking)
TBA (Vortrag in Mandarin mit Übersetzung)
Film: DONG, VR China 2010, 70 Min. 

16. Januar 2020, 20.15 Uhr: Chris Berry (London)
Jia Zhangkes Gedächtnisprojekt 24 CITY: Vom Umschreiben der Geschichte zu einem Umdenken in der Geschichtsschreibung (Vortrag in engl. Sprache)
Film: 24 CITY, VR China 2007, 102 Min. 

23. Januar 2020, 20.15 Uhr: Cecilia Mello (São Paulo)
Autorschaft und Hypermedialität in PLATFORM (Vortrag in engl. Sprache)
Film: PLATFORM, VR China 2000, 183 Min.

6. Februar 2020, 20.15 Uhr: Winnie Yee (Hongkong)
Entzauberung und Wieder-Verzauberung in Ruinenlandschaften: Jia Zhangkes experimentelles chinesisches Großstadtkino (Vortrag in engl. Sprache)
Film: A TOUCH OF SIN, VR China 2013, 143 Min. 

13. Februar 2020, 20.15 Uhr:
An Evening with Jia Zhangke / Ein Abend mit Jia Zhangke (angefragt)

Details zum Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/lecture-film

Informationen: Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft & Forschungsverbund Normative Ordnungen, Tel. 069/798-32079: hediger@tfm.uni-frankfurt.de, www.tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2019
11:26

Lektorat Niederländisch der Goethe-Uni rückt in ihrer Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Literatur“ die Übersetzungsleistung ins Deutsche ins Licht 

Ohne Übersetzung keine Weltliteratur

FRANKFURT. Dass es ohne Übersetzungen keine Weltliteratur geben würde, wurde bei der Eröffnung der diesjährigen Buchmesse noch mal betont. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber erst allmählich bekommen die literarischen Übersetzer und Übersetzerinnen auch die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. Das Programm der Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Kultur“ rückt in diesem Semester die Übersetzerinnen und Übersetzer der niederländischen Literatur ins rechte Licht. 

Am 7. November, um 19 Uhr im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812 gehen zwei erfahrene literarische Übersetzerinnen miteinander ins Gespräch: Die preisgekrönte Bettina Bach, Übersetzerin (Else-Otten-Preis 2014) so namhafter niederländischer Autoren wie Jan Siebelink, Marente de Moor, Mano Bouzamour und Tommy Wieringa, wird an jenem Abend tiefer auf die Übersetzung des außergewöhnlichen Romans „Santa Rita“ von Tommy Wieringa eingehen. Die in Prag geborene Eva Profousová wiederum, mehrfach preisgekrönte Übersetzerin aus dem Tschechischen von zeitgenössischen Autoren wie u.a. Radka Denemarková und Jáchim Topol, wird auf die Herausforderung, einen Roman wie „Ein empfindsamer Mensch“ ins Deutsche zu übertragen, eingehen. Diese Veranstaltung wird auch von der Weltlesebühne, einem eingetragenen Verein, der sich für die Sichtbarmachung der Literaturübersetzer einsetzt, unterstützt.

Am 21. November, um 19 Uhr im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812 liest der flämische Schriftsteller Jonathan Robijn (Jahrgang 1970) aus seinem 2019 beim Nautilus Verlag auf Deutsch erschienenen Roman „Kongo Blues“ vor. Die Lesung ist zweisprachig. „Kongo Blues“ ist ein leiser, aber spannender Roman, der im Brüssel der achtziger Jahre spielt. Die Hauptperson Morgan ist ein farbiger Jazzmusiker mit afrikanischen Wurzeln. Seine genaue Herkunft kennt er nicht, da er als kleiner Junge von einem kinderlosen belgischen Ehepaar adoptiert wurde. Allmählich löst sich für ihn, und damit auch für den Leser, seine Vergangenheit aus den Nebeln der kolonialen belgischen Geschichte, und zwar durch die rätselhafte Erscheinung einer jungen Frau namens Simona, die nach einiger Zeit ebenso mysteriös wieder aus seinem Leben verschwindet. Der Autor, der viele Jahre für die Organisation Ärzte ohne Grenzen tätig war, fand den Stoff für diese Geschichte während eines Einsatzes in Burundi.

Der niederländische Autor Martin Michael Driessen (Jahrgang 1954), dessen drei Erzählungen „Rivieren“ vor kurzem unter dem Titel „An den Flüssen“ beim Wagenbach Verlag auf Deutsch erschienen sind, kommt zusammen mit seinem Übersetzer Gerd Busse (u.a. bekannt von der Übersetzung von J.J. Voskuils siebenteiligem Werk „Das Büro“) am 4. Dezember, um 19 Uhr, ins Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.801 (Renate von Metzler-Saal) der Goethe-Universität. Zusammen werden sie deutsche und niederländische Auszüge aus den Erzählungen lesen und miteinander über die Übersetzung ins Gespräch gehen.

In „An den Flüssen“ schlängelt sich durch jede Erzählung ein Fluss wie ein roter Faden und ist mal Symbol für Bewegung, mal für Abgrenzung. Die Landschaften, die durchquert werden, liegen in Frankreich und in Deutschland. Aber auch Epochen werden durchquert. Driessen war als Regisseur an zahlreichen deutschen Theaterhäusern tätig und hat selber viele Stücke übersetzt. Seine langjährige Beschäftigung mit Literatur findet ihren Niederschlag in einer zeitlosen, fast archaischen Sprache, allgemein menschlichen, zeitlosen Themen, einem souveränen Stil und einer genauen Komposition der Geschichten. Die Erzählungen sind so formvollendet, dass sie wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. Diese Veranstaltung ist Teil des Programms der „Kleine Fächer“-Wochen.

Alle Veranstaltungen sind frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Information: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich 10, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Telefon 069 798-32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch 

Den Veranstaltungsflyer zum Download finden Sie unter: http://uni-frankfurt.de/83002499

 

Okt 28 2019
15:09

Workshop mit Dagmar Brunow (Linnaeus Universität, Schweden) der Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP) an der Goethe-Uni befasst sich mit dem Werk John Akomfrahs

Migration, Film und Gedächtnis 

FRANKFURT. Migration, Film und Gedächtnis sind Thema eines Workshops mit der schwedischen Filmwissenschaftlerin Dagmar Brunow (Linnaeus Universität), der am 7. November von 14 bis 18 Uhr in Raum 1.414 im IG-Farben-Haus (Campus Westend) stattfindet. Veranstaltet wird der Workshop mit dem Titel „Mining the Archive of Migration: John Akomfrah's Audiovisual Memory Work" gemeinsam von der Frankfurt Memory Studies Platform an der Goethe-Universität und der Studiengalerie. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Erinnerung an Kolonialerfahrung und Migration wird immer wieder auch im Film verhandelt. Aber was passiert, wenn dokumentarisches Filmmaterial nicht vorhanden ist oder aus der Perspektive von Kolonisatoren und ‚Mehrheitsgesellschaft' erstellt wurde? In diesem Workshop soll diskutiert werden, wie der britisch-ghanaische Künstler John Akomfrah sich dieser Frage in den 1980er Jahren im Kontext des Black Audio Film Collective widmete. „Dieser Workshop bringt Studierende und Forschende aus den Postcolonial Studies, den Curatorial Studies und den Filmwissenschaften zusammen“, sagt Prof. Astrid Erll, Leiterin der Frankfurt Memory Studies Platform. „Wir fragen, wie Migration in Medien und Archiven dargestellt und erinnert wird. Das ist nicht zuletzt angesichts der aktuellen Formen von Flucht und Vertreibung weltweit ein wichtiges Thema.“

Im Zentrum des Workshops steht John Akomfrahs Film „Expeditions 1 – Signs of Empire“ aus dem Jahr 1983, der bereits vergangenes Semester in der Studiengalerie gezeigt wurde und aus Anlass des Workshops am 7. November von 10 bis 14 dort noch einmal zu sehen sein wird (http://studiengalerie.uni-frankfurt.de/home.html). Antje Krause-Wahl (Vertretung der Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Zeitgenössische Kunst), die die Studiengalerie leitet, gibt zu Beginn der Veranstaltung unter dem Titel „Displaying Sings of Empire" einen kurzen Rückblick auf die Herausforderungen, die damit verbunden sind, Akomfrahs filmisches Werk auszustellen.

Dagmar Brunow ist Associate Professor für Filmstudien an der Linnaeus Universität in Schweden. Zu ihren Publikationen gehören Remediating Transcultural Memory (2015) und Stuart Hall – Aktivismus, Pop und Politik (2015).

Über FMSP
Die Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP) ist eine Initiative des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften (FzHG). Sie wurde 2011 von Prof. Astrid Erll gegründet. FMSP führt Gedächtnisforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt in einem interdisziplinären Forum zusammen. Die Mitglieder kommen aus den Literatur-, Medien- und Geschichtswissenschaften, aus der Soziologie und der Psychologie.

Information und Anmeldung: Prof. Dr. Astrid Erll, IEAS, Fachbereich 10, Campus Westend, erll@em.uni-frankfurt.de, https://www.uni-frankfurt.de/76467309/Prof__Dr__Astrid_Erll. Mehr Informationen zur FMSP finden Sie hier: http://www.memorystudies-frankfurt.com/en.

 

Okt 28 2019
11:08

Bilanz und Ausblick nach 30 Jahren Mauerfall bei den nächsten Frankfurter Römerberggesprächen in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen am Samstag, den 2. November

Römerberggespräche: Was bleibt von 1989?

FRANKFURT. Nicht wenige glaubten damals an ein „Ende der Geschichte“ als Anfang einer Epoche weltweiter liberaler Demokratie. Heute scheint die Euphorie verflogen und fast schon einer Mutlosigkeit Platz gemacht zu haben. In dieser Situation klingt der Titel der kommenden Römerberggespräche geradezu wie ein Weckruf, und soll es wohl auch sein: „30 Jahre Mauerfall – Mehr Aufbruch wagen!“ heißt die öffentliche Veranstaltung am 2. November 2019 im Chagallsaal des Schauspiel Frankfurt, die auch dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen der Goethe-Universität stattfindet. Zwischen 10 und 18 Uhr stehen sieben Vorträge und zwei Podiumsdiskussionen auf dem Programm. Der Eintritt ist frei.

Im Jahr 1989 endete nicht nur eine Epoche der deutschen Geschichte. Auch der Ost-West-Gegensatz schien in der Folge glücklich überwunden, offene europäische Grenzen und Demokratisierung ehemaliger Diktaturen verhießen eine bessere Zukunft. Längst ist diese Aufbruchsstimmung einem politischen Kater gewichen. Innerhalb Europas sind neue Spaltungen entstanden, und auch global haben Mauern und Grenzen wieder Konjunktur. Sorgen um soziale Sicherheit, künftigen Wohlstand und ökologische Angstvisionen sind an die Stelle der 89er-Euphorie getreten. 

Die Römerberggespräche nehmen das Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass einer kritischen Bilanz der globalen Gegenwart: Wo verlaufen heute die großen Konfliktlinien und Gräben, und wo müsste 2019 ein vergleichbar mutiger Aufbruch in eine neue Epoche gewagt werden? 

Die begrüßenden Worte spricht Angela Dorn, hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Moderiert wird die Veranstaltung von Hadija Haruna-Oelker und Uwe Berndt. Zu den teilnehmenden Wissenschaftlern des kooperierenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes gehört Gunther Hellmann, Professur für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität mit den Schwerpunkten Außen- und Sicherheitspolitik. 

Hellmann ist Diskutant des Podiumsgesprächs „What happened to the Future of the Liberal International Order?“, zusammen mit Ivan Krastev und im Anschluss an dessen Vortrag „Making Sense of the Long 1989“. Der bulgarische Politikwissenschaftler ist Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien, wo er den Schwerpunkt „Die Zukunft der Demokratie“ leitet. Sowohl im Vortrag als auch in der anschließenden Diskussion geht es nicht zuletzt um die Frage, warum der Westen nach dem Gewinn des Kalten Krieges derart an politischer Strahlkraft verloren hat. Co-Moderatorin auf dem Podium ist Rebecca C. Schmidt, Geschäftsführerin der Normativen Ordnungen. 

Der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung erscheinen auf den ersten Blick als historisches Geschenk – und zwar insbesondere für den christdemokratischen Konservatismus. Mit diesem Aspekt befasst sich der Politikwissenschaftler Thomas Biebricher, Postdoktorand im Bereich Politische Theorie des Frankfurter Forschungsverbundes, in seinem Vortrag „1989 – Beginn einer geistig-moralischen Wende?“ Laut Biebricher waren die Auswirkungen der Einheit auf Christdemokratie und Konservatismus weniger eindeutig positiv, als man es angesichts dieser Konstellation vermuten durfte. So habe etwa die wiedergewonnene staatliche Souveränität neurechten Kräften Auftrieb gegeben. Auch sei dem christdemokratischen Konservatismus das Feindbild des realexistierenden Sozialismus verloren gegangen.

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.

Das Programm im Überblick: 

10.00 Uhr
Begrüßung: Angela Dorn (Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst) 

10.15 Uhr
Ivan Krastev: Making Sense of the Long 1989 (in englischer Sprache) 

11.00 Uhr
Eine Diskussion mit Gunther Hellmann und Ivan Krastev (moderiert von Rebecca C. Schmidt und Uwe Berndt): What happened to the Future of the Liberal International Order? 

12.00 Uhr
Thomas Biebricher: 1989 – Beginn einer geistig-moralischen Wende? 

13.00 Uhr Mittagspause 

14.00 Uhr
Steffen Mau: Die gebrochene Gesellschaft – Ressentiments und Systemskepsis in Ostdeutschland 

14.50 Uhr
Patrice G. Poutrus: Für eine Ostdeutschland-Erzählung, jenseits von Opfermythen und Menschenfeindlichkeit 

15.10 Uhr
Manuela Bojadžijev: Gefährliche Konjunkturen. Der Osten, Migration und ein Verständnis von Ausgrenzung und Zugehörigkeit 

15.30 Uhr
Eine Diskussion mit Manuela Bojadžijev und Patrice G. Poutrus 

16.00 Uhr
Jana Hensel: Warum alles anders bleibt 

17.00 Uhr
Stephan Lessenich: Das Leben der Anderen: Solidarität neu denken

Details zum Programm: www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net/de/roemerberggespraeche 

Informationen: Ingrid Rudolph, Koordinatorin der Römerberggespräche, Tel.: 0 160 9035 6876 Ingrid.rudolph@roemerberggespräche-ffm.de Bernd Frye, Pressereferent des Forschungsverbundes, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

 

Okt 25 2019
12:40

Martin-Buber-Vorlesung am 31. Oktober befasst sich mit dem Wirken des Religionsphilosophen in seiner Frankfurter Zeit

30 Jahre Martin-Buber-Professur

FRANKFURT. Vor 30 Jahren wurde die nach Martin Buber benannte Professur für Jüdische Religionsphilosophie ins Leben gerufen. Aus diesem Anlass spricht der gegenwärtige Inhaber, Prof. Christian Wiese, bei einer Jubiläumsveranstaltung im Rahmen der Martin-Buber-Vorlesung am Donnerstag, 31. Oktober, um 18 Uhr c.t. im Casino-Festsaal (Campus Westend) über das Leben und Wirken des großen Religionsphilosophen. Nach der Vorlesung sind die Gäste zum Empfang eingeladen.

„Biblischer Humanismus in dunkler Zeit: Martin Bubers Wirksamkeit in Frankfurt in der Weimarer Republik und in der Nazi-Zeit“, so lautet der Titel von Christian Wieses Vortrag. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Professur wird Wiese den unterschiedlichen Facetten des Wirkens Martin Bubers in Frankfurt vor seiner erzwungenen Emigration nach Palästina 1938 nachgehen und dabei über Grundelemente seines Nachdenkens über die biblische Fundierung von Humanität reflektieren. 

Martin Buber (1878–1965) lebte von 1916 bis 1938 in Heppenheim an der Bergstraße. 1924 wurde er als Lehrbeauftragter für jüdische Religionslehre und Ethik an die Goethe-Universität berufen, 1930 wurde er zum Honorarprofessor für Religionswissenschaften ernannt. Einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bildeten seine Aktivitäten im Kontext des Freien Jüdischen Lehrhauses, die spätestens seit 1933 Teil seines intellektuellen Widerstands gegen die nationalsozialistische Verfolgung wurden. In diesem Jahr wurde Buber von der Universität entlassen. In die Frankfurter Periode seines Denkens und Schreibens fallen wesentliche Teile von Bubers Werk, darunter die dialogische Philosophie des Ich und Du, seine politischen Überlegungen zum Zionismus und zu Palästina, seine Forschungen zur Hebräischen Bibel im Kontext der gemeinsam mit Franz Rosenzweig begonnenen „Verdeutschung“ der Schrift und seine Überlegungen zur Gestaltung jüdischer Bildung.

1989 stiftete die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau die Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität. Ziel war es, in Erinnerung an die Wirksamkeit Martin Bubers an der Frankfurter Universität zwischen 1924 und 1933 eine Begegnung mit jüdischer Geschichte und Kultur zu ermöglichen. Seit 2010 lädt die Professur jährlich im Rahmen der Martin-Buber-Vorlesung international renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ein, um Themen der jüdischen Geistesgeschichte und Philosophie zu behandeln. 

„Die Martin-Buber-Professur ist eine feste Größe an der Goethe-Universität und gehört wesentlich zu unserem Selbstverständnis“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Ich freue mich, dass wir gemeinsam das 30-jährige Bestehen feiern können und zugleich der Person Martin Bubers gedenken. Er war eine der jüdischen Geistesgrößen der frühen Jahre unserer Universität. Und er ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie die NS-Ideologie den geistigen Reichtum unserer Universität und unserer Gesellschaft auf lange Zeit beschädigt hat“, so Wolff weiter. 

Grußworte sprechen bei der Veranstaltung Prof. Catherina Wenzel (Dekanin des Fachbereichs Evangelische Theologie), Prof. Simone Fulda (Vizepräsidentin, Goethe-Universität Frankfurt), Dr. Friedhelm Pieper (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und Prof. Doron Kiesel (Zentralrat der Juden in Deutschland). Die musikalische Gestaltung des Abends übernimmt das Jerusalem Duo (Hila Ofek & Andre Tsirlin). 

Die Veranstaltung ist Teil des Programms der Jüdischen Kulturwochen in Frankfurt.

Information und Anmeldung: Eva Kramberger, Sekretariat Martin-Buber-Professur, Fachbereich 06, Campus Westend, 069-798-33312, kramberger@em.uni-frankfurt.de, https://www.uni-frankfurt.de/40082634/Martin_Buber_Professur_für_Jüdische_Religionsphilosophie

 

Okt 25 2019
12:21

Auftaktveranstaltung des Goethe-Orientierungsstudiums – Wissenschaftsministerin betont Bedeutung frühzeitiger Unterstützung bei Studienfach- und Berufswahl 

Pilotprojekt „GO“: „Reiseführer durch die Wissenschaftslandschaft“ hilft auf dem Weg zum passenden Fach

FRANKFURT. Sie sind neugierig und freuen sich, dass es nun endlich richtig losgeht – die ersten Studierenden des Goethe-Orientierungsstudiums Natur- und Lebenswissenschaften wurden heute auf dem Campus Riedberg von der hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn und der Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Birgitta Wolff begrüßt. „Mit diesem Pilotprojekt bieten wir unseren Studierenden einen ‚Reiseführer' durch die Wissenschaftslandschaft. Neben Grundlagen in Physik, Mathematik, Chemie und Einblicken in verschiedene Disziplinen ermöglichen wir den Studis einen 360-Grad-Rundumblick in Wissenschaft, Uni und Studium“, so Wolff. Sie fügte hinzu, dass im Sommersemester auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein Orientierungsstudium starten wird, für das sich Interessierte bereits ab dem 1. Dezember bewerben können.

Ziel des von der hessischen Landesregierung initiierten Programms ist es, Studierenden, die sich noch nicht eindeutig für ein Studienfach entscheiden können oder wollen, einen fundierten Überblick über die unterschiedlichen Disziplinen zu geben und ihnen so die Wahl zu erleichtern. „Wer gerade erst an die Hochschule kommt, ist oft unsicher – das ist völlig normal. Wer weiß schon so genau, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen?“, erläutert Wissenschaftsministerin Dorn. „Es kommen nicht alle mit den gleichen Voraussetzungen an die Hochschule. Insbesondere jene, deren Eltern nicht selber studiert haben und bei den ersten Schritten an der Uni helfen können, brauchen Unterstützung. Deshalb ist das Orientierungsstudium auch ein Beitrag zur sozialen Durchlässigkeit der Hochschulen. Besonders stolz bin ich darauf, dass die Orientierungsstudiengänge in Frankfurt und in Kassel BAföG-fähig sind. Das war nicht einfach, weil das BAföG-Gesetz einen sehr engen Rahmen festlegt.“

Langfristig soll mit Orientierungsangeboten dieser Art erreicht werden, dass sich weniger Studierende zu einem Fachwechsel veranlasst sehen und die Quote der Studienabbrecherinnen und -abbrecher sinkt. Diese liegt in Frankfurt wie bundesweit bei etwa 20 Prozent, in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften an deutschen Hochschulen durchschnittlich sogar bei mehr als 40 Prozent.

Die hessische Regierungskoalition hatte schon 2014 die Einführung eines Orientierungsstudiums an ausgewählten hessischen Hochschulen beschlossen. Mit ihren Konzepten konnten sich die Universitäten Frankfurt und Kassel durchsetzen. Sie erhalten für das Orientierungsstudium insgesamt 1,6 Mio. Euro vom Land; 1,1 Mio. davon gehen nach Frankfurt. Die Pilotprojekte mit einer Laufzeit von zunächst zwei Jahren werden wissenschaftlich ausgewertet und sollen Impulse zur weiteren Verbesserung der universitären Lehre auch in anderen Bachelorstudiengängen geben. „Wir entwickeln unsere Studiengänge stetig weiter und erproben regelmäßig neue forschungsnahe Lehr-/Lernformate, um einer heterogenen Studierendenschaft noch besser gerecht zu werden,“ sagte Prof. Roger Erb, Physikdidaktiker und als Vizepräsident zuständig für die universitäre Lehre.

Der jetzt gestartete achtsemestrige Bachelor „Natur- und Lebenswissenschaften“ umfasst zwei Semester Orientierungsstudium und sechs Semester Fachstudium, der im Sommer anlaufende Bachelor in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein Orientierungssemester und sechs Semester Fachstudium. Beide Bachelorstudiengänge sind von Beginn an BAföG-fähig; insgesamt stehen 130 Studienplätze zur Verfügung.

Die meisten der angehenden Natur- und Lebenswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die ihr Orientierungsstudium Anfang Oktober an der Goethe-Universität aufgenommen haben, tendierten schon nach dem Abitur in eine naturwissenschaftliche Richtung. „Aber ich hätte mich nicht entscheiden können, ob ich nun Bio und Biochemie studieren soll; das kann ich mir jetzt in entsprechenden Vertiefungsmodulen erstmal anschauen, auch im Labor“, berichtete eine Studentin bei der Auftaktveranstaltung. Zur Wahl stehen weitere Vertiefungsmodule in Chemie, Physischer Geographie, Geowissenschaften und Meteorologie sowie in den Sportwissenschaften, die als Disziplin mit sowohl naturwissenschaftlichen als auch sozialwissenschaftlichen Inhalten in beiden „GO“-Programmlinien vertreten sind.

Das besondere Plus des neuen Bachelors ist es, dass die Studierenden frühzeitig Einblicke in unterschiedliche naturwissenschaftliche Fächer, aber auch in interdisziplinäre Herangehensweisen erhalten. Die Kompetenz, über Fächergrenzen hinauszuschauen, wird in Zeiten globaler gesellschaftlicher Herausforderungen immer wichtiger. Einen ersten Eindruck davon, wie hochkomplexe Fragestellungen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven bearbeitet werden, um gemeinsame Lösungen zu finden, bekommen die Studierenden in einer Ringvorlesung, an der sich sieben Institute beteiligen. Unter dem Motto „Frankfurt 2035: 40°C – Fakten und Fake News“ steht dieses Semester das Thema Klimawandel auf dem Programm, wie der Atmosphärenforscher Prof. Joachim Curtius erläuterte.

Wissenschaftlich „sauberes Arbeiten“ im Labor und beim Schreiben wissenschaftlicher Texte sowie kritischer Umgang mit Daten auf der Grundlage mathematischer Kenntnisse gehören ebenfalls zum ausgeklügelten Lernprogramm des Orientierungsstudiums, außerdem ein freier Studienbereich, in dem sich die Studierenden in unterschiedlichen fachlichen Zusammenhängen ausprobieren können. Begleitet werden sie während der gesamten Orientierungsphase von studentischen Mentorinnen und Mentoren. Das natur- und lebenswissenschaftliche Orientierungsstudium endet im Sommer mit einem einwöchigen Praxisprojekt, in dem die Studierenden in Teams selbst zu einem Thema forschen werden. Die Hoffnung der Programmkoordinatorin, Dr. Bianca Bertulat, ist, dass die Studierenden dann ‚ihr' Fach gefunden haben und eine „reflektierte Entscheidung“ treffen können.

Information: Dr. Bianca Bertulat, Wissenschaftliche Koordinatorin GO Natur- und Lebenswissenschaften, Telefon 069 798-29455, E-Mail: bertulat@rz.uni-frankfurt.de, Informationen zu GO-Orientierungsstudium und zur Bewerbung unter: www.orientierungsstudium.uni-frankfurt.de

 

Okt 25 2019
12:17

Forum für Firmen und Stellensuchende am 6. und 7. November

Jobbörse der Naturwissenschaften

FRANKFURT. Zum 21. Mal bereits findet die „Frankfurter Jobbörse für NaturwissenschaftlerInnen“ am 6. und 7. November, jeweils von 9:30 bis 16 Uhr am Campus Riedberg der Goethe-Uni, Max von Laue Str. 9, 60439 Frankfurt am Main statt. Veranstalter sind der Fachbereich 14 – Biochemie, Chemie und Pharmazie – in Kooperation mit dem JungChemikerForum (Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.) und dem Hochschulteam der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. Den Organisatoren ist es gelungen, international renommierte Konzerne, insbesondere aus der Chemie- und Pharmabranche, als Teilnehmer zu gewinnen.

An beiden Tagen wird Interessierten (Studierenden, Doktoranden und Absolventeninnen und Absolventen der Fächer Chemie, Biochemie, Pharmazie, Biologie, Physik, Geowissenschaften und Medizin) aus dem gesamten Bundesgebiet auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit zur Weiterbildung und zum direkten Kontakt mit Firmenvertretern geboten. 

Am 6. November bereiten sie zahlreiche Workshops, Seminare und Bewerbungsmappen-Checks umfangreich auf das Thema Bewerbung und Selbstmarketing vor. Eine Anmeldung hierfür erfolgt ausschließlich über die Internetseite der Jobbörse (www.jobboerse-ffm.de).

Am 7. November gibt es an den Messeständen Gelegenheit zu einem Gespräch mit Firmenvertretern und zum näheren Kennenlernen potentieller Arbeitgeber. Zahlreiche namhafte Firmen der Chemie-, Biotechnologie-, Pharmabranche als auch der entsprechenden Consultingbranche aus ganz Deutschland präsentieren sich an diesem Tag und informieren über Praktika, Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten. Für die Messe ist keine Anmeldung erforderlich. Zum Abschluss des Tages besteht die Möglichkeit, bei einem Bewerbungsgespräch auf der Bühne „live“ dabei zu sein.

Information und Anmeldung zu Workshops und Bewerbungsmappen-Check: www.jobboerse-ffm.de.

Dr. Andreas Lill, Referent für Lehr und Studium, Fachbereich 14 – Biochemie, Chemie und Pharmazie, 069 / 798 29550, lill@uni-frankfurt.de

 

Okt 24 2019
11:36

Forschungsförderungspreis des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung geht an Natalie Lang

Religion – treibende Kraft der Globalisierung?

FRANKFURT. Welchen Stellenwert kann Religion für das Selbstbild von Migranten entfalten? Dies untersucht die Ethnologin Natalie Lang in ihrer Dissertationsschrift „Source of Pride: Hindu Religion in La Réunion“, die nun mit dem Forschungsförderungspreis des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität ausgezeichnet wurde.

Für ihre Arbeit hat Natalie Lang zwölf Monate mit tamilstämmigen Hindus im französischen Übersee-Département La Réunion gelebt und geforscht. Sie zeigt, dass für Reunionesen mit indischen Vorfahren das Gefühl von Stolz ein wesentlicher Faktor von Identität ist. Stolz wird u.a. über öffentlich gelebte religiöse Praxis hergestellt und gilt als Quelle von Status und Anerkennung innerhalb der reunionesischen Gesellschaft. Ethnografisch fundiert diskutiert Lang in ihrer Dissertation Fragen zu Religion, Diaspora und Säkularismus und argumentiert, dass Religion eine treibende Kraft von Globalisierungsprozessen ist – und nicht lediglich das Ergebnis dieser.

Mit dem Preis würdigt die Kommission das hohe Maß an methodischem, reflexivem und sprachlichem Anspruch sowie das wissenschaftliche Potenzial der Preisträgerin. Natalie Lang wurde am Centre for Modern Indian Studies der Georg-August-Universität Göttingen promoviert und ist seit Juli 2019 Fellow am Asia Research Institute der National University of Singapore.

Seit 1996 verleiht das Frobenius-Institut den Forschungsförderungspreis für ausgezeichnete Dissertationen im Fach Sozial- und Kulturanthropologie, die an einer deutschsprachigen Universität eingereicht werden. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und wird aus Mitteln der Frobenius-Gesellschaft sowie der Hahn-Hissink'schen Frobenius-Stiftung finanziert.

Informationen: Yanti Hölzchen, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität, Telefon 069-798 33058, hoelzchen@em.uni-frankfurt.de; Homepage: http://www.frobenius-institut.de/veranstaltungen/forschungsfoerderungspreis

 

Okt 24 2019
10:59

Forscher von Goethe-Universität und Universität Bayreuth untersuchen erstmals Auswirkungen auf die Artenvielfalt

Klimawandel in Naturschutzgebieten gefährdet Biodiversität

FRANKFURT. Welche Veränderungen verursacht der Klimawandel in den Naturschutzgebieten der Erde? Das haben die Forscher Severin Irl (Goethe-Universität Frankfurt), Samuel Hoffmann und Carl Beierkuhnlein (beide Universität Bayreuth) gemeinsam untersucht. Die Ergebnisse sind diese Woche im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ erschienen. Die Autoren geben darin Denkanstöße für die Umweltpolitik und das Management von Schutzgebieten.

Für fast 140.000 terrestrische Schutzgebiete – das sind 99% der Schutzgebiete an Land – wurden detaillierte Klimaprognosen berechnet. Besonders signifikante Klimaänderungen sind demnach in gemäßigten Zonen oder in polaren Zonen auf der Nordhalbkugel zu erwarten. Sie sind relativ klein, bieten räumlich wenig abwechslungsreiche Umweltbedingungen und liegen nicht sehr hoch. Sie sind durch Eingriffe durch den Menschen bedroht und haben hinsichtlich ihrer Pflanzen- und Tierwelt viel mit anderen Schutzgebieten gemeinsam. Um möglichst belastbare Prognosen zu erzielen, haben die Autoren der neuen Studie mit zehn verschiedenen Klimamodellen gearbeitet. Zugleich wurde in allen Berechnungen zwischen lokalen, regionalen und globalen Klimaänderungen unterschieden.

Die modelgestützten Klimaprognosen helfen zu untersuchen, welche Schutzgebiete in welchem Maße zum Schutz und Erhalt der globalen Biodiversität beitragen. Wenn der Klimawandel aber dafür sorgt, dass sich die Lebensräume und deren Bedingungen für die Tiere und Pflanzen ändert, dann sind die Schutzgebiete möglicherweise nicht mehr in der Lage, ihr Aufgabe in vollem Umfang zu erfüllen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Arten auf andere Gebiete, möglicherweise sogar außerhalb der Schutzgebiete, ausweichen werden. Dort stehen sie aber nicht mehr unter dem rechtlichen Schutz, der innerhalb von Schutzgebieten gegeben sind, sondern sind viel stärker dem Einfluss des Menschen ausgesetzt.

„Mit unseren Berechnungen wollen wir einen Anstoß dafür geben, die Folgen des Klimawandels künftig systematisch in das Management von Schutzgebieten einzubeziehen. Wenn sich die klimatischen Verhältnisse ändern, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass bestehende Schutzgebiete aufgegeben und andere Regionen neu als Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Aber intensiver als bisher sollte gerade auch in Europa darüber nachgedacht werden, was die vorhandenen Schutzgebiete künftig zur Bewahrung der Artenvielfalt leisten können und sollen. Unsere neuen Berechnungen bieten hierfür wissenschaftliche Anhaltspunkte. Sie sind damit eine Grundlage für ein proaktives Biodiversitäts-Management. Die neue Studie zeigt, dass Big-Data-Technologien mittlerweile auch in der Umweltforschung unverzichtbar sind“, sagt der Erstautor der Studie Samuel Hoffmann M.Sc., Doktorand an der Universität Bayreuth.

Prof. Dr. Severin Irl vom Institut für Physische Geographie der Goethe Universität weist ausdrücklich darauf hin, dass „Schutzgebiete nicht als losgelöste Einzeleinheiten zu sehen sind, sondern sie sollten noch mehr als bisher in ihrem wechselseitigen Zusammenhang betrachtet werden.“ Dabei gelte die Faustregel, dass sowohl weiträumig angelegte Schutzgebiete als auch Gebiete mit sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen für den Erhalt der Biodiversität besonders vorteilhaft sind. Dies biete Arten in einer sich verändernden Welt die Möglichkeit, in günstigere Gebiete innerhalb eines Schutzgebiets zu wandern. Daher sei es unter Umständen von Vorteil, dass mehrere, kleinere Schutzgebiete zu größeren Verbünden zusammengeschlossen werden.

Publikation: S. Hoffmann; S.D.H. Irl, C. Beierkuhnlein: Predicted climate shifts within terrestrial protected areas worldwide. Nature Communications (2019), DOI: 10.1038/s41467-019-12603-w 

Bilder zum Download finden Sie unter: http://uni-frankfurt.de/82931246 

Bildtexte: 

(1) Der Los Glaciares National Park in Argentinien wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet. (Foto: Samuel Hoffmann) 

(2) Der Nationalpark Gran Paradiso im norditalienischen Aostatal zählt ebenfalls zum UNESCO-Weltnaturerbe. (Foto: Carl Beierkuhnlein) 

(3) Übersicht über die in der neuen Studie untersuchten terrestrischen Schutzgebiete. (Grafik und Legende: Samuel Hoffmann) 

Informationen: Prof. Dr. Severin Irl, Biogeographie und Biodiversität, Institut für Physische Geographie, Goethe Universität Frankfurt, Telefon: +49 (0)69 / 798-40171, Email: irl@geo.uni-frankfurt.de; Samuel Hoffmann M.Sc., Lehrstuhl für Biographie, Universität Bayreuth, Telefon: +49 (0)921 / 55-2299, E-Mail: samuel.hoffmann@uni-bayreuth.de.