​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Sep 19 2019
13:18

Prof. Georg Zizka spricht auf einer Führung durch den Wissenschaftsgarten über das Erfolgsgeheimnis der Blütenpflanzen.

Vielfalt der Früchte und Samen

FRANKFURT. Die Blütenpflanzen sind mit fast 400.000 Arten weltweit die erfolgreichste Pflanzengruppe, zudem stellen sie den größten Teil Biomasse auf unserem Planeten. Ein wichtiger Grund für den Erfolg ist die große Vielfalt der Früchte bei den Blütenpflanzen. Sie ist Grundlage der erfolgreichen Ausbreitung und ermöglicht vielfältige Wechselbeziehungen mit Tieren als Fruchtverbreitern. Im Rahmen einer Führung wird Prof. Georg Zizka, Biowissenschaftler an der Goethe-Universität und Leiter des Wissenschaftsgartens, wird an Beispielen die Fruchtvielfalt demonstrieren und die Botanik der wichtigen Fruchttypen vorstellen.

Freitag, 20. September 2019, 16.00-17.30 Uhr, Campus Riedberg, Wissenschaftsgarten.
Treffpunkt ist am Eingang Wissenschaftsgarten, Altenhöferallee 1f.

Mehr zu den Führungen im Wissenschaftsgarten finden Sie hier.

 

Sep 18 2019
10:39

Das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität ist künftig Teil eines europäischen Netzwerks für Aerosol-, Wolken- und Spurengasmessungen.

Wetter- und Klimavorhersage verbessern

FRANKFURT/BERLIN. Das über 100 Jahre alte Taunus-Observatorium auf dem Kleinen Feldberg erlangt dank deutsch-europäischer Fördermittel neue Bedeutung: Dort will die Goethe-Universität moderne Messtechnik installieren, um kurzlebige Spurengase und Aerosolpartikel ständig messen zu können. „Damit erfassen wir beispielsweise Daten zu Ultrafeinstaub – eine wichtige Grundlage für die Erforschung seiner Quellen und der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“, erklärt Prof. Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt.

Möglich wird dies durch den Aufbau einer Europäischen Forschungsinfrastruktur für Aerosole, Wolken und Spurengase (ACTRIS), an der sich Deutschland mit über 50 Millionen Euro beteiligen will. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat den deutschen Beitrag ACTRIS-D letzte Woche in die Nationale Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgenommen. Die für Forschung zuständige Vizepräsidentin der Goethe-Universität Prof. Dr. Simone Fulda bezeichnet es als „fantastische Neuigkeit, dass das spannende Projekt ACTRIS-D bei den geförderten Projekten der Nationalen Roadmap dabei ist“. Die Roadmap ist der Fahrplan des BMBF für große Forschungsinfrastrukturen, um mit herausragender Grundlagenforschung Deutschland als Innovationsstandort zu fördern.

Klimavorhersagen erlauben bisher nur sehr ungenaue Vorhersagen, wie stark beispielsweise die Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten ansteigen oder sich Niederschläge regional entwickeln werden. Es fehlen Daten und Wissen zu den kurzlebigen Bestandteilen der Atmosphäre: Wolken, Aerosolpartikel und reaktive Gase. Sie verweilen – anders als die vieldiskutierten Treibhausgase - nur wenige Stunden bis Wochen in der Atmosphäre, aber beeinflussen das Klima deutlich. So reflektieren winzige Schwebeteilchen (Feinstaub) beispielsweise Sonnenlicht und Wärmestrahlung oder dienen als Keime für die Bildung von Wolkentropfen und Eiskristallen.

Zudem beeinflussen die kurzlebigen Bestandteile die Luftqualität und damit die menschliche Gesundheit. Schwebeteilchen und Spurengase verursachen Erkrankungen der Atemwege. Sie stehen im Verdacht, allein in der Europäischen Union pro Jahr für rund 430.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich zu sein, davon etwa 70.000 in Deutschland.

Die Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf die Atmosphäre - vom Auto über Heizung, Industrie und Landwirtschaft bis hin zu Waldbränden - lassen sich nur abschätzen, wenn viele Stationen kontinuierlich und großflächig messen. Daher soll ab 2021 ACTRIS den Messbetrieb aufnehmen und durch die Kooperation vieler Forschungseinrichtungen in Europa künftig bessere Vorhersagen für Luftqualität, Wetter und Klima ermöglichen. Die Bundesregierung bekundet mit der Aufnahme von ACTRIS-D in die Nationale Roadmap ihre Bereitschaft, diese Forschungsinfrastrukturen zu fördern. Die Finanzierung verantworten die zuständigen Bundesressorts in Abhängigkeit der verfügbaren Haushaltsmittel.

„Die renommierte Frankfurter Klima- und Atmosphärenforschung wird als einer von 13 Partnern einen wesentlichen Beitrag zur hochaktuellen Klimaforschung leisten“, so Vizepräsidentin Simone Fulda. Die Goethe-Universität beantragt als Anteil an ACTRIS-D rund drei Millionen Euro. „Wir wollen damit das Taunus-Observatorium mit moderner Technik für Langzeitmessungen im Bereich der Aerosole und Spurengase ausbauen“, erklärt Curtius. „Damit können wir wichtige kurzlebige Spurengase, insbesondere eine ganze Reihe von Kohlenwasserstoffen sowie reaktive Stickstoff- und Schwefelverbindungen ständig messen“. Die Messdaten erlauben Untersuchungen zum chemischen Abbau der Substanzen, zu den Veränderungen im Jahresverlauf und über mehrere Jahre hinweg. Die Frankfurter Forscher wollen in den kommenden Jahren die Prozesse untersuchen, die zur Bildung des Ultrafeinstaubs führen, und charakterisieren, in welchem Umfang die Komponenten menschgemacht oder natürlichen Ursprungs sind.

Die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Nationalen Roadmap Forschungsinfrastrukturen finden Sie unter: https://www.bmbf.de/de/neue-nationale-roadmap-fuer-forschungsinfrastrukturen-9618.html
ACTRIS - the European Research Infrastructure for the observation of Aerosol, Clouds, and Trace gases: https://www.actris.eu/

Informationen: Prof. Dr. Joachim Curtius, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften/Geographie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40258, Email: curtius@iau.uni-frankfurt.de.

 

Sep 18 2019
10:15

​ Goethe-Universitäts-Projekt „Start ins Deutsche“ und Stiftung Junge Weltbürger machen auf Bedeutung von Sprachförderung aufmerksam

Sprache = Begegnung = Integration?!

FRANKFURT. „Wenn Worte meine Sprache werden“: Unter diesem Motto machen das Projekt „Start ins Deutsche“ der Goethe-Universität und die Stiftung Junge Weltbürger auf die Bedeutung von Sprachförderung und interkulturellem Austausch für die Integration aufmerksam.

Insgesamt 180 Personen sind der Einladung des Projekts „Start ins Deutsche“ und seiner Projektpartnerin, der Stiftung Junge Weltbürger, ins Historische Museum gefolgt, um über Spracherwerb und ehrenamtliches Engagement zu sprechen. Denn auch vier Jahre nach der so genannten „Flüchtlingskrise“ bleiben Angebote zur Sprachförderung unverzichtbar.

„Die Goethe-Universität trägt seit ihrer Gründung zur Lösung großer gesellschaftlicher, politischer und kultureller Herausforderungen bei“, sagt Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Eröffnung. Mit dem Projekt „Start ins Deutsche“ biete sie einen Ort der Begegnung und einen Zugang zum Spracherwerb. Hochqualifizierte Flüchtlinge und studieninteressierte Geflüchtete haben außerdem die Möglichkeit, mit dem Academic Welcome Program (AWP) eine akademische Heimat zu finden.

Wie aus der Fremdsprache eine eigene Sprache wird, verdeutlichten zwei Teilnehmerinnen des Projekts, die über ihre erste Zeit in Deutschland sprachen: „Ich habe hier viele Träume und Hoffnungen, denn ich möchte gerne Ingenieurin werden und das Land unterstützen, welches mir geholfen und mir die Freiheit gegeben hat“, so Randa Sammer Eedo aus dem Irak. Das Projekt wird durch Spenden finanziert, und Verena von Tresckow-Bronke, die es seit 2016 mit ihrer Stiftung Junge Weltbürger als Kooperationspartnerin unterstützt, betont, dass Integration eine Querschnittsaufgabe sei. Sie fordert dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen und für das Projekt zu spenden.

Prof. Dr. Petra Schulz, die an der Goethe-Universität zu Deutsch als Zweitsprache forscht und lehrt, hebt hervor, dass der Spracherwerb für Erwachsene eine „anspruchsvolle Aufgabe“ sei, für die „Zeit, Ressourcen, Engagement und nicht zuletzt Fachleute benötigt werden, die nicht nur wissen, was ‚richtiges Deutsch' ist, sondern auch, wie das System ‚Sprache' aufgebaut ist.“ Stadträtin Prof. Daniela Birkenfeld, Uni-Vizepräsident Prof. Roger Erb sowie am Projekt beteiligte Studierende diskutierten über die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements und über die aktuelle Situation in Frankfurt. „Das Projekt Start ins Deutsche trägt zur Verbesserung der Sprachkenntnisse der Geflüchteten in Frankfurt bei und damit zu ihrer Integration. Denn viele Teilhabechancen eröffnen sich erst mit ausreichenden Deutschkenntnissen. Für die Betreiber unserer Übergangsunterkünfte sind die Projektverantwortlichen und die beteiligten Studierenden verlässliche und gern gesehene Partner“, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Birkenfeld. Doch auch die Studierenden lernen selbst viel im Projekt. „Durch eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen (Mutter)-Sprache gewinnen sie einen ganz neuen Zugang dazu. Außerdem erwerben sie interkulturelle Kompetenz, berufliche, akademische und persönliche Schlüsselqualifikationen, die in hohem Maße berufsrelevant sind“, so Prof. Dr. Roger Erb, als Vizepräsident zuständig für Studium und Lehre.

Die hessische Wissenschaftsministerin, Angela Dorn: „Das Projekt ‚Start ins Deutsche' ist ein gelungenes Beispiel dafür, mit welch großem Engagement unsere Hochschulen Geflüchtete auf ihrem Weg zur Aufnahme oder Fortführung eines Hochschulstudiums begleiten. Für diesen großen ehrenamtlichen Einsatz für gelungene Integration danke ich allen Projektbeteiligten sehr herzlich. Sie unterstützen damit unsere Arbeit, mit der wir seit 2015 vorhandene Angebote für ausländische Studierende an den Hochschulen stärken.“

Seit dem Projektstart 2016 haben mehr als 1000 Studierende an verschiedenen Standorten Deutsch unterrichtet. Auf ihr Engagement vorbereitet werden sie durch Dozentinnen und Dozenten der Goethe-Universität. Während des Semesters werden die Studierenden durch regelmäßige Supervisionsgruppen in Kooperation mit dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut e.V. (FPI) begleitet.

Bilder zum Download stehen bereit unter http://www.uni-frankfurt.de/82089233. (Bildhinweis: Lecher/Goethe-Universität) Informationen: Ilsa Jacobsen, Projektkoordination „Start ins Deutsche“, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Telefon +49 (0)69 798 12485, E-Mail: jacobsen@em.uni-frankfurt.de.

Bankverbindung: Stiftung Junge Weltbürger. IBAN DE47 5185 0079 0027 1242 08. BIC HELADEF1FRI. Stichwort: Projekt SiD. Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung.

 

Sep 17 2019
15:08

Interview mit dem Philosophen Prof. Matthias Lutz-Bachmann zur Bad Homburg Conference, die am Donnerstag beginnt

Die Freiheit mit KI gestalten

FRANKFURT. „Spät, aber nicht zu spät“ habe die wissenschaftliche Debatte über die Folgen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz für Gesellschaft, Politik und Individuum eingesetzt. Das sagt Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg, im Interview mit „Goethe-Uni online“.

Dass sich das nun ändern soll, dazu will die diesjährige Bad Homburg Conference einen Beitrag leisten: Unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Wie können wir Algorithmen vertrauen?“ diskutieren Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen von 19. bis 21. September am Forschungskolleg in Bad Homburg über diese Thematik. „Überall kommt KI zum Einsatz, und wir merken im Zuge der Einführung dieser Systeme, wie sich zugleich für uns Menschen Handlungsspielräume verändern“, so Lutz-Bachmann. Gerade die Europäer täten gut daran, Freiheit und Autonomie des Menschen im Blick zu haben und zu schützen. KI werde „diese Freiheit verändern, und wir werden sie zu gestalten haben in neuer Weise. Vielleicht bereits auf der Ebene der Algorithmen.“

Interview: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/die-zukunft-mit-algorithmen-gestalten-interview-mit-prof-lutz-bachmann/ 

Informationen zur Konferenz: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/konferenz-kuenstliche-intelligenz-wie-koennen-wir-algorithmen-vertrauen/

 

Sep 13 2019
14:53

Prof. Fabrizio Nestola von der University of Padua forscht und lehrt als Träger des Humboldt-Forschungspreises an der Goethe-Uni

Einfach brillant: Koryphäe auf dem Gebiet der Diamantforschung

FRANKFURT. Die einzigartigen Diamanten, für die Prof. Fabrizio Nestola sein Institut im beschaulichen Padua verlassen hat, kommen nicht von unserer Erde. Sie stammen von einem außerirdischen Himmelskörper, der heute nicht mehr existiert. Zusammen mit dem Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität möchte Nestola herausfinden, wie diese Mikro-Diamanten entstanden sind.

Schon mehrfach zierten Arbeiten von Fabrizio Nestola und seinen Kollegen den Titel der renommierten Fachzeitschriften „Nature“ und „Science“. „Das ist nicht wirklich überraschend, wenn man die Edelsteine anschaut, an denen Nestola arbeitet. Sein Spezialgebiet sind sogenannte super-tiefe Diamanten, die aus mehreren hundert Kilometern Tiefe stammen“, sagt Gastgeber Frank Brenker. 

In diese tiefen Regionen der Erde können Wissenschaftler durch Bohrungen nicht vordringen. Aber die Diamanten können während ihres Wachstums Minerale, Gesteinsbruchstücke, Schmelzen und Flüssigkeiten einschließen. Diese befördern sie dann als eine Art Probencontainer sicher an die Erdoberfläche. Fabrizio Nestola hat auch sehr wertvolle blaue Diamanten untersucht und bewiesen, dass diese alle aus dem Unteren Erdmantel stammen. Das entspricht einer Tiefe von mindestens 670 Kilometern. 

Nestola entschied, mit seinem Humboldt-Forschungspreis an die Goethe-Universität zu gehen, weil ihn Untersuchungsmethoden auf der Nanoskala interessieren. Das ist ein Spezialgebiet von Frank Brenker. Er verwendet dazu hochauflösende Transmissions-Elektronenmikroskopie und Synchrotron-Strahlung.

Brenker und Nestola arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich zusammen. Erst kürzlich konnten beide zusammen mit Graham Pearson (University of Alberta) die Entdeckung eines Ozeans im Inneren der Erde verkünden, bzw. das Äquivalent an Wasser beziffern, das als OH-Gruppe in einer Schicht zwischen 520 und 670 Kilometern Tiefe gespeichert ist. 

Als Träger des Humboldt-Forschungspreises wird Prof. Nestola mindestens ein halbes Jahr an der Goethe-Universität lehren und forschen. Die Humboldt-Stiftung vergibt den Preis an Forscher, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien ihr eigenes Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden können.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81927985 

Bildtexte: Prof. Fabrizio Nestola (l.) mit Dr. Hans-Christian Pape, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Bildrechte: Nestola Blauer Mikro-Diamant aus dem tiefen Erdmantel. 

Bild: Petra Diamonds Limited Extraterrestrischer Diamant von einem inzwischen verschwundenen Himmelskörper. Bild: Nestola

Information: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 13 2019
13:27

Schlafen oder Stoppen? Das RIS-Neuron hat beide Funktionen/ Publikation in Nature Communications

Das Schlaf-Neuron im Fadenwurm ist auch ein Stopp-Neuron

FRANKFURT. Das Nervensystem des Fadenwurms C. elegans ist überschaubar: Es besteht aus 302 Neuronen, von denen einige jedoch mehrere Funktionen haben. So kann das als Schlafneuron bekannte „RIS“ den Wurm in einen langanhaltenden Schlaf versetzen – oder auch nur für wenige Sekunden seine Bewegung stoppen, wie Wissenschaftler unter Federführung der Goethe-Universität jetzt herausgefunden haben.

Wagner Steuer Costa in der Arbeitsgruppe von Alexander Gottschalk, Professor für Molekulare Zellbiologie und Neurobiochemie an der Goethe-Universität, hat das Schlafneuron RIS vor einigen Jahren zufällig entdeckt – zeitgleich mit anderen Gruppen. Um die Funktion einzelner Neuronen im Nervengeflecht zu verstehen, bringen die Forscher sie durch gentechnische Veränderung dazu, lichtempfindliche Proteine herzustellen. Mit diesem „Schalter“ können die Neuronen in dem durchsichtigen Wurm durch Bestrahlung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge aktiviert oder abschaltet werden. „Als wir gesehen haben, dass der Wurm bei Lichtstimulation dieses Neurons einfriert, waren wir sehr verblüfft. Das hat eine langjährige Studie in Gang gesetzt“, erinnert sich Gottschalk.

Das RIS getaufte Neuron versetzt C. elegans in Schlaf, wenn es einige Minuten bis Stunden aktiv ist – beispielweise nach den Häutungen, die das Tier in seiner Entwicklung durchläuft. Es schläft aber auch zur Erholung, nachdem es zellulärem Stress ausgesetzt war. Andererseits dient das Neuron dazu, den Wurm während der Bewegung zu stoppen, etwa, wenn er die Richtung ändern will oder sich eine Gefahr auftut. Dann verlangsamt ihn das Neuron in seiner Bewegung, so dass er entscheiden kann, ob er weiter kriechen soll. In diesem Fall wird das Neuron nur für wenige Sekunden aktiv. „Solche Stop-Neurone hat man erst vor kurzem entdeckt. Im Wurm ist es das erste seiner Art“, erklärt Gottschalk.

Noch erstaunlicher ist, dass das Axon offenbar verzweigt ist, so dass RIS nicht nur die Bewegung stoppen, sondern sie auch verlangsamen oder eine Rückwärtsbewegung einleiten kann. Das berichten Gottschalk und seine Kooperationspartner, Prof. Ernst Stelzer von der Goethe-Universität, Prof. Sabine Fischer von der Universität Würzburg, sowie Forscher der amerikanischen Vanderbilt University in Nashville und der Universität Leuven in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“.

„Wir denken, dass es in mehreren einfachen Lebewesen wie dem Wurm solche Neuronen mit einer doppelten Funktion gibt. Im Laufe der Evolution sind diese dann auf zwei verschiedene Systeme im Gehirn verteilt und weiter verfeinert worden“, meint Gottschalk. Das sei ein Motiv, das sich sicher noch mehrfach finden werde, sobald noch andere Nervenzellen des Wurms besser verstanden sind. „Das Nervensystem von C. elegans kann man als eine Art evolutionären Versuchsballon ansehen. Was dort funktioniert, wird dann in komplexeren Tieren wieder verwendet und diversifiziert.“

Die Entdeckung der doppelten Funktion von RIS ist auch ein Beispiel dafür, wie ein fest-vernetztes Neuronetzwerk durch ein „drahtloses Netzwerk“ von Neuropeptiden und Neuromodulatoren zusätzlich verschaltet werden kann. So können mehrere funktionale Netzwerke auf einem einzelnen anatomischen Netzwerk realisiert werden, was die Funktionalität des Wurmgehirns enorm erhöht und gleichzeitig sehr ökonomisch ist. „Es sollte nicht immer gesagt werden, dass Wurm-Neuronen einfach sind. Oft können sie mehr als die Nervenzellen von Säugern“, sagt Gottschalk.

Publikation: Wagner Steuer Costa, Petrus Van der Auwera, Caspar Glock, Jana F. Liewald, Maximilian Bach, Christina Schüler, Sebastian Wabnig, Alexandra Oranth, Florentin Masurat, Henrik Bringmann, Liliane Schoofs, Ernst H.K. Stelzer, Sabine C. Fischer, Alexander Gottschalk: A GABAergic and peptidergic sleep neuron as a locomotion stop neuron with compartmentalized Ca2+ dynamics https://doi.org/10.1038/s41467-019-12098-5

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81911675 

Bildtexte: Der Fadenwurm C. elegans. Bild: A. Gottschalk Das RIS-Neuron (grün) im Rachen des Fadenwurms C. elegans. Bild: Wagner Steuer Costa Auf der Webseite von Nature Communications sind auch sehenswerte Videos dazu, z.B. die #7, hier: https://www.nature.com/articles/s41467-019-12098-5#Sec31

 

Sep 13 2019
13:21

Drei Post-Doktoranden der Goethe-Uni erhalten den mit 100.000 Euro dotierten Aventis Foundation Postdoctoral Award

Neuer Forschungspreis ebnet Weg zur Professur

FRANKFURT. Drei Post-Doktoranden sind beim gestrigen Post-Doc Day an der Goethe-Universität mit einem neuen, von der Aventis Foundation gestifteten Forschungspreis „Life Sciences Bridge Award“ ausgezeichnet worden: Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt, der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk und der Biochemiker Dr. Christian Münch erhielten den mit jeweils 100.000 Euro dotierten Aventis Foundation Postdoctoral Award. Ziel der Förderung ist es, Forschenden in den Lebenswissenschaften frühzeitig ein selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen und sie in der Umsetzung auch unkonventioneller Ideen zu bestärken. 

„Mit ihrem Life Sciences Bridge Award will die Aventis Foundation eine Brücke über den Graben bauen, der sich für den wissenschaflichen Nachwuchs zwischen Promotion und Professur auftut. Gefördert werden sollen vor allem Forschende, die auf dem Sprung zu einer permanenten Position – typischerweise einer Professur – stehen“, so Prof. Werner Müller-Esterl, Vorsitzender der Jury des Preises. 

Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt untersucht am Institut für Biochemie die Kommunikation zwischen Bakterien in Biofilmen. Diese überleben als Gemeinschaft, indem sie Nahrung und Stoffwechselprodukte austauschen und sich vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. „Biofilme sind allgegenwärtig und die meisten sind für die Ökosysteme nützlich“, erklärt die 38-Jährige. Einige Biofilme sind für den Menschen jedoch gefährlich. Sie treten bei bakteriellen Entzündungen der Lunge, der Hirnhaut, des Mittelohrs, der Harnwege oder der Haut auf. 

Die Kommunikation wird durch ausgeklügelte Transportmechanismen in der Plasmamembran gewährleistet. Inga Hänelt interessiert insbesondere die Rolle von Kaliumkanälen. „Hier wurde erst kürzlich ein Konzept der elektrischen Kommunikation beschrieben, das bis dato nur für eukaryotische Zellen, wie zum Beispiel Nervenzellen, bekannt war, aber nicht für Bakterien“, erklärt sie. Den Aventis Foundation Postdoctoral Award möchte sie dazu nutzen, die Kommunikation in bakteriellen Biofilmen über Kaliumkanäle näher zu erforschen. 

Der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk erforscht am Institut für Pharmazeutische Chemie, wie man Rezeptoren, die sich innerhalb der Zelle oder gar im Zellkern befinden (nukleäre Rezeptoren), gezielt mit Arzneistoffen ansteuern kann. „Nukleäre Rezeptoren sind an verschiedensten Erkrankungen beteiligt – von Entzündungen über Stoffwechsel-Erkrankungen bis hin zu Krebs – und deshalb pharmakologisch hochinteressant“, erläutert er.

Der Fokus des 33-Jährigen liegt auf den bisher wenig erforschten nukleären Rezeptoren, wobei er gezielt jene auswählt, die an neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind. Um die Charakterisierung geeigneter Arzneistofftargets und die Entwicklung optimierter Wirkstoffe zu beschleunigen, möchte er mithilfe des Preisgeldes auch neue Technologien wie die künstliche Intelligenz oder innovative in vitro screening Methoden nutzen. 

Der Biochemiker Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II erforscht ebenfalls neurodegenerative Erkrankungen, allerdings interessiert er sich vor allem für fehlgefaltete Proteine, die in Nervenzellen zusammenklumpen, so dass diese absterben. „Normalerweise aktivieren Zellen spezifische Stressantworten, um eine solche Fehlfaltung zu beseitigen und die Zelle gesund zu erhalten“, erklärt Münch. „Vor ein paar Jahren wurde mir klar, dass wir fast nichts darüber wissen, wie diese Stressantwort in Mitochondrien abläuft, obwohl ja gerade die mitochondrialen Proteine lebenswichtige Funktionen für die Energieversorgung von Zellen erfüllen.“ 

Ziel der Forschung des 36-Jährigen ist es, zu verstehen, wie die verschiedenen Stressantworten der Zelle miteinander verknüpft sind. Dabei müssen zunächst die Einzelprozesse im Detail aufgeklärt werden, um dann das daraus hervorgehende zelluläre Netzwerk zu verstehen. Besonders interessiert Münch sich dafür, welche Störungen in diesem komplexen System zu Krankheiten führen. Dabei ist er auf ein immer breiter werdendes Spektrum hochmoderner und neuartiger Technologien angewiesen. 

Bisher hat keiner der drei herausragenden jungen Wissenschaftler eine unbefristete Stelle. So wünschen sich Inga Hänelt und Christian Münch, die beide Verantwortung für eine Familie haben, für hochqualifizierte junge Wissenschaftler klare Zukunftsperspektiven in Form von Tenure-Track-Professuren. „Nur so wird es gelingen, die bestqualifizierten Frauen und Männer in der Wissenschaft zu halten“, prognostiziert Münch. Die Förderung durch den Aventis Foundation Postdoctoral Award verschafft den Preisträgern mehr Unabhängigkeit, ihre Forschungsideen umzusetzen und sich damit für eine Professur zu qualifizieren. 

Die Aventis Foundation wählt die Preisträger in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen aus. In diesem Jahr ist die Goethe-Universität Frankfurt Partnerinstitution. Ausgezeichnet werden promovierte oder bereits habilitierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine akademische Karriere anstreben und noch keine unbefristete Professur innehaben. 

Bilder der Preisträger finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81843595 

Fotos: Uwe Dettmar 

Informationen: Aventis Foundation, Eugen Müller, Geschäftsführender Vorstand ,Telefon +49 69 305 7256, eugen.mueller@aventis-foundation.org 

Informationen zum Forschungspreis: bridge.aventis-foundation.org

 

Sep 13 2019
10:18

Nach mehrjähriger Planung weicht der motorisierte Verkehr ab dem 16. September 2019 vom Kerncampus um den Theodor W. Adorno-Platz 

Autofreier Campus Westend wird Realität

FRANKFURT. Der Campus Westend der Goethe-Universität wird ab dem 16. September weiter vom Autoverkehr entlastet. Im Zentrum des Konzepts zur Verkehrsberuhigung auf dem Campus steht die Sperrung des zentralen Theodor-W.-Adorno-Platzes für den motorisierten Verkehr. Das nördliche Campusareal im Bereich der Wohnsiedlung und der weiteren Ausbaustufe wird mit einer Schranke versehen. Mit diesen Maßnahmen werden die Aufenthaltsqualität auf dem zum Teil denkmalgeschützten Areal und ganz besonders die Verkehrssicherheit deutlich erhöht und zugleich Vorgaben des städtischen Bebauungsplanes für den Campus Westend umgesetzt.

„Die Goethe-Universität Frankfurt setzt auf eine nachhaltige Mobilität und leistet mit dem Konzept „Autofreier Campus“ auf dem Campus Westend zugleich einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“, betonte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Die Aufenthaltsqualität auf dem Universitätsgelände wird sich deutlich erhöhen. Durch das Setzen von Pollern an festgelegten Stellen wird eine autofreie Kernzone rund um den Theodor-W.-Adorno-Platz geschaffen, um dort die Fußgänger und Fahrradfahrer sowie den motorisierten Verkehr zu trennen“, ergänzte Universitätskanzler Dr. Albrecht Fester. 

Das neue Verkehrskonzept reduziert verschiedene Verkehrsprobleme und Gefahrenpotentiale im nördlichen Campusbereich. Die Verkehrssituation in der dortigen Wohnsiedlung wird seit Jahren – auch von Anwohnern und dem zuständigen Ortsbeirat – kritisiert. Falschparken und zugestellte Einfahrten sind an der Tagesordnung; die Zufahrt für Feuerwehr, Rettungskräfte und Müllabfuhr ist dadurch erschwert, manchmal unmöglich. Der Autoverkehr in der Max-Horkheimer-Straße birgt ein ständiges Unfallrisiko für Studierende, die beim Verlassen und Betreten des Seminarhauses die Straße überqueren müssen. 

Mit dem Neubau der Sprach- und Kulturwissenschaften entsteht hier noch eine weitere Herausforderung mit einer deutlichen Erhöhung des Fuß- und Radverkehrsaufkommen. Diese Situation wird mit dem neuen Verkehrskonzept entschärft, da nur noch Teilnehmer mit Zufahrtsberechtigung an dieser Stelle durchfahren dürfen. Für Radfahrende sind die Straßen weiterhin passierbar. 

Für die Realisierung des Konzepts mussten Teile der Anlieferung für den Campus reorganisiert und die verkehrstechnische Infrastruktur verbessert werden. Im Bereich der Max-Horkheimer-Straße wurden ein so genannter Drop-Off-Point (Wendekreisel mit Kurzhaltmöglichkeit) sowie zwei offizielle Taxistände errichtet. Überdies wird durch das Versetzen zweier Schranken der Verkehrsfluss für den nördlichen Campusbereich insbesondere der Wohnsiedlung anders organisiert. 

Die Zufahrt der beiden christlichen Wohnheime, der Einfamilienhaussiedlung, der Philipp-Holzmann-Schule und des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) wird über Schranken geregelt. Die Philipp-Holzmann-Schule bekommt eine neue Zufahrtsregelung über die Miquelallee in die Siolistraße. Ein neuer Schulweg auf dem Universitätsgelände soll zukünftig die Sicherheit für Schülerinnen und Schüler der beiden Interimsschulen des neuen Schulcampus weiter erhöhen. Entsprechend des mit dem Ortsbeirat und den beteiligten städtischen Ämtern und Behörden abgestimmten und genehmigten Verkehrskonzepts wurden zwei Schranken errichtet: eine in der Max-Horkheimer-Straße, die andere in der Siolistraße. Die Universität betreibt die Schranken und sorgt dafür, dass Anwohnerinnen und Anwohner sowie Anlieger, aber auch Rettungsdienste, Feuerwehr und Lieferverkehr in den Bereich einfahren können.

Der Umsetzung vorangegangen war ein langwieriger und umfassender Abstimmungsprozess. Während für die Absperrung des Campusplatzes bis auf Polizei und Feuerwehr eher universitätsinterne Verkehrsbelange zu klären waren (z.B. Studentenwerk, Veranstaltungsservice, Postdienst, Müllentsorgung, Reinigung, usw.), wurde das neuen Verkehrskonzept für den nördlichen Campusbereich gemeinsam mit dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), dem Straßenverkehrsamt, dem Stadtplanungsamt, dem Stadtschulamt und dem Ortsbeirat besprochen und entwickelt. Die Universitätsverantwortlichen danken dabei insbesondere Axel Kaufmann, dem Vorsitzenden des zuständigen Ortsbeirats, der unermüdlich zwischen den Belangen der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Universität vermittelt hat. 

Kurzbeschreibung des neuen Verkehrskonzepts im Bereich der Wohnsiedlung: 

  • Eine Schranke wird in der Max-Horkheimer-Straße angeordnet (Drop-off-Point). Die Zufahrt für Zufahrtsberechtigte wird durch Goethecard bzw. Pförtner geregelt. 
  • Die Rostocker Straße, entlang des Neubaus für die Sprach- und Kulturwissenschaften (SKW), ist Teil des autofreien Uni-Campus und wird zukünftig mit Pollern gegen den öffentlichen Verkehr abgesperrt. 
  • Es wird eine zusätzliche Absperrung des Campusgeländes in der nördlichen Siolistraße zur Miquelallee vorgesehen. Damit wird eine Trennung der Verkehrsströme der Universität und der Schulen erreicht. 
  • Die Philipp-Holzmann-Schule erhält eine geänderte Verkehrsführung zur Hauptzufahrt in der Siolistraße

Informationen: Julian Artner, Bevollmächtigter für die Standortneuordnung und –entwicklung, Campus Westend, Tel.: 069 / 798 – 17252, artner@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 11 2019
14:54

Ozonloch, Amazonasbrände und Schwerewellen im Fokus des deutschen Forschungsflugzeugs HALO

Klimawandel in der Südhemisphäre 

FRANKFURT. Mit der Mission „SouthTRAC“ erkundet das deutsche Forschungsflugzeug HALO im September und November 2019 die südliche Atmosphäre und ihre Auswirkungen auf den Klimawandel. Forscher von der Goethe-Universität sind mit an Bord.

Das wichtigste Ziel der ersten Kampagnenphase von SouthTRAC (Transport and Composition of the Southern Hemisphere UTLS) ist es, Schwerewellen an der Südspitze Amerikas und über der Antarktis zu untersuchen. In der zweiten Kampagnenphase im November steht aus Austausch von Luftmassen zwischen Stratosphäre und Troposphäre im Fokus. Während der Transferflüge zwischen Europa und Südamerika untersuchen die Forscher unter anderem, welchen Einfluss die aktuellen Brände im Amazonas-Regenwald auf das Klima haben. Neben dem Team des Atmosphärenforschers Prof. Andreas Engel von der Goethe-Universität sind Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich und der Universität Mainz federführend bei der wissenschaftlichen Planung. Beteiligt sind weiterhin Gruppen der Universitäten Heidelberg und Wuppertal.

Spurengase wie Ozon und Wasserdampf sind effektive Treibhausgase und spielen eine wichtige Rolle im Klimawandel. Seit Ende der 1980er-Jahre verbietet das Montrealer Protokoll Stoffe wie Flurchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), weil sie die Ozonschicht stark ausdünnen. Es wird allerdings noch viele Jahrzehnte dauern, bis sich die Ozonschicht wieder erholt hat, insbesondere das große Ozonloch in der Antarktis. Welche Bedeutung dies für den Klimawandel auf der Südhemisphäre hat, wollen die Forscherinnen und Forscher jetzt in der Kampagne „SouthTRAC“ im Detail untersuchen.

Die wichtigsten atmosphärischen Voraussetzungen für die Bildung des Ozonlochs über der Antarktis sind neben einen hohen Chlor- und Bromgehalt, tiefe Temperaturen und ein verminderter Austausch von Luftmassen mit mittleren Breiten. Dieser wird durch den antarktischen polaren Wirbel gewährleistet. „Wir wollen sehen wieviel Chlor und Brom in der unteren Stratosphäre für den Ozonabbau zur Verfügung steht, insbesondere auch im Polarwirbel der Südhemisphäre, in dem sich jedes Jahr das Ozonloch bildet“, erklärt Prof. Andreas Engel. Dazu misst seine Gruppe nahezu alle relevanten Quellgase. Besonders achtet sie auf kurzlebige Substanzen, die hochvariabel sind und die bisher in der Südhemisphäre noch kaum quantifiziert wurden. „Damit wollen wir Daten zur Verfügung stellen, damit Chemie- und Klimamodelle den Ozonabbau, die erwartete Erholung des stratosphärischen Ozons und die Auswirkungen auf das Klima zuverlässiger darstellen können“, so der Atmosphärenforscher.

Dazu setzt die Arbeitsgruppe von Prof. Andreas Engel am Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe Universität einen selbstentwickelten Gaschromatographen mit Massenspektrometer ein. Dieses Gerät kann mit sehr hoher Genauigkeit auch noch Spuren von vielen chlorierten und bromierten Substanzen messen, wobei auch auf die Messgeschwindigkeit geachtet werden muss. An Bord eines Forschungsflugzeugs muss es schnell gehen, denn die zeitliche Auflösung entspricht direkt auch der räumlichen Auflösung. „Mit ein bis sechs Minuten, je nach Substanz, sind wir für diese Messtechnik extrem schnell. Im Labor brauchen wir etwa die fünffache Zeit. Dazu kommt, dass alles, was wir im Flugzeug machen, luftfahrtzertifiziert sein muss. Das bedeutet einen hohen logistischen Aufwand“, so Engel.

Um die aufwändigen Messungen, die teilweise auch in Nachtschicht durchgeführt werden müssen, zu ermöglichen, ist bis Anfang Dezember ein Team von drei bis vier Mitarbeitern des Instituts für Atmosphäre und Umwelt vor Ort in Rio Grande an der Südspitze Südamerikas, mit einer kurzen Unterbrechung von drei Wochen im Oktober. Von dort werden die Messflüge gestartet und die Messgeräte betreut.

Über HALO Das Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range) ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert wird HALO durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Leibniz-Gemeinschaft, des Freistaates Bayern, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). 

Bilder der Forschungsflugzeugs HALO zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81867109 (Copyright: s. Endung des Dateinamens)

Informationen: Prof. Dr. Andreas Engel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40259 , an.engel@iau.uni-frankfurt.de

 

Sep 11 2019
11:44

Öffentliche Konferenz mit Experten aus Wissenschaft und Praxis

„Künstliche Intelligenz – Wie können wir Algorithmen vertrauen?“

BAD HOMBURG. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe laden die interessierte Öffentlichkeit zur Bad Homburg Conference 2019 ein. Im Mittelpunkt steht diesmal die Frage, wie „Künstliche Intelligenz“ die Gesellschaft verändert – und welche Möglichkeiten es gibt, die damit einhergehenden Entwicklungen im Interesse der Gesellschaft und des Einzelnen zu gestalten und zu steuern. Die Konferenz findet statt von Donnerstag, 19. September, 19 Uhr bis Samstag, 21. September, 14 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe.

Kaum ein Thema löst derzeit mehr Hoffnungen und zugleich Unsicherheit aus als das der „Künstlichen Intelligenz“. Die Verheißung neuer Chancen für die Wirtschaft, die Aussicht auf objektivere und damit gerechtere Entscheidungen und die Hoffnung auf Entlastung von Alltagsroutinen auf der einen Seite stehen auf der anderen Seite die Furcht vor Arbeitsplatzverlust, staatlicher Überwachung und Fremdbestimmung gegenüber. In zwei Vorträgen und insgesamt vier Podiumsdiskussionen debattieren Vertreter aus den Human- und Technikwissenschaften sowie der Praxis mit der interessierten Öffentlichkeit Chancen, aber auch Probleme im Zusammenhang mit dem Einsatz „Künstlicher Intelligenz“.

Dabei werden sehr sensible Grundbedürfnisse des Menschen angesprochen: Gesundheit, Sicherheit, Geld. In diesen Bereichen wird schon heute KI angewandt, was sich in naher Zukunft noch intensivieren wird. Die übergreifende Fragestellung bei der Bad Homburg Conference lautet, wie der Einsatz und die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz unseren Alltag und die Gesellschaft im Ganzen verändern wird: Wie können wir z.B. Algorithmen bei der Bewertung von Straftaten, bei der Prävention von Verbrechen und Krankheiten oder aber bei der Vergabe von Krediten vertrauen? Was müssen wir bedenken und was können wir heute tun, damit wir mit KI eine gute Zukunft haben?

Experten aus den Wissenschaften und Verantwortliche aus der Praxis werden in die Themenblöcke einführen und mit Vertretern verschiedener Disziplinen diskutieren. Eröffnet wird die Konferenz u.a. von Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung. Den einführenden Keynote-Vortrag über die “Validierung von KI-Systemen mit Supercomputern“ hält Thomas Lippert, Direktor am Institute for Advanced Simulation und Head of Jülich Supercomputing Centre (Jülich).

Am zweiten Konferenztag eröffnen Experten aus Wissenschaft und Praxis die themenbezogenen Panels. Tim Hahn, Heisenberg Professor für Machine Learning und Prädikative Analytik (Münster) gibt einen Impuls zur Diskussion von »KI in Medizin und Vorsorge«; Christoph Lange, Kriminalhauptkommissar am Landeskriminalamt (LKA) Hessen eröffnet die Debatte um den Einsatz von „KI in der Polizeiarbeit“ und Željko Kaurin, Vorstandsmitglied der ING Deutschland (Frankfurt), stößt das Gespräch über „KI im Finanzsystem“ an. Sie diskutieren u.a. mit Susanne Beck, Professorin für Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie, Andreas Kleinknecht, Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Deutschland (München), Kristian Kersting, Professor für Maschinelles Lernen (Darmstadt) und Kiel Brennan-Marquez, Associate Professor for Law (Connecticut).

Zum Abschluss der Konferenz spricht Chris Boos, CEO und Founder der Arago GmbH und Mitglied des Digitalrates der Bundesregierung (Frankfurt) über „Künstliche Intelligenz und die Wiederentdeckung der Zukunft“. An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen außer Chris Boosr u.a. der Neurowissenschaftler Wolf Singer (Frankfurt) und die amerikanische Bürgerrechtlerin und Politikberaterin Mutale Nkonde (New York) teil.

Die Konferenz ist die dritte in der Reihe der jährlich stattfindenden Bad Homburg Conferences, die vom Bad Homburger Forschungskolleg Humanwissenschaften – einer gemeinsamen Initiative der Goethe-Universität Frankfurt und der Werner Reimers Stiftung – geplant und von der Stadt Bad Homburg finanziert werden. Ziel ist es, so der Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, Alexander W. Hetjes, „brennende gesellschaftliche Fragen auf hohem Niveau mit der Öffentlichkeit zu diskutieren und dabei Anregungen für die Gestaltung unserer Zukunft zu geben. Die Stadt Bad Homburg fördert damit die Forschung ebenso wie den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über deren Resultate. Das bislang hervorragende Echo auf die Bad Homburg Conferences bestätigt uns darin.“

Wissenschaftlich geleitet wird die Konferenz vom Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie an der Frankfurter Goethe-Universität, sowie seinen Frankfurter Kolleginnen und Kollegen Christoph Burchard (Professor für Strafrecht und Rechtstheorie), Klaus Günther (Professor für Rechtstheorie), Katja Langenbucher (Professorin für Wirtschafts- und Finanzrecht), Enrico Schleiff (Vorstandsvorsitzender des Frankfurt Institute for Advanced Studies) und Tobias Tröger (Professor für Wirtschaftsrecht und Rechtstheorie).

Die Termine 

Donnerstag, 19. September, 19 Uhr
Eröffnung der Konferenz '
Keynote von Thomas Lippert, Direktor am Institute for Advanced Simulation und Head of Jülich Supercomputing Centre, Jülich 

Freitag, 20. September, 11-18:30 Uhr (mit Mittagsimbiss)
Podiumsgespräche zu folgenden Themen: 

„Künstliche Intelligenz in Medizin und Vorsorge“ „

Künstliche Intelligenz in der Polizeiarbeit“

„Künstliche Intelligenz im Finanzsystem“ 

Samstag, 21. September, 10 bis14 Uhr
Vortrag: „Künstliche Intelligenz oder die Wiederentdeckung der Zukunft“
Chris Boos, CEO und Founder der Arago GmbH, Frankfurt am Main, und Mitglied des Digitalrates der Bundesregierung 

Anschließend Podiumsdiskussion 

Das detaillierte Programm der Bad Homburg Conference 2019 ist unter folgendem Link zu finden: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldung: Die Teilnahme an der Bad Homburg Conference 2019 ist kostenlos, aber nur nach Anmeldung für den/die gewünschten Tag/e bis Montag, 16. September per Email an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de möglich. Bitte die Anmeldebestätigung zu den jeweiligen Konferenzteilen am Eingang vorlegen. 

Informationen: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172 13977-0; Iris Helene Koban (Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften), i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Beate Sutterlüty (Wissenschaftskommunikation), b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Dr. Thomas Schimmer (Wissenschaftlicher Projektreferent), t.schimmer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Sep 10 2019
11:18

Am 17. September beginnt die Vorlesungsreihe für wissbegierige Kinder

17. Frankfurter Kinder-Uni: Von der Frühzeit des Kinos und dem Innenleben der Bakterien

FRANKFURT. Von 17. bis 20. September lädt die Goethe-Universität Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren zur 17. Frankfurter Kinder-Uni auf den Campus Westend ein. An jedem der vier Tage erklären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Forschungsgebiet auf anschauliche und unterhaltsame Weise. Ziel ist es, auf Wissenschaft neugierig zu machen und einen Eindruck vom Uni-Leben zu vermitteln.

Das Programm

Zum Auftakt der Kinder-Uni am Dienstag (17. September) taucht die Meeresbiologin Prof. Angelika Brandt mit den Kindern ein in die geheime Welt der Tiefsee. Dort ist es dunkel und kalt, Essbares gibt es kaum. Und dennoch, so hat die Wissenschaft herausgefunden, gibt es hier Leben – welches, das erfährt man bei der Kinder-Uni. Diese Vorlesung hat größte Zugkraft entfaltet, innerhalb kurzer Zeit war sie bereits mehr als ausgebucht, so dass am Ende das Los entscheiden musste, wer kommen kann.

Für kleine Cineasten und solche, die es noch werden wollen, hält der Filmwissenschaftler Prof. Vinzenz Hediger am Mittwoch (18. September) eine Vorlesung über die Anfänge des Kinos. Unter dem Titel „Als die Bilder laufen lernten“ erzählt er, wie die Erfindung, die die Brüder Lumière Ende des 19. Jahrhunderts machten, zu dem wurde, was sie heute ist.

Ob es Einhörner wirklich gibt, das werden die Zuhörer und Zuhörerinnen in der Vorlesung von Prof. Mirijam Wenzel erfahren, die die Kinder mit dem Team des Jüdischen Museums auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mitnimmt – in die Zeit, als die Häuser statt Hausnummern Tiersymbole trugen. Wie vielfältig jüdisches Leben in Frankfurt war und ist, das macht die Museumsleiterin auch anhand von vielen mitgebrachten Objekten deutlich.

Dass es nicht nur schlimme Bakterien gibt, die einen krank machen können, sondern auch solche, die Arzneistoffe herstellen, das erläutern der Chemiker Prof. Martin Grininger und der Biologe und Chemiker Prof. Helge Bode am Freitag (20. September). Anschaulich werden sie zeigen, wie die „kleinsten Fabriken der Welt“ im Inneren von Bakterien genau funktionieren – anhand einer riesigen Vergrößerung.

Auch in diesem Jahr werden Vertreter des Gießener Mathematikums im Foyer des Hörsaalgebäudes mathematische Experimente für Kinder anbieten. Darüber hinaus informieren an den Nachmittagen Entwicklungspsychologen über ihre aktuellen Studien. Und am Freitag informieren Klimaforscherinnen und Forscher anlässlich der Fridays for Future-Demos über ihre Forschung zum Klimawandel.

Organisation

Das Organisationsteam rechnet in diesem Jahr wieder mit mehr als 11.000 Kinder-Uni-Studis. Die beiden Vormittagsvorlesungen (jeweils 9 Uhr und 11:30 Uhr) sind für Schulklassen reserviert, bislang sind 9200 Plätze an Klassen aus dem gesamten südhessischen Raum vergeben, insgesamt 260 Klassen konnten leider aus Kapazitätsgründen nicht berücksichtigt werden.

Nachmittags um 16 Uhr sind alle Kinder von 8 bis 12 Jahren in Begleitung Erwachsener ohne Anmeldung eingeladen. Für Kinder, die keine Möglichkeit haben, die Kinder-Uni zu besuchen, gibt es einen Live-Stream (http://live.uni-frankfurt.de). Die Aufzeichnungen können auch im Nachhinein im Internet angeschaut werden, dort finden sich auch Mitschnitte aller Kinder-Uni-Vorlesungen seit 2011 (http://www.rz.uni-frankfurt.de/68128012/Kinderuni).

Nach beiden Vormittagsvorlesungen können die Schülerinnen und Schüler sich in der Mensa, den Cafeterien des Studentenwerks oder im Café-Bistro „Sturm und Drang“ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken. In den Betrieben des Studentenwerks erhalten sie gegen Vorlage ihres „Studiausweises“ für 3 Euro ein Kinder-Menü oder einen Snack und ein Getränk.

Auch in diesem Jahr gibt es zu jeder Vorlesung ein Quiz. Unter den Teilnehmern, die das Richtige angekreuzt haben, werden Buchpreise und andere tolle Gewinne verlost. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind die Quizfragen und später die richtigen Antworten einsehbar. Besonders eifrige Besucher, die an mindestens drei Vorlesungen teilgenommen haben, können bei einer weiteren Verlosung mitmachen. Zu gewinnen sind Bücher, DVDs zu einschlägigen Themen, verschiedene Freikarten sowie Kinder-Uni-T-Shirts und -Tassen.

Stimmen

Die Frankfurter Dr. Marschner Stiftung unterstützt die Frankfurter Kinder-Uni seit 2015. „Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich selbst bei einer Vorlesung dabeisein kann: Die Wissbegier der Kinder macht einfach Freude – und sie wird hier bei der Kinder-Uni unabhängig von Elternhaus und Schulart gefördert. Das ist ein nicht zu überschätzender Baustein auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit“, so Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung.

„Die Kinder-Uni ist dazu geeignet, Kindern einen ersten Zugang zur Universität zu ermöglichen“, sagt Dr. Marina Bonanati vom Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe. „Die Vorträge wecken Neugierde und passen gut zu dem, was auch im Sachunterricht der Grundschule thematisiert wird. Ein Besuch kann ein Anlass sein, in den Familien darüber zu sprechen und auch zu fragen: Was ist eigentlich Uni, was ist Wissenschaft?“, so die Grundschulpädagogin. „Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als wir 2009 mit der ganzen Klasse von Büttelborn nach Frankfurt gefahren sind zur Kinder-Uni“, so Victoria Dintelmann, die im vergangenen Sommersemester ihr Jurastudium aufgenommen hat. „Ich fand damals alles spannend: Die Vorlesung zum Thema ‚Macht Sport schlau?', die Mensa, den riesigen Campus. Am nächsten Tag habe ich einen sechsseitigen Aufsatz über den Tag geschrieben“, sagt die 19-Jährige. Und vielleicht habe dieser Tag tatsächlich zur Entscheidung beigetragen, an der Goethe-Uni zu studieren.

Medienpartner der Frankfurter Kinder-Uni sind auch in diesem Jahr die Frankfurter Rundschau, die täglich über die Veranstaltungen berichten wird, und das Magazin GEOlino, das redaktionell auf die Kinder-Uni aufmerksam macht.

Das Kinder-Uni-Logo finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/68282161.

Informationen: Dr. Anke Sauter und Dr. Anne Hardy, Referentinnen für Wissenschaftskommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-13066 und 798- 12498; kinderuni@vdv.uni-frankfurt.de; Homepage: www.kinderuni.uni-frankfurt.de.

 

Sep 9 2019
10:57

Prof. Luciano Rezzolla und sein Team erhalten zusammen mit 347 Forscherinnen und Forschern der weltweiten Event Horizon Telescope Collaboration für ihre bahnbrechenden Leistungen den Breakthrough Prize 2020

Schwarzes Loch: Wichtige globale Auszeichnung für Astrophysiker der Goethe-Universität

FRANKFURT. Für ihre herausragenden und unverzichtbaren Leistungen bei der Mitentwicklung des ersten direkten Bildes eines Schwarzen Lochs erhalten die Forscherinnen und Forscher um den Astrophysiker Prof. Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität zusammen mit 347 weiteren Forschern der Event Horizon Telescope Collaboration aus der ganzen Welt den mit mit 3 Millionen US-Dollar dotierten Breakthrough Prize 2020 der gleichnamigen Stiftung. Die Gruppe der Goethe-Universität ist mit 10 Preisträgern eine der größten der gesamten Kooperation, die insgesamt 140 Institutionen umfasst.

Mit Hilfe von insgesamt acht Radioteleskopen (inzwischen sind drei weitere dazu gekommen) rund um den Globus gelang es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im April 2019, den ersten direkten visuellen Beweis für das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie Messier 87 zu erbringen. Der Preis wird zu gleichen Teilen auf alle Mitautoren der beteiligten wissenschaftlichen Publikationen aufgeteilt und am 3. November vergeben.

Die Gruppe von Luciano Rezzolla hat grundlegende Beiträge zur theoretischen Interpretation der Ergebnisse in allen Stadien der Beobachtung geleistet: Sie simulierte auf Supercomputern, wie Materie in einer ringförmigen Scheibe das Schwarze Loch umkreist und hineingesogen wird und wie die Lichtstrahlen durch die ungeheure Gravitation um das Schwarze Loch herum verbogen werden. Ebenso galt es, verschiedene Alternativen zu Schwarzen Löchern auszuschließen, die ebenfalls mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar sind. „Die Konfrontation der Theorie mit den Beobachtungen ist für einen theoretischen Physiker immer ein dramatischer Moment. Wir waren sehr erleichtert und auch stolz, dass die Beobachtungen so gut mit unseren Vorhersagen übereinstimmten“, so Luciano Rezzolla.

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Wir alle freuen uns zusammen mit Luciano Rezzolla und seinem Team über diese wichtige globale Auszeichnung. Herzlichen Glückwunsch an all unsere KollegInnen, die daran beteiligt sind! Es ist unvergessen, wie begeistert die ZuhörerInnen im brechend vollen Hörsaal 1 am Riedberg-Campus waren, als Luciano Rezzolla am 17. April zusammen mit seinen Kollegen vom europäischen Konsortium (Prof. Michael Kramer vom Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Prof. Heino Falcke von der niederländischen Radboud Universität) erstmals die Ergebnisse der gemeinsamen Forschung an der Goethe-Universität vorgestellt hat. Das war ein Fest für die Faszinationskraft auch sehr abstrakter Wissenschaft. Ich hoffe, dass aus dieser großartigen globalen Kooperation weitere bahnbrechende Forschungsergebnisse entstehen.“ 

Die für Forschung verantwortliche Vizepräsidentin der Goethe-Universität, Prof. Simone Fulda, sagte: „Wir sind stolz, als Goethe-Universität in so prominenter Weise an einem echten wissenschaftlichen Durchbruch von globaler Bedeutung beteiligt zu sein und beglückwünschen Luciano Rezzolla und sein Team für die herausragenden Leistungen, die dahinter stehen. Die Physik ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt, der das Forschungsprofil der Goethe-Universität seit vielen Jahren prägt.“ 

„Es ist eine große Ehre und eine große Freude zu sehen, dass die Arbeit an der Goethe-Universität höchste Anerkennung gefunden hat und dazu beigetragen hat, die Grenzen unseres Verständnisses von Grundlagenphysik zu erweitern. Es ist auch eine faire Anerkennung dessen, was letztlich eine Teamarbeit und damit eine gemeinsame Belastung und Herausforderung für viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt war“, sagte Luciano Rezzolla. 

Gemeinsam untersuchten die diesjährigen Preisträger des Breakthrough Prize die Galaxie Messier 87, um das erste Bild eines schwarzen Lochs aufzunehmen. Als bahnbrechend erachtete die Jury dabei, dass die Forscher die verschiedenen beteiligten Teleskope rund um den Globus so mit Atomuhren synchronisierten, dass daraus ein virtuelles Teleskop so groß wie die Erde mit beispielloser Auflösung entstand. Das Bild des supermassiven Schwarzen Lochs in der Mitte der Galaxie Messier 87 wurde nach sorgfältiger Analyse der Daten mit neuartigen Algorithmen und Techniken erhalten und zeigt einen hellen Ring, der den Punkt markiert, an dem das Licht das Schwarze Loch umkreist und eine dunkle Region umgibt, in der das Licht nicht aus der Anziehungskraft des Schwarzen Lochs entweichen kann. Der Schatten des Schwarzen Lochs entsprach den Erwartungen von Einsteins Theorie der Allgemeinen Relativitätstheorie. 

Der Direktor der Zusammenarbeit, Shep Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, der den Preis im Namen der Zusammenarbeit bei der Zeremonie am 3. November 2019 entgegennehmen wird, sagt: „Wir machten uns auf den Weg, um das Unsichtbare zu sehen, und wir mussten ein Teleskop so groß wie die Erde bauen, um es zu tun. Es klingt nach Science Fiction, aber wir haben ein unglaubliches globales Expertenteam zusammengestellt und die fortschrittlichsten Radioteleskope der Welt verwendet, um es Wirklichkeit werden zu lassen. Dieser bahnbrechende Preis feiert einen Neuanfang in unserer Studie über schwarze Löcher.“ 

Hinter der „Breakthrough Prize Foundation“ stehen prominenten Namen. Ihre Gründungsstifterinnen und -stifter sind Sergey Brin, Priscilla Chan und Mark Zuckerberg, Ma Huateng, Yuri und Julia Milner sowie Anne Wojcicki.

Links: 

Pressemitteilung zur Entdeckung des Schwarzen Lochs vom 10. April 2019: 
http://www.muk.uni-frankfurt.de/77270289/Astronomen_zeigen_erstes_Bild_eines_Schwarzen_Lochs

Hintergrund-Infos: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/warum-ist-das-bild-des-schwarzen-lochs-wichtig-und-interessant/ 

Filmmaterial zum Schwarzen Loch (Simulationen und zur Forschung an der Goethe Universität) finden Sie hier: https://youtu.be/5qfahQv8ooc: Wie wir das Schwarze Loch sichtbar machten. Kurzfassung https://youtu.be/Zh5p9Sr0_VU: Wie wir das Schwarze Loch sichtbar machten. Langfassung mit persönlichen Statements https://youtu.be/wN_vzZKDpms: Simulation zum Schatten des Schwarzen Lochs 

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Principal Investigator des Europäischen Black Hole Cam Experiments, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798 47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de, https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla/

 

Sep 4 2019
11:00

Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte geht an Frankfurter Wissenschaftlerin

Das Wetter vor 200 Jahren verstehen

FRANKFURT. Dr. Linda Richter, Historikerin an der Goethe-Universität, wird von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina geehrt. Für ihre herausragende Dissertation über die Geschichte der Meteorologie erhält sie den Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte.

„Semiotik, Physik, Organik. Formen des Wissens vom Wetter, 1750-1850“ – so lautet der Titel von Dr. Linda Richters (Jahrgang 1988) Doktorarbeit, für die sie am 20. September in Halle den Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte erhalten wird. In ihrer Arbeit geht sie der Vorgeschichte der modernen Meteorologie im deutschsprachigen Raum nach. Sie fragt, was Menschen über das Wetter dachten, bevor sich die Wetterkunde in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Physik der Atmosphäre wandelte. Dazu untersucht sie drei unterschiedliche historische Ansätze, das Wetter zu ergründen: die Erforschung von Naturgesetzen, die Sammlung von Wetterzeichen sowie die ganzheitliche Betrachtung des Wetters als Teil eines natürlichen Organismus. Dass einige das Webverhalten von Spinnen dabei als aussagekräftig für bevorstehende Wetterwechsel hielten, wirkt in der heutigen Zeit befremdlich. Dass hingegen für andere das Wetter nicht für sich, sondern nur im Zusammenhang mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Ozeanen gedacht werden konnte, ist eine Vorstellung, die in Zeiten des Klimawandels wieder hohe Aktualität gewonnen hat. Richter stützte sich in ihren Untersuchungen auf zahlreiche Veröffentlichungen aus der Zeit und bezog auch Archiv-Akten einer meteorologischen Beobachtungsreihe mit ein, die das Preußische Kultusministerium zwischen 1817 und 1820 unterhielt.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung von Linda Richter. Die gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie der Goethe-Universität zur Steigerung des Leistungsniveaus in der Forschung“, sagt Prof. Simone Fulda, als Vizepräsidentin zuständig für den Bereich Forschung und Akademische Infrastruktur. Gerade auch die Integration von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in die Verbundforschung bringe für die jungen Talente große Chancen mit sich: „Sie öffnet den wissenschaftlichen Horizont und bietet zahlreiche Möglichkeiten der Vernetzung“, so Fulda weiter.

Richter hat Nordamerikastudien und Geschichte an der Freien Universität Berlin und der Indiana University in Bloomington studiert. Sie war von 2015 bis 2019 Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ an der Goethe-Universität. Seit Juli 2019 arbeitet sie als wissenschaftliche Assistentin in der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte des Historischen Seminars.

Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte zeichnet die Leopoldina alle zwei Jahre eine hervorragende wissenschaftshistorische Dissertation aus. Gestiftet wurde der Preis im Jahr 1997 von Ilse und Eugen Seibold, er ist mit 2000 Euro dotiert und erinnert an Georg Uschmann (1913-1986), der Professor für Geschichte der Naturwissenschaften in Jena war und das Archiv der Leopoldina als Direktor leitete. Mit ihren 31 Jahren ist Linda Richter die bislang jüngste Trägerin des Uschmann-Preises.

Publikation: Linda Richter, Semiotik, Physik, Organik. Eine Geschichte des Wissens vom Wetter (1750-1850). Frankfurt am Main/New York: Campus 2019.

 

Sep 3 2019
16:01

Erinnerung an die Sternstunden der 1920er Jahre

„Historic-Site“-Plakette für die Frankfurter Physik

FRANKFURT. Die 1920er Jahre waren die goldene Zeit der Quantenmechanik. Brillante Theoretiker und junge Querdenker gossen die Theorie in ihre moderne mathematische Form. Ihre Vorhersagen spornten zu neuen Experimenten an. Auch am Physikalischen Institut der Universität Frankfurt unter der Leitung Max Borns leisteten die Physiker Otto Stern und Walter Gerlach mit einer neuen experimentellen Methode wichtige Beiträge. Daran erinnert künftig eine „Historic Site“-Plakette, die heute im Rahmen einer Feierstunde enthüllt wird.

Die Enthüllung findet im Rahmen einer Feierstunde in der historischen Aula des Jügel-Hauses, dem früheren Hauptgebäude der Goethe-Universität auf dem Campus Bockenheim, statt. Sobald die Genehmigung des Denkmalamts erteilt ist, wird die Plakette am Gebäude der ehemaligen Physik in der Robert-Mayer-Straße 2 angebracht.

„Jeder kennt Goethe, aber der Nobelpreisträger Otto Stern ist noch weitgehend unbekannt“, so Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Die Universität hat vor einigen Jahren ihr neues Hörsaalzentrum auf dem Campus Riedberg nach Otto Stern benannt. Es freut mich, dass nun auch eine Historic Site Plakette den Ort kennzeichnet, an dem Otto Stern seine bahnbrechenden Experimente glückten.“

Verliehen werden die Historic Site-Plaketten von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, um an wichtige physikalische Entdeckungen in Laboratorien, Institutionen oder Städten in ganz Europa zu erinnern. In Deutschland ist die Frankfurter Physik der vierte Ort, der mit einer solchen Plakette ausgezeichnet wird.

„Das Jahr 2019 bietet gleich zwei Anlässe, an den Pionier der Quantenphysik und Nobelpreisträger Otto Stern zu erinnern“, erklärt Physikprofessor Horst Schmidt-Böcking, der mit der Historikerin Karin Reich eine Biographie Otto Sterns verfasst hat. 1919 entwickelte Otto Stern die Molekularstrahlmethode, für die er den Physik-Nobelpreis des Jahres 1943 erhielt. 1922 erbrachte er mit Walther Gerlach den experimentellen Nachweis für die Richtungsquantelung atomarer magnetischer Momente, und wies damit auch erstmals die Drehimpulsquantelung in Atomen nach. „Gleichzeitig gedenken wir des 50. Todestages von Otto Stern, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft in die Emigration gezwungen wurde“, so Schmidt-Böcking.

Otto Stern ließ sich zuerst in Pittsburgh und dann ab 1945 in Berkeley nieder. Anders als viele Emigranten nutzte er nach dem Zweiten Weltkrieg jede Gelegenheit, um in Europa zu sein und seine Freunde und Kollegen bei Konferenzen zu treffen. Horst Schmidt-Böcking hat in den vergangenen Jahren den Kontakt zu den Nachfahren Otto Sterns in den Vereinigten Staaten hergestellt und sie an die alte Wirkungsstätte ihres Onkels eingeladen. Stern hatte selbst keine Kinder.

„Die Historic Site-Plakette erinnert aber auch an andere wichtige Entdeckungen am Physik-Institut“, erklärt Petra Rudolf, Präsidentin der European Physical Society: „1920 maßen Max Born und Elisabeth Bormann erstmals die freie Weglänge von Atomen in Gasen und die Größe von Molekülen. Der Theoretiker Alfred Landé postulierte 1921 erstmals die Drehimpulskopplung als die Grundlage der inneratomaren Elektronendynamik.“

Zum Gedenken an Otto Stern findet in dieser Woche eine internationale Tagung statt, das Wilhelm und Else Heraeus-Seminar zum Thema „Otto Stern's Molecular Beam Research and its Impact on Science". Sprecher sind Zeitzeugen wie Sterns Neffe Allen Templeton, Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftler, deren experimentelle Verfahren auf der von Otto Stern entwickelten Molekularstrahlmethode basieren, u.a. die Kernspintomografie, der Laser und Maser. Die Tagung dauert noch bis zum 5. September.

Heute befindet sich in dem geschichtsträchtigen Gebäude der Sitz des Physikalischen Vereins Frankfurt. Gegründet 1824 ist dieser der älteste Verein dieser Art Deutschlands und bestand bereits, als 1914 die Universität eröffnet wurde.

Informationen: Prof. em. Dr. Horst Schmidt-Böcking, Institut für Kernphysik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 47002, hsb@atom.uni-frankfurt.de

 

Sep 3 2019
13:00

Vorbildliche Initiative zur Vermeidung von Deliren mit dem Deutschen Patientenpreis ausgezeichnet

​Organisierte Menschlichkeit hilft heilen

FRANKFURT. „Ehrenamtliche Patientenbegleiter zur Delirvermeidung“ heißt die Initiative, die gestern im Rahmen der 8. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare mit dem Deutschen Patientenpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Der gemeinsam mit der Zeitschrift ZEIT Doctor ausgelobte Preis wurde zum zweiten Mal verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und belohnt in diesem Jahr die beste Innovation zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Das preisgekrönte Projekt ist von Prof. Axel Prokop und seinem Team am Zentrum Alterstraumatologie der Kliniken Sindelfingen ins Leben gerufen worden. „Es zeigt beispielhaft, wie menschliche Zuwendung organisiert werden kann, die die Selbstheilungskräfte älterer Patienten stärkt“, sagte Prof. Jochen Maas, Vizepräsident des House of Pharma & Healthare und Mitglied der Jury. „Wir wünschen uns, dass sich viele Krankenhäuser an diesem Vorbild orientieren.“

Das Delir ist eine lebensbedrohliche akute Psychose, die auf unfallchirurgisch-orthopädischen Stationen als die häufigste Komplikation bei der Behandlung von über 70-jährigen Patienten gefürchtet wird. Bis zu einem Viertel dieser Patienten ist davon betroffen, jeder Fünfte davon verstirbt daran. Je mehr Zuwendung alte Menschen im Krankenhaus erfahren, desto geringer ist jedoch ihr Delir-Risiko. Von diesem bekannten Befund ausgehend, baute Prof. Prokop in Sindelfingen ein Team ehrenamtlicher Laienhelfer auf, die bestimmte Patienten einem strukturierten Besuchsplan folgend täglich jeweils eine Stunde betreuen. Diese Helfer werden von der Klinik geschult, dokumentieren ihre Arbeit schriftlich und tauschen sich regelmäßig in Teamsitzungen aus. Die unentgeltlich arbeitenden Helfer begleiten die Patienten bei der Mobilisation, lesen ihnen vor, unterhalten sich mit ihnen oder hören ihnen einfach nur zu und vermitteln somit ein Gefühl von Rückhalt und Geborgenheit. Zu einer medizinischen Behandlung sind sie nicht befugt.

Das am 1. Juli 2017 begonnene Projekt wurde inzwischen auf 14 Stationen in vier Krankenhäusern des Klinikverbundes Südwest ausgedehnt. Das Interesse an dem Ehrenamt ist groß: 75 Begleiter haben bis zum 1. Mai 2019 schon 4.031 Patienten betreut. Mit bemerkenswertem Erfolg: Keiner der betreuten Patienten erlitt während seines Krankenhausaufenthaltes ein Delir. Ohne Betreuung wären es nach Schätzung der Projektverantwortlichen mindestens 450 gewesen.

Das House of Pharma & Healthcare verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Prof. Jochen Maas (Sanofi).

Informationen: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V.
Telefon: (069) 36007188, j.pietzsch@wissenswort.com

 

Sep 2 2019
13:48

Internationales Symposium zur Biologie und Therapie des multiresistenten Krankenhauskeims Acinetobacter baumannii

Expertentreffen zu gefährlichem Krankenhauskeim 

Der dramatische Anstieg multiresistenter Bakterien in Kliniken stellt weltweit eine zunehmende Bedrohung dar. Auf Platz eins steht Acinetobacter baumannii. Wie man Krankenhausinfektionen mit dem gefährlichen Erreger möglichst schnell therapeutisch beherrschen kann, darüber tauschen sich international anerkannte Experten vom 4. bis 6. September an der Goethe-Universität aus.

Acinetobacter baumannii ist inzwischen für fünf bis zehn Prozent aller Infektionen auf Intensivstationen verantwortlich. Dabei zeichnen sich 45 Prozent der Bakterien durch multiple Antibiotika-Resistenzen aus. In einigen europäischen Ländern sind sogar mehr als 90 Prozent der Isolate nicht mehr mit den zur Verfügung stehenden Antibiotikatherapien behandelbar. Aufgrund dieser rasanten Entwicklung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Acinetobacter baumannii 2017 ganz oben auf die Liste der Erreger gesetzt, für die dringend neue Wirkstoffe benötigt werden.

„Um in dieser Situation schnell klinisch anwendbare Resultate zu erhalten, haben wir 180 medizinische und nicht-medizinische Mikrobiologen sowie Kliniker aus 36 Ländern nach Frankfurt eingeladen“, sagt die Mikrobiologin Prof. Beate Averhoff vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität. Sie ist Organisatorin des 12. Internationalen Symposiums zur Biologie von Acinetobacter. Themen des Symposiums sind die Evolution, Pathogenitätsmechanismen, Antibiotika-Resistenzen, die Regulation der Infektion und des Metabolismus, die Anpassung an den humanen Wirt, die Epidemiologie und neue therapeutische Strategien zur Bekämpfung dieses gefährlichen Krankenhauskeims.

Gelegenheit für Interviews mit internationalen Experten besteht am Donnerstag, dem 5. September zwischen 12:30 und 13:30 Uhr im Otto-Stern-Zentrum des Campus Riedberg. Bitte melden Sie sich vorab bei Prof. Averhoff an (averhoff@bio.uni-frankfurt.de oder mobil: 0159 05258355. Bitte beachten Sie, dass der Empfang im Hörsaalgebäude eingeschränkt ist.)

Informationen: Prof. Beate Averhoff, Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, (069)-798-29509; averhoff@bio.uni-frankfurt.de; mobil: 0159 05258355

 

Aug 28 2019
12:20

Deutsch-italienischer Abend mit Vortrag und Musik im Museum Giersch der Goethe-Universität, Donnerstag, 5. September 2019, 18.30 Uhr, Eintritt 4,- € an der Abendkasse

Heinrich Mylius: Frankfurter Stifter, Bürger Europas

FRANKFURT. Passend zur Ausstellung „Heinrich Mylius (1769–1854) – Ein europäischer Bürger zwischen Frankfurt am Main und Mailand“ (noch bis 8. September 2019) lädt das Museum Giersch der Goethe-Universität zu einem deutsch-italienischen Abend mit einem Vortrag und passender musikalischer Umrahmung ein.

Der Vortrag „Handel, Mäzenatentum, Konfession: Heinrich Mylius und seine europäischen Netzwerke“ von Dr. Ellinor Schweighöfer, widmet sich dem mäzenatischen Wirken Heinrich Mylius' in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main, das sich im Kontext seiner weit verzweigten und ausdifferenzierten europäischen Netzwerke vollzog. Mylius (1769–1854) war kaum zwanzigjährig in die Lombardei gezogen, um eine Filiale des Handelshauses seiner Familie zu eröffnen. In der Spätphase seines Lebens, ab den 1840er Jahren, engagierte er sich als großzügiger Mäzen in Frankfurt, ohne dafür selbst zurück in die Stadt zu kommen. Dabei stützte er sich auf ein Netzwerk transnationaler persönlicher, geschäftlicher und familiärer Kontakte.

Die Referentin des Abends, Dr. Ellinor Schweighöfer, gilt als exzellente Mylius-Kennerin. Sie studierte Geschichte und Archäologie an der Goethe-Universität Frankfurt und promovierte 2015 im Fach Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Seit 2018 ist sie Referentin am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität. Zuvor war sie am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität tätig, wo sie sich unter anderem mit einem Projekt zum Thema „Heinrich Mylius (1769–1854) und die deutsch-italienischen Verbindungen im Zeitalter der Revolution: Die Lombardei und das nordalpine Europa im frühen 19. Jahrhundert“ befasste.

Die passenden musikalischen Akzente setzen die Mitglieder des Collegium Musicum der Goethe-Universität. Sie spielen in verschiedenen Besetzungen Werke von italienischen und deutschen Komponisten aus unterschiedlichen Epochen und Zeiten. Die Aufführungen finden in unterschiedlichen Räumen des Museums statt, so dass die Besucherinnen und Besucher unmittelbar das Zusammenspiel von Kunst und Musik genießen können.

Das Programm im Detail:

18.30 Uhr Musikalische Eröffnung
19.00 Uhr Vortrag
20.15 Uhr Offizielle Begrüßung
20.30 Uhr Parallele musikalische Darbietungen
21.00 Uhr Pausenintermezzo
21.30 Uhr Parallele musikalische Darbietungen
22.00 Uhr Musikalischer Ausklang

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

 

Aug 28 2019
11:29

Die Historiker Johannes Fried und Pierre Monnet diskutieren in der Romanfabrik über den legendären König der Franken

Café Europa: „Karl der Große und die Franken am Mittelmeer“

FRANKFURT. Prof. Johannes Fried, emeritierter Professor an der Goethe-Universität, hat mit „Karl der Große“ ein Standardwerk über den legendären König der Franken verfasst. Prof. Pierre Monnet (ebenfalls Goethe-Universität) ist auch Mittelalter-Spezialist und Autor einer Monographie über Karl IV. Im Café Europa in der Frankfurter Romanfabrik werden die beiden Historiker über die Franken unter Karl dem Großen sprechen, über Karl und den Kalifen Harûn al-Rashid, über Jerusalem und das Auseinanderdriften der Religionen und einige weitere Aspekte.

Café Europa ist eine Vortrags- und Debattenreihe zur Identität Europas, veranstaltet von der Romanfabrik und dem Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS). Die Reihe wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Stadt Frankfurt, das Land Hessen und das IFRA-SHS.

Café Europa: Johannes Fried & Pierre Monnet – Karl der Große und die Franken am Mittelmeer.
Mittwoch, 4. September, 20.00 Uhr. Romanfabrik, Hanauer Landstraße 186 (Hof). Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter 069/49084828 oder reservierung@romanfabrik.de. www.romanfabrik.de

 

Aug 26 2019
11:51

Goethe-Universität lädt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum ersten Goethe-Campus-Lauf ein. 28. August, 18 Uhr, Campus Ginnheim

Uni zieht an Goethes Geburtstag die Laufschuhe an

FRANKFURT. Am 28. August 2019 wäre der berühmteste Sohn Frankfurts und Namensgeber der Goethe-Universität 270 Jahre alt geworden: An diesem Tag startet zum ersten Mal der Goethe-Campus-Lauf. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Uni aus Wissenschaft, Verwaltung und Technik werden sich dann einzeln oder in Teams ab 18 Uhr auf die Strecke begeben – es darf auf Zeit gelaufen werden, Walken ist aber auch erlaubt. Über eine Distanz von 5,8 Kilometern führt das Rennen vom Sportcampus Ginnheim durch den Grüngürtel zum Campus Westend und wieder zurück zum Sportcampus.

„Ich freue mich auf eine fröhliche Veranstaltung, auf einen ebenso fairen wie fröhlichen Wettlauf um die ersten Plätze, aber auch auf das gesellige Miteinander im Sinne des ‚Goethe Spirit' aller meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus Wissenschaft und Verwaltung“, betont Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. All jene, die selbst nicht mitlaufen, sind natürlich herzlich eingeladen, ihre Kolleginnen und Kollegen anzufeuern. Inklusion wird beim ersten Campus-Lauf großgeschrieben: Auch Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer können mitmachen. Nach der Siegerehrung wird der Tag entspannt mit Musik und Grillen auf dem Sportcampus ausklingen.

Im Rahmen der Veranstaltung wird am Sportcampus die neue Outdoor-Fitnessanlage eingeweiht; sie soll Bestandteil der künftigen „Goethe-Lauf-Runde“ werden. Diese soll perspektivisch eine feste Beschilderung erhalten und zu einer dauerhaften Einrichtung von Stadt und Uni werden. Das Konzept der künftigen Goethe-Lauf-Runde kombiniert Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining und wird für alle Studierenden und Mitarbeitenden ebenso zugänglich sein wie für Gäste. 

Der Goethe-Campus-Lauf wird gefördert von CampuService.

 

Aug 21 2019
09:00

Theoretische Physiker der Goethe-Universität haben herausgefunden, dass sich kulturelle Prozesse immer weiter beschleunigen

Musikcharts werden immer schnelllebiger

FRANKFURT. Kulturelle Prozesse laufen immer schneller ab und zeigen zudem eine wachsende Tendenz zur Selbstorganisation. Damit ist Erfolg heutzutage nach einer universellen Gesetzmäßigkeit verteilt. Dies haben die beiden Physiker Professor Claudius Gros und Lukas Schneider von der Goethe-Universität herausgefunden. Ihr Untersuchungsgegenstand: 50 Jahre Musikcharts.

Seit den 1960er Jahren werden Musikcharts nach dem gleichen Kriterium erstellt, nämlich anhand des kommerziellen Erfolges. Somit eignen sich Charts auf besondere Weise dazu, die langfristige Entwicklung kultureller Zeitskalen zu untersuchen – benötigt man hierfür doch Daten, die über Jahrzehnte hinweg vergleichbar sind. Auch über den kulturellen Bereich hinaus ist diese Herangehensweise relevant; insbesondere in Bezug auf die politische Meinungsbildung, die die dynamische Stabilität liberaler Demokratien tangiert.

In einer neuen Arbeit, die jetzt bei Royal Society Open Science erschienen ist, legen Lukas Schneider und Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität dar, dass sich die statistischen Eigenschaften, die Zusammensetzung und die Dynamik der amerikanischen, britischen, niederländischen und deutschen Pop Album-Charts seit Anfang der 1990er Jahre zum Teil deutlich verändert haben. Einerseits hat sich die Vielfalt der Charts verdoppelt oder sogar verdreifacht: Es gibt jetzt deutlich mehr Alben, die es in einem Jahr unter die Top 100 bzw. die Top 40 schaffen. Andererseits ist es mittlerweile so, dass ein Album entweder gleich als Nummer Eins startet – oder nie die Nummer Eins wird. In den 1960er bis -80er Jahren brauchten erfolgreiche Alben hingegen in der Regel vier bis sechs Wochen, um sich von ihrem Startplatz auf den ersten Rang hochzuarbeiten.

Die Anzahl der Wochen, während derer ein Album gelistet ist, dessen „Lebensdauer“, hat sich Schneider und Gros zufolge qualitativ verändert. Wurde die Lebensdauer bis zu den 1990er Jahren noch durch eine Gauß-Verteilung mit einem logarithmischen Argument beschrieben (log-normal), ist sie heutzutage durch ein Potenzgesetz charakterisiert. Die Verteilung der Lebensdauer ist somit universell, d. h. unabhängig von den Spezifika des Vorganges, was typisch für den Endzustand eines selbst-organisierenden Prozesses ist. Um diese Entwicklung zu erklären, schlagen Schneider und Gros einen informationstheoretischen Ansatz für menschliche Aktivitäten vor. Demnach sind Menschen kontinuierlich darum bemüht, den Informationsgehalt ihrer Erfahrungen und Wahrnehmung zu optimieren. Mathematisch wird Information durch die Shannon-Entropie erfasst, wobei zu berücksichtigen ist, dass Zeiten und andere Größen im Gehirn nach dem Weber-Fechner Gesetz nicht 1:1, sondern stark komprimiert dargestellt und gespeichert werden (auf einer logarithmischen Skala).

Insgesamt ergeben die Untersuchungen von Schneider und Gros, dass die Chartdynamik und damit auch die zugrundeliegenden sozio-kulturellen Prozesse heute deutlich schneller als vor einigen Jahrzehnten ablaufen. Eine ähnliche Beschleunigung könnte auch, wie die Autoren darlegen, für die Prozesse gegeben sein, die der politischen Meinungsbildung zugrunde liegen. Wie in einer früheren Arbeit von Gros gezeigt, wäre damit die dynamische Stabilität moderner Demokratien gefährdet, da die Zeitskalen der Wähler und die der politischen Institutionen auseinanderdrifteten, d. h. die Zeitskala der Meinungsbildung und die der zeitverzögerten Entscheidungsprozesse (C. Gros, Entrenched time delays versus accelerating opinion dynamics: Are advanced democracies inherently unstable? European Physical Journal B 90, 223 (2017). https://epjb.epj.org/articles/epjb/abs/2017/11/b170341/b170341.html).

Publikation: Lukas Schneider, Claudius Gros, Five decades of US, UK, German and Dutch music charts show that cultural processes are accelerating, Royal Society Open Science (2019).
https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.190944

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Telefon 069 798 47818, E-Mail gros07@itp.uni-frankfurt.de.