​​​​Pressemitteilungen ​

Forschung

Mär 17 2016
12:59

Projekt der Goethe-Universität und der hessischen Umweltbehörde erforscht Einfluss der geplanten Erdwärme-Anlage in Groß Gerau

Mikro-Erdbeben im Oberrheingraben durch Tiefenbohrung?

FRANKFURT. Die natürlichen seismischen Erschütterungen im nördlichen Oberrheingraben sind meist so schwach, dass die Bevölkerung sie nicht spürt. Dies gilt normalerweise auch für Mikrobeben, die durch Anlagen zur Nutzung von Erdwärme ausgelöst werden können. Mit dem Forschungsprojekt SiMoN+ wollen die Goethe Universität und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) untersuchen, ob es eine Wechselwirkung zwischen natürlichen und menschlich induzierten Beben gibt. SiMoN+ geht rechtzeitig an den Start, um das erste Hessische Tiefengeothermieprojektes bei Trebur im Oberrheingraben seismisch zu überwachen. Erste Bohrungen sind Ende März geplant.

In Geothermiekraftwerken wandelt man Erdwärme in Strom und Heizwärme um. Bei Trebur ist eine 3,5 bis 4 Kilometer tiefe Bohrung geplant. Wird Wasser in diese Tiefe geleitet, erhitzt es sich auf über 100 °C und ist damit heiß genug für eine wirtschaftliche Nutzung. Bereits im Vorfeld ist ein großes Areal, das Erlaubnisfeld Groß-Gerau der Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG), durch seismische Messungen charakterisiert worden, um einen geeigneten Standort für das Geothermiekraftwerk zu finden. Ein hoch-auflösendes Monitoring-System umfasst zudem die natürlichen Beben der Umgebung. Im weiteren Verlauf werden die verschiedenen Umsetzungsphasen des Geothermieprojekts, wie Bohrung, Reservoirtests und Betrieb seismisch überwacht und analysiert.

Das Messgebiet des Projekts SiMoN+ umfasst neben dem Erlaubnisfeld Groß-Gerau auch die Regionen Trebur, Walldorf, Riedstadt, Darmstadt und den nördlichen Odenwald. Diese Regionen deckt das regionale mikroseismische Messnetz der Goethe Universität gut ab und ermöglicht so, Beben genau zu lokalisieren. Die Stationen sind so ausgewählt, dass etwaige Störeinflüsse durch die dichte Besiedlung des Rhein-Main-Gebiets möglichst gering sind.

Das Messnetz des Hessischen Erdbebendienstes beim HLNUG ist darauf ausgerichtet, Erdbeben im gesamten Bereich des Landes Hessen zu lokalisieren. Der Schwerpunkt liegt in Südhessen, da hier die meisten Erdbeben aufgezeichnet werden. In Verbindung mit den Stationen der Goethe Universität können im Messgebiet des Projektes SiMoN+ Erdbeben ab etwa einer Stärke von 0,5 auf der Magnitudenskala erfasst werden. Ergänzt werden die Aufzeichnungen durch Daten von den Permanentstationen der angrenzenden Landesämter und Universitäten.

Das Projekt SiMoN+ ist das Nachfolgeprojekt des SiMoN-Projektes (Seismisches Monitoring im Zusammenhang mit der geothermischen Nutzung des Nördlichen Oberrheingrabens), welches vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bis Ende September 2015 gefördert wurde. Das Projekt SiMoN+ wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt.

Informationen: Prof. Georg Rümpker, Institut für Geowissenschaften, Geophysik, Campus Riedberg, Tel,: (069) 798 40142, rumpker@geophysik.uni-frankfurt.de

www.hlnug.de/themen/geologie/erdbeben/simon.html

Personalia/Preise

Mär 17 2016
12:57

Beim Gründerwettbewerb „Best of X – Rhine-Main“ belegten MINDS-Medical und Debitos die ersten beiden Plätze

Startups des Goethe-Unibators erfolgreich

FRANKFURT. Welche Startups sind die besten im Rhein-Main-Gebiet? Dieser Frage nahm sich nun erstmals der Gründerwettbewerb „Best of X – Rhine-Main“ an. Gleich zwei Gründerteams aus dem Goethe-Unibator, dem Gründerzentrum der Goethe-Universität, machten das Rennen: MINDS-Medical gewann den ersten Preis neben Debitos auf Platz zwei. Ersteres wird aktuell noch vom Goethe-Unibator gefördert. Debitos gehört bereits den Alumni an. „Ich freue mich besonders, dass der Unibator mit seinen Startups bei dieser Veranstaltung so gut vertreten war und wünsche mir, dass sich auch in Zukunft alle ambitionierten Gründer aus der Rhein-Main Region mit uns auf den unternehmerischen Weg machen wollen“, sagt Dr. Sebastian Schäfer, Leiter des Goethe-Unibators. Bereits vorab qualifizierten sich insgesamt fünf Startups aus dem Goethe-Unibator für die Runde der besten zehn, die bei dem Wettbewerb, der in Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem lokalen Energieversorger Entega am 8. März 2016 stattfand, ihre Unternehmen in kurzen Pitches vor einer Jury präsentierten.

Das Frankfurter Startup MINDS-Medical hat eine Softwarelösung entwickelt, die Krankenhäusern und Ärzten Zeit und Ressourcen bei der Abrechnung spart. Die Jury sah in dieser Idee einen wirklichen Mehrwert und ein schönes Beispiel, wie Business-to-Business-Modelle dem Endkunden zugutekommen können. Zudem konnte sich MINDS-Medical über einen Sonderpreis, ein fundiertes Startup-Coaching mit Immoscout24-Gründerin Birgit Ströbel, freuen. Das zweitplatzierte Jungunternehmen Debitos ist eine führende deutsche Online-Plattform für den Handel mit notleidenden Krediten und Insolvenzquoten. Die Jury würdigte damit die clevere Lösung für eine Lücke am Wirtschaftsmarkt. Den dritten Platz belegte das Frankfurter Startup Antelope. Die Experten-Jury unter Beteiligung von Marc Umber (High-Tech Gründerfonds), Carsten Knop (FAZ), Birgit Ströbel (Founders Fight Club), Bernd Scharrer (Allianz Digital Accelerator) und René Sturm (Entega) wählte die Gewinner aus. Die weiteren Teilnehmer aus dem Goethe-Unibator waren vaamo (Alumni), Roomhero und Savedroid.

Der Wettbewerb „Best of X“ findet international in verschiedenen Städten und Regionen statt. Ziel ist es, die besten Gründerteams des jeweiligen regionalen Startup-Ökosystems an einem Abend zusammenzubringen und besser untereinander sowie mit Investoren und Beratern zu vernetzen.

Mehr Informationen zu den Startups aus dem Goethe-Unibator lesen Sie auf GOETHE-UNI Online, dem Webmagazin der Goethe-Universität: www.aktuelles.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mär 16 2016
12:25

Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität legt zum „Equal Pay Day“ Studie vor – Detaillierte Informationen über verschiedene Branchen

In Frankfurt verdienen Frauen in Vollzeit 10 Prozent weniger als Männer

FRANKFURT. Frankfurter Frauen, die Vollzeit arbeiten, verdienen im Schnitt 10 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, 2010 waren es noch 12 Prozent. Dies belegt eine soeben veröffentlichte Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, die sich auf aktuell verfügbare Zahlen des Jahres 2013 bezieht und pünktlich zum „Equal Pay Day“ (19. März) veröffentlicht wird. „Wenn sich dieser Trend so fortsetzt, ist dies ein großer Fortschritt für Frauen. Immer mehr Frankfurterinnen arbeiten inzwischen Vollzeit und gerade dort nimmt der Lohnabstand zu den Männern stetig ab“, meint Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. Allerdings liegt Frankfurt nach dieser Berechnung zwei Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Einkommen aller Vollzeit-Berufstätigen sind in Frankfurt von 2010 bis 2013 um fast 9 Prozent gestiegen ist. Doch je höher die Einkommen, desto weniger Frauen partizipieren daran: Wenn Männer mit einem akademischen Abschluss im Schnitt 5.600 Euro verdienen, liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen von gleich qualifizierten Frauen bei 4.500 Euro, also fast 25 Prozent darunter. Frauen mit Berufsabschluss verdienen im Schnitt 3.000 Euro während das Bruttoeinkommen vergleichbar qualifizierter Männer bei 3.500 Euro liegt. Hier beträgt der Unterschied gerade 13 Prozent. Dazu Larsen: „Dies ist die bittere Wahrheit, mit der sich Frauen immer noch konfrontiert sehen. Unsere Studie zeigt, dass bei Beschäftigten mit akademischen Abschlüssen, die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern viel größer ist als bei Berufsausbildungen. Vor diesem Hintergrund mag mancher Rat an Frauen, sich doch immer höher zu qualifizieren, um bessere Einkommenschancen zu haben, nochmals anders gedacht werden.“

Der Weg zu höheren Einkommen ist weniger an Abschlüsse als vielmehr an unternehmensinterne Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen gebunden. Und hier haben es Frauen im Schnitt noch viel schwerer als Männer, wie der seit Jahren wenig wachsende Anteil von Frauen in Führungspositionen zeigt. „Männliche Seilschaften und eine traditionelle Betriebskultur wirken wie eine gläserne Decke, die Frauen bei ihrem Aufstieg nur schwer durchdringen können“, stellt Larsen fest.

Am „Equal Pay Day“, am 19. März, stellt Christa Larsen gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Krekel die Studie „Die Entgelt(un)gleichheit der Frankfurterinnen. Einkommenslücken zwischen Frauen und Männern im Spiegel von Branchen, Staatsangehörigkeit und Qualifikation“ öffentlich vor, bei der die Sozialwissenschaftlerinnen des IWAK Daten des Statistikservice Südwest der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet haben, um das Bruttoeinkommen von Vollzeit-Beschäftigten vergleichen zu können. Mit dem Verfahren, das in dieser Studie angewandt wird, wird die sogenannte „bereinigte Einkommenslücke“ berechnet. „Die verwendeten Daten erlauben uns auch klare Aussagen zu den jeweiligen Branchen, was für Betrachtung der Frankfurter Situation besonders interessant ist“, ergänzt Larsen.

Denn die Verringerung der Lohnlücke von 2010 bis 2013 um fast 2 Prozent trifft nicht auf alle Branchen zu: „In der Beratungsbranche stagniert die Lücke seit Jahren auf einem hohen Niveau von über 20 Prozent“, so die IWAK-Geschäftsführerin Dr. Larsen. „Auffällig ist auch, dass sich in der ständig wachsenden Gesundheitsbranche und dem Sozialwesen und in der für Frankfurt wichtigen Finanz- und Versicherungsbranche ein ähnliches Bild zeigt, obwohl alle drei Branchen zunehmend höhere Frauenanteile haben.“

Die Einkommensgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern variiert extrem nach den verschiedenen Branchen. Am höchsten ist die Gerechtigkeit derzeit im verarbeitenden Gewerbe, einer wichtigen Branche am Standort Frankfurt, wie die Frankfurter Industriestudie 2013 gezeigt hat (www.amazon.de/Industriestudie-Frankfurt-am-Main-2013/dp/3631655517), an der Humangeografen der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt waren. „Wenn Frauen im verarbeitenden Gewerbe, das in Frankfurt überwiegend mittelständisch geprägt ist, in Vollzeit arbeiten, verdienen sie im Schnitt etwa 2,4 Prozent weniger als ihrer männlichen Kollegen“, so Larsen. 2010 lag der Abstand noch bei über 8 Prozent. „Ein Grund mehr, diese Branche zu wählen, in der schon überdurchschnittliche Gehälter gezahlt werden“, so Krekel.

Die Informatik und Kommunikationsbranche, eine weitere Zukunftsbranche in Frankfurt, zeichnet ein eher düsteres Bild: Nahezu 18 Prozent beträgt der Unterschied in den Bruttoeinkommen zwischen  in Vollzeit beschäftigten Frauen und Männern. „Offensichtlich hat auch der stetig wachsende Anteil von Frauen, der inzwischen bei einem Drittel liegt, keinen positiven Einfluss“, sagt Larsen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer machen die Sozialwissenschaftlerinnen aus: Im Vergleich zu 2010 ist der Abstand zwischen dem Einkommen der Männer und Frauen schon etwas kleiner geworden, damals hatte er noch über 20 Prozent betragen. „Aber es ist noch ein weiter Weg, bis Einkommensgerechtigkeit in dieser Branche umgesetzt ist“, fürchtet Krekel.

Die Studie hat die verschiedenen Branchen und ihre Verdienstmöglichkeiten detailliert unter die Lupe genommen: Am besten verdienen Frauen im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit über 5.400 Euro (Frauenanteil 41 Prozent). Während im Gesundheits- und Sozialwesen die durchschnittlichen Bruttoeinkommen monatlich bei knapp über 3.000 Euro liegen (Frauenanteil über 71 Prozent), sind es im Erziehungsbereich knapp über 3.400 Euro (Frauenanteil 62 Prozent). Deutlich höher liegen die Einkommen in der Branche Information und Kommunikation mit über 4.600 Euro, doch hier beträgt der Frauenanteil auch nur 31 Prozent.

„Equal Pay Day“

Das Datum des „Equal Pay Day“ wird jedes Jahr neu berechnet, in diesem Jahr ist es der 19. März. Er symbolisiert den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied und wird nach einem anderen Verfahren, als es die Frankfurter Studie verwendet, festgelegt. Da hieralle Frauen und Männer, die erwerbstätig sind, mit ihrem Bruttoeinkommen verglichen werden, kommt man aufeine bundesweite Lohnlücke von 22 Prozent. Umgerechnet auf das Jahr 2016 arbeiten Frauen quasi vom 1. Januar bis 19. März 2016, also 79 Tage, umsonst. 2015 waren es 80 Tage. Deutschland gehört immer noch zu den Schlusslichtern in Europa, wenn es um die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern geht. Auf Initiative des Bundesfamilienministeriums wird zurzeit ein Gesetzentwurf erarbeitet, der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichten soll, ihre eigene Entgeltgleichheit zu überprüfen, diese herzustellen und zu dokumentieren. Und außerdem sollen Arbeitnehmer/innen einen individuellen Auskunftsanspruch gegenüber ihrem Arbeitgeber erhalten.

Der „Equal Pay Day“ des Frankfurter Aktionsbündnisses, das vom Business and Professional Women Club Frankfurt (BPW) und dem Frauenreferat der Stadt initiiert wurde und zu dem auch das IWAK gehört, widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Berufe mit Zukunft – was ist meine Arbeit wert?“ An einer Diskussion zum „Equal Pay Day“ im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum (Saalgasse15, 19. März, 11 Uhr) beteiligt sich auch die Sozialwissenschaftlerin Dr. Christa Larsen vom IWAK.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, Campus Bockenheim Tel. (069) 798- 22152, E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de, Broschüre online unter: www.iwak-frankfurt.de/iwak-broschure-zum-equal-pay-day/

Weitere Ergebnisse der Studie auch auf GOETHE-UNI online: http://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/in-frankfurt-verdienen-frauen-in-vollzeit-10-prozent-weniger-als-maenner/

Veranstaltungen

Mär 16 2016
12:24

Podiumsdiskussion am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften über soziale Ungleichheit als Voraussetzung, Problem oder Chance des Kapitalismus

Geißel der Menschheit oder Weg zum Wohlstand?

BAD HOMBURG. Die einen nennen soziale Ungleichheit einen Zustand, der zutiefst ungerecht ist und unbedingt überwunden werden muss. Die anderen sehen darin einen Motor, der Innovationen, Fortschritt, Wachstum schafft und steigenden Wohlstand für alle überhaupt erst möglich macht. Experten am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften diskutieren aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema „Soziale Ungleichheit: Voraussetzung, Problem oder Chance des Kapitalismus?“ – und damit über eine der größten Kontroversen unserer Gegenwart. Die öffentliche Veranstaltung findet am Montag (21. März) um 19.00 Uhr am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Bad Homburg, statt.

Die Podiumsdiskussion bildet den Höhepunkt der Auseinandersetzung mit „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“. Dieser widmete sich das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften im akademischen Jahr 2015/16. Die interdisziplinäre Besetzung des Podiums soll historische und gegenwärtige Perspektiven zusammenführen und lässt empirische und theoretische Einblicke erwarten. Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wird die vermutlich kontroverse Diskussion moderieren.

Denn so unterschiedlich wie der fachliche Hintergrund der Experten auf dem Podium sind auch ihre Positionen: Dr. Lisa Herzog ist Politische Philosophin und Mitarbeiterin des Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie schreibt dem Kapitalismus positive Effekte zu, hält das gegenwärtige Wirtschaftssystem aber für verbesserungswürdig. So plädiert sie für einen „zeitgemäßen Liberalismus“. In diesem sollen durch moralische Regeln und die Übernahme individueller Verantwortung Märkte in den Dienst einer gerechteren Gesellschaft gestellt werden. Der Volkswirts Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Minister a. D. des Landes Sachsen-Anhalt und Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Wirtschaft an der Otto von Guericke-Universität Magdeburg, ist der Auffassung, dass die sozialen Probleme der Menschheit nur durch Wachstum zu lösen seien. Er hält den gegenwärtigen Kapitalismus für geeignet, das gesamtgesellschaftliche Wohlergehen zu steigern. Einen konträren Standpunkt vertritt Prof. Dr. Christoph Deutschmann. Der Soziologe und emeritierte Hochschullehrer i. R. der Eberhard Karls-Universität Tübingen wendet sich gegen den„Wachstumszwang“, der mit dem modernen Kapitalismus Hand in Hand gehe. Diesem auf Dauer nachzukommen sei weder möglich noch sinnvoll. Anknüpfend an Marx steht er auf dem Standpunkt, dass ein Ausweg nur durch Veränderung von Eigentumsformen zu erzielen sei. So könnten beispielsweise mit der Förderung genossenschaftlichen Eigentums positive Effekte für die Gesellschaft erzielen werden.

Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität, bündelt auf dem Podium als Programmbeauftragter des Historischen Kollegs die wissenschaftlichen Befunde aus dem Themenjahr „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“. In einer Reihe von vier öffentlichen Vorträgen und wissenschaftlichen Workshops untersuchten Experten die These von der extremen Auseinanderentwicklung von Kapitalismus in Ost und West seit 1800. Dafür hinterfragten sie, inwiefern Strukturmerkmale, zu denen  z.B. individuelle Eigentums- und Verfügungsrechte oder die oft angeführte „freie Lohnarbeit“ gehören, für die Entwicklung der spezifischen regionalen Kapitalismus-Varianten noch bestimmend sind.

Das Historische Kolleg ist eine Programmlinie des Forschungskollegs Humanwissenschaften – seinerseits Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung – und wurde 2014 in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aus aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte der Goethe-Universität. Das Themenjahr „Varianten des Kapitalismus“ wird finanziert von dem Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt. Zudem fördert die Dagmar-Westberg-Stiftung das Historische Kolleg maßgeblich. 

Informationen: Dr. Friederike Sattler und Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel.: (06172)13977-14, E-Mail: Friederike.Sattler@hk.badw.de; schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldungen bitte an: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Veranstaltungen

Mär 16 2016
12:22

Symposium „Hochschule und Industrie“ behandelt aktuelle Themen der Pharmazie

Zwischen medizinischem Durchbruch und Schritt-innovation

FRANKFURT. Ein Vierteljahrhundert verging zwischen dem ersten genehmigten Gentherapieversuch und der Zulassung der ersten Gentherapie Alipogentiparvovec im Jahr 2015. Diese Therapie dient der Behandlung von Patienten mit der sehr seltenen Fettstoffwechselkrankheit LPLD, die von einem defekten Gen verursacht wird. Alipogentiparvovec ist ein viraler Vektor, der Billionen von gesunden Genkopien enthält, und die Patienten dadurch heilen kann. Ähnliche Gentherapien gegen seltene Krankheiten befinden sich in fortgeschrittenen Stadien der klinischen Entwicklung. Wird es bald auch Zell- und Gentherapien gegen Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten geben? Welche Risiken sind mit ihnen verbunden? Und darf eine Gentherapie wie Alipogentiparvovec eine Million Euro Kosten?

Das ist eines der aktuellen Gesundheitsthemen, denen sich das Symposium „Hochschule und Industrie – Gemeinsam für die Pharmazie der Zukunft“ am 7. und 8. April im Otto-Stern-Zentrum der Goethe-Universität in Frankfurt am Main widmen wird.

Die Pharmazie entfaltet ihr Potential seit jeher im Spannungsfeld zwischen der akademischen und der industriellen Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln und deren medizinischer Anwendung. Angesichts zahlreicher Herausforderungen an die Gesundheitssysteme und die Patientenversorgung wird die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie immer wichtiger. Auch die weiteren Vorträge und Diskussionsrunden des Symposiums, die sich schwerpunktmäßig mit der Bedeutung der Arzneimitteltherapiesicherheit, dem Nutzen von Schrittinnovationen und den beruflichen Perspektiven für Apothekerinnen und Apotheker beschäftigen werden, haben eine Intensivierung des Austausches und der Zusammenarbeit zum Ziel. In seinem Festvortrag wird der Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), Prof. Stefan Laufer, von den oft unterschätzten Möglichkeiten der Arzneimittelforschung im akademischen Umfeld berichten.

Das Symposium richtet sich an Studierende und Doktoranden der Pharmazie und verwandter Naturwissenschaften sowie an Vertreter aus der Pharma- und Gesundheitswirtschaft und aus Hochschulen, Politik und Medien. Veranstaltet wird das Symposium, das nach der gelungenen Premiere 2014 in dieser Form zum zweiten Mal stattfindet, von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller, dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller, Pro Generika gemeinsam mit der Goethe-Universität, dem House of Pharma & Healthcare, dem Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland sowie der Fachgruppe der Apotheker in Wissenschaft, Industrie und Verwaltung e.V.

Das House of Pharma & Healthcare (http://www.houseofpharma.de) verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Professor Jochen Maas (Sanofi).

Symposium „Hochschule und Industrie – Gemeinsam für die Pharmazie der Zukunft“

Wann? 7. und 8. April 2016
Wo? Otto-Stern-Zentrum, Campus Riedberg, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Pressevertreter haben die Möglichkeit sich unter www.presse.pharmazie-zukunft.de kostenfrei zu akkreditieren.

Informationen: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Tel.: (069) 36007188, presse@houseofpharma.de

Veranstaltungen

Mär 14 2016
11:09

9. Internationales Colloquium der Deutschen Orient-Gesellschaft auf dem Campus Westend

Der Palast im antiken und islamischen Orient

FRANKFURT. Die Deutsche Orient-Gesellschaft trifft sich vom 30. März bis 1. April zu einer Tagung auf dem Campus der Goethe-Universität; zu den 30 Vorträgen werden etwa 200 Teilnehmer erwartet. Das 9. Internationale Colloquium beschäftigt mit einem wichtigen Thema der Altorientalistik: „Der Palast im antiken und islamischen Orient“.

Die Vorträge richten sich sowohl an Fachleute als auch an interessierte Laien und präsentieren neueste Forschungsergebnisse und interessante Neufunde. Begleitet wird die Tagung von zwei öffentlichen Abendvorträgen: Am Mittwoch (30.3.) spricht Prof. Nicholas Postgate (University of Cambridge) um 18 Uhr über „Life and death in the ‚Big House‘“, am Freitag (1.4.) referiert Dr. Martina Müller-Winter (Universität Bonn / Museum für Islamische Kunst Berlin) über „Der Palast als ‚Soziotop‘ – die Funktionen und Funktionsträger in frühislamischen Residenzen. Zwischen archäologischem Befund und Textquellen“, jeweils im HZ5 des Hörsaalgebäudes, Campus Westend.

Der Palast steht als pars pro toto für die antike Wirtschaft und Gesellschaft, als Metapher für Reichtum und Macht der regierenden Elite oder als herausragendes Monument der zeitgenössischen Baukunst. Die Spanne der vorgesehenen Vorträge reicht von den frühen Palästen des 3. Jahrhunderts v. Chr. bis in die islamische Zeit. Die Spätzeit und der islamische Orient werden ebenfalls beleuchtet. Insgesamt bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für unterschiedliche Betrachtungen aus Philologie und Archäologie an. So möchte die Frankfurter Tagung verschiedene Forschungsrichtungen zusammenbringen und sich auf einzelne Problemstellungen konzentrieren.

Die Vortragsblöcke sind nach Epochen bzw. Regionen gegliedert. Gerade im epochenübergreifenden Vergleich sollen die in den Einzelvorträgen diskutierten Fallbeispiele helfen Parallelen und Anknüpfungspunkte auch an benachbarte Disziplinen aufzuzeigen und so neue Impulse für die weitere Forschung geben.

Anmeldung für Teilnahme an der gesamten Veranstaltung unter: Anmeldung@9icdog.de

Programm unter: http://www.uni-frankfurt.de/59744036/Programm

Informationen: Prof. Dr. Dirk Wicke, Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798 32317, E-Mail: Team@9icdog.de;

Sonstige

Mär 10 2016
14:43

Fachbereich Jura erprobt einzigartiges deutsch-amerikanisches Lehrprojekt

Amerikanische Jurastudierende zu Gast an der Goethe-Uni

FRANKFURT. Der Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität hat in diesem Wintersemester ein einzigartiges deutsch-amerikanisches Pilot-Projekt gestartet. Elf Jurastudierende von der University of Pennsylvania Law School (Penn Law) sind derzeit zu Gast bei ihren Kommilitonen in Frankfurt, um sich über deutsches und amerikanisches Recht auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und die Goethe-Universität kennenzulernen. Das Lehrprojekt „Global Research Seminar“ haben Jurastudierende gemeinsam mit Prof. Brigitte Haar, Rechtswissenschaftlerin und Vizepräsidentin für Internationalisierung initiiert. „Es ist fantastisch, ein solches Großprojekt mit einem der strategischen Partner der Goethe-Uni auf die Beine gestellt zu haben“, sagt Prof. Brigitte Haar. Für die Internationalisierung der Goethe-Uni sei es ein deutschlandweit einmaliges Vorzeigeprojekt.

Im November 2015 waren elf Frankfurter Studierende bereits fünf Tage zu Besuch in Philadelphia. Dort bildeten sie mit ihren amerikanischen Kommilitonen Tandems für die Erarbeitung von Themen zu Corporate Governance im Rechtsvergleich, wie etwa Vorstandsvergütung oder Frauen im Aufsichtsrat. Sie besuchten Vorlesungen, gehalten von Prof. Haar und ihrer amerikanischen Kollegin Prof. Jill Fisch, lernten eine der führenden Law Schools der USA kennen und waren zu Gast in verschiedenen Rechtsinstitutionen, wie die Wertpapieraufsichtsbehörde in Washington D.C. „Unsere Studierenden werden international arbeiten und durch so ein Projekt lernen sie nicht nur andere Rechtsgrundlagen, sondern auch das Netzwerken und die Kultur kennen“, zeigt sich Fisch von der Penn Law begeistert über die Kooperation. In den letzten drei Monaten schrieben die Zweierteams gemeinsame Seminararbeiten zu ihrem jeweils gewählten Thema, koordiniert per E-Mail und Videotelefonie, die beim Gegenbesuch der amerikanischen Studierenden in diesen Tagen im Seminar an der Goethe-Uni präsentiert wurden. „Es war interessant zu sehen, wie ein Thema mit derselben Überschrift so unterschiedlich bearbeitet werden kann“, sagt Anne-Marie Gerstner, die im neunten Semester Rechtswissenschaften an der Goethe-Uni studiert. Ihr amerikanischer Tandem-Partner David Block ist begeistert, wie international Jura sein kann: „Das deutsche Recht ist ein ganz anderes als das amerikanische.“

Marvin Fechner, Jurastudent und Mitglied des Fachschaftsrats, hat diesen Austausch angestoßen, um die Internationalisierung im Fachbereich voranzutreiben. Ein Auslandssemester sei für viele unpraktisch, daher sei das Interesse der Studierenden an diesem Kurzaustausch sehr groß gewesen, sagt Fechner. Aus 60 Bewerbern wählte Haar nach der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen und dem Führen von persönlichen Gesprächen elf Studierende aus. Diese wurden vom Fachbereich mit einer großzügigen finanziellen Förderung für die Reise nach Philadelphia unterstützt.

Gestern standen ein Besuch bei der EZB sowie ein Empfang im Römer vor dem Hintergrund der Städtepartnerschaft Frankfurts mit Philadelphia auf dem weiteren Programm der Studierenden. Heute fährt die Gruppe nach Brüssel, um im Verbindungsbüro der Goethe-Universität mit den dort vertretenen politischen Institutionen und Interessenverbänden ins Gespräch zu kommen.

In Zukunft soll es ein solches Projekt wieder geben: „Wir wollen damit auch das beachtliche internationale Profil der Frankfurter Rechtswissenschaften weiter schärfen“, sagt Haar. Die Vizepräsidentin erhofft sich zudem, diese Art von Lehrveranstaltungen künftig auch an anderen Fachbereichen etablieren zu können.

Veranstaltungen

Mär 9 2016
15:20

Kooperationsprojekte des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beleuchten Rechtfertigungen des Tötens und der Gewalt

„Nous n’avons pas besoin de tuer…“ bei der Luminale 2016

FRANKFURT/OFFENBACH. Nach der erfolgreichen Kooperation im Rahmen der Luminale 2014 wird der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität auch in diesem Jahr bei dem internationalen Festival der Lichtkunst im Rhein-Main-Gebiet präsent sein. Er tut dies vom 13. bis 18. März in bewährter Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach. Kooperationspartner in diesem Jahr sind auch die Stadt Frankfurt, die Galerie Marion Meyer und inhaltlich insbesondere die Künstlerin Laura J Gerlach. Der Titel des diesjährigen Kooperationsprojekts lautet: „Nous n’avons pas besoin de tuer…“ („Wir haben es nicht nötig zu töten...“).

Der insgesamt dreiteilige Text – als Neon-Installation mit Sound von Laura J Gerlach – ist an drei Orten während der Luminale zu sehen: in Frankfurt bei der Galerie Marion Meyer in der Eichendorffstrasse und dem Lucae-Brunnen am Opernplatz sowie am Rathaus Offenbach. Die Eröffnung des Gesamtprojekts findet am Sonntag, 13. März, um 18 Uhr vor dem Rathaus Offenbach statt. Flankierend zu den Lichtkunst-Aktionen gibt es an den darauffolgenden Tagen eine Vernissage, ein Podiumsgespräch und einen wissenschaftlichen Vortrag.

„Nous n’avons pas besoin de tuer pour vivre!“ lautet der Schriftzug an der Galerie Meyer. Kombiniert wird dieses Zitat des international bekannten Designers Philipp Starck mit dem aus der Marseillaise stammenden Aufruf „Aux armes, citoyens“ („Zu den Waffen, Bürger“). Auf dem Brunnen des Frankfurter Opernplatzes ist eine Zeile der Deutschen Arbeiter-Marseillaise zu lesen: „für Freiheit, Recht und Brot“. An der Fassade des Rathauses in Offenbach schließlich steht: „Enrichissez-vous!“. Das Zitat wird François Guizot zugeschrieben, einem französischen Minister des 19. Jahrhunderts. Man kann es als „Bereichert euch!“ übersetzen. Dann folgt: „Eclairez-vous!, „Erhellt euch!“ oder „Klärt euch auf!“.

„Die inhaltliche Dimension des Themas zielt auf die grundlegende gesellschaftliche Frage, ob zu Zwecken des nicht nur Überlebens, sondern auch des Lebens getötet werden darf. Und ob es in unserer Gesellschaft erforderlich ist zu töten“, so die Künstlerin Laura J Gerlach. Um mögliche Rechtfertigungen für das Töten, die Todesandrohung und den Gebrauch von Waffengewalt geht es in den Beiträgen der Sprecher des Exzellenzclusters, Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, und dem Podiumsgespräch unter Leitung der Cluster-Geschäftsführerin Rebecca Caroline Schmidt. Hier spannt sich der Bogen von der Frage, ob äußerste Gewaltanwendung im Sinne der „gerechten Sache“ legitim erscheint, über ein vermeintliches Selbstverteidigungsrecht von Bürgern bis zur klassischen Diskussion, ob der Staat sein Gewaltmonopol auch dazu verwenden darf, seinerseits, etwa bei der Todesstrafe, zu töten.

Das Podiumsgespräch am 15. März um 19.30 Uhr in der Galerie Marion Meyer trägt den Titel „‘Zu den Waffen?/!‘ – Angst im Rechtsstaat“. Das Podium wird über die Frage diskutieren, wie der Handel, Besitz und Umgang mit Waffen rechtlich geregelt ist und wie sich Recht und Wirklichkeit zueinander verhalten, um sich dann mit dem aktuellen Problem des in einigen Teilen der Bevölkerung zu beobachtenden steigenden Unsicherheitsgefühls auseinanderzusetzen. Wie kann und soll ein Rechtsstaat darauf reagieren, wie lässt sich verhindern, dass Kriminalitätsfurcht umschlägt in die Forderung, jeder solle sich am besten selbst und auch durch Bewaffnung selbst schützen?

In seinem Vortrag „Auf Leben und Tod. Über das (Un-)Recht zu töten“ wird der Rechtswissenschaftler Klaus Günther am 17. März um 19 Uhr im Fotografie Forum Frankfurt die Beobachtung in den Mittelpunkt stellen, dass fast jeder absichtliche Tötungsakt von einer rechtfertigenden Erzählung begleitet wird. Die Frage nach dem „Warum?“ sucht nach Gründen, aus denen sich irgendein Recht folgern ließe, das den Tod verständlich, gerechtfertigt erscheinen lässt. In archaischen Erzählungen kommt der Tod überhaupt nur in die Welt, weil eine Verfehlung bestraft werden muss. Blut muss mit Blut, Leben mit Leben vergolten werden. Explizit ist dieser mythische Zusammenhang heute noch in der Todesstrafe, und er spielt auch bei vielen kriegerischen Auseinandersetzungen eine Rolle, in denen es darum geht, ein tatsächliches oder vermeintliches Unrecht zu vergelten.

Das Programm im Überblick:

Sonntag, 13. März 2016, 18.00 Uhr: Eröffnung des Gesamtprojekts mit Prof. Dr. Rainer Forst vor dem Rathaus Offenbach, Berliner Straße 100, 63065 Offenbach am Main

Dienstag, 15. März 2016, 18.30 Uhr: Vernissage in der Galerie Marion Meyer, Eichendorffstrasse 70a, 60320 Frankfurt am Main

Dienstag, 15. März 2016, 19.30 Uhr: Podiumsgespräch „‘Zu den Waffen?/!‘ – Angst im Rechtsstaat“ mit Dr. Reinhard Müller (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Andreas Engels (C. W. Engels Waffen), Moderation: Rebecca C. Schmidt; Galerie Marion Meyer

Donnerstag, 17. März 2016, 19.00 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Klaus Günther: „Auf Leben und Tod. Über das (Un-)Recht zu töten“; Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstraße 30-32

Laura J Gerlach lebt als freie Künstlerin und Fotografin in Frankfurt, Paris und New York. Sie studierte an der Goethe-Universität Kunstgeschichte und Design an der Rhein-Main-Hochschule in Wiesbaden. Rainer Forst ist Professor für Politische Theorie und Philosophie. Klaus Günther bekleidet die Professur für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Das Projekt findet mit freundlicher Unterstützung der MainLicht GmbH statt.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/luminale

Forschung

Mär 9 2016
13:01

Forscher aus Frankfurt und Kent erfolgreich bei Suche nach Wegen zur Überwindung von Resistenzen

Erste Schritte auf dem Weg zu einem neuen Krebsmedikament

FRANKFURT.Forscher der Goethe-Universität und der Universität von Kent (Großbritannien) haben den ersten Schritt auf dem Weg zu einer neuen Generation von Krebsmedikamenten gefunden, die in der Lage sind, Resistenzen gegen Wirkstoffe zu hemmen.

Mit seiner Forschung hat das internationale Team von Professor Jindrich Cinatl von der Goethe-Universität  und Professor Martin Michaelis von der Kent’s School of Biosciences den Weg zu maßgeschneiderten Medikamentenkombinationen geebnet, die die Wirksamkeit von Behandlungen insbesondere bei Patienten mit therapieresistenten Krebsarten steigern könnten.

Medikamentenresistenzen sind ein häufiger Grund für das Scheitern von Krebstherapien, und sie sind somit verantwortlich für den Tod vieler Patienten. Trotz großer Fortschritte bei der Behandlung von Krebs in den vergangenen Jahrzehnten kommt es noch immer vor allem dann zur Heilung, wenn der Krebs früh entdeckt und lokal behandelt wird in Form von chirurgischem Eingriff und Strahlentherapie. Haben sich die Krebszellen erst einmal im Körper verbreitet und Metastasen gebildet (sekundäre Tumoren), ist die Prognose düster: Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt dann bei unter 20 Prozent.

Deshalb werden dringend wirksame Medikamente gesucht, die die Chancen von Patienten mit metastasierendem Krebs systemisch verbessern helfen. Allerdings tragen viele Krebsarten Resistenzen in sich und reagieren schon vom Zeitpunkt der Diagnose an auf keinerlei Therapie, andere sprechen zunächst auf die Therapien an, dann aber werden die Krebszellen resistent.

Der wichtigste Resistenzmechanismus in Krebszellen ist wohl die Funktion so genannter ATP-binding cassette (ABC) Transporter. Dabei handelt es sich um Wirkstoffpumpen, die Krebsmedikamente aus Krebszellen hinaus transportieren. ABCB1 (auch multi-drug resistance-Gen 1 (MDR1) oder P-Glycoprotein genannt) ist die bedeutsamste unter ihnen. Frühere Versuche, auf ABCB1 abzuzielen als Teil einer Krebstherapie, sind jedoch gescheitert.

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass ABCB1 an vielen Orten im Körper vorkommt, besonders aber an Gewebegrenzen wie am Übergang von Magen und Darm und von Blutbahnen und Gehirn. Das hat früher dazu geführt, dass Medikamente, die ABCB1 hemmten, nicht geeignet waren für das gewünschte Zusammenspiel  von Krebsmedikamenten  mit ABCB1 auf Krebszellen. Stattdessen wurde die Verteilung vieler verschiedener Wirkstoffe und Nahrungsbestandteile im Körper beeinflusst, was zu toxischen Nebenwirkungen führte.

Die hier präsentierte  Forschungsarbeit zeigt, dass gewisse Inhibitoren von ABCB1 (hergestellt  im Arbeitskreis von Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Goethe-Universität) auf besondere Weise mit dem ABCB1-vermittelten Transport bestimmter Krebsmedikamente zusammenspielen. Dies stellt einen ersten Schritt hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Kombinationen von Krebsmedikamenten und ABCB1-Hemmern dar, die spezifisch die Ansammlung von Krebsmedikamenten in ABCB1-expremierenden Krebszellen hervorrufen, aber keinen Einfluss auf die Verteilung anderer Medikamente oder Nahrungsmittelbestandteile im Körper haben.

Außer Professor Michaelis und Professor Cinatl und ihren Mitarbeitern gehörten zum Team auch Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität), Professor Michael Wiese (Universität Bonn), Dr. Mark Wass (University of Kent) und Dr. Taravat Ghafourian (University of Sussex) und ihre Forschergruppen.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Cinatl wurde zusätzlich unterstützt vom Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ und ihrer Stiftung „Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder“.

Publikation: Substrate-specific effects of pirinixic acid derivatives on ABCB1-mediated drug transport, in: Oncotarget.

See here: http://www.impactjournals.com/oncotarget/index.php?journal=oncotarget&page=article&op=view&path[]=7345&author-preview=5o1

Erklärende Graphiken zum Download unter www.uni-frankfurt.de/60434613

Informationen: Prof. Dr. Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie, Goethe-Universität Frankfurt; cinatl@em.uni-frankfurt.de; +49 69 6301 6409; Dr. Florian Rothweiler; f.rothweiler@kinderkrebsstiftung-frankfurt.de; +49 69 6786 6572.

Pressemitteilung in englischer Sprache: http://www.goethe-university-frankfurt.de/60434202/11

Veranstaltungen

Mär 4 2016
12:58

Das Land Hessen fördert „Aequitas“ des International Office der Goethe-Universität mit rund 587.000 Euro

Neues Projekt unterstützt internationale Studierende bei Studien- und Berufseinstieg

FRANKFURT. Die Goethe-Universität erhält vom Land Hessen rund 587.000 Euro für ihr neues Projekt „Aequitas – Kompetent in Studium und Beruf“, das sich insbesondere an internationale Studierende richtet. Zentraler Bestandteil des Projektes ist das Zertifikatsprogramm Kompass³ mit Kursen zu Sprache und Studium, Karriere und Beruf sowie zu interkulturellen und sozialen Aspekten, das ab dem Sommersemester 2016 für Studierende aus dem Ausland angeboten wird. „Die Goethe-Universität möchte mit Aequitas internationale Studierende beim Start ins Studium unterstützend begleiten, ihnen helfen Kontakte zu knüpfen und den Übergang ins Berufsleben erleichtern“, sagt Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl. Dies soll mit Workshops wie etwa „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, Bewerbungstrainings und Schulungen zur Interkulturalität gelingen. Angesiedelt ist das Programm am International Office der Goethe-Universität, das gemeinsam mit dem neu eingerichteten „International Career Service“ im Studien-Service-Center sowie dem ebenfalls neu aufgebauten Arbeitsbereich „Diversity-Kompetenzen und Interkulturalität“ im Gleichstellungsbüro die Schulungen anbietet. Zusätzlich ermöglicht die Goethe-Universität den Studierenden von sogenannten Buddys im ersten Semester persönlich begleitet und so bei der sozialen Integration unterstützt zu werden.

Interessierte Studierende können sich vor Studienbeginn beim International Office für Kompass³ registrieren und ab Semesterstart kostenfrei die Workshops und Seminare besuchen. Bei erfolgreich abgeschlossener Teilnahme erhalten sie Zertifikate für ihren Lebenslauf. Konzipiert ist das Programm für die ersten drei Semester. Dabei werden nicht alle Weiterbildungsangebote wie etwa der Workshop „Assessmentcenter-Training“ vom Career Service neu entwickelt – bereits bestehende Programme werden jedoch erstmals in Kompass³ gebündelt. Zudem sind externe Kooperationspartner wie die Agentur für Arbeit und die Ausländerbehörde Frankfurt an dem Projekt beteiligt und bringen ihre Informationsangebote zum Thema Arbeitsmarkt oder Aufenthaltsrecht mit ein. Ein stetiger Austausch mit den Studierenden soll helfen, das Programm laufend an deren Bedürfnisse anzupassen.

Das Projekt der Goethe-Universität ist Teil eines Gemeinschaftsprojektes hessischer Hochschulen mit dem Titel „Potenziale nutzen. Hochschule – Integration – Arbeitsmarkt“. Dieses ist auf drei Jahre angelegt und wird mit insgesamt 6,9 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Damit soll der wachsende Fachkräftebedarf und die zunehmende Vielfalt von Lebensläufen Berücksichtigung finden. 

Informationsabend im April

Im April, am 25.04.2016, um 18 Uhr, lädt die Goethe-Universität zu einer Auftaktveranstaltung für das Kompass³-Programm in das Foyer des PA-Gebäudes ein, zu der alle interessierten internationalen Studierenden sowie Medienvertreter herzlich eingeladen sind. Neben der Vorstellung des Programms wird es eine Podiumsdiskussion zum Thema „Internationale Studierende auf dem Arbeitsmarkt gesucht?!“ geben. Wir bitten interessierte Pressevertreter um Anmeldung unter: hanna.reuther@em.uni-frankfurt.de

Über das Kompass³-Programm informiert in Kürze die Webseite: www.uni-frankfurt.de/kompass

Informationen: Hanna Reuther, International Office, Goethe-Universität, Tel. (069) 798 79033; E-Mail: hanna.reuther@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mär 3 2016
16:08

Kooperation der Stiftung Datenschutz mit dem Forschungskolleg Humanwissenschaften und der Forschungsstelle Datenschutz der Goethe-Universität

Internationales Symposium zu Privatheit und Datenschutz in Europa und den USA

FRANKFURT. Wie wird Datenschutz in den USA gesehen? Und was bedeutet Privatheit in Frankreich? Zu diesen und weiteren spannenden Fragen lädt die Stiftung Datenschutz gemeinsam mit dem Forschungskolleg Humanwissenschaften und der Forschungsstelle Datenschutz der Goethe-Universität zu einem internationalen Symposium nach Frankfurt ein. Unter dem Titel „The Cultures of Privacy and Data Protection in the EU and in the U.S.” treffen sich über 120 Experten und Interessierte am Mittwoch (9. März) von 10.30 bis 17.30 Uhr auf dem Campus Westend, Renate-von-Metzler-Saal.

Zu den renommierten Referenten gehören u.a. Marc Rotenberg (Electronic Privacy Information Center), Henry Farrell (George Washington University) und William Gilles (Université Paris). Die Moderation übernimmt Scot W. Stevenson (Reuters). Hierzulande werden Themen wie Safe Harbor oder die europäische Datenschutz-Grundverordnung unter bürgerrechtlichen oder wirtschaftlichen Kategorien intensiv beobachtet und diskutiert. Aber wie ist es dies beispielsweise in den USA, einem Land, das datenintensive Unternehmen wie Facebook oder Google beherbergt? „Wir stellen große Mentalitätsunterschiede im Umgang mit persönlichen Informationen und Privatheit fest. Diese Differenzen finden sowohl in den digitalen Diensten, aber auch in der Rechtslage ihren Ausdruck“, sagt Frederick Richter, Vorstand der Stiftung Datenschutz. Die Bundesstiftung mit Sitz in Leipzig wird sich in diesem Jahr verstärkt kulturellen Unterschieden in Bezug auf Datenschutz und bei Fragen der Privatsphäre widmen.

Das Symposium wird tiefe Einblicke auf Privatheit und Datenschutz aus verschiedenen internationalen Perspektiven ermöglichen. Aus wissenschaftlicher Sicht sollen Anforderungen an Politik und Wirtschaft diskutiert werden. Auf Panels und in Vorträgen werden dazu hochrangige Referenten aus den USA, Frankreich, Deutschland, England, Estland und den Niederlanden sprechen. Kooperationspartner der Veranstaltung sind das Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Forschungsstelle Datenschutz der Goethe-Universität Frankfurt (Main).

„Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Hessen ist gewissermaßen das Geburtsland des deutschen Datenschutzes: Das Bundesland gab sich 1970 das erste Landesdatenschutzgesetz“, so Richter. Unterstützung bekommt die Stiftung in ihrem Vorhaben auch vom Begründer der Forschungsstelle Datenschutz und renommierten Datenschutzexperten Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Spiros Simitis: „Datenschutz ist nicht mehr nur national zu denken, man muss auch die internationale Perspektive einnehmen. Den Dialog zu suchen und die weltweiten Perspektiven abzubilden ist ein wichtiger Ansatz.“

Die Konferenz findet durchgängig in englischer Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldungen sind noch möglich unter event@stiftungdatenschutz.org. Twitter-hashtag: #Privacy2016

Die Veranstalter:

Die STIFTUNG DATENSCHUTZ wurde 2013 von der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Aufgabe der unabhängigen Einrichtung ist die Förderung des Privatsphärenschutzes. Hierzu bietet sie eine Plattform zur Diskussion und dient als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ziel ist die Etablierung eines Dialog-forums, das Vorschläge für eine praxisgerechte und wirksame Datenpolitik entwickelt. Die STIFTUNG DATEN-SCHUTZ ergänzt als neutraler Akteur die Datenschutzaufsichtsbehörden in Bund und Ländern.

Das FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN ist ein Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Bad Homburg nahe Frankfurt gelegen ist es ein Ort der Reflexion, der Debatte und des Dialogs über die Prozesse der Veränderung unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung. Dazu lädt es Junior- und Senior-Wissenschaftler aus aller Welt und aus unterschiedlichen Disziplinen zur Forschung ein und beteiligt sich mit vielfältigen Veranstaltungen am Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die FORSCHUNGSSTELLE DATENSCHUTZ an der Goethe-Universität führt Projekte aus dem Bereich des Datenschutzrechts, des Informationsrechts sowie zur IT-Sicherheit und zur Gestaltung der Informationsgesellschaft durch. Die Forschungsstelle wurde von Prof. Dr. Drs. h.c. Spiros Simitis ins Leben gerufen und wird geleitet von Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann, LL.M. (Georgetown Univ.) Die Einrichtung bietet die Möglichkeit zur Promotion, zur Durchführung gemeinsamer wissenschaftlicher und beratender Projekte sowie zu Gastaufenthalten aus dem Aus- und Inland.

Informationen: Frederick Richter, Stiftung Datenschutz, Tel: (0341) 58615555, E-Mail: richter@stiftungdatenschutz.org, www.StiftungDatenschutz.org; Iris Koban, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel. (06172) 13977-10, E-Mail: i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Anmeldung: event@stiftungdatenschutz.org; Twitter-hashtag: #Privacy2016

Hochschulpolitische Themen

Mär 3 2016
12:34

Deutliche Steigerung bei DFG- und EU-Mitteln

Goethe-Uni bei Drittmitteln weiterhin erfolgreich

FRANKFURT. Die Goethe Universität hat 2015 ihre Drittmitteleinwerbungen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und im Bereich der Europäischen Union weiter deutlich steigern können. Im Vergleich zum Vorjahr flossen von der DFG 73,7 Millionen € nach Frankfurt – ein Plus von fast 15 Prozent oder 9,5 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr. Auch aus EU-Quellen erhielt die Goethe-Universität mehr Geld. Hier liegt der Zugewinn bei knapp 25 Prozent – eine Steigerung von 11,7 auf 14,5 Mio. Euro. Die Industriemittel wuchsen von 8,3 auf 12,2 Mio. Euro. Dagegen gingen aufgrund der gegenwärtigen Zinssituation Erträge aus rechtlich selbstständigen Stiftungen und aus Auftragsforschung zurück.

Auch das Gesamtergebnis der Drittmittel entwickelt sich positiv: Es stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Mio. Euro auf 163,8 Mio. Euro. Rechnet man die Mittel aus der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) in Höhe von 18,7 Mio. Euro hinzu, erreicht die Goethe-Universität ein Gesamtergebnis von 182,6 Mio. Euro (Vorjahr: 181,9).

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff: „Drittmittel sind eine wichtige `Währung´ für wachsende Forschungsstärke und Innovationskraft. Schön, dass unsere Wissenschaftler bei der DFG und in der EU immer erfolgreicher werden. Damit leistet die Goethe-Universität einen entscheidenden Beitrag, Stadt und Region zukunftsfähiger zu machen, zumal ein Großteil davon aus Berlin und Brüssel nach Frankfurt fließt.“

Sonstige

Mär 3 2016
12:14

„Goethe-Uni online“ ist Plattform für öffentlichkeitsrelevante Themen rund um die Hochschule

Start für Webmagazin der Goethe-Uni

FRANKFURT. Das neue Webmagazin „Goethe-Uni online“ schlägt mit tagesaktuellen Berichten, Analysen, Hintergründen und Nachrichten eine digitale Brücke in die Welt von Forschung und Lehre. Mit dem neuen Medium ist es ab sofort möglich, jederzeit und unkompliziert einen Blick in die Universität zu werfen: Was passiert in Studium, Lehre und Forschung? Was bewegt die Mitglieder der Universität, was passiert auf dem Campus? Woran arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität und wie tragen ihre Ergebnisse zum Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen bei?

„Wissenschaft findet nicht nur im Elfenbeinturm statt, sondern steht in unmittelbarem Kontakt mit vielen Bereichen unserer Gesellschaft. Mit Goethe-Uni online bieten wir tagesaktuelle Einblicke in das, was hinter den Fenstern und Fassaden der Goethe-Universität geschieht. Wir laden dazu ein, die Goethe-Universität als Bürgeruniversität und öffentlichen – auch virtuellen – Ort zu entdecken“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff.

Entstanden ist das Magazin in der Abteilung PR und Kommunikation. Dort laufen auch die redaktionellen Fäden zusammen: „Mit Goethe-Uni online zeigen wir die Universität als großes Netzwerk  mit vielen spannenden inhaltlichen Synapsen, die sich ständig erweitern – nach innen wie nach außen. Dazu passt, dass sich in das Magazin – Stichwort Multimedialität – problemlos alle gängigen digitalen Medien und Kanäle integrieren lassen. Die Goethe-Uni wird damit zum digitalen Nachrichtenanbieter“, sagte Pressesprecher Dr. Olaf Kaltenborn. Oliver Dziemba, Referent für Online-Kommunikation, ergänzt: „Bei der Entwicklung von Goethe-Uni online  stand eine möglichst einfache Bedienung und Orientierung im Mittelpunkt. Dank Mobiloptimierung ist das Magazin auch Smartphone-tauglich.“ 

Mehr unter www.aktuelles.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Mär 1 2016
14:07

Nachwuchsforscherin Dr. Kathrin Goebel ausgewählt

Ehrenvolle Einladung zur Tagung der Nobelpreisträger

Eine Nachwuchsforscherin der Goethe-Universität, die Physikerin Dr. Kathrin Göbel, ist ausgewählt worden, an dem jährlichen Treffen der Nobelpreisträger in Lindau teilzunehmen. Dort treffen sich seit 1951 Nobelpreisträger mit der nachwachsenden Forschergeneration zum fachlichen Austausch. Die Teilnehmer müssen sich in einem mehrstufigen Auswahlprozess bewähren, der gewährleisten soll, dass die weltweit besten jungen Forscherinnen und Forscher eingeladen werden.

Das diesjährige Treffen findet vom 26. Juni bis 1. Juli statt und widmet sich dem Gebiet der Physik. 32 Nobelpreisträger haben bereits zugesagt. „Das ist eine einmalige Chance“, so Kathrin Göbel, „ich bin gespannt darauf, die Gedanken, Motivation und Geschichten dieser außergewöhnlich erfolgreichen Forscherpersönlichkeiten kennenzulernen, und freue mich auf einen  intensiven Austausch mit jungen Forschern aus aller Welt.“

Nach der Tagung bleiben die jungen Teilnehmer über ein Netzwerk miteinander in Kontakt und werden so zu Botschaftern des wissenschaftlichen Dialogs, den die Treffen in Lindau fördern wollen.

Informationen: Dr. Kathrin Göbel, Institut für Angewandte Physik, Campus Riedberg, Tel,: (069) 798 , 47438, Goebel@physik.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mär 1 2016
14:03

Vortrag des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit an der Goethe-Uni

Medieneinladung / Frank-Jürgen Weise: Wie Umgehen mit Flucht und Integration?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

seit Monaten dominiert das Thema Flucht die öffentliche Agenda. Deutschland steht derzeit vor der Herausforderung, einer historisch großen Zahl von Geflüchteten eine neue Lebensperspektive zu geben. Nicht überall gelingt dies reibungslos. Dem Chef der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, kommt bei der Bewältigung und Gestaltung dieser außergewöhnlichen gesellschaftlichen und politischen Herausforderung eine Schlüsselrolle zu.

Auf Einladung des Präsidiums der Goethe-Universität gibt Frank-Jürgen Weise jetzt in einem Vortrag Einblicke in den gegenwärtigen Stand und die Perspektiven des Flüchtlingsmanagements:

„Flüchtlingsmanagement, Integration und Arbeitsmarkt – ein Beitrag zur sachlichen Debatte“8. März 2016, Beginn: 18.30 Uhr Ort: Hörsaalgebäude (Saal HZ 2), Campus Westend, Theodor-W. Adorno-Platz, 60323 Frankfurt
 
Als Medienvertreter laden wir Sie herzlich ein, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Bitte beachten Sie folgende Einschränkung: Herr Weise steht im Anschluss an seinen Vortrag nicht für Interviews zur Verfügung. Aufgrund der zu erwartenden Nachfrage bitten wir um Akkreditierung bis Montag, 7. März 2016, 12 Uhr unter ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Insgesamt stehen für Medienvertreter 20 Plätze zur Verfügung. Die Plätze werden nach der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher 

Veranstaltungen

Feb 29 2016
17:31

Workshop Innovationsmotor Chemie auf dem Campus Riedberg

Vom Forscher zum Gründer und Unternehmer

FRANKFURT. Zum zweiten Workshop „Innovationsmotor Chemie“ lädt die Goethe-Universität am 8. März auf den Campus Riedberg ein. „Durchstarten mit Chemie: Forscher werden Gründer werden Unternehmer“ ist das Thema dieser kostenlosen Veranstaltung für Absolventen und Forscher aus Akademia und Industrie. Die Referenten – darunter einige Gründer von Startups – werden das Thema Unternehmensgründung mit Erfahrungsberichten veranschaulichen. Mitveranstalter sind die Chemieorganisationen DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie), GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) und VCI (Verband der Chemischen Industrie) mit dem HTGF (High-Tech Gründerfonds).

Die Chemie ist einer der Innovationsmotoren für den Standort Deuschland. Damit dieser auch künftig auf Hochtouren läuft, ist ein Tandem aus international wettbewerbsfähiger Grundlagenforschung und leistungsstarker chemisch-pharmazeutischer Industrie notwendig.

Für Gründer ist es wichtig, das Innovationssystem der Chemie mit seinen Besonderheiten  zu verstehen. Um erfolgreich zu sein, müssen sie wissen, wie die Etappen der Entwicklung einer zündenden Idee zum innovativen Produkt aussehen. Welche Hürden sind bei der Finanzierung zu nehmen und welche Pfade für Kooperationen mit Partnern aus der Akademia und der Industrie gibt es? Diese und weitere Fragen können die Teilnehmer auf dem Workshop an der Goethe-Universität mit Experten diskutieren.

Zum Programm des Workshops gehören neben den Vorträgen eine Podiumsdiskussion und ein "Markt der Möglichkeiten", der die Teilnehmer einlädt, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Entrepreneurship in der Chemie intensiv auszutauschen.

Was?                         Innovationsforum Chemie
Wann?          8. März 2016, 9:00 bis 16:45 Uhr
Wo?                           Goethe-Universität, Campus Riedberg – Otto-Stern-Zentrum, Ruth-Moufang-Straße 2, 60438 Frankfurt am Main

Informationen und Anmeldung unter www.gdch.de/imc

Forschung

Feb 29 2016
17:30

Japanologie der Goethe-Universität erforscht die kulturellen und soziopolitischen Folgen der Katastrophe im Norden Japans.

Fünf Jahre Fukushima

FRANKFURT. Seit der Dreifachkatastrophe am 11. März 2011 in Fukushima – einem starken Erdbeben folgte ein Tsunami, der zu schweren Störfällen in einem Kernkraftwerk und zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen führte – hat sich die Japanologie der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Thema vor allem unter kulturellen und soziopolitischen Aspekten beschäftigt. In Einzelprojekten, Forschungsverbünden (IZO, GiZO, Japanologie Leipzig) und in etlichen Publikationen sind die Geschehnisse und Entwicklungen sukzessive analysiert und dokumentiert, um damit eine dringliche Aufgabe der Japanwissenschaften zu erfüllen.

Im Mittelpunkt stehen die Fragestellungen: Was geschieht in Nordjapan? Was bedeutet Fukushima für die Welt? Welche technikgeschichtlichen und ethischen Veränderungen bringt der aktuelle GAU in Japan für die globale Haltung zum Atomaren? Inwiefern lässt sich Fukushima mit Tschernobyl vergleichen? Wie reagieren die Atomindustrie und die Politik in Japan (und in anderen asiatischen und westlichen) Ländern auf diese epochale Zäsur?

Verantwortlich ist für das Projekt Fukushima Prof. Dr. Lisette Gebhardt. Im April 2011 gründete sie den „Arbeitskreis Fukushima“ an der Japanologie Frankfurt, der die viel besuchte Informations- und Textbereitstellungs-Webseite „Textinitiative Fukushima“ (http://www.textinitiative-fukushima.de/) unterhält. Zusammen mit Prof. Dr. Steffi Richter (Japanologie Leipzig) hat L. Gebhardt im Juni 2012 den Band „Japan nach ‚Fukushima‘ – ein System in der Krise“ herausgegeben, im Juli 2013 wurde das „Lesebuch Fukushima“ veröffentlicht, eine Übersetzungs-, Aufsatz- und Kommentarsammlung, die die Stimmen wichtiger Akteure der Debatte um Fukushima wiedergibt und über die innerjapanische Diskussion zur Kernkraft informiert; der Band wurde im Dezember 2013 von der Deutschen Umweltstiftung als Umweltbuch des Monats ausgezeichnet.

Eine englische Aufsatzsammlung unter der Beteiligung der japanischen Umweltliteraturforscherin Yuki Masami zum Thema der Literatur und Kunst nach Fukushima erschien 2014 unter dem Titel „Literature and Art after Fukushima. Four Approaches“. Zuletzt wurde 2015 ein weiterer englischer Band der an den beiden hessischen Zentren IZO und GiZO angesiedelten interdisziplinären Forschungsinitiative „Fukushima und Chernobyl“ publiziert: „The Impact of Disaster: Social and Cultural Approaches to Fukushima and Chernobyl“ (auch EB-Verlag Berlin).

Für die Japanforschung ist momentan das Thema der aktuellen japanischen Protestbewegungen, die mit „Fukushima“ ihren Ausgang nahmen, ein Fokus. Die Studierendenprotestgruppe SEALDs macht in diesen Wochen von sich Reden, einer ihrer Führer, Okuda Aki, gilt als „Staatsfeind Japans“. „Fukushima“ wird spätestens dann wieder brisant, wenn Olympia 2020 ansteht.

Die Japanologie Frankfurt, vertreten durch Prof. Gebhardt, führte – neben der Publikationstätigkeit – seit 2011 zahlreiche Beratungen von Medienprojekten durch, die sich mit Fukushima auseinandersetzen bzw. aus Fukushima berichten. Dazu zählt z.B. die Dokumentation „Kulturplatz extra: Japan am Wendepunkt“ des Schweizer Fernsehens (http://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/kulturplatz-extra-japan-am-wendepunkt?id=fa9cd577-8a51-4d15-8fd6-edd489a011bf ).

Die fünfte Jährung der Geschehnisse von Fukushima nimmt die Japanologie zum Anlass, ihre Expertise und Beratung für einschlägige Vorhaben anzubieten und neue und neueste Forschungsergebnisse zum Thema zu vermitteln.

Kontakt: Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Japanologie, Fachbereich 9: Sprach- und Kulturwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-23287 / 22177. L.Gebhardt@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 26 2016
13:46

Wie kann professionelle Hilfe aussehen? Erfahrungsberichte aus aktuellen Projekten und Diskussion über interdisziplinäre Ansätze

Frankfurter Tagung zu „Migration, Flucht und Trauma – die Folgen für die nächste Generation“

FRANKFURT.Sie haben Schreckliches erlebt: Bombenangriffe, Tod und Misshandlungen, eine oft lebensgefährliche Flucht und eine nicht immer freundliche Aufnahme in Deutschland. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert, besonders die Kinder. Sie brauchen professionelle Hilfe. Wie diese aussehen kann, darum geht es bei einer Tagung, die vom 4. bis 6. März an der Goethe-Universität, Campus Bockenheim, stattfindet und an der neben Wissenschaftlern auch Erzieher, Lehrer und ehrenamtliche Helfer teilnehmen können.

„Migration, Flucht und Trauma – die Folgen für die nächste Generation“ lautet das Thema dieser internationalen Tagung. Ausgerichtet wird die Konferenz vom Sigmund-Freud-Institut, von der Goethe-Universität und dem interdisziplinären Forschungszentrums „Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk“ (IDeA) sowie der Universität Stockholm. „Die heutige Psychoanalyse und die aktuelle empirische Bindungsforschung verfügen sowohl konzeptuell als auch präventiv und therapeutisch über ein breites Wissen zum Umgang mit Traumatisierten“, so die Organisatorin der Tagung, Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Geschäftsführende Direktorin Sigmund-Freud-Institut. Dieses Wissen bildete die theoretische Grundlage für fünf Präventionsprojekte, die seit 2010 über 1000 der als schwer erreichbar geltenden Familien mit Migrationshintergrund und prekären sozialen Problemlagen angeboten wurden. Diese Projekte hatten besonders die Frühprävention bei sogenannten „Risikokindern“ („children-at-risk“) im Auge.

Viele Studien zeigen, wie wichtig es ist, traumatisierten Menschen möglichst zeitnah und niederschwellig Hilfen anzubieten, um Langzeitfolgen für sie und die nachkommenden Generationen zu mildern. „Traumatisierungen sind Erfahrungen, in denen Menschen extremen Gefühlen von Verzweiflung, Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgesetzt sind, meist verbunden mit Todesangst. Zudem bricht das Urvertrauen zusammen, die Betroffenen können sich auf nichts mehr verlassen, nicht auf andere und nicht auf sich selbst“, erläutert Leuzinger-Bohleber. „Daher reagieren Traumatisierte auf Migrationserlebnisse und auf erneute Erfahrungen von Passivität und Ohnmacht in den Aufnahmeeinrichtungen besonders verletzlich.“ Traumatisierungen haben – wie aktuelle Studien belegen – auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Stressregulation, wie dies in verschiedenen Vorträgen auf der Tagung ausgeführt wird. Dies wirkt sich besonders auf die frühe Phase der Elternschaft aus und prägt daher auch die nächste Generation.

Die Gefahr einer Traumatisierung mit pädagogischer, sozialpädagogischer und therapeutischer Unterstützung abzumildern, ist heute eine vordringliche humanitäre Aufgabe für viele Berufszweige. So fächerübergreifend verschiedene Berufsgruppen zusammenarbeiten, so interdisziplinär ist auch die Forschung auf diesem Gebiet in Frankfurt. „Unserer Forschungszentrum ‚Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk’, kurz IDeA, an dem neben der Goethe-Universität das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung und das Sigmund-Freud-Institut beteiligt sind, bietet hier hervorragende Möglichkeiten“, betont Prof. Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin an der Goethe-Universität.

Auf der Tagung – Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch – wird diskutiert, in welcher Weise das Wissen, das in Projekten u.a. in Frankfurt, Oslo und Belgrad gesammelt wurde und aktuell noch wird, für den Umgang mit traumatisierten Kindern in den verschiedenen Bildungsinstitutionen von der Krippe bis zur Sekundarstufe fruchtbar gemacht werden kann. Zur Sprache kommen werden auch erste Erfahrungen, die bei der Flüchtlingssprechstunde des Sigmund-Freud-Instituts und bei dem Pilotprojekt „Michaelis-Dorf“ in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt gesammelt wurden. Dieses Projekt startete Ende Januar und ist bundesweit bisher einmalig; geleitet wird es gemeinsam von der Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber und der Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen. In Darmstadt arbeiten in der Betreuung von Flüchtlingskindern Studierende, junge Wissenschaftler und Ehrenamtlichen zusammen. Dazu Andresen: „Gerade für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass sie auch schon die Erstaufnahmeeinrichtung als einen kinderfreundlichen Ort erleben. Sie wollen sich dort sicher fühlen und ihre Fähigkeiten einbringen können. Ein solcher Ort muss gestaltet werden, und zwar durch Bildungs- und Freizeitangebote, durch Mitgestaltungsmöglichkeiten, durch Erwachsene, die aufgeschlossen sind."

Die Tagung wird am Freitag (4. März) um 20.15 Uhr (Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, Hörsaal VI) ergänzt durch einen öffentlichen Vortrag von Prof. Dr. Vera King, die im März die Nachfolge von Prof. Dr. Rolf Haubl als stellvertretende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts antreten wird und auch die Professur für Sozialpsychologie an der Goethe-Universität übernimmt. Sie spricht über „Transgenerationale Weitergabe im Kontext von Adoleszenz und Migration“.

Diese Tagung führt die Tradition der Joseph Sandler Research Conferences weiter, die in den vergangenen acht Jahren jeweils am ersten März-Wochenende in Frankfurt stattfanden. Sandler und seine Frau hatten die Psychoanalyse in den 1990er Jahren stärker für den Dialog mit den anderen Wissenschaften geöffnet und deshalb diese einmal im Jahr ausgerichtete Konferenz ins Leben gerufen.

Informationen: Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Institut, Tel. (069) 971204-149; leuzinger-bohleber@sigmund-freud-institut.de, stebahne@sigmund-freud-Institut.de; Programm unter: www.sigmund-freud-institut.de; Registration für die Tagung: tagung@sfi.de, Tel. (069) 971204-129

Sonstige

Feb 25 2016
14:21

Goethe-Universität bietet Sprachkurse für Flüchtlinge

120 Studierende als Starthelfer ins Deutsche

FRANKFURT.Wie kann man die vielen Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren? Das ist derzeit ein großes Thema. 120 Studierende der Goethe-Universität reden nicht nur darüber, sondern packen mit an: Seit Januar geben sie neben ihrem Studium ehrenamtlich Menschen, die in Frankfurt Zuflucht gefunden haben, Unterricht im Deutschen. Denn die Sprache ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Das Projekt ist zunächst auf drei Monate ausgelegt, eine Verlängerung ist wahrscheinlich.

„Ich habe mir schon seit Längerem gedacht: So ein Projekt mit Flüchtlingen, das wäre cool“, erzählt Karolin Elleringmann. Auf die E-Mail der Uni-Leitung habe sie dann auch sofort reagiert. Inzwischen ist die 22-jährige Jura-Studentin eine von 120 Studierenden der Goethe-Universität, die an fünf verschiedenen Standorten in Frankfurt Flüchtlinge unterrichten. Als Sprecherin für den Campus Westend koordiniert sie darüber hinaus den Einsatz ihrer Kommilitonen.

„Die Goethe-Universität möchte sich der gesellschaftlichen Aufgabe stellen, die die große Zahl der Flüchtlinge mit sich bringt. Aber wir können nicht nur Räume zur Verfügung stellen; die Uni kann noch gezielter helfen, indem sie als Sprachvermittlerin auftritt“, sagt Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl, die sich das Projekt „Start ins Deutsche“ mit Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, ausgedacht hat. Es ging eine E-Mail an alle Studierenden der Goethe-Universität – das Feedback war überwältigend: 1500 Studierende wollten mitmachen. Es waren bei weitem nicht nur Lehramtsstudierende. „Wir hätten das Projekt noch fünfmal größer machen können“, sagt Dr. Stephanie Dinkelaker, die die Koordination auf Seiten der Univerwaltung übernommen hat. Zunächst wurden 120 Studierende ausgewählt, zwölf Fachbereiche und verschiedene Semester sind vertreten. Etwa ein Drittel sind Lehramtsstudenten. Das auf drei Monate angelegte Pilotprojekt soll erst sorgfältig evaluiert werden, bevor es gegebenenfalls in eine zweite, größere Runde geht.

Alle Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich – auch die Dozenten, die die Studierenden auf ihre wichtige Aufgabe vorbereitet haben. An zwei Tagen erhielten sie intensiven Unterricht in verschiedenen Modulen, nicht nur in Didaktik und Unterrichtsmethodik, auch die Themen Traumatisierung und Mehrsprachigkeit wurden angesprochen. „Wir hatten eine Art Crashkurs in Arabisch: Der Dozent sprach nur Arabisch mit uns. Das hat mir die Angst genommen, dass mich meine Schüler nicht verstehen könnten“, sagt Karolin Elleringmann. Sie habe erfahren, dass auch einsprachiger Unterricht funktionieren kann. Und sie könne jetzt ein paar Vokabeln in Arabisch, was im Kurs für viel Freude gesorgt habe.

Mitte Januar haben die Kurse dann begonnen. In Zweierteams gehen die Studierenden an die verschiedenen Standorte am Campus Bockenheim, am Campus Westend, im Gutleutviertel im Gallus und in Höchst. Das „Deputat“ beläuft sich auf zweimal zwei Stunden pro Woche. In einer Schule für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterstützen Studierende zudem Lehrer beim Unterrichten.

„Ich war erst schon etwas unsicher, ob mich die Schüler überhaupt akzeptieren würden“, erzählt Jura-Studentin Elleringmann. Doch schon beim ersten Mal habe sie gemerkt: Ihre Schüler seien „unglaublich offen, nett und freundlich. Einige sind jedes Mal eine halbe Stunde zu früh da, weil sie sich so sehr auf den Unterricht freuen.“ Die meisten in ihrer Gruppe könnten schon etwas Deutsch, das mache es leichter. In anderen Gruppen müssen manche Flüchtlinge erst noch die lateinischen Buchstaben lernen. Nach den Erfahrungen auf der Flucht frage die Studentin nicht, das habe sie in der Vorbereitung gelernt. Zu unabsehbar seien die Reaktionen. Um sie mit der neuen Aufgabe nicht alleinzulassen und Hilfestellungen bei schwierigen Situationen geben zu können, hat die Uni in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Institut Frankfurt eine Supervision organisiert, die alle zwei Wochen stattfindet. Zudem gibt es mehrere didaktische Sprechstunden. „Wir wollen die jungen Menschen nicht überfordern oder gar riskieren, dass sie selbst Schaden nehmen“, erklärt Stephanie Dinkelaker.

Überfordert fühlt sich Karolin Elleringmann bislang nicht, aber durchaus gefordert. Wenn es zum Beispiel darum geht, zu erklären, was „graue Haare“ auf Deutsch heißt. „Ich bin dann gebückt durch den Raum gelaufen, dann haben alle gleich gewusst, was ich meine“, lacht sie. Letztlich fühle sie sich durch ihr Engagement vor allem selbst bereichert: „Ich wollte so etwas schon immer gern machen, ehrenamtlich Menschen helfen. Ich kann ja nur Zeit spenden.“

Ermöglicht wurde das Pilotprojekt durch finanzielle Unterstützung von mainFirst und Spendengelder des Weihnachtskonzerts des Collegium Musicum der Goethe-Universität, die für Lernmaterialien verwendet wurden. Eine Evaluation der Schulung fand schon statt, demnächst wird es eine weitere Evaluation geben, die das gesamte Projekt in den Blick nimmt. Die weitere Finanzierung wird derzeit geplant.

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/60256619

Bildunterschrift: Schulung 1-3: An zwei Tagen wurden die studentischen Teilnehmer am Projekt „Start ins Deutsch“ im Rahmen einer Schulung auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Es gab Vorträge und Workshops. Im Bild Uni-Vizepräsidentin Tanja Brühl und Erwin Sturm vom Psychoanalytischen Institut Frankfurt e.V., der auch die Supervision mitgeplant hat. (Fotos: Lecher); Elleringmann 1-3: Jurastudentin Karolin Elleringmann engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. (Fotos: Held)

Forschung

Feb 25 2016
12:34

Bei Heuschrecken wird die Wahrnehmung und Verarbeitung von akustischer Infomation schon im Ohr beeinflusst

Filter im Ohr sorgt für bessere Kommunikation

FRANKFURT.Gut zu hören ist für die meisten Tiere eine Frage des Überlebens. Damit Signale schnell und effizient registriert und bewertet werden können, filtert bereits das Ohr die relevanten Ereignisse heraus. Das fand ein Forscherteam der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Cambridge (UK) und dem Max-Planck-Institut für Biophysik anhand einer Studie an Laubheuschrecken heraus, die in der aktuellen Ausgabe des Journal of Neuroscience veröffentlicht ist.

„Das Ohr von Heuschrecken ist zwar nicht nahe mit dem Säugetierohr verwandt, aber in seiner Arbeitsweise ist es verblüffend ähnlich“, so Dr. Manuela Nowotny vom Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft der Goethe-Universität. Seit Jahren erforscht ihre Arbeitsgruppe die Signalverarbeitung bei Laubheuschrecken, deren Ohren sich anatomisch einfach zugänglich in den Vorderbeinen befinden. Mit ihren nur 45 Sinneszellen sind sie ausserdem überschaubarer aufgebaut als das menschliche Ohr, das über 3600 Sinneszellen besitzt.

Die Ohren verarbeiten akustische Signale in zwei Schritten. Der erste besteht darin, Schallwellen in eine Bewegung des Hörorgans umzuwandeln. Bereits 2014 konnte die Arbeitsgruppe von Nowotny zeigen, dass die zum Gehirn weitergeleiteten Signale nicht alle Schallsignale in der Umgebung exakt abbilden. Vielmehr werden einige Frequenzbereiche im Lockgesang der Männchen, die für die Fortpflanzung der Tiere relevant sind, überbetont. Sie erzeugen im Ohr stärkere Schwingungen als andere Schallsignale. Insofern bewertet das Ohr Signale schon beim ersten Schritt der Wahrnehmung, was einer Filterung entspricht.

In der aktuellen Studie hat Dr. Jennifer Hummel zusammen mit dem Forscherteam den zweiten Schritt der Schallverarbeitung untersucht, bei der die mechanische Schwingung der Sinneszellen in ein elektrisches Nervensignal für das Gehirn übersetzt wird. Das geschieht, indem sich bewegungssensitive Ionenkanäle öffnen, so dass Ionen in die Sinneszelle einströmen können. Dies löst eine Signalkaskade aus, wodurch elektrische Potentiale für das Gehirn erzeugt werden. Bisher war jedoch nicht klar, wie die physikalischen Änderungen in dem Schallfeld genau im Ohr wahrgenommen und verarbeitet werden.

Nun konnte das Forscherteam nachweisen: nicht alle Bewegungen der Sinneszelle führen dazu, dass sich die Ionenkanäle öffnen. Vielmehr ist das richtige Timing entscheidend und - damit verbunden – die Richtung, in welcher die Sinneszellen ausgelenkt werden. Der Frequenzbereich, den eine einzelne Sinneszelle wahrnehmen kann, ist durch diesen zweiten biomechanischen Filter im Ohr zusätzlich eingeschränkt. „Ohren wandeln also nicht einfach alle Schallwellen in neuronale Aktivität um, sondern sie filtern die Informationen, die durch Schallwellen erzeugt werden, um präzisere neuronale Signale zu erhalten und damit eine bessere Kommunikation zu ermöglichen“, erklärt Manuela Nowotny.

Publikation: Jennifer Hummel, Stefan Schöneich, Manfred Kössl, Jan Scherberich, Berthold Hedwig, Simone Prinz, Manuela Nowotny: Gating of Acoustic Transducer Channels Is Shaped by Biomechanical Filter Processes, in: The Journal of Neuroscience, February 24, 2016 • 36(8):23 77–2382 • 2377. http://www.jneurosci.org/content/36/8.abstract.pdf .

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/60251974

Bildtext: Laubheuschrecke. Bild: Markus Schäfer

Informationen: Dr. Manuela Nowotny, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42063, nowotny@bio.uni-frankfurt.de