​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Okt 7 2019
11:30

Oswin-Köhler-Archiv an der Goethe-Universität veranstaltet Workshop und Konferenz mit Gästen aus Namibia 

Gemeinsam Forschen mit Angehörigen der Herkunftskultur

FRANKFURT. Zahlreich sind die Sammlungen über außereuropäische Kulturen und Sprachen, die in europäischen Archiven und Museen lagern. In postkolonialen Zeiten ist die Wissenschaft aufgefordert, neue Formen der Bearbeitung und Erschließung zu finden – unter Einbeziehung der lokalen Expertinnen und Experten. Diesem Thema widmet sich vom heutigen Montag an eine Konferenz des Oswin-Köhler-Archivs am Institut für Afrikanistik der Goethe-Universität.

Nur noch etwa 10.000 Sprecherinnen und Sprecher gibt es, die das Khwe beherrschen, eine der Klicksprachen des südlichen Afrika. Die Sprache ist durchaus lebendig, Kinder lernen sie von ihren Eltern. Für die Zukunft gesichert ist das Idiom, das vor allem in einem 30 Kilometer schmalen Streifen im äußersten Nordosten von Namibia gesprochen wird, jedoch nicht, denn es gibt bisher keinen muttersprachlichen Unterricht an der Schule.

Mehr als 30 Jahre lang – von 1959 bis 1992 – hat der Kölner Afrikanist Prof. Dr. Oswin Köhler Material zu Sprache und Kultur der Khwe gesammelt, darunter originalsprachige Texte, Fotos, Filme, Audiodateien, Objekte, Zeichnungen und getrocknete Pflanzen. Bereits in diesem Zeitraum waren die Khwe von zahlreichen Änderungen betroffen, auch das wurde von Köhler dokumentiert. Aus der Textsammlung sollte eine zwölfteilige Enzyklopädie entstehen, deren erste vier Teile Köhler selbst bearbeitet hat. Nun haben die beiden Wissenschaftlerinnen Gertrud Boden und Anne-Maria Fehn sich mit dieser Aufgabe beschäftigt – mit veränderter Aufgabenstellung: „In deutscher Sprache können die Khwe selbst damit nichts anfangen. Damit auch sie davon profitieren, wollen wir auch gleich eine englische Übersetzung herausbringen“, sagt Gertrud Boden. Und auch die übrigen Materialien sollen so aufgearbeitet werden, dass die Khwe darauf zugreifen können.

Schon für ihre Dissertation hat sich Gertrud Boden mit der Kultur der Khwe befasst – und war vor Ort immer wieder mit der Frage konfrontiert: „Wie können wir Zugang zu den Dingen bekommen, die Oswin Köhler von unserer Sprache und Kultur dokumentiert hat?“ Dies hat durchaus auch einen politischen Hintergrund. Derzeit werden die Khwe in Namibia nicht als selbständige kulturelle Gemeinschaft anerkannt, was ihnen bestimmte Selbstbestimmungsrechte garantieren würde. „Dabei ist es vollkommen klar, dass das Khwe eine eigene Sprache ist, verbunden mit einer eigenen Kultur“, sagt Gertrud Boden.

Indem die Khwe ihre eigene Perspektive in die Aufarbeitung der Sammlung einbringen, setzen sie sich nicht nur mit ihrer Kultur und Geschichte auseinander, sondern bringen auch die Forschung voran. Zwei Angehörige der Khwe sind eigens hierfür zu einem Workshop nach Frankfurt gekommen. Geplant ist u.a., eine kleine Sammlungspräsentation mit Objekten und Medien aus der Köhlerschen Sammlung zu konzipieren, die die Perspektive der beteiligten Khwe wiederspiegelt. Hierfür kooperiert Gertrud Boden mit Dr. Judith Blume, die seit 2018 als Sammlungskoordinatorin an der Goethe-Universität tätig ist und die den Workshop mitgestaltet.

Um die Herausforderungen und Chancen einer Zusammenarbeit mit Angehörigen der Herkunftskulturen geht es auch bei einer internationalen Konferenz, die vom 7. bis 9. Oktober an der Goethe-Universität stattfindet. Wissenschaftler aus der ganzen Welt kommen hier zusammen, um über ähnliche Projekte zu berichten, so dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen voneinander lernen können.

Gäste sind willkommen, der Tagungsbeitrag liegt bei 25 Euro bzw. 15 Euro für Studierende.

Der dreiwöchige Workshop wird vom Zentrum für interdisziplinäre Afrikastudien der Goethe-Universität und der Schweizer Ubuntu Stiftung finanziert, die Konferenz von der Thyssen Stiftung.

Bilder und Bildunterschriften zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81926708

Informationen: Dr. Gertrud Boden, Oswin-Köhler-Archiv, Institut für Afrikanistik, Telefon 069 798-25133, E-Mail boden@em.uni-frankfurt.de; Tagungsprogramm und Abstracts der Vorträge im Internet: http://www.uni-frankfurt.de/78403151/

 

Okt 2 2019
13:35

Susanne Schröter, Professorin an der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen, spricht am 16. Oktober im Historischen Museum über ihre jetzt erschienene Publikation.

Buchpräsentation zum politischen Islam

FRANKFURT. Die Mehrheit der Deutschen glaubt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Sie verbinden diese Religion vor allem mit dem Terror im Namen eines unbarmherzigen Gottes, der Unterdrückung von Frauen und Minderheiten sowie einer Ablehnung westlicher Werte. Für solche Assoziationen gibt es nachvollziehbare Gründe, sie resultieren aus dem Erstarken des politischen Islam. Seine Erforschung gehört zu den Schwerpunkten von Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen an der Goethe-Universität. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen bei der Vorstellung ihres Buches

„Politischer Islam – Stresstest für Deutschland“
am Mittwoch, dem 16. Oktober 2019, um 18.30 Uhr
im Historischen Museum Frankfurt,
Saalhof 1, Römerberg, 60311 Frankfurt am Main.

Der Eintritt ist frei. Veranstaltet wird die Buchpräsentation vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Begrüßung übernimmt Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes. Moderiert wird die öffentliche Veranstaltung von Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der politische Islam stellt eine Sonderform des Islam dar und sollte nicht als charakteristisch für diese Weltreligion insgesamt gesehen werden, die auch in Deutschland eine Vielzahl von Facetten besitzt. Gleichwohl übt gerade der politische Islam durch machtbewusstes und strategisch geschicktes Agieren seiner Funktionäre großen gesellschaftlichen Einfluss aus und dominiert zunehmend die staatliche Islampolitik sowie den öffentlichen Dialog. Vielen Menschen fehlt jedoch das Wissen über die Ursprünge und die Ausprägungen des politischen Islam, um Konfliktsituationen richtig einzuschätzen sowie angemessen argumentieren und handeln zu können. Das vorliegende Buch will diese Lücke mit einem fundierten und verständlichen Überblick schließen.

Susanne Schröter, ist Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Gründungsdirektorin des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ (FFGI) am Exzellenzcluster. Zu ihren Forschungsgebieten gehören Islamismus und Dschihadismus, progressiver und liberaler Islam sowie Frauenbewegungen in der islamischen Welt. Sie ist Mitglied der „Hessischen Integrationskonferenz“ und des „Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“. Zu ihren jüngsten Publikationen zählen: „Religiöse Rechtfertigungen des Dschihadismus“, in: Schellhöh, Jennifer u.a., Hg.: Großerzählungen des Extremen. Neue Rechte, Populismus, Islamismus, War on Terror (Bielefeld: Transcript 2018) und „Islamischer Fundamentalismus“, in: Zentralrat der Juden in Deutschland, Hg.: Jüdische Bildungslandschaften (Berlin: Hentrich & Hentrich 2018).

Informationen: Oliver Bertrand, Exzellenzcluster „Normative Orders“, FFGI-Forschungskoordination, Tel.: +49 69 798-33062, o.bertrand@em.uni-frankfurt.de, www.normativeorders.net/de/

Hinweis: Bereits am Montag, 14. Oktober, 19.00 Uhr, wird Prof. Susanne Schröter ihr Buch „Politischer Islam – Stresstest für Deutschland“ im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe) im Gespräch mit dem Journalisten Meinhard Schmidt-Degenhard vorstellen. Anmeldungen unter service@freiheit.org.

 

Okt 1 2019
13:39

Physiker der Goethe-Uni messen winzigen Effekt mit neuer super-COLTRIMS Apparatur/ Publikation in Nature Physics

Beyond Einstein: Rätsel um Photonen-Impuls gelöst

FRANKFURT. Den Nobelpreis erhielt Albert Einstein für die Erklärung des Photoeffekts: In seiner intuitivsten Form wird dabei ein einzelnes Atom mit Licht bestrahlt. Laut Einstein besteht das Licht aus Teilchen (Photonen), die ihre Energie nur gequantelt auf ein Elektron des Atoms übertragen. Reicht die Energie der Photonen aus, so schlagen sie das Elektron aus dem Atom heraus. Aber wohin geht dabei der Impuls der Photonen? Physiker der Goethe-Universität konnten diese Frage nun beantworten. Dafür entwickelten und bauten sie ein neues Spektrometer mit bisher unerreichter Auflösung.

Doktorand Alexander Hartung ist über den Bau der Apparatur zweimal Vater geworden. In dem drei Meter langen und 2,50 Meter hohen Gerät stecken ungefähr so viele Teile wie in einem Auto. In der Experimentierhalle der Physik auf dem Campus Riedberg ist es von einem blickdichten schwarzen Zelt umgeben, in dessen Innerem sich ein extrem leistungsfähiger Laser befindet. Seine Photonen treffen in der Apparatur auf einzelne Argon-Atome, denen sie jeweils ein Elektron entreißen. Der Impuls dieser Elektronen zum Zeitpunkt des Aufbrechens wird in einer langen Röhre der Apparatur mit extrem hoher Präzision gemessen.

Bei dem Gerät handelt es sich um eine Weiterentwicklung des in Frankfurt erfundenen und inzwischen weltweit verbreiteten COLTRIMS-Prinzips: Es besteht darin, einzelne Atome zu ionisieren oder Moleküle aufzubrechen und anschließend den Impuls der Bruchstücke exakt zu bestimmen. Allerdings ist der laut theoretischen Berechnungen erwartete Übertrag des Photonen-Impulses auf Elektronen so klein, dass er bisher nicht gemessen werden konnte. Deshalb hat Hartung das „super COLTRIMS“ gebaut.

Wenn viele Photonen aus einem gepulsten Laser auf ein Argon-Atom einprasseln, wird dieses ionisiert. Die Energie der Photonen wird dabei teilweise zum Aufbrechen des Atoms verbraucht. Die übrige Energie geht auf das freigesetzte Elektron über. Die Frage, bei welchem Reaktionspartner (Elektron und Atomkern) dabei der Impuls der Photonen bleibt, beschäftigt Physiker seit über 30 Jahren. „Die einfachste Idee wäre: Solange das Elektron gebunden ist, geht der Impuls auf das schwere Teilchen, also den Atomkern, über. Sobald es frei ist, geht der Photonen-Impuls auf das Elektron über“, erklärt Hartungs Doktorvater Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik. Das wäre etwa so, wie Wind, der seinen Impuls auf das Segel eines Boots überträgt. Solange das Segel fest ist, treibt der Windimpuls auch das Boot voran. In dem Moment, in dem die Leinen reißen, geht der ganze Windimpuls nur noch auf das Segel über.

Die Antwort, die Alexander Hartung in seinem Experiment gefunden hat, ist aber – wie man es von der Quantenmechanik kennt – noch überraschender: Das Elektron bekommt nicht nur den erwarteten Impuls, sondern auch noch ein Drittel des Photonenimpulses, der eigentlich auf den Atomkern hätte übergehen sollen. Das Segel des Boots „weiß“ also bereits vor dem Reißen der Seile von dem nahenden Unglück und klaut dem Boot etwas von dessen Impuls. Um das Ergebnis genauer zu erklären, greift Hartung auf das Bild des Lichts als elektromagnetische Welle zurück: „Wir wissen, dass die Elektronen eine schmale Energiebarriere durchtunneln. Dabei zieht sie das starke elektrische Feld des Laserlichts vom Atomkern weg, während das magnetische Feld den Elektronen diesen zusätzlichen Impuls überträgt.“

Für das Experiment verwendete Hartung eine geschickte Messanordnung: Um sicher zu gehen, dass der kleine Zusatzimpuls der Elektronen nicht versehentlich durch eine Asymmetrie in der Apparatur erzeugt wird, hat er den Laserpuls von zwei Seiten auf das Gas treffen lassen – mal nur von rechts oder links, und dann gleichzeitig, was die größte Herausforderung an die Messtechnik darstellte. Diese neue Art der Präzisionsmessung verspricht, die bisher unerforschte Rolle der magnetischen Komponente des Laserlichts in der Atomphysik tiefgreifend zu verstehen.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/82277680 

Bild 1: Foto des COLTRIMS-Reaktionsmikroskops, das Alexander Hartung im Rahmen seiner Doktorarbeit aufgebaut hat, in der Experimentierhalle des FB Physik. Copyright: Alexander Hartung

Bild 2: Technische Zeichnung des neu aufgebauten COLTRIMS-Reaktionsmikroskops. Die Zeichnung zeigt einen Schnitt durch den experimentellen Aufbau. Einzelne Gas-Atome, die im Bild durch das senkrechte Rohr von oben nach unten fliegen, werden von einem hochintensiven Laser ionisiert. Der Strahlengang des Lasers ist auf dem hinteren Tisch dargestellt. Die Impulse der Elektronen und Ionen, die in der Reaktion entstehen, werden durch das waagerecht gezeigte bronzefarbene Spektrometer in der Vakuumkammer sehr präzise vermessen. Dadurch kann die Auswirkung des winzig kleinen Impulses des ionisierenden Laserlichts auf die Elektronen genau untersucht werden. Copyright: Alexander Hartung

Publikation: A. Hartung, S. Eckart, S. Brennecke, J. Rist, D. Trabert, K. Fehre, M. Richter, H. Sann, S. Zeller, K. Henrichs, G. Kastirke, J. Hoehl, A. Kalinin, M. S. Schöffler, T. Jahnke, L. Ph. H. Schmidt, M. Lein, M. Kunitski, R. Dörner: Magnetic fields alter tunneling in strong-field ionization, in: Nature Physics, doi: 10.1038/s41567-019-0653-y. https://www.nature.com/articles/s41567-019-0653-y 

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Alexander Hartung, Institut für Kernphysik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003 bzw. 47019; Email: doerner@atom.uni-frankfurt.de bzw. hartung@atom.uni-frankfurt.de.

 

Sep 30 2019
14:40

Wissenschaftspreis in Physischer Geographie für Prof. Severin Irl – Forschung zu Biodiversität auf Inseln

Kaum berufen, schon gekürt

FRANKFURT. Professor Severin Irl, der an der Goethe-Universität forscht und lehrt, ist im Rahmen des Deutschen Kongress für Geographie 2019 in Kiel mit dem Wissenschaftspreis 2019 in Physischer Geographie der Frithjof Voss-Stiftung ausgezeichnet worden – der wichtigsten Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler in der Physischen Geographie im deutschsprachigen Raum. Der Preis, der nur alle zwei Jahre vergeben wird, ist mit einem Preisgeld von 3000 Euro dotiert, die Severin Irl für Abschlussarbeiten seiner Studierenden auf der Kanareninsel La Palma nutzen möchte.

Severin Irl arbeitet erst seit einem Jahr an der Goethe-Universität: Seit 2018 hat er eine Tenure Track Professur inne. Er beschäftigt sich mit den Themen Biogeographie und Biodiversität. Gerade im Hinblick auf den stark in den Fokus gerückten Klimawandel sowie des globalen Biodiversitätsverlusts ein wichtiges Forschungsfeld: Schon in seiner Dissertation, die an der Universität Bayreuth entstanden ist, widmete sich Irl den globalen und lokalen räumlichen Mustern des Vorkommens von Pflanzenarten auf gebirgigen Inseln. Manche Arten gedeihen nur in ganz bestimmten Lebensräumen. Aktuell untersucht Severin Irl, wie Biodiversität entsteht und welche (menschlichen) Einflüsse Biodiversität gefährden. Dabei betrachtet er Inseln wie die Kanaren, aber auch inselhafte Habitate, wie im Rahmen seines aktuellen Forschungsprojektes über die einzigartige endemische Flora der sogenannten Quarzinseln der Knersvlakte in Südafrika. Severin Irl ist als Wissenschaftler äußerst produktiv: In nur acht Jahren hat er mehr als 20 Publikationen hervorgebracht. Nur vier Jahre nach der Promotion erhielt er den Ruf nach Frankfurt, wo er dabei ist, eine Arbeitsgruppe Biogeographie und Biodiversität aufzubauen.

Mit den Wissenschaftspreisen für Physische Geographie und Humangeographie sollen Nachwuchskräfte bis etwa zum 40. Lebensjahr auf der Grundlage ihres bisherigen Oeuvres für herausragende, zukunftsweisende wissenschaftliche oder methodische Leistungen ausgezeichnet werden, die maßgeblich zum Fortschritt und zum Ansehen der Geographie beigetragen haben oder beitragen werden, so heißt es von Seiten der Frithjof Voss Stiftung.

Bilder können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

Informationen: Prof. Dr. Severin Irl, Professor für Biogeographie und Biodiversität, Institut für Physische Geographie, Fachbereich 11 Geowissenschaften, Campus Riedberg, +49-69-798-40171, irl@geo.uni-frankfurt.de

 

Sep 30 2019
14:30

Wirtschaftswissenschaftlerin der Goethe-Universität berät zu Wirtschaftspolitik

Fuchs-Schündeln Mitglied in deutsch-französischem Expertenrat

FRANKFURT. Prof. Nicola Fuchs-Schündeln ist als Mitglied des neu gegründeten deutsch-französischen Expertenrats für Wirtschaft berufen worden. Die Frankfurter Wirtschaftswissenschaftlerin wird künftig die deutsch-französische Politik beraten.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität, wurde als Mitglied in den neu gegründeten Deutsch-Französischen Expertenrat für Wirtschaft berufen. Dies wurde während der 50. Sitzung des Deutsch-Französischen Wirtschafts- und Finanzministerrats in Paris beschlossen. Der Expertenrat besteht aus fünf deutschen und fünf französischen Wirtschaftsexpertinnen und -experten.

Mitglieder auf deutscher Seite sind neben Fuchs-Schündeln der Vorsitzende des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI Essen, Christoph M. Schmidt, die Bonner Wirtschaftsprofessorin Isabel Schnabel sowie die Präsidenten der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und ifo, Marcel Fratzscher und Clemens Fuest. Auf französischer Seite ist unter anderem der derzeitige Vorsitzende des französischen Conseil d'analyse économique (CAE), Philippe Martin, vertreten.

Nicola Fuchs-Schündeln hat seit 2019 die Professur für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität inne. 2017 erhielt sie den renommierten Leibniz-Preis und 2018 einen Forschungspreis des European Research Councils. Sie ist Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, des Vereins der deutschsprachigen Ökonomen, und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums. Außerdem ist sie Mitglied in den Herausgebergremien mehrerer wissenschaftlicher Fachzeitschriften, unter anderem der Review of Economic Studies. Vor ihrem Wechsel an die Goethe-Universität war Fuchs-Schündeln an der US-amerikanischen Harvard University tätig. Forschungsaufenthalte führten sie an die Stanford University und die University of New South Wales.

Ein Bild kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

 

Sep 27 2019
13:41

Prof. Klaus Theweleit hält Abendvortrag bei LOEWE-Konferenz an der Goethe-Universität

#Metoo in der griechischen Antike 

Mit dem Buch „Männerphantasien“ über die psychosoziale Vorgeschichte des Nationalsozialismus wurde er in den 1970er Jahren bekannt, nun ist Klaus Theweleit zu Gast an der Goethe-Universität. Im Rahmen der 4. Internationalen LOEWE-Konferenz 2019 „The Early History of War and Conflict“ des LOEWE-Schwerpunkts „Prähistorische Konfliktforschung“, die von 7. bis 9. Oktober stattfindet, spricht Professor Theweleit unter dem Titel „Am Anfang war #MeToo. Zur historischen Genese 'Griechenlands'“ am Montag, 7. Oktober, 19:30 Uhr, im Foyer des PA-Gebäudes (Campus Westend) über die realen Hintergründe der griechischen Mythologie, die ihren Anfang in der Einwanderung hat. Denn, so Theweleits Credo: Eine „Urbevölkerung“ gibt es nirgendwo. Die Vermischungen, die damals passierten, waren manchmal friedlich, oft jedoch gewaltsam. Die Erzählungen davon sei meist entstellend verglichen mit den realen Geschehnissen. Was bis heute als „griechische Mythologie“ bezeichnet wird, seien solche entstellenden Erzählungen vom Einwanderungsprozess indogermanischer Menschengruppen während der Bronzezeit in das Gebiet des heutigen Griechenlands. Vieles nehme seinen Anfang mit einer Art #MeToo – zwischen Göttern und Menschenfrauen.

Klaus Theweleit ist als Publizist, Autor und Literaturwissenschaftler in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich tätig. Seit 1998 ist er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seine Untersuchung über die sexuelle, psychologische und soziopolitische Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik, die unter dem Titel „Männerphantasien“ bereits in den 1970er Jahren veröffentlicht worden ist, erscheint demnächst in einer Neuauflage im Matthes & Seitz Verlag. In seinem 2015 im Residenz-Verlag in Wien erschienenen Buch „Psychogramm der Tötungslust – Vom Lachen der Killer“ geht es um die Lust zu töten. 

Anmeldung für den Abendvortrag mit anschließendem Empfang per E-Mail an: office.konfliktforschung@em.uni-frankfurt.de

Ein Bild von Klaus Theweleit finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/82294494 

Informationen zur Tagung: https://www.uni-frankfurt.de/78103997/Programm 

Kontakt: Prof. Dr. Rüdiger Krause, LOEWE-Schwerpunkt „Prähistorische Konfliktforschung“, Institut für Archäologische Wissenschaften, Fachbereich 09, Campus Westend, Telefon 0049(0)69 798-32122; E-Mail R.Krause@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 26 2019
10:16

Eine Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität zeigt 150 Exponate des Max Beckmann-Schülers Georg Heck (1897 – 1982)

Auf der Suche nach künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten

FRANKFURT. Der Frankfurter Maler und Graphiker Georg Heck gehört zu den vielseitigsten Künstlern seiner Generation. Sein Werk und seine Biographie stehen zudem gleichsam exemplarisch für das 20. Jahrhundert mit seinen tiefgreifenden Veränderungen.

Die umfassende Retrospektive, die jetzt im Museum Giersch der Goethe-Universität gezeigt wird, veranschaulicht anhand von 150 Gemälden, Graphiken und Originaldruckstöcken die Bedeutung dieses Künstlers. Exponate von 15 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Umfeld ordnen Hecks Schaffen zudem in den Zeitkontext ein. Begleitend ermöglicht ein von der Aventis Foundation gefördertes Digitalprojekt mit erläuternden Beiträgen eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem heute zu Unrecht weitgehend vergessenen Künstler und seinem OEuvre.

Nach einer Lehre als Kunstschmied ausgebildet an der Frankfurter Städelschule und Meisterschüler von Max Beckmann, errang Heck um 1930 erste Erfolge. Während der Diktatur des Nationalsozialismus als „entartet“ verfemt, verlor er durch die Bombardierung Frankfurts 1944 nahezu sein gesamtes Frühwerk. Dennoch wagte er im Frankfurt der Nachkriegszeit den Neubeginn. So war er unter anderem 1953 Gründungsmitglied der Frankfurter Sezession sowie 1976 an der Konstitution der Ausstellungsgemeinschaft Frankfurter Kreis beteiligt.

Trotz vieler Schicksalsschläge entwickelte Georg Heck ein Werk von großer Eigenständigkeit. Stets auf der Suche nach künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, fand er in seinem Nachkriegswerk über Gattungs- und Stilgrenzen hinweg zu einer beeindruckenden Gestaltungskraft zwischen Abstraktion und Figuration. Insbesondere im Medium des Holzschnittes schuf er kraftvolle Meisterwerke.

Pressekonferenz:
Mittwoch, 9. Oktober 2019, 11 Uhr 

  • Dr. Manfred Großkinsky, Leiter Museum Giersch der Goethe-Universität 
  • Susanne Wartenberg M. A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin, Museum Giersch der Goethe-Universität
  • Christine Karmann, Presse und Marketing, Museum Giersch der Goethe-Universität

Ausstellungseröffnung:
Donnerstag, 10. Oktober 2019, 18.30 Uhr 

Begrüßung und Dank:

  • Dr. Manfred Großkinsky, Leiter Museum Giersch der Goethe-Universität 

Grußwort:

  • Prof. Dr. rer. nat. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität

Einführung:

  • Susanne Wartenberg M. A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin, Museum Giersch der Goethe-Universität

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Der Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag und kostet 29,- € im Museum.

Weitere Informationen zum Begleitprogramm für Erwachsene und Kinder sowie zu Öffnungszeiten, Führungen und Eintritt unter www.museum-giersch.de. Finanzierung: Stiftung Giersch, Förderung: „experimente#digital – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation“, Familien-Schultz-Frentzel-Stiftung, VAN HAM Kunstauktionen, Alfred und Lore Nungesser-Stiftung

Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

 

Sep 19 2019
13:18

Prof. Georg Zizka spricht auf einer Führung durch den Wissenschaftsgarten über das Erfolgsgeheimnis der Blütenpflanzen.

Vielfalt der Früchte und Samen

FRANKFURT. Die Blütenpflanzen sind mit fast 400.000 Arten weltweit die erfolgreichste Pflanzengruppe, zudem stellen sie den größten Teil Biomasse auf unserem Planeten. Ein wichtiger Grund für den Erfolg ist die große Vielfalt der Früchte bei den Blütenpflanzen. Sie ist Grundlage der erfolgreichen Ausbreitung und ermöglicht vielfältige Wechselbeziehungen mit Tieren als Fruchtverbreitern. Im Rahmen einer Führung wird Prof. Georg Zizka, Biowissenschaftler an der Goethe-Universität und Leiter des Wissenschaftsgartens, wird an Beispielen die Fruchtvielfalt demonstrieren und die Botanik der wichtigen Fruchttypen vorstellen.

Freitag, 20. September 2019, 16.00-17.30 Uhr, Campus Riedberg, Wissenschaftsgarten.
Treffpunkt ist am Eingang Wissenschaftsgarten, Altenhöferallee 1f.

Mehr zu den Führungen im Wissenschaftsgarten finden Sie hier.

 

Sep 19 2019
09:13

Die neue „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 24. September mit der Politikprofessorin Nicole Deitelhoff

Für die Zukunft denken mit produktiven Kontroversen

FRANKFURT. „Zukunft_Aber wie?“ Unter diesem Motto steht die neue Ausgabe der partizipativen Redenreihe „Denkraum“ des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Auch dieses Mal gehören Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Sitz an der Goethe-Universität zu den Vortragenden. Gleich zum Auftakt der Gesamtreihe spricht die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff. Ihr Thema am 24. September um 20 Uhr im Chagallsaal des Schauspielhauses lautet: „Konflikte_Wie werden wir unser Zusammenleben gestalten?“

Streit ist konstitutiv für die Zukunft der Demokratie, sagt die mehrfach ausgezeichnete Professorin an der Goethe-Universität. In modernen Gesellschaften gibt es immer weniger kulturell geprägte Wertanschauungen als gemeinsame Basis für gruppen- und milieuübergreifenden Zusammenhalt. Produktive Kontroversen setzen Bindungskräfte frei, durch die das Gemeinwesen gedeiht. Das kann freilich nur gelingen, wenn sich die Streitparteien die gleichen Rechte und Pflichten gewähren. Die Politik muss wieder Auseinandersetzungen führen, die für die breite Öffentlichkeit erfahrbar sind und als wirksam empfunden werden. Auf gesellschaftlicher Ebene müssen die diversen Gruppen und Gemeinschaften stärker miteinander in Berührung kommen. Dazu wäre eine höhere Durchlässigkeit der räumlichen und kulturellen Milieus eine Voraussetzung. Nur die Streitkultur von heute sichert uns die Demokratie von morgen.

Nicole Deitelhoff ist Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Geschäftsführende Direktorin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen an der Goethe-Universität. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen, Privatisierung von Sicherheit, Internationale Normen, Humanitäres Völkerrecht und Internationale Strafgerichtsbarkeit. Die Politikwissenschaftlerin gehört zum Leitungsgremium des in Gründung befindlichen Forschungsinstituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und mit dem Schader-Preis.

Der Denkraum ist eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Schauspiel Frankfurt, die seit 2018 in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ stattfindet. Gefördert wird die Reihe von der Heraeus Bildungsstiftung. Nach jedem Impulsvortrag erhalten die Zuhörer die Möglichkeit, in kleinen Tischgesprächen zu jeweils rund zehn Personen die dargelegten Thesen und Analysen zu diskutieren und Fragen an den Redner oder die Rednerin zu formulieren. Der jeweilige Moderator des Abends sammelt diese Eindrücke ein und konfrontiert den eingeladenen Spezialisten mit den Fragen des Publikums. Ein weiterer Redner aus den Reihen des Forschungsverbundes Normative Ordnungen ist Martin Saar, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität. Zu den Vortragenden der Reihe gehört auch Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen.

Die bisher feststehenden Termine im Überblick:

24. September 2019
Nicole Deitelhoff: Konflikte_Wie werden wir unser Zusammenleben gestalten?

3. Dezember 2019
Robert Habeck: Klima_Wie werden wir die Erde retten können?

11. Februar 2020
Martin Saar: Demokratie_Was wird aus der Krise des Politischen?

10. März 2020
Susanne Wiest: Arbeit_Was wird aus der Wettbewerbsgesellschaft?

26. Mai 2020
Sophie Passmann: Gleichheit_Werden wir in Teilhabe leben?

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de

Detailliertes Programm:
https://www.normativeorders.net/denkraum

Informationen:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411,
bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Sep 18 2019
10:39

Das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität ist künftig Teil eines europäischen Netzwerks für Aerosol-, Wolken- und Spurengasmessungen.

Wetter- und Klimavorhersage verbessern

FRANKFURT/BERLIN. Das über 100 Jahre alte Taunus-Observatorium auf dem Kleinen Feldberg erlangt dank deutsch-europäischer Fördermittel neue Bedeutung: Dort will die Goethe-Universität moderne Messtechnik installieren, um kurzlebige Spurengase und Aerosolpartikel ständig messen zu können. „Damit erfassen wir beispielsweise Daten zu Ultrafeinstaub – eine wichtige Grundlage für die Erforschung seiner Quellen und der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“, erklärt Prof. Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt.

Möglich wird dies durch den Aufbau einer Europäischen Forschungsinfrastruktur für Aerosole, Wolken und Spurengase (ACTRIS), an der sich Deutschland mit über 50 Millionen Euro beteiligen will. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat den deutschen Beitrag ACTRIS-D letzte Woche in die Nationale Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgenommen. Die für Forschung zuständige Vizepräsidentin der Goethe-Universität Prof. Dr. Simone Fulda bezeichnet es als „fantastische Neuigkeit, dass das spannende Projekt ACTRIS-D bei den geförderten Projekten der Nationalen Roadmap dabei ist“. Die Roadmap ist der Fahrplan des BMBF für große Forschungsinfrastrukturen, um mit herausragender Grundlagenforschung Deutschland als Innovationsstandort zu fördern.

Klimavorhersagen erlauben bisher nur sehr ungenaue Vorhersagen, wie stark beispielsweise die Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten ansteigen oder sich Niederschläge regional entwickeln werden. Es fehlen Daten und Wissen zu den kurzlebigen Bestandteilen der Atmosphäre: Wolken, Aerosolpartikel und reaktive Gase. Sie verweilen – anders als die vieldiskutierten Treibhausgase - nur wenige Stunden bis Wochen in der Atmosphäre, aber beeinflussen das Klima deutlich. So reflektieren winzige Schwebeteilchen (Feinstaub) beispielsweise Sonnenlicht und Wärmestrahlung oder dienen als Keime für die Bildung von Wolkentropfen und Eiskristallen.

Zudem beeinflussen die kurzlebigen Bestandteile die Luftqualität und damit die menschliche Gesundheit. Schwebeteilchen und Spurengase verursachen Erkrankungen der Atemwege. Sie stehen im Verdacht, allein in der Europäischen Union pro Jahr für rund 430.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich zu sein, davon etwa 70.000 in Deutschland.

Die Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf die Atmosphäre - vom Auto über Heizung, Industrie und Landwirtschaft bis hin zu Waldbränden - lassen sich nur abschätzen, wenn viele Stationen kontinuierlich und großflächig messen. Daher soll ab 2021 ACTRIS den Messbetrieb aufnehmen und durch die Kooperation vieler Forschungseinrichtungen in Europa künftig bessere Vorhersagen für Luftqualität, Wetter und Klima ermöglichen. Die Bundesregierung bekundet mit der Aufnahme von ACTRIS-D in die Nationale Roadmap ihre Bereitschaft, diese Forschungsinfrastrukturen zu fördern. Die Finanzierung verantworten die zuständigen Bundesressorts in Abhängigkeit der verfügbaren Haushaltsmittel.

„Die renommierte Frankfurter Klima- und Atmosphärenforschung wird als einer von 13 Partnern einen wesentlichen Beitrag zur hochaktuellen Klimaforschung leisten“, so Vizepräsidentin Simone Fulda. Die Goethe-Universität beantragt als Anteil an ACTRIS-D rund drei Millionen Euro. „Wir wollen damit das Taunus-Observatorium mit moderner Technik für Langzeitmessungen im Bereich der Aerosole und Spurengase ausbauen“, erklärt Curtius. „Damit können wir wichtige kurzlebige Spurengase, insbesondere eine ganze Reihe von Kohlenwasserstoffen sowie reaktive Stickstoff- und Schwefelverbindungen ständig messen“. Die Messdaten erlauben Untersuchungen zum chemischen Abbau der Substanzen, zu den Veränderungen im Jahresverlauf und über mehrere Jahre hinweg. Die Frankfurter Forscher wollen in den kommenden Jahren die Prozesse untersuchen, die zur Bildung des Ultrafeinstaubs führen, und charakterisieren, in welchem Umfang die Komponenten menschgemacht oder natürlichen Ursprungs sind.

Die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Nationalen Roadmap Forschungsinfrastrukturen finden Sie unter: https://www.bmbf.de/de/neue-nationale-roadmap-fuer-forschungsinfrastrukturen-9618.html
ACTRIS - the European Research Infrastructure for the observation of Aerosol, Clouds, and Trace gases: https://www.actris.eu/

Informationen: Prof. Dr. Joachim Curtius, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften/Geographie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40258, Email: curtius@iau.uni-frankfurt.de.

 

Sep 18 2019
10:15

​ Goethe-Universitäts-Projekt „Start ins Deutsche“ und Stiftung Junge Weltbürger machen auf Bedeutung von Sprachförderung aufmerksam

Sprache = Begegnung = Integration?!

FRANKFURT. „Wenn Worte meine Sprache werden“: Unter diesem Motto machen das Projekt „Start ins Deutsche“ der Goethe-Universität und die Stiftung Junge Weltbürger auf die Bedeutung von Sprachförderung und interkulturellem Austausch für die Integration aufmerksam.

Insgesamt 180 Personen sind der Einladung des Projekts „Start ins Deutsche“ und seiner Projektpartnerin, der Stiftung Junge Weltbürger, ins Historische Museum gefolgt, um über Spracherwerb und ehrenamtliches Engagement zu sprechen. Denn auch vier Jahre nach der so genannten „Flüchtlingskrise“ bleiben Angebote zur Sprachförderung unverzichtbar.

„Die Goethe-Universität trägt seit ihrer Gründung zur Lösung großer gesellschaftlicher, politischer und kultureller Herausforderungen bei“, sagt Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Eröffnung. Mit dem Projekt „Start ins Deutsche“ biete sie einen Ort der Begegnung und einen Zugang zum Spracherwerb. Hochqualifizierte Flüchtlinge und studieninteressierte Geflüchtete haben außerdem die Möglichkeit, mit dem Academic Welcome Program (AWP) eine akademische Heimat zu finden.

Wie aus der Fremdsprache eine eigene Sprache wird, verdeutlichten zwei Teilnehmerinnen des Projekts, die über ihre erste Zeit in Deutschland sprachen: „Ich habe hier viele Träume und Hoffnungen, denn ich möchte gerne Ingenieurin werden und das Land unterstützen, welches mir geholfen und mir die Freiheit gegeben hat“, so Randa Sammer Eedo aus dem Irak. Das Projekt wird durch Spenden finanziert, und Verena von Tresckow-Bronke, die es seit 2016 mit ihrer Stiftung Junge Weltbürger als Kooperationspartnerin unterstützt, betont, dass Integration eine Querschnittsaufgabe sei. Sie fordert dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen und für das Projekt zu spenden.

Prof. Dr. Petra Schulz, die an der Goethe-Universität zu Deutsch als Zweitsprache forscht und lehrt, hebt hervor, dass der Spracherwerb für Erwachsene eine „anspruchsvolle Aufgabe“ sei, für die „Zeit, Ressourcen, Engagement und nicht zuletzt Fachleute benötigt werden, die nicht nur wissen, was ‚richtiges Deutsch' ist, sondern auch, wie das System ‚Sprache' aufgebaut ist.“ Stadträtin Prof. Daniela Birkenfeld, Uni-Vizepräsident Prof. Roger Erb sowie am Projekt beteiligte Studierende diskutierten über die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements und über die aktuelle Situation in Frankfurt. „Das Projekt Start ins Deutsche trägt zur Verbesserung der Sprachkenntnisse der Geflüchteten in Frankfurt bei und damit zu ihrer Integration. Denn viele Teilhabechancen eröffnen sich erst mit ausreichenden Deutschkenntnissen. Für die Betreiber unserer Übergangsunterkünfte sind die Projektverantwortlichen und die beteiligten Studierenden verlässliche und gern gesehene Partner“, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Birkenfeld. Doch auch die Studierenden lernen selbst viel im Projekt. „Durch eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen (Mutter)-Sprache gewinnen sie einen ganz neuen Zugang dazu. Außerdem erwerben sie interkulturelle Kompetenz, berufliche, akademische und persönliche Schlüsselqualifikationen, die in hohem Maße berufsrelevant sind“, so Prof. Dr. Roger Erb, als Vizepräsident zuständig für Studium und Lehre.

Die hessische Wissenschaftsministerin, Angela Dorn: „Das Projekt ‚Start ins Deutsche' ist ein gelungenes Beispiel dafür, mit welch großem Engagement unsere Hochschulen Geflüchtete auf ihrem Weg zur Aufnahme oder Fortführung eines Hochschulstudiums begleiten. Für diesen großen ehrenamtlichen Einsatz für gelungene Integration danke ich allen Projektbeteiligten sehr herzlich. Sie unterstützen damit unsere Arbeit, mit der wir seit 2015 vorhandene Angebote für ausländische Studierende an den Hochschulen stärken.“

Seit dem Projektstart 2016 haben mehr als 1000 Studierende an verschiedenen Standorten Deutsch unterrichtet. Auf ihr Engagement vorbereitet werden sie durch Dozentinnen und Dozenten der Goethe-Universität. Während des Semesters werden die Studierenden durch regelmäßige Supervisionsgruppen in Kooperation mit dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut e.V. (FPI) begleitet.

Bilder zum Download stehen bereit unter http://www.uni-frankfurt.de/82089233. (Bildhinweis: Lecher/Goethe-Universität) Informationen: Ilsa Jacobsen, Projektkoordination „Start ins Deutsche“, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Telefon +49 (0)69 798 12485, E-Mail: jacobsen@em.uni-frankfurt.de.

Bankverbindung: Stiftung Junge Weltbürger. IBAN DE47 5185 0079 0027 1242 08. BIC HELADEF1FRI. Stichwort: Projekt SiD. Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung.

 

Sep 17 2019
15:08

Interview mit dem Philosophen Prof. Matthias Lutz-Bachmann zur Bad Homburg Conference, die am Donnerstag beginnt

Die Freiheit mit KI gestalten

FRANKFURT. „Spät, aber nicht zu spät“ habe die wissenschaftliche Debatte über die Folgen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz für Gesellschaft, Politik und Individuum eingesetzt. Das sagt Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg, im Interview mit „Goethe-Uni online“.

Dass sich das nun ändern soll, dazu will die diesjährige Bad Homburg Conference einen Beitrag leisten: Unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Wie können wir Algorithmen vertrauen?“ diskutieren Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen von 19. bis 21. September am Forschungskolleg in Bad Homburg über diese Thematik. „Überall kommt KI zum Einsatz, und wir merken im Zuge der Einführung dieser Systeme, wie sich zugleich für uns Menschen Handlungsspielräume verändern“, so Lutz-Bachmann. Gerade die Europäer täten gut daran, Freiheit und Autonomie des Menschen im Blick zu haben und zu schützen. KI werde „diese Freiheit verändern, und wir werden sie zu gestalten haben in neuer Weise. Vielleicht bereits auf der Ebene der Algorithmen.“

Interview: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/die-zukunft-mit-algorithmen-gestalten-interview-mit-prof-lutz-bachmann/ 

Informationen zur Konferenz: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/konferenz-kuenstliche-intelligenz-wie-koennen-wir-algorithmen-vertrauen/

 

Sep 13 2019
14:53

Prof. Fabrizio Nestola von der University of Padua forscht und lehrt als Träger des Humboldt-Forschungspreises an der Goethe-Uni

Einfach brillant: Koryphäe auf dem Gebiet der Diamantforschung

FRANKFURT. Die einzigartigen Diamanten, für die Prof. Fabrizio Nestola sein Institut im beschaulichen Padua verlassen hat, kommen nicht von unserer Erde. Sie stammen von einem außerirdischen Himmelskörper, der heute nicht mehr existiert. Zusammen mit dem Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität möchte Nestola herausfinden, wie diese Mikro-Diamanten entstanden sind.

Schon mehrfach zierten Arbeiten von Fabrizio Nestola und seinen Kollegen den Titel der renommierten Fachzeitschriften „Nature“ und „Science“. „Das ist nicht wirklich überraschend, wenn man die Edelsteine anschaut, an denen Nestola arbeitet. Sein Spezialgebiet sind sogenannte super-tiefe Diamanten, die aus mehreren hundert Kilometern Tiefe stammen“, sagt Gastgeber Frank Brenker. 

In diese tiefen Regionen der Erde können Wissenschaftler durch Bohrungen nicht vordringen. Aber die Diamanten können während ihres Wachstums Minerale, Gesteinsbruchstücke, Schmelzen und Flüssigkeiten einschließen. Diese befördern sie dann als eine Art Probencontainer sicher an die Erdoberfläche. Fabrizio Nestola hat auch sehr wertvolle blaue Diamanten untersucht und bewiesen, dass diese alle aus dem Unteren Erdmantel stammen. Das entspricht einer Tiefe von mindestens 670 Kilometern. 

Nestola entschied, mit seinem Humboldt-Forschungspreis an die Goethe-Universität zu gehen, weil ihn Untersuchungsmethoden auf der Nanoskala interessieren. Das ist ein Spezialgebiet von Frank Brenker. Er verwendet dazu hochauflösende Transmissions-Elektronenmikroskopie und Synchrotron-Strahlung.

Brenker und Nestola arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich zusammen. Erst kürzlich konnten beide zusammen mit Graham Pearson (University of Alberta) die Entdeckung eines Ozeans im Inneren der Erde verkünden, bzw. das Äquivalent an Wasser beziffern, das als OH-Gruppe in einer Schicht zwischen 520 und 670 Kilometern Tiefe gespeichert ist. 

Als Träger des Humboldt-Forschungspreises wird Prof. Nestola mindestens ein halbes Jahr an der Goethe-Universität lehren und forschen. Die Humboldt-Stiftung vergibt den Preis an Forscher, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien ihr eigenes Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden können.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81927985 

Bildtexte: Prof. Fabrizio Nestola (l.) mit Dr. Hans-Christian Pape, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Bildrechte: Nestola Blauer Mikro-Diamant aus dem tiefen Erdmantel. 

Bild: Petra Diamonds Limited Extraterrestrischer Diamant von einem inzwischen verschwundenen Himmelskörper. Bild: Nestola

Information: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 13 2019
13:27

Schlafen oder Stoppen? Das RIS-Neuron hat beide Funktionen/ Publikation in Nature Communications

Das Schlaf-Neuron im Fadenwurm ist auch ein Stopp-Neuron

FRANKFURT. Das Nervensystem des Fadenwurms C. elegans ist überschaubar: Es besteht aus 302 Neuronen, von denen einige jedoch mehrere Funktionen haben. So kann das als Schlafneuron bekannte „RIS“ den Wurm in einen langanhaltenden Schlaf versetzen – oder auch nur für wenige Sekunden seine Bewegung stoppen, wie Wissenschaftler unter Federführung der Goethe-Universität jetzt herausgefunden haben.

Wagner Steuer Costa in der Arbeitsgruppe von Alexander Gottschalk, Professor für Molekulare Zellbiologie und Neurobiochemie an der Goethe-Universität, hat das Schlafneuron RIS vor einigen Jahren zufällig entdeckt – zeitgleich mit anderen Gruppen. Um die Funktion einzelner Neuronen im Nervengeflecht zu verstehen, bringen die Forscher sie durch gentechnische Veränderung dazu, lichtempfindliche Proteine herzustellen. Mit diesem „Schalter“ können die Neuronen in dem durchsichtigen Wurm durch Bestrahlung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge aktiviert oder abschaltet werden. „Als wir gesehen haben, dass der Wurm bei Lichtstimulation dieses Neurons einfriert, waren wir sehr verblüfft. Das hat eine langjährige Studie in Gang gesetzt“, erinnert sich Gottschalk.

Das RIS getaufte Neuron versetzt C. elegans in Schlaf, wenn es einige Minuten bis Stunden aktiv ist – beispielweise nach den Häutungen, die das Tier in seiner Entwicklung durchläuft. Es schläft aber auch zur Erholung, nachdem es zellulärem Stress ausgesetzt war. Andererseits dient das Neuron dazu, den Wurm während der Bewegung zu stoppen, etwa, wenn er die Richtung ändern will oder sich eine Gefahr auftut. Dann verlangsamt ihn das Neuron in seiner Bewegung, so dass er entscheiden kann, ob er weiter kriechen soll. In diesem Fall wird das Neuron nur für wenige Sekunden aktiv. „Solche Stop-Neurone hat man erst vor kurzem entdeckt. Im Wurm ist es das erste seiner Art“, erklärt Gottschalk.

Noch erstaunlicher ist, dass das Axon offenbar verzweigt ist, so dass RIS nicht nur die Bewegung stoppen, sondern sie auch verlangsamen oder eine Rückwärtsbewegung einleiten kann. Das berichten Gottschalk und seine Kooperationspartner, Prof. Ernst Stelzer von der Goethe-Universität, Prof. Sabine Fischer von der Universität Würzburg, sowie Forscher der amerikanischen Vanderbilt University in Nashville und der Universität Leuven in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“.

„Wir denken, dass es in mehreren einfachen Lebewesen wie dem Wurm solche Neuronen mit einer doppelten Funktion gibt. Im Laufe der Evolution sind diese dann auf zwei verschiedene Systeme im Gehirn verteilt und weiter verfeinert worden“, meint Gottschalk. Das sei ein Motiv, das sich sicher noch mehrfach finden werde, sobald noch andere Nervenzellen des Wurms besser verstanden sind. „Das Nervensystem von C. elegans kann man als eine Art evolutionären Versuchsballon ansehen. Was dort funktioniert, wird dann in komplexeren Tieren wieder verwendet und diversifiziert.“

Die Entdeckung der doppelten Funktion von RIS ist auch ein Beispiel dafür, wie ein fest-vernetztes Neuronetzwerk durch ein „drahtloses Netzwerk“ von Neuropeptiden und Neuromodulatoren zusätzlich verschaltet werden kann. So können mehrere funktionale Netzwerke auf einem einzelnen anatomischen Netzwerk realisiert werden, was die Funktionalität des Wurmgehirns enorm erhöht und gleichzeitig sehr ökonomisch ist. „Es sollte nicht immer gesagt werden, dass Wurm-Neuronen einfach sind. Oft können sie mehr als die Nervenzellen von Säugern“, sagt Gottschalk.

Publikation: Wagner Steuer Costa, Petrus Van der Auwera, Caspar Glock, Jana F. Liewald, Maximilian Bach, Christina Schüler, Sebastian Wabnig, Alexandra Oranth, Florentin Masurat, Henrik Bringmann, Liliane Schoofs, Ernst H.K. Stelzer, Sabine C. Fischer, Alexander Gottschalk: A GABAergic and peptidergic sleep neuron as a locomotion stop neuron with compartmentalized Ca2+ dynamics https://doi.org/10.1038/s41467-019-12098-5

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81911675 

Bildtexte: Der Fadenwurm C. elegans. Bild: A. Gottschalk Das RIS-Neuron (grün) im Rachen des Fadenwurms C. elegans. Bild: Wagner Steuer Costa Auf der Webseite von Nature Communications sind auch sehenswerte Videos dazu, z.B. die #7, hier: https://www.nature.com/articles/s41467-019-12098-5#Sec31

 

Sep 13 2019
13:21

Drei Post-Doktoranden der Goethe-Uni erhalten den mit 100.000 Euro dotierten Aventis Foundation Postdoctoral Award

Neuer Forschungspreis ebnet Weg zur Professur

FRANKFURT. Drei Post-Doktoranden sind beim gestrigen Post-Doc Day an der Goethe-Universität mit einem neuen, von der Aventis Foundation gestifteten Forschungspreis „Life Sciences Bridge Award“ ausgezeichnet worden: Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt, der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk und der Biochemiker Dr. Christian Münch erhielten den mit jeweils 100.000 Euro dotierten Aventis Foundation Postdoctoral Award. Ziel der Förderung ist es, Forschenden in den Lebenswissenschaften frühzeitig ein selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen und sie in der Umsetzung auch unkonventioneller Ideen zu bestärken. 

„Mit ihrem Life Sciences Bridge Award will die Aventis Foundation eine Brücke über den Graben bauen, der sich für den wissenschaflichen Nachwuchs zwischen Promotion und Professur auftut. Gefördert werden sollen vor allem Forschende, die auf dem Sprung zu einer permanenten Position – typischerweise einer Professur – stehen“, so Prof. Werner Müller-Esterl, Vorsitzender der Jury des Preises. 

Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt untersucht am Institut für Biochemie die Kommunikation zwischen Bakterien in Biofilmen. Diese überleben als Gemeinschaft, indem sie Nahrung und Stoffwechselprodukte austauschen und sich vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. „Biofilme sind allgegenwärtig und die meisten sind für die Ökosysteme nützlich“, erklärt die 38-Jährige. Einige Biofilme sind für den Menschen jedoch gefährlich. Sie treten bei bakteriellen Entzündungen der Lunge, der Hirnhaut, des Mittelohrs, der Harnwege oder der Haut auf. 

Die Kommunikation wird durch ausgeklügelte Transportmechanismen in der Plasmamembran gewährleistet. Inga Hänelt interessiert insbesondere die Rolle von Kaliumkanälen. „Hier wurde erst kürzlich ein Konzept der elektrischen Kommunikation beschrieben, das bis dato nur für eukaryotische Zellen, wie zum Beispiel Nervenzellen, bekannt war, aber nicht für Bakterien“, erklärt sie. Den Aventis Foundation Postdoctoral Award möchte sie dazu nutzen, die Kommunikation in bakteriellen Biofilmen über Kaliumkanäle näher zu erforschen. 

Der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk erforscht am Institut für Pharmazeutische Chemie, wie man Rezeptoren, die sich innerhalb der Zelle oder gar im Zellkern befinden (nukleäre Rezeptoren), gezielt mit Arzneistoffen ansteuern kann. „Nukleäre Rezeptoren sind an verschiedensten Erkrankungen beteiligt – von Entzündungen über Stoffwechsel-Erkrankungen bis hin zu Krebs – und deshalb pharmakologisch hochinteressant“, erläutert er.

Der Fokus des 33-Jährigen liegt auf den bisher wenig erforschten nukleären Rezeptoren, wobei er gezielt jene auswählt, die an neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind. Um die Charakterisierung geeigneter Arzneistofftargets und die Entwicklung optimierter Wirkstoffe zu beschleunigen, möchte er mithilfe des Preisgeldes auch neue Technologien wie die künstliche Intelligenz oder innovative in vitro screening Methoden nutzen. 

Der Biochemiker Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II erforscht ebenfalls neurodegenerative Erkrankungen, allerdings interessiert er sich vor allem für fehlgefaltete Proteine, die in Nervenzellen zusammenklumpen, so dass diese absterben. „Normalerweise aktivieren Zellen spezifische Stressantworten, um eine solche Fehlfaltung zu beseitigen und die Zelle gesund zu erhalten“, erklärt Münch. „Vor ein paar Jahren wurde mir klar, dass wir fast nichts darüber wissen, wie diese Stressantwort in Mitochondrien abläuft, obwohl ja gerade die mitochondrialen Proteine lebenswichtige Funktionen für die Energieversorgung von Zellen erfüllen.“ 

Ziel der Forschung des 36-Jährigen ist es, zu verstehen, wie die verschiedenen Stressantworten der Zelle miteinander verknüpft sind. Dabei müssen zunächst die Einzelprozesse im Detail aufgeklärt werden, um dann das daraus hervorgehende zelluläre Netzwerk zu verstehen. Besonders interessiert Münch sich dafür, welche Störungen in diesem komplexen System zu Krankheiten führen. Dabei ist er auf ein immer breiter werdendes Spektrum hochmoderner und neuartiger Technologien angewiesen. 

Bisher hat keiner der drei herausragenden jungen Wissenschaftler eine unbefristete Stelle. So wünschen sich Inga Hänelt und Christian Münch, die beide Verantwortung für eine Familie haben, für hochqualifizierte junge Wissenschaftler klare Zukunftsperspektiven in Form von Tenure-Track-Professuren. „Nur so wird es gelingen, die bestqualifizierten Frauen und Männer in der Wissenschaft zu halten“, prognostiziert Münch. Die Förderung durch den Aventis Foundation Postdoctoral Award verschafft den Preisträgern mehr Unabhängigkeit, ihre Forschungsideen umzusetzen und sich damit für eine Professur zu qualifizieren. 

Die Aventis Foundation wählt die Preisträger in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen aus. In diesem Jahr ist die Goethe-Universität Frankfurt Partnerinstitution. Ausgezeichnet werden promovierte oder bereits habilitierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine akademische Karriere anstreben und noch keine unbefristete Professur innehaben. 

Bilder der Preisträger finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81843595 

Fotos: Uwe Dettmar 

Informationen: Aventis Foundation, Eugen Müller, Geschäftsführender Vorstand ,Telefon +49 69 305 7256, eugen.mueller@aventis-foundation.org 

Informationen zum Forschungspreis: bridge.aventis-foundation.org

 

Sep 13 2019
10:18

Nach mehrjähriger Planung weicht der motorisierte Verkehr ab dem 16. September 2019 vom Kerncampus um den Theodor W. Adorno-Platz 

Autofreier Campus Westend wird Realität

FRANKFURT. Der Campus Westend der Goethe-Universität wird ab dem 16. September weiter vom Autoverkehr entlastet. Im Zentrum des Konzepts zur Verkehrsberuhigung auf dem Campus steht die Sperrung des zentralen Theodor-W.-Adorno-Platzes für den motorisierten Verkehr. Das nördliche Campusareal im Bereich der Wohnsiedlung und der weiteren Ausbaustufe wird mit einer Schranke versehen. Mit diesen Maßnahmen werden die Aufenthaltsqualität auf dem zum Teil denkmalgeschützten Areal und ganz besonders die Verkehrssicherheit deutlich erhöht und zugleich Vorgaben des städtischen Bebauungsplanes für den Campus Westend umgesetzt.

„Die Goethe-Universität Frankfurt setzt auf eine nachhaltige Mobilität und leistet mit dem Konzept „Autofreier Campus“ auf dem Campus Westend zugleich einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“, betonte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Die Aufenthaltsqualität auf dem Universitätsgelände wird sich deutlich erhöhen. Durch das Setzen von Pollern an festgelegten Stellen wird eine autofreie Kernzone rund um den Theodor-W.-Adorno-Platz geschaffen, um dort die Fußgänger und Fahrradfahrer sowie den motorisierten Verkehr zu trennen“, ergänzte Universitätskanzler Dr. Albrecht Fester. 

Das neue Verkehrskonzept reduziert verschiedene Verkehrsprobleme und Gefahrenpotentiale im nördlichen Campusbereich. Die Verkehrssituation in der dortigen Wohnsiedlung wird seit Jahren – auch von Anwohnern und dem zuständigen Ortsbeirat – kritisiert. Falschparken und zugestellte Einfahrten sind an der Tagesordnung; die Zufahrt für Feuerwehr, Rettungskräfte und Müllabfuhr ist dadurch erschwert, manchmal unmöglich. Der Autoverkehr in der Max-Horkheimer-Straße birgt ein ständiges Unfallrisiko für Studierende, die beim Verlassen und Betreten des Seminarhauses die Straße überqueren müssen. 

Mit dem Neubau der Sprach- und Kulturwissenschaften entsteht hier noch eine weitere Herausforderung mit einer deutlichen Erhöhung des Fuß- und Radverkehrsaufkommen. Diese Situation wird mit dem neuen Verkehrskonzept entschärft, da nur noch Teilnehmer mit Zufahrtsberechtigung an dieser Stelle durchfahren dürfen. Für Radfahrende sind die Straßen weiterhin passierbar. 

Für die Realisierung des Konzepts mussten Teile der Anlieferung für den Campus reorganisiert und die verkehrstechnische Infrastruktur verbessert werden. Im Bereich der Max-Horkheimer-Straße wurden ein so genannter Drop-Off-Point (Wendekreisel mit Kurzhaltmöglichkeit) sowie zwei offizielle Taxistände errichtet. Überdies wird durch das Versetzen zweier Schranken der Verkehrsfluss für den nördlichen Campusbereich insbesondere der Wohnsiedlung anders organisiert. 

Die Zufahrt der beiden christlichen Wohnheime, der Einfamilienhaussiedlung, der Philipp-Holzmann-Schule und des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) wird über Schranken geregelt. Die Philipp-Holzmann-Schule bekommt eine neue Zufahrtsregelung über die Miquelallee in die Siolistraße. Ein neuer Schulweg auf dem Universitätsgelände soll zukünftig die Sicherheit für Schülerinnen und Schüler der beiden Interimsschulen des neuen Schulcampus weiter erhöhen. Entsprechend des mit dem Ortsbeirat und den beteiligten städtischen Ämtern und Behörden abgestimmten und genehmigten Verkehrskonzepts wurden zwei Schranken errichtet: eine in der Max-Horkheimer-Straße, die andere in der Siolistraße. Die Universität betreibt die Schranken und sorgt dafür, dass Anwohnerinnen und Anwohner sowie Anlieger, aber auch Rettungsdienste, Feuerwehr und Lieferverkehr in den Bereich einfahren können.

Der Umsetzung vorangegangen war ein langwieriger und umfassender Abstimmungsprozess. Während für die Absperrung des Campusplatzes bis auf Polizei und Feuerwehr eher universitätsinterne Verkehrsbelange zu klären waren (z.B. Studentenwerk, Veranstaltungsservice, Postdienst, Müllentsorgung, Reinigung, usw.), wurde das neuen Verkehrskonzept für den nördlichen Campusbereich gemeinsam mit dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), dem Straßenverkehrsamt, dem Stadtplanungsamt, dem Stadtschulamt und dem Ortsbeirat besprochen und entwickelt. Die Universitätsverantwortlichen danken dabei insbesondere Axel Kaufmann, dem Vorsitzenden des zuständigen Ortsbeirats, der unermüdlich zwischen den Belangen der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Universität vermittelt hat. 

Kurzbeschreibung des neuen Verkehrskonzepts im Bereich der Wohnsiedlung: 

  • Eine Schranke wird in der Max-Horkheimer-Straße angeordnet (Drop-off-Point). Die Zufahrt für Zufahrtsberechtigte wird durch Goethecard bzw. Pförtner geregelt. 
  • Die Rostocker Straße, entlang des Neubaus für die Sprach- und Kulturwissenschaften (SKW), ist Teil des autofreien Uni-Campus und wird zukünftig mit Pollern gegen den öffentlichen Verkehr abgesperrt. 
  • Es wird eine zusätzliche Absperrung des Campusgeländes in der nördlichen Siolistraße zur Miquelallee vorgesehen. Damit wird eine Trennung der Verkehrsströme der Universität und der Schulen erreicht. 
  • Die Philipp-Holzmann-Schule erhält eine geänderte Verkehrsführung zur Hauptzufahrt in der Siolistraße

Informationen: Julian Artner, Bevollmächtigter für die Standortneuordnung und –entwicklung, Campus Westend, Tel.: 069 / 798 – 17252, artner@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 11 2019
14:54

Ozonloch, Amazonasbrände und Schwerewellen im Fokus des deutschen Forschungsflugzeugs HALO

Klimawandel in der Südhemisphäre 

FRANKFURT. Mit der Mission „SouthTRAC“ erkundet das deutsche Forschungsflugzeug HALO im September und November 2019 die südliche Atmosphäre und ihre Auswirkungen auf den Klimawandel. Forscher von der Goethe-Universität sind mit an Bord.

Das wichtigste Ziel der ersten Kampagnenphase von SouthTRAC (Transport and Composition of the Southern Hemisphere UTLS) ist es, Schwerewellen an der Südspitze Amerikas und über der Antarktis zu untersuchen. In der zweiten Kampagnenphase im November steht aus Austausch von Luftmassen zwischen Stratosphäre und Troposphäre im Fokus. Während der Transferflüge zwischen Europa und Südamerika untersuchen die Forscher unter anderem, welchen Einfluss die aktuellen Brände im Amazonas-Regenwald auf das Klima haben. Neben dem Team des Atmosphärenforschers Prof. Andreas Engel von der Goethe-Universität sind Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich und der Universität Mainz federführend bei der wissenschaftlichen Planung. Beteiligt sind weiterhin Gruppen der Universitäten Heidelberg und Wuppertal.

Spurengase wie Ozon und Wasserdampf sind effektive Treibhausgase und spielen eine wichtige Rolle im Klimawandel. Seit Ende der 1980er-Jahre verbietet das Montrealer Protokoll Stoffe wie Flurchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), weil sie die Ozonschicht stark ausdünnen. Es wird allerdings noch viele Jahrzehnte dauern, bis sich die Ozonschicht wieder erholt hat, insbesondere das große Ozonloch in der Antarktis. Welche Bedeutung dies für den Klimawandel auf der Südhemisphäre hat, wollen die Forscherinnen und Forscher jetzt in der Kampagne „SouthTRAC“ im Detail untersuchen.

Die wichtigsten atmosphärischen Voraussetzungen für die Bildung des Ozonlochs über der Antarktis sind neben einen hohen Chlor- und Bromgehalt, tiefe Temperaturen und ein verminderter Austausch von Luftmassen mit mittleren Breiten. Dieser wird durch den antarktischen polaren Wirbel gewährleistet. „Wir wollen sehen wieviel Chlor und Brom in der unteren Stratosphäre für den Ozonabbau zur Verfügung steht, insbesondere auch im Polarwirbel der Südhemisphäre, in dem sich jedes Jahr das Ozonloch bildet“, erklärt Prof. Andreas Engel. Dazu misst seine Gruppe nahezu alle relevanten Quellgase. Besonders achtet sie auf kurzlebige Substanzen, die hochvariabel sind und die bisher in der Südhemisphäre noch kaum quantifiziert wurden. „Damit wollen wir Daten zur Verfügung stellen, damit Chemie- und Klimamodelle den Ozonabbau, die erwartete Erholung des stratosphärischen Ozons und die Auswirkungen auf das Klima zuverlässiger darstellen können“, so der Atmosphärenforscher.

Dazu setzt die Arbeitsgruppe von Prof. Andreas Engel am Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe Universität einen selbstentwickelten Gaschromatographen mit Massenspektrometer ein. Dieses Gerät kann mit sehr hoher Genauigkeit auch noch Spuren von vielen chlorierten und bromierten Substanzen messen, wobei auch auf die Messgeschwindigkeit geachtet werden muss. An Bord eines Forschungsflugzeugs muss es schnell gehen, denn die zeitliche Auflösung entspricht direkt auch der räumlichen Auflösung. „Mit ein bis sechs Minuten, je nach Substanz, sind wir für diese Messtechnik extrem schnell. Im Labor brauchen wir etwa die fünffache Zeit. Dazu kommt, dass alles, was wir im Flugzeug machen, luftfahrtzertifiziert sein muss. Das bedeutet einen hohen logistischen Aufwand“, so Engel.

Um die aufwändigen Messungen, die teilweise auch in Nachtschicht durchgeführt werden müssen, zu ermöglichen, ist bis Anfang Dezember ein Team von drei bis vier Mitarbeitern des Instituts für Atmosphäre und Umwelt vor Ort in Rio Grande an der Südspitze Südamerikas, mit einer kurzen Unterbrechung von drei Wochen im Oktober. Von dort werden die Messflüge gestartet und die Messgeräte betreut.

Über HALO Das Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range) ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert wird HALO durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Leibniz-Gemeinschaft, des Freistaates Bayern, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). 

Bilder der Forschungsflugzeugs HALO zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/81867109 (Copyright: s. Endung des Dateinamens)

Informationen: Prof. Dr. Andreas Engel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40259 , an.engel@iau.uni-frankfurt.de

 

Sep 11 2019
11:44

Öffentliche Konferenz mit Experten aus Wissenschaft und Praxis

„Künstliche Intelligenz – Wie können wir Algorithmen vertrauen?“

BAD HOMBURG. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe laden die interessierte Öffentlichkeit zur Bad Homburg Conference 2019 ein. Im Mittelpunkt steht diesmal die Frage, wie „Künstliche Intelligenz“ die Gesellschaft verändert – und welche Möglichkeiten es gibt, die damit einhergehenden Entwicklungen im Interesse der Gesellschaft und des Einzelnen zu gestalten und zu steuern. Die Konferenz findet statt von Donnerstag, 19. September, 19 Uhr bis Samstag, 21. September, 14 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe.

Kaum ein Thema löst derzeit mehr Hoffnungen und zugleich Unsicherheit aus als das der „Künstlichen Intelligenz“. Die Verheißung neuer Chancen für die Wirtschaft, die Aussicht auf objektivere und damit gerechtere Entscheidungen und die Hoffnung auf Entlastung von Alltagsroutinen auf der einen Seite stehen auf der anderen Seite die Furcht vor Arbeitsplatzverlust, staatlicher Überwachung und Fremdbestimmung gegenüber. In zwei Vorträgen und insgesamt vier Podiumsdiskussionen debattieren Vertreter aus den Human- und Technikwissenschaften sowie der Praxis mit der interessierten Öffentlichkeit Chancen, aber auch Probleme im Zusammenhang mit dem Einsatz „Künstlicher Intelligenz“.

Dabei werden sehr sensible Grundbedürfnisse des Menschen angesprochen: Gesundheit, Sicherheit, Geld. In diesen Bereichen wird schon heute KI angewandt, was sich in naher Zukunft noch intensivieren wird. Die übergreifende Fragestellung bei der Bad Homburg Conference lautet, wie der Einsatz und die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz unseren Alltag und die Gesellschaft im Ganzen verändern wird: Wie können wir z.B. Algorithmen bei der Bewertung von Straftaten, bei der Prävention von Verbrechen und Krankheiten oder aber bei der Vergabe von Krediten vertrauen? Was müssen wir bedenken und was können wir heute tun, damit wir mit KI eine gute Zukunft haben?

Experten aus den Wissenschaften und Verantwortliche aus der Praxis werden in die Themenblöcke einführen und mit Vertretern verschiedener Disziplinen diskutieren. Eröffnet wird die Konferenz u.a. von Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung. Den einführenden Keynote-Vortrag über die “Validierung von KI-Systemen mit Supercomputern“ hält Thomas Lippert, Direktor am Institute for Advanced Simulation und Head of Jülich Supercomputing Centre (Jülich).

Am zweiten Konferenztag eröffnen Experten aus Wissenschaft und Praxis die themenbezogenen Panels. Tim Hahn, Heisenberg Professor für Machine Learning und Prädikative Analytik (Münster) gibt einen Impuls zur Diskussion von »KI in Medizin und Vorsorge«; Christoph Lange, Kriminalhauptkommissar am Landeskriminalamt (LKA) Hessen eröffnet die Debatte um den Einsatz von „KI in der Polizeiarbeit“ und Željko Kaurin, Vorstandsmitglied der ING Deutschland (Frankfurt), stößt das Gespräch über „KI im Finanzsystem“ an. Sie diskutieren u.a. mit Susanne Beck, Professorin für Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie, Andreas Kleinknecht, Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Deutschland (München), Kristian Kersting, Professor für Maschinelles Lernen (Darmstadt) und Kiel Brennan-Marquez, Associate Professor for Law (Connecticut).

Zum Abschluss der Konferenz spricht Chris Boos, CEO und Founder der Arago GmbH und Mitglied des Digitalrates der Bundesregierung (Frankfurt) über „Künstliche Intelligenz und die Wiederentdeckung der Zukunft“. An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen außer Chris Boosr u.a. der Neurowissenschaftler Wolf Singer (Frankfurt) und die amerikanische Bürgerrechtlerin und Politikberaterin Mutale Nkonde (New York) teil.

Die Konferenz ist die dritte in der Reihe der jährlich stattfindenden Bad Homburg Conferences, die vom Bad Homburger Forschungskolleg Humanwissenschaften – einer gemeinsamen Initiative der Goethe-Universität Frankfurt und der Werner Reimers Stiftung – geplant und von der Stadt Bad Homburg finanziert werden. Ziel ist es, so der Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, Alexander W. Hetjes, „brennende gesellschaftliche Fragen auf hohem Niveau mit der Öffentlichkeit zu diskutieren und dabei Anregungen für die Gestaltung unserer Zukunft zu geben. Die Stadt Bad Homburg fördert damit die Forschung ebenso wie den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über deren Resultate. Das bislang hervorragende Echo auf die Bad Homburg Conferences bestätigt uns darin.“

Wissenschaftlich geleitet wird die Konferenz vom Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie an der Frankfurter Goethe-Universität, sowie seinen Frankfurter Kolleginnen und Kollegen Christoph Burchard (Professor für Strafrecht und Rechtstheorie), Klaus Günther (Professor für Rechtstheorie), Katja Langenbucher (Professorin für Wirtschafts- und Finanzrecht), Enrico Schleiff (Vorstandsvorsitzender des Frankfurt Institute for Advanced Studies) und Tobias Tröger (Professor für Wirtschaftsrecht und Rechtstheorie).

Die Termine 

Donnerstag, 19. September, 19 Uhr
Eröffnung der Konferenz '
Keynote von Thomas Lippert, Direktor am Institute for Advanced Simulation und Head of Jülich Supercomputing Centre, Jülich 

Freitag, 20. September, 11-18:30 Uhr (mit Mittagsimbiss)
Podiumsgespräche zu folgenden Themen: 

„Künstliche Intelligenz in Medizin und Vorsorge“ „

Künstliche Intelligenz in der Polizeiarbeit“

„Künstliche Intelligenz im Finanzsystem“ 

Samstag, 21. September, 10 bis14 Uhr
Vortrag: „Künstliche Intelligenz oder die Wiederentdeckung der Zukunft“
Chris Boos, CEO und Founder der Arago GmbH, Frankfurt am Main, und Mitglied des Digitalrates der Bundesregierung 

Anschließend Podiumsdiskussion 

Das detaillierte Programm der Bad Homburg Conference 2019 ist unter folgendem Link zu finden: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldung: Die Teilnahme an der Bad Homburg Conference 2019 ist kostenlos, aber nur nach Anmeldung für den/die gewünschten Tag/e bis Montag, 16. September per Email an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de möglich. Bitte die Anmeldebestätigung zu den jeweiligen Konferenzteilen am Eingang vorlegen. 

Informationen: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172 13977-0; Iris Helene Koban (Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften), i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Beate Sutterlüty (Wissenschaftskommunikation), b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Dr. Thomas Schimmer (Wissenschaftlicher Projektreferent), t.schimmer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Sep 10 2019
11:18

Am 17. September beginnt die Vorlesungsreihe für wissbegierige Kinder

17. Frankfurter Kinder-Uni: Von der Frühzeit des Kinos und dem Innenleben der Bakterien

FRANKFURT. Von 17. bis 20. September lädt die Goethe-Universität Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren zur 17. Frankfurter Kinder-Uni auf den Campus Westend ein. An jedem der vier Tage erklären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Forschungsgebiet auf anschauliche und unterhaltsame Weise. Ziel ist es, auf Wissenschaft neugierig zu machen und einen Eindruck vom Uni-Leben zu vermitteln.

Das Programm

Zum Auftakt der Kinder-Uni am Dienstag (17. September) taucht die Meeresbiologin Prof. Angelika Brandt mit den Kindern ein in die geheime Welt der Tiefsee. Dort ist es dunkel und kalt, Essbares gibt es kaum. Und dennoch, so hat die Wissenschaft herausgefunden, gibt es hier Leben – welches, das erfährt man bei der Kinder-Uni. Diese Vorlesung hat größte Zugkraft entfaltet, innerhalb kurzer Zeit war sie bereits mehr als ausgebucht, so dass am Ende das Los entscheiden musste, wer kommen kann.

Für kleine Cineasten und solche, die es noch werden wollen, hält der Filmwissenschaftler Prof. Vinzenz Hediger am Mittwoch (18. September) eine Vorlesung über die Anfänge des Kinos. Unter dem Titel „Als die Bilder laufen lernten“ erzählt er, wie die Erfindung, die die Brüder Lumière Ende des 19. Jahrhunderts machten, zu dem wurde, was sie heute ist.

Ob es Einhörner wirklich gibt, das werden die Zuhörer und Zuhörerinnen in der Vorlesung von Prof. Mirijam Wenzel erfahren, die die Kinder mit dem Team des Jüdischen Museums auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mitnimmt – in die Zeit, als die Häuser statt Hausnummern Tiersymbole trugen. Wie vielfältig jüdisches Leben in Frankfurt war und ist, das macht die Museumsleiterin auch anhand von vielen mitgebrachten Objekten deutlich.

Dass es nicht nur schlimme Bakterien gibt, die einen krank machen können, sondern auch solche, die Arzneistoffe herstellen, das erläutern der Chemiker Prof. Martin Grininger und der Biologe und Chemiker Prof. Helge Bode am Freitag (20. September). Anschaulich werden sie zeigen, wie die „kleinsten Fabriken der Welt“ im Inneren von Bakterien genau funktionieren – anhand einer riesigen Vergrößerung.

Auch in diesem Jahr werden Vertreter des Gießener Mathematikums im Foyer des Hörsaalgebäudes mathematische Experimente für Kinder anbieten. Darüber hinaus informieren an den Nachmittagen Entwicklungspsychologen über ihre aktuellen Studien. Und am Freitag informieren Klimaforscherinnen und Forscher anlässlich der Fridays for Future-Demos über ihre Forschung zum Klimawandel.

Organisation

Das Organisationsteam rechnet in diesem Jahr wieder mit mehr als 11.000 Kinder-Uni-Studis. Die beiden Vormittagsvorlesungen (jeweils 9 Uhr und 11:30 Uhr) sind für Schulklassen reserviert, bislang sind 9200 Plätze an Klassen aus dem gesamten südhessischen Raum vergeben, insgesamt 260 Klassen konnten leider aus Kapazitätsgründen nicht berücksichtigt werden.

Nachmittags um 16 Uhr sind alle Kinder von 8 bis 12 Jahren in Begleitung Erwachsener ohne Anmeldung eingeladen. Für Kinder, die keine Möglichkeit haben, die Kinder-Uni zu besuchen, gibt es einen Live-Stream (http://live.uni-frankfurt.de). Die Aufzeichnungen können auch im Nachhinein im Internet angeschaut werden, dort finden sich auch Mitschnitte aller Kinder-Uni-Vorlesungen seit 2011 (http://www.rz.uni-frankfurt.de/68128012/Kinderuni).

Nach beiden Vormittagsvorlesungen können die Schülerinnen und Schüler sich in der Mensa, den Cafeterien des Studentenwerks oder im Café-Bistro „Sturm und Drang“ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken. In den Betrieben des Studentenwerks erhalten sie gegen Vorlage ihres „Studiausweises“ für 3 Euro ein Kinder-Menü oder einen Snack und ein Getränk.

Auch in diesem Jahr gibt es zu jeder Vorlesung ein Quiz. Unter den Teilnehmern, die das Richtige angekreuzt haben, werden Buchpreise und andere tolle Gewinne verlost. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind die Quizfragen und später die richtigen Antworten einsehbar. Besonders eifrige Besucher, die an mindestens drei Vorlesungen teilgenommen haben, können bei einer weiteren Verlosung mitmachen. Zu gewinnen sind Bücher, DVDs zu einschlägigen Themen, verschiedene Freikarten sowie Kinder-Uni-T-Shirts und -Tassen.

Stimmen

Die Frankfurter Dr. Marschner Stiftung unterstützt die Frankfurter Kinder-Uni seit 2015. „Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich selbst bei einer Vorlesung dabeisein kann: Die Wissbegier der Kinder macht einfach Freude – und sie wird hier bei der Kinder-Uni unabhängig von Elternhaus und Schulart gefördert. Das ist ein nicht zu überschätzender Baustein auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit“, so Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung.

„Die Kinder-Uni ist dazu geeignet, Kindern einen ersten Zugang zur Universität zu ermöglichen“, sagt Dr. Marina Bonanati vom Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe. „Die Vorträge wecken Neugierde und passen gut zu dem, was auch im Sachunterricht der Grundschule thematisiert wird. Ein Besuch kann ein Anlass sein, in den Familien darüber zu sprechen und auch zu fragen: Was ist eigentlich Uni, was ist Wissenschaft?“, so die Grundschulpädagogin. „Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als wir 2009 mit der ganzen Klasse von Büttelborn nach Frankfurt gefahren sind zur Kinder-Uni“, so Victoria Dintelmann, die im vergangenen Sommersemester ihr Jurastudium aufgenommen hat. „Ich fand damals alles spannend: Die Vorlesung zum Thema ‚Macht Sport schlau?', die Mensa, den riesigen Campus. Am nächsten Tag habe ich einen sechsseitigen Aufsatz über den Tag geschrieben“, sagt die 19-Jährige. Und vielleicht habe dieser Tag tatsächlich zur Entscheidung beigetragen, an der Goethe-Uni zu studieren.

Medienpartner der Frankfurter Kinder-Uni sind auch in diesem Jahr die Frankfurter Rundschau, die täglich über die Veranstaltungen berichten wird, und das Magazin GEOlino, das redaktionell auf die Kinder-Uni aufmerksam macht.

Das Kinder-Uni-Logo finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/68282161.

Informationen: Dr. Anke Sauter und Dr. Anne Hardy, Referentinnen für Wissenschaftskommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-13066 und 798- 12498; kinderuni@vdv.uni-frankfurt.de; Homepage: www.kinderuni.uni-frankfurt.de.

 

Sep 9 2019
10:57

Prof. Luciano Rezzolla und sein Team erhalten zusammen mit 347 Forscherinnen und Forschern der weltweiten Event Horizon Telescope Collaboration für ihre bahnbrechenden Leistungen den Breakthrough Prize 2020

Schwarzes Loch: Wichtige globale Auszeichnung für Astrophysiker der Goethe-Universität

FRANKFURT. Für ihre herausragenden und unverzichtbaren Leistungen bei der Mitentwicklung des ersten direkten Bildes eines Schwarzen Lochs erhalten die Forscherinnen und Forscher um den Astrophysiker Prof. Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität zusammen mit 347 weiteren Forschern der Event Horizon Telescope Collaboration aus der ganzen Welt den mit mit 3 Millionen US-Dollar dotierten Breakthrough Prize 2020 der gleichnamigen Stiftung. Die Gruppe der Goethe-Universität ist mit 10 Preisträgern eine der größten der gesamten Kooperation, die insgesamt 140 Institutionen umfasst.

Mit Hilfe von insgesamt acht Radioteleskopen (inzwischen sind drei weitere dazu gekommen) rund um den Globus gelang es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im April 2019, den ersten direkten visuellen Beweis für das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie Messier 87 zu erbringen. Der Preis wird zu gleichen Teilen auf alle Mitautoren der beteiligten wissenschaftlichen Publikationen aufgeteilt und am 3. November vergeben.

Die Gruppe von Luciano Rezzolla hat grundlegende Beiträge zur theoretischen Interpretation der Ergebnisse in allen Stadien der Beobachtung geleistet: Sie simulierte auf Supercomputern, wie Materie in einer ringförmigen Scheibe das Schwarze Loch umkreist und hineingesogen wird und wie die Lichtstrahlen durch die ungeheure Gravitation um das Schwarze Loch herum verbogen werden. Ebenso galt es, verschiedene Alternativen zu Schwarzen Löchern auszuschließen, die ebenfalls mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar sind. „Die Konfrontation der Theorie mit den Beobachtungen ist für einen theoretischen Physiker immer ein dramatischer Moment. Wir waren sehr erleichtert und auch stolz, dass die Beobachtungen so gut mit unseren Vorhersagen übereinstimmten“, so Luciano Rezzolla.

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Wir alle freuen uns zusammen mit Luciano Rezzolla und seinem Team über diese wichtige globale Auszeichnung. Herzlichen Glückwunsch an all unsere KollegInnen, die daran beteiligt sind! Es ist unvergessen, wie begeistert die ZuhörerInnen im brechend vollen Hörsaal 1 am Riedberg-Campus waren, als Luciano Rezzolla am 17. April zusammen mit seinen Kollegen vom europäischen Konsortium (Prof. Michael Kramer vom Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Prof. Heino Falcke von der niederländischen Radboud Universität) erstmals die Ergebnisse der gemeinsamen Forschung an der Goethe-Universität vorgestellt hat. Das war ein Fest für die Faszinationskraft auch sehr abstrakter Wissenschaft. Ich hoffe, dass aus dieser großartigen globalen Kooperation weitere bahnbrechende Forschungsergebnisse entstehen.“ 

Die für Forschung verantwortliche Vizepräsidentin der Goethe-Universität, Prof. Simone Fulda, sagte: „Wir sind stolz, als Goethe-Universität in so prominenter Weise an einem echten wissenschaftlichen Durchbruch von globaler Bedeutung beteiligt zu sein und beglückwünschen Luciano Rezzolla und sein Team für die herausragenden Leistungen, die dahinter stehen. Die Physik ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt, der das Forschungsprofil der Goethe-Universität seit vielen Jahren prägt.“ 

„Es ist eine große Ehre und eine große Freude zu sehen, dass die Arbeit an der Goethe-Universität höchste Anerkennung gefunden hat und dazu beigetragen hat, die Grenzen unseres Verständnisses von Grundlagenphysik zu erweitern. Es ist auch eine faire Anerkennung dessen, was letztlich eine Teamarbeit und damit eine gemeinsame Belastung und Herausforderung für viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt war“, sagte Luciano Rezzolla. 

Gemeinsam untersuchten die diesjährigen Preisträger des Breakthrough Prize die Galaxie Messier 87, um das erste Bild eines schwarzen Lochs aufzunehmen. Als bahnbrechend erachtete die Jury dabei, dass die Forscher die verschiedenen beteiligten Teleskope rund um den Globus so mit Atomuhren synchronisierten, dass daraus ein virtuelles Teleskop so groß wie die Erde mit beispielloser Auflösung entstand. Das Bild des supermassiven Schwarzen Lochs in der Mitte der Galaxie Messier 87 wurde nach sorgfältiger Analyse der Daten mit neuartigen Algorithmen und Techniken erhalten und zeigt einen hellen Ring, der den Punkt markiert, an dem das Licht das Schwarze Loch umkreist und eine dunkle Region umgibt, in der das Licht nicht aus der Anziehungskraft des Schwarzen Lochs entweichen kann. Der Schatten des Schwarzen Lochs entsprach den Erwartungen von Einsteins Theorie der Allgemeinen Relativitätstheorie. 

Der Direktor der Zusammenarbeit, Shep Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, der den Preis im Namen der Zusammenarbeit bei der Zeremonie am 3. November 2019 entgegennehmen wird, sagt: „Wir machten uns auf den Weg, um das Unsichtbare zu sehen, und wir mussten ein Teleskop so groß wie die Erde bauen, um es zu tun. Es klingt nach Science Fiction, aber wir haben ein unglaubliches globales Expertenteam zusammengestellt und die fortschrittlichsten Radioteleskope der Welt verwendet, um es Wirklichkeit werden zu lassen. Dieser bahnbrechende Preis feiert einen Neuanfang in unserer Studie über schwarze Löcher.“ 

Hinter der „Breakthrough Prize Foundation“ stehen prominenten Namen. Ihre Gründungsstifterinnen und -stifter sind Sergey Brin, Priscilla Chan und Mark Zuckerberg, Ma Huateng, Yuri und Julia Milner sowie Anne Wojcicki.

Links: 

Pressemitteilung zur Entdeckung des Schwarzen Lochs vom 10. April 2019: 
http://www.muk.uni-frankfurt.de/77270289/Astronomen_zeigen_erstes_Bild_eines_Schwarzen_Lochs

Hintergrund-Infos: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/warum-ist-das-bild-des-schwarzen-lochs-wichtig-und-interessant/ 

Filmmaterial zum Schwarzen Loch (Simulationen und zur Forschung an der Goethe Universität) finden Sie hier: https://youtu.be/5qfahQv8ooc: Wie wir das Schwarze Loch sichtbar machten. Kurzfassung https://youtu.be/Zh5p9Sr0_VU: Wie wir das Schwarze Loch sichtbar machten. Langfassung mit persönlichen Statements https://youtu.be/wN_vzZKDpms: Simulation zum Schatten des Schwarzen Lochs 

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Principal Investigator des Europäischen Black Hole Cam Experiments, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798 47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de, https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla/