​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Apr 11 2019
14:22

Öffentlicher Abendvortrag der drei führenden europäischen Astrophysiker mit Prof. Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität

Wie wir das Schwarze Loch sichtbar machten

FRANKFURT. Das erste Bild eines Schwarzen Lochs ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von 200 Wissenschaftlern weltweit im Event Horizon Telescope-Projekt (EHT-Projekt). Mit von der Partie ist das europäische Black Hole Cam (BHC)-Team unter der Leitung von Astrophysikern der Goethe-Universität, des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn und der Radboud University in Nijmegen, Niederlande. Die drei führenden europäischen Wissenschaftler werden über die Hintergründe dieses wissenschaftlichen Abenteuers in einem öffentlichen Abendvortrag berichten:

am Mittwoch, dem 17. April um 20 Uhr Campus Riedberg, Otto Stern Zentrum, OSZ H 1.

Die Vortragenden: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Goethe-Universität Prof. Michael Kramer, Max Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn Prof. Heino Falcke, Radboud Universität, Niederlande 

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns über Ihr Kommen! 

Information: Dr. Anne Hardy, Abteilung PR & Kommunikation, Campus Westend, Tel. (069) 798 12498, E-Mail: hardy@pvw.uni-frankfurt.de.

 

Apr 11 2019
10:46

Heimische Arten können sich gegen eingeschleppte Pflanzenfresser schlechter schützen

​ Kaninchen gefährden Pflanzenvielfalt auf Teneriffa

FRANKFURT. Inseln tragen wegen der vielen nur dort heimischen Arten überproportional zur globalen Biodiversität bei. Diese Arten sind aber auch besonders vom Aussterben bedroht. Eine Studie von Biogeographen der Goethe-Universität zeigt nur erstmals auf der Skala einer ganzen, sehr vielfältigen Insel – Teneriffa -, dass diese Arten von eingewanderten Pflanzenfressern bevorzugt werden.

Teneriffa ist die artenreichste Insel des Atlantiks. Eine weitläufige Annahme ist, dass die dort heimischen (endemischen) Pflanzenarten besonders von eingewanderten Pflanzenfressern, insbesondere Kaninchen, bevorzugt werden. Diese Pflanzenarten haben sich nämlich unter Bedingungen entwickelt, wo es noch keine großen Pflanzen fressenden Säugetiere gab. Deshalb verfügen sie auch nicht über Mechanismen, sich gegen Fraßfeinde zu wehren.

Das internationale Forschungsteam von Prof. Severin Irl vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität hat nun erstmals die gesamte und sehr vielfältige Kanareninsel Teneriffa beprobt und bestätigt, dass endemische Arten stärker von Kaninchen gefressen werden als nicht-endemische: Zwei Drittel aller endemischen Arten sind von Fraßschäden betroffen. „Wir haben außerdem festgestellt, dass manche Ökosysteme stärker betroffen sind als andere“, fasst Prof. Severin Irl die Ergebnisse zusammen. Wider Erwarten ist die Kaninchendichte ein schlechter Indikator für Fraßschäden.

„Wir gehen davon aus, dass diese Ergebnisse auch für andere Inseln weltweit gelten, da Teneriffa durch seine Vielfältigkeit und seiner Vielzahl an Ökosystemen und Habitaten als Modelsystem für Inseln gelten kann“, so Irl. Zum Erhalt der kostbaren Biodiversität empfehlen Irl und seine Ko-Autoren von der Universität La Laguna auf Teneriffa, dem El Teide Nationalpark auf Teneriffa und der dortigen Naturschutzbehörde, den Kaninchenbestand auf der Insel stark einzudämmen.

Publikation: Cubas J, Irl SDH, Villafuerte R, Bello-Rodríguez V, Rodríguez-Luengo JL, del Arco M, Martín-Esquivel JL, González-Mancebo JM. 2019 Endemic plant species are more palatable to introduced herbivores than non-endemics. Proc. R. Soc. B 286: 20190136. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2019.0136

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77275578

Bildtexte:
Bild 2: Blick auf den Teide (Standort ca. 2200 m). In Vordergrund rechts sieht man den Teide-Ginster (Spartocytisus supranubius) – eine endemische Art, die nur in den Hochlagen von Teneriffa und La Palma zu finden ist. Gut zu erkennen ist, dass in Bodennähe der Rutenstrauch durch Kaninchen schon stark angefressen ist. 

Bild 3: Der hochgradig endemische Wildprets Natternkopf (Echium wildpretii) ist nur in den Hochlagen der Inseln zu finden. Er produziert nur einmal im Leben diesen imposanten, rotleuchtenden Blütenstand mit mehreren Tausend Blüten, bevor er stirbt. Im Hintergrund ist der Pico del Teide zu sehen. Standort auf ca. 2300 m.

Bild 4: Aufnahmen im Gelände zur Populationsdichte der Kaninchen in den oberen Lagen des Kanaren-Kiefernwalds. Anhand einer Vielzahl solcher Ringaufnahmen konnte die Populationsdichte der Kaninchen durch zählen ihrer Exkremente über die gesamte Insel ermittelt werden. Im Bild: Victor Bello-Rodríguez von der Universität La Laguna auf Teneriffa zu sehen. Standort auf ca. 1900 m.

Bildrechte: Alle Fotos von Prof. Severin Irl 

Informationen: Prof. Severin Irl, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798-40171; irl@geo.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/71993212/ir

 

Apr 11 2019
10:00

​ Damit kommen weitere wichtige Unterlagen der Kritischen Theorie ins Archiv der Frankfurter Schule im Archivzentrum der UB.

Universitätsbibliothek Frankfurt übernimmt Teilnachlass des Soziologen und Mediziners Horst Baier

FRANKFURT. Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main hat wichtige Teile aus dem wissenschaftlichen Nachlass des Mediziners und Soziologen Horst Baier (1933-2017) erhalten. Seine Tochter hat die Dokumente an das Archivzentrum übergeben. In den Unterlagen befinden sich zahlreiche Korrespondenzen mit der internationalen soziologischen Fachwelt, teilweise unveröffentlichte wissenschaftliche Manuskripte aus dem Institut für Sozialforschung und der Goethe-Universität sowie vereinzelt private Dokumente. Ein Übereignungsvertrag regelt die rechtlichen Angelegenheiten. Die Nachlassunterlagen wurden in einem mit den Erben abgestimmten Verfahren aufgeteilt zwischen der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, dem Universitätsarchiv Konstanz und dem Sozialwissenschaftlichen Archiv der Universität Konstanz.

Archivmitarbeiter der Bibliothek haben die Unterlagen aus der Privatwohnung Baiers abgeholt und nach Frankfurt gebracht. Die Überlieferung besteht aus ca. 24.000 Seiten mit teilweise unveröffentlichten Manuskripten, die in ihrem zeitlichen Umfang bis in die Studienzeit an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster Ende der 1950er Jahre zurückreichen. Diese Zeit war für Baiers weitere philosophische Entwicklung prägend. Im Jahr 1969 habilitierte er sich im Fach Soziologie an der Universität Münster mit einer Studie über Max Weber. Für die Geschichte der Frankfurter Schule sind vor allem die Unterlagen ab 1970 interessant, nachdem Baier als Ordinarius für Soziologie und Philosophie auf den Lehrstuhl von Theodor W. Adorno an die Frankfurter Goethe-Universität berufen wurde. Nur wenige Jahre später wechselte er 1975 an die Universität in Konstanz, wo er bis zu seinem Tod 2017 auch gewohnt hat.

Sämtliche Archivalien zur Frankfurter Schule, wie die Nachlässe Max Horkheimers, Herbert Marcuses, Jürgen Habermas' sowie weitere Archivbestände können im Archivzentrum der Universitätsbibliothek im Rahmen der Öffnungszeiten und der Benutzungsordnung nach Voranmeldung eingehend untersucht werden.

Weitere Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel. +49 (69) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

 

Apr 10 2019
16:44

Unistart-Messe für alle Erstsemester auf dem Campus Westend der Goethe-Universität 

Begrüßung für neue Studierende

FRANKFURT. Für über 3.000 neue Studierende startet das Sommersemester am Donnerstag mit einer großen Messe: Auf der zentralen Begrüßungsveranstaltung der Goethe-Universität werden sie von Universitätsvizepräsident Prof. Rolf van Dick, Stadtrat Dr. Bernd Heidenreich, dem AStA-Vorstand sowie von Fachschaftsvertretern begrüßt. Der Markt der Möglichkeiten bietet den neuen Studierenden einen Überblick über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität. So präsentieren sich auf der Messe unter anderem das International Office, das Studierenden-Service-Center (SSC), das Career Center, der Hochschulsport und viele studentische Initiativen. Abends gibt es dann eine Party für alle „Erstis“ im Casino.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff freut sich auf die „Erstis“: „Schön, dass Sie sich für die Goethe-Universität entschieden haben. Für Ihren Start ins Studium wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg. Die Goethe-Uni verfügt als eine der größten deutschen Universitäten über ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten. Daher ein persönlicher Tipp von mir: Seien Sie neugierig in dieser neuen Lebensphase; schnuppern Sie auch mal in Veranstaltungen hinein, die nicht verpflichtend in Ihrem Stundenplan stehen. Engagieren Sie sich!“

Medienvertreter sind herzlich zur Semestereröffnung eingeladen.

Unistart-Messe Sommersemester 2019: Die Uni stellt sich vor! 

11. April, 13.00-16.00 Uhr, Hörsaalzentrum, Campus Westend 

Begleitprogramm 

13.00 Uhr, HZ 14: Das Hochschulrechenzentrum - Dein Ansprechpartner für alle IT-Services. 

13.00 Uhr, HZ 15: Frankfurter Sparkasse – Motivation treibt Innovation, „make dreams come true“ 

13.30 Uhr, HZ 14: Studien Service Center/Deutschlandstipendien - Stipendium statt Nebenjob 

13.30 Uhr, HZ 15: Improved Reading – schnelleres und effektiveres Lesen leicht gemacht 

14.00 Uhr, HZ 2: Zentrale Begrüßung durch den Vizepräsidenten der Goethe-Universität, Prof. Rolf van Dick, Frankfurts Stadtrat Dr. Bernd Heidenreich, den AStA-Vorstand und Fachschaftsvertreterinnen und -vertreter der Standorte der Goethe-Universität 

15.00 Uhr, HZ 2: Der Career Service der Goethe-Universität stellt sich vor 

15.15 Uhr, HZ 14: AIAS – Studierende gegen Blutkrebs 

15.15 Uhr, HZ 15: Deutsch-Israelische Hochschulgemeinde 

15.30 Uhr, HZ 2: Referat Arbeitsschutz der Goethe-Universität – Einweisung Brandschutz für alle 

15.45 Uhr, HZ 14: Zentrale Studienberatung – Studieren ohne Barrieren. Infos für alle mit Beeinträchtigungen 15.45 Uhr, HZ 15: Goethe Business and Economics Group über „Karriere“ 

  Ab 21.00 Uhr: Große unistart-Party für alle Erstsemester mit Planet Radio im Casino. 

Weitere Infos unter www.unistart-frankfurt.de

 

Apr 10 2019
16:34

Goethe-Universität an den bahnbrechenden Beobachtungen des gewaltigen Schwarzen Lochs in der fernen Galaxie Messier 87 beteiligt

Astronomen zeigen erstes Bild eines Schwarzen Lochs

FRANKFURT. Forschende des Event-Horizon-Teleskop-Projekts (EHT-Projekts) haben heute auf mehreren internationalen Pressekonferenzen ein bahnbrechendes Ergebnis bekannt gegeben: Erstmals ist ihnen der direkte sichtbare Nachweis eines Schwarzen Lochs gelungen. Es befindet sich im Zentrum der benachbarten Galaxie M87 in einer Entfernung von 55 Millionen Lichtjahren. Dazu sind sechs wissenschaftliche Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Astrophysical Journal Letters" erschienen.

Das EHT-Konsortium betreibt ein weltumspannendes Netzwerk von acht bodengebundenen Radioteleskopen, die zusammengeschaltet wurden. Mit von der Partie ist das europäische Black Hole Cam (BHC)-Team unter der Leitung von Astrophysikern der Goethe-Universität, des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn und der Radboud University in Nijmegen, Niederlande.

„Wir präsentieren der Menschheit den ersten Blick auf ein Schwarzes Loch – sozusagen eine Einbahnstraße zum Verlassen unseres Universums", sagt Sheperd S. Doeleman vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics, der Projektdirektor des EHT. „Das ist ein Meilenstein für die Astronomie und eine große wissenschaftliche Leistung, die mehr als 200 Forscher ermöglicht haben." 

Schwarze Löcher sind kosmische Objekte, die eine unvorstellbare Gesamtmasse innerhalb eines winzigen Bereichs umfassen. Die Existenz eines solchen Objekts beeinflusst seine direkte Umgebung in extremer Weise; Sie führt zu einer starken Krümmung der Raum-Zeit sowie zur Aufheizung des umgebenden Materials, so dass es anfängt zu leuchten. 

„Sobald es in eine hell leuchtende Umgebung wie eine glühende Gasscheibe eingebettet ist, erwarten wir von einem Schwarzen Loch, dass es eine dunkle Region ähnlich wie ein Schatten erzeugt – ein Effekt, der von Einsteins Relativitätstheorie vorhergesagt wurde, den wir bisher aber noch nie beobachten konnten", sagt der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrat, Heino Falcke, von der Radboud-Universität. „Dieser Schatten verrät uns eine Menge über die Natur dieser faszinierenden Objekte und ermöglicht es uns, die enorme Gesamtmasse des Schwarzen Lochs von M87 zu bestimmen." Wie die Forscher errechnet haben, beträgt sie mehr als sechs Milliarden Sonnenmassen. 

Die EHT-Beobachtungen zeigen tatsächlich eine ringförmige Struktur mit einer dunklen, zentral gelegenen Region – den Schatten des Schwarzen Lochs. Dieser Ring zeigt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Beobachtungen, die unabhängig voneinander ausgewertet wurden. „Sobald wir sicher waren, den Schatten des Schwarzen Lochs erfasst zu haben, verglichen wir die Beobachtungen mit einer Vielzahl von Computermodellen, die sowohl die gekrümmte Raum-Zeit als auch hocherhitzte Materie sowie kosmische Magnetfelder beinhalteten. Eine Reihe der Detailstrukturen im beobachteten Bild stimmen in hervorragender Weise mit den theoretischen Vorhersagen überein", erläutert Luciano Rezzolla, Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität. 

Die Gruppe von Luciano Rezzolla hat grundlegende Beiträge zur theoretischen Interpretation der Ergebnisse in allen Stadien der Beobachtung geleistet: Sie simulierte auf Supercomputern, wie Materie in einer ringförmigen Scheibe das Schwarze Loch umkreist und hineingesogen wird und wie die Lichtstrahlen durch die ungeheure Gravitation um das Schwarze Loch herum verbogen werden. Ebenso galt es, verschiedene Alternativen zu Schwarzen Löchern auszuschließen, die ebenfalls mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar sind. „Die Konfrontation der Theorie mit den Beobachtungen ist für einen theoretischen Physiker immer ein dramatischer Moment. Wir waren sehr erleichtert und auch stolz, dass die Beobachtungen so gut mit unseren Vorhersagen übereinstimmten“, so Luciano Rezzolla. 

Für das direkte Bild des Schwarzen Lochs benötigten die Astronomen ein Teleskop von bisher unerreichter Präzision und Empfindlichkeit. Die Realisierung dieses Teleskops – des Event-Horizon-Teleskops – gelang ihnen durch den Ausbau und das Zusammenschalten eines weltweiten Netzwerks von acht bereits existierenden Teleskopen an Standorten mit teilweise herausfordernden klimatischen Bedingungen: auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii, in der Atacama-Wüste in Chile, der Antarktis, Mexiko, Arizona und der Sierra Nevada in Südspanien. 

Die Teleskope arbeiten auf der Grundlage einer Beobachtungstechnik zusammen, die als Very-Long-Baseline-Interferometrie (VLBI) bezeichnet wird. Dadurch werden Einzelteleskope weltweit miteinander verbunden und unter Ausnutzung der Erdrotation ein virtuelles Riesenteleskop von der Größe der Erde selbst geschaffen. VLBI ermöglicht EHT-Beobachtungen mit einer Auflösung von 20 Mikro-Bogensekunden. Das ist so präzise, dass man damit von einem Straßencafé in Berlin aus eine Zeitung in New York lesen könnte. 

„Das IRAM 30-Meter-Teleskop auf dem Pico del Veleta in der Sierra Nevada ist das empfindlichste Einzelteleskop des EHT-Verbundes“, erklärt Karl Schuster, Direktor von IRAM und Mitglied des EHT-Leitungsgremiums. „Indem wir die weltweit besten Radioteleskope auf insgesamt vier Kontinenten zusammen schalten, können wir eine nie dagewesene Empfindlichkeit und räumliche Auflösung erreichen, die es uns erlaubt, Messungen an der Grenze des physikalisch Möglichen durchzuführen.“ Seit Ende 2018 ist mit NOEMA in den französischen Alpen auch das zweite IRAM-Observatorium Teil des weltweiten Verbundes. 

Der Aufbau des EHT stellt das Ergebnis jahrelanger Anstrengungen dar und ist ein Beispiel für weltumfassende Zusammenarbeit von Forschern in unterschiedlichen Ländern. Insgesamt dreizehn Partnerinstitutionen haben im Rahmen des EHT kooperiert. Eine wesentliche Förderung erfolgte über den Europäischen Forschungsrat (ERC), die amerikanische National Science Foundation (NSF), sowie Organisationen in Ostasien. 

„Nachdem wir schwarze Löcher jahrzehntelang nur indirekt postulieren konnten, wenn auch mit großartiger Genauigkeit, konnten wir 2015 mit LIGO zunächst ‚hörbar' machen, wie sich die Verschmelzung Schwarzer Löcher auf die Raum-Zeit auswirkt", erklärt Michael Kramer, Direktor am MPIfR und einer der drei Leiter des ERC Black Hole Cam-Projekts. „Nun können wir sie endlich auch ‚sehen' und damit deren extreme Raum-Zeit-Krümmung auf einzigartige Weise untersuchen.“ 

„Diese Ergebnisse markieren einen wichtigen Meilenstein für unser Verständnis der fundamentalen Prozesse bei der Bildung und Entwicklung von Galaxien im Universum. Besonders bemerkenswert ist, dass wir es in diesem Projekt schneller als erwartet geschafft haben, astronomische Beobachtungen und theoretische Interpretation zum erhofften Erfolg zu bringen. In Zukunft werden Forscher weit über unser Arbeitsgebiet hinaus klar die Zeit vor und nach dieser Entdeckung unterscheiden", erwartet Anton Zensus, Direktor am Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Vorsitzender des EHT-Leitungsgremiums

Publikationen: https://iopscience.iop.org/journal/2041-8205/page/Focus_on_EHT 

Das Bild des Schwarzen Lochs sowie Bilder des Teams von Luciano Rezzolla zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77255057 

Bildtext: Das erste Bild des Schwarzen Lochs in der benachbarten Galaxie M87, aufgenommen vom Event Horizon Telescope-Projekt. Bildrechte: EHT 

Filmmaterial zum Schwarzen Loch (Simulationen und zur Forschung an der Goethe Universität) finden Sie hier: 

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Principal Investigator des Europäischen Black Hole Cam Experiments, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798 47871:, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de; https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla

Anfragen für Interviews richten Sie bitte per Email an das Sekretariat, Frau Steidl: steidl@ipt.uni-frankfurt.de 

Links zum Live-Streaming EbS website: https://audiovisual.ec.europa.eu/en/ebs/2/20190410

European Commission's YouTube channel: https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=Dr20f19czeE

 

Apr 8 2019
19:00

​ Das professionelle Fundraising der Stiftungsuniversität setze Maßstäbe, so die Jury des Deutschen Hochschulverbandes

Goethe-Universität mit Deutschem Hochschulfundraisingpreis ausgezeichnet

Diesjähriger Träger des Deutschen Hochschulfundraisingpreises ist die Goethe-Universität Frankfurt. Die Auszeichnung, den der Deutsche Hochschulverband (DHV) zusammen mit der Firma rheform – EntwicklungsManagement GmbH zum vierten Mal ausgelobt hatte, wurde Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff heute im Rahmen des Fundraising-Symposiums des DHV und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Berlin überreicht.

Wolff betonte bei der Verleihung: „Über die finanzielle Förderung hinaus hat die Stiftungsgründung entscheidende Impulse für die Entwicklung eines erfolgreichen Fundraising an der Goethe-Universität gesetzt. Ich danke dem Vorstand der Stiftung und hier insbesondere Herrn Ekkehardt Sättele für sein Engagement und seine unermüdliche Neugier. Es geht niemals ‚nur' um Geld, sondern auch um den inhaltlichen Austausch zwischen Universität und Bürgerschaft.“

Prof. Dr. Guido Benzler, Mitglied der fünfköpfigen Jury, hob in seiner Laudatio die „Etablierung und Entwicklung eines erfolgreichen Fundraisings an einer Stiftungs- und Bürgeruniversität“ hervor; maßgeblichen Anteil hieran hätten die Zuwendungen der Alfons und Gertrud Kassel Stiftung gehabt, die die Umwandlung in eine autonome Stiftungsuniversität entscheidend befördert hätte, so Benzler. Der Stiftungsbeitrag zur Förderung von Forschung und Lehre in Höhe von 33 Millionen Euro sei der höchste in der Geschichte der Goethe-Universität gewesen. Seitdem habe sie in Form eines Stiftungsvermögens sowie privater und öffentlicher Einzelstiftungen einen Kapitalstock in dreistelliger Millionenhöhe aufgebaut. Das professionelle Fundraising der Stiftungsuniversität setze Maßstäbe, weil es eindrücklich vor Augen führe, wie Bürgerinnen und Bürger als Spenderinnen und Spender für ihre Universität gewonnen werden könnten.

Mit dem Deutschen Hochschulfundraisingpreis sollen „Best Practice“-Beispiele prämiert werden, die herausragende Kreativität bei der Entwicklung von Fundraising-Kampagnen, besondere Erfolge bei der Förderergewinnung, exzellente Aufbauleistung oder Fördererkultivierung bzw. vergleichbare Leistungen im Bereich des Hochschulfundraisings unter Beweis gestellt haben. Der Deutsche Hochschulfundraisingpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Preisgeld, das das Unternehmen rheform stiftet, soll zweckgebunden für das Hochschulfundraising oder ein laufendes Fundraisingprojekt verwendet werden.

Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit mehr als 31.000 Mitgliedern.

 

Apr 8 2019
18:00

Goethe-Medienpreis 2018 geht für hervorragenden Journalismus an Vertreter der ZEIT, Deutschlandradio und Süddeutsche Zeitung

Tierversuche, politische Flucht, Raubverlage

Ihre journalistischen Arbeiten greifen in beispielhafter Weise wegweisende wissenschafts- und hochschulpolitische Themen auf. Dafür erhalten Moritz Aisslinger (DIE ZEIT), Dr. Anneke Meyer (DEUTSCHLANDRADIO) und ein Rechercheteam der Süddeutschen Zeitung den Goethe-Medienpreis 2018. Der Preis wird am heutigen Abend (8. April 2019) bei der Gala der deutschen Wissenschaft des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt verliehen. Der Preis wurde 2008 von Goethe-Universität und FAZIT-Stiftung ins Leben gerufen.

Moritz Aisslinger (1. Preis, 4.000 Euro, DIE ZEIT: „Seine Experimente sollten helfen, Parkinson und Demenz zu heilen“) analysiert im Juni 2018 nach intensiven Recherchen den Fall des Tübinger Hirnforschers Nikos Logothetis. Der weltweit renommierte Wissenschaftler ist wegen Tierversuchen in das Visier von radikalen Tierschützern geraten. Die Medien greifen das Thema auf. Für den Max Planck-Forscher bricht in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren beruflich wie auch privat eine extrem schwierige Phase an, in der am Ende auch seine gesamte berufliche Existenz infrage steht.
https://www.zeit.de/2018/23/hirnforschung-parkinson-demenz-nikos-logothetis-tierversuche

Werner D´Inka, Mitherausgeber der FAZ und Mitglied der Jury des Goethe-Medienpreises, hob in seiner Laudatio anlässlich der Festveranstaltung hervor: „Das ist packend formuliert, aber das ist natürlich längst nicht alles, denn eine herausragende Reportage ist ja viel mehr als bloßes Edelfedertum. Wie es Moritz Aisslinger gelingt, dem Publikum die, weiß Gott, nicht unterkomplexen Themen Hirnforschung, Tierversuche, Verantwortung von Wissenschaftlern und Journalisten vor Augen zu führen, wie er nicht standpunktlos, aber jederzeit fair unterschiedliche Stimmen und Sichtweisen einholt, das ist große Journalistenkunst. Ich wäre, lieber Herr Aisslinger, sehr dafür, dass Ihre Reportage in Journalismus-Handbücher aufgenommen wird.“

Einem nicht weniger brisanten Thema wendet sich Dr. Anneke Meyer (2. Preis, 1.800 Euro, Deutschlandradio: „Der Staat entlässt seine Forscher“) in einem Radiofeature zu. Nach dem Putsch 2016 in der Türkei waren Tausende von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Teil massiven politischen Repressionen ausgesetzt. Einige von ihnen schafften es, nach einer zum Teil abenteuerlichen Flucht aus der Türkei z.B. mit einem Philipp Schwartz-Stipendium der Humboldt-Stiftung auch an deutschen Universitäten Fuß zu fassen. Meyer porträtiert einige dieser Forscherinnen und Forscher bei dem Versuch, in der Fremde wieder etwas Normalität zu finden.
https://www.deutschlandfunk.de/freiheit-der-wissenschaft-tuerkische-akademiker-suchen-exil.676.de.html?dram:article_id=414777

Laudator Werner D´Inka im Namen der Jury: „In ihrem umsichtig recherchierten und durch viele Stimmen unterlegten Hörfunkfeature „Der Staat entlässt seine Forscher“, gesendet im Deutschlandradio, belegt Anneke Meyer, dass Erdogans Wort vom „Säubern“ schlimme Wirklichkeit geworden ist. Dafür spricht ihr die Jury des Goethe-Medienpreises den zweiten Platz zu.“

Mit dem Thema Scheinwissenschaften und Raubverlagen beschäftigt sich im Juli 2018 ein Autorenteam der Süddeutschen Zeitung (3. Preis, 1.000 Euro, Süddeutsche Zeitung: „Das Scheingeschäft“). Aufgedeckt wird die Praxis dubioser Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Scheinkonferenzen und Pseudomagazinen Geschäfte machen. Auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern deutscher Wissenschaftseinrichtungen und Universitäten fielen auf den scheinwissenschaftlichen Schwindel herein, so die Recherchen.
https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/angriff-auf-die-wissenschaft-e398250/?reduced=true

Werner D´Inka für die Jury: „Wie raffiniert windige Verleger obskurer Wissenschaftszeitschriften ihr Geschäft mit der Gutgläubigkeit und, ja, auch mit der Eitelkeit von Forschern machen, und wie sie gegen Geld auch den größten Mumpitz als seriöse Studie verkaufen, das hat ein Autorenteam der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks aufwendig recherchiert und im SZ-Magazin unter dem Titel „Das Scheingeschäft“ anschaulich beschrieben. Dafür wird das Team um Peter Hornung, der heute hier ist, sowie Svea Eckert, Till Krause und Katrin Langhans sozusagen mit der Bronzemedaille des Goethe-Medienpreises ausgezeichnet.“

Über den Goethe-Medienpreis
Bildungs- und Hochschulthemen erfahren in der Öffentlichkeit eine immer stärkere Beachtung. Der „Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus“, den die Goethe-Universität Frankfurt am Main zusammen mit der FAZIT-Stiftung in zweijährigem Turnus ausschreibt, prämiert herausragende Beiträge auf dem Gebiet eines hochschul- und wissenschaftspolitischen Journalismus: Fundierte Analyse, Hintergründe, verständliche und stilistisch herausragende Darstellung sind die wichtigsten Kriterien für die Vergabe des Preises. Die Auswahl nimmt eine unabhängige, mit führenden Köpfen aus Journalismus und Wissenschaft besetzte Jury vor. Der Preis wird in diesem Jahr zum sechsten Mal seit 2009 verliehen.

Die nächste Ausschreibung erfolgt im April 2020 
http://goethe-medienpreis.uni-frankfurt.de

Film über den 1. Preisträger, Moritz Aisslinger, verfügbar am 08.04.2019 ab 16.00 Uhr: https://youtu.be/sgJMN_7c09Q

 

FRANKFURT. Der Vortrag „Die Chauvet-Höhle – Bilder aus der Tiefe der Menschheitsgeschichte“ von Prof. Jean-Michel Geneste, Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für Vorgeschichte in Paris, stellt die spektakulären Entdeckungen des internationalen und interdisziplinären Wissenschaftlerteams vor, das die Chauvet-Höhle seit ihrer Entdeckung 1994 erforschte. Die französische Chauvet-Höhle im Tal der Ardèche gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihre über 36.000 Jahre alten Höhlenmalereien und Ritzzeichnungen sind in der europäischen paläolithischen Höhlenkunst einzigartig. Der Vortrag findet am Mittwoch, 10. April 2019 um 19 Uhr im Museum Giersch der Goethe-Universität statt. Prof. Jean-Michel Geneste wird in englischer Sprache referieren.

Jean-Michel Geneste ist einer der weltweit führenden Felsbildexperten. Außer in Frankreich forschte er auch über Felsbilder in der Ukraine, Südafrika, Papua-Neuguinea und in Nordaustralien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Vermittlung der Vorgeschichte durch audiovisuelle Medien und ist Autor des 3D-Films „The Final Passage“, dessen Deutschland-Premiere er am 11. April um 20.15 Uhr im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums persönlich einführen wird.

Der Film „The Final Passage“ (2015, 28 min, in englischer Sprache) lässt die Chauvet-Höhle und ihre grandiosen Felsbilder in einer atemberaubenden, hyperrealistischen digitalen Reproduktion lebendig werden. Im Anschluss daran wird Werner Herzogs Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ (2013, 86 min) gezeigt. Der Regisseur erhielt als eine der wenigen Personen Einlass in die Chauvet-Höhle und fing aus seiner Sicht die besondere Magie dieses Ortes filmisch ein. Die Filmvorführung findet im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt statt. Der Eintritt beträgt 10,- €. Das Kinoticket berechtigt zum freien Eintritt in die Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität.

  • Mittwoch, 10. April 2019, 19 Uhr: Vortrag von Prof. Jean-Michel Geneste, Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für Vorgeschichte in Paris, (in englischer Sprache) im Museum Giersch der Goethe-Universität. Eintritt 4,- € an der Abendkasse 
  • Donnerstag, 11. April, 20.15 Uhr: Deutschland-Premiere des Films „The Final Passage“, eingeführt von Prof. Jean-Michel Geneste, anschließend Werner Herzogs Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums. Eintritt 10,- €

Noch bis 14. Juli 2019 zeigt das Museum Giersch der Goethe-Universität die Sonderausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“. Die Ausstellung stellt den Ethnologen Leo Frobenius und seine Forschungen im zeithistorischen Kontext vor. Sie lenkt den Blick auf sein bislang weniger bekanntes Expeditionsteam und rückt besonders die Frauen in den Fokus, von denen die überwiegende Mehrheit des Bildmaterials stammt. Die beeindruckenden Nachzeichnungen prähistorischer Felsbilder geben einen überwältigenden Einblick in die weltweite Kunst der Vorzeit. Mit Werken von Paul Klee, Willi Baumeister und Wols stellt die Ausstellung schließlich den Einfluss prähistorischer Vorbilder auf die europäische Moderne dar.

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl.-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

 

Apr 4 2019
14:10

Präsidentin der Goethe-Universität plädiert für mehr campusnahes Wohnen

Zweitwohnsitzsteuer schadet Studienstandort Frankfurt

FRANKFURT. Das Präsidium der Goethe-Universität bewertet die geplante Zweitwohnsitzsteuer für Studierende in Frankfurt kritisch. Die Stadt verschickt laut Medienberichten in diesen Tagen Briefe des Kassen- und Steueramts an alle Inhaber eines Zweitwohnsitzes in Frankfurt, darunter auch viele Studierende. Diese werden laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau aufgefordert, Erklärungen abzugeben, damit eine Steuer in Höhe von 10 % der jeweiligen Nettokaltmiete erhoben werden kann. Es droht für viele eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung. Von der geplanten Zweitwohnsitzabgabe sollen auch Zimmer in Frankfurter Studierendenwohnheimen betroffen sein.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Diese Praxis kann dazu führen, dass in Frankfurt mit seinen ohnehin schon sehr hohen Mieten und Lebenshaltungskosten ein einigermaßen campusnahes Wohnen für Studierende noch unerschwinglicher wird. Die Folge: Es werden noch mehr Studierende aus dem Umland nach Frankfurt pendeln, als dies jetzt schon der Fall ist. Oder noch schlimmer: sie werden gleich andere Studienorte bevorzugen.“

Die Präsidentin plädierte dafür, Wohnen in Campusnähe attraktiver zu machen: „Frankfurt sollte Studierende willkommen heißen. Sie sind die Zukunft unserer Stadt. Ich habe viel Verständnis für das Interesse der Stadt an Erstwohnungsanmeldungen, aber fände ich es geschickter, Studierenden Anreize zu bieten für eine freiwillige Erstwohnsitzmeldung, statt von Ihnen eine Strafzahlung zu verlangen. Andere Städte haben beispielsweise mit Meldeprämien für Studierende gute Erfahrungen gemacht.“

 

Apr 3 2019
16:49

Forschende der Goethe-Universität und der TU München entschlüsseln Biosynthese von Arylpolyenen

Biosynthese weit verbreiteter Pigmente aus Bakterien aufgeklärt

FRANKFURT. Bakterien können sich mithilfe bestimmter Naturstoffe, die sie in ihrer Membran tragen, gegen den Angriff freier Radikale schützen. Die Biosynthese eines der am weitesten verbreiteten Schutzpigmente, das auch für die Medizin oder die Kosmetik-Industrie von Interesse sein könnte, haben Forschende der Goethe-Universität und der TU München nun aufgeklärt.

Arylpolyene sind gelbe Pigmente, die sowohl von freilebenden Bakterien als auch von Bakterien im menschlichen Darm oder in anderen ökologischen Nischen produziert werden. Eingelagert in die Membran der Bakterien dienen sie als Schutz vor oxidativem Stress beziehungsweise vor reaktiven Sauerstoff-Spezies. Letztere können die Zellen schädigen und müssen somit abgefangen werden. 

Bisher wusste man zwar, welche Proteine für die Bildung der Arylpolyene verantwortlich sind, jedoch war unklar, wie sie die gelben Pigmente erzeugen. Die Arbeitsgruppe Molekulare Biotechnologie von Prof. Helge Bode (Goethe-Universität Frankfurt) konnte nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Juniorprofessorin Nina Morgner (Fachbereich Chemie der Goethe-Universität) und Prof. Michael Groll (Technische Universität München) die Biosynthese der Arylpolyene im Reagenzglas nachstellen und so die Funktion einzelner Biosyntheseschritte aufklären. 

„Arylpolyene erfüllen ähnliche anti-oxidative Eigenschaften wie Carotinoide, werden aber komplett anders hergestellt“, erläutert Gina Grammbitter, die dieses System im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersucht hat. „Ihre Biosynthese ähnelt stark der Bildung von Fettsäuren, weist aber auch Unterschiede dazu auf“, ergänzt Nina Morgner. „Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Michael Groll konnten wir ungewöhnliche Komplexe der beteiligten Proteine identifizieren und ihre Struktur bestimmen“. 

Wie die Forschenden in der aktuellen Ausgabe des Journal of the American Chemical Society zeigen, werden Arylpolyene über einen neuartigen Biosyntheseweg hergestellt und sind vermutlich direkt in der Membran der Bakterien lokalisiert. Allerdings sind Arylpolyene nur ein Teil eines deutlich größeren Naturstoffs: „Was jetzt noch fehlt, sind Aufbau und Bildung dieser Gesamtstruktur“, erklärt Gina Grammbitter, die sich derzeit genau mit dieser Frage beschäftigt. 

Die Forschung auf diesem Gebiet geht also weiter. In einem nächsten Schritt gilt es nun, das Zusammenwirken der einzelnen Enzyme und die Rolle der Arylpolyene z.B. im Mikrobiom des Menschen zu untersuchen. Auch könnten Arylpolyene aufgrund ihrer anti-oxidativen Eigenschaften für die Kosmetikindustrie von Interesse sein. 

Publikation: Grammbitter GLC, Schmalhofer M, Karimi K, Schöner TA, Tobias NJ, Morgner N, Groll M, Bode HB. An Uncommon Type II PKS Catalyzes Biosynthesis of Aryl Polyene Pigments. J Am Chem Soc. 2019 Mar 25. doi: 10.1021/jacs.8b10776. https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.8b10776 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://uni-frankfurt.de/77157898 

Bildtext: Biosynthese des in Bakterien sehr weit verbreiteten gelben Arylpolyen-Schutzpigmente aus einfachen Vorstufen. Bild: Maximilian Schmalhofer 

Information: Prof. Dr. Helge B. Bode, Molekulare Biotechnologie, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.

 

Apr 3 2019
12:16

Angewandte Computerlinguistik der Goethe-Universität kooperiert mit Springer Nature

Erstes maschinengeneriertes Buch publiziert

FRANKFURT. Das erste maschinengenerierte Buch, das bei Springer Nature erscheint, entstand mithilfe eines Algorithmus, der von Wissenschaftlern der Goethe-Universität entwickelt wurde. Obwohl schon lange zu diesem Thema geforscht wird, betreten der Verlag und die Informatiker damit Neuland, denn es ist zuvor noch kein maschinengeneriertes Buch von einem Wissenschaftsverlag veröffentlicht worden.

Das Buch bietet einen Überblick über die neuesten Forschungspublikationen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien - eine strukturierte, automatisch generierte Zusammenfassung einer großen Anzahl aktueller Forschungsartikel. Forscher erhalten hierdurch die Möglichkeit, das schnell wachsende Informationsaufkommen auf diesem Gebiet effizient zu überschauen. Das Buch ist als kostenloser Download verfügbar.

Der unter Leitung von Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos an der Angewandten Computerlinguistik an der Goethe-Universität entwickelte Beta Writer basiert auf Verfahren, die Textinhalte mithilfe von Computern analysieren, so dass sie relevante Publikationen automatisch auswählen und verarbeiten, die zuvor auf der Plattform SpringerLink veröffentlicht wurden. Diese wissenschaftlich begutachteten Veröffentlichungen von Springer Nature werden von dem Algorithmus einem ähnlichkeitsbasierten Clustering unterzogen, um die Quelldokumente in zusammenhängende Kapitel und Abschnitte zu gliedern.

In diese Kapitelstruktur werden prägnante Zusammenfassungen der publizierten Artikel eingefügt und miteinander verflochten. Die extrahierten Textpassagen sind mit Hyperlinks versehen, so dass der Leser eindeutige Verweise auf die Quelldokumente erhält. Automatisch erstellte Inhaltsverzeichnisse und Referenzen erleichtern die Orientierung innerhalb des Buchprototypen. 

„Mit dieser Publikation wollen wir zeigen, zu welchem Grad die Herausforderungen der maschinengenerierten Publikation inzwischen gelöst werden können, wenn Fachleute aus wissenschaftlichen Verlagen mit Computerlinguisten zusammenarbeiten“, erklärt Juniorprofessor Christian Chiarcos. „Wir haben bei diesem Projekt auch besser verstanden, welche Erwartungen es auf Seiten der Autoren, Herausgeber, Verlage und Käufer gibt. Und zwar sowohl in Bezug auf die wissenschaftlichen als auch die wirtschaftlichen Anforderungen.“ 

Henning Schoenenberger, Director Product Data & Metadata Management bei Springer Nature, fügt hinzu: „Während Forschungsartikel und -bücher, die von Wissenschaftlern und Autoren geschrieben werden, auch weiterhin eine entscheidende Rolle im wissenschaftlichen Publizieren spielen werden, erwarten wir zukünftig eine Vielzahl an verschiedenen Inhaltstypen: von vollständig von Menschen erstellten Inhalten über verschiedene Blended-Man-Machine-Textgenerierungen hin zu vollständig maschinengenerierten Texten. Unser Prototyp ist ein erster wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Wir hoffen, dass wir als Verlag dazu beitragen, eine öffentliche Debatte über die Chancen, Auswirkungen, Herausforderungen und potenziellen Risiken von maschinengenerierten Inhalten im wissenschaftlichen Umfeld anzustoßen." 

Link zur Publikation: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-16800-1

Informationen: Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos, Angewandte Computerlinguistik, Fachbereich Mathematik und Informatik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22463:, chiarcos@informatik.uni-frankfurt.de, http://acoli.cs.uni-frankfurt.de/

 

Apr 2 2019
10:47

Hochdosiertes Albumin verbessert Herzfunktion und dämmt Entzündungen ein

Neue Hoffnung bei Leberzirrhose

FRANKFURT. Leberzirrhose ist eine unheilbare Krankheit, die im Endstadium mit zahlreichen Komplikationen verbunden ist. Eine Pilot-Studie unter Beteiligung von Prof. Jonel Trebicka von der Goethe-Universität hat jetzt gezeigt, dass die langfristige Gabe von hochdosiertem Albumin die Herz-Kreislauffunktion dieser Patienten stabilisiert und sie vor der gefürchteten Sepsis schützt.

„Ich war gerade zu einem Forschungsaufenthalt an der Klinik in Barcelona, als die klinische Studie Pilot-PRECIOSA lief und habe die Ergebnisse bei Patienten mit schwerer Sepsis direkt mit den Forschern vor Ort diskutiert“, sagt Prof. Jonel Trebicka, Hepatologe an der Medizinischen Klinik I der Goethe-Universität.

Albumin ist ein Protein, das im Blut des Menschen vorkommt und zahlreiche Aufgaben erfüllt. Bei Leberzirrhose ist es vermindert. Deshalb hat man Patienten mit dekompensierter Zirrhose, dem Stadium, in dem schwere Komplikationen auftreten, auch schon früher mit Albumin behandelt, jedoch nur für einen kurzen Zeitraum. 

In der Pilot-PRECIOSA-Studie, an der 22 Europäische Partner beteiligt waren, wurden nun zwei Gruppen von Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose über drei Monate mit Albumin behandelt. Die eine Gruppe erhielt eine niedrige Dosis, die andere eine hohe Dosis. Es zeigte sich, dass sich bei den Patienten, die mit der höheren Dosis therapiert worden waren, die Herzfunktion verbesserte und die Konzentration der Entzündungsmarker im Blut zurückging.

In der nun anschließenden Folgestudie PRECIOSA, an der auch Prof. Trebicka und Privatdozentin Dr. Tanja Welzel von der Medizinischen Klinik I beteiligt sind, wird diese Therapie nun an einem größeren Patientenkollektiv erprobt.

„Für unsere Arbeit in dem kürzlich gegründeten Micro-Predict Consortium, in dem wir die Bedeutung des Darmmikrobioms bei Lebererkrankungen untersuchen, ist dieses Ergebnis enorm wichtig: Wir werden jetzt wir nach Mikrobiom-Markern suchen, die das Ansprechen auf Albumin anzeigen, so dass wir die Therapie künftig gezielt steuern können.“ 

In MICROB-PREDICT Projekt kooperieren spezialisierte Ärzte, führende Mikrobiom- und Medizintechnik-Experten sowie die Patientenorganisation ELPA und die Europäische Gesellschaft zur Erforschung der Leber (EASL). Träger ist die European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure (EFCLIF), die auch die Pilot-PRECIOSA-Studie gefördert hat. Es handelt sich um eine Stiftung, welche ein Netzwerk von mehr als 100 Universitätskliniken Europaweit innerhalb des EASL vereint. Dazu gehört auch das Universitätsklinikum der Goethe-Universität.

Publikation: Fernandez J et al.: Effects of Albumin Treatment on Systemic and Portal Hemodynamics and Systemic Inflammation in Patient with Decompensated Chirrhosis, in: Gastroenterology (2019), doi: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2019.03.021

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77108559 

Bildtext: Um die Albumin-Therapie bei dekompensierter Leberzirrhose gezielt steuern zu können, will Prof. Jonel Trebicka im Projekt Microb-Predict künftig nach Albumin-Markern im Darmmikrobium suchen.

Informationen: Prof. Jonel Trebicka, Medizinische Klinik I, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Telefon: 0178 531 8838, jonel.trebicka@kgu.de

 

Mär 29 2019
11:38

Frühere Vizepräsidentin der Goethe-Universität im Alter von 54 Jahren verstorben

Goethe-Universität trauert um Brigitte Haar

FRANKFURT. Die Goethe-Universität trauert um ihre frühere Vizepräsidentin, Frau Professor Dr. Brigitte Haar. Die Professorin für Bürgerliches Recht, deutsches, europäisches und internationales Wirtschaftsrecht, Law and Finance und Rechtsvergleichung verstarb am 27. März 2019 in Frankfurt im Alter von 54 Jahren nach langer schwerer Krankheit. 2004 war sie an die Goethe-Universität berufen worden.

Brigitte Haar war als Juristin an der Schnittstelle zwischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften national und international sehr profiliert: Gastprofessuren führten sie an die University of Pennsylvania und die Columbia Law School. An der Columbia war sie Principal Investigator beim Global Law in Finance-Network. An der Goethe-Universität lag ihr besonders das Graduiertenkolleg Law and Economics of Money and Finance am Herzen, auf dessen Einwerbung sie mit gutem Recht stolz war und dessen treibende Kraft sie gewesen ist. Sie war Präsidiumsmitglied des House of Finance und Mitglied des Scientific Board von SAFE. Zudem war sie Vertrauensdozentin der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Auch in der Praxis war ihr Rat geschätzt: Seit 2013 war Brigitte Haar Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2017 wurde sie in diesem Amt nochmals bestätigt.

Von 2015 bis 2018 war sie Vizepräsidentin für Internationalisierung der Goethe-Universität. In diesem wichtigen Leitungsamt war sie entscheidende Impulsgeberin für die weitere Internationalisierung der Goethe-Universität. In ihre Amtszeit fallen wichtige Weichenstellungen für die Strategischen Partnerschaften mit führenden Universitäten auf der ganzen Welt.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff trauert: „Prägend für Brigitte Haar war eine charakteristische Kombination von Bestimmtheit und Bescheidenheit. So wirkte sie in unserem Präsidialteam. Noch vor wenigen Tagen war ich bei ihr und habe bewundert, wie tapfer sie kämpft. Zugleich war sie noch immer neugierig auf die Entwicklungen in der Uni. Auch ihren Humor hatte sie nicht verloren. Als uns die Nachricht von ihrem Tod erreichte, waren wir fassungslos. Wir trauern um sie und werden in ihrem Spirit weiterarbeiten.“

Der Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Prof. Dr. Albrecht Cordes, sagte: „Mit Brigitte Haar verliert unser Fachbereich eine herausragende, international vernetzte Wissenschaftlerin. Sie hat stets uneitel, aber entschlossen für die Angelegenheiten gekämpft, die ihr wichtig waren. Für viele junge Frauen in ihrem immer noch von Männern dominierten Feld wurde sie so zum Vorbild. Ihr Vermächtnis wird uns ein dauerhafter Ansporn bleiben.“

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/77082401

 

Mär 28 2019
12:14

Goethe-Uni wirbt drei ERC-Advanced Grants ein/ Insgesamt rund 7,7 Millionen Euro für fünf Jahre

EU fördert Forschung zu synthetischen Wirkstoffen,  Cookies im Internet und sozialer Ungleichheit

FRANKFURT. Drei ERC-Advanced Investigator Grants des Europäischen Forschungsrats mit einer Gesamtfördersumme von 7,7 Millionen Euro gehen an Forscher der Goethe-Universität Frankfurt. Der Soziologe Prof. Markus Gangl befasst sich mit der Frage, ob ökonomische Ungleichheit zu einer Bedrohung für liberale Gesellschaften werden kann. Der Betriebswirt Prof. Bernd Skiera untersucht die wirtschaftliche Dimension von Cookies, und Helge Bode, Professor für Molekulare Biotechnologie, will neue Wirkstoffe nach dem Vorbild der Natur suchen.

„Zum ersten Mal ist es der Goethe-Universität gelungen, drei ERC-Projekte gleichzeitig in einer Ausschreibungsrunde einzuwerben. Das ist eine ganz besondere Herausforderung für uns, ich freue mich riesig“, kommentiert Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff die Bekanntgabe der Preisträger. „Die Entwicklung synthetischer Wirkstoffe aus Naturstoffen, die Erforschung ökonomischer Mechanismen im Internet sowie die wissenschaftliche Auslotung des Zusammenhangs zwischen sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Stablität – mit diesen Projekten gehen unsere Wissenschaftler wichtigen Fragen der Gegenwart auf den Grund“, so Wolff.

Projekt „SYNPEP“ programmiert natürliche Peptide zu Wirkstoffen um
Viele klinisch genutzte Wirkstoffe sind Peptide, die oft von Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilzen produziert werden. Dazu gehören so wichtige Antibiotika wie Vancomycin, Daptomycin oder Penicillin, aber auch Immunsuppresiva wie Ciclosporin oder Krebs-Medikamente wie Bleomycin. Will man diese Peptide verändern, muss man die beteiligten Enzyme umprogrammieren. Dadurch können dann auch nicht-natürliche Peptide erzeugt werden, die es so in der Natur nicht gibt und die unter Umständen bessere Eigenschaften aufweisen. Dies ist das Ziel von SYNPEP (Synthetic biology of non-ribosomal peptide synthetases to generate new peptides) von Helge B. Bode, Professor für Molekulare Biotechnologie am Fachbereich Biowissenschaften der Goethe Universität. Das Projekt wird über fünf Jahre mit 3.16 Millionen Euro gefördert.

Helge Bode wurde 2008 als Merck-Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an die Goethe Universität berufen. Seit 2018 ist er Professor für Molekulare Biotechnologie. Er arbeitet zu allen Aspekten mikrobieller Naturstoffe, wobei der Schwerpunkt auf der natürlichen Funktion dieser Moleküle liegt. Diese erforschte er u.a. von 2013 bis 2018 im Rahmen eines ERC Starting Grants. Sein zweiter Schwerpunkt ist die Manipulation von nicht-ribosomalen Peptidsynthetasen, die im Fokus des jetzt bewilligten ERC Advanced Grants stehen.

Projekt „POLAR“ nimmt die Folgen sozialer Ungleichheit in den Blick
Prof. Markus Gangl wurde mit einem Advanced Grant für das Forschungsprojekt POLAR (Polarization and its discontents: does rising economic inequality undermine the foundations of liberal societies?) ausgezeichnet. Das Projekt wird sich der Frage widmen, ob die zunehmende ökonomische Ungleichheit dazu beiträgt, wichtige Grundpfeiler westlich-liberaler Gesellschaften zu unterminieren. Prof. Gangl und sein Projektteam werden Befragungsdaten aus etwa 30 Ländern nutzen, um die Zusammenhänge zwischen wachsender Ungleichheit einerseits und sozialer Mobilität, gesellschaftlichem Zusammenhalt und der Zustimmung zu demokratischen Werten und Institutionen andererseits empirisch zu beleuchten. Die Fördersumme beträgt knapp 2,5 Millionen Euro.

Markus Gangl ist seit 2011 Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialstruktur und Sozialpolitik an der Goethe-Universität und gleichzeitig Honorary Fellow am Department of Sociology der University of Wisconsin-Madison, USA. Zuvor hatte er Professuren an der University of Wisconsin-Madison und an der Universität Mannheim inne. Prof. Gangl ist gewähltes Mitglied der Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften), gewähltes Mitglied des Boards des Research Committee 28 (Social stratification and mobility) der International Sociological Association und als Editor-in-Chief des European Sociological Review derzeit Herausgeber der wichtigsten europäischen Fachzeitschrift seiner Disziplin. Aktuell leitet er u.a. das ebenfalls vom European Research Council (ERC) geförderte CORRODE-Projekt, in welchem die sozio-ökonomischen Folgen der Finanzkrise empirisch untersucht werden.

Projekt „COOKIES“ untersucht den Wert von Cookies für Werbende
Cookies ermöglichen es Unternehmen, Informationen über Nutzer im Internet zu sammeln. Diese Informationen dienen auch dazu, die Erlöse aus Online-Werbung zu steigern, die Webseiten benötigen, um weiterhin kostenlos nutzbar zu sein. Das Sammeln von Informationen schränkt jedoch die Privatsphäre der Nutzer ein. Deswegen begrenzt die EU die Verwendung von Cookies (z.B. über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder die geplante ePrivacy-Verordnung).

Über den Wert von Cookies für Werbetreibende gibt es bisher nur sehr wenig empirisches Wissen. Deshalb kann die Politik nur schwer abwägen, ob die Beschränkungen für Cookies im Interesse der Privatsphäre nicht mit hohen Verlusten für Unternehmen einhergehen, deren Förderung auch ein politisches Ziel ist. Diese Wissenslücke soll das Forschungsprojekt COOKIES (Economic Consequences of Restrictions on the Usage of Cookies) von Prof. Bernd Skiera schließen.
Dafür sollen mehrere Datensätze analysiert werden, u.a. einen Cookie-Datensatz, der Preise für Online-Werbung von mehr als 2,8 Milliarden (anonymen) Cookies enthält und einen Implementierungsdatensatz, der zeigt, wie Tausende von Webseiten die 2018 in Kraft gesetzte EU-Datenschutzgrundverordnung implementiert haben. Die Fördersumme beträgt knapp 2 Millionen Euro.

Bernd Skiera hat seit 1999 die Professur für Electronic Commerce an der Goethe-Universität inne. Das Handelsblatt kürte ihn in seinem jüngsten Ranking (2014) zum forschungsstärksten BWL-Professor in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 13 seiner früheren Doktorandinnen und Doktoranden sind heute Professoren in Deutschland, Österreich, USA, England und Spanien, neun davon auf Lebenszeitstellen.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77056325

Informationen: Prof. Dr. Helge B. Bode, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon (069) 789-29557, H.Bode@bio.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Markus Gangl. Institut für Soziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Telefon 069 798-36633, E-Mail mgangl@soz.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Bernd Skiera, Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Electronic Commerce, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Telefon 069 798-34649, E-Mail skiera@wiwi.uni-frankfurt.de; Homepage: https://www.marketing.uni-frankfurt.de/professoren/skiera/prof-dr-bernd-skiera.html.

 

Mär 27 2019
11:45

U4-Verlängerung: Goethe-Universität erwartet mehr Engagement der Stadt für die Anbindung des Campus Westend 

Weichenstellung für mehr nachhaltige Mobilität!

FRANKFURT. Frankfurt und die Goethe-Universität befinden sich in einem dynamischen Prozess der Weiterentwicklung und des Wachstums: „Für Stadt und Region ist die Goethe-Universität ein starker Magnet für die Gewinnung junger Menschen und innovativer Köpfe aus aller Welt“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Bis 2030 werden täglich 10 bis 12.000 Menschen mehr als heute auf den Campus Westend der Goethe-Universität strömen, 80 bis 90 Prozent davon mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit steht die Stadt vor einer wichtigen verkehrspolitischen Weichenstellung!“ Mit einem Anschluss des Campus Westend an die U4 könne die Stadt Frankfurt – wie bereits in vielen großen Städten Deutschlands mit Universitäten der Fall – ein starkes Zeichen für eine bessere Vernetzung des Campus Westend mit der Stadt und dem Hauptbahnhof sowie für mehr nachhaltige Mobilität setzen. Gleichzeitig stärke dies die Entwicklung der Campusmeile, so die Uni-Präsidentin.

„Die gegenwärtige Realität am Campus Westend in Sachen Mobilität ist sehr unbefriedigend“, erklärte der Mobilitätsforscher Prof. Dr. Martin Lanzendorf: „Die Wege zum Campus Westend der Goethe-Universität mit öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere über die U-Bahn-Linien mit dem hochfrequentierten Haltepunkt ‚Holzhausenstraße', sind inzwischen chronisch überlastet.“ An einem Ausbau der seit dem Jahr 1968 in unveränderter Größe betriebenen U-Bahn-Station führe schon aus Sicherheitsgründen kein Weg vorbei.

Die große Zahl derzeit und künftig entstehender Neubauten im Norden des Campus Westend ließen sich zudem über die U-Bahn-Haltestelle Holzhausenstraße nicht mehr erschließen, so der Mobilitätsforscher. Der derzeit in Realisierung befindliche dritte Bauabschnitt auf dem Campus Westend, das Studierendenhaus, das neue Center for Humanities, der geplante Bau der Universitätsbibliothek sowie die Verlagerung von zwei Leibniz-Instituten auf den Campus Westend und nicht zuletzt auch der Bau des Adorno-Gymnasiums werden die heutigen Nutzerzahlen auf dem Campus Westend um weitere 30 Prozent steigern. Da mutmaßlich mehr als 80 % dieser Menschen den ÖPNV nutzen, sei dies mit der gegenwärtigen Verkehrsinfrastruktur nicht mehr zu bewältigen. Von städtischer Seite müsse daher entschieden gehandelt werden. Allein nach der Verlagerung der Universitätsbibliothek von Bockenheim an den Campus Westend werden künftig mindestens 750.000 Menschen mehr pro Jahr den Campus Westend frequentieren, rund 2.500 am Tag.

Frank Nagel, Vorsitzender des Fachausschuss Verkehr der CDU Frankfurt, betonte: „Der Campus Westend wächst künftig im Nordwesten besonders stark. Daher hat die Realisierung der vom Magistrat der Stadt Frankfurt noch im Juli 2015 leicht favorisierten Planungsvariante ‚Ginnheimer Kurve' mit einer U-Bahn-Campus-Station langfristig den höchsten erwartbaren Nutzwert. Mit einer solchen Trassenführung werden deutlich mehr Menschen ans U-Bahn-Netz angebunden, als dies bei der anderen derzeit öffentlich diskutierten Streckenvariante der Fall ist.“ Sogar eine Station auf dem Campus Westend zwischen Hörsaalzentrum und dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (RuW) sei vorstellbar. Nagel forderte den Verkehrsdezernenten auf, jetzt zügig der Öffentlichkeit Informationen über die Kosten der verschiedenen Varianten und eine aktuelle Kosten-Nutzen-Untersuchung vorzulegen.“

Laut Verkehrszählungen von traffiQ bewegen sich allein auf den Linien U1, U2, U3, U8, U9 inzwischen mehr als 120.000 Menschen pro Tag – Tendenz weiter steigend. Damit ist die Strecke die meistfrequentierte U-Bahn-Strecke in Frankfurt überhaupt. Ein entscheidender Grund für die verstärkte Nutzung dieser Strecke ist auch der starke Anstieg an Studierenden und Mitarbeitenden auf dem Campus Westend auf heute weit mehr als 30.000 Personen seit 2001. Auch das Verkehrsverhalten hat sich stark geändert: Dank Semesterticket und Hessen-Ticket steigen immer mehr Studierende und Beschäftigte auf öffentliche Verkehrsmittel um.

Sebastian Heidrich, Verkehrsreferent des AStA, sieht die Stadt in der Pflicht, mehr für die Studierenden und eine nachhaltige Mobilität zu tun. „Etwa 48.000 Studierende sind heute an der Goethe-Universität eingeschrieben, über 30.000 davon allein am Campus Westend. Wir finden es ärgerlich, dass angesichts immer größerer Entfernungen, die Studierende heute täglich wegen hoher Frankfurter Mietpreise pendeln müssen, keine direkte U-Bahn-Anbindung an den Frankfurter Hauptbahnhof besteht.“ Aufgrund der schlechten Anbindung verlieren viele Studierende Tag für Tag viel Zeit, die dann zum Lernen fehlt. Der Anteil studentischer ÖPNV Nutzer ließe sich im Vergleich zu heute noch deutlich weiter steigern, wenn eine Anbindung des Campus Westend an die U4 erfolge. In der mangelnden Bereitschaft der Stadt, sich um die Universität zu kümmern, sieht Heidrich auch ein Mentalitätsproblem: „Trotz inzwischen über 80.000 Studierender begreift sich Frankfurt weiterhin nicht als Studierendenstadt. Studierende sind hier immer noch kaum ein relevanter Faktor.“

Dr. Sönke Bästlein, Mitglied des Hochschulrats erinnerte daran, dass das Land Hessen mit einer Milliardeninvestition die fast vollständige Erneuerung der Goethe-Universität finanziert. Er sieht die Stadt Frankfurt in der Verantwortung, die Universität, immerhin die drittgrößte in Deutschland, durch eine angemessene Infrastruktur mit der Stadt zu vernetzen, wie auch die Universitätsstandorte untereinander, da die Fachbereiche zunehmend interdisziplinär arbeiten. „Wenn der Campus Bockenheim und die Universitätsbibliothek verlagert werden, dann braucht der Campus Westend auch seine eigene 'Bockenheimer Warte'. Die Goethe-Universität ist aus der einzigartigen bürgerschaftlichen Tradition zum Wohle Frankfurts entstanden, sie kann langfristig nur attraktiv bleiben, wenn die Stadt sie mit ihren Verkehrsadern in das Stadtleben einbindet.“

 

Mär 26 2019
11:04

Klein-, Groß- und Patchwork-Familien sind Themenschwerpunkt auf der Jahrestagung der Analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten an der Goethe-Universität

Geschwister kann man sich nicht aussuchen

FRANKFURT. Die 66. Jahrestagung der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland (VAKJP), die vom 4. bis 7. April auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfindet, beschäftigt sich mit Geschwisterbeziehungen. Nicht nur die Patchwork-Familie wird dabei thematisiert, in zahlreichen Workshops und Vorträgen geht es unter anderem auch um Geschwister-Szenen in der psychoanalytischen Familientherapie.

Ob Einzelkind, Erstgeborener, Sandwichkind oder Nesthäkchen – man wird in eine Gruppe geboren und muss in ihr seinen Platz finden. Aber was folgt eigentlich aus dieser Geburtenfolge – prägt sie wirklich die eigene Persönlichkeit, gar das weitere Lebensschicksal? Wurde und wird die Bedeutung der geschwisterlichen Beziehungen als Ressource, als Zuneigung und Unterstützung innerhalb des psychoanalyischen Diskurses vernachlässigt? All das werden die rund 250 Kinder-und Jugendlichen-Psychotherapeuten auf ihrer Jahrestagung diskutieren.

Eröffnet wird die Jahrestagung mit einem öffentlichen Vortrag von Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber, die bis 2016 geschäftsführende Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts war,

Titel:Loving Vincent – Entwicklungspsychologische und psychoanalytische Überlegungen zur Ambivalenz in Geschwisterbeziehungen
am Donnerstag, dem 4. April um 20.00 Uhr
im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaal HZ 3.

Im Mittelpunkt steht des Vortrags steht der eindrückliche Film von Dorota Kobieta und Hugh Welchman (2017) über einen Brief von Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo, der erst nach seinem Tod gefunden wurde. Im Hauptteil des Vortrags geht es um den Einfluss früher Geschwisterbeziehungen auf aktuelle Beziehungen in Peergroups (Forschungsgruppen, Arbeitsbeziehungen, Freundschaften). Dort werden diese frühen Beziehungen unbewusst wiederbelebt und können so zur unerkannten Quelle von intensiven Sehnsüchten, Phantasien und Konflikten werden. Anhand einiger Beobachtungen aus dem Pilotprojekt „STEP-BY-STEP“ zur Unterstützung von Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung „Michaelisdorf“ in Darmstadt wird zudem illustriert, welchen entscheidenden Einfluss traumatische Erfahrungen auf Geschwisterbeziehungen ausüben.

Informationen: Dr. Kerstin Graupner, Verantwortliche für die Pressearbeit der VAKJP, k.graupner@hamburglive.com, Tel. 0171 5329633.

Das vollständige Programm der Jahrestagung finden Medienvertreter hier: https://www.vakjp.de/dateien/JT2019_Programm.html

Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Darüber hinaus vermitteln wir vorab und während der Tagung Kontakte zu Gesprächspartnern.

 

Mär 21 2019
19:00

Direkte Verkettung von Stickstoffmolekülen gelungen

Durchbruch in der Stickstoffchemie

FRANKFURT. Stickstoff macht über 78 Prozent der Atemluft aus. Er ist das Element, das auf der Erde am häufigsten in seiner reinen Form vorkommt. Der Grund für diese Fülle an elementarem Stickstoff ist die unglaubliche Stabilität des Moleküls N2, das aus zwei Stickstoffatomen besteht. In dieser Form kommt der meiste Stickstoff auf der Erde vor. Nur in extremen Umgebungen, etwa in der Ionosphäre, kann N2 zu längeren Stickstoffketten zusammengefügt werden, die N4-Ionen mit sehr kurzer Lebensdauer bilden.

Trotz seiner Trägheit kann die Natur den Luftstickstoff als wichtigen Rohstoff nutzen. In biologischen Systemen kann die sehr starke Stickstoff-Stickstoff-Bindung in N2 gespalten und Ammoniak (NH3) erzeugt werden. Letzteres wird dann zur Stickstoffquelle für die gesamte Nahrungskette auf der Erde.

Völlig neue chemische Reaktion 

Der Mensch nutzt das Haber-Bosch-Verfahren, um Stickstoff zu Ammoniak zu zerlegen. Dieses wird dann zu Düngemitteln weiterverarbeitet. Oder es liefert Stickstoff unter anderem für die Herstellung von Pigmenten, Kraftstoffen oder Pharmazeutika. Die Herstellung von Verbindungen, die Ketten aus zwei, drei oder vier Stickstoffatomen enthalten – solche sind beispielsweise für blutgefäßerweiternde Medikamente von Bedeutung – erfordert den Zusammenbau von Monostickstoffmolekülen wie Ammoniak, da keine direkte Reaktion existiert, die Distickstoffmoleküle direkt verbinden kann.

Forschungsteams von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und der Goethe-Universität Frankfurt stellen nun im Journal „Science“ eine völlig neue chemische Reaktion vor. Das neue Verfahren nutzt borhaltige Moleküle, um zwei Moleküle N2 direkt zu einer N4-Kette zu koppeln. Erstmals ist es ihnen gelungen, zwei Moleküle N2 direkt miteinander zu koppeln, ohne sie vorher in Ammoniak aufspalten zu müssen. Diese neue Methode könnte die direkte Erzeugung längerer Stickstoffketten ermöglichen.

Weg zu einer neuen Chemie 

Der neue Syntheseweg funktioniert unter sehr milden Bedingungen: bei minus 30 Grad Celsius und unter einem moderaten Stickstoffdruck von rund vier Bar. Er erfordert zudem keinen Übergangsmetallkatalysator, im Gegensatz zu fast allen biologischen und industriellen Reaktionen von Stickstoff. 

„Damit wird der Weg frei für eine Chemie, mit der völlig neue, kettenförmige Stickstoffmoleküle synthetisiert werden können“, sagt JMU-Chemieprofessor Holger Braunschweig. Erstmals könnten nun auch Stickstoffketten, die eine spezielle Variante von Stickstoff (15N-Isotope) enthalten, problemlos hergestellt werden. Dieser wissenschaftliche Durchbruch basiert auf der experimentellen Arbeit von JMU-Postdoc Dr. Marc-André Légaré und Doktorand Maximilian Rang.

Theoretische Erkenntnisse der Goethe-Universität 

Doktorandin Julia Schweizer und Professor Max Holthausen von der Goethe-Universität Frankfurt waren für den theoretischen Teil der Arbeit zuständig. Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie die vier Stickstoffatome chemisch verbunden sind. „Mithilfe aufwändiger Computersimulationen gelang es uns, die unerwartet komplizierten Bindungsverhältnisse in diesen wunderschönen Molekülen zu verstehen. Damit können wir zukünftig Prognosen zur Stabilität solcher Stickstoffketten aufstellen und unsere experimentellen Partner bei der Weiterentwicklung ihrer Entdeckung unterstützen“, sagt der Frankfurter Chemieprofessor. Das nächste Ziel der Forschungsteams ist es, die neuen Stickstoffketten in organische Moleküle zu integrieren, die für Medizin und Pharmazie relevant sind und insbesondere die Herstellung ihrer 15N-Analoga ermöglichen.

Publikation: The Reductive Coupling of Dinitrogen. Marc-André Légaré, Maximilian Rang, Guillaume Bélanger-Chabot, Julia I. Schweizer, Ivo Krummenacher, Rüdiger Bertermann, Merle Arrowsmith, Max C. Holthausen und Holger Braunschweig. Science, 22. März 2019, DOI: 10.1126/science.aav9593

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://uni-frankfurt.de/76939366 

Bildtext: Erstmals wurden zwei Moleküle Luftstickstoff (blau, Mitte) von Chemikern aus Würzburg und Frankfurt direkt miteinander gekoppelt. 

Bildrechte: Dr. Rian Dewhurst / Dr. Marc-André Légaré / Universität Würzburg 

Informationen: Prof. Dr. Max Holthausen, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29412, max.holthausen@chemie.uni-frankfurt.de Prof. Dr. Holger Braunschweig, Institut für Anorganische Chemie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, h.braunschweig@uni-wuerzburg.de

 

Mär 20 2019
11:34

Innovative Methode führte zur Gründung des Start-up Vivlion GmbH

CRISPR/Cas-Bibliotheken eröffnen neue Chancen für die Krebsforschung

FRANKFURT. Die „CRISPR/Cas“-Technologie ermöglicht es, Gene gezielt auszuschalten, indem sie DNA an vorab festgelegten Stellen schneidet. Dazu versieht man das Cas-Enzym mit einer Art genetischer Postleitzahl. Mit einer ganzen Bibliothek solcher Postleitzahlen wäre es möglich, in einem einzigen Experiment viele Bereiche der Erbsubstanz parallel prüfen, um beispielsweise festzustellen, welche Gene für das Überleben von Krebszellen wichtig sind. Das könnte die Suche nach neuen Medikamenten revolutionieren.

Leider ist es jedoch schwierig, Bibliotheken herzustellen, die alle für die verschiedenen Zielorte benötigten Postleitzahlen beinhalten. Forschern der Goethe-Universität ist es nun gelungen, dieses Problem zu lösen. Wie Dr. Manuel Kaulich im Fachjournal „eLife“ berichtet, hat er gemeinsam mit Kollegen eine Methode gefunden, mit der sich Bibliotheken in allen Größenordnungen zuverlässig herstellen lassen. „Mit der 3Cs-Technologie ist es uns gelungen, erstmals eine Bibliothek anzufertigen, mit der man das ganze Genom gleichzeitig untersuchen kann – also auch die Regionen außerhalb von Genen. Insgesamt enthält unsere Bibliothek 16,5 Millionen einzigartige Zieladressen“, berichtet Kaulich, der am Institut für Biochemie II eine unabhängige Forschungsgruppe leitet.

Die nach dieser Methode produzierten CRISPR/Cas-Reagenzien können zum Beispiel dazu verwendet werden, nach den Gründen für die bei Krebstherapien immer wieder auftretenden Resistenzen gegen Chemotherapeutika zu fahnden. Das ist insbesondere deshalb so spannend, weil in den 98 Prozent unserer DNA, die keine Gene enthalten, zahlreiche wichtige Steuerelemente vermutet werden.

Die Idee zu 3Cs-Methode kam Manuel Kaulich gemeinsam mit Dr. Andreas Ernst, der seinerzeit ebenfalls Gruppenleiter am Institut für Biochemie II war. „Wir haben uns über unsere Fachgebiete unterhalten, die methodisch recht verschieden sind, und plötzlich war da dieser zündende Funke, wie man die Vorteile des einen mit dem anderen verbinden könnte“, so Kaulich und Ernst.

Seither hat Manuel Kaulich zahlreiche weitere Kooperationen etabliert, zum Beispiel mit Dr. Anja Bremm, ebenfalls Gruppenleiterin am Institut für Biochemie II, um die biologische Relevanz einer bestimmten Proteinklasse zu untersuchen. Gemeinsam mit Institutsdirektor Prof. Ivan Dikic hat er das „Frankfurt CRISPR/Cas Screening Center“ (FCSC) eingerichtet, das die Technologie für die Erforschung unbekannter zellulärer Funktionen breit anwendbar machen soll. Ivan Dikic kommentiert: “Diese spannende Entdeckung ist auch der Kultur an unserem Institut zu verdanken, die in besonderem Maße die Kreativität, neue Ideen und Kooperationen zwischen Gruppen beflügelt."

Inzwischen hat die Goethe-Universität über Ihre Technologietransfer-Tochter Innovectis die zündende Idee zum Patent angemeldet. Sie bildet die Grundlage für das ausgegründete Start-up Unternehmen Vivlion GmbH, das kürzlich unter Beteiligung der Goethe-Universität von drei Mitarbeitern des Instituts für Biochemie II gegründet wurde. Dazu Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz: „Dies ist ein Meilenstein für die Goethe-Universität: Vivlion ist das erste Start-Up, das unter Beteiligung von Mitarbeitern der Goethe-Universität gegründet wurde.“ 

Den Weg hatte ebenfalls die Innovectis geebnet. Geschäftsführer Martin Raditsch: „Die erfolgreiche Ausgründung der Vivlion GmbH aus der Goethe-Universität freut mich sehr, denn hier treffen eine vielversprechende Technologie aus einer hervorragenden Arbeitsgruppe mit einem perfekt aufgestellten Gründer-Team zusammen.“ Das Unternehmen wird in den nächsten Monaten die ersten 3Cs-Reagenzien auf den Markt bringen.

Publikation: Wegner M, Diehl V, Bittl V, de Bruyn R, Wiechmann S, Matthes Y, Hebel M, Hayes MG, Schaubeck S, Benner C, Heinz S, Bremm A, Dikic I, Ernst A, Kaulich M. Circular synthesized CRISPR/Cas gRNAs for functional interrogations in the coding and noncoding genome. Elife. 2019 Mar 6;8. pii: e42549. doi: 10.7554/eLife.42549. https://elifesciences.org/articles/42549

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/76899967

Bildtext: Das Team von Manuel Kaulich (2.v.r.) im Labor. Foto: Uwe Dettmar

Informationen: Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301 84250, k.koch@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 19 2019
15:41

Informationsabend für Betroffene und Interessierte im Rahmen einer bundesweiten Studie zur Therapie „Anhaltender Trauer“ 

Vortrag: „Ab wann wird Trauer zur Krankheit?“

FRANKFURT. Im Rahmen eines Informationsabends im Zentrums für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt erhalten Interessierte sowie Betroffene die Möglichkeit, sich allgemein über das Thema Trauer zu informieren. Neben einer allgemeinen Einführung werden mögliche Risikofaktoren, mögliche Folgen sowie auch Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Dabei soll auch näher auf eine mögliche Behandlung im Rahmen der Studie „PROGRID“ (die Abkürzung steht für „Prolonged Grief Disorder“, dem englischen Ausdruck für Anhaltende Trauerstörung) eingegangen werden. Der Vortrag wird von der Studienkoordinatorin M.Sc. Octavia Harrison gehalten. Sie behandelt auch selbst Betroffene im Rahmen der Studie.

Vortrag und Informationsabend / Donnerstag, den 28.03.2019, von 18.30 bis 20 Uhr in den Räumlichkeiten des Zentrums für Psychotherapie der Goethe-Universität. Raum 408, 4. Stock, Varrentrappstraße 40-42, 60486 Frankfurt.

Zum Hintergrund: Alle Menschen machen im Laufe ihres Lebens die Erfahrung, dass ein geliebter Mensch stirbt. Obwohl Trauer meist individuell erlebt wird, ähneln sich die Reaktionen auf den Verlust einer geliebten Person bei den meisten Menschen. Die Hinterbliebenen erfahren nach dem Verlust einer Bezugsperson oftmals eine große Sehnsucht, die jedoch nach einigen Wochen und Monaten wieder abnimmt. Den Betroffenen fällt es dann wieder leichter, Alltagsaktivitäten nachzugehen und soziale Kontakte zu pflegen Trauer stellt somit einen zwar schmerzlichen, aber auch natürlichen Prozess im Leben dar. Allerdings gibt es Menschen, die besonders lange und intensiv unter dem Verlust leiden und dadurch anhaltend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind. Studien gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Trauernden eine sogenannte „Anhaltende Trauerstörung“ entwickeln. Kernsymptome der Anhaltenden Trauerstörung sind eine intensive Sehnsucht nach bzw. Beschäftigung mit der verstorbenen Person, begleitet von starken Gefühlen wie Schmerz, Wehmut, Trauer oder auch Schuldgefühlen. Betroffenen fällt es zudem oft schwer, den Tod der geliebten Person zu akzeptieren.

Bereits seit Juni 2017 bietet das Zentrum für Psychotherapie im Rahmen der Studie „PROGRID“ Betroffenen zwei verschiedene Therapieprogramme zur Behandlung Anhaltender Trauer an. Bei beiden Therapieprogrammen handelt es sich um Einzeltherapien, die aus 20 wöchentlich stattfindenden Sitzungen bestehen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Die erste Behandlungsform konzentriert sich dabei insbesondere auf die Trauer selbst, während die zweite Behandlungsform insbesondere die durch Trauer verursachten Schwierigkeiten im Alltag näher betrachtet.

Die Studie, die nicht nur in Frankfurt, sondern auch an drei weiteren Standorten in Deutschland durchgeführt wird (Marburg, Ingolstadt & Leipzig), wird von der renommierten Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Bisher konnten bereits einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Studie aufgenommen werden und erste Therapien erfolgreich abgeschlossen werden.

„Wir freuen uns sehr, dass sich bereits viele Betroffene bei uns gemeldet haben und wir ihnen so haben weiterhelfen können, denn oft sind Betroffene bereits länger auf der Suche nach einem passenden therapeutischen Angebot, was den Leidensdruck nur weiter erhöht“, berichtet Privatdozentin Dr. Regina Steil, Leiterin der Studie in Frankfurt, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität. „Wir sind jedoch weiterhin auf der Suche nach Teilnehmerinnen und Teilnehmern und hoffen so weiteren Betroffenen helfen zu können“. Gesucht werden weiterhin Betroffene aus dem Rhein-Main-Gebiet, die zwischen 18 und 75 Jahren alt sind und aktuell keine weitere Psychotherapie in Anspruch nehmen. Die Studie läuft bis 2021.

Kontaktperson für weitere Informationen und ein Erstgespräch ist M.Sc. Octavia Harrison, Studienkoordinatorin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie (harrison@psych.uni-frankfurt.de, 069 798 23973).

Für weitere Informationen und eine Anmeldung zum Vortrag wenden Sie sich bitte an M.Sc. Octavia Harrison, Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität, Tel. (069) 798 23973; harrison@psych.uni-frankfurt.de; www.trauer-therapie.de)

 

Mär 19 2019
14:34

Biotechnologen entschlüsseln Mechanismen zur Diversifizierung von Phenazinen

Wirkstoff-Vielfalt aus Bakterien

FRANKFURT. Bakterien stellen einen Cocktail verschiedener Wirkstoffe her, um sich in einer lebensfeindlichen Umgebung und gegen Konkurrenten zu behaupten. Dass sie dabei ähnlich vorgehen wie die pharmazeutische Wirkstoff-Forschung, indem sie biologisch aktive Grundstrukturen modifizieren, zeigen Biotechnologen der Goethe-Universität in der aktuellen Ausgabe von Nature Chemical Biology. 

Phenazine sind weit verbreitete und chemisch vielfältige Naturstoffe aus Bakterien, die verschiedene biologische Funktionen haben können. So sind Derivate bekannt, die ähnlich wie Antibiotika Bakterien abtöten, andere wirken auf Pilze und/oder Krebszellen. Es gibt auch Derivate, die den Bakterien das Überleben in einer für sie lebensfeindlichen Umgebung wie dem menschlichen Körper ermöglichen. Diese Virulenzfaktoren machen die Bakterien erst pathogen. 

Biochemisch leiten sich alle Phenazine aus einfachen Grundstrukturen ab, wie der Phenazin-1,6-dicarbonsäure oder der Phenazin-1-carbonsäure, deren Bildung gut verstanden ist. Durch Enzyme können diese Grundstrukturen in der Peripherie jedoch stark verändert werden, so dass eine Vielzahl möglicher Phenazin-Derivate denkbar ist, die zum Teil auch in verschiedenen Bakterien gefunden wurden. Die Arbeitsgruppe Molekulare Biotechnologie von Prof. Helge Bode konnte nun Mechanismen identifizieren, die es den Bakterien ermöglichen, diese einfache Grundstruktur so zu modifizieren, dass sowohl Derivate mit Aktivität gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien als auch gegen Zellen höherer Organismen entstehen. 

„Die Bakterien können über die Bildung eines zentralen neuen Aldehyd-Zwischenprodukts und die Aktivierung eines zweiten Biosynthese Genclusters festlegen, welche Derivate gebildet werden sollen“, erläutert der Postdoktorand Yi-Ming Shi, der dieses System im Rahmen eines Humboldt Stipendiums erforscht hat. Das heißt: Die Bakterien nutzen im Grunde ähnliche Prinzipien wie die industrielle Wirkstoff-Forschung, wenn sie neue Derivate auf der Basis gleichbleibender Grundstrukturen erzeugt. Die Bakterien nutzen die Phenazine vermutlich, um andere Bakterien und Pilze abzutöten, die als Nahrungskonkurrenten in ihrem spezifischen Ökosystem auftreten können. Mit der Strategie, viele verschiedenen Derivate herzustellen sind sie in jedem Fall auch gut für unbekannte Konkurrenten gerüstet, da der Cocktail an Derivaten eine sehr breite biologische Aktivität aufweist. 

„Spannend ist nun herauszufinden, wie die Bakterien eigentlich merken, welche Derivate gerade benötigt werden“, erklärt Helge Bode. „Entweder wird hier nur gerade das hergestellt, was auch wirklich benötigt wird, oder die Bakterien halten ein Arsenal an Derivaten vor, die möglicherweise demnächst benötigt werden“. 

In der Arbeitsgruppe geht die Forschung auf diesem Gebiet also weiter. Erste Ergebnisse zu den zugrundeliegenden Regulationsmechanismen, die auch für biotechnologische Anwendungen genutzt werden könnten, sehen vielversprechend aus.

Publikation: Yi-Ming Shi, Alexander O. Brachmann, Margaretha Westphalen, Nick Neubacher, Nicholas J. Tobias, Helge B. Bode, Dual phenazine gene clusters enable diversification during biosynthesis. Nature Chemical Biology, 2019, 10.1038/s41589-019-0246-1.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/76883939

Bildtext: Beispiele des Phenazin Cocktails, der von dem Bakterium Xenorhabdus szentirmaii produziert wird. Phenazine sind nicht nur biologisch aktiv, sondern weisen auch die hier gezeigten Farben auf. Bildrechte: Dr. Yi-Ming Shi 

Information: Prof. Dr. Helge B. Bode, Molekulare Biotechnologie, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.