Pressemitteilungen 

Veranstaltungen

Sep 2 2016
14:50

Eine Ausstellung im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Kommen und Gehen – von Courbet bis Kirkeby. Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt / RheinMain

FRANKFURT.Die Region Frankfurt/RheinMain prägt seit jeher eine ständige Zu- und Abwanderung. Auch viele Künstlerinnen und Künstler kamen und gingen, verbrachten hier eine zeitlich begrenzte Lebens- und Schaffensphase. An ausgewählten Persönlichkeiten thematisiert die Ausstellung die Wechselbeziehungen zwischen Künstlern und ihrer temporären Wahlheimat: Mit welchen Erwartungen kamen sie? Was brachten sie an künstlerischem Potential mit? Wie engagierten sie sich in der Kunstszene und weshalb zogen sie wieder fort?

Die Ausstellung nimmt den Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis an das Ende des 20. Jahrhunderts in den Blick. Im Kontext sich stetig wandelnder historischer Konstellationen traten Künstler wie beispielsweise Gustave Courbet und Bernhard Hoetger, Willi Baumeister und Max Beckmann, Karl Otto Götz und Per Kirkeby mit der hiesigen Kulturszene jeweils auf ganz eigene Art und Weise in Beziehung.

Die Mobilität vieler Künstler bestimmte im Wesentlichen ihr individuelles Netzwerk. Vor allem die Aussicht auf Verkaufs- und Verdienstmöglichkeiten bewog die Kunstschaffenden zum Ortswechsel. Familie, Freunde, Lehrer, aber auch Sammler und Händler informierten über Standortgegebenheiten und vermittelten Kontakte, die den Aufenthalt in der Region Frankfurt/RheinMain als förderlich erscheinen ließen. Jedoch erfolgte die Zu- und Abwanderung nicht immer frei von Zwängen. In den Jahren 1933 bis 1945 mündete staatlicher Terror in Vertreibung und Vernichtung. Nach Kriegsende ermöglichte dann der erneute Zuzug auswärtiger Künstler den Anschluss an das internationale Kunstgeschehen.

Die vielfältige, lebendige Kunstszene der Kulturregion Frankfurt/RheinMain verdankt sich somit auch den zahlreichen Impulsen migrierender Künstlerinnen und Künstler.

Der Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag und kostet 29,- € im Museum.

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN

Jeden Sonntag außer 25.12.2016 und 1.1.2017 um 15 Uhr;

Mittwoch, 5.10., 2.11., 7.12.2016 und 4.1.2017 jeweils um 17.30 Uhr.

Kosten: 2,- € (zzgl. zum Eintritt)

GRUPPENFÜHRUNGEN

Dienstag bis Freitag 60,- € // Samstag, Sonntag, Feiertag 65,- € (zzgl. zum Eintritt)

Anmeldung unter 069/13821010.

MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT

Schaumainkai 83 // 60596 Frankfurt am Main

Fon 069/13821010 // Fax 069/138210111

www.museum-giersch.de // info@museum-giersch.de

Kuratoren: Dr. Manfred Großkinsky, Susanne Wartenberg M. A.

Öffnungszeiten: Di–Do 12–19 Uhr; Fr–So 10–18 Uhr; Mo geschlossen

Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung

3.10., 25.12., 26.12.2016 und 1.1.2017 10–18 Uhr geöffnet;

24.12. und 31.12.2016 geschlossen

Ansprechpartnerin für die Presse: Dipl. Kffr. Christine Karmann

Fon: 069/13821010 // E-Mail: presse@museum-giersch.de

Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.museum-giersch.de

Pressekonferenz: Donnerstag, 22. September 2016, 11 Uhr 

  • Dr. Manfred Großkinsky, Leiter MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität
  • Susanne Wartenberg M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 25. September 2016, 11 Uhr

  • Begrüßung: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität
  • Dank: Dr. Manfred Großkinsky, Leiter MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität
  • Einführung: Susanne Wartenberg M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Forschung

Aug 30 2016
10:45

Ergebnisse aus der experimentellen Ökonomie zeigen: Wir treffen oftmals großzügige finanzielle Entscheidungen, wenn die Kosten auf viele Köpfe verteilt werden

Eins, zwei, viele: Entscheider wälzen Kosten oft bedenkenlos auf große Gruppen ab

FRANKFURT. Die meisten Menschen handeln bei der Verteilung finanzieller Mittel nicht rein eigennützig, sondern berücksichtigen die positiven wie negativen Folgen für alle Beteiligten. Zahlreiche Beispiele deuten jedoch darauf hin, dass vielen ein effizientes Abwägen von Kosten und Nutzen schwer fällt, wenn die Kosten auf mehrere Personen verteilt werden. In einer aktuellen Publikation, die in Kürze in der Review of Economic Studies erscheint, präsentiert Michael Kosfeld, Professor für Organisation und Management an der Goethe-Universität Frankfurt, gemeinsam mit Heiner Schumacher (Universität Leuven), Iris Kesternich (Universität Leuven) und Joachim Winter (LMU) die Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung, in der sich zwei Drittel der Testpersonen insensitiv gegenüber Gruppengrößen verhalten: Ab einer gewissen Personenzahl beziehen sie die Größe einer Gruppe an negativ Betroffenen nicht mehr in ihre Entscheidungsfindung mit ein, sodass ihr Handeln insgesamt widersprüchlich ist. Sie berücksichtigen das Kosten-Nutzen-Verhältnis, wenn die Kosten nur auf eine oder sehr wenige Personen verteilt werden, nehmen jedoch ein exorbitantes Missverhältnis von Kosten und Nutzen in Kauf, wenn viele Leute betroffen sind und somit die Kosten pro Kopf klein erscheinen.

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse des Experiments, in dem ein Entscheider den Betrag a pro verteilter Einheit erhält, einem Empfänger den Betrag b zugesteht, auf Kosten eines oder mehrerer Zahler, die den Betrag c pro Einheit bezahlen müssen. Es zeigt sich, dass die Entscheider die Gruppengröße berücksichtigen und die Verteilung eines Gutes reduzieren, wenn statt einer vier Personen den gleichen Betrag dafür bezahlen müssen. Dagegen passen sie ihre Entscheidung nicht weiter an, wenn sich die Gruppe der Zahler weiter vergrößert – bei gleichbleibenden Kosten pro Person und somit deutlich steigenden Gesamtkosten.

 

Abbildung 1: Durchschnittliche Ergebnisse für Experimente mit 1 bis 32 Zahlern, in denen ein Entscheider den Betrag a pro verteilter Einheit erhält, ein Empfänger den Betrag b und der/die Zahler den Betrag c pro Einheit bezahlt/en. Beispiel: In Spiel 17 werden bei einem Zahler 8 Einheiten verteilt, was einen Gewinn von je 8 für Entscheider und Empfänger, insgesamt 16 bedeutet, bei Kosten von 8 für den Zahler, insgesamt 8; bei 32 Zahlern werden 5,6 Einheiten verteilt, ein Gewinn von je 5,6 für Entscheider und Empfänger, insgesamt 11,2, bei Kosten von 5,6 für jeden Zahler, insgesamt 179,2.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen Schwierigkeiten damit haben, Gruppen als Gesamtheit in ihr Urteil einzubeziehen. „Es fällt schwer, sich in die Position einer Gruppe von Menschen hineinzuversetzen“, erklärt Michael Kosfeld. „Daher tendieren wir dazu, die Position eines repräsentativen Mitglieds der Gruppe anzunehmen. Das kann dann dazu führen, dass wir die Größe der betroffenen Gruppe außer Acht lassen.“ Ob dann 10, 100 oder 1000 Personen von einer Entscheidung, die einigen wenigen nutzt, negativ betroffen sind, spielt keine Rolle mehr.

Ein solches Verhalten kann je nach Ausmaß enorme gesellschaftliche Kosten verursachen. Vor allem Politiker, aber etwa auch Ärzte stehen regelmäßig vor Entscheidungen, die positive Folgen für einige wenige zu Lasten großer Gruppen mit sich bringen: Steuerzahler, Bevölkerung, Versichertengemeinschaft. Wenn in solchen Entscheidungssituationen das Verhältnis von Kosten und Nutzen nicht adäquat berücksichtigt wird, drohen große gesamtwirtschaftliche Schäden.

Letztlich kann aber auch jeder Einzelne auf diesen Denkfehler hereinfallen: Um einer oder einigen wenigen Personen Gutes zu tun, sind wir oftmals äußerst großzügig – etwa in Form von Spenden –, wenn es dagegen um Kosten für eine große Gemeinschaft geht – Stichwort Steuersparmodelle – schauen wir nicht auf die Gesamtkosten, sondern nur auf die minimalen Kosten pro Bürger.

Schumacher, H., Kesternich, I., Kosfeld, M., Winter, J. (2016), „One, Two, Many – Insensitivity to Group Size in Games with Concentrated Benefits and Dispersed Costs”, forthcoming in Review of Economic Studies.

Sonstige

Aug 29 2016
12:35

Der Physiker Claudius Gros über Reise eines automatisierten Genlabors zu Himmelskörpern außerhalb unseres Sonnensytems

Das Genesis-Projekt: Neues Leben auf Exoplaneten

FRANKFURT. Lässt sich Leben auf Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems bringen, die nicht dauerhaft bewohnbar sind? Mit dieser Frage setzt sich Prof. Dr. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität in einem wissenschaftlichen Aufsatz auseinander, der in Kürze in der Fachzeitschrift Astrophysics and Space Science erscheinen wird.

Die Suche nach Exoplaneten hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es sehr unterschiedliche Typen gibt. „Es gilt daher als sicher, dass wir viele Exoplaneten entdecken werden, welche zeitweise, aber nicht dauerhaft bewohnbar sind. Auf diesen Planeten wäre Leben zwar möglich, es hätte aber nicht die Zeit, sich selbständig zu entfalten“, so Gros. Er hat vor diesem Hintergrund die Frage untersucht, ob es möglich wäre, Leben auf Planeten mit transienter Bewohnbarkeit zu bringen.

Technisch wäre die Genesis-Mission schon in einigen Jahrzehnten mittels interstellarer unbemannter Mikro-Raumschiffe realisierbar, die sowohl passiv beschleunigt wie abgebremst werden könnten. Ein automatisiertes Genlabor an Bord der Sonde würde bei der Ankunft eine Auswahl einzelliger Lebewesen mit dem Ziel synthetisieren, eine Ökosphäre aus Einzellern auf dem Zielplaneten zu etablieren. Diese könnte sich anschließend autonom und eventuell auch zu komplexen Lebensformen weiterentwickeln. „Auf diese Weise könnten die zirka vier Milliarden Jahre übersprungen werden, die auf der Erde notwendig waren, um das präkambrische Entwicklungsstadium zu erreichen, aus dem sich die Tierwelt vor etwa 500 Millionen Jahren entwickelt hat“, erläutert der Physiker. Um etwaig vorhandenes Leben nicht zu gefährden, würden Genesis-Sonden nur unbesiedelte Exoplaneten ansteuern.

Die eigentliche Missionsdauer spielte beim Genesis-Projekt keine Rolle, da sich die Zeitskalen für die nachfolgende geo-evolutionäre Entwicklung des Zielplaneten in der Größenordnung von einigen zehn bis hundert Millionen Jahren bewegen. Das Genesis-Projekt hat daher keinen direkten Nutzen für die Menschen auf der Erde. „Es würde uns aber ermöglichen, dem Leben etwas zurückzugeben“, so Gros. In diesem Zusammenhang diskutiert er auch, ob biologische Inkompatibilitäten zu erwarten wären, falls eine evolutionär voll entwickelte zweite Erde kolonialisiert würde. „Das scheint derzeit jedoch höchst unwahrscheinlich“, dämpft der Frankfurter Physiker zu hohe Erwartungen.

Publikationen: Claudius Gros, Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, Astrophysics and Space Science (in press); http://arxiv.org/abs/1608.06087

Interview mit Claudius Gros: How to Jumpstart Life Elsewhere in Our Galaxy, The Atlantic, http://www.theatlantic.com/science/archive/2016/08/genesis-missions/497258/

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Aug 25 2016
11:34

Lernexperte Prof. Andreas Gold zum Start des neuen Schuljahres an hessischen Schulen und zu seinem soeben erschienenen Buch

Mehr Toleranz für unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten von Kindern

FRANKFURT.Zum Schulstart in Hessen plädiert Andreas Gold, Professor für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität, dafür, dass Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen mehr Toleranz für unterschiedliche Lern- und Entwicklungsgeschwindigkeiten von Kindern aufbringen.

In einem Interview mit dem Magazin „Goethe-Uni online“ macht sich der Psychologe Gold dafür stark, unterschiedliche Lerntempi mit größerer Gelassenheit zu akzeptieren und eine höhere „Langsamkeitstoleranz“ zu entwickeln. „Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Lehrer meist nicht lange genug abwarten, bis Kinder auf ihre Frage antworten, oft schon nach 3 Sekunden Stille die Antwort selbst geben oder die Frage neu formulieren.“ Mindestens 5 Sekunden Nachdenkzeit seien aber sinnvoll, damit Schülerinnen und Schüler überlegt antworten könnten.

Sich auf die unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten und Lernfähigkeiten der Einzelnen einzulassen, in einer leistungsheterogen zusammengesetzten Klasse zu unterrichten, ist für die meisten Lehrer zwar nichts Neues, bleibt aber eine besondere Herausforderung. „Gemeinsam Verschiedenes lernen“, formuliert Gold das Ziel, das nur erreicht werden könne, wenn Lehrer Methoden, Lernzeit und Lernziele an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ihrer Schüler anpassen.

In seinem soeben erschienenen Buch „Lernen leichter machen – Wie man im Unterricht mit Lernschwierigkeiten umgehen kann“ beschäftigt sich der Psychologe mit der Förderung von Schülern, die erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen haben. Immerhin sind das 15 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen. Hinzu kommen die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen – weitere knapp 3 Prozent. In einer Klasse mit 25 Schülern sind somit durchschnittlich vier bis sechs Kinder betroffen. Engagieren müssen sich Lehrer wie Schüler gleichermaßen, um die Schwierigkeiten zu überwinden – dazu Gold: „‚Lernen leichter machen‘ heißt nicht, Kindern die zum Lernen notwendige Eigentätigkeit abzunehmen oder ihnen Abkürzungen anzubieten, die ganz ohne Mühen zum Ziel führen. Es geht vielmehr darum, Wege und Hilfsmittel aufzuzeigen, die sich nutzen lassen, um dorthin zu kommen, wohin andere Kinder auch ohne solche Hilfen gelangen.“

Der Unterricht müsse kognitiv aktivierend und emotional unterstützend sein. Guter Unterricht zeichnet sich für Gold dadurch aus, dass Schüler zum Denken angeregt und in ihren Lernprozessen individuell unterstützt werden. Auch dass ihre Lernfortschritte kleinteilig beobachtet und sachbezogen rückgemeldet werden, gehört dazu. „Regelmäßige Lernfortschrittsmessungen informieren die Kinder darüber, wo sie stehen und was noch zu tun ist. Und die Lehrerin zieht daraus Rückschlüsse über die Angemessenheit ihres bisherigen Vorgehens und Konsequenzen für ihr weiteres Handeln“, so Gold.

In dem Buch, das sich an Lehrer aber auch an Eltern wendet, stellt Gold ein abgestuftes Konzept vor: So sollte möglichst schnell festgestellt werden, ob ein Kind im Regelunterricht durch individuell angepasste Maßnahmen zusätzlich unterstützt werden müsse. „Reichen diese nicht aus, müssen intensivere, unterrichtsadditive Fördermaßnahmen veranlasst werden. Erst ganz am Ende der Maßnahmenkette ist eine separate Förderung in besonderen Einrichtungen zu erwägen“, erläutert Gold.

Ausführlich beschäftigt sich der Psychologe auch mit der Wirksamkeit verschiedener Förderprogramme bei Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwierigkeiten: „Es gibt zwar eine große Anzahl von Förderprogrammen. Aber nur selten ist deren Wirksamkeit in kontrollierten Studien überprüft worden.“ Wirksam seien symptomspezifische Programme, die direkt an den beeinträchtigten Lese-, Rechtschreib- oder Rechenprozessen einsetzen. Nicht wirksam seien dagegen unspezifische Trainings, alternativ-medizinische oder ganzheitliche Verfahren.

Gold kritisiert, dass es vom Wohnort abhängt, wie pädagogisch und schulrechtlich mit Lernschwierigkeiten umgegangen wird. Individuelle Förderung, Nachteilsausgleich oder Notenschutz werden in den Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt. „Es gleicht einer Landeslotterie, ob man mit dem Notenschutz das große Los ziehen kann und wie häufig eine Legasthenie oder Dyskalkulie überhaupt diagnostiziert werden.“

Andreas Gold, Lernen leichter machen – Wie man im Unterricht mit Lernschwierigkeiten umgehen kann, Göttingen 2016, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-525-70194-2, 159 Seiten, 18 Euro.

Informationen: Prof. Dr. Andreas Gold, Institut für Psychologie, Fachbereich Psychologie und Sport, Campus Westend, Tel. (069) 798-35357, E-Mail: gold@paed.psych.uni-frankfurt.de

Link zu dem Audio-Interview im Magazin „Goethe-Uni online“ http://tinygu.de/interview-gold

Veranstaltungen

Aug 18 2016
10:07

Rahmenprogramm des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zur Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ im Museum Angewandte Kunst / Pressekonferenz am 8. September

Waffen, Notwehr, Cyberwar – Gewalt und ihre Rechtfertigungen

FRANKFURT.Wer weiß schon, wie oft der „Peacemaker“ genannte Patronenrevolver der Firma Colt wirklich für Frieden gesorgt hat? Und warum eigentlich wurde ausgerechnet der Tarnjackenlook zum Hingucker in der modernen Mode? Von der Welt der Waffen scheint eine ambivalente Faszination auszugehen. Ihren Spuren in Kunst, Mode, Design und Alltagskultur folgt das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ab dem 10. September. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, der seinerseits im Rahmenprogramm nach gesellschaftlichen Rechtfertigungsmustern für den Gebrauch von Waffen fragt. Dabei ist der Begriff selbst schon erklärungsbedürftig – zumal in Zeiten autonom agierender Drohnen, Pistolenteilen aus dem 3D-Drucker und Cyberwar-Attacken, bei denen kein einziger Schuss fällt.

Die Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ ist bis zum 26. März 2017 zu sehen. Das vom Exzellenzcluster verantwortete Rahmenprogramm aus Vorträgen, Diskussionsrunden und Filmscreenings umfasst 14 Einzeltermine, gleichmäßig verteilt über die Laufzeit der Ausstellung. Die Beteiligten sind Mitglieder des Forschungsverbundes mit Sitz an der Goethe-Universität, weitere Wissenschaftler und Künstler sowie Angehörige des Kuratorenteams. Den Auftakt bildet ein Vortrag von Klaus Günther, Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität und Co-Sprecher des Clusters. Er widmet sich am 14. September um 19 Uhr im Museum dem Thema: „Mit Waffen wehren sich Mann und Frau. Die Rechtfertigung der Selbstverteidigung“.

Wer Gewalt anwendet, erzählt fast immer eine rechtfertigende Geschichte – sei es von Ehre und Schande, Not und Unterdrückung oder Ausbeutung und Erniedrigung. Und zuweilen geht es auch um nichts Geringeres als den schicksalhaften Kampf zwischen Gut und Böse. Eine klassische Erzählung rekurriert auf die Notwehr und das Recht, sich bei einem Angriff selbst zu verteidigen. Wie aber sieht eine angemessene Reaktion aus, und wie viel Rachefeldzüge braucht es, um einmal erlittenes Unrecht endlich zu sühnen? Das Gewaltmonopol des Staates bereitet dem kräftezehrenden „Kampf aller gegen alle“, wie es der Philosoph Thomas Hobbes nannte, ein Ende. Nun schützt prinzipiell die Gemeinschaft – der „Leviathan“ (Hobbes) – den Einzelnen, der nur noch in Ausnahmefällen selbst aktiv werden darf.

Enge rechtliche Grenzen gibt es auch, wenn man jemandem zur Seite stehen will. Das Völkerrecht kennt den Begriff der Schutzverantwortung („responsibility to protect“), die eine humanitäre Intervention in Ländern mit massiven Menschenrechtsverletzungen erlaubt und auch gebietet. Ganz werden sich das Recht auf Selbstverteidigung und die Schutzverantwortung also nicht abschaffen lassen. „Aber man sollte ihren jeweiligen Rechtfertigungsnarrativen aufmerksam zuhören“, so Klaus Günther, der Aspekte dieses Themas auch in der Publikation bearbeitet, die begleitend zur Ausstellung im Distanz Verlag erscheint. Sie heißt AMMO in Anlehnung an die Kurzform von „ammunition“, dem englischen Wort für Munition.

Die Frage, wann Waffengebrauch legitim erscheint oder legal ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Dabei geht es auch um die rechtliche Definition dessen, was überhaupt eine Waffe ist, um die besondere Situation in den USA und um die Folgen, die ferngesteuerte Drohnen, das Internet und der 3D-Druck auf das staatliche Gewaltmonopol haben. Beleuchtet werden die jeweiligen Themen nicht nur aus juristischer Perspektive, sondern auch aus einem philosophischen, ethnologischen, historischen, politik-, kunst- und medienwissenschaftlichen Blickwinkel. So beschäftigen sich einige Veranstaltungen mit der Darstellung und vermeintlichen Rechtfertigung von Gewalt in Kinofilmen, wobei Waffen eine zentrale Rolle spielen, wie in dem Western „Winchester ‘73“, oder diejenigen im Mittelpunkt stehen, die besonders gut mit ihnen umgehen können, wie in dem Irak-Kriegsfilm „American Sniper“.

Die Welt der Waffen weist auch starke symbolische Bezüge auf, was ebenfalls thematisiert wird: Schwerter im frühen Mittelalter hatten die Form eines Kreuzes, rund tausend Jahre später inszenieren sich junge Jihadistinnen im Internet mit Burka und Kalaschnikow. Und auch der Zerstörung von Waffen kommt Bedeutung zu, wie beispielsweise bei der öffentlichkeitswirksamen Entsorgung syrischer Chemiewaffen auf hoher See. Bleibt noch die Alltagskleidung und ihre erstaunliche Affinität zum Kriegerischen. „Anziehend militärisch? Camouflage, Uniform und Parka in der Mode“ heißt die zweite Septemberveranstaltung des Rahmenprogramms (20.9. um 19 Uhr). Diskutanten sind: Miloš Vec, Professor für europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und assoziiertes Mitglied des Clusters, Ingeborg Harms, Professorin für Modetheorie und Kulturwissenschaften an der Universität der Künste Berlin, und Dr. Mahret Kupka, Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst..

Von Oktober bis Dezember stehen noch vier weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Im Jahr 2017 folgen bis Mitte März acht Termine. Medienpartner des Rahmenprogramms ist das Journal Frankfurt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms beträgt 5 € (erm. 3,50 €); freier Eintritt für Studierende/Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Universität und des Exzellenzclusters bei Vorlage des Universitätsausweises an der Kasse.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ am Freitag, 9. September 2016, um 19 Uhr.

Ein Hinweis an die Medien:

Die Pressekonferenz zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm findet am Donnerstag, 8. September 2016, um 11 Uhr statt. Ort ist das Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main.

Kontakt:

Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Museum Angewandte Kunst: Dorothee Maas (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 069/212-32828, presse.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de, www.museumangewandtekunst.de

Alle Termine des Rahmenprogramms:

www.normativeorders.net/unterwaffen

Veranstaltungen

Aug 9 2016
15:16

Biologen der Goethe-Universität bieten Führung zu Pflanzen des Mittelmeeres und der Tropen an

Sommer im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT.Zu zwei Führungen lädt Prof. Georg Zizka vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Goethe-Universität Interessierte in den Wissenschaftsgarten auf dem Riedberg ein: Die Tour „Vom Mittelmeer bis zu den Tropen" führt am Freitag, 19. August, die Besucher zu den Pflanzen der Mediterrangebiete, der Subtropen und Tropen im Wissenschaftsgarten. Insgesamt rund 2000 Arten aus diesen Klimaten werden im Gewächshaus des Gartens kultiviert und dienen der Lehre und Forschung. Die Führung stellt die großen Lebensräume zwischen Etesienklima und Äquator anhand typischer Exemplare aus der Sammlung vor und gibt Einblicke in die universitäre Nutzung.
Beginn der Führung ist um 16.00 Uhr (Ende ca. 17.30), Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Wissenschaftsgartens.

Eine weitere Sonderführung des Wissenschaftsgartens am 19. August hat "Vergängliche Pracht - die Pflanzenwelt der Ruderalflächen am Riedberg" zum Thema. Gemeinsam führen Prof. Georg Zizka und Dipl. Geogr. Dirk Bönsel zur Pflanzenwelt der brachliegenden Rohbodenflächen (Ruderalflächen), wie sie zurzeit am Riedberg im Zusammenhang mit der Bautätigkeit in großer Zahl zu finden sind. Diese Standorte sind durch besondere, extreme Umweltbedingungen gekennzeichnet, meist nur kurze Zeit (wenige Jahre) vorhanden und verfügen dennoch über eine reiche, spezielle Pflanzen- und Tierwelt (insbesondere so genannter Pionierarten). Die Vielfalt der Blütenpflanzen erreicht auf solchen Flächen leicht 200 Arten und mehr.
Beginn dieser Führung ist um 18.00 Uhr (Ende ca. 19.30), Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Wissenschaftsgartens, von dort aus geht es zu ausgewählten Brachflächen.

Der Wissenschaftsgarten kann mit den Linien U 8 und U 9,  Haltestelle Campus Riedberg, oder mittels PKW über die Altenhöferallee gut erreicht werden.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Zizka, Fachbereich 15 – Biowissenschaften, Goethe-Universität, Tel. 069/798-42176; Georg.Zizka@senckenberg.de

Sonstige

Aug 8 2016
16:14

Der Politikwissenschaftler Andreas Nölke analysiert in einem aktuellen Essay die ökonomische und politische Krise Brasiliens

Olympische Spiele in einem „paralysierten Land“

FRANKFURT.Seit dem Wochenende bietet die wohl größte Sportveranstaltung der Welt in Rio de Janeiro wieder spannende Wettkämpfe in zahllosen Disziplinen. Doch bereits im Vorfeld wurde die Freude auf die Olympischen Spiele eingetrübt, nicht nur durch die Dopingvorwürfe. Ein weiterer Grund für die eher verhaltene Begeisterung weltweit ist die angespannte Lage im Gastgeberland Brasilien. Andreas Nölke, Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität und Experte für Internationale politische Ökonomie, hat sich intensiv mit dem Schwellenland Brasilien beschäftigt. In seinem Essay schaut er auf die soziale Situation im fünftgrößten Staat der Erde, erklärt die Schwäche der von Amtsenthebungsverfahren und Korruptionsvorwürfen gebeutelten Regierung und diskutiert den Niedergang der brasilianischen Wirtschaft.

Brasilien, ein Land mit einer traditionell hohen sozialen Ungleichheit, habe durchaus mithilfe von Sozialprogrammen arme Bevölkerungsschichten am Wirtschaftsboom partizipieren lassen, sagt Nölke. Doch habe der Konsumboom zu einer Überlastung der Infrastruktur geführt; zudem mobilisierten die Eliten im Land gegen das soziale Wachstumsmodell. Soziale Proteste blieben angesichts einer fehlenden Zukunftsperspektive schwach, was Nölke auch auf die Krise der Regierung zurückführt. Der vom Amt suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff drohe die Amtsenthebung, die Zustimmung zur Regierung des amtierenden Präsidenten Michel Temer, der auch der Korruption überführt wurde, sei im Schwinden begriffen. Nölke spricht von einem „dysfunktionalen parlamentarischen System“ – der einzelne Abgeordnete sähe sich als „politischer Unternehmer“, der „immer auf der Suche nach geeigneten Geldgebern“ sei.

Auch die Wirtschaft sei paralysiert und befinde sich in der „tiefsten Krise seit Jahrzehnten“, so Nölke. Jedoch sei dafür nicht, wie häufig behauptet, der Einbruch der Preise wichtiger Exportgüter verantwortlich; auch die Korruptionsaffären könnten den wirtschaftlichen Niedergang nicht erklären. Vielmehr führe in der „staatlich-durchdrungenen Wirtschaft“ die angedrohte Verfolgung von Preisabsprachen zwischen Staat und Unternehmen dazu, dass sich niemand mehr traue, Investitionsentscheidungen zu treffen, aus Angst vor Staatsanwälten „Investitionen sind allerdings in einer relativ stark geschlossenen Wirtschaft wie der brasilianischen […] absolut unabdingbar, um die derzeitige Krise zu überwinden“, betont Nölke.

Der Politikwissenschaftler kritisiert ferner die „Gigantomanie von Sportereignissen“: „Der soziale wie der volkswirtschaftliche Nutzen hält sich in engen Grenzen, wenn er überhaupt eintritt.“ Wettkämpfe, Sportstätten und Verkehrsinfrastruktur nutzten vor allem der oberen Mittelschicht; Teile der Bevölkerung hingegen litten unter Zwangsumsiedlungen und einer „unsozialen Verwendung fiskalischer Ressourcen“, sagt Nölke.

LINK zum Artikel Nölkes auf Goethe-Uni online: http://tinygu.de/noelke-essay 

Weitere Informationen: Prof. Andreas Nölke, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-36501;  a.noelke@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 4 2016
16:28

Neue Ausstellung im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT zeigt bekannte und unbekannte Schätze aus der Kunstsammlung der Goethe-Universität.

„Goethe und die Dame in Blau – Köpfe der Goethe-Universität“

FRANKFURT.Die Ausstellung „Goethe und die Dame in Blau“, die vom 12. bis zum 28. August 2016 im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT gezeigt wird, gibt durch ausgewählte Exponate der Kunstsammlung der Goethe-Uni Einblicke in die über hundertjährige Geschichte der Hochschule. Zugleich lädt sie die Besucherinnen und Besucher ein, sich anhand der Kunstobjekte mit der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Universität anhand ihrer herausragenden „Köpfen“ auseinanderzusetzen.

Das Gedächtnis der Universität - so kann man das Universitätsarchiv der Goethe-Universität gut und gerne bezeichnen, beherbergt es doch die gesamten schriftlichen Hinterlassenschaften der Hochschule, die universitäre Kunstsammlung, Nachlässe berühmter Frankfurter Professoren sowie historische Fotografien. Das Archiv bewahrt dies nicht nur für die heutige Forschung, sondern auch für die nachfolgenden Generationen und prägt damit nachhaltig die Identität und die Außendarstellung der Universität. Auch die im Archiv gesammelten Kunstwerke dienen im Besonderen der Erinnerungskultur an der Hochschule: Büsten, Porträts und Medaillen bedeutender Persönlichkeiten erinnern an herausragende Leistungen in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Stadt Frankfurt als Wissenschaftsstandort. Als Stiftungsuniversität 1912 von der Frankfurter Bürgerschaft ins Leben gerufen und 1914 eröffnet, ist die Goethe-Universität im besonderen Maße dem Andenken an die Stifterinnen und Stifter verpflichtet, denn ohne deren Engagement wäre die Gründung einer Hochschule nicht möglich gewesen.

Dabei erinnern die in der Ausstellung gezeigten Werke aber nicht nur an die „guten“ Zeiten der Goethe-Universität: Unter der NS-Herrschaft wurden nicht nur die jüdischen und politisch unliebsamen Professoren, Dozenten und Mitarbeiter entlassen, jüdischen Studierenden die Berechtigung zu studieren entzogen, sondern auch die Erinnerung an die jüdischen Stifterinnen und Stifter getilgt. Somit erinnern die Werke, welche die „Säuberung“ und die Zerstörung der Frankfurter Universität überstanden haben, nicht nur an wissenschaftliche Leistungen und stifterische Unterstützung der „Köpfe der Goethe Universität“, sondern auch an das an ihnen begangene Unrecht.

Mit dem Logo von Adrian Frutiger, das zum „Markenzeichen“ der Universität wurde, ist Goethe als Namensgeber omnipräsent. Neben den Werken rund um Goethe, den Büsten und Gemälde von Stiftern und Professoren werden aber auch diejenigen, die für das universitäre Leben essentiell sind, anhand der Fotografien in ihren Akten präsentiert: die Studierenden.

Die Ausstellung wird am 11. August um 19 Uhr eröffnet. Die Grußworte sprechen Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Museumsbeauftragter des Präsidiums, und PD Dr. Michael Maaser, Leiter des Universitätsarchivs. Enrico Dunkel, Kurator und Referent der Kunstsammlung, führt in die Ausstellung ein. Bei der Ausstellungseröffnung wird auch das neue Museumslogo präsentiert.

„Goethe und die Dame in Blau“ wird bis einschließlich des Frankfurter Museumsuferfestes (26.-28. August 2016) zu sehen sein, auf dem das MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT und die Hochschule die Ausstellung mit einem bunten Programm für Jung und Alt begleiten.

Museumsuferfest:

Freitag, 26. August 2016, 10.00–17.00 Uhr

Samstag, 27. August 2016, 10.00–22.00 Uhr

Sonntag, 28. August 2016, 10.00–20.00 Uhr

Programm des MUSEUM GIERSCH auf dem Museumsuferfest

Kuratorenführungen: Samstag, 15 und 19 Uhr; Sonntag, 11 und 15 Uhr

Workshops für Groß und Klein: Sa und So 12–18 Uhr

Antiquariatsmeile: Fr ab 15 Uhr, Sa und So ab 11 Uhr

Freitag, 26. August

16–19 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Fotobox

12–17 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s), Meike Göpfert (Piano solo)

Samstag, 27. August

10–20 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Kinderschminken (12–18 Uhr) und Fotobox (14 – 20 Uhr)

12–22 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s)

15–20 Uhr Meike Göpfert (Piano solo)

Sonntag, 28. August

10–20 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Kinderschminken (12–18 Uhr)

12–20 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s)

14–19 Uhr Meike Göpfert (Piano solo)

Informationen: Enrico Dunkel, Referent Kunstsammlung im Universitätsarchiv Frankfurt, dunkel@em.uni-frankfurt.de; Christine Karmann, Pressearbeit, Museum Giersch der Goethe-Universität, ck@museum-giersch.de; Dr. Annabelle Hornung, PR und Kommunikation, Goethe-Universität, hornung@pvw.uni-frankfurt.de

MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT

Schaumainkai 83

60596 Frankfurt am Main

www.museum-giersch.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 12.00 – 19.00 Uhr

Freitag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr, Montag geschlossen

 

Universitätsarchiv Frankfurt

Kunstsammlung

Senckenberganlage 31-33

60325 Frankfurt am Main

www.archiv.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Aug 1 2016
11:45

21 Dozenten aus Zentralafrika zu Gast an der Goethe-Universität

Sommerschule „Wald, Klima, Umwelt“

FRANKFURT.Zu einer achtwöchigen Sommerschule mit dem Thema „Wald, Klima und Umwelt“ treffen sich ab dem 1. August 21 Dozenten aus 10 Ländern Zentralafrikas an der Goethe-Universität. Ziel ist es, weitreichende Kompetenzen im Bereich Umwelt, Ressourcenmanagement und Organisationsentwicklung sowie bei der Afrikaforschung gebündelt und zur Weiterbildung der Teilnehmenden zu nutzen.

Organisatoren sind das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität und die AMBERO Consulting GmbH als technischer Partner im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden kommen aus den 22 Mitgliedsinstitutionen des Netzwerks der Aus- und Weiterbildungsinstitutionen im Bereich Forst- und Umweltwissenschaft in Zentralafrika (RIFFEAC).

Im Anschluss an die Sommerschule sollen die Teilnehmenden in ihren Heimatländern als Multiplikatoren fungieren und das erworbene Wissen einsetzen und verbreiten. Dies geschieht unter anderem über ein Transferprojekt, das im Rahmen der Sommerschule entwickelt und im Anschluss in der Heimatinstitution mit fachlicher Unterstützung durch das GIZ-Programm „Regionale Unterstützung der Zentralafrikanischen Waldkommission“ umgesetzt wird. Beispielsweise entwickeln die Teilnehmer eine Weiterbildung, aktualisieren einen Studiengang oder erarbeiten eine Marketingstrategie für Bildungsangebote.

Um einen regen fachlich-methodischen Austausch zwischen den Mitgliedsinstitutionen von  RIFFEAC und deutschen Institutionen zu initiieren und etablieren, schließt sich an die Sommerschule für Dozenten  eine Studienreise unter Einbeziehung aller Direktorinnen und Direktoren der RIFFEAC-Institutionen in Deutschland und den Niederlanden an. Sie führt unter anderem an die Universitäten Göttingen, Hamburg und Köln sowie das International Training Center (ITC) am „International Institute for Geo-Information Science and Earth Observation“ in Enschede (Niederlande) und dem Nationalpark Kellerwald/Edersee.

Informationen: Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie und ZIAF, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-40160, -40155, J.Runge@em.uni-frankfurt.de.

 

Forschung

Jul 29 2016
12:49

Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellen

Alzheimer-Fibrillen atomar aufgelöst

FRANKFURT.Langestreckte Fasern (Fibrillen) des Beta-Amyloid-Proteins bilden die typischen senilen Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Einem europäischen Forscherteam ist es jetzt zeitgleich mit einem US-amerikanischen Team gelungen, die Struktur des für die Krankheit bedeutendsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Dies erleichtert die gezielte Suche nach Arzneistoffen zur Behandlung der Alzheimer-Demenz.

Weltweit sind mindestens 60 Prozent der Demenzerkrankungen auf die Alzheimer-Krankheit zurückzuführen. Sie verursacht enormes menschliches Leid und bringt hohe Kosten mit sich. Heilung oder eine ursächliche Therapie gibt es bis heute nicht. Unter anderem deshalb, weil der genaue Ablauf der Krankheit auf molekularer Ebene im Gehirn noch viele Rätsel aufgibt.

Bekannt ist, dass das Beta-Amyloid-Protein eine entscheidende Rolle spielt. Es handelt sich um ein 39 bis 42 Aminosäuren langes, für Nervenzellen giftiges Peptid, das langgestreckte Fibrillen (Fasern) bilden kann. Beta-Amyloid-Peptid 1–42 und Beta-Amyloid-Peptid 1-40 sind die beiden Hauptformen, die in senilen Plaques vorkommen. Warum diese zum Untergang von Nervenzellen im Gehirn führen, ist nicht bekannt, aber von größtem Interesse für die Entwicklung von Alzheimer-Arzneimitteln.

In einer Zusammenarbeit zwischen der ETH Zürich, der Université de Lyon und der Goethe Universität Frankfurt am Main ist es, in Zusammenarbeit mit Kollegen an der Universität Irvine und dem Brookhaven National Laboratory, jetzt gelungen, den Aufbau einer Fibrille des für die Krankheit gefährlichsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Die Forscher bauten dabei auf Arbeiten der Universität Chicago über die Struktur von Beta-Amyloid Monomeren auf. Weitere immunologische Untersuchungen wiesen nach, dass die untersuchte Form der Fibrillen besonders krankheitsrelevant ist.

Proteinfibrillen sind in elektronenmikroskopischen Aufnahmen zwar sichtbar (Abb. 1), aber es ist sehr schwierig, ins atomare Detail zu gehen. Die dafür gebräuchlichen strukturbiologischen Methoden setzen voraus, dass das Makromolekül entweder als möglichst regelmäßiger Kristall oder in Form einzelner gelöster Moleküle in Wasser vorliegt. Fibrillen sind jedoch langgestreckte Gebilde, die unter sich verkleben und weder Kristalle bilden noch in Wasser gelöst werden können.

Einzig die Festkörper-Kernresonanzspektroskopie (Festkörper-NMR) ist hier in der Lage, Einblick auf atomarer Ebene zu bieten. Neue methodische Entwicklungen erlauben es, ein Netzwerk von Distanzen zwischen Atomen der Proteinmoleküle in einer Fibrille auszumessen (Abb. 2). Daraus konnte in umfangreichen Rechnungen der atomare Aufbau der Fibrille rekonstruiert werden.

Der Hauptteil des Beta-Amyloid 1–42 Peptids nimmt die Struktur eines doppelten Hufeisens an (Abb. 3). Jeweils zwei gleiche Moleküle in einer Ebene bilden, aufeinandergestapelt, eine lange Fibrille. Viele Wasserstoffbrückenbindungen parallel zur Längsachse geben der Fibrille ihre hohe Stabilität.

„Die Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellstudien, für die kaum experimentelle Messdaten zur Verfügung standen“, erklärt Prof. Peter Güntert, Professor für Computergestützte Strukturbiologie an der Goethe-Universität.

In Fachkreisen haben die Publikationen der europäischen und amerikanischen Teams, die einander bestätigen, für Aufsehen gesorgt, denn erstmals ist es möglich, auf Grundlage der Struktur gezielt nach Arzneistoffen zu suchen, die Beta-Amyloid Fibrillen angreifen. Die Forscher hoffen, dass in den nächsten ein bis zwei Dekaden der vor 110 Jahren von dem Frankfurter Arzt Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Geißel des Alters der Schrecken genommen werden kann.

Publikationen: Wälti, M. A., Ravotti, F., Arai, H., Glabe, C., Wall, J., Böckmann, A., Güntert, P., Meier, B. H. & Riek, R. Atomic-resolution structure of a disease-relevant Aβ(1-42) amyloid fibril. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, DOI 10.1073/pnas.1600749113.

http://www.pnas.org/content/early/2016/07/27/1600749113

Colvin, M. T., Silvers, R., Ni, Q. Z., Can, T. V., Sergeyev, I., Rosay, M., Donovan, K. J., Michael, B., Wall, J., Linse, S. & Griffin, R. G. Atomic resolution structure of monomorphic Aβ42 amyloid fibrils. Journal of the American Chemical Society, DOI 10.1021/jacs.6b05129.

Xiao, Y., Ma, B., McElheny, D., Parthasarathy, S., Long, F., Hoshi, M., Nussinov, R. & Ishii, Y. Aβ(1–42) fibril structure illuminates self-recognition and replication of amyloid in Alzheimer’s disease. Nature Structural & Molecular Biology 22, 499–505 (2015).

Bilder zum Download finden sie hier www.uni-frankfurt.de/62697618

Bildtexte:

Abb. 1: Elektronenmikroskopische Aufnahme der Alzheimer-Fibrillen.
Abb. 2: Netzwerk der Atome im Proteinmolekül
Abb. 3: Struktur der Amyloid-Beta 1–42 Fibrille

Informationen: Prof. Peter Güntert, Institut für Biophysikalische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29621, guentert@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jul 19 2016
16:19

Sammelband mit Beiträgen zu jüdischen Wissenschaftlern und ihren Gegnern an der Universität Frankfurt vor und nach 1933 – Ergebnisse einer internationalen Tagung zum Jubiläumsjahr der Goethe-Universität

Neuerscheinung: „Politisierung der Wissenschaft“

FRANKFURT. Die Besonderheit der Frankfurter Universitätsgeschichte bietet auch die Möglichkeit für eine ungewöhnliche und neuartige Fragestellung: Wie gestaltete sich in Frankfurt das Verhältnis zwischen scharf rechtsgerichteten, „völkisch“-antisemitischen Wissenschaftlern auf der einen und liberalen, deutsch-jüdischen Gelehrten auf der anderen Seite vor und nach 1933? Überraschenderweise lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten erkennen: So wollten Vertreter beider Seiten die von ihnen als defizitär wahrgenommene Politik in der Weimarer Republik mit Hilfe der Wissenschaft reformieren. Jeder nutzte auf seine Art das wissenschaftliche Etikett der Objektivität und erteilte auf dieser Basis politische Handlungsdirektiven.

Wie sich der politische Geltungsanspruch Frankfurter Wissenschaftler auswirkte und welche Arbeitsatmosphäre dadurch an der Universität entstand, wird in dem soeben erschienenen Buch Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933, herausgegeben von Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian, in zahlreichen Beiträgen erforscht.

Da sich 1914 viele jüdische Frankfurter Bürger an der Gründung und finanziellen Ausstattung der neuen Universität beteiligten, nutzten sie auch ihren Einfluss, um die an den übrigen deutschen Universitäten vorherrschende Berufungspolitik zu verändern: Jüdische Bewerber, die aufgrund ihrer Religion an vielen anderen deutschen Hochschulen benachteiligt wurden, bekamen im liberalen Frankfurt eine Chance, wo das konfessionelle Moment keine Rolle spielte. Es waren nicht zuletzt jüdische Wissenschaftler - hier seien etwa der Mediziner Paul Ehrlich, der Religionsphilosoph Martin Buber oder der Historiker Ernst Kantorowicz genannt – die maßgeblich dazu beitrugen, dass die Universität Frankfurt in der Weimarer Republik als ausnehmend progressiv und „modern“ galt. 1933, als diese im Zuge der nationalsozialistischen Politik vertrieben wurden, stellten sie ein Drittel des Lehrkörpers der Goethe-Universität.

Wie konnte gerade die an der Frankfurter Universität betriebene Wissenschaft eine so hohe gesellschaftspolitische Außenwirkung erlangen? Welche Arbeitsatmosphäre herrschte dort, wo bekannte „völkische“ ebenso wie bedeutende jüdische Wissenschaftler ihre Fragen und Theorien entwickelten? Welchen Einfluss hatte gerade diese Koexistenz auf die gesellschaftspolitische Innovationskraft der Wissenschaft? Mit diesen Fragen beschäftigen sich im vorliegenden Band international renommierte Forscher wie der französische Philosoph Emmanuel Faye, der amerikanische Geschichtsphilosoph Martin Jay oder die israelischen Historiker Shulamit Volkov und Moshe Zimmermann.

Der Wahrheit verpflichtet, suggerierte die Wissenschaft nur allzu leicht, dass auch ihre Ergebnisse objektiv seien. Deshalb musste gerade in der um politische Stabilität ringenden Weimarer Republik eine Politik, deren Forderungen aus der Wissenschaft abgeleitet wurden, wie eine Art Heilsversprechen erscheinen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Wissenschaftsverständnis des im Tagungsband untersuchten Soziologen Franz Oppenheimer, der die Absicht hatte, mit seiner Wissenschaft zur „Erlösung“ der Menschheit von irdischen Übeln beizutragen: „Oppenheimer war von einem starken Sendungsbewusstsein durchdrungen und wollte die soziale Frage lösen, indem er gegen die sozialen Missstände anging“, so der in Graz forschende Ökonom Heinz D. Kurz. Für Oppenheimer lag die Ursache der Armut in der historischen Tatsache begründet, dass der Boden in Privateigentum übergegangen und es damit zu einer künstlichen Verknappung der lebensnotwendigen Ressourcen gekommen sei. Infolgedessen forderte er, den Boden in Gemeineigentum zu überführen, wobei dies mittels Genossenschaften erreicht werden solle. Allerdings können die auf wissenschaftlichem Weg gewonnenen politischen Haltungen zum Gegenteil des eigentlich Intendierten führen: „Wie soll man gegen eine politische Ansicht argumentieren, die sich das wissenschaftliche Etikett der Objektivität anheftet bzw. einen wissenschaftlichen Wahrheitsanspruch erhebt?“, fragt Janus Gudian. Wenn jede qua Wissenschaft gewonnene politische Meinung auf „ihre“ Objektivität pocht, werden ihre Geltungsansprüche widerstreiten, statt einen Konsens herbeiführen.

Doch gerade in der entscheidenden Frage, wie gesellschaftlicher Konsens erzeugt werden soll, unterscheiden sich die beiden genannten Gruppen eklatant voneinander: Während „völkische“ Wissenschaftler primär Gesellschaftsmodelle entwickelten, die auf eine homogene Bevölkerung zielten, indem sie „Andersartige“ ausgrenzten, stand den mehrheitlich liberal denkenden jüdischen Gelehrten eine heterogene Gesellschaft vor Augen, geprägt vom Gedanken der Inklusion. Als Beitrag zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität organisierten das Historische Seminar und das Fritz Bauer Institut im Rahmen des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften 2012 eine internationale Tagung zur politischen Wissenschaftskultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der nun dieser Sammelband hervorgegangen ist. „Jubiläen haben sich zu hochpolitischen Ereignissen entwickelt, mit deren Hilfe nicht nur Identität gestiftet, sondern auch die Zukunft gestaltet werden soll. Zu diesem Zweck wird die kollektive Erinnerung an die Vergangenheit des Jubilars erneuert. Damit schlägt bei einem Jubiläum traditionell die Stunde des Historikers“, so der wissenschaftliche Bearbeiter des Bandes, Janus Gudian.

Bibliografische Angaben

Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian (Hrsg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933. (Schriftenreihe des Frankfurter Universitätsarchivs 5), Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1438-2, 505 Seiten, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von Steven E. Aschheim, Mitchell G. Ash, Peter C. Caldwell, David Dyzenhaus, Emmanuel Faye, Janus Gudian, Jeffrey Herf, Martin Jay, David Kettler, Carsten Kretschmann, Heinz D. Kurz, Robert E. Lerner, Alexander von Schwerin, John C. Stillwell, Shulamit Volkov, Michael Zank und Moshe Zimmermann.

Informationen: Janus Gudian M.A., Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798-32426, E-Mail: gudian@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 19 2016
08:20

Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt

Die Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike

FRANKFURT.Die Geschichte der frühen Christenverfolgung werde in der jüngeren historischen Forschung weitaus weniger dramatisch gesehen als früher, so der Leibniz-Preisträger Prof. Hartmut Leppin. In seinem Beitrag zur „Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike“ in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ erklärt der Althistoriker: „Man beobachtet eine Politik des Gewährenlassens, aber keine bewusste Toleranz und kein Recht auf Religionsfreiheit.“

Eine Trennung zwischen Staat und Religion gab es in der Antike nicht. Die wichtigsten Kulte waren solche, die von der Republik getragen und finanziert wurden. Politiker bekleideten als wichtige Stufen in ihrer Karriere auch Priesterämter. „Wenn im Kult etwas falsch gemacht wurde, drohte der Zorn der Götter, der das ganze Gemeinwesen treffen konnte“, so Leppin. Insofern gehörte es zu den Aufgaben des Senats, über die Ausübung des religiösen Kults zu wachen. Beispielsweise beschäftigte er sich im Jahr 186 v. Chr. mit dem ausufernden Kult zu Ehren des Weingotts Bacchus.

Doch lief die Politik des Senats nicht nur darauf hinaus, das Bestehende zu bewahren. So wurde die phrygische Fruchtbarkeitsgöttin Kybele während des zweiten Krieges gegen Karthago eingeführt – trotz der für die Römer schockierenden Praxis der Priester, sich selbst zu kastrieren. Auch der aus Ägypten stammende Isis-Kult wurde nach einem wechselvollen Schicksal schließlich durch die römischen Kaiser im 1. Jahrhundert n. Chr. gefördert.

Die Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt, sondern weil sie sich weigerten, den Göttern zu Opfern und mit diesem Kultfrevel das Gemeinwesen gefährdeten“, erklärt Leppin. Den römischen Beamten sei es gleichgültig gewesen, ob das Opfer mit innerer Anteilnahme dargebracht wurde. So konnten Christen, die opferten, ungeahndet ihrem Glauben weiterhin anhängen. Eine systematische Christenverfolgung setzte erst im 3. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Decius ein. Er war in einer Zeit militärischer Bedrängnis an die Macht gekommen und forderte alle Bürger des Reiches auf, die Götter durch Opfer gnädig zu stimmen – und diese Anordnung wurde streng kontrolliert.

Auch unter den nachfolgenden Kaisern erlebten die Christen über Jahrzehnte anhaltende Bedrängnis. In diesem Kontext entstand die Idee der Religionsfreiheit, die erstmals um 200 n. Chr. bei dem römischen Autor Tertullian dokumentiert ist. Ihre politische Umsetzung durch Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert blieb jedoch ein Zwischenspiel. Denn die christlichen Kaiser begannen bald ihrerseits, andersgläubige zu bedrängen; zunächst Christen anderer Konfession, dann zunehmend auch Heiden und Juden. Der Gedanke der Religionsfreiheit blieb in verschiedenen Texten über die Jahrhunderte erhalten. „Da das Argument schon einmal durchdacht worden war, ließ es sich leichter zur Geltung bringen. Insofern gehört der Gedanke der Religionsfreiheit, obwohl er seinerzeit nicht besonders bedeutend war, zu den wichtigsten Elementen des Erbes der Antike“, schlussfolgert der Althistoriker.

Informationen: Prof. Hartmut Leppin, Historisches Seminar, Exzellenzcluster Herausbildung Normativer Ordnungen, Tel.: (069)-798-32462, h.leppin@em.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:27

LOEWE Schwerpunkt MegaSyn erforscht Syntheseprinzip riesiger Enzyme/ 4,6 Millionen Euro für vier Jahre

Megasynthasen: Schlüssel zum Design neuer Antibiotika?

FRANKFURT.Antibiotika und viele andere pharmazeutische Wirkstoffe werden im Labor von Mikroorganismen produziert und oft nur noch chemisch „veredelt“, bevor sie in die Apotheke kommen. Die Wirkstoffe werden von riesigen, multifunktionalen Enzyme, den Megasynthasen, erzeugt. Im neuen LOEWE Schwerpunkt MegaSyn möchten Forscher jetzt herausfinden, wie die Natur die riesigen Moleküle Schritt für Schritt synthetisiert, damit sie selbst maßschneiderte Megasynthasen herstellen können. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert MegaSyn mit 4.644.000 Euro in den nächsten vier Jahren.

Ob es sich um so wichtige Antibiotika wie Erythromycin, Vancomycin und Daptomycin handelt, um Cholesterin-Senker wie die Statine oder um Immunsuppresiva wie Ciclosporin – immer sind Megasynthasen bei der Produktion im Spiel. Die Biosynthese dieser wichtigen Wirkstoffe erfolgt über Carbon- oder Aminosäuren, die wie am Fließband einer Autofabrik von einer enzymatischen Station zur nächsten weitergereicht werden, bis am Ende der fertige Wirkstoff abgespalten wird.

Bisher ist die Struktur der Megasynthasen kaum erforscht, da sie durch ihre schiere Größe über strukturbiologische Methoden wie Röntgenspektroskopie nur schwer zugänglich sind. Dennoch konnten Forscher bereits einige der wertvollen Riesenmoleküle in den Dienst nehmen: „Wir haben in den letzten Jahren Regeln für die Modifikation natürlicher nicht-ribosomaler Peptid Synthetasen gefunden. Damit können wir neue Megasynthasen und schließlich aminosäurebasierte Wirkstoffe erzeugen, die es so in der Natur noch nicht gab“, erläutert Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie und einer der beiden Sprecher von MegaSyn.

„Die Informationen aus den geplanten strukturbiologischen Arbeiten werden uns erlauben, bestimmte Klassen von Megasynthasen besser zu kontrollieren, so dass wir vielleicht schon in wenigen Jahren viele Produkte über maßschneiderte Megasynthasen in biosynthetischen Prozessen herstellen können“, sagt Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung an der Goethe Universität und auch Sprecher von MegaSyn.

Für das Design von Megasynthasen werden nun in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Marburg, der Max Planck Institute für terrestrische Mikrobiologie (Marburg) und für Biophysik (Frankfurt) sowie der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, Baupläne für verschiedene Megasynthasen erarbeitet: Polyketidsynthasen (PKS), Fettsäuresynthasen (FAS) oder nicht-ribosomale Peptid Synthetasen (NRPS). Dazu wollen die Forscher einerseits Methoden zur effizienten molekularbiologischen Manipulation der Gene entwickeln, welche die Megasynthase kodieren. Andererseits wollen sie moderne strukturbiologische Methoden erstmals nutzen, um detaillierte Einblicke in die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen zu werfen.

„Mit MegaSyn haben wir ein weltweit einmaliges Konsortium aus Biochemikern, Biophysikern, Molekularbiologen, Strukturbiologen und Biotechnologen geschaffen, das es erlaubt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung mit angewandter Forschung an Wirkstoffen zu verbinden“, erläutern Helge Bode und Martin Grininger. Da im Rahmen von MegaSyn die Weichen für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien für die Wirkstoff-Forschung gestellt werden sollen, ist auch das Interesse der pharmazeutischen Industrie groß. Deshalb wird MegaSyn auch von Unternehmen wie Merck (Darmstadt) unterstützt.

Ein Bild zum Download finden sie hier: www.uni-frankfurt.de/62453495

Bildtext: Test für die Wirkung von Antibiotika: die mit Antibiotikum getränkten Testplättchen zeigen gegen die Bakterienkultur eine Aufklarungszone (links), in der keine Bakterien wachsen. Unwirksame zeigen dies nicht (rechts).

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de

Prof. Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-42705, grininger@chemie.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:21

Neuer LOEWE-Schwerpunkt „Religiöse Positionierung“ an der Goethe-Universität untersucht Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam zu religiöser Vielfalt und Differenz in historischer und empirischer Perspektive

Welches Gewalt- und Friedenspotenzial bergen die monotheistischen Weltreligionen?

FRANKFURT.Im Rahmen der 9. LOEWE-Förderstaffel des Landes Hessen erhält die Goethe-Universität einen neuen Forschungsschwerpunkt: „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten (RelPos)“. Das Projekt wird vom Land Hessen mit einer Summe von knapp 4,5 Millionen Euro gefördert, die Förderzeitraum reicht von 2017 bis 2020. Federführende Institution ist die Goethe-Universität, Wissenschaftlicher Koordinator Prof. Christian Wiese (Fachbereich Evangelische Theologie). An der kooperierenden Justus-Liebig-Universität Gießen ist Prof. Roderich Barth Wieses Stellvertreter.

Zum Hintergrund: Gegenwärtig wird angesichts einer Vielzahl gewaltförmiger Konflikte, in denen Religion zum Tragen kommt, über die ebenso sinnstiftende wie auch zerstörerische Rolle von Religion und Religionen kontrovers debattiert. Besonders monotheistischen Religionen wird dabei unterstellt, sie ständen aufgrund ihrer zum Teil exklusiven Geltungsansprüche dem Pluralismus feindlich gegenüber und hätten eine Tendenz zu fundamentalistischen Positionen oder zur Gewalt. Andere Interpretationen hingegen sehen in ihnen ein Potenzial, Konflikten, Kriegen und Terror entgegenzuwirken. „Die aktuellen Debatten über die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen der zahlenmäßig beispiellosen Zuwanderung von Geflüchteten zeigen, dass sich Einwanderungsgesellschaften künftig auf ein weit höheres Maß an religiös-kultureller Pluralisierung und dadurch ausgelösten Ängsten und Konflikten einstellen müssen“, betont Prof. Christian Wiese. Der neue LOEWE-Schwerpunkt wird vor diesem Hintergrund die Funktion religiöser Positionierungen in historischen wie auch gegenwärtigen jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten hinsichtlich des Umgangs mit religiöser Differenz untersuchen. „Interreligiöse Pluralismus- oder Dialogkonzepte zielen auf eine konsensorientierte, harmonisierende Überwindung von Gegensätzen. Wir hingegen gehen in unserem Projekt davon aus, dass Religionen grundsätzlich positionell und somit konflikthaft, deshalb aber nicht zwangsläufig pluralismusunfähig sind, sondern Differenzen Ernst zu nehmen und zu achten vermögen“, erläutert Prof. Wiese. Beteiligt an diesem interreligiösen und interdisziplinären Projekt sind neben der protestantischen Theologie, der Judaistik und den Islamischen Studien auch die Soziologie, die Ethnologie und die Erziehungswissenschaften.

Wiese verweist auf die ausgezeichneten Voraussetzungen, die der Wissenschaftsstandort Frankfurt/Gießen bietet, einen innovativen Beitrag zu Fragen von Religion und Gesellschaft, Migration und Integration sowie religiöser Differenz und Interreligiosität zu leisten: So ist der Fachbereich Evangelische Theologie an der Goethe-Uni bereits mit dem Institut für Theologie an der Justus-Liebig-Universität eng verbunden; gemeinsam werden auch nichtkonfessionelle religionswissenschaftliche und –philosophische Studiengänge angeboten, die programmatisch auf Interreligiosität ausgerichtet sind. Im Bereich der Jüdischen Studien ist mit dem Seminar für Judaistik und der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie ein international gut vernetzter Partner vorhanden. Ferner hat das vom BMBF und vom Land Hessen geförderte Zentrum für Islamische Studien Frankfurt/Gießen in den vergangenen Jahren eine führende Rolle im Bereich einer modernen islamisch-theologischen Wissenschaft eingenommen. Auch die in Frankfurt beim Exzellenzcluster „Normative Orders“ angesiedelten Projekte bieten beste Kooperationsmöglichkeiten: Beispielsweise das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ von Prof. Susanne Schröter, das aktuelle Entwicklungen in der islamischen Welt untersucht, das Projekt „Genese und Geltung des Säkularen“ (Prof. Matthias Lutz-Bachmann u. Prof. Thomas Schmidt) oder „Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung“ (Prof. Rainer Forst). Ebenfalls zu nennen sind auf dem Gebiet der interreligiösen Forschung die seit 2014 etablierten Kooperationen der Goethe-Universität mit der Tel Aviv University und der Cambridge University. Der Forschungsschwerpunkt wird zudem intensiv mit Partnerinstitutionen im Bereich von Bildung und Politik in Frankfurt und der Rhein-Main-Region zusammenarbeiten und so auch zu den öffentlichen Debatten über religiöse Vielfalt und Differenz beitragen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie

Dekan des FB 06, Evangelische Theologie. Geschäftsführender Direktor des Instituts für Religionsphilosophische Forschung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069)  798 33313; E-Mail: C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 15 2016
08:32

Kein „Glaubensunterricht“: Das grundgesetzlich verankerte Schulfach soll vor allem Wissen über den Glauben vermitteln

Religionsunterricht – eine deutsche Besonderheit

FRANKFURT.Religionsunterricht gehört in Deutschland zum ganz normalen Fächerkanon einer staatlichen Schule. Wie passt das zusammen mit der angeblichen Trennung von Staat und Religion in unsrem Land? Warum das spezifisch deutsche Konstrukt, das letztlich bis auf die Paulskirchenverfassung zurückreicht, eine Chance für die Gesellschaft sein kann, dieser Frage ist Anke Sauter in ihrem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nachgegangen. Interessante Gesprächspartner fand sie dabei bei den Religionspädagogen unterschiedlicher Prägung, die an der Goethe-Universität lehren und forschen.

Allgemeinbildende öffentliche Schulen sollten sich um alle Lebensbereiche kümmern und den Schülern die dafür notwendige Bildung vermitteln – das ist einer der Grundgedanken dafür, dass an deutschen Schulen auch die Religion ihren festen Platz hat. Als einziges Schulfach ist sie sogar im Grundgesetz verankert: Dort ist einerseits festgeschrieben, dass die Inhalte in Abstimmung mit den Religionsgemeinschaften vermittelt werden, dass es aber andererseits auch die Möglichkeit gibt, sich vom Religionsunterricht abzumelden. War der Unterricht in den Anfangsjahren der Bundesrepublik noch stark am Kennen- und Auswendiglernen religiöser Texte orientiert, fand in den 1970er Jahren eine Öffnung statt. Weder evangelischer noch katholischer Religionsunterricht konzentriert sich noch allein auf die der eignen Konfession zugehörigen Themen; beide vermitteln auch Wissen über andere Religionsgemeinschaften und auch über nichtreligiöse Lebensorientierungen. „Der Glaube ist ein Thema des Religionsunterrichts, aber Religionsunterricht ist kein Glaubensunterricht“, sagt der evangelische Religionspädagoge Prof. Dr. David Käbisch. Denn der Glaube sei nicht verfügbar und könne insofern kein „operationalisierbares Unterrichtsziel“ sein. Glaube wird meist in den Familien vermittelt – wenn überhaupt
–, im schulischen Unterricht jedoch geht es um Inhalte.

Das sollte nach Ansicht des muslimischen Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Harry Harun Behr auch beim islamischen Religionsunterricht der Fall sein. Anders als viele Nicht-Muslime glaubten, wüchsen muslimische Kinder oft eher glaubensfern auf. Wie bei vielen christlichen Kindern gehe es im schulischen Religionsunterricht zunächst um „religiöse Alphabetisierung“, so Behr. Schon 1980 hat die Kultusministerkonferenz der Länder die Notwendigkeit des islamischen Religionsunterrichts konstatiert, doch erst in den vergangenen Jahren kam der Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur in Gang. An der Goethe-Universität wurde ein neues Fach „Islamische Studien“ eingeführt, das dem Aufbau einer Islamischen Theologie dienen soll. Gemeinsam mit der Uni Gießen beheimatet Frankfurt ein Zentrum für Islamische Studien; in Gießen werden Grundschullehrer ausgebildet, an der Goethe-Universität gibt es seit diesem Frühjahr einen Weiterbildungsstudiengang für bereits praktizierende Lehrkräfte, vom Wintersemester 2016/17 an wird ein grundständiges Studium für Sekundarstufenlehrer angeboten. Für diese beiden Studiengänge ist Prof. Behr zuständig.

Eine Hürde bei der Einrichtung des bekenntnisorientierten Unterrichts analog zu dem für die christlichen Konfessionen ist freilich die Tatsache, dass es im Islam keine mit kirchlichen Entscheidungsträgern vergleichbaren Instanzen gibt. In den Ländern, in denen die Inhalte des Religionsunterrichts sich tatsächlich an den Glaubensgemeinschaften orientieren sollen, hat man sich deshalb mit Beiräten beholfen, in denen unterschiedliche Richtungen des Islam vertreten sind. In Hessen ging man einen anderen Weg, indem man direkt mit zwei Verbänden – der türkisch orientierten DITIB Hessen und der Ahmadiyya Muslim Jamaat Verträge schloss, so dass es zwei islamische Angebote unterschiedlicher Ausrichtung gibt. Die Unterschiede seien eher kultureller als theologischer Art, betont Behr, der maßgeblich an der Erarbeitung des Kerncurriculums beteiligt war. Während Kritiker der Landesregierung monieren, man dürfe mit einer dem türkischen Staat so nahe stehenden Institution wie DITIB nicht so eng kooperieren, sieht Behr die Chance in dem neuen Angebot: „Islamunterricht ist normalitätsstiftend“, sagt er – auch für das Zusammenleben der Muslime unterschiedlicher Herkunft. Vor allem aber trage der Unterricht in deutscher Sprache erheblich zur Integration der jungen Muslime in die deutsche Gesellschaft bei. „Wir müssen ein attraktiveres Angebot machen als die Islamisten“, betont Behr.

Ob das neue Studienangebot auch junge Leute mit extremen Positionen anzieht, darüber kann nur spekuliert werden. Aber auch in diesen Fällen ist das Angebot eine Chance, ins Gespräch zu kommen. „Theologie ist Selbstaufklärung“, sagt der katholische Religionspädagoge Prof. Dr. Bernd Trocholepczy. Auch in den christlichen Theologien gibt es immer wieder fundamentalistisch geprägte Studierende. Manche könne man umstimmen, manche gäben ihr Studium wieder auf. Denn, so Trocholepczy, theologische Rationalität und Fundamentalismus seien nicht miteinander vereinbar.

Sonstige

Jul 14 2016
12:27

Gefährdet die Digitalisierung nicht nur die Privatsphäre, sondern auch die politische Teilhabe und Kritik? Die aktuelle Ausgabe des UniReport stellt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema vor

Wie viel Freiheit steckt noch im Privaten?

FRANKFURT.Verschwindet durch die Allgegenwart digitaler Medien die Privatsphäre, ist der Nutzer von Smartphones und Tablet Computer eine gefährdete Spezies? Prof. Sandra Seubert, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität, forscht gemeinsam mit Medien- und Rechtswissenschaftlern sowie Informatikern im Rahmen einer interdisziplinären Forschungsgruppe zum „Strukturwandel des Privaten“. Sie hinterfragt dabei den in der öffentlichen Debatte nur selten problematisierten Begriff des Privaten: „Man beklagt, dass mit dem Privaten gegenwärtig ein Wert gefährdet oder gar im Verschwinden begriffen ist: Aber was ist es eigentlich, was wir hier normativ wertschätzen?“Die von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungsgruppe legt deshalb einen besonderen Fokus auf den politischen Werts des Privaten: seine Bedeutung für die Demokratie, für Partizipation, Widerspruch und Kritik.

Die weiteren Themen in der Juli-Ausgabe des UniReport:

  • Verantwortungsvoller Umgang mit Versuchstieren: Der Neurophysiologe Jochen Roeper erforscht Morbus Parkinson und Schizophrenie.
  • Essay: Köln – Junge Männer und sexuelle Übergriffe: Was hat das mit dem Islam zu tun? Die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş kommentiert zum Abschluss der Debatte im UniReport die Vorfälle der Silvesternacht.
  • Rechtsberatung für Migranten: Im Projekt „Law Clinic Migration und Teilhabe“ engagieren sich Studierende der Rechtswissenschaften.
  • Speisekammer, Apotheke und Kulturlandschaft: Eine Ausstellung im Palmengarten stellt die unbekannten Seiten der Savanne vor.
  • Wie Wissenschaft und Politik voneinander lernen können: Ein Nachbericht zum Hochschulforum Third Mission an der Goethe-Uni.
  • Gute Erzählungen ähneln Brühwürfeln: Katja-Lange-Müller über ihre Vorgänger der Frankfurter Poetikdozentur und ihre Zeit in Bergen-Enkheim.
  • Wo kluge Köpfe am liebsten schreiben: Die Gewinner des Foto-Wettbewerbs „Schreiborte“.

Der UniReport 4/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/62394146. Im neuen Online-Magazin „Goethe-Uni online“ werden darüber hinaus Beiträge des UniReport mit weiteren Texten, Fotos und Videos ergänzt: http://tinygu.de/UniReport

Sonstige

Jul 13 2016
14:55

Santander Universitäten fördert auch künftig Internationalität der Goethe-Universität

„Einzigartige Gastfreundschaft“ kann weitergehen

FRANKFURT.„Diesmal habe ich bei der Ausländerbehörde so positive Erfahrungen gemacht, und ich kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen.“ „Ich freue mich schon wiederzukommen und Goethes einzigartige Gastfreundschaft noch einmal zu erleben.“ „Ihnen allen vielen Dank für Ihre Unterstützung. Ihre Hilfe sowohl bei bürokratischen Dingen als auch in Hinblick auf die Unterkunft hat wirklich einen großen Unterschied ausgemacht.“ Diese Stimmen (in Übersetzung) stammen allesamt von Gastwissenschaftlern, die beim Aufenthalt in Frankfurt vom Goethe Welcome Center (GWC) beraten und unterstützt worden sind. Dessen Existenz ist auch künftig gesichert, die weitere Förderung durch Santander Universitäten wurde heute vertraglich festgehalten.

Das Welcome Center soll optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler schaffen, indem es ihnen vor, während und nach ihrem Aufenthalt zur Seite steht. Die Hilfe reicht vom Behördengang über die Wohnungssuche bis hin zur Bewerbung um einen Kita-Platz für den Nachwuchs. Auch in Versicherungsfragen berät das GWC, zudem bietet es Sprachkurse und Exkursionen an. Die Einrichtung des GWC und einiger weiterer Angebote, die die Goethe-Uni internationaler machen sollen, wurde erst möglich durch Spenden von Santander Universitäten. Die erste Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2012 ist am heutigen Mittwoch erneuert worden. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Präsidentin der Universität, Prof. Birgitta Wolff, und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, in Frankfurt am Main unterzeichnet.

„Wir sind sehr froh, auch in Zukunft einen solch renommierten und verlässlichen Partner wie die Goethe-Universität Frankfurt an unserer Seite zu haben“, erklärte Fernando Silva anlässlich der Vertragsunterzeichnung. „Universitäten leisten einen enormen Beitrag für die Gesellschaft“, so der Generalbevollmächtigte weiter. Daher werde Santander in den nächsten vier Jahren wieder mehrere 100 Millionen Euro in die Finanzierung von Universitätsprojekten weltweit investieren.

Ein Santander-Förderschwerpunkt bleibt in den nächsten Jahren das Welcome Center der Goethe-Universität. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden, insgesamt wurden bis April 2016 709 Wissenschaftler aus dem Ausland betreut. Schon vor ihrer Ankunft werden die Gäste mit umfangreichen Informationen versorgt. Universitätspräsidentin Birgitta Wolff: „Das Welcome Center hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland, sich schneller an der Uni und in Frankfurt zurechtzufinden. Ein echter Standortvorteil. Insofern ist es von unschätzbarem Wert, dass die Goethe-Universität auch weiterhin auf Santander als Partner zählen kann.“

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Die Stelle wurde im Oktober 2012 erstmals besetzt und beinhaltet ein Lehrdeputat von neun Semesterwochenstunden. Der Stelleninhaber führt neben den Kursen veranstaltungsbegleitend auch Prüfungen durch.

Darüber hinaus wird die Bank 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen. Weltweit werden derzeit 36.000 Stipendiaten von Santander gefördert. Laut einem aktuellen Bericht der UNESCO ist Santander heute der größte private Förderer von Höherer Bildung.

Bilder zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/62388193

Bildunterschrift: Unipräsidentin Prof. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, bei der Vertragsunterzeichnung.

Forschung

Jul 12 2016
12:44

Neue Forschergruppe erforscht Mikromilieu auf der Suche nach gezielteren Therapien

Darmkrebs: Zellen in Tumor-Umgebung sind wichtig

FRANKFURT.Grundlegende Mechanismen bei der Entstehung des Darmkrebses zu untersuchen, ist das Ziel einer neuen Forschergruppe unter Federführung von Prof. Florian R. Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie sowie Professor an der Goethe Universität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Vorhaben mit 3,5 Millionen Euro für zunächst drei Jahre.

Darmkrebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Tumoren im Erwachsenenalter. Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Therapie lässt sich Dickdarmkrebs bis heute nur unzureichend gezielt bekämpfen. Mittlerweile ist auch bekannt, warum: nicht nur die eigentlichen Tumorzellen, sondern auch Immunzellen und Bindegewebszellen in direkter Umgebung der Tumorzellen, das sogenannte Tumormikromilieu, haben einen entscheidenden Einfluss auf das Tumorwachstum.

Die zelluläre Zusammensetzung dieses Mikromilieus und die Beschaffenheit der beteiligten Zellen sind sehr variabel und beeinflussen sich gegenseitig: bestimmte Mutationen in Tumorzellen können die Zusammensetzung des Tumorstromas, des bindegewebigen Stützgerüstes, verändern. Auf der anderen Seite haben Zellen aus dem Tumorstroma einen großen Einfluss auf das Wachstum der eigentlichen Tumorzellen und damit auf den Erfolg von Therapien. Derzeitige Standardtherapien richten sich in der Regel nur gegen die Tumorzellen und berücksichtigen mögliche Veränderungen im Tumormikromilieu nicht.

Die Forschergruppe „Cell Plasticity in Colorectal Carcinogenesis“, an der die Goethe-Universität sowie der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Regensburg beteiligt sind, beabsichtigt nun, die komplexen molekularen und zellulären Zusammenhänge im Mikromilieu des Darmkrebses zu entschlüsseln und neue Therapiekonzepte zu testen. „Wir hoffen, Wege zu finden, das Tumormikromilieu zu verändern, um ein besseres Ansprechen von Standardtherapien zu erreichen oder idealerweise sogar völlig neue Therapiekonzepte für die Behandlung des Dickdarmkrebses zu definieren“, erklärt Prof. Greten. Der stellvertretende Sprecher der Forschergruppe, Prof. Markus Neurath vom Universitätsklinikum Erlangen, betont: „Mittelfristiges Ziel wird es sein, solche Konzepte in die Klinik zu überführen, um sie den Patienten zugutekommen zu lassen“.

Informationen: Prof. Dr. Florian R. Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Tel.: (069)-63395-232, greten@gsh.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 11 2016
14:21

Vertragsunterzeichnung mit Unipräsidentin Wolff am Mittwoch, 13. Juli

Santander sagt weitere Unterstützung für Goethe-Uni zu

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Goethe-Universität Frankfurt und die Santander Consumer Bank AG werden ihre 2012 vereinbarte und anfänglich auf vier Jahre befristete Kooperation fortsetzen. Die Vertragsunterzeichnung mit Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter von Santander, findet am Mittwoch, 13. Juli, um 9.30 Uhr im IKB-Gebäude statt. Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen.

Förderschwerpunkt bleibt das Welcome Center der Goethe-Universität (GWC), das Wissenschaftlern aus dem Ausland Unterstützung und Beratung bietet. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden. Aufgabe des GWC als zentrale nichtakademische Beratungsstelle und Serviceeinrichtung ist es, optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu schaffen und ihnen vor, während und nach dem Aufenthalt hilfreich zur Seite zu stehen.

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Und die Bank wird 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen.

Wir laden Sie herzlich zur Vertragsunterzeichnung ein. Um 9.45 Uhr werden die einzelnen Förderprojekte vorgestellt, um 11 Uhr findet die eigentliche Unterzeichnung des Vertrages statt. Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff, Santander-Generalbevollmächtigter Fernando Silva und Alberto Dörr, Leiter Santander Universitäten, stehen im Anschluss für ein Gespräch zur Verfügung.

Termin:
Mittwoch, 13. Juli, um 9.45 bzw. 11 Uhr
IKB-Gebäude, Eschersheimer Landstraße 121 (U-Bahn-Station Holzhausenstraße), 6. Stock, Konferenzraum

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin

Forschung

Jul 11 2016
11:30

Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main will Studierenden internationale Gegenwartskunst vermitteln

Gaensheimer ist Honorarprofessorin der Goethe-Universität

FRANKFURT.Die Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Dr. Susanne Gaensheimer, ist neue Honorarprofessorin der Goethe-Universität. Die renommierte Kunsthistorikerin und Kuratorin ist der Goethe-Universität bereits seit 2013 mit einem Lehrauftrag in Kunstgeschichte verbunden. Ihre Professur möchte sie nutzen, um ausgehend von der Sammlung des MMK die Geschichte der Gegenwartskunst mit den Schwerpunkten Pop Art, Minimalismus, Konzeptkunst und neue Medien in den Fokus zu rücken. Dabei bietet sie den Studierenden die Möglichkeit, in den Museumsräumen und anhand der originalen Werke ein tiefes Verständnis für die Gegenwartskunst und ihre Kontexte zu entwickeln. Studierende können im Rahmen einer intensiven Kooperation mit dem Masterstudiengang „Curatorial Studies“ kuratorische Praxiserfahrungen im MMK sammeln und damit eine konkrete Vorstellung für künftige Berufsfelder entwickeln.

„Susanne Gaensheimer lehrt unsere Studierenden über das zu sprechen, was wir sehen, nicht nur über das, was wir lesen“, sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Ihr Engagement bietet wichtige Ergänzungen unserer Arbeit in Lehre und Forschung und ist gelebte Bürger-Uni im besten Sinne. Toll, dass sie nun Professorin bei uns ist.“

Susanne Gaensheimer betonte: „Ich freue mich sehr über die enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Universität und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und die ehrenvolle Aufgabe, die internationale Gegenwartskunst den Studierenden näherzubringen.“

Gaensheimer studierte Kunstgeschichte in München und Hamburg. Von 1995 bis 1996 absolvierte sie das Independent Study Programme des Whitney Museum of American Art in New York. 1998 wurde sie mit einer Dissertation über Bruce Naumann promoviert. 1998 bis 1999 absolvierte sie ein wissenschaftliches Volontariat an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. 1999 bis 2001 war sie Direktorin des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Von 2001 bis 2008 leitete sie die Sammlung für Gegenwartskunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Seit Januar 2009 ist sie Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Susanne Gaensheimer kuratierte den deutschen Pavillon der Biennale di Venezia 2011, der ursprünglich von Christoph Schlingensief gestaltet werden sollte. Der von Gaensheimer postum eingerichtete Pavillon erhielt den „Goldenen Löwen“, die höchste Auszeichnung der Biennale. Auch 2013 kuratierte sie den deutschen Beitrag zur 55. Biennale. Anfang 2012 wurde sie u.a. in die Ankaufskommission der Bundesrepublik Deutschland, in den Sparkassen-Kulturfonds, in die Turner Prize-Jury 2013 und in die Findungskommissionen für den Kurator der 7. und 8. Berlin Biennale 2014 sowie der 14. documenta in Kassel 2017 berufen. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag am Kunstgeschichtlichen Institut an der Goethe-Universität. Im Dezember 2014 wurde ihr der Hessische Verdienstorden verliehen.