Pressemitteilungen 

 

Jan 12 2018
13:14

Abendveranstaltung zur Eröffnung des Studiengangs mit Vortrag des britischen Humangeographen Andrew Barry.

Neuer Masterstudiengang: Science and Technology Studies

FRANKFURT. Das Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Goethe-Universität Frankfurt feiert am 18. Januar 2018 mit einer Abendveranstaltung die Eröffnung des neuen Masterstudiengangs “Science and Technology Studies: Economies, Governance, Life”. Der Studiengang hat zum Wintersemester 2017/18 erstmals Studierende aufgenommen und wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangeographie und dem Institut für Soziologie der Goethe-Universität angeboten.

Den Abendvortrag hält der britische Humangeograph Andrew Barry (UCL London), dessen Forschungen zu “technological zones”, “political machines” sowie über die “temporality of infrastructure” im Schnittfeld von Science and Technology Studies, Humangeographie, politischer Anthropologie, Area Studies, Materialwissenschaften, Wissenssoziologie und Wissenschaftsgeschichte angesiedelt sind. Bekannt geworden ist er durch seine Studie zum Bau der Transkaukasischen Erdölpipeline („Material Politics. Disputes along the Pipeline” 2013). In seinem Abendvortrag wird er mit den “Knowledge Controversies” ein Konzept der frühen Science and Technology Studies aufnehmen, es aber neu wenden, um Fragen von Transnationalisierung, Expertenwissen, Demokratie und Legalität zu behandeln.

Im Anschluss wird eine Podiumsdiskussion den aktuellen Status der Science and Technology Studies beleuchten: Ist STS ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, das durch Kollaborationen zwischen und innerhalb von Sozial- und Geisteswissenschaften bzw. Natur- und Lebenswissenschaften getragen wird? Oder ist STS eine epistemische Haltung, die Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aufnehmen und produktiv machen können? Vielleicht aber hat STS  mittlerweile selbst einen hohen Grad an Disziplinarität gewonnen. Und wenn ja, was folgt daraus? Jörg Niewöhner (Europäische Ethnologie und IRI THESys, Humboldt Universität Berlin) wird diese Fragen mit Andrew Barry sowie mit Susanne Bauer (Centre for Technology, Innovation and Culture, University of Oslo) und Thomas Lemke (Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt) diskutieren.

Donnerstag, 18. Januar 2018, 18.00 – 22.00 Uhr, Hörsaalzentrum HZ15, Campus Westend, Goethe Universität Frankfurt

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Interessierte sind herzlich willkommen! Aus organisatorischen Gründen wird um eine formlose Anmeldung per Email bei Kathrin Eitel, M.A., gebeten: eitel@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2018
12:00

Podiumsdiskussion: “Neue Impulse für die Eurozone? Zwischen Reformnotwendigkeit und Politischer Akzeptanz”

Europa in Frankfurt

FRANKFURT. Europa sieht sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber, etwa im Bereich der Wirtschafts- und Währungsunion. Podiumsgäste aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft diskutieren Perspektiven für die Eurozone: Welche Reformen sind notwendig, um Funktionsfähigkeit und Effektivität zu gewährleisten? Was erscheint realisierbar angesichts des politischen Klimas in den Mitgliedstaaten? Wie kann die Akzeptanz durch die Bürgerinnen und Bürger für weitere Integrationsschritte erhöht werden?

Podiumsdiskussion: „Neue Impulse für die Eurozone? Zwischen Reformnotwendigkeit und Politischer Akzeptanz”, 17. Januar 2018, 19 Uhr, Eisenhower-Saal IG Farben (Raum 1.314), Campus Westend, Goethe-Universität

Es diskutieren:

  • Prof. Dr. Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau- Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab, Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt
  • Prof. Hans-Helmut Kotz, Senior Fellow Center for Financial Studies (CFS) an der Goethe-Universität Frankfurt, Programmdirektor SAFE Policy Center, Resident Fellow am Center for European Studies der Harvard University
  • Dr. Johannes Lindner, Leiter der Abteilung EU-Institutionen und -Foren bei der Europäischen Zentralbank
  • Dr. Daniel Röder, Mitinitiator und Vorsitzender des Vorstands von PULSE OF EUROPE e.V.
  • Prof. Dr. Sandra Seubert, Professorin für Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt, Teilprojektleitung „All Rights Reserved? Barriers towards European CITIZENship“, bEUcitizen

Moderation: Prof. Dr. Sandra Eckert, Juniorprofessorin für Politik im Europäischen Mehrebenensystem an der Goethe-Universität Frankfurt

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der Lehrveranstaltungsserie „Europa in Frankfurt“ statt. „Europa in Frankfurt“ wird als innovatives Lehrkonzept mit Praxisbezug und Kontakt zur Stadtgesellschaft durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main gefördert. Zudem ist die Diskussion Teil der Reihe „EuropaDialoge/ Dialogues d’Europe“, gemeinsam veranstaltet vom Forschungskolleg Humanwissenschaften und dem Deutsch-Französischen Institut der Geschichts- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität (IFRA).

Kontakt: Prof. Dr. Sandra Eckert, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt. eckert@soz.uni-frankfurt.de

 

Jan 10 2018
16:48

Mit maschinellem Lernen komplexe Schmerzdaten strukturieren / Titelgeschichte in der Fachzeitschrift „Pain“

Den Schmerz besser verstehen

FRANKFURT. Jeder kennt Schmerzen, aber aus Sicht des Schmerzforschers ist das Phänomen wegen seiner Komplexität schwer zu erfassen. In der Titelgeschichte der weltweit führenden Fachzeitschrift „Pain“ präsentieren Forscher der Goethe-Universität, der Philips-Universität Marburg und der Fraunhofer-Projektgruppe für „Translationale Medizin und Pharmakologie“ (TMP) einen neuen methodischen Ansatz: Sie haben an gesunden Probanden eine Fülle von Schmerzdaten gesammelt und mithilfe von maschinellem Lernen erfolgreich strukturiert.

Wenn man einen Sonnenbrand hat, tut sogar die Berührung der Bettdecke weh. Und Wärmesalbe, auf einen steifen Nacken aufgetragen, fängt unter der Dusche höllisch an zu brennen. Ebenso können Menschen mit chronischen Schmerzen empfindlicher auf Druck oder Wärme reagieren als Gesunde. Aber wie kann man diese subjektiven Empfindungen objektivieren, so dass man sie besser behandeln kann?

Um das herauszufinden, haben die Forscher ein „menschliches Schmerzmodell“ entwickelt. „Indem wir gesunde Probanden verschiedenen Reizen wie Druck, Hitze oder Kälte aussetzen und anschließend die Schmerzschwelle bestimmen, können wir klinischen Schmerz unter Laborbedingungen nachbilden“, erklärt Prof. Jörn Lötsch vom Institut für Klinische Pharmakologie der Goethe-Universität und Mitglied der Fraunhofer Projektgruppe TMP. Diese Projektgruppe wird durch die hessische LOEWE-Initiative gefördert und hat das Ziel, akademische Forschung enger mit der klinischen und pharmazeutischen Forschung zu verzahnen.

Mit UV-Strahlen erzeugten Lötsch und seine Mitarbeiter bei 82 Probanden Mikrosonnenbrände auf etwa einem Quadratzentimeter der Haut und trugen an anderen Stellen Capsaicin-Salbe auf. Capsaicin kommt in Chili-Schoten vor und ist der Hauptwirkstoff vieler Wärmesalben. Beide Maßnahmen führen zu lokal begrenzten Schädigungen des Gewebes und senken damit die Schmerzschwelle. Nun probierten die Forscher systematisch aus, wie viel empfindlicher die Probanden reagierten, wenn sie an diesen Stellen zusätzlich gewärmt, gekühlt, gedrückt oder gepiekt wurden. Die Probanden sollten sagen, ab welcher Temperatur oder welchem Druck sie den allmählich gesteigerten Reiz spürten und wann er unangenehm wurde.

Die so gewonnenen 2460 Messdaten analysierten und strukturierten Prof. Lötsch und sein Kollege Prof. Alfred Ultsch von der Universität Marburg nun mithilfe des maschinellen Lernens. Das selbstorganisierende Programm fand wie erwartet, dass der Mikrosonnenbrand alle Probanden für Hitze empfindlicher machte. Ebenso reagierten sie stärker auf Kältereize. Nach der Vorbehandlung mit Capsaicin war den Probanden Hitze ebenfalls unangenehmer. Bei der computergestützten Analyse gab es jedoch eine Überraschung: Es kristallisierten sich bei der Druckempfindlichkeit nach Behandlung mit Capsaicin zwei Untergruppen heraus, die sich durch ihr Geschlecht unterschieden: Frauen reagierten auf Druck empfindlicher als Männer.

„Die Studie war ein Methoden-Test. Wir wollten wissen, ob man komplexe Informationen über den Schmerz mit maschinellem Lernen anschaulich und greifbar machen kann“, erklärt Lötsch. Das Ergebnis ist eine dreidimensionale Darstellung, die nun das Titelblatt der weltweit führenden Fachzeitschrift „Pain“ ziert – was Forscher ebenso auszeichnet, wie für Modells, die auf das Covergirl eines Modemagazins kommen.

Mithilfe des neuen Ansatzes wollen die Forscher nun auch klinische Daten chronisch kranker Menschen untersuchen. Sie hoffen insbesondere herausfinden zu können, wie man Patienten helfen kann, bei denen die Schmerztherapie nicht zufriedenstellend funktioniert. „Dieser innovative fachübergreifende Ansatz in seiner Kombination aus experimenteller biomedizinischer und informatischer Forschung wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen bei der datenbasierten Entwicklung neuer Arzneimittel zur Behandlung von Schmerzen“, erwartet Prof. Gerd Geißlinger, Direktor der Fraunhofer-Projektgruppe für „Translationale Medizin und Pharmakologie“ (TMP).

Publikation:Lötsch J, Geisslinger G, Heinemann S, Lerch F, Oertel BG, and Ultsch A. QST response patterns to capsaicin- and UV-B-induced local skin hypersensitization in healthy subjects: a machine-learned analysis. Pain 2018, http://journals.lww.com/pain/pages/currenttoc.aspx

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69883607

Bildtext: Dreidimensionale Darstellung eines selbstorganisierten neuronalen Netzes, das Gruppen von Personen mit gleicher Schmerzempfindlichkeit als Kugeln gleicher Färbung darstellt.

Information: Prof. Dr. Jörn Lötsch, Institut für Klinische Pharmakologie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, sowie Fraunhofer-Projektgruppe für Translationale Medizin und Pharmakologie (TMP), Tel.: (069) 6301-4589, j.loetsch@em.uni-frankfurt.de.

 

Jan 10 2018
11:58

Astrophysiker der Goethe-Universität finden neue Obergrenze für die Masse von Neutronensternen heraus: Sie darf nicht größer als 2,16 Sonnenmassen sein

Wie schwer sind Neutronensterne?

FRANKFURT. Seit der Entdeckung von Neutronensternen in den 1960er Jahren fragen sich Wissenschaftler, wie schwer diese massereichen Sterne werden können? Im Unterschied zu schwarzen Löchern können sie nicht beliebig viel Masse zulegen; wird eine bestimmte Massengrenze überschritten, gibt es im Universum keine physikalische Kraft mehr, die der enormen Gravitation entgegenwirken kann. Astrophysikern der Goethe-Universität Frankfurt ist es nun erstmals gelungen, eine strenge obere Grenze für diese maximale Masse von Neutronensternen zu berechnen.

Mit einem Radius von ungefähr zwölf Kilometern und einer Masse, die doppelt so groß werden kann wie die der Sonne, zählen Neutronensterne zu den dichtesten Objekten im Universum. Ihre Gravitationsfelder sind mit denen von schwarzen Löchern vergleichbar. Während die meisten Neutronensterne eine Masse von ca. 1,4 Sonnenmassen haben, sind den Wissenschaftlern auch sehr massive Exemplare bekannt wie der Pulsar PSR J0348+0432, der es auf 2,01 Sonnenmassen bringt.

Die Dichte dieser Sterne ist gigantisch: Sie entspricht der Masse des gesamten Himalaya-Gebirges, komprimiert in einem bayrischen Maßkrug. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass ein Neutronenstern, dessen Maximalmasse sich derjenigen eines schwarzen Lochs nähert, kollabieren würde, sobald man ihm auch nur ein einziges Neutron hinzufügt.

Physiker Prof. Luciano Rezzolla, Senior Fellow des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und Professor für theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität, löste nun zusammen mit seinen Studenten Elias Most und Lukas Weih dieses seit 40 Jahren erforschte Problem: Innerhalb einer Genauigkeit von wenigen Prozent kann die Maximalmasse von nicht-rotierenden Neutronensternen nicht größer als 2,16 Sonnenmassen sein.

Die Grundlage für dieses Ergebnis bildete der vor ein paar Jahren in Frankfurt erarbeitete Ansatz „universelle Beziehungen“ (https://aktuelles.uni-frankfurt.de/menschen/wann-kollabiert-ein-rotierender-neutronenstern/). Die Existenz „universellen Beziehungen“ impliziert, dass praktisch alle Neutronensterne „gleich aussehen“, so dass ihre Eigenschaften durch dimensionslose Größen ausgedrückt werden können. Diese Größen kombinierten die Wissenschaftler mit den Daten der Gravitationswellen und des darauf folgenden elektromagnetischen Signale (Kilonova), die im letzten Jahr während der Beobachtung von zwei verschmelzenden Neutronensternen durch das LIGO Experiment gewonnen wurden. Das machte die Berechnungen deutlich einfacher, da diese unabhängig von der zugrunde liegenden Zustandsgleichung sind. Die Zustandsgleichung ist ein theoretisches Modell für die Beschreibung von dichter Materie innerhalb des Sterns und enthält Informationen über die Zusammensetzung in verschiedenen Tiefen innerhalb des Sterns. Folglich war die Existenz einer solchen universellen Beziehung essentiell, um die neue maximale Masse bestimmen zu können.

Dieses Resultat ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel zwischen theoretischer und experimenteller Forschung. „Das Schöne an theoretischen Studien ist, dass sie Vorhersagen treffen können. Die Theorie ist aber zwingend auf Experimente angewiesen, um einige ihrer Unsicherheiten zu minimieren“, sagt Prof. Rezzolla. „Es ist gerade daher so erstaunlich, dass uns die Beobachtung einer einzigen Neutronensternkollision, die sich Millionen von Lichtjahren entfernt ereignet hat, in Kombination mit theoretisch gefundenen universellen Beziehungen ermöglicht hat, dieses Rätsels, über das schon so lange spekuliert worden ist, zu lösen.“

Die Ergebnisse der Studie wurden als Letter in „The Astrophysical Journal“ veröffentlicht. Einige Tage danach bestätigten auch Arbeitsgruppen aus Japan und den USA die Ergebnisse, obwohl sie bis dahin andere unabhängige Ansätze verwendeten.

Es ist wahrscheinlich, dass künftig mittels Gravitationswellenastronomie mehrere solcher Verschmelzungsereignisse beobachtet werden, sowohl in Form von Gravitationswellen als auch in traditionelleren elektromagnetischen Frequenzspektren. Dadurch lassen sich womöglich die Unsicherheiten in der maximalen Masse weiter reduzieren und somit auch das Verständnis von Materie unter extremen Bedingungen verbessern. Diese wird in modernen Teilchenbeschleunigern wie am CERN in der Schweiz oder bei FAIR in Deutschland simuliert.

Publikation: Luciano Rezzolla, Elias R. Most, Lukas R. Weih: Using Gravitational-wave Observations and Quasi-universal Relations to Constrain the Maximum Mass of Neutron Stars, The Astrophysical Journal Letters, Volume 852, Number 2, http://iopscience.iop.org/article/10.3847/2041-8213/aaa401, DOI: 10.3847/2041-8213/aaa401

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69863080

Bildtext: Gravitationswellenemission während einer Neutronensternkollision

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798 47871, rezzolla(at)th.physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 10 2018
11:10

DFG fördert neues Koselleck-Projekt an der Goethe-Uni: Prof. Thomas Ede Zimmermann sucht neue Methoden der Analyse von Sätzen

Linguist mit Mut zum Risiko

FRANKFURT. Mit Beginn des Jahres 2018 geht an der Goethe-Universität ein weiteres DFG-gefördertes Koselleck-Projekt an den Start. Das Vorhaben unter der Leitung des Linguisten Prof. Thomas Ede Zimmermann befasst sich mit dem „Propositionalismus in der linguistischen Semantik“. Mit dieser Förderlinie unterstützt die DFG Wissenschaftler mit kühnen Ideen und Mut zum Risiko.

Wie versteht der Mensch sprachliche Inhalte? Dass sich der Sinn nicht allein aus einzelnen Wörtern ergibt, dürfte allgemein bewusst sein. Die formale Semantik befasst sich mit der Frage, welche Rolle die Grammatik bei der Vermittlung von Bedeutung spielt. Prof. Thomas Ede Zimmermann und sein Team haben sich zum Ziel gesetzt, die theoretischen Grundlagen hierfür zu klären, indem sie sich kritisch mit der so genannten propositionalistischen Hypothese befassen. Diese geht davon aus, dass jede Bezugnahme auf sprachliche Inhalte letztendlich auf der grammatischen Einbettung von Sätzen basiert. Liberalere intensionalistische Ansätze jedoch bauen darauf auf, dass Informationsinhalte prinzipiell beliebigen Arten von Ausdrücken zukommen. „Wir erwarten, dass sich die propositionalistische Hypothese – je nach Präzisierung – entweder als aus formalen Gründen trivial oder als empirisch inadäquat erweisen wird“, so Zimmermann. Letztlich wolle man auch Alternativen zum Propositionalismus finden. Ob dies gelingen wird, sei offen. Für das Projekt stehen bis Ende 2022 insgesamt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung.

Eine wichtige Rolle spielt bei dem Projekt der Unterschied zwischen extensionalen und intensionalen grammatischen Konstruktionen. Extensionale Konstruktionen zeichnen sich dadurch aus, dass man in ihnen bezugsgleiche Namen und Beschreibungen füreinander ersetzen kann, ohne dass sich am Wahrheitsgehalt der Gesamtaussage etwas ändert. Relativsätze, die eine ebenfalls von Zimmermann geleiteten Forschergruppe seit Jahren eingehend untersucht, sind ein Beispiel für solche extensionale Konstruktionen. So kann der Satz ‚Der Betrüger, der aus Wiesbaden stammt, ist flüchtig’ nicht falsch werden, wenn man den Ortsnamen durch die Beschreibung ‚[aus] der Hauptstadt Hessens’ ersetzt. Bindet man Objektsätze an sogenannte Einstellungsverben wie ‚wissen’ und ‚meinen’ an, ist dies eine intensionale Konstruktion: Im Satz ‚Fritz weiß, dass der Betrüger aus Wiesbaden stammt’ ist die Ersetzung des Ortsnamens nicht unbedingt legitim; denn Fritz könnte ja falsche Vorstellungen von der Hauptstadt Hessens haben (oder gar keine). Diese Unterscheidung zwischen extensionalen und intensionalen Konstruktionen ist Zimmermann zufolge zentral: Während sich erstere mit einfachen mengentheoretischen Mitteln erfassen lassen, erfordern letztere die Einbeziehung ungleich komplexerer Operationen der Informationsverarbeitung.

Typischerweise sind an intensionalen Konstruktionen (ganze oder auch unvollständige) Sätze beteiligt – wie im Fall der oben erwähnten Objektsatz-Anbindung. Einer einflussreichen Tradition zufolge ist dies kein Zufall: Nach propositionalistischen Analysen ist Intensionalität stets eine Folge von Satzeinbettung, auf die sich scheinbare Gegenbeispiele durch geeignete Paraphrasen zurückführen lassen. In der formalen Semantik werden solche Konstruktionen oft als eine verdeckte Satzeinbettung behandelt. Das Frankfurter Propositionalismus-Projekt ist nun der allgemeinen Frage gewidmet, inwieweit sich die propositionalistische Strategie auf beliebige intensionale Konstruktionen beliebiger Sprachen anwenden lässt.

Dabei geht es nicht nur um die Auffindung und Analyse potenzieller Gegenbeispiele. Das für Koselleck-Projekte charakteristische Risiko lauere vor allem in der Theoriebildung, so Zimmermann. Denn bisherige Versuche in dieser Richtung haben gezeigt, dass sich durch den Einsatz algebraischer Kodierungstechniken scheinbare Gegenbeispiele in aller Regel so umformulieren lassen, dass dem Propositionalismus zumindest dem Buchstaben nach Genüge getan wäre. Um dem auf den Grund zu gehen, bedarf es interdisziplinärer Expertise aus Linguistik, Logik und Sprachphilosophie, die der Projektleiter und seine (zunächst) vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und einer Reihe von internationalen Kooperationspartnern einbringen werden.

Das Projekt ist bereits das fünfte Koselleck-Projekt an der Goethe-Universität. Das Förderprogramm, das 2008 ins Leben gerufen wurde, steht laut DFG „für mehr Freiraum für besonders innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung. Durch besondere wissenschaftliche Leistung ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll die Möglichkeit eröffnet werden, in hohem Maße innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Projekte durchzuführen.“ Namensgeber des Programms ist der im Jahr 2006 verstorbene Reinhart Koselleck, einer der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts, der in Deutschland zu den Begründern der modernen Sozialgeschichte gehörte.

Informationen: Prof. Dr. Thomas Ede Zimmermann, Institut für Linguistik, Fachbereich 10, Norbert-Wollheim-Platz 1 (Campus Westend), Telefon +49 (0)69 798-32394, E-Mail T.E.Zimmermann@lingua.uni-frankfurt.de; URL: https://www.propositionalismus.de

 

Jan 9 2018
17:11

Am 15. Januar diskutiert die Bürger-Uni die Technologien und Geschäftsfelder der Manipulation

Soziale oder asoziale Medien

FRANKFURT. Fake-News, Hetze, Hasskommentare – wie ‚sozial‘ sind Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. wirklich? Ende Juni 2017 verabschiedete der Bundestag das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ein Erlass, der Betreiber von sozialen Plattformen nach einer Übergangsfrist seit Anfang des Jahres verpflichtet, strafbare Inhalte nach Nutzermeldung zu löschen. Hierfür werden Computerprogramme entwickelt, die die digitale Menschenfeindlichkeit leichter aufdecken sollen. Aber nicht nur in der Bekämpfung, sondern auch in der Verbreitung von gefälschten Inhalten werden Softwareprogramme eingesetzt: Social Bots. Inwiefern wird hier die digitale Öffentlichkeit manipuliert? Welche Technologien und Geschäftsfelder der Manipulation gibt es? Welche Chancen und Risiken bestehen in der Regulierung?

Diese und weitere Fragen stehen am 15. Januar 2018 um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt,

im Mittelpunkt der letzten Veranstaltung in der Reihe „Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel“ der Frankfurter Bürger-Universität. Folgende Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren auf dem Podium: Dr. Thorsten Thiel, Politologe der Goethe-Uni, Julia Krüger, Autorin bei netzpolitik.org und Karolin Schwarz, Autorin und Gründerin von hoaxmap.org. Die Moderation übernimmt Hanning Voigts von der Frankfurter Rundschau, die Medienpartner dieser Bürger-Uni-Reihe ist. Eröffnet wird der Abend durch ein Grußwort von Oberbürgermeister Peter Feldmann. An insgesamt drei Terminen ist die Reihe der Bedeutung des Journalismus in Zeiten von Falschmeldungen, ihrer Entstehung und deren Folgen für gesellschaftliche und politische Diskurse sowie gängigen Techniken und Praktiken der Manipulation auf den Grund gegangen.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Das Programmheft mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Besuchen Sie auch unseren Online-Veranstaltungskalender unter: www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Jan 8 2018
15:06

Forscher von Goethe-Universität und Max-Planck-Institut entdecken, wie Bakterien DNA aufnehmen und zu Überlebenskünstlern werden / Langfristig hilfreich bei Bewältigung von Antibiotika-Resistenzen

Gekrönte Häupter für die DNA-Aufnahme

FRANKFURT. Bakterien sind Überlebenskünstler. Dabei hilft ihnen die Fähigkeit, DNA aus dem Ökosystem aufzunehmen und sich so immer wieder zu verwandeln. Forscher von Goethe-Universität und Max-Planck-Institut für Biophysik haben neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie sie das machen.

Viele Bakterien können nackte DNA aus dem Ökosystem aufnehmen und damit neue Eigenschaften erwerben, die Ihnen ein Überleben ermöglichen. Allseits bekanntes und beklagtes Beispiel ist die Erwerbung von Antibiotika-Resistenzen, denn sie erschweren oder verhindern es, krankmachende Bakterien auszuschalten.  Wie das hochkomplexe Molekül DNA in die Bakterienzelle aufgenommen wird, war jedoch lange Zeit ein Rätsel. Forschern der Goethe-Universität ist zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biophysik auf dem Campus Riedberg nun ein Durchbruch gelungen.

„Wir haben erste Einblicke in einen Teil einer riesigen makromolekularen Maschine erhalten, die DNA bindet, durch die äußeren Zellschichten zieht, dabei die DNA in die beiden Einzelstränge zerlegt und dann einen Strang aufnimmt“, erklärt Professorin Beate Averhoff aus der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik des Instituts für Molekulare Biowissenschaften. Die Mikrobiologin hat diesen Erfolg gemeinsam mit den Arbeitsgruppen Kühlbrandt und Hummer (Max-Planck-Institut für Biophysik) erzielt. Teil dieser „Maschine“, die die DNA bindet und zieht, ist der sogenannte Sekretin-Komplex, dessen Struktur mit dem Kryo-Elektronenmikroskop und einer Auflösung von 7 Ångström aufgeklärt wurde (Ångström ist eine Längeneinheit, 1 A entspricht 0,1 Nanometer nm). Dieser Komplex ragt wie eine Pistole aus der Zellwand und trägt eine erst jetzt erkannte „Krone“. Genetische Studien zeigen, dass diese Krone nicht aus dem Sekretin-Protein geformt wird. Allerdings führen Mutationen in der „Pistole“ dazu, dass die Krone auseinanderfällt und die Zellen dann auch keine DNA mehr aufnehmen können – was auf eine ausschlaggebende Rolle dieses Zellteils bei diesem Vorgang hinweist.

„Mit der Krone haben wir vielleicht einen entscheidenden Schalter für die Erkennung und Bindung der DNA entdeckt“, meint Averhoff. Deshalb hat die Suche nach dem Kronenprotein in der Arbeitsgruppe von Beate Averhoff bereits begonnen. „Unsere Arbeiten tragen zum grundsätzlichen Verständnis der Übertragung von DNA bei. Aber natürlich wollen wir auch Zielstrukturen identifizieren, die man ausschalten kann, um DNA-Transfer zu unterbinden und damit z. B. die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Die ‚Krone‘ könnte eine solche vielversprechende Zielstruktur sein“, sagt Beate Averhoff. 

Publikation: https://elifesciences.org/articles/30483; doi.org/10.7554/eLife.30483.001

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69823794

Informationen: Prof. Dr. Beate Averhoff, Professur für Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon 069 798-29306, E-Mail averhoff@bio.uni-frankfurt.de

 

Dez 22 2017
15:53

Zwei Stiftungen trugen zu erfolgreichen Bleibeverhandlungen bei

Krebsforscher Ivan Dikic bleibt in Frankfurt

FRANKFURT. Der vielfach ausgezeichnete Krebsforscher und Leibniz-Preisträger Prof. Ivan Dikic bleibt der Goethe-Universität erhalten. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt in Silicon Valley hatte der international renommierte Forscher gleich zwei attraktive Angebote aus dem Ausland. Mit Hilfe der Else-Kröner-Fresenius- und der Schwiete-Stiftung kann die Goethe-Universität jedoch Bedingungen schaffen, die den Standort Frankfurt für Dikic auch in Zukunft zur ersten Wahl machen.

„Ich habe an der Goethe-Universität viel Freiheit und Kreativität für meine Forschung. Und in den vergangenen Jahren konnte ich hier eine fantastische, international anerkannte Forschergruppe aufbauen“, sagt Dikic. Zudem unterstütze Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff mit großem Engagement Investitionen in die Frankfurter Krebsforschung.

„Die Bleibeverhandlungen mit Ivan Dikic sind Teil unseres Plans, Frankfurt weiter zu einem international sichtbaren Standort für die Krebsforschung auszubauen“, erklärt Birgitta Wolff. „Dank der Förderung durch die Else-Kröner-Fresenius- und die Schwiete-Stiftung können wir weiter in modernste Technologie investieren.“ Diese Investitionen dienen dem Auf- und Ausbau von Screening-Verfahren für chemische und biologische Strukturen, des Maschinenparks zur Proteomanalyse sowie der CRISPR/Cas-Methode zur Gen-Editierung. Schon jetzt hat Dikic angekündigt, dass diese experimentellen Möglichkeiten nach ihrer Anschaffung auch für größere Forschernetzwerke zur Verfügung stehen sollen. Der Ausbau der Screening-Technologien wird auch den von Prof. Stefan Knapp geleiteten Standort Frankfurt im „Structural Genomics Consortium (SGC)“ verstärken.

Auch die Pläne zur Gründung eines interdisziplinären Krebsforschungsinstitutes, des „Frankfurt Cancer Institutes“, haben dazu beigetragen, Prof. Dikic in Frankfurt zu halten. Begleitet werden diese Pläne durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Gemeinsam mit zwei weiteren hochrangigen Frankfurter Krebsforschern wird Dikic die Gründung weiter vorantreiben: Prof. Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik 2 am Universitätsklinikum und Prof. Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie. Geplant ist eine noch engere Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung.

Information: Prof. Dr. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5964, ivan.dikic@biochem2.de.

 

Dez 22 2017
15:51

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Frankfurter Langfrist-Vorhaben mit weiteren 1,5 Millionen Euro

Projekt zur Nok-Kultur geht in die Endrunde

FRANKFURT. Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universität kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetzt den Förderantrag des Afrika-Archäologen Prof. Peter Breunig und der Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann angenommen. Nun stehen nochmal rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um das Projekt, das die 2500 Jahre alte Kultur im westafrikanischen Nigeria untersucht, bis 2020 abzuschließen.

Seit 2009 erforscht das auf insgesamt zwölf Jahre konzipierte Langfrist-Vorhaben die nigerianische Nok-Kultur in ihren wesentlichen Aspekten. Vor Ort arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler mit nigerianischen Kollegen zusammen – und haben auch zahlreiche einheimische Helfer beschäftigt. Zwischenzeitlich war das DFG-Projekt der größte Arbeitgeber in der Umgebung. Prospektionen, Ausgrabungen und umfangreiche Datenanalysen liefern bedeutende Beiträge zu Chronologie, Siedlungswesen, Wirtschaftsweise und Umwelt, Eisenmetallurgie, materieller Kultur und Verbreitungsgebiet.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man als Archäologe mit einer so breiten Förderung über Jahre hinweg mit einem großen Team so umfangreiche Forschungen betreiben kann“, freut sich Peter Breunig über die vorweihnachtliche frohe Botschaft, dass das Projekt bis zum Abschluss finanziert wird. Und auch inhaltlich ist das Nok-Projekt herausragend: Es dürfte weltweit kaum ein anderes Vorhaben geben, das angetreten ist, um eine komplette archäologische Kultur zu erforschen.

Die etwa 1500 Jahre umfassende Nok-Kultur, die nach dem kleinen Dorf Nok nordöstlich der Hauptstadt Abuja benannt ist, beginnt um 1500 vor Christus – auch das eine Erkenntnis aus dem Projekt. Damals lebten die Menschen in einfachen bäuerlichen Gemeinschaften, deren wichtigste Kulturpflanze die Perlhirse war. Die kunstvollen Terrakottafiguren, für die die Nok-Kultur auch außerhalb der archäologischen Fachwelt bekannt ist, treten 600 Jahre später, nämlich um 900 vor Christus, auf. Viele von ihnen waren schon vor Beginn der Frankfurter Arbeiten durch Raubgrabungen ans Licht gekommen, begehrte Objekte auf dem internationalen Kunstmarkt. „Die aus gebranntem Ton hergestellten Plastiken verkörpern die älteste großformatige Figuralkunst im subsaharischen Afrika“, erklärt der Forscher.

Wozu dienten diese Terrakotten, die teils Menschen, teils Tiere darstellen? Zu welchem Zweck wurden sie vor 2500 Jahren hergestellt? Das war eine der zentralen Fragen in den vergangenen neun Jahren. Die Forscher vermuteten, dass die Figuren eine Rolle im Bestattungsritus spielten. Und tatsächlich ließen sich im Umkreis der Terrakotten an einigen Fundstellen auch Gräber nachweisen, in Ifana rund 20 Stück. „Heute noch gibt es in Westafrika den Brauch, von verstorbenen Würdenträgern ein Abbild in Ton zu fertigen und es auf das Grab zu stellen. Wenn die Figuren verwittern, werden sie gesammelt beigesetzt“, sagt Prof. Breunig. Möglicherweise war es damals schon genauso.

Darüber hinaus konnten die Frankfurter Forscher viele andere wichtige Erkenntnisse gewinnen: „Wir wissen, wie die Menschen gesiedelt haben, wie ihre Keramik aussah, dass es Wanderhandwerker waren, die die Terrakotten gefertigt haben“, so Breunig. Und aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann weiß man zudem, was die Menschen gegessen haben und wie sich die Landschaft um sie herum im Lauf der Zeit verändert hat. Um 400 v. Chr. beginnt der Niedergang der Nok-Kultur, bis spätestens zur Zeitenwende verschwinden Terrakotten und Nok-Keramik.

Seit Breunig und sein Mitarbeiter im Februar 2017 entführt worden waren, war das Team nur einmal in Afrika, hielt sich allerdings nur in der Hauptstadt auf. „Die Feldforschung ist aber ohnehin abgeschlossen. Wir haben die nächsten drei Jahre genug zu tun“, erklärt Breunig. Der Fokus liege jetzt auf den abschließenden Untersuchungen und Publikationen zum Siedlungswesen, der Struktur und Chronologie der Fundstellen und der materiellen Kultur, sowie der Auswertung, Ordnung, langfristigen Sicherung und Zurverfügungstellung der Daten. Angesichts der umfangreichen Ausgrabungen, der Menge an gewonnenen Daten, der angewandten modernen Methoden, der zahlreichen C14-Datierungen und der Breite an behandelten Themen zählt die Nok-Kultur dank des Projekts zu den am besten untersuchten archäologischen Komplexen in Westafrika.

Die Archäobotanik unter Leitung von Prof. Neumann spielt dabei eine herausragende Rolle, ihr Ziel ist es, ein Modell für die Vegetationsentwicklung in der Nok-Region vom Beginn der Nok- Kultur um 1500 v. Chr. bis zu den ersten Jahrhunderten n. Chr. in Zusammenhang mit Ressourcen- und Landnutzung zu erarbeiten. Mit Hilfe pflanzlicher Makroreste und mit Analysen chemischer Rückstände in Keramik wird untersucht, wie sich die frühe Nok-Bevölkerung an einen neuen Lebensraum angepasst hat, wie Übernutzung in der Middle Nok-Zeit (900 bis 400 vor Christus) zu einer Verschlechterung des Bodens geführt hat und welche Rolle dies beim Ende der Nok-Kultur nach 400 vor Christus gespielt haben könnte.

Erste Untersuchungen zu dem Projekt hatten seit 2005 bereits im Rahmen der DFG-Forschergruppe „Ökologischer Wandel und kulturelle Umbrüche in West- und Zentralafrika“ stattgefunden. Kurz nach der Weltkonferenz der Afrika-Archäologie an der Goethe-Universität, die von Namadi Sambo, dem späteren Vizepräsidenten Nigerias, eröffnet wurde, ging das Langfrist-Projekt dann in die erste Runde. Einer der Höhepunkte war sicherlich die vielbeachtete Skulpturenausstellung „Nok – ein Ursprung afrikanischer Skulptur“ 2013/14 im Frankfurter Liebieghaus, die ebenfalls von der DFG finanziert wurde. Die Exponate werden seit diesem Jahr unter dem Titel „NOK Within the Context of Nigerian Art Traditions“ im Kaduna National Museum gezeigt. Auch alle Materialien, die zu Forschungszwecken nach Frankfurt kamen, werden an Nigeria zurückgegeben. 

Im letzten Projektabschnitt ist nun unter anderem ein Workshop geplant, der die Nok-Keramik in größerem westafrikanischen Zusammenhang stellen soll. Anhand von Vergleichen mit Keramik aus anderen Gegenden in Westafrika will man weitere Antworten finden auf die Frage, woher die Menschen gekommen sind und wie sie lebten.  

Bilder und Bildtexte zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69764206

Informationen: Prof. Dr. Peter Breunig, Institut für Archäologische Wissenschaften, Bereich Archäologie und Archäobotanik Afrikas, Campus Westend, Telefon 069 798-32094, E-Mail breunig@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 22 2017
15:50

Hydrologin Prof. Döll will globalem Süßwasser-System auf den Grund gehen / Juristen und Ökonomen untersuchen Einfluss von Rahmenbedingungen auf Finanzmarkt

DFG fördert zwei neue Forschergruppen an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Initiatoren zweier Projekte an der Goethe-Universität dürfen sich freuen: Mit neuen Forschergruppen kommen sie in den Genuss der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von insgesamt sechs Millionen Euro. Die Hydrologin Prof. Petra Döll wird sich mit ihrer Forschergruppe nun verstärkt um das globale Süßwassersystem kümmern können, Jurist Prof. Tobias Tröger und Ökonom Prof. Rainer Haselmann gehen mit anderen den Einflüssen nach, die regelnde Rahmenbedingungen auf Entscheidungen im Finanzsektor haben.

„Die beiden neuen DFG-Forschergruppen zeigen, wie die Goethe-Universität in ihrer Forschung gesellschaftlich relevante Themen von globaler Bedeutung aufgreift: Wasserressourcen der Erde sowie die Auswirkungen von Regulierungen auf das Marktgeschehen“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Glückwunsch an die verantwortlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Petra Döll, Tobias Tröger und Rainer Haselmann, denen es mit ihren Anträgen gelungen ist, die DFG von der wissenschaftlichen Qualität ihrer Projekte zu überzeugen.

Wie Wasser auf der Erde verteilt ist

Die Forschergruppe „Understanding the Global Freshwater System by Combining Geodetic and Remote Sensing Information with Modelling Using Calibration/Data Assimilation Approach“ (GlobalCDA), die von der Frankfurter Hydrologin Prof. Petra Döll und dem Bonner Geodäten Prof. Jürgen Kusche koordiniert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die Wasserflüsse und Wassermengen auf den Kontinenten der Erde besser zu quantifizieren und somit ein tieferes Verständnis der globalen Wasserkreisläufe zu gewinnen. Globale hydrologische Modelle gibt es zwar bereits, jedoch sollen nun zusätzliche Beobachtungsdaten in Form von Satellitendaten einbezogen werden. „Um besser quantifizieren zu können, wie Wasser weltweit verteilt ist, müssen wir eine neue Methode entwickeln, wie wir diese Daten assimilieren und für eine Anpassung von Modellparametern nutzen können“, sagt Prof. Döll, die sich auf mathematische Modelle spezialisiert hat, mit deren Hilfe der heutige Zustand und die zukünftige Entwicklung des globalen Süßwassersystems abgeschätzt werden können.

Seit 1996 arbeitet die Hydrologin an der globalskaligen Modelllierung von Wasserressourcen und ihrer Nutzung unter dem Einfluss des globalen Wandels. Wie viel Wasser befindet sich im Boden? Wie viel Wasser fließt in den verschiedenen Flüssen? Und wieviel Wasser ist in Schneeflächen verborgen? „Wenn wir den heutigen Zustand der Wasserressourcen verstehen und wissen, wie sich Wasser bewegt, wie es gespeichert wird und was bei wenig Niederschlag geschieht, dann sind wir einen großen Schritt weiter“, so Döll. Wasserflüsse auf den Kontinenten spielen eine wichtige Rolle für andere Komponenten des Erdsystems; beispielsweise trägt Grundwasserzehrung zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. In einer globalisierten Welt unterstützt ein verbessertes Verständnis des globalen Süßwassersystems ein nachhaltiges Wassermanagement (z.B. bei Dürreereignissen), aber ebenso die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und Energie. Am Projekt sind sieben Gruppen aus der Bundesrepublik beteiligt sowie jeweils eine Gruppe aus der Schweiz und aus Luxemburg. Die deutschen Forscher erhalten für die ersten drei Jahre insgesamt rund 2,9 Millionen Euro.

Wie Märkte auf neue Regelungen reagieren

Unter dem Titel „Foundations of Law and Finance“ wird eine Kolleg-Forschergruppe unter der Leitung des Juristen Prof. Tobias Tröger und des Ökonomen Prof. Rainer Haselmann den Einfluss institutioneller und regulatorischer Rahmenbedingungen auf Finanzmarktentscheidungen und -ergebnisse untersuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Verzahnung von Recht, Ökonomie und Politik in diesem Bereich genauer in den Blick nehmen und so die realwirtschaftliche Auswirkungen auf Gesetzesvorschläge und -änderungen messen und indirekt bewerten. „Unser Ziel ist es, dass die beiden Disziplinen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften nicht nur ein gemeinsames Thema betrachten, sondern auch gemeinsame Methoden entwickeln“, erklärt Wirtschaftsrechtler Prof. Tröger.

Das Projekt hat sich aus dem LOEWE-Zentrum SAFE „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ im House of Finance der Goethe-Universität heraus entwickelt. Schon im Vorfeld wurden gezielt Fellows aus dem In- und Ausland ausgewählt, die diese verzahnte Form der Forschung leisten können und wollen. Die für die interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendige Infrastruktur sei in SAFE und im House of Finance bereits vorhanden, die Bedingungen deshalb ideal, so Prof. Tröger. Konkret geht es zum Beispiel darum zu untersuchen, wie sich die in Reaktion auf die Finanzkrise 2007/08 verabschiedeten Rechtsvorschriften auf die Märkte ausgewirkt haben – oder aber auch, wie sich bestimmte Corporate Governance-Arrangements auf den Wert von Unternehmen auswirken. Auch die Erforschung der politökonomischen Determinanten des Zustandekommens verschiedener Regulierungsmaßnahmen steht im Fokus des Projektes. „Unsere Ergebnisse werden den kursierenden „simple Stories“ eine Absage erteilen“, meint Tröger. Über die zunächst vierjährige Laufzeit des Projekts werden neben den Sprechern sechs weitere Professoren der Goethe-Universität beteiligt sein, zudem zwei Postdocs, acht Junior Fellows und 20 Fellows. Die DFG-Zusage beläuft sich auf rund 3,1 Millionen für die ersten vier Jahre.

Insgesamt richtet die DFG acht neue Forschergruppen, eine Klinische und zwei Kolleg-Forschergruppen ein, für die in der ersten Phase rund 32 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Förderung ermöglicht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Dabei sind Kolleg-Forschergruppen speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnitten. Während Forschergruppen allgemein zweimal drei Jahre gefördert werden können, besteht für sie die Möglichkeit, zweimal jeweils vier Jahre mit DFG-Mitteln zu forschen.

Porträts der Sprecher zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69763182

Informationen: Prof. Dr. Petra Döll, Professur für Hydrologie, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon 069-798 40219, E-Mail p.doell@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Tobias Tröger, Professur für Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Wirtschaftsrecht, Institut für Zivil- und Wirtschaftsrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft, Campus Westend, Telefon 069/798-34391, E-Mail troeger@jur.uni-frankfurt.de

 

Dez 20 2017
11:10

Plastik „Kopf im Kopf“ des Bildhauers Alfred Haberpointner fordert Wahrnehmungsgewohnheiten heraus.

Neue Skulptur auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Eine drei Meter hohe Skulptur wurde heute auf dem Campus Westend der Goethe-Universität eingeweiht: Die stählerne Skulptur mit dem Titel „Kopf im Kopf“, geschaffen vom österreichischen Bildhauer Alfred Haberpointner, steht auf einer Freifläche zwischen dem Hörsaalzentrum und dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (RuW). Universitätsvizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz dankte in seinem Grußwort dem Förderehepaar: „Unser Dank geht an Dr. Elmar und Ellis Reiss. Durch ihre großzügige Unterstützung konnte die Goethe-Universität die beeindruckende Plastik erwerben, die die künstlerische Vielfalt auf dem Campus Westend ganz entscheidend bereichern wird.

Alfred Haberpointner hat eine Plastik geschaffen, die mit einer doppelten Struktur aufwartet: Wie bei einer Kippfigur kommt es zur Überblendung zweier Figuren, der Blick des Betrachter changiert zwischen einer Kopfform aus horizontalen Parallelschichten und einer massiven Form in deren Innerem. Der Bildhauer sagte bei der feierlichen Einweihung über seine Skulptur: „Das Werk ‚Kopf im Kopf‘ thematisiert den Menschen sowie den Raum der ihn umgibt, damit verbunden die Frage nach der äußeren und inneren Form - einer sichtbaren und einer verborgenen Welt.

Foto der Skulptur: Kostenfreier Download unter www.uni-frankfurt.de/69724057 (Foto: Uwe Dettmar).

Weitere Informationen: Annette Herr, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-12435, herr@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 19 2017
11:00

Goethe-Uni bereitet Absolventen sehr gut auf Herausforderungen der Arbeitswelt vor / Platz 3 in Deutschland

Platz 47 für Goethe-Uni im Global University Employability Ranking 2017

FRANKFURT. Die Goethe-Universität zählt laut dem renommierten Global University Employability Ranking 2017 weiterhin zu den Top 50-Universitäten weltweit mit der höchsten Beliebtheit ihrer Absolventen bei Arbeitgebern – und belegt in Deutschland nach TU und LMU München den dritten Platz aller Hochschulen. Die einmal jährlich von THE (Times Higher Education) veröffentlichten Rangfolge platziert die Goethe-Universität aktuell global auf Platz 47 (Vorjahr 50).

„Schön, dass die Goethe-Universität und ihre Absolventen bei global agierenden Unternehmen einen so guten Ruf genießen“, kommentierte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff das Ergebnis. „Offenbar fördern das internationale Flair der Uni in Kombination mit entsprechenden, qualitätsorientierten Lehrkonzepten auch die Art von Bildung, die am internationalen Arbeitsmarkt gewürdigt wird.“

Das Global Employability Ranking wird auf Basis zweier repräsentativer Umfrage-Panels erhoben, die 6000 führende Repräsentanten von Unternehmen aus 22 Ländern umfassen: Argentinien, Australien, Österreich, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Niederlande, Singapur, Südafrika, Südkorea, Spanien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien und die USA.

Das erste Panel besteht aus etwa 2.500 Personal-Managern, die Erfahrung mit der Anstellung oder der Arbeit mit Absolventen hatten. Jede Person erhielt eine Liste lokaler Universitäten (mit der Option, mehr hinzuzufügen) und hatte bis zu 15 Stimmen für die Universitäten in ihren Ländern, die "die besten Absolventen in Bezug auf Beschäftigungsfähigkeit produzieren".

Das zweite Panel bestand aus rund 3.500 Geschäftsführern internationaler Unternehmen. Die Teilnehmer konnten maximal 10 Stimmen sowohl auf der lokalen als auch auf der globalen Liste der Universitäten abgeben, die vom ersten Panel erstellt wurden. Sie konnten auch Universitäten aus einer Datenbank hinzufügen. Die Stimmen wurden dann in Punktzahlen für jede Universität aggregiert, um das Ranking zu erstellen.

Die meisten Panel-Teilnehmer hatten mindestens 10 Jahre Berufserfahrung und arbeiteten in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Mehr als 30 Prozent hatten Erfahrung im Recruiting in der Wirtschaft, knapp 30 Prozent hatten Erfahrung in der IT-Branche und fast 20 Prozent in der Maschinenbaubranche. Mehr als die Hälfte rekrutiert international.

Die Umfrage wurde von der französischen Personalberatung Emerging konzipiert und wird seit sieben Jahren vom Beschäftigungsforschungsinstitut Trendence durchgeführt. Diese wird seit 2015 exklusiv von Times Higher Education veröffentlicht.

https://www.timeshighereducation.com/student/best-universities/graduate-employability-top-universities-germany-ranked-employers

 

Dez 15 2017
13:15

Seit 2011 mehr als zwölf Millionen Euro für die Förderung von Studierenden eingeworben

Bundesweit Spitze: 610 Studierende der Goethe-Uni profitieren vom Deutschlandstipendium

FRANKFURT. 610 Studenten der Goethe-Uni mit herausragenden Leistungen im Studium sowie gesellschaftlichem, sozialem oder ehrenamtlichen Engagement haben in diesem Jahr das Deutschlandstipendium erhalten. Damit vergibt die Goethe-Universität unter den deutschen Hochschulen die meisten Stipendien dieser Art. „Ohne das Stipendium hätte ich mein Studium abbrechen müssen“, freute sich einer der Stipendiaten über die Unterstützung von 300 Euro monatlich über einen Zeitraum von einem Jahr. Möglich wird dies durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen sowie Stiftungen, Vereinen und Service-Clubs. Allen rund 360 Förderern ist es ein Anliegen, junge Talente zu fördern – und zwar nicht nur finanziell, sondern auch im Rahmen des ideellen Förderprogramms und des Förderernetzwerks.

„Seit vielen Jahren können wir Studierende auf ihrem Studienweg unterstützen, dank großzügiger Förderer, die sich am Deutschlandstipendium beteiligen“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Es bedeutet nicht nur eine finanzielle Entlastung, sondern bietet auch inhaltliche Inspirationen und die Möglichkeit, erste berufliche Kontakte zu den Stipendiengebern zu knüpfen.“

Insgesamt spendeten die Förderer über eine Million Euro. Der gleiche Betrag kam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung hinzu. Seit Beginn des Programms im Jahr 2011 sind auf diese Weise 3.390 Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität ermöglicht und mit insgesamt über 12 Mio. Euro gefördert worden.

Bei der Auswahl der Stipendiaten spielen nicht nur sehr gute Leistungen im Studium und gesellschaftliches Engagement eine Rolle. „Wir berücksichtigen auch Studierende, die biografische Hürden überwinden müssen“, so Lucia Lentes, die dieses Programm seit Beginn betreut. In diesem Jahr sind 41 Prozent der Stipendiaten so genannte Bildungsaufsteiger mit nichtakademischem Familienhintergrund. 32 Prozent der Stipendiaten sind ausländische Studierende bzw. haben einen Migrationshintergrund und 18 Prozent sind BAföG-Empfänger. Die Mehrzahl der Geförderten – 61 Prozent – sind Frauen.

Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Campus Westend, Tel. (069) 798 - 12756, E-Mail: lentes@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 14 2017
17:12

Am 26. Januar 2018 werden an der Goethe-Uni die Ergebnisse der europäischen multizentrischen FemNAT-CD-Studie vorgestellt

Internationale Konferenz über Störungen des Sozialverhaltens bei Mädchen

FRANKFURT. Störungen im Sozialverhalten von Mädchen sind das Thema einer internationalen Konferenz des Universitätsklinikums der Goethe-Universität am Campus Westend. Nach vier Jahren intensiver Forschungsarbeit stellen die Partner der FemNAT-CD-Studie ihre Ergebnisse

am Freitag, 26. Januar 2018, 9 bis 16 Uhr im Casino-Gebäude, Campus Westend, Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frankfurt am Main

vor. Die multizentrische Studie hat die zugrunde liegenden Mechanismen von Störungen des Sozialverhaltens bei Mädchen und jungen Frauen (neun bis 18 Jahren) erforscht. Ziel der Studie ist es, verbesserte Behandlungsmöglichkeiten für diese Beeinträchtigung zu entwickeln. Die Europäische Union hat die FemNAT-CD-Studie über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren mit sechs Millionen Euro gefördert.

Die Anzahl der Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens ist im Laufe der letzten beiden Jahrzente angestiegen, vor allem in westlichen Gesellschaften wie der Europäischen Union. Innerhalb dieser leiden etwa zwei Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter von neun bis 18 Jahren darunter. Typische, mit der Erkrankung einhergehende Konflikte sind früher Alkohol- und Drogenmissbrauch, Abrutschen in Prostitution, Integrationsschwierigkeiten im Arbeitsleben, Teenager-Schwangerschaften, Kriminalität und chronische geistige und physische Gesundheitsprobleme. Viele der Mädchen, die unter Störungen des Sozialverhaltens leiden, befinden sich in der Obhut von Jugendheimeinrichtungen, die sich europaweit erheblich unterscheiden. Bislang wurden weibliche Risiko- und Prognosefaktoren nur sehr selten untersucht.

Die FemNAT-CD-Partner haben eine einzigartige, groß angelegte und multidisziplinäre Untersuchung durchgeführt, um die Mechanismen, auf denen die Störung basiert, zu erforschen und neue Therapieansätze zu ermöglichen. Inhalt der Studie war dabei die nähere Betrachtung der genetischen Risikofaktoren, der Umwelteinflüsse auf die Störung, der Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion sowie die Untersuchung, ob Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens erhöhte Probleme mit der Erkennung und Regulation von Emotionen haben. Darüber hinaus wurde in Jugendhilfeeinrichtungen die Wirksamkeit einer neuen, evidenzbasierten Intervention untersucht, die die Gefühlsregulierung und -kontrolle von Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens verbessern soll.

„Wir sehen diese Konferenz als eine Chance, die aus der Studie resultierenden Schritte gemeinsam mit einer großen Bandbreite an Patienten, Familien und Betreuern, mit Fachpersonal, das in die Behandlung von Störungen des Sozialverhaltens involviert ist, einschließlich Sozialarbeitern, Psychotherapeuten und Psychiatern zu erörtern. Unser Ziel ist es, gemeinsam konrete Wege zur Verbesserung des Gesundheitsystems und der Jugendhilfeeinrichtungen in Europa zu definieren“, so Prof. Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums Frankfurt und Koordinatorin des Projekts. „Im Laufe der vergangenen vier Jahre haben wir einen fundierten Einblick in die genetischen und neurologischen Mechanismen gewonnen, die die Störungen veranlassen. Zudem wissen wir heute mehr über die Rolle des Autonomen Nervensystems sowie des Stresshormonsystems bei Störungen des Sozialverhaltens. Auch sind wir in der Lage, das spezifische klinische Krankheitsbild und die Bedürfnisse der betroffenen Jugendlichen besser zu beschreiben. Die Ergebnisse der Studie dienen als Grundlage für die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten bei Störungen des Sozialverhaltens. Wir sind stolz darauf, diese im Januar in Frankfurt präsentieren zu können.“

Die Konferenz unterteilt sich in zwei Teile: Eine Einführung in die FemNAT-CD-Studie und eine Präsentation zum Thema „Unterschiede vorhandener Therapien für Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens innerhalb Europas“ am Vormittag und eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten und anschließender offenen Diskussion am Nachmittag. Sie richtet sich an alle am Thema Interessierten oder im Bereich der Störungen des Sozialverhaltens Tätigen: Patienten und deren Angehörige, Psychotherapeuten, Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter in Jugendhilfeeinrichtungen, Wissenschaftler, Patienten- und Elternorganisationen sowie Politiker.

Die Präsentations- und Diskussionssprache ist Englisch. Ein deutschsprachiges Informationsmaterial steht zur Verfügung und bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit einer Live-Übersetzung von Fragen und Antworten.

Die FemNAT-CD-Studie wird seit September 2013 von der Europäischen Union im siebten Forschungsrahmenprogramm (FP7) gefördert. Projektpartner sind: Goethe-Universität Frankfurt, Uniklinik RWTH Aachen, Stichting VUmc Amsterdam, University of Southampton, Universität Basel, Universitätsklinikum Heidelberg, University of Birmingham, Universität Regensburg, Fundación Vasca De Innovación E Investigación Sanitarias (BIOEF/Osakidetza), Szegedi Tudományegyetem, National and Kapodistrian University of Athens, Varionostic GmbH, DAACRO GmbH & Co KG, Cardiff University, ARTTIC SAS und GenXPro GmbH.

Registrierung: https://www.femnat-cd.eu/registration-to-conference/

Programm: https://www.femnat-cd.eu/fileadmin/websites/femnat_cd/Conference_Jan_2018/FemNAT_CD_Agenda_Konferenz_deutsch_final.pdf

Informationen: Prof. Christine M. Freitag, Projektkoordinatorin, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum, Campus Niederrad, Telefon: 069-63015408 , C.Freitag@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 14 2017
12:21

Wirtschaftswissenschaftlerin mit großem Themenspektrum

Leibniz-Preis für Nicola Fuchs-Schündeln

FRANKFURT. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität, erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018; das gab der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) heute in Bonn bekannt. Präsidentin Prof. Birgitta Wolff gratulierte der Forscherin: „Dies ist eine großartige und verdiente Anerkennung für die außergewöhnlich erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit von Nicola Fuchs-Schündeln. Sie spielt eine herausragende Rolle innerhalb der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland und kann bereits auf eine eindrucksvolle internationale Karriere zurückblicken. Mit ihrem innovativen Forschungsansatz verbindet sie Makro- und Mikroökonomik und kommt zu für Ökonomen mitunter eher unerwarteten Themen und Forschungsgegenständen. Eine echte Inspiration für viele.“

Wie unterscheiden sich die Werthaltungen der Menschen, die in der DDR sozialisiert worden sind, von den Werthaltungen ihrer Landsleute im Westen? Frühere DDR-Bürger sind beispielsweise auch Jahre nach dem Ende des Sozialismus dafür, dass sich der Staat um Familien, Alte und Kranke kümmere. Die Präferenzen der Menschen im Osten und im Westen der Republik gleichen sich nur allmählich an. Die „Endogenität von Präferenzen“ gehört zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, die mit dem Leibniz-Preis 2018 ausgezeichnet wird. Ihr Paper zu unterschiedlichen Werthaltungen in Ost und West hat international viel Anerkennung erhalten – insbesondere deshalb, weil es die traditionelle Annahme widerlegt hat, dass ökonomische Präferenzen angeboren und unveränderbar seien, unabhängig vom ökonomischen System. Mit dieser Arbeit hat die Forscherin viele weitere Arbeiten auf diesem Gebiet angestoßen und ihren Ruf als international führende Expertin verfestigt. Sie gehört zu den meistzitierten Arbeiten in diesem Bereich.

Auch in ihren anderen Arbeitsschwerpunkten pflegt Nicola Fuchs-Schündeln einen breiten interdisziplinären Forschungsstil. Die 45-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin befasst sich zum Beispiel auch intensiv mit dem Spar-, Konsum- und Arbeitsmarktverhalten privater Haushalte. Dabei gelingt es ihr, neue empirische Fakten herauszuarbeiten und damit die Annahmen und Vorhersagen grundlegender ökonomischer Theorien zu testen. In diesem Zusammenhang hat sie zum Beispiel untersucht, welche Motive Menschen zum Sparen bewegen. Dabei machte sie sich die durch die deutsche Wiedervereinigung entstandene Situation zu Nutzen: Der dramatische wirtschaftliche Umbruch in Ostdeutschland erlaubt es, klare theoretische Vorhersagen zu treffen und diese mit Daten zu testen. Nicola Fuchs-Schündeln konnte über den Lebenszyklus hinweg ein weitgehend rationales Konsum- und Sparverhalten belegen, selbst im Angesicht großer wirtschaftlicher Umbrüche. In ihren jüngsten Arbeiten wendet sie sich der Frage zu, warum Europäer weniger Stunden pro Jahr arbeiten als US-Amerikaner. Dabei hat sie die aus ihrer Sicht entscheidende Rolle des Steuersystems herausgestellt. Darüber hinaus hat sie substantielle Beiträge zur Analyse der Entwicklung der Ungleichheit in Deutschland geleistet, zur innereuropäischen und innerdeutschen Migration sowie zu langfristigen Arbeitsmarkteffekten einer sozialistischen Schulbildung.

Nicola Fuchs-Schündeln hat seit 2009 eine Professur für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität inne. Sie ist als Principal Investigator am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und als Programmdirektorin am LOEWE-Zentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ beteiligt. 2015/16 war sie für ein Jahr als Gastprofessorin an der Stanford University in Kalifornien. Vor ihrem Wechsel an die Goethe-Universität war Fuchs-Schündeln an den US-amerikanischen Universitäten Harvard und Yale tätig. Studiert hat sie in Köln und Yale, ihre Fächer waren Lateinamerikastudien und Volkswirtschaftslehre.

Der Leibniz-Preis ist nicht die erste Auszeichnung für die Wirtschaftswissenschaftlerin: Im vorigen Jahr erhielt Fuchs-Schündeln bereits den Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, den wichtigsten deutschen Ökonomen-Preis. Diese Auszeichnung geht an Wissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum, die durch ihre Forschung internationales Ansehen gewonnen haben. Hauptmaßstab hierfür ist die Veröffentlichung in international anerkannten Fachzeitschriften. 2010 hatte sie zudem einen Starting Grant des European Research Council erhalten, eine der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Europäischen Union.

Die mit dem Leibniz-Preis verbundene finanzielle Förderung erlaubt der Ökonomie-Professorin, ihre innovativen Forschungsprojekte weiter voranzutreiben und auszubauen und weitere Nachwuchskräfte an die Goethe-Universität zu holen.

Die Fördersumme von 2,5 Millionen Euro kann über einen Zeitraum von fünf Jahren von den Preisträgern abgerufen und flexibel eingesetzt werden. Ziel des 1985 eingerichteten Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern.

Nicola Fuchs-Schündeln wird als 17. Wissenschaftler der Goethe-Universität ausgezeichnet: 1986 erhielten sowohl der Philosoph Jürgen Habermas als auch der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den begehrten Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock (1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007), der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010), der Philosoph und Politikwissenschaftler Rainer Forst (2012), der Biochemiker und Mediziner Ivan Dikic (2013), der Rechtswissenschafter Armin von Bogdandy (2014) und der Althistoriker Hartmut Leppin (2015).

Foto zum Download unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/69660127

Informationen: Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, Professur für Makroökonomie und Entwicklung. Fachbereich 02, Theodor-W.-Adorno-Platz 3, Campus Westend, Tel.: (069) 069/798-33815, E-Mail fuchs@wiwi.uni-frankfurt.de.

 

Dez 13 2017
12:10

Forscher der Goethe-Uni lüften das Geheimnis des Blue Hole Stalaktiten

Auf den Spuren von Jacques Cousteau

FRANKFURT. Aus dem berühmten Blue Hole im Karibischen Meer barg das Team des französischen Meeresforschers Jacques Cousteau 1970 einen ungewöhnlichen Stalaktiten. Was er über das Klima seit der letzten Eiszeit verrät, erklärt der Geowissenschaftler Eberhard Gischler von der Goethe Universität in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Sedimentary Research“.

Sichtbare Spuren von Lebewesen hatten die Taucher von Jacques Cousteau seinerzeit nicht in dem Geheimnis umwobenen blauen Loch gefunden. Dafür aber zahlreiche Stalaktiten, wie sie aus Karsthöhlen bekannt sind. Sie entstehen durch die Lösung von Kalkgestein. Heute ist das 125 Meter tiefe Blue Hole vor der Küste von Belize vom Meer überflutet.

Der Frankfurter Geowissenschaftler Eberhard Gischler forscht seit mehr 25 Jahren in Belize. Er bekam die außergewöhnliche Probe vor zwei Jahren von Prof. Robert Ginsburg von der University of Miami, bei dem er in den 1990er Jahren als Postdoktorand tätig war. Robert Ginsburg hatte den Stalaktiten wiederum direkt nach dem Fund von Jacques Cousteau erhalten. Damals ließ er die Probe aufsägen und begann, sie zusammen mit dem Meeresgeologen Bob Dill zu untersuchen. Es blieb aber nur bei vorläufigen Untersuchungen. Hinzu kam, dass die größten Stücke des Stalaktiten bei einem Umzug des Ginsburg-Labors verloren gingen.

Die jetzt untersuchte Scheibe ist die letzte Probe des Cousteau-Stalaktiten. Nach nun fast fünfzig Jahren, als der Blue Hole-Stalaktit in Vergessenheit zu geraten drohte, hat Gischler zusammen mit Physikern der Goethe-Universität, Kollegen der Universitäten Mainz, Hamburg und El Paso (USA) sowie dem GEOMAR in Kiel ihr Geheimnis gelüftet.

Anders als bei den meisten Stalaktiten bestehen bei dem Blue Hole-Stalaktiten die äußeren Schichten aus marinen Ablagerungen. Seine konzentrischen Lagen erlauben eine detaillierte Klima-Rekonstruktion für das späte Pleistozän und das Holozän (die Zeit vor ca. 20.000 Jahren bis heute). So deutet zum Beispiel der unter Süßwasser-Einfluss gebildete Kern auf überraschend trockene Bedingungen während des Maximums der letzten Eiszeit und der Zeit danach hin (ca. 20.000 bis 12.000 Jahre vor der heutigen Zeit). Die marinen Lagen bildeten sich, als die Karsthöhle und der Stalaktit nach der Eiszeit vom ansteigenden Meerespiegel überflutet wurden, seit etwa 11.000 Jahren.

„Erschwert wird die detaillierte Klima-Rekonstruktion allerdings durch den Umstand, dass sowohl die am Festland als auch die im Meerwasser gebildeten Stalaktit-Lagen unter dem Einfluss mikrobieller Aktivität entstanden sind“, erklärt Eberhard Gischler. Die Studie entschlüsselt nun die Arten mikrobieller Aktivität, die während der Bildung des Stalaktiten die Kalkabscheidung beeinflusst haben. Sie liefert so die Grundlage, um das Potential von Stalaktiten mit komplexer Bildungsgeschichte für die Rekonstruktion von Paläo-Umweltbedingungen zukünftig besser ausschöpfen zu können.

Gischler arbeitet derzeit zusammen mit dem Doktoranden Dominik Schmitt weiter an anderen Ablagerungen aus dem Blue Hole. Es handelt sich um bis zu 9 m lange Sediment-Bohrkerne, die im August vom Boden des Blue Hole entnommen wurden. Das schlammige Boden-Sediment des Blue Hole weist eine feine Jahresschichtung auf und soll als hochauflösendes Klima- und Sturmarchiv genutzt werden.

Zu sehen ist eine Scheibe des bemerkenswerten Cousteau-Stalaktiten, der ursprünglich eine Länge von 2,84 Metern und ein Gewicht von gut einer Tonne aufwies, inzwischen am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität.

Ein Bild zum Download sowie das Cover der Zeitschrift „Journal of Sedimentary Research“ mit einer Luftaufnahme des Blue Hole finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69629053

Bildtext: Prof. Eberhard Gischler und sein Doktorand Dominik Schmitt mit dem letzten Stück des 1970 von Jacques Cousteau geborgenen Stalaktiten aus dem Blue Hole. Foto: Daniel Parwareschnia

Film über die Bergung des Stalaktiten aus dem Blue Hole durch Jacques Cousteau: https://www.youtube.com/watch?v=hM9pa5JQmz0 

Publikation: E. Gischler et al.: A giant underwater, encrusted stalactite from the Blue Hole, Lighthouse Reef, Belize, revisited: A complex history of biologically induced carbonite accretion under changing meteoric and marine conditions, in Journal of Sedimentary Research, 2017, v. 87, 1260-1284. https://pubs.geoscienceworld.org/jsedres/issue/87/12

Information: Prof. Dr. Eberhard Gischler, Institut für Geowissenschaften, Fachbereich 11, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40183, gischler@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 12 2017
16:01

Die Aventis Foundation fördert interdisziplinäres Projekt der Goethe-Universität

Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft

BAD HOMBURG. Das seit Anfang 2017 bestehende Forschungsprojekt „Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft“, in dem Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten, hat nach erfolgreicher Pilotphase eine Förderzusage für weitere zwei Jahre durch die Aventis Foundation erhalten. Wichtiger Bestandteil des Projektes werden Aventis-Fellowships sein, in deren Rahmen Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler an das Forschungskolleg Humanwissenschaften (FKH) der Goethe-Universität eingeladen werden. Dort ist das Projekt administrativ angesiedelt.

Die zunehmende Komplexität in Forschung und Gesellschaft beschleunigt sich durch neue Phänomene wie Big Data, Digitalisierung, Migrationsströme, Technologisierung oder auch Automatisierung. Daraus ergibt sich für die Wissenschaft die Pflicht, Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit Komplexität und für die Lösung komplexer Probleme aufzuzeigen. Die Auseinandersetzung mit diesen Erwartungen ist einer von vielen Aspekten des Forschungsprojektes.

Übergreifendes Ziel des Projektes ist es, unterschiedliche Konzepte von Komplexität und deren theoretische Begründung aus der fächerübergreifenden Perspektive zu untersuchen und damit nicht nur neue Muster für den praktischen Umgang mit Komplexität aufzuzeigen, sondern auch neue Einsichten für die wissenschaftliche Forschung selbst zu erhalten. Ein Ausgangspunkt ist der Blickwinkel der Wissenschaftsphilosophie: Sie definiert Komplexität als Eigenschaft von Systemen, die aufgrund des Zusammenwirkens ihrer Elemente ein unerwartetes und nicht zu prognostizierendes Verhalten zeigen. Die Fragen, ob und wie eine solche Definition sowohl auf naturwissenschaftliche Systeme als auch auf soziale Systeme angewandt werden kann, liegen auf der Hand und verdeutlichen die Notwendigkeit interdisziplinären Arbeitens.

Harald Schwalbe, Professor für Organische Chemie und Chemische Biologie, und Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, leiten das Projekt, das auf einzigartige Weise als Verbindung der Disziplinen der Natur-und Lebenswissenschaften sowie der Geistes- und Sozialwissenschaften konzipiert ist. Damit führt es im Forschungsteam Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von zwei voneinander getrennt gelegenen Standorten der Universität, dem Campus Westend und dem Campus Riedberg, zusammen.

Die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher im Rahmen des Projektes und die Förderung durch die Aventis Foundation zielen darauf ab, das Projekt bis zum Ende der Laufzeit in einen größeren Rahmen zur Vorlage bei einer der großen forschungsfördernden Institutionen zu überführen.

Informationen: Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Tel.: (069)798-32779; -32776, Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de; Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29737, schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de.

 

Dez 8 2017
16:57

Die Sprecher des Clusters erörtern im aktuellen UniReport Perspektiven nach dem ExStra-Aus in der Vorrunde.

Große Unterstützung der Normativen Ordnungen

FRANKFURT. Beim Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ eruiert man derzeit mit Hochdruck Möglichkeiten, wie es auch nach dem Ausscheiden aus der Exzellenzstrategie weitergehen kann. Das Land Hessen und die Goethe-Universität unterstützen die Weiterentwicklung des Clusters; eine Liste von renommierten Forschern aus der ganzen Welt fordert den Erhalt der international geschätzten Institution. Der UniReport konnte mit den beiden Sprechern des Clusters, Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, ein Gespräch über momentane Stimmungen und Perspektiven im Haus „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend führen. Beide freuen sich über die breite Unterstützung, sehen aber auch die Notwendigkeit, in absehbarer Zeit eine Perspektive für den Cluster präsentieren zu können: „Das internationale Netzwerk schaut ganz genau, was jetzt mit uns passiert. Aber auch unser internes Netzwerk möchte verständlicherweise eine längerfristige Perspektive haben.“ Link zum Interview: http://tinygu.de/interview-forst-guenther

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • Für ein starkes Europa: Fragen an Ulrike Guérot, neue Grosser-Stiftungsgastprofessorin.
  • Folgen der Kommerzialisierung von Schmerzmitteln: Drogenforscher Bernd Werse über die Drogenepidemie in einigen Regionen der USA.
  • Hoffnung für Alzheimer-Kranke: Merz-Stiftungsgastprofessor erforscht
  • neurogenerative Erkrankungen.
  • UNESCO-Weltdokumentenerbe: Prof. Sybille Steinbacher zur Bedeutung der Akten des Auschwitz-Prozesses.
  • (Neu-)Start in die akademische Ausbildung: Academic Welcome Program ebnet hochqualifizierten Geflüchteten den Weg in ein Studium.
  • Anglistik und Romanistik vereint in einem Studium: Der Masterstudiengang Moving Cultures ist einmalig in Deutschland.
  • Per Tortenschnitt in die Vergangenheit: Vorderasiatische Archäologen leisten wichtigen Beitrag zur Erforschung des Nordirak.
  • Wenn Rassismus und Nationalismus Hand in Hand gehen: Auszeichnung für die Politologin und Erziehungswissenschaftlerin Z. Ece Kaya für ihre Dissertation zu Kolonialpädagogischen Schriften in der NS-Zeit.
  • An der Schnittstelle zwischen Psychologie, Bewegung und Training: Die Sportwissenschaftlerin Karen Zentgraf untersucht, wie das motorische und kognitive Zusammenspiel bei komplexen Bewegungsabläufen funktioniert.
  • Literatur: „ein kraftvolles Medium zur Veränderung des Menschen“: Silke Scheuermann übernimmt die Frankfurter Poetikdozentur.

Der UniReport 6/2017 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/53996845

 

Dez 7 2017
15:13

Internationale Konferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 15. Dezember 2017

Politik der Migration – Über die Grenzen der Mitgliedschaft

FRANKFURT. „The Politics of Migration: Testing the Boundaries of Membership” lautet der Titel einer internationalen Konferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen. Sie findet am 15. Dezember im Gebäude „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt.

Die Frage, wie Staaten, aber auch die EU und die internationale Gemeinschaft insgesamt auf die Herausforderung globaler Migrationsbewegungen reagieren sollen, ist eine der zentralen Zukunftsfragen der Politik. Hierbei sind rechtliche, politische, aber auch moralische Gesichtspunkte zu bedenken. Die Konferenz „The Politics of Migration“ macht es sich zur Aufgabe, diese Aspekte mit international ausgewiesenen Expertinnen und Experten zu analysieren und kontrovers zu diskutieren.

Die Konferenz geht aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Exzellenzcluster und dem Max-Planck-Institut hervor, den jährlichen „Goethe-Göttingen Critical Exchanges“, organisiert von Ayelet Shachar, Direktorin am Göttinger MPI und dort Leiterin der Abteilung Ethik, Recht und Politik, sowie Rainer Forst, Co-Sprecher des Clusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Ayelet Shachar ist seit diesem Semester zudem Mitglied des Frankfurter Exzellenzclusters.

Nach einleitenden Worten von Shachar und Forst stehen zwei Panels und eine Roundtable-Diskussion auf dem Programm. Mit David Miller (Nuffield College, Oxford) spricht im ersten Panel einer der renommiertesten Philosophen der Gegenwart, der im Sinne eines liberalen Nationalismus argumentiert, während Andreas Cassee (FU Berlin) im zweiten Panel die kosmopolitische Gegenposition vertritt. Beide haben in jüngster Zeit im Suhrkamp Verlag dazu wichtige Bücher publiziert. Kommentiert werden sie von profilierten jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die aus Frankfurt und Göttingen stammen.

Der Roundtable bringt am Nachmittag drei hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Rechtswissenschaften zusammen: Gertrude Lübbe-Wolff ist Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld und war von 2002 bis 2014 Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Francois Crepeau kommt von der McGill University, Montreal, ist dort Professor of Public International Law und war von 2001 bis 2017 UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte von Migranten. Hiroshi Motomura lehrt Jura an der University of California, Los Angeles. Er gilt in den USA als einer der führenden Experten für Fragen des Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsrechts.

Die Konferenz steht auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen. Um Anmeldung wird gebeten – bitte unter: sekretariat.forst@soz.uni-frankfurt.de

Programmhttps://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/the-politics-of-migration-testing-the-boundaries-of-membership/

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; http://www.normativeorders.net/de

 

Dez 7 2017
10:40

Forscher der Goethe-Uni verantwortlich für jüngste Ausgabe der Online-Zeitschrift über Kafka und anderes

Thewis: Theaterwissenschaftliche News im Netz

FRANKFURT. „Kafka und Theater“ ist das Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Thewis, der Online-Zeitschrift der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, die ab sofort im Netz abrufbar ist.

Die Zeitschrift versammelt Originalbeiträge jüngerer Forscherinnen und Forscher mit solchen erfahrener Theaterwissenschaftler aus Deutschland und Israel. Sie dokumentiert dabei Ergebnisse einer Masterclass an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Titel „Kafka and Theatre“. Die Masterclass fand im Rahmen der Gastprofessur des ersten Friedrich Hölderlin-Professors für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie, Freddie Rokem von der Universität Tel Aviv, statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Israel diskutierten über das Theater der Buchstaben, Worte, Gesten und Szenen in Kafkas Texten.

Über das Schwerpunktthema hinaus umfasst die Online-Zeitschrift in einem zweiten Teil vier Miszellen, kürzere studentische Beiträge zu einem Symposium, das von der Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem finnischen Theaterwissenschaftler Esa Kirkkopelto in Frankfurt veranstaltet wurde und unter dem Thema „Theater des A-Humanen“ stand. Zudem gibt es auch wieder eine Sektion mit Rezensionen.

Thewis erscheint seit dem Jahr 2004 etwa alle zwei Jahre als einziges Online-Journal der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, einer Fachgesellschaft, die seit 1990 alle zwei Jahre einen Kongress veranstaltet, dessen Ergebnisse in umfangreichen Fachpublikationen dokumentiert werden. Die Herausgeberschaft wechselt von Ausgabe zu Ausgabe. Für die vorliegende sechste Ausgabe zeichnet die Frankfurter Theaterwissenschaft verantwortlich. Gemeinsame Herausgeber sind Dr. Matthias Dreyer,  Prof. Nikolaus Müller-Schöll,  Julia Schade und Marten Weise vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität.

Link zur Online-Zeitschrift: http://www.theater-wissenschaft.de/category/thewis

Information: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich 10, Karl Wollheim Platz 1, 60322 Frankfurt am Main