​​​​​Pressemitteilungen ​

 

Nov 5 2018
13:07

Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität sucht Betroffene, die an neu entwickeltem Gruppenmeditationsprogramm teilnehmen wollen

Forschungsprojekt zur chronischen Depression

FRANKFURT. Zu den Hauptursachen gesundheitlicher Beeinträchtigungen gehören depressive Störungen. Sie sind eine der häufigsten psychischen Störungen, viele Betroffene leiden über Jahre hinweg an einer chronisch verlaufenden Depression, fühlen sich permanent niedergeschlagen oder antriebslos. Hinzu kommen Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Gefühle der Hoffnungs- oder Wertlosigkeit. Auch bei medikamentöser Therapie können die Symptome in einigen Fällen nicht ausreichend gelindert werden. Das Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt untersucht ab März 2019, ob Personen mit chronischer Depression von einem Meditationsprogramm mit anschließender Einzeltherapiephase profitieren.

„Nach wie vor gibt es wenige Studien, die sich damit beschäftigt haben, welche Therapie diesen Menschen helfen kann", sagt Prof. Dr. Ulrich Stangier, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität. „Wer dauerhaft unter Depression leidet, empfindet sehr oft ein intensives Gefühl der Ablehnung sich Selbst und anderen Menschen gegenüber, und fühlt sich zugleich abgelehnt von Anderen. Dies führt zu dem Eindruck, isoliert und von seiner Umwelt getrennt zu sein, was mitunter die depressive Symptomatik weiter aufrechterhalten kann. Eine positive Haltung aber kann man lernen“. Die aus dem Buddhismus stammende Metta-Meditation fördert die Verbindung zu sich selbst und zu anderen. Metta ist ein Begriff, der Freundlichkeit, aktives Interesse an Anderen, Liebe, Freundschaft, oder Sympathie umschreibt. Eine solche Form der wohlwollenden Haltung kann über Meditationstechniken eingeübt werden.

Um diesen Ansatz für Personen mit chronischer Depression zu nutzen, hat die Arbeitsgruppe von Prof. Stangier in Kooperation mit Prof. Dr. Stefan Hofmann (Center for Anxiety Disorders der Boston University) ein spezielles Behandlungsprogramm entwickelt, das die Meditationstechniken mit moderner Verhaltenstherapie kombiniert. Dieser Ansatz erzielte in Pilotstudien bereits vielversprechende Ergebnisse und soll nun in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. „Wir gehen davon aus, dass sich Wohlwollen durch die Kombination von Metta-Meditation und Verhaltensaktivierung entwickeln lässt und die Betroffenen das Erlernte im Alltag umsetzen und so eigenständig die Depression überwinden können", erläutert Prof. Stangier.

So sollen im Rahmen des Behandlungsprogramms depressionstypische Mechanismen wie Grübeln und der „innere Kritiker“ überwunden werden. Die Behandlung umfasst dabei ein 8-wöchiges Gruppenmeditationsprogramm (10-12 Teilnehmer), welches durch eine 8-wöchige Einzeltherapiephase ergänzt wird. In der Einzeltherapie werden die in der Gruppe erlernten Fähigkeiten auf den Alltag übertragen und an der Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen gearbeitet.

In diesem Jahr haben bereits zwei Durchläufe des Programms mit zwei Meditationsgruppen stattgefunden. Für die nächsten beiden Durchläufe 2019 suchen wir nun neue Teilnehmer. Der geplante Therapiestart ist März 2019, dabei wird im Vorfeld in Vorgesprächen die Möglichkeit der Teilnahme abgeklärt. Zudem findet ein halbes Jahr nach Ende der Therapie eine ausführliche Nachuntersuchung statt. An der Studie teilnehmen können Betroffene zwischen 18 und 70 Jahren, die seit mindestens zwei Jahren beständig unter einer depressiven Symptomatik leiden und bei denen die chronische Depression im Vordergrund der Problematik steht. Die Bereitschaft zum täglichen Üben der Meditation (ca. 30 Min.) ist Voraussetzung für die Teilnahme. Für den Zeitraum der Therapie sollte parallel keine weitere psychotherapeutische Behandlung laufen. Die Finanzierung des Therapieprogramms wird über die Krankenkasse beantragt.

Informationen: Isabel Thinnes, M. Sc. Psych., Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe Universität Frankfurt.

Kontakt: per E-Mail an meditationsstudie@uni-frankfurt.de oder per Telefon: (069) 798 – 25356. Internet: http://bit.ly/MECBT

 

Nov 2 2018
16:42

Tagung „Lehre in den Geisteswissenschaften“ an der Goethe-Universität lädt zur Diskussion über neue Formen der Vermittlung

Was braucht gute Lehre?

FRANKFURT. Die geisteswissenschaftliche Lehre hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Wie Wissenschaft vermittelt wird, wie Lehrveranstaltungen ansprechend gestaltet werden können, diese Fragen haben mehr Bedeutung als früher. Auch der Austausch über die Lehre und eine sowohl fachinterne als auch fächerübergreifende Vernetzung haben sich intensiviert. In diesem Zusammenhang lädt das Zentrum Geisteswissenschaften der Goethe-Universität

am 8. und 9. November 2018
in die Lobby des Präsidiumsgebäudes 
am Campus Westend 

zur Tagung »Lehre in den Geisteswissenschaften – Positionen und neue Perspektiven«.

Auch Fördermaßnahmen wie der Qualitätspakt Lehre haben dazu beigetragen, dass Neuerungen entwickelt werden konnten. So sind im Frankfurter Projekt „Starker Start ins Studium“ neue Lehrformate und differenzierte Angebote entwickelt worden. Diese nehmen Einzelaspekte des Forschungsprozesses und das wissenschaftliche Schreiben in den Blick. Zur Halbzeit der zweiten Förderperiode des Qualitätspakts Lehre zieht die Tagung eine vorläufige Bilanz für die Geisteswissenschaften und unternimmt eine Positionsbestimmung im Hinblick auf künftige Förderprogramme: Was konnte in der geisteswissenschaftlichen Lehre erreicht werden? Welche Chancen bestehen für die geisteswissenschaftlichen Fächer in der projektgebundenen Lehrentwicklung?

Auf der Tagung haben Akteure verschiedener Ebenen Gelegenheit, über diese und andere Themen zu diskutieren, den fächer- und universitätsübergreifenden Austausch zu intensivieren und eine Positionierung im Förderumfeld Lehre auszuloten.

Programm

Donnerstag, 8. November
ab 12 Uhr
Anmeldung und Imbiss

13 Uhr
Grußwort: Prof. Dr. Roger Erb, Vizepräsident für Studium und Lehre der Goethe-Universität
Einführung: Prof. Dr. Barbara Wolbring (Zentrum Geisteswissenschaften, Goethe-Universität)

13.30 Uhr
Keynote: „Eine Stimme für die Lehre – Argumente für eine Förderorganisation“,
Dr. Sabine Behrenbeck (Wissenschaftsrat)

ab 14:15 Uhr
Arbeit in Sektionen

Freitag, 9. November
8:30 Uhr
Ankommen bei Kaffee

9 Uhr
Resümee der Ergebnisse aus den Sektionen

9:30 Uhr
Keynote: „Die Wirkung von Interventionen in der Studieneingangsphase. Die Perspektive der Begleitforschung“
Prof. Dr. Philipp Pohlenz (Universität Magdeburg)

10:30 Uhr
Diskussion: Perspektiven und Förderung für gute Lehre in den Geisteswissenschaften
Dr. Jens-Peter Gaul (Hochschulrektorenkonferenz)
Prof. Dr. Melanie Köhlmoos (Goethe-Universität, FB ev. Theologie)
Dr. Antje Mansbrügge (Toepfer Stiftung gGmbH, Bündnis Lehre hoch n)
Prof. Dr. Philipp Pohlenz (Universität Magdeburg)

Kontakt und Information: Starker Start ins Studium/Zentrum Geisteswissenschaften, Prof. Dr. Barbara Wolbring wolbring@em.uni-frankfurt.de, Dr. Hilja Droste droste@kunst.uni-frankfurt.de; LehreGW@starkerstart.uni-frankfurt.de

Anmeldung: Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung gebeten bis 6.11. unter http://tinygu.de/LehreGW; dort finden Sie auch das genaue Programm.

 

Nov 2 2018
14:32

Der Kosmochemiker Prof. Alexander Krot (University of Hawaii) kommt als Träger des Humboldt-Forschungspreises an die Goethe-Universität

Entwicklung der Sterne besser verstehen

FRANKFURT. Das Observatorium auf dem Mauna Kea auf Hawaii ist weltberühmt. Weitaus weniger bekannt ist jedoch, dass die Hawaiianische Inselkette auch eines der international führenden Institute für Kosmochemie beherbergt, das Institut für Geophysik und Planetologie (HIGP). Dort arbeitet der renommierte Kosmochemiker Prof. Alexander Krot, der nun für ein halbes Jahr als Humboldt-Forscher an der Goethe-Universität tätig ist.

Schon seit Jahren arbeiten der Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität und Prof. Alexander Krot erfolgreich zusammen. Das war der Anlass für Krot, sein Institut für Geophysik und Planetologie (HIGP) auf Hawaii vorübergehend zu verlassen, wo ihm eine große Anzahl leistungsfähiger Messinstrumente zur Verfügung stehen, um extraterrestrisches Material zu untersuchen. Als Träger des Humboldt-Forschungspreises ist er nun für sechs Monate in Frankfurt am Main tätig.

Am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität engagiert sich Krot sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Ganz besonders interessiert er sich für die Untersuchungsmethoden auf der Nanoskala mittels Transmissionselektronenmikroskopie und Synchrotron-Strahlung, ein Spezialgebiet von Frank Brenker.

Bekannt wurde Alexander Krot vor allem durch seine Arbeiten zur Bildung der ersten Festkörper unseres Sonnensystems. Zahlreiche grundlegende Erkenntnisse aus der „Kinderstube“ des Solaren Nebels beruhen auf seinen Forschungsergebnissen. Mit inzwischen mehr als 160 Publikationen, 14 davon in „Nature“ oder „Science“, verfügt er über ein sehr eindrucksvolles wissenschaftliches Werk.

Krot ist nicht nur einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Forscher auf dem Gebiet der Kosmochemie, der Wissenschaft von der Entstehung und Verteilung der chemischen Elemente und Verbindungen im Universum; er ist auch ein exzellenter Lehrer. In gleich mehreren Bachelor- und Masterprojekten kann er sein Wissen nun auch direkt weitergeben. „Es ist eine einmalige Chance für unsere Studierenden, schon so früh mit einem international so erfolgreichen Forscher zusammenarbeiten zu dürfen“, freut sich Brenker. „Einige kennen Herrn Krot bereits von seinen zahlreichen wegweisenden Publikationen, und da ist es natürlich eine aufregende Erfahrung, sich nun so direkt mit ihm austauschen zu können“.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74667310

Bildunterschrift:

Bild1: Prof. Dr. Alexander Krot (Copyright: Krot)

Bild2: Fehlfarbenbild mit Magnesium in rot, Kalzium in grün und Aluminium in blau. Diese Art der Farbwahl wurde von Herrn Krot eingeführt, um die frühen Bildungen im Sonnensystem optimal darzustellen. Zu sehen ist ein so genannter Kalzium-Aluminium-reicher Einschluss in dem Meteoriten Efremovka. CAIs (Calcium-Aluminium-rich Inclusions) sind die ältesten Festkörper-Bildungen in unserem Sonnensystem. Ihr Alter bestimmt mit 4,567 Mrd. Jahren das Alter unseres Sonnensystems. (Copyright: Krot)

Bild3: Der Solare Nebel in einer künstlerischen Darstellung. (Copyright: NASA/JPL)

Information: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: +49(0)69 798-40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 2 2018
14:31

Verhalten des Fadenwurms weist auf die Entwicklung von ernährungsmotiviertem Verhalten bei höheren Tieren hin

Futtersuche: bei Mensch und Wurm ähnlich reguliert?

FRANKFURT. Wie motiviert uns unser Nervensystem, vom Sofa aufzustehen und im Kühlschrank oder sogar im Supermarkt nach Essen zu suchen? Das hat ein Forscherteam um Alexander Gottschalk von der Goethe-Universität am Beispiel des Fadenwurms Caenorhabditis elegans untersucht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, wie sich das Verhalten bei der Futtersuche im Laufe der Evolution bei höheren Tieren entwickelt haben könnte.

Nahrung zu finden und an einer Nahrungsquelle zu verweilen, sind entscheidende Überlebensstrategien im Tierreich. Aber wie werden externe Futter-Signale auf molekularer, zellulärer und neuronaler Ebene in Verhalten verwandelt? Um das herauszufinden, greifen Neurowissenschaftler gern auf einfache Modellorganismen wie den Fadenwurm C. elegans zurück. Er besitzt nur 302 Nervenzellen, deren Verknüpfungen präzise kartiert sind. So können Forscher im Detail untersuchen, wie diese Nervenzellen miteinander kommunizieren, um bestimmte Verhaltensweisen zu erreichen.

Alexander Gottschalk und sein Team konzentrierten sich in ihrer Studie auf einen neuronalen Schaltkreis, an dessen „Spitze“ sich ein Paar sensorischer Nervenzellen befindet. Ist Nahrung vorhanden, setzt es den Botenstoff Dopamin frei. Das wirkt sich auf zwei Arten von nachgeschalteten Neuronen aus (DVA und AVK) – und zwar auf ganz unterschiedliche Weise, wie das Forscherteam entdeckte. Dopamin aktiviert DVA, was ein Verweilen und ein lokales Suchverhalten fördert, während es AVK inhibiert, das sonst eine Futtersuche über längere Distanzen fördern würde. Konkret geschieht dies, indem DVA und AVK die Information an Motoneuronen weitervermitteln, die wiederum die Muskelaktivität steuern.

Doch welche Schlüsse lässt dies auf die Nahrungssuche bei höheren Tieren wie dem Menschen zu? Beim Fadenwurm beeinflusst das DVA-Neuron die Fortbewegung, indem es das Neuropeptid NLP-12 an die Motoneuronen weiterleitet. Säugetiere haben ein äquivalentes Neuropeptid, das Cholecystokinin. Seine Freisetzung wird ebenfalls durch Dopamin-Signale reguliert, beispielsweise bei belohnungsabhängigem Verhalten. Dies zeigt, dass im Laufe der Evolution die Bedeutung von Dopamin und Cholecystokinin/NLP-12 als Neuromodulatoren erhalten blieb. Beide Neurotransmitter beeinflussen motiviertes Verhalten bei der Nahrungssuche sowie bei anderen Aktivitäten, die eine Belohnung versprechen.

Das Neuron AVK, das als Gegenspieler zum DVA-Neuron wirkt, setzt bei erfolgloser Nahrungssuche im Wurm das Neuropeptid FLP-1 frei. Es ist ein Gegenspieler zu NLP-12/Cholecystokininin. Obwohl FLP-1 wahrscheinlich auf wirbellose Tiere beschränkt ist, finden sich ähnliche Neuropeptide bei Säugetieren, wo sie ebenfalls die Nahrungsaufnahme kontrollieren.

Womöglich werden die Cholecystokinin-Signale bei Säugetieren also ähnlich ausbalanciert wie beim Fadenwurm. Die in der Studie identifizierten Neuronentypen können daher wichtige Hinweise für die Suche nach ähnlichen Zelltypen in den Myriaden von Zellen bei Säugetieren liefern, die ähnliche Mechanismen der Bewegungskontrolle vermitteln.

Publikation

Oranth et al.: Alexander Gottschalk et al.: Food sensation modulates locomotion by dopamine and neuropeptide signaling in a distributed neuronal network, in: Neuron 100, 1–15; December 19, 2018.

https://doi.org/10.1016/j.neuron.2018.10.024)

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74664380

Bild 1: Fadenwurm C. elegans. Bildrechte: Alexander Gottschalk, Goethe-Universität
Bild 2: Spuren des Fadenwurms bei der Futtersuche. Bildrechte: A. Oranth
Bild 3: Nervenschaltkreis, der das Futtersuchverhalten des Fadenwurms C. elegans steuert. Bildrechte: A. Bergs, A. Gottschalk. 

Informationen:

Prof. Dr. Alexander Gottschalk, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften und Institut für Biophysikalische Chemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 42518, a.gottschalk@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 1 2018
15:43

Krebsforscher Dr. Sjoerd van Wijk erhält 222.500 Euro von der DFG

Todesrezeptoren in der Zelle besser verstehen

FRANKFURT. Über Leben und Tod fehlerhafter Zellen entscheidet im Körper ein ausgeklügeltes Kontrollsystem. Dabei spielen sogenannte Todesrezeptoren eine zentrale Rolle. Wie sie auf der molekularen Ebene funktionieren, untersucht der Krebsforscher Dr. Sjoerd van Wijk von der Goethe-Universität in einem neuen Projekt, das in den kommenden drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 222.500 Euro gefördert wird.

Eine funktionierende Kontrolle des programmierten Zelltods ist entscheidend für die fehlerfreie embryonale Entwicklung, das Funktionieren des angeborenen Immunsystems und die Vermeidung von Krebs. Wie Zellen den Schalter umlegen zwischen Überleben oder Untergang der Zelle und welche Signalwege daran beteiligt sind, ist bisher kaum erforscht. Bekannt ist lediglich, dass Proteine, die an die Todesrezeptoren binden, mit verschiedenen Formen von Ubiquitin-Ketten (M1/K63) markiert werden. Die Bindung an diese Ketten, die über das Zell-Schicksal entscheiden, kann wiederum durch Enzyme aufgehoben werden (Deubiquitinierungs-Enzyme).

„In unserem Projekt wollen wir das Netzwerk der M1-Deubiquitinierungsenzyme und seine Interaktion mit den Todesrezeptoren in Säugetierzellen untersuchen, um die fundamentale Rolle des Ubiquitins beim Zelltod und Zellüberleben zu verstehen“, erklärt Sjoerd van Wijk, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie. Ziel ist es letztlich, menschliche Krankheiten zu verstehen, insbesondere, wie Krebs sich ausbreitet und wie Zellen sich vor eindringenden Bakterien schützen.

In seiner Arbeitsgruppe verfolgt van Wijk multidisziplinäre Ansätze, die sich auf dem neuesten Stand der Technik befinden. Durch seine Kooperation mit Dr. Manuel Kaulich, dem Leiter des CRISPR/Cas Screening Center an der Goethe-Universität, hat er Zugang zu hocheffizienten Screening-Methoden für Molekül-Komplexe, die an Todesrezeptoren binden. Die Analyse dieser Molekül-Komplexe geschieht mithilfe der Ubiquitin-Massenspektrometrie am Institut für Biochemie II der Goethe-Universität (Prof. Ivan Dikic) und am Institute of Molecular Biology in Mainz (Dr. Petra Beli) sowie hochauflösender Mikroskopie am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität (Prof. Mike Heilemann).

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74652845
Foto: privat

Information: Dr. Sjoerd van Wijk, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 67866574, s.wijk@kinderkrebsstiftung-frankfurt.de.

 

Nov 1 2018
15:42

Biologen der Goethe-Uni suchen nach Gravitations-Rezeptoren

Völlig schwerelos: Pflanzen im Parabelflug

FRANKFURT. Nicht erst seit dem Hollywood Film „Der Marsianer“ weiß man, dass Pflanzen ein wesentlicher Bestandteil der bemannten Raumfahrt zu fernen Planeten sein werden. Doch wie reagieren Pflanzen auf veränderte Schwerkraftverhältnisse? Das untersucht Dr. Maik Böhmer vom ZERO-G Labor an der Goethe-Universität in diesen Tagen während einer Serie von Parabelflügen in Bordeaux.

Untersuchungsobjekt ist die Blütenpflanze Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand), die schon seit langem ein bewährtes Modellsystem in der Gravitationsbiologie ist. Im Rahmen des Projektes IMPACT im Arbeitskreis von Prof. Enrico Schleiff an der Goethe-Universität wurden Arabidopsispflanzen bereits mehrfach veränderten Gravitationsbedingungen ausgesetzt.

Dass Pflanzen auf Schwerkraft reagieren, erkennt man daran, dass ihre Organe in ganz bestimmter Orientierung zur Schwerkraft wachsen: Die Wurzel wächst zum Erdmittelpunkt, die Sprossachse davon weg. Die Wurzelspitze und eine Schicht der Sprossachse (Endodermis) sind zu diesem Zweck mit Zellen aus­ge­stattet, welche die Schwerkraft wahrnehmen. Darin enthalten sind Stärkekörper, sogenannte Stato­lithen. Was aber genau in diesen Zellen passiert und ob es einen Gravi-Rezeptor in Pflanzen gibt, ist noch unbekannt.

Um das herauszufinden, nutzen die Forscher europaweit Möglichkeiten, Pflanzen in sogenannter Mikrogravitation zu untersuchen. Dazu gehören der Fallturm des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) in Bremen, Parabelflüge der Firma Novespace in Bordeaux (Frankreich), Höhenforschungsraketen in Kiruna (Schweden) und die Internationale Raum­station (ISS). Beim Fallturm liegt die Experi­mentier­zeit bei 4,7 Sekunden, beim Parabelflug sind es bereits 22 Sekunden, bei der Höhenforschungsrakete bis zu fünf Minuten und auf der ISS können Experimente über mehrere Tage durchgeführt werden. Alle diese Möglichkeiten nutzt das IMPACT-Projekt, das seit März 2018 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für drei Jahre mit 350.000 Euro gefördert wird.

Indem die Forscher untersuchen, welche molekularen Prozesse in Schwerelosigkeit gesteuert werden, können sie auf den Einfluss der Schwerkraft zurückschließen. Während der jetzigen Parabelflüge werden etwa 60.000 Pflanzen mit einer eigens entwickelten Hardware in verschiedenen Phasen des Parabel­flugs fixiert: bei einfacher und doppelter Schwerkraft sowie unter Mikrogravitation. Später werden dann im Labor aktive Signal­prozesse mit moderner Massenspektrometrie sichtbar gemacht. Die ursprünglich im Forschungsprogramm nicht eingeplanten Flüge sind Dank einer zusätzlichen Förderung der Europäischen Weltraumagentur (ESA) und des Vereins der Freunde und Förderer der Goethe-Universität möglich. Partner des Arbeitskreises von Prof. Schleiff an der Goethe-Universität sind das DLR in Köln (Arbeitskreis Dr. Ruth Hemmersbach) und die Universität Wien (Arbeitskreis Prof. Wolfram Weckwerth).

„Obwohl die Zeit der Schwerelosigkeit mit 22 Sekunden noch recht kurz ist, erwarten wir auf­grund von Vorversuchen im Fallturm bereits erste Erkenntnisse über ent­sprechend schnelle Primärprozesse bei der Schwer­kraft­­­wahrnehmung“, erläutert Maik Böhmer. Im Fallturm hatten sich bereits nach 2,7 Sekunden erste messbare Veränderungen in den frühen Signalprozessen gezeigt. In späteren Analysen mit Pflanzen, bei denen die Gene für diese Prozesse gezielt abgeschaltet wurden, konnte dies bestätigt werden. „Mit einem längeren Zeitfenster und mehr Mess­punkten hoffen wir, nun ein Modell der pflanzlichen Schwerkraftperzeption und frühen Signaltransduktion aufstellen zu können“, ergänzt Prof. Schleiff.

Neben der Grundlagenforschung bildet das Projekt auch einen Ausgangspunkt für angewandte Forschungen. Da die Architektur der Pflanzen sich maßgeblich an der Schwerkraft orientiert und Seitentriebe einen bestimmten Winkel zur Schwerkraft einnehmen, könnte es durch ein Verständnis dieses Prozesses möglich sein, kompaktere Pflanzen zu züchten und damit Ertragssteigerungen zu erzielen.

Bildmaterial zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74651975

Bildunterschriften:

Bild A310-Zero-G1 und 2: Der ehemalige Kanzlerflieger der Bundesrepublik Deutschland wurde nach einem umfangreichen Umbau für den Einsatz als Parabelflieger als Forschungsflugzeug mit dem Namen A310 ZERO-G neu zugelassen. Seit März 2005 wird das Flugzeug von der Firma Novespace in Bordeaux für wissenschaftliche und private Parabelfluge eingesetzt.

Bild Team 1: Das Team der Goethe Universität mit Kollegen von der Uni Wien und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (von links): Ella Nukarinen (Uni Wien), Volkan Cevic (DLR), Maik Böhmer (GU), Stefan Simm (GU), Guangwei Xing (GU).

Bild Team 2: Das Team der Goethe Universität mit Kollegen von der Uni Wien und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hinter der verwendeten Hardware für die Versuche (von links): Guangwei Xing (GU), Ella Nukarinen (Uni Wien), Maik Böhmer (GU), Stefan Simm (GU), Volkan Cevic (DLR). In der Hardware befindet sich eine Fixierungsvorrichtung um die darin enthaltenen 10.000 Pflanzen zu verschiedenen Zeitpunkten während des Parabelflugs zu fixieren.

Information: Dr. Maik Böhmer, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Molekulare Zellbiologie der Pflanzen, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29296, Boehmer@bio.uni-frankfurt.de.

 

Okt 31 2018
14:06

Die Theologin Katharina Peetz spricht über den schwierigen Versöhnungsprozess im mehrheitlich katholischen Land im Osten Afrikas.

Vortrag: „Ruanda: Vom Völkermord zur Versöhnung?“

FRANKFURT. 1994 wurde Ruanda von einem blutigen Genozid erschüttert, in dem zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen ermordet wurden. Im „katholischsten“ Land Afrikas wurden Kirchen zu Massakerorten und Priester, Ordensleute sowie Laien aller größeren Denominationen waren direkt am Morden beteiligt. Nur wenige  Christinnen und Christen setzten sich unter Gefährdung des eigenen Lebens für Verfolgte ein. 24 Jahre nach dem Genozid ist die Rede von Versöhnung in Ruanda allgegenwärtig: als politischer Slogan im nationalen Einheitsprozess, als kirchlicher Auftrag oder als Selbstaussage von Überlebenden und Tätern: „Nun gibt es kein Problem mehr zwischen uns“. Im Zentrum des Vortrags von Dr. Katharina Peetz steht der facettenreiche postgenozidäre Versöhnungsprozess, der von der Spannung zwischen verordneter und geschenkter Versöhnung geprägt ist.

Dr. theol. Katharina Peetz, geb. 1984, Institut für Katholische Theologie der Universität des Saarlandes, ist seit 2016 Leiterin des DFG-Forschungsprojektes „Gelebte Theologie im Friedens- und Versöhnungsprozess Ruandas“. Im Rahmen ihres Forschungsprojektes verbrachte sie acht Monate in Ruanda und hat dort Interviews mit Überlebenden und Tätern des Genozids geführt.

Vortrag: „Ruanda: Vom Völkermord zur Versöhnung?“
6. November 2018, 18.00 Uhr, Campus Westend, IG-Nebengebäude, Raum 1.731, Goethe-Universität Frankfurt.

Kontakt: Carla Sicking, Wissenschaftliche Mitarbeiterin - Professur für Moraltheologie/Sozialethik, Fachbereich 7 (Katholische Theologie). Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-32938; sicking@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 31 2018
14:00

Prof. Petra Döll erhält die Henry Darcy-Medaille der European Geosciences Union

Hohe Auszeichnung für Frankfurter Wasserexpertin

FRANKFURT. Für ihre herausragende Forschung zu Vorkommen und Management der weltweiten Wasserressourcen erhält die Hydrologin Prof. Petra Döll vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität die Henry Darcy-Medaille der European Geosciences Union (EGU). Die Medaille wird im April 2019 auf der EGU-Jahrestagung in Wien feierlich übergeben.

Die Vereinigung der europäischen Geowissenschaftler würdigt Petra Döll als eine Pionierin bei der Modellierung der globalen Wasserressourcen. Bereits 1996 begann sie mit der Entwicklung des globalen hydrologischen Modells WaterGAP, ein Simulationsprogramm, mit dem die weltweiten Süßwasservorkommen und deren Nutzung abgeschätzt und vorhergesagt werden können. WaterGAP wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und ist in zahlreichen Studien eingesetzt worden, u.a. den Berichten der Vereinten Nationen zur Entwicklung der weltweiten Wasserressourcen sowie des Weltklimarats IPCC. Als Mitglied des IPCC untersucht Petra Döll seit 2001, welchen Einfluss der Klimawandel auf die weltweiten Wasserressourcen hat. Die in WaterGAP verwendeten Ansätze und Daten haben inzwischen Eingang in viele andere Modelle gefunden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Petra Döll ist die quantitative Bewertung der weltweiten Süßwasservorräte, wobei sie deren Verfügbarkeit ins Verhältnis zum Verbrauch setzt. Von besonderer Bedeutung ist, wie sich dieses Verhältnis zukünftig angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels entwickeln wird. Um dies zu veranschaulichen, nutzt Döll eine neue Art von Karten, bei denen die Flächen in Bezug auf die gezeigte Größe verzerrt sind. Auf solchen „amorphen Karten“ wirken beispielsweise wasserreiche Länder wie Brasilien aufgequollen. Dennoch kann dort Wasserknappheit herrschen, wenn die Bevölkerungsdichte und/oder der Wasserverbrauch entsprechend hoch sind.

Die Frankfurter Professorin hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für den weiblichen Nachwuchs in den Geowissenschaften eingesetzt. Bei ihren Doktorandinnen und Doktoranden wird sie als inspirierendes Vorbild geschätzt. Für eine verständliche öffentliche Darstellung ihrer Forschung setzt sich die Wissenschaftlerin in Vorträgen und Vorlesungen ein. Bei der Frankfurter Kinder-Uni erklärte sie 2010 in ihrem Vortrag „Genug Wasser für alle – wie schaffen wir das?“ mehr als 2000 Kindern eindrücklich, warum man zur Herstellung von Brot viel weniger Wasser braucht, als für die gleiche Menge Fleisch.

Die Darcy-Medaille ist nach dem französischen Ingenieur Henry Darcy (1803-1858) benannt. Als Verantwortlicher für die Wasserversorgung von Dijon untersuchte er unter anderem, wie die Grundwasservorräte durch Regenwasser aufgefüllt werden.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74627225
Bildrechte: Petra Döll

Information: Prof. Dr. Petra Döll, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40219, p.doell@em.uni-frankfurt.de.

 

Okt 31 2018
13:57

Am 7. und 8. November auf dem Campus Riedberg

Jobbörse für junge Naturwissenschaftler

FRANKFURT. In diesem Jahr veranstalten die Goethe-Universität (Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie), das JungChemikerForum der Gesellschaft Deutscher Chemiker und das Hochschulteam der Agentur für Arbeit Frankfurt zum 20. Mal die Jobbörse für Studierende und Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer

am 7. und 8. November jeweils von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr
im Biozentrum, Campus Riedberg, Max-von-Laue-Str. 9, 60439 Frankfurt.

Den drei Veranstaltern ist es gelungen, international renommierte Konzerne, insbesondere aus der Chemie- und Pharmabranche, als Teilnehmer zu gewinnen. An beiden Tagen wird Interessenten der Fächer Chemie, Pharmazie, Biologie, Physik, Geowissenschaften und Medizin, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen, wieder eine Plattform zum Austausch mit Firmenvertretern geboten.

Am 7. November können sich die Teilnehmer bei zahlreichen Workshops und Bewerbungsmappen-Checks umfangreich informieren. Eine Anmeldung hierfür erfolgt ausschließlich über die Internetseite der Jobbörse. (www.jobboerse-ffm.de)

Am 8. November kommen Messebesucher direkt mit Firmen an den Messeständen ins Gespräch oder lernen bei Firmenpräsentationen ihre potentiellen Arbeitgeber näher kennen. Namhafte Firmen der Chemie-, Biotechnologie- und Pharmabranche sowie der entsprechenden Consultingbranche aus ganz Deutschland präsentieren sich an diesem Tag und informieren über Einstiegs-, Praktika- und Karrieremöglichkeiten. Zum Abschluss des Tages besteht die Möglichkeit bei einem Bewerbungsgespräch auf der Bühne "live" dabei zu sein.

Information und Anmeldung für Workshops und dem Bewerbungsmappen-Check: www.jobboerse-ffm.de.

Für die Messe ist keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Okt 31 2018
13:50

Zweiter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Kunst im Lager. Zur Logistik von Exterritorialität

FRANKFURT. Die Kunstlogistik bildet sozusagen den Hinterhof des Kunstbetriebs. Abseits der Aufmerksamkeitsschwelle der Museumsbesucher und Kunstsammler garantieren die invisible hands der Spediteure Pünktlichkeit und Diskretion und offerieren eine Zwischenstation in den Grauzonen nationalstaatlicher Hoheitsgebiete. Der Vortrag „Kunst im Lager. Zur Logistik von Exterritorialität“ von Prof. Monika Dommann

am 7. November (Mittwoch) um 18 Uhr
im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt

geht der Frage nach, wie sich die Perspektive auf Kunstwerke verschiebt, wenn wir uns ihnen mit einem historischen und ethnographischen Blick auf Verpackung und Lagerung nähern. Dommann studierte Geschichte und Ökonomie und ist Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Sie forscht gegenwärtig zur Geschichte von Logistik und der Datacenters.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

21. November 2018
Prof. Bénédicte Savoy
Unsere Museen
ein übermäßiges und damit unbrauchbares Kapital?
Moderation: Prof. Vinzenz Hediger, Goethe-Universität

5. Dezember 2018
Prof. Elena Esposito
Die Realität der Fiktion
Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft
(Vortrag in englischer Sprache mit dt. Übersetzung)
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

19. Dezember 2018
Prof. Moritz Baßler
Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums
Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

23. Januar 2018
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2018
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 30 2018
14:55

Über eine Million Euro aus EU-Verbundprojekt fließen nach Frankfurt

Goethe-Uni intensiviert Forschung zu Seltenen Erkrankungen

FRANKFURT. Patienten mit so genannten Seltenen Erkrankungen haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Ein Grund ist, dass für die Forschung notwendigen Patientendaten in unterschiedlicher Sprache und Form vorliegen. Das soll ein neues Verbundprojekt der Europäischen Union, an dem die Goethe-Universität federführend beteiligt ist, jetzt ändern.

Für Patienten mit Seltenen Erkrankungen gehört es in der Regel dazu, von Arzt zu Arzt, von Experte zu Experte eine umfangreiche Sammlung von Papierdokumenten wie Arztbriefen, Befunden und Bildern zu tragen. Und wenn die Diagnose schließlich gestellt wird, stehen sie vor dem Problem, die richtige Therapie zu erhalten. Um ihnen schneller helfen zu können, müssten wertvolle Informationen über Krankheitsverlauf und Therapie, die jetzt an den einzelnen Gesundheitsversorgungseinrichtungen liegen, für eine notwendige europaweite Forschung verfügbar sein.

Das neue Verbundprojekt der Europäischen Union soll die technischen und inhaltlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Versorgungsdaten gemeinsam für die Forschung genutzt werden können. Dafür erhält die Goethe-Universität von den beteiligten deutschen Einrichtungen die mit Abstand größte Fördersumme: mehr als eine Million Euro in den kommenden fünf Jahren.

In Frankfurt soll insbesondere daran gearbeitet werden, Werkzeuge für die Zusammenführung und Vereinheitlichung von Patientendaten zu entwickeln. Dazu gehören u.a. Softwarelösungen für den Aufbau von erkrankungsspezifischen Patientenregistern. In solchen Registern können fortwährend spezifische Patientendaten erfasst werden. Dadurch ergeben sich repräsentativere Patientenkollektive, deren Daten aufgrund ihrer vereinheitlichten Speicherung sehr viel einfacher analysiert werden können.

„Ich denke, wir können mit Stolz sagen: In Europa kommt man künftig an Frankfurt in Sachen Patientenregister für Seltene Erkrankungen nicht mehr so leicht vorbei“, sagt Prof. T. O. F. Wagner vom Frankfurter Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen. Zusammen mit Dr. Holger Storf, Leiter der Medical Informatics Group hat er in den vergangenen Jahren eine Open-Source Registerplattform für Seltene Erkrankungen entwickelt. Die darin enthaltenen Module wurden u.a. zum Aufbau einer europäischen Plattform (European Rare Disease Registry Infrastructure) verwendet. Sie bilden auch die Grundlage für die jetzt bewilligten Arbeiten in Frankfurt, die gemeinsam mit Prof. Dr. Gernot Rohde, Leiter der Pneumologie am Universitätsklinikum, zu einer Verbesserung der Interoperabilität von Registern beitragen sollen.

„Seltene Erkrankungen sind ein erstklassiges Beispiel für ein Forschungsfeld, das stark von der Koordination auf europäischer und internationaler Ebene profitiert und hierfür eine technische Unterstützung benötigt“, erklärt Dr. Holger Storf. Das neue Projekt soll dazu beitragen, die Zersplitterung zu überwinden und Zusammenarbeit zu erleichtern.

Innerhalb des EU-Projekts sollen bereits bestehende Werkzeuge und Programme zusammengefasst und im größeren Maßstab weitergeführt werden. Daten aus Forschung und Klinik, Proben, Prozesse, Wissen und Expertise sollen künftig europaweit geteilt werden. Darüber hinaus soll ein effizientes Modell für die finanzielle Unterstützung aller Arten von Forschung zu Seltenen Erkrankungen – von den Grundlagen, über die Klinik bis hin zum Gesundheitssystem – eingeführt werden. Ziel ist, den wissenschaftlichen Fortschritt zu beschleunigen und damit typische Probleme und fortgesetztes Leiden bei Betroffenen zu reduzieren.

Die Goethe-Universität hat bereits mit verschiedenen erfolgreichen Projekten im Bereich Seltener Erkrankungen zu einer Verbesserung der Situation Betroffener beigetragen. Hervorzuheben ist hier beispielsweise der Versorgungsatlas für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (www.se-atlas.de), bei welchem Betroffene, Angehörige oder medizinisches Personal nach Experten oder Selbsthilfeorganisationen suchen können. Ebenso liegt die Koordination und technische Betreuung des Europäischen Referenznetzwerks für seltene Atemwegserkrankungen (ERN-LUNG) in Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. T.O.F. Wagner, Frankfurter Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069)- 6301 87899, t.wagner@em.uni-frankfurt.de.

Dr. Holger Storf, Medical Informatics Group (MIG), Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-84438, storf@med.uni-frankfurt.de.

 

Okt 30 2018
14:53

Fotoausstellung im I.G. Farben-Haus über die Vielfalt und Schönheit des Iran

Sārebān – Ästhetische Annäherungen

FRANKFURT. Unter dem Titel „Sārebān“ lädt die Goethe-Universität am Montag, 5. November, um 18 Uhr ins Foyer des I.G. Farben-Hauses am Campus Westend zur Eröffnung einer Ausstellung mit Fotografien aus dem Iran. Im Eisenhower-Raum im ersten Stock wird Vizepräsident Rolf van Dick die Ausstellung eröffnen.

„Sārebān“ bedeutet Karawanenführer, der Titel der Ausstellung spielt auf das persische Lied „Ey Sārebān koǧā mīrawī?/ Leylā-ye man čerā mībarī?“ (Oh, Karawanenführer wo gehst du hin?/ Warum bringst du meine Leyla fort?) an. Die ausgestellten Bilder sind während einer „Anbahnungsreise“ entstanden, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert worden ist. Im Rahmen des DAAD-Programms „Hochschuldialog mit der Islamischen Welt“ wurde das Projekt mit dem Titel „Ästhetische Annäherungen zwischen Sunniten und Schiiten“ von der Religionswissenschaftlerin Dr. Fateme Rahmati vom Fachbereich Erziehungswissenschaften ins Leben gerufen, die nun auch die Leitung innehat. Mit beteiligt sind das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, das Institut für Archäologische Wissenschaften (beide Goethe-Universität) und die „Islamic School of Art“ im Iran.

Die Fotografien, die für die Ausstellung ausgewählt wurden, zeigen erste Eindrücke eines interkulturellen, interreligiösen und interdisziplinären Dialogprojekts zwischen deutschen und iranischen Akademikern und Künstlern. Das Projekt „Ästhetische Annäherungen“, das auch den Rahmen für die Ausstellung bildet, bietet ein Forum, um über theologische, philosophische, ästhetische und somit kulturelle Gemeinsamkeiten und Differenzen zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen Austausch und Kooperation von Lehrpersonal durch gemeinsame Lehrveranstaltungen, kulturelle Veranstaltungen wie Tagungen und Ausstellungen, gemeinsame Betreuung von Qualifikationsarbeiten, gemeinsame Publikationen und wechselseitige Übersetzungen im Rahmen von Lektüre-Seminaren. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der gegenseitige Besuch der jeweiligen Partneruniversität. Zudem ist die Errichtung eines Arbeitskreises „Ästhetik Interdisziplinär“ vorgesehen, die die unterschiedlichen Fächer und Beteiligten an der Goethe-Universität bündelt und eine Netzwerkfunktion ausübt. Das Ergebnis aller Reflexionen wird in Form von neuen Kunstprojekten einem größeren Publikum zugänglich gemacht, so dass der angestoßene Dialog über den akademischen Betrieb hinweg fortgeführt werden kann.

Die Bilder sind aufgeteilt in vier Kategorien: Landschaft, Portraits, Streetphotography und Architektur. Die Ausstellung lädt die Besucher ein, in die Vielfalt und Diversität einer berühmten und doch fremden Kultur einzutauchen und sich von der Schönheit Irans und seinen Menschen verzaubern zu lassen.

Information und Anmeldung: Dr. Fateme Rahmati, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Pädagogik für Sekundarstufe (WEIII), Campus Bockenheim, Telefon 069 798-22381, E-Mail: rahmati@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2018
12:19

Lektorat Niederländisch der Goethe-Uni lädt zu Vortrag über den unterschiedlichen Umgang mit der Seuche – Mata Hari im Fokus einer weiteren Veranstaltung

Wo die Spanische Grippe fast ganz vergessen ist

FRANKFURT. Zum 100. Jahrestag des Endes vom Ersten Weltkrieg lädt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität zu zwei Vorträgen ein, die mit diesem Gedenktag zu tun haben. Es geht um die Spanische Grippe in Benelux und um die legendäre Mata Hari.

Am 30. Oktober 2018 um 19 Uhr im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812 (1. Stock),

hält der freie Journalist und Autor Utz Thimm einen Vortrag in deutscher Sprache, der sich mit der Spanischen Grippe in Benelux befasst. Diese größte Seuche des 20. Jahrhunderts ist in Belgien ebenso wie in Deutschland aus dem kollektiven Gedächtnis nahezu verschwunden. Anders als der Name vermuten lässt, wurde diese Krankheit nicht aus Spanien importiert, sondern während des Ersten Weltkrieges durch US-Soldaten nach Europa gebracht. Vom Sommer 1918 an verursachte ein Abkömmling des Influenza-Virus mehrere Krankheitswellen, daran starben im Benelux-Raum Zehntausende von Menschen. Dieses Massensterben ist in den Niederlanden und in Belgien sehr unterschiedlich präsent: Niederländer können in Sachbüchern über die Spaanse griep nachlesen; sie wurde karikiert und literarisch verarbeitet. In Belgien war sie hingegen nie ein Thema. Utz Thimm zeichnet den Verlauf der Spanischen Grippe in Belgien und den Niederlanden nach und erklärt die Unterschiede in den Erinnerungskulturen. 2014 hat U. Thimm in Gießen eine Ausstellung kuratiert und einen Band zu den „Gefangenen im Krieg. Gießen 1914-1919“ veröffentlicht.

Am 27. November 2018 um 19 Uhr im Seminarhaus (Campus Westend), Raum 1.109,

sprechen die beiden niederländischen Journalistinnen Jessica Voeten und Angela Dekker, die 2018 die Mata Hari-Biografie „Moed en overmoed“ („Mut und Übermut“) veröffentlicht haben, über das Leben der legendären Tänzerin und vermeintlichen (Doppel)Spionin. Für ihr 464 Seiten starkes Werk haben die Autorinnen zahlreiche bislang unbekannte oder unerforschte Archivstücke und Briefe ausgewertet. Im Zentrum steht eine selbstbewusste Frau, Mata-Hari, die 1876 in Leeuwarden (NL) als Margaretha Geertruida Zelle geboren wurde. Als Opfer eines spielsüchtigen, gewalttätigen und hochverschuldeten Ehemanns sah sie keinen anderen Ausweg, als sich als exotische und erotische Tänzerin in Paris ihren Lebensunterhalt zu verdienen, um nicht in die Prostitution abzurutschen. Die Autorinnen zeichnen diesen Weg detailliert nach und machen deutlich, dass dies weder eine leichte noch eine leichtsinnige Entscheidung war. Sie ließ ihre bürgerliche Existenz in den Niederlanden zurück und erfand sich in Paris neu als faszinierende, schillernde, verhängnisvolle Mata-Hari. 1917 wurde sie aufgrund vermeintlicher Spionagetätigkeiten für die Deutschen in Frankreich hingerichtet. Die Biografinnen gehen davon aus, dass Mata Hari wohl eher wegen ihres Lebenswandels als aufgrund tatsächlicher Beweise verurteilt wurde. Mata Haris Geburtsort Leeuwarden in Friesland (NL) ist 2018 Kulturhauptstadt Europas. Der Vortrag ist auf Deutsch und Niederländisch.

Information und Anmeldung: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität, artois@lingua.uni-frankfurt.de

Bilder zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/74568208

 

Okt 29 2018
12:16

Wie neue Technologien Raum und Geographie verändern

Digitale Geographien

FRANKFURT. Die Erfindung der Dampfmaschine ließ die Welt schrumpfen: Plötzlich konnten Menschen und Waren zuvor unüberwindlich erscheinende Distanzen mühelos meistern. Doch was macht die Digitalisierung mit unserer Raumwahrnehmung? Mit diesem Themenfeld befasst sich eine Vortragsreihe der Frankfurter Geographischen Gesellschaft.

Das Potenzial der „Digitalisierung“ wird häufig mit jenem der industriellen Revolution gleichgesetzt – nicht zuletzt in Hinblick auf Raum und Raumwahrnehmung. In ganz anderem Ausmaß als Dampfmaschine, Auto und Flugzeug haben Mobiltelefonie, Internet, E-Mail, Skype und Co. die Welt zu einem Dorf gemacht. Mittels „Virtueller Realität“ können wir heute die entferntesten Gegenden der Welt räumlich erfahren – vom Wohnzimmer aus. Dieser Wandel ist rasant und wuchtig. Die Informationsflut, mit der Individuum und Gesellschaft zunehmend konfrontiert sind, erfordert Anpassung und Lernprozesse. Die so genannten Digitalen Geographien versuchen, die räumliche Bedeutung dieses Wandels zu erfassen – indem einerseits ausgelotet wird, welche Möglichkeiten digitale Datenerfassung und -verarbeitung für unser Verständnis von Raum und räumlichen Prozessen bieten, andererseits, indem „Digitalisierung“ als Forschungsgegenstand in den Blick genommen wird und somit die gesellschaftlichen und räumlichen Implikationen des digitalen Wandels.

Die Vorträge im Einzelnen

Mittwoch, 31.10.2018, 18:15 Uhr
Smart Bodies? Digitale Geographien einer neuen Körper- und Verhaltenssteuerung
Prof. Dr. Peter Lindner (Universität Frankfurt am Main)

Digitale Technologien und Mikrosensoren in Smartphones, Smartwatches und sogenannten Wearables eröffnen neue Möglichkeiten, den eigenen Körper zu beobachten und alltägliche Verhaltensweisen im Hinblick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu optimieren. Der Vortrag gibt einen Überblick über das breite Spektrum möglicher Anwendungsbereiche und arbeitet Gemeinsamkeiten heraus, die darauf hindeuten, dass sich hier ein neues Regime räumlicher Verhaltenssteuerung abzeichnet, dessen Implikationen noch kaum abzusehen sind.

Mittwoch, 14.11.2018, 18:15 Uhr
Soziale Exklusionen in nutzergenerierten Geodaten: OpenStreetMap und Wikimapia in Israel/Palästina
Dr. Christian Bittner (Universität Erlangen-Nürnberg)

Digitale Geodaten werden im Web 2.0 zunehmend kollaborativ und freiwillig, durch selbst-organisierte online-communities generiert. Diese volunteered geographic information (VGI) wurden teilweise als Chance interpretiert, bislang marginalisierten Stimmen Zugang zur Erstellung und Verbreitung von geographischen Informationen zu eröffnen. Der Vortrag wirft einen kritischen Blick auf diese Deutungen und berichtet aus einem Forschungsprojekt zu sozialen Exklusionen in den VGI-Plattformen OpenStreetMap und Wikimapia im regionalen Kontext von Israel und Palästina.

Mittwoch, 28.11.2018 18:15 Uhr
Smart Development? Neue Technologien und Geographien der Entwicklung
Prof. Dr. Julia Verne (Universität Bonn)

Auch die Entwicklungszusammenarbeit setzt inzwischen auf die Digitalisierung von „Entwicklung“: Mit Hilfe von mobilen Informationsdiensten, digitalen Geldüberweisungen, Online-Partizipationsmöglichkeiten, e-Learning-Angeboten und größerer Transparenz durch Blockchain-Technologien sollen Entscheidungs-, Bildungs-, und Wertschöpfungsprozesse in Afrika unterstützt werden. Anhand von Beispielen zeigt dieser Vortrag, inwieweit sich durch die Nutzung mobiler Informations- und Kommunikationstechnologien jedoch oftmals mehr als nur das Werkzeug von „Entwicklung“ verändert. Dies wiederum gibt Anstoß für neue Fragen und Herangehensweisen der Geographischen Entwicklungsforschung im digitalen Zeitalter.

Mittwoch, 12.12.2018 18:15 Uhr
Geoinformation. Eine Schlüsselressource des 21. Jahrhunderts
Prof. Dr.-Ing. Robert Seuß (Frankfurt University of Applied Sciences)

Der Vortrag thematisiert die Entwicklung der Geoinformation von der einfachen Digitalisierung von Karten über die Nutzung von Geoinformationen in raumbezogenen Fachverfahren bis hin zur Vernetzung und Verteilung von Geodaten mittels Geodateninfrastrukturen und deren umfassende Anwendung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Da die überwiegende Zahl aller Planungs- und Entscheidungsprozesse einen Raumbezug hat, sind Geoinformationen eine Schlüsselressource der Informationsgesellschaft.

Mittwoch, 16.01.2019 18:15 Uhr
Von der Wandkarte zur virtuellen Realität – Digitalisierung des Geographieunterrichts (oder: was wir in der Schule machen könnten, wenn man uns ließe!)
Studiendirektor Dietmar Steinbach (Gießen) 

Wenn Schule den Auftrag ernst nimmt, die kommenden Generationen auf das Leben in dieser vernetzten Welt vorzubereiten, muss Unterricht mit den rasanten Veränderungen Schritt halten und das nicht nur durch den Einsatz digitaler Technik, sondern vor allem durch die Weiterentwicklung der Unterrichtskonzepte.

Mittwoch, 30.01.2019 18:15 Uhr
Big Data in der geographischen Erdbeobachtung
Prof. Dr. Christiane Schmullius (Universität Jena)

Das Copernicus-Programm von EU und ESA eröffnet mit der Sentinel-Satellitenflotte hervorragende Möglichkeiten der Nutzung von Fernerkundungsdaten. Die Kontinuität der Missionen ist bis 2030 gewährleistet und der Datenzugang frei. Der Vortrag skizziert die Breite der neuen Entwicklungen bei der Nutzung von Sentineldaten aus Sicht der Forschung. Schwerpunkt sind die laufenden Projektarbeiten am Jenaer Lehrstuhl zur regionalen und globalen Forstkartierung, Beiträge zu einer landwirtschaftlichen Ertrags-Abschätzung und Konzepte eines Bodenfeuchtemonitorings für die Thüringer Verwaltung. 

Mittwoch, 13.02.2019 18:15 Uhr
‚Smarte‘ Städte? Wie digitalisierte urbane Infrastrukturen Räume produzieren und ihre Bewohner und Bewohnerinnen prägen
Prof. Dr. Anke Strüver (Universität Graz) 

Die beschleunigte Digitalisierung städtischer Infrastrukturen sowie die Allzeit- und Echtzeit-Verfügbarkeit von Informationen und Daten führen zu veränderten Raumwahrnehmungen und –nutzungen. Es stellen sich die Fragen, welche sozialräumlichen und politischen Folgen das Smart City-Konzept hat, welche alternativen und emanzipativen Nutzungen digitaler Infrastrukturen jenseits ökonomischer Datenverwertungsinteressen existieren und wie sich Städte durch den digitalisierten Alltag ihrer Bewohner verändern. Der Vortrag fasst Themenstränge der Smart City-Debatten zusammen, die sich affirmativ wie interventionistisch mit konkreten Raumproduktionen beschäftigen, um anschließend Thesen zur digitalisierten Stadt jenseits von Utopie und Dystopie zu diskutieren.

Die Vorträge finden im Hörsaalzentrum der Goethe-Universität am Campus Westend statt, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, Hörsaal 10, 3. Etage (Aufzug).  Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Mitglieder der Frankfurter Geographischen Gesellschaft haben freien Eintritt.

Information und Anmeldung: Dr. Mathias Rodatz, Institut für Humangeographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Westend, Telefon +49 (0) 69 798-35175, E-Mail rodatz@geo.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2018
12:09

Prof. Thomas Zittel erhält ORA-Förderung zur Untersuchung parlamentarischer Repräsentation in fluiden Wählermärkten

Politik in Zeiten von Wechselwählern

FRANKFURT. Einmal SPD-Wähler, immer SPD-Wähler? Diese Konstanz beim Wahlverhalten gehört der Vergangenheit an. Doch was bedeutet die Auflösung von Parteibindungen für die parlamentarische Repräsentation? Mit dieser Frage befasst sich der Politologe Prof. Thomas Zittel an der Goethe-Universität zusammen mit einem internationalen Team. Gemeinsam war die Forschergruppe beim Open Research Area (ORA) Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich.

Das ORA-Projekt wird unter dem Titel „The Nature of Political Representation in Times of Dealignment“ durchgeführt. Es untersucht die in der Demokratie essentielle Verbindung zwischen Bürger und Parlament. Diese ist in den vergangenen Jahrzehnten durch einen klaren Trend bestimmt: Politische Parteien haben als zentrale Scharniere zur Vermittlung zwischen Bürgerinteressen und parlamentarischer Entscheidungsfindung stark an Bindungs- und Gestaltungkraft verloren. Wie wirkt sich das auf die Art und Weise und den Grad aus, wie der Bürgerwille durch parlamentarische Eliten wahrgenommen und repräsentiert ist? Das internationale Forscherteam untersucht durch eine Reihe von verhaltensanalytischen Verfahren insbesondere die Rolle geographischer und sozialer Bezüge als alternative oder komplementäre Bindeglieder politischer Repräsentation in „fluiden“ Wählermärkten.

Prof. Zittel kooperiert in diesem Projekt mit den Mitantragstellern Prof. Rosie Campbell (King’s College London) und Prof. Tom Louwerse (Universität Leiden). Das Forscherteam wird für einen Zeitraum von zwei Jahren und drei Monaten mit insgesamt 800.000 Euro gefördert. Das Vorhaben ist eines von 16 neu geförderten Projekten im Rahmen des 5. ORA Open Calls (aus etwa 300 Voranträgen und 63 eingeladenen Vollanträgen). Bei ORA handelt es sich um eine Kollaboration zwischen den nationalen Forschungsförderungsorganisationen Frankreichs (ANR), Deutschlands (DFG), der Niederlande (NWO) und Großbritanniens (ECRC).

Informationen: Prof. Dr. Thomas Zittel, Professur für Vergleichende Politikwissenschaft, Institut für Politikwissenschaft, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Telefon +49(0)69 798-36678, E-Mail: zittel@soz.uni-frankfurt.de, Webseite: http://www.fb03.uni-frankfurt.de/42421522/tzittel

Infos zum 5. ORA Open Call: http://www.dfg.de/en/research_funding/announcements_proposals/2018/info_wissenschaft_18_66/index.html

 

Okt 29 2018
11:19

Innovative Versorgung durch ein multidisziplinäres Team

Depressionen im Altenpflegeheim besser behandeln

FRANKFURT. Das Forschungsprojekt DAVOS hat sich als Ziel gesetzt, die Behandlung von Depressionen in Pflegeheimen zu verbessern. Denn neben der Demenz ist die Depression im Alter die zweithäufigste psychische Erkrankung. Da die Versorgung große Defizite aufweist, hat das Institut für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität das Forschungsprojekt DAVOS ins Leben gerufen. Die Initiatoren kooperieren mit zehn Pflegeeinrichtungen (Frankfurter Verband und Agaplesion Markus Diakonie) im Frankfurter Raum sowie mit dem Hessischen Institut für Pflegeforschung (Frankfurt University of Applied Sciences).

Zu einer Informationsveranstaltung lädt Sie der Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin ein

am Montag, 5. November 2018 von 12:00 bis 14:30 Uhr im Festsaal des Casino-Gebäudes, Campus Westend, Goethe-Universität, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt.

Die beteiligten Forscher stellen Ihnen das Projekt vor. Sie erhalten dabei prominente Unterstützung durch den Arzt und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen sowie den Psychologen und Buchautor Prof. Martin Hautzinger von der Universität Tübingen.

Das Programm:

12:00 Empfang mit Imbiss

12:30 Grußwort
Stefan Majer, Stadtrat, Dezernent für Personal und Gesundheit

12:45 Projektvorstellung „DAVOS“
Prof. Dr. Johannes Pantel, Dr. Valentina Tesky, Dipl.-Psych., M.A. Arthur Schall, Arbeitsbereich Altersmedizin, Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Ulrich Stangier, Zentrum der Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Ulrike Schulze, Hessisches Institut für Pflegeforschung (HessIP), Frankfurt University of Applied Sciences

13:15: „HUMOR HILFT HEILEN – Wie die positive Psychologie das Gesundheitswesen verändert
Dr. Eckart von Hirschhausen – Arzt, Kabarettist und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN

14:00: „Schwermut im Alter lässt sich gut behandeln! Zur Psychotherapie bei Depressionen im Alter“
Prof. Dr. Martin Hautzinger, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie, Eberhard Karls Universität Tübingen

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Informationen: Dipl.-Psych. Arthur Schall und Dr. Valentina Tesky, Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin, Campus Niederrad, Tel. (069) 69-6301-7657, schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de, tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

 

Okt 26 2018
14:29

Dr. Daniel Merk erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis

Experimenteller Wirkstoff für nicht-alkoholische Fettleber-Hepatitis ausgezeichnet

FRANKFURT. Der Pharmazeut Dr. Daniel Merk, Nachwuchsgruppenleiter an der Goethe-Universität und Stipendiat an der ETH Zürich, ist für seine Arbeit zur Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber-Hepatitis (Steatohepatitis) mit dem Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird jährlich in vier Kategorien für innovative und herausragende Forschungsprojekte in der Pharmazie vergeben.

Die nicht-alkoholische Fettleber und deren fortgeschrittene Form, die nicht-alkoholische Steatohepatitis, bei der es zusätzlich zu Entzündungen in der Leber kommt, treten in Verbindung mit dem metabolischen Syndrom auf. Darunter versteht man das „tödliche Quartett“ aus Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterin- und Blutzuckerwerten. Die Forschungsgruppe um Dr. Merk hat einen experimentellen Wirkstoff entwickelt, der gleichzeitig an zwei biologischen Zielstrukturen angreift, die an der Entstehung der nicht-alkoholischen Fettleber beteiligt sind. Zum einen aktiviert der Wirkstoff einen Rezeptor (FXR), der Fettakkumulation und die Bildung narbigen (fibrotischen) Gewebes in der Leber unterdrückt. Zum anderen hemmt er ein Enzym (lösliche Epoxidhydrolase), wodurch Entzündungsreaktionen reduziert werden.

„Diese von zwei Seiten ansetzende therapeutische Strategie verspricht Synergien, wie wir in funktionellen Tiermodellen zeigen konnten“, erklärt Daniel Merk, der ebenfalls Fellow an der Eidgenössisch-Technischen Universität in Zürich ist. Um das duale Konzept zu realisieren, hat sein Team zwei Moleküle mit bereits bekannter pharmakologischer Wirkung strukturell vereinigt und dann systematisch erforscht, wie diese verschmolzenen Derivate mit den beiden Zielstrukturen wechselwirken. Durch systematische strukturelle Variationen gelang es den experimentellen Wirkstoff zu entwickeln, der bereits mit geringsten Dosen eine hochspezifische Wirkung erzielt. So treten auch weniger unerwünschte Nebenwirkungen auf.

„Die umfangreiche Charakterisierung des Wirkstoffs an Zellkulturen im Labor hat eine hohe duale Wirksamkeit in Kombination mit einer geringen Toxizität bestätigt“, so Daniel Merk. Eine Pilotstudie in Mäusen zeigte darüber hinaus, dass der Wirkstoff auch in lebenden Organismen an beiden Zielstrukturen wie gewünscht angreift. Außerdem wurde in Krankheitsmodellen in Nagern sehr vielversprechende Wirksamkeit beobachtet.

Der Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis, der in diesem Jahr zum 22. Mal im Frankfurter Palmengarten vergeben wurde, wird für Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgeschrieben. Eine unabhängige Jury unter der Leitung von Prof. Jörg Kreuter von der Goethe-Universität bewertet Arbeiten aus den Fachbereichen Pharmakologie und Klinische Pharmazie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Chemie sowie Pharmazeutische Technologie.

Publikation: Daniel Merk: A Dual Modulator of Farnesoid X Receptor and Soluble Epoxide Hydrolase to Counter Nonalcoholic Steatohepatitis (Veröffentlicht in: Journal of Medicinal Chemistry 2017, 60(18), 7703-7724).

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74547143

Fotos: PHOENIX group

Bildtext:

Gruppenbild: Prof. Dr. Peter Gmeiner (Jurymitglied), Prof. Dr. Gabriele M. König (Jurymitglied), Prof. Dr. Dirk Hoffmeister, Universität Jena, Prof. Dr. Dagmar Fischer, Universität Jena, Oliver Windholz, CEO PHOENIX group, Prof. Dr. Peter Ruth (Jurymitglied), Prof. Dr. Rohini Kuner, Universität Heidelberg, Dr. Daniel Merk, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Prof. Dr. Jörg Kreuter (Vorsitzender der Jury)

01_Grußwort OW: Grußwort von Oliver Windholz, CEO PHOENIX group

02_ Moderatorin Nina Ruge im Gespräch mit Oliver Windholz, CEO PHOENIX group

MFF_2902: Die Verleihung fand im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengarten statt.

Information: Dr. Daniel Merk, Institut für Pharmazeutische Chemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29327, merk@pharmchem.uni-frankfurt.de.

 

Okt 26 2018
14:16

„Die neue Lust an der Zerstörung“ ist am 3. November 2018 das Thema der Kooperationsveranstaltung mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ im Schauspiel Frankfurt

46. Römerberggespräche: Demokratie braucht Streit – aber richtig

FRANKFURT. Shitstorms, Hate Speech, Schmähkritik: Wo gestern noch mit harten Bandagen argumentiert wurde, geht's heute direkt unter die Gürtellinie. Das vergiftet nicht nur das private Miteinander, sondern wirkt sich auch auf die Politik und den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus – wenn nicht streitbar gegensteuert wird. „Die neue Lust an der Zerstörung – oder wie die Demokratie ihre Fassung bewahrt“ heißt die mittlerweile 46. Auflage der Römerberggespräche am 3. November im Schauspiel Frankfurt. Von 10 Uhr bis zum frühen Abend beschäftigen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Politik mit dem Streit und wie man ihn produktiv einsetzen kann. Die interessierte Öffentlichkeit ist bei freiem Eintritt herzlich willkommen.

Das öffentliche Klima wird derzeit nicht nur rauer. In Gesellschaft und Politik scheint sich geradezu eine neue Lust an der Zerstörung breitzumachen. International und national, digital und analog, rechts und links gilt: Lieber vor einem Scherbenhaufen stehen als sich in das Korsett der hergebrachten Ordnung zwängen zu müssen. Der destruktive Charakter eines Donald Trump erscheint plötzlich als normsetzendes Vorbild. Die aktuellen Römerberggespräche im Chagallsaal des Schauspielhauses, ausgerichtet in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, gehen unter anderem diesen Fragen nach: Was steckt hinter der Lust am gezielten Tabubruch? Wie sollen Gesellschaft und Politik mit der Radikalisierung und auch Emotionalisierung umgehen? Lassen sich Wut, Empörung und Hass in Dialogbereitschaft überführen?

Insgesamt stehen fünf Vorträge und eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Die Moderation hat Alf Mentzer vom Hessischen Rundfunk. Nach der Eröffnung spricht um 10.15 Uhr Nicole Deitelhoff, Politikprofessorin an der Goethe-Universität, Mitglied des Exzellenzclusters und Direktorin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. „Demokratie braucht Streit!“, so lautet die These ihres Vortrags mit dem Untertitel „Zur integrativen Kraft gesellschaftlicher Konflikte“. Abgesehen von einem natürlich kritisch zu sehenden Verfall der Debattenkultur stehe Streit, so Deitelhoff, nicht im Widerspruch zu einer demokratischen Vorstellung gesellschaftlichen Zusammenhangs, sondern sei vielmehr für sie konstitutiv.

Um 11.15 Uhr analysiert Thorsten Thiel den „Unruheherd digitale Öffentlichkeit“. Der Politikwissenschaftler leitet die Forschungsgruppe „Digitalisierung und Demokratie“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin und ist Research Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Neben den Gefährdungspotenzialen der digitalen Transformation nimmt das assoziierte Mitglied des Clusters auch die Handlungsoptionen demokratischer Politik in den Blick.

„Die neue Lust an Gefühlen“ lautet um 12.15 Uhr das Thema der Historikerin Ute Frevert, Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und dort Leiterin des Forschungsbereichs „Geschichte der Gefühle“. Die neue Lust an der Zerstörung, so ihre These, sei auch eine Lust an zerstörerischen Gefühlen. Demütigung werde zur politischen Waffe.

Um 14.15 Uhr, nach der Mittagspause, spricht Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, über „Strategische oder prinzipiengeleitete Kommunikation: Das Grundgesetz und die Grenzen der Verhandelbarkeit“. In der politischen Kommunikation bedürfe es, so Möllers, zum einen einer emotionalen Distanzierung gerade auch von den Anliegen, die man selbst für besonders wichtig hält, und zum anderen einer genaueren Überlegung, wann rein strategische Reaktionen auf fundamentale Herausforderungen besser geeignet erscheinen, die Auseinandersetzung weiter zu bringen.

Das Podiumsgespräch um 15.15 Uhr trägt den Titel „Eine Frage der Form. Von der Kunst der demokratischen Geselligkeit“. Hier wird nach den Manieren des politischen Diskurses gefragt. Welche Sprache ist ihm angemessen, gibt es so etwas wie eine demokratische Kultur hinsichtlich des öffentlichen Umgangs miteinander, und wenn ja, wie sollte diese aussehen? Die Diskutanten sind: Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin, und Till van Rahden, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Université de Montréal.

Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität, hält um 16.30 Uhr den abschließenden Vortrag „Zwei schlechte Hälften ergeben kein Ganzes. Zur Krise der Demokratie“. Die eine Hälfte, so der Co-Sprecher des Clusters, pervertiere die Demokratie, indem sie diese zu einem Herrschaftsinstrument für Gruppen mache, die sich zum wahren Volk erklären, die andere setze auf nationale Lösungen einer politischen Neuordnung der globalen Ökonomie. Die Demokratie, als Praxis der Gerechtigkeit, sei aber nur auf transnationaler Ebene wieder herstellbar.

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Clusters.

Programm: www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net/de/roemerberggespraeche

Informationen: Gabriele Schmidt, Koordinatorin der Römerberggespräche, Tel.: 0 176 8181 6560, gabriele.schmidt@roemerberggespraeche-ffm.de

Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

 

Okt 25 2018
13:34

Frankfurter Theaterwissenschaft lädt zur Diskussion

Implodiert das Stadttheater?

FRANKFURT. Der Bereich Theaterwissenschaft des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität veranstaltet dieses Wochenende eine Master Class zum Thema „Implosion der Institution Stadttheater? Geschichte, Analyse, Perspektiven", zu der nationale und internationale Gäste aus Theorie und Praxis beitragen werden.

Neben Eingangsstatements der renommierten Theaterwissenschaftlerin Ulrike Haß und des Leiters des Zürcher Theater Spektakel Matthias von Hartz nehmen auch die zu dieser Spielzeit neu ins Amt gestarteten Intendantinnen des Hessischen Landestheaters Marburg - Eva Lange und Carola Unser - sowie Vertreter und Vertreterinnen der Münchner Kammerspiele, des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, des Vidy Lausannes und des Toneelhuis in Antwerpen als Gäste an verschiedenen Gesprächsrunden teil. Mit dabei sind auch Theaterexperten aus Finnland, Belgien, Norwegen und Frankreich, die dort jeweils in theaterwissenschaftlichen Studiengängen tätig sind und Modelle eines institutionellen Stadt-/Staatstheaters aus ihren jeweiligen Ländern zur Diskussion stellen. Ergänzt wird dieses Programm durch Beiträge von Frankfurter Studierenden, die sich seit dem vergangenen Sommersemester intensiv mit dem Konferenzthema auseinandersetzen.

Weitere Termine

Donnerstag, 25.10.

18-19:30 Uhr
Krisen des Stadttheaters? Ausgangspunkte
Nikolaus Müller-Schöll, Ulrike Haß, Matthias von Hartz

19:30-21 Uhr
Podiumsdiskussion: Potentiale und Politiken des heutigen Stadttheaters
Mit Eva Lange & Carola Unser, Christoph Gurk, Jan Linders
Anschließend: Imbiss und Umtrunk

Freitag, 26.10.

9:30-13 Uhr
Herrschaftszeiten. Zur Reproduktion hegemonialer Beziehungen in Theaterzusammenhängen
Vortragende: Deborah Raulin und Olivia Hotz

Theater ohne die Anderen. Zum Recht auf Erscheinung und Mitsprache
Vortragende: Antigone Akgün und Insa Peters

Wächter und Maulwürfe. Zum Umgang mit der Institution
Vortragende: Falk Rößler, Anna Neudert, Hilko Eilts

14:30-16 Uhr
Podiumsdiskussion: Was war da noch? Die vergangene Zukunft des Frankfurter Mitbestimmungsmodells der 1970er Jahre
Mit Renate Klett und Rainer Römer 

16-17 Uhr
Implosion und Kritik
Vortragende: Bernhard Siebert und Melanie Hirner

17-18:30 Uhr
Anders scheitern. Die Beispiele Wien und Taipeh
Vortragende: Ching-Wen Peng und Andreas Fleck

Samstag, 27.10.

10-11:30 Uhr
Beyond the municipal theatre – Jena, Lausanne, Antwerpen
Mit Jonas Zipf, Anne-Christine Liske, An-Marie Lambrechts 

11:30-13:30 Uhr
Other Countries – same problems? Examples of Belgium, France, Finland and Norway
Mit Tore Vagn Lid, Nikolaus Müller-Schöll, Katariina Numminen , Christophe Triau, Karel Vanhaesebrouck

Die Veranstaltung findet am Campus Westend der Goethe-Universität statt, im Casinogebäude Raum 1.811, Nina-Rubinstein-Weg 1. 

Informationen: Sophie Osburg, M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Telefon 069/798-32069, E-Mail osburg@tfm.uni-frankfurt.de; Anmeldung unter implosion.stadttheater@gmail.com

Das Programm zum Download finden Sie https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/hoelderlin/veranstaltungen/implosion-stadttheater/

 

Okt 25 2018
11:19

Schon vor dem ersten Augenöffnen können lokale Schaltkreise globale Effekte hervorrufen

Überraschende Netzwerkaktivität im unreifen Gehirn

FRANKFURT. Ein noch immer ungelöstes Rätsel der Großhirnrinde ist, wie einzelne Nervenzellen sich zu räumlich ausgedehnten Netzwerken verbinden. Neue Einsichten hat ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung der Goethe-Universität sowie FIAS jetzt aus spontan erzeugten Aktivitätsmustern lokaler Netzwerke in der Sehrinde gewonnen. Offenbar bilden diese die Grundlage für langreichweitige Nervenverbindungen, die im Laufe der Entwicklung unter dem Einfluss von Hirnaktivität geknüpft werden.

Wie die Wissenschaftler des Max-Planck-Florida-Instituts für Neurowissenschaften, des Frankfurt Institute for Advanced Studies, der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Minnesota in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Neuroscience berichten, untersuchten sie die Sehrinde (den visuellen Cortex) des Frettchens, ein ideales Modellsystem für die frühe Entwicklung von Netzwerken in der Großhirnrinde. Diese bestehen aus Tausenden von Neuronen und sind über mehrere Millimeter der Hirnoberfläche verteilt. In der Sehrinde repräsentiert die Aktivität eines Netzwerks bestimmte Merkmale einer mit den Augen wahrgenommenen Szene, etwa die Orientierung von Kanten oder die Bewegungsrichtung eines Objektes.

Mithilfe von Kalzium-Bildgebungsverfahren konnten die Wissenschaftler spontane, also nicht durch Seheindrücke erzeugte Aktivitätsmuster mit bisher beispielloser Auflösung sichtbar machen. Dabei stellten sie zu ihrer Überraschung fest, dass die spontanen Aktivitätsmuster entfernter Populationen von Neuronen stark korreliert waren: So sehr, dass die Forscher aus der Aktivität kleiner Populationen zuverlässig vorhersagen konnten, wie Neuronen in einigen Millimetern Entfernung auf Sehreize von außen antworten würden.

Im nächsten Schritt nutzten die Forscher die bemerkenswerte Übereinstimmung von spontanen und visuell hervorgerufenen Netzwerkmustern, um herauszufinden, wie sich die Interaktion von Netzwerken im jungen Gehirn entwickelt. Dazu untersuchten sie die spontanen Aktivitätsmuster in einem frühen Stadium vor der ersten Seherfahrung. Sie erwarteten, dass diese sich vor und nach der Augenöffnung stark unterscheiden würden. Bisher war man nämlich davon ausgegangen, dass langreichweitige Verbindungen, die in der unreifen Großhirnrinde noch nicht vorhanden sind, die Grundlage für ausgedehnte Aktivitätsmuster bilden. Tatsächlich beobachteten die Forscher aber bereits vor Augenöffnung robuste langreichweitige Muster korrelierter spontaner Aktivität. Sie erstreckten sich über Entfernungen, die mit denen im reifen Gehirn vergleichbar sind.
 
Konfrontiert mit dieser paradoxen Beobachtung überlegten die Forscher, ob die langreichweitigen korrelierten Muster in dieser frühen Entwicklungsphase durch Aktivitätsmuster erzeugt werden, die sich über hintereinander geschaltete, lokale Verbindungen in der Hirnrinde ausbreiten, gleich einem Waldbrand. Um diese spannende Möglichkeit zu testen, erstellte Matthias Kaschube, Professor für Informatik an der Goethe-Universität und Fellow am Frankfurt Institute of Advanced Studies (FIAS), zusammen mit seiner Doktorandin Bettina Hein ein Computermodell der Struktur lokaler Verbindungen in der unreifen Sehrinde. In Simulationen fanden sie heraus, dass dieses Modell die Muster der experimentell beobachteten, spontanen langreichweitigen Korrelation präzise reproduzieren kann. Verbindungen über große Entfernungen sind dafür nicht notwendig.

Zusammenfassend legen diese Ergebnisse nahe, dass die räumlich ausgedehnte Ordnung in der jungen Großhirnrinde von Nervenaktivität herrührt, die sich durch lokale Verbindungen ausbreitet. Mit anderen Worten: lokale Verbindungen bauen ein Gerüst für globale Netzwerkaktivität auf. Nach der verbreiteten Regel "what fires together wires together" kann diese Netzwerkaktivität dann bewirken, dass sich langreichweitige Verbindungen ausbilden. In einem Twist des allgemein bekannten Satzes "global denken, lokal handeln" wirken kortikale Schaltkreise lokal, um globale Effekte zu erzielen. Zukünftige Studien sollen diese Vorhersage untersuchen und ergründen, ob tatsächlich aktivitätsabhängige Plastizitätsmechanismen die Struktur langreichweitiger Verbindungen prägen, und zwar auf der Grundlage der Aktivitätsmuster, die aus lokalen Verbindungen in der Hirnrinde stammen.

Publikation: Gordon B Smith, Bettina Hein, David E Whitney, David Fitzpatrick, Matthias Kaschube: Distributed network interactions and their emergence in developing neocortex (2018), in Nature Neuroscience. http://www.nature.com/articles/s41593-018-0247-5

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74522335

Räumliche Muster der spontanen Korrelation in der Sehrinde in einem unreifen Gehirn vor der Augenöffnung (links) erstrecken sich über mehrere Millimeter. Sie ähneln dem räumlichen Muster der Antwort auf visuelle Reize nach Augenöffnung (rechts); Data: MPFI.

Bildrechte: Bettina Hein

Informationen: Prof. Matthias Kaschube, Institut für Informatik und Frankfurt Institute of Applied Sciences, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47521, kaschube@fias.uni-frankfurt.de.