​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Feb 21 2019
10:48

Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Aufschieben war gestern

FRANKFURT. „Wenn's mal wieder später wird“ – unter diesem Motto lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität

von Donnerstag, 7. März, 20 Uhr, bis Freitag, 8. März, 5 Uhr
in Q1 des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften
(IG Farben-Gebäude, Norbert Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt)

zum neunten Mal zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“.

Die Aktion findet bundes- und mittlerweile sogar weltweit am ersten Donnerstag im März statt. „Gemeinsam mit anderen lässt sich so manche Schreibblockade leichter überwinden“, erklärt Anna Pietsch, Tutorin am Schreibzentrum. Es werden Workshops rund um das Lesen und Schreiben wissenschaftlicher Texte angeboten, zu Zeitmanagement und Argumentationstechnik. Studentinnen und Studenten können sich aber auch individuell beraten lassen oder beim Yoga hilfreiche Entspannungstechniken lernen. „Durch unseren methodischen Ansatz unterstützen wir die Studierenden bei der Umsetzung ihrer Schreibprojekte“, sagt Timo Schmidt, ebenfalls Tutor des Schreibzentrums. „Das Angebot ist keineswegs nur für untere Semester, auch fortgeschrittene Studierende können hier noch einiges mitnehmen“, ist er überzeugt.

Das seit 2009 etablierte Schreibzentrum ist Teil des Zentrums Geisteswissenschaften im Programm „Starker Start ins Studium“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Das Angebot umfasst Workshops, Kurse, Beratung und Handreichungen für Studierende, Promovierende und Lehrende. Ziel ist es, Studierende beim Aufbau von Schreibkompetenz zu unterstützen. Die seit 2011 veranstaltete „Lange Nacht“ wird von rund 200 Studierenden und Promovierenden besucht und gilt als eines der Highlights im Programm. 2019 findet sie erstmalig in Kooperation mit dem Internationalen Studien- und Sprachenzentrum (ISZ) statt. Deshalb gibt es 2019 auch Angebote für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Ebenfalls erstmals dabei ist das Zentrum für Hochschulsport, dessen Yoga-Einheiten Studierenden in der langen Nacht konzentrierter Schreibarbeit Entspannungspausen zum Krafttanken bieten werden.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, über die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ zu berichten. Dafür melden Sie sich bitte vorab bis 6. März 2019 bei Dr. Nora Hoffmann, Leiterin Schreibzentrum, Telefon +49(0)69 798 32846, E-Mail: n.hoffmann@em.uni-frankfurt.de.

Information: http://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/45192437/LNDAH

 

Feb 20 2019
10:48

Die Verfassungsrechtlerin Ute Sacksofsky spricht am 26. Februar in der „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Grundgesetz und Gleichberechtigung

FRANKFURT. Das Grundgesetz ist 70 Jahre alt. Seine unverminderte Aktualität steht im Mittelpunkt der laufenden „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Nach dem Rechtsphilosophen Günter Frankenberg und dem politischen Philosophen Rainer Forst wird nun ein weiteres Mitglied des Exzellenzclusters referieren. Am 26. Februar spricht die Verfassungsrechtlerin Ute Sacksofsky über „Gleichberechtigung _ Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?“ Die Veranstaltung im Chagallsaal des Schauspielhauses beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro, ermäßigt acht Euro.

Das Schauspiel Frankfurt hat die partizipative Vortrags- und Diskussionsreihe „Denkraum“ in der vergangenen Spielzeit ins Leben gerufen. Das aktuelle Oberthema heißt „Verfassung _ Aber wie?“. Das Grundgesetz trat 1949 in Kraft. Jeweils zusammen mit einem Gast aus dem Bereich Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Politik oder Literatur werden im „Denkraum“ zentrale Werte des Grundgesetzes auf den Prüfstand gestellt, abgewogen und das verteidigt, was auch in den nächsten Jahrzehnten unser Zusammenleben sichern soll. Nach jedem Impulsvortrag erhält das Publikum die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Thesen zu diskutieren und Fragen zu formulieren. In einem abschließenden moderierten Gespräch wird der oder die Vortragende mit diesen Fragen konfrontiert. 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es in Artikel 3 Absatz 2 unserer Verfassung. Über das genaue Verständnis von Gleichberechtigung wird jedoch heftig gestritten. Manche sehen Gleichberechtigung der Geschlechter bereits verwirklicht, befürchten sogar, dass Frauen oder geschlechtliche Minderheiten eine übergroße Rolle einnehmen. Andere hingegen verweisen auf die zahlreichen Bereiche, in denen Frauen immer noch benachteiligt oder nicht annähernd paritätisch vertreten sind; sie fordern, dass mehr für die Gleichberechtigung getan werden müsse. Damit ist die Frage aufgeworfen, was Gleichberechtigung eigentlich bedeutet. Sodann geht es um die Rolle des Rechts bei der Herstellung von Gleichberechtigung. Welche rechtlichen Maßnahmen können Gleichberechtigung fördern – oder umgekehrt gefragt: Welche Rechtsnormen behindern Gleichberechtigung? Diesen Fragen wird Ute Sacksofsky in ihrem Vortrag nachgehen. 

Ute Sacksofsky ist Professorin für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören das Verfassungsrecht und die Geschlechterverhältnisse im Recht. Sie ist Mitglied im Direktorium des Cornelia Goethe Centrums für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse der Goethe-Universität und Vizepräsidentin des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen. Zu ihren einschlägigen Publikationen zählen die Monographie „Das Grundrecht auf Gleichberechtigung. Eine rechtsdogmatische Untersuchung zu Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes“ und der Sammelband „Autonomie im Recht – Geschlechtertheoretisch vermessen“ (herausgegeben mit Susanne Baer).

Die anstehenden Termine im Überblick: 

26. Februar 2019
Gleichberechtigung _ Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen? mit Ute Sacksofsky (Goethe-Universität und Exzellenzcluster) 

19. März 2019: 
Gemeinwohl _ Was bleibt vom Allgemeinen, wenn alle das Besondere wollen? mit Andreas Reckwitz (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder) 

2. April 2019:
Privatsphäre _ Wie sind wir geschützt im digitalen Zeitalter? mit Marina Weisband (ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, netzpolitische Beraterin) 

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de 

Detailliertes Programm: www.normativeorders.net/denkraum 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Feb 19 2019
10:33

Diskussionsveranstaltung am Forschungskolleg über das Buch „Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus“

AfD im Bundestag: Zäsur in der deutschen Geschichte?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Einmal muss doch Schluss sein“, „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, „Links-rot-grün verseuchtes Achtundsechziger Deutschland“: Solche Parolen, die eine Sehnsucht nach einer homogenen Nation und einer makellosen Geschichte zum Ausdruck bringen, sind nicht neu in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und doch markieren die Rede von der „Flüchtlingskrise“ und der Einzug der AfD in den Bundestag eine Zäsur in der Geschichte eines Landes, das glaubte, seine – zum Teil doppelte – Diktaturerfahrung gut bewältigt zu haben. Denn rechte Parolen stoßen auch in der Mitte der Gesellschaft auf Resonanz. 

Um zu verstehen, was an diesen Entwicklungen neu ist und welche Gefahren von ihnen ausgehen, nimmt die Autorengruppe um den Jenaer Zeithistoriker Norbert Frei die Geschichte der beiden deutschen Staaten seit 1945 in den Blick. In ihrem Buch „Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus“ (Ullstein, Februar 2019) zeigt Frei zusammen mit Franka Maubach, Christina Morina und Maik Tändler alt-neue rechte Logiken auf und macht sie durchschaubar. Gelegenheit, mit den Autoren über das Buch zu diskutieren, gibt es am Dienstag, 26. Februar, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe. 

Prof. Dr. Norbert Frei lehrt Neuere und Neueste Geschichte in Jena und leitet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im Wintersemester 2018/19 ist er auf Einladung von Sybille Steinbacher (Professorin für die Geschichte und Wirkung des Holocaust am Historischen Seminar an der Goethe-Universität und Direktorin des Fritz Bauer Institutes in Frankfurt am Main) und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften. Dr. Franka Maubach ist Historikerin an der Universität Jena und schreibt derzeit an einer Arbeit über die Deutung des „deutschen Sonderwegs“. Privatdozentin Dr. Christina Morina lehrt Neuere und Neueste Geschichte Deutschlands in Europa an der Universität Amsterdam. Dr. Maik Tändler ist Historiker an der Universität Jena und forscht zur Geschichte der intellektuellen Rechten.

Die Diskussionsleitung übernimmt Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor am Forschungskolleg. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de. Informationen: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de 

Kontakt: Beate Sutterlüty, Telefon 06172-13977-15 oder -0, E-Mail: b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de 

Hinweis: Am Montag, 25. Februar, 19:30 Uhr stehen die Autoren bereits in der Deutschen Nationalbibliothek (Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main) zur Diskussion bereit. Weitere Informationen: www.dnb.de/veranstaltungfrankfurt

 

Feb 15 2019
14:32

Deutsch-israelische Tagung befasst sich mit dem Werk des Frankfurter Philosophen Franz Rosenzweig

100 Jahre „Stern der Erlösung“ 

FRANKFURT. Am 16. Februar 1919 hat Franz Rosenzweig sein Buch „Der Stern der Erlösung“ vollendet. Zur Erinnerung daran findet in Jerusalem von 17. bis 20. Februar ein großer Kongress statt mit dem Titel „Back to Redemption: Franz Rosenzweig's Star 1919-2019“. Federführend beteiligt ist die Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt.

Franz Louis August Rosenzweig, Jahrgang 1886, wuchs als einziges Kind eines jüdischen Fabrikanten und Stadtpolitikers und dessen Frau in Kassel auf. Ab 1905 studierte er zunächst Medizin, bevor er sich dem Geschichts- und Philosophiestudium zuwandte. Seine Dissertation stellte die erste umfassende kritische Analyse der politischen Philosophie Hegels dar. 1913 rang Rosenzweig heftig mit sich, ob er dem Christentum beitreten wolle, entschied sich aber dagegen und widmete sich intensiven jüdischen Studien. Freiwillig meldete er sich im Ersten Weltkrieg zum Sanitätsdienst, später war er bei der Artillerie an der Balkanfront – eine prägende Erfahrung. Nach dem Krieg kehrte Rosenzweig der Geschichtswissenschaft den Rücken und widmete seine ganze Kraft dem Aufbau des Freien Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt am Main, das Wege zu einem jüdischen Leben in der Moderne aufzeigen sollte. 1921 kam Rosenzweigs Buch „Stern der Erlösung“ heraus. Bereits von schlimmer Krankheit gezeichnet, begann Rosenzweig gemeinsam mit Martin Buber die „Verdeutschung“ der Heiligen Schrift, ein Werk, das in seiner expressiven Sprachlichkeit noch heute fasziniert. 1926 starb Franz Rosenzweig mit nur 43 Jahren. 

„Der Stern der Erlösung“ gilt als ein Grundwerk jüdischen Denkens im 20. Jahrhundert. Der Kongress, den die Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie gemeinsam mit der Internationalen Rosenzweig-Gesellschaft e.V. und dem Franz Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem organisiert hat, wird das Thema „Erlösung“ anhand von Rosenzweigs Werk diskutieren. Rund 100 Forscherinnen und Forscher aus Geschichts-, Philosophie- und Politikwissenschaft aus Europa, Asien, Nord- und Lateinamerika kommen in Jerusalem zusammen, um über das für „den Stern“ zentrale Konzept der Erlösung und über dessen Bedeutung für das Verständnis des Judentums, aber auch dessen Gegenwartsrelevanz zu diskutieren. Neben den historischen und theologie- wie philosophiegeschichtlichen Aspekten wird auch die interreligiöse Dimension der Frage der Erlösung im Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Rolle spielen. 

In den Vorträgen geht es nicht nur um die Rekonstruktion und Interpretation der Konzepte von Rosenzweig selbst, sondern auch um die Frage, wie Rosenzweigs Ideen auf andere Philosophen und Theologen gewirkt haben, um den Zusammenhang von Messianismus und Politik, um individuelle und kollektive Erlösung, aber auch um ästhetische Aspekte – etwa in der Musik. „Die Besonderheit dieses Kongresses liegt darin, dass im Spiegel von Rosenzweigs Denken die Erlösungsbedürftigkeit der Welt in ihrer Vielfalt reflektiert werden kann, die über die jüdischen Bezüge hinaus auch für christliche, islamische und säkulare Perspektiven relevant ist“, sagt Prof. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie und stellvertretender Vorsitzender der Internationalen Rosenzweig-Gesellschaft.

Der Kongress setzt die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Martin-Buber-Professur und Franz Rosenzweig Minerva Research Center fort – im Bereich der Geisteswissenschaften ist diese Kooperation von großer Bedeutung. „Dass das von Rosenzweig verkörperte Erbe deutsch-jüdischer Kultur des frühen 20. Jahrhunderts im Israel der Gegenwart und in enger deutsch-israelischer Kooperation öffentlich bedacht wird, ist für die gemeinsame Erinnerung an die zerstörte kulturelle Tradition kaum zu überschätzen“, sagt Wiese. Ebenso wichtig sei die symbolische Bedeutung Jerusalems als Veranstaltungsort. Hier die Aktualität der philosophischen Impulse des Denkers zu diskutieren, der vor der NS-Zeit wie kaum ein anderer über das Verhältnis von deutscher und jüdischer Kultur, von Judentum und Christentum, aber auch über jüdische Identität im Spannungsfeld von Exil und Nation reflektiert hat, sei mit Blick auf aktuelle christlich-jüdische wie deutsch-israelische Dialoge entscheidend. 

Dass Rosenzweigs Denken noch immer aktuell ist, zeigt das große Interesse von Seiten der jüngeren Forschergeneration: Eingebettet in den Kongress ist ein von der Minerva-Stiftung finanzierter Workshop für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Bereich der jüdischen Religionsphilosophie, und auch die Referenten gehören großenteils der jüngeren internationalen Generation des Forschungsfeldes an, darunter mehrere Doktoranden und PostDocs der Goethe-Universität. An keinem der bisherigen Rosenzweig-Kongresse haben so viele Promovierende und junge Postdocs aktiv teilgenommen: Insgesamt präsentieren 18 Promovierende und mindestens 22 Postdocs in Jerusalem ihre Forschungsergebnisse. 

Der Kongress ist auch Teil einer umfassenderen Forschungsstrategie, in der Martin Buber und Franz Rosenzweig eine zentrale Rolle spielen. So veranstalten Martin-Buber-Professur und Franz Rosenzweig Minverva Zentrum dieses Jahr anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Buber-Professur eine gemeinsame Konferenz zum politischen Denken Bubers.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie, E-Mail: c.wiese@em.uni-frankfurt.de 

Das Programm finden Sie unter folgendem Link

 

Feb 14 2019
13:09

Buchvorstellung und Podiumsgespräch mit dem Historiker Norbert Frei am 25. Februar 2019 in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem Fritz Bauer Institut

„Wider die Rückkehr des Nationalismus“

FRANKFURT. In Europa und darüber hinaus gewinnen nationalistische und rechtspopulistische Bewegungen immer mehr an Bedeutung. Der weitere Fortgang der Brexit-Ereignisse und insbesondere die Wahl zum Europäischen Parlament könnten diesen Bewegungen zusätzlichen Auftrieb geben. In der gegenwärtigen Lage will das aktuelle Buch eines Autorenteams mit dem renommierten Historiker Norbert Frei unter Bezug auf die jüngste deutsche Geschichte Position beziehen. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen bei der Buchvorstellung und Podiumsdiskussion zum Thema 

„Zur rechten Zeit: Wider die Rückkehr des Nationalismus“
am Montag, dem 25. Februar 2019, um 19.30 Uhr
in der Deutschen Nationalbibliothek,
Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main. 

Die Sehnsucht nach einer „konservativen Revolution“ zieht sich durch die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte. Immer wieder forderten Nationalkonservative und Rechtsradikale die liberale Demokratie heraus. Doch seit der „Flüchtlingskrise“ hat sich die Sprengkraft ihrer Argumente enorm verstärkt: Viele Positionen von AfD, Pegida und der Neuen Rechten sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und das Verlangen nach einer heilen Geschichte heizt die Stimmung weiter an. Sind das noch diejenigen Deutschen, die glaubten, ihre Vergangenheit mustergültig „bewältigt“ zu haben? In ihrem Buch führen die Autoren vor Augen, was derzeit auf dem Spiel steht – und wie es dazu gekommen ist. 

Das Buch „Zur rechten Zeit: Wider die Rückkehr des Nationalismus“ erscheint am 22. Februar bei Ullstein. Geschrieben haben es Prof. Norbert Frei, Dr. Franka Maubach und Dr. Maik Tändler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie PD Dr. Christina Morina vom Duitsland Instituut Amsterdam. Die Autorinnen und Autoren werden bei der öffentlichen Veranstaltung in der Nationalbibliothek auf dem Podium sitzen. Moderatorin ist Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des mitveranstaltenden Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Begrüßung übernehmen Prof. Sybille Steinbacher, Mitglied des Exzellenzclusters und Direktorin des Fritz Bauer Instituts an der Goethe-Universität, und Prof. Klaus Günther, Co-Sprecher des Clusters. 

Auf Einladung Sybille Steinbachers forscht Norbert Frei zurzeit als Fellow des Exzellenzclusters am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Frei ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Historiker hatte zahlreiche Fellowships und Gastprofessuren inne, so unter anderem an der Harvard University, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, am Institute for Advanced Study in Princeton und an der Hebrew University Jerusalem. 2010/11 war er Theodor-Heuss-Professor an der New School for Social Research in New York. Er gehörte mehreren Historikerkommissionen an, etwa der Unabhängigen Kommission zur Erforschung der Geschichte des Hauses Bertelsmann und der 2005 von Joschka Fischer eingesetzten Kommission zur Geschichte des Auswärtigen Amts. Norbert Frei publiziert regelmäßig in deutschen Zeitungen zu aktuellen und zeitgeschichtlichen Themen. 

Dr. Franka Maubach ist Historikerin an der Universität Jena und schreibt derzeit an einer Arbeit über die Deutung des »deutschen Sonderwegs«. 

PD Dr. Christina Morina lehrt Neuere und Neueste Geschichte Deutschlands in Europa an der Universität Amsterdam. 

Dr. Maik Tändler ist Historiker an der Universität Jena und forscht zur Geschichte der intellektuellen Rechten in Deutschland.

Veranstalter der Buchvorstellung mit Podiumsgespräch sind das Fritz Bauer Institut und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, die Ullstein Buchverlage, die Karl-Marx-Buchhandlung und die Deutsche Nationalbibliothek 

Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. 

Anmeldung erbeten unter: www.dnb.de/veranstaltungfrankfurt 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Feb 7 2019
15:25

Der Sozialphilosoph Prof. Axel Honneth nimmt im aktuellen UniReport die komplizierte Gegenwart mit dem Instrumentarium der Kritischen Theorie in den Blick. 

„Ich war immer schon eher reformistisch orientiert“

FRANKFURT. Ende des letzten Jahres hat Prof. Axel Honneth die Leitung des Instituts für Sozialforschung (IFS) abgegeben; seit 2001 stand er an der Spitze des Instituts, das Max Horkheimer und Theodor W. Adorno berühmt gemacht haben. Der UniReport hatte nochmal die Gelegenheit, mit dem Sozialphilosophen, der noch eine Professur an der Columbia University in New York innehat, in der altehrwürdigen Adorno-Bibliothek im Institut zu sprechen. Honneth spricht im Interview über das bewegte Jahr 1968, über den so genannten „Sommer der Theorie“ und seine Begeisterung für den kulturellen und sozialen Aufbruch der Zeit. Er äußert Verständnis dafür, dass heute bei vielen Menschen das Vertrauen in die normativen Grundlagen der Wirtschaftsordnung spätestens seit der Finanzkrise erheblich geschwunden ist. „Eine Erfahrung des steten Fortschritts und der ständigen Verbesserungen ist heute schlicht nicht mehr zu machen, alle Errungenschaften der zweiten Hälfte der 20. Jahrhunderts scheinen mittlerweile doch gefährdet. Allerdings betont Honneth auch: „Ich war und bin nach wie vor der Überzeugung, dass es die praktisch-moralische Pflicht des linken Intellektuellen ist, immer wieder, und seien die Zeiten noch so düster, Möglichkeiten des sozialen Fortschritts und der politischen Verbesserung zu erschließen und nicht in Kategorien purer Negativität zu denken. In einer solchen Situation sehe ich mich heute.“ 

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport: 

  • Die liberalen Kräfte im Islam stärken: Der Jurist Prof. Rudolf Steinberg über sein Buch „Zwischen Grundgesetz und Scharia. Der lange Weg des Islam nach Deutschland“. 
  • Interdisziplinär, international und individuell: Im Masterstudiengang Interdisciplinary Neuroscience werden die Studierenden früh in das Netzwerk der Wissenschaft eingebunden. 
  • 100 Jahre Soziologie in Frankfurt: 1919 wurde der erste Lehrstuhl für Soziologie mit Franz Oppenheimer besetzt - ein Jubiläumsjahr an der Goethe-Uni mit Vorträgen und Diskussionen. 
  • Studentische Kritik an der VWL: Eine Studie von Prof. Tim Engartner und Dr. Eva Schweitzer-Krah zur Pluralismusdebatte in der Volkswirtschaftslehre. 
  • Goethe, Deine Forscher: Ein Porträt des Psychologen Prof. Ulrich Stangier. 
  • Grüne Maden schonen die Umwelt: Das studentische Projekt Green Grubs stellt proteinreiches Tierfutter her. 
  • Kirchen, Macht, soziale Medien: Der brasilianische Theologe Dr. Leandro Luis Bedin Fontana hat als Gastprofessor am Fachbereich Katholische Theologie die politischen und kirchlichen Umbrüche in seiner Heimat beobachtet. 
  • „Ich habe studiert, um Zeit für das Schreiben zu gewinnen“: Der Goethe-Uni-Alumnus und ehemalige Poetikdozent Bodo Kirchhoff über sein Studium und den Weg zur Schriftstellerei. 
  • Wiederkehr ästhetischer Fragestellungen: Die internationale Konferenz „The Return of the Aesthetic in American Studies“ eröffnete neue Blickwinkel. 
  • „Ein hippokratischer Eid für die Digitalisierung“. Prof. Susanne Weissman über die Digitale Kompetenz an den Hochschulen. 
  • 1919 – 2019: Was weiß die Friedensforschung über die Kunst, Kriege zu beenden? Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Prof. Lothar Brock. 
  • Rückkehr der Geschlechterhierarchie? Prof. Dagmar Herzog, Historikerin an der City University of New York, über den weltweit zu beobachtenden Backlash gegen weibliche Selbstbestimmung. 
  • Ein sicherer Hafen für Forscher aus dem Ausland: Santander finanziert über den globalen Unternehmensbereich Santander Universitäten das Goethe Welcome Centre für weitere zwei Jahre und erleichtert internationalen Wissenschaftlern das Ankommen an der Gastuniversität. 
  • Zurück in die Zukunft? Der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ schaute bei seiner Jahreskonferenz auf das Zusammenspiel von Revolution, Reaktion und Restauration. 
  • Riezler und die intellektuelle Blütezeit der Universität: Wie der Kurator seine Reformidee Ende der 1920er-Jahre durchsetzt – Interview mit dem Autor der Riezler-Biografie Prof. Notker Hammerstein. 

Der UniReport 1/2019 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe.

 

Feb 7 2019
15:16

Gemeinsame Studie der Goethe-Universität, des TechQuartiers und der Yi Shi Foundation zeigt Bedeutung von Authentizität, transparenter Mitarbeiterführung und Kultur des Scheiterns auf. 

Scale-ups: Erfolgsfaktoren dynamischer Unternehmen 

FRANKFURT. Scale-ups sind wachstumsstarke Unternehmen, die für 80 Prozent der Gesamteinnahmen von innovativen Unternehmen verantwortlich sind und somit überproportional zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen und allgemeinem Wohlstand beitragen. Gleichzeitig ist die Erfolgsquote von Scale-ups erschreckend gering, nur 4 Prozent der überlebenden Start-ups schaffen die Transformation zu einem Scale-up. Dies führt zu der Frage, wie Startups Wachstumsherausforderungen systematisch überwinden können. „Scale-ups in Europe: an untapped potential“ ermöglicht als erste Studie dieser Art eine ganzheitliche Sicht auf die wichtigsten Erfolgsfaktoren von europäischen Scale-ups. Entstanden ist die Untersuchung in Zusammenarbeit der Goethe-Universität Frankfurt mit der Yi Shi Foundation und der Innovationsplattform TechQuartier. 

„Der Universität ist im Zuge von Third Mission die Gründerkultur ein wichtiges Anliegen, denn mit Start-ups fließen Ideen und Innovationen von der Hochschule in die Gesellschaft. Mit der Studie erhalten wir wichtige Einblicke in Erfolgsfaktoren von jungen und innovativen Unternehmen“, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität. 

Die Studie konzentriert sich insbesondere auf die Wachstumsherausforderungen von europäischen Scale-ups und die Ergebnisse der Studie untergliedern sich sowohl in interne als auch externe Erfolgsfaktoren. Zu den externen Faktoren zählen insbesondere ein vereinfachterer Zugang zum gesamteuropäischen Markt sowie ein kohärentes Verständnis der europäischen Start-up-Landschaft: „Um ein echtes europäisches Start-up-Ökosystem zu schaffen, dürfen wir uns nicht nur auf die Masse und Quantität an Startups konzentrieren. Wir müssen uns vielmehr auf die menschlichen Schlüsselkompetenzen des wachstumsstarken Unternehmertums konzentrieren, um die europäische Gesellschaft in die Zukunft zu führen“, betont Dr. Thomas Funke, Co-Direktor TechQuartier. 

Hinsichtlich des Wirtschaftsraumes Frankfurt/Rhein-Main zeigt die Studie ein weiterhin stetiges Wachstum des Ökosystems mit aktuell ca. 400 Start-ups im Gründerökosystem auf; ca. 55 Prozent der Start-ups sind im B2B-Bereich, 37 Prozent im B2C-Bereich und 9 Prozent sowohl im B2B- als auch im B2B-Bereich tätig. 

Zu den drei wichtigsten internen, das heißt vom Startup beeinflussbaren Erfolgsfaktoren, gehört 

Authentizität: Wachstumsorientierung alleine reicht nicht aus. Es muss eine Passung zwischen der Vision der Gründer und ihrem alltäglichen Verhalten und der Kommunikation gegeben sein. Authentizität ist eine Grundlage für Mitarbeiterbindung, -motivation und Glaubwürdigkeit. Gründer und CEOs, die als Vorbild für unternehmerisches Denken und Handeln fungieren, helfen dem aufstrebenden Team selbst eine proaktive und kreative Denkweise und Handlungskultur zu entwickeln. 

Mit Data Driven Leadership ist eine transparente Mitarbeiterführung und Nähe der Gründer zum operativen Gründungsgeschehen angesprochen. Indem mit modernen Mitteln dem gesamten Team alle entscheidungsrelevanten Daten zugänglich gemacht und Einblicke gewährt werden, werden Mitarbeiter in der Phase großer Unsicherheit befähigt Eigeninitiative zu ergreifen. Indem die Gründer dem Unternehmen und jedem Mitarbeiter zugänglich bleiben und Nähe zu den Mitarbeitern bieten, wird die Projektentwicklung, die interne Kommunikation, die persönliche Entwicklung sowie die Mitarbeiterbindung gefördert. 

Schließlich ist eine Culture of Failure, eine Kultur des möglichen Scheiterns, notwendig, um schnell neue Erkenntnisse erlangen zu können. Führungskräfte, die ihrer Konkurrenz voraus sein wollen, müssen schnell und oft experimentieren. Das bedeutet auch, dass es innerhalb eines Teams möglich sein muss, Fehler zu machen, auch um neue Erkenntnisse über nicht funktionierende Geschäftsmodelle und -techniken zu erlangen. 

Zur Methodik: Für diese Studie wurde ein vielschichtiger Forschungsansatz gewählt. Dazu gehören die Auswertung bereits bestehender wissenschaftlicher Arbeiten, die Erhebung von Primärdaten, eine detaillierte Sekundärdatenanalyse sowie die Durchführung von Einzelinterviews. Den Grundstein für diesen Bericht legten neun einzelne wissenschaftliche Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität Frankfurt. Im Rahmen dieser Arbeit wurden mehr als 34 Experteninterviews mit Interviewpartnern aus der Region Frankfurt Rhein-Main, aus ganz Deutschland und Europa sowie aus den USA und China durchgeführt. Die Mehrheit dieser Interviews wurde mit Start-ups oder Scale-Up-Gründern und CEOs geführt, der Rest mit Start-up-Mitarbeitern, die bereits Erfahrungen in Start-up- oder Wachstumsunternehmen gesammelt haben und somit als Scaling-Experten bezeichnet werden können. Im Rahmen der Studie wurden Daten von rund 400 Start-ups in der Region Frankfurt am Main gesammelt, was somit die bisher größte Unternehmensumfrage unter Start-ups in der Region darstellt. Für die Sekundärdatenanalyse wurde auch auf die proprietäre Datenbank von Startup Genome zurückgegriffen, welche mit Umfragedaten von fast einer halben Million Unternehmen und Start-ups und über 12.000 Ökosystem-Stakeholder weltweit dienen kann. 

Die Studie „Scale-ups in Europe: an untapped potential“ ist online abrufbar unter http://scaleupsineurope.techquartier.com.

Kontakt: Dr. Thomas Funke, FinTech Community Frankfurt GmbH – TechQuartier –. Tel. (+49) 174-3011000; Email: thomas.funke@gmail.com

 

Feb 6 2019
10:44

Ihrer Erwählten bleiben die Männchen in hohem Maße treu

Wählerische Bachflohkrebse

FRANKFURT. Bachflohkrebse der Spezies Gammarus roeselii bewachen ihr auserwähltes Weibchen, indem sie es oft tagelang mit sich herumtragen und es gegen potentielle Rivalen verteidigen. Dieses Verhalten kostet viel Energie und Zeit, weswegen die Männchen ihre Auswahl mit Sorgfalt treffen. Wissenschaftler der Goethe-Universität haben nun untersucht, unter welchen Umständen die Männchen bereit sind, ihre Entscheidung zu revidieren. 

In ihrer Studie verglichen Carolin Sommer-Trembo, Konrad Lipkowski und ihre beiden Kollegen das Verhalten von Gammarus-Männchen, die aus zwei Populationen mit sehr unterschiedlicher Dichte stammten. Sie sammelten die im Wasser lebenden Versuchstiere aus zwei umliegenden Gebieten und gewöhnten sie während der ersten Tage in großen Aquarien ein. Während dieser Zeit bildeten sich Paare, bei dem ein Männchen sein Weibchen fest ergreift und es bis zur Befruchtung nicht mehr loslässt (Amplexuspaare). 

Im nächsten Schritt trennten sie die Amplexuspaare vorsichtig voneinander und boten den Männchen ein jeweils anderes (morphologisch ähnliches) Weibchen an, für das sie sich zuvor nicht freiwillig entschieden hatten. Die Männchen, die aus der Population mit einer sehr niedrigen Dichte stammten, ergriffen das neue Weibchen innerhalb kurzer Zeit. Sie waren erwartungsgemäß nicht besonders wählerisch, da sie in ihrer natürlichen Umgebung nur selten auf ein Weibchen treffen und daher ihre Chance umgehend nutzen müssen. 

Die Männchen aus der Population mit vielen Individuen suchten deutlich länger ihr kleines Testbecken nach alternativen (möglicherweise besseren) Weibchen ab, bevor sie das von den Forschern ausgesuchte Weibchen akzeptierten. „Oftmals kam es hier aber überhaupt nicht zur Bildung eines Amplexuspaares“, berichtet Carolin Sommer. „Gaben wir diesen Männchen nach der Trennung das von Ihnen selbst ausgewählte Weibchen zurück, nahmen sie es genauso schnell an, wie ihre männlichen Artgenossen der anderen Population es bei einem neuen Weibchen taten.“ 

Die nur wenige Millimeter kleinen Krebse sind also tatsächlich wählerisch, wobei das Ausmaß von der Populationsdichte in ihrer natürlichen Umgebung abhängt. „Die Populationsdichte hat also enormen Einfluss darauf, ob Mann es sich leisten kann, bei seiner Auserwählten genauer hinzusehen“, schlussfolgert Konrad Lipkowski. 

Publikation: Lipkowski K, Plath M, Klaus S, Sommer-Trembo C. Population density affects male mate choosiness and morphology in the mate-guarding amphipod Gammarus roeselii (Crustacea: Amphipoda). Biological Journal of the Linnéan Society, https://dx.doi.org/10.1093/biolinnean/bly201 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/76164186

Bildtext: Das Bachflohkrebs-Männchen (oben) hält das kleinere Weibchen (unten) bis zu mehrere Tage lang fest und verteidigt es gegen Rivalen. Das Bild zeigt ein Paar der Spezies Gammarus sp

Bildrechte: Konrad Lipkowski 

Informationen:
Konrad Lipkowski, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798- 42211, lipkowski@bio.uni-frankfurt.de

Dr. Carolin Sommer-Trembo, Zoological Institute, University of Basel, +41 (0) 61 207 59 05, sommer-trembo@gmx.de

 

Feb 5 2019
15:08

Studierende der Goethe-Universität zeigen wieder ihre Arbeiten. 7. Februar, Sophienstraße 

Rundgang im Institut für Kunstpädagogik

FRANKFURT. Das alte Gebäude des Instituts für Kunstpädagogik in der Sophienstraße erlebt einen seiner letzten Rundgänge. Seit dem Spatenstich für den Neubau des FB 09 Sprach- und Kulturwissenschaften auf dem Gelände des Campus Westend rückt der in zwei Jahren geplante Umzug auch für das Institut immer näher. Der Rundgang 2019 trägt daher den Titel „Verortungen“. Damit soll der Raum, in dem sich das Institut für Kunstpädagogik befindet, sowohl im physischen als auch im übertragenen Sinn näher untersucht werden.  

Auf der anderen Mainseite und im gleichen Zeitraum findet der Rundgang der Städelschule statt. Wie verorten sich die Studierenden und Lehrenden hierzu? Inwiefern beeinflussen sich die beiden Rundgänge gegenseitig? Wie positionieren sich das IfK und die Kunstpädagoginnen und -pädagogen im Kunstbetrieb? Auch diese Gedanken sollen im IfK-Rundgang in Form von künstlerischen Reflexionen zum Ausdruck kommen. 

Sie docken zugleich an übergeordnete Fragen zum Stadtraum an: Frankfurt und die Studierenden haben nicht erst seit den 1968ern ein besonderes Verhältnis zum Raum: Der AStA-Mietentscheid, bezahlbarer Wohnraum bzw. zu hohe Mieten und Gentrifizierung sind immer wieder präsente Themen im studentischen Alltag. So und auch ähnlich können immer weitere politische, unpolitische, künstlerische, philosophische und andere Bezüge der „Verortung“ hergestellt werden, die stets relevant für das IfK sind und im Rundgangskontext explizit artikuliert werden sollen. Das ganze Haus steht für alle Interessierten an diesen Tagen offen! 

Eröffnung: 7. Februar 2019, 18.00 bis 22.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 8.-9. Februar 2019, jeweils von 12.00 bis 20.00 Uhr, Sophienstraße 1-3.
Unter www.sophienstrasse1-3.de steht das Begleitprogramm zur Ausstellung. 

Kontakt: Prof. Kerstin Gottschalk, Geschäftsführende Direktorin, Malerei und Grafik, FB 09 / Institut für Kunstpädagogik, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. 069/79 82 29 34, Ke.Gottschalk@kunst.uni-frankfurt.de.

 

Feb 4 2019
15:15

1919 wurde der erste Lehrstuhl für Soziologie mit Franz Oppenheimer besetzt. Jubiläumsjahr an der Goethe-Uni mit Vorträgen und Diskussionen 

100 Jahre Soziologie in Frankfurt

FRANKFURT. Am 1. April 1919 wurde der erste Lehrstuhl für Soziologie an einer deutschen Universität eingerichtet: Franz Oppenheimer, Privatdozent für Staatswissenschaft an der Universität Berlin, wurde zum ordentlichen Professor für Soziologie und theoretische Nationalökonomie an der Universität Frankfurt ernannt. Zusammen mit dem 1923 gegründeten Institut für Sozialforschung hat die Frankfurter Soziologie die nationale und internationale Forschungsagenda in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich bestimmt. Um das 100-jährige Bestehen der Soziologie an der Goethe-Universität feierlich zu begehen, finden 2019 eine Reihe fachlicher und öffentlicher Veranstaltungen zum Thema statt. 

„Wir möchten im Jubiläums einerseits an die beeindruckende Tradition der Frankfurter Soziologie erinnern, andererseits aber auch die Fortschreibung der Forschung in Gegenwart und Zukunft beleuchten. Wir freuen uns auf den Diskurs mit der Wissenschaft, mit Studierenden und den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt“, unterstreicht Prof. Thomas Lemke, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Soziologie. Im Rahmen einer über zwei Semester reichenden Vorlesungsreihe werden Vertreterinnen und Vertreter des Fachs die vielen Facetten soziologischer Forschung an der Goethe-Universität vorstellen. Diese Vorlesungen sind hochschulöffentlich und werden allen Interessierten offenstehen. Ferner werden Videosequenzen erstellt, in denen Professorinnen und Professoren Einblicke in die Vielfalt und Forschungsgegenstände der aktuellen Frankfurter Soziologie vermitteln. Eine Festveranstaltung zum Jubiläum wird am 12. November stattfinden. Jürgen Habermas und Saskia Sassen (Columbia University, New York) halten die Festvorträge; geplant sind darüber hinaus mehrere Podiumsdiskussionen zu Frankfurter Traditionslinien und aktuellen soziologischen Debatten. 

Das Institut für Soziologie an der Goethe-Universität ist heute ist eine der größten universitären Standorte soziologischer Lehre und Forschung in Deutschland und zählt weltweit zu den bedeutendsten und traditionsreichsten sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Mehr als 20 Professorinnen und Professoren und über 60 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kooperieren in den Forschungsschwerpunkten wie Soziologische Theorie, Geschichte der Soziologie und Wissenschaftstheorie, soziale Ungleichheit und Bildung, Sozialpsychologie und Kultur, Gender, Diversität und Migration.

Kontakt:
Prof. Thomas Lemke, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. 069/798-36664; soziologie@soz.uni-frankfurt.de Heike Langholz, Referentin, Institut für Soziologie, Tel. (069) 798 36709; langholz@soz.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen finden Sie hier: https://hundertjahresoziologie.uni-frankfurt.de/

 

Feb 4 2019
10:37

Vortrag im Museum Giersch gibt Einblick in die Forschung und das Kunstfilmprojekt „Now I am Dead“ über den Umgang mit dem Tod

In Ghana leben Tote länger

FRANKFURT. Was bedeutet es heute, als junge Forscherin oder junger Forscher ethnologisch „ins Feld“ zu gehen? Wie wichtig ist eine postkolonial-kritische Reflektion der eigenen Rolle? Und wie ändert sich die Sichtweise durch unvorhergesehene Ereignisse? Ethnologin Isabel Bredenbröker, die derzeit ihre Doktorarbeit schreibt, gibt 

am Dienstag, 12. Februar, 19 Uhr im Museum Giersch der Goethe-Universität Schaumainkai 83 

Einblick in ihre Forschung und ihre Arbeit am Kunstfilmprojekt „Now I am Dead“, das sich damit befasst, wie die Menschen in einer Stadt in Ghana mit dem Thema Tod umgehen. Der Umgang mit dem Tod hat im Süden Ghanas einen prominenten Platz in der Öffentlichkeit, zum Beispiel sind die Gesichter der Toten omnipräsent auf großen „Todesanzeigen“, Postern, die an Hauswänden und Bäumen befestigt werden. 

Die Videoarbeit „Now I am Dead“, welche in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Philipp Bergmann entstand, reflektiert mit filmischen Mitteln über den Tod, die ethnografische Forschung und ein erdrückendes postkoloniales Erbe. Zugleich eröffnet das Format jedoch die Möglichkeit, der Problematik durch die Verknüpfung von künstlerischen und anthropologischen Ansätzen anders begegnen zu können. 

„Materialität und Ökonomie des Totengedenkens in einer ghanaischen Ewe Gemeinschaft – Zurschaustellung, Austausch und Wertschöpfung“ – so lautet das Thema von Bredenbrökers Dissertation. Sie ist eine von insgesamt 14 Promovierenden und zwei Postdocs der Fächer Archäologie und Ethnologie aus dem Graduiertenkolleg „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität, die in der Sonderausstellung „Faszination der Dinge – Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie“ ihre Forschungsthemen vorstellen und vermitteln können, was sie daran fasziniert. 

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse.

Informationen: Christine Karmann, Presse und Marketing, Museum Giersch der Goethe-Universität, Telefon 069 138210121, E-Mail presse@museum-giersch.de

 

Feb 1 2019
10:50

15 Millionen-Euro-Projekt „MICROB-PREDICT“ vereint 22 europäische Institutionen 

EU-Projekt zur Rolle der Darmflora bei Leberversagen

FRANKFURT. Welchen Einfluss hat die Darmflora auf die Entstehung von Leberzirrhose und Leberversagen? Diese Frage untersuchen 22 europäische Institutionen in dem Projekt MICROB-PREDICT. Die Europäische Union fördert das Vorhaben in den kommenden sechs Jahren mit 15 Millionen Euro. Wissenschaftlicher Koordinator des multizentrischen Forschungsprojekts ist der Hepatologe Prof. Jonel Trebicka von der Goethe-Universität. 

„Jährlich sterben weltweit 1,2 Millionen Menschen an Leberzirrhose, doch weniger als zehn Prozent des Forschungsfeldes beschäftigen sich mit dekompensierter Zirrhose und dem akut-auf-chronischem Leberversagen ACLF. Deshalb ist es dringend nötig, neuartige Behandlungsmethoden zu entwickeln und den Betroffenen zu helfen“, so Jonel Trebicka. 

Betroffene zeigen erste Symptome wie Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, später kommen reduzierte Gehirnfunktion und häufig auch Blutungen im Verdauungstrakt hinzu. Stufenweise entwickelt sich daraus akut-auf-chronisches Leberversagen. Schließlich kann der Körper die mangelnde oder fehlende Funktion der Leber nicht mehr kompensieren („dekompensierte Zirrhose“) und der Patient stirbt.

Genetische Veranlagung und/oder Infektionen können das Risiko für dekompensierte Zirrhose erhöhen und die Prognose verschlechtern. Eine wichtige Rolle spielen Abweichungen innerhalb des Darm-Mikrobioms (Darmflora) wie eine eingeschränkte Barrierefunktion der Darmwand, zu viele Barriere-überschreitende Bakterien und systemische Entzündungsprozesse. Eine aktuelle multizentrische Studie der Europäischen Stiftung zur Erforschung chronischen Leberversagens (EF-CLIF, Barcelona) zeigte, dass bakterielle Infektionen in westlichen Ländern häufige Auslöser für ACLF sind. 

Oberstes Ziel von MICROB-PREDICT ist, durch die Erforschung des menschlichen Darm-Mikrobioms personalisierte, Mikrobiom-bezogene Behandlungsstrategien zu entwickeln, um ACLF zu verhindern oder wirksam zu behandeln, so dass weniger Menschen daran sterben. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die biologischen Mechanismen von dekompensierter Zirrhose und ACLF verstanden und verlässliche Vorhersagen für deren Entstehung identifiziert werden. 

„Der Bedarf an stärker personalisierten Behandlungsmethoden wird klar, wenn man bedenkt, dass es erhebliche, aber größtenteils immer noch unerklärbare, individuelle Unterschiede bei der Entstehung von dekompensierter Zirrhose und ACLF gibt“, erklärt Prof. Trebicka. „Gleichzeitig steckt darin die Chance für wirksamere, gezieltere, und mehr auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlungen.“ 

Das europaweite Forschungsprojekt wird mehr als 200.000 einzelne Mikrobiom- und andere Patientendaten von circa 10.000 Probanden vorheriger großangelegter Studien wie GALAXY, LIVERHOPE und PREDICT zusammenführen und auswerten. Die Erstellung einer umfangreichen Datenbank aus Stuhl-, Blut-, Speichel-, Darmschleimhaut- und Urinproben über den gesamten Verlauf der Leberkrankheit wird langfristige Analysen ermöglichen – ein deutlicher Vorteil gegenüber früheren Studien.

Zusätzlich suchen die Forscher im Mikrobiom nach Biomarkern, die es ihnen erlauben, zwischen einem gesunden, risikoarmen Zustand und der Gefahr einer dekompensierten Zirrhose bis hin zu ACLF zu unterscheiden. Ebenso soll untersucht werden, wie der Behandlungserfolg an der Zusammensetzung des Mikrobioms abgelesen werden kann, und zwar unter Berücksichtigung möglicher Umwelteinflüsse (z.B. Schadstoff-Exposition), Lebensgewohnheiten (z.B. Rauchen), Ernährung (z.B. Alkoholkonsum), Begleiterkrankungen, Alter, geographischen Unterschieden und sozioökonomischen Verhältnissen. 

Die Forschungsergebnisse sollen zur Entwicklung neuer klinischer Tests für Ärzte und neuer alltagstauglicher Geräte für Patienten mit Lebererkrankungen führen, zum Beispiel in dezentrale diagnostische Tests und modernste Nanobiosensoren für Smartphone-verlinkte Patienten-selbstkontrolle. MICROB-PREDICT versucht auch, sogenannte “molekulare Fingerabdrücke", die den Erfolg der Behandlung mit menschlichem Albumin in einer kontrollierten klinischen Studie (ALB-TRIAL) verlässlich prognostizieren, zu identifizieren und zu verifizieren. 

„Das sechsjährige Projekt konzentriert sich also auf Behandlungsansätze, die auf wissenschaftlichen Ergebnissen und neuen Erkenntnissen über die zugrundeliegenden biologischen Mechanismen beruhen, und nicht allein auf Symptomen. Dadurch sollen personalisierte, effektive und zielgerichtete Behandlungsstrategien entwickelt und die Belastung für den Patienten sowie das Gesundheitswesen reduziert werden“, fasst Prof. Trebicka die Ziele zusammen. 

In MICROB-PREDICT Projekt kooperieren spezialisierte Ärzte, führende Mikrobiom- und Medizintechnik-Experten sowie die Patientenorganisation ELPA und die Europäische Gesellschaft zur Erforschung der Leber (EASL). Träger ist die European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure (EFCLIF), eine Stiftung, welche ein Netzwerk von mehr als 100 Universitätskliniken Europaweit innerhalb des EASL vereint. Dazu gehört auch das Universitätsklinikum der Goethe-Universität. 

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/76085071

Informationen: Prof. Dr. Dr. Jonel Trebicka, wissenschaftlicher Koordinator von MICROB-PREDICT, Medizinische Klinik I, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Telefon: (069) 6301-4256, jonel.trebicka@kgu.de

 

Jan 31 2019
14:44

Letzter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft

FRANKFURT. Wer über Wagnis, Wettbewerb und Wertschöpfung als ästhetische Parameter nachdenkt, wird schnell auf die Kategorie des Spiels stoßen. Sie ist allerdings in ihrer historischen Semantik und Theoriegeschichte vielschichtig und damit geeignet, unterschiedliche Auffassungen von ästhetischer Wahrnehmung und Wirkung zu stützen: Als „play“ gilt das Spiel als Garant von Freiheit; als „game“ fordert es dazu auf, Regeln zu beachten. Aufforderungen zur Spielbereitschaft finden sich sowohl in ästhetischen als auch in ökonomischen Programmen: Kunst entsteht für manche erst dann, wenn Konventionen spielerisch verletzt werden; erfolgreiches Unternehmertum speist sich für andere aus der Fähigkeit, dem Spiel nicht auszuweichen. 

Der Vortrag „Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft“ von Prof. Julika Griem 

am 6. Februar (Mittwoch) um 18 Uhr im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt 

wird ausgehend von der weit zurückreichenden Verwandtschaft von ästhetischen und ökonomischen Glücksspielen, von „venture“ und „adventure“, einen Blick auf die Wissenschaft riskieren. 

Griem leitet seit April 2018 das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI). Von 2005 bis 2012 lehrte und forschte sie als Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt, von 2012 bis 2018 an der Goethe-Universität. Seit 2016 ist sie Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihr Forschungsinteresse gilt u.a. der Analyse des gegenwärtigen Literaturbetriebs und seiner sich wandelnden Formate und Rituale sowie den Methoden seiner Erforschung; ein weiteres der Wissenschaftspolitik und den Institutionen, die Literatur und Literaturwissenschaft überhaupt erst ermöglichen. 

Dies ist der letzte Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken und dachten namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu. 

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/ 

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Jan 29 2019
09:29

RMU: Projekt an Goethe-Universität und Uni Mainz untersucht Umsetzung der UN-Konvention im Bildungswesen

Inklusion: Zwischen Teilhabe und Leistungsdenken

Wie wird das Prinzip der Inklusion auf den verschiedenen Ebenen unseres Bildungssystems umgesetzt? Wie gehen Lehrkräfte und andere Akteure im Bildungssystem mit den neuen Anforderungen um? Mit diesen Fragen wird sich eine länderübergreifende Gruppe von Forscherinnen und Forschern befassen, die vom Verbund der Rhein-Main-Universitäten gefördert wird. Ziel ist letztendlich, eine DFG-Forschungsgruppe zu diesem Thema einwerben zu können. 

Frankfurt a. M. / Mainz / Darmstadt, 28. Januar 2019. 

FRANKFURT. Alle Menschen sollen gleichermaßen an Leben und Gesellschaft teilhaben können. Dies zu gewährleisten, dazu haben sich die Mitgliedsstaaten der UN mittels der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet. In Deutschland sorgt insbesondere Artikel 24 der Konvention für anhaltende Debatten: Er schreibt die Inklusion im Bildungswesen vor. Inklusion heißt dabei nicht, Menschen mit Behinderung durch besondere Maßnahmen zu integrieren – das Bildungswesen soll vielmehr für alle Menschen in gleicher Weise offenstehen. Regelschulen sollen künftig offener sein für Kinder mit Behinderungen, darüber herrscht ein breiter Konsens. Das stark gegliederte deutsche Bildungswesen ist jedoch eher auf Leistungsselektion ausgelegt als auf die Teilhabe aller an allen Angeboten. 

Die Forschungsinitiative „Inklusion im Spannungsfeld“ nimmt nun den institutionellen Wandel in den Blick, der sich als Folge der UN-Konvention im deutschen Bildungswesen vollzieht und in einem Spannungsverhältnis zur Leistungsselektion steht. Sprecherinnen der Forschungsgruppe sind Prof. Diemut Kucharz (Goethe-Universität) und Prof. Karin Bräu (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz). Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die besondere Herausforderung für den Umbau des Schulsystems in Richtung Inklusion darin, dass durch das „meritokratische Prinzip“ unserer Gesellschaft Leistung, Selektion und Wettbewerb als grundlegende Prinzipien beibehalten werden. Auf allen Ebenen – also im Unterricht, an der einzelnen Schule, in der Bildungsverwaltung und in der Politik – müsse dieses Spannungsfeld von Teilhabe und Leistungswettbewerb austariert wer-den. Zu untersuchen ist demnach, wie in der Praxis des gesamten Schulsystems mit der Herausforderung umgegangen wird, Inklusion zu realisieren und zugleich dem Leistungsanspruch gerecht zu werden. 

Mit den Fördermitteln aus dem RMU-Initiativfonds Forschung wird sich eine Pilotstudie zunächst die Bildungsadministration ansehen und untersuchen, wie die Problematik hier diskutiert wird. Dieses Feld sei bis-lang noch wenig beforscht worden, sagt Diemut Kucharz. Die Studie kann auf die Expertise des Forschungsnetzwerks Inklusion zurückgreifen, das bereits seit vier Jahren aktiv ist. Mit dabei sind neben Erziehungswissenschaftlern und Erziehungswissenschaftlerinnen unterschiedlicher Ausrichtung auch Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Das Projekt, das offiziell zum 1. April gestartet wird, erhält für zwei Förderjahre 118.000 Euro. Die Mittel werden für eine wissenschaftliche Teilzeitkraft und studentische Hilfskraftstunden verwendet, auch eine international ausgerichtete wissenschaftliche Tagung ist geplant. 

Das Projekt überschreitet Landesgrenzen: Indem sowohl in Hessen als auch in Rheinland-Pfalz Daten erhoben würden, komme man zu länderübergreifenden Ergebnissen – echte Grundlagenforschung, die am Ende auch Hinweise ergibt, wie der Transformationsprozess am besten zu gestalten sei. 

Information:
Prof. Dr. Diemut Kucharz, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, Campus Westend, E-Mail kucharz@uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Karin Bräu, Institut für Erziehungswissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, E-Mail braeu@uni-mainz.de

Weitere Informationen: 
www.tu-darmstadt.de/rhein-main-universitaeten
www.rhein-main-universitaeten.uni-mainz.de
www.uni-frankfurt.de/rhein-main-universitaeten

 

Jan 28 2019
13:24

Dr. Anna Possner erforscht den Einfluss erdnaher Wolken auf das Klima

Von Kalifornien an den Main

FRANKFURT. Die Klimaforscherin Dr. Anna Possner ist eine von 13 jungen Wissenschaftlerinnen, die im Rahmen des Programms „Make our planet great again“ aus dem Ausland nach Deutschland berufen wurden. Das Programm beruht auf einer Vereinbarung mit Frankreich, die Forschung zum Klimawandel gemeinsam zu stärken.

Die 31jährige ist im Dezember von der renommierten Carnegie Institution for Science in Stanford an das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität gekommen. Dank der Förderung von einer Million Euro wird sie in Frankfurt eine eigene Forschergruppe aufbauen. 

Das Forschungsgebiet von Anna Possner sind Schichtwolken. Diese erstrecken sich im untersten Kilometer der Atmosphäre über hunderte Kilometer und bedecken allein ein Fünftel der Meeresoberfläche. Weil sie einerseits das Sonnenlicht reflektieren, andererseits aber ähnlich viel Wärme wie ein wolkenloser Himmel abstrahlen, vergleicht sie Anna Possner gern mit riesigen halb-durchlässigen Sonnenschirmen.

Schichtwolken können einen beträchtlichen Einfluss auf die Temperatur auf der Erdoberfläche haben. Am meisten kühlen sie in den Subtropen, Nahe des Äquators, wo die Sonneneinstrahlung am höchsten ist. Im hohen Norden der Arktis wärmen sie jedoch, da hier der Unterschied der Wärmeabstrahlung zwischen Erdboden und Wolkenoberkannte bei geringer Sonneneinstrahlung doch entscheidend ist. Die Wolken liegen quasi wie eine Decke über den dicken Eismassen. 

„Hier kann es eventuell zu Klima relevanten Wechselwirkungen kommen zwischen dem abschmelzenden Meereis und den Strahlungseigenschaften der Wolken. Die Wolken könnten das Abschmelzen des Polareises zusätzlich beschleunigen“, erklärt Anna Possner. „Über den freiwerdenden Meeresflächen könnte es dann zu verstärkter Wolkenbildung kommen, welche wiederum die Erwärmung der Arktis verstärken.“ 

In den mittleren Breiten und der Arktis bestehen Schichtwolken oft aus einer Mischung von Wassertropfen und Eiskristallen. Wobei das Verhältnis von Wasser zu Eis nicht nur relevant ist für die Strahlungseigenschaften, sondern auch für die Organisation der Wolken. Wenn man Wolkendecken über Wasser mit dem Flugzeug überfliegt, sieht man unter bestimmten Bedingungen Zellen in der Wolkendecke, die wie verzogene Bienenwaben aussehen. Jede einzelne Zelle kann bis zu 50 Kilometer groß werden und die gesamte Bienenwabe kann sich über hunderte von Kilometern erstrecken. Die Struktur der Bienenwabe kann ebenfalls entscheidend sein für die Strahlungseigenschaften der gesamten Wolkendecke. 

Die Organisation der Wolken in Abhängigkeit von der Wasser-Eis-Zusammensetzung mit hochaufgelösten numerischen Modellen zu reproduzieren ist eine der ersten Aufgaben, die sich Anna Possner gestellt hat. „Am Ende der vier Jahre möchte ich in der Lage sein zu sagen, ob und inwiefern Wolkeneis die Struktur der Wolkenschicht beeinflusst und ob dies relevante Folgen für das Klima mit sich bringt“, sagt die Klimaforscherin. In einem weiteren Schritt will sie auch den Einfluss von Aerosolen berücksichtigen. „Noch können wir nur schwer quantifizieren, wie Schichtwolken auf anthropogene Partikelemissionen reagieren. Basierend auf unserem Prozessverständnis sollten sie optisch dicker werden. Aber zu welchem Grad ist weiterhin eine offene Frage, da hier viele Prozesse einander entgegen wirken.“ 

Anna Possner, geboren 1987 in Rostock, untersuchte bereits in ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich, welchen Einfluss Schiffsabgase auf Wolken haben können. Während ihrer Jahre als Postdoktorandin an der ETH Zürich und der Carnegie Institution for Science in Stanford, dehnte sie ihre Analysen auf Mischphasenwolken aus. 

Das deutsch-französische Programm „Make Our Planet Great Again“ wurde nach dem Pariser Klimagipfel vereinbart und soll dazu beitragen, solide Fakten für politische Entscheidungen in den Bereichen „Klimawandel“, „Erd-System-Forschung“ und „Energiewende“ zu schaffen. Von den 13 für Deutschland ausgewählten Wissenschaftlern kommen sieben aus den USA, zwei waren zuletzt in Großbritannien tätig und jeweils einer in der Schweiz, Kanada, Südkorea und Australien. Sie wurden in einem zweistufigen Verfahren aus rund 300 Bewerbungen ausgewählt. 

Das Projekt zur Erforschung von Mischphasenwolken wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Forschungsinitiative „Make our Planet Great Again – German Research Initiative“, die durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) umgesetzt wird. 

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/76002319 

Bildtext: Satellitenbild von unterschiedlich organisierten Schichtwolkenfeldern: stratiform und nicht-organisiert (I), geschlossene Zellen (II), offene Zellen (III) und ungeordnet (IV). Bild: NASA MODIS 

Informationen: Dr. Anna Possner, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-40255, possner@iau.uni-frankfurt.de.

 

Jan 28 2019
13:17

Bewerbung des LOEWE-Zentrums SAFE als „exzellent“ bewertet

Wissenschaftsrat empfiehlt Aufnahme von SAFE in die Leibniz-Gemeinschaft

FRANKFURT. Der Wissenschaftsrat hat die Bewerbung des LOEWE-Zentrums SAFE als „exzellent“ bewertet und empfiehlt die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft ab 2020. Die finale Entscheidung über die Aufnahme wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz voraussichtlich im Zeitraum April/Mai 2019 treffen. 

Das Land Hessen hatte im September 2017 die Aufnahme des Forschungszentrums SAFE („Sustainable Architecture for Finance in Europe“) im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt in die Leibniz-Gemeinschaft beantragt. Nach Annahme der Bewerbung durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz war SAFE im vergangenen Jahr durch die Leibniz-Gemeinschaft und den Wissenschaftsrat evaluiert worden. Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. SAFE hat mit der Note „exzellent“ die bestmögliche Bewertung erhalten. 

Nachdem Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn selbst am vergangenen Freitag an der Sitzung des Wissenschaftsrates teilnahm, dankte sie diesem für seine Arbeit. „Ich freue mich sehr über die hervorragende Bewertung von SAFE durch den Wissenschaftsrat. Auf dieser Grundlage bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Aufnahme von SAFE in die Leibniz-Gemeinschaft realisieren werden können.“

„Das ist eine sehr schöne Nachricht“, sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff. „SAFE hat damit einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Leibniz-Institut erreicht. Ich danke Jan Pieter Krahnen und seinem Team für die enorm produktive und erfolgreiche Arbeit. Und dem HMWK danke ich für die unermüdliche Unterstützung, nicht zuletzt über LOEWE. SAFE zeigt, dass sich die geduldige und nachhaltige Entwicklung leistungsstarker wissenschaftlicher Schwerpunkte mittel- und langfristig auszahlt. Nun drücken wir alle die Daumen, dass auch die letzte wichtige Hürde gemeistert wird.“ 

„Wir freuen uns sehr über das Votum des Wissenschaftsrats und sind stolz, dass unsere Arbeit die wissenschaftlichen Gutachterinnen und Gutachter überzeugt hat“, sagt Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Wissenschaftlicher Direktor von SAFE. Die Empfehlung bestärke SAFE, die Vorhaben in den Bereichen der Forschung und Politikberatung mit großem Engagement weiter voranzutreiben. „Nun hoffen wir, dass auch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz eine positive Entscheidung treffen wird und SAFE 2020 als Leibniz-Institut an den Start gehen kann“, so Krahnen. 

Das Forschungszentrum SAFE ist ein Kooperationsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt und des Center for Financial Studies. Es beschäftigt sich mit der Analyse der europäischen Finanzmärkte und ihrer Regulierung und wird seit 2013 von der hessischen Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischen Exzellenz (LOEWE) gefördert. SAFE hat sich zum Ziel gesetzt, die Anforderungen an einen optimalen Ordnungsrahmen für die europäischen Finanzmärkte und ihre Akteure zu erforschen. Um die Komplexität der Märkte und ihr Zusammenspiel mit Wirtschaft, Politik und Zentralbanken in allen wichtigen Komponenten erfassen zu können, setzt das LOEWE-Zentrum auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von rund 40 Professorinnen und Professoren, 20 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, 50 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie einem großen Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Forschungseinrichtungen weltweit aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Mikro- und Makroökonomie, Rechtswissenschaft und Soziologie. Neben der Forschung ist es ein Kernanliegen von SAFE, durch professionelle Politikberatung auf Basis aktueller Forschungsergebnisse zu einer nachhaltigen, an Stabilität und Wachstum orientierten Politik beizutragen. Das SAFE Policy Center unterhält dazu einen kontinuierlichen Dialog mit hochrangigen Entscheidungsträgern aus Politik, Zentralbanken und Regulierungsbehörden in Brüssel, Berlin und Wiesbaden/Frankfurt. 

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 95 selbstständige Forschungsinstitute aus verschiedensten Fachbereichen, die sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen widmen. Sie setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer und berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Leibniz-Institute beschäftigen insgesamt rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gehören das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das ifo-Institut, das Leibniz-Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zur Leibniz-Gemeinschaft. 

Mehr Informationen: https://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=1452&L= 

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/76003121

 

Jan 25 2019
15:56

Vortrag über einen einst blühenden Wirtschaftszweig in den Niederlanden

„Walfische groß und fett“

FRANKFURT. Über den niederländischen Walfang vom 16. bis 19. Jahrhundert handelt ein Vortrag in der Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Kultur“ des Lektorats Niederländisch am Institut für deutsche Literatur und Didaktik. Die ursprünglich für diesen Termin geplante literarische Lesung mit Alfred Birney wurde wegen Krankheit abgesagt. 

Was ursprünglich eine Art „Beifang“ war, wurde bald zu einem blühenden Wirtschaftszweig für die Niederlande: Um 1600 machten sich Entdeckungsreisende wie Willem Barendsz auf den Weg zum Nordpol, weil sie eine kürzere Route zu den Gewürzfeldern Asiens finden wollten als die bekannte über das Kap der Guten Hoffnung. Auf der Reise über das Meer wurden zahlreiche Wale gesichtet. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich daraus der arktische Walfang. 

In ihrem Buch „Walvissen groot en vet. Nederlanders op walvisvaart in het Hoge Noorden“ haben Dr. Hans Beelen und Ingrid Biesheuvel Reiseberichte aus den Hochzeiten des Walfangs gesammelt, die deutlich machen, mit welchen Entbehrungen und mitunter Katastrophen dieser verbunden war. Anhand einiger dieser Reise- und Überwinterungsberichte wird Hans Beelen 

am Mittwoch, 6. Februar, 19 Uhr im Casinogebäude, Raum 1.812 (Campus Westend) 

darstellen, wie die Seeleute damals den hohen Norden erlebten und wie sie versuchten, mit den schwierigen Witterungsverhältnissen zurechtzukommen. Dramatische Ereignisse spielten sich ab: Walfangschiffe wurden vom Eis zerdrückt, zahlreiche Seefahrer fielen den Naturgewalten zum Opfer. Die Schilderungen zeigen, wie sehr sich die Erfahrungen mit der Natur und die Sicht auf sie von der heutigen unterschieden. 

Das Sammeln und Veröffentlichen von Berichten arktischer Walfänger ist Teil eines größeren Unterfangens der „Stiftung Freiwilligennetzwerk Niederländische Sprache“ (SVNT), dessen Mitkoordinator Hans Beelen ist. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, niederländische historische Texte zu transkribieren und digital und interaktiv für alle zugänglich zu machen. Der reich bebilderte Vortrag wird auf Deutsch sein, die vorgelesenen Fragmente auf Niederländisch. 

Informationen: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch des Instituts für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Tel.: 069/79832851, E-Mail: artois@lingua.uni-frankfurt.de 

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75985346 

Bildunterschriften: 

Bild 1: Detail eines Eckschrankes aus Nadelholz (1780-1850). Museum Sorgdrager, Ameland. (Foto: Jan van Dijk)
Bild 2: Walfang auf hoher See, um 1660. Die Buchstaben GIS auf der Fahne verweisen auf den Verleger: Gillis Joosten Saeghmann. Aus: Drie Voyagien gedaen na Groenlandt. Amsterdam, ca. 1665. (Foto: UB Utrecht)
Bild 3: Seeleute beim Abspecken eines Grönlandwales, um 1700, unbekannter Zeichner. Die Seeleute benutzen lange "Flensmesser' und tragen an den Schuhen sog. Specksporen, damit sie nicht ausrutschen und ins Wasser fallen. Die Seetiere rings herum sind Seeteufel, gefleckter großer Sandaal, Hering und Garnele. (Foto: Schifffahrtmuseum Amsterdam)

 

Jan 24 2019
11:47

Für die Wissenschaft oder für das Leben?

Umweltschutz im Weltall

FRANKFURT. Sollten die Regeln für den Umweltschutz auch außerhalb unseres Sonnensystems angewendet werden? Bisher gelten außerirdische Lebensformen nur als schützenswert, wenn sie damit wissenschaftlich erforscht werden können. Aber wie ist es mit den zahlreichen, vermutlich unbelebten Planeten, die aufgrund ihrer Sauerstoffatmosphäre prinzipiell für die Besiedlung durch irdische Lebensformen infrage kämen, fragt der theoretische Physiker Claudius Gros von der Goethe-Universität. 

Auf der Erde zielt der Umweltschutz in erster Linie darauf ab, dass wir Menschen auch in Zukunft mit sauberem Wasser und sauberer Luft versorgt sind. Menschliche Interessen haben in der Regel auch dann Vorrang, wenn es um den Schutz höherer Tiere und Pflanzen geht. Niedere Organismen wie Bakterien werden dagegen nur in Ausnahmefällen als schützenswert betrachtet. 

Claudius Gros, Professor für theoretische Physik an der Goethe-Universität, hat nun in einer neuen Arbeit untersucht, inwieweit der Schutz von Planeten auf Fragestellungen zurückgeführt werden kann, die sich in Analogie zum Umweltschutz auf der Erde ergeben. Nach den internationalen COSPAR Vereinbarungen zur Weltraumforschung müssen Raumfahrtmissionen darauf achten, dass eventuell vorhandenes Leben - wie auf dem Jupitermond Europa - oder Spuren vergangener Lebensformen – etwa auf dem Mars - nicht verunreinigt werden, so dass sie der Wissenschaft erhalten bleiben. Ein Schutz von außerirdischem Leben als Wert an sich ist nicht vorgesehen. 

Die COSPAR Richtlinien gelten für unser Sonnensystem. Doch inwieweit wären sie auch auf den Schutz von Planetensystemen außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplaneten) anwendbar? Relevant wird diese Fragestellung, sobald eine Abschussrampe für miniaturisierte interstellare Raumsonden verwendet würde, wie sie im Rahmen der „Breakthrough Starshot“-Initiative entwickelt wird. Gros legt dar, dass der Schutz von Exoplaneten zum Nutzen der Menschheit nicht begründbar wäre. Abgesehen von Vorbeiflügen könnten wissenschaftliche Studien nur mit Raumsonden durchgeführt werden, die in einem fremden Sonnensystem auch wieder abbremsen können. Nach dem heutigen Stand der Technik wären dafür aber magnetische Segel notwendig und Missionen würden mindestens einige Jahrtausende dauern. 

Gros zufolge wäre der Schutz von Exoplaneten zudem irrelevant, wenn diese Planeten zwar im Prinzip bewohnbar wären, aber dennoch unbelebt. Dazu gehören wahrscheinlich Planetensysteme wie das Trappist-1-System, deren Zentralstern ein Zwergstern ist. Planeten, die in der bewohnbaren Zone um einen Zwergstern kreisen, verfügen über eine dichte Sauerstoffatmosphäre, die schon vor dem Abkühlen durch physikalische Prozesse erzeugt wurde. Ob sich aber Leben auf solchen Planeten entwickeln kann, ist fraglich. Denn freier Sauerstoff wirkt zersetzend auf die präbiotischen Reaktionszyklen, die als Voraussetzung für die Entstehung von Leben gelten. „Ob Leben dennoch auf anderen Wegen auf Sauerstoffplaneten entstehen kann, ist eine derzeit noch offene Fragestellung“, so Gros. „Falls nicht, würden wir in einem Universum leben, in dem die meisten bewohnbaren Planeten unbelebt sind, und damit für die Besiedlung durch irdische Lebensformen geeignet wären“, fügt er hinzu.

Publikationen:
Claudius Gros: Why planetary and exoplanetary protection differ: The case of long duration Genesis missions to habitable but sterile M-dwarf oxygen planets, Acta Astronautica 2019, in press, https://arxiv.org/abs/1901.02286

Claudius Gros: Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, Astrophysics and Space Science 361, 324 (2016). 
http://link.springer.com/article/10.1007/s10509-016-2911-0 

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069-798 47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de

 

Jan 21 2019
14:54

Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie findet an der Goethe-Universität statt

Im Alter anders?

FRANKFURT. Was gilt im Alter als „normal“? Und wer verhält sich als alternder Mensch abweichend von den gesellschaftlichen Erwartungen? Über diese Frage geht es bei der Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die in Kooperation mit der Goethe-Universität stattfindet. 

Die Menschen leben immer länger, und die Lebensphase Alter wird immer vielfältiger in ihren Erscheinungsformen. Damit wandeln sich auch die Vorstellungen, die wir vom Alter und vom Altwerden haben: Wer und was im Alter als „normal“ oder „abweichend“ gilt, ist nicht mehr so streng festgelegt. Dies betrifft so unterschiedliche Phänomene wie Homosexualität, Straffälligkeit oder Krankheit: Ältere homosexuelle Menschen sind heute weit weniger stigmatisiert als früher. Hingegen trägt die immer häufiger gestellte Diagnose „Frühdemenz“ dazu bei, dass immer mehr ältere Menschen wegen einer ‚normalen' altersbedingten Vergesslichkeit stigmatisiert werden. 

Bei der Tagung unter dem Titel „Im Alter anders? Zur Bedeutung von Devianz und Abweichung in Zeiten zunehmender Langlebigkeit“ diskutieren 

am 15. Februar, 13:30 Uhr 
bis 16. Februar, 13:30 Uhr
Casino, Renate von Metzler Saal (Raum: Cas 1.801)
Nina-Rubinstein-Weg (Campus Westend) 

Soziologen und Soziologinnen über von hergebrachten Normvorstellungen abweichende Lebensweisen im Alter heute. Die Vorträge thematisieren Straffälligkeit und Strafvollzug im Alter, (Früh-)Demenz und Drogen konsumierende Senioren, aber auch sexuelle Identität, Migration und Unternehmertum von alten Menschen. Auch die so genannten „New Ageing Populations“, z.B. Menschen mit Behinderung, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen und fehlender Behandlungsmöglichkeiten früher keine hohe Lebenserwartung hatten, werden von den Wissenschaftlern in den Blick genommen. 

Veranstaltet wird die Frühjahrstagung der Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kooperation mit der Goethe-Universität und dem hier angesiedelten Frankfurter Forum für Interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA).   

Anmeldung: Dr. Miranda Leontwotisch, leontowitsch@em.uni-frankfurt.de; die Teilnahme kostet 10 Euro für Studierende und Mitglieder der Sektion Alter(n) und Gesellschaft, 30 Euro für Nichtmitglieder; Anmeldeschluss: 26. Januar 2019 

Weitere Informationen unter www.sociohub-fid.de/s/altern-und-gesellschaft

 

Jan 21 2019
11:05

Vortrag von Femke Grops, Doktorandin der Archäologie, am Dienstag, 29.01.2019, 19 Uhr, im Museum Giersch der Goethe-Universität. Ohne Anmeldung, Eintritt frei

„Kann das weg oder ist das echt?“ – Glasierte Quarzkeramik und ihre Bedeutung im Alten Orient 

FRANKFURT. „…und aus dem Ofen kommt Lapislazuli heraus!“ In kaum einer anderen Quelle des Alten Orients wird die Funktion von Glas und glasierter Quarzkeramik so deutlich wie in den sogenannten Glasrezepten aus der Bibliothek des assyrischen Herrschers Assurbanipal (Regierungszeit: 668–631/627 v. Chr.). Ziel war es demnach, die schönen Edelsteine – gerade den beliebten Lapislazuli – zu imitieren. Dass der Stein „aus dem Ofen“ nicht nur das Aussehen, sondern auch die magische Funktion der schützenden und heilenden Steine übernimmt, zeigt die Ausstellung „Faszination der Dinge – Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie“ (noch bis 24. Februar 2019) im Museum Giersch der Goethe-Universität anhand antiker Objekte aus Assyrien (heutiger Nordirak). Im begleitenden Abendvortrag am Dienstag, 29.01.2019, um 19 Uhr, im Museum Giersch der Goethe-Universität, zeigt Femke Grops, Doktorandin der Archäologie, die magische Wirkung dieser „fakes“ in ihren archäologischen Fundkontexten. Selten lassen sich Spuren von Ritualen, an denen Quarzkeramik als materia magica teilnahm, so deutlich im archäologischen Befund erfassen wie im Ischtar-Tempel des Herrschers Tukulti-Ninurta I. (1233–1197 v. Chr.) in der Reichshauptstadt Assur. 

In der Sonderausstellung „Faszination der Dinge – Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie“ stellen 14 Promovierende und zwei Postdocs der Fächer Archäologie und Ethnologie aus dem Graduiertenkolleg „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität ihre Forschungsthemen vor und was sie daran so fasziniert. Die Themen umfassen die Zeitspanne vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart und sind bisher nur einer kleinen Fachöffentlichkeit bekannt. Ein Fotokunstprojekt von Studierenden der Hochschule RheinMain in Wiesbaden gibt den Forschenden des Graduiertenkollegs ein Gesicht. 

Femke Grops promoviert zum Thema „Assyrische Quarzkeramik“ und ist Mitglied des Graduiertenkollegs „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität Frankfurt. 

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl.-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de 

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main