​​​​Pressemitteilungen ​

 

Nov 14 2018
11:21

Ökologen haben es schwer, Sympathien für „Krabbeltiere“ zu wecken

Insektensterben – eine schleichende Katastrophe

FRANKFURT. „Wespen sind wichtige ökologische Regulatoren“, sagt der Biologe Bruno Streit, Seniorprofessor für Ökologie und Evolution der Goethe-Universität, „doch wer denkt schon daran, wenn sie auf dem Zwetschgenkuchen sitzen?“ Dass vor allem jüngere und weniger gebildete Menschen die Bedeutung von Insekten für Ökosysteme unterschätzen, fanden er und seine Kollegen von Bio-Frankfurt kürzlich bei einer Befragung von 1979 Personen heraus. In einem Interview für das Online-Magazin der Goethe-Universität reflektiert Streit über Ursachen und mögliche Lösungen.

Heute gibt es 80 Prozent weniger Insekten in der Luft als zu Zeiten unserer Großeltern. Ältere Menschen bereuen das schleichende Verschwinden der summenden Vielfalt mehr als jüngere. Vielleicht, weil die es nicht anderes kennen. Aber laut Umfrage ist die richtige Einschätzung des Insektensterbens auch eine Frage der Bildung. Das unterscheidet die schleichende Katastrophe am meisten von den plötzlichen, deren Folgen direkt spürbar sind.

„Wären schlagartig alle Insekten verschwunden, würden alle insektenbestäubten Blütenpflanzen verschwinden, Ab- und Umbauprozesse im Wald weitgehend zum Erliegen kommen. Die auf Insektennahrung spezialisierten Vögel, Fledermäuse, Igel und Spitzmäuse würden weitgehend oder ganz aussterben“, erklärt Bruno Streit. Erst im Laufe vieler Millionen Jahre könnte sich theoretisch wieder eine neue entsprechende Vielfalt einstellen. „So weit wird es zwar nicht kommen, aber eine Abnahme der Singvögel ist teilweise bereits eingetreten“, fügt er hinzu.

Das hat auch wirtschaftliche Folgen. Auf chinesischen Obstplantagen wird die Obstblütenbestäubung teilweise schon durch Menschen auf Leitern vorgenommen. Kurzfristig erwartet Streit, dass einige Produkte wie Obst teurer werden. „Wenn aber die globalisierte Weltwirtschaft schrumpft oder zusammenbricht - ein Szenario, das wir derzeit alle ausblenden - und die Bevölkerung auch bei uns wieder stärker zu einer regionalen Selbstversorgung übergeht, werden sich die Nachteile einer irreversibel verarmten Natur durchaus drastisch zeigen“, warnt der Experte.

Denn mit der biologischen Vielfalt verschwinden auch genetische Ressourcen von unserem Erdball. Gezüchtete Pflanzen und Tiere sind meist genetisch verarmt und spezialisiert. Damit erhöht sich das Risiko, dass sie künftigem Parasiten- oder Klimastress zum Opfer fallen. Viele der wenig bekannten Wildarten beherbergen zudem auch Substanzen oder Fähigkeiten, die für uns in der Zukunft noch interessant werden könnten.

Wie man Menschen für die Folgen des Insektensterbens sensibilisieren kann, ist für Bruno Streit und seine Kollegen bei Bio-Frankfurt ein großes Thema. „Man kann die Farbenpracht des Ligusterschwärmers zeigen, die beeindruckende Größe des Hirschkäfers und die Nützlichkeit der vielen Bestäuber für Wildpflanzen und unser Obst zu erläutern. Aber da kommt man bei Menschen mit Ekel, Phobien oder notorischem Desinteresse an ‚Krabbeltieren‘ rasch an die Grenzen seiner Überzeugungskraft“, weiß Streit aus Erfahrung. Viele Kollegen nutzten daher die Honigbiene als Sympathieträger. Aber ausgerechnet die sei ein gezüchtetes Hochleistungsnutztier, das – so wird oft vermutet – regional manche der derzeit noch rund 500 Wildbienenarten erheblich unter Existenzdruck setzt.

Lässt sich das Insektensterben überhaupt noch aufhalten? „Grundsätzlich wäre es noch möglich, die ursprüngliche Insektenfauna wieder zum Krabbeln und Summen zu bringen. Aber dazu müsste unser Landschafts- und Landwirtschaftskonzept radikal geändert werden“, so Streit.

Pessimisten wenden ein, dass es politisch nicht umsetzbar sein wird, die endlosen Monokulturen, regulierten Wasserläufe, die Benebelungen durch Biozide und die Verfrachtungen von Schad- und Düngestoffen über Wind, Niederschläge und Sickerwasser zu unterbinden. Denn darüber hinaus müssten auch wieder Hecken, Blumenwiesen und weitere Freiflächen zu Lasten der Landwirtschaftsflächen generiert werden, die zu einem großen Teil der Produktion von Viehfutter dienen. Das würde Kosten, Lohneinbußen und soziale Spannungen erzeugen und letztlich auch die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt mindern.

Als Kompromiss fordern Streit und seine Kollegen von Bio-Frankfurt den Erhalt von so viel Strukturvielfalt und Niedrigbelastung, wie möglich und sozial akzeptabel ist. Sie setzen sich dafür ein, bei Kindern und noch naturnah empfindenden Erwachsenen den emotionalen Bezug zur Natur zu stärken. Neben den traditionellen Schutzgebieten plädieren sie auch für die Einrichtung von "Wildnis"-Arealen wie sie gerade auf der ehemaligen Müllkippe „Monte Scherbelino“ in Frankfurt entstehen. „Dann hat auch der Nicht-Biologe wieder eine Chance, zu sehen und zu erleben, wie sich Natur entwickelt. Denn das Verständnis ergibt sich nicht einfach durch den Besuch der Zoologischen und Botanischen Gärten oder Museen, so wertvoll und wichtig diese als zusätzliche Motivationshelfer sind und bleiben!“, schließt Streit.

Den vollen Wortlaut des Interviews mit Bruno Streit zum Insektensterben finden Sie hier: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/insektensterben-naturerlebnis-wird-fuer-kuenftige-generationen-aermer/

Information: Prof. Dr. Bruno Streit, Seniorprofessor für Ökologie und Evolution, Fachbereich 15, Campus Riedberg, streit@bio.uni-frankfurt.de.

 

Nov 13 2018
15:31

Religionswissenschaftler Jörg Rüpke und Althistoriker Hartmut Leppin tragen am Forschungskolleg Humanwissenschaften vor

Als die Mittelmeerwelt christlich wurde

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Zu den weltgeschichtlich folgenschwersten Entwicklungen der Antike gehört, dass die Mittelmeerwelt christlich wurde. Diesem vielschichtigen Prozess widmet sich in diesem Jahr das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften. Zwei Abendvorträge werden sich mit der Thematik beschäftigen.

Über „Religiöse Pluralität in der Antike als städtisches Phänomen“ spricht der Erfurter Religionswissenschaftler Professor Jörg Rüpke

am Donnerstag, 15. November, um 19 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg.

Der Vortrag befasst sich damit, wie sich in der Antike kollektive religiöse Identitäten entwickelten und sich das Zusammenleben verschiedener Religionen gestaltete. Jörg Rüpke untersucht, welche Rolle die Städte in diesem Prozess gespielt haben und welche Bedeutung dem Christentum bzw. christlichen Gruppen in dieser Entwicklung zukam. Jörg Rüpke forscht seit vielen Jahren über die antike Religions- und Kulturgeschichte und hat auch zahlreiche Bücher dazu veröffentlicht, zuletzt „Pantheon. Eine Geschichte der antiken Religionen“ (München 2016). Rüpke ist Professor für Vergleichende Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Europäische Polytheismen an der Universität Erfurt, stellvertretender Leiter des dortigen Max-Weber-Kollegs sowie Sprecher des „Universitären Schwerpunkts Religion“ der Universität Erfurt.

Über „Märtyrer und Martyriumsgegner unter frühen Christen“ spricht dann der Frankfurter Althistoriker Prof. Harmut Leppin

am Mittwoch, 5. Dezember, um 19 Uhr, ebenfalls am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Hartmut Leppin ist Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität. 2015 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, seither leitet er das an der Goethe-Universität angesiedelte Leibniz-Projekt „Polyphonie des spätantiken Christentums“. Für das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften hat er die Leitung des Themenjahres 2018 zu „Christianisierungen in der Spätantike“ übernommen. 2018 erschien sein Buch „Die frühen Christen. Von den Anfängen bis Konstantin“ im Münchner Beck-Verlag. Vor dem Hintergrund dieser Gesamtdarstellung wird er in seinem Vortrag die Vielfalt der Debatten um das Martyrium unter frühen Christen beleuchten.

Um Anmeldung wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Informationen: Beate Sutterlüty, Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg, Telefon 06172 13977-15 oder -0, E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Nov 13 2018
12:40

Eine Ausstellung des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ in Kooperation mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität vom 29.11.2018 bis 24.2.2019

Faszination der Dinge Werte weltweit in Archäologie und Ethnologie

FRANKFURT. Können Doktorarbeiten spannend, aktuell und allgemein verständlich sein? In spielerisch gestalteten, farbenfrohen Räumen stellen 14 Promovierende und zwei Postdocs der Fächer Archäologie und Ethnologie aus dem Graduiertenkolleg „Wert & Äquivalent“ an der Goethe-Universität ihre Forschungsthemen vor und was sie daran so fasziniert: Wie verändert sich das Essverhalten von usbekischen Migranten in den USA, wie horteten die Römer ihr Geld ohne Bankautomaten, wie lebten und starben Götter in Mesopotamien und welches sind die Unterschiede im Umgang mit dem Tod in Ghana und bei uns?

Anhand von 300 Objekten, Bildern und Fotografien aus Museen unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart sowie aus Sammlungen der Goethe-Universität werden die Themen durch Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt lebendig visualisiert. Verschiedene Medien, Hörstationen sowie eigens für die Ausstellung hergestellte Interview-Filme geben Einblick in aktuelle Fragen, zum Beispiel: Welche Rolle spielen Fanartikel in römischer Zeit bei Gladiatorenspielen? Einer der Filme zeigt auch die berührende Szene, wie die Maori 2017 die Rechte am Fluss Whanghanui in Neuseeland wieder zurückerhielten.

Ein Fotokunstprojekt von Studierenden der Hochschule RheinMain in Wiesbaden gibt den Forschenden des Graduiertenkollegs ein Gesicht. Die atmosphärisch schönen und humorvollen Schwarz-Weiß-Bilder porträtieren die Personen hinter der Wissenschaft und zeigen, dass diese durchaus ihre spielerischen Seiten haben kann.

Der Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag und kostet 24,90 Euro im Museum.

Pressekonferenz: Donnerstag, 29. November 2018, 11 Uhr

  • Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • Dr. Hans Peter Hahn, Sprecher des Graduiertenkollegs „Wert und  Äquivalent“, Goethe-Universität
  • Charlotte Trümpler, Kuratorin der Ausstellung

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 29. November 2018, 18.30 Uhr

  • Grußworte: Prof. Dr. Roger Erb, Vizepräsident der Goethe-Universität, Dr. Hans-Dieter Bienert, Leiter der Gruppe „Geistes- und Kulturwissenschaften“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Begrüßung: Dr. Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • Einführungen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Sprecher des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“, Goethe-Universität, Dr. Charlotte Trümpler, Kuratorin der Ausstellung
  • Musik: Tschiltan

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Eintritt, Vorträgen, Kinderprogramm und Sonderveranstaltungen unter www.museum-giersch.de.

Finanzierung: Stiftung Giersch; Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Familien-Schultz-Frentzel-Stiftung 

Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

 

Nov 9 2018
11:45

Vortragsreihe „It takes 2 to boogie“ des Masterstudiengangs Ästhetik

Design und Geisteswissenschaften

FRANKFURT. Unter dem Titel „It takes 2 to boogie” veranstalten Studierende des Masterstudiengangs Ästhetik an der Goethe-Universität eine Vortragsreihe über Design & Geisteswissenschaften. Die Vorträge finden bis 11. Dezember jeweils

dienstags von 18 bis 20 Uhr im Casino-Gebäude, Raum 1.811 (außer am 27.11.) Nina-Rubinstein-Weg (Campus Westend)

statt. Am Freitag, 14. Dezember lädt die Studiengruppe Ästhetik Studierende aller beteiligten Hochschulen zum abschließenden Workshop ins Seminarhaus auf dem Westend-Campus.

Die Studiengruppe des Masterstudiengangs Ästhetik der Goethe-Universität kooperiert bei der Reihe mit dem Designmagazin „form“ und der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis von Design und Geisteswissenschaften. Der vor drei Jahren gestartete Masterstudiengang Ästhetik trägt der zunehmenden Entgrenzung ästhetischer Fragestellungen Rechnung: Die Gegenwart ist geprägt von einer Fülle ästhetischer Phänomene, deren wissenschaftliche Einordnung aussteht. Obwohl Design gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich immer größeren Einfluss gewinnt, findet ein entsprechender Diskurs bisher kaum Eingang in die Lehre staatlicher Universitäten. Auch an deutschen Designhochschulen befindet sich eine entsprechende Theoretisierung von Design und Gestaltung noch in den Anfängen. Eine angemessene Theoriebildung und Verwissenschaftlichung ist aber, aufgrund der in den letzten Jahrzehnten gewachsenen Bedeutung, unabdingbar.

Innerhalb der Vortragsreihe werden Theoretiker und Praktiker ihr Wissen und ihre Erfahrung rund um das Thema Design mit Lehrenden und Lernenden klassischer sowie der Kunst- und Designhochschulen aus dem Rhein-Main Gebiet teilen. Auch praktizierende Designerinnen und Designer sowie Designinteressierte aus allen Bereichen der Gesellschaft sind zur Teilnahme eingeladen. Ziel ist es, über die vielfältigen Anwendungsfelder von Designpraktiken und -strategien zu informieren und deren Anschlusspunkte zu den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, wie sie unter anderem an der Goethe-Universität Frankfurt gelehrt werden, aufzuzeigen. Die Schwerpunkte der Vorträge reichen vom Gamedesign über Produktentwicklung und politischer Tragweite von Design bis zur Gestaltung von Mode. Ein besonderer Höhepunkt wird die Teilnahme von Ralf Groene, Chefdesigner von Microsoft, am 20. November sein.

Die Termine im Überblick

13.11.
Gamedesign. Der Einfluss von Computerspielen auf unsere Welt.
Evelyn Hribersek (O.R.pheus, Eurydike), Sarah Steffen (Beraterin Gameproducing), Daniel Martin Feige (ABK Stuttgart).

20.11.
Produktentwicklung. Einblick in die Entstehung technischer Geräte heute.
Ralf Groene (Head of Industrial Design, Microsoft), Bettina Maisch (Industrial Design Thinking, Siemens), Stephan Ott (Chefredakteur, form Designmagazin).

27.11., 18-20 Uhr, HZ1, Hörsaalzentrum
Design & Politik. Welche politische Dimension hat Design?
Anna Berkenbusch (Burg Giebichenstein Halle), Daniel Hornuff (Kunsthochschule Kassel), Philipp Thesen (Hochschule Darmstadt).

4.12.
Mode. Wie verändert Mode Gesellschaft?
Ayzit Bostan (Kunsthochschule Kassel). 18-20 Uhr, Casino, Raum 1.811

11.12., 18 Uhr
Design & Zukunft. Reprodutopia: Über die Zukunft des Menschen.
Hendrik-Jan Grievink (Next Nature Network)

14.12., 16-20 Uhr
Workshop für Studierende aller Hochschulen mit der Studiengruppe Ästhetik.
Seminarhaus, Raum 0.109

 

Nov 8 2018
15:05

Forschungsergebnisse rund um den Begriff „Heimat“ in der Kinder- und Jugendliteratur sind Thema einer Tagung in Graz

Vom Alpl ins WWW

FRANKFURT/GRAZ. In der Kinder- und Jugendliteratur spielt Heimat eine ambivalente Rolle. So kann dieses „Zuhause“ einerseits ein vertrauter Kindheitsort und Ausgangs- und Zielpunkt für selbstgewählte Abenteuer, die Entwicklungs- und Ablösungsprozesse ermöglichen. Andererseits kann Heimat der Ort sein, dem kindliche und jugendliche Protagonistinnen und Protagonisten entfliehen müssen, um ein neues „Zuhause“ zu finden. Heimat in der ursprünglichen Bedeutung als Ort, Gegend, Land, wo man sich heimisch fühlt bzw. woher man kommt, entspricht dem englischen Begriff „home“. Durch rassistische und nationalistische Diskurse ist der Begriff „Heimat“ im deutschsprachigen Raum jedoch bis heute und trotz neuerer Deutungsversuche ideologisch besetzt. Den vielgestaltigen Facetten des Heimatbegriffes in der Kinder- und Jugendliteratur soll im Rahmen dieser internationalen Tagung nachgegangen und die Ergebnisse anschließend in einer Publikationsreihe festgehalten werden.

HS-Prof. Dr. Sabine Fuchs, Leiterin des KiJuLit-Zentrums in Graz: „Ich freue mich, Literatur- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Historikerinnen und Historiker sowie Literaturdidaktikerinnen und -didaktiker aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Finnland, Indien, Kroatien und den Niederlanden in Graz begrüßen zu dürfen. ‚Heimat‘ steht im Mittelpunkt dieser Tagung nicht nur wegen der Gedenkjahre um Peter Rosegger, sondern weil in unserer Migrationsgesellschaft „Heimat“ und die in der Kinder- und Jugendliteratur dazu angebotenen Bilder differenziert diskutiert werden müssen.“

Aktuelle realistische Darstellungen von topographischen und sozialen Räumen zeigen ungeschönt ein mitunter problematisches Zuhause oder den traumatischen Verlust und die imaginierte Neugestaltung der alten Heimat bzw. ein oft mit Schwierigkeiten verbundenes Ankommen und Neuorientieren. In postapokalyptischen Dystopien generieren Jugendliche neue Heimaten abseits oppressiver Regime, in Fantasyromanen bekämpfen sie dunkle, die Heimat bedrohende Mächte und in futuristischen Welten kann auch eine virtuelle Realität zur Heimat werden.

Prof. Ute Dettmar, Leiterin des Instituts für Jugendbuchforschung und Dr. Claudia Maria Pecher, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität: „Heimat changiert in kinder- und jugendliterarischen Texten zwischen Romantisierung und Politisierung. Insbesondere in Zeiten globaler kultureller und medialer Umbrüche sowie kriegs- und umweltbedingter Migrationsbewegungen gilt es den ‚Heimat‘-Begriff neu zu diskutieren. Kinder- und Jugendliteratur kann dazu einen gesellschaftspolitisch relevanten Beitrag leisten.“

Die Tagung wird eröffnet mit der Vorstellung von internationalen Perspektiven auf den Heimatbegriff, gefolgt von einem Blick auf Peter Rosegger und aktuellen künstlerischen Aneignungen seiner Werke. Der Samstag beginnt mit einem Fokus auf den Literaturunterricht (mit Texten von Peter Rosegger bis Wolfgang Herrndorf) und Einzelanalysen von Märchen, über die Autorin Hermynia Zur Mühlen bis zum Bären Paddington. Nachmittags wird ein Blick auf internationale Tendenzen geworfen. Die Lesung von Reinhard P. Gruber am Freitag, 23. November, um 18.30 Uhr und der Abschlussvortrag von Bernhard Viel am Samstag um 15.00 Uhr beenden die Tagung.

Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität: „2018 jährt sich der 175.Geburtstag und 100. Todestag des Steirer Schriftstellers und Heimatdichters Peter Rosegger. Sein literarisches Erbe prägt die historische Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur an der Wende vom 19. Jahrhundert ins 20. Jahrhundert. Im Kontext aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen wird die Bedeutung von „Heimat“ wieder vermehrt diskutiert. Heimat ist dabei auch als Ort der Verständigung und Begegnung zu verstehen. Sie ist Schlüssel gegenseitigen Verstehens und freundschaftlichen Austauschs miteinander. Beispiel dafür ist sicherlich der hervorragende Wissenschafts- und Kulturtransfers der beiden Länder Hessen und Steiermark, der federführend von der Goethe-Universität begleitet wird. Wichtiger Baustein jenes erfolgreichen Miteinanders war u.a. die Lesung des steirischen Künstlers Klaus-Maria Brandauer anlässlich des 100. Geburtstags der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Weitere Kooperationen für einen gelungenen Brückenschlag zwischen Hessen und der Steiermark sind in Planung. So wird zum Beispiel im Jahr 2019 das Sommerfest der Frankfurter Goethe-Universität unter dem Motto ‚Hessen trifft Steiermark‘ stattfinden. Bestandteil dieser Kooperation ist auch die bevorstehende Tagung.“

Tagung:Heimat in der Kinder- und Jugendliteratur - Vom Alpl ins www“ Freitag, 23. November, ab 14.00 Uhr bis Samstag, 24. November 2018, ca. 16.00 Uhr.

Tagungsort: PH Steiermark, Aula, Hasnerplatz 12, 8010 Graz.

Programm: http://www.uni-frankfurt.de/74628520/Folder_2018_-Programm-Tagung-Heimat.pdf

Veranstalter: Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. (Volkach, D), Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität (Frankfurt/M., D), KiJuLit – Zentrum für Forschung und Didaktik der Kinder- und Jugendliteratur an der PH Steiermark (Graz, A), Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (Wien, A), Kooperationspartner: Österreichisches Forum Deutschdidaktik

Information: Dr. Claudia Maria Pecher, Institut für Jugendbuchforschung, Tel.: 069/798-33006, pecher@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 6 2018
15:27

Präsidentin der Goethe-Universität wird bei der Hochschulrektorenkonferenz die Themen Forschung, Kooperation und wissenschaftlicher Nachwuchs betreuen

Birgitta Wolff zur Vizepräsidentin der HRK gewählt

FRANKFURT. Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat heute Prof. Dr. Birgitta Wolff als neues Mitglied in das HRK-Präsidium gewählt. Wolff wird die Themen „Forschung, Kooperation und wissenschaftlicher Nachwuchs“ betreuen. Birgitta Wolff ist seit 2015 Präsidentin der Goethe-Universität. Sie war ab 2010 Kultusministerin und von 2011 bis 2013 Landesministerin für Wissenschaft und Wirtschaft von Sachsen-Anhalt. Sie ist unter anderem Mitglied des Senats der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Vorsitzende des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft.

„Ich danke den Mitgliedern der HRK für das Vertrauen und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit im Team von André Alt. Gerade werden diverse Pakte mit dem Bund neu verhandelt; da wird es auch darum gehen, nicht nur Programme zu verstetigen, sondern auch den tatsächlichen Mittelfluss an die Hochschulen. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn ohne wirklich verstetigten Mittelfluss statt Projektgestückel kommen wir weder aus dem Antragshamsterrad noch aus der Stellenbefristungswirtschaft heraus“, betont Prof. Birgitta Wolff.

Die Amtszeiten der neuen Vizepräsidenten/innen der HRK beginnen jeweils am 1. Dezember. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist der freiwillige Zusammenschluss der staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland. Die Mitgliedshochschulen werden in der HRK durch ihre Präsidien und Rektorate vertreten. Die HRK hat gegenwärtig 268 Mitgliedshochschulen, in denen rund 94 Prozent aller Studierenden in Deutschland immatrikuliert sind.

Weitere Informationen: Susanne Schilden, Pressesprecherin der HRK, Bereichsleiterin Kommunikation. Tel. (0228) 887-152/-153; presse@hrk.de

 

Nov 5 2018
13:07

Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität sucht Betroffene, die an neu entwickeltem Gruppenmeditationsprogramm teilnehmen wollen

Forschungsprojekt zur chronischen Depression

FRANKFURT. Zu den Hauptursachen gesundheitlicher Beeinträchtigungen gehören depressive Störungen. Sie sind eine der häufigsten psychischen Störungen, viele Betroffene leiden über Jahre hinweg an einer chronisch verlaufenden Depression, fühlen sich permanent niedergeschlagen oder antriebslos. Hinzu kommen Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Gefühle der Hoffnungs- oder Wertlosigkeit. Auch bei medikamentöser Therapie können die Symptome in einigen Fällen nicht ausreichend gelindert werden. Das Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt untersucht ab März 2019, ob Personen mit chronischer Depression von einem Meditationsprogramm mit anschließender Einzeltherapiephase profitieren.

„Nach wie vor gibt es wenige Studien, die sich damit beschäftigt haben, welche Therapie diesen Menschen helfen kann", sagt Prof. Dr. Ulrich Stangier, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität. „Wer dauerhaft unter Depression leidet, empfindet sehr oft ein intensives Gefühl der Ablehnung sich Selbst und anderen Menschen gegenüber, und fühlt sich zugleich abgelehnt von Anderen. Dies führt zu dem Eindruck, isoliert und von seiner Umwelt getrennt zu sein, was mitunter die depressive Symptomatik weiter aufrechterhalten kann. Eine positive Haltung aber kann man lernen“. Die aus dem Buddhismus stammende Metta-Meditation fördert die Verbindung zu sich selbst und zu anderen. Metta ist ein Begriff, der Freundlichkeit, aktives Interesse an Anderen, Liebe, Freundschaft, oder Sympathie umschreibt. Eine solche Form der wohlwollenden Haltung kann über Meditationstechniken eingeübt werden.

Um diesen Ansatz für Personen mit chronischer Depression zu nutzen, hat die Arbeitsgruppe von Prof. Stangier in Kooperation mit Prof. Dr. Stefan Hofmann (Center for Anxiety Disorders der Boston University) ein spezielles Behandlungsprogramm entwickelt, das die Meditationstechniken mit moderner Verhaltenstherapie kombiniert. Dieser Ansatz erzielte in Pilotstudien bereits vielversprechende Ergebnisse und soll nun in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. „Wir gehen davon aus, dass sich Wohlwollen durch die Kombination von Metta-Meditation und Verhaltensaktivierung entwickeln lässt und die Betroffenen das Erlernte im Alltag umsetzen und so eigenständig die Depression überwinden können", erläutert Prof. Stangier.

So sollen im Rahmen des Behandlungsprogramms depressionstypische Mechanismen wie Grübeln und der „innere Kritiker“ überwunden werden. Die Behandlung umfasst dabei ein 8-wöchiges Gruppenmeditationsprogramm (10-12 Teilnehmer), welches durch eine 8-wöchige Einzeltherapiephase ergänzt wird. In der Einzeltherapie werden die in der Gruppe erlernten Fähigkeiten auf den Alltag übertragen und an der Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen gearbeitet.

In diesem Jahr haben bereits zwei Durchläufe des Programms mit zwei Meditationsgruppen stattgefunden. Für die nächsten beiden Durchläufe 2019 suchen wir nun neue Teilnehmer. Der geplante Therapiestart ist März 2019, dabei wird im Vorfeld in Vorgesprächen die Möglichkeit der Teilnahme abgeklärt. Zudem findet ein halbes Jahr nach Ende der Therapie eine ausführliche Nachuntersuchung statt. An der Studie teilnehmen können Betroffene zwischen 18 und 70 Jahren, die seit mindestens zwei Jahren beständig unter einer depressiven Symptomatik leiden und bei denen die chronische Depression im Vordergrund der Problematik steht. Die Bereitschaft zum täglichen Üben der Meditation (ca. 30 Min.) ist Voraussetzung für die Teilnahme. Für den Zeitraum der Therapie sollte parallel keine weitere psychotherapeutische Behandlung laufen. Die Finanzierung des Therapieprogramms wird über die Krankenkasse beantragt.

Informationen: Isabel Thinnes, M. Sc. Psych., Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe Universität Frankfurt.

Kontakt: per E-Mail an meditationsstudie@uni-frankfurt.de oder per Telefon: (069) 798 – 25356. Internet: http://bit.ly/MECBT

 

Nov 2 2018
16:42

Tagung „Lehre in den Geisteswissenschaften“ an der Goethe-Universität lädt zur Diskussion über neue Formen der Vermittlung

Was braucht gute Lehre?

FRANKFURT. Die geisteswissenschaftliche Lehre hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Wie Wissenschaft vermittelt wird, wie Lehrveranstaltungen ansprechend gestaltet werden können, diese Fragen haben mehr Bedeutung als früher. Auch der Austausch über die Lehre und eine sowohl fachinterne als auch fächerübergreifende Vernetzung haben sich intensiviert. In diesem Zusammenhang lädt das Zentrum Geisteswissenschaften der Goethe-Universität

am 8. und 9. November 2018
in die Lobby des Präsidiumsgebäudes 
am Campus Westend 

zur Tagung »Lehre in den Geisteswissenschaften – Positionen und neue Perspektiven«.

Auch Fördermaßnahmen wie der Qualitätspakt Lehre haben dazu beigetragen, dass Neuerungen entwickelt werden konnten. So sind im Frankfurter Projekt „Starker Start ins Studium“ neue Lehrformate und differenzierte Angebote entwickelt worden. Diese nehmen Einzelaspekte des Forschungsprozesses und das wissenschaftliche Schreiben in den Blick. Zur Halbzeit der zweiten Förderperiode des Qualitätspakts Lehre zieht die Tagung eine vorläufige Bilanz für die Geisteswissenschaften und unternimmt eine Positionsbestimmung im Hinblick auf künftige Förderprogramme: Was konnte in der geisteswissenschaftlichen Lehre erreicht werden? Welche Chancen bestehen für die geisteswissenschaftlichen Fächer in der projektgebundenen Lehrentwicklung?

Auf der Tagung haben Akteure verschiedener Ebenen Gelegenheit, über diese und andere Themen zu diskutieren, den fächer- und universitätsübergreifenden Austausch zu intensivieren und eine Positionierung im Förderumfeld Lehre auszuloten.

Programm

Donnerstag, 8. November
ab 12 Uhr
Anmeldung und Imbiss

13 Uhr
Grußwort: Prof. Dr. Roger Erb, Vizepräsident für Studium und Lehre der Goethe-Universität
Einführung: Prof. Dr. Barbara Wolbring (Zentrum Geisteswissenschaften, Goethe-Universität)

13.30 Uhr
Keynote: „Eine Stimme für die Lehre – Argumente für eine Förderorganisation“,
Dr. Sabine Behrenbeck (Wissenschaftsrat)

ab 14:15 Uhr
Arbeit in Sektionen

Freitag, 9. November
8:30 Uhr
Ankommen bei Kaffee

9 Uhr
Resümee der Ergebnisse aus den Sektionen

9:30 Uhr
Keynote: „Die Wirkung von Interventionen in der Studieneingangsphase. Die Perspektive der Begleitforschung“
Prof. Dr. Philipp Pohlenz (Universität Magdeburg)

10:30 Uhr
Diskussion: Perspektiven und Förderung für gute Lehre in den Geisteswissenschaften
Dr. Jens-Peter Gaul (Hochschulrektorenkonferenz)
Prof. Dr. Melanie Köhlmoos (Goethe-Universität, FB ev. Theologie)
Dr. Antje Mansbrügge (Toepfer Stiftung gGmbH, Bündnis Lehre hoch n)
Prof. Dr. Philipp Pohlenz (Universität Magdeburg)

Kontakt und Information: Starker Start ins Studium/Zentrum Geisteswissenschaften, Prof. Dr. Barbara Wolbring wolbring@em.uni-frankfurt.de, Dr. Hilja Droste droste@kunst.uni-frankfurt.de; LehreGW@starkerstart.uni-frankfurt.de

Anmeldung: Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung gebeten bis 6.11. unter http://tinygu.de/LehreGW; dort finden Sie auch das genaue Programm.

 

Nov 2 2018
14:32

Der Kosmochemiker Prof. Alexander Krot (University of Hawaii) kommt als Träger des Humboldt-Forschungspreises an die Goethe-Universität

Entwicklung der Sterne besser verstehen

FRANKFURT. Das Observatorium auf dem Mauna Kea auf Hawaii ist weltberühmt. Weitaus weniger bekannt ist jedoch, dass die Hawaiianische Inselkette auch eines der international führenden Institute für Kosmochemie beherbergt, das Institut für Geophysik und Planetologie (HIGP). Dort arbeitet der renommierte Kosmochemiker Prof. Alexander Krot, der nun für ein halbes Jahr als Humboldt-Forscher an der Goethe-Universität tätig ist.

Schon seit Jahren arbeiten der Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität und Prof. Alexander Krot erfolgreich zusammen. Das war der Anlass für Krot, sein Institut für Geophysik und Planetologie (HIGP) auf Hawaii vorübergehend zu verlassen, wo ihm eine große Anzahl leistungsfähiger Messinstrumente zur Verfügung stehen, um extraterrestrisches Material zu untersuchen. Als Träger des Humboldt-Forschungspreises ist er nun für sechs Monate in Frankfurt am Main tätig.

Am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität engagiert sich Krot sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Ganz besonders interessiert er sich für die Untersuchungsmethoden auf der Nanoskala mittels Transmissionselektronenmikroskopie und Synchrotron-Strahlung, ein Spezialgebiet von Frank Brenker.

Bekannt wurde Alexander Krot vor allem durch seine Arbeiten zur Bildung der ersten Festkörper unseres Sonnensystems. Zahlreiche grundlegende Erkenntnisse aus der „Kinderstube“ des Solaren Nebels beruhen auf seinen Forschungsergebnissen. Mit inzwischen mehr als 160 Publikationen, 14 davon in „Nature“ oder „Science“, verfügt er über ein sehr eindrucksvolles wissenschaftliches Werk.

Krot ist nicht nur einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Forscher auf dem Gebiet der Kosmochemie, der Wissenschaft von der Entstehung und Verteilung der chemischen Elemente und Verbindungen im Universum; er ist auch ein exzellenter Lehrer. In gleich mehreren Bachelor- und Masterprojekten kann er sein Wissen nun auch direkt weitergeben. „Es ist eine einmalige Chance für unsere Studierenden, schon so früh mit einem international so erfolgreichen Forscher zusammenarbeiten zu dürfen“, freut sich Brenker. „Einige kennen Herrn Krot bereits von seinen zahlreichen wegweisenden Publikationen, und da ist es natürlich eine aufregende Erfahrung, sich nun so direkt mit ihm austauschen zu können“.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74667310

Bildunterschrift:

Bild1: Prof. Dr. Alexander Krot (Copyright: Krot)

Bild2: Fehlfarbenbild mit Magnesium in rot, Kalzium in grün und Aluminium in blau. Diese Art der Farbwahl wurde von Herrn Krot eingeführt, um die frühen Bildungen im Sonnensystem optimal darzustellen. Zu sehen ist ein so genannter Kalzium-Aluminium-reicher Einschluss in dem Meteoriten Efremovka. CAIs (Calcium-Aluminium-rich Inclusions) sind die ältesten Festkörper-Bildungen in unserem Sonnensystem. Ihr Alter bestimmt mit 4,567 Mrd. Jahren das Alter unseres Sonnensystems. (Copyright: Krot)

Bild3: Der Solare Nebel in einer künstlerischen Darstellung. (Copyright: NASA/JPL)

Information: Prof. Dr. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: +49(0)69 798-40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 2 2018
14:31

Verhalten des Fadenwurms weist auf die Entwicklung von ernährungsmotiviertem Verhalten bei höheren Tieren hin

Futtersuche: bei Mensch und Wurm ähnlich reguliert?

FRANKFURT. Wie motiviert uns unser Nervensystem, vom Sofa aufzustehen und im Kühlschrank oder sogar im Supermarkt nach Essen zu suchen? Das hat ein Forscherteam um Alexander Gottschalk von der Goethe-Universität am Beispiel des Fadenwurms Caenorhabditis elegans untersucht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, wie sich das Verhalten bei der Futtersuche im Laufe der Evolution bei höheren Tieren entwickelt haben könnte.

Nahrung zu finden und an einer Nahrungsquelle zu verweilen, sind entscheidende Überlebensstrategien im Tierreich. Aber wie werden externe Futter-Signale auf molekularer, zellulärer und neuronaler Ebene in Verhalten verwandelt? Um das herauszufinden, greifen Neurowissenschaftler gern auf einfache Modellorganismen wie den Fadenwurm C. elegans zurück. Er besitzt nur 302 Nervenzellen, deren Verknüpfungen präzise kartiert sind. So können Forscher im Detail untersuchen, wie diese Nervenzellen miteinander kommunizieren, um bestimmte Verhaltensweisen zu erreichen.

Alexander Gottschalk und sein Team konzentrierten sich in ihrer Studie auf einen neuronalen Schaltkreis, an dessen „Spitze“ sich ein Paar sensorischer Nervenzellen befindet. Ist Nahrung vorhanden, setzt es den Botenstoff Dopamin frei. Das wirkt sich auf zwei Arten von nachgeschalteten Neuronen aus (DVA und AVK) – und zwar auf ganz unterschiedliche Weise, wie das Forscherteam entdeckte. Dopamin aktiviert DVA, was ein Verweilen und ein lokales Suchverhalten fördert, während es AVK inhibiert, das sonst eine Futtersuche über längere Distanzen fördern würde. Konkret geschieht dies, indem DVA und AVK die Information an Motoneuronen weitervermitteln, die wiederum die Muskelaktivität steuern.

Doch welche Schlüsse lässt dies auf die Nahrungssuche bei höheren Tieren wie dem Menschen zu? Beim Fadenwurm beeinflusst das DVA-Neuron die Fortbewegung, indem es das Neuropeptid NLP-12 an die Motoneuronen weiterleitet. Säugetiere haben ein äquivalentes Neuropeptid, das Cholecystokinin. Seine Freisetzung wird ebenfalls durch Dopamin-Signale reguliert, beispielsweise bei belohnungsabhängigem Verhalten. Dies zeigt, dass im Laufe der Evolution die Bedeutung von Dopamin und Cholecystokinin/NLP-12 als Neuromodulatoren erhalten blieb. Beide Neurotransmitter beeinflussen motiviertes Verhalten bei der Nahrungssuche sowie bei anderen Aktivitäten, die eine Belohnung versprechen.

Das Neuron AVK, das als Gegenspieler zum DVA-Neuron wirkt, setzt bei erfolgloser Nahrungssuche im Wurm das Neuropeptid FLP-1 frei. Es ist ein Gegenspieler zu NLP-12/Cholecystokininin. Obwohl FLP-1 wahrscheinlich auf wirbellose Tiere beschränkt ist, finden sich ähnliche Neuropeptide bei Säugetieren, wo sie ebenfalls die Nahrungsaufnahme kontrollieren.

Womöglich werden die Cholecystokinin-Signale bei Säugetieren also ähnlich ausbalanciert wie beim Fadenwurm. Die in der Studie identifizierten Neuronentypen können daher wichtige Hinweise für die Suche nach ähnlichen Zelltypen in den Myriaden von Zellen bei Säugetieren liefern, die ähnliche Mechanismen der Bewegungskontrolle vermitteln.

Publikation

Oranth et al.: Alexander Gottschalk et al.: Food sensation modulates locomotion by dopamine and neuropeptide signaling in a distributed neuronal network, in: Neuron 100, 1–15; December 19, 2018.

https://doi.org/10.1016/j.neuron.2018.10.024)

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74664380

Bild 1: Fadenwurm C. elegans. Bildrechte: Alexander Gottschalk, Goethe-Universität
Bild 2: Spuren des Fadenwurms bei der Futtersuche. Bildrechte: A. Oranth
Bild 3: Nervenschaltkreis, der das Futtersuchverhalten des Fadenwurms C. elegans steuert. Bildrechte: A. Bergs, A. Gottschalk. 

Informationen:

Prof. Dr. Alexander Gottschalk, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften und Institut für Biophysikalische Chemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 42518, a.gottschalk@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 1 2018
15:43

Krebsforscher Dr. Sjoerd van Wijk erhält 222.500 Euro von der DFG

Todesrezeptoren in der Zelle besser verstehen

FRANKFURT. Über Leben und Tod fehlerhafter Zellen entscheidet im Körper ein ausgeklügeltes Kontrollsystem. Dabei spielen sogenannte Todesrezeptoren eine zentrale Rolle. Wie sie auf der molekularen Ebene funktionieren, untersucht der Krebsforscher Dr. Sjoerd van Wijk von der Goethe-Universität in einem neuen Projekt, das in den kommenden drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 222.500 Euro gefördert wird.

Eine funktionierende Kontrolle des programmierten Zelltods ist entscheidend für die fehlerfreie embryonale Entwicklung, das Funktionieren des angeborenen Immunsystems und die Vermeidung von Krebs. Wie Zellen den Schalter umlegen zwischen Überleben oder Untergang der Zelle und welche Signalwege daran beteiligt sind, ist bisher kaum erforscht. Bekannt ist lediglich, dass Proteine, die an die Todesrezeptoren binden, mit verschiedenen Formen von Ubiquitin-Ketten (M1/K63) markiert werden. Die Bindung an diese Ketten, die über das Zell-Schicksal entscheiden, kann wiederum durch Enzyme aufgehoben werden (Deubiquitinierungs-Enzyme).

„In unserem Projekt wollen wir das Netzwerk der M1-Deubiquitinierungsenzyme und seine Interaktion mit den Todesrezeptoren in Säugetierzellen untersuchen, um die fundamentale Rolle des Ubiquitins beim Zelltod und Zellüberleben zu verstehen“, erklärt Sjoerd van Wijk, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie. Ziel ist es letztlich, menschliche Krankheiten zu verstehen, insbesondere, wie Krebs sich ausbreitet und wie Zellen sich vor eindringenden Bakterien schützen.

In seiner Arbeitsgruppe verfolgt van Wijk multidisziplinäre Ansätze, die sich auf dem neuesten Stand der Technik befinden. Durch seine Kooperation mit Dr. Manuel Kaulich, dem Leiter des CRISPR/Cas Screening Center an der Goethe-Universität, hat er Zugang zu hocheffizienten Screening-Methoden für Molekül-Komplexe, die an Todesrezeptoren binden. Die Analyse dieser Molekül-Komplexe geschieht mithilfe der Ubiquitin-Massenspektrometrie am Institut für Biochemie II der Goethe-Universität (Prof. Ivan Dikic) und am Institute of Molecular Biology in Mainz (Dr. Petra Beli) sowie hochauflösender Mikroskopie am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität (Prof. Mike Heilemann).

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/74652845
Foto: privat

Information: Dr. Sjoerd van Wijk, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 67866574, s.wijk@kinderkrebsstiftung-frankfurt.de.

 

Nov 1 2018
15:42

Biologen der Goethe-Uni suchen nach Gravitations-Rezeptoren

Völlig schwerelos: Pflanzen im Parabelflug

FRANKFURT. Nicht erst seit dem Hollywood Film „Der Marsianer“ weiß man, dass Pflanzen ein wesentlicher Bestandteil der bemannten Raumfahrt zu fernen Planeten sein werden. Doch wie reagieren Pflanzen auf veränderte Schwerkraftverhältnisse? Das untersucht Dr. Maik Böhmer vom ZERO-G Labor an der Goethe-Universität in diesen Tagen während einer Serie von Parabelflügen in Bordeaux.

Untersuchungsobjekt ist die Blütenpflanze Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand), die schon seit langem ein bewährtes Modellsystem in der Gravitationsbiologie ist. Im Rahmen des Projektes IMPACT im Arbeitskreis von Prof. Enrico Schleiff an der Goethe-Universität wurden Arabidopsispflanzen bereits mehrfach veränderten Gravitationsbedingungen ausgesetzt.

Dass Pflanzen auf Schwerkraft reagieren, erkennt man daran, dass ihre Organe in ganz bestimmter Orientierung zur Schwerkraft wachsen: Die Wurzel wächst zum Erdmittelpunkt, die Sprossachse davon weg. Die Wurzelspitze und eine Schicht der Sprossachse (Endodermis) sind zu diesem Zweck mit Zellen aus­ge­stattet, welche die Schwerkraft wahrnehmen. Darin enthalten sind Stärkekörper, sogenannte Stato­lithen. Was aber genau in diesen Zellen passiert und ob es einen Gravi-Rezeptor in Pflanzen gibt, ist noch unbekannt.

Um das herauszufinden, nutzen die Forscher europaweit Möglichkeiten, Pflanzen in sogenannter Mikrogravitation zu untersuchen. Dazu gehören der Fallturm des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) in Bremen, Parabelflüge der Firma Novespace in Bordeaux (Frankreich), Höhenforschungsraketen in Kiruna (Schweden) und die Internationale Raum­station (ISS). Beim Fallturm liegt die Experi­mentier­zeit bei 4,7 Sekunden, beim Parabelflug sind es bereits 22 Sekunden, bei der Höhenforschungsrakete bis zu fünf Minuten und auf der ISS können Experimente über mehrere Tage durchgeführt werden. Alle diese Möglichkeiten nutzt das IMPACT-Projekt, das seit März 2018 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für drei Jahre mit 350.000 Euro gefördert wird.

Indem die Forscher untersuchen, welche molekularen Prozesse in Schwerelosigkeit gesteuert werden, können sie auf den Einfluss der Schwerkraft zurückschließen. Während der jetzigen Parabelflüge werden etwa 60.000 Pflanzen mit einer eigens entwickelten Hardware in verschiedenen Phasen des Parabel­flugs fixiert: bei einfacher und doppelter Schwerkraft sowie unter Mikrogravitation. Später werden dann im Labor aktive Signal­prozesse mit moderner Massenspektrometrie sichtbar gemacht. Die ursprünglich im Forschungsprogramm nicht eingeplanten Flüge sind Dank einer zusätzlichen Förderung der Europäischen Weltraumagentur (ESA) und des Vereins der Freunde und Förderer der Goethe-Universität möglich. Partner des Arbeitskreises von Prof. Schleiff an der Goethe-Universität sind das DLR in Köln (Arbeitskreis Dr. Ruth Hemmersbach) und die Universität Wien (Arbeitskreis Prof. Wolfram Weckwerth).

„Obwohl die Zeit der Schwerelosigkeit mit 22 Sekunden noch recht kurz ist, erwarten wir auf­grund von Vorversuchen im Fallturm bereits erste Erkenntnisse über ent­sprechend schnelle Primärprozesse bei der Schwer­kraft­­­wahrnehmung“, erläutert Maik Böhmer. Im Fallturm hatten sich bereits nach 2,7 Sekunden erste messbare Veränderungen in den frühen Signalprozessen gezeigt. In späteren Analysen mit Pflanzen, bei denen die Gene für diese Prozesse gezielt abgeschaltet wurden, konnte dies bestätigt werden. „Mit einem längeren Zeitfenster und mehr Mess­punkten hoffen wir, nun ein Modell der pflanzlichen Schwerkraftperzeption und frühen Signaltransduktion aufstellen zu können“, ergänzt Prof. Schleiff.

Neben der Grundlagenforschung bildet das Projekt auch einen Ausgangspunkt für angewandte Forschungen. Da die Architektur der Pflanzen sich maßgeblich an der Schwerkraft orientiert und Seitentriebe einen bestimmten Winkel zur Schwerkraft einnehmen, könnte es durch ein Verständnis dieses Prozesses möglich sein, kompaktere Pflanzen zu züchten und damit Ertragssteigerungen zu erzielen.

Bildmaterial zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74651975

Bildunterschriften:

Bild A310-Zero-G1 und 2: Der ehemalige Kanzlerflieger der Bundesrepublik Deutschland wurde nach einem umfangreichen Umbau für den Einsatz als Parabelflieger als Forschungsflugzeug mit dem Namen A310 ZERO-G neu zugelassen. Seit März 2005 wird das Flugzeug von der Firma Novespace in Bordeaux für wissenschaftliche und private Parabelfluge eingesetzt.

Bild Team 1: Das Team der Goethe Universität mit Kollegen von der Uni Wien und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (von links): Ella Nukarinen (Uni Wien), Volkan Cevic (DLR), Maik Böhmer (GU), Stefan Simm (GU), Guangwei Xing (GU).

Bild Team 2: Das Team der Goethe Universität mit Kollegen von der Uni Wien und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hinter der verwendeten Hardware für die Versuche (von links): Guangwei Xing (GU), Ella Nukarinen (Uni Wien), Maik Böhmer (GU), Stefan Simm (GU), Volkan Cevic (DLR). In der Hardware befindet sich eine Fixierungsvorrichtung um die darin enthaltenen 10.000 Pflanzen zu verschiedenen Zeitpunkten während des Parabelflugs zu fixieren.

Information: Dr. Maik Böhmer, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Molekulare Zellbiologie der Pflanzen, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29296, Boehmer@bio.uni-frankfurt.de.

 

Okt 31 2018
14:06

Die Theologin Katharina Peetz spricht über den schwierigen Versöhnungsprozess im mehrheitlich katholischen Land im Osten Afrikas.

Vortrag: „Ruanda: Vom Völkermord zur Versöhnung?“

FRANKFURT. 1994 wurde Ruanda von einem blutigen Genozid erschüttert, in dem zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen ermordet wurden. Im „katholischsten“ Land Afrikas wurden Kirchen zu Massakerorten und Priester, Ordensleute sowie Laien aller größeren Denominationen waren direkt am Morden beteiligt. Nur wenige  Christinnen und Christen setzten sich unter Gefährdung des eigenen Lebens für Verfolgte ein. 24 Jahre nach dem Genozid ist die Rede von Versöhnung in Ruanda allgegenwärtig: als politischer Slogan im nationalen Einheitsprozess, als kirchlicher Auftrag oder als Selbstaussage von Überlebenden und Tätern: „Nun gibt es kein Problem mehr zwischen uns“. Im Zentrum des Vortrags von Dr. Katharina Peetz steht der facettenreiche postgenozidäre Versöhnungsprozess, der von der Spannung zwischen verordneter und geschenkter Versöhnung geprägt ist.

Dr. theol. Katharina Peetz, geb. 1984, Institut für Katholische Theologie der Universität des Saarlandes, ist seit 2016 Leiterin des DFG-Forschungsprojektes „Gelebte Theologie im Friedens- und Versöhnungsprozess Ruandas“. Im Rahmen ihres Forschungsprojektes verbrachte sie acht Monate in Ruanda und hat dort Interviews mit Überlebenden und Tätern des Genozids geführt.

Vortrag: „Ruanda: Vom Völkermord zur Versöhnung?“
6. November 2018, 18.00 Uhr, Campus Westend, IG-Nebengebäude, Raum 1.731, Goethe-Universität Frankfurt.

Kontakt: Carla Sicking, Wissenschaftliche Mitarbeiterin - Professur für Moraltheologie/Sozialethik, Fachbereich 7 (Katholische Theologie). Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-32938; sicking@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 31 2018
14:00

Prof. Petra Döll erhält die Henry Darcy-Medaille der European Geosciences Union

Hohe Auszeichnung für Frankfurter Wasserexpertin

FRANKFURT. Für ihre herausragende Forschung zu Vorkommen und Management der weltweiten Wasserressourcen erhält die Hydrologin Prof. Petra Döll vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität die Henry Darcy-Medaille der European Geosciences Union (EGU). Die Medaille wird im April 2019 auf der EGU-Jahrestagung in Wien feierlich übergeben.

Die Vereinigung der europäischen Geowissenschaftler würdigt Petra Döll als eine Pionierin bei der Modellierung der globalen Wasserressourcen. Bereits 1996 begann sie mit der Entwicklung des globalen hydrologischen Modells WaterGAP, ein Simulationsprogramm, mit dem die weltweiten Süßwasservorkommen und deren Nutzung abgeschätzt und vorhergesagt werden können. WaterGAP wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und ist in zahlreichen Studien eingesetzt worden, u.a. den Berichten der Vereinten Nationen zur Entwicklung der weltweiten Wasserressourcen sowie des Weltklimarats IPCC. Als Mitglied des IPCC untersucht Petra Döll seit 2001, welchen Einfluss der Klimawandel auf die weltweiten Wasserressourcen hat. Die in WaterGAP verwendeten Ansätze und Daten haben inzwischen Eingang in viele andere Modelle gefunden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Petra Döll ist die quantitative Bewertung der weltweiten Süßwasservorräte, wobei sie deren Verfügbarkeit ins Verhältnis zum Verbrauch setzt. Von besonderer Bedeutung ist, wie sich dieses Verhältnis zukünftig angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels entwickeln wird. Um dies zu veranschaulichen, nutzt Döll eine neue Art von Karten, bei denen die Flächen in Bezug auf die gezeigte Größe verzerrt sind. Auf solchen „amorphen Karten“ wirken beispielsweise wasserreiche Länder wie Brasilien aufgequollen. Dennoch kann dort Wasserknappheit herrschen, wenn die Bevölkerungsdichte und/oder der Wasserverbrauch entsprechend hoch sind.

Die Frankfurter Professorin hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für den weiblichen Nachwuchs in den Geowissenschaften eingesetzt. Bei ihren Doktorandinnen und Doktoranden wird sie als inspirierendes Vorbild geschätzt. Für eine verständliche öffentliche Darstellung ihrer Forschung setzt sich die Wissenschaftlerin in Vorträgen und Vorlesungen ein. Bei der Frankfurter Kinder-Uni erklärte sie 2010 in ihrem Vortrag „Genug Wasser für alle – wie schaffen wir das?“ mehr als 2000 Kindern eindrücklich, warum man zur Herstellung von Brot viel weniger Wasser braucht, als für die gleiche Menge Fleisch.

Die Darcy-Medaille ist nach dem französischen Ingenieur Henry Darcy (1803-1858) benannt. Als Verantwortlicher für die Wasserversorgung von Dijon untersuchte er unter anderem, wie die Grundwasservorräte durch Regenwasser aufgefüllt werden.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74627225
Bildrechte: Petra Döll

Information: Prof. Dr. Petra Döll, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40219, p.doell@em.uni-frankfurt.de.

 

Okt 31 2018
13:57

Am 7. und 8. November auf dem Campus Riedberg

Jobbörse für junge Naturwissenschaftler

FRANKFURT. In diesem Jahr veranstalten die Goethe-Universität (Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie), das JungChemikerForum der Gesellschaft Deutscher Chemiker und das Hochschulteam der Agentur für Arbeit Frankfurt zum 20. Mal die Jobbörse für Studierende und Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer

am 7. und 8. November jeweils von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr
im Biozentrum, Campus Riedberg, Max-von-Laue-Str. 9, 60439 Frankfurt.

Den drei Veranstaltern ist es gelungen, international renommierte Konzerne, insbesondere aus der Chemie- und Pharmabranche, als Teilnehmer zu gewinnen. An beiden Tagen wird Interessenten der Fächer Chemie, Pharmazie, Biologie, Physik, Geowissenschaften und Medizin, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen, wieder eine Plattform zum Austausch mit Firmenvertretern geboten.

Am 7. November können sich die Teilnehmer bei zahlreichen Workshops und Bewerbungsmappen-Checks umfangreich informieren. Eine Anmeldung hierfür erfolgt ausschließlich über die Internetseite der Jobbörse. (www.jobboerse-ffm.de)

Am 8. November kommen Messebesucher direkt mit Firmen an den Messeständen ins Gespräch oder lernen bei Firmenpräsentationen ihre potentiellen Arbeitgeber näher kennen. Namhafte Firmen der Chemie-, Biotechnologie- und Pharmabranche sowie der entsprechenden Consultingbranche aus ganz Deutschland präsentieren sich an diesem Tag und informieren über Einstiegs-, Praktika- und Karrieremöglichkeiten. Zum Abschluss des Tages besteht die Möglichkeit bei einem Bewerbungsgespräch auf der Bühne "live" dabei zu sein.

Information und Anmeldung für Workshops und dem Bewerbungsmappen-Check: www.jobboerse-ffm.de.

Für die Messe ist keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Okt 31 2018
13:50

Zweiter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Kunst im Lager. Zur Logistik von Exterritorialität

FRANKFURT. Die Kunstlogistik bildet sozusagen den Hinterhof des Kunstbetriebs. Abseits der Aufmerksamkeitsschwelle der Museumsbesucher und Kunstsammler garantieren die invisible hands der Spediteure Pünktlichkeit und Diskretion und offerieren eine Zwischenstation in den Grauzonen nationalstaatlicher Hoheitsgebiete. Der Vortrag „Kunst im Lager. Zur Logistik von Exterritorialität“ von Prof. Monika Dommann

am 7. November (Mittwoch) um 18 Uhr
im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt

geht der Frage nach, wie sich die Perspektive auf Kunstwerke verschiebt, wenn wir uns ihnen mit einem historischen und ethnographischen Blick auf Verpackung und Lagerung nähern. Dommann studierte Geschichte und Ökonomie und ist Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Sie forscht gegenwärtig zur Geschichte von Logistik und der Datacenters.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

21. November 2018
Prof. Bénédicte Savoy
Unsere Museen
ein übermäßiges und damit unbrauchbares Kapital?
Moderation: Prof. Vinzenz Hediger, Goethe-Universität

5. Dezember 2018
Prof. Elena Esposito
Die Realität der Fiktion
Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft
(Vortrag in englischer Sprache mit dt. Übersetzung)
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

19. Dezember 2018
Prof. Moritz Baßler
Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums
Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

23. Januar 2018
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2018
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 30 2018
14:55

Über eine Million Euro aus EU-Verbundprojekt fließen nach Frankfurt

Goethe-Uni intensiviert Forschung zu Seltenen Erkrankungen

FRANKFURT. Patienten mit so genannten Seltenen Erkrankungen haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Ein Grund ist, dass für die Forschung notwendigen Patientendaten in unterschiedlicher Sprache und Form vorliegen. Das soll ein neues Verbundprojekt der Europäischen Union, an dem die Goethe-Universität federführend beteiligt ist, jetzt ändern.

Für Patienten mit Seltenen Erkrankungen gehört es in der Regel dazu, von Arzt zu Arzt, von Experte zu Experte eine umfangreiche Sammlung von Papierdokumenten wie Arztbriefen, Befunden und Bildern zu tragen. Und wenn die Diagnose schließlich gestellt wird, stehen sie vor dem Problem, die richtige Therapie zu erhalten. Um ihnen schneller helfen zu können, müssten wertvolle Informationen über Krankheitsverlauf und Therapie, die jetzt an den einzelnen Gesundheitsversorgungseinrichtungen liegen, für eine notwendige europaweite Forschung verfügbar sein.

Das neue Verbundprojekt der Europäischen Union soll die technischen und inhaltlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Versorgungsdaten gemeinsam für die Forschung genutzt werden können. Dafür erhält die Goethe-Universität von den beteiligten deutschen Einrichtungen die mit Abstand größte Fördersumme: mehr als eine Million Euro in den kommenden fünf Jahren.

In Frankfurt soll insbesondere daran gearbeitet werden, Werkzeuge für die Zusammenführung und Vereinheitlichung von Patientendaten zu entwickeln. Dazu gehören u.a. Softwarelösungen für den Aufbau von erkrankungsspezifischen Patientenregistern. In solchen Registern können fortwährend spezifische Patientendaten erfasst werden. Dadurch ergeben sich repräsentativere Patientenkollektive, deren Daten aufgrund ihrer vereinheitlichten Speicherung sehr viel einfacher analysiert werden können.

„Ich denke, wir können mit Stolz sagen: In Europa kommt man künftig an Frankfurt in Sachen Patientenregister für Seltene Erkrankungen nicht mehr so leicht vorbei“, sagt Prof. T. O. F. Wagner vom Frankfurter Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen. Zusammen mit Dr. Holger Storf, Leiter der Medical Informatics Group hat er in den vergangenen Jahren eine Open-Source Registerplattform für Seltene Erkrankungen entwickelt. Die darin enthaltenen Module wurden u.a. zum Aufbau einer europäischen Plattform (European Rare Disease Registry Infrastructure) verwendet. Sie bilden auch die Grundlage für die jetzt bewilligten Arbeiten in Frankfurt, die gemeinsam mit Prof. Dr. Gernot Rohde, Leiter der Pneumologie am Universitätsklinikum, zu einer Verbesserung der Interoperabilität von Registern beitragen sollen.

„Seltene Erkrankungen sind ein erstklassiges Beispiel für ein Forschungsfeld, das stark von der Koordination auf europäischer und internationaler Ebene profitiert und hierfür eine technische Unterstützung benötigt“, erklärt Dr. Holger Storf. Das neue Projekt soll dazu beitragen, die Zersplitterung zu überwinden und Zusammenarbeit zu erleichtern.

Innerhalb des EU-Projekts sollen bereits bestehende Werkzeuge und Programme zusammengefasst und im größeren Maßstab weitergeführt werden. Daten aus Forschung und Klinik, Proben, Prozesse, Wissen und Expertise sollen künftig europaweit geteilt werden. Darüber hinaus soll ein effizientes Modell für die finanzielle Unterstützung aller Arten von Forschung zu Seltenen Erkrankungen – von den Grundlagen, über die Klinik bis hin zum Gesundheitssystem – eingeführt werden. Ziel ist, den wissenschaftlichen Fortschritt zu beschleunigen und damit typische Probleme und fortgesetztes Leiden bei Betroffenen zu reduzieren.

Die Goethe-Universität hat bereits mit verschiedenen erfolgreichen Projekten im Bereich Seltener Erkrankungen zu einer Verbesserung der Situation Betroffener beigetragen. Hervorzuheben ist hier beispielsweise der Versorgungsatlas für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (www.se-atlas.de), bei welchem Betroffene, Angehörige oder medizinisches Personal nach Experten oder Selbsthilfeorganisationen suchen können. Ebenso liegt die Koordination und technische Betreuung des Europäischen Referenznetzwerks für seltene Atemwegserkrankungen (ERN-LUNG) in Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. T.O.F. Wagner, Frankfurter Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069)- 6301 87899, t.wagner@em.uni-frankfurt.de.

Dr. Holger Storf, Medical Informatics Group (MIG), Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-84438, storf@med.uni-frankfurt.de.

 

Okt 30 2018
14:53

Fotoausstellung im I.G. Farben-Haus über die Vielfalt und Schönheit des Iran

Sārebān – Ästhetische Annäherungen

FRANKFURT. Unter dem Titel „Sārebān“ lädt die Goethe-Universität am Montag, 5. November, um 18 Uhr ins Foyer des I.G. Farben-Hauses am Campus Westend zur Eröffnung einer Ausstellung mit Fotografien aus dem Iran. Im Eisenhower-Raum im ersten Stock wird Vizepräsident Rolf van Dick die Ausstellung eröffnen.

„Sārebān“ bedeutet Karawanenführer, der Titel der Ausstellung spielt auf das persische Lied „Ey Sārebān koǧā mīrawī?/ Leylā-ye man čerā mībarī?“ (Oh, Karawanenführer wo gehst du hin?/ Warum bringst du meine Leyla fort?) an. Die ausgestellten Bilder sind während einer „Anbahnungsreise“ entstanden, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert worden ist. Im Rahmen des DAAD-Programms „Hochschuldialog mit der Islamischen Welt“ wurde das Projekt mit dem Titel „Ästhetische Annäherungen zwischen Sunniten und Schiiten“ von der Religionswissenschaftlerin Dr. Fateme Rahmati vom Fachbereich Erziehungswissenschaften ins Leben gerufen, die nun auch die Leitung innehat. Mit beteiligt sind das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, das Institut für Archäologische Wissenschaften (beide Goethe-Universität) und die „Islamic School of Art“ im Iran.

Die Fotografien, die für die Ausstellung ausgewählt wurden, zeigen erste Eindrücke eines interkulturellen, interreligiösen und interdisziplinären Dialogprojekts zwischen deutschen und iranischen Akademikern und Künstlern. Das Projekt „Ästhetische Annäherungen“, das auch den Rahmen für die Ausstellung bildet, bietet ein Forum, um über theologische, philosophische, ästhetische und somit kulturelle Gemeinsamkeiten und Differenzen zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen Austausch und Kooperation von Lehrpersonal durch gemeinsame Lehrveranstaltungen, kulturelle Veranstaltungen wie Tagungen und Ausstellungen, gemeinsame Betreuung von Qualifikationsarbeiten, gemeinsame Publikationen und wechselseitige Übersetzungen im Rahmen von Lektüre-Seminaren. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der gegenseitige Besuch der jeweiligen Partneruniversität. Zudem ist die Errichtung eines Arbeitskreises „Ästhetik Interdisziplinär“ vorgesehen, die die unterschiedlichen Fächer und Beteiligten an der Goethe-Universität bündelt und eine Netzwerkfunktion ausübt. Das Ergebnis aller Reflexionen wird in Form von neuen Kunstprojekten einem größeren Publikum zugänglich gemacht, so dass der angestoßene Dialog über den akademischen Betrieb hinweg fortgeführt werden kann.

Die Bilder sind aufgeteilt in vier Kategorien: Landschaft, Portraits, Streetphotography und Architektur. Die Ausstellung lädt die Besucher ein, in die Vielfalt und Diversität einer berühmten und doch fremden Kultur einzutauchen und sich von der Schönheit Irans und seinen Menschen verzaubern zu lassen.

Information und Anmeldung: Dr. Fateme Rahmati, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Pädagogik für Sekundarstufe (WEIII), Campus Bockenheim, Telefon 069 798-22381, E-Mail: rahmati@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2018
12:19

Lektorat Niederländisch der Goethe-Uni lädt zu Vortrag über den unterschiedlichen Umgang mit der Seuche – Mata Hari im Fokus einer weiteren Veranstaltung

Wo die Spanische Grippe fast ganz vergessen ist

FRANKFURT. Zum 100. Jahrestag des Endes vom Ersten Weltkrieg lädt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität zu zwei Vorträgen ein, die mit diesem Gedenktag zu tun haben. Es geht um die Spanische Grippe in Benelux und um die legendäre Mata Hari.

Am 30. Oktober 2018 um 19 Uhr im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812 (1. Stock),

hält der freie Journalist und Autor Utz Thimm einen Vortrag in deutscher Sprache, der sich mit der Spanischen Grippe in Benelux befasst. Diese größte Seuche des 20. Jahrhunderts ist in Belgien ebenso wie in Deutschland aus dem kollektiven Gedächtnis nahezu verschwunden. Anders als der Name vermuten lässt, wurde diese Krankheit nicht aus Spanien importiert, sondern während des Ersten Weltkrieges durch US-Soldaten nach Europa gebracht. Vom Sommer 1918 an verursachte ein Abkömmling des Influenza-Virus mehrere Krankheitswellen, daran starben im Benelux-Raum Zehntausende von Menschen. Dieses Massensterben ist in den Niederlanden und in Belgien sehr unterschiedlich präsent: Niederländer können in Sachbüchern über die Spaanse griep nachlesen; sie wurde karikiert und literarisch verarbeitet. In Belgien war sie hingegen nie ein Thema. Utz Thimm zeichnet den Verlauf der Spanischen Grippe in Belgien und den Niederlanden nach und erklärt die Unterschiede in den Erinnerungskulturen. 2014 hat U. Thimm in Gießen eine Ausstellung kuratiert und einen Band zu den „Gefangenen im Krieg. Gießen 1914-1919“ veröffentlicht.

Am 27. November 2018 um 19 Uhr im Seminarhaus (Campus Westend), Raum 1.109,

sprechen die beiden niederländischen Journalistinnen Jessica Voeten und Angela Dekker, die 2018 die Mata Hari-Biografie „Moed en overmoed“ („Mut und Übermut“) veröffentlicht haben, über das Leben der legendären Tänzerin und vermeintlichen (Doppel)Spionin. Für ihr 464 Seiten starkes Werk haben die Autorinnen zahlreiche bislang unbekannte oder unerforschte Archivstücke und Briefe ausgewertet. Im Zentrum steht eine selbstbewusste Frau, Mata-Hari, die 1876 in Leeuwarden (NL) als Margaretha Geertruida Zelle geboren wurde. Als Opfer eines spielsüchtigen, gewalttätigen und hochverschuldeten Ehemanns sah sie keinen anderen Ausweg, als sich als exotische und erotische Tänzerin in Paris ihren Lebensunterhalt zu verdienen, um nicht in die Prostitution abzurutschen. Die Autorinnen zeichnen diesen Weg detailliert nach und machen deutlich, dass dies weder eine leichte noch eine leichtsinnige Entscheidung war. Sie ließ ihre bürgerliche Existenz in den Niederlanden zurück und erfand sich in Paris neu als faszinierende, schillernde, verhängnisvolle Mata-Hari. 1917 wurde sie aufgrund vermeintlicher Spionagetätigkeiten für die Deutschen in Frankreich hingerichtet. Die Biografinnen gehen davon aus, dass Mata Hari wohl eher wegen ihres Lebenswandels als aufgrund tatsächlicher Beweise verurteilt wurde. Mata Haris Geburtsort Leeuwarden in Friesland (NL) ist 2018 Kulturhauptstadt Europas. Der Vortrag ist auf Deutsch und Niederländisch.

Information und Anmeldung: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität, artois@lingua.uni-frankfurt.de

Bilder zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/74568208

 

Okt 29 2018
12:16

Wie neue Technologien Raum und Geographie verändern

Digitale Geographien

FRANKFURT. Die Erfindung der Dampfmaschine ließ die Welt schrumpfen: Plötzlich konnten Menschen und Waren zuvor unüberwindlich erscheinende Distanzen mühelos meistern. Doch was macht die Digitalisierung mit unserer Raumwahrnehmung? Mit diesem Themenfeld befasst sich eine Vortragsreihe der Frankfurter Geographischen Gesellschaft.

Das Potenzial der „Digitalisierung“ wird häufig mit jenem der industriellen Revolution gleichgesetzt – nicht zuletzt in Hinblick auf Raum und Raumwahrnehmung. In ganz anderem Ausmaß als Dampfmaschine, Auto und Flugzeug haben Mobiltelefonie, Internet, E-Mail, Skype und Co. die Welt zu einem Dorf gemacht. Mittels „Virtueller Realität“ können wir heute die entferntesten Gegenden der Welt räumlich erfahren – vom Wohnzimmer aus. Dieser Wandel ist rasant und wuchtig. Die Informationsflut, mit der Individuum und Gesellschaft zunehmend konfrontiert sind, erfordert Anpassung und Lernprozesse. Die so genannten Digitalen Geographien versuchen, die räumliche Bedeutung dieses Wandels zu erfassen – indem einerseits ausgelotet wird, welche Möglichkeiten digitale Datenerfassung und -verarbeitung für unser Verständnis von Raum und räumlichen Prozessen bieten, andererseits, indem „Digitalisierung“ als Forschungsgegenstand in den Blick genommen wird und somit die gesellschaftlichen und räumlichen Implikationen des digitalen Wandels.

Die Vorträge im Einzelnen

Mittwoch, 31.10.2018, 18:15 Uhr
Smart Bodies? Digitale Geographien einer neuen Körper- und Verhaltenssteuerung
Prof. Dr. Peter Lindner (Universität Frankfurt am Main)

Digitale Technologien und Mikrosensoren in Smartphones, Smartwatches und sogenannten Wearables eröffnen neue Möglichkeiten, den eigenen Körper zu beobachten und alltägliche Verhaltensweisen im Hinblick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu optimieren. Der Vortrag gibt einen Überblick über das breite Spektrum möglicher Anwendungsbereiche und arbeitet Gemeinsamkeiten heraus, die darauf hindeuten, dass sich hier ein neues Regime räumlicher Verhaltenssteuerung abzeichnet, dessen Implikationen noch kaum abzusehen sind.

Mittwoch, 14.11.2018, 18:15 Uhr
Soziale Exklusionen in nutzergenerierten Geodaten: OpenStreetMap und Wikimapia in Israel/Palästina
Dr. Christian Bittner (Universität Erlangen-Nürnberg)

Digitale Geodaten werden im Web 2.0 zunehmend kollaborativ und freiwillig, durch selbst-organisierte online-communities generiert. Diese volunteered geographic information (VGI) wurden teilweise als Chance interpretiert, bislang marginalisierten Stimmen Zugang zur Erstellung und Verbreitung von geographischen Informationen zu eröffnen. Der Vortrag wirft einen kritischen Blick auf diese Deutungen und berichtet aus einem Forschungsprojekt zu sozialen Exklusionen in den VGI-Plattformen OpenStreetMap und Wikimapia im regionalen Kontext von Israel und Palästina.

Mittwoch, 28.11.2018 18:15 Uhr
Smart Development? Neue Technologien und Geographien der Entwicklung
Prof. Dr. Julia Verne (Universität Bonn)

Auch die Entwicklungszusammenarbeit setzt inzwischen auf die Digitalisierung von „Entwicklung“: Mit Hilfe von mobilen Informationsdiensten, digitalen Geldüberweisungen, Online-Partizipationsmöglichkeiten, e-Learning-Angeboten und größerer Transparenz durch Blockchain-Technologien sollen Entscheidungs-, Bildungs-, und Wertschöpfungsprozesse in Afrika unterstützt werden. Anhand von Beispielen zeigt dieser Vortrag, inwieweit sich durch die Nutzung mobiler Informations- und Kommunikationstechnologien jedoch oftmals mehr als nur das Werkzeug von „Entwicklung“ verändert. Dies wiederum gibt Anstoß für neue Fragen und Herangehensweisen der Geographischen Entwicklungsforschung im digitalen Zeitalter.

Mittwoch, 12.12.2018 18:15 Uhr
Geoinformation. Eine Schlüsselressource des 21. Jahrhunderts
Prof. Dr.-Ing. Robert Seuß (Frankfurt University of Applied Sciences)

Der Vortrag thematisiert die Entwicklung der Geoinformation von der einfachen Digitalisierung von Karten über die Nutzung von Geoinformationen in raumbezogenen Fachverfahren bis hin zur Vernetzung und Verteilung von Geodaten mittels Geodateninfrastrukturen und deren umfassende Anwendung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Da die überwiegende Zahl aller Planungs- und Entscheidungsprozesse einen Raumbezug hat, sind Geoinformationen eine Schlüsselressource der Informationsgesellschaft.

Mittwoch, 16.01.2019 18:15 Uhr
Von der Wandkarte zur virtuellen Realität – Digitalisierung des Geographieunterrichts (oder: was wir in der Schule machen könnten, wenn man uns ließe!)
Studiendirektor Dietmar Steinbach (Gießen) 

Wenn Schule den Auftrag ernst nimmt, die kommenden Generationen auf das Leben in dieser vernetzten Welt vorzubereiten, muss Unterricht mit den rasanten Veränderungen Schritt halten und das nicht nur durch den Einsatz digitaler Technik, sondern vor allem durch die Weiterentwicklung der Unterrichtskonzepte.

Mittwoch, 30.01.2019 18:15 Uhr
Big Data in der geographischen Erdbeobachtung
Prof. Dr. Christiane Schmullius (Universität Jena)

Das Copernicus-Programm von EU und ESA eröffnet mit der Sentinel-Satellitenflotte hervorragende Möglichkeiten der Nutzung von Fernerkundungsdaten. Die Kontinuität der Missionen ist bis 2030 gewährleistet und der Datenzugang frei. Der Vortrag skizziert die Breite der neuen Entwicklungen bei der Nutzung von Sentineldaten aus Sicht der Forschung. Schwerpunkt sind die laufenden Projektarbeiten am Jenaer Lehrstuhl zur regionalen und globalen Forstkartierung, Beiträge zu einer landwirtschaftlichen Ertrags-Abschätzung und Konzepte eines Bodenfeuchtemonitorings für die Thüringer Verwaltung. 

Mittwoch, 13.02.2019 18:15 Uhr
‚Smarte‘ Städte? Wie digitalisierte urbane Infrastrukturen Räume produzieren und ihre Bewohner und Bewohnerinnen prägen
Prof. Dr. Anke Strüver (Universität Graz) 

Die beschleunigte Digitalisierung städtischer Infrastrukturen sowie die Allzeit- und Echtzeit-Verfügbarkeit von Informationen und Daten führen zu veränderten Raumwahrnehmungen und –nutzungen. Es stellen sich die Fragen, welche sozialräumlichen und politischen Folgen das Smart City-Konzept hat, welche alternativen und emanzipativen Nutzungen digitaler Infrastrukturen jenseits ökonomischer Datenverwertungsinteressen existieren und wie sich Städte durch den digitalisierten Alltag ihrer Bewohner verändern. Der Vortrag fasst Themenstränge der Smart City-Debatten zusammen, die sich affirmativ wie interventionistisch mit konkreten Raumproduktionen beschäftigen, um anschließend Thesen zur digitalisierten Stadt jenseits von Utopie und Dystopie zu diskutieren.

Die Vorträge finden im Hörsaalzentrum der Goethe-Universität am Campus Westend statt, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, Hörsaal 10, 3. Etage (Aufzug).  Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Mitglieder der Frankfurter Geographischen Gesellschaft haben freien Eintritt.

Information und Anmeldung: Dr. Mathias Rodatz, Institut für Humangeographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Westend, Telefon +49 (0) 69 798-35175, E-Mail rodatz@geo.uni-frankfurt.de