​​​​​Pressemitteilungen ​

 

Dez 6 2018
13:14

Susanne Schröter und Rainer Forst im Gespräch mit dem Rechtswissenschaftler Rudolf Steinberg über sein neues Buch „Zwischen Grundgesetz und Scharia“

Der lange Weg des Islam nach Deutschland

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Dieser Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, den er anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 formulierte, steht seither im Kreuzfeuer der Kritik. Islam und Demokratie seien unvereinbar, so heißt es immer wieder, und das liege an „der Scharia“ und der vermeintlichen Neigung des Islam zur Gewalt. In seinem jüngst im Campus Verlag erschienenen Buch „Zwischen Grundgesetz und Scharia. Der lange Weg des Islam nach Deutschland“ wirft Rudolf Steinberg einen differenzierten und kritischen Blick auf diese Annahmen über den Islam, die die aktuellen juristischen und politischen Diskussionen durchziehen. Darauf aufbauend geht es ihm um die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein muslimisches Leben und ein friedliches Miteinander von Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften in Deutschland gelingen können. 

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ laden sehr herzlich ein zum Autorengespräch mit Prof. em. Rudolf Steinberg 

am Donnerstag, 13. Dezember 2018, um 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg. 

Kommentiert werden die Thesen Steinbergs vom Co-Sprecher des Clusters Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität, und von der Direktorin des am Cluster angesiedelten „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ (FFGI) Prof. Susanne Schröter (Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität). Die Moderation übernimmt der Direktor des Forschungskollegs Prof. Matthias Lutz-Bachmann. 

Rudolf Steinberg ist emeritierter Professor für öffentliches Recht. Von 2000 bis 2008 war er Präsident der Goethe-Universität. Bereits 2015 veröffentlichte er unter dem Titel „Kopftuch und Burka: Laïzität, Toleranz und religiöse Homogenität in Deutschland und Frankreich“ (Nomos-Verlag) eine Untersuchung, die sich mit zentralen Streitpunkten im Kontext der Integration von Muslimen in die deutsche bzw. französische Gesellschaft auseinandersetzt. 

Das Autorengespräch ist Teil der Reihe „Das Forschungskolleg Humanwissenschaften stellt vor: …“. Mit dieser Reihe möchte das Kolleg aktuelle wissenschaftliche Bücher, die oft das Ergebnis jahrelangen Forschens, Reflektierens und Schreibens sind, sowie deren Autoren der Öffentlichkeit vorstellen. Dazu werden in unregelmäßigen Abständen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Rhein-Main-Universitäten ans Kolleg eingeladen, um über ihr Buch, dessen Hintergründe sowie die Fragen, die sie zu diesem Werk motivierten, zu sprechen. 

Um Anmeldung zum Autorengespräch mit Rudolf Steinberg wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Dez 5 2018
15:00

LOEWE-Projekt an der Goethe-Universität geht in die Schlussrunde

Gewalt und Krieg in der Bronzezeit

FRANKFURT. Der LOEWE-Schwerpunkt „Prähistorische Konfliktforschung – Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten“ kann seine Arbeit ein weiteres Jahr fortsetzen. Das geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt unter Federführung von Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Goethe-Universität, erforscht den Zusammenhang von Herausbildung und Struktur neuartiger politischer Mächte mit der Entstehung neuer Formen militärischer Gewalt. Hierfür erhält der Verbund eine Auslauffinanzierung von rund 722.000 Euro. 

Ziel des Projekts „Prähistorische Konfliktforschung“ war es, eine Lücke in der archäologischen Erforschung Mitteleuropas zu schließen und mit einem interdisziplinären Ansatz Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten zu untersuchen. Im Vergleich zu römischen Kastellen oder mittelalterlichen Burganlagen sind die Burganlagen der Bronzezeit bislang wenig erforscht. Bereits um die Wende vom 17. zum 16. Jahrhundert v. Chr. bauten Menschen jedoch mit starken Mauern befestigte Siedlungen, um sich vor Angreifern zu schützen und Verkehrswege zu kontrollieren. Fast zwei Jahrtausende lang waren diese Burgen ein prägendes Phänomen in Mitteleuropa. 

Dass es durchaus kriegerische Auseinandersetzungen in größerem Umfang gab, ist nicht nur an der Existenz der Burganlagen erkennbar, sondern auch an der Entwicklung und Verbreitung neuer Waffen wie Hieb- und Stichschwertern sowie Schutzschilden. Die Forschung gehe davon aus, dass Kriegergefolgschaften systematisch ihre Nachbarn überfallen und zuweilen auch größere Massaker verübt hätten, sagt Projektleiter Prof. Rüdiger Krause. So konnten bei den Ausgrabungen auf dem Sängersberg bei Bad Salzschlirf (Kreis Fulda) und in der großen Befestigung von Sântana bei Arad in Rumänien unmittelbares Kampfgeschehen an den Mauern durch zahlreiche Pfeilspitzen (Sängersberg) und durch Hunderte von Schleuderkugeln (Sântana) nachgewiesen werden. 

Im LOEWE-Schwerpunkt wird nun seit 2016 das Phänomen der bronzezeitlichen Burg auf eine neue empirische Grundlage gestellt: Moderne Prospektionsmethoden erlauben neue Einblicke in die Struktur der Anlagen, Grabungen können zielgenau geplant und durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei die sozialhistorische Perspektive auf gewaltsame Konflikte in der Bronzezeit und ein Vergleich mit den Verhältnissen im Mittelalter. Prof. Krause koordiniert den LOEWE-Schwerpunkt gemeinsam mit Prof. Svend Hansen, Direktor der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Beteiligt sind u.a. auch der Frankfurter Soziologe Ferdinand Sutterlüty, der Historiker Bernhard Jussen und die Archäobotanikerin Astrid Stobbe. Außeruniversitärer Partner ist die Römisch Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt. Die Abkürzung LOEWE steht für „Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“. Das Forschungsförderprogramm geht nun in eine 13. Auswahlrunde. Bis 15. April 2019 können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit ihren Forschungsvorhaben für die Förderung ab 2021 bewerben.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75281705 

Bildbeschriftungen: 

01 Bewaffnung und Krieg in der Bronzezeit – hier bronzezeitliche Felsbilder aus Tanum, Bohuslän, Westschweden. Schwertträger mit Streitäxten auf einem Schiff der Nordischen Bronzezeit. Foto: R. Krause, Goethe-Universität

02 Pfeilspitzen aus Bronze vom Sängersberg bei Bad Salzschlirf, Kreis Fulda. Die LOEWE-Ausgrabungen (2017-2018) haben an der Befestigungsmauer Hinweise auf eine bewaffnete Auseinandersetzung ergeben. Einige der Pfeilspitzen sind durch den Aufprall auf Stein verbogen. Um 1000 v. Chr. Foto: B. Voss, Goethe-Universität

03 Die große Befestigung der jüngeren Bronzezeit (1400-1300 v. Chr.) von Sântana bei Arad, Rumänien. Die LOEWE-Ausgrabungen 2018 haben einen bis zu 4,5 m tiefen Spitzgraben um die Anlage ergeben, der zusammen mit einer Holz-Erde-Mauer eine bedeutende Befestigung und ein Annäherungshindernis darstellte. Der rote Lehm im Graben stammt von der verbrannten Holz-Erde-Mauer, die brennend in den Graben gestürzt ist. Foto: V. Sava

04 Sântana bei Arad, Rumänien. Im Bereich der verbrannten Befestigung wurden Hunderte gebrannter Lehmkugeln bei Aufsammlungen und Ausgrabungen gefunden. Es handelt sich um Schleuderkugeln (bis zu 300 Gramm schwer!) von Schleudern, die ganz offensichtlich eine gefährliche Fern- und Angriffswaffe darstellten. Foto: V. Sava

Informationen: Prof. Rüdiger Krause, Institut für Archäologische Wissenschaften, Telefon 069-798-32120, R.Krause@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 5 2018
14:54

Wie Ärzte und Eltern sich über Fehlbildungen des Ungeborenen verständigen

Wissen und Nichtwissen in der Pränatalen Diagnostik

FRANKFURT. In der Pränataldiagnostik kann man heute schon im ersten Schwangerschaftsdrittel Fehlbildungen erkennen, die früher nicht behandelbar waren. Die Eltern müssen sich dann mit Fragen auseinandersetzen, die sie sich zuvor nie gestellt haben. Die Soziologin Prof. Claudia Peter und der Mediziner Prof. Rolf Schlößer untersuchen, wie Eltern mit den Ungewissheiten der Situation während und nach der Schwangerschaft umgehen. Über ihr gemeinsames Forschungsprojekt berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“. 

Gegenstand des Forschungsprojekts sind sogenannte Defekte der Bauchwand, die während der embryonalen Entwicklung des Kindes entstehen und die in der Regel schon im ersten Drittel der Schwangerschaft in der Ultraschalluntersuchung gesehen werden können: die Gastroschisis und die Omphalozele. Bei der Gastroschisis gibt es ein Loch in der Bauchwand, rechts neben dem Nabel, so dass die Eingeweide offen in der flüssigkeitsgefüllten Fruchthöhle schwimmen. Bei der Omphalozele liegen Teile des Darms oder der Leber in der Nabelschnur. 

Während die Gastroschisis in der Regel isoliert vorliegt, muss man bei der Omphalozele nach weiteren Anomalien suchen und möglicherweise ein komplexeres Syndrom erwarten. Die Häufigkeit der Gastroschisis liegt bei 1 Erkrankung auf 10.000 Neugeborene, die Omphalozele kommt einmal bei 4.000 Neugeborenen vor. Für sich gesehen sind beide Fehlbildungen nach der Geburt durch chirurgische Eingriffe gut behandelbar, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später ein normales Leben führen kann, groß ist. 

Dennoch bleibt auch beim beratenden Arzt immer eine gewisse Unsicherheit in der Prognose. Trotz seines Wissens, das objektiv durch medizin-wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt ist, können allgemeine Aussagen nur eingeschränkt auf den konkreten Fall übertragen werden. Diese prinzipielle Offenheit des Ausgangs einer Erkrankung beim konkreten Patienten muss deshalb auch in den Gesprächen mit den werdenden Eltern einen Platz finden. 

„Es ist gut, dass wir heute Krankheiten oder Fehlbildungen behandeln können, an denen frühere Generationen gestorben sind oder von denen die Kranken so invalidisiert waren, dass sie nur eingeschränkt zur Teilhabe am Leben fähig waren“, sagt der Mediziner Schlößer. „Aber mit diesen Chancen gehen Herausforderungen einher: die Kommunikation unsicheren Wissens durch den Arzt oder die Ärztin gegenüber den werdenden Eltern, und das Aushalten dieser Botschaften, für die kein Schuldiger gefunden werden kann“, fügt die Soziologin Claudia Peter hinzu. 

Wie sich das Kind während der Schwangerschaft weiterentwickelt, bleibt zunächst zu beobachten. Ob sich die Diagnose nach der Geburt genau bestätigt und was dann kommt, muss auch abgewartet werden. Eltern werden hier zu Zeugen eines Prozesses, der sie unmittelbar betrifft, den sie aber nur sehr begrenzt durch eigenes Handeln beeinflussen können. An manche Ungewissheit können sie sich gewöhnen, andere bleiben beängstigend und überfordernd. 

Ethisch komplex ist diese Konstellation für alle Beteiligten auch deshalb, weil sowohl Ärzte wie auch Eltern die Situation des Kindes hier nahezu vollständig stellvertreten müssen, ohne dass Äußerungen des ungeborenen Kindes einbezogen werden können. Somit sind diese besonderen Schwangerschaften dadurch gekennzeichnet, dass den werdenden Eltern in kurzer Zeit einerseits viel komplexes medizinisches Wissen angeboten wird, dessen Relevanz sie erst allmählich erfassen können.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de. Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren 

Informationen: Prof. Claudia Peter, Soziologin mit Schwerpunkt qualitative Methoden, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel.: (069)-798-36639, c.peter@soz.uni-frankfurt.de. Prof. Rolf Schlößer, Schwerpunkt Neonatologie, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5120, rolf.schloesser@kgu.de

 

Dez 5 2018
14:46

Das Land Hessen fördert Universitätsklinikum Frankfurt und Klinikum Kassel mit knapp 900.000 Euro

Telemedizin-Projekt soll Versorgung auf hessischen Intensivstationen verbessern

FRANKFURT. Im Rahmen der E-Health Initiative Hessen erhalten das Universitätsklinikum Frankfurt und das Klinikum Kassel eine Förderung zur Verbesserung der Versorgung von Intensivpatienten. Ihre Expertise in der Behandlung von schwerkranken Patienten wollen die beiden Hauptversorger künftig mit zuweisenden Krankenhäusern und Rehakliniken über Telemedizin teilen. Für den Aufbau eines Telemedizin-Systems hat das hessische Sozialministerium in den nächsten drei Jahren insgesamt 897.900 Euro bewilligt. 

„Telemedizin hilft, räumliche Distanzen zu überbrücken und fachärztliche Expertise in den ländlichen Raum zu bringen“, erklärt der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner. „Der schnelle Austausch von Bilddaten und Laborergebnissen in Echtzeit kann gerade in der Intensivmedizin Leben retten. Wie im Rettungswesen, das schon seit Jahren mit dem Programm IVENA Patientendaten vom Rettungswagen in die Notaufnahme übermittelt, wird nun auch auf hessischen Intensivstationen die Telemedizin genutzt, um die Behandlungsqualität von schwerkranken Intensivpatienten zu verbessern. Hier zeigt sich der hohe Nutzen der Digitalisierung des Gesundheitswesens für die Patientinnen und Patienten“, so Grüttner. 

Damit zukünftig Informationen und Daten zwischen den intensivmedizinischen Einrichtungen schnell und problemlos fließen können, entwickeln die Projektleiter Prof. Patrick Meybohm (Universitätsklinikum Frankfurt) und Prof. Ralf Muellenbach (Klinikum Kassel) definierte Schnittstellen für ein mobiles Telemedizin-System. Geplant ist, Patientendaten, Bilddaten und Laborergebnisse in Echtzeit unter Berücksichtigung des Datenschutzes auszutauschen. 

In der ersten Phase werden die Anforderungen an das System definiert und Lösungen für die technische Umsetzung entwickelt. Der Prototyp soll dann im zweiten Jahr von den teilnehmenden Einrichtungen getestet und im realen Betrieb weiter verbessert werden. Schließlich ist für die Betriebsphase im dritten Jahr geplant, die Zufriedenheit der Anwender zu evaluieren. 

Durch den Einsatz der Tele-Intensivmedizin kann eine engere Vernetzung von Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung mit Kliniken der Maximalversorgung erzielt werden, so dass eine Optimierung der Behandlungsqualität von schwerkranken Intensivpatienten möglich werden könnte. 

Information: Prof. Dr. Patrick Meybohm, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-5868, patrick.meybohm@kgu.de sowie Prof. Dr. Ralf Michael Muellenbach, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Kassel, Tel.: (0561) 980-3000, ralf.muellenbach@klinikum-kassel.de

 

Dez 4 2018
15:19

Vortrag des Harvard-Professors Daniel Ziblatt am 10. Dezember 2018 am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

„Wie Demokratien sterben“

FRANKFURT. „How Democracies Die“ heißt das Anfang des Jahres erschienene Buch von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, Politikwissenschaftler an der Harvard University. Nachdem die Originalausgabe bereits auf der Bestsellerliste der New York Times stand, ist die deutsche Übersetzung „Wie Demokratien sterben – Und was wir dagegen tun können“ jetzt mit dem Sachbuchpreis des NDR ausgezeichnet worden. Auf Einladung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität wird Co-Autor Daniel Ziblatt wesentliche Thesen des Buches zur Diskussion stellen in seinem Vortrag

„How Democracies Die“ am Montag, dem 10. Dezember 2018, um 19 Uhr im Gebäude „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend, Max-Horkheimer-Straße 2, 60323 Frankfurt am Main.

Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern. Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigt das Buch, woran wir erkennen, dass demokratische Institutionen und Prozesse ausgehöhlt werden, und es sagt, an welchen Punkten wir eingreifen können, um diese Entwicklung zu stoppen. Denn mit gezielter Gegenwehr lasse sich die Demokratie retten – auch vom Sterbebett. 

Daniel Ziblatt ist Professor für Regierungslehre an der Harvard University. Er forscht hauptsächlich zu Demokratie und Autoritarismus in Europa. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. nach Berlin, Köln, Konstanz, München, Paris und Florenz. Die Einführung in den Vortragsabend und die Moderation liegt in den Händen von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie. Der Vortrag Ziblatts ist der zweite eines an einer amerikanischen Spitzenuniversität lehrenden Politikwissenschaftlers innerhalb kurzer Zeit am Exzellenzcluster. Ende November referierte Jan-Werner Müller von der Princeton University auf der Cluster-Jahreskonferenz unter dem Titel „Democracy and Disrespect“ über den Umgang mit populistischen Strömungen. 

Eine Anmeldung ist erforderlich – bitte unter: office@normativeorders.net 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Dez 4 2018
11:10

„Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft und zum Wohlergehen der Gemeinschaft“

Merz-Stiftungsgastprofessur um fünf Jahre verlängert

FRANKFURT. Die traditionsreiche Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur wird um weitere fünf Jahre verlängert. Sie ermöglicht es der Goethe-Universität, jedes Jahr einen besonders angesehenen Wissenschaftler aus den Bereichen Pharmazie oder Humanmedizin für eine Woche nach Frankfurt einzuladen. Mit der Vertragsverlängerung unterstreicht Merz sein Engagement, die medizinische und pharmazeutische Forschung an der Goethe-Universität zu bereichern sowie neue Kontakte zu Forschern und Forschergruppen zu ermöglichen.

Als Pharmazeut freut sich Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz auch persönlich über die Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit: „Die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur gehört zu den ältesten unserer Universität. Sie hat in den vergangenen 30 Jahren viele hochrangige internationale Expertinnen und Experten an unsere Universität geführt.“ 

„Mit der Verlängerung der Gastprofessur setzen wir auch einen Teil unserer Familientradition fort“, erklärte Andreas Meyer, Mitglied des Gesellschafterrates von Merz und Mitglied der Inhaberfamilie, bei der Vertragsunterzeichnung am 3. Dezember im Gästehaus der Goethe-Universität. Dr. Jochen Hückmann, ein Enkel des Firmengründers Friedrich Merz, hatte 1985 die Friedrich-Merz-Stiftungsprofessur als dauerhaften Beitrag zur Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung der Bereiche Pharmazie und Medizin initiiert. 

Hückmann selbst stand über drei Jahrzehnte an der Spitze des Familienunternehmens Merz und entwickelte es zu einem international erfolgreichen Pharmaunternehmen. „Er hat in seinem Großvater immer ein Vorbild gesehen, und zwar nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Förderer der Wissenschaft“, sagte Meyer. „Dieser Tradition fühlen wir uns verpflichtet. Mit der Stiftungsgastprofessur wollen wir einen positiven Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft und zum Wohlergehen der Gemeinschaft leisten.“ 

Im Zentrum der 1985 gestifteten Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur steht ein internationales und interdisziplinäres Symposium zum Forschungsschwerpunkt des Gastprofessors. In einem Bürgerforum wird das Forschungsthema außerdem für die interessierte Öffentlichkeit verständlich vermittelt. 

Ein Höhepunkt in der Geschichte der Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessuren ist die aktuelle Berufung des amerikanischen Zellbiologen Donald E. Ingber. Der Professor für Bioengineering an der Harvard University in Cambridge beschäftigt sich mit miniaturisierten, lebenden Organsystemen aus menschlichen Zellen. Damit können Krankheiten erforscht, neue Therapiemöglichkeiten getestet und Tierversuche vermieden werden. 

Beim Bürgerforum am Donnerstag, 6. Dezember, können Bürgerinnen und Bürger mit Professor Ingber und weiteren Experten zum Thema „Menschliche Organe und Krankheiten im Reagenzglas. Fiktion oder realistische Alternative zum Tierversuch?“ diskutieren. Dabei geht es um Fragen wie: Wie hoch ist die Aussagekraft von Tierversuchen wirklich? Welche menschlichen Organe lassen sich im Reagenzglas nachbilden, und wie kann die Forschung davon profitieren? Wie kann die Zukunft der personalisierten Medizin mit patienteneigenen Organsystemen gestaltet werden? Das Bürgerforum beginnt um 18 Uhr im Arkadensaal des Goethe-Hauses (Großer Hirschgraben 23-25 in Frankfurt); der Eintritt ist frei. 

Über die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur 

Die Friedrich-Merz-Gastprofessur wurde im Dezember 1985 anlässlich des 100. Geburtstags von Firmengründer Friedrich Merz gestiftet, der als einer der ersten Mitglieder der Senckenbergischen Gesellschaft mit der Frankfurter Universität eng verbunden war und die Wissenschaft gefördert hat. 1987 zum ersten Mal verliehen, wurde die Gastprofessur bis auf zwei Ausnahmen jährlich vergeben. Die Gastprofessur und das Symposium, dessen Themenspektrum von der Grundlagen- bis zur Versorgungsforschung reicht, bieten Forschern aus Hochschule und Industrie jährlich die Gelegenheit zum Wissensaustausch und zu einer weitergehenden Zusammenarbeit. 

Informationen: Kristofer Oedekoven, Referent für Hochschulentwicklung, Präsidialbüro, Campus Westend, Tel.: (069)-798-13636, oedekoven@pvw.uni-frankfurt.dewww.uni-frankfurt.de/Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur

 

Dez 4 2018
09:39

Jubiläumsfeier an der Goethe-Universität mit Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und dem ehemaligen Chefvolkswirt der EZB Otmar Issing

10 Jahre House of Finance 

FRANKFURT. Mit einem Festakt auf dem Campus Westend der Goethe-Universität wurde heute das 10-jährige Bestehen des House of Finance gewürdigt. Das House of Finance wurde im Mai 2008 im Rahmen des Ausbaus des neuen Universitätscampus Westend eröffnet. Seit seiner Gründung als zukunftsweisende Einrichtung, welche die Analyse der Finanzinstitutionen sowie den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in den Mittelpunkt stellt, hat sich das House of Finance national und international eine herausragende Bedeutung erarbeitet: finanznahe Forschungs- und Bildungsaktivitäten wurden räumlich an der Goethe-Universität, in der Bankenstadt Frankfurt und mitten in Deutschland und im Zentrum Europas gebündelt und damit gestärkt. Die Schwerpunkte entsprechen den universitären Abteilungen Finanzen, Geld und Währung sowie dem juristischen Schwerpunkt „Recht der Unternehmen und Finanzen“. 

Neben der Grundlagenforschung ist es auch ein Anliegen, die akademische Weiterbildung und den Wissensaustausch mit der Finanzbranche und der Politik zu fördern. Auf zahlreichen Veranstaltungen waren hochrangige Vertreter von Institutionen und Unternehmen sowie politische Repräsentanten zu Gast im House of Finance, unter anderem Christine Lagarde vom Internationalen Währungsfonds, Angela Merkel im Rahmen des ersten Frankfurt Finance Summit im März 2014 oder Wolfgang Schäuble als Redner des Center for Financial Studies im März 2016. 

Auf dem Festakt zum zehnjährigen Jubiläum sprachen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann, Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Otmar Issing, Vorsitzender des Kuratoriums House of Finance sowie Michael Klaus, Vorstand des Bankhauses Metzler. 

„Im Jahr 2008 hat die Landesregierung neue Wege der Innovationsförderung beschritten: Im House of Finance arbeiten die unterschiedlichen Disziplinen Finanzen, Mikroökonomie, Makroökonomie und Recht interdisziplinär und flexibel Hand in Hand. Mit 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter etwa 40 Professorinnen und Professoren, haben wir damit am Finanzplatz Frankfurt eine der größten Forschergruppen zu finanzwirtschaftlichen und monetären Themen in Europa etabliert. Hier gelingt der Brückenschlag zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, indem man gemeinsam lehrt, lernt und forscht – und das auf exzellentem Niveau. Es freut mich, dass aus dem House of Finance eine herausragende Denkfabrik geworden ist, die unserer Wirtschaft und der Gesellschaft nutzt“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. 

Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, sagte auf dem Festakt: „Wenn die Gründung einer Institution im Rückblick als zwangsläufig angesehen wird, dann kann sie wohl mit Fug und Recht als Erfolg gelten. Mit dem Ansatz, Funktion und Bedeutung des Finanzsystems ganzheitlich verstehen zu wollen, war das House of Finance seiner Zeit voraus. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen, das Finanzsystem stabiler zu machen.“ 

Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, betonte: „Das House of Finance ist zehn Jahre nach seiner Gründung eine etablierte und angesehene Adresse für die interdisziplinäre Finanzforschung, aber auch eine Plattform für den Wissensaustausch von Forschern mit Bürgern, Finanzmarktexperten und Branchenvertretern. Unter seinem Dach befinden sich mit dem LOEWE-Zentrum SAFE, dem Center for Financial Studies (CFS), dem E-Finance Lab (EFL), dem Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) und dem International Center for Insurance Regulation (ICIR) eine ganze Reihe von einschlägigen Instituten. Diese forschen gemeinsam mit weiteren Partnern in Wissenschaft und Gesellschaft zu den wichtigen Herausforderungen des Finanzsystems einer Sozialen Marktwirtschaft, z.B. nachhaltige und internationale Finanzmarktregulierung, Versicherungsregulierung, Alterssicherung, Digitalisierung, und Geld- und Währungssystem.“ 

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang König; Geschäftsführender Direktor House of Finance, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 34053; E-Mail: info@hof.uni-frankfurt.de; www.hof.uni-frankfurt.de

 

Dez 3 2018
16:51

Neueste Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt thematisiert das Spannungsfeld von Wissen und Nichtwissen

Die Grenzen des Wissens

FRANKFURT. Das Streben nach Wissen ist eine der Eigenschaften, die den Menschen ausmachen. Doch immer wieder stößt er an die Grenzen des Wissens – auch und gerade in der Wissenschaft. Wie der Mensch damit umgeht, dass sein Wissen begrenzt ist, dass es immer Bereiche geben wird, die im Dunkeln liegen, diese Frage steht im Fokus der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt. Das Schwerpunktthema lautet: „Was können wir wissen?“. 

„Und sehe, dass wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen“, lässt Goethe seinen Faust im Studierzimmer sagen. Die Hinwendung zur Schwarzen Magie ist allerdings – zumindest für den modernen westlichen Menschen – kaum eine gangbare Alternative. Die Wissenschaft reagiert auf Nichtwissen traditionell mit dem Streben, dieses Nichtwissen zu reduzieren. Doch, so macht die Soziologin Prof. Claudia Peter in ihrem Beitrag deutlich: Jedes neue Wissen bringt auch neues Nicht-Wissen hervor. Peters begleitet zusammen mit dem Mediziner Rolf Schlößer werdende Eltern, bei deren Kindern eine Fehlbildung diagnostiziert wurde. Die moderne Medizin erhöht die Chance auf das Überleben dieser Kinder – und konfrontiert Eltern und Mediziner zugleich mit Fragen, die sich ihnen bislang nicht gestellt hätten. 

Wie gehen Menschen mit Ungewissheit und Nichtwissen um? Das Heft gibt dazu sehr unterschiedliche Antworten, abhängig von der Disziplin, die das Thema bearbeitet. Aufgenommen sind Beiträge aus der Mathematik, der Physik, der Informatik, aber auch aus Politologie, Ethnologie, Philologie, Archäologie, Ökonomie und Theologie. 

Hier einige Highlights aus der aktuellen Ausgabe: 

  • „Wer Ungewissheit beseitigen will, züchtet nur Sorgen“: Unter diesem Titel erläutert Ulrich Stangier, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, welche Strategien Menschen entwickeln, um die „Sorgenkrankheit“ zu bewältigen. Sorge und Angst gehören zum menschlichen Leben. Doch wenn das Gedankenkarussell nicht aufhört zu kreisen und scheinbar grundlose Ängste uns einengen, ist es Zeit zu handeln. Die Psychotherapie bietet hierzu ein bewährtes Instrumentarium. 
  • Bakterien haben ein beeindruckendes Repertoire zur Verfügung, um mit schwierigen und ungewissen Lebenssituationen fertig zu werden. Wie Jörg Soppa, Professor für Biologie und Genetik von Prokaryonten, in seinem Beitrag deutlich macht, besteht ihre Strategie aus „Fasten und Feiern“. Innerhalb von Minuten können Bakterien von einem schwelgerischen Lebensstil zur Askese übergehen – notfalls auch Jahrzehnte auf bessere Zeiten warten. 
  • Unvorhersehbar sind die (Neben)Wirkungen, die aus der Anwendung der Genschere CRISPR/Cas erwachsen können. Einerseits werden in die Gentherapie große Hoffnungen gesetzt. Andererseits wächst die Angst vor Missbrauch. Hier ist eine breite ethische und politische Diskussion gefragt, so das Resümee unseres freien Autors, des Wissenschaftsjournalisten Joachim Pietzsch. Die aktuelle Debatte um die angeblich erste Genmanipulation bei menschlichen Embryonen in China gibt ihm Recht. 
  • Die moderne Wissenschaft wird oft mit Faktenwissen gleichgesetzt. Doch ohne das Nachdenken über die Welt, wie es in den Geisteswissenschaften stattfindet, ist Wissenschaft nicht denkbar. Eine religionsphilosophische Verortung von Wissen, Meinen und Glauben nimmt Prof. Thomas M. Schmidt vor – und macht deutlich: Glaube ist alles andere als „alternative Fakten“. 
  • Immer zuverlässiger sind in den vergangenen Jahren die Vorhersagen von Klimamodellen geworden. Doch werden wir selbst mit noch leistungsfähigeren Computern nie in der Lage sein, das Wetter und das Klima auf einer Nanoskala vorherzusagen, erläutert der Atmosphärenforscher Prof. Ulrich Achatz in seinem Beitrag. Der verbleibende Grad an Unsicherheit ist für ihn eine der zentralen wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. 
  • Unsicherheit und Ungewissheit auf ganz anderem Gebiet nimmt der Linguist Dr. Dr. Thomas Strobel in den Fokus. Fast jeder grübelt zuweilen: Heißt es „er buk“ oder „er backte“, „den Pilot“ oder „den Piloten“? Gerade wer bewusst mit Sprache umgeht, stößt immer wieder auf solche grammatikalischen Zweifelsfragen. Kein Grund zum Verzweifeln – sondern ein Weg zum tieferen Verständnis, wie Sprache funktioniert. 
  • Dass das Nichtwissen um die Zukunft und um die tatsächlichen Gefahren der Gegenwart Unsicherheit hervorruft, liegt auf der Hand. Wie dieses Gefühl instrumentalisiert werden kann, das zeigt aktuell der derzeitige US-Präsident. Aber auch die Europäische Union und China setzten in der Vergangenheit immer wieder auf die Erzählung von Unsicherheit und Ungewissheit, um bestimmte Ziele zu erreichen, wie das Autorenduo der Professoren Iwo Amelung (Sinologie) und Christoph Cornelißen (Neuere Geschichte) berichtet. 

Welche Perspektiven sich darüber hinaus aus dem Thema Unsicherheit ergeben haben, können Sie bei einer Entdeckungsreise durch unser Heft ersehen. 

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2018) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet ist sie zu finden unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

 

Dez 3 2018
15:31

Universitätsbibliothek Frankfurt investiert 150.000 EUR in den Erhalt des schriftlichen Kulturgutes

Wertvolle Bücher brauchen Schutz 

FRANKFURT. Die Universitätsbibliothek der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat mehrere Projekte zum Erhalt des schriftlichen Kulturgutes angestoßen und erhält dafür große Fördersummen durch die Bundesregierung und das Land Hessen. Zusammen mit Eigenmitteln der Bibliothek wurden im laufenden Jahr 150.000 Euro in den Schutz des historischen Erbes investiert. 

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) hat im Jahr 2018 umfangreiche Mittel für den Erhalt des schriftlichen Kulturgutes eingeworben, um verschiedene Projekte zur Säuberung, Schutzverpackung und Restaurierung wertvoller einzigartiger Bestände sowie Maßnahmen gegen den Papierzerfall zu ermöglichen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, fördert die Projekte der UB JCS mit insgesamt 48.000 EUR aus den Sondermitteln des Bundes für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes, KEK). Eine fast ebenso große Fördersumme von insgesamt 43.000 EUR kommt aus dem 2018 erstmalig durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst aufgelegten Landesprogramm zum Erhalt des schriftlichen Kulturgutes in Hessen. Auch zwei private Stiftungen unterstützten die Arbeiten durch eine namhafte finanzielle Zuwendung von zusammen 27.000 EUR: die Frankfurter Bürgerstiftung und die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung zu Frankfurt am Main. Einen Eigenanteil von rund 31.000 EUR bringt die Bibliothek selbst auf, somit beträgt das finanzielle Gesamtvolumen der Projekte etwa 150.000 Euro. 

Die Projekte betreffen insgesamt rund 8.000 Bände Kulturgut von nationaler und internationaler Bedeutung. Dazu gehört die Sammlung der Judaica und Hebraica, darunter auch die besonders seltenen jiddischen Drucke, sowie weitere wertvolle Bände des 16. bis 19. Jahrhunderts: z.B. Drucke aus der Königlichen Gartenbibliothek Herrenhausen, Werke Maria Sibylla Merians, die Bibliotheken Arthur Schopenhauers und der Frankfurter Patrizierfamilie von Holzhausen. Außerdem lässt die Universitätsbibliothek die historischen Ausgaben der bis 1943 erschienenen „Frankfurter Zeitung“ gegen den drohenden säurebedingten Papierzerfall behandeln. Diese Zeitung gilt als Vorgängerin der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und hatte in ihrer Zeit eine vergleichbare Bedeutung. Insgesamt liegt ein Schwerpunkt der Maßnahmen auf der Reinigung wertvoller Bücher und ihrer Ausstattung mit Schutzverpackungen, welche durch eine Spezialfirma maßangefertigt werden. Damit sind die Bücher zukünftig optimal vor mechanischen Schäden, eventuellen klimatischen Schwankungen und Schädlingsbefall geschützt.

Die UB JCS verfolgt in den letzten Jahren verstärkt Maßnahmen, um die Lagerungsbedingungen für ihre historischen Bestände nachhaltig und entsprechend neusten wissenschaftlichen Standards zu verbessern. Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess war im Vorjahr die Einrichtung eines neuen Rara-Magazins für besonders wertvolle Drucke. Zuletzt wurden außerdem die Zuständigkeiten in diesem Bereich in einer neu strukturierten Abteilung „Bestandserhaltung und Digitalisierung“ zusammengeführt. 

Information: Dr. Mathias Jehn, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung sowie des Archivzentrums und der Sammlung Frankfurt und Seltene Drucke, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798 39007, E-Mail: m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

 

Dez 3 2018
11:37

Steigt der Meeresspiegel auch deswegen, weil die vom Meer abgetrennten Einzugsgebiete austrocknen?

Wo die Flüsse nicht ins Meer fließen

FRANKFURT. Ein Fünftel der Landfläche auf der Erde bedecken Flusseinzugsgebiete, die keine Verbindung zum Meer haben. Auch in diesen Gebieten ist Wasser gespeichert, zum Beispiel in Seen und Gletschern. Jetzt hat ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung der Goethe-Universität gezeigt, dass die Wasserspeicherung in solchen endorheischen Einzugsgebieten weltweit abgenommen hat. Hauptgründe dafür sind steigende Temperaturen und Wasserentnahmen durch den Menschen. Diese Wasserverluste leisten einen bisher unterschätzten Beitrag zum Meeresspiegelanstieg, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von Nature Geoscience erklären.

„Beispiele für austrocknende endorheische Gebiete sind der Aralsee, der immer stärker ausgezehrte Arabische Aquifer und die zurückweichenden Gletscher im Tibetischen Hochland“, so Jida Wang, Geograph der US-amerikanischen Kansas State University und Hauptautor der Studie. Mithilfe von Schwerefeldbeobachtungen der NASA GRACE-Satelliten konnten die Autoren die globale Netto-Wasserabnahme in endorheischen Gebieten auf jährlich etwa 100 Milliarden Tonnen seit Beginn dieses Jahrtausends beziffern. Das entspricht pro Jahr etwa der doppelten Wassermenge des Bodensees. Überraschenderweise ist die Verlustrate in endorheischen Gebieten doppelt so hoch wie auf den gesamten restlichen Landflächen außerhalb von Grönland und der Antarktis.

Der Wasserverlust verstärkt nicht nur eine eventuelle Wasserknappheit in den endorheischen Gebieten, sondern trägt auch zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Dazu Chungiao Song, Wissenschaftler am Nanjing Institute of Geography and Limnology, Chinese Academy of Sciences und zweiter Hauptautor der Studie: „Wenn das gespeicherte Wasser in endorheischen Gebieten aufgrund steigender Temperaturen und verstärkter Wasserentnahmen verdunstet, wird es über die Atmosphäre als Wasserdampf in exorheische Gebiete, zum Beispiel die großen Flusssysteme wie Amazonas und Nil transportiert. Diese Gebiete entwässern in die Ozeane.“

Während des vergleichsweise kurzen Beobachtungszeitraums von 14 Jahren führte der Wasserverlust in endorheischen Einzugsgebieten zu einem zusätzlichen Meeresspiegelanstieg von insgesamt vier Millimetern. Das sind etwa zehn Prozent des beobachteten Meeresspiegelanstieges in diesem Zeitraum und entspricht dem Anteil, der durch Grundwasserentnahmen verursacht wird. Im Vergleich zum Wasserverlust von Inlandgletschern (außerhalb von Grönland und der Antarktis) ist derjenige in endorheischen Gebieten etwa halb so groß. „Wir gehen nicht davon aus, dass der endorheische Wasserverlust vollständig im Ozean gelandet ist“, sagt Wang. „Aber wenn die derzeitige Entwicklung in endorheischen Gebieten weiter anhält, kann das zusätzliche Wasser in exorheischen Gebieten einen bedeutenden Anteil des Meeresspiegelanstieg ausmachen.“

Doch was sind die Gründe für den endorheischen Wasserverlust? Durch eine Kombination von multiplen Satellitenbeobachtungen und hydrologischer Modellierung berechneten die Autoren, dass global betrachtet der Wasserverlust in ungefähr gleichem Umfang aus Oberflächenwasser (in Gewässern, Schnee und Gletschern), Böden und Grundwasserkörpern herrührt. Regional betrachtet ist dies jedoch nicht so. Im endorheischen Zentralasien geht beispielsweise das meiste Wasser aus Oberflächenwasser verloren, insbesondere von Endseen wie dem Aralsee, dem Kaspischen Meer und dem Urmia-See, sowie von schmelzenden Gletschern in den asiatischen Hochgebirgen. Während die Gletscherschmelze auf höhere Temperaturen zurückgeht, spielen bei den Endseen eine Kombination von Niederschlags-Dürren und Wasserentnahmen aus den Zuflüssen eine große Rolle. Auf der anderen Seite beruhen Wasserverluste in der endorheischen Sahara und Arabien auf nicht-nachhaltigen Grundwasserentnahmen. Im endorheischen Nord-Amerika ist eine Dürre des Bodenwassers der Hauptgrund.

Die drei Kernbotschaften der Studie:

  • Die Änderung der Wasserspeicherung in endorheischen Systemen könnte trotz ihrer geringen Gesamtmasse den Wasserspeichertrend auf den Landflächen weltweit während der letzten zehn Jahre dominiert haben.
  • Da der derzeitige endorheische Wasserverlust wenig von natürlichen Variationen des Klimasystems beeinflusst wird, sind naheliegende Hauptursachen längerfristige klimatische Entwicklungen sowie die anthropogene Wassernutzung.
  • Wasserverluste in endorheischen Gebieten haben Konsequenzen – sowohl für den regionalen Wasserhaushalt als auch für den Meeresspiegelanstieg.

Diese Kernbotschaften lassen die derzeitig als gering eingeschätzte Bedeutung endorheischer Einzugsgebiete für den globalen Wasserhaushalt und den dringenden Bedarf von einem besseren Verständnis in Wasserspeicheränderungen in diesen Gebieten in einem anderen Licht erscheinen.

Hannes Müller Schmied, Postdoktorand am Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität Frankfurt und am Senckenberg Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum Frankfurt, berechnete mithilfe des globalen Wassernutzungs- und Verfügbarkeitsmodells WaterGAP wie sich Wasserspeicher veränderten, insbesondere die Schneewasserspeicher, die Wasserspeicherung in der Vegetation und im Boden.

Gemeinsam mit Gruppenleiterin Prof. Petra Döll und Doktorandin Denise Caceres arbeitet er darüber hinaus an einem Projekt der europäischen Raumfahrtagentur ESA, in dem es darum geht, präziser zu berechnen, welchen Beitrag die Wasserspeicheränderungen in Landflächen zum Meeresspiegelanstieg leisten. „Die jetzt publizierte Studie ergänzt das ESA-Projekt insofern, als dass die getrennte Betrachtung von endorheischen und exorheischen Einzugsgebieten zu neuen Erkenntnissen führte. Wir wollen den endorheischen Gebieten zukünftig deutlich mehr Beachtung schenken“, so Müller Schmied.

Publikation Jida Wang, Chunqiao Song, John T. Reager, Fangfang Yao, James S. Famiglietti, Yongwei Sheng, Glen M. MacDonald, Fanny Brun, Hannes Müller Schmied, Richard A. Marston und Yoshihide Wada: Recent global decline in endorheic basin water storages, in: Nature Geoscience, https://doi.org/10.1038/s41561-018-0265-7

Zur englischsprachigen Pressemitteilung der Kansas State University: https://www.k-state.edu/media/newsreleases/2018-11/wang113018.html  

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75227780

Bildtexte:
Abb. 1a: Änderung des Gesamtwasserspeichers in den von Meer abgeschnittenen (endorheischen) Einzugsgebieten, basierend auf Beobachtungen des GRACE-Satellits von April 2002 bis März 2016.
Abb. 1b: Monatliche Anomalien des Gesamtwasserspeichers in endorheischen und exorheischen Gebieten (ohne Grönland, Antarktis) und Verknüpfung mit der El Niño-Zirkulationsindikator (rechte Achse).

Bildrechte: Kansas State University

Information: Hannes Müller Schmied, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Hannes.Mueller.Schmied@em.uni-frankfurt.de.

 

Nov 30 2018
11:05

Die Bürger-Uni-Reihe zum Thema „1968 und die Folgen“ endet am 6. Dezember mit einer Podiumsdiskussion zur „Exklusivität des Diskurses“

50 Jahre in Bewegung: Wie wichtig ist die Theorie?

FRANKFURT. „50 Jahre in Bewegung: 1968 und die Folgen“ – so lautet der Titel einer Reihe im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität, die im Sommersemester begonnen hat und nun mit der vierten Podiumsdiskussion ihren Abschluss findet. Nach Aspekten eines demokratischen Aufbruchs, dem Experiment mit neuen Formen der Lebensführung sowie dem Umgang mit der Nazizeit und dem Holocaust geht es nun um die damalige Theoriebeflissenheit und ihre Nachwirkungen in die heutige Zeit. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen zur Podiumsdiskussion

„Hauptsache eine Theorie? 1968 und die Exklusivität des Diskurses“ am 6. Dezember 2018 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main.

Der hermetische Sprachgestus der 68er ist legendär und wurde jahrzehntelang liebevoll gepflegt. Dabei entstanden hochabstrakte Sprach- und Diskursformen, die zu einer starken Exklusivität und Herausforderungen bei der gesellschaftlichen Anschlussfähigkeit führten. Andererseits hat gerade diese Liebe zur Theorie allen Versuchungen widerstanden, auf gesellschaftlich-politische Phänomene allzu einfache pragmatische Antworten zu geben und damit in der Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen den wirklichen Kern zugunsten eines evidenten Augenscheins zu verfehlen oder zu kurz zu springen. Der Abend soll sich u.a. der Frage widmen, was von diesem Denken heute noch als zeitgemäß, ja zukunftsweisend bezeichnet werden kann. Oder verdrängt am Ende ein immer dominanter werdender Pragmatismus das Interesse an Theorien schlechthin? Und welche Folgen hätte eine solche Entwicklung?

Über diese und weitere Fragen diskutieren: Prof. Philipp Felsch, Kulturwissenschaftler, HU Berlin, Autor von „Der lange Sommer der Theorie“; Prof. Klaus Günther, Jurist und Rechtsphilosoph, Goethe-Universität, Exzellenzcluster Normative Ordnungen; Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Dr. Rolf Wiggershaus, Philosoph und Publizist, Autor von u.a. „Die Frankfurter Schule“. Die Moderation übernimmt Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Begrüßen wird der politische Philosoph Prof. Rainer Forst, Goethe-Universität und Co-Sprecher des Exzellenzclusters.

Die vierteilige Reihe ist eine Kooperation der Goethe-Universität und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Weitere Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de

 

Nov 30 2018
10:06

Repräsentative Umfrage unter Beschäftigten der Goethe-Universität belegt deutlich steigende Nutzerzahlen für ÖPNV und weniger Autoverkehr

Erwartungen übertroffen: LandesTicket Hessen bewirkt Mobilitätswende

FRANKFURT. Weniger Autoverkehr, mehr ÖPNV-Nutzer: Das seit knapp einem Jahr auch an der Goethe-Universität bestehende LandesTicket Hessen hat laut einer repräsentativen Umfrage das Mobilitätsverhalten von gut 5800 Mitarbeitenden der Goethe-Universität und des Klinikums deutlich verändert: „Die positive Wirkung des Tickets auf das Mobilitätsverhalten der Mitarbeitenden hat unsere Erwartungen übertroffen“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff. So gaben laut einer repräsentativen Umfrage unter allen Beschäftigten (Rücklauf knapp 50 %) knapp 63 % an, seit der Einführung des Landestickets häufiger in Bus und Bahn einzusteigen. Je nach Nutzungsintensität und Entfernung bewirkt allein der durch das Ticket ausgelöste Umstieg eine jährliche CO2-Ersparnis von 500 bis 1000 Tonnen gegenüber dem Auto (basierend auf einer Modellrechnung des Bundesumweltamtes mit einer durchschnittlichen Entfernung von 24 km/d an 220 Arbeitstagen).

Insgesamt ist der ÖPNV für fast 90 % aller Beschäftigten auf dem Weg zur Arbeit die häufigste Wahl (Mehrfachnennungen möglich). Nur noch knapp ein Viertel (24,4 %) bevorzugt das Auto. Fast 60 % nutzen die Öffentlichen sogar in mehr als 80 % aller Fahrten zur Arbeit.

„Die Goethe-Universität hat mit dem Landesticket einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltige Mobilität vollzogen. Unsere Zahlen unterstützen die Einsicht, dass es sich aus Umweltgesichtspunkten lohnt, das Landesticket fortzuführen. Wir sind froh, dass es seinerzeit mit Unterstützung der Landesregierung gelungen ist, das Ticket auch an der Goethe-Universität einzuführen“, betont Universitätspräsidentin Wolff.

Auch Wünsche konnten die Nutzer äußern: Hier zeigt sich zum Beispiel, wie man die Nutzungsrate der Öffentlichen noch weiter steigern könnte. So erklärten viele, sie würden das ÖPNV-Angebot noch häufiger nutzen, wenn sich die Freifahrtberechtigung auch auf die Nutzung von Leihfahrrädern ausdehnen ließe. Dies gilt übrigens auch für Dienstfahrten und Dienstreisen: Immerhin 52 % nutzen das Landesticket auch, wenn sie im Auftrag der Goethe-Universität in Frankfurt oder Hessen unterwegs sind.

Von vielen als Verbesserungsmöglichkeit genannt wurde auch der Wunsch, künftig die Mitnahmemöglichkeit auf Wochentage auszudehnen und Kinder auch in der Zeit vor 19:00 Uhr kostenfrei mitnehmen zu können.

 

Nov 30 2018
10:00

Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln erhält einen mit 1,6 Mio. Euro dotierten ERC Consolidator Grant

Verhalten und Erfolg im Arbeitsmarkt besser verstehen

FRANKFURT. Warum verhalten sich bestimmte Menschengruppen auf dem Arbeitsmarkt auf jeweils eigene Art und Weise? Wodurch erklärt sich ihr unterschiedlicher Erfolg auf dem Arbeitsmarkt? Und welchen Einfluss haben dabei politische Maßnahmen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftlerin und Leibniz-Preisträgerin Nicola Fuchs-Schündeln. Ermöglichen wird dieses Projekt der Consolidator Grant des European Research Council (ERC), einer der höchstdotierten Preise zur Wissenschaftsförderung der Europäischen Union. Gerade wurde bekannt, dass Fuchs-Schündeln, die derzeit im Forschungssemester in Australien weilt, diesen Preis erhalten wird. Ihr Projekt trägt den Titel „Macro- and Microeconomic Analyses of Heterogeneous Labor Market Outcomes“.

„Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit darf ich Nicola Fuchs-Schündeln zu einer beachtlichen Auszeichnung gratulieren“, kommentiert Uni-Präsidentin Birgitta Wolff die Nachricht. „Nach dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat diese herausragende Wirtschaftswissenschaftlerin nun noch einen ERC Consolidator Grant nach Frankfurt geholt, das ist ein enormer Erfolg. Es zeigt die große Anerkennung, die Fuchs-Schündeln auch international genießt. Wir sind froh, diese Kollegin mit ihrem innovativen Forschungsansatz bei uns zu haben. Sie verbindet in ihren Projekten Makro- und Mikroökonomik und lenkt den Blick auf in der Ökonomie eher ungewöhnliche Fragestellungen – eine große Bereicherung für die wissenschaftliche Diskussion und für die Goethe-Universität.“

Nicola Fuchs-Schündeln ist seit 2009 Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität. Am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ist sie als Principal Investigator beteiligt, ebenso am LOEWE-Zentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“. 2015/16 war sie für ein Jahr als Gastprofessorin an der Stanford University in Kalifornien. Promoviert wurde Fuchs-Schündeln an der Yale University, und war daraufhin bis zu ihrem Wechsel an die Goethe-Universität an der Harvard University tätig. In Köln hat sie Lateinamerikastudien und Volkswirtschaftslehre studiert.

Wie in ihren anderen Arbeitsschwerpunkten bleibt Fuchs-Schündeln auch im ERC-Projekt „Macro- and Microeconomic Analyses of Heterogeneous Labor Market Outcomes“ ihrem Forschungsstil treu, der makro- und mikroökonomische Methoden verbindet. Die 46-jährige Wissenschaftlerin plant vier Teilprojekte, drei davon nehmen unterschiedliche Verhaltensweisen von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt in den Blick, das vierte befasst sich mit den Unterschieden zwischen armen und reichen Ländern. Als Datengrundlage dienen vor allem die Arbeitsmarktdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesamts für Statistik. Aus den anonymisierten Sozialversicherungsdaten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern lassen sich sowohl individuelle Arbeitsbiographien ablesen als auch die Personalstrategie von Unternehmen. 

Eines der Teilprojekte werde der Frage nachgehen, wie sich familienpolitische Neuerungen wie die Einführung von Erziehungszeit und -geld auf den Arbeitsmarkterfolg von Frauen ausgewirkt haben, erläutert Fuchs-Schündeln. Was als familien- und frauenfreundliche Maßnahme gedacht war, könnte zum Teil auch negative Folgen gehabt haben, weil Arbeitgeber zurückhaltender wurden bei der Einstellung und Förderung von Frauen. „Diese möglichen negativen Auswirkungen sind bislang nicht untersucht worden“, so die Forscherin. Doch nicht nur in Deutschland sei man an solchen Erkenntnissen interessiert, denn familienpolitische Maßnahmen werden in vielen Ländern diskutiert und implementiert. Ein weiteres Teilprojekt wird sich mit dem Phänomen befassen, dass ein wachsender Frauenanteil in einem Berufssegment oft mit einem Absinken des Lohnniveaus einhergeht. „Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Es könnte an einem Prestigeverlust des Berufs liegen – aber auch daran, dass Frauen mehr Wert auf Flexibilität legen und höhere Flexibilität mit einem geringeren Gehalt verbunden ist“, erklärt Fuchs-Schündeln. Als Grundlage dienen hier unter anderem Daten aus Ostdeutschland, wo Frauen stärker in technische Berufe vorgedrungen sind.

All dies wird Fuchs-Schündeln nicht allein erforschen. Mehrere Doktorandinnen und Doktoranden sowie eine Postdoktorandin oder ein Postdoktorand werden in die Projekte eingebunden sein. „Das ist eine sehr datenintensive Forschungsagenda“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Kandidatinnen und Kandidaten hierfür gebe es in Frankfurt, sagt Fuchs-Schündeln: „Im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften haben wir eine eigene Graduiertenschule mit einem strukturierten Doktorandenprogramm, in dem wir unseren Nachwuchs gemeinsam ausbilden. Das ist eine der großen Stärken der Goethe-Universität.“ Das gesamte Projekt wird bis 2024 mit einer Summe von 1,6 Millionen Euro gefördert.

Der ERC Consolidator Grant reiht sich ein in eine Reihe von Auszeichnungen: Anfang 2018 wurde Fuchs-Schündeln mit dem Leibniz-Preis geehrt, dem renommiertesten deutschen Forschungspreis. 2016 erhielt Fuchs-Schündeln den Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, den wichtigsten deutschen Ökonomen-Preis. 2010 hatte sie bereits einen Starting Grant des European Research Council erhalten.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75159663

Informationen: Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, Professur für Makroökonomie und Entwicklung. Fachbereich 02, Theodor-W.-Adorno-Platz 3, Campus Westend, Tel.: (069) 069/798-33815, E-Mail fuchs@wiwi.uni-frankfurt.de.

 

Nov 29 2018
15:42

Stadt Hanau und Goethe-Universität zeichnen Persönlichkeit aus, die sich für populäres Erzählen in Kinder- und Medienproduktionen einsetzt – Vorlesungsreihe mit der Preisträgerin

Zweite Grimm-Bürgerdozentur geht an Irene Wellershoff

FRANKFURT. Zum zweiten Mal vergeben die Brüder-Grimm-Stadt Hanau und das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität im Wintersemester 2018/19 die Grimm-Bürgerdozentur. Preisträgerin ist in diesem Jahr Dr. Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm. Offizielle Übergabe der Dozentur ist am 

Donnerstag, 13. Dezember um 18 Uhr s.t., im Roten Saal von Schloss Philippsruhe, Philippsruher Allee 45, Hanau-Kesselstadt.

Vor rund 30 Jahren hat Irene Wellershoff die sehr beliebte TV-Kinderserie Siebenstein entwickelt. 1988 ging die Sendung mit Frau Siebensteins Trödelladen, in dem „Gegenstände mit Geschichten“ verkauft werden, erstmals an den Start.

In der Begründung zur Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur heißt es: „Dr. Irene Wellershoff wurde als Erfinderin der ZDF-Kinderserie Siebenstein und mit Fernseh-Teamproduktionen wie Pettersson und Findus, der Märchenperlen-Reihe, Dschermeni, mit dem Einsatz für den besonderen Kurzfilm wie Chika, die Hündin im Ghetto sowie Kinofilm-Koproduktionen wie etwa Hände weg von Mississippi und Bibi & Tina bekannt. Mit ihr wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich für das populäre und gehaltvolle Erzählen in Kinderfilm- und Medienproduktionen einsetzt. Darunter finden sich zahlreiche filmische Adaptionen von Erzählungen namhafter Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren. Gleichzeitig werden Wellershoffs Engagement für die historische Filmarbeit, wie etwa die Unterstützung der Restaurierung von Lotte-Reiniger-Filmen, und ihre Bereitschaft, ihre Beobachtungen zum kinderseriellen Erzählen im Fernsehfilm seit den 1980er Jahren regelmäßigen mit Studierenden der Goethe-Universität zu diskutieren, gewürdigt.“

Die offizielle Übergabe der Dozentur durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, an Dr. Irene Wellershoff findet am 13. Dezember 2018 im Schloss Philippsruhe in Hanau statt.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky: „Ich freue mich sehr, dass Schloss Philippsruhe, in dem im Frühjahr 2019 das GrimmsMärchenReich eröffnet wird, erneut Gastgeber der Verleihung ist“. Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz: „Der Name Wellershoff ist fester Bestandteil der literarischen Welt. Irene Wellershoff hat sich mit der Kinderserie Siebenstein und deren Binnengeschichten in die Fernsehgeschichte eingeschrieben. Darunter lassen sich Filme von Lotte Reiniger, Scherenschnittfilme des DEFA Studios und viele preisgekrönte Kurzfilme, u.a. auch zum Märchen, finden."

Vorlesungsreihe „Märchen, Medien und Magie“

Mit der Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur ist eine dreiteilige öffentliche Vorlesungsreihe verbunden, der Wellershoff den Titel „Märchen, Medien und Magie“ gegeben hat: Sie beginnt am 13. Dezember 2018 (Donnerstag) mit der Laudatio „Feuerfunken im Nachthimmel. Filmbiographische Reminiszenzen“ von Prof. Dr. Dieter Wiedemann (Potsdam). Gezeigt werden filmische Stationen, die unter der Redaktionsleitung von Dr. Irene Wellershoff entstanden sind.

Die Reihe wird im neuen Jahr am 30. Januar 2019 (Mittwoch) um 18 Uhr c. t. auf dem Campus Westend, Casino, Renate von Metzler-Saal 1.801 fortgesetzt mit einem Vortrag und moderierten Gespräch zu „Von Schlangen, Biestern und Berggeistern – Märchenfilme im Vergleich. Exzerpte aus verschiedenen Märchen-Filmwerkstätten“. Das anschließende Gespräch führt Dr. Christine Lötscher (Berlin).

Im Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18a, sind am 22. Februar 2019 (Freitag) um 10.00 Uhr Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 5 eingeladen. Wellershoff erläutert wie Rübezahl zum Filmstar wurde (Filmsichtung mit Q &A).

Die Grimm-Bürgerdozentur und die Vortragsreihe werden unterstützt von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität und der Märchen-Stiftung Walter Kahn. Dr. Claudia Maria Pecher, Märchenforscherin am Institut für Jugendbuchforschung, und Dipl. Pol. Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, haben die Reihe konzipiert und organisiert.

Informationen:
Martin Hoppe, Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, Tel. (06181)295-1723, E-Mail: Christine.Schilling@Hanau.de
Dr. Claudia Maria Pecher, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798–32995, E-Mail: pecher@em.uni-frankfurt.de.

Flyer zur begleitenden Veranstaltungsreihe: http://www.uni-frankfurt.de/50949197/Aktuelles

Voranmeldungen für die Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur richten Sie bitte an das Büro von Herrn Martin Hoppe, E-Mail: Christine.Schilling@Hanau.de

 

Nov 29 2018
15:40

Vierter Vortrag in der Reihe „Kunst als Wertschöpfung“ der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Die Realität der Fiktion: Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft

FRANKFURT. Modellbildungen in der Finanzwirtschaft kreisen um eine spezifische Form der Fiktion, die auf der sorgfältigen Konstruktion eines Bildes der Zukunft beruht, die um das Problem der Ungewissheit kreist und in der Beurteilung der zu erwartenden Marktschwankungen ihren Ausdruck findet. Der Vortrag „Die Realität der Fiktion: Die Ausbeutung von Ungewissheit in der Wirtschaftswissenschaft“ von Prof. Elena Esposito

am 5. Dezember (Mittwoch) um 18 Uhr
im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt

geht dem Problem dieses Ansatzes nach, dass er der Tatsache nicht Rechnung trägt, dass diese Fiktion der Zukunft jene Zukunft, die noch nicht existiert, aber existieren wird, zugleich mitgestaltet. Esposito ist Professorin für Soziologie an den Universitäten Bielefeld sowie Modena und Reggio Emilia. Ihre zahlreichen Publikationen beschäftigen sich mit der Theorie der sozialen Systeme, der Theorie der Medien und der Soziologie der Finanzmärkte. Ihr aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Soziologie von Computer-Algorithmen.

Der Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung ist Teil der Reihe „Kunst als Wertschöpfung. Zum Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, finanziert von der Deutsche Bank AG. Die inhaltliche Verantwortung und Moderation der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, und Prof. Johannes Völz, Institut für England- und Amerikastudien. In insgesamt sieben öffentlichen Vorträgen denken namhafte Expertinnen und Experten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Kunstgeschichte und den Kulturwissenschaften das Verhältnis von Ökonomie und Ästhetik neu.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

19. Dezember 2018
Prof. Moritz Baßler
Ästhetische Angebote im Zeichen des Konsums 
Ausdifferenzierung oder Einheitsbrei?
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

23. Januar 2019
Prof. Wolfgang Ullrich
Der westliche Kunstbegriff im Sog des globalisierten Kunstmarkts
Moderation: Prof. Heinz Drügh, Goethe-Universität

6. Februar 2019
Prof. Julika Griem
Ökonomien des Spiels in Kunst und Wissenschaft
Moderation: Prof. Johannes Völz, Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Alle Veranstaltungen finden im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, statt.

Programm im Internet: http://kunstalswertschoepfung.de/

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich Neuere Philologien, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2018
12:39

Spendenvolumen beläuft sich auf 1,14 Mio Euro

Goethe-Universität erzielt mit 633 Deutschlandstipendien wieder herausragendes Ergebnis

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat mit 633 Deutschlandstipendien für das akademische Jahr 2018/19 erneut eines der besten Ergebnisse der beteiligten Hochschulen erreicht. Das entspricht einem Spendenvolumen von 1,14 Mio Euro. Studierende mit herausragenden Leistungen im Studium sowie gesellschaftlichem, sozialem oder ehrenamtlichem Engagement erhalten mit dem Stipendium ein Jahr lang eine Unterstützung in Höhe von 300 Euro monatlich. Neben der finanziellen Förderung werden die Stipendiaten mit einem ideellen Förderprogramm darin unterstützt, Kontakte in einem Netzwerk zu knüpfen und dadurch auch berufliche Perspektiven zu entwickeln. Möglich wird dies durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen sowie Stiftungen, Vereinen und Service-Clubs. 129 neue Förderer konnte die Private Hochschulförderung in diesem Jahr begrüßen.

Auf der feierlichen Vergabe der Deutschlandstipendien im Festsaal auf dem Campus Westend gratulierte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff in ihrer Rede allen neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Sie dankte denen, die deren Unterstützung ermöglicht haben: „Mit dem Deutschlandstipendium fördern Sie, liebe Förderinnen und Förderer, junge Talente, die leistungsbereit und engagiert sind. Sie überzeugen schon in jungen Jahren durch ihre Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Von ihren Möglichkeiten, sich mit hoher Leistungsbereitschaft zu entfalten, wird die Gesellschaft sehr profitieren.“

Zu den größten Förderern zählen unter anderem Insight Health, die Stiftung Giersch, die Santander Universitäten, Hilmar Kopper, Claus Wisser, Dr. Jens-Peter Schaefer, die Annette-Hellwig-Stiftung, Biotest, Hahn Airlines, die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, die Evonik-Stiftung, die Friedrich Flick- Förderungsstiftung und die Sigi und Hans Meder Stiftung.

Seit Beginn des Programms konnten, den aktuellen Jahrgang eingerechnet, 4.023 Stipendien vergeben werden. Das entspricht einem Spendenvolumen von insgesamt 7.241.400 Euro. Ein hoher Anteil der Stipendiaten sind Bildungsaufsteiger und haben einen nichtakademischen Familienhintergrund. Die Mehrzahl der Geförderten sind Frauen.

Weitere Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-12756, lentes@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2018
12:38

Starker Anstieg erfolgreicher Wissenschaftler im Ranking von Clarivate Analytics

13 Goethe-Uni-Forscher unter den meist-zitierten

FRANKFURT. Jedes Jahr wird anhand der Daten aus dem „Web of Science“ eine Liste der weltweit ein Prozent erfolgreichsten Forscher publiziert, gemessen an der Häufigkeit, mit der ihre Arbeiten von anderen Wissenschaftlern zitiert werden. Die Zahl der gelisteten Naturwissenschaftler und Mediziner der Goethe-Universität hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr von drei auf 13 gesteigert.

Auch im Vergleich mit anderen deutschen Universitäten steht die Goethe-Universität hervorragend da: Nur die Universität Heidelberg hat eine dort gelistete Forscherpersönlichkeit mehr. Die Forschungsinstitution in Deutschland mit der größten Anzahl von meist-zitierten Forschern ist die Max-Planck-Gesellschaft mit 76 Nennungen. Insgesamt finden sich 356 Forscher aus deutschen Institutionen auf der Liste, die 6078 Forscher aus 22 verschiedenen Wissenschaftsfeldern umfasst.

Die top-publizierenden Forscher der Goethe-Universität sind der Atmosphärenforscher Joachim Curtius, der Biochemiker Ivan Dikic, die Biologin Stefanie Dimmeler, die Hydrologin Petra Döll, die Pharmakologin Jennifer Dressman, der Geograph Thomas Hickler, der Kardiologe Stefan Hohnloser, der Pharmazeut Stefan Knapp, die Krebsforscherin Sibylle Loibl, der Mediziner Christoph Sarrazin, der Hirnforscher Wolf Singer, der Physiker Ernst Stelzer und der Mediziner Stefan Zeuzem.

Das „Web of Science“ ist eine Plattform für die wissenschaftliche Literaturrecherche. Sie verzeichnet alle wissenschaftlich begutachteten Publikationen und ermittelt auch, wie häufig jede Publikation zitiert wird. Sie wird von der Firma Clarivate Analytics unterhalten.

Information: Prof. Dr. Joachim Curtius, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40258, curtius@iau.uni-frankfurt.de.

Liste der meist-zitierten Forscher: https://hcr.clarivate.com/

 

Nov 26 2018
11:58

Experten fordern bessere Wasserqualität

Wasserqualität in der Nidda belastet nicht nur Fische

FRANKFURT. Was können wir tun, um die Wasserqualität in deutschen Flüssen zu verbessern? Wie schaffen wir gute Lebensbedingungen für die dort lebenden Tiere und Pflanzen? Das hat ein interdisziplinäres Forscherteam unter Federführung der Goethe-Universität in den vergangenen drei Jahren im Verbundprojekt NiddaMan untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Projekt über drei Jahre mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Zu den wichtigsten Forderungen nach Projektabschluss gehört die Verbesserung von Kläranlagen.

Die Nidda in Hessen war für die Gewässerforscher ein ideales Untersuchungsobjekt. Neben naturnahen Bereichen im Oberlauf ist der Mittellauf in der Wetterau durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung gekennzeichnet. Am Unterlauf nahe der Metropole Frankfurt fließt der Fluss durch dicht besiedelte, urbane Gebiete. Stoffeinträge erfolgen zudem durch Einleitungen aus Kläranlagen und sonstigen Entwässerungssystemen.

„Insbesondere in den niederschlagsarmen Sommermonaten ist der Anteil an gereinigtem Abwasser im Einzugsgebiet der Nidda hoch. Auch deshalb werden, allen wasserbehördlichen Bemühungen zum Trotz, die Qualitätskriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht eingehalten“, so Prof. Jörg Oehlmann, Leiter von NiddaMan und der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Die Nidda ist dabei kein Einzelfall: Bei Projektstart im Jahr 2015 erreichten weniger als 10 Prozent der Gewässer in Deutschland den geforderten guten bis sehr guten ökologischen Zustand.

Neben stofflichen Einflüssen aus der Landwirtschaft wird die Nidda dauerhaft mit Spurenstoffen aus Kläranlagen belastet. Mancherorts sind sogar gesetzlich vorgeschriebene Umweltqualitätsnormen für einzelne Schadstoffe überschritten. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass bestehende Grenzwerte aquatische Lebensgemeinschaften nur unzureichend schützen“, erklärt Oehlmann. Bereits ab einem Anteil von circa 12 Prozent an konventionell gereinigtem Abwasser ändert sich die Zusammensetzung der Arten im Fließgewässer. Hinzu kommen die Einleitungen aus Mischwasserentlastungen, die dazu führen, dass bei starken Niederschlägen nicht gereinigtes Abwasser in die Gewässer gelangt. Deren Auswirkungen sind bisher noch wenig untersucht.

Obwohl Fische, im Gegensatz zu vielen Kleinstlebewesen wie Krebse und Schnecken, mobil sind und im Prinzip stark verunreinigte Gewässerabschnitte meiden können, leiden auch sie unter der schlechten Wasserqualität. Gewebeuntersuchungen der NiddaMan-Experten konnten krankhafte Veränderungen der Leber nachweisen, die zwar nicht direkt zum Tod der Fische führen, aber ihre Fitness und damit die Fortpflanzung beeinträchtigen. Das Fehlen gewässertypischer Fischarten, das bereits im Oberlauf der Nidda (Messstellen zwischen Eichelsdorf und Unterschmitten) zu beklagen ist, sehen die Forscher als Indiz dafür, dass es den Fischen an „Kraftreserven“ für die Fortpflanzung fehlt.

Um die Auswirkungen des hohen Anteils an gereinigtem Abwasser in den Flüssen des Nidda-Einzugsgebiets für die Organismen abzumildern, fordern die NiddaMan-Ingenieure Ertüchtigungsmaßnahmen von Kläranlagen, abhängig von gewässerspezifischen Indikatoren (z. B. Abwasseranteil, ökologische und ökotoxikologische Parameter). Dabei stehen nicht zwingend die großen Kläranlagen mit höheren Stofffrachten, sondern auch die kleinen Kläranlagen,die zwar geringere Frachten, aber hohe Stoffkonzentrationen im Gewässer verursachen, im Fokus der Betrachtung.

Der Eintrag von Feinsedimenten in die Fließgewässersysteme, wie im Nidda-Einzugsgebiet vor allem an der Horloff beobachtet, stellt ein weiteres Problem für die nachhaltige Bewirtschaftung von Flusslandschaften dar. Der Feinsedimenteintrag führt dazu, dass sich das Sohlenmaterial verfestigt (Kolmation) und verschlammt. Beides beeinträchtigt die Gewässersohle als Lebensraum, speziell für Arten, die in grobmaterialreichen Gewässern wie der Horloff vorkommen.

Das Forscherteam fand frühere Beobachtungen bestätigt, dass von Gewässerrenaturierungen, die bisher als der Königsweg zum guten ökologischen Zustand galten, oft nur im Uferbereich lebende Organismen und der Auenbewuchs profitieren, kaum jedoch die im Gewässer selbst lebenden Wasserpflanzen, Fische und vor allem Wirbellose. Als mögliche Ursachen sehen sie fehlende Schlüsselhabitate wie Totholz, oder eine zu große Entfernung von Quellpopulationen.

„Der Wille zur Veränderung ist da, doch häufig fehlt es bei den verantwortlichen Stellen wie Wasserbehörden und Kommunen an finanziellen und personellen Ressourcen, um Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität schnell und zielgerichtet umzusetzen“, fasst Oliver Schulz die Recherchen des Institut für sozialökologische Forschung (ISOE, Frankfurt) zusammen. Oftmals gibt es zudem Akzeptanzprobleme bei den Betroffenen, besonders dann, wenn Maßnahmen bestehende Nutzungsansprüche einschränken, zum Beispiel von Flächen am Gewässer. Offene Gespräche und die Beteiligung von Akteuren und der Bevölkerung haben während des Projekts vielerorts erst das Verständnis für Lösungen geschaffen, die alle gemeinsam tragen müssen. Auch nach Projektende ist die Arbeit hin zu einem besseren Zustand unserer Gewässer lange nicht beendet.

Über NiddaMan

Das Verbundprojekt „Entwicklung eines nachhaltigen Wasserressourcen-Managements am Beispiel des Einzugsgebiets der Nidda“ (NiddaMan) wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Teil der Fördermaßnahme „Regionales Wasserressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland“ im Rahmenprogramm “Forschung für Nachhaltige Entwicklung” (FONA) gefördert. Ein Abschlussbericht wird Ende Januar 2019 vorliegen.

Unter Federführung der Goethe-Universität (Frankfurt) war ein ein interdisziplinäres Team an NiddaMan beteiligt: Forschungsinstitut Senckenberg (Frankfurt), Eberhard-Karls Universität (Tübingen), Karlsruher Institut für Technologie, Technische Universität Darmstadt, Universität der Bundeswehr (München), Institut für sozial-ökologische Forschung (Frankfurt), Bundesanstalt für Gewässerkunde (Koblenz), Ingenieurbüros Brandt Gerdes Sitzmann Wasserwirtschaft GmbH (Darmstadt),  Ingenieurbüro Unger Ingenieure (Darmstadt), Hessisches Landesamt-s für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Wiesbaden), Regierungspräsidium Darmstadt und Wetteraukreis (Friedberg).

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75140818

Abb. 1: Der Erlenbach im Einzugsgebiet der Nidda. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Abb. 2: Auch nach Abschluss von NiddaMan können Bürgerinnen und Bürger weiterhin ihre Beobachtungen zur Tier- und Pflanzenwelt im Einzugsgebiet der Nidda in die Wissenskarte NiddaLand eintragen. Man kann sie als App auf sein Handy laden. https://niddaland.de/ Foto: Oliver Schulz, ISOE.

Abb. 3: Aktion NiddaLife am Hessischen Tag der Nachhaltigkeit: Information und Feldarbeit von und mit Schülern, Bürgern, Vereinen, Verbänden am Erlenbach. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Abb. 4: Das NiddaMan-Konstortium. Foto: Simone Ziebart, Goethe-Universität.

Informationen: Prof. Jörg Oehlmann, Abteilung für Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42142, oehlmann@bio.uni-frankfurt.dehttp://www.niddaman.de/

 

Nov 26 2018
11:17

Überraschende Entdeckung eines chimären Proteins, das Ionenpumpe und Ionenkanal vereint

Wie kommt Kalium in die Zelle?

FRANKFURT. Über Jahrzehnte wurde angenommen, dass Proteinkanäle und -pumpen vollkommen unterschiedliche Funktionen erfüllen und voneinander getrennt funktionieren. Forscherinnen der Goethe-Universität und der Universität Groningen haben nun den Transportweg eines Proteinkomplexes aufgeklärt, der beide Mechanismen vereinigt: Kalium wird dort zunächst vom Kanal aufgenommen und dann an die Pumpe übergeben, von wo aus es in die Zelle transportiert wird.

Ein ausgeglichener Kalium-Haushalt ist sowohl für den Menschen wie auch für Bakterien überlebenswichtig. Da Bakterien aber viel stärkeren Schwankungen der Umweltbedingungen ausgesetzt sind, stellt die kontrollierte Kaliumaufnahme für sie oft eine besondere Herausforderung dar. Da die Zellmembran für Kalium-Ionen undurchlässig ist, muss es über spezifische Membrantransportproteine gezielt aufgenommen werden.

Zum einen ermöglichen Kaliumkanäle das schnelle, aber passive Einströmen von Kalium-Ionen. Dieses endet, sobald sich ein elektrochemisches Gleichgewicht der Zelle und der Umgebung eingestellt hat. Um darüber hinaus höhere intrazelluläre Konzentrationen zu erlangen, wird Kalium durch Kaliumpumpen aktiv in die Zelle transportiert, wobei Energie in Form von ATP verbraucht wird.

Da beide Proteinfamilien – Kanäle und Pumpen – sehr unterschiedliche Funktionen übernehmen, wurden sie bisher als voneinander unabhängig beschrieben. Das stand jedoch im Widerspruch zu der Beobachtung, dass KdpFABC, ein hochaffines, aktives Kaliumaufnahmesystem von Bakterien, keine einfache Pumpe darstellt, sondern aus insgesamt vier unterschiedlichen Proteinen aufgebaut ist. Eines davon leitet sich von einer typischen Pumpe ab, während ein weiteres einem Kaliumkanal ähnelt.

Inga Hänelt, Juniorprofessorin für Biochemie an der Goethe-Universität, und ihre Kollegin Cristina Paulino von der Rijksuniversiteit Groningen, Niederlande, nahmen das Membranprotein KdpFABC deshalb genauer unter die Lupe bzw. das Kryo-Elektronenmikroskop. Das Ergebnis überraschte sie: „Alle früheren Hypothesen waren falsch“, erklärt Inga Hänelt. „Obwohl wir alle Daten vorliegen hatten, hat es eine Weile gedauert, bis wir verstanden haben, welchen Weg das Kalium tatsächlich durch den Komplex in die Zelle hineinnimmt.“

Zunächst bindet ein Kanal-ähnliches Protein das Kalium und reicht es dann durch den ersten Tunnel an die Pumpe weiter. Dort angekommen wird der erste, auswärtsgerichtete Tunnel verschlossen, während sich ein zweiter, einwärtsgerichteter Tunnel öffnet. Dieser erstreckt sich ebenfalls zwischen beiden Proteinen und endet schließlich im Inneren der Zelle. „Der Komplex vereint quasi die besten Eigenschaften beider Proteinfamilien“, erklärt Charlott Stock, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Inga Hänelt. „Das Kanal-ähnliche Protein bindet Kalium zunächst sehr spezifisch und mit hoher Affinität, während die Pumpe den aktiven Transport ermöglicht, wodurch das Kalium in der Zelle bis zu 10.000-fach angereichert werden kann.“

Die kürzlich in Nature Communications publizierten Daten verdeutlichten den Wissenschaftlerinnen eindrucksvoll, wie vielfältig Transporte über Membranen sein können. „Wir haben daraus gelernt, uns bei der Erforschung verschiedener Membrantransportproteine nicht auf scheinbar unumstößliche Mechanismen festzulegen, sondern offen für Überraschungen zu sein“, fasst Inga Hänelt zusammen.

Publikation: Charlott Stock, Lisa Hielkema, Igor Tascon, Dorith Wunnicke, Gert T. Oostergetel,  Mikel Azkargorta, Cristina Paulino, Inga Hänelt, Cryo-EM structures of KdpFABC suggest a K+ transport mechanism via two inter-subunit half-channels, in: Nature Communications, 10.1038/s41467-018-07319-2

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/75137139

Bildtext: Auswärts und einwärts geöffnete Strukturen von KdpFABC in der Zellmembran. Bildrechte: Arbeitsgruppe Inga Hänelt

Information: Juniorprofessorin Dr. Inga Hänelt, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29262, haenelt@biochem.uni-frankfurt.de.

 

Nov 23 2018
14:59

Preisträger Alexander Vogel forscht für bessere Luftqualität

Den Quellen des Feinstaubs auf der Spur

FRANKFURT. Feinstaub gehört zu den Umweltbelastungen, deren Quellen bis heute nicht alle bekannt sind. Denn das sehr komplexe Gemisch entsteht in der Atmosphäre aus verschiedensten gasförmigen Vorläufermolekülen. Diesen auf die Spur zu kommen und damit zur Verbesserung der Luftqualität beizutragen, ist das Ziel von Alexander Vogel, Professor für Atmosphärische Umweltanalytik an der Goethe-Universität. Für sein Forschungsprojekt erhält er am 26. November in einer Feierstunde den Adolf-Messer-Stiftungspreis. Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums ist der Preis in diesem Jahr mit 50.000 Euro dotiert.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Glückwunsch für Alexander Vogel! Er forscht zu einem global wichtigen Thema, das uns alle betrifft, vor allem in den Metropolen: Feinstaub. Seine Forschung kann einen Beitrag leisten, dieses bedrohliche Phänomen besser zu verstehen und das Leben in den Städten dieser Welt gesünder zu machen. Wir danken der Stiftung für ihr unermüdliches Engagement für Nachwuchsforschende an der Goethe-Universität. Und wir begrüßen es, dass sich die Stiftung mit ihrer unlängst veröffentlichten Klarstellung zur Rolle ihres Namensgebers Adolf Messer zu ihrer historischen Verantwortung bekennt.“

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Ich gratuliere Prof. Alexander Vogel herzlich zu seinem Erfolg. Seine Forschung ist hochrelevant – mit dem Feinstaub widmet er sich einem Phänomen, das unsere Gesundheit bedroht und das wir verstehen sowie bekämpfen lernen müssen. Solche herausragende Wissenschaft, wie sie Prof. Vogel und viele seiner Kolleginnen und Kollegen betreiben, braucht hervorragende Bedingungen. Die Hessische Landesregierung hat deshalb gemeinsam mit den Hessischen Hochschulen den Hochschulpakt für die Jahre 2016 bis 2020 unterzeichnet und damit finanzielle Planungssicherheit für die Hochschulen bis ins Jahr 2020 geschaffen. Der Hochschulpakt ist ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Hessen und garantiert den Hochschulen des Landes Hessen über seine Laufzeit von fünf Jahren eine finanzielle Ausstattung von neun Milliarden Euro. Das ist die größte Summe, über die die Hochschulen in Hessen jemals verfügen konnten.“

Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Stefan Messer, betonte: „Aufgabe einer jeden Stiftung sollte es sein, Projekte und Ideen zu unterstützen, die im Rahmen staatlicher Grundversorgung nicht oder nicht ausreichend bedacht werden. Diese Idee verfolgt auch unsere gemeinnützige Stiftung, indem sie Wissenschaftler fördert und würdigt, die durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir freuen uns, dass auf diesem Wege, 2018, zum 25. Mal Innovationskraft, wissenschaftliche Neugier und Pioniergeist honoriert werden.“

Zum Projekt des Preisträgers:

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben jährlich rund 6,5 Millionen Menschen vorzeitig durch Luftverschmutzung, wovon ein Großteil der Feinstaubbelastung zuzuordnen ist. Entgegen der landläufigen Meinung stammen die meisten Feinstaubpartikel in der Atmosphäre nicht direkt aus dem Autoauspuff oder dem Schornstein von Kohlekraftwerken, sondern entstehen erst in der Atmosphäre aus gasförmigen Vorläufermolekülen. Dieser sekundäre Feinstaub besteht aus kleinsten Partikeln mit einem mittleren Durchmesser im Nanometerbereich. Diese können tief in die Lunge eindringen und über die Lungenbläschen sogar ins Blut gelangen. Ein Beispiel für die Entstehung sekundären Feinstaubs ist die Oxidation von Stickoxiden aus Dieselmotoren: Die entstehenden Salpetersäuremoleküle lagern sich in der Atmosphäre mit Ammoniak zu Ammoniumnitrat zusammen.

Die anorganischen Ausgangs-Moleküle und ihre Entwicklung zu sekundärem Feinstaub sind inzwischen gut erforscht: Stickoxide aus Verkehr und Industrie, Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken sowie Ammoniak aus der Landwirtschaft. Aber daneben gibt es eine Vielzahl organischer Moleküle, die teilweise auch in der Natur vorkommen, wie die von Fichtenwäldern freigesetzten Terpene. Organische Vorläufermoleküle, welche vom Menschen freigesetzt werden, sind in Bezug auf die Bildung von sekundärem Feinstaub ein hochaktuelles Forschungsthema. Diese Vorläufermoleküle, sowie ihre Wechselwirkungen mit anorganischen Spurenstoffen, sind bisher nur ansatzweise bekannt. Die Produkte dieser chemischen Umwandlung eindeutig zu identifizieren wird dadurch erschwert, dass die Moleküle sich zwar in der Struktur unterscheiden, aber oftmals die gleiche Masse haben.

In seiner Zeit als Post-Doktorand am Paul-Scherrer-Institut in der Schweiz hat Alexander Vogel eine Methode entwickelt, molekulare Fingerabdrücke von atmosphärischen Feinstaubproben zu erstellen. Aus ihrer Analyse kann er auf die sekundären Bildungsmechanismen zurückschließen. Der molekulare Fingerabdruck von Feinstaubproben aus Los Angeles weist beispielsweise einen hohen Anteil an stickstoffhaltigen organischen Molekülen auf. „Es lässt sich vermuten, dass eine Reduktion von Stickoxid-Emissionen auch zu einer Minderung der Feinstaubbelastung im städtischen Raum beiträgt“, erklärt Vogel.

Um jedoch die Bildungsmechanismen der einzelnen Substanzen aufzuklären, bedarf es weiterer Analysen atmosphärischer Proben und gezielter Laborversuche, mit denen die Entstehung von Feinstaub nachgestellt wird. Durch den Vergleich von Feldmessungen mit dem Experiment kann Alexander Vogel bereits einen Teil der Signale in den Realproben bestimmten Prozessen und Vorläufermolekülen zuordnen. Von den verbleibenden Unbekannten lässt sich zumindest die Summenformel bestimmten, so dass in weiteren Laborversuchen nach der Herkunft dieser Verbindungen geforscht werden kann.

Seine am Paul-Scherrer-Institut entwickelte experimentelle Methode wird Alexander Vogel nun auch an der Goethe-Universität etablieren. Dazu benötigt er unter anderem ein Gerät für die Hochleistungsflüssigchromatographie, das dank der Förderung durch die Adolf Messer Stiftung angeschafft werden kann. Bei den Studierenden des Masterstudiengangs Umweltwissenschaften stößt sein Forschungsansatz auf großes Interesse. Die Messungen werden voraussichtlich Anfang 2019 beginnen. Bereits jetzt bewerben sich Interessenten für Master- und Doktorarbeiten.

Die hohe Relevanz des Themas wird in diesem Jahr durch ein zur Preisvergabe begleitendes Symposium unterstrichen. Unter dem Titel „Understanding particulate matter: A grand challenge of the 21st century?“ geht es unter anderem um Feinstaubmessungen am Frankfurter Flughafen, den Smog in chinesischen Großstädten und die gesundheitlichen Effekte durch Feinstaub.

Alexander Vogel, Jahrgang 1984, studierte Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach seiner Promotion (2014) führten ihn Forschungsaufenthalte zum CLOUD-Experiment am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf und an das Paul-Scherrer-Institut in Villigen, Schweiz. Seit Januar 2018 ist er als Tenure track-Professor für Atmosphärische Umweltanalytik an der Goethe-Universität tätig.

Information: Prof. Dr. Alexander Vogel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40225, vogel@iau.uni-frankfurt.de.