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Veranstaltungen

Mai 19 2016
15:30

Internationale Konferenz zur politischen, kulturellen und religiösen Bedeutung von Monstern in der europäisch-jüdischen Geschichte

Von Monstern, Dämonen und Wunderwesen

FRANKFURT. Über Monster, Dämonen und Wunderwesen in der europäisch-jüdischen Geschichte diskutieren vom 22. bis 24. Mai 20 Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Großbritannien, Israel und den USA an der Goethe-Universität. Initiiert wurde die internationale Konferenz von der israelischen Historikerin Dr. Iris Idelson-Shein, die seit 2013 als Humboldt-Fellow an der Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie der Frankfurter Universität wirkt. Zu den Referenten zählt auch der Historiker David B. Ruderman (University of Pennsylvania), der derzeit auf Einladung der Buber-Professur und des Instituts für Judaistik als Träger eines Humboldt-Preises in Frankfurt weilt.

Die internationale Konferenz zum Thema „Monsters, Demons and Wonders in European-Jewish History” bringt erstmals Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Sie werden Perspektiven diskutieren, die Monster, Dämonen und Wunderwesen für die Deutung jüdischer Geschichte eröffnen. Die europäischen Juden, die selbst im Verlauf ihrer Geschichte lange Zeit als Monster betrachtet worden waren, beschworen in ihren religiösen Texten, ihrer Kunst und in ihren volkstümlichen Erzählungen magische, furchterregende und hybride Wesen herauf. Diese Darstellungen spiegeln einige einzigartige jüdische Reaktionen auf die radikalen Umbrüche wider, die sich – zwischen Mittelalter und Moderne – in der europäischen Gesellschaft im Allgemeinen und in der jüdischen Gemeinschaft im Besonderen ereigneten. Indem sie sich immer wieder das Monster, den Dämon oder das Wundersame ausmalten, brachten jüdische Autoren und Künstler einige der stärksten Ängste und Fantasien zum Ausdruck, die sich um solche Themen wie jüdisch-christliche Beziehungen, Stellung und Wesen von Religion, Verständnis des Körpers und der Sexualität, Vorstellungen von Identität und Differenz, Familie und Geschlechterverhältnissen rankten.

Während der dreitägigen Konferenz gilt es, die Geschichte und die Eigenheiten dieser Bilder und Vorstellungen zu enträtseln, aber auch deren politische, kulturelle und religiöse Bedeutung zu bestimmen. Die Geschichte des jüdischen Monsters wird aus vergleichender Perspektive analysiert und – mit dem methodischen Instrumentarium der Geschlechterforschung, der postkolonialen Theorie und der vergleichenden Literaturwissenschaften – vor dem Hintergrund ihrer nichtjüdischen Pendants gedeutet. Im Laufe der Konferenz sollen u.a. folgende Fragestellungen erörtert werden: Wie sind Monster zu definieren? Wie verhalten sich Monster zu anderen subversiven Wesen wie Dämonen, Wunderwesen, Fremdlingen oder Hexen? Welchen historiografischen Nutzen verspricht die Erforschung von Monstern? Was bedeutet die Betrachtung einer Kultur im Spiegel für unsere Vorstellungen von Periodisierung, geografischem Raum, historischen Fakten, Bedeutung in der Geschichte, Kontinuität und Wandel?

Die internationale Konferenz, die von der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie in Kooperation mit dem Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“ durchgeführt wird, versteht sich als innovativer Beitrag zum Profil der Jüdischen Studien an der Goethe-Universität, bei dem neue interdisziplinäre Methoden der Kulturwissenschaft auf internationalem Niveau einbezogen werden. Die Tagung soll auch sichtbar machen, welche neuen Impulse die israelische Historikerin Dr. Iris Idelson-Shein diesem Forschungsfeld gibt. Sie hat sich intensiv während ihrer Zeit als Humboldt-Stipendiatin an der Goethe-Universität mit Aspekten der „Monster studies“ auseinandergesetzt.

„Monster studies“ sind ein relativ neues, aber blühendes Forschungsfeld. Es beschäftigt sich mit dem vielgestaltigen transhistorischen Phänomen der Darstellungen des Monströsen und Dämonischen, dem man in zahlreichen Genres begegnet: in Romanen und Flugschriften, in volkstümlichen Erzählungen und Archivdokumenten, in naturwissenschaftlichen Büchern und theologischen Werken. Das sind Texten, in denen etwas zur Sprache kommt, was gängigen Vorstellungen von Säkularisierung, Modernisierung oder des Rationalen in der Moderne zuwider läuft, in denen eine andere Geschichte erzählt: nicht die von sich kontinuierlich entfaltenden Narrativen, sondern jene von sich wandelnden Ängsten, von Urängsten ebenso wie von konkreten Ängsten, von alter und neuer Furcht. Angeregt durch neuere Entwicklungen in den Kulturwissenschaften Forschung zu Behinderungen, aber auch in der Geschlechterforschung und in den „Postcolonial Studies“, haben Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich der Geschichtswissenschaft, Anthropologie, Folklore, Literaturwissenschaft und der Filmwissenschaften begonnen, ihre Aufmerksamkeit dem Bild und der Bedeutung von Monstern in unterschiedlichen Kulturen und Epochen zu widmen. Ihre Studien thematisieren die Geschichte von Monstern von der Antike bis in die Moderne, von Afrika bis Island, von Japan bis zur Welt des Islam. Sie befassen sich mit Zombies und Vampiren, kopflosen Völkern und monströsen Geburten und werfen ein Licht auf überaus finstere Kreaturen, welche die Grenzbereiche der Geschichte bevölkern.

Wenig Aufmerksamkeit ist bisher hingegen der kulturellen Bedeutung von Monstern im Bereich der jüdischen Geschichte mzuteil geworden. Vereinzelte Arbeiten beschäftigen sich mit der Thematik von Monstern in der biblischen und rabbinischen Literatur, vor allem aber im frühneuzeitlichen jüdischen Denken – etwa im Zusammenhang der Teratologie (Lehre von körperlichen Missbildungen) und der Anthropologie, Naturwissenschaft und Religion, Magie und Philosophie. Neuere Studien zeigen, auf welche Weise Naturwissenschaft, Horrorvorstellungen, Magie und religiöses Denken in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen jüdischen Texten wie Kunstwerken miteinander verschränkt sind.

Die Konferenz findet statt:

von Sonntag (22. Mai) bis zum Dienstag (24. Mai)
auf dem Campus Westend (Casino 1.801)

Die Tagung ist ohne Anmeldung frei zugänglich.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-33331 oder 798-33342 ; E-Mail: c.wiese@em.uni-frankfurt.de,

Programm: www.uni-frankfurt.de/61176169/buber_monster-program.pdf.

Veranstaltungen

Mai 19 2016
11:08

Die Filmemacherin Margarethe von Trotta steht am 23. Mai 2016 im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität

Starke Frau im neuen deutschen Film

FRANKFURT. Angefangen hat Margarethe von Trotta vor der Kamera; heute steht sie dahinter. Die Filmemacherin ist eine der ersten Frauen, die sich in den 1970er Jahren im neuen deutschen Film als Regisseurin durchsetzen konnte. Als politisch Interessierte und Beteiligte an feministischen Initiativen spiegelt sich von Trottas Biografie in ihrer Filmografie wieder. In ihren Filmen stehen immer wieder starke Frauen im Mittelpunkt, wie Hannah Ahrendt, Rosa Luxemburg oder Hildegard von Bingen.

Ein weiteres großes Thema ihrer Werke ist die Schwesternbeziehung – was für die Filmemacherin in einem Fall auch einen biografischen Glücksfall auslöste: Nach dem Kinostart von „Schwestern oder die Balance des Glücks“ meldete sich von Trottas 15 Jahre ältere Schwester bei ihr, von der sie bis dato nichts wusste. Als erste Frau erhielt sie 1981 bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen für ihren Film „Die bleierne Zeit“.

Der Vortrag von Marthe Lisson beleuchtet das Leben und filmische Werk der Margarethe von Trotta. Lisson ist Musikwissenschaftlerin und freie Autorin.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Wie wir wurden, wer wir sind“, die von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert wird. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

„Jetzt bin ich irgendwie befreit“ – Margarethe von Trotta
Referentin: Marthe Lisson
Zeit: Montag, 23. Mai 2016, 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 19 2016
11:05

Zu den Kooperationspartnern gehört auch das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) der Goethe-Universität

Medieneinladung / Ausstellungseröffnung im Palmengarten „Lebensraum Savanne“

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Kulturlandschaft, Speisekammer, Apotheke und Wiege der Menschheit: Die Savanne ist mehr als eine weite Grasdecke mit lichten Akazien, auf der Antilopen, Zebras und Elefanten weiden. Wie vielfältig der Lebensraum Savanne ist und welche Bedeutung er für Pflanzen, Tiere und Menschen hat, erfahren Sie in der neuen Jahresausstellung im Palmengarten:

Am 25. Mai (Mittwoch) um 11 Uhr eröffnet Palmengarten-Direktor Dr. Matthias Jenny die Ausstellung „Lebensraum Savanne“ in der Galerie am Palmenhaus gemeinsam mit dem Team und den Kooperationspartnern vom Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung der Goethe-Universität (ZIAF) und von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die Ausstellung wird bis zum 18. September zu sehen sein.

Alle Beteiligten sind am Eröffnungstag anwesend und beantworten Ihre Fragen auch gerne persönlich.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Rothe

Veranstaltungen

Mai 18 2016
18:15

Goethe-Universität und Wissenschaftsgarten laden alle: Buntes Programm rund um die Naturwissenschaften.

Frühlingsfest auf dem Campus Riedberg

FRANKFURT. Am Sonntag, 22. Mai, findet von 11.00 bis 17.00 Uhr am Campus Riedberg das Frühlingsfest 2016 statt. Die Goethe-Universität und ihr Wissenschaftsgarten laden alle Interessierten herzlich ein. Es wird wieder ein buntes Programm rund um die (Natur-)Wissenschaften für Jung und Alt geboten: Neben Führungen sowie Infoständen von auf dem Campus Riedberg ansässigen Institute wird der neue Gartenbereich „Schule im Wissenschaftsgarten“ eingeweiht. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, die musikalische Untermalung bestreitet das Collegium Musicum der Goethe-Universität.

Programm:

11.00 Uhr: Beginn mit Musik. Streichquartett, Collegium Musicum

11.15 Uhr: Begrüßung, Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität

11.20 Uhr: Einführung, Prof. Dr. Georg Zizka, Wiss. Leiter d. Wissenschaftsgartens

11.30 Uhr: Musikalisches Intermezzo, Streichquartett, Collegium Musicum

12.00 Uhr: Der neue Gartenbereich „Schule im Wissenschaftsgarten“. Führung

13.00 Uhr: Der Arzneipflanzengarten im Wissenschaftsgarten. Führung

13.00 Uhr: „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“, Lesung für Jung und Alt am Bücherturm

13.45 Uhr: Afrikanische Pflanzen und Gewächshaus. Führung

14.30 Uhr: Wald der Zukunft – Eichenwäldchen und Lysimeter. Führung

15.00 Uhr: „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“

15.15 Uhr: Der Arzneipflanzengarten im Wissenschaftsgarten. Führung

(Treffpunkt der Führungen ist jeweils am Eingangsbereich des Wissenschaftsgartens.)

Infostände:

11:00-16:30 Uhr: Zentraler Infostand, Infos zum Fest & zu weiteren Veranstaltungen der Goethe-Universität; gemeinsam mit Riedberg TV und Campusshop

11.00-16.00 Uhr: Der Arzneipflanzengarten im Wissenschaftsgarten; Pilzvielfalt im Wissenschaftsgarten und drum herum; Aktuelle Forschung mit Mesokosmen.

12.00-15.00 Uhr: Umweltarchiv Boden – Wissenschaftsgarten von „unten“ betrachtet; Die geplante begehbare geol. Karte; Der Eichenwald im Klimawandel.

13.00-15.00 Uhr: Spezialisten beantworten gärtnerische Fragen

Musik (im Gartenbereich):

12.20, 13.30 Uhr: Auftritt Chor

13.00, 14.00 Uhr: Auftritt Orchester

15.00, 16.00 Uhr: Auftritt Horn-Terzett

Auch für die ehemaligen Studierenden der Goethe-Universität gibt es ein besonderes Highlight: Sie können die exklusive Alumni-Lounge auf dem Frühlingsfest besuchen (mehr Infos unter: www.alumni.uni-frankfurt.de).

Forschung

Mai 18 2016
12:30

Gemeinsames Lehrangebot in der Afrikanistik – Das Frankfurter Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung bündelt die Aktivitäten

Rhein-Main-Universitäten kooperieren in Lehre und Forschung zu Afrika

Mainz/Frankfurt a.M./Darmstadt, 18. Mai 2016. Die im Dezember vereinbarte strategische Allianz der Rhein-Main-Universitäten zeigt ihre ersten konkreten Ergebnisse. Am 20. Mai unterzeichnen die Universitäten Frankfurt und Mainz eine Vereinbarung zur Afrikanistik: Mit einem gemeinsamen attraktiven Lehrangebot kann ein Studiengang, bei dem afrikanische Sprachen im Mittelpunkt stehen, an beiden Orten ausgebaut werden. Gleichzeitig treffen sich am Freitag über 80 Wissenschaftler der drei Universitäten in Frankfurt, Mainz und Darmstadt auf dem Campus Westend, zusammen mit außeruniversitären Institutionen der Region, um unter dem Dach des Frankfurter Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) ihre zukünftigen Forschungsaktivitäten zu bündeln und über zukünftige gemeinsame Afrikaforschungen und ein interdisziplinäres Studienangebot „Afrikastudien“ zu beraten. Virtuell sind die ersten Aktivitäten bereits zusammengefasst – Ende April wurde eine gemeinsame Homepage freigeschaltet: http://afrikaforschung-rheinmain.de.

„Die Vereinbarung zur Afrikanistik in Lehre, Studium und Forschung steht beispielhaft für das Potenzial, das die Rhein-Main-Universitäten in der Kooperation entfalten können“, erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch. „So werden die Studierenden dieses gemeinsamen Studiengangs künftig von dem umfassenden und vielfältigen Lehrangebot an der Goethe-Universität und der Johannes Gutenberg-Universität profitieren, das sie angesichts der räumlichen Nähe der Universitätscampi und der neuen digitalen Lehrangebote auch über die Ländergrenzen hinweg leicht wahrnehmen können.“

Afrikanistik als alleiniges Studienfach wird selten gewählt, aber viele der angehenden Ethnologen studieren afrikanische Sprachen im Nebenfach. Dazu die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Im Verbund können wir das Angebot in diesem kleinen, aber wichtigen Fach aufrechterhalten und vielleicht sogar erweitern – nicht nur sprachwissenschaftlich, sondern auch kulturwissenschaftlich.“ Zwei Professuren, die beide neu zu besetzen sind, steuern Mainz und Frankfurt bei. Während an der Goethe-Universität die Integration in das breite Feld der empirischen Sprachwissenschaften eine wichtige Rolle spielen soll, wird die Johannes Gutenberg-Universität den Schwerpunkt in der Soziolinguistik legen, in der es um die soziale Funktion der Sprache in der Gesellschaft geht. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es mehr als 1.500 verschiedene Sprachen. In Frankfurt wie in Mainz werden überwiegend Sprachen aus dem westlichen und östlichen Afrika gelehrt, wie Bambara, Hausa, Fulfulde und Swahili; darüber hinaus wird aber auch zu vielen anderen afrikanischen Sprachen geforscht.

Auswirkungen des Artenrückgangs, Einfluss von Landnutzung und Klimawandel auf die Savannenvegetation, Strukturwandel und nachhaltige Versorgung afrikanischer Städte, Selbsthilfe gegen Armut, die NOK-Kultur in Nigeria, Märkte und Tauschsysteme, die Welt der Kxoè-Buschleute – das sind nur einige der Forschungsthemen, zu denen gegenwärtig am ZIAF geforscht wird. „Diese wenigen Beispiele lassen schon erkennen, wie interdisziplinär das Zentrum aufgestellt ist. Zu unserem Frankfurter Team von rund 80 Wissenschaftlern gehören Ethnologen, Archäologen, Botaniker, Geowissenschaftler, Anglisten, Politologen, Wirtschaftswissenschaftler, Humangeographen, aber auch einzelne Paläoanthropologen und Romanisten“, erläutert Dr. Stefan Schmid, seit 2003 Geschäftsführer des ZIAF. „Und diese breite Basis können wir nun noch ausbauen, wenn auch die Darmstädter und Mainzer Afrika-Spezialisten mitwirken.“

Auf dem Workshop am Freitag (20. Mai) diskutieren die Afrika-Spezialisten der drei Universitäten, welche Forschungsthemen sich eignen, um gemeinsame Anträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, beim Bundesforschungsministerium oder anderen Drittmittelgebern zu stellen – das Zauberwort heißt „Verbundforschung“. „Als Dach für den regionalen Forschungsverbund haben unsere Mainzer Kollegen das ZIAF vorgeschlagen, weil hier bereits die Organisationsstrukturen vorhanden sind. Dass sie uns angesprochen haben, hat uns besonders gefreut“, so Schmid.

Die Frankfurter und Mainzer forschen im westlichen, östlichen und südlichen Afrika. In einigen Ländern sind beide Universitäten aktiv, wie in Äthiopien, Benin, Kamerun, Nigeria, Tansania oder Südafrika. Frankfurt hat darüber hinaus noch langjährige Aktivitäten und Partnerstrukturen in Burkina Faso, Mali, Malawi und der Zentralafrikanischen Republik, Mainz hingegen in Gabun, Ghana, Niger, Rwanda und Tschad. In Mainz ist die Afrikaforschung wesentlich stärker konzentriert – und zwar am Institut für Ethnologie und Afrikastudien mit fünf Professuren. „Mit über 30 Mitarbeitern ist das Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Gutenberg-Universität eines der größten universitären Afrikazentren im sozial- und kulturwissenschaftlichen Bereich in Deutschland“, erläutert Prof. Dr. Thomas Bierschenk, Dekan des Mainzer Fachbereichs für Geschichts- und Kulturwissenschaften, und selber ein renommierter Afrikawissenschaftler. „Darüber hinaus gibt es an der Mainzer Universität Afrika-Aktivitäten in verschiedenen Fächern: vor allem in der Anglistik, der physischen Anthropologie, der Archäologie, der Botanik, der Geographie und der Romanistik.“

„Wir forschen an der TU Darmstadt an vielen Themen, die interessante Bezüge zu Afrika aufweisen und hohe Relevanz für aktuelle Entwicklungsprobleme dieses vielfältigen Kontinents haben – in den Ingenieurwissenschaften und darüber hinaus“, sagt Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt. „Wir bringen diese Forschungsexpertise gerne in fächerübergreifende Kooperationen mit den Universitäten Frankfurt und Mainz mit dem Fokus Afrika ein.“ Prömel verwies auf das an der TU Darmstadt verankerte Promotionskolleg „Strukturwandel und nachhaltige Versorgung afrikanischer Städte“, in dem Wissenschaftler der TU Darmstadt und der Goethe-Universität bereits gemeinsam die Ursachen und Auswirkungen des rasanten Wandels von Megastädten erforschen.

Auf der neuen gemeinsamen Homepage finden sich neben Informationen zu Studiengängen und Forschungsprojekten auch Zugänge zu den besonderen Schmuckstücken der Afrikaforschung in den Sammlungen: An der Johannes Gutenberg-Universität sind dies das Archiv für Musik Afrikas, die Jahn-Bibliothek für Afrikanische Literaturen und die Ethnografische Studiensammlung, an der Goethe-Universität die Archive des Frobenius-Instituts, der Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft in der Universitätsbibliothek sowie bei Senckenberg das Humanethologisches Filmarchiv und das Westafrika-Herbar.

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/61433814

Informationen: Dr. Stefan Schmid, Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF), Goethe-Universität, Tel. (069) 798 32097 oder 798 25402, E-Mail: s.schmid@em.uni-frankfurt.de, www.ziaf.de

Birthe Pater, Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Johannes Gutenberg-Universität, 55099 Mainz, Tel. 06131-3920904, E-Mail pater@uni-mainz.de, www.ifeas.uni-mainz.de/1616.php

ACHTUNG FOTOTERMIN: Am Freitag (20. Mai) um 10.15 Uhr unterzeichnen die Präsidien der zwei Universitäten Mainz und Frankfurt die Vereinbarung über eine Zusammenarbeit im Fach Afrikanistik und bei interdisziplinären Afrikastudien, Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, 1. Stock, Renate-von-Metzler-Saal.

Forschung

Mai 18 2016
12:06

Goethe-Universität und Fraport ermöglichen Umweltbildungsprojekte für Schulklassen und angehende Lehrer

Close To Science - Schule im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT.Die Goethe-Universität hat einen neuen Biotopgarten, in dem Schulklassen aus dem Großraum Frankfurt ökologisches Wissen lebensnah erfahren können. Dadurch soll auch ihre Motivation zum nachhaltigen Handeln gefördert werden. Gleichzeitig dient der Biotopgarten der praxisorientierten Lehrerausbildung. Studierende können hier Umweltbildungskonzepte mit Schulklassen in der Praxis erproben sowie Lehrerfahrungen an außerschulischen Lernorten sammeln. Entworfen und realisiert wurde der Biotopgarten im Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg von der Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften mithilfe einer Förderung durch die Fraport AG.

Ökologisches Wissen in lebensnahen Kontexten erleben und die Motivation zum nachhaltigen Handeln fördern sind wichtige Zielsetzungen im schulischen Kontext. Durch die Nähe zum biologischen Objekt lassen sich diese Ziele an außerschulischen Lernorten oftmals leichter als im Klassenraum erreichen. Lernsituationen außerhalb der Schule haben jedoch besondere Herausforderungen, die in die Ausbildung von Lehramtsstudierenden integriert werden sollten. Die Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften bietet daher verstärkt praxisorientierte Lehrveranstaltungen an, in denen Studierende Umweltbildungskonzepte mit Schulklassen in der Praxis erproben und Lehrerfahrungen an außerschulischen Lernorten sammeln und reflektieren können.

„Dieser Brückenschlag zwischen fachdidaktischen Theorien und Praxiserfahrungen im Unterrichtshandeln ist ein wesentlicher Faktor beim Aufbau ökologischen Handlungswissens, das in den späteren Schulalltag Eingang finden sollte“, erklärt Prof. Paul Dierkes, Leiter des Schülerlabors Goethe BioLab und Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Universität. „Die Konzeption und Durchführung dieser innovativen Lehr- und Lernformate sind jedoch mit einem größeren Personalaufwand, geeigneten außerschulischen Lernumgebungen und zeitlichem Engagement verbunden. Viele unserer Umweltbildungsprojekte können somit erst durch die Förderung außeruniversitärer Partner realisiert werden“, so Dierkes weiter.

Mit der Gründung des Umweltfonds im Jahr 1997 hat die Fraport AG den freiwilligen Natur- und Umweltschutz außerhalb des Flughafen-Geländes in ihrem vielschichtigen Förderprogramm verankert. Neben umweltpädagogischen Projekten werden über dieses Förderinstrument insbesondere der Erhalt und die Weiterentwicklung der Biodiversität in der Rhein-Main-Region sowie Projekte zu Klimaschutz und Klimawandel unterstützt. Seit 1997 wurden über 900 Einzelmaßnahmen mit einer Gesamtsumme von knapp 36 Millionen Euro gefördert. Im Rahmen einer langjährigen Kooperation hat die Fraport AG Umweltbildungsvorhaben der Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften mit insgesamt 165.000 Euro unterstützt.

Im Rahmen des Anfang 2016 abgeschlossenen Projekts „Ökologisches Handeln lernen“ entstand über drei Jahre ein innovatives, praxisorientiertes Lehrformat, bei dem Studierende Umweltbildungskonzepte erarbeiteten und mit Schulklassen erprobten. Die Konzepte wurden in Form einer Bildungsmappe zusammengestellt und sind  kostenfrei für Lehrkräfte erhältlich. Projektverantwortliche Tina Braun: „Ich habe in keinem anderen Seminar so viele prägende und bereichernde Lehr- und Lernerfahrungen gemacht.“ Seit 1. Mai ist die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schuldienst. Dank ihrer Erfahrung fühlt sie sich sicher vor der Klasse. Für ihre Arbeit erhielt sie am 18. Mai von Dr. Thomas Hartmanshenn, Abteilungsleiter Umweltvorsorge und Leiter der Projektgruppe GrünGürtel der Stadt Frankfurt, die Anerkennung „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“.

Das neue Projekt „Close to Science – Schule im Wissenschaftsgarten“ bietet besondere Lernmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehramtsstudierende. Die Nähe zur Forschung im Wissenschaftsgarten, die vielseitige Gestaltung als Biotopgarten sowie eigene Flächen für naturnahes Arbeiten kommen in den nächsten Jahren Schulklassen im Großraum Frankfurt zugute.

„Die Fraport AG ist sich ihrer besonderen Verantwortung für die Natur in der Region Rhein-Main bewusst. Ein Hauptaugenmerk unseres Engagements für den Umweltschutz liegt seit jeher auf der Förderung umweltpädagogischer Maßnahmen“, betont Michael Müller, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Fraport AG. „Kommende Generationen gilt es für die Zusammenhänge, Abläufe und Bedürfnisse der Natur zu sensibilisieren. Dieser Biotopgarten und die Umweltbildungsprojekte der Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften tragen nachhaltig dazu bei, dieses Ziel zu verfolgen.“

Informationen: Prof. Paul Dierkes, Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42273, dierkes@bio.uni-frankfurt.de / www.goethe-biolab.de

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/61453470

Veranstaltungen

Mai 13 2016
09:57

Goethe-Universität und Fraport ermöglichen Umweltbildungsprojekte für Schulklassen und angehende Lehrer

Medieneinladung / Close To Science - Schule im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT.Die Goethe-Universität hat einen neuen Biotopgarten, in dem Schulklassen aus dem Großraum Frankfurt ökologisches Wissen lebensnah erfahren können. Dadurch soll auch ihre Motivation zum nachhaltigen Handeln gefördert werden. Gleichzeitig dient der Biotopgarten der praxisorientierten Lehrerausbildung. Studierende können hier Umweltbildungskonzepte mit Schulklassen in der Praxis erproben sowie Lehrerfahrungen an außerschulischen Lernorten sammeln. Ermöglicht wurde der Schulgarten dank der Förderung durch die Fraport AG.

Entworfen und realisiert wurde der Biotopgarten im Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg von der Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften, die seit mehreren Jahren Konzepte für Umweltbildungsvorhaben mit Lehramtsstudierenden erarbeitet. Die Fraport AG hat diese Vorhaben in den vergangenen Jahren mit insgesamt 165.000 Euro unterstützt. So sind im Rahmen des Projekts „Ökologisches Handeln lernen“  in praxisorientierten Lehrveranstaltungen zusammen mit Studierenden Konzepte entwickelt und mit Schulklassen erprobt worden. Diese sind in einer Bildungsmappe zusammengestellt und für Lehrkräfte kostenfrei erhältlich.

Anlässlich des Pressetermins am 18. Mai können Medienvertreter den Biotopgarten vor der feierlichen Eröffnung beim Frühlingsfest kennenlernen. Bei diesem Anlass erhält auch Tina Braun, die Verantwortliche für das Projekt „Ökologisches Handeln lernen“, die Anerkennung als „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“.

Wann? 18. Mai 2016, um 10 Uhr
Wo? Campus Riedberg, Eingangsbereich Wissenschaftsgarten, Max-von-Laue-Str. 13

Ihre Gesprächspartner:
Prof. Paul Dierkes, Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften
Prof. Georg Zizka, Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschaftsgartens
Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität
Michael Müller, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor der Fraport AG

Im Rahmen des Pressetermins werden die einzelnen Gartenabschnitte, in denen Schülerinnen und Schüler im Projekt „Close to Science - Schule im Wissenschaftsgarten“ naturnah arbeiten, von Dr. Verena Reinhardt und Christian Dietz (Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften) vorgestellt. Die Preisträgerin Tina Braun wird ihr ausgezeichnetes Projekt vorstellen und steht für Nachfragen zur Verfügung.

Wir bitten interessierte Pressevertreter um Anmeldung unter: ch.dietz@bio.uni-frankfurt.de

Informationen: Prof. Paul Dierkes, Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42273, dierkes@bio.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mai 12 2016
12:08

Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 18. Mai 2016

Joan W. Scott hält die nächste Kantorowicz Lecture an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Vor dreißig Jahren hat sie den Begriff „Gender“ als Kategorie der Analyse und der Kritik in die Geschichtswissenschaft eingeführt. In jüngerer Zeit widmete sie sich dem Einfluss von Geschlechterdifferenzen und Ungleichheiten auf demokratische Praktiken. Auch aktuelle Normierungen wie das Kopftuchverbot in Frankreich gehören deshalb zu ihren Themen. Die über Fachgrenzen hinaus höchst einflussreiche Historikerin Joan W. Scott hält in diesem Sommersemester an der Goethe-Universität die Kantorowicz Lecture in Political Language, veranstaltet vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die emeritierte Professorin der Universität Princeton spricht über

„French Laïcité, the Old and the New“
am: Mittwoch, dem 18. Mai 2016, um 18.00 Uhr
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801

Wie immer ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Joan Scott behandelt die Geschichte und die aktuellen Verwendungen des Prinzips der „Laïcité“, des französischen Konzepts von Säkularismus sowie strikter Trennung von Kirche und Staat. Im Zentrum steht die Art und Weise, wie alte und neue Säkularisten ihre Aufmerksamkeit auf Frauen richten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blickten sie auf die Gefahren, die angeblich von einer den französischen Frauen unterstellten Neigung zur (katholischen) Religion ausging. Im 21. Jahrhundert konzentrieren sie sich auf die vorgebliche Bedrohung der Republik durch verschleierte muslimische Frauen. Der Vortrag wird sowohl die Historizität normativer Ordnungen beleuchten als auch die Herausforderungen, die Geschlechterdifferenzen für sie darstellen.

Joan W. Scott ist emeritierte Professorin der School of Social Science am Institute for Advanced Study der Universität Princeton, USA. Sie ist Autorin des Klassikers „Gender and the Politics of History” sowie zahlreicher Artikel und Bücher, einschließlich „Gender: A Useful Category of Historical Analysis”, „Only Paradoxes to Offer: French Feminists and the Rights of Man” und „The Politics of the Veil”. Vor kurzem veröffentlichte sie „The Fantasy of Feminist History“. Aktuell untersucht sie die Geschichte von Säkularismus und Gleichstellung in modernen westlichen Nationalstaaten.

Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen sehr renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011) oder der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015).

Information: Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/

Veranstaltungen

Mai 12 2016
12:06

Marlene Müller-Haas gewährt Einblicke in ihre Arbeit –Eine Veranstaltung des Lektorats Niederländisch

„Die gläserne Übersetzerin“

FRANKFURT. Rechtzeitig zur Buchmesse 2016 mit Schwerpunkt Niederlande/Flandern werden hunderte von neuen Werken übersetzt, nicht nur Belletristik, sondern auch Non-fiction, Kinderliteratur, Poesie. Hinter jedem Werk steckt eine erfahrene Übersetzerin oder ein männlicher Kollege. Meist aber bleiben diese Experten unsichtbar. Anders bei einer Veranstaltung des Lektorats Niederländisch der Goethe-Universität: Marlene Müller-Haas, Übersetzerin so unterschiedlicher Autoren wie Harry Mulisch, Charlotte Mutsaers, Stefan Brijs, Stefan Hertmans, Geert Mak und viele andere, berichtet über ihre Arbeit

am 19. Mai (Donnerstag) 19 Uhr
auf dem Campus Westend, Seminarhaus, Raum 2.108 (2. Stock).

Die „Weltlesebühne“, ein Zusammenschluss von Übersetzern aus Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Köln und Zürich, hat den „gläsernen Übersetzer“ ins Leben gerufen, damit interessierte Leser miterleben können, wie eine literarische Übersetzung entsteht. Mag das Original noch so virtuos sein, der Erfolg im Ausland steht und fällt mit der Qualität einer Übersetzung.

Marlene Müller-Haas wird anhand des jüngsten Roman von Adriaan Van Dis Einblick in ihre Arbeit geben, der im Herbst 2016 bei Droemer Knaur unter dem Titel „Das verborgene Leben meiner Mutter“ erscheinen soll. Der 1946 geborene Van Dis thematisiert in fast all seinen Romanen die Autobiografie seiner Eltern, die nach dem Zweiten Weltkrieg und der japanischen Besetzung aus der ehemaligen Kolonie Indonesien in die Niederlande fliehen mussten. Dieser Roman stellt besondere Herausforderungen an die Übersetzerin, muss sie doch beispielsweise im Niederländischen gebräuchliche Ausdrücke und Wörter aus dem Indonesischen geeignet ins Deutsche transferieren. Die Kombination eines großartigen Erzählers mit einer hervorragenden Übersetzerin garantiert einen zweifelsohne interessanten Abend, der sich nicht auf niederländische Literatur beschränkt, sondern Rückschlüsse auf literarische Übersetzungen generell erlauben wird.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe

Forschung

Mai 10 2016
15:31

Der Mathematiker Matthias Ludwig hat mit fussballmathe.de den Ausgang der EM 2016 in Frankreich simuliert.

Statistiker: Deutschland wird Fußball-Europameister

In vier Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Die deutsche Nationalmannschaft tritt als amtierender Weltmeister an. Doch welche Chancen haben die Mannen von Jogi Löw auf den begehrten Titel Europameister? Matthias Ludwig, Professor für Didaktik der Mathematik an der Goethe-Universität, und sein Mitarbeiter Iwan Gurjanow können bereits mit einer wissenschaftlich fundierten Prognose aufwarten: Statistisch betrachtet hat Deutschland die größten Chancen, Fußball-Europameister zu werden. Laut dem verwendeten Prognosemodell, das drei Faktoren berücksichtigt - historische Ergebnisse inklusive des Torverhältnisses zwischen den Mannschaften, die derzeitig erreichten FIFA-Punkte sowie den aktuellen Mannschaftswert -, gewinnt Deutschland mit einer Wahrscheinlichkeit von 15,84 Prozent den Titel. Spanien kommt knapp dahinter auf 15,57 Prozent, England auf 10,15 Prozent.

„Beim Prognosemodell im Web kann der Benutzer die Gewichtung der drei Faktoren aber auch individuell ändern“, erläutert Ludwig. Wer beispielsweise die Gewichtung des Mannschaftswerts deutlich erhöht, erhält als Ergebnis Spanien als wahrscheinlichen Europameister. Ebenfalls kann der Benutzer in einer Simulation eine ganz persönliche EM durchspielen. Die einzelnen Spielausgänge werden über das jeweilige Torverhältnis, den aktuellen Fifa-Rang und den Mannschaftswert berechnet. „Da kann es schon mal vorkommen, dass Island Weltmeister wird. Aber eben nur in einem von 1000 Fällen“, sagt Matthias Ludwig.

Zur Prognose und Simulation der Fußball-EM auf fussballmathe.de: http://fussballmathe.de/2015/12/wer-wird-europameister-2016/

fussballmathe.de zur EURO 2016 ist ein Projekt der Arbeitsgruppe MATIS I des Instituts für Didaktik der Mathematik und Informatik (Goethe-Universität Frankfurt a.M.) in Kooperation mit der Stiftung Rechnen. Auf der Website finden Mathematiklehrkräfte kostenfrei weiteres interessantes Material und Aufgaben für ihren Unterricht zum Download.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik (IDMI), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Mai 10 2016
13:08

Fabian Meinecke erhält für seine Dissertation über das Prominentenstrafrecht den Preis des Vereins Deutsche Strafverteidiger e.V.

Auch Prominente haben Rechte

FRANKFURT.Hoeneß, Zumwinkel, Wulff – diese Namen stehen nicht nur für eine große Bekanntheit beim deutschen Publikum, sondern auch für einen beträchtlichen Medienwirbel in Zusammenhang mit gerichtlichen Auseinandersetzungen. Aber wie weit dürfen die Medien gehen bei der Berichterstattung über eine prominente Person? Wird das „öffentliche Interesse“ nicht zu Unrecht oft als Freibrief vorgeschoben? Mit diesen Fragen hat sich der Jurist Dr. Fabian Meinecke, der bei Prof. Dr. Matthias Jahn an der Goethe-Universität promoviert wurde, ausführlich befasst. Für seine Dissertation mit dem Titel „Prominentenstrafrecht – Funktionsträger aus Politik und Wirtschaft im Strafverfahren“ erhält er den erstmals verliehenen Preis des Verbandes „Deutsche Strafverteidiger e.V.“.

Vor Gericht sind alle Menschen gleich – sollte man meinen. Ist der Angeklagte jedoch ein „Promi“, muss er mit einem stark erhöhten Interesse der Medien rechnen, und mit dessen etwaigen Folgen. Denn in der Fachwelt ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die ausgiebige Berichterstattung über bekannte Tatverdächtige insbesondere aus dem Wirtschaftsleben Auswirkungen auf das Strafverfahren hat, sei es in vorteilhafter oder in nachteiliger Form. Gerechtfertigt wird die hohe Medienaufmerksamkeit durch das „öffentliche Interesse“ infolge der Bekanntheit der Person. Fabian Meinecke ist der Frage wissenschaftlich auf den Grund gegangen, inwiefern dieses Interesse tatsächlich die zum Teil ausufernde Berichterstattung rechtfertigt.

Unstrittig ist, dass die ausführlichen Berichte stark in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen eingreifen. Noch bevor ein Urteil gesprochen wurde, meint die Öffentlichkeit schon genau Bescheid zu wissen, finden Vorverurteilungen statt. Befeuert wird die skandalisierende Berichterstattung noch durch Lecks bei der Justiz wie im Falle Wulff: Eigentlich geheime Informationen werden an Journalisten gegeben. Müssen die Betroffenen das hinnehmen? Fabian Meinecke, der etliche Fälle aus der jüngeren Vergangenheit untersucht hat, ist der Auffassung, dass das „öffentliche Interesse“ klarer abgegrenzt werden müsste. Bekanntheit allein sei keine Rechtfertigung; das öffentliche Interesse müsse von der Sache her direkt betroffen sein. Dies sei gerade in Verfahren aus dem Wirtschaftsleben häufig nicht der Fall, sondern es gehe um die Sensation, so ein ‚Ergebnis seiner Untersuchung. Die Betroffenen jedoch müssen, selbst nach einem Freispruch, mit ihrem angeschlagenen Ruf und oftmals existenziellen Folgen auch im privaten Leben. Sanktionen für die Presse gibt es bislang kaum.

Fabian Meinecke habe in seiner Arbeit „ein bisher kaum beachtetes, aber wesentliches Problemfeld von Strafverfahren hervorgehoben“, begründet der Verein „Deutsche Strafverteidiger e.V.“, warum er sich für ihn als Preisträger entschieden hat. In der Laudatio heißt es weiter, der Autor habe in eindrucksvoller Weise gezeigt, dass die (Beschuldigten-)Rechte von Funktionsträgern aus Politik und Wirtschaft im Strafverfahren oftmals besonders gefährdet seien und daher einer besonderen Sicherung bedürften. Damit habe sich Meinecke in besonderer Weise um das Strafrecht und die Strafverteidigung verdient gemacht. Der Preis, der mit einem Druckkostenzuschuss in Höhe von 1000 Euro dotiert ist und eine Aufnahme in die renommierte, im NOMOS-Verlag erscheinende Schriftenreihe „Deutsche Strafverteidiger e.V.“, zum Inhalt hat, wird im Rahmen des jährlichen Nordseetreffens des Vereins „Deutsche Strafverteidiger e.V.“ im Juli vergeben.

Fabian Meinecke, Jahrgang 1983, ist in Frankfurt aufgewachsen. Sein Jura- und Philosophiestudium hat er in Würzburg und Leuven absolviert, zum Referendariat kam er zurück in die Mainmetropole. Die Leidenschaft fürs Strafrecht hat der inzwischen seit zwei Jahren praktizierende Anwalt bei der Bearbeitung der ersten Fälle im Referendariat entdeckt. Bei Prof. Jahn kam die Begeisterung für wissenschaftliche Perspektiven hinzu: „Im Strafrecht ist zunächst alles offen, es geht um die Wahrheit. Das fasziniert mich“, so Meinecke.

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/61364882

Veranstaltungen

Mai 10 2016
13:04

Öffentliche Veranstaltung auf dem Campus Westend

„Von Roboter bis Rembrandt – Aktuelles aus der Frankfurter Alternsforschung“

FRANKFURT. Das Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA) lädt Experten und Interessenten zu seiner nächsten Veranstaltung zum Thema „Von Roboter bis Rembrandt – Aktuelles aus der Frankfurter Alternsforschung“ ein

am 12. Mai (Donnerstag) 10 bis 12 Uhr
auf dem Campus Westend, Festsaal des Casino-Gebäudes.

Vorgestellt werden zwei aktuelle Projekte: Der Mediziner Prof. Dr. Johannes Pantel und der Diplom-Psychologe Arthur Schall M.A. berichten über das Artemis-Projekt (ART Encounters – A Museum Intervention Study); dabei geht es um ein Pilotstudie zur Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz, das in Kooperation mit dem Frankfurter Städel stattfindet. In einem zweiten Vortrag stellen der Alternsforscher Prof. Dr. Frank Oswald und die Diplom-Psychologin Stefanie Baisch Befunde aus dem interdisziplinären Projekt „ERimAlter“ (Emotionale und soziale Robotik im Alter) vor.

Das Artemis-Projekt ermöglicht Menschen mit Demenz und ihren betreuenden Angehörigen, an einem niedrigschwelligen und speziell auf sie zugeschnittenen Kunstvermittlungsangebot am Frankfurter Städel teilzunehmen. Dazu gehören thematische Kunstführungen in Kleingruppen und anschließende kreative Arbeit im Atelier unter kunstpädagogischer Anleitung. Dies ist die erste randomisierte und kontrollierte Studie zum Einfluss von Museumsbesuchen und künstlerischer Betätigung auf das emotionale Befinden von Menschen mit Demenz. Neben der wissenschaftlichen Auswertung geht es in diesem Projekt auch darum, Menschen mit Demenz, die sich bei fortschreitender Erkrankung immer stärker isoliert fühlen, und ihren durch die Pflege belasteten Angehörigen ein Stück gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration zu ermöglichen. Inzwischen wurde das Artemis-Projekt bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Fachkonferenzen und Kongressen vorgestellt und stieß auf großes fachliches und öffentliches Interesse. So interessierten sich auch Experten in anderen deutschen Großstädten für die Frankfurter Erfahrungen, die ersten Netzwerke wurden geknüpft.

Im Projekt „ERimAlter“ geht es um die zentrale Funktion von sozialen oder emotionalen Robotern, Interaktionen anzuregen, aufrecht zu erhalten und den sozialen sowie emotionalen Bedürfnissen von Menschen entgegen zu kommen. In diesem Projekt wird der Frage nachgegangen, bei welchen chronischen Krankheitsbildern, das heißt, bei welchen Funktionsverlusten bzw. für welchen Funktionserhalt, emotionale und soziale Robotik eingesetzt werden können. Was wissen wir überhaupt zur Wirkung von sozialen oder emotionalen Robotern, insbesondere wenn sie bei Menschen im höheren Alter oder inspezifischen Lebenssituationen eingesetzt werden? Welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein, und wie können Roboter-Artefakte für spezifische Zielgruppen optimiert werden? Ebenso werden die erforderlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz untersucht.

Informationen: Dipl.-Psych. Tanja Müller, Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Telefon (069) 798 -6393; E-Mail: tanja.mueller@em.uni-frankfurt.dewww.uni-frankfurt.de/ffia

Veranstaltungen

Mai 6 2016
16:00

Podiumsdiskussion an der Goethe-Universität

„Third Mission – wie und für wen?“

Mit der sozialen Verantwortung und gesellschaftlichen Verflechtung von Hochschulen beschäftigt sich die Diskussion „Third Mission – wie und für wen?“ an der Goethe-Universität. Sie findet statt

am Montag (9. Mai) von 18 bis 20 Uhr
auf dem Campus Westend, PEG-Gebäude, Raum1.G191

Es diskutieren:Prof. Dr. Peer Pasternack, Direktor Institut für Hochschulforschung (HoF), Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident Goethe-Universität, sowieMyrella Dorn, Vertreterin der Studierenden. Moderieren wird Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Sprecherin Demokratische Liste der Goethe-Universität, auf deren Initiative diese Veranstaltung zurückgeht.

Das Präsidium der Goethe-Universität hat einen universitätsinternen Prozess der Identifizierung, Selbstvergewisserung und Systematisierung von Third Mission Aktivitäten initiiert. Dazu gehört auch die Teilnahme an der Pilot-Phase des Transfer-Audits des Stifterverbandes der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung. Über den aktuellen Stand aus der Perspektive des Präsidiums wird Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz informieren. Inhaltlich orientiert sich die Goethe-Universität u.a. an einer Studie des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Peer Pasternack, Autor dieser Studie, wird detaillierte Einblicke geben. Darüber hinaus verspricht die Besetzung des Podiums auch eine anregende und kontroverse Debatte.

Die gesellschaftliche Rolle der Universitäten wird in der bundesdeutschen Hochschullandschaft zurzeit breit diskutiert. Neben Lehre und Forschung wird zunehmend ein drittes Standbein der Universität, die Aufgabe des Wissenstransfers oder der Third Mission, von Bedeutung. Neben den bereits bestehenden vielfältigen Formen des Wissenstransfers wird aktuell über weitere Aktivitäten wie Politikberatung, wissenschaftliche Weiterbildung, Service Learning, die Einrichtung von Stiftungsprofessuren debattiert. Adressaten sind alle Teile der Zivilgesellschaft wie auch die Politik.

Der Demokratischen Liste geht es zum einen um eine generelle Debatte zu Third Mission, zum anderen um die spezifischen Herausforderungen von Third Mission für die Goethe Universität. „Als relativ junge Stiftungsuniversität sieht sich die Universität der Tradition einer Kritischen Theorie verpflichtet und will ihren Studierenden und Mitgliedern optimale Lehr- und Forschungsbedingungen, aber auch optimale Chancen der gesellschaftlichen Nutzung ihres Wissens ermöglichen“, so die Demokratische Liste in ihrer Veranstaltungsankündigung.

Informationen: Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Tel. +49 69 798 36661 | E-Mail: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 6 2016
14:07

Eröffnungsveranstaltung mit Vortrag von Dr. Prinz Asserate zu „Geschichte und Gegenwart der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche“

Das neue Leibniz-Projekt an der Goethe-Universität „Polyphonie des spätantiken Christentums“

FRANKFURT. „Polyphonie des spätantiken Christentums“ ist das Thema des großen Projekts, das der Althistoriker Hartmut Leppin von der Goethe-Universität aus seinem mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis finanzieren kann. Forscherinnen und Forscher verschiedener historisch ausgerichteter Disziplinen werden bis 2022 erforschen, wie sich die Vielfalt und Vielsprachigkeit des Christentums vom 4. Jahrhundert bis zum 9. Jahrhundert entwickelte und wie sich das Verhältnis zwischen den Christentümern und den Großreichen gestaltete.

Das Team von zurzeit sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Erfahrungsstufen ist seit einigen Wochen komplett, die Forschungen sind angelaufen, erste Seminare haben stattgefunden – und nun lädt Hartmut Leppin am 10. Mai (Dienstag) zu einer Eröffnungsveranstaltung auf den Campus Westend ein (Beginn um 18 Uhr c.t., Casino Raum 1.801). Den Gastvortrag hält Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Alumnus der Goethe-Universität und Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Er spricht über die Geschichte und Gegenwart der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche. Die äthiopische Kirche gehört zu den Kirchen, die eine ungewöhnliche Kontinuität zur Antike aufweisen und immer noch lebendig sind, im Gegensatz zu anderen Kirchen des Nahen Ostens, die gerade in diesen Tagen existenziell gefährdet sind. So soll ein Bogen von der historischen Forschung, die auch der Bewahrung des kulturellen Erbes dient, zur Gegenwart geschlagen werden.

Polyphonie steht für die Vielfalt von Formen christlichen Glaubens, wie Leppin sie bereits in seinem ebenfalls von der DFG geförderten Reinhart-Koselleck-Projekt zu „Christianisierungen im Römischen Reich“ untersucht hat. Die großzügigen Mittel des Leibniz-Preises erlauben eine räumliche, zeitliche und vor allem sprachliche Erweiterung. Die Erforschung dieser Vielfalt erfolgt bewusst aus einer historischen Perspektive. „Dabei sollen, neben den verschiedenen Ausprägungen des Christentums griechischer und lateinischer Sprache, insbesondere auch die sogenannten orientalischen Christentümer untersucht werden“, so Hartmut Leppin, „das heißt, wir wollen gerade die Formen des Christentums betrachten, deren wichtigste Texte in Sprachen wie etwa Altäthiopisch, Arabisch, Armenisch, Georgisch, Koptisch und Syrisch geschrieben wurden und deren Zentren oft außerhalb des Römischen Reiches lagen.“

Insbesondere sollen sprachliche, intellektuelle, religiöse und politische Austauschprozesse zwischen den verschiedenen christlichen Kulturen und Sprachräumen in den Blick genommen werden, um damit eine globale und differenzierte Perspektive auf die Geschichte der Spätantike in einem weiten Verständnis zu gewinnen. Deshalb arbeitet das Team des Leibniz-Projekts auch mit verschiedenen anderen Forschern der Goethe-Universität zusammen, die sich mit diesen Sprachen und Räumen befassen, so etwa der Indogermanistik am Institut für empirische Sprachwissenschaft, dem Institut für Islamische Studien und der Forschungsstelle für Byzantinische Rechtsquellen am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte.

„Die Forschung soll auch dazu beitragen, die Entwicklung des spätantiken Christentums in weltgeschichtliche Zusammenhänge einordnen zu können“, betont Hartmut Leppin. Es soll neben dem bereits skizzierten Forschungsprogramm auch der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Großreich nachgegangen werden: Inwiefern stützten Universalreligionen die Stabilität von Reichen oder bildeten ein Gegengewicht? War Toleranz in Großreichen mit ihrer kulturellen und religiösen Vielfalt wahrscheinlicher? Begünstigten Reiche gar religiöse Minderheiten, die auf das Wohlwollen der Herrscher angewiesen waren? Diese Aspekte sollen vor allem im Rahmen internationaler Tagungen untersucht werden.

Neben seiner Professur am Historischen Seminar der Goethe-Universität ist Hartmut Leppin auch Principal Investigator im Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Sprecher des Sonderforschungsbereiches 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“.

Informationen: Dr. Alexandra Hasse-Ungeheuer, Koordinatorin des Leibniz-Projektes „Polyphonie des spätantiken Christentums“, Historisches Seminar, Abteilung für Alte Geschichte, Gräfstraße 78, 60486 Frankfurt am Main, Tel. 069/798-33967, hasse-ungeheuer@em.uni-frankfurt.de

Einladung für Medienvertreter: Journalisten und Journalistinnen sind zu der Eröffnungsveranstaltung am 10. Mai ab 18 Uhr c.t., (Campus Westend, Casino, Raum 1.801) herzlich eingeladen, um eine vorherige Anmeldung bei Dr. Alexandra Hasse Ungeheuer per E-Mail wird gebeten (hasse-ungeheuer@em.uni-frankfurt.de).

Personalia/Preise

Mai 4 2016
15:41

Ein originelles Geschenk zum 60. Geburtstag: Sprachwissenschaftler Jost Gippert wird mit Wikipedia-Eintrag in 72 Sprachen geehrt

Multilinguale Liebeserklärung

FRANKFURT. Prof. Dr. Jost Gippert, Sprachwissenschaftler und Kaukasiologe an der Goethe-Universität und Dekan des Fachbereichs Sprach- und Kulturwissenschaften, hat im März seinen 60. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass ist eine ganz besondere Festschrift entstanden: Der Wikipedia-Artikel zu seiner Person wurde in rekordverdächtige 72 Sprachen übersetzt.

„Wir wollten Herrn Gippert für seinen unermüdlichen Einsatz auf eine spezifische Weise danken“, erklärt Initiator Dr. Zakharia Pourtskhvanidze die Idee hinter dem Projekt. Koordiniert von der Fachschaft der Empirischen Sprachwissenschaft an der Goethe-Universität, haben mehr als 90 Personen auf allen Kontinenten der Welt von Februar bis April an dem ungewöhnlichen Projekt gearbeitet.

Der ursprünglich nur auf Deutsch veröffentlichte Artikel ist nun in 62 weiteren Sprachen online auf Wikipedia zu lesen – zum Beispiel auch auf Tagalog, der häufigsten Sprache auf den Philippinen oder auf Pälzisch, aber auch in Sprachen, die nicht mehr oder kaum noch gesprochen werden. In all diesen Sprachen gibt es eine eigene Wikipedia-Version. Hinzu kommen zehn Sprachen, für die noch überhaupt kein Wikipedia-Eintrag besteht. Diese Beiträge findet man im sogenannten Test-Wiki, einer Art Inkubator, wo Sprachen, die noch nicht offiziell als Wiki-Sprachen zugelassen sind, verortet werden. Einige davon sind im Zuge des Projekts erstmalig eingerichtet worden: Im Test-Wiki Svanisch etwa ist Jost Gipperts Biographie die einzige Eintragung. Mit einer Sprachenliste aus mehr als 70 Sprachen sind die großen Sprachwissenschaftler Saussure, Greenberg, Panini und Humboldt längst überholt.

Jost Gippert beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit Indogermanistik und vergleichender Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt auf kleinere Sprachen des Kaukasusraumes. Von ihm stammen zahlreiche Sprachkarten, die in renommierten Sprachlexika (z.B. Metzler-Lexikon Sprache) abgedruckt sind, sowie das weltweit zugängliche TITUS-Projekt zur koordinierten Erfassung von relevanten Originaltexten altüberlieferter indogermanischer Sprachen.

Als haptische Version dieses digitalen Geschenkes sind alle Artikel in eine Buchform gebracht worden. Der Widmungstext hierfür ist von Prof. Dr. Wolfgang Schulze auf Kaukasisch-Albanisch verfasst worden, er wurde in Form eines Palimpsests – einem „recycelten“ Pergament abgebildet, das eines der Hauptforschungsfelder von Prof. Gippert darstellt.  „Sprachen sind die Schlüsseln zu den Herzen der Menschen – Sprachwissenschaft ist die Schlüsselschmiede“, heißt es darin.

Für die Empirische Sprachwissenschaft als ein „Orchideenfach“ der Goethe-Universität zeigt dieses Projekt, dass auch kleine Institute Großes vollbringen. Jost Gipperts Freude war groß, als er das originelle Geschenk bei einer unter einem Vorwand anberaumten Überraschungsfeier am Dienstag überreicht bekam.

Veranstaltungen

Mai 4 2016
15:35

Im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni beleuchtet FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube die Lebensstationen seines Lehrers Niklas Luhmann

Vom Eigenwert der Theorie

FRANKFURT. In der Biografienreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ der Frankfurter Bürger-Universität werden am kommenden Montag, 9. Mai 2016, die Lebensstationen eines der einflussreichsten deutschen Soziologen der Nachkriegsgeschichte vorgestellt. Niklas Luhmann hat mit seinem gesellschaftstheoretischen Lebenswerk wichtige Impulse für die öffentliche Debatte über das Selbstverständnis des modernen Menschen gegeben. Ein Anspruch seiner Systemtheorie war dabei sämtliche soziologische Strukturen der aktuellen Gesellschaft abzubilden und sie verständlich zu machen. Ein wesentlicher Bestandteil von Luhmanns Arbeit ist die Definition von Begriffen wie etwa Kommunikation oder Komplexität als Grundlage für seine Theorie. Wie kaum ein anderer Vertreter seines Faches beharrte er in seiner Arbeit auf dem Eigenwert des theoretischen Denkens.

Luhmann war studierter Rechtswissenschaftler. 1949 beendete er sein Studium in Freiburg. Als Assistent des Präsidenten am Oberverwaltungsgericht 1954 in Lüneburg, begann er seine berühmten Zettelkästen mit einem Umfang von schließlich 90.000 Zetteln als Grundlage für sein Werk aufzubauen. Anfang der 1960er Jahre kam er mit einem Stipendium an die Harvard-Universität, wo er über den bekannten US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons erstmals in Kontakt mit der soziologischen Systemtheorie kam. Zurück in Deutschland wurde er 1966 an der Universität Münster in Sozialwissenschaften promoviert. Nach seiner Habilitation wenige Monate später wurde Luhmann 1968 schließlich als erster Professor an die Universität Bielefeld berufen, wo er die erste soziologische Fakultät im deutschsprachigen Raum aufbaute.

Der Vortrag von Jürgen Kaube über seinen akademischen Lehrer versucht den großen Soziologen nicht nur von seinen biografischen Wegemarken her zu betrachten, sondern auch aus der Erfahrung seiner Person lebendig werden zu lassen. Kaube, einer von vier Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, war als Assistent in Bielefeld einst selbst Schüler des bekannten Soziologen.

Die Veranstaltungsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ wird von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Vom Eigenwert der Theorie – Niklas Luhmann
Referent: Jürgen Kaube
Zeit: Montag, 9. Mai 2016, 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 28 2016
15:06

Antrittsvorlesung der Künstlerin am 4. Mai im Mousonturm

Lina Majdalanie übernimmt Friedrich-Hölderlin-Gastprofessur

FRANKFURT. Die Friedrich Hölderlin-Gastprofessur für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie wird im Sommersemester 2016 die Performerin, Schriftstellerin, Regisseurin und Dozentin Lina Majdalanie übernehmenBis 2013 arbeitete sie als Dozentin an der Haute École d’Art et de Design in Genf, zuvor u.a. am Institute for Scenic and Audio-Visual Studies, Saint-Joseph University, Beirut, Libanon. Ihre Performances, darunter 33 RPM and a Few Seconds (2012), Photo-Romance (2009), I had a Dream, Mom (Video, 2006), Appendix (2007) und Biokhraphia (2002), wurden bei wichtigen internationalen Festivals, wie dem „kunstenfestivaldesarts“ in Brüssel, dem „Festival d’Avignon“ und dem „Festival d’Automne“ in Paris gezeigt und entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit Rabih Mroué. Das Pseudonym Lina Majdalanie hat sie im April 2015 angenommen.

Als Antrittsvorlesung findet die Lecture Performance „Appendix“ am 4. Mai 2016 im Künstlerhaus Mousonturm statt (19 Uhr). Appendix befragt die Beziehungen und Kombinationen von Körper (und seiner Freiheit), Sprache, Gesetz (mit seinen Imperativen und Bestimmungen), Kunst und Handel. Was gehört zur Ordnung der Kunst, was nicht? Welches sind die Grenzen? Wer bestimmt sie? Die künstlerische oder kulturelle Institution? Das Gesetz? Oder der künstlerische Blick? Und wenn es zu Konflikten zwischen den Bestimmungen kommt, wer hat das letzte Wort? Wie kann man Nutzen ziehen aus der Kluft zwischen den Worten und den Dingen, zwischen den Tatsachen und ihren (künstlerischen oder gesetzlichen) Bestimmungen, um zum Wohl der Freiheit und der Emanzipation die Kompromisse umzukrempeln, welche die gesetzgebenden Kräfte zum Imperativ gemacht haben? Wie bekämpft man die rechtliche Dichotomie, welche das Individuum als frei einsetzt und gleichzeitig religiösen und Identitäten beanspruchenden Gemeinschaften exklusive und imperative Befugnisse einräumt?

Kontakt: Professur für Theaterwissenschaft, Goethe-Universität. Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Dr. Matthias Dreyer. Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt. Tel. (069) 798-32067; theater@tfm.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Apr 28 2016
15:01

Frankfurt Lectures des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 2. und 3. Mai 2016 zum Thema „Private Law and Public Illusion“

Liam B. Murphy über die „Illusion“ des Eigentumsrechts

FRANKFURT. Liam B. Murphy, Professor für Rechtswissenschaft und Philosophie an der New York University, ist neuer „Frankfurt Lecturer“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Der Gerechtigkeitsdenker, der an der Schnittstelle von philosophischer Grundlagenforschung und konkreter rechtlicher Umsetzung arbeitet, widmet sich an zwei Tagen dem Oberthema „Private Law and Public Illusion“. Die Vorträge in englischer Sprache bauen aufeinander auf. Sie beginnen jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum (Raum HZ 6) auf dem Campus Westend. Am 2. Mai geht es um „Artificial Morality“ und am 3. Mai um „The Persistence of an Illusion“.

In seinen öffentlichen Vorlesungen beleuchtet Liam B. Murphy die Gesetzgebung auf dem Gebiet des Vertrags- und Eigentumsrechts, wie sie in marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaften zu finden ist. In weiten Teilen der Öffentlichkeit, so Murphy, herrsche die Meinung vor, dass diese Gesetzte auch die natürlichen moralischen Rechte und Pflichten der Menschen widerspiegeln. Dies sei jedoch eine Illusion, ein – wie er es auch nennt – Missverständnis mit negativen Auswirkungen auf den öffentlichen Diskurs über Möglichkeiten der Ausgestaltung unseres Gesellschaftssystems. Dies betreffe besonders auch die Diskussion über steuerpolitische Fragen. Nach Murphys Ansicht können die Konventionen und Praktiken, die im Zusammenhang mit dem Vertrags- und Eigentumsrecht stehen, nur instrumentell beurteilt werden – und zwar mit Blick auf die dergestalt produzierten sozialen Güter, darunter soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit.

Liam B. Murphy ist Inhaber der Herbert Peterfreund-Professur für Recht und Professor für Philosophie an der Law School der New York University (NYU). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Rechts-, Moral- und politische Philosophie. Eine seiner bekanntesten Publikationen ist „The Myth of Ownership: Taxes and Justice“ aus dem Jahr 2002. Zusammen mit seinem Ko-Autor  Thomas Nagel, ebenfalls Philosoph an der NYU, geht es Murphy hier um eine gerechtigkeitstheoretische Durchdringung steuerpolitischer Fragen. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen der Aufsatz „Why Does Inequality Matter?: Reflections on the Political Morality of Piketty's ‘Capital in the Twenty-First Century’” (2015) und die Monographie „What Makes Law : An Introduction to the Philosophy of Law” (2014).

Liam B. Murphy ist der mittlerweile neunte Frankfurt Lecturer. Im Rahmen seiner Frankfurt Lectures lädt der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität herausragende Forscher ein, in zwei aufeinander folgenden Vorlesungen bestimmte Aspekte der Herausbildung normativer Ordnungen auf eine theoretisch innovative und zeitdiagnostisch prägnante Art und Weise zu bearbeiten.

Zu den bisherigen Vortragenden im Rahmen der Frankfurt Lectures gehörten Philip Pettit, der an der Princeton University Philosophie und Politische Theorie lehrt, und R. Jay Wallace, Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley. Ebenfalls Frankfurt Lecturer waren Martti Koskenniemi, Völkerrechtler an der Universität Helsinki und Ehrendoktor der Goethe-Universität, sowie Charles Larmore, Professor für Philosophie an der Brown University (Rhode Island, USA). Seine Lectures sind in der Schriftenreihe „Frankfurter Vorlesungen“ unter dem Titel „Vernunft und Subjektivität“ im Suhrkamp Verlag erschienen.

Frankfurt Lectures im Sommersemester 2016

Liam B. Murphy: Private Law and Public Illusion
Montag, 2. Mai 2016, Lecture I: Artificial Morality
Dienstag, 3. Mai 2016, Lecture II: The Persistence of an Illusion
Jeweils18.15 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ 6

Vorträge in englischer Sprache.

Der Eintritt ist frei, die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen.

Kontakt:  Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Personalia/Preise

Apr 28 2016
10:34

Fünf Frankfurter Physiker erhalten den mit 20.000 Euro dotierten Helmholtz-Preis

Preis für bahnbrechende Messmethoden

FRANKFURT.Die bedeutendste Auszeichnung auf dem Gebiet der Metrologie, der Wissenschaft vom genauen Messen, erhalten in diesem Jahr ein Team von fünf Frankfurter Atomphysikern der Goethe-Universität: Prof. Reinhard Dörner, Privatdozent Dr. Till Jahnke, Dr. Maksim Kunitzki, Dr. Jörg Voigtsberger und Stefan Zeller. Der mit 20.000 Euro dotierte Helmholtz-Preis wird alle drei Jahre an europäische Forscher vergeben.

Den Preisträgern ist es gelungen, äußerst schwache Bindungsenergien in Helium-Molekülen mit bisher unerreichter Genauigkeit zu bestimmen. Im Chemieunterricht lernt man, dass Helium als Edelgas keine Bindungen eingeht. Doch unter bestimmten, von der Quantentheorie vorhergesagten Umständen, ist dies möglich. Diese Bindungsenergie hat die Arbeitsgruppe von Dörner indirekt mithilfe des an der Goethe-Universität entwickelten COLTRIMS-Reaktionsmikroskops gemessen. Es erlaubt, Ort und Geschwindigkeit zerfallender Moleküle mit großer Genauigkeit gleichzeitig zu bestimmen und aus diesen Daten die ursprüngliche Konstellation zu rekonstruieren. Im Fokus der Preisträger waren seltene Moleküle aus zwei oder drei Heliumatomen.

„Es begann damit, dass die Deutschen Forschungsgemeinschaft mir 2009 ein Koselleck-Projekt über 1,25 Millionen bewilligte. Das ist eine Art Risikokapital, mit dem die DFG Experimentreihen fördert, die einen langen Atem brauchen“, erklärt Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik. Dr. Till Jahnke legte die Grundsteine für die Apparatur, dann übernahm der Doktorand Jörg Voigtsberger das Experiment und erzielte erste Erfolge. Der nächste Doktorand, Stefan Zeller, konnte die Apparatur wesentlich verbessern und die Genauigkeit weiter erhöhen. Dazu musste er mit der größten „Photonenkanone“, die es in Deutschland gibt, dem „Freie-Elektronen-Laser FLASH“ am Forschungszentrum DESY in Hamburg, auf die extrem schwach gebundenen Helium Moleküle schießen. Auf diese Weise konnte er die Bindungsenergie mit  einer Genauigkeit von wenigen Nano-Elektronenvolt bestimmen. Die Helium Moleküle sind damit hundertmillionenfach schwächer gebunden als etwa ein Wassermolekül.   

Die Experimentreihe gipfelte im vergangenen Jahr in dem Nachweis des sogenannten Efimov-Zustands für ein Heliummolekül aus drei Atomen. Dieses, vor 40 Jahren von dem russischen Theoretiker Vitaly Efimov vorhergesagte, vergleichsweise riesige Molekül, kann nur in dem von der Quantenphysik eröffneten Tunnelbereich existieren. Diese Messung gelang dem Postdoktoranden Maksim Kunitzki mit derselben Apparatur.

„Alle bisherigen Helmholtzpreisträger haben mit ihren Arbeiten die Kunst des Messens nachhaltig vorangebracht und viele zählen heute zu den renommiertesten Forschern in der Metrologie“, sagt Dr. Joachim Ullrich, Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und Vorsitzender des Helmholtz-Fonds. „Wir sind sicher, dass es auch diesmal so sein wird.“ Ebenfalls mit dem Helmholtz-Preis ausgezeichnet werden Forscher der Universität Cambridge für ihre in der DNA-Analytik bewährte Einzelmolekülmessung mit Nanoporen. Sie haben damit die Möglichkeit geschaffen, theoretisch beliebig viele verschiedene Eiweißmoleküle innerhalb derselben Messung zu detektieren. Der Preis wird am 22. Juni 2016 im Seminarzentrum der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) übergeben.

Die Arbeiten der Frankfurter Preisträger sind zuvor bereits mehrfach ausgezeichnet worden: 2013 erhielt Till Jahnke den wichtigsten Nachwuchspreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, den Gustav-Hertz-Preis. Reinhard Dörner wurde im Jahr darauf mit dem angesehenen Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. 2015 erhielt Maksim Kunitski den Preis des „Frankfurter Fördervereins für physikalische Grundlagenforschung“.

Ein Foto zum Download finden hier: www.uni-frankfurt.de/61204234

Bildtext: Prof. Reinhard Dörner (links) und Maksim Kunitski vor der Apparatur, mit der die ausgezeichneten Arbeiten gemacht wurden.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Max-von-Laue-Str. 1, Tel: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Apr 28 2016
10:31

Weiterfinanzierung der Zusammenarbeit mit Universitäten Toronto, Tel Aviv, Birmingham und Pennsylvania gesichert

DAAD zeichnet Strategische Partnerschaften der Goethe-Universität aus

FRANKFURT.Die Strategischen Partnerschaften der Goethe Universität sind weiter auf Kurs: Für die Weiterführung der erfolgreichen und umfassenden Zusammenarbeit mit den Universitäten Toronto, Tel Aviv, Birmingham und Pennsylvania stellt der DAAD für 2017 und 2018 insgesamt 220.000 Euro zur Verfügung. Das Konzept, das die internationale Kooperation der Goethe-Universität mit diesen Partnern fördert, hat sich im ersten Förderzeitraum (2013-16) als tragfähig erwiesen. Die genannten Universitäten zählen zu den herausragenden Forschungsuniversitäten ihres jeweiligen Landes und sind in Partnerstädten der Stadt Frankfurt beheimatet. „Die Anschlussfinanzierung ist eine Auszeichnung für unser Konzept für die Strategischen Partnerschaften und die bisher geleistete Arbeit. Die im Folgeantrag beschriebenen Pläne für die Weiterentwicklung konnten die Juroren überzeugen“, freut sich die Vizepräsidentin für Internationalisierung der Goethe-Universität, Prof. Dr. Brigitte Haar.

Dieser Erfolg ist umso erfreulicher, als es auch in dieser Runde harte Konkurrenz gab. Bereits 2012 konnte sich die Goethe-Universität mit ihrem Erstantrag in einem Feld von über 120 Hochschulen durchsetzen und erhielt eine der 21 Zusagen. Dieser „harte Kern“ der erfolgreichen Hochschulen hatte Ende 2015 Gelegenheit, sich um eine Anschlussfinanzierung zu bewerben. Der DAAD hat nach der Begutachtung der Bewerbungen nun entschieden, dass 11 der bereits geförderten Hochschulen weitere Mittel erhalten. Der Goethe-Universität wurde dabei wie schon in der ersten Antragsrunde der höchst mögliche Förderbetrag gewährt.

Das Programm der Strategischen Partnerschaften der Goethe-Universität sieht die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit mit den vier international renommierten Partneruniversitäten vor, sodass ein dauerhaftes Netz aus umfassenden Kooperationen in Forschung, Lehre und Hochschulmanagement entsteht. So sollen nicht nur weiterhin Studierende ausgetauscht und gemeinsame Forschungsprojekte finanziert, sondern die Partnerschaften auch dazu genutzt werden, den Mitarbeitenden der Goethe-Universität den Erwerb von Sprachkenntnissen und interkultureller Kompetenz im Rahmen wechselseitiger Hospitanzen zu erleichtern.

Die Goethe-Universität konnte ein schlüssiges Konzept vorlegen, wie die Strategischen Partnerschaften der Goethe-Universität ab 2019 auch ohne Mitfinanzierung des Förderers finanziell auf eigenen Füßen stehen werden. Der DAAD hat anerkennend zur Kenntnis genommen, dass die Finanzierung in der ersten Förderperiode als Sprungbrett genutzt wurde, um teils umfangreiche Mittel anderer Organisationen (DFG, Deutsch-Israelische-Gesellschaft, Horizon 2020) einzuwerben.

Kontakt: Dr. Martin Bickl, Abteilungsleiter Strategische Partnerschaften und Internationales Marketing. Tel. 069/798 13729; bickl@uni-frankfurt.de