​​​​Pressemitteilungen ​

Forschung

Mär 20 2017
14:21

Neue Methode ermöglicht detaillierte Analyse der Zielmoleküle

Auf der Spur des linearen Ubiquitins

FRANKFURT. Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung erfolgt auf viele verschiedene Arten, entweder einzeln oder in verzweigten Ketten aus mehreren Ubiquitin-Molekülen. Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Strukturen, die wiederum verschiedenste Effekte in Zellen erzielen können. Wissenschaftler sprechen mittlerweile von einem regelrechten Geheimcode. Um diesen zu entschlüsseln, haben Forscher der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität von Tübingen, der Queen Mary Universität und dem Francis Crick Institut in London eine neue Methode entwickelt.

Erst vor wenigen Jahren entdeckten Forscher, dass Ubiquitin nicht nur verzweigte, sondern auch lineare Ketten bilden kann, bei denen jeweils der Anfang eines Ubiquitin-Moleküls an das Ende eines anderen geknüpft wird. Bislang sind erst zwei Enzyme bekannt, die den Auf- und Abbau solcher linearer Ubiquitin-Ketten regulieren. Beide werden im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität intensiv erforscht. Welche Zielproteine mit linearen Ubiquitin-Ketten modifiziert werden, und warum, blieb jedoch weitestgehend unklar. Die von dem Forscherteam um Koraljka Husnjak von der Goethe-Universität Frankfurt neu entwickelte Methode ermöglicht nun die systematische Analyse dieses speziellen Kettentypus.

„Der bislang vergleichsweise schleppende Fortschritt war vor allem darauf zurückzuführen, dass es keine geeigneten Methoden gab, um mit linearen Ubiquitin-Ketten modifizierte Proteine spezifisch im Massenspektrometer zu erfassen“, erklärt die gebürtige Kroatin Husnjak. Ihr Team hat das Problem gelöst, indem es das Ubiquitin-Molekül intern so veränderte, dass es einerseits innerhalb der Zelle funktionstüchtig bleibt, andererseits aber bei einer Analyse von Proteingemischen im Massenspektrometer erkannt werden kann. 

Künftig lässt sich also genau nachweisen, welche Zielproteine durch lineares Ubiquitin verändert werden und an welcher Position des Proteins die entsprechende Modifikation sitzt. Die Wissenschaftler bewerten diesen neuen, äußerst sensitiven Ansatz als einen wichtigen Durchbruch, der zu einem bedeutend besseren Verständnis der Funktion der linearen Ubiquitinierung und ihrer Rolle bei Erkrankungen führen wird.

Dr. Husnjak konnte so bereits mehrere Proteine identifizieren, von denen bislang nicht bekannt war, dass sie linear ubiquitiniert werden. Unter anderem entdeckte sie neue essentielle Komponenten innerhalb eines Signalweges, der bei Entzündungen zentral ist. „Die durch lineare Ubiquitin-Ketten übertragenen Signale spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle bei der Regulation von Immunantworten, der Abwehr von Infektionen und bei immunologischen Erkrankungen. Bislang wissen wir nur ansatzweise, wie aus kleinen Fehlern in diesem System schwere Krankheiten entstehen und wie man gezielt therapeutisch eingreifen kann“, so die Forscherin über das Potential der neuen Methode.

Fehler im Ubiquitin-System werden mit zahlreichen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, so zum Beispiel mit der Entstehung von Krebs, mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, aber auch mit dem Verlauf von Infektionen und Entzündungen. 

Publikation: Katarzyna Kliza, Christoph Taumer, Irene Pinzuti, Mirita Franz-Wachtel, Simone Kunzelmann, Benjamin Stieglitz, Boris Macek & Koraljka Husnjak. Internally tagged ubiquitin: a tool to identify linear polyubiquitin-modified proteins by mass spectrometry. Nature Methods 2017. doi:10.1038/nmeth.4228

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/65826411

Bildtext: Schematische Darstellung von zwei linear verknüpften Ubiquitin-Molekülen. Die interne Markierungsstelle ist schwarz markiert.

Grafik: Koraljka Husnjak, erstellt mit PyMOL Software

Informationen: Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301 84250, k.koch@em.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

Mär 17 2017
16:33

Preisträger der Data Challenge 2016 entwickeln Lösungen für das Reisen der Zukunft und die Kontrolle von Finanzdaten

Wettbewerb zeichnet Studierende für intelligentes Datenmanagement aus

FRANKFURT. Mit „Data Challenge 2016“ waren zwei Wettbewerbe überschrieben, die das BIG DATA LAB der Goethe-Universität gemeinsam mit der Deutschen Bahn und ING-DiBa durchgeführt hat. Angesprochen waren Studierende der Informatik, Mathematik und verwandter Fächer, um in Teams Lösungen für die gestellten Aufgaben des „DB Award Mobilität der Zukunft“ und „Future of Financial Data“ zu entwickeln. Begleitend zum Wettbewerb wurden die Studierenden in dem Seminar „Web Business: Data Challenges“ betreut, das vom Informatiker Prof. Roberto V. Zicari geleitet wurde. Nun stehen die Preisträger der beiden Wettbewerbe fest.

Beim „DB Award Mobilität der Zukunft“ der Deutschen Bahn sollten Studierende Lösungen für das Reisen der Zukunft entwickeln. Patrick Klose und Nicolas Pfeuffer erreichten mit ihrem Projekt „Füllstand Waggon“ den ersten Platz. In ihrer Lösung kann ohne den Einbau weiterer Infrastruktur die exakte Personenzahl in einem Zugwaggon erfasst werden, die Pünktlichkeit der Züge in Zeiten der Rush Hour dadurch erhöht werden. Auf dem zweiten Platz landeten Philipp Lang und Matthias Jostock mit „Heat-Map & Preis-Upgrade“, auf dem dritten Platz Alexander Maas mit „Verspätungshilfen“.

Beim ING-DiBa-Wettbewerb „Future of Financial Data“ ging es darum, Lösungen für Bankkunden suchen, damit diese einen besseren Überblick und eine leichtere Kontrolle über ihre Finanzdaten haben. Jonas De Paolis und Aaron Michel gewannen mit ihrem Projekt „WinTech“ den ersten Preis: In ihrer Lösung wird über die Prognose des zukünftigen Kontostandsverlaufs das szenarienbezogene Denken des Nutzers gefördert. Auf dem zweiten Platz kam das Projekt „Data Driven Detectives“ von Iuliia Guk und Kateryna Pryshchepa, auf den dritten Platz „HelloWeltYa“ von Jiawei Hu und Chuan Liu.

Weitere Informationen: www.bigdata.uni-frankfurt.de/2016/10/deutsche-bahn-und-ing-diba-data-challenges/

Kontakt: Frankfurt Big Data Lab, DBIS, Institut für Informatik, Fachbereich Informatik und Mathematik (FB12). Tel (069) 798-28212 (Sekretariat Frau Terrell). www.bigdata.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Mär 13 2017
16:16

DFG fördert Weiterentwicklung des Linguistik-Portals der Universitätsbibliothek Frankfurt zu einem Fachinformationsdienst

Mit dem Linguistik-Portal in die Cloud

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen Förderantrag der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg bewilligt, der gemeinsam mit Prof. Christian Chiarcos vom Forschungsgebiet Angewandte Computerlinguistik (ACoLi) am Institut für Informatik der Goethe-Universität erarbeitet wurde. Die Fördermittel dienen dazu, im Verlauf von drei Jahren einen Fachinformationsdienst (FID) Linguistik aufzubauen.

In den Sprachwissenschaften gewinnen digitale Textkorpora seit Jahren an Bedeutung. Nicht nur angewandte Linguisten und Computerlinguisten, sondern alle empirisch arbeitenden Geisteswissenschaftler rekurrieren zunehmend auf große textbasierte Datenmengen, deren Analyse durch automatisierte Verfahren erleichtert wird. Das daraus erwachsene, breite Forschungsfeld der Digital Humanities bedient sich dabei linguistischer Methoden. Der FID Linguistik hat sich zum Ziel gesetzt, solche korpuslinguistischen Vorhaben durch verschiedene Maßnahmen zu fördern:

Die Sichtbarkeit von Textkorpora und von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die Textkorpora behandeln, soll erhöht werden. Zu diesem Zweck werden alle geeigneten Publikationen, die in der an der Bibliothek seit vier Jahrzehnten erstellten Bibliography of Linguistic Literature (BLL) verzeichnet sind, mit den jeweils behandelten Forschungsdaten (Sprachkorpora, elektronische Wörterbücher etc.) verlinkt. Ein weiterer Projektbestandteil ist, die Recherche nach forschungsrelevanten Primärdaten zu optimieren. Um dies zu erreichen, werden NLP-Werkzeuge verwendet und weiter entwickelt, mit deren Hilfe nur formal ausgezeichnete Forschungsprimärdaten automatisch durch inhaltliche Schlagwörter angereichert werden und so leichter gefunden werden können.

Ergänzend ist geplant, im Rahmen des FID Linguistik überregionale Lizenzen für kommerzielle, multilinguale Sprachkorpora abzuschließen, um Wissenschaftlern den Zugang zu solchen kostenpflichtigen Forschungsprimärdaten zu erleichtern. Die Ergebnisse dieser Maßnahmen werden in das Linguistik-Portal einfließen. Dabei handelt es sich um ein internetbasiertes Fachportal für die allgemeine Linguistik, die vergleichende Sprachwissenschaft und die Linguistiken der Einzelphilologien, das unter www.linguistik.de einen breit angelegten, einheitlichen Zugang zu fachspezifischer Literatur und anderen wissenschaftlichen Informationsquellen bietet.

Ein innovatives Merkmal des Linguistik-Portals ist die Vernetzung mit der Linked Open Data Cloud. Dadurch können heute schon Online-Ressourcen aus der Cloud über eine einfache Portalsuche gefunden werden. Und umgekehrt kann man zu einer Ressource in der Cloud über die vorhandene Verlinkung passende Sekundärliteratur im Linguistik-Portal finden.

Die Kernmodule des Linguistik-Portals, die in den Jahren 2012-2014 mit DFG-Förderung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutsche Sprache (IDS) Mannheim und der Arbeitsgruppe LinseLinks an der Universität Duisburg-Essen aufgebaut wurden, werden in die Webpräsenz des Fachinformationsdienstes übernommen. Dazu zählen ein umfassendes Verzeichnis linguistisch relevanter elektronischer Zeitschriften und Online-Datenbanken sowie Verzeichnisse thematischer Webseiten, sprachwissenschaftlicher Forschungsprojekte und Online-Wörterbücher – auch zu weniger bekannten Sprachen. Der virtuelle Katalog für die gleichzeitige Recherche in mehreren Fachkatalogen, Bibliografien, Open-Access-Repositorien und den portaleigenen Modulen wird kontinuierlich erweitert.

Die Einrichtung des Linguistik-Portals geht zurück auf das Sondersammelgebiet „Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Allgemeine Linguistik“, das von 1950 bis 2015 im Auftrag der DFG an der Universitätsbibliothek betreut wurde und dessen Aufgabe es war, die wissenschaftliche Literatur zur allgemeinen Linguistik einschließlich ihrer Grenz- und Nachbardisziplinen so vollständig wie möglich zu sammeln. Bestandteil des Serviceangebots des FID Linguistik ist auch weiterhin der Erwerb von gedruckter oder elektronischer Literatur für die Spitzenforschung – unter besonderer Berücksichtigung des aktuellen Bedarfs der Fachcommunity.

Durch die Teilnahme der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg an dem neuen DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ wird die Tradition eines herausragenden Infrastrukturangebots für die linguistische Forschung aufrechterhalten.

Links:
Universitätsbibliothek Frankfurt: http://www.ub.uni-frankfurt.de/projekte/fid-linguistik.html
AG Angewandte Computerlinguistik (ACoLi) am Institut für Informatik: http://acoli.cs.uni-frankfurt.de/
Lin|gu|is|tik – Portal für Sprachwissenschaft: http://www.linguistik.de/

Informationen: Heike Renner-Westermann, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-39235, E-Mail: h.renner-westermann@ub.uni-frankfurt.de

Forschung

Mär 13 2017
12:53

Vorstufe zu neuartigen Biokraftstoffen/ Zwei Patente angemeldet

Mit Bierhefe wertvolle Fettsäuren brauen

FRANKFURT. Kurzkettige Fettsäuren sind wertvolle Bestandteile von Kosmetika, pharmazeutischen Wirkstoffen, antimikrobiellen Substanzen, Aromastoffen oder Seifen. Bisher sind sie nur durch aufwändige Extraktion aus bestimmten Pflanzen wie der Kokosnuss oder chemisch aus Erdöl zu gewinnen. Den Arbeitsgruppen von Prof. Martin Grininger und Prof. Eckhard Boles von der Goethe-Universität Frankfurt ist es gelungen, solche Fettsäuren mithilfe von Hefen einfach und in großen Mengen aus Zucker oder zuckerhaltigen Abfällen in einem dem Bierbrauen ähnlichen Prozess herzustellen.

Wie die Wissenschaftler in den aktuellen Ausgaben der renommierten Zeitschriften „Nature Chemical Biology“ und „Nature Communications“ mitteilen, sind die kurzkettigen Fettsäuren auch als Vorstufe von Treibstoffen begehrt. „Die neue Technologie kann ein Schlüsselschritt sein, um über Hefen einen alternativen Zugang zu neuartigen Biokraftstoffen zu finden, deren Eigenschaften denen fossiler Kraftstoffe nahezu entsprechen“, erklärt Eckhard Boles vom Institut für Molekulare Biowissenschaften.

Die von Pflanzen und Tieren produzierten Fettsäuren bestehen zu einem großen Anteil aus Ketten von 18 Kohlenstoffatomen. Sie sind also länger als die gewünschten kurzkettigen Verbindungen. In lebenden Zellen stellen große Proteinkomplexe, die Fettsäuresynthasen, Fettsäuren her. Dabei fügen sie 9 Bausteine aus jeweils 2 Kohlenstoffatomen in einem Prozess aus 8 Zyklen zusammen. Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der VolkswagenStiftung an der Goethe-Universität und Forschungsgruppenleiter am Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS), war mitbeteiligt an der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur der Fettsäuresynthasen. Mit seinem detaillierten Wissen über deren Wirkmechanismus konnte er gezielt in diesen eingreifen.

„Wir haben zunächst untersucht, wie die Fettsäuresynthase Zyklen zählt, um zu entscheiden, wann die Kette fertig ist. Gefunden haben wir eine Art Lineal, das die Länge der Fettsäure misst“, erklärt Martin Grininger. „Dieses Lineal haben wir so verändert, dass die Fettsäuresynthase sich vermisst und kürzere Ketten frei setzt. Das alles geschah zunächst am Computer und im Reagenzglas“.

Mit Eckhard Boles, der im benachbarten Biozentrum am Stoffwechsel von Hefen forscht, entstand dann die Idee, Griningers veränderte Fettsäuresynthasen in Hefen einzusetzen. „Diese Hefen schieden auf einmal die kurzkettigen Fettsäuren in beachtlichen Mengen aus“, berichtet Boles. „Damit können wir nun wie beim Bierbrauen anstelle von Alkohol die wertvollen kurzkettigen Fettsäuren produzieren.“ Grininger und Boles ergänzen: „Diese Entwicklung ist erst der Anfang. Wir wollen jetzt durch ähnliche Veränderungen an anderen großen Enzymkomplexen, den Polyketidsynthasen, weitere neuartige Moleküle für die chemische und pharmazeutische Industrie synthetisieren, die sonst nur schwer zugänglich sind.“

Die Universität Frankfurt hat die Entwicklungen durch zwei europäische und internationale Patentanmeldungen schützen lassen und sucht nun nach Lizenznehmern für kommerzielle Anwendungen. Grininger und Boles entwickeln ihre Technologie zusammen in verschiedene Richtungen weiter. In dem von der Europäischen Union geförderten Projekt „Chassy“ soll die Technologie zur Industriereife gebracht werden. Zudem sollen in dem vom Land Hessen finanzierten LOEWE-Projekt „MegaSyn“ über die Veränderung von Polyketidsynthasen weitere chemische Verbindungen hergestellt werden. Und in dem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt „Alk2Bio“ werden die Hefen so weiterentwickelt, dass sie aus den kurzkettigen Fettsäuren die Biokraftstoffe Oktanol und Heptan produzieren.

Publikationen:
Gajewski, J., Buelens, F., Serdjukow, S., Janßen,M., Cortina, N., Grubmüller, H. and Grininger, M. (2017) Engineering fatty acid synthases for directed polyketide production. Nat. Chem. Biol. doi:10.1038/nchembio.2314.

Gajewski, J., Pavlovic, R., Fischer, M., Boles, E. and Grininger, M. (2017) Engineering fungal de novo fatty acid synthesis for short chain fatty acid production. Nat. Commun. doi:10.1038/NCOMMS14650. http://rdcu.be/pX6c

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/65728223

Bildtext: Mit einer modifizierten Fettsäuresynthase (schematisch dargestellt durch ihre synthetischen Eigenschaften innerhalb der blauen Box) kann man eine Hefezelle dazu bringen, kurzkettige Fettsäuren zu produzieren. Die Synthese ist mit einem mehrstufigen Industrieprozess vergleichbar. Durch gezielte Veränderungen der natürlichen Synthese werden Teilprozesse beschleunigt oder verlangsamt (grüne und rote Pfeile), sodass vorzeitig kurzkettige Fettsäuren abgespalten werden.

Copyright: Eckhard Boles und Martin Grininger

Informationen: Prof. Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der VolkswagenStiftung, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie und Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS), Campus Riedberg, Tel.: 069 798 42705; grininger@chemie.uni-frankfurt.de

Prof. Eckhard Boles, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: 069798 29513, e.boles@bio.uni-frankfurt.de

Forschung

Mär 9 2017
10:20

Vorstellung erster Ergebnisse bei der Veranstaltung zum „Equal Pay Day“ an der Goethe-Universität am 17. März

Hessischer Lohnatlas dokumentiert erste Daten zu Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern


Neuer Veranstaltungsort: Die Veranstaltung wird ins Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Raum 1.741 B verlegt.


FRANKFURT. Pünktlich zum Equal Pay Day am 18. März kann das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität die ersten Daten des im Aufbau befindlichen Hessischen Lohnatlas vorstellen. Der Lohnatlas wird im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt. Ein signifikantes Ergebnis: Im Vergleich von Frauen und Männern, die beide in Vollzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, verdienten Frauen in Hessen 2015 durchschnittlich 14 Prozent weniger, im Bundesdurchschnitt waren es sogar 17 Prozent.

„Mit dem Lohnatlas soll zunächst mehr Transparenz erreicht werden. Denn nur wenn wir genaue Kenntnisse darüber haben, wie sich die Lage in den verschiedenen Regionen Hessens darstellt, können wir geeignete Maßnahmen entwickeln“, erklärt der Hessische Arbeitsminister Stefan Grüttner. Und dazu liefern die Auswertungen des IWAK erste Erkenntnisse. „Dass Hessen im Bundesvergleich etwas besser abschneidet, liegt an den urbanen Zentren“, erläutert Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. „Im Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Kassel und Gießen sind die Lohnlücken eher gering.“ In den Städten gibt es mehr Großunternehmen und damit mehr Aufstiegsoptionen, wovon Frauen profitieren könnten. Der Lohnabstand beträgt in Frankfurt 8 Prozent und in Wiesbaden 10 Prozent. Deutlich größer ist er in den ländlichen Regionen im Nordosten und Westen von Hessen, in Limburg-Weilburg beträgt er schon  17 Prozent. Wenn man die Situation von akademisch qualifizierten Frauen und Männern betrachtet, wird deutlich, dass die Schere noch weiter aufgeht.

Bei der Darstellung der Ungleichheiten soll es nicht bleiben, neben dem Hessischen Lohnatlas ist ein Dialog der Sozialpartner geplant, auch diese Initiative im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration wird durch das IWAK begleitet. Zum Gesamtpaket gehört darüber hinaus, Unterstützungsmaßnahmen vor Ort zu verbessern. „Dabei geht es unter anderem um die Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen“, so die IWAK-Geschäftsführerin. „Aber wir wollen auch schauen, ob die Berufsorientierung von Mädchen und jungen Frauen in den verschiedenen Regionen noch zielgerichteter  weiterentwickelt werden kann, so dass sie möglichst gut ins Erwerbsleben eintreten und einen gerechten Lohn erhalten können.“

„Die demografische Entwicklung und die gleichzeitig steigende Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern macht es notwendig, dass Frauen beständiger und nach Familienphasen schneller wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen. Die Lohngleichheit ist ein wichtiger Schritt, um die Aufnahme einer Beschäftigung attraktiver zu machen“, so Minister Grüttner. Die Hessische Landesregierung unterstütze Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf auf vielfältige Weise. Das Sozialministerium fördere auch mit dem Netzwerk ‚Wiedereinstieg‘ den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen in den Arbeitsmarkt. „Wir haben derzeit einen Verbund von elf Trägern in Hessen, die Frauen bei der Rückkehr in den Beruf unterstützen“, ergänzt Grüttner.

Öffentliche Veranstaltung zum Equal Pay Day am 17. März
Unter dem Motto „10 Jahre Equal Pay Day in Hessen – partnerschaftlich durchstarten“ werden erste Ergebnisse aus dem Hessischen Lohnatlas vorgestellt und über weitere Schritte auf dem Weg zur Lohngleichheit in Hessen diskutiert

 am 17. März (Freitag) von 14 bis 17 Uhr im Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Raum 1.741 B, Campus Westend.

Die Veranstaltung wird gemeinsam vom IWAK, dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration sowie dem Frankfurter Aktionsbündnis „Equal Pay Day“ unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Stefan Grüttner durchgeführt. Nach dem Kurzvortrag „Entgelt(un)gleichheit in Hessen im Spiegel der Statistik“ von Dr. Christa Larsen (IWAK) diskutieren Sozialpartner und Experten über Lösungswege zur Reduzierung der Lohnlücke, Moderation Marion Kuchenny (HR1).

Informationen zum bundesweiten „Equal Pay Day“
Das Datum des „Equal Pay Day“ wird jedes Jahr neu berechnet, in diesem Jahr ist es der 18. März. Er symbolisiert den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied. Bundesweit kommt man auf eine Lohnlücke von 21 Prozent. Umgerechnet auf das Jahr 2017 arbeiten Frauen quasi vom 1. Januar bis 18. März 2017, also 77 Tage, umsonst. 2016 waren es 79 Tage. Deutschland gehört immer noch zu den Schlusslichtern in Europa, wenn es um die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern geht. Diese Lohnlücke wird nach einem anderen Verfahren als die Daten im Hessischen Lohnatlas berechnet. Während das statische Bundesamt Stundensätze von Voll- und Teilzeitkräften berücksichtigt, werden im Hessischen Lohnatlas des IWAK nur die Bruttomonatsentgelte von Frauen und Männern in Vollzeit in die Berechnung einbezogen. Diese Methode verdeutlicht, dass Frauen, auch wenn sie im gleichen Umfang wie Männer erwerbstätig sind, trotzdem im Schnitt weniger verdienen.

Einladung für Medienvertreter: Pressegespräch am 17. März um 13.15 Uhr, Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Raum 1.741 B, Campus Westend, Gesprächspartner sind Dr. Christa Larsen (IWAK), Maja Weise-Georg (Hessisches Sozialmininisterium), Claudia Plenert (Business and Profesional Women Frankfurt), Volker Weber (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie).

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, Campus Bockenheim Tel. (069) 798- 22152, E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de, www.iwak-frankfurt.de/projekt/hessischer-lohnatlas/

Weitere Aktionen und Programm zum Equal Pay Day 2017 in Frankfurt: http://www.bpw-frankfurt.de/neuigkeiten/newsartikel/datum/2016/12/31/equal-pay-day-2017/

Forschung

Mär 8 2017
13:43

Erste tumorspezifische Studie bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium

Magen-Darm-Krebs: Sport hilft während der Chemo

FRANKFURT. Walken oder Joggen hilft Patienten mit fortgeschrittenem Magen-Darm-Krebs, besser mit den Nebenwirkungen der Chemotherapie zurecht zu kommen. Das hat Katrin Stücher durch eine Studie im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Abteilung Sportmedizin der Goethe-Universität gezeigt.

Bewegung als komplementäre Therapie zur Chemotherapie hat positive Effekte auf die Muskeln, das Gleichgewicht und das tumorbedingte Erschöpfungssyndrom. Patienten vertragen die Therapie besser und erleben anschließend weniger Rückfälle (Rezidive). Das haben in der Vergangenheit bereits viele Studien belegt. Doch diese untersuchten Patienten im Anfangsstadium ihrer Erkrankung und unterschieden nicht zwischen verschiedenen Tumorarten.

Die Studie, eine Kooperation der Abteilung Sportmedizin unter Leitung von Prof. Winfried Banzer und der Medizinischen Klinik I sowie dem Magen-Darm-Zentrum des Agaplesion Markus-Krankenhauses in Frankfurt unter der Leitung von Prof. Axel Dignaß, zeigt, dass auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium eines Magen-Darm-Tumors von der Bewegungstherapie profitieren. Gemäß den Empfehlungen des American College of Sports Medicine absolvierten die Teilnehmer entweder drei Mal wöchentlich 50 Minuten oder fünf Mal wöchentlich 30 Minuten in einem Tempo, das sie „für etwas anstrengend“ hielten. War ihnen dies nicht möglich, durften sie die Trainingseinheiten auch abkürzen.

„Für einige Patienten war es schwierig, das Laufprogramm gemäß den Empfehlungen durchzuführen“, erklärt Katrin Stücher. „Eine häufige Barriere war das Wetter: entweder war es zu kalt, zu warm oder zu nass. Aber auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Sensibilitätsstörungen, Schwäche, Erschöpfung, Infektionen oder starker Durchfall führten oft zur Einschränkung oder sogar zum Abbruch des Laufprogramms.“

Für die Studienteilnehmer erwies sich die komplementäre Bewegungstherapie trotz vereinzeltem Pausieren als sinnvoll. Sie verbesserten sich sowohl in der Muskelmasse, als auch in den funktionellen Eigenschaften wie Balancefähigkeit, Ganggeschwindigkeit und Beinkraft. Zusätzlich ergeben sich aus der Studie erste Hinweise, dass die Toxizität der Chemotherapie durch moderate Aktivität vermindert werden kann. Denn gerade aufgrund starker toxischer Effekte muss bei Patienten mit Magen-Darm-Krebs oft die Dosis reduziert oder die Chemotherapie ganz abgebrochen werden.

„Ich gehe jeden Morgen walken. Das tut mir physisch und psychisch gut und trägt sicherlich zur Genesung bei. Ich denke ohne Ihre Ermunterung weiterhin Sport zu betreiben, hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, mich körperlich zu fordern“, so das Feedback eines Studienteilnehmers.

„Wir halten es für sinnvoll, Patienten künftig während der Chemotherapie körperliche Aktivität anzubieten. Um Widrigkeiten durch das Wetter auszuschließen, könnte man Trainingsräume in Kliniken einrichten. Darüber hinaus sollten die Patienten auch nach nebenwirkungsbedingten Laufpausen motiviert werden, das Programm weiterzuführen“, so Prof. Winfried Banzer, Abteilungsleiter der Sportmedizin an der Goethe-Universität.

Informationen: Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Abteilung Sportmedizin, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 798 24543, oder Katrin Stücher, Ernährungswissenschaftlerin, Katrin.Stuecher@erfolgreich-essen.de.

Hochschulpolitische Themen

Mär 7 2017
12:02

Stiftung Geld und Währung und Goethe-Universität unterstützen interdisziplinäre Forschung zu Notenbanken

IMFS: Förderung für weitere zehn Jahre

FRANKFURT. Das Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) wird seine interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Geld und Währung in den nächsten zehn Jahren weiter ausbauen. Der Goethe-Universität ist es gelungen, für die neue Förderperiode ab September 2017 Drittmittel in Höhe von insgesamt 5 Millionen Euro von der Stiftung Geld und Währung einzuwerben. Noch stärker im Fokus der Forschungsarbeit stehen zukünftig die Aufgaben, Kompetenzen und Befugnisse, die Zentralbanken in der Geldpolitik sowie in der erweiterten Regulierung und Finanzaufsicht haben – und die Auswirkungen dieser erweiterten Regulierung und Finanzaufsicht auf das Finanzsystem und die Realwirtschaft.

„Das IMFS hat sich in der Forschungslandschaft als Marke im Bereich Geld und Notenbanken erfolgreich etabliert. Eine besondere Stärke liegt in seiner ‚dualen Interdisziplinarität‘: Das IMFS arbeitet sowohl in Hinblick auf die Schwerpunkte Preis- und Finanzstabilität interdisziplinär als auch in Bezug auf die beteiligten Fachrichtungen Ökonomie und Recht. Durch die enge Verflechtung von politikrelevanter Grundlagenforschung und forschungsbasierter Politikberatung kann zudem ein besonderer Mehrwert für den öffentlichen Diskurs erzielt werden. Wir freuen uns deshalb, dass es im Zusammenwirken mit der Goethe-Universität gelungen ist, diese fruchtbare Arbeit mit einer langfristigen Perspektive weiter zu begleiten“, sagt Gerhard Ziebarth, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Geld und Währung.

Außer über die beiden Lehrstühle für monetäre Ökonomie und Geld-, Währungs- und Notenbankrecht wird die Universität künftig über eine neu zu besetzende Professur für Finanzmarkt und Makroökonomie noch enger mit dem Institut verbunden sein. „Ich freue mich sehr darüber, dass die Forschung an der Goethe-Universität in diesem Bereich weiter ausgebaut werden kann. Das IMFS ist eine gewichtige Stimme, die bundes- und europaweit gehört wird und Einfluss hat. In Zeiten ‚gefühlter Wahrheiten‘ erscheint es mir von hoher Relevanz, stärker denn je der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass Entscheidungen auf der Basis profunder wissenschaftlicher Erkenntnisse gefällt werden“, sagt Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität.

Zu den aktuellen Forschungsprojekten des IMFS gehören die Macroeconomic Model Data Base, eine von Prof. Volker Wieland und seinem Team entwickelte offene Datenbank für makroökonomische Modelle, in die Forscher die Formeln und Codes ihrer Modelle einspeisen und Berechnungen anderer Wissenschaftler nachvollziehen können, sowie die englische Übersetzung und Aktualisierung des von Prof. Helmut Siekmann herausgegebenen 1500 Seiten umfassenden Kommentars zur Europäischen Währungsunion.

Über das IMFS:
Das 2006 gegründete und 2007 eröffnete Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) ist ein wissenschaftliches Zentrum der Goethe-Universität Frankfurt zur Umsetzung des Projekts Währungs- und Finanzstabilität der Stiftung Geld und Währung. Das IMFS, das seinen Sitz im House of Finance der Goethe-Universität hat, betreibt interdisziplinäre wirtschafts- und rechtswissenschaftliche Forschung  und berät auf dem Gebiet des Geld-, Währungs- und Finanzwesens wirtschaftspolitisch und rechtlich. Insbesondere soll es dazu beitragen, durch Veranstaltungen und Diskussionsforen mit nationaler und internationaler Beteiligung den wissenschaftlichen Meinungsaustausch zu fördern – etwa durch die jährliche Konferenz „The ECB and Its Watchers“. Geschäftsführender Direktor des IFMS ist seit 2012 Prof. Volker Wieland, Inhaber der Stiftungsprofessur für Monetäre Ökonomie und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Prof. Helmut Siekmann ist Stiftungsprofessor für Geld-, Währungs- und Notenbankrecht. Als Assoziierte Professoren wirken am IMFS darüber hinaus Michael Binder, Professor für Internationale Makroökonomik und Empirische Wirtschaftsforschung an der Goethe-Universität, und Prof. Tobias Tröger, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht und Rechtstheorie an der Goethe-Universität.

Über die Stiftung Geld und Währung:
Die 2002 auf der Grundlage eines Bundesgesetzes gegründete Stiftung Geld- und Währung soll als rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Bedeutung stabilen Geldes erhalten und die wirtschafts- und rechtswissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet des Geld- und Währungswesens fördern. Das Stiftungskapital stammt aus dem Verkauf der 1-DM-Goldmünzen im Jahr 2001, die aus Anlass der Einführung des Euro-Bargelds zum Gedenken an die D-Mark ausgegeben wurde.

Informationen: Natascha Lenz, Pressereferentin IMFS, House of Finance, Theodor-W.-Adorno-Platz 3, Campus Westend, Telefon +49 (0)69 798-34015, Fax +49 (0)69 798-33907, eMail lenz@imfs-frankfurt.de, Homepage www.imfs-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Mär 7 2017
12:00

Kolloquium zum Auftakt der 3. Serie von „Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters“

Neue Perspektiven auf Europas geistige Grundlagen

FRANKFURT. Ein epochales Werk geht in die dritte Runde: Von März an erscheinen 25 neue Bände in „Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters“, in der bereits 38 Bände in einer 1. und 2. Serie publiziert wurden. Mitherausgeber ist Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Philosophieprofessor an der Goethe-Universität. Aus diesem Anlass findet unter dem Titel

 „Text und Übersetzung – Zur Aktualität der Philosophie des Mittelalters heute“ am Mittwoch, 15. März, von 14.30 bis 19 Uhr im IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, Raum 1.314 (Eisenhower-Raum) am Campus Westend

ein Kolloquium statt.

Die nun erscheinenden 25 Bände setzen die Erschließung philosophischer Primärtexte des Mittelalters fort, die 2005 begonnen wurde. In einem breit gefächerten Programm werden Fragen zur philosophischen Erkenntnistheorie und Wissenschaftslehre, zur Handlungstheorie und Ethik, zur Metaphysik und philosophischen Theologie behandelt. Die Bände kombinieren lateinische, arabische, hebräische, griechische und syrische Originaltexte mit deutschen Erstübersetzungen. Damit laden sie zu Lektüre und Studium zentraler Texte der Philosophie des Mittelalters ein. Die Texte stehen zugleich in enger Verbindung mit den religiös und kulturell unterschiedlichen Traditionen der Autoren, damit dokumentiert die Reihe auch den Beitrag der Philosophie des Mittelalters zum Dialog der drei großen Buchreligionen. Die Reihe erschließt den Reichtum einer Epoche der Geschichte der Philosophie und eröffnet neue Perspektiven auf die geistigen Grundlagen der Identität Europas.

Für das Kolloquium sind folgende Vorträge angekündigt: Über „Text und Übersetzung – Über die Zeitgenossenschaft der Philosophie spricht Prof. Matthias Lutz-Bachmann. „Das Buch, die Bibliothek und die Ordnung des Wissens“ nimmt sein Mitherausgeber Prof. Alexander Fidora (Universidad Autònoma de Barcelona) in den Blick, und Prof. Isabelle Mandrella (Ludwig-Maximilians-Universität), ebenfalls Herausgeberin, spricht zum Thema „Philosophie, nicht Geschichte. Zum Umgang mit der mittelalterlichen Philosophie“.

Von Dr. Maria Burger (Albertus-Magnus-Institut Bonn) gibt es einen Vortrag über „Selbsterkenntnis durch Gotteserkenntnis“ bei Albertus Magnus, Prof. Stephan Ernst (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) wirft „Schlaglichter auf Struktur und Inhalt“ des „Speculum universale“ von Radulfus Ardens. Und Prof. Andreas Speer (Universität zu Köln) hat sich „Erkenntnis und Gewissheit. Was uns eine Pariser Debatte des 13. Jahrhunderts lehren kann“ zum Gegenstand ausgewählt.

Information und Anmeldung: Prof. Matthias Lutz-Bachmann/Ursula Krüger, Institut für Philosophie, Norbert-Wollheim-Platz 1, Telefon 069 798-32776, eMail krueger@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mär 6 2017
12:11

Eine Ausstellung im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität vom 19. März bis 9. Juli 2017

Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren

FRANKFURT. Die 1950er Jahre stellten eine Zeit des Aufbruchs dar. In der 1949 gegründeten Bundesrepublik dominierte die künstlerische Abstraktion. Mit 74 Arbeiten von 20 Künstlern und Künstlerinnen möchte die Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ einen neuen Blick auf die Abstraktion jener Zeit werfen, die für Freiheit stand und dem Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik entsprach. Nach der Diktatur des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Isolation gelang mit ihr der Anschluss an die westliche Avantgarde.

Die Ausstellung eröffnet mit dem „Darmstädter Gespräch“ von 1950 zur Positionsbestimmung der modernen Kunst und dem Nachkriegskonflikt zwischen Figuration und Abstraktion, um die Rahmenbedingungen jener Zeit aufzuzeigen. Im Fokus stehen dann die wichtigsten Künstlergruppierungen mit ihren unterschiedlichen Entstehungsbedingungen, Orten und Akteuren: „junger westen“ in Recklinghausen, „ZEN 49“ in München und „Quadriga“ in Frankfurt. Künstlergruppen, die für die Moderne charakteristisch sind, waren auch in jenen Nachkriegsjahren ein wichtiger Rückhalt der Künstler und ein Forum, um Öffentlichkeit herzustellen. Werke der Maler Gerhard Hoehme, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann sowie des Bildhauers Ernst Hermanns zeigen den Aufbruch des „jungen westen“. Die Münchener Gruppe „ZEN 49“ ist mit Arbeiten von Rupprecht Geiger, K. R. H. Sonderborg, Fritz Winter und der Bildhauerin Brigitte Meier-Denninghoff vertreten. Den Malern K. O. Götz, Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze, die seit ihrer Ausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie Franck 1952 als „Quadriga“ bezeichnet wurden, gilt ein besonderer Ausstellungsschwerpunkt.

Mit den ausgewählten Künstlerpositionen zeigt die Ausstellung auch ein vielfältiges Spektrum abstrakter Positionen: Ob organisch-vegetativ, geometrisch-streng, gestisch-impulsiv oder tastend-skriptural – die Abstraktionen der 1950er Jahre waren formal wie farblich heterogen – von buntfarbig über tonig-gedämpft bis hin zu monochrom. Die vitalen Entgrenzungen betrafen Freiheiten von Form und Farbe und gelangten zu neuen Bild- und Gattungsvorstellungen.

Ein Blick auf die documenta II in Kassel 1959 und den Aufbruch junger Künstler bilden das Ende der Ausstellung. Arbeiten von Hermann Goepfert, Hans Haacke, Peter Roehr und Franz Erhard Walther markieren den Übergang zur „ZERO“-Bewegung und Objektkunst.

Pressekonferenz: Donnerstag, 16. März 2017, 11 Uhr

  • Dr. Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • Dr. Birgit Sander, stellv. Museumsleiterin
  • Prof. Dr. Christian Spies, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 19. März 2017, 11 Uhr

  • Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität
  • Dr. Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • Prof. Dr. Christian Spies, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität
  • Dr. Birgit Sander, stellvertretende Museumsleiterin

Publikation: Der Katalog erscheint mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung im Michael Imhof Verlag und kostet 29,- € im Museum.

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse. Passwort: museumgiersch2017

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Vorträgen, Kinderprogramm und Sonderveranstaltungen unter http://www.museum-giersch.de/#/Presse. Die Ausstellung wird von der Stiftung Giersch finanziert. Angehörige der Goethe-Universität haben bei Vorlage der Goethe-Card freien Eintritt.

Informationen: Dipl. Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität, Tel: 069/13821010, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Veranstaltungen

Mär 6 2017
12:09

3. öffentlicher Vortrag des Rhein-Mainz Neuronetz (rmn2)

David Poeppel über die Elementarteilchen der Sprache

FRANKFURT. Was sind die kleinsten Bausteine der Sprache? Darauf geben Linguisten und Neurowissenschaftler unterschiedliche Antworten. Prof. David Poeppel, Direktor der Abteilung Neurowissenschaften am neugegründeten Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik in Frankfurt, wird die beiden Fachgebiete miteinander in Beziehung setzen in seinem Vortrag

 „Die Elementarteilchen der Sprache und ihre Verarbeitung im Gehirn“, am 13. März (Montag) um 17.15 Uhr, Universitätsklinikum Frankfurt, Haus 23, Hörsaal 3, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt

Über die fundamentalen Repräsentationen der Sprache und Prozesse, ohne die Sprachverarbeitung nicht möglich wäre, machen sich Sprachwissenschaftler seit über 2.000 Jahren Gedanken. Die Neurowissenschaften stellen seit etwa 100 Jahren ähnliche Fragen zur Repräsentation von Sprache und ihrer Verarbeitung im Gehirn. Aber wie sollen die beiden "Listen von Elementarteilchen" aufeinander abgebildet werden? David Poeppel, Experte auf beiden Gebieten, stellt in seinem Vortrag anhand einiger kurzweiliger Experimente mögliche Lösungen vor.

Dies ist der dritte öffentliche Vortrag in der 2015 vom Rhein-Main Neuronetz gegründeten Reihe „rmn² lecture“. Sie findet jährlich abwechselnd an der Goethe-Universität und der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz, statt. In diesem Jahr wird die hochkarätig besetzte Veranstaltung durch Grußworte von Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, und Prof. Mira Mezini, Vizepräsidentin der TU-Darmstadt, eröffnet.

Das Rhein-Main Neuronetz (rhine-main neuroscience network, kurz rmn²) gehört zu den international sichtbaren Standorten der Hirnforschung in Deutschland. Gegründet wurde es 2010 als Zusammenschluss von Neurowissenschaftlern der Universitäten Frankfurt und Mainz, um Forschungseinrichtungen und Technologien gemeinsam forschend zu nutzen und neue Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis umzusetzen. Neben den beiden Universitäten sind weitere Mitglieder des Netzwerks die Universitätskliniken in Frankfurt und Mainz, das Institut für Molekulare Biologie Mainz, das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), das Ernst Strüngmann Institut sowie die Max-Planck Institute für Hirnforschung und Empirische Ästhetik in Frankfurt. Auch die TU Darmstadt wird in diesem Jahr ein neues Mitglied von rmn2 und damit den Verbund weiter stärken. Zu den zentralen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Verbundprojekten von rmn² gehören die Sonderforschungsbereiche „Molekularen und Zellulären Mechanismen der Neuralen Homöostase (SFB 1080)“ und die„Neurobiologie der Resilienz (SFB 1193)“.

Alle Interessierten sind zu Vortrag, Diskussion und anschließendem Umtrunk eingeladen.

Die Veranstaltung ist durch die Landesärztekammer Hessen und die Hessische Lehrkräfteakademie akkreditiert. 

Information: Dr. Gabi Lahner, Koordinatorin des Rhine-Main Neuroscience Network (rmn²), Neuroscience Center, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-6021, lahner@em.uni-frankfurt.de. www.rmn2.de

Veranstaltungen

Mär 2 2017
16:58

Führungskräfte brauchen nicht nur biologisches Wissen, sondern auch Managementfähigkeiten

Vorlesungsreihe zu praktischem Naturschutz

FRANKFURT.Weltweit initiieren Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen eine steigende Anzahl von Naturschutzprojekten, die für den Erhalt von Biodiversität, zur Sicherstellung der Nahrungsgrundlage und für eine nachhaltige Entwicklung für Boden, Wasser und Klima unverzichtbar sind. Zur Leitung solcher Projekte braucht man Führungskräfte, die nicht nur als Biologen Wissen vorweisen, sondern auch Managementfähigkeiten besitzen. Im Rahmen einer internationalen Frühlingsschule, an der 24 Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Ländern sowie sechs internationale Stipendiaten der KfW Stiftung teilnehmen, werden diese Themen auch in einer öffentlichen Vorlesungsreihe aufgegriffen. Den Auftakt macht Prof. Bruno Streit von der Goethe-Universität mit dem Vortrag

„On big populations and small populations in animals“, am 7. März (Dienstag) um 16.30 Uhr, Biologicum Campus Riedberg, Hörsaal 2(-1.203), Max-von-Laue-Str. 13, 60438 Frankfurt

Die „Spring School on Conservation Project Management“ wird vom 6.3. – 31.3. erstmalig an der Goethe Universität, in Räumen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt sowie in der KfW stattfinden. Besonders hervorzuheben ist bei diesem Projekt die Vernetzung der Frankfurter Institutionen im aktiven Naturschutz. Ihre Zusammenarbeit ergibt eine einzigartige Möglichkeit, das Thema Naturschutz unter verschiedenen und vor allem praktischen Aspekten des Projektmanagements zu bearbeiten und die Expertisen jedes Partners an die Teilnehmenden weiterzugeben. Die zahlreichen, überwiegend angewandten Themen werden den Teilnehmenden über vier Wochen in praktisch orientierten Modulen durch Vorträge und Übungen nahegebracht.

Die Frühlingsschule findet statt unter dem Dach von BioFrankfurt. In diesem Netzwerk für Biodiversität arbeitet die Goethe-Universität eng zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der KfW Stiftung, der KfW, dem WWF und der KPMG. Die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität unterstützt dieses Projekt.

Weitere Termine im Überblick:

9. März: Animal movements: From individual behaviors to biodiversity conservation
Jun. Prof. Dr. Thomas Müller

14. März: Fungi in nature conservation in Germany – the importance of Red Lists
Mag. Pharm. Hermine Lotz-Winter

16. März: Fungi and nature conservation in the tropics
Prof. Meike Piepenbring

21. März: Savanna vegetation in West Africa: sustainable use and conservation
Dr. Karen Hahn

23. März: Evolution (or the lack of) in response to human environmental impacts
Dr. Gregor Rolshausen

Alle Vorträge finden statt jeweils um 16:30 Uhr im Biologicum, Campus Riedberg, Hörsaal 2 (-1.203), Max-von-Laue-Str. 13, 60438 Frankfurt. Alle Interessierten sind zu Vortrag (45 Minuten) und Diskussion (ca. 15 Minuten) eingeladen.

Als Abschluss der Vorlesungsreihe findet zusätzlich am 28. März ein Vortrag von Christina Hunn (Social Entrepreneurship Akademie München) statt, mit dem Titel „Create sustainable change through social entrepreneurship!

Dieser Vortrag beginnt um 16:00 Uhr im Biologicum, Campus Riedberg, Hörsaal 2 (-1.203), Max-von-Laue-Str. 13, 60438 Frankfurt und dauert insgesamt zwei Stunden. Auch zu diesem Vortrag sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Information: Prof. Dr. Meike Piepenbring, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel. 069 798 42222, piepenbring@bio.uni-frankfurt.de oder Dr. Stefanie Rudolph, Assistentin, Tel. 069 798 42226, rudolph@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mär 2 2017
14:37

Haushaltschaos erschwert die Erziehung von Kindern mit ADHS

Wie bei Hempels unter dem Sofa

FRANKFURT. In Familien von Kindern mit ADHS beobachten Forscher häufiger inadäquates Erziehungsverhalten, ein negatives emotionales Klima und Haushaltschaos. Wie diese Faktoren zusammenhängen, hat eine Arbeitsgruppe der Goethe-Universität jetzt untersucht. Mit einem überraschenden Ergebnis.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Eltern von Kindern mit ADHS es wegen der Symptome ihrer Kinder schwer haben, Strukturen und Routinen aufrecht zu erhalten. Das Haushaltschaos beeinträchtigt wiederum das emotionalen Klima und das Elternverhalten“, erklärt Dr. Andrea Wirth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der pädagogischen Psychologie an der Goethe-Universität.

In die Studie gingen Daten von insgesamt 84 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren ein, von denen 31 Kinder der ADHS-Gruppe und 53 Kinder der Kontrollgruppe zugewiesen wurden. Das Erziehungsverhalten wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragenbogens erfasst, in dem abgefragt wird, wie intensiv sich Eltern um ihre Kinder kümmern, sie loben oder kritisieren, wie konsistent ihre Erziehung ist und ob sie körperlich strafen. Um das familiäre emotionale Klima zu erfassen, forderten die Psychologen ein Elternteil auf, fünf Minuten über das Kind zu sprechen und die Persönlichkeit des Kindes sowie die Beziehung zum Kind zu beschreiben. Das Haushaltschaos wurde wiederum mit einem standardisierten Test erhoben.

Erwartungsgemäß zeigten die Eltern von Kindern mit ADHS mehr inadäquates Erziehungsverhalten, kritisierten ihre Kinder häufiger und berichteten über ein höheres Haushaltschaos als die Eltern der Kontrollkinder. Zur Überraschung der Psychologen schätzten Eltern von Kindern mit ADHS aber die Beziehung zu ihren Kindern als positiver ein als Eltern von Kindern ohne ADHS. Die Forscher vermuten als möglichen Grund unter anderem, dass einige der teilnehmenden Familien bereits in eine Therapie eingebunden waren, da sowohl für medikamentöse als auch für verhaltenstherapeutische Interventionen Verbesserungen der Eltern-Kind-Beziehung nachgewiesen sind.

Die genaue Beziehung der drei Konstrukte wurde mit Hilfe von statistischen Analysen (Mediationsanalysen) untersucht. „Haushaltschaos scheint so etwas wie ein Mechanismus zu sein, durch den die Symptome der Kinder mit ADHS sich negativ auf das Erziehungsverhalten der Eltern auswirken“, so Andrea Wirth. Jedoch scheint sich eine chaotische Umgebung nicht auf das emotionale Klima in der Familie auszuwirken. Das ist im Widerspruch zu früheren Studien, die einen Zusammenhang zwischen inadäquatem Elternverhalten und emotionalem Klima festgestellt hatten. „Ein sehr chaotischer und unstrukturierter Haushalt, der durch die ADHS-Symptomatik der Kinder mitbedingt ist, erschwert es den Eltern, autoritativ zu erziehen. Gleichzeitig ist anzunehmen, dassdie Eltern trotz des herrschenden Chaos ihre Kinder mögen, positiv über sie sprechen und es genießen, Zeit mit ihnen zu verbringen.“

Künftig will die Arbeitsgruppe am LOEWE-Zentrum Idea, dem Andrea Wirth angehört, Empfehlungen erarbeiten, die Eltern dabei unterstützen, das Familienleben zu ordnen, Routinen und Rituale zu stärken und die Organisation des Familienalltags zu verbessern. Also z.B.: Bei den Hausaufgaben Radio und Fernseher ausschalten, Telefongespräche hinter geschlossenen Türen führen, Gäste nur zu bestimmten Zeiten empfangen und Hausaufgaben alleine in einem ruhigen Raum machen.

Information: Dr. Andrea Wirth, Abteilung Pädagogische Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069) 798-35398, wirth@psych.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mär 2 2017
10:37

Tagung „Textgerede“ am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik

Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit

FRANKFURT. Die Tagung „Textgerede. Interferenzen von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende“ findet vom 9. bis 11. März am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Goethe-Universität statt. Tagungsort ist der Eisenhower-Raum (1.314) im IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend, die Tagung ist öffentlich.

So viel Gerede war selten: Mit Blick auf Entwicklungen im deutschsprachigen literarischen Feld der Jahrtausendwende hat die Forschung verschiedentlich eine Aufwertung akustischer und performativer Dimensionen festgestellt. Ablesen lassen sich diese Tendenzen an einer Hochkonjunktur öffentlicher Lesungen und Literaturfestivals, die Autorinnen, Autoren und deren Texte als zeitlich begrenzte Großereignisse in Szene setzen, und an einer Vielzahl von kleineren Lesungs- und zahlreichen literarischen Wettbewerbsformaten. Doch auch die individuelle, konventionell ,stille‘ Lektüre steht mit dem Boom von Hörbuch und Hörspiel verstärkt im Zeichen einer veränderten Relevanz akustischer Performanz.

Neben diesem auf mündliche Äußerungsformen ausgelegten Veranstaltungsbetrieb und der Hochkonjunktur des Hörbuchs ist es aber auch die Literatur selbst, die in vielfältigen Hinsichten ihre akustisch-performative Dimension in Szene setzt. Wird der deutschen Gegenwartsliteratur nach 2000 von Teilen des Feuilletons nicht ganz wertungsfrei ein „Plapperton“ attestiert, verweist dies auf ein unmittelbar Verbales, das offenbar durch die Texte selbst inszeniert wird.

Die Tagung setzt an dieser Stelle an und interessiert sich erstens für die konkreten Verfahren, mit denen literarische Texte um 2000 Effekte des Mündlichen erzeugen. Zweitens nimmt sie die literaturbetrieblichen Praktiken mit akustisch-performativer Ausrichtung in den Blick, die das literarische Feld der Jahrtausendwende prägen. Und drittens fragt sie nach den Rückkopplungen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, die sich aus den Textverfahren einerseits und den Literaturbetriebspraktiken andererseits ergeben. Abgerundet werden die Vorträge und Diskussionen durch eine Performance von Christian Uetz am Freitag, 10. März um 18:30 Uhr. Die Tagung ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Die Tagung wird gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung und von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Flyer (mit Programm) und Plakat zur Tagung: https://www.uni-frankfurt.de/65412522/textgerede

Kontakt
Dr. David-Christopher Assmann, dc.assmann@em.uni-frankfurt.de
Nicola Menzel, menzel@lingua.uni-frankfurt.de
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt.

Veranstaltungen

Feb 24 2017
15:50

Das Model United Nations ist mit 110 ausländischen Teilnehmenden die bislang internationalste Simulation an der Goethe-Universität

MainMUN – Studierende simulieren die UNO

FRANKFURT. Zum dreizehnten Mal laden Frankfurter Studierende zu einer Simulation der Arbeitsweise der Vereinten Nationen ein. Rund 340 Studierende und einige Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler sind der Einladung an den Campus Westend der Goethe-Universität gefolgt. Sie schlüpfen in die Rolle von Diplomaten, Journalisten und Lobbyisten und arbeiten Resolutionen zu Themen wie der Stabilisierung von Failed States, Klimafinanzierung oder der Menschenrechtssituation von Flüchtlingen und staatenlosen Personen aus. Zum ersten Mal werden dabei dieses Jahr nicht nur sechs Organisationen und Komitees der Vereinten Nationen simuliert, sondern zusätzlich der Ministerrat der Europäischen Union sowie die Afrikanische Union. MainMUN findet vom 23. bis 26. Februar im Casinogebäude auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt.

Die Welt mit anderen Augen sehen
Während der viertägigen englischsprachigen Simulation stehen die Studierenden vor der Herausforderung, die Politik „ihres Landes“ möglichst authentisch zu vertreten und so Probleme auch aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Dieser Perspektivwechsel ist eines der Lernziele der Simulation. Weitere sind, dass die Studierenden verstehen, wie internationale Organisationen funktionieren, wie man auf Englisch Kompromisse aushandelt und wie man sich auf internationalem Parkett angemessen bewegt. Zum ersten Mal seit Bestehen der MainMUN erhalten die Teilnehmenden dabei für Ihre Länder auch Budgets, um Maßnahmen, die sie im Rahmen Ihrer Verhandlungen vereinbaren, auch zu finanzieren. Außerdem können sie versuchen, die benötigten Finanzmittel von anderen Staaten zu organisieren.

Prof. Dr. Tanja Brühl, die das Projekt „Uni goes UNO“ an der Goethe-Universität initiiert hat, ist immer wieder beeindruckt von dem studentischen Engagement: „Von früh morgens bis zum späten Abend agieren die Teilnehmenden höchst professionell. Sie verhandeln auf Englisch und gehen mit diplomatischem Respekt miteinander um. So fühlt man sich ein klein wenig wie bei der echten UNO.“

Gelebte Internationalität
Wie bereits in den vergangenen Jahren sind auch in diesem Jahr nicht nur die Themen international, sondern kommen auch die Teilnehmenden: So sind diesmal Studierende aus 12 Ländern nach Frankfurt angereist. Dieses Jahr sind darunter Teilnehmende aus Kasachstan, Lettland und der USA, sowie Großbritannien und Frankreich, die bei MainMUN als Diplomaten auf Zeit das sichere Bewegen auf dem internationalen Parkett üben.

„Die Studierenden lernen in erster Linie Diplomatie: das bedeutet, durch das Halten von Reden und das Führen von Debatten auf Kompromisse hinzuarbeiten und dabei nicht seine eigene Meinung, sondern die Ziele und Vorstellungen eines Landes zu vertreten“, so Kaya Alice Detschlag, eine der drei Generalsekretäre, welche die Konferenz leiten. Dass das nicht immer einfach ist, weiß auch Ann Katrin Korb, die zweite Generalsekretärin: „Das ist ein schmaler Grat, auf dem die Delegierten wandern müssen, aber eine einzigartige Gelegenheit, an den eigenen Soft Skills in der Praxis zu arbeiten.“

„Für mich ist MainMUN auch das Sammeln von praktischer Erfahrung, Diplomatie hautnah sozusagen. Wenn es das MainMUN noch nicht gäbe, müssten wir es gerade in der heutigen Zeit erfinden“, fügt Sascha Lucas hinzu, der dritte im Bunde. Dabei ist das Leben als Generalsekretär auch bei einem MUN nicht nur glamourös, sondern es gilt auch immer wieder, selbst bei der Organisation mit anzupacken. Dabei sind Fleiß und Disziplin der Generalsekretäre gefragt, aber auch ein starkes und tatkräftiges Team, ohne das eine solche Aufgabe nicht zu bewältigen ist.

Unterstützt werden die Studenten dabei von Sebastian Troch, der als Faculty Advisor die Studierenden für die Professur von Tanja Brühl begleitet und als Student früher selbst beim MainMUN aktiv war. „Die Simulation gibt den Teilnehmern einen guten und praxisnahen Einblick in die UN und dem Team zudem gute Erfahrungen im Projektmanagement - etwas nicht Unwesentliches, das häufig unterschätzt wird. Was das Team hier während des laufenden Studiums leistet, ist immer wieder beachtlich“, so Sebastian Troch.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, sich vor Ort einen Eindruck von der Simulation zu verschaffen und in Kontakt mit den Teilnehmenden zu treten.

Kontakt: Sebastian Troch, Faculty Advisor des Projekts MainMUN, Tel. 0176 / 813 883 99; sebastian.troch@manatee-global.com; Prof. Dr. Tanja Brühl, bruehl@soz.uni-frankfurt.de

Website: www.mainmun.de
Facebook: www.facebook.com/mainmunfrankfurt
Twitter: https://twitter.com/MainMUN_FFM/

Veranstaltungen

Feb 22 2017
10:43

Fachkonferenz am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Öffentliche Keynote Lecture von Rahel Jaeggi am 3. März

Herrschaft und Widerstand im internationalen System

FRANKFURT. Unter dem Titel „International Dissidence: Rule and Resistance in a Globalized World“ widmen sich vom 2. bis zum 4. März mehr als 60 Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit rund 100 angemeldeten Gästen dem Zusammenspiel von Herrschaft und Widerstand in einer globalisierten Welt. Bei der internationalen Konferenz an der Goethe-Universität soll es zum einen darum gehen, Widerstand und Herrschaft in ihrem dialektischen Zusammenspiel zu beleuchten. Zum anderen soll der grenzüberschreitende Charakter sowohl von Widerstandsbewegungen als auch von Herrschaft in den Blick genommen werden.

Während sich die Konferenz selbst an ein Fachpublikum wendet, ist die interessierte Öffentlichkeit bei der flankierenden Keynote Lecture herzlich willkommen. Vortragende ist Rahel Jaeggi, Professorin für Praktische Philosophie und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie spricht am 3. März um 19.00 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend (Raum HZ5, Vortrag in englischer Sprache) über: „Crisis and Conflict – Active and Passive Dimensions of Social Change“. Mit Bezug auf ihre aktuellen Forschungen wird Rahel Jaeggi auf die Rolle sozialer Akteure im Prozess gesellschaftlicher Transformationen eingehen. Dabei konzentriert sie sich insbesondere auf den Zusammenhang von Fortschritt, Krisen und sozialem Wandel.

Organisiert wird die gesamte Veranstaltung von der Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Leitung der Gruppe, die in verschiedenen Projekten die Organisations- und Artikulationsformen radikalen politischen Widerstands untersucht, haben die Clustermitglieder Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung, und Christopher Daase, Professor für Internationale Organisationen. Nicole Deitelhoff leitet zudem das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Christopher Daase ist stellvertretender HSFK-Leiter.

Die wachsende Aktualität von Widerstand in einer (und gegen eine) globalisierte Welt lässt sich bereits an den vielfältigen transnationalen Protest- und Widerstandsbewegungen der letzten Jahre ablesen – von Occupy Wall Street über rechtsorientierte Mobilisierung innerhalb Europas oder radikalen Dschihadismus bis hin zu Protesten gegen UN-Einsätze oder dem Austritt Indiens aus dem Atomwaffensperrvertrag. Widerstand ist weltweit ein allgegenwärtiger, gleichwohl widersprüchlicher Aspekt des sozialen und politischen Lebens. In vielfältigen Erscheinungsformen verfolgt er unterschiedliche Ziele. Aber auch Herrschaft tritt heute in vielen Formen auf: etwa als Macht des internationalen Finanzsystems, als „westlicher Imperialismus“, als Rechtfertigung von Gewalt, homogenisierender Globalismus oder asymmetrische globale Regelwerke.

Die dreitägige Konferenz umfasst 14 Panels. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören verschiedenen Disziplinen an – von der Soziologie über die Geschichte bis zur Politikwissenschaft und Anthropologie. Ziel der Konferenz ist auch die Überwindung einer fachlichen Fragmentierung des akademischen Diskurses und ein umfassenderer Blick auf das Verhältnis von Widerstand und Herrschaftssystemen. Zu den zentralen Themen gehört die prinzipielle Frage, wann Opposition zu Dissidenz wird, wann sich also Widerstand, der sich an die „Spielregeln“ hält, zu revolutionärem Widerstand wandelt, der zu unkonventionellen Mitteln greift.

Begleitet wird die Tagung von einer Podiumsdiskussion, die sich der Frage annimmt, welche Probleme sich aus der spezifischen politischen Rolle von Forschenden ergibt, wenn sie es mit Widerstandsbewegungen zu tun haben. Laufen sie beispielsweise Gefahr, ihre wissenschaftliche Distanz zu verlieren?

Die Konferenz „International Dissidence: Rule and Resistance in a Globalized World“ findet in englischer Sprache statt und ist fach- und presseöffentlich. Veranstaltungsort der Panels und der Podiumsdiskussion ist das Gebäude des Exzellenzcluster auf dem Frankfurter Campus Westend.

Informationen: Felix Anderl & Antonia Witt, Organisationsteam, Tel.: 069/798-31468, anderl@soz.uni-frankfurt.de; antonia.witt@normativeorders.net; Bernd Frye, Exzellenzcluster, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Programm: www.dissidenz.net/konferenz-2017/

Veranstaltungen

Feb 17 2017
11:02

Am 2. und 3. März findet an der Goethe-Universität wieder die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ statt

Anpacken statt Aufschieben

FRANKFURT. Schluss mit dem ewigen Aufschieben: Bei der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ am 2. und 3. März können Studierende und Doktoranden an der Goethe-Universität ihre überfälligen Projekte anpacken oder sogar abschließen.

Schreiben ist nicht immer einfach – vor allem dann nicht, wenn man seine Gedanken wohlgeordnet bis zu einer bestimmten Frist zu Papier bringen muss. Um nicht von der nahenden Deadline überrollt zu werden, können Prokrastinierende, Fans vom Nicht-Alleine-Schreiben und eingefleischte Nachteulen an der alljährlichen „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ teilnehmen. Diese findet

in der Nacht vom 02. auf den 03. März ab 20 Uhr bis zum Morgengrauen
im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften
auf dem Campus Westend der Goethe Universität

 statt. Das Schreibzentrum lädt gemeinsam mit dem Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften Studierende aller Fachbereiche dazu ein, ihre Schreibprojekte ein großes Stück nach vorne zu bringen. „Gemeinsam schreiben macht einfach mehr Spaß“, erklärt Dr. Nadja Sennewald, die Leiterin des Schreibzentrums an der Goethe-Uni, warum das Interesse an der Veranstaltung von Jahr zu Jahr steigt. Im vorigen Jahr habe es 150 Teilnehmende gegeben.

Unterstützung erhalten die nächtlichen Schreibenden von den studentischen Peer-Tutorinnen und -Tutoren, die in der Nacht durchgehend individuelle Beratungen anbieten. Mit ihnen können Studierende Fragen zur richtigen Zitierweise, zum wissenschaftlichen Schreibstil oder zur Textstruktur klären. „Ein Gespräch kann da oft für den nötigen Anschub sorgen“, erläutert Stella Dietrich. Die 21-Jährige ist dieses Jahr zum ersten Mal als Schreibtutorin dabei. Für neue Schreibimpulse sorgen zudem einstündige Workshops zu Argumentation, Zeitmanagement und zum Schreiben auf Englisch. Um Mitternacht soll ein Workshop für Schreibtischyoga Energien mobilisieren für den Endspurt. Zur Stärkung der Schreibenden gibt es am Buffet Kaffee, Tee und kleine Snacks. Über den Fortschritt ihrer Texte können sich Schreibende bei Twitter über den Hashtag #lndah austauschen.

Die Lange Nacht geht auf eine Initiative der Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder von 2010 zurück. Die Goethe-Universität war schon ein Jahr später mit dabei. Inzwischen hat sich die Idee weltweit verbreitet: Auch in den USA und in Singapur nehmen Hochschulen teil. Offenbar ist Prokrastination ein internationales Phänomen.

Eingeladen zur Langen Nacht sind alle Studierenden und Promovierenden der Goethe-Universität. Wer Interesse hat, kann sich bis 1. März, 18 Uhr unter schreibzentrum@dlist.uni-frankfurt.de mit Angabe von Namen, Studienfach und Semesterzahl anmelden.

In der darauffolgenden „Schreibwoche“ von 6. bis 10. März können frisch motivierte Schreiber und Schreiberinnen in der Bibliothek weiterarbeiten und jeweils von 10 bis 17 Uhr Schreibberatung in Anspruch nehmen. Zusätzlich werden täglich von 10 bis 13 Uhr Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten angeboten. Eine Anmeldung hierfür ist nicht notwendig.

Einlass LNDAH: Mit vorheriger Anmeldung unter schreibzentrum@dlist.uni-frankfurt.de ab 20 Uhr im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften, 3. Obergeschoss (Q1) im IG-Farben Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60329 Frankfurt am Main

Anschließende Schreibwoche: Ohne Anmeldung vom 6. bis 10. März, jeweils von 10 bis 17 Uhr am selben Ort

Weitere Informationen: http://schreibzentrum.uni-frankfurt.de, schreibzentrum@dlist.uni-frankfurt.de, #lndah

Pressekontakt: Dr. Nadja Sennewald, Schreibzentrum, Telefon 069 79832845; Email: Sennewald@em-uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 16 2017
11:18

Zu der internationalen Tagung an der Goethe-Universität werden mehr als 200 Teilnehmer erwartet

Erwachsenwerden in einer Welt mit Risiken

FRANKFURT. Erwachsenwerden in einer Welt mit Risiken ist für viele junge Menschen mit hohen Anforderungen verbunden. Zwar gibt es teils größere Freiräume und Optionen, aber auch viele Unwägbarkeiten. In etlichen Teilen der Welt sind die Lebensbedingungen noch dazu von Krisen oder gar traumatisierenden Verhältnissen geprägt. Aber auch unter weniger belasteten Voraussetzungen dauert es länger, bis junge Menschen ihren Platz im Leben gefunden haben. Die Adoleszenz, Phase zwischen Kindheit und Erwachsensein, reicht häufig bis weit ins dritte Lebensjahrzehnt. Diese Tendenz, doch auch der bei Erwachsenen zu beobachtende Trend, betont jugendlich aufzutreten, verändern das Verhältnis zwischen den Generationen.

Mit diesen und weiteren Themen beschäftigt sich die interdisziplinäre Tagung „Adoleszenz in einer Welt der Risiken“. Die „Joseph Sandler Psychoanalytic Research Conference“ findet vom 3. bis 5. März auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt, erwartet werden mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie therapeutisch Tätige und Studierende. Ausgerichtet wird die internationale Konferenz vom Frankfurter Sigmund-Freud-Institut in Kooperation mit der International Psychoanalytic Association (IPA), der Goethe-Universität, dem interdisziplinären Forschungszentrum „Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk“ (IDeA) sowie der Universität Kassel.

„Die wissenschaftlichen Herausforderungen liegen darin, Folgen gesellschaftlichen Wandels für psychische Entwicklungsprozesse der Adoleszenz differenziert herauszuarbeiten. Die psychoanalytisch orientierte Forschung bietet hierzu aufschlussreiche Zugänge und Befunde“, so Vera King, eine der Organisatorinnen der Tagung, Professorin für Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität, die seit Ende 2016 gemeinsam mit Prof. Patrick Meurs von der Universität Kassel und Prof. Heinz Weiß vom Robert-Bosch-Klinikum Stuttgart das Sigmund-Freud-Institut leitet. Vera King wird den Kongress am Freitag (3. März) um 15 Uhr mit einem Vortrag zur Generationendynamik der Adoleszenz eröffnen. 

Das Thema Adoleszenz muss aus verschiedenen Perspektive betrachtet werden, sind die Veranstalter überzeugt. Daher finden sich Beiträge aus Psychoanalyse, Entwicklungspsychologie, Sozial-, Kultur- und Erziehungswissenschaften, Ethnologie und Medizin mit Psychosomatik und Neurowissenschaft. „Dies entspricht der Tradition der Sandler Psychoanalytic Research Conferences, sich diszplinübergreifend auszutauschen“, so die Mitorganisatorin Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber, die bis Herbst 2016 Direktorin am Sigmund-Freud-Institut war.

Einige Vortragsthemen und Referenten der Tagung: Prof. Mark Solms (Kapstadt/London) und Prof. John Clarkin (New York) diskutieren, welchen Beitrag die Psychoanalyse leistet, um den Relationen von Körper, Psyche und Geist auf die Spur zu kommen. Dr. Werner Bohleber, Psychoanalytiker aus Frankfurt, befasst sich mit der Psychoanalyse der Spätadoleszenz und des jungen Erwachsenenalters. Prof. Tilmann Habermas und Alice Graneist, Arbeitsbereich Psychoanalyse an der Goethe-Universität, werden erläutern, welche Bedingungen notwendig sind, um die Fähigkeit zur Emotionsregulierung zu entwickeln. Daran anschließend stellt der Schweizer Psychoanalytiker Prof. Dieter Bürgin (Basel) eine Fallstudie der Adoleszenten-Behandlung vor. Prof. Clara Raznoszczyk de Schejtman (Buenos Aires) zeigt die Folgen traumatischer Erfahrungen für adoleszente Entwicklungen in Argentinien auf. Dr. Christoph Schwarz (Marburg) erläutert die sozialen und politischen Entwicklungsbedingungen junger Menschen in Nordafrika anhand von Fallstudien aus Marokko.

Abschließend befasst sich der aus Belgien stammende Kinder- und Jugendanalytiker Prof. Patrick Meurs (Sigmund-Freud-Institut und Universität Kassel/Leuven) mit den hochaktuellen Fragen nach den Ursachen und Formen von Radikalisierungsprozessen bei Adoleszenten. „Islamistische Gruppierungen wenden sich zum Beispiel über das Internet an Jugendliche, die mit ihren spezifischen Unsicherheiten und eigenen Verstörungen, Nöten und Verletzungen besonders empfänglich sind für die Botschaften der Radikalen“, so Meurs.

Im Rahmen der Konferenz wird der Züricher Ethnologe und Psychoanalytiker, Privatdozent Dr. Mario Erdheim, einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Adoleszenz, Entwicklungsrisiken und Zweizeitigkeit“ halten

am Freitag (3. März) um 20 Uhr
im IG-Farben-Nebengebäude, Campus Westend.

In seinem Vortrag wird es darum gehen, das anthropologische Konzept der „Zweizeitigkeit“ der menschlichen Entwicklung, das bisher eher oberflächlich behandelt worden ist, in seiner Relevanz für das Verständnis der Adoleszenzkrise herauszustellen. Mario Erdheim nimmt dabei auch Freuds Annahme auf, wonach es die „Verspätung der Pubertät“ sei, die den Menschen kulturfähig werden lasse, aber auch die Neigung zur Neurose mit hervorbringe. Erdheim untersucht insofern auch den Zusammenhang zwischen Kulturkrise und Adoleszenzkrise.

Die Tagung wird flankiert von der zeitgleich eröffneten Ausstellung „Like all but me“ am Sigmund-Freud-Institut, Myliusstraße 20, 60323 Frankfurt. Carolin Schüten, Kölner Fotografin und Künstlerin, zeigt eine Auswahl ihrer seit 2006 analog entstandenen Schwarz-weiß-Portraits von Jugendlichen aus der ganzen Welt. Die Bilder entstammen ihrem Fotobuch „Like All But Me“ (Ketteler-Verlag 2015), weitere Informationen unter www.schueten.de.

Wissenschaftliche Organisation und Information: Prof. Dr. Vera King, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Campus Westend, und Sigmund-Freud-Institut (Sekretariat Annette Sibert: Tel.: (069) 971204-148, sibert@sigmund-freud-institut.de), Prof. Dr. Patrick Meurs (Universität Kassel und Sigmund-Freud-Institut) und Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber (Vice-Chair for Europe, International Research Board der IPA).

Programm unter: www.sigmund-freud-institut.de

Forschung

Feb 16 2017
10:43

Mit DFG-Förderung entsteht an der UB Frankfurt in Kooperation mit dem Institut für Informatik und der SGN ein Fachinformationsdienst

Frankfurter Projektgruppe baut Services für die Biodiversitätsforschung auf

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Ende Dezember einen Förderantrag der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg bewilligt, der gemeinsam mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der AG Texttechnologie am Institut für Informatik der Goethe-Universität erarbeitet wurde. Damit stehen in den kommenden drei Jahren rund 1,4 Mio. Euro für den Aufbau eines Fachinformationsdienstes (FID) Biodiversitätsforschung bereit.

Die Erforschung der Biodiversität hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Sie wird zunehmend zu einer von enormen Datenmengen getriebenen Forschungsrichtung. Für ihre weitere Entwicklung sind jedoch nicht nur neuere Fachliteratur oder neueste Forschungsdaten relevant, sondern gerade auch die ältere Literatur und die darin gespeicherten Daten und Erkenntnisse. Erst der Vergleich früherer und heutiger Zustände ermöglicht es beispielsweise, Veränderungen der Verbreitung von Organismen zu rekonstruieren; dies ist essenziell, um den Einfluss von Umweltveränderungen auf Biodiversität und Ökosystemleistungen verstehen zu können. So kommt gerade bei ökologischen Fragestellungen die Rolle der Bibliothek als essenzieller Wissensspeicher zum Tragen. Ihre Aufgabe ist jedoch nicht nur das Speichern, sondern auch das Erschließen und Bereitstellen von Wissen und Daten.

Die drei Antragsteller haben im Jahr 2016 unter Federführung der Universitätsbibliothek ein Konzept erstellt, wie historische und aktuelle Literatur zur Biodiversität in zeitgemäßen Formaten für die Forschung zur Verfügung gestellt werden kann. Begleitet wurde dies durch einen fruchtbaren Austausch mit der Fachcommunity.

Wesentlicher Schwerpunkt des FID ist ein Pilotvorhaben im Bereich Text-Mining. Automatisierte Verfahren erschließen und strukturieren dabei die Inhalte von Literatur. Damit wird eine Mobilisierung von Daten aus der Biodiversitätsliteratur erreicht; das heißt, die aufbereiteten Daten aus der Literatur sind zukünftig sowohl leichter auffindbar als auch besser in die Strukturen der Biodiversitätsinformatik integrierbar. Für dieses Ziel bringen alle drei Partner ihre Kompetenzen ein: Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist eine herausragende Akteurin der Biodiversitätsforschung und arbeitet in zahlreichen Kontexten an der Erhebung, Nutzbarmachung und Verknüpfung von Daten zur Biodiversität. Die AG Texttechnologie verfügt über umfassende Kompetenzen im Text-Mining und bewegt sich bei der Erstellung und Optimierung einschlägiger Techniken an der vordersten Front der Disziplin. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg bringt als traditionsreiche Institution umfangreiche biologische Wissensressourcen ein.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Digitalisierung von Literatur des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu (noch) älterer Biodiversitätsliteratur ist gerade in diesem Segment bislang wegen urheberrechtlicher Probleme eine elektronische Verfügbarkeit oft nicht gegeben. Ziel des FID ist, durch entsprechende Verhandlungen gravierende Lücken zu schließen. Die Digitalisierung dient einerseits der Generierung des notwendigen Textkorpus für das Text-Mining; andererseits bildet sie die Basis für eine geplante Plattform für Open-Access-Zeitschriften, die als langfristiger Service für die Wissenschaft etabliert werden soll.

Außerdem trägt der FID durch gezielten Erwerb und überregionale Bereitstellung von Literatur dafür Sorge, dass auch die Spezialliteratur, die nur in Printform erscheint, für die Forschung erschlossen wird. Aus ihrem internationalen Schriftentausch stellt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung weiterhin umfangreiche biologische Literatur für die Universitätsbibliothek zur Verfügung.

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg baut neben dem FID Biodiversitätsforschung mit Förderung der DFG derzeit fünf weitere Fachinformationsdienste für die Wissenschaft auf: Afrikastudien, Jüdische Studien, Darstellende Kunst, Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften und Linguistik.

Links:

Universitätsbibliothek Frankfurt: http://www.ub.uni-frankfurt.de/projekte/biofid.html

AG Texttechnologie am Institut für Informatik: https://hucompute.org/

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN): www.senckenberg.de

Informationen: Dr. Gerwin Kasperek, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. Tel. (069) 798-39365, E-Mail: g.kasperek@ub.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 10 2017
13:56

Vorträge des Historikers Dominic Lieven zum Themenjahr des Historischen Kollegs „Imperien und ihr Ende“

Das Ende des russischen Zarenreichs

BAD HOMBURG/FRANKFURT. Imperien stellten bis zum 20. Jahrhundert den „historischen Normalfall“ dar; sie erhoben den Anspruch, ein Weltreich zu präsentieren. Imperien zeichnen sich durch bestimmte Charakteristika aus: eine Machtstruktur mit multiethnischer Bevölkerung und verschiedenen Religionen, eine einheitliche Außenpolitik, aber keine vereinheitlichte Rechtsordnung im Inneren. „Imperien und ihr Ende“ ist das Thema, dem sich das Historische Kolleg am Forschungskolleg Humanwissenschaften in diesem Jahr widmet. Dazu gehört auch eine öffentliche Vortragsreihe.

Der britische Osteuropa-Historiker Dominic Lieven widmet sich dem Ende des russischen Zarenreichs; er hält sowohl in Bad Homburg als auch an der Goethe-Universität einen Vortrag

am Donnerstag (16. Februar) um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
Thema: „The End of Imperial Russia: Comparisons and Contexts“

am Freitag (17. Februar), 10 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Seminarhaus Raum 3.108
Thema: Russia and the Coming of the Great War: anything new to say?

Lieven setzt sich mit dem schwierigen Transformationsprozess Russlands von einem erfolgreichen vormodernen Imperium zu einem Gemeinwesen des 20. Jahrhunderts auseinander. Er ist Professor für Russische Geschichte an der London School of Economics and Political Science sowie Senior Research Fellow des Trinity College Cambridge. Lieven gilt als Experte für die Geschichte des Russischen Kaiserreichs sowie die vergleichende Geschichte von Imperien.

Das Spektrum der weiteren Veranstaltungen reicht von der Fortsetzung imperialer Strukturen des Inka-Reiches durch die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert bis zu den kolonialistischen Bestrebungen Italiens in Äthiopien im 19. und 20. Jahrhundert. Eine zusätzliche kleine Vortragsreihe in Kooperation mit der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten Hessen, die im Schloss Bad Homburg stattfinden wird, thematisiert nicht nur den Zusammenbruch von neuzeitlichen Imperien in verschiedenen Regionen, sondern beschäftigt sich auch mit der Suche nach neuen Ordnungen.

Weitere Themen und Termine im Überblick:

  • 18. Mai (Donnerstag), 19 Uhr, Schloss Bad Homburg: Jörn Leonhard (Professor für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zu „Imperien auf Abruf? Zur Lage der Imperien in Europa im Kriegsjahr 1917“
  • 8. Juni (Donnerstag), 19 Uhr, Schloss Bad Homburg: Ulrike Freitag (Professorin für Islamwissenschaft, Freue Universität Berlin) mit „Der Zusammenbruch des Osmanischen Imperiums und seine Folgen“
  • 22. Juni (Donnerstag.), 19 Uhr, Schloss Bad Homburg: Joachim von Puttkamer (Professor für Osteuropäische Geschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit „‘Möge Gott der Herr Rußland schützen.‘ Der Untergang des Zarenreiches in der Russischen Revolution“
  • 6. Juli (Donnerstag), 19 Uhr, Schloss Bad Homburg: Benedikt Stuchtey (Professor für Neuere Geschichte, Philipps-Universität Marburg) mit „Antiimperialismus und der Zusammenbruch der Imperien“
  • 13. Juli (Donnerstag), 19 Uhr, Schloss Bad Homburg: Christoph Cornelißen (Professor für Neueste Geschichte, Goethe-Universität mit „Der Zusammenbruch der Imperien in Europa und die Suche nach neuen Ordnungen“
  • 5. September (Dienstag), 19 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften: Gustavo Corni (Professor für Zeitgeschichte, Universität Trient) zu „Ein Kolonialreich als late comer: Italien in Äthiopien“
  • 11. bis 12.Dezember, Forschungskolleg Humanwissenschaften: Vortrag und Gespräche mit Jeremy Mumford (Assistant Professor of History, Brown University Providence/Rhode Island) und Parker VanValkenburgh (Assistant Professor of Anthropology, Brown University) über „End of Empires – and their Afterlives: The case of late prehestoric and early colonial Peru”
  • 13. Dezember (Mittwoch, 19 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften: Abschlussveranstaltung: Podiumsdiskussion mit Experten zum Thema Imperien und ihr Ende

Die Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Themenjahr 2017 sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Informationen: Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de. Um Anmeldung zu den Veranstaltungen im Forschungskolleg Humanwissenschaften wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.Zu den Veranstaltungen im Schloss Bad Homburg ist keine Anmeldung erforderlich.

Veranstaltungen

Feb 10 2017
13:33

Der Judaist Christian Wiese veranstaltet in Jerusalem Tagung zum Lutherjahr

Jüdischer Blick auf die Reformation

FRANKFURT. Ein Novum in der Forschung zur Auswirkung der Reformation auf die jüdisch-christlichen Beziehungen: Am kommenden Sonntag beginnt in Jerusalem eine dreitägige Tagung mit dem Titel „500 Years of Reformation: Jews and Protestants – Judaism and Protestantism“. Mit-Organisator ist Professor Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur an der Goethe-Universität. Erstmals findet damit in Israel ein internationaler, interdisziplinärer wissenschaftlicher Austausch über das Verhältnis von Juden und Protestanten statt.

Luther hat zwei sehr unterschiedliche Schriften zum Judentum verfasst, die seither immer wieder als Grundlage des Verhältnisses zwischen Christen und Juden herhielten. Die erste stammt aus dem Jahr 1523, darin kritisierte er die spätmittelalterliche Judenfeindschaft und verlangte eine missionarische Zuwendung zum Judentum – dies ist zumindest in politischer, wenn auch nicht in theologischer Hinsicht, eine verhältnismäßig „positive“ Schrift. 20 Jahre später beschuldigte er die Juden in einer hasserfüllten Schrift eines hartnäckigen, verbrecherischen Starrsinns. Nun forderte er die evangelischen Fürsten zur systematischen Diskriminierung oder Vertreibung der jüdischen Bevölkerung auf, zur Verbrennung ihrer Synagogen, und erneuerte dazu die judenfeindlichen Stereotype, die er zu Beginn der Reformation noch verworfen hatte. Eine Schrift mit unheilvollen Folgen. So waren Luthers Worte in der Geschichte des modernen Antisemitismus, nicht zuletzt bei den Pogromen 1938 allgegenwärtig.

Dennoch sei der jüdische Blick auf Luther durchaus nicht nur negativ, sagt Prof. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität. „Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es eine zum Teil sehr positive Lutherrezeption im Judentum“, sagt Wiese. Man habe den Reformator vielfach idealisierend als Vordenker von Aufklärung und Freiheitsdenken gedeutet und so der kirchlichen Judenfeindschaft widersprochen. In Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum in diesem Jahr befassten sich viele jüdische Gemeinden in Deutschland wieder verstärkt mit der Bedeutung Luthers und der Reformation für das Judentum und das jüdisch-christliche Gespräch der Gegenwart.

Die Tagung in Jerusalem, die in enger Zusammenarbeit mit dem dortigen Leo-Baeck-Institut, dem History Department der Hebrew University Jerusalem, der Tel Aviv University und der Evangelischen Kirche in Deutschland zustande kam, nimmt dieses Verhältnis nun wissenschaftlich in den Blick. Ziel und Alleinstellungsmerkmal dieser Tagung, die von jüdischen und nichtjüdischen Historikern und Theologen aus Israel, den USA, Deutschland, Kanada, Polen, England und Tschechien bestritten wird, ist es, die Beziehungsgeschichte von Reformation und Judentum sowie Protestantismus und Judentum umfassend zu untersuchen. Dabei soll diese Beziehungsgeschichte eben auch aus der Engführung der Diskussion um die so genannten „Judenschriften“ Luthers befreit werden. „Mit Blick auf den Facettenreichtum der jüdischen Erfahrungsgeschichte mit der Reformation und ihren Folgen gibt es noch sehr viel zu forschen“, sagt der Judaist und Theologe Christian Wiese.

Die bisherige Fachdiskussion, betont er, sei vor allem innerchristlich geführt worden, die starke Beteiligung jüdischer Historiker und Theologen auf dem internationalen Forum werde den Blick öffnen. Im Zentrum stehen weniger innertheologische Betrachtungen, sondern die Rekonstruktion der komplexen – negativen wie positiven – gemeinsamen Geschichte jüdisch-protestantischer Begegnung und Auseinandersetzung aus historischer Sicht. Als Keynote Speaker konnte Prof. Susannah Heschel (Dartmouth College) gewonnen werden, die sich auf dem Gebiet der Erforschung der jüdisch-christlichen Beziehungen der Moderne einen Namen gemacht hat.Sie spricht zum Thema „Is God a Virgin? Theological Benefits and Problems in the Protestant-Jewish Relationship“.

Die Konferenz, die von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität und von der Stiftung zur Förderung internationaler Beziehungen finanziell unterstützt wird, soll ein neues Kapitel in der Forschung aufschlagen: Prof. Wiese hofft, dass die Veranstaltung eine neue, kollaborative Geschichtsschreibung zum Verhältnis von Judentum und Reformation, Judentum und Protestantismus unter Einbeziehung der jüdischen Perspektive anstoßen und weitere deutsch-jüdische sowie deutsch-israelische Projekte nach sich ziehen wird. Im Sommersemester 2017 finden an der Goethe-Universität eine öffentliche Ringvorlesung zum Thema „Judentum und Protestantismus – historische und theologische Perspektiven“ und ein Symposium statt, als gemeinsames Projekt der Martin-Buber-Professur und des Leo-Baeck-Instituts. Hier wird es ein Wiedersehen mit einigen der Teilnehmer der Jerusalemer Konferenz geben.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, E-Mail: C.Wiese@em.uni-frankfurt.de