Pressemitteilungen 

Sonstige

Jun 30 2015
12:47

Jahrestagung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität gemeinsam mit der Universität Tel Aviv

„Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Extremismus 1813 – 2015“

FRANKFURT. Israel und Deutschland begehen in diesem Jahr den 50. Jahrestag der Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Ein willkommener Anlass, um auch die „strategische Partnerschaft“ zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University weiter zu festigen. So wird die diesjährige Jahreskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften von beiden Universitäten gemeinsam organisiert. Sie findet vom 3. bis 4. Juli auf dem Campus Westend (IG Farben-Gebäude, Eisenhower-Raum IG 1.314) statt.

Unter dem Thema „Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Extremismus 1813 - 2015“ (“The Disasters of Violence, War and Extremism 1813 - 2015“) analysieren und reflektieren israelische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Nachwirkungen und Verarbeitungen gewalttätiger Konflikte, die das 19. und das 20. Jahrhundert geprägt haben und bis heute fortwirken. Gewalt und Kriege sind eng verflochten. Ihre Deutungen sind für Erinnerungskulturen bedeutsam: Kulturelle Verarbeitungen der Schrecken von Krieg und Gewalt sind für die Herausbildung von Feind-, Fremd- und Selbstbildern relevant – häufig bis in die Gegenwart. Gewaltförmige Auseinandersetzungen gelten deshalb oft als Ursprung kollektiver Identitäten oder als Einschnitt in der historischen Entwicklung von Gesellschaften. Insbesondere der Erste Weltkrieg erzeugte Präzedenzfälle, die den historischen Vergleich lohnen. Und er hat ein Nachleben („postmemory“), wie sich zuletzt im vergangenen Jahr, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, zeigte. Erzählungen und Bilder von Gewalt und Krieg werden bis heute immer weiter geschärft und aktualisiert.

Die deutsch-israelische Konferenz ist bewusst transdisziplinärer angelegt und umfasst Beiträge aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, u. a. Geschichtswissenschaften, Anglistik, Romanistik, Philosophie sowie Film- und Theaterwissenschaften. Dadurch wird eine facettenreiche Betrachtung des komplexen Themas möglich. Die Konferenz soll ein Forum bieten, in dem sich internationale Experten sowie junge Wissenschaftler epochenübergreifend und disziplinär offen über den Ersten Weltkrieg sowie andere prägende Gewalterfahrungen des 19. und 20. Jahrhunderts austauschen und ihre aktuellen Forschungsergebnisse präsentieren. Insgesamt nehmen etwa 20 Referenten (Doktoranden, Postdocs sowie erfahrene Forscher) der Goethe-Universität, der Tel Aviv University sowie anderer deutscher und israelischer Universitäten teil.

Die Konferenz in englischer Sprache steht neben Studierenden und Forschenden im Sinne der „Bürgeruniversität“ auch der interessierten Stadtgesellschaft offen.

Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, fzhg@em.uni-frankfurt.de, Tel.: 069/798-32344)

Programm im Internet unter: www.fzhg.org

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Jun 25 2015
15:17

Erziehungswissenschaftler diskutieren mit dem Autor Christian Füller über sein Buch „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“

Sexuelle Gewalt in deutschen Protestbewegungen

FRANKFURT. Welche Verbindungen zeigen sich zwischen Reformimpulsen aus sozialen Bewegungen und Protagonisten pädosexueller Netzwerke? Wie anfällig sind Ideen der Befreiung für die Missachtung der Integrität von Kindern? Gibt es einen Zusammenhang zwischen politischen Kontexten und sexueller Gewalt sowie dem Verschweigen von Taten? Solche Fragen sollen in der Diskussion „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ kritisch diskutiert werden. In den Blick genommen werden unter anderem die Kritik an repressiven Moral- und Sexualitätsvorstellungen beispielsweise bei der Partei der Grünen, die institutionelle Rahmung in Kinderläden, die Tabuisierung kindlicher Sexualität sowie zeittypische Sexual- und Körperpolitiken.

Der Journalist Christian Füller hat sich in seinem vielbeachteten Buch „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ mit sexueller Gewalt in deutschen Protestbewegungen beschäftigt. Mit ihm diskutieren auf dem Podium Prof. Dr. Micha Brumlik, Goethe-Universität/Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, der Psychologe Dr. Claus Koch und die Erziehungswissenschaftlerinnen Dr. Julia König und Dipl. Päd. Miriam Mauritz von der Goethe-Universität.

Moderieren wird die Diskussion Prof. Sabine Andresen vom Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe-Universität.

Diskussion: „Die Revolution missbraucht ihre Kinder.“
Dienstag, 30. Juni, 18:15 Uhr. Campus Westend, Casino, Raum 1.802.

Veranstaltungen

Jun 25 2015
15:17

Inzwischen 14 Bände in der Reihe „Gründer Gönner und Gelehrte“ der Goethe-Universität erschienen

Neu in der Biographienreihe: Porträts von Moritz Schmidt-Metzler und Heinrich Roessler

FRANKFURT. In der Biographienreihe der Goethe-Universität „Gründer, Gönner und Gelehrte“ sind soeben zwei neue Bände erschienen: Die Historikerin Berenike Seib stellt Moritz Schmidt-Metzler (1838-1907) vor, der als Vorsitzender der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung wesentliche Vorarbeit für die Gründung der Frankfurter Universität leistete. Der Wirtschaftshistoriker Dr. Jörg Lesczenski porträtiert Heinrich Roessler (1845-1924), der Naturwissenschaftler und Mitbegründer der Degussa AG gestaltete die Frankfurter Sozial- und Bildungspolitik maßgeblich mit und setzte sich ebenfalls vehement für die Universitätsgründung ein.

Moritz Schmidt-Metzler gehört zu den herausragenden Personen der Frankfurter Gesellschaft um 1900, wie die Autorin Berenike Seib, die unter anderem das Archiv des Bankhauses Metzler betreut, anschaulich und facettenreich darstellt. Aus der Kaufmannsfamilie „Tee-Schmidt“ stammend, heiratete er 1863 Mathilde Metzler, deren Namen er fortan führte. Er folgte dem Vorbild seines Vaters und studierte Medizin. Als Laryngologe, Facharzt für Kehlkopf-Erkrankungen, erwarb er sich weit über die Grenzen Frankfurts hinaus einen Namen; so behandelte er auch den deutschen Kronprinzen Friedrich (später Kaiser Friedrich III.) und operierte Kaiser Wilhelm II.

Im gesellschaftlichen Leben der Mainmetropole und bei der Gründung der Frankfurter Universität spielte Schmidt-Metzler eine entscheidende Rolle. Das „Metzlern“ – wie Bismarck die Gabe von Emma Metzler, Netzwerke zu knüpfen, umschrieb – beherrscht auch der Eingeheiratete gemeinsam mit seiner Gattin perfekt. Als Vorsitzender der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung leistete Schmidt-Metzler wesentliche Vorarbeit für die Gründung der Universität und stellte gleichzeitig wichtige Weichen für die Zukunft der Senckenbergischen Einrichtungen. Sein Hauptverdienst ist die Verlegung und räumliche Konzentration wesentlicher wissenschaftlicher Einrichtungen an der Viktoriaallee, der heutige Senckenberganlage. Damit wurde die Keimzelle der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität geschaffen. So zählt Schmidt-Metzler zu den wichtigsten Wegbereitern der Goethe-Universität, obwohl er deren eigentliche Gründung im Jahr 1914 nicht mehr erlebten durfte. Weniger bekannt seien dürfte, dass Schmidt-Metzler über 25 Jahre leitende Kirchenämter inne hatte, auch darüber berichtet Berenike Seib ausführlich. Er war u.a. erster Vorsitzender der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Frankfurt. Die Neuordnung des Frankfurter Kirchenwesens, durch die sechs neue Einzelgemeinden und ein synodales Gremien geschaffen wurden, gilt als sein Verdienst.

Der Wirtschaftshistoriker Jörg Lesczenski, der an der Ruhr-Universität Bochum studiert hat und seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Goethe-Universität ist, hat seiner Biographie von Heinrich Roessler den Untertitel: Naturwissenschaftler, Unternehmer und Demokrat gegeben. Roessler vertrat in Frankfurts Bürgergesellschaft eigene Positionen und scheute sich nicht, Sonderwege zu gehen.

Er war bereits als Schüler der Realschule in Darmstadt, wo er in diesen Jahren bei seinem unbefangenen und frei denkenden Großvater lebte, von den Naturwissenschaften fasziniert. Aus seiner Begeisterung wurde schnell berufliche Leidenschaft. Er promovierte in Chemie und stand seit 1873 an der Spitze der Actiengesellschaft Deutsche http://de.wikipedia.org/wiki/Gold- und http://de.wikipedia.org/wiki/Silber-http://de.wikipedia.org/wiki/Scheideanstalt vormals Roessler (ab 1980 Degussa AG). Als Unternehmer gehörte er zu den Pionieren der betrieblichen Sozialpolitik. So gewährte er u.a. den Mitarbeiter ein Mitspracherecht, ein Ergebnis war die Einführung des Acht-Stunden-Tages lange vor dessen gesetzlicher Festlegung.

Er engagierte sich in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen, insbesondere im Physikalischen Verein, um einem breiten Interessenkreis naturwissenschaftliche Kenntnisse näher zu bringen. Eine prosperierende, moderne Gesellschaft brauche Bildung und Wissenschaft, lautete sein Credo. So verwundert es nicht, dass er sich vehement für Gründung der Frankfurter Universität einsetzte. Den  Aufsichtsrat der Degussa überzeugte Roessler, der Universität bei Gründung 250.000 Mark für den Ausbau eines chemischen Instituts zu stiften.

Politisch galt Roessler als „Linksaußen“ unter den Frankfurter Liberalen. Zu seinem politischen Selbstverständnis gehörte auch sein leidenschaftliches Engagement für die pazifistische Idee, dies war in Frankfurter Bürgerkreis ebenso ungewöhnlich wie sein Kirchenaustritt im Jahr 1908. Der Naturwissenschaftler schloss sich der monistischen Bewegung an, ein weltanschaulich-philosophischer Versuch, die „reale“ Welt, die Natur und das menschliche Zusammenleben auf ein Funktionsprinzip (z.B. der Energie) zurückzuführen.

Das Erscheinen der Schmidt-Metzler-Biographie wurde ermöglicht durch das Bankhaus B. Metzler seel Sohn + Co. KGaA und die Dr. Senckenbergische Stiftung; den Band über Heinrich Roessler finanzierte die Evonik Industries AG.

In der im Frankfurter Societäts-Verlag publizierten Biographienreihe werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert. In ihren Lebensbildern spiegelt sich die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Bisher sind bereits 14 bebilderte Bände erschienen, porträtiert wurden (in der Reihenfolge des Erscheinens): Wilhelm Merton, Otto Stern, Leo Gans und Arthur von Weinberg, Franz Adickes, Fritz Neumark, Friedrich Dessauer, Theodor W. Adorno, Henry Oswalt, Franz Oppenheimer, Leo Frobenius, Ernst Kantorowicz, Max Horkheimer. Weitere Biographien sind geplant, so wird noch in diesem Jahr ein Band über den Archäologen Guido Kaschnitz von Weinberg erscheinen. Anlass für diese Reihe war der 100. Geburtstag der Goethe-Universität im vergangenen Jahr.

Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer und Ulrike Jaspers, Projektleitung „Gründer, Gönner und Gelehrte“, Campus Westend, Tel. (069) 798-13066, E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de; Rezensionsexemplare über Dr. René Heinen, Societäts-Verlag, Tel. (069)-7501-4456, Fax: 069-7501-4511; E-Mail: rene.heinen@fs-medien.de

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Jun 25 2015
11:36

Beim INNOVATIONSFORUM 2015 am 8. September wird der Goethe-Innovations-Preis zum dritten Mal verliehen

Kreative Geschäftsideen gesucht!

FRANKFURT. Auch in diesem Jahr wird wieder der Goethe-Innovations-Preis für kreative Geschäftsideen vergeben: Gründerinnen und Gründer  aus der Goethe-Universität können sich mit ihren Startups bewerben; die drei innovativsten jungen Unternehmen werden mit einem Preisgeld von insgesamt 17.000 Euro prämiert. Voraussetzung für die Bewerbung: Startups müssen im Goethe-Unibator aufgenommen sein; die Mitglieder sind zumindest teilweise Studierende und müssen ferner mit ihren Ideen bereits erfolgreich an den Markt gegangen sein oder kurz davorstehen. Bewerbungsschluss für den Goethe-Innovations-Preis ist der 30. Juni 2015 unter http://goetheunibator.de/apply. Präsidentin Prof. Birgitta Wolff wird gemeinsam mit Friederike Lohse, Vorstand der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Uni, die Preise auf dem INNOVATIONSFORUM am 8. September verleihen.

Der Goethe-Unibator bietet tatkräftige Unterstützung für Gründerinnen und Gründer, die den Weg zum eigenen Unternehmen gehen möchten. Angehörige aus allen Fachbereichen können sich beim Goethe-Unibator bewerben und durchlaufen ein 18-monatiges Startup-Programm mit dem Ziel, ein validiertes und skalierbares Geschäftsmodell zu entwickeln. Prof. Birgitta Wolff freut sich über die zunehmend lebendige Startup-Kultur an der Goethe-Universität, die mit dieser Initiative der Freunde und Förderer finanziell und medial unterstützt wird: „Der Goethe-Unibator ist auf dem Weg, sich an der Hochschule als  ‚Brutstätte für Innovation‘ zu etablieren. Hier treffen Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Alumni aller Fachbereiche mit ihren Geschäftsideen auf ein Netzwerk gründungserfahrener Mentoren und engagierten Advisern. Ein solches Umfeld hilft jungen Gründerinnen und Gründern – ohne ist es noch viel schwieriger, mit einem Startup erfolgreich zu sein.“  
 
„Jedes Jahr präsentieren sich junge Leute mit tollen und höchst unterschiedlichen Geschäftsideen“, berichtet Friederike Lohse.  „Die Vorstellungen sind sehr inspirierend, und es fällt oft schwer, hier die drei besten auszusuchen.“ Der Auswahlprozess wird professionell begleitet: Die Startups werden im Vorfeld von einer hochkarätig besetzten Jury von Fachleuchten aus Wissenschaft, Industrie und Politik bewertet und in zwei Stufen ausgewählt, bevor sich die drei ersten auf der Bühne des INNOVATIONSFORUMS vorstellen.

Beim INNOVATIONSFORUM 2015 werden Top-Manager aus der deutschen Wirtschaft auf dem Campus Westend der Goethe-Universität zusammenkommen und mit Studierenden über innovative Trends diskutieren. Erwartet werden diesmal Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube, Klöckner-CEO Gisbert Rühl, Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz und der CEO der Techniker Krankenkasse  Jens Baas. Automatisierung und Digitalisierung sind das hochaktuelle Thema der Keynote Speech von IBM-Chefin Martina Köderitz und Uwe Weiss von Blue Yonder. Moderiert wird das Podium von dem Handelsblatt-Verleger Gabor Steingart. Der Überschuss dieser Fundraising-Veranstaltung, die von den Freunden und Förderern initiiert wird, kommt der Goethe-Universität zugute.

Weitere Informationen auf der Website des Goethe-Unibator: http://goetheunibator.de/der-goethe-innovations-preis

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Jun 25 2015
11:34

Der Künstler Georg Baselitz steht im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität am 29. Juni 2015

Die Welt steht Kopf

FRANKFURT. Georg Baselitz zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Vor allem durch seine auf dem Kopf stehenden Gemälde, die er Mitte der 1970er Jahre begann, wurde er weltweit bekannt. Aber auch schon während seines Studiums eckte Baselitz an. 1957 wurde er von der Hochschule der bildenden Künste Berlin-Weißensee wegen „gesellschaftlicher Unreife“ verwiesen; er siedelte nach Westberlin um. Seine oft obszönen Darstellungen Anfang der 1960er Jahre entsprachen jedoch auch in Westdeutschland nicht den gängigen Vorstellungen. Sein Gemälde „Die große Nacht im Eimer“, welches einen masturbierenden Jungen zeigt, löste 1962 einen (wenn auch selbst herbeigeführten) Skandal aus.

Wie kaum ein anderer Maler oder Bildhauer inszeniert er ausgewählte Stationen seines Lebens in Publikationen und Ausstellungen. Der Vortrag von Dr. Julia Voss widmet sich den vielfältigen Verbindungen zwischen Leben und Werk des Künstlers und beleuchtet unter anderem die Fragen: Was erzählt Baselitz selbst von seiner Biografie? Welche Informationen liefern andere Quellen?

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Georg Baselitz – „Die große Nacht im Eimer“
Referentin: Dr. Julia Voss ist stellvertretende Leiterin des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Zeit: Montag, 29. Juni 2015, um 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

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Jun 22 2015
16:22

Jahrestagung der Afrikagruppe deutscher GeowissenschaftlerInnen an der Goethe-Universität

Milleniumsziele in Afrika: Rolle der Geowissenschaften

FRANKFURT. 2015 steht eine Bestandsaufnahme der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen an. Aus diesem Anlass diskutiert die Afrikagruppe deutscher Geowissenschaftler/-innen (AdG) auf Ihrer Jahrestagung an der Goethe-Universität, was bisher erreicht wurde und wie es weitergehen sollte. Besonders das 7. Entwicklungsziel zur „Ökologischen Nachhaltigkeit“ ist für die Geowissenschaften von großer Bedeutung. In der Keynote Lecture sprechen Franca Schwarz und Dirk Küster (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, BGR, Fachbereich Internationale Zusammenarbeit, Hannover) über die „Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele in geowissenschaftlichen Projekten in Afrika“.

Wann? Fr./Sa., 26. und 27. Juni
Wo? Campus Riedberg der Goethe-Universität, Geozentrum, Hörsaal GW 0.124.

Die Frankfurter Afrikaforschung blickt auf eine fast 200-jährige Tradition zurück. Lange vor der Gründung der Goethe-Universität 1914 machten sich die Afrikaforscher Eduard Rüppell und Leo Frobenius im 19. und 20. Jahrhundert einen Namen. Die besondere Kompetenz der Frankfurter Afrikaforschung besteht darin, dass aus nahezu allen Fachbereichen Wissenschaftler sich mit der Erforschung Afrikas befassen und in zahlreichen Projekten und Sonderforschungsbereichen interdisziplinär zusammenarbeiten. 2003 wurde als Ausdruck dieser langen Tradition das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität gegründet. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Physische Geographie richtet es die Tagung aus.
Insgesamt 18 Vorträge in drei Themensitzungen sowie zahlreiche Posterpräsentationen stehen auf dem Programm.
Eintritt für Tagesbesucher: 15 Euro.

Informationen:
Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie, Campus Riedberg,
Tel.: (069)-798-40160, -40155 (Sekretariat), j.runge@em.uni-frankfurt.de.
Programm: http://www.uni-frankfurt.de/56037228/AdG2015_2_Zirkular.pdf
www.ziaf.de

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Jun 22 2015
12:49

Inzwischen 14 Bände in der Reihe „Gründer Gönner und Gelehrte“ der Goethe-Universität erschienen

Neu in der Biographienreihe: Porträts von Moritz Schmidt-Metzler und Heinrich Roessler

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Biographienreihe der Goethe-Universität „Gründer, Gönner und Gelehrte“ sind jetzt zwei neue Bände erschienen: Die Historikerin Berenike Seib stellt Moritz Schmidt-Metzler (1838-1907) vor, der als Vorsitzender der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung wesentliche Vorarbeit für die Gründung der Frankfurter Universität leistete. Der Wirtschaftshistoriker Jörg Lesczenski porträtiert Heinrich Roessler (1845-1924); der Frankfurter Naturwissenschaftler und Unternehmer gestaltete die Sozial- und Bildungspolitik maßgeblich mit und setzte sich vehement für die Universitätsgründung ein.

In der im Frankfurter Societäts-Verlag publizierten Biographienreihe werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert. In ihren Lebensbildern spiegelt sich die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Bisher sind bereits 14 Bände erschienen. Anlass für diese Reihe war der 100. Geburtstag der Goethe-Universität im vergangenen Jahr.

Wir möchten Ihnen die nun veröffentlichten Biographien und ihre Autoren vorstellen, außerdem möchte wir Sie über die Persönlichkeiten, die noch porträtiert werden sollen, und die Förderer dieses Projektes informieren.

Dieses Treffen bietet auch die Chance zum Gespräch zwischen Historikern, Autoren, Förderern, Journalisten, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats und Vertretern des Societäts-Verlags. Wir laden Sie herzlich ein zur Präsentation und zum Gespräch bei einem zweiten Frühstück

am:     Donnerstag, dem 25. Juni 2015, um 11.30 Uhr
Ort:     Campus Westend, Gebäude Präsidium und Administration, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, Erdgeschoss, Raum P04 (Link zum Lageplan: unter www.uni-frankfurt.de/38093807/Campus_Westend-pdf.pdf; PA-Gebäude ist mit der Nr. 8 bezeichnet)

Bitte teilen Sie uns bis 17. Juni (Mittwoch) mit, ob wir mit Ihrer Teilnahme rechnen dürfen. Mails bitte an: Eger@pvw.uni-frankfurt.de

Mit besten Grüßen

Ulrike Jaspers                Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl
Koordinatorinnen des Projekts „Biographienreihe  „Gründer, Gönner und Gelehrte“

Sonstige

Jun 19 2015
14:00

Wissenschaftsminister Boris Rhein überreicht Urkunden an geförderte Projekte

Neues LOEWE-Zentrum an der GU geht an den Start

FRANKFURT. Das hessische Landesförderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) geht in eine weitere Runde – und wieder ist die Goethe-Universität vorne mit dabei. Bei einer feierlichen Matinee am Campus Westend hat Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) heute Vormittag die Urkunden überreicht. Neu als LOEWE-Zentrum ins Programm aufgenommen wurde das Projekt „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“; das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ und der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ können ihr Vorhaben mit Landesmitteln abschließen.

Mit rund 20 Millionen Euro geht die größte Fördersumme an das LOEWE-Zentrum „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“ unter der Leitung von Prof. Gerd Geisslinger, in dem sich die federführende Goethe-Universität, die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie TMP des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und  die Abteilung Pharmakologie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim zusammengeschlossen haben. Hauptziel des LOEWE-Zentrums  ist die zielgerichtete Überführung von innovativen akademischen Forschungsideen in die anwendungsorientierte Arzneimittelforschung und somit der effektive Transfer in die medizinische Praxis. Trotz explodierender Kosten in der Arzneimittelentwicklung scheitern bislang viele neue Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. Die Wissenschaftler haben sich zum Ziel gesetzt, die Leistung der Arzneimittelforschung zu steigern und so die Entwicklungskosten von Arzneimitteln unter marktwirtschaftlichen Kriterien zu senken. Erreichen wollen sie dies, indem sie u.a. in Kooperation mit der Industrie präklinische und klinische Modelle entwickeln, um so früh wie möglich Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können und damit die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung deutlich zu steigern. Die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie, soll die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft koordinieren. Langfristiges Ziel des LOEWE-Zentrums ist die Etablierung des ersten Fraunhofer-Instituts in Frankfurt. Das Projekt knüpft an den LOEWE-Schwerpunkt „Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung“ (2012-2014) an.

Beeindruckende Ergebnisse geliefert hat das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ (Helmholtz International Center for Facility for Antiproton and Ion Research): Mit dem LOEWE CSC in Frankfurt Höchst haben die beteiligten Wissenschaftler einen der schnellsten und energieeffizientesten Rechner in Deutschland entwickelt. Wobei dieser Rechner nur eine Art Nebenprodukt der Grundlagenforschung ist, die den Start des Teilchenbeschleunigers FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) vorbereiten soll. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist Masse? Woher kommt Materie? Wie sind die Elemente entstanden? HIC for FAIR kann mit den genehmigten Mitteln nun noch bis Dezember 2015
weitermachen. Neben der Goethe-Universität sind die Technische Universität Darmstadt, die Justus-Liebig-Universität Gießen, das Frankfurt Institute for Advanced Studies sowie das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung als Partner beteiligt.

Und auch der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ kann bis Ende 2015 fortgesetzt werden, dafür stehen weitere 350.000 Euro zur Verfügung. Unter Federführung der Goethe-Universität erforschen Wissenschaftler der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt und unter Beteiligung der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung Formen und Muster im Umgang mit Konflikten. Welche Konflikte trug man zu unterschiedlichen Zeiten vor Gericht aus, wann wurde außergerichtlich nach Lösungen gesucht? Wie stellt sich dies im internationalen Vergleich dar? Ziel ist eine fundierte Theorie der Konfliktlösung. Zugleich soll Frankfurt als Zentrum der Konfliktforschung etabliert werden, indem das Projekt in einen DFG-Sonderforschungsbereich überführt wird.

Die Goethe-Universität hat damit bei sechs LOEWE-Zentren und acht LOEWE-Schwerpunkten die Federführung inne. Professor Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, zieht eine positive Zwischenbilanz: „Die LOEWE-Initiative hat in Hessen viel Gutes bewirkt. Denn sie regt nicht nur zur Kooperation innerhalb der Hochschulen an, sondern wegen ihrer Anwendungsorientierung auch mit Partnern aus der Wirtschaft. Aber auch für die Grundlagenforschung gibt sie wichtige Impulse. So werden nicht wenige frühere LOEWE-Projekte heute zum Beispiel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert – auch das ein Beispiel für gelungenen Transfer!“

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Jun 19 2015
13:54

Vortrag des renommierten Sozialhistoriker Jürgen Kocka eröffnet Jahresthema des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Neue Perspektiven auf verschiedene Varianten des globalen Kapitalismus

BAD HOMBURG. Der renommierte Berliner Sozialhistoriker Prof. Dr. Jürgen Kocka hält am Donnerstag (25. Juni) am Historischen Kolleg des Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg einen öffentlichen Vortrag. Er spricht über „Probleme einer vergleichenden Geschichte des Kapitalismus“, moderiert wird die Veranstaltung von den Frankfurter Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Plumpe. Dies ist Auftakt zum Themenjahr 2015 im Historischen Kolleg, das sich mit „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“ beschäftigt.

Kocka, emeritierter Professor für Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin, wird den Blick auf die stark divergierende Entwicklung von atlantischer und asiatischer Welt um 1800 richten. Der vielfach ausgezeichnete Forscher wird langfristige Entwicklungslinien in der Geschichte des modernen Kapitalismus nachzeichnen und darlegen, wie der Begriff des Kapitalismus zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichts- und Sozialwissenschaft verwendet wurde. Besonders interessiert ihn, welchen Nutzen der Kapitalismusbegriff für globalgeschichtliche und gegenwartsbezogene Fragen hat. Kocka wird auch fragen, inwiefern sich die Varianten des Kapitalismus im 21. Jahrhundert annähern.

Damit führt der Berliner Wissenschaftler in das  Jahresthema des Historischen Kollegs ein. Es beschäftigt sich mit der Entstehung des abendländischen Kapitalismus und seine von den Niederlanden und Großbritannien ausgehende Verbreitung des Kapitalismus, die sich zunächst auf Europa beschränkte und dann weltweit ausdehnte. Dabei handelt es sich um ein historisches Phänomen von außerordentlicher Tragweite, das das Interesse von Ökonomen, Soziologen und Historikern geweckt hat.

An den öffentlichen Abendvortrag schließt sich ein Intensivseminar für Studierende, Doktoranden und einschlägig arbeitende Forscher an. Es wird gemeinsam von Jürgen Kocka, Werner Plumpe, dem Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Jahresthema 2015/2016, sowie dem Wirtschaftshistoriker Peer Vries (Wien) und dem Politikwissenschaftler Tobias ten Brink (Frankfurt) gehalten. Sie versuchen, eine neue Perspektive auf die langfristige Evolution verschiedener Varianten des globalen Kapitalismus in der Atlantischen Welt und Asien vom frühen 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert zu entwickeln. Bei diesem Seminar und im weiteren Verlauf des Themenjahres stehen zudem die Rolle und Beschaffenheit grundlegender Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus auf dem Prüfstand wie Eigentumsrechte, Nutzenorientierung und Kapitalmärkte. Nicht zuletzt geht es – auch mit aktuellem politischen Bezug – um soziale Ungleichheiten, immanente Konflikte, aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Kapitalismus.
2014 war das Auftaktjahr des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. Es widmete sich der „Welt von 1914“. Renommierte internationale Wissenschaftler, wie Christopher Clark, Gustavo Corni und Till van Rahden, forschten zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen dem „Großen Krieg“ und der Zeit danach. Die Wissenschaftler diskutierten, wie die Kriegserfahrung fundamentale Aspekte der Weltsicht veränderte, und richteten den Blick auf politische und gesellschaftliche Ordnungsmuster, etwa das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit.

Das Historische Kolleg wurde als erste eigenständige Programmlinie des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte, an der Goethe-Universität.

Die Dagmar-Westberg-Stiftung ist Hauptsponsorin des Historischen Kollegs. Das Themenjahr „Varianten des Kapitalismus“ wird finanziert von Stefan Quandt. Das Forschunsgkolleg Humanwissenschaften ist ein Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung.

Informationen: Dr. Friederike Sattler und Ellinor Schweighöfer,
Forschungskolleg Humanwissenschaften, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-0, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de ; schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldung für den öffentlichen Vortrag von Prof. Kocka erbeten an: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

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Jun 18 2015
16:19

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 23. Juni im Klingspor-Museum

Vortrag: Wer hat die Macht im Internet?

FRANKFURT/OFFENBACH. Beim Auftaktvortrag der „Goethe Lectures Offenbach“ sprach der Soziologie-Professor Sighard Neckel vor rund einem Monat über „Burnout. Das gesellschaftliche Leid mit der Erschöpfung“. Das zweite Thema der neuen Reihe, bei der der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität mit der Stadt Offenbach kooperiert, ist nicht minder aktuell. Nun geht es um das weltweite Datennetz, das in den Augen vieler Kritiker ein rechtsfreier Raum ist, der von den Interessen einiger weniger Großkonzerne dominiert wird. Ob das stimmt und wie es denn zu ändern wäre, analysiert der Rechtswissenschaftler Dr. Matthias C. Kettemann in seinem Vortrag „Wer hat die Macht im Internet?“ am Dienstag, dem 23. Juni, im Offenbacher Klingspor-Museum. Die interessierte Öffentlichkeit ist bei freiem Eintritt herzlich willkommen.

Der Vortrag wird sich zunächst mit dem Charakter der Macht im Internet beschäftigen. Die herrschenden Machttheorien sprechen von verschiedenen Gesichtern der Macht. Mit Max Weber können wir Macht als die Fähigkeit verstehen, „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“. In vielen sozialen Beziehungen im Internet gibt es allerdings kein Widerstreben. Niemand zwingt uns, eine bestimme Suchmaschine zu nutzen oder ein bestimmtes soziales Netzwerk zu besuchen, niemand zwang europäische Regierungen, mit den USA Vereinbarungen zum Datenaustausch einzugehen. Dennoch geschieht es. Und das ist eine Wirkung von Macht.

Sodann werden in dem Vortrag die ‚üblichen Verdächtigen‘ auf ihre Rolle als Herrscher über die Macht im Internet durchleuchtet: die Unternehmen – die Googles und Facebooks unserer Zeit – und die großen Staaten mit ihren Überwachungskapazitäten, wobei die USA, zumindest noch, eine Sonderrolle einnehmen. Der Vortrag zeigt aber auch auf, warum kein Akteur alleine machtvoll sein kann und kommt zu dem Schluss, dass bei den einzelnen Menschen viel an emanzipatorischer Macht verbleibt. Aber Macht ist, auch dies ein zentraler Schluss, natürlich nicht alles: Mit Pascal ist Macht ohne Recht tyrannisch, sodass jede Machtordnung des Internets von einer legitimierenden Rechtsordnung unterfüttert sein muss.

Der Prozess, in dem die normative Ordnung des Internets als Gegenmodell zu einer reinen Machtordnung entwickelt wird, ist für Kettemann die „Internet Governance“. Diese hat gewisse normative Ziele, die richtunggebend sind. Zentral dabei: Der Schutz der Integrität des Internets liegt im globalen öffentlichen Interesse, und nationale Internetpolitik wird mit Blick auf das öffentliche Interesse am Schutz des Internets determiniert.

Um das Demokratisierungs- und Emanzipationsversprechen des Internets einzulösen, bedarf es, so Kettemann, einer menschenrechtlich sensiblen Netzpolitik. Diese dürfe nicht dem Informationsindustriekomplex überlassen werden – aber auch nicht autoritären Staaten. Die Internet Governance brauche klare völkerrechtliche Grundlagen. Aber eine normative Ordnung des Internets könne nicht ohne einen sie tragenden Sozialvertrag Bestand haben. Diesen zu erarbeiten, zu diskutieren und umzusetzen sei unser aller Aufgabe – eine Aufgabe, der wir uns stellen müssten, um die Macht im Internet zu bändigen.

Matthias C. Kettemann ist Postdoktorand des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, wo er sich zur normativen Ordnung des Internets habilitiert. Kettemann hat für den Europarat und das Europäische Parlament geforscht und ist Co-Chair der Internet Rights & Principles Coalition. Zu seinen jüngsten Publikationen gehören: „The Future of Individuals in International Law“, „European Yearbook on Human Rights 2013“ (als Co-Herausgeber) und “Freedom of expression and the Internet” (zusammen mit Wolfgang Benedek).

Veranstalter des Vortragsabends und auch der Gesamtreihe sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion.

Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard):
Wer hat die Macht im Internet?
Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“
Dienstag, 23. Juni, 19.00 Uhr
Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main

Informationen:
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411,
bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392,
kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Personalia/Preise

Jun 18 2015
16:13

Langjähriger Freund, Gönner und Ehrenbürger starb im Alter von 72 Jahren

Goethe-Universität trauert um Jochen Hückmann

FRANKFURT. Die Goethe-Universität trauert um Dr. Jochen Hückmann. Der Ehrenbürger und langjährige Chef des Pharma-Unternehmens Merz & Co. war am Montag im Alter von 72 Jahren gestorben. Hückmann hatte sich viele Jahre intensiv für die Goethe-Universität eingesetzt. Bereits vor 30 Jahren, im Jahr 1985, stiftete der promovierte Ökonom die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur für Pharmazie und Humanmedizin – eine der ersten Stiftungsgastprofessuren der Goethe-Universität. Erst 2014 war die traditionsreiche Gastprofessur um weitere fünf Jahre verlängert worden. Leitgedanke der Gastprofessur ist vor allem die Förderung internationaler wissenschaftlicher Beziehungen der Goethe-Universität in den Bereichen Medizin und Pharmazie. Mit der Stiftung einer Gastprofessur knüpfte die Firma Merz & Co. an alte Traditionen Frankfurter Mäzenatentums an. Der Firmengründer Friedrich Merz war Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Die Gastprofessur umfasst Forschungs- und Lehrtätigkeiten sowie die Teilnahme an einem internationalen und interdisziplinären Symposium, das dem Forschungsschwerpunkt des Gastprofessors gewidmet ist und ebenfalls von der Firma Merz & Co. unterstützt wird.

Im universitären Jubiläumsjahr 2014 rief Jochen Hückmann zudem einen mit 500.000 € dotierten Stiftungsfonds aus Privatmitteln für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern sowie der Förderung der wissenschaftlichen Spitzenforschung an der Goethe-Universität ins Leben. Ein ebenfalls von ihm gestifteter, mit 100.000 € dotierter Jubiläumspreis für medizinische Spitzenforschung wurde 2014 an Prof. Florian Greten vom Georg-Speyer-Haus verliehen.

Noch Mitte 2014 hatte die Journalistin Astrid Ludwig Jochen Hückmann für die Jubiläumsausgabe des Magazins Forschung Frankfurt – das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität – porträtiert. Unter dem Titel „Die stillen Stifter“ schrieb sie: „Ein Mittelständler, der in der Spitzenforschung mitmischt. Auch das passt zu Dr. Jochen Hückmann und dem Frankfurter Familienunternehmen, das nicht an die Börse geht und seine Arzneimittel in Reinheim im Odenwald und im sachsen-anhaltischen Dessau produziert: klein, aber fein, bodenständig und innovativ. Wissenschaft und Forschung, darin liege die Zukunft Deutschlands – dieses Credo ist entscheidend für seine Unterstützung der Goethe-Universität. Die öffentliche Wahrnehmung seiner eigenen Person ist ihm dabei unwichtig: »Das brauche ich nicht. Es geht um die Universität.« Gutes zu tun, macht ihm Freude; und er möchte gern andere motivieren, sich ebenfalls zu engagieren und zu stiften.

Uni-Vizepräsident und Pharmakologe Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz würdigte  Jochen Hückmann: „Mit ihm verliert die Goethe-Universität einen echten Freund und Gönner. Jochen Hückmann hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Er wollte helfen und hat dies in der ihm eigenen bescheidenen und freundlichen Art so nachdrücklich getan wie kaum ein anderer. Die Goethe-Universität ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Wir werden ihn sehr vermissen.“

www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/51322710/FoFra_2014_1_Stifter_Die_stillen_Stifter.pdf


Veranstaltungen

Jun 18 2015
11:32

Ein Gespräch über den nachhaltigen Umgang mit Wasser

Vom Sinn und Unsinn des Wassersparens

FRANKFURT. Wir alle kennen die zahlreichen Verbrauchertipps zum Wassersparen und viele von uns wenden sie auch an. Schließlich gehört Wassersparen zum Umweltschutz und Umweltschutz inzwischen zum „guten Leben“ dazu. Doch macht es wirklich Sinn, Topfpflanzen mit dem Kondenswasser aus dem Trockner zu gießen, Duschwasser für Toilettenspülungen wiederzuverwenden oder Regenwasser für den Garten aufzufangen? Helfen wir damit wirklich der Umwelt oder „nur“ dem Geldbeutel? Was für Verbraucher nach einem klaren Fall aussieht, zeigt sich Experten bei genauer Betrachtung als komplexer Zusammenhang – sowohl zwischen Wasserinfrastruktur, Ökonomie und Ökologie als auch zwischen städtischen Ballungsräumen und ländlicher Umgebung. Wie sieht hier wie da ein sinnvoller Umgang mit der Ressource Wasser wirklich aus?

Dieser Frage widmet sich das Gespräch mit Dr. Stefan Liehr vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Dr. Regina Oehler von hr-iNFO kommende Woche. Liehr leitet den Forschungsschwerpunkt „Wasserressourcen und Landnutzung“ am ISOE. Oehler hat, nach Stationen als Neurobiologin und Autorin für die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT, die Wissenschaftsredaktion Hörfunk des Hessischen Rundfunks aufgebaut, wo sie bis heute tätig ist.

Die Veranstaltung ist Teil der Diskussionsreihe „Blaue Zukunft – Die kostbare Ressource Wasser und wie wir damit umgehen (müssen)“, die die Goethe-Universität zusammen mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ausrichtet. An insgesamt vier Abenden diskutieren Wissenschaftler beider Einrichtungen eines der wichtigsten Themen der Zukunft: Wasser. Dabei soll es nicht nur um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gehen, sondern vor allem um Fragen, die wir uns als Verbraucher stellen sollten und müssen.

Vom Sinn und Unsinn des Wassersparens – Nachhaltiger Umgang mit Wasser
Gespräch mit Dr. Stefan Liehr (ISOE) und Dr. Regina Oehler (hr-iNFO)

Zeit: Mittwoch, 24. Juni 2015, um 19.00 Uhr
Ort: GLS Bank, Mainzer Landstraße 47, 60325 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Die Reihe findet statt im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität, das komplette Programm finden Sie unter:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Ausblick

Am 08. Juli 2015 geht es dann weiter mit der Diskussion
Risikostoffe im Wasser – Gefahren für Mensch und Umwelt?
Mit Prof. Jörg Oehlmann, Prof. Wilhelm Püttmann (beide Goethe-Universität), Anna Walz und Dr. Carolin Völker (beide ISOE), Moderation: PD Dr. Heike Zimmermann-Timm (GRADE – Goethe Graduate Academy)

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität sowie Bevölkerungsentwicklung und Versorgung.

Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Nicola Schuldt-Baumgart (Leitung)
Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt am Main
Tel: (069) 707 69 19-30; Fax: (069) 707 69 19-11
schuldt-baumgart@isoe.de

Internet: www.isoe.de

Veranstaltungen

Jun 17 2015
15:54

„Starker Start ins Studium“: Projekttagung an der Goethe-Universität

Bessere Bedingungen für Erstsemester

FRANKFURT. Mit dem Projekt „Starker Start ins Studium“ hat die Frankfurter Goethe-Universität im Herbst 2011 eines der umfangreichsten Programme im Qualitätspakt Lehre des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung eingeworben. In den verschiedenen Fachzentren der Universität wird seither daran gearbeitet, Studierenden in der ersten Zeit ihres Studiums bessere Bedingungen zu bieten. Die vielfältigen Ansätze des Projekts werden bei einer Tagung am Montag, 6. Juli, im Rahmen einer Tagung vorgestellt.

In drei Bereiche lassen sich die Maßnahmen zur Verbesserung der Studieneingangsbedingungen unterteilen: die Unterstützung beim Studieneinstieg, die Lernbegleitung in der Studieneingangsphase und das Lehren und Lernen in der „Weiter“-Entwicklung. So gibt es inzwischen Vorkurse in den Fächern Chemie, Mathematik und Informatik als Vorbereitungs- und Auffrischungskurse für Studienanfänger, insbesondere vor Beginn des Wintersemesters. Viele Studiengänge bieten vor Studienbeginn Orientierungsveranstaltungen für die angehenden Bachelorstudierenden an, wie etwa die „Welcome-Tage“ in den Biowissenschaften. In der Medizin wurde ein umfangreiches, dreiwöchiges Propädeutikum mit Beginn im September etabliert.

Lernbegleitung in der Studieneingangsphase wiederum kann ganz unterschiedlich realisiert werden. Ein Beispiel sind die „Peer-TutorInnen“ des Schreibzentrums, die andere Studierende in der Textarbeit beratend unterstützen. Zudem wurden Konzepte entwickelt, durch die die Tutoren und Mentoren in Zusammenarbeit der Fachzentren mit der zentralen Einrichtung für Tutorenqualifizierung „studiumdigitale“ auf Ihre Tätigkeit vorbereitet und qualifiziert werden. Beim „Starken Start ins Studium“ wurden auch viele Ideen für neue, spannende und zielgruppenspezifische Lehrangebote umgesetzt. Das Projekt USE (Universität studieren / Studieren erforschen) etwa hat zum Ziel, die universitäre Lehre, die meist hinter verschlossenen Türen stattfindet, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem auf einer Online-Plattform Ergebnisse von Lehrveranstaltungen, Lehrkonzepte und studentische Arbeiten präsentiert werden.

Bei der Projekttagung „Starker Start ins Studium“ am Montag, den 06. Juli, werden die rund 50 Projektbeteiligten ihre Arbeit in Kurzvorträgen und anhand von Postern präsentieren und sich anschließend der Diskussion stellen. Eine thematische Einführung in den Tag gibt Prof. Elke Wild, die über das Thema „Visible Learning“ im Hochschulkontext sprechen wird. Die Tagung richtet sich an Angehörige und Lehrende der Goethe-Universität sowie an alle an Lehre Interessierten anderer Hochschulen und Institutionen. Im Anschluss an die Tagung wird der 1822 Preis für exzellente Lehre verliehen.

„Starker Start ins Studium”, Tag der Lehre,
9.30 bis 17.30 Uhr,
Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Casino Festsaal
Anmeldung: https://anmeldung.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/allgemein/?veranstaltung=3st
Anmeldeschluss 01.07.2015
Tagungsbüro: tagung@starkerstart.uni-frankfurt.de
Dr. Julia Sommer/ Lars Gußen
Weitere Infos: http://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/53980949/Tagung

Veranstaltungen

Jun 17 2015
15:39

LOEWE-Matinee mit feierlicher Urkundenübergabe durch Wissenschaftsminister Boris Rhein

Medieneinladung: Auszeichnung praxisnaher Spitzenforschung made in Hessen

FRANKFURT. Die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz, kurz LOEWE, ist die hessische Exzellenzinitiative. Das 2008 gestartete, bundesweit einmalige wissenschaftliche Förderprogramm soll die Profilbildung der hessischen Hochschulen sowie die Vernetzung von universitären, außeruniversitären und unternehmerischen Partnern vorantreiben. Zwischen 2008 und 2014 hat das Land Hessen über LOEWE rund 520 Millionen Euro in wegweisende Projekte investiert. Anlässlich einer LOEWE-Matinee an der Goethe-Universität präsentieren sich erfolgreiche Initiativen der 1. und 4. Förderstaffel. Anschließend erfolgt die Übergabe der Urkunden und Bescheide durch Wissenschaftsminister Boris Rhein. Die Veranstaltung findet statt

am Freitag, 19. Juni 2015, 10-11.30 Uhr,
Ort: Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend,
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt a.M.,
Foyer des Gebäudes PA (Präsidium und Administration).

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Matinee teilzunehmen. Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können (Frau Ott, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Forschung

Jun 17 2015
13:11

Nur wenn Vorhersagen falsch sind, schalten sich obere Hirnregionen ein

Wie erkennt das Gehirn Gesichter?

FRANKFURT. Unser Gehirn erkennt in Millisekunden Objekte, sogar, wenn es nur rudimentäre optische Informationen erhält. Forscher vermuten, dass die verlässliche und schnelle Erkennung gelingt, indem das Gehirn ständig Vorhersagen über Objekte im Gesichtsfeld trifft und diese mit den hereinkommenden Informationen abgleicht. Nur wenn dabei Fehler auftreten, müssen höhere Hirnregionen  benachrichtigt werden, um aktiv ihre Vorhersagen anzupassen. Wissenschaftler der Goethe-Universität haben diese Vermutung jetzt bestätigt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Neuroscience“ berichten, haben sie im Falle eines Vorhersagefehlers die Verstärkung von solchen Hirnwellen identifiziert, die an höhere Hirnareale gesendet werden. Diese Ergebnisse versprechen auch ein besseres Verständnis der psychischen Erkrankungen Schizophrenie und der Autismus-Spektrum-Störung.

Um Vorhersagefehler bei ihren Probanden zu provozieren, zeigten die Forscher ihnen sogenannte Mooney Gesichter, benannt nach ihrem Erfinder Craig Mooney. Das sind Fotos von Gesichtern, die ganz auf schwarze und weiße Flächen reduziert sind. Diese erkennen wir meist mühelos. Wir können sogar Angaben über Geschlecht, Alter und Gesichtsausdruck machen – obwohl lediglich der Verlauf der schwarz-weißen Grenze ein wenig Information über das Gesicht enthält. Und selbst diese minimale Information ist zweideutig, denn die Grenzen stellen entweder Übergänge zwischen Licht und Schatten dar oder sie begrenzen das Objekt selbst.

„In unserer Studie benutzten wir Mooney Gesichter, die gezielt zwei Erwartungen enttäuschten: erstens, dass wir Gesichter immer aufrecht sehen, und zweitens, dass Licht von oben einfällt. Dadurch hat sich die Gesichtserkennungs-Leistung deutlich verschlechtert und verlangsamt“, erklärt Prof. Michael Wibral vom Brain Imaging Center der Goethe-Universität.

Was passiert in diesem Fall im Gehirn? Eine aktuelle Theorie, die „Predictive Coding“-Theorie, besagt, dass Signale nur zur Verarbeitung in höhere Hirnregionen gesendet werden müssen, wenn Vorhersagen nicht erfüllt sind. Es müssten also verstärkte Signale in Richtung höherer Hirnregionen auftreten. Es gibt jedoch auch konkurrierende Theorien, die genau das Gegenteil vorhersagen.

Ein direkter Test der Theorie wurde erst kürzlich möglich, als Frankfurter Wissenschaftler vom Strüngmann-Institut entdeckten, dass Hirnwellen mit etwa 90 Schwingungen pro Sekunde bevorzugt auftreten, wenn höhere Areale des Gehirns adressiert werden. „Wenn ein Vorhersagefehler provoziert wird, indem wir Bilder erzeugen, die lebenslang gelernten visuellen Alltagswahrheiten widersprechen, sollten wir die fehlerspezifischen Hirnwellen mit etwa 90 Schwingungen pro Sekunde vermehrt sehen. Das konnten wir experimentell bestätigen“, erklärt Wibral. „Schließlich konnten wir auch zeigen, dass die ‚Fehlerhirnwellen‘ umso stärker sind, je langsamer das Erkennen ist. Dies zeigt, dass diese Hirnwellen nicht nur eine Korrektur einleiten, sondern ursächlich an unserer
Wahrnehmung beteiligt sind”, so Wibral weiter. Die Ergebnisse sind bedeutsam, weil gerade diese Hirnwellen auch bei Patienten mit Schizophrenie und Autismus Spektrum Störung deutlich beeinträchtigt erscheinen. Das haben Messungen der vergangenen Jahre im Labor des Frankfurter Brain Imaging Centers gezeigt. Die Forscher erhoffen sich nun, beide Erkrankungen besser zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, Patienten dabei zu helfen, ihre fehlerhaften Vorhersagen besser anzupassen.

Publikation:
Alla Brodski, Georg-Friedrich Paasch, Saskia Helbling, and Michael Wibral: The Faces of Predictive Coding, in: Journal of Neuroscience, 17 Juni 2015 • 35(24):8997–9006 • 8997, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1529-14.2015;

Ein Bild zum Download finden Sie hier: www.uni-frankfurt.de/56080403
Bildtext: Bei der Gesichtserkennung geht das Gehirn davon aus, dass der Lichteinfall von oben kommt und das Gesicht aufrecht ist (UPTP). Diese Erwartungen haben die Forscher enttäuscht durch Lichteinfall von unten (UPBT), einen invertierten Kopf (INTP) und ein invertiertes Bild mit Lichteinfall von unten (INBT). Das letzte Bild ist ein Kontroll-Stimulus, in dem die Gesichtselemente verschoben wurden.

Informationen: Prof. Michael Wibral, MEG Labor, Brain Imaging Center, Klinikum der Goethe Universität, Tel.: (069) 6301 83193, wibral[at]bic.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 16 2015
11:22

Eine Nacht lang Wissenschaft zum Anfassen auf dem Campus Riedberg

Night of Science: Faszination Forschung live erleben 

FRANKFURT. Tief eintauchen in die Welt der Naturwissenschaft: Das können Interessierte am Freitag, den 19. Juni 2015, bei der Night of Science auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität. Das Programm beginnt um 17 Uhr und dauert bis 6 Uhr morgens. Es bietet über 70 spannende Vorträge, faszinierende Experimente, Mitmachstationen, Laborbesichtigungen und ein buntes Rahmenprogramm. Passend zum "Internationalen Jahr des Lichts" gibt es in diesem Jahr unter anderem eine Vortragsreihe zu kulturellen und technologischen Aspekten des Themas Licht.

Den Eröffnungsvortrag hält um 17 Uhr der Neurowissenschaftler und Buchautor Prof. Boris Kotchoubey, der sich mit den neurobiologischen und psychologischen Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung und des freien Willens beschäftigt. Unter dem Titel "Der Fehler von Pontius Pilatus: Warum ‚Wahrnehmung‘ mit ‚wahr‘ beginnt" begibt sich Kotchoubey auf Erkundungstour im Dickicht von Wahrnehmung und Wahrheit und beleuchtet insbesondere die Frage, ob das Bild der Welt, das uns unsere Sinne liefern, eine reine Illusion ist.

Ein Vortrag des Hirnforschers Prof. Wolf Singer schafft anschließend den Übergang zur spannenden Frage, inwieweit unsere Entscheidungen tatsächlich frei sind oder bereits durch äußere Umstände bestimmt werden. Prof. Singer und Prof. Kotchoubey werden danach ihre Positionen im Rahmen einer moderierten Podiumsdebatte miteinander diskutieren.
Das ist der Auftakt zu über 70 weiteren unterhaltsamen Vorträgen, in denen Dozenten neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen, alltägliche Phänomene erklären und spektakuläre Experimente zeigen. Wer schon immer mal ein echtes Labor von innen kennenlernen wollte, hat dazu bei der Night of Science ebenfalls Gelegenheit. Angeboten werden geführte Besichtigungen in kleinen Gruppen. Zu sehen ist beispielsweise der kälteste Ort Frankfurts: das Tieftemperaturlabor des physikalischen Instituts oder auch die Arbeit in einem Forensik-Labor.

Erstmals sind auch das Max-Planck-Institut für Biophysik sowie das Max-Planck-Institut für Hirnforschung auf dem Campus Riedberg mit Vorträgen und Führungen an der Night of Science beteiligt. Für Schülerinnen, Schüler und Studieninteressierte stellen Lehrende die Studiengänge verschiedener naturwissenschaftlicher Fachbereiche vor und stehen für Fragen zur Verfügung.

Abwechslungsreiches Rahmenprogramm
Im Rahmenprogramm gibt es für Kinder zahlreiche Mitmach- und Showexperimente sowie einen betreuten Spielplatz. Musikbegeisterte kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Insgesamt fünf verschiedene Live-Bands werden den Abend musikalisch gestalten. Die Bandbreite reicht dabei von Alternative Rock über Punk bis zu Indie-Pop. Zusätzlich ist ein „Science Slam“ geplant, also ein Kurzvortragsturnier, bei dem Wissenschaftler interessante Forschungsthemen humoristisch vor Publikum präsentieren. Auch die Roboter-Kicker aus Frankfurt, die Bembelbots, treten wieder zu einem Fußballmatch der Superlative an.

Die Night of Science, die seit 2006 jährlich stattfindet, wird ehrenamtlich von Studierenden aus neun naturwissenschaftlichen Fachbereichen organisiert. Damit wollen sie ihre Studienfächer einer breiten Öffentlichkeit näherbringen. Für ihr Engagement wurde ihnen 2012 der Hessische Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre verliehen. Finanziert wird die Veranstaltung durch den Verkauf von Speisen und Getränken sowie Sponsorengelder. Auch die Initiative „Hessen schafft Wissen“ unterstützt die Veranstaltung mit Technik und digitalen Inhalten.

Wann? Freitag, den 19.6.2015, ab 17.00 Uhr bis morgens 6.00 Uhr.
Wo? Campus Riedberg, Ruth-Moufang-Str. 2 und Max-von-Laue-Str. 1-9.

Informationen: Marco Rotter, Tel.: 015126818136, fragen@nightofscience.de.
Das Programm: www.nightofscience.de

Veranstaltungen

Jun 12 2015
16:44

Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 20. Juni im Frankfurter Kunstverein zum Auftakt der Paglen-Ausstellung „The Octopus“

Überwachung ist (k)eine Kunst

FRANKFURT. Der Frankfurter Kunstverein hat mit dem US-amerikanischen Künstler Trevor Paglen eine umfassende Werkschau entwickelt. Sie heißt „The Octopus“ und beschäftigt sich vom 20. Juni bis zum 30. August 2015 mit Themen wie Überwachung und politische Einflussnahme. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch mit zentralen Beiträgen in dem umfangreichen Rahmenprogramm vertreten ist. Am Samstag, dem 20. Juni, veranstaltet der Exzellenzcluster um 20 Uhr im Kunstverein die Podiumsdiskussion „The Art of Surveillance“ („Die Kunst der Überwachung“). Der Eintritt hierzu ist frei.

Die vermeintliche „Notwendigkeit“ moderner Überwachungssysteme, die der Künstler Trevor Paglen in seinen Fotografien zeigt, wird mit der Verteidigung westlicher Werte begründet. Ein Grundpfeiler der Demokratie ist jedoch die Privatsphäre. Warum die schon heute schier grenzenlose Überwachung das Potenzial hat, den Rechtsstaat abzuschaffen, obwohl sie ihn doch schützen soll, ist ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion. Teilnehmer sind Trevor Paglen und die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins Franziska Nori. Vom Exzellenzcluster kommen Klaus Günther, dessen Co-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht, sowie der Soziologe und Postdoktorand des Exzellenzclusters Valentin Rauer, der zum Zusammenhang von Sicherheitskultur und der Entwicklung ziviler Überwachungsdrohnen forscht. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Clusters.

„Terror kann eine Nation nicht in ihren Grundfesten gefährden. Aber mit den Überwachungssystemen der Geheimdienste lässt sich im Handumdrehen ein totalitärer Staat erschaffen“, sagt Trevor Paglen, der mit seinen Fotografien Anlagen, Apparaturen und Aktivitäten, die eigentlich geheim bleiben sollen, öffentlich sichtbar macht: Abhörstationen, Überwachungsdrohnen, Spionagesatelliten und verdeckte Operationen. Der US-Amerikaner, der als „Grenzgänger zwischen Kunst und Politik“ gilt, will mit seinen Bildern nach eigener Aussage eine „neue Art des Sehens“ schaffen, um Überwachungssysteme wahrzunehmen und darüber zu diskutieren, ob wir sie wirklich wollen.

Vielleicht gelingt es ja der Kunst, breiten Widerstand gegen die Überwachung zu mobilisieren. Denn bis auf vereinzelte Aktionen im unmittelbaren Anschluss an den „NSA-Skandal“ blieben groß angelegte Proteste aus, und auch von einer Veränderung der Verhaltensweisen kann nicht die Rede sein: Facebook, Google & Co. werden, wie es scheint, so viel und so sorglos wie zuvor verwendet. Die Überwachung sei überall, man müsse nur den Blick trainieren, dann sehe man beispielsweise auch Drohnen, sagt Paglen, der auch diese ferngesteuerten Flugobjekte fotografiert hat. Drohen werden – was mittlerweile bekannt ist – als Waffen zu militärischen Zwecken eingesetzt. Sie finden aber auch bei der „zivilen“ Überwachung in immer größerem Maße Verwendung, was vielleicht nicht so bekannt ist.

Der Einsatz von Drohnen und Satelliten, das „Abfischen“ von E-Mails und anderem Datenverkehr verstößt, so betonen Kritiker, in vielen Fällen gegen das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, also das Recht, selbst zu befinden, was mit den eigenen Daten geschieht. Im so genannten Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts heißt es: „Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“

Die Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ ist ein Projekt des Frankfurter Kunstvereins. Sie findet im Rahmen der „RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt Rhein/Main“ statt und ist zudem eine Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm finden im Frankfurter Kunstverein statt: Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main.

Vorschau:
Am 22. Juli gibt es, ebenfalls im Rahmen des Kooperationsprojekts mit dem Frankfurter Kunstverein und am gleichen Ort, einen Vortrag von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie. Der Titel lautet: „Die (Un)Sichtbarkeit der Macht“. Trevor Paglens Bilder machen geheime Orte der Macht sichtbar. Doch entgegen der Auffassung, dass damit auch die Ausübung von Macht sichtbar würde, müssen wir, so Forst, nach deren verborgener Wirkungsweise fragen.

Ein Hinweis an die Redaktionen – Pressevorbesichtigung am 18.6.2015:
Der Frankfurter Kunstverein veranstaltet am Donnerstag, dem 18. Juni, um 11 Uhr eine Pressevorbesichtigung der Ausstellung, zu der Sie auch im Namen des Exzellenzclusters herzlich eingeladen sind. Es sprechen: Franziska Nori (Direktorin Frankfurter Kunstverein), Trevor Paglen (Künstler), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“) und Luminita Sabau (Sprecherin RAY Fotografieprojekte). Um Anmeldung wird gebeten unter: presse@fkv.de

Ein Bild zum Downloaden gibt es hier: uni-frankfurt.de/56039889

Information:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/
Julia Wittwer, Leitung PR Frankfurter Kunstverein, Tel.: 069/219314-30, presse@fkv.de, www.fkv.de/;

Veranstaltungen

Jun 12 2015
12:14

Konferenz im Museum Angewandte Kunst befasst sich mit der zeitgenössischen Auffassung von Ästhetik und Konsum

Konsumästhetik: Impulse für die Kunst?

FRANKFURT. Konsum und Ästhetik scheinen Antipoden zu sein. Die Tagung „Konsumästhetik“ vom 18. bis 20. Juni im Museum Angewandte Kunst wirft jedoch einen anderen Blick auf diese scheinbaren Gegensätze und fragt nach positiven Wechselwirkungen. Die Konferenz findet im Rahmen des Forschungsverbundprojekts „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ statt und wird von Heinz Drügh, Professor für Literaturgeschichte und Ästhetik an der Goethe-Universität, und seiner Doktorandin Annemarie Opp organisiert.

Angesichts der gesellschaftlichen Tendenz zur Ökonomisierung sowie dem Unbehagen darüber gilt das Ästhetische manchen als eine Art „Gegengift“. Diese Hoffnung geht zurück auf die im 18. Jahrhundert wurzelnde Vorstellung von der Kunst als autonomer Sphäre. Die Tagung schlägt eine andere Perspektive vor: In welcher Hinsicht kann die Konsumsphäre für die Künste und unsere Auffassung von Ästhetik produktiv sein? Diese Fragestellung führt zu einer Debatte sowohl über konkrete Verhandlungen zwischen Konsum und Kunst als auch über unsere zeitgenössische Vorstellung von Ästhetik.  

Das Forschungsverbundprojekt „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ widmet sich der kritischen Analyse des Konsums als eines zentralen Phänomens westlicher Gesellschaften. Ziel ist eine wissenschaftliche Haltung gegenüber Konsumgütern und dem Umgang mit ihnen, die sich weder als vorentschiedene Kritik noch als marktliberale Affirmation des Konsums versteht. Dabei soll auf differenzierte Art und Weise betrachtet werden, womit und wovon wir leben. Das Projekt leiten Prof. Moritz Baßler (Münster), Prof. Heinz Drügh (Frankfurt), Prof. Birgit Richard (Frankfurt) und Prof. Wolfgang Ullrich (Karlsruhe). Die Konferenz und das Forschungsverbundprojekt werden von der Volkswagenstiftung gefördert.

Die Tagungsbeiträge befassen sich zum Beispiel mit der „Ästhetik der Dinge“ (Aida Bosch, Erlangen-Nürnberg), mit „sowjetischer Konsumästhetik und ihrem nostalgischen Potenzial“ (Monika Rüthers, Hamburg) oder mit der Frage, „warum die Dinge immer anders sind, als die Warenwelt uns glauben machen will“ (Hans Peter Hahn, Frankfurt). Eine Podiumsdiskussion am Donnerstag um 17.30 Uhr dreht sich um das Thema „Käufliche Welt als künstlerisches Phänomen“. Podiumsteilnehmer sind Barbara Vinken, Christoph Menke, Moritz Baßler und Wolfgang Ullrich, moderiert wird die Runde von Heinz Drügh und Birgit Richard. Am Samstag um 17.15 Uhr führt Kuratorin Birgit Richard durch die Ausstellung „Hamster – Hipster – Handy. Im Bann des Mobiltelefons“. Für Studierende der Goethe Universität ist die Konferenzteilnahme kostenlos.

Konsumästhetik, Konferenz vom 18. bis 20.06.2015, Museum Angewandte Kunst Frankfurt, Programm im Internet: www.konsumaesthetik.de/Veranstaltungen/Konferenz

Organisation:
Prof. Dr. Heinz Drügh und Annemarie Opp M.A., Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt

Information und Anmeldung: konsumaesthetik@gmail.com

Veranstaltungen

Jun 11 2015
12:02

Die Frankfurter Bürger-Universität stellt Kunst-Mäzen Peter Ludwig vor

Nur ja nicht für sich selbst sammeln!

FRANKFURT. Das Museum Ludwig in Köln ist den meisten in Deutschland bekannt, den wenigsten jedoch sein Namensgeber: Peter Ludwig.
Peter Ludwig stieg in den 1950er Jahren in die Schokoladenfirma Leonhard Monheim ein, baute diese in den 1970er und 1980er Jahren zu einem der führenden deutschen Unternehmen in dieser Branche aus. Heute heißt sie Ludwig Schokolade. Seine Leidenschaft aber war das Sammeln von Kunst. Er brachte die PopArt nach Deutschland, kaufte auf der documenta 4 1968 auf einen Schlag zehn Werke von Andy Warhol und Jasper Johns; Künstler, die heute weltberühmt sind. Seine Sammlung beschränkt sich jedoch nicht nur auf das 1976 gegründete Museum Ludwig in Köln. Schon zu Lebzeiten verteilte er seinen Sammlungsschatz weltweit, gründete oder beschenkte Institutionen und Museen, etwa in Sankt Petersburg, Budapest, Basel oder Cuba.

Was bringt einen Menschen  dazu, den größten Teil seines persönlichen Reichtums für Kunst auszugeben, die er dann in alle Welt verleiht und verschenkt? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Vortrag des bekannten Kasseler Soziologen Prof. Heinz Bude und zeichnet die Geschichte des Mäzens als einer Figur unserer Kultur. Ludwigs Weg ist ein Beispiel einer Karriere nach 1945 und die Geschichte einer persönlichen Besessenheit, die immer den Glanz der Bilder suchte.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Sammeln für die Öffentlichkeit  – Peter Ludwig
Referent: Prof. Heinz Bude lehrt Makrosoziologie an der Universität Kassel

Zeit: Montag, 15. Juni 2015, um 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 10 2015
13:11

Der Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen diskutiert an aktuellen Beispielen darüber, warum zu wirklichen Neuerungen mehr gehört als technischer Fortschritt

Echte Innovationen brauchen Beteiligung aller

FRANKFURT. Der Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen trifft sich vom 12. bis 14. Juni zu seiner 18. Tagung für Angewandte Sozialwissenschaften auf dem Campus Westend der Goethe-Universität im IG-Farben-Haus. Das Thema der Tagung lautet „Soziale Innovation Verstehen“. Auf der Agenda steht u.a., was Innovationen in der Arbeitswelt, beispielsweise mit Industrie 4.0, für die Betroffenen bedeutet und wie sie sich mit anderen Akteuren in diese Innovationsprozesse einbringen können.

Es geht auch um Corporate Social Responsibility, z.B. bei der betrieblichen Gesundheitspolitik oder der Förderung nachhaltigen Konsums von Mitarbeitern. Ein anderes Feld der Innovation betrifft neue soziale Praktiken in der Politik, z.B. die Einbeziehung von Bürgern bei der Planung neuer Stadtteile oder kommunaler Verkehrskonzepte.

Bei der Tagung werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über anwendungsorientierte Forschungsprojekte diskutieren, aber auch über Fragen der Grundlagenforschung. Mitveranstalter sind das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften; die Soziologin ist auch Direktorin des IWAK.

Angesichts der wirtschaftspolitischen Krisen und der verbreiteten Einsicht, dass der Klimawandel vor allem durch gesellschaftsweite Verhaltensänderungen beeinflusst werden kann, setzen immer mehr große Institutionen wie EU, OECD oder die Bundesregierung auf soziale Innovation. Damit deutet sich ein Umdenken an: Unter Innovation werden nicht mehr ausschließlich technische Neuerung gesehen. Es setzt sich vielmehr das Verständnis durch, dass sich das Neue – auch wenn es aus der Wirtschaft kommt – immer als Veränderung von Gewohnheiten und Verhaltensweisen manifestiert und dass die Gesellschaft oder Teile von ihr dabei aktiv mitwirken.

Und so bringt Prof. Blättel-Mink den zentralen Begriff auf einen einfachen Nenner: „Soziale Innovation ist, wenn viele etwas anders machen und sich dieses auch durchsetzt.“ Und liefert gleich die wissenschaftliche Definition ihrer Kollegen Jürgen Howaldt und Michael Schwarz nach: „Eine soziale Innovation ist eine von bestimmten Akteuren bzw. Akteurskonstellationen ausgehende intentionale, zielgerichtete Neukonfiguration sozialer Praktiken in bestimmten Handlungsfeldern bzw. sozialen Kontexten, mit dem Ziel, Probleme oder Bedürfnisse besser zu lösen bzw. zu befriedigen, als dies auf der Grundlage etablierter Praktiken möglich ist.“

Informationen:
Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Westend, Tel: (069)-798-36660, B.Blaettel-Mink@soz.uni-frankfurt.de; Programm im Internet: http://bds-soz.de/BDS/PDF/TAS/2015/Programm_XVIII.TAS.pdf