​​​​Pressemitteilungen ​

Sonstige

Sep 4 2017
10:57

Der Sozialpsychologe Rolf van Dick über Bürger, die glauben, sich in Gefahrensituationen über Anordnungen der Behörden hinwegsetzen zu können

Appell an die Vernunft

FRANKFURT. Am 3. September um 19.01 Uhr – die Weltkriegsbombe auf dem Campus Westend war gerade in stundenlanger gefahrvoller Arbeit vom Kampfmittelräumdienst entschärft worden – gab der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill Zahlen bekannt, die aufhorchen ließen. Im Zuge der Evakuierung der 65.000 Bürgerinnen und Bürger aus der 1,5 Kilometer umfassenden Sperrzone rund um den Bomben-Fundort hatte die Polizei 298 Platzverweise aussprechen, sowie 36 Identitätsfeststellungen, 26 Transporte, 19 Wohnungsöffnungen und sogar 5 Verhaftungen vornehmen müssen. Zuvor hatte sich die Entschärfung mehr als zwei Stunden verzögert, da verschiedene Bürger die Räumung der Evakuierungszone wohl eher als Happening, denn als lebensbeschützende Maßnahme interpretiert hatten. Einige hatten sich schlicht geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen. Grund genug, bei Prof. Rolf van Dick, Sozialpsychologe an der Goethe-Universität, nachzufragen, was Menschen zu einem solchen Verhalten motiviert:

1) Herr Prof. van Dick, gibt es bestimmte Kollektive oder Individuen, die für solche Verhaltensweisen besonders anfällig sind?

Es gibt bestimmte Individuen, die besonders autoritaristisch eingestellt sind und Regeln besonders eng befolgen und Anweisungen von oben unbedingt durchsetzen. Das bedeutet natürlich, dass es umgekehrt auch Menschen gibt, die eine besonders geringe Autoritarismusneigung haben, und sich grundsätzlich eher auflehnen, wenn es Anweisungen gibt, wie bei der Evakuierung. Für Kollektive gilt, dass diese in manchen Kulturen eher ein starkes Gefühl für Gleichheit haben und Unterschiede in der Machtverteilung nicht akzeptieren. Dazu gehört auch Deutschland. Hier ist es also auch wahrscheinlicher, dass man sich Anweisungen „von oben“ etwas stärker widersetzt. Außerdem gibt es situative Einflüsse (wie z.B. Dunkelheit), die dann eher dazu führt, dass man nicht das tut, was eigentlich vernünftig wäre.

2) Hat die Sozialpsychologie in der Vergangenheit bereits vergleichbare Fälle analysiert?

Nicht, dass ich wüsste. Aber es gibt Forschungen zu Verhalten in größeren Gruppen, die dann sehr dumme Dinge tun. So ist es z.B. in den USA immer wieder vorgekommen, dass Menschenmengen Selbstmordkandidaten, die auf hohen Häusern standen „anfeuern“, doch zu springen. Oder „bystander“ von Unfallopfern, die wenn sie in der Menge sind, nicht eingreifen oder helfen. Das ist alles recht gut erforscht.

3) Wie sieht aus Sicht der Sozialpsychologie die richtige Reaktion der Behörden auf ein solches Verhalten aus?

Das Vernünftigste ist, Individuen als Einzelne anzusprechen und an ihre Vernunft zu appellieren. Wenn das nicht hilft, sollte man auch mit Konsequenzen drohen. Bei Gaffern bei Unfällen z.B. werden regelmäßig Platzverweise durch die Polizei ausgesprochen, die, wenn sie nicht eingehalten werden, auch zu Geldbußen führen können. Außerdem kann es auch sinnvoll sein, in so einem Fall - ohne allerdings Panik zu verbreiten - auf frühere Entschärfungsversuche zu verweisen, die schief gegangen sind (2010 sind z.B. in Göttingen drei Experten des Kampfmittelräumdienstes ums Leben gekommen, weil eine 400 kg-Bombe bei der Entschärfung explodiert ist). Dies würde der Haltung entgegenwirken, dass die Menschen denken „es passiert ja doch nichts“.

Sonstige

Sep 1 2017
16:23

„Die Deutschen und ihre Nation“: Buchveröffentlichung des Frankfurter Geschichtswissenschaftlers Prof. Dr. Andreas Fahrmeir

Nationalismus – nicht naturgegeben

FRANKFURT. Polen, Großbritannien, die USA: Überall sind nationalistische Bewegungen im Aufwind. Doch wie entsteht Nationalismus, und seit wann gibt es die Vorstellung von unterschiedlichen Nationen? Dieser Frage geht Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Geschichtswissenschaftler an der Goethe-Universität, in seinem neusten Buch nach. „Die Deutschen und ihre Nation: Geschichte einer Idee“ erscheint im September beim Reclam-Verlag.

Nationalismus geht davon aus, dass sich die Menschheit in „Nationen“ gliedern lässt, dass die Zugehörigkeit zur „Nation“ von grundlegender Bedeutung ist – und dass „Nationen“ spezifische Eigenarten aufweisen, die sich über einen langen Zeitraum beobachten lassen. Keine dieser Annahmen ist jedoch naturgegeben, und zu jeder von ihnen gibt und gab es intellektuell plausible Alternativen. Dennoch waren die Grundannahmen des Nationalismus im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert prägend und setzten vor allem in Deutschland zerstörerische Energien frei.

In der aktuellen wissenschaftlichen Debatte ist umstritten, wie Nationalismus zu erklären ist. Handelt es sich um ein modernes Phänomen, das erst im 18. oder 19. Jahrhundert entstand und an der Wende zum 21. Jahrhundert in Auflösung begriffen ist? Oder lassen sich nationalistische Vorstellungen schon seit dem Mittelalter beobachten?

In „Die Deutschen und ihre Nation: Geschichte einer Idee“ vertritt Andreas Fahrmeir am deutschen Beispiel die These, dass unterschiedliche Elemente, die sich zum Nationalismus moderner Prägung zusammenfügen, unterschiedliche historische Konjunkturen erlebten. Das gilt für die individuelle Identifikation mit einer „Nation“, aber auch für den Bezug staatlicher Verwaltungen auf die „Nationszugehörigkeit“ als In- und Exklusionskriterium oder den Rückgriff auf nationale Eigenschaften oder „Missionen“ zur Erklärung historischer Entwicklungen. Fahrmeir erzählt somit keine Geschichte von Aufstieg und Niedergang „des“ Nationalismus, sondern vom Wandel der Formen und Bezüge nationaler Argumentationen vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Publikation: Fahrmeir, Andreas: Die Deutschen und ihre Nation. Geschichte einer Idee. Originalausgabe. 216 Seiten, Erscheinungsdatum: Ende September 2017 (auch als E-Book), Preis: 20 Euro, ISBN: 978-3-15-011136-9

Das Porträt des Autors (Fotograf: Jan Jacob Hofmann) sowie ein Bild des Covers finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/68234046

Informationen: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Historisches Seminar, Campus Westend, Norbert Wollheim Platz 1, 60629 Frankfurt/Main, Tel. +49 (0)69 798 32626/32613, Email: fahrmeir@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 30 2017
10:19

Vortrag des Trienter Historikers Gustavo Corni am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Späte Kolonialmacht: Wie Italien Äthiopien erobert hat

BAD HOMBURG. Unter Benito Mussolini trat Italien als späte Kolonialmacht auf und eroberte Äthiopien, das Land am Horn von Afrika. Wie Diktatur und Kolonialismus miteinander verflochten waren, darüber spricht der Trienter Historiker Prof. Gustavo Corni am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

Der pittoreske Palazzo auf der berühmten Piazza Venezia in Rom war zur Zeit des italienischen Faschismus Regierungssitz Benito Mussolinis. Vom Balkon aus sprach er gerne zu den Massen – so auch am 9. Mai des Jahres 1936: Der Diktator proklamierte im Anschluss an die Besetzung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die Wiedergeburt des altrömischen Kaiserreiches. Diese verspätete kolonialistische Eroberung, getarnt durch die Bezeichnung „Krieg von Äthiopien“, war die Vollendung der imperialistischen Dynamik Italiens im sogenannten „Horn von Afrika“. Italien hinkte dem europäischen Imperialismus, der am Ende des 19. Jahrhunderts bereits seinen Höhepunkt erreicht hatte, zeitlich hinterher. Aber die Eroberung Äthiopiens war anders angelegt: Mussolinis Massendiktatur unterschied sich grundlegend von den Nationalstaaten des vorhergehenden Jahrhunderts. Gustavo Corni, Experte für die Geschichte der Diktaturen im 20. Jahrhundert, wird in seinem Vortrag die problematische Verflechtung von Kolonialismus und Diktatur analysieren.

Zum Vortrag 

„Ein Kolonialreich als late comer: Italien in Äthiopien“ am Dienstag, 5. September, um 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg 

lädt das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften ganz herzlich ein.

Gustavo Corni ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Trient. Er war 2014 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften Gastwissenschaftler des Themenjahres „Die Welt von 1914“. Während seines Aufenthaltes arbeitete er an einer Monographie zur Geschichte des Nazismus, die kurz darauf erschienen ist (Gustavo Corni, Breve storia del nazismo: 1920-1945. Bologna: Il Mulino 2015). Aktuell forscht er zum Thema „Der italienische Faschismus und der Traum von einem neuen Imperium“ und ist im September im Rahmen des Themenjahres „Imperien und ihr Ende“ Fellow des Historischen Kollegs.

Die Programmbeauftragten für das aktuelle Themenjahr „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Bitte melden Sie sich zum Vortrag an unter: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Ellinor Schweighöfer, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Veranstaltungen

Aug 24 2017
13:21

„E-Health“ ist Thema der 6. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare

Was bringt die Digitalisierung den Patienten?

FRANKFURT. Die Digitalisierung der Medizin und die Qualität von Ausbildung und Forschung am Pharmastandort Deutschland sind die beiden Schwerpunktthemen der 6. Jahrestagung des House of Pharma. Ihnen sind insgesamt fünf Plenarveranstaltungen gewidmet. Sieben weitere aktuelle Themen werden in zwei parallelen Workshop-Sitzungen diskutiert. Mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat sich die Jahrestagung zu einer der führenden Pharmakonferenzen Deutschlands entwickelt. Sie findet statt

am 4. September, 19 Uhr, und 5. September, 9 bis 16 Uhr
im Casino, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt.

Wie in allen Lebensbereichen, wächst auch in der Medizin die Menge digital erhobener und übermittelter Daten exponentiell. Die dazugehörige Hard- und Software wird immer ausgefeilter. Diabetiker können beispielsweise schon heute ihre Blutzuckerwerte mit Apps auf mobilen Geräten messen und dank digitaler Beratung steuern. Schnell werden sich Gesundheits-Apps für Prävention, Diagnostik und Therapie auf viele Indikationsbereiche ausdehnen und die traditionelle Arztrolle in Frage stellen. Elektronische Sprechstunden werden in absehbarer Zeit zum medizinischen Alltag gehören. Gleichzeitig werden Big Data effektivere Therapien ermöglichen. Denn je besser es gelingt, aus der Analyse von Datenströmen sinnvolle Informationen zu filtern, desto individueller werden komplexe Krankheiten wie Krebs behandelt werden können.

Das Programm am 5. September

Zum Auftakt geht es um die Qualität der Ausbildung und Forschung in Deutschland. Genügt sie den Anforderungen, die der globale Wettbewerb um die besten Köpfe und Konzepte für die Medizin von morgen stellt? Nach einem Impulsvortrag des Direktors des Institute for Translational Medicine and Therapeutics der University of Pennsylvania (um 9 Uhr) diskutieren diese Frage Vertreter von Pharmaunternehmen sowie universitärer und außeruniversitärer Forschung in einer Podiumsdiskussion (9.20 Uhr). Ein positives Ausrufezeichen setzen im Anschluss daran fünf Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher: In einem „Science Slam“-Wettbewerb präsentieren sie ihre biomedizinischen Forschungsprojekte in je dreiminütigen „Elevator Pitches“.

Welche Chancen die digitale Revolution eröffnet, wird der Vorstandsvorsitzende der Roche AG, Dr. Christoph Franz, um 10.45 Uhr erläutern.

Die mit „E-Health“ verknüpften juristischen Probleme sind Thema in der Keynote von Dr. Wolfgang Rehmann aus der Kanzlei Taylor Wessing (13.45 Uhr). Im Mittelpunkt einer abschließenden Podiumsdiskussion um 14 Uhr steht die wichtige und gesellschaftlich entscheidende Frage, welchen Nutzen die Digitalisierung für den Patienten hat.

Die Jahrestagung beginnt am 4. September mit einem Vorabendempfang auf Einladung der Hessischen Landesregierung, die durch ihren Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, vertreten sein wird. Nach dessen Grußwort wird Prof. Dr. Dr. Gerd Geißlinger, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie der Goethe-Universität, das Konzept des „Deutschen Patientenpreises“ vorstellen und mit Mitgliedern der Jury diskutieren. Dieser Patientenpreis soll erstmals im Jahr 2018 gemeinsam vom House of Pharma & Healthcare und der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ verliehen werden.

Das detaillierte Programm der Jahrestagung finden Sie unter www.convent.de/pharma.

Information: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Tel.: (069) 36007188, presse@houseofpharma.de

Sonstige

Aug 24 2017
13:19

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff bei GAIN-Tagung in San Francisco

Goethe-Uni auf Internationalisierungskurs

FRANKFURT. Spitzenvertreter der wichtigsten deutschen Wissenschaftsorganisationen (z.B. DAAD, HRK) treffen sich vom 24.-28.8. zur jährlichen GAIN (German Academic International Network)-Jahrestagung in San Francisco. Bei der viertägigen Zusammenkunft geht es insbesondere um das Kennenlernen und ggf. Gewinnen wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, aber auch den Austausch mit deutschen und amerikanischen Fachvertretern aus Wissenschaft und Industrie.

Auf dem Programm stehen u.a. Workshops zu Themen wie „Mentoring“ oder „Karrierewege in Forschungsuniversitäten“. Auch ein Workshop der 15 großen deutschen Forschungs-Universitäten (U15) unter Beteiligung der Goethe-Universität ist geplant („Im Gespräch mit den Leitungspitzen der U15“). Besonderer Länderschwerpunkt in diesem Jahr: Das Land Hessen und seine Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, die in der hessischen Landesdelegation mit Wissenschaftsminister Boris Rhein nach San Francisco reist, sagte: „Hessens Wissenschaftseinrichtungen und die Goethe-Universität sind für ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt ein attraktives Ziel. Von der Reise verspreche ich mir, unsere Stärken und die Chancen, die wir bieten, noch besser zu kommunizieren. Auch freue ich mich auf den Dialog mit Vertretern deutscher und amerikanischer Universitäten und Wissenschaftsorganisationen.“

An der Goethe-Universität haben rund 15 % der rund 47.000 Studierenden einen ausländischen Pass. Ein Drittel und mehr aller Berufungen an die Goethe-Universität sind internationale Berufungen (seit 2011). 2013 betrug der Anteil internationaler Forschender an den Neuberufenen 52 Prozent.

Veranstaltungen

Aug 17 2017
10:46

Neue Broschüre „Uni-Events“ listet Angebote für Kinder und Jugendliche auf

Was die Goethe-Uni Schülern zu bieten hat

FRANKFURT. Kinder-Uni, Schülerlabore, Science-Tours – an der Goethe-Universität finden Kinder und Jugendliche viele Möglichkeiten, altersgerecht zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Die unterschiedlichen Angebote sind jetzt wieder in der Broschüre „Uni-Events“ versammelt.

Alle jährlichen Veranstaltungen und Angebote für Schülerinnen und Schüler auf einen Blick, das bietet die neue Broschüre, die sich vor allem an Lehrerinnen und Lehrer wendet, aber auch an Eltern und Familien. Einige neue Programme sind in diesem Jahr hinzugekommen.

Für die Jüngeren bietet die Kinder-Uni vom 12. bis 15. September spannende Vorträge zu verschiedenen Wissensbereichen. In Schülerlaboren und anderen Experimentalveranstaltungen erleben Mädchen und Jungen unterschiedlicher Altersgruppen Wissenschaft hautnah. In Kooperation mit Schulen stellen die Angebote der Goethe-Universität eine Ergänzung zum schulischen Unterricht dar oder bieten Entwicklungsmöglichkeiten für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Ältere Schülerinnen und Schüler können den Unialltag live erleben bei Veranstaltungen wie Schnuppertagen oder dem Schülerstudium. In der Endphase der Schulzeit beantworten Informations- und Mitmachveranstaltungen Fragen rund um Studien- und Berufswahl.

Für eine bessere Übersicht und Planung des Schuljahres wurden die Angebote im Inhaltsverzeichnis mit Terminen versehen sowie mit Icons, die eine einfache Zuordnung zu Klassenstufen, Aktionskategorien, Themengebieten und Anmeldemodalitäten zulassen. Neu ist auch die Kategorie „Fortbildungen für Lehrkräfte“.

Die Broschüre ist erhältlich bei Susanne Mombers, Studienberaterin/ Projektkoordination Schulpartnerschaften, E-Mail: ssc-schulpartnerschaften@uni-frankfurt.de

Im Internet gibt es die Broschüre zum Download unter www.schule.uni-frankfurt.de (bzw. http://www.uni-frankfurt.de/63757421/uni-events)

Weitere Informationen: Susanne Mombers, Studienberaterin, Zentrale Studienberatung, Bereich Studien-Service-Center, Campus Westend, Telefon: 069-798-17384, eMail: mombers@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 8 2017
12:00

Psychosoziale Beratungsstelle der Goethe-Universität beteiligt sich an bundesweiter Studie

Was geflüchtete Frauen in Frankfurt besonders bedrückt

FRANKFURT. „Bei mir ist alles gut!“, haben die meisten der 106 geflüchteten Frauen zunächst geantwortet, als sie in ihren Unterkünften von Muttersprachlern und Psychologen der Psychosozialen Beratungsstelle für Flüchtlinge der Goethe-Universität befragt wurden. „Doch in längeren Gesprächen begannen viele der Frauen zu weinen, sprachen über Ängste und Traumata – erlebt in Krieg und Flucht, von Situationen, mit denen sie in Deutschland nicht zurechtkommen. Sie waren aber auch gleichzeitig erleichtert, dass sie ohne Sprachbarrieren zwei bis drei Stunden intensiv reden konnten und ihnen zugehört wurde“, berichtet Dr. Jana Gutermann, Leiterin der Frankfurter Studie zur psychosozialen Lage von geflüchteten Frauen.

In einer Diskussion wies Sozialdezernentin Prof. Dr. Birkenfeld erst kürzlich auf die Bedeutung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen in Frankfurt hin: „Wir haben in den Kommunalen Standards für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen und in der täglichen Praxis die Personengruppen besonders im Blick, für die eine erhöhte Schutzbedürftigkeit besteht. Dazu zählen geflüchtete Frauen, vor allem, wenn sie allein oder nur mit ihren Kindern in Deutschland angekommen sind“. Dies wird durch das Ergebnis der Studie unterstützt, nach der 60 Prozent der Befragten, die alle noch in Aufnahmeeinrichtungen leben, unter körperlichen und/oder psychischen Problemen leiden, wobei 70 Prozent hiervon angeben, seelische Beschwerden zu erleben. 35 Prozent der Frauen geben an, aktuell keine medizinische und/oder psychologische Unterstützung zu erhalten.

Die von der Arbeitsgruppe der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführte Befragung ist Teil einer bundesweiten repräsentativen Studie, die von August bis Dezember 2016 in fünf Städten Deutschlands lief und deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Finanziert wurde sie von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

In Frankfurt berichten die Frauen über vielfältige traumatische Erfahrungen im Heimatland, darunter nennen 39 Prozent der Frauen, dem Tod nahe gewesen zu sein. Weiterhin geben 63 Prozent der Frauen an, durch ihre Fluchterfahrungen belastet zu sein, wobei sie auch über aktuelle Belastungen berichten. 80 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung, dabei rangiert die Wohnungssuche (45 Prozent) mit Abstand vorne, aber Hilfe suchen die Frauen auch beim Erlernen der Sprache (inklusive Kinderbetreuung) (16 Prozent), bei der Verbesserung ihrer Bildung (15 Prozent) und bei der Familienzusammenführung (13 Prozent). Die Mehrzahl macht sich akut Sorgen um ihren Asylstatus, ihre Familienmitglieder und um ihre Unterkunft.

Befragt wurden Frauen zwischen 18 und 61 Jahren aus sechs Ländern: Afghanistan (36 Prozent), Syrien (26 Prozent), Eritrea (15 Prozent), Iran (10 Prozent), Irak (9 Prozent), Somalia (2 Prozent). Mehr als die Hälfte kam gemeinsam mit ihren Ehemännern und Kindern nach Deutschland. Die Frankfurter Psychologinnen und Psychologen haben sich auch damit beschäftigt, wie die Frauen aus den verschiedenen Herkunftsländern mit ihren Emotionen umgehen. „In der Tendenz akzeptieren die Frauen aus dem Iran und Afghanistan ihre negativen Gefühle weniger und unterdrücken diese eher. Arabischsprachige Frauen versuchen eher ihre Emotionen so zu beeinflussen oder auch eine Situation im Voraus so neu zu bewerten, dass unangenehme Emotionen abgeschwächt werden“, erläutert Annabelle Starck, wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Projekt.

Zusätzlich wurden Erhebungen zur Akkulturation durchgeführt. Dabei zeigten sich kulturelle Unterschiede, die jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Lebenssituation und der kurzen Aufenthaltsdauer in Deutschland noch mit Vorsicht zu interpretieren sind. So tendierten Frauen aus Afghanistan und dem Iran eher dazu, die Strategie der Assimilation im Sinne einer hohen Orientierung an der Aufnahmekultur (Deutschland) bei einer niedrigen Orientierung an der Herkunftskultur zu wählen. Syrische Frauen hingegen wählten häufiger die Strategie der Separation.

Zunächst bekundete etwa ein Drittel der Frauen, den Kontakt mit dem Team wieder aufnehmen zu wollen, wobei es letzten Endes nicht bei allen zu einem Termin in der Beratungsstelle kam. Dafür sieht Gutermann verschiedene Gründe: Traumatisierte Menschen suchen oft Rückzug oder Ablenkung, um das Erfahrene auszublenden. Leider können auch kulturelle Besonderheiten wie die Sorge um Stigmatisierung psychischer Erkrankungen oder eine Skepsis gegenüber Psychotherapie ein Hindernisgrund sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Viele Frauen trauen sich aufgrund ihrer Frauenrolle nicht, aktiv für sich selbst Hilfe zu suchen, weil sie ihre Bedürfnisse denen anderer Familienmitglieder unterordnen müssen, oder weil sie befürchten, dass ihre Ehemänner dies nicht akzeptieren“, so eine der studentischen Mitarbeiterinnen im Projekt, Hourvash Nadimi.

Nicht zu unterschätzen sind die bürokratischen Hemmnisse, denn für jede psychologische und ärztliche Behandlung müssen sich die Geflüchteten einen Krankenschein im zuständigen Amt besorgen; eine Gesundheitskarte gibt es erst nach der Anerkennung oder nach einer Aufenthaltsdauer von 15 Monaten in Deutschland. „Der Zugang zu einer traumafokussierten Psychotherapie muss sich unbedingt verbessern. Auch für das Wohlergehen der Kinder ist die besondere Unterstützung der geflüchteten Frauen eine wesentliche Voraussetzung“, so Prof. Ulrich Stangier, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität.

Die vorgestellte Studie wirft somit viele Fragen zur besonderen Situation von geflüchteten Frauen auf. Weitere Forschung ist notwendig, um deren Probleme besser angehen zu können. An Kompetenz und Expertise bei der Behandlung von Traumata mangelt es an der Goethe-Universität nicht.

Informationen: Dr. Jana Gutermann, Psychosoziale Beratungsstelle für Flüchtlinge der Goethe-Universität, Tel: (069) 798-23844, E-Mail: gutermann@psych.uni-frankfurt.de, und MSc. Psych. Annabelle Starck, E-Mail: starck@psych.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 2 2017
11:57

Frobenius-Institut eröffnet Ausstellung im Museo Nacional de Antropología

Felsbilder in Mexiko-Stadt

FRANKFURT. Das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität hat seine jüngste Ausstellung „Frobenius, el mundo del arte rupestre“ (Frobenius, die Welt der Felsbild-Kunst) in Mexiko-Stadt eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 26. November 2017 im Museo Nacional de Antropología, dem „schönsten Museum der Welt“ (André Malraux 1964), zu sehen. Sie findet in Kooperation mit dem Instituto Nacional de Antropología e Historia (Mexiko-Stadt) im Rahmen des Deutsch-Mexikanischen Jahres 2016/17 statt.

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte der deutsche Ethnologe Leo Frobenius (1873-1938) das Konzept der Kulturkreise und der Kulturmorphologie und unternahm ein Dutzend Forschungsreisen, um nach den frühesten bildlichen Ausdrücken des Menschen zu suchen. Ergebnis seiner unermüdlichen Tätigkeit waren unter anderem rund fünftausend Kopien prähistorischer Felskunst, die er und sein Team von Forscherinnen, Forschern und Malerinnen und Malern in Höhlen und von Felswänden in Afrika, Europa, Australien und Ozeanien abmalten.

Neben ihrer künstlerischen Qualität sind die Bilder der Frobenius-Sammlung von unschätzbarem Wert: Sie dokumentieren nicht nur früheste Kunst des Menschen, die sonst kaum zugänglich ist, vielmehr sind viele der Originale mittlerweile zerstört. Mit dieser Ausstellung, die bereits 2016 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen war, werden die Kunstwerke erstmals in Mexiko und zum zweiten Mal auf dem amerikanischen Kontinent präsentiert: 1937 wurden Exemplare der Frobenius-Sammlung im Museum of Modern Art in New York und anderen Städten der USA ausgestellt. Es sind Bilder, die eine Brücke zur Vorgeschichte der Menschheit schlagen und zum einzigartigen ästhetischen und historischen Erbe der Völker der Welt gehören.

Kontakt: Yanti Hölzchen, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Tel.: (069) 798-33058; hoelzchen@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 1 2017
12:25

DFG fördert innovative Krebsforschung mit 1,25 Millionen Euro

RNA: Ein teuflischer Pfad zum Krebs?

FRANKFURT. Krebs entsteht durch fehlerhafte DNA – so die aktuelle Lehrmeinung. Aber können auch fehlerhafte Abschriften der DNA in Form des Botenmoleküls RNA die Ursache sein? Für diese überraschende These gibt es inzwischen einige Anhaltspunkte. Um sie zu überprüfen, erhält Prof. Rolf Marschalek vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität ein mit 1,25 Millionen ausgestattetes Reinhart Koselleck-Projekt. Damit fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft besonders innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung.

Marschalek erforscht seit vielen Jahren Gen-Mutationen, die verschiedene Formen der Leukämie verursachen. Besonders häufig kommt eine als Gentranslokation bezeichnete Mutation vor. Sie entsteht, wenn gleichzeitig an zwei verschiedenen Chromosomen Teile abbrechen und vom zelleigenen Reparaturprogramm vertauscht wieder angesetzt werden. Dadurch gelangen Gene nebeneinander, die normalerweise auf verschiedenen Chromosomen sitzen. Beim Abschreiben in die RNA werden sie irrtümlich so behandelt, als kodierten sie für ein einziges Protein. Diese sogenannten Fusionsproteine sind dann auch die kausale Krebsursache.

Auffällig ist aber, dass bestimmte Translokationen gehäuft vorkommen, obwohl rein statistisch eine viel größere Vielfalt an Doppelstrangbrüchen möglich wäre. Beispielsweise ist das Philadelphia-Chromosom, ein verkürztes Chromosom 22, und das dazu gehörige Protein BRC-ABL die häufigste Ursache der chronischen myeloischen Leukämie. Verwirrend ist zudem, dass BRC-ABL Transkripte auch bei völlig gesunden Menschen nachweisbar ist, die das Philadelphia-Chromosom gar nicht haben.

Eine mögliche Erklärung ist, dass die RNA nicht nur von der DNA abgeschrieben wird, sondern auch umgekehrt auf die DNA zurückwirken kann. Die meiste Zeit ist die DNA sicher und platzsparend in Chromatin verpackt und kann nicht abgeschrieben werden. Da könnte es für die Zelle ökonomischer sein, zur Reparatur von Doppelstrangbrüchen auf RNA Kopien zurückzugreifen, die sie vorsorglich in größerer Anzahl während der kurzen Phasen macht, in denen das Gen für die Abschrift zugänglich ist.

Tatsächlich kommen nicht für Proteine kodierende RNAs in der Zelle zuhauf vor. Und möglicherweise entstehen durch Fehler beim Abschreiben der DNA auch falsch zusammengestückelte RNAs, die dann in Fusionsproteine übersetzt werden. Marschalek hat auch eine Vermutung, wie die fehlerhaften RNAs entstehen: „In der Regel liegen Chromatinschlaufen mit aktiv transkribierbaren Genen auf der Außenseite der Chromosomenstrukturen. Dabei werden Chromatinschlaufen von verschiedenen Chromosomen gemeinsam in Transkriptionsfabriken transkribiert. Interessanterweise werden dort Gene miteinander transkribiert, die man in Krebszellen als Partnergene in chromosomalen Translokationen identifiziert hat.“ Warum das so ist, weiß man bisher nicht.

Seine Hypothese, dass RNA in der Zelle auch die Funktion hat, als Blaupause für die Reparatur von DNA-Fehlern zu dienen und dass dies manchmal ein teuflischer Pfad zum Krebs ist, kann Marschalek nun in den kommenden fünf Jahren dank der Förderung seines Koselleck-Projekts prüfen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die CRISPR/Cas Technologie, mit der es viel einfacher geworden ist, Gene experimentell zu verändern.

Bilder von Prof. Rolf Marschalek finden Sie zum Download unter www.uni-frankfurt.de/67654909

Fotos: Uwe Dettmar

Information: Prof. Dr. Rolf Marschalek, Institut für Pharmazeutische Biologie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29647, rolf.marschalek@em.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Jul 25 2017
11:45

Fonds zur Förderung von Kooperations-projekten in Studium und Lehre der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz eingerichtet

Rhein-Main-Universitäten schreiben erstmals RMU-Initiativfonds Lehre aus

MAINZ/FRANKFURT/DARMSTADT. Die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt möchten mit dem im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU) neu eingerichteten RMU-Initiativfonds Lehre die Entwicklung neuer, attraktiver Studienangebote, die Weiterent-wicklung des bestehenden curricularen Angebots sowie die Erprobung innovativer Lehr-/Lernformate unterstützen sowie den Austausch und die Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden der Rhein-Main-Universitäten fördern. Die aktuelle Ausschreibungsrunde läuft bis zum 12. November 2017.

Die Technische Universität Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz möchten im Rahmen ihrer im Dezember 2015 gegründeten strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten ihre Potenziale durch eine zielgerichtete Zusammenarbeit so nutzen, dass sie sich gegenseitig verstärken bzw. ergänzen. Dadurch sollen möglichst nachhaltig wirksame Impulse in Forschung, Lehre und Region gesetzt und die Attraktivität der drei Universitäten gestärkt werden. Um solche Impulse auf dem Gebiet von Studium und Lehre zu setzen, haben die Rhein-Main-Universitäten zunächst für den Zeitraum von 2017 bis 2020 einen Fonds eingerichtet. Der RMU-Initiativfonds Lehre bietet eine befristete Anschubfinanzierung für Kooperationsprojekte, an denen Lehrende von mindestens zwei der drei Rhein-Main-Universitäten beteiligt sind, die eine qualitative Weiterentwicklung von Studium und Lehre im Sinne der RMU-Allianz aufweisen und die eine nachhaltige Perspektive erkennen lassen.

„Mit dem neuen RMU-Initiativfonds Lehre, in dem jährlich 150.000 Euro zur Verfügung stehen, möchten wir einen zusätzlichen Anreiz für die gemeinsame Weiterentwicklung, Profilierung und Internationalisierung bestehender und neuer, zukunftsweisender Studiengänge bieten“, beschreibt Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die Zielsetzung der Einrichtung und aktuellen Ausschreibung des RMU-Initiativfonds Lehre. „Der RMU-Initiativfonds Lehre fördert den intensiven Austausch und die Kooperation der Rhein-Main-Universitäten in den Bereichen Studium und Lehre mit dem Ziel der Weiterentwicklung von Lehrformaten und Lehrkooperationen, die das Studienangebot der Rhein-Main-Universitäten perspektivisch insbesondere im Hinblick auf die Forschungsstärken der RMU nachhaltig erweitern und national wie international profilieren.“

Mit Mitteln des RMU-Initiativfonds Lehre können Kooperationsvorhaben auf der Ebene von Studiengängen, einzelner Module oder konkreter Lehrveranstaltungen gefördert werden, die sich aus einer Zusammenarbeit der Rhein-Main-Universitäten im Bereich von Studium und Lehre ergeben und im besten Falle bei einem gemeinsamen Forschungsschwerpunkt der beteiligten Universitäten ansetzen. Dabei kann der Fokus sowohl auf einer fachwissenschaftlichen als auch didaktischen Neukonzeption bzw. Weiterentwicklung liegen. Gefördert werden Personal- oder Sachmittel zur Konzeption und/oder Umsetzung eines Kooperationsprojekts in Höhe von jährlich maximal 35.000 Euro für eine Dauer von bis zu zwei Jahren.

„Mit dem RMU-Initiativfonds Lehre haben wir nun neben dem bereits bestehenden Initiativfonds Forschung, der zukunftsträchtige Forschungsverbünde der drei Partneruniversitäten fördert, ein weiteres Instrument für die zielgerichtete Zusammenarbeit unserer drei Universitäten ins Leben gerufen“, so Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der Technischen Universität Darmstadt. „Im besten Falle münden die aus Mitteln des Initiativfonds Lehre geförderten Lehrprojekte in Kooperationsstudiengänge oder gemeinsame Studiengänge sowie innovative Lehr- und Lernformate. Mit diesen können wir das bestehende curriculare Angebot nachhaltig gegenseitig verstärken und erweitern.“

„Besonderes Augenmerk legt die Ausschreibung des RMU-Initiativfonds Lehre auf Projekte mit nachhaltiger Perspektive und Wirksamkeit. Entsprechend muss eine avisierte Nachhaltigkeit – etwa in Form einer möglichen Verankerung in den entsprechenden Studien- und Prüfungsordnungen der beteiligten Rhein-Main-Universitäten – bereits im Antrag klar definiert und explizit durch die zuständige Einrichtung bestätigt werden“, betont Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität. „Ein weiteres wichtiges Förderkriterium ist der Beitrag zu forschungsorientiertem und/oder interdisziplinärem bzw. transdisziplinärem Lehren und Lernen sowie zur Internationalisierung von Studium und Lehre.“

Die Auswahlentscheidung über die Projekte, die voraussichtlich ab Anfang 2018 mit Mitteln des RMU-Initiativfonds Lehre gefördert werden, wird Ende des Jahres 2017 im RMU-Lenkungsausschuss auf Empfehlung der Vizepräsident_innen der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz getroffen.

Weitere Informationen:

Veranstaltungen

Jul 20 2017
13:51

Karl Schwarzschild Meeting bringt Größen der theoretischen Physik nach Frankfurt

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

FRANKFURT. Es wird wieder ein Who is Who der Physik werden, wenn am kommenden Montag rund 130 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus aller Welt in Frankfurt anreisen: Von 24. bis 28. Juli findet zum dritten Mal das Karl Schwarzschild Meeting statt am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS). Thema diesmal: “Gravitational Physics”. Schwerpunkte der Konferenz sind Schwarze Löcher, Quantengravitation und deren Verbindung zur Stringtheorie. Als Karl-Schwarzschild-Lecturer konnte Professor Juan Maldacena vom Institute for Advanced Studies in Princeton, USA gewonnen werden.

Beim Überschreiten der Grenze eines Schwarzen Lochs verschwindet alle Materie und damit die von ihr getragene Information auf Nimmerwiedersehen: Das besagt die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein. Damit widerspricht die Theorie der Quantenmechanik, welche postuliert, dass Information für immer bestehen bleibt und nicht vernichtet werden kann. Dieses Problem nennt man Informations-Paradoxon. Physiker und Physikerinnen versuchen nun seit mehreren Jahrzehnten eine Möglichkeit zu finden, um die Allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenmechanik miteinander zu vereinen – zu einer Theorie der Quantengravitation. Derzeit gibt es hier viele konkurrierende und einander teilweise widersprechende Theorien, die das Problem lösen sollen. Urheber und Verfechter dieser Theorien treffen sich in der kommenden Woche in Frankfurt, um den aktuellen Forschungsstand zu präsentieren und zu diskutieren.

Ziel des Meetings ist es, junge Wissenschaftler früh in ihrer Karriere mit etablierten Spezialisten auf dem Gebiet der Gravitationsforschung zusammenzubringen. Die Plenarvorträge halten Physiker und Physikerinnen u.a. aus Princeton, USA, vom Max-Planck-Institut in Potsdam und dem Perimeter Institute in Kanada. Neben den Hauptvorträgen sind mehrere Vortragszeiten speziell für Nachwuchswissenschaftler reserviert. In einem Mentorenprogramm erhalten sie zusätzlich die Möglichkeit, direkt mit ihren Vorbildern zu diskutieren und von ihnen zu lernen.

Das Highlight der Veranstaltung wird die „Schwarzschild-Lecture“ von Professor Juan Maldacena aus Princeton sein, der am Dienstag um 19.30 Uhr über die Schwarzschildlösung der Allgemeinen Relativitätstheorie spricht. Juan Maldacena hat für seine Arbeiten zur Verknüpfung von Quantengravitation und Stringtheorie schon viele renommierte Preise erhalten, darunter die höchstdotierte akademische Auszeichnung, den „Fundamental Physics“-Preis. Seine Veröffentlichungen zum Thema sind vermutlich die meistzitierten Publikationen in der theoretischen Physik.

Namensgeber für die Konferenz ist Karl Schwarzschild, ein gebürtiger Frankfurter, der seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte, während er in den späten 1880er Jahren das Gymnasium in Frankfurt besuchte. Schwarzschild wurde berühmt dadurch, dass er nur drei Monate, nachdem Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie veröffentlicht hatte, die ersten Lösungen für die von Einstein veröffentlichten Gleichungen präsentierte und später weitere Pionierarbeiten zu Schwarzen Löchern leistete.

Gefördert wird das Karl Schwarzschild Meeting von der DFG, HIC for FAIR, dem Physikalischen Verein Frankfurt und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

„Kaum ein Thema hat so viele Verbindungen zu anderen Gebieten in der Theoretischen Physik wie die Erforschung von Schwarzen Löchern. Man denkt häufig, bei Schwarzen Löchern geht es nur um Astrophysik, dabei verbinden sie Quantenmechanik, Gravitation und Informationswissenschaft mit Astrophysik, Kosmologie, Teilchenphysik und stark korrelierten Systemen. Aufgrund dieser Interdisziplinarität passt solch eine Konferenz besonders gut an ein Institut wie das FIAS”, erklärt Privatdozent Dr. Piero Nicolini, einer der Hauptorganisatoren der Konferenz.

Medienvertreter sind bei der Konferenz, insbesondere beim Vortrag von Juan Maldacena, herzlich willkommen.

Information und Anmeldung (für Medienvertreter): Frankfurt Institute for Advanced Studies, Ruth-Moufang-Straße 1, 60438 Frankfurt am Main. Telefon: 069 798-47688; presse@fias.uni-frankfurt.de; Homepage: https://indico.fias.uni-frankfurt.de/event/4/overview

Forschung

Jul 19 2017
14:11

SMART-Studie zeigt Veränderungen im Gehirnstoffwechsel

Wie Sport der Demenz vorbeugt

FRANKFURT. Dass Sport die Denkleistung im Alter verbessert, haben viele Studien gezeigt. Jetzt haben Forscher der Goethe-Universität in einer der weltweit ersten Studien geklärt, wie Sport sich auf den Gehirnstoffwechsel auswirkt.

Um den derzeitigen Wissensstand zum positiven Einfluss von Bewegung auf das Gehirn zu erweitern, haben Alternsforscher und Sportmediziner an der Goethe-Universität in einer randomisierten kontrollierten Studie die Effekte von regelmäßiger Bewegung auf den Gehirnstoffwechsel und das Gedächtnis von 60 Teilnehmern im Alter zwischen 65 und 85 Jahren untersucht. Das Fazit: Regelmäßiger Sport steigert nicht nur die Fitness, sondern wirkt sich auch positiv auf den Gehirnstoffwechsel aus.

Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Translational Psychiatry“ berichten, untersuchten sie für die SMART-Studie (Sport-und Metabolismus im Alter – eine MRT Studie) alle Teilnehmer ausführlich sportmedizinisch und neuropsychologisch. Außerdem wurden der Gehirnstoffwechsel und die Gehirnstruktur im Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen. Im Anschluss an die Untersuchungen stiegen die Teilnehmer über einen Zeitraum von 12 Wochen dreimal wöchentlich auf ein Fahrradergometer. Die 30 minütigen Trainingseinheiten wurden individuell an das Leistungsniveau jedes Teilnehmers angepasst.

Nach dem Abschluss des Sportprogramms wurden die Teilnehmer erneut untersucht, um Effekte des Trainings auf den Gehirnstoffwechsel, die Denkleistung und die Gehirnstruktur zu erfassen. Außerdem untersuchten die Forscher am Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin (Leitung Prof. Johannes Pantel) und die Abteilung Sportmedizin (Leitung Prof. Winfried Banzer), inwiefern das Training zu einer Verbesserung der körperlichen Fitness geführt hatte.

Tatsächlich hatte das Training den erwarteten Einfluss auf den Gehirnstoffwechsel: es verhinderte den Anstieg von Cholin. Die Konzentration dieses Stoffwechselprodukts steigt häufig durch den vermehrten Untergang von Nervenzellen an, wie er beispielsweise bei der Alzheimer Demenz auftritt. Durch das Training konnte die Cholinkonzentration im Gehirn der Probanden konstant gehalten werden, während sie bei der Kontrollgruppe anstieg. Auch die Fitness der Teilnehmer wurde deutlich verbessert, wie sich an der gesteigerten Herzleistung ablesen ließ.

Gefördert wurde die Studie durch die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die Cronstetten Stiftung und die Familie Schambach Stiftung.

Publikation: S Matura, J Fleckenstein, R Deichmann, T Engeroff, E Füzéki, E Hattingen, R Hellweg, B Lienerth, U Pilatus, S Schwarz, V A Tesky, L Vogt, W Banzer, J Pantel (2017) Effects of aerobic exercise on brain metabolism and grey matter volume in older adults: results of the randomised controlled SMART trial. Transl Psychiatry; doi:10.1038/tp.2017.135;
online: http://www.nature.com/tp/journal/v7/n7/full/tp2017135a.html

Information: Dr. Dipl.-Psych. Silke Matura, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-84501, Silke.Matura@kgu.de

Dr.Johannes Fleckenstein, Präventive und Rehabilitative Sportmedizin, Fachbereich 16, Campus Ginnheim, Tel.: (069) 6301-24484; johannes.fleckenstein@sport.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 17 2017
16:25

Steuerung der Transkription von DNA zu RNA: Erst Pausen machen Regulation effektiv

Vom richtigen Timing in der Zelle

FRANKFURT. Das Überleben der Zelle ist auch eine Frage des richtigen Timings: Forscher der Goethe-Universität haben gemeinsam mit Kollegen die Puzzle-Teile des dafür zuständigen Mechanismus gefunden und das bisher umfassendste Modell dieses Vorgangs vorgestellt. Ihre Forschung wurde in der Zeitschrift „eLife“ veröffentlicht.

Einer der Kernlehrsätze der Biologie besagt, dass Informationen von der DNA zur RNA fließen, damit Proteine kodiert werden können, die für spezifische Zellfunktionen erforderlich sind. Genauso entscheidend wie der genetische Code ist wohl die genaue zeitliche Steuerung dieses Informationsflusses. Durch Produktion der richtigen RNA und der richtigen Proteine zur rechten Zeit kann eine Zelle ihre Funktion und ihr Überleben sichern. Eines dieser Steuerungselemente, der RNA-Schalter oder Riboswitch, wird als potentielles Ziel für Antibiotika angesehen.

Nach mehr als zehnjähriger Arbeit konnte Prof. Harald Schwalbes Forschungsgruppe an der Goethe-Universität mit Dr. Boris Fürtig sowie Prof. Jens Wöhnert von der Abteilung für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität, der Süß-Gruppe der Technischen Universität Darmstadt und dem Landick-Team der University of Wisconsin die Puzzle-Teile eines Riboswitch-basierten Steuerungsprozesses im Bacterium Bacillus subtilis zusammenfügen und damit das bisher umfassendste Modell für den genauen Zeitablauf des Riboswitch-Mechanismus vorstellen.

Ein Riboswitch ist ein kurzes Stück der RNA, das sich zu unterschiedlichen Strukturen falten kann, je nachdem, ob sich ein kleines Botenmolekül an ihn bindet oder nicht. Riboswitche, die den Übersetzungsprozess von DNA zu RNA steuern, signalisieren den verschiedenen Strukturen der umgebenden RNA-Polymerase während der laufenden Transkription, ob die Produktion von RNA fortzusetzen (EIN) oder einzustellen (AUS) ist. In ihrer kürzlich in eLife veröffentlichten Arbeit untersuchten die Schwalbe-Gruppe und ihre Forschungspartner sowohl den freien als auch den im Transkriptionskomplex gebundenen xpt-pbuX-Riboswitch in An- und Abwesenheit des Botenmoleküls Guanin. So konnten sie nicht nur nachweisen, dass der Wechsel von der AUS- auf die EIN-Stellung eine gewisse Zeit benötigt, sondern auch, dass dies zu einer Besonderheit im Steuerungsprozess führt.

Die RNA-Polymerase liest sich an einem DNA-Strang entlang und bildet dabei die entsprechende RNA; sie erreicht die Stelle, die für den xpt-pbuX-Riboswitch kodiert, transkribiert ihn in RNA und setzt dann ihren Weg auf dem DNA-Strang fort. Nach bisherigen Erkenntnissen war unklar, wie die RNA-Polymerase die Transkription nachfolgender Gene durchführen kann, da in den Experimenten die AUS-Stellung des Riboswitches, unabhängig von der Anwesenheit von Guanin, eingenommen wurde. Schwalbe und seine Forschungskollegen fanden nun heraus, dass bestimmte Sequenzen, die in der DNA kodiert sind, dafür sorgen, dass die Transkription pausiert und sich somit das Zeitfenster für den Umfaltungsprozess erweitert. Nach Synthese des xpt-pbuX-Riboswitch trifft die RNA-Polymerase auf dieses „Pausenzeichen“, bremst ab und räumt so dem Riboswitch genügend Zeit für seine Umfaltung ein.

Diese Arbeit stellt das bisher detaillierteste kinetische Modell für die Riboswitch-Funktion vor und unterstreicht die Bedeutung von Pausenstellen für unser Verständnis von Riboswitchen im Allgemeinen. Da Forscher erwägen, diese RNA-Schalter als Werkzeuge für Anwendungen der synthetischen Biologie zu nutzen, tun sie gut daran, dabei die Geschwindigkeit der RNA-Polymerase zu bedenken, die von Bakterium zu Bakterium variiert.

Prof. Harald Schwalbe ist seit 2002 Professor für Organische Chemie an der Goethe-Universität. In seiner Forschung nutzt er die NMR-Spektroskopie, um molekulare Mechanismen der Regulation, der Proteinfaltung und von pharmazeutischen Wirkstoffen aufzuklären.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/67358287

Bildunterschrift: Die beteiligten Forscher Dr. Boris Fürtig (von links), Sara Keyhani, Prof. Harald Schwalbe, Prof. Dr. Jens Wöhnert und Dr. Florian Sochor vor einem der Spektrometer, mit denen die Messungen gemacht wurden. (Foto: Daniel Hymon)

Publikation: Steinert H, Sochor F, Wacker A, Buck J, Helmling C, Hiller F, Keyhani S, Noeske J, Grimm S, Rudolph MM, Keller H, Mooney RA, Landick R, Suess B, Fürtig B, Wöhnert J, Schwalbe H.; Pausing guides RNA folding to populate transiently stable RNA structures for riboswitch-based transcription regulation.;Elife; 2017; doi: 10.7554/eLife.21297.

Informationen: Prof. Dr. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz, Fachbereich Biochemie, Chemie, Pharmazie, Campus Riedberg, email: schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de 

Personalia/Preise

Jul 17 2017
10:49

Walter Greiner Gesellschaft ehrt Relativitätstheoretiker für herausragende Forschungsleistungen

Luciano Rezzolla erhält Karl Schwarzschild-Preis

FRANKFURT. Physikerinnen und Physiker der Goethe- Universität und des Frankfurt Institute for Advanced Studies, FIAS, sind zum Ausklang des von der Walter Greiner Gesellschaft zur Förderung der physikalischen Grundlagenforschung e.V., dem Fachbereich Physik der Goethe- Universität und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies, FIAS, veranstalteten Symposions „Discoveries at the Frontiers of Science“ in einer akademischen Festveranstaltung auf dem Campus Riedberg für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen geehrt worden. Der neue Name des seit 20 Jahren bestehenden Fördervereins für physikalische Grundlagenforschung erinnert an seinen im vorigen Jahr verstorbenen Gründer.

Dr. Dr. h.c. Nikolaus Hensel, Gründungsvorstand der WGG, Prof. Owe Philipsen, Dekan des Fachbereichs Physik der Goethe Universität, und Prof. Volker Lindenstruth, Vorstandsvorsitzender des FIAS, zeichneten herausragende junge und erfahrene Wissenschaftler mit Preisen in einer Gesamthöhe von rund 100.000 Euro aus.

Der Karl Schwarzschild-Preis 2017 für hervorragende Grundlagenforschung im Bereich der Astrophysik, Gravitationstheorie und Kosmologie ging an FIAS Senior Fellow Professor Luciano Rezzolla, der am Institut für theoretische Physik lehrt. Diese Auszeichnung ehrt Rezzolla für seine international viel beachteten präzisen Vorhersagen der Emission der im letzten Jahr erstmals beobachteten Gravitationswellen, die bei der Verschmelzung von zwei schwarzen Löchern und von zwei Neutronensternen entstehen. Der Preis erinnert an Karl Schwarzschild, den berühmten Frankfurter Astrophysiker, der vor einhundert Jahren innerhalb von wenigen Monaten die nach ihm benannte Lösung von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie berechnete. Prof. Rezzolla ist seit dreieinhalb Jahren in Frankfurt tätig.

Prof. Michael Huth, Fachbereich Physik der Goethe-Universität, wurde mit der Stefan Lyson-Laureatus Professur für herausragende physikalische Grundlagenforschung ausgezeichnet.

Der Preis der Carl Wilhelm Fück-Stiftung für die besten wissenschaftlichen Arbeiten des akademischen Jahres gingen an Dr. Benjamin Dönigus für die Entdeckung des bislang schwersten Antimaterie-Atomkerns, Anti-Helium, und an Dr. Elena Gati.

Der Young Investigator Award 2017 ging an Dr. Maksim Kunitski.

Mit dem Otto Stern-Preis 2017 wurden Prof. Dr. Eberhard Engel und Prof. Dr. Till Jahnke ausgezeichnet.

Einen Sonderpreis für angewandte biophysikalische Forschung erhielt Prof. Werner Mäntele, der eine Technologie entwickelt hat, um mit Hilfe von Infrarotlicht den Blutzucker nichtinvasiv zu messen.

Mit dem Horst Klein-Gedächtnispreis wurde Dr. Florian Burkart für den experimentellen Nachweis des Hydrodynamischen Tunneleffekts mittels Beschuss eines Kupfertargets durch intensive Protonenbunche aus dem CERN SPS-Beschleuniger ausgezeichnet.

Der Walter Greiner-Preis für die beste Physik-Dissertation des Jahrgangs 2016/2017 wurde an Dr. Steffen Backes verliehen.

Sonstige

Jul 14 2017
15:53

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg hat die städtischen Adressbücher von 1834 bis 1943 komplett digitalisiert

110 historische Adressbücher aus Frankfurt online verfügbar

FRANKFURT. Ab sofort können Wissenschaftler und Interessierte bequem von zu Hause aus auf die digitalisierten Adressbücher der Stadt Frankfurt am Main in der für die Entwicklung der Stadt historisch bedeutenden Phase von 1834 bis 1943 zugreifen. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main hat die städtischen Adressbücher von 1834 bis 1943 komplett digitalisiert und stellt sie im Internet zur freien Nutzung bereit. Damit sind fünf Millionen Namenseinträge auf über 100.000 Seiten recherchierbar. 

Die umfangreiche Datensammlung eignet sich nicht nur für rein biografische oder familiengeschichtliche Forschungen. Auch für die Geschichte der Frankfurter Firmen und Berufszweige sowie der Verwaltungseinheiten und -strukturen bietet sie wertvolle Informationen: Neben dem alphabetischen Einwohnerteil findet sich ein Überblick über die Stadtverwaltung, weitere Behördeneinrichtungen und in jüngeren Ausgaben auch von Vereinen und Verbänden. Die Firmenverzeichnisse liegen alphabetisch und teilweise auch nach Branchen geordnet vor. Ab 1904 ist auch ein Straßenverzeichnis enthalten, in dem alle Bürger und Firmen nach Adresse sortiert aufgelistet sind.

Neben einer verbesserten Zugänglichkeit zu den Adressbüchern gab es aber auch noch einen weiteren entscheidenden Grund für die Digitalisierung: „Die Digitalisierung der Adressbücher war auch aus konservatorischen Gründen notwendig. Denn aufgrund des fortgeschrittenen Papierzerfalls, insbesondere für den Zeitraum in den 1920er und 1930er Jahren, sind große Teile der Originale unmittelbar für die Benutzung gesperrt“, so Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums und der Sammlung Frankfurt & Seltene Drucke. Ein Blick in den Namensteil der Adressbücher kann die Recherche nach berühmten Frankfurtern unterstützen.

Frau Rauscher wohnte in der Klappergass – oder doch nicht?

Ein bekanntes Frankfurter Lied besingt ein Original aus Sachsenhausen: „Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hot e Beul am Ei, ob’s vom Rauscher, ob’s vom Alde kimmt, des klärt die Bolizei.“  Die Vertonung von 1929 machte Frau Rauscher und die Klappergasse für die Frankfurter unsterblich. In der Ausgabe für 1868/69 des Frankfurter Adressbuchs findet sich der Eintrag für einen „Rauscher, Wilhelm, Taglöhner, Klapperg. 30.“ - ein Hinweis, der auf die Spur der Frankfurter Berühmtheit führen kann. In der 170jährigen Geschichte der Frankfurter Adressbücher gibt es nur wenige Lücken. Zwar gab es eine durch Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit bedingte Pause zwischen 1943 und 1949, jedoch setzte man ab 1949/50 das jährliche Erscheinen wieder fort. Der Verlag entschied 2003 schließlich, keine Printversion mehr zu produzieren. Die CD-Variante, die 1995 erstmals herauskam, überdauerte die Druckausgabe lediglich um zwei Jahre.

Zur historischen Einordnung

In Frankfurt am Main wurde 1834 unter dem Titel „Allgemeines Adress-Buch der freien Stadt Frankfurt“ erstmals ein Verzeichnis der Frankfurter Bürger publiziert und in der Folge annähernd jährlich neu aufgelegt. Bis 1943 erschienen über 100 Ausgaben. Die Einwohnerzahl Frankfurts wuchs in dieser Zeit von rund 50.000 Personen um 1830 auf 500.000 Personen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Entsprechend stieg das Volumen der Adressbuch-Ausgaben im Lauf der Jahre deutlich an. Die Sammlung der Adressbücher ist in der Universitätsbibliothek nahezu vollständig überliefert. Einige fehlende Exemplare konnten vom Frankfurter Institut für Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt werden. Die Digitalisierung der Adressbücher ab 1949 wird nach Klärung rechtlicher Fragen weiter fortgesetzt.

Die  Frankfurter Adressbücher sind online abrufbar unter: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/periodika

Weitere Hinweise, auch zu den Originalausgaben: http://www.ub.uni-frankfurt.de/wertvoll/adressbuch.html

Kontakt: Dr. Mathias Jehn, Leitung Archivzentrum & Sammlung Frankfurt-Seltene Drucke. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel: (069) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de;
http://www.ub.uni-frankfurt.de

Sonstige

Jul 13 2017
11:53

Im aktuellen UniReport analysiert der Politikwissenschaftler Stefan Kroll die US-amerikanische Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten.

Trump und die internationale Politik

FRANKFURT. Kann ein Präsident, der nahezu täglich twittert und die Weltöffentlichkeit ständig mit neuen Aussagen und Ankündigungen irritiert, überhaupt zeitnah erforscht werden? Dr. Stefan Kroll, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, sieht als Politikwissenschaftler grundsätzlich keine Gefahr darin, die Politik Trumps zu analysieren und dabei auch mal überrascht zu werden. Er hält die Politik von Donald Trump in der Sache für gar nicht so überraschend: So seien beispielsweise die Kritik am Freihandel oder die Ankündigung, sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen, bereits in seinem Wahlkampf sichtbar geworden.

Seine Unberechenbarkeit zeige sich vielmehr „in der Form und in der Art, wie Trump seine Politik kommuniziert“, so Kroll. Auch Obama habe bereits Twitter sehr stark genutzt, aber bei Trump habe die Kommunikation über diesen Kanal eine andere Dimension und Funktion angenommen: „Nämlich das bewusste Umgehen der Presse.“

Die Kritik, dass die Wissenschaft die Präsidentschaft Trumps nicht vorhergesehen habe, hält Kroll für überzogen: „Die Stärke der Sozialwissenschaften liegt nicht in der Vorhersage bestimmter Einzelereignisse, sondern vielmehr darin, den Raum einer Vielfalt bestehender Möglichkeiten auszuloten, wie sich die Zukunft ereignen könnte.“
Kroll ist skeptisch, ob Trump wirklich, wie manche Beobachter hoffen, durch eine gewisse ‚Hemdsärmeligkeit“ und Unkonventionalität Krisen, die die internationale Politik seit Jahrzehnten beschäftigen, lösen kann: „Gerade der Iran-Deal hat doch gezeigt, was an diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit notwendig ist, um auch nur in kleinen Schritten voranzukommen.“

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • Günstige Bedingungen für Plagegeister: Der Parasitologe Sven Klimpel sieht angesichts des im Augenblick sehr warmen und feuchten Klimas in Deutschland ideale Bedingungen für die Mückenpopulation.
  • „Es bleibt einem nur das, was man verschenkt“: Das Stifterpaar Karin und Carlo Giersch im Porträt.
  • Studiengang an einem lebendigen Literatur- und Kulturort: Der BA Germanistik profitiert von den zahlreichen Institutionen, Verlagen und Bibliotheken in Frankfurt.
  • Ökonom, Politiker und Aufklärer: Doktorand Bijan Kaffenberger betreibt auf Social Media einen Kanal über seine Tourette-Erkrankung.
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit: Zum zehnten Mal zeichnet der WISAG-Preis die beste geistes- oder gesellschaftwissenschaftliche Dissertation an der Goethe-Uni aus.
  • Jungwissenschaftlerinnen auf neuen Wegen: Die „Kurswechsel“-Konferenz im September zeigt (Post-)Doktorandinnen berufliche Perspektiven auf.

Der UniReport 4/2017 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/67269191/Unireport_4-17.pdf

Forschung

Jul 12 2017
12:33

Mit Draufgängern nehmen es Moskitofisch-Weibchen nur in der Gruppe auf

Fisch-Weibchen bevorzugen mittelmäßig aktive Lover

FRANKFURT. Viel Sex ist in der Evolution nicht immer von Vorteil. Moskitofisch-Weibchen schwimmen ungestümen Lovern aus dem Weg. Diese lassen ihnen kaum Zeit zum Fressen und verletzen sie häufiger im Genitalbereich.

In manchen Spezies investieren die Männchen kaum etwas in den Nachwuchs außer Sperma. Biologen waren bisher der Ansicht, dass in solchen Arten die sexuell aktivsten Männchen einen evolutionären Vorteil haben. Doch die Gleichung „Wer sich öfter paaren will, hat auch mehr Nachwuchs“, geht bei den östlichen Moskitofischen nicht immer auf. Denn die Weibchen haben auch ein Wörtchen mitzureden, wie Verhaltensforscher der Goethe-Universität jetzt herausgefunden haben.

„Ausgangspunkt unserer Untersuchung war die Frage, warum sich Männchen mancher Tierarten deutlich und konsistent in ihrer sexuellen Aktivität unterscheiden, selbst wenn sie identischen Umweltbedingungen ausgesetzt sind und sich nicht gegeneinander behaupten müssen“, erklärt Carolin Sommer-Trembo, die sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema beschäftigte. „Wir wollten wissen, wie diese Variation an männlichen Verhaltenstypen erhalten wird, obwohl die  Selektion Männchen mit niedriger oder mittlerer sexueller Aktivität verdrängen sollte“.

Als Forschungsobjekt wählte sie die kleinen, unauffälligen Moskitofische (Gambusia holbrooki), weil diese Sex haben und lebende Junge zur Welt bringen. Die Männchen haben am Unterbauch ein im Vergleich zur Körpergröße langes Geschlechtsorgan. Um sich zu paaren, schwimmen sie von unten an das Weibchen heran, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben.

Um herauszufinden, welche Männchen für weibliche Moskitofische interessant sind und ob das Level an männlicher sexueller Aktivität überhaupt eine Rolle in der Partnerwahl spielt, ließen Carolin Sommer-Trembo und ihre Kollegen Dr. David Bierbach (Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin) und Prof. Martin Plath (Northwest A&F University, Yangling) Weibchen zwischen Männchen verschiedener sexueller Aktivität wählen. Um auszuschließen, dass die Männchen wegen ihres Aussehens oder anderer Verhaltensmerkmalen ausgewählt wurden, und um das Maß an sexueller Aktivität der Männchen genau steuern zu können, arbeiteten die Forscher mit animierten Stimulus-Männchen, die den Weibchen über Bildschirme präsentiertwurden.

Das Ergebnis: Weibchen bevorzugten Männchen mit mittlerer sexueller Aktivität, während sie Männchen mit hoher sexueller Aktivität deutlich vermieden. Die Forscher vermuten, dass dies aus einer Kosten-Nutzen Abwägung erfolgt. Denn Weibchen, die sich in der näheren Umgebung von sexuell sehr aktiven Männchen befinden, leiden oft nicht nur an Verletzungen im Genitalbereich, sondern kommen kaum dazu, Nahrung aufzunehmen, da sie unablässig damit beschäftigt sind, den Annäherungsversuchen der Männchen zu entgehen.

Anders verhält es sich, wenn eine ganze Gruppe von Weibchen einem paarungswütigen Männchen begegnet. „Unter natürlichen Umständen bilden Moskitofisch-Weibchen oft Gruppen, um sich gegen männliche Belästigung zu schützen, ganz ähnlich wie sich Schwarmfische gegen Fressfeinde schützen“, erklärt Carolin Sommer-Trembo. In der Gruppe zeigten Weibchen eine deutlich höhere Akzeptanz gegenüber den sexuell sehr aktiven Männchen, da sich die Kosten-Nutzen Rechnung unter diesen Umständen verschiebt.

Die Abhängigkeit der Weibchenwahl vom sozialen Kontext könnte erklären, warum  die Vielfalt an männlichen Verhaltenstypen bei den Moskitofischen erhalten blieb. Und die Experimente zeigen, dass Weibchen die männliche sexuelle Aktivität als Kriterium bei der Partnerwahl miteinbeziehen.

Übrigens: Dass man stürmischen Lovern aus dem Weg schwimmen sollte, wenn man als Fisch-Weibchen allein unterwegs ist, scheint nicht instinktiv zu sein, sondern auf Erfahrung zu beruhen. Das zeigten zusätzliche Tests mit jungfräulichen Weibchen. Sie waren gegenüber allen Typen noch gleich aufgeschlossen.

Publikation:
Sommer-Trembo, C., Plath, M., Gismann, J., Helfrich, C.  & Bierbach, D.
Context-dependent female mate choice maintains variation in male sexual activity.
Royal Society Open Science; DOI: 10.1098/rsos.170303

online: http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/7/170303

Ein Bild zum Download mit einer Creative Commons Lizenz finden sie unter: http://fishesofaustralia.net.au/images/image/GambusiaHolbrookiGSchmida.jpg

Auf dem Bild ist ein Moskitofischweibchen zu sehen, das von einem Männchen in typischer Manier verfolgt wird. Das Geschlechtsorgan der Männchen, das sogenannte Gonopodium, ist bereits ausgestreckt und zum „Angriff“ bereit. Es schwimmt von unten an das Weibchen heran, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben.

Information: Carolin Sommer Trembo, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42172, sommer-trembo@gmx.de.

Forschung

Jul 12 2017
12:30

Wissenschaftler der Goethe-Universität über den Einfluss von Emotionen auf Sport und körperliche Aktivität

Macht Spaß mobil?

FRANKFURT. Wer Freude an der Bewegung hat, wird häufiger Sport treiben und körperlich aktiver sein als andere Menschen: Diese weit verbreitete Annahme soll nun auch stärker in den Fokus wissenschaftlicher Forschung kommen. Prof. Darko Jekauc, der seit kurzem als Sportpsychologe an der Goethe-Universität forscht und lehrt, fordert gemeinsam mit Kollegen eine Hinwendung zu Emotionen in der Sportforschung.

Es scheint auf der Hand zu liegen: Spaß und Freude am Sport wirken sich positiv auf die Teilnahme an sportlicher Betätigung und körperlicher Aktivität aus. Diesem Allgemeinplatz zum Trotz hat sich die Forschung, die sich mit den Determinanten der körperlichen Aktivität befasst, über Jahrzehnte hinweg an sozial-kognitiven Modellen orientiert. Diese Modelle gehen davon aus, dass der Mensch ein rationales Wesen ist, das die Konsequenzen seines Handelns oder Nicht-Handelns gründlich reflektiert und sich dem entsprechend entscheidet. Wer darüber Bescheid weiß, welche negativen Folgen körperliche Inaktivität haben kann, müsste demnach dauerhaft körperlich aktiv sein. Zahlreiche Studien zeigten jedoch ein anderes Bild: Das menschliche Handeln kann keineswegs über einen längeren Zeitraum durch kognitive Parameter vorhergesagt werden.

Derzeit bildet sich eine internationale Gruppe von Forschern, die eine Abkehr vom sozial-kognitiven Paradigma und eine stärkere Zuwendung zu Emotionen anstrebt. Die beiden Sportpsychologen Prof. Dr. Darko Jekauc von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Dr. Ralf Brand von der Universität Potsdam haben bei der renommierten Zeitschrift Frontiers in Psychology ein Schwerpunktheft mit 16 Artikeln herausgegeben, die sich mit der Frage befassen, wie Emotionen und Gefühle körperliche Aktivität regulieren. Die Ergebnisse der Studien in diesem Schwerpunktheft zeigen, dass positive Emotionen (wie Freude am Sport) ausschlaggebend für körperliche Aktivität sind. Darüber hinaus wurde untersucht, wie solche positiven Emotionen im Sport entstehen, durch welche Mechanismen sie beeinflusst werden können und welche Rolle bewusste und unbewusste Prozesse spielen. Die Autoren dieses Schwerpunkthefts resümieren, dass derzeit große Fortschritte zum Verständnis der Wirkmechanismen gemacht werden – womöglich vollzieht sich gerade ein Paradigmenwechsel auf diesem Forschungsgebiet.

Publikation: Drako Jekauc, Ralf Brand (2017): How do Emotions and Feelings Regulate Physical Activity? Front. Psychol. 8:1145. doi: 10.3389/fpsyg.2017.01145 Online: http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2017.01145/full?&utm_source=Email_to_authors_&utm_medium=Email&utm_content=T1_11.5e1_author&utm_campaign=Email_publication&field=&journalName=Frontiers_in_Psychology&id=267690

Informationen: Prof. Dr. Darko Jekauc, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Institut für Sportwissenschaften, Abteilung für Sportpsychologie, Telefon 069 798-24524, E-Mail: jekauc@sport.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 11 2017
14:20

Beitrag in Forschung Frankfurt widmet sich den verschiedenen Ausprägungen des Vertagens von Aufgaben

Wenn Aufschieben zum Leiden führt

FRANKFURT. „Morgen ist auch noch ein Tag“ – diesen Impuls kennen die meisten Menschen, wenn es um die Erledigung von Aufgaben geht. Inwieweit das Aufschieben ein weit verbreitetes Laster ist und wann es zum Problem wird, damit befasst sich ein Beitrag in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (1/2017).

„Prokrastination“ – ein aus dem Lateinischen stammendes Fachwort, das im akademischen Milieu immer mehr zur Alltagssprache gehört. Denn von Studierenden über Doktoranden bis hin zu Professoren gibt es kaum jemanden, der noch nie aufgeschoben hat. Seminar-, Abschluss-, Doktorarbeiten oder wissenschaftliche Beiträge werden nur zu gern hinausgezögert. Aber auch in anderen Bereichen ist das Aufschieben ein bekanntes Phänomen: So bei der Steuererklärung, auch wenn man wohltuende Rückzahlungen zu erwarten hat. Handwerker vertagen, Rechnungen zu schreiben, und bringen sich damit schlimmstenfalls um ihre Existenz. Wie ist dieses Verhalten zu erklären? Und was lässt sich dagegen tun? Diesen Fragen ist Dr. Anke Sauter in ihrem Beitrag in „Forschung Frankfurt“ „Schieben Sie noch auf oder prokrastinieren Sie schon?“ nachgegangen. 

Aufschieberitis ist ein Phänomen der Moderne. Früher konnten es sich die wenigsten Menschen leisten, die Erledigung ihrer Aufgaben bis zum Sanktnimmerleinstag hinauszuzögern. Wie wäre beispielsweise eine Bauernfamilie durch den Winter gekommen, wenn sie das Korn nicht rechtzeitig geerntet hätte? Heute hingegen ist es ein Allerweltslaster, „die Schattenseite der Freiheit“, so Dr. Heike Winter, Geschäftsführerin des Ausbildungsprogramms Psychologische Psychotherapie am Institut für Psychologie der Goethe-Universität. Vor allem Vertreter freier Berufe kämpften täglich gegen die „Aufschieberitis“: Es ist nicht leicht, mit Freiheit umzugehen und damit, dass ein Unterfangen nicht im Handumdrehen erledigt ist und auch das Risiko des Scheiterns in sich birgt.

Psychologen sprechen erst dann von Prokrastination, wenn das Aufschieben zum Problem wird – weil es seelische oder körperliche Beeinträchtigungen mit sich bringt. Prokrastination wird als Störung der Selbstregulation vor allem im Falle von Kurzfristig-Langfristig-Dilemmata definiert. Die Herausforderung besteht darin, kurzfristig etwas Unangenehmes oder weniger Schönes auszuhalten, um langfristig etwas Positives oder weniger Negatives zu erreichen. Dies aber widerstrebt der Natur des Menschen. Mit dem Aufschieben umgeht er diese Herausforderung und verhilft sich so zu einer kurzfristigen Belohnung. Ersatzhandlungen wie Blumengießen, Kaffeekochen oder der Anruf bei einem uralten Schulfreund verhelfen zu einem kurzfristigen Erfolg, die anstehende Großaufgabe ist erstmal vermieden.

Im universitären Umfeld gibt es inzwischen ein Netz von Beratungsangeboten, die bei unterschiedlichen Ausprägungen von Aufschieberitis weiterhelfen können: Eine Anlaufstelle bei aufgeschobenen Hausarbeiten und Dissertationen ist das Schreibzentrum der Goethe-Universität. Hier wird Handwerkszeug vermittelt, um planvoll an eine wissenschaftliche Arbeit gehen zu können. Denn oft liegt es an mangelnden Kenntnissen beim Strukturieren und Recherchieren, weshalb eine Aufgabe unüberwindbar erscheint. Bei hartnäckigeren und immer wieder auftretenden Schwierigkeiten beim Einhalten von Fristen können Studierende an einem Kurs der Psychologischen Beratungsstelle teilnehmen, der sich ganz auf dieses Thema konzentriert. Denn je länger das Problem ansteht, desto schwieriger wird es und kann ganze Lebensläufe zerstören.

Auch an der psychotherapeutischen Ambulanz des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie hat man es häufig mit Prokrastinierern zu tun – wenn auch nur als Nebenthema. Denn viele Klienten mit der Diagnose Depression leiden unter Aufschieberitis, unter Umständen kann das chronische Aufschieben eine Depression auch auslösen: Es führt zu Gewissensbissen, das nagt am Selbstwertgefühl, schlaflose Nächte und Kontaktarmut verschärfen die Situation des Betroffenen noch – ein Teufelskreis, dem man mit professionellen Mitteln entgegenwirken sollte.

Informationen: Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin, Tel. (069)798-12477,
E-Mail: sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jul 11 2017
11:21

Fotografien und Filme der Marielies-Hess-Kunstpreisträgerin 2017 Laura J. Padgett. Eine Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität vom 25.7. bis 27.8.2017

Laura J. Padgett: somehow real

FRANKFURT. Unter dem Motto „somehow real“ präsentiert Laura J. Padgett ihr spezifisches Thema der sensiblen Rolle der Wahrnehmung in der ästhetischen Realitätsspiegelung des öffentlichen und privaten Lebensraumes. Ihre Fotografien und Filme sind vielschichtige Beobachtungen unserer Alltagswelt. Als Meisterin der Linse integriert sie Architektur und Kunstgeschichte in ihre eigenständigen zeitgenössischen Kunstwerke, die zwischen Nüchternheit und Traum oszillieren. Zu sehen sind Farbfotografien aus fünf formal unterschiedlichen aber stets malerisch narrativen Zyklen der letzten fünfzehn Jahre: vom Entréebild „What does it mean when you say you have been there?“ über die ambivalenten „Diptychen“ und die atmosphärischen Libanonfotografien in „Confined Space“ zum Universum Peter Zumthors in „Architektur denken“ und zu ihren fotografischen Betrachtungen über Vergänglichkeit, Beständigkeit und abstrakte Schönheit der spektakulären baulichen Erweiterung des Städels in „Raum über Zeit“.

Sie alle erzählen vielschichtige und simultane Geschichten, die vom Betrachter dechiffriert werden müssen. Dabei fotografierte Laura J. Padgett bis 2012 weitgehend analog und erst danach digital. Außerdem werden zwei ihrer Filme gezeigt: „ambient noise“, als Hommage an den Film „Wavelength“ von Michael Snow, an das Erlebnis Kino und unsere Beziehung zur Innen- und Außenwelt und „Solitaire“, der zwischen privatem und öffentlichem Raum angesiedelte, sich auflösende soziale und kulturelle Grenzbereiche der 1960er Jahre beleuchtet, die sich durch die filmische Umsetzung als fundamental erweisen, ausgehend von gezielter Recherche im Archiv des Hessischen Rundfunks aus Dokumentarfilmen der Zeit.

Laura J. Padgett, 1958 in Cambridge, Massachussetts, USA geboren, weist ein außergewöhnliches künstlerisches Profil auf. Sie studierte von 1976 bis 1980 zuerst Malerei und Film am Pratt Institute in New York, dann nach ihrer Umsiedlung 1981 nach Europa ab 1983 bis 1985 Film und Fotografie an der Frankfurter Städelschule bei Peter Kubelka und Herbert Schwöbel sowie von 1991 bis 1994 Kunstgeschichte und Ästhetik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als Dozentin lehrt sie seit 1990 an mehreren Hochschulen Fotografie, Film, Kunstgeschichte und Kunsttheorie. Seit 2010 unterrichtet sie an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden. Sie ist in öffentlichen Sammlungen vertreten und hat seit den 1990er Jahren in Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien, Türkei und Zypern in Museen und Galerien einzeln ausgestellt. Außerdem war sie als Artist in Residence in England, der Schweiz, im Libanon aber auch im Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems. Laura J. Padgett lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Preview für die Presse: Dienstag, 25. Juli 2017, 11 Uhr

  • Brigitta Amalia Gonser, Kuratorin der Ausstellung
  • Laura J. Padgett, Künstlerin

Vernissage und Preisverleihung: Dienstag, 25. Juli 2017, 18 Uhr

  • Begrüßung: Dr. Manfred Großkinsky, Leiter Museum Giersch der Goethe-Universität
  • Preisverleihung: Prof. Dr. Michael Crone, Marielies-Hess-Stiftung
  • Einführung: Brigitta Amalia Gonser, Kunstwissenschaftlerin
  • Musik: Ralf Frohnhöfer, Saxophon

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen und Sonderveranstaltungen unter http://www.museum-giersch.de.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Marielies-Hess-Stiftung mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie wird gefördert durch: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Kulturamt Frankfurt am Main, WISAG Facility Service Holding GmbH, Inner Wheel Club, Rechtsanwälte Häret, Volker Huckestein, Museum Giersch der Goethe-Universität, Stiftung Giersch, Marielies-Hess-Stiftung e.V. und hr2-kultur.

Informationen: Dipl. Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum  Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/13821010, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main