​​​​Pressemitteilungen ​

Veranstaltungen

Feb 12 2013
18:00

Gastvortrag von Prof. Paul Workman an der Goethe-Universität

Genetische Störungen bei Krebs individuell therapieren

FRANKFURT. Prof. Paul Workman, Gründer des international renommierten Institute for Cancer Research in London, untersucht, wie man Krebsgene und ihre Mutationen individuell behandeln kann. Mit seinem preisgekrönten Forschungsteam entwickelte und testete er bereits ein Dutzend potentielle Krebsmedikamente. Ein vielversprechendes Präparat gegen Prostatakrebs wurde kürzlich von der europäischen sowie der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde zugelassen.  In seinem Vortrag in englischer Sprache

am: Donnerstag, dem 14. Februar 2013 um 18.15 Uhr
im: Klinikum der Goethe-Universität, Campus Niederrad Hörsaalgebäude 22-2

erklärt er, wie mit Hilfe von genetischen Analysen und der Anwendung von Biomarkern wirksame und selektive Krebsmedikamente entwickelt werden können.

Eine häufige Ursache für die Entstehung von Krebs ist die Mutation von Krebsgenen, so genannten Onkogenen, die zu unkontrolliertem Zellwachstum führt. Gelingt es, die außer Kontrolle geratene Signalkaskade durch gezielte Blockade der betroffenen Gene zu unterbrechen, kann dem Tumorwachstum Einhalt geboten werden. Workman und seinem Team ist es gelungen, bestimmte, das Zellwachstum regulierende Gene zu identifizieren und wirksame Inhibitoren zu entwickeln. Einige zeigen erste Erfolge in klinischen Studien der Phase 1.

Da Krebs oft auf der Mutation mehrerer Gene und somit Fehlfunktion mehrerer Signalwege beruht, ist es wichtig, das komplette Genom eines betroffenen Patienten zu analysieren, um dann eventuell effektiver handeln zu können. Dieser als personalisierte Molekularmedizin bezeichnete Ansatz soll zukünftig das Leben von Krebspatienten entscheidend verbessern.

Der Vortrag findet statt im Rahmen der Vortragsreihe Perspectives in Oncology, gesponsert von Merck-Serono.

Informationen: Prof. Hubert Serve und Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de

Veranstaltungen

Feb 12 2013
17:58

Uni informiert über ein Fach mit besten Berufschancen

Tage der Informatik – nicht nur für Studieninteressierte

FRANKFURT. Verschlüsselung & Zauberei,  Bioinformatik gegen die Invasion von Killer(Krebs)zellen oder die Frage: Was hat Herzrasen mit Computern und Spielen zu tun? – das sind die Themen der diesjährigen „Tage der Informatik“

am 20. und 21. Februar 2013, jeweils von 9 bis 16:30 Uhr
im Hörsaalgebäude Mertonstr. 17-21, Hörsaal HVI.

Eingeladen sind nicht nur Studieninteressierte, sondern auch die an Informatik interessierte Öffentlichkeit. Schülerinnen und Schüler haben an beiden Tagen Gelegenheit zu einem direkten Austausch mit Studierenden und Hochschullehrern. Die Tage informieren über den Studiengang Informatik an der Goethe-Universität und künftige Berufsfelder. Die Perspektiven für Informatiker sind nach wie vor ausgezeichnet: Nach Angabe der Bitkom, einem Verband der IT- und Telekommunikationsbranche, fehlen in der Bundesrepublik derzeit 43000 IT-Fachkräfte.

Aus dem Berufsleben berichten Ursula Jonscher (Lufthansa Passage, Information Management) und Dr. Eschmann (peiker acustic GmbH & Co. KG). In den übrigen Vorträgen werden die Inhalte des Studiums vorgestellt sowie seine Stellung als Querschnittswissenschaft mit vielfältigen Bezügen zu anderen Disziplinen aufgezeigt. Beispiele sind die theoretische Informatik, die Bio-Informatik, die praktische und die technische Informatik.

Ebenfalls auf dem Programm stehen die Vorstellung des neu eingerichteten Masterstudiengangs Wirtschaftsinformatik sowie ein Ausblick auf die Entwicklung des Instituts für Informatik, das in den kommenden Jahren ein neues Gebäude auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität erhält.

Neben den Vorträgen sind auch die beliebten Roboter zum Anfassen des Joint Robotics Lab wieder vertreten. Lehrkräfte des Faches Informatik aus Schulen des Rhein-Main-Gebiets präsentieren außerdem Beispiele aus ihrem Unterricht.

Informationen: Prof. Jürgen Poloczek, Institut für Informatik, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-28241, E-Mail: TdI@informatik.uni-frankfurt.de

Programm: www.informatik.uni-frankfurt.de/TdI

Veranstaltungen

Feb 11 2013
10:03

Veranstaltung „Days of !ndia“ informiert deutsche Studierende und Forscher über Weiterbildungsmöglichkeiten in Indien. 15. Februar, Science Campus

Indientag an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Anlässlich der 60 Jahre währenden Deutsch-Indischen Zusammenarbeit lädt die Botschaft Indiens gemeinsam mit der Goethe-Universität junge Studierende und Forscher zu einem Treffen ein. Die Veranstaltung bietet Vorträge in Englisch und Deutsch über das Ökosystem in Indien für Weiterbildung, Wissenschaft, Technik und Innovation. Das DAAD-Büro Bonn stellt Stipendienmöglichkeiten vor; Deutsche Firmen in Indien informieren über Praktika in der nach China am stärksten wachsenden Wirtschaft. Studierende, die bereits in Indien studiert haben, berichten von ihren Erfahrungen. Interessierte können sich anschließend mit den anwesenden Institutionen, Wirtschaftsvertretern und Studierenden vernetzen.  

Days of !ndia, 15. Februar 2013, Beginn: 9.00 Uhr. Science Campus, Goethe-Universität, Otto-Stern-Zentrum, Ruth-Moufang-Str. 2, 60438 Frankfurt am Main.

Registrierung unter http://india-days.indianembassy.de/registration/

Weitere Informationen: Indische Botschaft, Wissenschaftsabteilung, Tiergartenstr. 17, 10785 Berlin, Tel. (030) 25795722/23, www.indianembassy.de  

Veranstaltungen

Feb 8 2013
17:58

Forschungsbau auf dem Campus Westend kam durch beispielhafte Kooperation von Bund, Land und Universität zustande

Neubau für Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ eröffnet

FRANKFURT / WIESBADEN. Die Geistes- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt gewinnen mit dem neuen Gebäude für den Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ weiter an Sichtbarkeit. Die Fertigstellung des sechsgeschossigen Gebäudes an der Nordostseite des Campus Westend kann als Beispiel für eine besonders gelungene Kooperation zwischen Politik und Wissenschaft gelten: Denn als einziges geistes- und sozialwissenschaftliches Bauvorhaben gehört das Projekt zu den Gewinnern eines Wettbewerbs des Wissenschaftsrates und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder. Die Kosten in Höhe von rund elf Millionen Euro tragen jeweils zur Hälfte der Bund und das Land Hessen. Das Gebäude nach Entwürfen der Berliner Architektin Gesine Weinmiller war im September 2012 nach zweieinhalbjähriger Bauzeit bezogen worden. Es bietet 145 der 180 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Clusters Platz.

Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Helge Braun, die Staatssekretärin im Hessischen Ministerium der Finanzen, Prof. Dr. Luise Hölscher, der Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main, Prof. Dr. Felix Semmelroth, und der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, haben den Neubau heute bei einem Festakt mit rund 250 Gästen offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Staatsministerin Kühne-Hörmann sagte: „Das bundesweit hoch angesehene Exzellenzcluster erhält nun mit dem neuen Gebäude die besten räumlichen Rahmenbedingungen für seine Forschungstätigkeit bei der Suche nach der Gerechtigkeit in der Welt.“ Auch dieses Projekt belege, dass die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Lehre an Hessens Hochschulen ein politischer Schwerpunkt der Landesregierung sei und bleibe.

Finanzstaatssekretärin Professor Dr. Luise Hölscher erklärte: „Das Gebäude fügt sich mit seinen angenehmen Proportionen und der Fassadengestaltung hervorragend in das Gesamtensemble ein und bildet zugleich als eigenständiges Bauwerk eine weithin sichtbare Adresse für den Exzellenzcluster“. Sie ergänzte: „Einen baulichen Aspekt möchte ich besonders betonen: Das Gebäude verfügt, ganz im Sinne des Kabinettsbeschlusses des Landes Hessen zur CO2-neutralen Landesverwaltung, über einen hohen Energieeffizienzstandard.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Werner Müller-Esterl betonte bei der Feierstunde, die noch junge Geschichte der 1914 gegründeten Goethe-Universität sei untrennbar verbunden mit ihren geistes- und sozialwissenschaftlichen Schwerpunkten. Der Exzellenzcluster baue auf der Tradition der „Frankfurter Schule“ auf. „Und auch heute“, so Müller-Esterl weiter, „beweist die Goethe-Universität ein hohes Innovationspotenzial in ihren geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern. Das zeigt nicht zuletzt die große Reputation des Clusters zur Herausbildung normativer Ordnungen, der im letzten Jahr mit großer Bravour die Hürden bei der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder genommen hat. Der hochwertige Neubau gibt dem Cluster nun auch seinen räumlichen Mittelpunkt.“

„Es ist ein glücklicher Umstand, dass die Einweihung des neuen Gebäudes mit dem Beginn der zweiten Förderperiode des Exzellenzclusters zusammentrifft, die nach einem harten Wettbewerb und überwältigend positiven Voten eines internationalen Gutachtergremiums bewilligt wurde“, sagte Prof. Dr. Klaus Günther, einer der beiden Sprecher des Clusters. Co-Sprecher Prof. Dr. Rainer Forst fügte hinzu: „Für einen interdisziplinären Forschungsverbund dieser Größe ist es sehr wichtig, ein eigenes Domizil zu haben, noch dazu solch ein beeindruckendes Gebäude. Damit hat das Projekt auch räumlich Gestalt angenommen.“ Die Sprecher dankten allen daran von Seiten der Universität, des Landes und des Bundes Beteiligten sowie dem Architekturbüro Weinmiller.

Der Frankfurter Exzellenzcluster zur Herausbildung normativer Ordnungen hat sich als feste Größe in der Forschungslandschaft etabliert. Der neue DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider bezeichnete ihn kürzlich als eine der führenden Einrichtungen seiner Art in Deutschland mit internationaler Ausstrahlung. Seit November 2012 wird der Forschungsverbund für weitere fünf Jahre durch die Exzellenzinitiative gefördert. Er gehört unter den 43 Clustern, die im Rahmen der bundesweiten Exzellenzinitiative für die zweite Förderperiode ausgewählt wurden, zu dem Kreis der sechs Projekte mit geistes- und sozialwissenschaftlicher Ausrichtung. Beteiligt sind verschiedene Disziplinen – von der Philosophie, den Geschichtswissenschaften, der Politikwissenschaft und der Rechtswissenschaft über die Ethnologie und die Ökonomie bis zur Soziologie und Theologie.

Dem Forschungsverbund, der 2007 seine Arbeit aufgenommen hat,  geht es, wie die Sprecher darstellten, vor allem darum, die doppelte Rolle von Normen, vor allem solcher der Gerechtigkeit und der Menschenrechte, im Leben der Gesellschaften zu untersuchen, wenn sie sowohl zur Rechtfertigung politischer Herrschaft und einer bestimmten Verteilung von Gütern als auch zu deren Kritik verwendet werden. Wie sehr die stabilisierende ebenso wie verändernde Kraft solcher Rechtfertigungen oft unterschätzt wird, zeigt sich aktuell zum Beispiel an den dramatischen Veränderungen, die wir seit über einem Jahr in den Ländern des nördlichen Afrika und des Nahen Ostens erleben.

Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Hochschulpolitische Themen

Feb 8 2013
12:50

Neue Ausgabe des UniReport mit Essay zur Krise der Zeitungen.

Das Schweigen der Hochschulöffentlichkeit

FRANKFURT. Die Zeitungskrise als Gefahr für die akademische Diskussionskultur: In der aktuellen Ausgabe des UniReport stellt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in einem Essay die Bedeutung der Krise für die Hochschulen dar und verbindet die Diagnose mit der Klage darüber, dass die akademische Intelligenz sich zu wenig in die Debatte einmische: „Diejenigen in den Universitäten, die das Zeitungsmilieu als Reflexionsinstanz, Korrektiv und Widerpart brauchen und seit Jahrzehnten von seiner intellektuellen Energie profitieren, schauen zu und halten sich zurück.“

In der Reportage wird den vielschichtigen Veränderungen im Ernährungsverhalten  nachgegangen. „Sushi statt Eisbein“ – jüngere Menschen wenden sich von der deutschen Küche ab und bevorzugen vor allem die asiatische Küche. Analysen der kulinarischen Ethnologie werden ergänzt durch Beobachtungen von Ernährungsberatern und Verpflegungsexperten der Goethe-Universität.

Weitere Themen der aktuellen Ausgabe:

  • Von Neugierde getrieben – Leibniz-Preis 2013 geht an Prof. Ivan Dikic.
  • Solo für den Uni-Biografen – Prof. Notker Hammerstein schreibt die Geschichte der Goethe-Universität
  • Bisexualität und Attraktivität: Frankfurter Biologen untersuchten am Beispiel des Atlantikkärpflings die Partnerwahl bei Fischen.
  • Bildung als wichtigste Ressource für bürgergesellschaftliches Engagement - Alfred-Grosser-Gastprofessorin Annette Zimmer über die engagierte und selbstbewusste Bürgerschaft der Stadt Frankfurt.
  • Prominente und ihre Krankheiten: Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber über „Freddie Mercury – ein Leben mit AIDS“.
  • Bockenheim oder Westend? Studierende der Gesellschaftswissenschaften führten eine experimentelle Befragung zum Umzug der Universität durch.

Die aktuelle Ausgabe des UniReport steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info

Kontakt: Dr. Dirk Frank, Pressereferent, Pressereferent /stv. Leiter, Abteilung Marketing und Kommunikation, Tel. (069) 798-23753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

Forschung

Feb 8 2013
12:34

Neues Projekt zur Lese-/Rechtschreibschwäche richtet sich an Frankfurter Schüler der 5. bis 10. Klassenstufe.

Der Legasthenie an den Kragen

FRANKFURT. Die Erfordernisse der Arbeitswelt bezüglich schriftsprachlicher Kompetenzen sind in den letzten Jahren auch bei unqualifizierten Tätigkeiten gestiegen. Trotz regelmäßigen Schulbesuchs und normaler Intelligenz schafft es allerdings ein Anteil von mindestens 5% der Schüler eines jeden Jahrganges nicht, eine ausreichende Rechtschreibkompetenz zu entwickeln. Frankfurter Schülerinnen und Schülern mit Schwächen beim Lesen und Schreiben wird nun im Rahmen des Projekts „Therapie der Lese-/Rechtschreibschwäche auf der Grundlage qualitativer Fehleranalysen“ eine Unterstützung angeboten: Erstmals wird eine erfolgreiche Beseitigung von Rechtschreibproblemen bei einer ärztlich bescheinigten Legasthenie oft unter einem Jahr erreicht. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Günther Thomé ist am Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache der Goethe-Universität Frankfurt angesiedelt.

Für die geförderten Schüler und Schülerinnen bewirkt diese Förderung eine deutliche Verbesserung von Bildungschancen, da die Lese-/Rechtschreibleistungen grundlegende Fähigkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft darstellen. Durch eine symptomspezifische und damit individuell angepasste Behandlung wird sich ein Therapieerfolg bei der überwiegenden Zahl der Fälle in deutlich kürzerer Zeit als zwei Jahre, unter Umständen auch unter einem Jahr, einstellen.

Die Therapiesitzungen finden wöchentlich je 45 Min. statt. Freie Texte zu schreiben ist fester Bestandteil der Therapie. Die Schülertexte bilden zudem die Grundlage für die fortlaufenden Analysen des Rechtschreibprofils und der adäquaten Therapieangebote. Die individuellen orthographischen Problemfelder werden erhoben und dem betreffenden Schüler zunächst als Rückmeldung in verständlicher Form bekannt gegeben. Darüber hinaus wird u.a. durch Verzicht auf Diktate und eine offene lernfördernde Atmosphäre der Spaß am Lesen und Schreiben fest verankert. Vorrangiges Ziel des Projektes ist es, alle teilnehmenden Schüler und Schülerinnen zu einer signifikanten, stabilen Verbesserung der Lese-/Rechtschreibleistung zu verhelfen, und somit die (Aus-)Bildungschancen entsprechend ihrer Begabung zu ermöglichen.

Das Projekt „Therapie der Lese-/Rechtschreibschwäche auf der Grundlage qualitativer Fehleranalysen“ läuft bis 2015. „Um die Förderkapazität zu erhöhen, würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung freuen“, betont Projektleiter Prof. Günther Thomé.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Günther Thomé, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Fachbereich 10: Neuere Philologien, Goethe-Universität,  Tel. (069) 798-32718, thome@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Feb 7 2013
16:36

Goethe-Universität sucht Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung

Gestörtes Vertrauen nach traumatischem Erlebnis

FRANKFURT. Nach einem traumatischen Erlebnis berichten Menschen manchmal von Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen. An der Universität Frankfurt wollen Psychologen jetzt herausfinden, ob dies Folge oder Ursache ihrer Erkrankung ist. Die Studie könnte dazu beitragen, die biologischen Risikofaktoren für die Entstehung einer  Posttraumatischen Belastungsstörung  besser zu verstehen und langfristig helfen, die Psychotherapie und medikamentöse Therapie besser an die individuellen Bedürfnisse von Patienten anzupassen. Für die bereits angelaufene Studie sucht das Wissenschaftlerteam noch erwachsene Studienteilnehmer mit Posttraumatischer Belastungsstörung, die bei der Studie sogar Geld verdienen können.

Eine Posttraumatischen Belastungsstörung kann nach einem traumatischen Ereignis eintreten, bei dem man starke Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen verspürt hat. Anschließend tauchen immer wieder Bilder oder Gedanken an das Erlebnis auf oder man vermeidet Reize und Situationen, die daran erinnern könnten. Weitere Merkmale sind Durchschlafprobleme, Konzentrationsstörungen oder Wutausbrüche, die vorher nicht bestanden. Um von einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu sprechen, sollten die Symptome mindestens seit einem Monat bestehen.

Ob sich Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung in Vertrauenssituationen tatsächlich anders verhalten, möchten die Psychologen der Abteilung für Allgemeine Psychologie und der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe Universität herausfinden, indem sie das „Bindungshormon“ Oxytocin untersuchen. Es hat eine stress- und angstmindernde Wirkung und fördert das Vertrauen zwischen Menschen. Da sich Menschen genetisch darin unterscheiden, wie viel Oxytocin in ihrem Körper verfügbar ist und wie dieses verarbeitet wird, könnte dies abweichendes Verhalten erklären. Auch die genetische Ausprägung des Oxytocinrezeptors könnte dabei eine Rolle spielen. 

Im Rahmen der Studie werden die Teilnehmer gebeten, einen finanziellen „Tauschhandel“ mit einer weiteren Person einzugehen, die ihnen jedoch unbekannt ist und bleibt. Durch diesen Tauschhandel kann in Abhängigkeit von den Entscheidungen der beiden Tauschpartner echtes Geld verdient werden. Im Anschluss daran sind kurze Fragebögen auszufüllen. Am Ende wird eine Speichelprobe abgenommen, um die genetische Variante des  Rezeptors für das Hormon Oxytocin zu bestimmen. Zusätzlich zu dem Geld, das im Tauschhandel erspielt wird, bekommt jeder Teilnehmer am Ende der Studie in jedem Fall eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 12 Euro bar ausgezahlt.

Informationen: Christine Anderl, Abteilung für Allgemeine Psychologie I, Campus Bockenheim, Tel. 0176-95 511511, studie-tauschhandel@stud.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 6 2013
11:10

Podiumsdiskussion des Frankfurter China-Instituts und des Exzellenzclusters „Normative Orders“ am 13. Februar 2013

Was ist mit den Menschenrechten in China?

FRANKFURT. Die Volksrepublik China erkennt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte offiziell an. Gleichwohl ist in der Presse immer wieder zu lesen, dass etwa Bundeskanzlerin Merkel oder Präsident Obama bei einem Staatsbesuch die Einhaltung der Menschenrechte anmahnen. Auf die wirtschaftlichen Beziehungen scheint das Thema gleichwohl keinen Einfluss zu haben. Die Frage jedoch bleibt: Macht sich China „objektiv“ einer Verletzung der Menschenrechte schuldig, oder interpretieren „der Westen“ und die kommunistischen Machthaber, unter Berufung auf eine spezifische chinesische Tradition, diese Rechte auf verschiedene Weise? Dann wäre vielleicht nichts mehr anzumahnen. Man müsste sich aber womöglich von der Universalität der Menschenrechte verabschieden. Auf die Erörterung dieser Gemengelage darf man gespannt sein bei der Podiumsdiskussion zum

Thema: „Menschenrechte in China“
am: Mittwoch, dem 13. Februar 2013, um 18.00 Uhr
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität,
Gebäude „Normative Ordnungen“,
Lübecker Straße / Ecke Hansaallee

Veranstalter der Podiumsdiskussion, zu der die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist, sind der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und das China-Institut an der Goethe-Universität. Als Diskutanten konnten zwei renommierte Kenner Ostasiens gewonnen werden: Prof. Harro von Senger ist emeritierter Professor für Sinologie am Schweizerischen Institut für Rechtsvergleichung, Prof. Heiner Roetz lehrt Geschichte und Philosophie Chinas an der Ruhr-Universität Bochum. Komplettiert wird das Podium durch zwei profilierte Wissenschaftler der Goethe-Universität, die auch die Moderation übernehmen. Vom Exzellenzcluster Normative Ordnungen, in dessen Räumlichkeiten die Diskussion stattfindet, kommt Prof. Rainer Forst, Professor für politische Philosophie und einer der Sprecher des Clusters. Der Sinologe Prof. Iwo Amelung ist stellvertretender geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien der Goethe-Universität.

Die Menschenrechte sind zu einer zentralen „normativen Ordnung“ der Moderne geworden. Im Westen verbindet man mit ihnen häufig einen universellen und kulturübergreifenden Geltungsanspruch. Ein Umstand wird dabei leicht übersehen, der in den Forschungsarbeiten des Exzellenzclusters zur Herausbildung normativer Ordnungen immer wieder Betonung findet: Während die westliche Welt die Menschenrechte vor dem Hintergrund eines Rechtfertigungsnarrativs versteht, das sich vor allem auf den Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus bezieht, werden sie in anderen Weltregionen eher im Horizont der negativen Erfahrungen mit westlichem Kolonialismus, dem Streben nach ökonomischer Hegemonie und Ausbeutung, gewaltsamer Verbreitung einer vermeintlich höheren Zivilisation, behaupteter kultureller Überlegenheit und Paternalismus wahrgenommen. Was die Gewichtung und Interpretation einzelner Rechte anbelangt, scheinen unterschiedliche Auffassungen – so eine weitverbreitete These – auch daran zu liegen, dass beispielsweise China den Fokus auf die Entwicklung des Wohlstands und der Lebensqualität der Bevölkerung legt. Der Westen hingegen sieht in den Menschenrechten primär den Schutz des Einzelnen vor Übergriffen des Staates.

Der Schweizer Sinologe Harro von Senger, der auch promovierter Jurist ist, lenkt in seinen Veröffentlichungen zur Menschenrechtsdiskussion und zu den Menschenrechten in China den Blick auch auf die Position der Volksrepublik: In China herrsche, so von Senger in einer Studie, zumindest von offizieller Seite der Eindruck, dass „der Westen zwar unter dem Banner des Universalismus scheinbar neutral und unparteiisch für ‚die’ Menschenrechte eintrete. In Wirklichkeit instrumentalisiere er aber insgeheim die Menschenrechtsfrage zur moralischen Verbrämung einer beinharten partikulären Interessenpolitik“. Von Senger selbst spricht westlichen Politikern das alleinige Auslegungsrecht zu Inhalt und Tragweite von Menschenrechten ab. Man müsse sehen und anerkennen, dass in China andere Rechte im Mittelpunkt stünden, beispielsweise soziale Rechte und das Recht auf Entwicklung.

Auch Heiner Roetz von der Ruhr-Universität weiß, dass die chinesische Führung eine Umsetzung von Menschenrechten vor allem damit verbindet, die nationale Entwicklung durch den Staat zu organisieren, um die materielle Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. „Mit dem Fokus auf das Kollektiv wird der ursprüngliche Gedanke der Menschenrechte allerdings ausgehöhlt, denn die Entwicklungspolitik ist ihrerseits nicht mehr an Standards des individuellen Rechtsschutzes kontrollierbar“, so Roetz in einem Aufsatz. Eine ähnliche Aushöhlung finde aber statt, „wenn Menschenrechte auf Freiheitsrechte reduziert werden und die soziale Gerechtigkeit außer Acht bleibt.“ Der Sinologe sieht im Konfuzianismus Anknüpfungspunkte für ein modernes Menschenrechtsdenken. Und schließlich: „Entscheidend ist nicht, wer die Menschenrechte auf seinem historischen Konto verbuchen zu können meint. Entscheidend ist, wer ohne Anmaßung überhaupt in ihrem Namen sprechen kann.“

Informationen: Prof. Iwo Amelung, Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien, Tel.: 069-798-22897, Amelung@em.uni-frankfurt.de, www.izo.uni-frankfurt.de, www.china-institut.info; Prof. Rainer Forst, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel.: 069-798- 31540, Sekretariat.Forst@soz.uni-frankfurt.de, www.normativeorders.net

Veranstaltungen

Feb 5 2013
13:16

Symposion: Methoden, Erkenntnisse und Konsequenzen der Hirnforschung. 9. Februar, Campus Westend

Eine Welt ohne Seele und freien Willen?

FRANKFURT. Werden wir künftig in einer „Welt ohne Seele und freien Willen“ leben?“ Genau diese Frage wirft ein wissenschaftliches Symposium auf, zu dem die EKHN Stiftung am 9. Februar 2013 in das Auditorium Maximum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt einlädt. Renommierte Hirnforscher, Mediziner, Philosophen, Theologen und Neurobiologen werden einen ganzen Tag lang in Einzelvorträgen Einblick in ihre wissenschaftliche Arbeit geben, ihre Ergebnisse und Erkenntnisse schildern und über deren Folgen und Implikationen miteinander diskutieren.

Eine Welt ohne Seele und freien Willen? Methoden, Erkenntnisse und Konsequenzen der Hirnforschung.

Öffentliches Symposium am 9. Februar 2013,
10.00 Uhr, Audimax Campus Westend, Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung haben der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Präsident der Goethe- Universität in Frankfurt am Main, Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, und Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität in Gießen, übernommen. Alle interessierten Bürger sind willkommen, um sich bei diesem Symposium über Methoden, Erkenntnisse und Konsequenzen der Hirnforschung zu informieren.

Bereits 2011 hatte die EKHN-Stiftung unter dem Titel „Energie –Klima – Verantwortung“ ein wissenschaftliches Symposium mit vorbereitendem Schülerseminar veranstaltet.

Weitere Informationen: www.ekhn-stiftung.de/symposium2013

Veranstaltungen

Feb 4 2013
09:04

Hans-Jörg Rheinberger, Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, spricht im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Naturwissenschaftliche Experimente und der produktive Umgang mit dem Nichtwissen

FRANKFURT. An Beispielen aus den Biowissenschaften des 20. Jahrhunderts wird der Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger, in seinem Vortrag am Donnerstag (7. Februar um 18.15 Uhr) die Verflechtungen von Wissensobjekten, wissenschaftlichen Techniken und Erkenntnismöglichkeiten erläutern. Seine Vorlesung „Über epistemische Dinge“ beschließt die öffentliche Veranstaltungsreihe „Vom Eigensinn der Dinge“ im Hörsaalzentrum (HZ 5) auf dem Campus Westend. Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl, Frankfurter Ethnologie und Direktor des Frobenius-Instituts.

Rheinberger, der Philosophie, Soziologie, Linguistik, sowie Biochemie, Biologie und Chemie studiert hat, beschäftigt sich mit der Geschichte des Experiments und der naturwissenschaftlichen Forschungspraxis. Seine Studien zeigen, wie Wissensobjekte als Teile von „Experimentalsystemen" als treibende Momente der Entwicklung der modernen Naturwissenschaften wirken, und damit die Wissenschaft voranbringen. Rheinberger hat wesentliche Studien zur Umgangsweise mit Dingen in den Wissenschaften verfasst und stellt dabei insbesondere „epistemische Dinge“ in den Mittelpunkt. Das sind Dinge, die Erkenntnisse möglich machen – oder sie behindern. Seine Art, die Rolle der Dinge zu verstehen, basiert auf philosophischen Konzepten, wie sie unter anderen Martin Heidegger und Jacques Derrida vertreten.

Sein Hauptaugenmerk richtet sich auf die „Strukturen des Experiments“, die er durch genaue rekonstruktive und ethnografische Analysen der biowissenschaftlichen Laborarbeit zu entschlüsseln sucht. Im Gegensatz zum üblichen Selbstverständnis der Naturwissenschaften zeigt Rheinberger auf, dass weniger Planung und Kontrolle, sondern mehr Improvisation und Zufall den Forschungsalltag prägen. Für Rheinberger zeichnen sich erfolgversprechende „Experimentalsysteme“ dadurch aus, dass sie den „epistemischen Dingen“ genügend Spielraum zur Entfaltung geben. Das Zutagetreten neuer Eigenschaften von Dingen ist nach Rheinberger für einen „produktiven Umgang mit Nichtwissen“ unerlässlich. Nach seiner Auffassung wird der materiellen Kultur der Wissenschaften oft nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. „Und doch wäre ohne sie die ständige, oft schrittweise erfolgende, manchmal auch Vertrautes durchbrechende Entwicklung unserer Wissenschaften undenkbar“, so Rheinberger.

Ethnologen und Archäologen des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ haben die Reihe „Vom Eigensinn der Dinge“ im Wintersemester im Rahmen der Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ gemeinsam konzipiert und organisiert. Die sechs prominent besetzten Vorträge haben gezeigt, wie wenig die bislang vorgestellten Ordnungen der Dinge ausreichend sind, um die Welt des Materiellen zu verstehen. Der Eigensinn der Dinge wurde dabei sowohl als Phänomen einzelner herausragender Objekte wie auch als Frage des Verstehens materieller Kultur insgesamt und damit nach der „conditio humana“ behandelt.

Informationen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel, Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend, 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.value-and-equivalence.de

Veranstaltungen

Feb 1 2013
11:16

Vortrag und Diskussion mit dem israelischen Philosophen Daniel Statman am 6. Februar am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Können Kriege gerecht sein?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Frage, ob und unter welchen Umständen ein Krieg als gerecht oder gerechtfertigt gelten kann, hat eine lange Tradition. Sie wurde von klassischen Autoren wie Augustinus und Thomas von Aquin ebenso erörtert wie von Martin Luther und Immanuel Kant. Die Theorie des gerechten Krieges, die „Just War Theory“, gehört auch in der modernen Philosophie und politischen Theorie zu den zentralen Gegenständen. Denn kriegerische Auseinandersetzungen sind mit so viel Tod und Leid verbunden, dass sich in der Tat immer wieder neu die Frage stellt, welche Rechtfertigung es dafür geben könnte. „Es scheint, als ob in einem Krieg, wenn er erst einmal begonnen hat, alle moralischen Schranken fallen, die im normalen Leben das Töten verhindern“, sagt der  israelische Philosophieprofessor Daniel Statman von der Universität Haifa. Statmans Überlegungen stehen im Mittelpunkt einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in englischer Sprache zum

Thema: „Can Wars be Just“
am: Mittwoch, dem 6. Februar 2013, um 19.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Daniel Statman ist zurzeit Fellow am Bad Homburger Kolleg. Eingeladen hat ihn die Forschergruppe „Justitia Amplificata: Erweiterte Gerechtigkeit – konkret und global“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Goethe-Universität gefördert wird. Trotz aller Kriegsgräuel, so der Wissenschaftler, der den einleitenden Vortrag des Abends halten wird, seien wohl fast alle Menschen und sicherlich alle Staaten der Meinung, dass Kriege moralisch gerechtfertigt sein könnten und dass es moralisch gerechtfertigte Kriege gebe oder gegeben habe. Diese Rechtfertigung werde in aller Regel mit dem Recht auf Selbstverteidigung verbunden, so Statman, der indes darauf hinweist, dass eben diese Art Rechtfertigung in den vergangenen Jahren besonders von britischen und amerikanischen Moralphilosophen scharf kritisiert worden sei. Daniel Statman möchte am Forschungskolleg über diese neue Kritik diskutieren und versuchen, eine Alternative zu der traditionellen Rechtfertigung zu entwickeln.

Die Moderation der Veranstaltung hat Klaus Günther, Frankfurter Professor für Rechtswissenschaft und Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg. Günther, der auch Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität ist, wird zudem die Begrüßung und Einführung übernehmen. Die weiteren Diskutanten sind der politische Philosoph Mattias Iser, Research Fellow der Forschergruppe „Justitia Amplificata“, sowie Darrel Moellendorf, Professor für Philosophie an der San Diego State University und aktuell ebenfalls Fellow und “Justitia”-Gastwissenschaftler am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Der israelische Philosoph Daniel Statman hat im Rahmen seiner Forschungen beispielsweise auch über philosophische Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts publiziert und  ebenso über das so genannte „Targeted Killing“, das gezielte Töten von mutmaßlichen Terroristen. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wirkt Statman an der Überarbeitung des ethischen Kodexes für Wehrdienstverweigerer der israelischen Armee mit und berät die israelische Krankenversicherung bei der Einführung neuer medizinischer Verfahren und Arzneimittel.

Die interessierte Öffentlichkeit ist zu der Veranstaltung nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Prof. Dr. Klaus Günther, Direktorium, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe- Universität, k.guenther@jur.uni-frankfurt.de; Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de  

Personalia/Preise

Jan 31 2013
15:52

Adolf Messer-Stiftung ermöglicht neues Angebot „Experiment und Simulation“

Spende für das Schülerlabor Physik

FRANKFURT. Die Adolf Messer-Stiftung unterstützt den Aufbau des Schülerlabors Physik an der Goethe-Universität in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 175.000 Euro. Das interdisziplinäre Projekt „Experiment und Simulation“ verbindet physikalische Experimente mit modernen Methoden der Informationstechnik. Schüler haben hier erstmals die Gelegenheit, die im Experiment beobachteten Phänomene am Computer zu simulieren und dadurch ein tieferes Verständnis des Experiments zu entwickeln. Ein geplantes Thema nutzt zum Beispiel die Video-Analyse von Bewegungen am Computer, wobei Schüler selbst interessante Bewegungen filmen.

„Die Naturwissenschaften nutzen heute den Computer sowohl zum Messen im Experiment als auch zum Simulieren ihrer Modelle, die die Realität beschreiben sollen. Um ein realistisches Bild von Naturwissenschaft aufzuzeigen, sollte sich dies auch im naturwissenschaftlichen Unterricht widerspiegeln“, erläutert Prof. Thomas Wilhelm. Er wurde 2012 als Professor für Didaktik der Physik an die Goethe-Universität berufen und ist nun mit dem Aufbau des Schülerlabors Physik betraut. Dass er diese Herausforderung für die didaktische Forschung und Lehre zu meistern versteht, bestätigte sich vor einigen Monaten, als er für seine bisherige Forschung mit einem der Polytechnik-Preise für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ausgezeichnet wurde.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl dankte den Stiftern für die Unterstützung des innovativen und frühfördernden Schülerprogramms: „Wir sind überzeugt, dadurch einen wichtigen Beitrag leisten zu können, um dem drohenden Nachwuchskräftemangel sowohl im akademischen als auch im wirtschaftlichen Umfeld entgegenzuwirken.“ Die Adolf Messer-Stiftung engagiert sich seit vielen Jahren an der Goethe-Universität. Seit 1999 hat sie den Fachbereich Medizin mit circa fünf Millionen Euro unterstützt, von denen überwiegend medizinische Geräte und Laborbedarf finanziert wurden. Nachwuchswissenschaftler fördert die Stiftung seit 1994 mit dem jährlich vergebenen Adolf Messer-Preis.  „Wir freuen uns, dass wir nun über die Förderung des Schülerlabors bereits bei Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen das Interesse für naturwissenschaftliches Arbeiten wecken und vertiefen können“, so Stefan Messer, Enkel des Stiftungsgründers und geschäftsführender Gesellschafter der Messer Group GmbH. Das Labor wird künftig den Namen tragen „Goethe Schülerlabor Physik, gefördert von der Adolf Messer-Stiftung“.

Das Physiklabor, das nun eingerichtet werden soll, ist neben den bereits etablierten Schülerlaboren in der Chemie und Biologie das dritte Schülerlabor auf dem Campus Riedberg. Die Einrichtung eines Simulationslabors Mathematik/Informatik ist für das Sommersemester 2013 geplant. Beide Labore gehören zum GoetheLab, einem Zusammenschluss der Schülerlabore und weiterer Schul-Initiativen aus Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität. Ihr Ziel ist es, künftige Studierende bereits während der Schulzeit durch interdisziplinäre Projekte für das wissenschaftliche Arbeiten zu interessieren. Besonderes Gewicht liegt dabei auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)

Informationen: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47845; wilhelm@physik.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jan 31 2013
12:57

Renommierte Kultursoziologin bald häufiger in Frankfurt – Ihr Thema: Gefühle in Zeiten des Kapitalismus

Forschungspreis der Humboldt-Stiftung ermöglicht Eva Illouz enge Kooperation mit Institut für Sozialforschung

FRANKFURT. Heute gab die Alexander von Humboldt-Stiftung bekannt, dass die international renommierte Kultursoziologin Eva Illouz mit dem Anneliese Maier-Forschungspreis ausgezeichnet wird. Mit dem Preisgeld von 250.000 Euro kann sie über einen Zeitraum von fünf Jahren ihre Forschungskooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland finanzieren – und da steht das Institut für Sozialforschung an erster Stelle. Prof. Dr. Axel Honneth, Direktor des Instituts für Sozialforschung, ein An-Institut der Goethe-Universität, hatte Eva Illouz für diesen Preis nominiert: „Die Studien von Eva Illouz können als Meilenstein gewertet werden, wenn es darum geht, wie Emotionen und Beziehungsverhalten in der kapitalistischen Moderne geformt werden.“

Der Preis wird in diesem Jahr zum zweiten Mal an insgesamt sieben herausragende ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben. Dieser neue Kooperationspreis soll die Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland fördern.

„Was empfinden Sie als romantische Augenblicke?“ fragte die Kultursoziologin Eva Illouz in einer Studie, und die Interviewten antworteten: Das Tägliche hinter sich lassen, um einzigartig zu zweit zu sein. Diese Einzigartigkeit beschrieben sie mit dem Konsum von Luxusartikeln oder der zeremoniellen Ausschmückung ihrer romantischen Erlebnisse. Als eine neue Kultur der Emotionen im Kapitalismus deutet Illouz die Ergebnisse dieser Untersuchung – 1997 veröffentlicht und 2003 auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Der Konsum der Romantik“. Diese Veröffentlichung machte die seit 2000 an der Hebrew University Forschende als Soziologin und Anthropologin weltbekannt. Im vergangenen Jahr erschien ihr vielbeachtetes, zunächst auf Deutsch erschienenes Buch „Warum Liebe weh tut“.

Honneth freut sich darauf, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut für Sozialforschung und an der Goethe-Universität nun ihre Kooperation mit der 52-jährigen Forscherin vertiefen können: z. B. „Die Frage, bis zu welchem Grad Gefühle und persönliche Beziehungen durch die Imperative der kapitalistischen Wirtschaft beeinflusst werden können, beflügelt schon seit einigen Jahren meine Diskussionen mit Eva Illouz“, so Honneth. Er sei auf die Fortsetzung des Disputs gespannt, da ihre Diagnosen inzwischen stärker voneinander abwichen: „Zu Anfang stimmten wir darin überein, dass gerade Liebe und Freundschaft eine Resistenzkraft gegenüber bloßen Erwägungen der Nützlichkeit haben, wenn der Druck der Vermarktlichung zunimmt.“ In dem neuesten Buch „Warum Liebe weh tut“ überwiegt nach Honneths Einschätzung ein pessimistischer Zug, den er so nicht teilen kann: „Illouz geht davon aus, dass gegenwärtige Liebesbeziehungen bis in die emotionalen Präferenzen hinein von Belangen der persönlichen Vermarktung und ökonomischen Anpassung durchdrungen sind.“ Dagegen ist Honneth der Auffassung, dass Prozesse der Ökonomisierung nicht so vollständig in die persönlichen Erfahrungen von Liebe und Freundschaft eindringen, sie vielmehr weiterhin ein Resistenzpotenzial bilden. Diesen abweichenden Meinungen wollen die beiden Sozialwissenschaftler weiter nachgehen.

In den kommenden Jahren will die Kultursoziologin in Kooperation mit Wissenschaftlern des Instituts für Sozialforschung in einer empirischen Studie verfolgen, welchen Einfluss der Gebrauch des Internets auf die Formung der Persönlichkeit und der Identität hat. Dabei kann das Institut bereits auf Ergebnisse einer Untersuchung zurückgreifen, in der sich Forscher damit beschäftigt haben, wie die wachsende Nutzung des Online Dating die Anbahnung von Liebesbeziehungen verändert. Illouz gilt nicht nur als ausgewiesene Expertin in den Methoden der empirischen Sozialforschung – von der Auswertung statistischer Daten und Fragebögen bis hin zu Einzelinterviews, Bildinterpretationen und Filmanalysen; für Honneth ist auch immer wieder beeindruckend, wie sie die Lücken in der Deutung ihres empirischen Materials schließt: „Geradezu spielerisch verfügt Eva Illouz über die ganze Breite der soziologischen Theoriebildung.“ Und was will die Wissenschaftlerin mit diesem Ansatz erreichen? Das lässt sich – so Honneth – am besten mit Michel Foucaults Perspektive erklären: „Der Zustand unserer sozialen Lebenswelt soll uns im Brennglas all der ihr potentiell innewohnenden Gefahren gezeigt werden, so dass wir noch früh genug Anstrengungen zur Besserung unternehmen können.“

Zur Person: Eva Illouz wurde 1961 als Tochter eines jüdischen Juweliers in Fes (Marokko) geboren. Als sie zehn war, zog die Familie nach Frankreich, sie ging in Sarcelles zur Schule, studierte anschließend Literatur, Soziologie und Kommunikation in Paris, Jerusalem und in Pennsylvania. Nach ihrer Promotion in den USA war Illouz u.a. an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris und an der Princeton University, New Jersey, tätig. Seit 2006 lehrt und forscht sie als Professorin an der Hebrew University in Jerusalem. Auch am Wissenschaftskolleg in Berlin verbrachte sie ein Forschungsjahr; 2004 hielt sie am Institut für Sozialforschung die Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2009 wurde die weltläufige Kultursoziologin von der Wochenzeitung „Die Zeit“ in eine Reihe von 12 internationalen Intellektuellen gewählt, deren Argumente man hören sollte, weil sie möglicherweise neue Wege für die Zukunft öffnen. Ihr Mann ist Professor für Ökonomie ebenfalls an der Jerusalemer Universität. Eva Illouz hat drei Söhne.

Der Anneliese Mayer-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Er ist nach der deutschen Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Anneliese Maier (geb. 1905 in Tübingen, gest. 1971 in Rom) benannt. Ihre internationale Biographie war ungewöhnlich für die Zeit und ihre wissenschaftlichen Traditionen. Maier erforschte die Entstehung des neuzeitlichen wissenschaftlichen Denkens vom 14. bis zum 18. Jahrhundert besonders in den Naturwissenschaften. Die Preisverleihung wird im Herbst 2013 stattfinden. Die vier Preisträgerinnen und drei Preisträger wurden unter insgesamt 54 Nominierten aus 26 Ländern ausgewählt. Die meisten Nominierten kamen aus den USA (12), Großbritannien (8), Israel (4) sowie Australien und Italien (jeweils 3).

Informationen: Prof. Dr Axel Honneth, Institut für Sozialforschung, Tel.(069) 798-32632

Ein Bild zum Download von Eva Illouz finden Sie hier. / Fotograf: David Vinocur

Forschung

Jan 31 2013
11:02

Weibchen des Atlantik Kärpflings gehen sexuell aktiveren Gewinnern eines Zweikampfs aus dem Weg

Der Verlierer hat Glück bei den Frauen

Weibchen des Atlantik-Kärpflings (Poecilia mexicana) bevorzugen eigentlich große, starke Männchen. Wenn sie diese aber bei einem siegreichen Kampf beobachtet haben, entscheiden sie sich eher für das Verlierermännchen. Das haben Frankfurter Biologen von der Goethe-Universität herausgefunden. Sie erklären dieses Verhalten damit, dass Männchen nach einem gerade gewonnen Kampf die Weibchen stärker sexuell bedrängen.

In der Natur gilt meist das Recht des Stärkeren: Wer oben in der Hierarchie steht, darf sich größere und bessere Futterbrocken nehmen und sich mit den hochwertigsten Weibchen paaren. Und diese Weibchen bevorzugen oft die dominanten Siegertypen, denn dann bekommen auch sie mehr und besseres Futter, und die gemeinsamen Kinder haben gute Chancen, auch mal nach ganz oben zu kommen. Dass Weibchen allerdings sehr viel wählerischer in Bezug auf die potentiellen Väter ihrer Kinder sind, konnten jetzt die Biologen David Bierbach und Martin Plath von der Goethe-Universität Frankfurt zeigen.

Die Wissenschaftler spielten Weibchen des lebendgebärenden Atlantik-Kärpflings (Poecilia mexicana) zuerst Videos von zwei etwa gleich großen Männchen vor. Wie erwartet, zeigten die Weibchen keine Präferenz für einen der potentiellen Partner, denn sie geben normalerweise dem größeren Männchen den Vorzug. Deshalb hielten sie sich neben beiden Videos, die nahe am Versuchsbecken aufgestellt waren, gleich häufig auf.

Danach wurden der Hälfte der Weibchen Videos vorgespielt, auf denen die zuvor gesehenen Männchen mit einander kämpften. In jedem der Kämpfe gab es am Ende einen klaren Gewinner. Erneut vor die Wahl gestellt, verbrachten die Weibchen nun überraschenderweise mehr Zeit bei dem Verlierermännchen. In der Kontrollgruppe wurden die Weibchen dagegen nicht Zeuginnen des Kampfes, sondern erhielten lediglich die Gelegenheit, beide Männchen direkt nebeneinander für längere Zeit in einem Video zu vergleichen. Diese Weibchen verbrachten mehr Zeit neben den Siegern. „Interessant ist, dass die Weibchen des Atlantik-Kärpflings offenbar fähig sind, potentielle Gewinner zu identifizieren, ohne sie jemals beim Kämpfen beobachtet zu haben“, erklärt David Bierbach.

Warum es für ein Weibchen vorteilhaft ist, Gewinnermännchen direkt nach einem Kampf zu meiden, untersuchten die Forscher in einem weiteren Experiment. Sie stellten fest, dass die Gewinner nach dem Kampf sexuell deutlich aktiver waren, was auf die erhöhte Ausschüttung von Sexualhormonen nach dem Sieg zurückzuführen ist. Für die Weibchen ist die gesteigerte Paarungsrate allerdings wenig vorteilhaft, weil sie dadurch Zeit zum Fressen verlieren oder auch häufigere Verletzungen ihres Genitaltraktes in Kauf nehmen müssen.

„Unsere Studie zeigt, wie stark das weibliche Partnerwahlverhalten von Informationen aus dem sozialen Umfeld abhängt und wie kompliziert auch das Liebesleben eines Fischweibchens sein kann“, folgert Martin Plath. Auch im Tierreich gilt demnach nicht immer: The winner takes it all.

Publikation: Bierbach D, Sassmannshausen V, Streit B, Arias-Rodriguez L, Plath M: Females prefer males with superior fighting abilities but avoid sexually harassing winners when eavesdropping on male fights. Behavioral Ecology and Sociobiology (in press) DOI 10.1007/s00265-013-1487-8

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:

  1. Gruppe von Atlantik Kärpflingen.
  2. Ein männlicher und zwei weibliche Atlantik Kärpflinge.
  3. Zwei männliche Atlantik Kärpflinge.

Bilderechte: David Bierbach


 




Erläuterung zum Video: Männliche Atlantikkärpflinge kämpfen intensiv miteinander. Dazu stellen sie ihre Flossen auf, um größer zu wirken. Sie schlagen sich die Schwanzflossen gegenseitig in die Flanken, rammen und beißen einander. Am Ende eines Kampfes wird das unterlegene Tier, erkennbar an den eingefalteten Flossen, vom Gewinner verjagt.

Informationen: David Bierbach, Privatdozent Dr. Martin Plath, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42172; - 42169; Bierbach@bio.uni-frankfurt.de; mplath@bio.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 30 2013
11:23

Begabte Schülerinnen und Schüler sollen bei der Studienwahl unterstützt werden – Bundesweite Ausschreibung – Bewerbungsschluss 1. April 2013

Zweiter Frankfurter Schülercampus: „Wissenschaft entdecken! Universität erleben!“

FRANKFURT. „Wissenschaft entdecken! Universität erleben!“ – unter diesem Motto steht der Schülercampus, den die Goethe-Universität vom 7. bis 13. Juli 2013 zum zweiten Mal veranstaltet. Ziel dieses Sommerkurses ist es, begabte Schülerinnen und Schüler bei der Studienorientierung zu unterstützten. Sie werden von Wissenschaftlern der Universität exemplarisch an einzelne Fächer sowie deren Fragestellungen und Methoden herangeführt. Interessierte Jugendliche aus ganz Deutschland können sich bis zum 1. April für einen der 90 Plätze bewerben und zwischen einer geistes- und sozialwissenschaftlichen sowie einer naturwissenschaftlichen Programmlinie wählen.

Im vergangenen Jahr startete der Schülercampus als Pilotprojekt und stieß auf große Resonanz; insgesamt 280 Bewerbungen aus allen Bundesländern gingen an der Goethe-Universität ein. Der 18-jährige David Jansen aus Nordrhein-Westfalen, einer der Teilnehmer des letztjährigen Schülercampus, resümiert: „Es war eine tolle Woche, die mir bei meiner Studienorientierung sehr weitergeholfen hat. Aber auch daneben gab es tausend Dinge, für die sich der Schülercampus gelohnt hat!“ Mit seiner Einschätzung ist er nicht allein, wie die positive Evaluation des Projektes zeigte. „Dies bestärkt unsere bisherigen Erfahrungen, dass auch begabte Schüler Angebote benötigen, die ihnen die Wahl eines passenden Studienfaches erleichtern“, so Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der für die Durchführung zuständigen Stabsstelle. Der Schülercampus bietet einen umfassenden Einblick in die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften und thematisiert zugleich deren berufliche Perspektiven – ein Aspekt, der bereits bei der Studienwahl eine wichtige Rolle spielt. „Wir sind natürlich auch sehr daran interessiert, leistungsstarke und motivierte Schülerinnen und Schüler auf die Goethe-Universität aufmerksam zu machen. Mit dem Schülercampus bieten wir ihnen ein innovatives und anspruchsvolles Angebot zur Studienorientierung“, betont Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Das geistes- und sozialwissenschaftliche Programm gibt den Teilnehmern in verschiedenen Workshops Einblick in spezifische Gegenstände und Methoden einzelner Fächer. So vermittelt Prof. Vinzenz Hediger vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften, was es bedeutet, Filme aus geisteswissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen, und führt die Schüler hierzu auch ins Frankfurter Filmmuseum.  Der Philosophie-Workshop von Dr. Claudia Blöser stellt den Begriff der Verantwortung in den Mittelpunkt. Im Workshop des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Jan Landwehr lernen die Schüler die wesentlichen Schritte und Aufgaben eines wissenschaftlich fundierten Marketings kennen.

Im naturwissenschaftlichen Programm verbringen die Schüler den Großteil der Woche in einer fachspezifischen Arbeitsgruppe. Dort gehen sie zusammen mit Wissenschaftlern im Seminarraum, in Forschungslaboren sowie auf Exkursionen einer konkreten Fragestellung auf den Grund. Prof. Andreas Engel leitet etwa eine Meteorologie-AG, in der die Schüler den Transport und die Phasenübergängen des Wassers experimentell und theoretisch untersuchen, um deren Bedeutung für die Erdatmosphäre besser zu verstehen. In der AG Chemie/Biochemie unter Anleitung von Prof. Arnim Lühken bearbeiten die Schüler in Zweierteams unterschiedliche Themen, beispielsweise das Analyseverfahren der NMR-Spektroskopie oder die Polymerase-Kettenreaktion, eine Methode zur Vervielfältigung von DNA-Sequenzen.

Für das einwöchige Programm inklusive Übernachtung und Verpflegung zahlen die Schüler einen Teilnahmebeitrag von 180 Euro. Die Reisekosten werden bis zu 100 Euro erstattet. Der Schülercampus wird gefördert durch das Programm „Wandel gestalten!“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung sowie durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die FAZIT-Stiftung und die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Informationen: Dr. Benjamin Gilde, Stabsstelle für Lehre und Qualitätssicherung, Tel.: (069) 798-22457, schuelercampus@uni-frankfurt.de.

Bewerbungen unter www.schuelercampus.uni-frankfurt.de

Fotos vom Schülercampus 2012: Download (.zip).

Forschung

Jan 30 2013
11:19

Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung Hans Heino Ewers zu der Debatte über diskriminierende Begriffe in Kinderbüchern

Plädoyer für eine sprachliche Anpassung mit Augenmaß

FRANKFURT. Seit der Thienemann Verlag um 8. Januar verkündete, dass Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ künftig ohne die diskriminierenden Begriffe „Negerlein“ und „Neger“ erscheinen wird, ist in den deutschsprachigen Feuilletons eine leidenschaftliche Debatte ausgebrochen: „Political Correctness“ versus „Euphemismus-Tretmühle“, Werktreue versus freiwillige Anpassung an den aktuellen Sprachgebrauch. Wie steht der Literaturwissenschaftler und Direktor des Frankfurter Instituts für Jugendbuchforschung, Prof. Dr. Hans-Heino Ewers zu dieser Diskussion, die bereits vor einigen Jahren zu Pippi Langstrumpfs Vater, inzwischen von Negerkönig zum Südseekönig mutiert, geführt wurde?

Ewers plädiert dafür, die aktuellen Leseausgaben an den heutigen Sprachgebrauch anzupassen, aktuell hochgradig belastete Wörter, die bereits jüngere Kinder als diskriminierend empfinden, sollten durch gleichbedeutende unbelastete Wendungen ersetzt werden. „Eingriffe dieser Art bedeuten keine Entstellung des Textes; sie dienen im Gegenteil dem aktuellen Verständnis seiner ursprünglichen Intention.“ Der Germanist nennt dafür ein nicht so geläufiges und weniger emotionalisiertes Beispiel: „Wenn in einem Märchen aus der Zeit von Klassik und Romantik von einem ‚blöden Kind‘ die Rede ist, dürfte kein kindlicher Leser von selbst die damalige Bedeutung von ‚blöde‘ herausfinden; in einer Leseausgabe von heute sollte es deshalb ‚schüchternes Kind‘ heißen.“

Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter seien noch nicht in der Lage, historische Texte als solche zu identifizieren, deshalb sei es notwendig, diese Literatur dem sprachlichen Wandel anzupassen: „Vor- und mitlesende Erwachsene könnten ihnen zwar erklärend beistehen, in der zu fördernden selbständigen Lektüre sind sie jedoch ohne Begleitung. Damit ist die Gefahr von Missverständnissen gegeben.“ Der Experte für Kinder-und Jugendliteratur leugnet nicht, dass die freiwilligen, so doch gesellschaftlich erwünschten Anpassungsprozesse immer komplexer werden. Literaturwissenschaftler sollten dort Einspruch erheben, „wo im Windschatten vertretbarer Eingriffe Kinderbücher aus falschen Rücksichten weichgespült und in der Substanz beschädigt werden“.

Veränderungen in aktualisierten Ausgaben genauer zu verfolgen und im historischen Kontext zu untersuchen, ist ein spannender Forschungsgegenstand, zu dem es auch an der Goethe-Universität auf dem Gebiet der Märchenforschung bereits interessante Arbeiten gibt. „Ältere Kinderbücher sind, was ihren Sprachgebrauch angeht, aus ihrer Entstehungszeit heraus zu verstehen – mit anderen Worten als historische Texte zu lesen. Die zu Klassikern gewordenen  Kinderbücher einer Astrid Lindgren, eines Otfried Preußler oder eines Michael Ende deshalb als rassistisch zu bezeichnen, weil sie Wörter enthalten, die heute aus gutem Grund tabu sind, ist abwegig,“ so der Frankfurter Literaturwissenschaftler.

Ewers macht darauf aufmerksam, dass sprachliche Eingriffe sich nicht nur auf den Bereich der Kinderbücher beschränken: „Nahezu alle Leseausgaben älterer Werke der Allgemeinliteratur beruhen auf einer unterschiedlich weitreichenden Textbearbeitung. Dabei geht es nicht nur um eine Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung und Zeichensetzung; oft werden auch heute nicht mehr verständliche altertümliche Wendungen ersetzt. Auskunft darüber wird, wenn überhaupt, nur im Kleingedruckten gegeben. Wirklich sakrosankt ist der ursprüngliche Text nur im Fall von historisch-kritischen Editionen.“ Es seien jedoch die jeweils aktuellen Leseausgaben, welche die Klassiker – dazu gehörten auch die aus anderen Sprachen – lebendig, zugänglich und verständlich hielten.

Informationen: Prof. Dr Hans-Heino Ewers, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel.: (069) 798-32997, ewers@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 28 2013
13:43

Deutschlandweite Umfragen zum Thema: vorurteilsmotivierte Gewalt gegen Gruppen

Wenn Vorurteile zu Gewalttaten führen

FRANKFURT. Das von der EU geförderte Forschungsprojekt „When Law and Hate Collide“ beschäftigt sich mit vorurteilsmotivierter Gewalt, sogenannten Hate Crimes. Ein Hate Crime bezeichnet jegliche Gewalttat, die sich gegen eine Person oder Eigentum wendet, aufgrund der wahrgenommenen Gruppenzugehörigkeit des Opfers. Die Motivation für die Gewalttat sind Vorurteile des Täters gegenüber dieser Gruppe. Die Gewalttat richtet sich somit nicht nur direkt gegen die Person, sondern gegen die Gruppe, als deren Stellvertreter die Person gesehen wird.

Das Forschungsteam besteht aus drei Partnern: die University of Central Lancashire, der University of Gothenburg und der Goethe Universität. Ziel des Projektes ist eine Empfehlung zur europaweiten Hate Crime Policy aus der juristischen, ethisch-philosophischen und psychologischen Perspektive zu geben, wobei die Universität Frankfurt den inhaltlichen Schwerpunkt auf letzteres setzt, insbesondere auf Fragen zu Präventionsmöglichkeiten sowie zu Opfer- und Täterperspektiven.

In diesem Rahmen haben Professor Michael Fingerle und Caroline Bonnes zwei deutschlandweite Umfragen zum Thema vorurteilsmotivierte Gewalt durchgeführt. Zum einen wurden Personen befragt, die innerhalb einer Organisation arbeiten, die sich gegen Diskriminierung und Gewalt einsetzten. Zum anderen wurden Personen, die unterschiedlichen „Gruppen“ angehören, die von vorurteilsmotivierter Gewalt betroffen sind oder betroffen sein könnten, zu ihrer Erfahrung mit Hate Crime und ihrer Meinung bezüglich eines Hate Crime Gesetzes in Deutschland befragt. Zu den Befragten gehörten u.a. Menschen mit Behinderung, mit unterschiedlicher sexueller Orientierung, mit Migrationshintergrund oder auch Angehöriger sogenannter Subkulturen, wie z.B. Gothics oder Punks.

Die Ergebnisse der Umfragen werden Ende Januar 2013 im Rahmen einer Projektabschlusskonferenz in Brüssel vorgestellt. Zu der Konferenz sind europaweit Experten aus Politik, Wissenschaft und Nichtregierungs-Organisationen eingeladen. Die Vorträge werden auf der Konferenz als Podcast aufgenommen und im Nachhinein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Weitere Informationen
Projektwebsite: http://www.uclan.ac.uk/schools/lancashire_law_school/law_hate_collide.php; Hate Crime Umfrage: https://de.surveymonkey.com/s/HateCrimeSurvey

Veranstaltungen

Jan 28 2013
10:39

Gegen den Mangel an Fachkräften: Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) entwickelt mit Partnern branchenspezifische Strategiekonzepte

Hessische Betriebe bei Qualifzierung von ungelernten Mitarbeitern auf neuen Wegen

FRANKFURT. Um den Bedarf an Fachkräften in kleinen und mittleren Unternehmen zu decken, reichen traditionelle Wege wie eine Ausbildung oft nicht mehr aus: Das aktuelle IAB-Betriebspanel Hessen zeigt, dass in Betrieben mit bis zu 250 Mitarbeitern, insbesondere aber in Kleinstbetrieben, circa 23 Prozent der qualifizierten Stellen unbesetzt bleibt. Das Frankfurter Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität veranstaltet am Donnerstag (31. Januar) eine Tagung, bei der es um innovative Strategiekonzepte in der Nachqualifizierung von un- und angelernten Beschäftigten geht.

Die Expertinnen des IWAK wollen die unterschiedlichen Fäden der aktuellen Fachdiskussion aufnehmen und branchenspezifische Aspekte gemeinsam mit Partnern aus der Praxis vorstellen, dazu gehören Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, dem Bildungsbereich und der Arbeitsvermittlung. Die Geschäftsführerin des Instituts, Dr. Christa Larsen, erläutert: „Es wird immer entscheidender für die einzelnen Betriebe, angelernte Beschäftigte aus und in ihrem eigenen Haus nachzuqualifizieren. Dies erfordert ein Umdenken von allen Beteiligten.“ Betriebe, aber auch die ungelernten Beschäftigten, die zudem oft keinen Schulabschluss haben, müssen erst für die Möglichkeiten der Nachqualifizierung sensibilisiert werden.

Nachqualifizierung heißt konkret: Über arbeitsnahe Wege werden Qualifikationen vermittelt, die im Idealfall zu einer Externenprüfung bei den IHKn führen. Dies erfordert auf die Branchen zugeschnittene Weiterbildungsangebote, die so gestaltet sind, dass die angesprochene Klientel sie annimmt und die Betriebe einen direkten Nutzen erfahren. Bei der Tagung referieren zu diesen Feldern: Charlotte Venema, Leiterin Berufliche Bildung und betriebliche Personalpolitik, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, zu „Unternehmen für Nachqualifizierung gewinnen“ und Birgit Groß, Leiterin des DGB-Bildungswerk Hessen zu „Betriebsräte als Motoren betrieblicher Nachqualifizierung“.

Aus den Vorgesprächen und ersten Erhebungen weiß die Soziologin Sophie Westenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin in diesem IWAK-Strategieprojekt „Branchenspezifische Nachqualifizierung un- und angelernter Beschäftigter in Kleinen und Mittleren Unternehmen in Hessen“: „Un- und Angelernte, die beispielsweise einem Produktionsbetrieb seit langer Zeit verbunden sind, haben teilweise ein mangelndes Qualitätsbewusstsein. Sie können durch gezielte und arbeitsplatznahe Schulungen in die Lage versetzt werden, weitergehende Aufgaben in der Produktion zu übernehmen.“ Und Miriam Sophie Wiesen, ebenfalls Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, das vom Hessischen Wirtschaftsministerium und Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union bis 2014 gefördert wird, ergänzt: „Und im Einzelhandel, in dem kundenorientierte Kommunikation den Schlüssel zum erfolgreichen Verkaufen darstellt, können Un- und Angelernte durch individuelle Verkaufstrainings aktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen.“

Studien zur betrieblichen Weiterbildung zeigen: Diese Beschäftigen kommen nur in circa 10 Prozent der Fälle in den Genuss einer Weiterbildung, was deutlich unter dem Durchschnitt liegt. „Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Beschäftigte, die als Un- und Angelernte beschäftigt sind, weniger motiviert wären. Wir müssen vielmehr gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Bildungsbereich die Betriebe direkt ansprechen – auch nach Branchen orientiert – damit diese Betriebe die vorhandenen Potenziale auch strategisch nutzen“, so Dr. Larsen.

In diese Phase steigt das Projektteam jetzt ein: So sollen passgenaue Lösungen mit den Betrieben entwickelt und erprobt werden, die diese in die Lage versetzen, ihren Bedarf an Fachkräften auch auf diese Weise aktiv decken zu können. Die Partner in den Projektbranchen sind: „Bildungszentrum des Hessischen Handels gGmbH“ im Einzelhandel, „Bildungswerk Spedition und Logistik e.V.“ und „triple innova GmbH“ in der Logistik, „Internationaler Bund e.V. Verbund Hessen“ im Hotel- und Gaststättengewerbe, „maxQ im bfw-Unternehmen für Bildung“ in der Gesundheits- und Pflegebranche sowie „MYPEGASUS GmbH“ und „TÜV Rheinland Akademie GmbH“ im Produzierenden Gewerbe.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798- 22152, C.Larsen@em.uni-frankfurt.de, Miriam Sophie Wiesen, Tel.: (069) 798- 25472, wiesen@soz.uni-frankfurt.de, und Sophie Westenberger , Tel.: (069) 798-28923, (westenberger@em.uni-frankfurt.de. Infos zum Projekt und zur Tagung im Internet: www.nachqualifizierung-hessen.de und www.iwak-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 25 2013
13:23

Vortrag von Prof. Ute Frevert, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Konjunktur der Gefühle: Früher ging es um Ehre, heute um Empathie

FRANKFURT. „Vergängliche Gefühle“ hat die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Prof. Ute Frevert, ihren öffentlichen Vortrag genannt, den sie am 30. Januar im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität hält. Beginn ist um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend. Im Titel steckt auch Freverts zentrale These: Gefühle sind nicht nur per se vergänglich, sie sind es auch in der historischen Zeit.

Dies konkretisiert die Historikerin in ihrer Ankündigung: „Es gibt Gefühle – Beispiel: Ehre –, die uns fremd geworden sind, die aber unseren Groß- und Urgroßeltern noch vertraut waren. Umgekehrt finden heute Empfindungen großen Anklang – Beispiel: Empathie –, um die sich vormoderne Gesellschaften kaum scherten.“ Wie sich solche emotionalen Konjunkturen erklären lassen, darüber wird Ute Frevert in ihrem Vortrag sprechen. Voraussichtlich im März wird der Vortrag in erweiterter Form als Taschenbuch in der Reihe „Historische Geisteswissenschaften“ erscheinen.

Frevert, die seit 2008 Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin ist, widmet sich in ihrer Forschung der Geschichte der Gefühle aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Zentrum stehen die Fragen: Haben Gefühle eine Geschichte? Und: Machen Gefühle Geschichte? In engem Gespräch mit Psychologen und Erziehungswissenschaftlern, aber auch mit Ethnologen, Soziologen, Literatur-, Kunst- und Musikwissenschaftlern erkunden Historiker die Gefühlsordnungen der Vergangenheit. Sie gehen davon aus, dass Gefühle – Empfindungen und ihr Ausdruck – kulturell geformt und sozial erlernt werden. Was jemand in einer bestimmten Situation oder gegenüber einer anderen Person und Sache fühlen oder zeigen darf und was nicht, ist gesellschaftlich normiert und damit historisch variabel.

Frevert nimmt mit ihrem Team verschiedene Gesellschaften in den Blick und untersucht sie auf ihre emotionalen Codes, Regime und Lexika. Zeitlich konzentriert sich die Analyse auf das 18., 19. und 20. Jahrhundert; räumlich geht es um eine Kontrastierung europäisch-westlicher und südasiatischer Gesellschaften. Ein weiteres Interesse richtet sich auf die Geschichtsmächtigkeit von Gefühlen. Gefühle, so die Annahme, motivieren Handlungen und steuern Entwicklungen. Sie sind und waren daher bevorzugter Gegenstand von Manipulation und Instrumentalisierung, in politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie im privaten und zivilgesellschaftlichen Bereich. An welche Gefühle wurde wann von wem mit welchem Ziel appelliert? Inwieweit trugen Gefühle zur Bildung und Auflösung sozialer Gruppen und Bewegungen bei? Solche (und andere) Fragen bestimmen einen Forschungsbereich, in dem es darum geht, ein zentrales Element menschlicher Entwicklung zu historisieren, d.h. in seiner Abhängigkeit von Zeit und Raum zu analysieren.

Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Jan 25 2013
13:20

Eine öffentliche Veranstaltung des Lektorats Niederländisch auf dem Campus Westend

Kader Abdolah liest aus seinem Roman „Das Haus an der Moschee“

FRANKFURT. Seitdem sein Roman „Das Haus an der Moschee“ vom Niederländischen ins Deutsche übersetzt wurde, ist der 1954 im Iran geborene Schriftsteller Kader Abdolah auch für das deutsche Publikum kein Unbekannter mehr. Er avancierte inzwischen zu einem der wichtigsten modernen niederländischen Schriftsteller, dessen Werke in viele Sprachen übersetzt wurde. Jetzt kommt Abdolah zu einer Lesung an die Goethe-Universität: Am Donnerstag (31. Januar) um 19 Uhr trägt er auf Niederländisch aus diesem bekannten Roman vor, die deutsche Übersetzung übernimmt der Frankfurter Literaturwissenschaftler Prof. Robert Seidel. Die Veranstaltung findet auf Initiative des Lektorats Niederländisch des Fachbereichs Neuere Philologien auf dem Campus Westend, IG-Farben-Haus, Eisenhowerraum (Raum 1.314) statt, der Eintritt ist frei.

Abdolah kam 1988 als politischer Flüchtling in die Niederlande, wo der damals 34-jährige Journalist, Publizist und Naturwissenschaftler die niederländische Sprache lernen musste. Der Reiz seiner Werke: Abdolah führt den westlichen Leser behutsam, poetisch und graziös in die Jahrtausende alte persische Kultur und Welt ein, so dass man lesend den Eindruck bekommt, in einer persischen Variante des Niederländischen diese unbekannte Welt zu entdecken.

So ist „Das Haus an der Moschee“ ein in Iran spielender sehr persönlicher Generationenroman. Nach seiner Lektüre glaubt der Leser den Übergang einer archaischen Gesellschaft zu den modernen Ausschweifungen unter dem Schah-Regime, zu der Revolution von Khomeini bis zu den heutigen Bestrebungen im Iran, besser zu verstehen. „Das Haus an der Moschee“, inzwischen in über 20 Sprachen übersetzt, wurde im Jahre 2007 von den Niederländern zum zweitbesten Buch der niederländischen Literatur überhaupt gekürt.

Bereits 1993 erschien seine erste Veröffentlichung auf Niederländisch: die Erzählungen „De adelaars“ (Die Adler). Und Abdolah bekam prompt den Preis für das beste Debüt des Jahres. Seitdem erschienen von ihm mindestens 16 neue Titel, die fast alle vom Publikum gut aufgenommen und oft preisgekrönt wurden.

Im Jahre 2000 erhielt Abdolah den Orden „Ritter in de Orde van de Nederlandse Leeuw“ für seine Verdienste nicht nur auf dem Gebiet der Literatur, sondern auch der Völkerverständigung. In dem Jahr erschien auch sein Buch „Spijkerschrift“, das drei Jahre später unter dem Titel „Die geheime Schrift” auch auf Deutsch vorlag. Im Jahre 2008 veröffentlichte er seine eigene gemäßigte literarische Übersetzung des Korans und ein Buch über Mohammed, das 2009 auf Deutsch unter dem Titel „Mohammad, der Prophet“ erschien.

Mit dieser Lesung schließt das Lektorat Niederländisch sein viel beachtetes Programm in diesem Wintersemester ab. Eine Fortsetzung im Sommersemester ist bereits in Planung.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html