Pressemitteilungen 

Okt 10 2018
16:43

Fachbereich Katholische Theologie fordert Respekt für die Freiheit theologischer Wissenschaft

Solidarität mit Rektor Wucherpfennig

FRANKFURT. Der Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität hat die Verweigerung des „Nihil obstat“ für die Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Hochschule St. Georgen durch den Vatikan scharf verurteilt. In einer Stellungnahme haben Vertreterinnen und Vertreter des Faches ihre Empörung zum Ausdruck gebracht. Sie sehen darin einen „Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung.“ Sie fordern die Verantwortlichen auf, „ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren“.

Stellungnahme des Fachbereichs Katholische Theologie der Goethe-Universität

„Mit Empörung reagieren wir auf die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ zur Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Philosophisch-Theolo­gischen Hochschule St. Georgen. Der Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität verurteilt diese Verweigerung durch den Vatikan entschieden. Wir sehen darin einen Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung. Wir möchten alle Kolle­gin­nen und Kollegen der katho­li­schen Theologie motivieren, diesem Skandal mit Ent­schie­denheit entgegen zu treten. Die für die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ Verantwort­li­chen fordern wir dringend auf, ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren.

Wir, die Professoren des Fachbereichs Katholische Theologie, haben über viele Jahre Pater Wucherpfennig als einen in fachlicher wie menschlicher Hinsicht herausragenden und vorbildlichen Kollegen erlebt. Als langjähriger Rektor der Hochschule St. Georgen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Kooperation in Forschung und Lehre zwischen der Hochschule und dem Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität in den letzten Jahren erfolgreich ausgebaut und vertieft werden konnte. Pater Wucherpfennig ist maßgeblich für die vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre verantwortlich, in der sich Lehrende und Studierende der beiden Standorte der katholischen Theologie in Frankfurt begegnen.

Es macht uns fassungslos, dass ausgerechnet in Zeiten, in der die katholische Kirche durch die skandalösen Fälle massenhaften sexuellen Missbrauchs in der Öffentlichkeit und in den Ge­mein­den so viel Vertrauen verspielt hat, die von seelsorgerlicher Verantwortung getragenen Stellungnahmen von Professor Wucher­pfennig zur biblischen Bewertung von Homosexualität zensiert und abgestraft werden. Hier wird die Kompetenz eines renom­mierten Theologen und Hochschulleiters aus durchsichtigen kirchen­politi­schen Motiven in Misskredit gebracht.

Wir unterstützen ausdrücklich die Stellungnahme des Bischofs von Limburg Georg Bätzing, der sich eindeutig hinter Pater Wucherpfennig stellt. Wir sehen darin eine große Ermutigung und Wertschätzung selbständiger und freier akademischer Forschung innerhalb der katholi­schen Theologie. Wir erklären uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, die von diesem verstörenden Vorgehen betroffen sind, besonders aber mit dem von uns sehr geschätzten Kollegen Ansgar Wucherpfennig, mit dem wir uns verbunden fühlen.“

Okt 10 2018
13:32

Zum Unistart auf dem Campus Westend werden knapp 10.000 Erstsemester erwartet

Goethe-Universität begrüßt neue Studierende

FRANKFURT. Tausende von Studierenden werden am Donnerstag an der zentralen Erstsemesterveranstaltung der Goethe-Universität teilnehmen. Zum Wintersemester 2018/19 wird die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester bei knapp 10.000 liegen, die Gesamtstudierendenzahl wird die Marke von 48.000 voraussichtlich überschreiten.

Begrüßt werden die neuen Studierenden auf der unistart-Messe im Hörsaalzentrum auch von Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff: „Wir heißen alle ‚Erstis‘ an der Goethe-Universität herzlich willkommen! Mit dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und zwar an einer der größten deutschen Universitäten“, unterstreicht Birgitta Wolff, und gibt den neuen Studierenden gleich eine Empfehlung mit: „Seien Sie neugierig, erobern Sie den Campus, schnuppern Sie auch mal in Veranstaltungen hinein, die nicht zwingend auf Ihrer Agenda stehen.“ Die Goethe-Universität sei ein wichtiger Teil der faszinierenden Metropole Frankfurt, die ein großes Kultur- und Freizeitangebot biete.

Wie der Start ins Studium gelingt? – Der Frage stellen sich Birgitta Wolff, Stadtrat Claus Möbius, Kyra Beninga und Juri Ghofrani vom AStA sowie Vertreterinnen und Vertreter der Fachschaften ausführlich in einer Gesprächsrunde im Rahmen der zentralen Begrüßungsveranstaltung ab 14 Uhr im Audimax des Campus Westend.

Auf dem Markt der Möglichkeiten können sich die neuen Studierenden über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität informieren: So präsentieren sich auf der Messe unter anderem das Studierenden-Service-Center (SSC), der Hochschulsport, das International Office und zahlreiche studentische Initiativen. 

Medienvertreter sind herzlich zur Semestereröffnung eingeladen.  

Programm der unistart-Messe, 11. Oktober 2018
13.00 bis 17.00 Uhr: Messe im Hörsaalzentrum, Campus Westend
Ab 13.00 Uhr: Verschiedene Vorträge und Präsentationen (u.a. Hochschulrechenzentrum, Deutschlandstipendium, Career Center)
14.00 Uhr: Zentrale Begrüßung im Audimax durch Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, Stadtrat Claus Möbius (Frankfurt am Main), AStA-Vorstand und Fachschaftsvertreterinnen und -vertreter.
Ab 21.00 Uhr: Große unistart-Party

Weitere Informationen unter www.uni-frankfurt.de/48370161/unistart-frankfurt

Okt 9 2018
12:36

Frankfurter Forschergruppe untersucht die Bedingungen produktiver Konflikte im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Institutsneugründung

„Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ unter Beteiligung der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mittteilte, wird die größte hessische Hochschule jetzt gemeinsam mit zehn weiteren Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur für das dezentral angelegte Institut erarbeiten. In der einjährigen Vorphase fördert das BMBF jede der beteiligten, in einem wissenschaftsgeleiteten Wettbewerb ausgewählten Institutionen mit einem Startbetrag. Für die daran anschließende vierjährige Hauptphase stehen laut BMBF insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung. Das Forschungsministerium stellt eine Verlängerung um weitere fünf Jahre in Aussicht. Danach ist eine Verstetigung des Instituts angedacht.

Ziel der interdisziplinären Frankfurter Forschergruppe ist es, neue Formen sozialer Pluralität und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte zu untersuchen und die Bedingungen produktiver Konflikte als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Das positiv beurteilte Projekt der Goethe-Universität, das normativ und empirisch ausgerichtet ist, stellt die Frage nach den Bedingungen produktiven Streits. Denn, so die Hypothese, es ist nicht in erster Linie Gemeinsinn als feststehende kulturelle Ressource, sondern der produktive Austrag von Konflikten, der moderne Gesellschaften integriert. Wo die Pluralität individueller Gruppenzugehörigkeit anerkannt und die Auseinandersetzung über widerstreitende Positionen durch politische Institutionen und zivilgesellschaftliche Mechanismen eingehegt wird, entsteht gesellschaftlicher Zusammenhalt innerhalb einer demokratischen normativen Ordnung.

Das Frankfurter Projekt gliedert sich in drei Teilaspekte: Es will erstens zur grundbegrifflichen Klärung des (nicht leicht zu definierenden) Konzepts „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ beitragen, indem die konstitutive Bedeutung von Pluralität und Konflikt für gesellschaftlichen Zusammenhalt herausgearbeitet wird. Zweitens sollen neue Formen sozialer Pluralität untersucht und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte empirisch analysiert werden. Der dritte Punkt zielt auf Konzepte für eine Erneuerung der Konfliktkultur, indem die integrative Kraft von Institutionen und Verfahren erforscht wird, die Konflikte nicht nur zulassen, sondern produktiv gestalten und Vertrauen schaffen.

Projektleiterin in Frankfurt ist Prof. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung; als stellvertretende Sprecher fungieren Prof. Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels, und Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie sowie Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die Arbeit in dem neuen Institut baut auf der bereits elfjährigen Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Frankfurter Fachbereich Gesellschaftswissenschaften auf.

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein beglückwünscht die erfolgreiche Frankfurter Initiative: „Ich halte gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land für sehr wichtig. Daher lohnt es sich, in dem geplanten Institut wissenschaftlich zu untersuchen, was diesen gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmacht und fördert. Ich freue mich besonders, dass mit der Goethe-Universität auch eine hessische Universität ausgewählt wurde, gemeinsam mit anderen Hochschul- und Forschungsinstituten ihren Beitrag zum Gründungskonzept dieses Instituts zu leisten. Den beteiligten Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität gratuliere ich zu der Gründungsmitgliedschaft am ‚Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt‘.“

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff hebt hervor: „Diese Institutsgründung bietet ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie Spitzenforschung dazu beitragen kann, eine ganz konkrete gesellschaftliche Herausforderung besser zu bewältigen. Es steht auch dafür, dass nicht nur mehrere wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch verschiedene Forschungseinrichtungen ihre Kräfte bündeln. Die Goethe-Uni und ihre Partner verfügen hier inhaltlich und strukturell – vor allem durch die lange gemeinsame Verbundforschung im Exzellenzcluster ‚Normative Ordnungen‘ – über eine große Expertise.“

Die Sprecherin des Frankfurter Projekts Prof. Nicole Deitelhoff sagt: „Die Entscheidung für den Standort Frankfurt zeigt, wie stark die Zusammenarbeit zu Fragen politisch-normativer Ordnungen zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften, Universität und außeruniversitären Instituten inzwischen ist: Wir freuen uns, diese Stärke jetzt im Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt einbringen zu können.“

Pressemitteilung des BMBF und Liste der ausgewählten Einrichtungen: www.bmbf.de/de/institut-fuer-gesellschaftlichen-zusammenhalt-startet-7044.html

Weitere Informationen: Rebecca Schmidt, Exzellenzcluster Normative Ordnungen, Tel: 069-798-31400; rebecca.schmidt@normativeorders.net

Anmerkung: In einer älteren Version der Pressemitteilung stand fälschlicherweise „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhang“; der Name lautet aber richtig „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

Okt 8 2018
15:47

„Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 16. Oktober mit dem Juristen Günther Frankenberg zum Thema Würde

70 Jahre Grundgesetz: Wie aktuell ist unsere Verfassung?

FRANKFURT. Das Schauspiel Frankfurt setzt seine Redenreihe „Denkraum“ als kritische Betrachtung der gesellschaftlichen Gegenwart in der Spielzeit 2018/19 fort – diesmal in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Gefördert wird die partizipative Vortrags- und Diskussionsreihe von der Heraeus Bildungsstiftung. An sechs Abenden geht es im Chagallsaal des Schauspielhauses um das Oberthema „Verfassung_Aber wie?“. Drei Vortragende stammen aus den Reihen des Exzellenzclusters, so auch der Auftaktredner Günter Frankenberg. Der Rechtsprofessor spricht am 16. Oktober 2018 um 20 Uhr zum Thema „Würde_Wer bestimmt, was einem Menschen zusteht?“

Das Grundgesetz trat 1949 in Kraft. Jeweils zusammen mit einem Gast aus dem Bereich Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Politik oder Literatur werden im „Denkraum“ zentrale Werte des Grundgesetzes auf den Prüfstand gestellt, abgewogen und das verteidigt, was auch in den nächsten Jahrzehnten unser Zusammenleben sichern soll. Nach jedem Impulsvortrag erhält das Publikum die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Thesen zu diskutieren und Fragen zu formulieren. In einem abschließenden moderierten Gespräch wird der oder die Vortragende mit diesen Fragen konfrontiert.

Besonders die Würde, so scheint es, hat in den vergangenen Jahrzehnten geradezu Karriere gemacht. Mit ihr beginnt das Grundgesetz. Fast zeitgleich wird sie in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Im Lissabon-Vertrag über die Europäische Union, der wiederum 2009 in Kraft trat, ist sie das erste Grundprinzip – noch vor der Freiheit. Doch woher kommt dieser Begriff, warum ist „die Würde des Menschen unantastbar“ und wie steht es um die Realisierbarkeit? Immerhin, so sagt das Grundgesetz, sind die Achtung und der Schutz der Würde „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Und das „Deutsche Volk“, so weiter, „bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft“. Zu einem Leben in Würde gehören auch soziale Mindeststandards, und eine „menschliche Gemeinschaft“ macht nicht an Landesgrenzen halt.

Der Anspruch und die Wirklichkeit von Recht und Verfassung gehört zu den Forschungsgebieten des Rechtswissenschaftlers Günter Frankenberg. Er ist Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Seine Schwerpunkte umfassen: Vergleichendes Verfassungsrecht, Rechts- und Verfassungstheorie sowie Gefahrenabwehr- und Migrationsrecht. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, insbesondere zum Verfassungs- und zum Ausländerrecht. Zu seinen Publikationen zählen eine Einführung in das Grundgesetz und die Studie „Staatstechnik. Perspektiven auf Rechtsstaat und Ausnahmezustand“. Er ist einer der Herausgeber der Zeitschrift „Kritische Justiz“.

Die nächsten Termine im Überblick:

4. Dezember 2018
Religionsfreiheit_Wie viel Toleranz verlangt die demokratische Gesellschaft?
mit Rainer Forst (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)

29. Januar 2019
Meinungsfreiheit_Wie verändert sich das Kommunikationsklima?
mit Bernhard Pörksen (Universität Tübingen)

26. Februar 2019
Gleichberechtigung_Was kann das Recht zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
mit Ute Sacksofsky (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Normative Orders“)

19. März 2019
Gemeinwohl_Was bleibt vom Allgemeinen, wenn alle das Besondere wollen?
mit Andreas Reckwitz (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder)

2. April 2019
Privatsphäre_Wie sind wir geschützt im digitalen Zeitalter?
mit Constanze Kurz (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Sprecherin des Chaos Computer Clubs)

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de

Detailliertes Programm: https://www.normativeorders.net/denkraum 

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Okt 5 2018
15:58

Allison ist der 23. Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger, der auch den Nobelpreis erhält. Die deutsche Auszeichnung wurde ihm 2015 verliehen. Damit hat der renommierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Preis wieder einmal bewiesen, dass er eine Shortlist für den Nobelpreis ist

Goethe-Universität und Freundesvereinigung gratulieren James P. Allison zum Nobelpreis für Medizin

FRANKFURT. Allison ist der Begründer einer neuartigen Immuntherapie, der sogenannten Checkpoint-Hemmung. Den Nobelpreis für Medizin teilt er sich mit dem Japaner Tasuku Honjo. Bei dieser Immuntherapie wird nicht mehr der Tumor behandelt, sondern das Immunsystem. Sie steht für ein neues Therapieprinzip in der Onkologie. Das hat auch der Stiftungsrat 2015 in seiner Begründung gewürdigt. Checkpoint-Hemmer werden bei verschiedenen fortgeschrittenen Tumorerkrankungen eingesetzt.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ehrt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich auf den von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebieten besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie und der Krebsforschung. Verliehen wird er von der Paul Ehrlich-Stiftung, einer unselbstständigen Stiftung, die von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe Universität treuhänderisch verwaltet wird. Die Freundesvereinigung feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Sie unterstützt die Goethe Universität seit ihrer Gründung mit rund einer Million Euro jährlich und fördert dadurch Zukunft.

„Wir gratulieren James Allison zum Nobelpreis für Medizin“, sagt Professor Wilhelm Bender, Vorsitzender der Freundesvereinigung. „Und freuen uns, dass in unserem Jubiläumsjahr wieder einer der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger den Nobelpreis erhalten hat. Das zeigt, dass der Stiftungsrat die Preisträger und Preisträgerinnen mit Weitsicht und hohem Sachverstand auswählt. In den vergangenen zwölf Jahren hat der Stiftungsrat gleich sechs spätere Nobelpreisträger ausgezeichnet. Weitere Preisträger gelten ebenfalls als Nobelpreiskandidaten“.

„Dass James Allison bereits wenige Jahre nach der ersten Zulassung eines Checkpoint-Hemmers mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt wird, unterstreicht die Bedeutung eines schnellen Transfers von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis“, sagt Professor Simone Fulda, Vizepräsidentin für Forschung und Akademische Infrastruktur der Goethe Universität. „Gratulation an James Allison!“

Okt 2 2018
15:24

Die neue Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität zum Thema Krieg und politische Gewalt beginnt am 11. Oktober 2018

Vortragsreihe: Wird die Welt immer kriegerischer?

FRANKFURT. Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beschäftigt sich in diesem Wintersemester mit dem Wandel von Krieg und politischer Gewalt. Die gängige Erzählung, wonach die Welt über lange Sicht immer friedlicher geworden sei, wird zunehmend hinterfragt. Ist angesichts des Wandels der Formen kriegerischer Auseinandersetzung – von Cyberwar über Terrorismus bis hin zu neuen Formen von Bürgerkriegen – die These eines Pazifizierungstrends grundsätzlich widerlegt oder beobachten wir nur Spannungen und Widersprüche, die diesem Trend langfristig innewohnen?

Die öffentliche Reihe trägt den Titel: “The End of Pacification? The Transformation of Political Violence in the 21st Century”. Sie umfasst sechs Vorträge, jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum (Raum HZ 9) auf dem Campus Westend. Die fachliche Leitung haben Prof. Christopher Daase und Prof. Nicole Deitelhoff vom Exzellenzcluster. Beide gehören auch zum Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), einer Partnereinrichtung des Clusters. Ebenfalls im federführenden Team ist Dr. Julian Junk von der HSFK, auch er Politikwissenschaftler. Den Eröffnungsvortrag am Donnerstag, 11. Oktober 2018, hält Prof. Michael Mann (University of California, Los Angeles) zum Thema: „Has War Declined through Human History?“

Die Anhänger der Befriedungs-These argumentieren mit einem nachhaltigen Prozess der Zivilisierung vieler Gesellschaften, mit einer wachsenden politischen und wirtschaftlichen Verflechtung der Staaten und mit einer Ausbreitung liberaler und demokratischer Wertvorstellungen. Auch trotz der beiden Weltkriege und des Holocaust sei die Welt in makrohistorischer Perspektive alles in allem friedlicher geworden, und das zunehmend in der Zeit nach 1945. Zu den Forschern, die das anders sehen, gehört der renommierte Auftaktredner Michael Mann. Er verweist zum Beispiel auf die vielen Bürger- und innerstaatlichen Kriege im Globalen Süden. Diese seien an die Stelle der zwischenstaatlichen Kriege im Norden getreten. Global betrachtet gebe es keinen Rückgang kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern eine Transformation.

Zu den Vortragenden zählt in den nächsten Monaten auch der Mit-Organisator Christopher Daase. Er spricht am 23. Januar 2019 über: „Sanktionskriege: Probleme dezentraler militärischer Normdurchsetzung“. Eine Rechtfertigung militärischer Gewalt trotz deren völkerrechtlichen Ächtung rekurriert auf die vermeintliche Notwendigkeit, globale Normen notfalls militärisch durchsetzen zu müssen, um langfristig ein globales Gewaltmonopol zu etablieren und das Kriegsverbot zu verwirklichen. Daase geht der Frage nach, wie diese Erwartung empirisch und normativ zu bewerten ist.

Die Termine im Überblick: 
(Jeweils Campus Westend der Goethe-Universität, Hörsaalzentrum HZ 9, 18.15 Uhr)

11. Oktober 2018
Prof. Michael Mann, University of California, Los Angeles
Has War Declined through Human History?

12. Dezember 2018
Prof. Elisabeth J. Wood, Yale University
Sexual Violence during War

23. Januar 2019
Prof. Christopher Daase, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Sanktionskriege: Probleme dezentraler militärischer Normdurchsetzung

30. Januar 2019
Prof. Matthew A. Evangelista, Cornell University
Disturbing the Peace: How the United States Influences Trends in Global Political Violence

6. Februar 2019
Prof. Stathis N. Kalyvas, University of Oxford
Global Change and Civil Wars

13. Februar 2019
Prof. Jennifer M. Welsh, McGill University, Montreal
Pockets of Barbarism: Internal and External Challenges to the International Humanitarian Order

Informationen:
Dr. Julian Junk, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), 030/206049120, junk@hsfk.de, www.hsfk.de
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Detailliertes Programm: http://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Okt 2 2018
15:22

Barry Eichengreen übernimmt Gastprofessur für Finanzgeschichte 2019

Einer der 100 führenden globalen Denker kommt nach Frankfurt

FRANKFURT. Barry Eichengreen von der University of California, Berkeley, übernimmt in diesem Jahr die Gastprofessur für Finanzgeschichte am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt. Die Gastprofessur wird vom Bankhaus Metzler und der Friedrich Flick Förderungsstiftung finanziert.

Eichengreen ist George C. Pardee- und Helen N. Pardee-Professor für Ökonomie und politische Wissenschaften an der University of California, Berkeley. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte und die aktuelle Ausgestaltung des internationalen Geld- und Finanzsystems.

Als Autor hat sich Eichengreen international einen Namen gemacht. Zu seinen jüngsten Buchveröffentlichungen gehören: „The Populist Temptation: Economic Grievance and Political Reaction in the Modern Era” (2018), “How Global Currencies Work: Past, Present, and Future mit Livia Chitu und Arnaud Mehl” (2017), “Hall of Mirrors: The Great Depression, the Great Recession, and the Uses – and Misuses – of History” (2015), und “Exorbitant Privilege: The Rise and Fall of the Dollar and the Future of the International Monetary System” (2011) (in der engeren Wahl für den Financial Times and Goldman Sachs Business Book of the Year Award 2011). Eines der bekanntesten Bücher von Eichengreen ist „Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919–1939“ (1992), in dem er als Hauptgrund für die Rezession der 1930er Jahre den strukturell fehlerhaften und schlecht verwalteten internationalen Goldstandard anführt. In seinem am häufigsten zitierten Forschungspapier mit Tamim Bayoumi (1993) argumentierte er, dass die Europäische Union weniger für einen gemeinsamen Währungsraum geeignet sei als die Vereinigten Staaten.

Professor Eichengreen studierte an der Yale University in New Haven, CT (M.A. in Volkswirtschaftslehre, M.Phil in Volkswirtschaftslehre, M.A. in Geschichte und Ph.D. in Volkswirtschaftslehre) und der University of California, Santa Cruz (B.A in Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften). Er ist Research Associate bei NBER (National Bureau of Economic Research) und Research Fellow bei CEPR (Centre for Economic Policy Research). Die American University in Paris verlieh ihm die Ehrendoktorwürde und im Jahr 2010 erhielt er von der Internationalen Joseph A. Schumpeter Gesellschaft den Schumpeter Preis. Eichengreen wurde als einer der 100 führenden globalen Denker im Foreign Policy Magazine genannt.

Während seines Aufenthaltes in Frankfurt im Mai 2019 wird Eichengreen anlässlich des 50. Jahrestages des IBF (Institut für Bank- und Finanzgeschichte) einen Workshop für Nachwuchswissenschaftler zum Thema „Financial History – Reflections on the Past to Tackle Today’s Key Finance Questions“ leiten und die Eröffnungsrede auf einer internationalen Konferenz an der Goethe-Universität halten. Darüber hinaus wird er im Ph.D.-Programm der Graduiertenschule GSEFM im House of Finance ein Seminar mit dem Titel „Topics in Macroeconomic History“ anbieten.

Eichengreen ist der fünfte Gastprofessor für Finanzgeschichte an der Goethe-Universität. Im Rahmen der Gastprofessur werden ausgewiesene internationale Experten der bank- oder finanzhistorischen Forschung eingeladen, Wissenschaftlern, Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit in Frankfurt Einblicke in ihre Forschungsinhalte und -methoden zu geben. Kooperationspartner sind das LOEWE-Zentrum SAFE im House of Finance und das Institut für Bank- und Finanzgeschichte. Bisherige Gastprofessoren waren Benjamin Friedman, Harvard University (2015), Caroline Fohlin, Emory University Atlanta (2016), Hans-Joachim Voth, Universität Zürich (2017) und Harold James, Princeton University (2018). Im Jahr 2014 haben das Bankhaus Metzler und die Edmond de Rothschild Gruppe die Gastprofessur der Goethe-Universität aus Anlass ihres 100. Geburtstags gestiftet. Seit 2018 wird die Professur vom Bankhaus Metzler und der Friedrich Flick Förderungsstiftung finanziert.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/74041865

Information: Dr. Stephanie Collet, Research Center SAFE, House of Finance, Campus Westend, Tel. (069) 798-30041, collet@safe.uni-frankfurt.de.

Okt 1 2018
15:29

Mathematik an der frischen Luft: Prof. Matthias Ludwig präsentiert mit seinem Team in der Frankfurter Innenstadt Aufgaben zu Goetheplatz und Alte Oper

Wie schnell sind die Rolltreppen an der Hauptwache?

FRANKFURT. Mathtrails in der Stadt: Am Samstag, den 6. Oktober, ist ab 11.00 Uhr das MathCityMap-Team des Instituts für Didaktik der Mathematik und Informatik der Goethe-Universität im Außeneinsatz. Die Arbeitsgruppe MATIS I um Prof. Matthias Ludwig präsentiert mitten in den Herbstferien Mathtrails rund um den Goetheplatz und die Alte Oper. Mathtrails sind Pfade, an denen entlang Mathematikaufgaben versteckt sind. Man wird die Innenstadt mit anderen Augen sehen: Wie schnell sind die Rolltreppen an der Hauptwache? Wie viel Wasser läuft aus dem Wasserspender in der Fressgasse? Wie oft werden die Briefkästen in der Biebergasse in einem Jahr geleert? Welche Steigung hat die schiefe Säule auf dem Goetheplatz und überhaupt: in welche Richtung schaut Goethe?

Dabei ist neuste Technologie im Einsatz. Eine an der Goethe-Universität entwickelte App leitet den Benutzer von Aufgabe zu Aufgabe, gibt Feedback zu den Lösungen und  auch Hilfestellung, falls man mal nicht weiter kommt. Speziell für die Innenstadt wurden auch Trails für Familien mit kleinen und großen Kindern angelegt. Alles, was man braucht, ist ein GPS-fähiges Smartphone, einen Stift und Block. Einen Zollstock und ein Maßband kann sich an diesem Tag am Infostand des MathCityMap-Team am Goetheplatz/Steinweg ausleihen.

Die Mitarbeiter von MATIS I stehen am Samstag, 6. Oktober, von 11.00 bis 15.00 Uhr an ihrem Stand auf dem Goetheplatz/Ecke Steinweg allen Interessierten mit Rat und Tat zur Verfügung. Für besonders fleißige Aufgabelöser gibt es eine Überraschung.

Weitere Informationen: Prof. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik, Arbeitsgruppe MATIS I, Goethe Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de

Okt 1 2018
15:26

2. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz zur Digitalisierung

Machen Smartphones, Tablets & Co den Menschen schlauer?

FRANKFURT. „Plenum digitale - Vacuum mentale?“: So lautet das Thema der 2. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz an der Goethe-Universität, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen wird. Nachgegangen wird unter anderem den Fragen, ob Smartphones und Tablets den Schüler schlauer machen, wie sich die native Intelligenz zur künstlichen verhält und ob der Mensch angesichts intelligenter Maschinen noch selber intelligent sein muss. Renommierte Experten werden darüber sprechen, was es mit den digitalen (In-)Kompetenzen von Mensch und Maschine auf sich hat; danach treten sie ein in die Diskussion mit dem Publikum.

2. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz zur Digitalisierung, 6. Oktober 2018, 9.30 bis 17.30 Uhr, Universitätsklinikum Frankfurt, Audimax, Haus 20, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt.

Veranstalter der 2. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz sind Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin, Prof. Dr. Guido Pfeifer, Fachbereich Rechtswissenschaft und Prof. Dr. Hans-Peter Klein, Didaktik der Biowissenschaften.

Eingeladen zur Konferenz sind alle Interessierten. Der Veranstalter bittet um eine formlose E-Mail an henry@jur.uni-frankfurt.de unter dem Stichwort „Inkompetenzkonferenz“. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Programm
9.30 Uhr: Eröffnung und Begrüßung. Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin, Goethe-Universität
9.45 Uhr: Digitale Bildung und digitale Souveränität im digitalen Deutschland. Prof. Dr. Helge Braun, MdB, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts
11.00 Uhr: Die Smartphone-Epidemie - Gesundheit, Bildung, Gesellschaft. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm
12.00 Uhr: Qualität kommt von Qual. Prof. Dr. Peter Pospiech, Stellvertretender Direktor der Vorklinik, Charité Universitätsmedizin Berlin
14.00 Uhr: Digitaler Humanismus - Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosophie, Ludwig-Maximilians-Universität München.
15.00 Uhr: Der kurze Weg vom digital native zum digitalen Naivling. Josef Kraus, Oberstudiendirektor a.D., ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes
16.15 Uhr: Vom Unterrichten zum Bildungscontrolling. Prof. Dr. Ralf Lankau, Mediengestaltung und -theorie, Hochschule Offenburg
16.45 Uhr: „Was im Computer ist, ist noch längst nicht im Hirn“. Ein Blick über den nationalen Tellerrand. Prof. Dr. Hans-Peter Klein, Didaktik der Biowissenschaften, Goethe-Universität, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bildung und Wissen.

Weitere Informationen: Prof. Hans-Peter Klein, Didaktik der Biowissenschaften, Goethe-Universität. Tel. (069) 798-42272; h.p.klein@bio.uni-frankfurt.de

Okt 1 2018
15:25

Goethe-Universität feierte 10.000ste Promotion im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften

Eine Kleinstadt von Doktoren

FRANKFURT. Seit der Gründung der Goethe-Universität im Jahre 1914 wurden 10.000 Promotionen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern verliehen. Unter den Promovenden der Goethe-Universität befanden sich auch drei spätere Nobelpreisträger: Alexander Robert Todd (Nobelpreis in Chemie, 1957), Gerd Binnig (Physik, 1986) und Reinhard Selten (Wirtschaftswissenschaften, 1994), der seine Promotion an der Goethe-Universität allerdings in Mathematik ablegte.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff dankte auf der Feier in ihrem Grußwort nicht nur den betreuenden Professorinnen und Professoren, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Promotionsbüros, Prüfungsämtern, in Laboren, Werkstätten und der Verwaltung für ihr großes Engagement und ihre Unterstützung. Sie betonte: „Hinter 10.000 Promotionen stehen 10.000 Mal ganz viel Einsatz und Mühe für die Forschung, oft mit beeindruckenden Ergebnissen. Die Promotion ist und bleibt Eckpfeiler der für Universitäten typischen Einheit von Forschung und Lehre, und der höheren akademischen Qualifikation. Gerade unsere Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler sind nicht nur in der akademischen Forschung sondern beispielsweise auch in der für unsere Region so wichtigen Pharma- und Chemiebranche gesucht. Hier verbinden sich Profil der Uni und der Region aufs Beste.“

Prof. Andreas Junge, Vorsitzender des Promotionsbüros der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fachbereiche, betonte: „Es ist erfreulich, dass die Anzahl der Promotionen pro Jahr in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereichen an der Goethe-Universität in den letzten Jahren stetig zugenommen hat und die Forschungsarbeiten sich nach wie vor auf einem  sehr hohen Niveau befinden.“

Ein Höhepunkt der Feierstunde waren die Slam-Vorträge von sechs kürzlich Promovierten aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer-Spektrum: Mit Themen wie „Aber wer mag denn schon schlechtes Wetter?“ oder „Menschen klonen, oder: ‚Ist einer von Deiner Sorte denn nicht genug?‘“ sorgten die Jungwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler für die Unterhaltung der zahlreichen Gäste.

Offizielle Partner der Feier zur 10.000sten Promotion in den Naturwissenschaften der Goethe-Universität waren GENAU, die Umweltlotterie von LOTTO Hessen, die Sparda-Bank und die Patentanwälte aus der Kanzlei JONES DAY.

Weitere Informationen: Andreas Eckel, Leiter Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-12277;  eckel@pvw.uni-frankfurt.de

Okt 1 2018
10:30

Am Auftakttag der dreitägigen Veranstaltung unter Beteiligung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ hält der Islamexperte Gilles Kepel am 4. Oktober die öffentliche Keynote

Frankfurt wird Treffpunkt der Forschungen zum Vorderen Orient

FRANKFURT. Die vielschichtigen Entwicklungen im Vorderen Orient sind vom 4. bis 6. Oktober 2018 Thema an der Goethe-Universität. Gleich zwei miteinander verbundene wissenschaftliche Veranstaltungen beschäftigen sich auf dem Campus Westend mit aktuellen Tendenzen und auch historischen Grundlagen dieser Region.

„Politics, Religion and Society in the Middle East“ heißt die Konferenz des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen”. Sie bildet zugleich den Rahmen für den 25. Internationalen Kongress der DAVO, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient für gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation. Die öffentliche Keynote „From the Arab spring to ISIS“ hält am 4. Oktober auf der Eröffnungsfeier, die um 18.30 Uhr im Casino-Anbau-West beginnt, der renommierte französische Islamwissenschaftler Prof. Gilles Kepel, der an der Goethe-Universität im Herbst vergangenen Jahres mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron über die Perspektiven Europas diskutierte.

Federführend für die Gesamtveranstaltung ist die Ethnologin Prof. Susanne Schröter, Mitglied des Clusters und Direktorin des FFGI. Die Schirmherrschaft hat Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst. Beide werden mit Beiträgen bei der Eröffnungsfeier vertreten sein, ebenso wie Prof. Rolf van Dick, Vize-Präsident der Goethe-Universität, Prof. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters, und Prof. Günter Meyer, Vorsitzender der DAVO.

Gilles Kepel ist Professor am Institute d’Études Politiques de Paris. Er gilt als einer der besten Kenner der arabischen Welt, des politischen Islam und des radikalen Islamismus. Kepel erörtert bei seiner Analyse der Entwicklung vom Arabischen Frühling bis zum IS auch die Rolle des Westens, besonders der französischen und amerikanischen Außenpolitik. Hinzu kommt die Rolle Russlands. Er wird in englischer Sprache vortragen. In seinen Ausführungen greift er auf Forschungsergebnisse zurück, die er in seinem jüngsten Buch publiziert. Es heißt „Sortir du chaos: Les crises en Méditerranée et au Moyen-Orient“ und erscheint in Kürze in der französischen Erstausgabe.

Während zu der Eröffnungsfeier mit der Keynote von Gilles Kepel die interessierte Öffentlichkeit bei freiem Eintritt willkommen ist, richten sich die übrigen Programmpunkte vorrangig an ein Fachpublikum. Die FFGI-Konferenz und der DAVO-Kongress umfassen zusammen rund 150 Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Kontinente. Hier geht es beispielsweise um die historischen Wurzeln islamistischer Bewegungen und die Geschichte des interreligiösen Dialogs in der Region. Weitere Vorträge und Diskussionsgegenstände betreffen etwa die Arabisch-Israelischen Beziehungen, die Stellung der Frauen in Politik und Gesellschaft sowie die Konflikte in Syrien. Flankierend geht ein Diskussionsforum folgender Frage nach: „Die mediale Berichterstattung über den Syrien-Krieg – Realität oder Propaganda?“

Darüber hinaus wird Susanne Schröter eine Podiumsdiskussion leiten mit dem Titel: „The Challenge of Islamism. Perspectives from MENA and Europe“. MENA steht für Middle East and North Africa. Die Teilnehmenden sind: Prof. Gudrun Krämer (Freie Universität Berlin), Dr. Elham Manea (Universität Zürich) und Dr. Marwan Abou-Taam (Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz).

Bei dem Kongress der DAVO in Kombination mit der Konferenz des FFGI kooperieren das Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient (DAVO) unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst. Die öffentliche Eröffnungsveranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Casino-Anbau-West, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 2. Für diese Veranstaltung inklusive der Keynote von Gilles Kepel ist der Eintritt frei und eine Anmeldung nicht erforderlich.

Anmeldung zu den Fachveranstaltungen: http://www.ffgi.net/termine-davo-25.html

Programm: https://www.normativeorders.net/media/images/Programme/FFGI/2018_10_04-05_25_DAVO-Programmablauf.pdf

Informationen: Oliver Bertrand, Forschungskoordinator des FFGI und persönlicher Assistent von Prof. Susanne Schröter, Tel.: 069/798-33062, oliver.bertrand@normativeorders.net; www.normativeorders.net; www.ffgi.net

Okt 1 2018
10:28

Exzellenzstrategie: Gemeinsames Projekt von Justus-Liebig-Universität, Goethe-Universität und Max-Planck-Institut nimmt letzte Hürde

Erfolgreiche Exzellenz-Bewilligung: Freude bei Herz-Kreislauf-Forschern aus Frankfurt und Gießen

FRANKFURT/GIEßEN. Die Goethe-Universität Frankfurt und die Justus-Liebig-Universität Gießen haben ihren gemeinsamen Antrag für ein Exzellenzcluster gegen starke Konkurrenz erfolgreich durchgesetzt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab am 27. September bekannt, dass der Antrag „Cardiopulmonary Institute“(CPI) in den kommenden sieben Jahren zusammen mit bundesweit weiteren 56 Exzellenzcluster-Projekten gefördert werden wird.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Herzlichen Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt, Gießen und Bad Nauheim, die mit einem herausragenden Antrag in einem starken Bewerberfeld sehr erfolgreich für ihre wissenschaftlichen Ideen und Konzepte gekämpft haben. Die in fast zwölf Jahren zwischen den Partnern entstandene Kooperationskultur war sicherlich ein ausschlaggebendes Moment für den Erfolg. Neu am CPI ist neben der formalen Gründung als universitätsübergreifendes Institut auch eine weiterentwickelte inhaltliche Ausrichtung. Der jetzt erzielte Erfolg zeigt, dass sich die Mühen und Investitionen für die universitäre Herz-Kreislauf-Forschung gelohnt haben.“

Die für die Goethe-Universität federführende Wissenschaftlerin, Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, betonte: „Wir freuen uns unglaublich über diesen großen Erfolg, der nur mit Hilfe eines großartigen Teams möglich war. Die Förderung des „Cardiopulmonary Instituts“ wird uns ermöglichen, ein weltweit einmaliges Zentrum zu gründen mit dem Ziel Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen besser zu verstehen und neue therapeutische Optionen aufzuzeigen.“  

Herz- und Lungenerkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen weltweit, mit vielfachen Interaktionen zwischen den beiden Organen und noch ungelösten Herausforderungen in der Behandlung. Ein kohärentes Verständnis der molekularen Biologie der individuellen und kooperativen zellulären Prozesse, die der Homöostase dieser Organe und dessen Versagen bei Erkrankungen zugrunde liegen, fehlt ebenso wie das Wissen, wie diese Prozesse für neue individualisierte Therapiekonzepte genutzt werden können.

Das Konsortium der drei Partner aus Grundlagen- und translational ausgerichteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie klinischen Fachleuten leistete bereits grundlegende Beiträge zu Herz-Kreislaufforschung und Therapieentwicklung im Rahmen des bisher geförderten Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary System (ECCPS). Das jetzt bewilligte Institut verfolgt strukturell und programmatisch neue Wege mit der Vision, dass Präzisionsbiologie der Treiber der Präzisionsmedizin ist. Der Erfolg ist zugleich ein wichtiges Signal für die nachhaltige Weiterentwicklung der Forschungsstrategie an der Goethe-Universität.

Das gemeinsame Institut ist eine hochschulübergreifende Einrichtung gemäß § 47 Hessisches Hochschulgesetz. In Kürze werden mehrere neue Professuren und Nachwuchsgruppen eingerichtet, um die Arbeit in Zukunftsfeldern der Herz-Kreislaufforschung weiter zu stärken. Das CPI wird technologische Erneuerungen und flexible Innovationsprogramme zu jeweils neuen Themen finanzieren. Die CPI-Akademie unterstützt forschungsorientierte Lehre und fördert akademische Karriereentwicklung, wie z.B. einen „Wissenschaftspfad“ für Medizinstudenten, Unterstützung von MD-/PhD-Programmen, Finanzierung von Karriereprogrammen für Grundlagen-, medizinische und klinische Forscher sowie ein Mentorenprogramm.

Mit dem neuen Exzellenzcluster stärken die drei Partner auch das wissenschaftliche Profil der Region, die damit im Bereich der medizinischen Spitzenforschung weiter aufgewertet wird.

Sep 25 2018
11:37

27. Jahrestagung der DVPW an der Goethe-Universität öffnet sich aktuellen Fragestellungen in Politik und Gesellschaft

Politologen analysieren Grundlagen und Grenzen der Demokratie

FRANKFURT. Die Welt ist im politischen Wandel und mit ihr auch die Politikwissenschaft. Bei der 27. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW), die weltweit zweitgrößte politikwissenschaftliche Vereinigung, zu der sich über 1000 Expertinnen und Experten angemeldet haben, geht es in diesem Jahr an der Goethe-Universität um „Grenzen der Demokratie“. Zu Gast ist auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der eine Rede zur politischen Situation in Deutschland, Europa und der Welt halten wird.

„Mit diesem Kongress greift die DVPW eine Debatte auf, die in unserer Disziplin wissenschaftlich seit jeher geführt wurde, aber durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im vergangenen Jahr in einen breiteren gesellschaftlichen und politischen Kontext gestellt wurde. In seiner Antrittsrede vor dem Deutschen Bundestag im März 2017 diagnostiziert der Bundespräsident Tendenzen einer erodierenden liberalen Demokratie. Die DVPW greift diese Überlegungen des Bundespräsidenten auf und möchte auf diesem Kongress einen wissenschaftlich begründeten, gesellschaftspolitischen Beitrag zur Analyse der Voraussetzungen und der Grenzen von stabilen liberalen Demokratien leisten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DVPW, Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel (Leuphana Universität Lüneburg).

An Grenzen scheint die Demokratie zu stoßen, wenn soziale Ungleichheit zunimmt und sich in politische Ungleichheit übersetzt. Populistische Bewegungen verwenden das Vokabular der Demokratie, um gegen Pluralismus und etablierte Institutionen zu mobilisieren. Aber der Rückzug in das demokratische Schneckenhaus sei keine Lösung, hebt DVPW-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Armin Schäfer (Universität Münster) hervor:

„Wir schützen die Demokratie vor ihren Feinden nicht, indem wir über ihre Schwächen schweigen. Eine dieser Schwächen ist, dass die Demokratie zwar politische Gleichheit verspricht, wir aber Ungleichheit in der Beteiligung, bei der Repräsentation und bei den politischen Entscheidungen beobachten. Diese Schieflage bereitet den Boden für Rechtspopulismus.“

Auch die Medien spielen bei dieser Entgrenzung eine entscheidende Rolle: Die demokratische Öffentlichkeit wird durch das Internet entgrenzt, aber paradoxerweise verengt sich die politische Kommunikation in den sozialen Medien oft in Echokammern mit Gleichgesinnten – eine Chance für politische Populisten aller Art. Und während sich die Parteienlandschaft bis vor wenigen Jahren noch nach den ‚alten‘ Spaltungen (Arbeiter für die SPD usw.) sortiert hat, zeigen die neuesten Entwicklungen, dass diese Zuordnung nicht mehr funktioniert. Die jüngsten Debatten um das Thema Migration in der deutschen Öffentlichkeit belegen eindrucksvoll, dass neue Konflikte nicht mehr entlang der alten Parteilinien verlaufen und etablierte Parteiensysteme wie zum Beispiel Frankreich komplett umwälzen.

Die Tagungsorganisatorin und Politologin der Goethe-Universität, Prof´in Dr. Brigitte Geißel, hält daher „die Parteiendemokratie für ein Auslaufmodell. Gesellschaften verändern sich - und Demokratie muss sich anpassen. Die Demokratie-Tagung an der Goethe Universität wird nicht nur Grenzen und Krisen aktueller Demokratien erörtern, sondern auch diskutieren, wie Demokratie als Herrschaft des Volkes neu gedacht werden kann.“

Eine solche Analyse, wie Demokratie neu gedacht werden könne, scheint nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene dringend geboten. Angesichts des globalen Aufstiegs des Rechtspopulismus auch in den USA wird nicht nur der Wert von Demokratie in einzelnen Staaten relativiert oder diese sogar immer weiter begrenzt. Auch die Geltung internationaler Institutionen – wichtige Stabilitätsanker für die globale Geltung einheitlicher Rechts-, Menschenrechts- und Umweltstandards – werde massiv beschädigt, wie DVPW-Vorstandsmitglied Prof´in Dr. Anja Jetschke (Universität Göttingen) betont:

„Multilaterale Organisationen werden zunehmend zur Zielscheibe der Kritik. Dabei wurden sie gerade geschaffen, um grenzüberschreitende Probleme zu lösen. Der Rückzug auf den Nationalstaat ist aber keine Lösung, denn die transnationalen Herausforderungen verschwinden ja nicht und der Nationalstaat kann die Probleme im Alleingang nicht lösen.“

Das Tagungsprogramm finden Sie unter www.dvpw.de/kongresse/dvpw-kongresse/dvpw2018.html.

Zusätzlich machen wir Sie auf unsere Social Media-Informationsangebote zur Tagung unter #dvpw18 (Facebook, Twitter) aufmerksam.

Kontakt: Prof. Dr. Brigitte Geißel, Forschungsstelle Demokratische Innovationen, Goethe-Universität, FB 3 -Gesellschaftswissenschaften , Büro 3G163, PEG-Gebäude, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, D-60323 Frankfurt am Main, geissel@soz.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de , Tel. +49 (0)69 798 36514

Sep 24 2018
11:49

An der Goethe-Universität entsteht derzeit die zweite Generation eines extrem energieeffizienten Großrechner-Modells

„Grüner“ Hochleistungsrechner für die Wissenschaft

FRANKFURT. An der Goethe-Universität entsteht derzeit unter Federführung von Prof. Dr. Volker Lindenstruth (Professur für die Architektur von Hochleistungsrechnern) ein neuer Supercomputer, der erneut Maßstäbe setzen soll im Bereich der Green IT. Basis für diesen enorm energieeffizienten, mit vergleichsweise geringem finanziellen Entwicklungsaufwand konstruierten Computer ist eine große Zahl leistungsfähiger, miteinander vernetzter Grafikkarten sowie ein Kühlsystem, das sich Flusswasser des Mains zunutze macht. Die Wasserkühlung senkt den Primärenergieverbrauch für die Kühlung auf gerade einmal 8 %. Andere Rechenzentren benötigen dafür das bis zu Sechs- bis Zehnfache an Energie. 2014 hatte ein nach dem Bauprinzip von Prof. Lindenstruth konstruierter Hochleistungsrechner Platz 1 der Weltrangliste energieeffizienter Großrechner erreicht.

Der neue GOETHE-Hochleistungsrechner im Industriepark Höchst, der nach einem weiter optimierten und ähnlichen Bauprinzip wie seine Vorgänger realisiert wird, soll in zwei Etappen gebaut werden. Bis zum 13. Dezember 2018 wird die erste Ausbaustufe abgeschlossen sein. Diese wird mit ca. 4,5 Millionen € zu Buche schlagen. Die Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von 7,5 Mio.€ erfolgt zur Hälfte aus Mitteln des Bundes, aus Mitteln der Goethe-Universität sowie des FIAS.

Realisiert wird damit ein Supercomputer mit 18.880 hochvernetzten Rechnerkernen. Damit steht ungefähr die dreifache Rechenleistung zur Verfügung wie beim Vorgängermodell, dem LOEWE-CSC, der Ende November 2010 ebenfalls im Industriepark Höchst in Betrieb gegangen war. Dieser war seinerzeit laut internationalen Rangliste „Green 500“ der energieeffizienteste Supercomputer Europas.

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein sagte am Montag in Frankfurt: „Der GOETHE-Hochleistungsrechner ist unverzichtbar, um Forschungsvorhaben in den Naturwissenschaften, der Medizin, den Lebenswissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften umsetzen zu können“. „Mit der Bewilligung der Förderung erhält die Goethe-Universität mit 3,75 Millionen Euro die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Dies ist ein beeindruckender Erfolg. Das Land Hessen hat die Antragstellung der Goethe-Universität unterstützt, weil Hochleistungsrechnerkapazität essenziell für den Wissenschaftsstandort Hessen ist.“

Die Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur der Goethe-Universität, Prof. Dr. Simone Fulda, erklärte: „Die Goethe-Universität hat bereits vor vielen Jahren begonnen, mit hohen finanziellen Anstrengungen einen eignen Hochleistungsrechner zu realisieren, der schließlich im Industriepark Höchst gebaut werden konnte. Es war ein Glückfall, dass wir seinerzeit mit Volker Lindenstruth einen Spezialisten für Hochleistungsrechnen für die Goethe-Universität gewinnen konnten. Er hat ein eigenes, außergewöhnlich effizientes Rechnermodell entwickelt, das heute in diesem Bereich Maßstäbe setzt und weltweit gefragt ist. Der neue Goethe-Hochleistungsrechner führt diese Entwicklungslinie konsequent in die Zukunft fort. Wir freuen uns, dass wir der Öffentlichkeit am 13. Dezember die dann bereits fertig gestellte erste Ausbaustufe unseres neuen Hochleistungsrechners vor Ort im Industriepark Höchst vorstellen können.“ 

Prof. Dr. Volker Lindenstruth, der den „Goethe-Hochleistungsrechner“ konstruiert hat, betonte: „Mit dem neuen Goethe-Hochleistungsrechner erfüllt sich eine Vision. Hochleistungsrechnen ist normalerweise extrem teuer und energieintensiv. Dank unseres besonders effizienten Konstruktionsprinzips können wir die Energie- und Betriebskosten auf ein dafür notwendiges Minimum senken. Dies ist insbesondere auch für eine immer IT-intensivere Wissenschaft eine gute Nachricht: Wir können heute maximale Rechnerleistungen zu Kosten bereitstellen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.“

Sep 21 2018
10:43

Konferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität zu „1968“

Bewegtes Frankfurt

FRANKFURT. „50 Jahre 68. Eine globale Revolte bewegt(e) Frankfurt“ – so lautet der Titel der Jahreskonferenz 2018 des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, die von 5. bis 6. Oktober stattfindet. Am Abend des 5. Oktober lädt die Goethe-Universität gemeinsam mit dem Studentenmagazin ZEIT CAMPUS zur Podiumsdiskussion.

Die Protestbewegungen von 1968 forderten die Institutionen der parlamentarischen Demokratien heraus und stellten die Wertordnung der Gesellschaft in Frage. Kritische Intellektuelle brachen mit den Dogmen der linken Parteien und begründeten eine Neue Linke, die auf Bewegungen setzte. Frankfurt und die Goethe-Universität standen im Zentrum der Proteste. Heute gilt „68“ als Mythos, Chiffre oder Zäsur. Dabei werden den Protestbewegungen sowohl emanzipatorische als auch destruktive Wirkungen zugeschrieben: auf der einen Seite eine Demokratisierung und Liberalisierung der Gesellschaft, auf der anderen Seite ein Werterelativismus und ein neuer Dogmatismus als Nährboden des linksextremen Terrorismus (RAF) der 1970er Jahre.

50 Jahre nach 1968 beleuchtet die interdisziplinäre Jahreskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften die Nachwirkungen der Proteste. Die Veranstaltung findet

am Freitag, 5. und Samstag, 6. Oktober im Trude Simonsohn-Saal im Casino-Gebäude (Campus Westend)

statt. Sie ist Bestandteil der Themenreihe „50 Jahre 68“ der Goethe-Universität und wird vom Universitätspräsidium unterstützt und von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft großzügig finanziell gefördert.

Zwei Themenkomplexe nimmt die Konferenz in den Blick: Am ersten Tag (5. Oktober, Beginn 10:00 Uhr) werden die Proteste mit Blick auf das ‚literarische Feld‘ erörtert: Was hat sich in Literaturproduktion und -kritik verändert? Wie haben sich Verlage und Autoren positioniert? Hier geht es u.a. um Suhrkamp, das Journal Frankfurt und die literarischen Beziehungen zwischen RAF und Roten Brigaden.

Am zweiten Tag (6. Oktober, Beginn 10:00 Uhr) widmen sich die Vorträge den komplexen Beziehungen, Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen der Neuen Linken und den Neuen Rechten. Ist die Gegenwart tatsächlich stark von „68“ geprägt? Inwiefern ist die Neue Rechte eine Gegenbewegung? Hier geht es auch um die Frage, wie frühere 68er zu nationalkonservativen Vordenkern werden konnten.

Am Abend des 5. Oktober findet in Zusammenarbeit mit ZEIT CAMPUS zudem eine Podiumsdiskussion statt mit der Historikerin Prof. Ingrid Gilcher-Holtey (Bielefeld) und dem Politologen Dr. Wolfgang Kraushaar (Hamburg) sowie mit den Frankfurter Soziologen Dr. Thomas Biebricher und Prof. Martin Saar. Moderiert wird die Runde zum Thema „50 Jahre 68“ von Oskar Piegsa, Chefredakteur von ZEIT CAMPUS.

Die Veranstaltung ist öffentlich.

Weitere Informationen finden Sie unter https://fzhg.org/aktuelles/termine/.
Anmeldung per E-Mail unter fzhg@em.uni-frankfurt.de.

Sep 20 2018
13:37

Herzforscher Dr. Nuno Guimarães Camboa gründet mit 1,25 Mio Euro eine Nachwuchsgruppe an der Goethe-Universität

Von Kalifornien an den Main

FRANKFURT. Nach zehn Jahren an der renommierten University of California wechselt der Herzforscher Dr. Nuno Guimarães Camboa an die Goethe-Universität. Gelockt hat ihn das Nachwuchsprogramm des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), zu dessen bundesweit 28 Standorten auch die Goethe-Universität gehört. Der gebürtige Portugiese erhält in den kommenden fünf Jahren 1,25 Millionen Euro zum Aufbau einer Nachwuchsgruppe, die Grundlagenforschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreibt.

Im Zentrum der Arbeiten von Dr. Nuno Guimarães Camboa steht ein Transkriptionsfaktor. Das ist ein Protein, mit dessen Hilfe der genetische Code der DNA kopiert, das heißt, in RNA „übersetzt“ wird. Aus seinen bisherigen Forschungsarbeiten an der University of California weiß der Nachwuchsforscher, dass ein bestimmter Transkriptionsfaktor, TBX18, ganz charakteristisch in drei Zelltypen auftritt: In glatten Muskelzellen, die in der Wand von Blutgefäßen vorkommen, in Schrittmacherzellen im Sinusknoten (der Struktur im Herzen, die den Rhythmus der Herzkontraktion bestimmt) und in aktivierten Bindegewebszellen in verletzten Herzen. Alle drei Zelltypen sind an gefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt: An Aussackungen der Hauptschlagader (Aneurysmen der Aorta), an Herzrhythmusstörungen sowie an krankhafter Vermehrung von Bindegewebe im Herzen (kardialer Fibrose).

„Wir nehmen an, dass TBX18 die Funktionen dieser Zellen beeinflusst“, sagt Guimarães Camboa. „Deshalb könnte dieser Faktor eine Rolle bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.“ Mit seiner DZHK-Nachwuchsgruppe an der Goethe-Universität will er untersuchen, welche Gene durch den Transkriptionsfaktor reguliert werden. Außerdem plant der Biologe, TBX18 in den relevanten Zelltypen gezielt auszuschalten. Anschließend will er genau analysieren, was passiert, wenn diese Zellen nicht mehr funktionieren. „Wir wollen so die in bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiven Signalnetzwerke besser verstehen und hoffen, damit ihre Früherkennung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern“, erklärt Guimarães Camboa.

Der studierte Biologe hat an der University of California sowohl seine Doktorarbeit angefertigt als auch über vier Jahre als Post-Doktorand gearbeitet. Bislang hat er sich mit der Embryonalentwicklung des Herzens beschäftigt.

Mit den Nachwuchsgruppen will das DZHK talentierte und qualifizierte Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland gewinnen und ihnen schon früh eine wissenschaftliche Selbstständigkeit ermöglichen. Neben der Leitung der Forschungsgruppe haben die Nachwuchswissenschaftler auch Lehrverpflichtungen, sodass sie sich für eine Berufung qualifizieren können.

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/73850305

Foto: privat

Informationen: Dr. Nuno Guimarães Camboa, Institut für kardiovaskuläre Regeneration, Universitätsklinik Frankfurt, ncamboa@med.uni-frankfurt.de

Sep 19 2018
18:01

Führung zum Thema „Samen und Früchte“. 21. September, 16 Uhr

Herbst im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT. Samen und Früchte sind nicht nur Grundlage der menschlichen Ernährung, sondern auch außerordentlich vielgestaltige Pflanzenteile, die eine wichtige Grundlage der heutigen Artenvielfalt darstellen. Die nächste Führung im Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg hat die Vielfalt der Samen und Früchte von Blütenpflanzen zum Gegenstand. Die Botanik dieser Pflanzenteile wird anschaulich erörtert. Weitere Themen der Führung am 21. September sind die Funktion von Samen und Früchten als Ausbreitungseinheit und die verschiedenen Ausbreitungsstrategien (Tiere, Wind, Wasser u. Selbstverbreitung).

Treffpunkt ist um 16.00 Uhr am Eingang Wissenschaftsgarten, Altenhöfer Allee 1f. Die Führung dauert voraussichtlich 90 Minuten.

Kontakt: Prof. Georg Zizka, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-42176, Georg.Zizka@senckenberg.de

Sep 17 2018
17:00

Interdisziplinäre Akademie an der Goethe-Universität fördert Nachwuchswissenschaftler

Johanna Quandt Young Academy at Goethe eröffnet

FRANKFURT. In einem feierlichen Akt mit geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik und Universität wurde heute die „Johanna Quandt Young Academy at Goethe“ (JQYA) eröffnet. Prof. Matthias Lutz-Bachmann, einer der beiden Gründungsdirektoren des JQYA, betonte: „Das Ziel der Akademie ist es, ganz hervorragend ausgewiesene junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt an die Goethe-Universität zu holen, damit sie hier in Kooperation aus den besten Forscherinnen und Forschern zusammen arbeiten können.“ Ermöglicht wurde die Gründung der JQYA durch eine großzügige finanzielle Unterstützung der Johanna Quandt Universitäts-Stiftung.

Die Arbeit der „Jungen Akademie“ beschränkt sich dabei nicht auf die finanzielle Unterstützung, sondern schließt auch ein Jahresthema ein, an dem alle Fellows der Akademie disziplinenübergreifend arbeiten. Das erste Thema lautet „Nature and Normativity“ und soll sowohl aus der Sicht der Geistes- und Kulturwissenschaften als auch aus der Sicht der Natur- und Lebenswissenschaften bearbeitet und reflektiert werden.

Für das akademische Jahr 2018/2019 hat die JQYA in einem kompetitiven Verfahren sieben junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Fellows ausgewählt. Die Fellows bilden den Kern der Akademie. Sie treffen sich regelmässig zum wissenschaftlichen Austausch. Diese Forscher haben sich zum einen Teil aus der Goethe-Universität beworben, zum anderen Teil kommen sie von außerhalb und arbeiten als Gastwissenschaftler für zwölf Monate an der Goethe Universität.

Für ihre hervorragenden Forschungsleistungen wurden die Juniorprofessorin Dr. Sandra Eckert (Social Sciences), der Juniorprofessor Dr. Florian Sprenger (Media and cultural studies), die Akademische Rätin Dr. Eva Buddeberg (Political Sciences), Dr. Hanieh Saeedi (Marine Biologoy), Dr. Daniel Merk (Pharmaceutical Chemistry) sowie Dr. Peter Smith (Linguistics), ebenso Dr. Federico L.G. Faroldi (Philosophy, Ghent University) als International Fellow und Dr. Jasmin Hefendehl (Goethe-Universität) als Member durch die Aufnahme in die Akademie ausgezeichnet und bei der Eröffnungsfeier als Mitglieder der Akademie gewürdigt.

Der zweite Gründungsdirektor des JQYA, Prof. Enrico Schleiff, hob auf der Eröffnungsfeier die Bedeutung einer Akademie für Nachwuchswissenschaftler hervor: „Die Begeisterung für die Arbeit in einer Akademie verdanke ich der Volkswagenstiftung, die mich in einem ähnlichen Kontext arbeiten ließ, und die positiven Erfahrungen möchte ich gern an junge Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Gerade der interdisziplinäre Austausch und Ausbruch aus den eigenen Fachgefilden ist eine unglaublich wertvolle und prägende Erfahrung, die einen ganz anderen Blick auf die eigene Forschung und das eigene Forschungsfeld erlaubt. Ich bin tief überzeugt, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen die Akademiearbeit genießen werden!“

Die Arbeit der JQYA wird von international herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begleitet. Im Rahmen der Eröffnungsfeier zeichnete die JQYA gemeinsam mit dem Präsidium der Goethe-Universität Prof. Seyla Benhabib (Yale University, Politik und Philosophie), Prof. Gunnar von Heijne (Stockholm University, Biologie) und Prof. Nicola Spaldin (ETH Zürich, Physik) für ihre Leistungen als Distinguished Senior Scientist aus.

Weitere Informationen: Dr. Elena Wiederhold, Koordinatorin der JQ Young Academy at Goethe. Tel. (069)798 47692; wiederhold@em.uni-frankfurt.de; info@jqya.de; www.jqya.de

Sep 17 2018
12:43

An der Goethe-Universität ist der WahlSwiper zur Hessischen Landtagswahl vorgestellt worden

Orientierungshilfe vor dem Urnengang

FRANKFURT. Mit der neuen Wahlempfehlungshilfe WahlSwiper können sich Wählerinnen und Wähler in Hessen über die politischen Angebote informieren und prüfen, welche Parteien ihren politischen Präferenzen am nächsten kommen. Entwickelt wurden App und Website von Wissenschaftlern der Goethe-Universität und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gemeinsam mit einer Agentur in Berlin.

Am 28. Oktober ist Landtagswahl in Hessen, und die Bürgerinnen und Bürger bestimmen über die politischen Kräfteverhältnisse im Land. Vielen fällt die Entscheidung nicht leicht, wo sie ihr Kreuz setzen sollen. Mit der App und Website WahlSwiper (www.wahlswiper.de) können sie sich über die Programme und Positionen der Parteien informieren und prüfen, wie sehr die Parteien ihren politischen eigenen Positionen entsprechen. Die Anwendung ist denkbar einfach: Die Nutzer beantworten Fragen zu ihrer politischen Meinung, die sie mit einem Wisch nach links mit „Nein“ oder nach rechts mit „Ja“ beantworten können. Das Programm gleicht die Antworten mit denen der Parteien ab und zeigt Übereinstimmungen und Schnittmengen an.

Das Gemeinschaftsprojekt der Goethe-Universität und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie der Digital-Agentur MOVACT aus Berlin geht zum Start der Briefwahl am 17. September online. Aus diesem Anlass haben die Entwickler die Online-Wahlhilfe heute an der Goethe-Universität vorgestellt. „Sich vor einer Wahlentscheidung eine Meinung zu bilden, soll einfach sein und Spaß machen“, sagt Matthias Bannert, Projektleiter bei MOVACT. Die Agentur hat das Konzept entwickelt und umgesetzt. Die 30 Fragen in der App wurden von einem Team der Universitäten in Frankfurt am Main und Freiburg entwickelt. „Der WahlSwiper ist ein hervorragendes Projekt zur Demokratieförderung“, sagt Dr. Pascal König von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Prof. Dr. Uwe Wagschal (Freiburg) hat bereits mit dem Debat-O-Meter und anderen Wahlhilfe-Tools Erfahrungen gesammelt. „Der WahlSwiper ist modern, macht Spaß und liefert uns Wissenschaftlern spannende und wichtige Erkenntnisse“, sagt Politikprofessor Wagschal, dessen Schwerpunkt die vergleichende Politikwissenschaft ist. Er und sein Team interessieren sich vor allem dafür, inwieweit sich die Parteien voneinander unterscheiden – was ja auch im Interesse der Wähler liegen dürfte.

Einfach nur Fragen zu stellen, hat den Machern aber nicht gereicht. „Mit einem neuen, auf Mobilgeräte ausgerichteten Videokonzept wird der Hintergrund zu jeder Frage durch einen Nachwuchsmoderator neutral erklärt“, sagt Steven Siebert, bei MOVACT zuständig für Video-Produktionen: „Dazu zeigen wir unterstützende Animationen, die die Thematik für jeden verständlich machen.“

Der WahlSwiper wurde erstmals zur Bundestagswahl 2017 veröffentlicht, bislang haben ihn eine halbe Million Nutzer abgerufen. Das kostenlose Angebot gibt es für iPhone, iPad, Android-Smartphones und -Tablets, für Apple TV sowie für die Sprachassistenten Amazon Alexa und Google Home und als Web-Anwendung auf www.wahlswiper.de. „Wir möchten möglichst viele Menschen erreichen“, erklärt MOVACT-Geschäftsführer Max Mitschke. „Deswegen ist es uns wichtig, auf vielen verschiedenen Plattformen zu sein, um die Nutzer dort abzuholen, wo sie unterwegs sind.“ Die Hürde, sich eine politische Meinung zu bilden, solle möglichst niedrig sein.

Informationen: Dr. Pascal König, Institut für Politikwissenschaft, Telefon +49 (69) 798 36641, E-Mail P.Koenig@soz.uni-frankfurt.de; Professor Uwe Wagschal (Universität Freiburg), E-Mail: uwe.wagschal@politik.uni-freiburg.de; Telefon: 0761 2039361; Matthias Bannert, Projektleiter bei MOVACT, Telefon: 030-403666943, presse@wahlswiper.de

Sep 12 2018
11:57

Studentische Initiative „mehr als wählen“ organisiert 1. Frankfurter Demokratiekonvent

Bürgerbeteiligung neu denken

FRANKFURT. Trump, Brexit, AfD: Die Entfremdung der Menschen von der etablierten Politik begegnet einem derzeit auf vielen Ebenen. Was gegen diese Entfremdung getan werden kann, darüber haben sich Studierende der Politikwissenschaft Gedanken gemacht. Herausgekommen ist die Initiative „mehr als wählen“, die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger zum Gespräch zusammenbringen soll.

Die empfundene Undurchsichtigkeit und Komplexität des politischen Systems, stereotype Wahrnehmungen von Politikerinnen und Politikern und eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft schwächen die Demokratie. Diese Feststellung muss einen als Student oder Studentin der Politologie ja zum Nachdenken bringen. Doch was kann der Einzelne schon ausrichten gegen Politikverdrossenheit, Wutbürgertum und Populismus?

Der Einzelne vielleicht wenig, aber wenn sich mehrere Studierende zusammentun, sieht die Sache schon anders aus. „Geht es nur um ‚die da oben‘? Oder haben sich viele Menschen auch voneinander entfremdet?“, fragt sich Julian Merkel. Antworten erhofft sich der 26-jährige Student im Masterstudiengang Politische Theorie von einem Konvent zum Thema Bürgerbeteiligung, den er und einige befreundete Kommilitonen organisieren wollen. Die Idee dazu entstand unter anderem in einem Seminar bei Prof. Brigitte Geißel.

„Im Seminar haben wir über Deliberation gesprochen: Wie kann man diesem sehr theoretischen Gedanken eine Form geben?“, berichtet Merkel. Der Begriff „deliberative Demokratie“ bezeichnet ein inputorientiertes Demokratiemodell: Er hebt die Bedeutung des öffentlichen Diskurses über alle politischen Themen hervor, Ziel ist die politische Willensbildung. Einer der wesentlichen Theoretiker dieser Richtung ist Jürgen Habermas. „Wir wollten unser universitäres Wissen aus dem akademischen Kontext lösen und in die Praxis umsetzen“, beschreibt Merkel die Anfänge. Schnell waren sich die Beteiligten einig, dass sie einen Beitrag dazu leisten wollten, dass politische Beteiligung wieder stärker erfahrbar wird. Dass der Einzelne mehr machen kann als einfach nur wählen zu gehen.

„Mehr als wählen“ heißt denn auch die Initiative, die dem Gefühl der Entfremdung von der Politik entgegenwirken soll. „Wir wollen einen inklusiven Austausch initiieren, bei dem die Bürgerinnen und Bürger den Prozess der Willensbildung aktiv mitgestalten“, sagt Katharina Liesenberg. Diese „konsultative Komponente“, bei der der Bürger aktiv einbezogen wird, soll die repräsentative Demokratie ergänzen. Ein Demokratiekonvent soll Bewohnerinnen und Bewohner Frankfurts zusammenbringen, damit sie auf der Grundlage verlässlicher Informationen über kommunalpolitisch wichtige Fragen debattieren. Das Thema für den Auftakt lag nahe: Bürgerbeteiligung.

Für die Veranstaltung im kommenden Frühjahr werden 50 Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und Bereichen eingeladen. Ermittelt werden sie zu zwei Dritteln über das Zufallsprinzip, zu einem Drittel durch bewusste Einbeziehung unterrepräsentierter Gruppen. An drei Samstagen können die Teilnehmenden Expertise einholen und debattieren. Ziel ist es, neue Formen der Bürgerbeteiligung zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Sie werden begleitet von Expertinnen und Experten und einer professionellen Moderation.

Die Stadt Frankfurt haben die Studierenden bei der Entwicklung ihres Projekts mit einbezogen. Wer ausgewählt wird, erhält einen Brief, in dem alles verständlich erklärt sein wird. Alle, die mitmachen, werden vorab mit Informationsmaterial und Erklärvideos versorgt.

Finanziert wird das Projekt durch die Hertie-Stiftung. Am Ende soll sich der Aufwand lohnen: „Die Ergebnisse des Konvents sollen möglichst auch realisiert werden“, sagt Katharina Liesenberg. Sie selbst hat in Berlin ein ähnliches Projekt auf Bundesebene mit angestoßen – und wird das Projekt auch theoretisch begleiten: „Mir ist jetzt klar geworden, dass ich mich sehr dafür interessiere, wie Wandel stattfindet und wie sich neue Institutionen bilden“, so die 25-Jährige.

Information: Julian Merkel, Telefon 0151 41907909, E-Mail: merkel@mehralswaehlen.de