Pressemitteilungen 

Personalia/Preise

Mai 24 2012
11:59

Gesucht wird auch in diesem Jahr wieder ein Nachwuchswissenschaftler, der herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung erbracht hat

Ausschreibung: Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis

FRANKFURT. Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis gehört zu den international renommiertesten Auszeichnungen, die in Deutschland auf dem Gebiet der Medizin vergeben werden. Er wird von der Paul Ehrlich-Stiftung jährlich an eine promovierte Nachwuchswissenschaftlerin bzw. an einen promovierten Nachwuchswissenschaftler vergeben, die/der an einer Forschungseinrichtung herausragende Leistungen erbracht hat. Die Höhe des Preisgeldes beträgt bis zu 60.000 Euro. Das Preisgeld darf ausschließlich forschungsbezogen verwendet werden.

Vorschlagsberechtigt sind Hochschullehrende sowie leitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Forschungseinrichtungen in Deutschland. Selbstbewerbungen werden nicht berücksichtigt. Zum Zeitpunkt der Preisverleihung soll der Preisträger das vierte Lebensjahrzehnt noch nicht vollendet haben und keine Lebenszeitprofessur oder vergleichbare Position innehaben.

Vorschläge werden ausschließlich in elektronischer Form (CD oder E-Mail) bis zum 8. Juni erbeten. Sie sollten eine detaillierte Begründung, ein Schriftenverzeichnis, die wichtigsten Publikationen sowie ein Curriculum Vitae der/des Vorgeschlagenen enthalten.

Vorschläge bitte an den Vorsitzenden der Auswahlkommission: Prof. Dr. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Max-von-Laue-Str. 9, 60438 Frankfurt am Main, paul-ehrlich-nachwuchspreis@uni-frankfurt.de

Weitere Informationen: Beate Braungart, Telefon (069)798-28047, paul-ehrlich-nachwuchspreis@uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 24 2012
11:57

Alexander Kluge Dozent bei der Frankfurter Stiftungsgastdozentur Poetik – Erste Vorlesung zur „Theorie der Erzählung“ am 5. Juni

„Gattung Kluge“: Literatur zwischen Fiktion und Realität

FRANKFURT. Als „Gattung Kluge“ bezeichnete Jan Philipp Reemtsma die literarischen Texte zwischen Fiktionalität und Wirklichkeit, die Alexander Kluge kreiert hat, und fügte hinzu: „Sein Werk ist Literatur, aber eine Literatur, die sich nicht der Unterscheidung von Fiktion und Tatsache fügt.“ Als Dozent der renommierten Frankfurter Stiftungsgastdozentur für Poetik wird Kluge ab dem 5. Juni über die „Theorie der Erzählung“ sprechen. An vier aufeinander folgenden Dienstagen hält er jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaal HZ 2 des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend der Goethe-Universität seine Poetikvorlesung.

Kluge wird vor Studierenden, Wissenschaftlern und interessierten Bürgern, bei denen sich die Poetik-Vorlesungen seit Jahren besonderer Beliebtheit erfreuen, seine Perspektive auf das zeitgenössische literarische Schreiben darlegen. „Das Rumoren der verschluckten Welt. Die Lebensläufe und das Wirkliche“ ist der Titel seiner ersten Vorlesung am 5. Juni. Dazu Kluge: „Unsere Lebensläufe sind die Häuser, aus deren Fenstern wir Menschen die Welt deuten.“ Seine Erzählprojekte kreisen häufig um Lebensläufe, so auch die jüngste Publikation „Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. 402 Geschichten“ (2012), die Geschichten des 20. und 21. Jahrhunderts gleichsam bergen und verdichten. Seit 2000 bringt Kluge, promovierter Jurist, der sich als Schriftsteller und Filmemacher, Philosoph, Kunst- und Medientheoretiker sowie Hochschullehrer einen Namen machte, verstärkt wieder Bücher heraus: Neben größeren literarischen Werken wie „Chronik der Gefühle“ (2000), „Die Lücke, die der Teufel läßt“ (2003) oder „Das Bohren harter Bretter“ (2011) ist auch eine Reihe kleinerer Prosasammlungen entstanden.

„Das Handwerkszeug für Text und Film. Die Poetik selbst“ hat Kluge seinen zweiten Vortrag am 12. Juni betitelt. Filmische Verfahrensweisen sind ebenso präsent in seinen literarischen Texten, „schon in den allerersten war der Filmschnitt geschärft durch entsprechende literarische Montagetechniken“, so Fritz Göttler in der Süddeutschen Zeitung aus Anlass von Kluges 80. Geburtstag im Februar; der SZ-Autor bezeichnet Kluge als „intellektuellen Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur“. Kluge war vor 50 Jahren Mitinitiator des als Abkehr vom alten deutschen Film formulierten „Oberhausener Manifests“, das er heute für so aktuell wie 1962 hält, sowie Mitbegründer des Neuen Deutschen Films. Seit 1988 ist Kluge ebenso im Fernsehen durch die Produktion innovativer TV-Formate, so etwa die Reihe „Facts&Fakes“, bekannt geworden.

Weitere Themen der Vorlesungsreihe sind am 19. Juni „Die Wirklichkeitsmassen, die auf ihre Erzählung warten“ und am 26. Juni „Die Unabweisbarkeit des Erzählens“. Im Anschluss an diese Vorlesung liest Alexander Kluge um 20.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt. Begleitend findet ab 5. Juni eine Ausstellung im „Fenster zur Stadt“ im Haus des Buches, Braubachstraße 18-22, statt. In einem Interview im aktuellen UniReport der Goethe-Universität umriss Kluge, was er unter dem „Erzählraum der Wirklichkeit“ versteht: „In einer Welt, in der auf unserem Planeten 7 Milliarden Menschen leben, hat sich die Wirklichkeit insofern verändert, als deren Maße gegenüber meinem Geburtsjahr 1932 nachhaltig größer geworden sind. Diesen Wirklichkeitsmassen müssen wir uns stellen. Dies ist der ‚Erzählraum der Wirklichkeit‘. Es ist der gleiche Raum für Leser und Autoren… So wie wir Menschen unsere Vorgeschichte in unseren Körpern und in unserem Geist als Erzählung mit uns tragen.“

Mit Frankfurt verbindet Kluge, der nicht nur in Frankfurt (wie auch in Marburg) studiert, sondern auch später hier lange Jahre gelebt hat, entscheidende Impulse für seine unterschiedlichsten Projekte. Neben Rechtswissenschaften, er promovierte 1956 über „Die Universitätsselbstverwaltung“, studierte Kluge auch Geschichte und Kirchenmusik. In seiner Frankfurter Zeit pflegte Kluge intensiven Kontakt zu Theodor W. Adorno und den übrigen Wissenschaftlern des Instituts für Sozialforschung; aus dieser Zeit rührt auch seine enge Freundschaft zu Jürgen Habermas. Die Kritische Theorie ist stets ein wichtiger Bezugspunkt für Alexander Kluges Produktionen geblieben. Sich selbst bezeichnet Kluge in dem Uni-Report-Interview als „Poet dieser Theorie“ und betont, dass damit eine Haltung verbunden sei, die er „über die Jahre hinweg für entscheidend halte. Sie sagt im Jahr 1932: eine Theorie, die das Dritte Reich und die Barbarei nicht, ehe sie beginnt, aufhält, taugt nichts. Nachträglich betrachtet: wir müssen Denken und Haltung, also das was man kritisch nennt, radikal ändern.“

Kluge erhielt im Laufe der Jahre zahlreiche Preise, darunter 1966 den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig, 2001 zum zweiten Mal den Bremer Literaturpreis, 2003 den Georg-Büchner-Preis (zu dem Reemtsma die Laudatio hielt) sowie 2008 den Deutschen Filmpreis.

Mit Alexander Kluge wird die erfolgreiche Geschichte der Poetikdozentur fortgeführt. Der ersten Dozentin Ingeborg Bachmann folgten mittlerweile über 65 namhafte Autoren und Autorinnen, darunter Hans Magnus Enzensberger, Ernst Jandl, Christa Wolf, Marlene Streeruwitz, Uwe Timm, Navid Kermani oder im vergangenen Wintersemester Thomas Meinecke.

1959 vom Verlag S. Fischer in Form einer Stiftungsgastdozentur eingerichtet, wurden die Frankfurter Poetikvorlesungen ab 1963 von dem Suhrkamp Verlag sowie der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität getragen. Seit 2011 steht hinter der Stiftungsgastdozentur für Poetik ein Konsortium, das sich zur Fortsetzung der langen Tradition der Frankfurter Poetikvorlesungen gebildet hat. Es besteht neben der Goethe-Universität aus den Verlagen S. Fischer, Schöffling & Co und Suhrkamp, den Freunden und Förderern der Goethe-Universität, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt sowie dem Literaturhaus Frankfurt.

Interview mit Alexander Kluge im aktuellen UniReport:  www2.uni-frankfurt.de/41017643/020

Informationen: Prof. Dr. Susanne-Komfort-Hein und Anne-Marie Bernhard (M.A.), Stiftungsgastdozentur für Poetik, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Campus Westend, Tel.: (069) 798- 32855; poetik@lingua.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 24 2012
11:53

Professor der Yale University hält öffentlichen Vortrag im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Gesichter und Schattenseiten des Krieges

FRANKFURT. Auf Einladung des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität hält Jay Winter, Professor für Geschichte an der renommierten Yale University (USA), einen öffentlichen Vortrag

am: Mittwoch (30. Mai) um 18 Uhr
Ort: IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema: “Faces, Voices and the Shadow of War“

In der heutigen Malerei, in Skulpturen und Installationen spielt das menschliche Gesicht als Darstellungs- und Anschauungsmittel des Krieges kaum eine Rolle mehr. Das hat einerseits mit Veränderungen der Künste zu tun, verweist aber auch auf die veränderte Natur des Krieges und auf unsere veränderte Sichtweise auf den Krieg. Weil das, was wir sehen, einen größeren Einfluss auf uns hat als das, was wir lesen, hat das Verbergen des menschlichen Gesichts und der menschlichen Gestalt in Repräsentationen des Krieges im 20. Jahrhundert und später eine große Bedeutung.

Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Forschung

Mai 23 2012
16:32

Carls Stiftung fördert Studie zur Hemmung von Krebsgenen bei Brust- und Darmkrebs

Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?

FRANKFURT. Wie kann man Menschen helfen, bei denen ein hohes Risiko besteht, an einer erblichen Krebsform zu erkranken? Zurzeit setzen Ärzte vor allem auf spezielle Früherkennungsprogramme. Neue Hoffnung weckte vor einiger Zeit die Entdeckung eines Krebsgens, bei dessen Hemmung die Krebszellen im Tierversuch abstarben. Am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen der Goethe-Universität soll nun überprüft werden, ob das Krebsgen die häufigsten erblichen Krebsformen, nämlich Brust- und Eierstockkrebs sowie Darmkrebs, verhindern kann. Die Studie wird von der Carls Stiftung mit 110.930 Euro gefördert.

Wenn sich der Verdacht auf eine erbliche Krebsform erhärtet, kann eine molekulargenetische Diagnostik Gewissheit verschaffen. In Beratungsgesprächen wird Personen mit nachgewiesener pathogener Mutation dann empfohlen, an speziellen Früherkennungsprogrammen teilzunehmen. Bei erblichem Brustkrebs kann gegebenenfalls auch eine medikamentöse Prävention oder eine prophylaktische Operation erfolgen.

Das Ziel der Forschergruppe um Prof. Klaus Strebhardt vom Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Goethe-Universität ist es, von vornherein zu verhindern, dass erblich bedingter Krebs ausbricht. In Vorversuchen, die bereits von der Carls Stiftung  gefördert wurden, konnte er zeigen, dass das Wachstum von  Tumorzellen in besonderem Maße von der Funktion der sogenannten Polo-like kinase 1 (Plk1) abhängt. Wird das Plk1-Gens medikamentös gehemmt, dann sterben die Tumorzellen ab. Für das Überleben gesunder menschlicher Zellen ist Plk1 dagegen nicht notwendig. Diese ideale Situation wird bereits heute ausgenutzt, indem man Krebspatienten mit Plk1-spezifischen Medikamenten behandelt.

In dem neuen Forschungsprojekt stehen zwei Tiermodelle für den erblichen Krebs, Brustkrebs (BRCA1) und kolorektalen Krebs (FAP), im Vordergrund. Hier soll nämlich erstmalig getestet werden, ob die Hemmung von Plk1 das Auftreten dieser beiden erblichen Krebsformen verzögern oder sogar verhindern kann. Ergebnisse dieser Studie könnten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung einer zielgerichteten Krebsprophylaxe bei Hochrisikopatienten leisten.

Informationen: Prof. Klaus Strebhardt, Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinik, Tel. (069) 6301-6894, Strebhardt@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mai 23 2012
16:28

Sport senkt das Risiko zahlreicher Erkrankungen, betont Sportmediziner Prof. Winfried Banzer von der Goethe-Universität. Auch Menschen mit chronischen Krankheiten können durch Sport Therapiemaßnahmen sinnvoll unterstützen

Bewegung schützt vor Krankheit

FRANKFURT. Auch wenn die angenehmen Temperaturen des Frühjahrwetters zur körperlichen Ertüchtigung im Freien verlocken: Nicht alle Menschen treiben regelmäßig Sport. Dabei unterstreicht die heutige Medizin die hohe Bedeutung von Sport für die Gesundheitsvorsorge: „Regelmäßige Bewegung mit moderater Intensität senkt nachweisbar das Risiko zahlreicher Erkrankungen“, betont Prof. Winfried Banzer, Leiter der Präventiven und Rehabilitativen Sportmedizin an der Goethe-Universität. Das Risiko, an einem chronischen Leiden zu erkranken, lasse sich damit deutlich verringern. Auch stärke Bewegung die psychische Gesundheit und trage zum Erhalt der Selbstständigkeit im Alter bei.

Bedeutend sei eine ausgewogene Bewegung auch als Therapiemaßnahme bei den meisten chronischen Erkrankungen. „So hat sich Bewegung bei Diabetes, Bluthochdruck oder stabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als sehr effektiv erwiesen“, so Banzer. Selbst bei bestimmten Tumorerkrankungen könne Bewegung prophylaktisch wirken. Bewegung beeinflusse nicht nur klinische Werte günstig, sondern trage auch zur Verbesserung der mentalen und psychischen Verfassung bei chronisch Kranken bei. „Welche Sportarten im Einzelnen empfehlenswert sind, hängt von vielen Faktoren, beispielsweise dem Gesundheitszustand, Alter und individuellen Präferenzen ab und sollte im Idealfall in der sportmedizinischen Beratung geklärt werden“, erläutert Banzer. 

Wer als chronisch Kranker in Maßen Sport treibe, profitiere eindeutig von dieser Aktivität und trage nur ein geringes Gesundheitsrisiko. Dass man bei der körperlichen Aktivität nicht übertreiben sollte, empfiehlt Banzer auch Neu- oder Wiedereinsteigern. Es gebe Hinweise dafür, dass frühere Sportmuffel ihre Aktivität eher aufrecht erhalten, wenn diese von moderater Intensität sei. Grundsätzlich aber gelte: „Es ist nie zu spät anzufangen“, unterstreicht Banzer. Studien zeigten, dass eine selbst im Alter erst aufgenommene körperliche Aktivität die Sterblichkeit senken könne.

Informationen: Prof. Dr. Winfried Banzer, Institut für Sportwissenschaften,
Abteilung Sportmedizin, Telefon (069)798-24543, winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de 

Das komplette Interview mit Prof. Banzer findet man unter http://www2.uni-frankfurt.de/41006957/018

Veranstaltungen

Mai 22 2012
15:00

Internationale Konferenz über „Global Justice“ am 31. Mai und 1. Juni 2012 an der Goethe-Universität

Grundlagen globaler Gerechtigkeit

FRANKFURT. Die Bekämpfung der Armut, der Umgang mit dem Klimawandel, die Einhaltung von Menschenrechten: In einer zunehmend globalisierten Welt stellt sich auch die Frage der politischen Gerechtigkeit nicht mehr allein auf nationalstaatlicher Ebene. Aber wer neben den Nationalstaaten trägt Verantwortung und ist entsprechend verpflichtet, sich an der Bewältigung von Problemen mit globaler Tragweite zu beteiligen? Welche Ordnungen und rechtlichen Institutionen sind dafür erforderlich? Und wie lassen sich diese organisieren und kontrollieren? Besonders um diese Fragen geht es bei der internationalen Konferenz zum

Thema: „Global Justice: Problems, Principles and Institutions“
am: Donnerstag, 31.Mai, und Freitag, 1. Juni 2012
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität,
Casinogebäude, Raum 1.811, Grüneburgplatz 1.

Veranstalter der englischsprachigen Tagung mit zehn renommierten Referenten aus England, Kanada und den USA sind der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und die ebenfalls hier tätige DFG-Kollegforschergruppe „Justitia Amplificata“. Die wissenschaftliche Leitung haben die Frankfurter Professoren für Politische Philosophie Rainer Forst und Stefan Gosepath. Die Vorträge und Diskussionen beginnen am Donnerstag (31. Mai) um 14.15 Uhr und am Freitag (1. Juni) um 10 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Auf dem Programm steht auch die grundlegende Frage, warum eine genuin globale Sicht auf Gerechtigkeit überhaupt notwendig ist. Es könnte ja auch eine internationale Perspektive genügen, innerhalb derer die normative Beurteilung von Nationalstaaten und ihre Interaktionen im Fokus stehen. Von zentraler Bedeutung in diesem Zusammenhang sind Kriterien zur Begründung globaler Gerechtigkeitsprinzipien. Die Tagung umfasst insgesamt fünf Panels. Thematisiert werden die Frage globaler versus internationaler Gerechtigkeit, die Bedeutung kultureller Differenz für globale Gerechtigkeit, das Verhältnis von Demokratie und globaler Gerechtigkeit, globale Standards für distributive Gerechtigkeit sowie Fragen der Anwendung globaler Gerechtigkeitsprinzipien.

Zu den Vortragenden gehören auch zwei Gastprofessoren, die in diesem Sommersemester als Senior Fellows mit der Forschergruppe „Justitia Amplificata“ zusammenarbeiten: Allen Buchanan ist Professor für Philosophie und Rechtswissenschaft an der Duke University und seit vielen Jahren Berater in verschiedenen nationalen und internationalen Kommissionen – unter anderem für die amerikanische Regierung und die Europäische Union. Während seines Aufenthalts arbeitet er auch am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Thomas Pogge wiederum, der an der Yale University lehrt, gilt als einer der bedeutendsten Gerechtigkeitstheoretiker weltweit, wobei der aus Deutschland stammende Philosoph immer wieder konkrete praktische Maßnahmen vorschlägt, beispielsweise die Einführung des „Health Impact Fund“, eine Reform für eine bessere und gerechtere medizinische Versorgung von Menschen in extremer Armut. Pogge gehört auch zu den Gründern einer Organisation, die Wissenschaftler zu einem aktiven und persönlichen Engagement gegen Armut ermuntern will. Über die Aufgaben und Ziele von „Academics Stand Against Poverty“ wird er auf der Frankfurter Konferenz berichten.

Programm: http://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/alleveranstaltungen/1167

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel.: (069) 798-22015, peter.siller@normativeorders.net, http://www.normativeorders.net/, http://www.justitia-amplificata.de/

Veranstaltungen

Mai 21 2012
13:50

Lennaert Maes & die Bonski’s zeigen, wie es geht

Singend Niederländisch lernen

FRANKFURT. Wer immer schon mal einen Niederländisch-Kurs besuchen wollte, die Sprache gerne hört, seine Kenntnisse etwas auffrischen oder nur einfach in Urlaubslaune geraten will, dem bietet das Lektorat Niederländisch einen unterhaltsamen Abend mit dem Barden Lennaert Maes und seiner Gruppe Bonski’s

am: Donnerstag, dem 24. Mai, um 20 Uhr,
Ort: Nebengebäude des IG-Farben-Hauses,  Raum 1.741b, Campus Westend, Grüneburgplatz 1.

Lennaert Maes und die Bonski’s vermitteln gute Laune und, ohne dass man es merkt, Niederländisch-Kenntnisse – klammheimlich, wie der Kleider-Kleptomane. Der Kleider-Kleptomane geht herum und klaut Socken, Hosen, Jacken und Schuhe und am Ende des Liedes beherrschen die Besucher das ganze Wäschekorb- und Kleiderschrank-Vokabular.

Ihre Lorbeeren verdienen sie um Brüssel herum, wo sie ihr Bestes geben, um den frankophonen Brüsselern Niederländisch beizubringen. Der Barde Lennaert Maes ist mehr als reiner Liedermacher: 2011 erhielt er den Publikumslieblingspreis beim Kabarettfestival in Leiden (NL).

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de

www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html

Veranstaltungen

Mai 21 2012
13:46

Abend der offenen Tür: Fortbildungsprogramm stellt sich vor

Einblick in Kursarbeit der Buch- und Medienpraxis

FRANKFURT. Das Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis der Goethe-Universität veranstaltet am Donnerstag (24. Mai) ab 19 Uhr im Casino, Raum 1.812, auf dem Campus Westend einen Abend der offenen Tür. Die Dozentin Silke Tabbert, Lektorin beim Verlag Schöffling & Co, und der Dozent Christoph Schröder, freier Autor und Kritiker, geben einen Einblick in ihre Kursarbeit; ehemalige Teilnehmer erzählen, was aus ihnen geworden ist; und der gegenwärtige Jahrgang stellt sich mit Arbeitsproben vor. Eine gute Gelegenheit für Magister- und BA-Absolventen, in die Buch- und Medienpraxis einzusteigen, und für ehemalige Studenten, sich wiederzusehen.

Das Fortbildungsprogramm „Buch- und Medienpraxis", an dem seit 1996 etwa 420 Studierende teilgenommen haben, will zwischen dem philologischen Studium und der buch- und medienbezogenen Berufspraxis vermitteln. Es wendet sich an besonders qualifizierte Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen, insbesondere an Philologen. Sie sollen im Rahmen der zweisemestrigen Fortbildung die Kompetenz erwerben, philologische Kenntnisse im Hinblick auf die berufsspezifischen Anforderungen und Erwartungen der professionellen Buch- und Medienpraxis anzuwenden. Dazu kooperiert das in der Bundesrepublik einzigartige Fortbildungsprogramm mit Verlagen, Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Bibliotheken, Buchhandlungen sowie anderen kulturellen Einrichtungen.

Die Lehre des Fortbildungsprogramms wird von profilierten Vertretern aus diesen Bereichen erbracht, wissenschaftlich betreut wird das Programm von Prof. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik. Die Gebühren für das zweisemestrige Programm betragen 1000 Euro. Die Kurse finden in der Regel während der Vorlesungszeit an drei Abenden der Woche zwischen 18 Uhr und 22 Uhr statt. Jedes Jahr werden zum Wintersemester 30 Teilnehmer aufgenommen, Bewerbungsschluss für das folgende Wintersemester ist der 1. Juli.

Informationen: Maren Illinger und Malte Kleinjung, Programmkoordinatoren der Buch- und Medienpraxis, Telefon (069) 798 - 23626., bmp@lingua.uni-frankfurt.de, www.buchundmedienpraxis.de

Veranstaltungen

Mai 21 2012
11:34

Alfred Herrhausen im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität

Leben und Werk eines Bankiers

FRANKFURT Was hätte Alfred Herrhausen den Demonstranten von Blockupy Frankfurt wohl zu sagen gehabt? Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wurde von vielen Zeitgenossen aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen. In ihrem Vortrag fragt Dr. Friederike Sattler nach individuellen Voraussetzungen dafür, dass Alfred Herrhausen, der 1930 in Essen geboren wurde, im Milieu des neuen Mittelstands aufwuchs und eine NSDAP-Eliteschule besuchte, in der Nachkriegszeit zu einem der mächtigsten Männer nicht nur der deutschen, sondern der internationalen Wirtschaft aufstieg – bevor er im November 1989 als Sprecher der Deutschen Bank durch ein Bombenattentat ermordet wurde. Wie haben frühe Prägungen durch Familie, Milieu und Schulerfahrungen den späteren Lebens- und Berufsweg Herrhausens gebahnt und woraus speist sich seine bis heute legendäre Gestaltungskraft als Bankier?

Dr. Friederike Sattler ist Wirtschafts-und Sozialhistorikerin und Mitarbeiterin der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Derzeit arbeitet sie an der biografischen Studie „Alfred Herrhausen. Manager und Symbolfigur des Rheinischen Kapitalismus“. Der Vortrag über Alfred Herrhausen ist Teil der Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“, die vom Frankfurter Soziologen Prof. Tilman Allert – speziell für die Frankfurter Bürgeruniversität - erdacht wurde. Vorgestellt werden bekannte Biografien aus unterschiedlichsten Bereichen die dabei exemplarisch Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte darstellen.

  • Dr. Friederike Sattler
    Alfred Herrhausen – Leben und Werk eines Bankiers
    am: Dienstag, 22. Mai 2012, um 19.30 Uhr,
    Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Weitere Vorträge:

  • 4.Juni 2012
    Wolfgang Schopf
    Alexander Kluge – Ein Archivar der Lebensläufe
  • 11. Juni 2012
    Dr. Ferdinand Zehentreiter
    Michael Gielen - Die Partitur als heiliger Text
  • 18. Juni 2012
    Prof. Tilman Allert
    Jil Sander – Die neue Sprache der Eleganz
  • 25. Juni 2012
    Dieter Bartetzko
    Herbert Grönemeyer – Bochum für alle

Beginn jeweils um 19.30 Uhr | Eintritt frei | Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

„Wie wir  wurden wer wir sind – Deutsche Biografien“ in Kooperation mit der Stadtbücherei Frankfurt am Main.

Veranstaltungen

Mai 16 2012
14:32

Tagung auf dem Campus Westend: Netzwerkforscher diskutieren mit Praktikern

Soziale Kettenreaktionen und ihre digitale Spuren

FRANKFURT. Wie kommt es zu „Shitstorms“, diesen Empörungswellen, die sich rapide im Internet ausbreiten? Was verbirgt sich hinter viralem Marketing? Wie können Mitarbeiter ohne Hierarchieebenen flexibel zusammenarbeiten? Netzwerkforscher suchen nach Ansätzen und Modellen, solche Fragestellungen zu beantworten. Sie erforschen Verbindungen zwischen Menschen, aber auch Institutionen, und wollen so verstehen, wie unsere Gesellschaft interagiert und wie soziale Kettenreaktionen entstehen. Dazu sammeln sie unter anderem digitale Spuren, die wir alle täglich hinterlassen. Das Verhältnis von akademischer Grundlagenforschung, vor allem in den Sozialwissenschaften, und neuen Praxisanwendungen beschäftigt etwa 70 Wissenschaftler und Anwender bei der internationalen Tagung „Praxisanwendungen der Netzwerkforschung“. Sie findet am 25. (Freitag) und 26. Mai (Samstag) im Casino, Campus Westend der Goethe-Universität statt.

„Die Geschwindigkeit, mit der Erkenntnisse aus der akademischen Welt in die Praxis umgesetzt werden, hat extrem zugenommen“, konstatiert Privatdozent Dr. Christian Stegbauer vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, der die Tagung organisiert hat. Das Netzwerk steht häufig als Metapher für eine zunehmende gesellschaftliche und wirtschaftliche Komplexität, in der Kooperation von Akteuren als erfolgreiches Geschäftsmodell dienen kann. Das macht die Netzwerkforschung auch so attraktiv für kommerzielle Nutzer. Der großen Komplexität und hohen Dynamik begegnen viele Unternehmen mit dem Abbau von Hierarchien. Die Mitarbeiter müssen flexibel sein und häufig mit wechselnden Kollegen zusammenarbeiten. Wie solche Aufgaben gelöst werden können, dafür bieten Netzwerkkonzepte Lösungen an. Auch bei Fusionen oder Reorganisationen von Unternehmen kann die Netzwerkforschung behilflich sein, wenn es darum geht, wichtige Mitarbeiter oder Arbeitsgruppen zu identifizieren.

Gesprochen wird auch darüber, wie sich Empörungswellen im Internet aufbauen. Es handelt sich um „Shitstorms“, eine neue Form des Protests, wenn sich beispielsweise Massen von Vegetariern über eine Scheibe Wurst in einem Werbespot mit einem Basketballstar aufregen oder Hunderttausende gegen einen Minister wettern, der Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat. Es wird untersucht, was so viele Menschen dazu bringt, sich an einer Kampagne zu beteiligen und vor allem wie eine Dynamik entsteht, vor der sich viele Politiker fürchten. Was Politiker vermeiden wollen, streben Vermarkter an: Ein Videoclip soll den Nerv der Menschen in Networking Sites treffen und sie sollen animiert werden, die Information oder das Video weiterzugeben. Wenn die Gesetze der Ausbreitung von solchen Mitteilungen erforscht sind, lassen sich Kampagnen planen. Dann verbreiten sich diese Aktionen wie ein Lauffeuer über Fernsehen, Videos im Netz und per Mundpropaganda. Für Strategen des „viralen Marketing“ sind diese sozialen Kettenreaktionen ein voller Erfolg. Sie sind deshalb besonders an Menschen mit vielen Kontakten, sogenannten „Hubs“, und einflussreichen Personen interessiert, das sichert die schnelle Weitergabe von Nachrichten.

Bei der Tagung geht es um ganz unterschiedliche Anwendungsbereiche. So werden die Teilnehmer beispielsweise auch darüber diskutieren, wie man in der Sozialen Arbeit Hilfestellungen geben kann. Die Netzwerkforscher fragen danach, wie Institutionen und Organisationen so miteinander verknüpft werden können, dass auch zurückgezogen lebende  Menschen mit wenigen Kontakten von ihnen erreicht werden können.

Zu den Referenten aus der Praxis, die bei der Frankfurter Tagung sprechen, gehören: Harald Katzmair (Wien), der das erste Institut für Netzwerkforschung in Wien gegründet hat und leitet; Olaf Zorzi (Zürich), der die Pharmaindustrie berät; Thomas Zorbach (Berlin), der eine Agentur für Virales Marketing führt; Michael Schönhuth (Trier), der die weltführende Software für qualitative Netzwerkforschung initiierte. Sehr interessant zu werden verspricht zudem das „Forum Organisationsberatung“; dort diskutieren Organisationsberater mit dem Netzwerksoziologen Roger Häußling (Aachen), der selbst in einem großen Unternehmen Forschung zu einer Fusion von Unternehmensteilen betrieben hat.

Informationen: PD Dr. Christian Stegbauer, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 23543, stegbauer@soz.uni-frankfurt.de, Tagungsprogramm: http://sites.google.com/site/praxisnetzwerkforschung/

Veranstaltungen

Mai 16 2012
14:21

Jeder fünfte Selbständige in Hessen hat einen Migrationshintergrund – Workshop mit Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis

Aus- und Weiterbildung in Migrantenunternehmen: Wie können Potenziale besser genutzt werden?

FRANKFURT. Fast jeder fünfte Selbständige in Hessen hat inzwischen einen Migrationshintergrund. Das sind rund 61.000 Unternehmer – Tendenz steigend. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung, erhöhen die Zahl der Ausbildungsplätze und bieten vor allem auch anderen Migranten eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt. Die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung wird von Unternehmern mit Migrationshintergrund allerdings bisher deutlich seltener genutzt als vom Durchschnitt der Unternehmen. Dies belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), die durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung gefördert wird.

Im vergangenen Jahr befragte das der Goethe-Universität angegliederte Zentrum rund 1.700 hessische Unternehmer mit Migrationshintergrund. Im Mittelpunkt stand, ob und wie sie Aus- und Weiterbildung für ihre Mitarbeiter anbieten, welchen Bedarf sie sehen und wo die hemmenden Faktoren auszumachen sind. Erste Ergebnisse zeigen, dass insbesondere in der Schaffung transparenter Beratungs- und Förderstrukturen eine bedeutende Herausforderung liegt.

In einem Workshop am 22. Mai (Dienstag) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stellt das IWAK die aktuellen Ergebnisse dieser Studie vor. Außerdem soll mit Akteuren der Aus- und Weiterbildung sowie interessierten Unternehmern, Unternehmer- und Migrantenverbänden in Hessen über das Thema diskutiert werden. Gemeinsam sollen Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die insbesondere an der Identifikation und Verbesserung der Schnittstelle zwischen Politik und Praxis ansetzen sollen. Die Handlungsempfehlungen werden voraussichtlich im Herbst 2012 im Rahmen der weiteren Studie veröffentlicht.

Informationen: Vera Neisen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798-23952, v.neisen@em.uni-frankfurt.de

Programm und Anmeldung unter www.iwak-frankfurt.de/documents/ Programm08112011.pdf; Projektinformation unter www.iwak-frankfurt.de/projansprech/Migrantenunternehmen.htm

Sonstige

Mai 15 2012
11:58

Neues Lehrbuch der Uni-Schreibzentren in Frankfurt (Main) und Frankfurt (Oder)

Die Wissenschaft hat festgestellt: Akademisches Schreiben ist lehr- und lernbar

FRANKFURT. Bislang fehlte eine systematische Einführung in das anspruchsvolle Handwerk des wissenschaftlichen Schreibens und die sinnvolle Einbindung von Schreibaufgaben in die universitäre Lehre. Das ist Studierenden und Lehrenden schon lange bekannt, jetzt haben Dr. Nadja Sennewald und Dr. Katrin Girgensohn, wissenschaftliche Leiterinnen der Schreibzentren der Goethe Universität und der Europauniversität Viadrina, ein gemeinsam verfasstes Lehrbuch vorgelegt.

Das Buch führt in die Schreibforschung und die Schreibdidaktik ein. Diese Disziplinen erforschen, wie das Schreiben funktioniert und wie es sich vermitteln und erlernen lässt. Der Bedarf an Unterstützung ist erheblich. Immer mehr Universitäten in Deutschland eröffnen Schreibzentren, bieten Kurse für akademisches Schreiben an; die bundesweite Aktion „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ ist einer voller Erfolg – auch in beiden Frankfurter Universitäten.

„Schreibzentren sind Schnittstellen zwischen der Praxis des Schreibens und seiner Erforschung“, so Girgensohn, „deshalb ist es uns wichtig, dass Studierende auch die Wissenschaftsgebiete kennen lernen können, die hinter der Praxis unserer Schreibzentren stehen.“ Und Sennewald ergänzt: „Wir wollen zeigen, dass beim Schreiben bestimmte Prozesse ablaufen und deshalb spezielle Methoden beim Schreiben helfen können.“

In dem Buch werden Schreibprozessmodelle, zentrale Ergebnisse der Schreibforschung sowie die wichtigsten didaktischen Perspektiven vorgestellt. Zusätzlich gibt es hilfreiche Tipps fürs Studium: Ein Praxiskapitel lädt die Studierenden ein, verschiedene Techniken und Vorgehensweisen beim Schreiben selbst auszuprobieren. „Schreiben Lehren, Schreiben Lernen. Eine Einführung“ ist als Printausgabe und e-Book bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen. (ISBN-10: 3534239792   ISBN-13: 978-3534239795, Preis 9,90 Euro für Mitglieder der Buchgesellschaft und 14,90 Euro im Buchhandel)

Informationen: Dr. Nadja Sennewald, Schreibzentrum Goethe-Universität, Campus Westend, Tel.: (069) 798-32845, sennewald@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Mai 14 2012
10:22

Ron Breaker ist Rolf-Sammet-Gastprofessor an der Goethe-Universität

Er lässt Bakterien tanzen

FRANKFURT. Neue biologische Prinzipien zu finden und zu nutzen, um den Stoffwechsel von Bakterien zu kontrollieren, das ist die Domäne von Ron Breaker, dem diesjährigen Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessor. Er untersucht Ribonukleinsäuren (RNAs), die hoch spezifische Komplexe mit kleinen Molekülen ausbilden. Aufgrund seiner Forschungsergebnisse werden Ansätze, durch kleine Moleküle gebundene RNAs als neue Wirkstoffklasse für Arzneimittel einsetzen, immer wahrscheinlicher. Die Faszination seiner Arbeit wird Breaker in einer öffentlichen Vorlesung am 21. Mai für interessierte Laien vermitteln.

Breaker hat das Vorurteil, dass RNAs nicht gezielt an kleine Moleküle binden können, auf beeindruckende Weise widerlegt. Mehr als 20 verschiedene Riboswitche hat er gefunden: Das sind RNAs, deren Gestalt sich nach Bindung an kleine Moleküle verändert. Infolgedessen ändert sich in der Zelle sowohl die Transkription, also der Umbau von DNA in RNA, als auch die Translation, das heißt die Herstellung von neuen Proteinen aus RNA.  Riboswitche zeigen, wie vielfältig die Komplexe aus RNA und diesen kleinen Molekülen sind. Neben dem Einsatz als neue Wirkstoffe sind Riboswitche als Module für die Synthetische Biologie von höchster Bedeutung. „Ich war überrascht, dass diese RNA-basierten Mechanismen in Bakterien überlebt haben“, erklärt der in Yale, USA, tätige Forscher, „diese alten Mechanismen könnten Überbleibsel einer RNA-Welt am Beginn der biologischen Evolution sein“.

Ron Breaker ist ein weiterer bedeutender RNA-Forscher, der nach den Nobelpreisträgern Venki Ramakrishnan und Tom Cech als Sammetprofessor nach Frankfurt kommt. „Durch Prof. Breaker wird unsere Forschung einen enormen Schub bekommen“, erwartet Prof. Harald Schwalbe, Kurator der diesjährigen Stiftungsprofessur, der den renommierten Forscher nach Frankfurt lockte. „In unserem Sonderforschungsbereich ‚Molekulare Mechanismen der RNA-basierten Regulation‘ untersuchen wir Riboswitche als völlig neue RNA-basierte Regulationsmodule“, ergänzt Schwalbe. Breakers Vorlesungen für Studierende finden auf den Campus Niederrad (22. Mai um 18:15 Uhr) und dem Campus Riedberg (23. Mai um 15:00 Uhr und 25. Mai um 17:00 Uhr) statt.

Ronald Breaker hat an der Universität von Wisconsin, Stevens Point studiert, an der Purdue Universität promoviert und bei Gerald Joyce, Scripps University, einen Postdocaufenthalt abgelegt. Seit 1995 arbeitet er an der amerikanischen Spitzenuniversität Yale, wo er auch Howard-Hughes-Investigator ist, eine hohe Ehre in Amerika. Neben zahlreichen Wissenschaftspreisen ist Ron Breaker ebenfalls Firmengründer.

Der Rolf-Sammet-Preis der Aventis Foundation erlaubt seit 1985 jährlich, herausragende Forscher der Chemie bis hin zur Medizin an die Goethe-Universität einzuladen.

Montag, 21. Mai, 17:00 Uhr
Öffentliche Vorlesung: „Riboswitches: Biology’s Ancient Regulators“
Biozentrum Campus Riedberg, Hörsaal B1
Max-von-Laue Str. 7

Informationen: Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Zentrum für biomolekulare magnetische Resonanz (BMRZ), DFG-Cluster of Excellence: Macromolecular Complexes. Campus Riedberg, Tel.: (069)798–29737, schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mai 10 2012
16:00

Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität startet am 14. Mai mit Einblicken in die bewegte Biographie von Pina Bausch

„Tanz, tanzt, sonst sind wir verloren“

FRANKFURT. Als Auftakt zur Hauptreihe der Frankfurter Bürgeruniversität im Sommersemester 2012 - Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien, ist Tilman Allerts Vortrag über eine der größten Bewegungskünstlerinnen unserer Zeit absolut beispielhaft. Die Tänzerin, Choreographin und Gründerin des Wuppertaler Tanzensembles, zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des internationalen Tanzes. Mit ihrem Namen verbindet sich die Öffnung der klassischen Choreographie des Balletts zu einer Inszenierung alltäglicher Körperbewegungen. Der berufliche Werdegang Pina Bauschs verkörpert eine ästhetische Reflexion auf die Umbrüche der deutschen Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg.

An insgesamt sechs Abenden wird die von Tilman Allert erdachte Vortragsreihe bekannte Biografien aus unterschiedlichsten Bereichen vorstellen und dabei exemplarisch Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte entwerfen.

„Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“ - Vortrag über das bewegte Leben der verstorbenen Pina Bausch

 am: Montag, 14. Mai 2012, um 19.30 Uhr,
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Weitere Vorträge:

  • 22. Mai 2012
    Dr. Friederike Sattler
    Alfred Herrhausen – Leben und Werk eines Bankiers
  • 4.Juni 2012
    Wolfgang Schopf
    Alexander Kluge – Ein Archivar der Lebensläufe
  • 11. Juni 2012
    Dr. Ferdinand Zehentreiter
    Michael Gielen – Die Partitur als heiliger Text
  • 18. Juni 2012
    Prof. Tilman Allert
    Jil Sander – Die neue Sprache der Eleganz
  • 25. Juni 2012
    Dieter Bartetzko
    Herbert Grönemeyer – Bochum für alle

Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt frei / Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 8 2012
14:53

Neuer Biodiversitäts-Atlas als Grundlage für Entscheidungsträger vor Ort

Flora und Fauna West-Afrikas sinnvoll schützen

FRANKFURT/WÜRZBURG. 10 Jahre lang haben rund 150 deutsche Wissenschaftler zusammen mit afrikanischen Partnern die biologische Vielfalt Westafrikas und deren Wandel untersucht. Die Ergebnisse dieses vom Bundesforschungsministerium geförderten Mammutprojekts „BIOTA (Biodiversity Transect Analysis) West“ liegen nun in drei Atlanten vor. Das umfangreiche Kartenmaterial und detaillierte Analysen zur Vielfalt und zum Zustand der Flora und Fauna von Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire sollen Entscheidungsträgern vor Ort helfen, Schutzkonzepte zum besseren Erhalt bestehender oder zur Regeneration bereits verlorener Artenvielfalt umzusetzen.

Ein Beispiel für die Bedrohung der Westafrikanischen Artenvielfalt ist die Fledermaus Megaloglossus woermanni. Sie ist eine von 120 Fledermausarten, die in Westafrika heimisch sind. Das nur 15 Gramm schwere Tier hat im Ökosystem eine wichtige Rolle, beispielsweise als Samenausbreiter oder Insektenräuber. Die Region, aus der sie stammt, insbesondere der Guineische Waldgürtel, ist einer der 34 globalen Biodiversitäts-Hotspots für biologische Vielfalt. Da sie aber zugleich wirtschaftlich eine der ärmsten Regionen der Welt ist, sind dort auch viele anderen Pflanzen- und Tierarten durch den Wandel der Landnutzung bedroht, die ihren Lebensraum immer mehr einengt.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2000 das deutsch-afrikanische Großprojekt BIOTA West ins Leben gerufen. Über 150 Botaniker, Zoologen, Meteorologen, Fernerkundler, Geographen, Ökonomen und Ethnologen erhoben vollständige Datensätze zur biologischen Vielfalt und wichtigen Einflussfaktoren in Westafrika. Dazu wurden unter anderem Observatorien entlang eines Klimagradienten vom Rand der Sahara bis zum Regenwald eingerichtet. Die Bestandsaufnahme brachte Überraschungen mit sich: „Beispielsweise ging man davon aus, dass in Burkina Faso nur knapp über 1200 Pflanzenarten vorkommen. Inzwischen wissen wir, dass es fast 2000 verschiedene Arten in dem Land gibt“, so Dr. Karen Hahn, Goethe-Universität Frankfurt und Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Außerdem wurde untersucht, wie sich die Artenvielfalt im Lauf der Zeit durch Landnutzung und Klimawandel verändert, um bessere Ansätze für Schutz und nachhaltige Nutzung entwickeln zu können.

Die Ergebnisse dieser umfangreichen Forschungsarbeit liegen nun in drei BIOTA West Atlanten vor, die vor kurzem erschienen sind. Die insgesamt über 2100 Seiten starke dreiteilige Buchreihe bildet damit erstmals den gesammelten Stand des  Wissens zur biologischen Vielfalt und ihrer Bedrohung in Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire ab. Die Atlanten beinhalten jeweils einen allgemeinen Teil mit Daten zur westafrikanischen Biodiversität und deren Einflussfaktoren. Darüber geben das Kartenmaterial sowie Angaben zum Vorkommen und zur Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten Auskunft. Außerdem werden Schutzkonzepte zum besseren Erhalt bestehender oder Regeneration bereits verlorener Artenvielfalt vorgestellt. In einem regionsspezifischen Teil werden jeweils die für das Land bedeutendsten Herausforderungen, der Status der Biodiversität vor Ort, Schutzgebiete und Naturschutzstrategien in Analysen dargelegt.

Zielgruppe der allgemein verständlich geschriebenen Atlanten sind Biodiversitätsforschende, Entscheidungsträger in Ministerien, Naturschutzbehörden, Nicht-Regierungsorganisatoren sowie Lehrer und die breite Öffentlichkeit. Neben der Bereitstellung von Information sollen die Atlanten vor allem die Grundlage für den nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt geben. „Wissenstransfer ist ein essentieller Bestandteil des BIOTA West Projektes. Um das zu erleichtern, wurden die Atlanten auf die Bedürfnisse der Praktiker zugeschnitten. Deshalb haben auch unsere Partner vor Ort den Löwenanteil bei der Zusammenstellung des Inhalts geleistet”, erläutert Prof. K. Eduard Linsenmair, Universität Würzburg, der das zugrunde liegende Großforschungsprojekt BIOTA West koordiniert hat. Um größtmögliche Einsetzbarkeit zu gewährleisten, sind die Atlanten bilingual (Englisch und Französisch) ausgelegt und werden in vierstelliger Auflage vor Ort verteilt.

Erstellt wurden die Atlanten von der Goethe-Universität (Prof. Jürgen Runge, Dr. Dorothea Kampmann, Dr. Joachim Eisenberg) in Zusammenarbeit mit allen BIOTA-West Beteiligten. Sie wurden dabei vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) sowie dem IUCN Burkina Faso unterstützt. Herausgeber sind neben der deutschen Seite die jeweiligen Partner in Benin (Prof. Brice Sinsin), Burkina Faso (Prof. Adjima Thiombiano) und der Côte d’Ivoire (Prof. Souleymane Konaté).

Bilder zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie, Campus Riedberg, Tel.:( 069) 798-40160; j.runge@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mai 7 2012
10:56

Neuronale Netzwerke für Raumwahrnehmung sind bereits vor dem ersten Flug angelegt

Echoortung ist bei Fledermäusen angeboren

FRANKFURT. Fledermäuse verwenden einen großen Teil ihrer Großhirnrinde dazu, reflektierte Echosignale zu verarbeiten und daraus ein Abbild des externen Raums zu erzeugen. Wie Neurowissenschaftler der Goethe-Universität im Rahmen einer internationalen Kooperation nachgewiesen haben, ist das aus Hörsignalen entstandene Raumabbild bereits bei der Geburt angelegt. „Dies ist erstaunlich, da die Tiere zu diesem Zeitpunkt noch nicht echoorten und flugunfähig sind“, erklärt Prof. Manfred Kössl vom Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft. Die Echoortung beginnt erst etwa eine Woche nach der Geburt.

Die Fähigkeit, im Gehirn ein internes Abbild des externen Raumes zu schaffen, begründet den evolutionären Erfolg vieler höher entwickelter Tiere. Dazu werden vor allem Sinnesreize von Augen, Ohren und Tastsinn miteinander verrechnet. Fledermäuse erkunden den Raum darüber hinaus aktiv, indem sie Ultraschallsignale aussenden und über die Echo-Verzögerungszeiten in ihrem Hörkortex ein präzises Abbild der Raumtiefe erstellen. Allerdings ist das Innenohr der Fledermäuse in der ersten Lebenswoche noch relativ unsensitiv für die Wahrnehmung von ortungsrelevanten Schallfrequenzen. Umso erstaunlicher ist es, dass die zur Verarbeitung dieser Frequenzen vorhandenen Neuronen in den höheren Hirnregionen bereits funktionsfähig sind. Das haben die Forscher nachgewiesen, indem sie die Reaktion der jungen Fledermäuse auf Verzögerungssignale untersuchten. Ein wichtiger Teil der Daten wurde dabei in der Doktorarbeit von Cornelia Voss erhoben.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: Derartige angeborene neuronale Schaltkreise zur Echoortung finden sich bei Fledermausspezies, die völlig unterschiedliche Echoortungsstrategien zur Futtersuche verwenden. Die in Kössls Frankfurter Institut heimische Fledermauskolonie der Gattung Carollia perspicillata ernährt sich von Früchten, während die auf Kuba ansässige Pteronotus parnellii ein Insektenfresser ist und dementsprechend eine größere Geschicklichkeit beim Jagen braucht. Es ist also anzunehmen, dass die bereits bei Geburt angelegte Fähigkeit zur Raumwahrnehmung die Überlebenschancen der jungen Fledermäuse generell erhöht, sobald sie mit der aktiven Erkundung ihrer Umgebung beginnen – nicht nur bei der Nahrungssuche, sondern auch auf der Flucht. „Es scheint ein allgemeines Prinzip zu sein, dass Raumwahrnehmung auch in einem aktiven Sinnessystem im Kant'schen Sinne a priori festgelegt ist und vermutlich eine evolutive Schwerpunktsetzung widerspiegelt“, folgert Kössl.

Die Forscher schließen nicht aus, dass sich die bereits angelegten neuronalen Netzwerke durch spätere Erfahrungen verändern, wie dies auch in anderen Säugetieren der Fall ist. Vermutlich kommt es zu verstärkter Ausbildung neuer Verknüpfungen zwischen Nerven (neuronale Plastizität) während der ersten Jagdflüge junger Fledermäuse im Alter von etwa vier bis sechs Wochen.

Publikationen: Manfred Kössl, Cornelia Voss et al.; Nature Communications, online Publikation: 10.4.2012, DOI: 10.1038/ncomms1782. Cornelia Hagemann(Voss) et al.; Journal of Comparative Physiology A 197:605 2011

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtext für alle Bilder: Kubanische „hot cave“ mit einer Wochenstube junger Schnurrbartfledermäuse. Die etwa zwei bis drei Wochen alten Tiere sind noch nackt und warten auf die von der Jagd zurückkommenden Mütter. Aufgrund der hohen Fledermausdichte in diesen Höhlen liegt die Temperatur bei etwa 40 Grad Celsius mit 99 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Informationen: Prof. Manfred Kössl, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Campus Riedberg, Tel.: (069)798–42052, koessl@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mai 7 2012
09:10

Seltene Thrombosen können genetische Ursache haben

Wenn das Blut in den Adern stockt

FRANKFURT. Die meisten Thrombosen entstehen im höheren Lebensalter, als Folge einer längeren Ruhigstellung oder der Einnahme von Hormonpräparaten. Bei einigen aber wird das Gerinnsel, das Venen oder Arterien verstopft, durch eine angeborene oder erworbene Thrombophilie verursacht. Manche dieser Gerinnungsneigungen sind häufig, andere sehen selbst die Ärzte im Schwerpunkt Angiologie/Hämostaseologie des Gefäßzentrums der Frankfurter Uniklinik höchstens ein-, zweimal im Monat. Daher fehlen auch belastbare Erkenntnisse zur Therapie dieser seltenen Thromboseformen. Dies zu ändern, ist das Ziel des Teams um Prof. Edelgard Lindhoff-Last. Wie die Wissenschaftlerin in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichtet, sind genetische Untersuchungen und die Einrichtung eines webbasierten Thromboseregisters wichtige Schritte zum besseren Verständnis dieser lebensbedrohlichen Erkrankung.

Von seltenen Thrombosen sprechen die Ärztinnen des Gefäßzentrums, wenn die Armvenen, die Bauchvenen oder die Hirnvenen betroffen sind. Verursacht werden diese Thrombosen meist durch eine gestörte Regulation der Gerinnung. Wiederkehrende Thrombosen, oft sowohl im arteriellen als auch im venösen System, führen zum Verlust von Extremitäten oder gar zum Tod zum Beispiel durch eine Lungenembolie oder durch einen Schlaganfall, manche Mutation lässt bei einer Schwangerschaft den Fötus bereits im Mutterleib sterben.

Ein Beispiel ist die Krankengeschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Sie erlitt zwei Fehlgeburten, die man damals auf die schweren Verletzungen nach einem früheren Unfall zurückführte. Dass es sich um eine noch nicht bekannte seltene Form der Thrombose, ein sogenanntes Antiphospholipid-Syndrom handelte, legt der weitere Krankheitsverlauf nahe: 1953 wurde ihr vermutlich wegen eines arteriellen Verschlusses am rechten Bein der Unterschenkel amputiert. Ein Jahr später erkrankte sie an einer Lungenentzündung. Kurz nach ihrem 47. Geburtstag starb sie mutmaßlich an einer Lungenembolie.

Das Antiphospholipidsyndrom (APS) wird durch Antikörper verursacht, die gegen körpereigene Phospholipid-Gerinnungsproteinkomplexe gerichtet sind. Diese können unter anderem sowohl an Blutplättchen als auch an Endothelzellen binden, die das Innere der Blutgefäße auskleiden, und dadurch eine vermehrte Thromboseneigung verursachen.  Wie bei  vielen anderen Autoimmunerkrankungen bietet auch das erworbene APS ein buntes Bild an Symptomen: Der Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 34 Jahren, Frauen sind viermal so oft betroffen wie Männer, die Thrombosen können sowohl in Arterien als auch in Venen auftreten.

Seltene angeborene Thromboseneigungen wie der angeborene Antithrombin-, Protein-C- oder Protein-S-Mangel geben darüber hinaus den Wissenschaftlern auch heute noch Rätsel auf: „Es gibt über 200 verschiedene Mutationen allein am Protein-S-Gen, die alle zu einem Mangel führen können. Fast jede Familie hat ihre eigene Mutationsvariante“, so Edelgard Lindhoff-Last. Diese frühzeitig zu entdecken, ist wesentlich für das Rezidivrisiko, das Wiederauftreten der Thrombose, das die Angiologen durch eine geeignete Therapie verhindern wollen. Dabei genügt es nicht allein, den Mangel eines Proteins für die Blutgerinnung festzustellen. Denn offenbar hängt es auch von der Art der Mutation ab, wie schwer die Gerinnungsstörung ausgeprägt ist. Die Forscherinnen setzen deshalb auf eine konsequente Sammlung aller seltenen Thrombosen und die genetische Kartierung der zugrunde liegenden Mutationen. Dafür arbeiten sie eng mit dem Blutspendedienst in Frankfurt zusammen.

In diesem Jahr ist MAISTHRO, das von Lindhoff-Last initiierte Main-Isar-Thromboseregister, in die zweite Runde gegangen. Das Register gibt es schon seit zehn Jahren. Dafür haben die Frankfurter Angiologen zusammen mit den Unikliniken Würzburg und München bereits Daten von 1400 Patienten erhoben. Während einer Pilotphase des nun webbasierten Systems werden zunächst drei Abteilungen der Frankfurter Uniklinik, die Angiologie, die Kinderklinik und das Hämophiliezentrum ihre Datensätze einbringen. 2013 soll das Register dann auch für andere Zentren außerhalb der Frankfurter Uniklinik offen stehen.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

 Informationen: Prof. Edelgard Lindhoff-Last, Gefäßzentrum, Schwerpunkt Angiologie/Hämostasiologie, Universitätsklinik, Sekretariat: Vera Neumann, Tel. (069) 6301-5096; vera.neumann@kgu.de.

Forschung

Mai 3 2012
12:43

DFG fördert Emmy-Noether-Gruppe des Neurologen Christian Kell

Warum sprechen wir mit der linken Gehirnhälfte?

FRANKFURT. „Vieles erfüllt uns mit Staunen, aber nichts ist wunderbarer als der Mensch“ –mit diesem Zitat von Sophokles hat der Gehirnforscher Dr. Christian Kell seine Arbeit überschrieben. Insbesondere das Sprechen als eine der herausragenden motorischen Leistungen des Menschen fasziniert ihn. Es ist ein Beispiel dafür, wie weit voneinander entfernte Hirnregionen miteinander kommunizieren und so komplexes Verhalten generieren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat dem 35Jährigen kürzlich rund eine Millionen Euro für die Gründung einer Emmy-Noether-Gruppe an der Klinik für Neurologie der Goethe-Universität bewilligt. Sein Ziel ist es herauszufinden, warum die Produktion von Sprache an die linke Gehirnhälfte gekoppelt ist, während die Verarbeitung von gehörter Sprache in beiden Hirnhälften stattfinden kann. Seine Frankfurter Vorarbeiten zeigen, dass unter anderem die Therapie von Stotterern durch diese Erkenntnisse verbessert werden kann.

Christian Kell gehört zu den wenigen Nachwuchswissenschaftlern, denen es gelingt, ihre Arbeit in der Klinik mit Forschung zu verbinden. Schon während seiner Doktorarbeit, die 2005 als beste medizinische Dissertation des Jahres ausgezeichnet wurde, führten ihn Forschungsaufenthalte und klinische Rotationen an das University College in London, ein „Mekka der Neurologie“, und an das New Yorker Lennox Hill Hospital. Prägend war für den gebürtigen Frankfurter sein zweijähriger Postdoc-Aufenthalt an der renommierten Ecole Normale Supérieure in Paris, wo er die fruchtbare Interdisziplinarität von kognitiven Neurowissenschaftlern und –biologen mit Psychologen und Philosophen erlebte. Nach diesem Vorbild möchte er ab Herbst seine Emmy-Noether-Gruppe aufbauen. Dann wird er sich hauptsächlich der Forschung widmen können. Und vielleicht auch wieder mehr der Musik, der er sich seit seinen Kindertagen im Frankfurter Opernchor verbunden fühlt.

Im Mutterleib hören wir, gefiltert durch das Fruchtwasser, nur die tiefen Frequenzen der Sprache. Diese werden in der rechten Hirnhälfte verarbeitet (im auditorischen Kortex). Nach der Geburt, wenn auch höhere Frequenzen an unser Ohr dringen, wird ein auditorisches Areal der linken Gehirnhälfte aktiv. Zeitlebens spielen beide Hirnhälften bei der Verarbeitung der Sprachsignale eine Rolle. Warum aber kommen dann die Signale für die Sprachproduktion, also die Anweisungen zur Steuerung von Kehlkopf, Zunge und Lippen, nur aus der linken Gehirnhälfte?

Christian Kell vermutet, dass die für Sprache kritischen höheren Frequenzen des Sprachsignals besser im linken auditorischen Kortex verarbeitet werden. Es sind wahrscheinlich diese detaillierten Informationen, die auch das motorische System braucht, um die feinmotorische Aufgabe des Sprechens zu erlernen. Die Konsequenz wäre, dass wir mit links lernen zu sprechen. Die Rückkopplung durch diese auditorisch-motorische Schleife benutzen wir auch noch Erwachsenenalter. „Das Gehirn macht eine Vorhersage über das, was wir hören werden. Stimmt diese nicht mit dem akustischen Signal überein, nimmt es eine Korrektur vor“, erklärt er. Möglicherweise ist die linke Gehirnhälfte bei dieser Aufgabe schneller. Das will er mit seiner Forschergruppe unter anderem durch die Analyse der magnetischen Gehirnfrequenzen mithilfe der Magnetenzephalographie (MEG) herausfinden. Sie hat eine gute räumliche und exzellente zeitliche Auflösung im Bereich von wenigen Millisekunden und ist daher optimal zum Aufspüren schneller Vorgänge geeignet.

Für die Therapie von Stotterern hat die Entdeckung des Rückkopplungssignals schon jetzt einen Fortschritt gebracht. Ihr Leiden ist möglicherweise durch eine verzögerte Rückkopplung des Sprachsignals verursacht. „Durch veränderte Sprechmuster, wie sie in Verhaltenstherapien erlernt werden, oder durch das Tragen eines speziellen Hörgeräts lässt sich dies gezielt verändern, so dass die Betroffenen wieder flüssig sprechen können“, berichtet Kell. Auch die Sprechstörungen bei Parkinson-Patienten, die auffällig leise sprechen, lassen sich durch einen gestörten Rückkopplungsmechanismus erklären und entsprechend therapieren.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Informationen: Dr. Christian Kell, Klinik für Neurologie, Universitätsklinik, Tel. (069) 6301-6395, c.kell@em.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mai 3 2012
12:40

Prof. David Nirenberg setzt „Kantorowicz Lectures in Political Language“ fort

„Judentum“ und „jüdisch“ als Vokabeln der politischen Sprache

FRANKFURT. Die „Kantorowicz Lectures in Political Language“, die das Frankfurter Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften seit dem vergangenen Jahr veranstaltet, werden mit einem öffentlichen Vortrag von Prof. David Nirenberg, Professor of Medieval History and Social Thought an der Universität von Chicago im Sommersemester fortgesetzt

am: Mittwoch, dem 9. Mai, um 18 Uhr,
Ort: IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema: Jewishness as Concept in Christian Politics – Medieval and Modern

Ambrosius und Origenes, Luther und Shakespeare, Karl Marx und Joseph Goebbels – diese und viele andere Autoren haben bestimmte politische Systeme als „jüdisch“ charakterisiert. David Nirenberg fragt nach der kulturellen Logik, die dem Vokabular des „Jüdischen“ einen so festen und nachhaltigen Platz im Wortschatz der politischen Kritik gesichert hat. An frühchristlichen, mittelalterlichen und modernen Beispielen zeigt er, wie „Judentum“ und „jüdisch“ als Vokabeln der politischen Sprache Bedeutung gewonnen haben. „Die Beständigkeit dieses Motivs ist Exempel für ein grundsätzliches Nachdenken über unseren Umgang mit Ideen- und Begriffsgeschichte“, so Nirenberg.

Der Historiker ist berühmt geworden mit seinen Untersuchungen zu systemischer Gewalt im multireligiösen Spanien des Mittelalters; er gilt als führender Experte zu Fragen christlich-jüdischer Beziehungen. Die Kantorowicz-Lecture findet in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Fritz-Bauer-Institut statt. Die Lectures sind dem berühmten Historiker Ernst H. Kantorowicz gewidmet, der 1933 von seinem Frankfurter Lehrstuhl vertrieben wurde.

Informationen: Prof. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32427, E-Mail: jussen@em.uni-frankfurt.de, Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Mai 3 2012
12:35

Öffentlicher Lesung des flämischen Kulturhistoriker und Archäologen David Van Reybrouck

Der Kongo und seine wechselvolle Geschichte

FRANKFURT. Im Jahre 2010 feierte Kongo seinen 50. Geburtstag. 1960 war das Land von Belgien unabhängig geworden. Aus diesem Anlass gab es eine Fülle von Publikationen über den Kongo. Viel beachtet ist das 680 Seiten starke Buch „Kongo. Eine Geschichte“ des flämischen Kulturhistorikers und Archäologen David Van Reybrouck, das am 16. April auf Deutsch beim Suhrkamp Verlag erschienen ist. Der Autor stellt das faszinierende Werk, das sich wie ein Kriminalroman liest, während einer Lesereise dem deutschen Publikum vor. Auf Einladung des Lektorats Niederländisch kommt der Autor zu einer öffentlichen Lesung an der Goethe-Universität

am: Dienstag, dem 8.Mai, um 19 Uhr,
Ort: Casino, Raum 1.811, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema: „Kongo. Eine Geschichte”

Der Autor liest auf Niederländisch, es wird aber auch eine deutsche Übersetzung geben, die der Frankfurter Literaturwissenschaftler Prof. Robert Seidel vorträgt. Die anschließende Diskussion läuft in beiden Sprachen, denn David Van Reybrouck versteht auch Deutsch.

Für sein Buch recherchierte Van Reybrouck mehr als fünf Jahre, er reiste häufig in das afrikanische Land und führte unzählige Interviews mit Rebellenführern, Kindersoldaten, Künstlern, Politikern und etlichen über 100-Jährigen, in einem Land, in dem das Durchschnittsalter bei 50 Jahren liegt. Anhand dieser Interviews und vieler bislang unerforschter Quellen erzählt das Buch die Geschichte des Landes und seiner Bevölkerung seit der Frühgeschichte, über die Zeit der arabischen Sklaven- und Elfenbeinhändler und die Entdeckung des Landes im Auftrag des belgischen Königs. Es geht auch um die Zeit vor und nach der Unabhängigkeit mit schillernden Persönlichkeiten wie Lumumba, Tshombé und Mobutu, unter dessen 32 Jahre dauernder Alleinherrschaft der Kalte Krieg zu einem großen Teil in dem Land, das nun Zaïre hieß, ausgetragen wurde. Der flämische Autor beschäftigt sich auch intensiv mit dem Genozid in Ruanda und Ost-Zaïre Mitte der 1990er Jahre und dem anschließenden Siegeszug des Rebellenführers Kabila auf die Hauptstadt Kinshasa. Seither heißt das Land wieder Kongo.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html