​​​​Pressemitteilungen ​ – 2012

Forschung

Dez 31 2012
21:12

Michael Stolleis spricht in „Forschung Frankfurt“ über seine jetzt abgeschlossene „Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland“

Ein Mann und 400 Jahre Rechtsgeschichte

FRANKFURT. Es ist ein imposantes Werk und gilt bereits als Klassiker – sein Verfasser verwendete gut 25 Jahre darauf. Mit dem nun erschienenen vierten Band hat Michael Stolleis seine vier Jahrhunderte umfassende, insgesamt 2000-seitige „Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland“ abgeschlossen „Eine Geschichte des Denkens über Verfassung und Verwaltung seit der frühen Neuzeit war noch nicht geschrieben“, erinnert sich der emeritierte Professor der Goethe-Universität in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ (3/2012) an die Geschichte hinter der Geschichte. In dem Interview wirft der langjährige Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte auch einen Blick nach vorn: Da der klassische Staat nicht mehr die zentrale Rolle einnehme, sei es fraglich, ob das mit ihm eng verbundene öffentliche Recht in der bisherigen Form weiterbestehe.

„Ich wollte nicht die übliche Gipfelwanderung machen, also einen berühmten Autor nach dem anderen referieren, sondern das Geflecht zwischen Realgeschichte und Wissenschaftsgeschichte aufsuchen“, so Michael Stolleis zur Methodik seiner Rechtsgeschichte, deren erster Band die Jahre 1600 bis 1800 behandelt. „Am Ende des 16. Jahrhunderts, in einer Verfassungskrise, beginnt man darüber nachzudenken, vor allem auf protestantischer Seite: Was sind die Grundlagen unserer Reichsverfassung?“ Der zweite Band geht bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. In dieser Zeitspanne war die gescheiterte Revolution von 1848/1849 „für die Nation und speziell für das Bürgertum die Zäsur schlechthin“.

Historiker werden zuweilen als „rückwärtsgewandte Propheten“ bezeichnet, welche die Ereignisse im Nachhinein mit einer Vorgeschichte ausstatten und dann sagen: „Das musste ja so kommen!“ Stolleis dagegen betont, man solle „vielmehr die Autoren, die Werke und die Umstände, unter denen geschrieben worden ist, möglichst so nehmen, wie sie waren.“ Aus heutiger Perspektive werden die Weimarer Republik und ihre Verfassung oftmals als Einbahnstraße gedeutet, die notwendig zum Nationalsozialismus führen musste. „Die Weimarer Verfassung war zwar nicht perfekt konstruiert“, so Stolleis in dem Interview, „sie war aber auch nicht so fehlerhaft, wie man sie dann später gedeutet hat.“

In der Zeit des Nationalsozialismus, die nach der Weimarer Republik Thema des dritten Bandes ist, sieht Stolleis auch eine Selbstzerstörung des Faches durch seine eigenen Vertreter. Gleichwohl sei es nicht so einfach zu sagen, „was denn NS-Staatsrechtslehre im Kern war“. Fest stehe aber, wie Stolleis dann im vierten Band zeigt, dass viele alte NS-Fachleute in der Bundesrepublik wieder Schlüsselpositionen besetzt hätten. Trotz der so genannten „Stunde Null“ nach Ende des Kriegs habe es „Kontinuitäten der Personen und vieler Institutionen“ gegeben. Stolleis: „Man könnte allenfalls in der Wissenschaftsgeschichte der DDR insofern von einer Stunde Null sprechen, als nahezu das gesamte wissenschaftliche Personal entlassen oder pensioniert wurde, teils in den Westen ging oder verstummte.“

Der vierte und aktuelle Band, in dem Stolleis vor allem die Rolle des Grundgesetzes heraushebt, endet eigentlich mit dem Jahr 1990. Aber der Rechtshistoriker behandelt ebenso Entwicklungen, die bis in die jüngste Gegenwart reichen. Auf die Rechtswissenschaft bezogen plädiert Stolleis auch in dem Interview für eine „Pluralisierung des methodischen Zugriffs“, wie er etwa im interdisziplinären Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ praktiziert werde. Die Entstehung normativer Ordnungen könne nicht allein von Juristen erklärt werden. „Sie sind nicht die Beherrscher des Feldes Normativität und sie tun generell gut daran, sich zu vergewissern, was auf den anderen Feldern geschieht.“

Stolleis sieht die zentrale Rolle des klassischen Staates, und mit ihm das öffentliche Recht, zum einen durch die Europäisierung herausgefordert. Es sei evident, dass Deutschland Hoheitsrechte abgegeben habe und wohl weitere abgeben müsse. Die zweite Herausforderung liege in der Globalisierung, „welche die Grenzen transparent werden lässt oder aufhebt“. Auf sich gestellt verliere der klassische Nationalstaat seine Handlungsfähigkeit. „Außerdem entsteht in der globalen Welt massenhaft neues Recht ohne Staat. Es gibt Schiedsgerichte, die keinen Staat mehr brauchen und es gibt Weltkonzerne, die ihre Normen durchdrücken bis zum letzten Benutzer.“

Die Kritik sieht in „dem Stolleis“, wie das Werk schon genannt wird, „einen großen und unwiederholbaren Wurf“. Würde der Autor von einem Lebenswerk sprechen? „Ja, rückblickend ist das wohl so. Man hat das selbst nicht in der Hand, vor allem die Zeitplanung“, sagt Michael Stolleis, der die vier Bände „in Nebenstunden und den Ferien“ geschrieben hat. So hat die „Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland“ auch ihre eigene Geschichte: Ursprünglich sollte sie in einem Band und einem freien Forschungsjahr abgehandelt werden. Und das ist mittlerweile gut 25 Jahre her.

Näheres lesen Sie in dem Interview in „Forschung Frankfurt“ mit Bernd Frye, dazu auch eine Rezension des aktuellen Stolleis-Bandes von Anna Katharina Mangold.

Informationen: Prof. Michael Stolleis, Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte, Tel.: (069) 789-78151, stolleis@rg.mpg.de, www.rg.mpg.de/de/personen/michael.stolleis/

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

 PDF im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Forschung

Dez 19 2012
15:19

Chronische Erkrankungen, Multimedikation und Hausärztemangel sind die Herausforderungen der Zukunft

Allgemeinmedizin - quo vadis?

FRANKFURT. „Das deutsche Gesundheitssystem ist in einer Situation, die man durchaus als organisierte Verantwortungslosigkeit bezeichnen kann. Patienten, insbesondere diejenigen mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen, haben in der Regel niemanden, der sie kontinuierlich begleitet und konkrete Verantwortung übernehmen kann“, urteilt Prof. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender der Gesundheitsweisen und Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ kritisiert Gerlach falsche Anreizsysteme und die Kluft zwischen Klinikern und niedergelassenen Ärzten.

Als Hochschullehrer setzt sich Gerlach besonders dafür ein, die Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für den ärztlichen Nachwuchs attraktiv zu gestalten: „Wir versuchen, die Vielfalt und Breite des Fachs unter Alltagsbedingungen erlebbar zu machen. Die Studierenden werden in der Regel eins zu eins betreut. Dadurch können wir deutlich mehr Interesse für das Fach wecken“. Denn der Hausärztemangel macht sich in ländlichen Gegenden bereits bemerkbar. „Sowohl junge Frauen als auch junge Männer wollen nicht mehr 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche einsatzbereit sein, wie das die alten Landärzte waren“, weiß Gerlach. „Um den Ansprüchen der jetzt kommenden Generation besser gerecht zu werden, müssen wir unter anderem größere Praxiseinheiten favorisieren, in denen es auch möglich ist, als Angestellter und in Teilzeit zu arbeiten.“   

Chronische Erkrankungen und Multimedikation

Mehr als die Hälfte der 65jährigen in Deutschland leiden an mehreren chronischen Erkrankungen. Viele bekommen deshalb fünf und mehr Medikamente verschrieben. Zusätzlich nehmen sie frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke ein. Das bringt viele Probleme mit sich, wie Dr. Christiane Muth und Prof. Marjan van den Akker am Beispiel zweier Studien aus Deutschland und den Niederlanden belegen. Unter Multimedikation verschlechtert sich die Therapietreue: Patienten verändern die Dosis oder lassen Präparate ganz weg.

Weitere Komplikationen ergeben sich durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten: Unangemessene Verordnungen sind die Ursache für drei bis sieben Prozent aller Klinikaufnahmen und etwa 60 Prozent der vermeidbaren Krankenhausaufenthalte. Um diese künftig zu vermeiden, setzt die Frankfurter Studie von Christiane Muth auf Computersysteme, die den Arzt vor Verschreibungsfehlern bewahren.

Eine besondere Rolle spielt auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. „Bei der Besprechung der Therapie sind Ärzte oft zu dominant, während Patienten sich häufig zu passiv verhalten“, weiß Muth. Sowohl im deutschen als auch im niederländischen Forschungsprojekt werden deshalb Medizinische Fachangestellte geschult. Sie entlasten den Arzt und Patienten berichten ihnen eher, wenn sie Veränderungen am ärztlichen Einnahmeplan vorgenommen haben.

Gerinnungshemmer richtig dosieren

Viele Menschen benötigen im Alter Gerinnungshemmer, aber Ärzte verschreiben sie nicht gern, weil mit dem Alter auch das Risiko für Komplikationen steigt. Die Dosierung von Gerinnungshemmern muss nämlich genau überwacht werden, um Thrombosen und Embolien einerseits und schwere Blutungen andererseits zu vermeiden. Die Versorgung dieser Patientengruppe hat seit März 2012 die „PICANT-Studie“ des Instituts für Allgemeinmedizin zum Ziel. Geplant ist die Teilnahme von circa 50 hessischen Hausarzt-Praxen und 700 erwachsenen Patienten.

Auch in dieser Studie spielen speziell geschulte Medizinische Fachangestellte eine zentrale Rolle: Sie befragen Patienten über ihre Medikamententreue und Symptome, die auf mögliche Komplikationen hinweisen. So kann die Dosis optimal angepasst werden. Bei entsprechender Eignung werden auch die Patienten zum Selbstmanagement ihrer Therapie mit Gerinnungshemmern motiviert. „Das bedeutet, dass die Dosisanpassung vom Patienten – unterstützt durch ein strukturiertes Schulungsprogramm – selbst durchgeführt wird. Das Auftreten von schweren gerinnungsassozierten Komplikationen wie Thromboembolien und Blutungen kann durch Selbstmanagement um die Hälfte reduziert werden“, erklärt Studienleiterin Prof. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch.

Informationen: Prof. Ferdinand Gerlach, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinik, Tel: (069) 6301-5687; gerlach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.; Dr. Christiane Muth, Tel: (069) 6301-4149, muth@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.; Prof. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Tel: (069) 6301-7296; siebenhofer@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Dez 19 2012
15:16

Innovative Lehr-Projekte der Goethe-Universität überzeugen Jury

Doppelerfolg beim Hessischen Lehrpreis

FRANKFURT. Zwei von insgesamt sechs Preisen des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre gehen 2012 an die Goethe-Universität:  Die Preisgelder in einer Gesamthöhe von 55.000 Euro verteilen sich auf die Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik, Bildgebrauch“ mit Studiengalerie 1.357 unter Leitung von Prof. Dr. Bernhard Jussen, Dr. Henning Engelke sowie Dr. Martin Engler aus dem Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften (40.000 Euro). Das studentische Organisationskomitee der Night of Science – Wissenschaft ganz anders unter Leitung von Juliette Halli und Thomas Halbritter der Fachbereiche Geowissenschaften/Geographie; Informatik und Mathematik; Physik; Biochemie, Chemie und Pharmazie; Biowissenschaften; Psychologie und Sportwissenschaften kann sich über 15.000 Euro Preisgeld freuen. Das Projekt der Studiengruppe  belegte im Wettbewerb den 3. Platz, die Night of Science erhielt einen Sonderpreis der Jury.

93 Anträge, unter denen die Jury auszuwählen hatte, unterstrichen die große Attraktivität des Preises für Hochschulen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehrende sowie Studierende: „Die Vorschläge dokumentieren einmal mehr, welch hohen Stellenwert die Lehre an hessischen Hochschulen einnimmt“, sagte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Preisverleihung am 18.12. in Wiesbaden. Der Preis zeichnet zukunftsweisende Lehrkonzepte in verschiedenen Kategorien aus.

Der an der Goethe-Universität für die Lehre zuständige Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz sagte, die Preise belegten „die hohe Innovationskraft der Goethe-Universität im Bereich der Lehre“. Beide ausgezeichneten Projekte hätten „Vorbildcharakter“ für eine zukunftsweisende Lehre und zeugten „von hohem Engagement der Studierenden und Lehrenden an der Goethe-Universität“.

Hintergründe zum Projekt Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik, Bildgebrauch:

Als Reaktion auf die Praxisferne der Geisteswissenschaften und die neuen Bedürfnisse von Masterstudiengängen, in denen Studierende und Forschende unterschiedlicher Spezialisierungen und Fachrichtungen zusammenkommen, wurde das neue Lehrformat der Studiengruppe entwickelt, um das systematische, längerfristige Bearbeiten und Weiterentwickeln eines Themas praxisnah zu realisieren. Die Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik, Bildgebrauch“ mit der Studiengalerie 1.357 ist Pilotprojekt für dieses neue Studienformat und existiert seit Anfang 2010 in Frankfurt. Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Lehrende aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und außeruniversitären Institutionen erarbeiten semesterübergreifend Ausstellungen. Für die im denkmalgeschützten I.G.-Farben-Haus auf dem Campus Westend eingerichtete Studiengalerie konnte das Städel Museum als Partner gewonnen werden.

Hintergründe zum Projekt Night of Science:

Bereits 2006 haben die naturwissenschaftlichen Fachschaften der Goethe-Universität gemeinsam die „Night of Science – Wissenschaft ganz anders“ ins Leben gerufen. Ziel ist, die oft eher stiefmütterlich behandelten Naturwissenschaften sowohl interessierten Schülerinnen und Schülern, Studierenden anderer Fachrichtungen als auch der breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Lehrenden werden bis in die frühen Morgenstunden in über 50 Vorträgen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt, alltägliche Phänomene erklärt und spektakuläre Experimente gezeigt. Es gelingt, die oft abstrakt wahrgenommene Forschung alltagsnah zu vermitteln. Alle Vorträge werden so gestaltet, dass sich jeder auch ohne Vorkenntnisse in die jeweilige Thematik einfinden kann. Der Besuch von sonst nicht zugänglichen Laboratorien und Anlagen wie Teilchenbeschleunigern ist möglich.

Veranstaltungen

Dez 18 2012
12:12

Tagung an der Goethe-Universität beschäftigt sich mit sozial- und kulturwissenschaftliche Zugängen im Dialog. 25.-26. Januar 2013, Sportcampus

Sport im Film

FRANKFURT. Vom 25.-26. Januar 2013 findet am Institut für Sportwissenschaften die erste wissenschaftliche Tagung zum Sportfilm im deutschsprachigen Raum statt. Gegenstand der Tagung sind Sportspielfilme und Sportdokumentationen, die aus unterschiedlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven analysiert werden. Ziel der Tagung ist es, das wissenschaftliche Erkenntnispotenzial von Sportspielfilmen und Sportdokumentationen auszuloten und insbesondere die Verflechtung des Sports mit je spezifischen gesellschaftlichen Strömungen und kulturellen Besonderheiten aufzuzeigen.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Um eine Anmeldung bis zum 15. Januar 2013 unter gugutzer@sport.uni-frankfurt.de wird gebeten. Weitere Informationen finden Sie unter www.sport-im-film.uni-frankfurt.de.

Kontakt: Prof. Dr. Robert Gugutzer, Goethe-Universität Frankfurt a.M., Institut für Sportwissenschaften, Abt. Sozialwissenschaften des Sports, Ginnheimer Landstraße 39, 60487 Frankfurt a.M. Tel.: 069/798-245 29, gugutzer@sport.uni-frankfurt.de, http://sportsoziologie.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Dez 18 2012
12:11

Mit Altfried M. Lütkenhaus und Bertram Cezanne erhält das Kontrollorgan des universitätseigenen Unternehmens zwei neue erfahrene Mitglieder

Aufsichtsrat von INNOVECTIS gestärkt

FRANKFURT. Dr. Bertram Cezanne, Senior Director Medicinal Chemistry bei Merck Serono, und  Dr. Altfried M. Lütkenhaus, Mitglied des Vorstandes der Frankfurter Sparkasse, sind in den Aufsichtsrat von INNOVECTIS berufen worden. „Die beiden neuen Mitglieder sind durch ihre umfassenden Erfahrungen und die Expertise, die sie aus ihren Bereichen mitbringen, eine wichtige und geeignete Ergänzung des INNOVECTIS-Aufsichtsrates“, betont Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität und Aufsichtsratsvorsitzender der Innovectis.

Der Chemiker Dr. Bertram Cezanne ist Senior Director Medicinal Chemistry bei Merck Serono; er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit kleinmolekularen Wirkstoffkandidaten im Bereich Onkologie und Rheumatologie und verfügt über große Erfahrungen in der Kooperation mit universitären und unternehmerischen Organisationen.

Der Jurist Dr. Altfried M. Lütkenhaus ist seit 2009 Mitglied des Vorstandes mit der Ressortverantwortung für das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden,  institutionellen Adressen, Körperschaften und Unternehmen der öffentlichen Hand, gewerblichen Immobilieninvestitionen und für das Treasury der Frankfurter Sparkasse.

Die universitätseigene INNOVECTIS GmbH, die in diesem Jahr ihr 10jähriges Bestehen feiert, ist zuständig für den erfolgreichen Transfer von akademischen Knowhow in die wirtschaftliche Praxis. INNOVECTIS unterstützt Erfinder bei der Einwerbung und Durchführung von Projekten.

Kontakt: INNOVECTIS GmbH, Doris Büdel, Altenhöferallee 3, 60438 Frankfurt am Main, Tel. (069) 25 61 632 – 17, info@innovectis.de, www.innovectis.de  

Forschung

Dez 18 2012
12:08

Einblicke in die Frankfurter Edda-Sammlung: Konjunktur des Meeresriesen Aegir bei Parfum, Zigaretten und Grammophonnadeln – Revival von Thor und Loki in Marvel-Comics

Wie nordische Götter und Helden bis heute fortleben

FRANKFURT. Edda – diesen Namen tragen zwei isländische Werke aus dem 13. Jahrhundert. Gemeinsam überliefern sie den größten erhaltenen Schatz an nordischer Mythologie und Heldensage. Gern für »germanisch« gehalten sind diese Stoffe seit dem 18. Jahrhundert weit über Island hinaus bekannt. Das spiegelt sich auch in den mehr als 1200 Objekten der Edda-Sammlung im Institut für Skandinavistik an der Goethe-Universität. Prof. Dr. Julia Zernack und Dr. Katja Schulz zeigen in ihrem Beitrag des soeben erschienenen Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“, wie die Mythen buchstäblich in jeden Winkel der Kultur vordringen können.

„Diesem Nachleben der eddischen Stoffe in Literatur, bildender Kunst, Religion, Musik und Alltagskultur gilt das Interesse der Frankfurter Edda-Forschung ebenso wie den mittelalterlichen Zeugnissen selbst“, betont Zernack, die ein seit 2007 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt zur Edda-Rezeption leitet. Der Bestand der Frankfurter Edda-Sammlung ist außerordentlich heterogen. Für sich genommen sind manche ihrer Objekte wertlos – Reklame- und Verpackungsmüll vergangener Zeiten. Doch als Sammlung beleuchten sie sich gegenseitig, dokumentieren die Rezeptionsgeschichte nordischer Mythologie und Heldensage durch die Jahrhunderte. „Diese Objekte bieten uns eine einzigartige Möglichkeit, das Auftreten der Mythen und ihre Funktion in verschiedensten Diskursen zu untersuchen“, so Katja Schulz, die seit Beginn in dem Projekt mitarbeitet. „So können wir exemplarisch rekonstruieren, wie die zuerst im nordischen Mittelalter überlieferten Mythen bis in unsere Zeit fortleben, sich durch die verschiedenen Medien bewegen und dabei immer wieder neu- und umgedeutet werden.“

Die Objekte machen anschaulich, was der Philosoph Hans Blumenberg 1971 als ein allgemeines Merkmal des Mythos beschrieben hat: Den Mythos gibt es nur im Zustand der Rezeption. Jede Zeit aktualisiert aus dem ihr zur Verfügung stehenden Mytheninventar die Aspekte, die ihren spezifischen Interessen dienen. Sehr anschaulich illustrieren die beiden Autorinnen dies in ihrem „Forschung Frankfurt“-Beitrag am Beispiel des altnordischen Meeresriesen Aegir: Im nordischen Mittelalter ist der Riese, der den Göttern freundlich gesonnen scheint, eine Personifikation des Meeres. Als Ende des 19. Jahrhunderts die nordischen Mythen in bewusster Abgrenzung als nationale Alternative zu den klassisch-antiken Göttern herangezogen wurden, wurde aus Aegir eine Art nordischer Poseidon, wie dieser ausgestattet mit Bart und Dreizack. Forciert wurde diese Mythenbildung im Deutschen Reich besonders von Wilhelm II.

Dazu Zernack: „In seinem seit 1894 häufig aufgeführten und oft verspotteten ‚Sang an Aegir‘ beschwor Wilhelm II. ein verklärtes, in eine unbestimmte ‚germanische‘ Vergangenheit projiziertes Heldentum. Damit appellierte er nicht nur an die Germanen- und Wikingerschwärmerei seiner Zeitgenossen, die ihren Wagner ebenso kannten wie Felix Dahns historische Romane, sondern zugleich an die verbreitete Begeisterung für die Marine.“ National propagiert und gleichzeitig in zahllosen Karikaturen ins Lächerliche gezogen, erlangte die Figur Aegir eine bis dahin ungeahnte Bekanntheit und erreichte jeden Winkel der Kultur: Aegir-Parfums und Aegir-Zigaretten verströmten ihren Duft; in einem Berliner Weinrestaurant wurden Aegir-Tropfen angeboten, die Klänge von Kaiser Wilhelms patriotischer Ballade ertönten vom goldfarben verzierten Notensatz für Klavier, gemischten Chor und Orchester bei ungezählten offiziellen Anlässen und vielleicht auch von einer Grammophon-Einspielung, die mit „Starktonnadeln“ der Marke „Aegir“ zum Klingen gebracht wurden.

Ungewöhnlich für eine – zumal philologisch verankerte – Universitätssammlung sind die zahlreichen Objekte der Alltagskultur, die durch Untersuchungen zu nordischen Mythen in Werbung und Propaganda und durch eine Studie über die Aktualisierung eddischer Stoffe im Kontext religiöser Neubildungen (wie dem neugermanischen Heidentum an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert) hinzukamen. Zu den Alltagsobjekten gehören beispielsweise Reklamesammelbilder aus der Zeit um 1900, die nordische Götter und eddische Mythen präsentieren, Bierdosen der dänischen Marke „Odin“, Werbung für die Hitler-Jugend-Uniform „Baldur“ oder für die 1854 gegründete, noch heute existierende deutsche „Iduna“-Versicherung, Rasierklingen der US-amerikanischen Marke „Thor“, Runenorakel und zahlreiche Postkarten, auf denen die Götter Odin, Thor und Heimdall herhalten müssen, um die ideologischen Interessen diverser politischer Vereinigungen zu vertreten. Eines der bekanntesten Edda-Zitate ist unter Adler und Hakenkreuz auf der Beileidskarte zu lesen, mit der die NSDAP den Angehörigen von Gefallenen kondolierte: „Niemals stirbt der Toten Tatenruhm.“

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts leben die nordischen Mythen auch in Filmen oder Comics weiter. So fungiert Thors missgünstiger Stiefbruder Loki beispielsweise in den Marvel-Comics über Jahrzehnte hinweg als dessen wichtigster Gegenspieler und Hauptschurke. Zuletzt ist er in dieser Rolle in den Verfilmungen „Thor“ (2011) und „The Avengers“ (2012) zu sehen – bis heute mit seinem markanten Hörnerhelm, der an eine Inkarnation des Teufels denken lässt. Auch in der Heavy-Metal-Szene haben die nordischen Mythen Konjunktur, dies belegen die Cover der einschlägigen CDs, die im Zusammenhang mit einer musikwissenschaftlichen Studie über nordische Mythen im Heavy Metal in die Edda-Sammlung kamen.

Wie steht es um die Zukunft der Frankfurter Sammlung? „Soll dieses Potenzial der Edda-Sammlung der Forschung nicht verloren gehen, gilt es, die Sammlung zu institutionalisieren und ihr Auseinanderfallen zu verhindern, das mit dem Auslaufen der gegenwärtig geförderten Projekte im kommenden Jahr droht“, so Zernack. Die beiden Skandinavistinnen wollen ein Anschlussprojekt beantragen, in dem Informationen über den Bestand der Sammlung ebenso wie die von der Frankfurter Edda-Forschung erhobenen Daten in einem multimedialen Forschungsportal online veröffentlicht werden sollen.

Informationen: Prof. Dr. Julia Zernack, Dr. Katja Schulz, Institut für Skandinavistik, Campus Westend, Tel. (069) 798-33104. Zernack@em.uni-frankfurt.de; k.schulz@em.uni-frankfurt.de

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Forschung

Dez 14 2012
15:01

Frankfurter Comic-Forscher betrachtet moderne Manga als eine Form der globalisierten Populär- und Jugendkultur

Grimms Manga als Märchen-Verwirrbuch: Wenn Rotkäppchen den geliebten Wolf heiratet

FRANKFURT. Als 1887 „Der Wolf und die sieben Geißlein“ in Tokio in einer mit Farbholzschnitten illustrierten Übersetzung erschien, konnte noch niemand ahnen, dass die Brüder Grimm heute zu den mit Abstand bekanntesten deutschen Literaten im Land der aufgehenden Sonne gehören. Inzwischen haben die Stoffe der Grimm’schen Märchen längst auch Eingang in den japanischen Comic gefunden. „Das hängt nicht zuletzt mit dem Wesen des modernen Manga als einer Form der globalisierten Populär- und Jugendkultur zusammen“, wie der Frankfurter Comic-Spezialist Dr. Bernd Dolle-Weinkauff in seinem Beitrag des soeben erschienenen Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (3/2012) darlegt. Er beschäftigt sich seit 1983 mit dieser Literaturgattung und zählt zu den international anerkanntesten Comic-Forschern.

Schneewittchen, das sich beinahe in einen niedlichen Feenzwerg verliebt, der narzisstische Hänsel, der Klein-Gretel wegen der betörenden Hexe Hildegard im Wald stehen lässt, der Bishônen-Jüngling Rapunzel, der die sportliche Jungfer Eva schwängert – diese Geschichten und einige andere mehr entstammen dem Universum der japanischen Comics des 21. Jahrhunderts und haben ihre Wurzeln in der Grimm’schen Märchenwelt. Die Manga haben mittlerweile begeisterte Leser und Nachahmer selbst im Heimatland von Jacob und Wilhelm Grimm gefunden. Dazu der Literaturwissenschaftler Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität: „Was in Deutschland und den anderen westlichen Ländern gegenwärtig als Comic japanischer Herkunft entgegentritt, spiegelt häufig amerikanische und europäische Einflüsse wider, die das Resultat der Rezeption in diesen Ländern seit Beginn der 1950er Jahre sind.“ So gehen etwa die heute als so typisch japanisch geltenden tellergroßen Augen und kindlichen Proportionen auf Disney-Filme und Disney-Comics zurück, die vor über einem halben Jahrhundert in Japan ihren Siegeszug feierten.

Die häufig fantastischen Szenarien der Bildgeschichten greifen nicht nur auf die Grimms zurück, sondern auch auf Erzählungen, Mythen und Sagen aus unterschiedlichsten Kulturen: „Die Manga in der Gegenwart stellen eine üppige Ansammlung von Versatzstücken und Elementen der kulturellen und literarischen Überlieferung im Weltmaßstab dar, die mit eigenkulturellen japanischen Elementen amalgamiert wurde“, so Dolle-Weinkauff. Dies gilt im Übrigen auch für die artverwandten Zeichentrickfilme – „Anime“ genannt –, wie etwa die vielfach prämierten Werke Hayao Miyazakis, von denen die Frankfurter Japanologin Prof. Lisette Gebhardt deshalb sagt, dass sie „eine üppige west-östliche Ausstattung“ aufweisen.

Die für Kinder von erotischen und gewalttätigen Passagen gereinigten Märchen waren für die Manga untauglich: „Denn die Manga setzen sich gerne – in augenzwinkernder Übereinkunft mit ihrer Leserschaft – über allzu enge moralische und pädagogische Einwände hinweg“, wie der Frankfurter Comic-Spezialist erläutert. 1998 veröffentlichte Misao Kiryu den Erzählband „Grimms Märchen sind eigentlich grausam“ und bot damit eine neue und sehr viel drastischere Lesart als die bislang gewohnten an; auch vor dem Einsatz von Horror-Motiven machte er nicht halt. „Seitdem lässt sich beobachten, wie im Manga verstärkt Erzählungen aus den Kinder- und Hausmärchen aufgegriffen und recht freizügig umgestaltet werden“, hat Dolle-Weinkauff festgestellt.

Die „Grimms Manga“ von Kei Ishiyama, die der Verlag Tokyopop seit 2007 produziert, verfahren nach dem Prinzip des „Märchen-Verwirrbuchs“. Diese Bezeichnung brachte der Frankfurter Politologie-Professor und Hobby-Märchenautor Prof. Iring Fetscher auf, der den Prototyp dieser Märchen-Lesart bereits 1972 mit dem Band „Wer hat Dornröschen wachgeküßt?“ mit großem Erfolg vorstellte. „Kei Ishiyama deutet die Vorlagen mehr oder minder radikal um, verdreht Figuren, Motive und Handlungen parodistisch und führt die Erzählungen zu ganz neuen Pointen“, analysiert der Literaturwissenschaftler. So wird aus dem „Gestiefelten Kater“ ein selbst wandlungsfähiger Katzen-Dämon, „Der Froschkönig“ wie auch „Rapunzel“ erfahren eine höchst folgenreiche Geschlechtsumwandlung und das neue „Rotkäppchen“ heiratet wahrscheinlich ihren geliebten Wolf.

Kei Ishiyamas Grimm-Parodien haben mittlerweile Nachfolger in der deutschen Manga-Szene gefunden: „So hat David Füleki 2012 mit dem bezeichnenden Titel „Blutrotkäppchen“ das Grimm’sche Vorbild in Form einer Slasher-Komödie inszeniert, die in einem wilden ‚Märchen-Monster-Massaker‘ endet. Bereits 2011 veröffentlichte Tokyopop einen ‚Grimms Manga‘-Sonderband, an dem sich einige der namhaftesten Eleven des Manga-Stils aus dem deutschsprachigen Raum mit jeweils eigenen Märchen-Neuerzählungen beteiligten.“

Auch die genre-typischen Erzählformen und Darstellungsweisen der Manga nahm Dolle-Weinkauff unter die Lupe: „Die Geschichten zeichnen sich durch höchst rasante Bildfolgen mit dynamischen Layouts aus, die mit gefühlig-ruhigen Passagen wechseln. Die vermenschlichten Tiere werden dabei gründlich nach dem Niedlichkeitsprinzip (japanisch ‚kawai‘) verformt, und die weiblichen Hauptfiguren erhalten ein Design von zartestem Körperbau und Physiognomien mit den bekannten treuherzigen, tellergroßen Augen.“ Erstaunlich auch, was aus den im deutschen Märchen meist etwas bieder geratenen männlichen Protagonisten wird: „Sie sind durchgängig geformt nach dem Modell des Bishônen, des – beinahe unnahbar – schönen Jünglings, der in der luziden Gestalt des Märchenprinzen seine höchste Vollendung erreicht.“

Informationen: Dr. Bernd Dolle-Weinkauff, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798-33001, dolle-weinkauff@rz.uni-frankfurt.de

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Dez 13 2012
15:32

Öffentliche Weihnachtsvorlesung der Pharmazeuten Theo Dingermann und Dieter Steinhilber widmet sich der Krankheitsgeschichte eines prominenten deutschen Rockmusikers. Freitag, 14. Dezember, 10 Uhr, Campus Riedberg

Wolfgang Niedeckens Schlaganfall

FRANKFURT. „Wie aus heiterem Himmel“: So lautet der Titel einer ungewöhnlichen Vorlesung, die am Freitag auf dem Campus Riedberg stattfindet. Die Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber sprechen über das Thema Schlaganfall und rücken dabei einen Künstler und Musiker in den Fokus, der wohl jedem Zuhörer bekannt sein dürfte. Wolfgang Niedecken, Sänger der Kölschrock-Band BAP, erlitt 2011 einen Schlaganfall. Wie es dazu kam, erläutern Dingermann und Steinhilber in ihrer Vorlesung.

Die Vorlesung „Wie aus heiterem Himmel“ beginnt am

Freitag, 14. Dezember, 10 Uhr, in Hörsaal B1, im Biozentrum auf dem Campus Riedberg der Goethe-Uni, Max-von-Laue Straße 9.

Seit sieben Jahren laden die beiden Professoren Dieter Steinhilber und Theo Dingermann vom Institut für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt im Dezember ihre Studenten und auch andere interessierte Gäste zu einer Weihnachtsvorlesung ein.  Thematisch geht es dabei stets um Suchtverhalten oder um Krankheiten aus Sicht der Wissenschaft und um die Verantwortung des Einzelnen für die eigene Gesundheit. Medizinische Aspekte verknüpfen die Professoren mit der Biografie betroffener bekannter Musiker, darunter zuletzt Michael Jackson, Freddie Mercury oder George Harrison.

Ein Interview mit Dingermann und Steinhilber zur Krankheitsgeschichte von Elvis Presley ist gerade aktuell im UniReport erschienen: www.unireport.info/44376478/unireport_6-12.pdf

Hochschulpolitische Themen

Dez 13 2012
15:23

Goethe-Universität stärkt mit Zeitung in neuem Format Debatten zu aktuellen Bildungs- und Hochschulthemen

Hochschulranking im Widerstreit

FRANKFURT. Sind Hochschulrankings nützliche Orientierungshilfen für Studieninteressierte? Oder stellen sie eine mangelhafte Form der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen dar? In der aktuellen Ausgabe des UniReport streiten der Soziologe Prof. Sighard Neckel (Goethe-Universität) und Prof. Frank Ziegele (Geschäftsführer CHE Zentrum für Hochschulentwicklung) über eines der wohl prominesten Rankings. Während Neckel dem CHE Hochschulranking methodische Mängel und falsche Vergleiche vorwirft, verteidigt Ziegele das Ranking als differenzierte Sichtweise auf die Hochschullandschaft. 

„Mit solchen Kontroversen im UniReport wollen wir künftig stärker den universitären Meinungs- und Willensbildungsprozess begleiten“, betont Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Universität. Die aktuelle Ausgabe der Universitätszeitung präsentiert sich in einem moderneren Layout. Interviews mit interessanten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte sollen künftig das journalistische Profil der Zeitung stärken. In der aktuellen Ausgabe stellt sich der designierte DFG-Präsidenten Prof. Peter Strohschneider, der die 1. Dagmar Westberg-Professur im Wintersemester an der Goethe-Universität übernommen hat, den Fragen der Redaktion.

Weitere Themen der aktuellen Ausgabe:

  • Studierende der Goethe-Universität schreiben viel beachtetes Buch über ihre Migrationsgeschichte.
  • Integrative Pilzforschung: Ein neues LOEWE-Projekt erforscht die vielfältigen Seiten von Pilzen.
  • Prominente und ihre Krankheitgeschichten: Elvis Presley und sein Weg ins Metabolische Syndrom.
  • Unter 18: Minderjährige Studierende machen ihre ersten Erfahrungen an der Goethe-Universität.

Die aktuelle Ausgabe des UniReport steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/44376478/unireport_6-12.pdf

Kontakt: Dr. Dirk Frank, Pressereferent, Pressereferent /stv. Leiter, Abteilung Marketing und Kommunikation, Tel. (069) 798-23753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 13 2012
11:10

Das Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ erscheint pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen

Von Märchen und Mythen

FRANKFURT. Pünktlich zum Jubiläum von Grimms Märchen, die zum ersten Mal im Dezember 1812 als „Kinder- und Hausmärchen“ erschienen sind, beschäftigen sich Literaturwissenschaftler in der gerade erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ damit, wie sich dieser literarische Fundus im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. „Märchen und Mythen“ ist das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität (3/2012). Am Beispiel der nordischen „Edda“, zu der zwei verschiedene auf Altisländisch verfasste literarische Werke gehören, zeigen die Frankfurter Skandinavistinnen, wie Mythen buchstäblich in jeden Winkel der Kultur vordringen.

Die Themen:

Blick in die Frankfurter Edda-Sammlung

Die beiden literarischen Edda-Werke aus dem 13. Jahrhundert überliefern den größten erhaltenen Schatz an nordischer Mythologie und Heldensage. Gern für „germanisch“ gehalten sind diese Stoffe seit dem 18. Jahrhundert weit über Island hinaus bekannt. Das spiegelt sich auch in den mehr als 1200 Objekten der Frankfurter Edda-Sammlung im Institut für Skandinavistik an der Goethe-Universität. Prof. Dr. Julia Zernack und Dr. Katja Schulz zeigen in ihrem Beitrag, wie die verschiedenen Objekte der sehr heterogen Sammlung sich gegenseitig beleuchten und wie sie eine Rezeptionsgeschichte durch die Jahrhunderte dokumentieren.  

Grimms Märchenideal im Biedermeier

Was die beiden Hessen Jakob und Wilhelm Grimm als reine „Volkspoesie“ darboten, war ihr literarisches Kunstwerk. Sie waren davon überzeugt, mit ihrem neuen Märchenideal das ursprüngliche Wesen des Märchens erfasst zu haben. Gesellschaftliche Bezüge wurden aus ihren Märchen verbannt, ihnen ging es allein darum, die fernliegende Vergangenheit widerzuspiegeln, wie der Germanist Prof. Hans-Heino Ewers in seinem Artikel analysiert. Den Erwachsenen im bürgerlichen Biedermeier gefiel genau diese Perspektive: Sie genossen den wehmütigen Rückblick auf eine vormoderne Vergangenheit, den Reiz eines naiven Wunderglaubens und ein Dasein jenseits von Sexualität und Triebhaftigkeit.

Die Grimms und die Manga

Dass Grimms Märchen auch in den japanischen Comic Eingang fanden, hängt mit dem Wesen des modernen Manga als einer Form der globalisierten Populär- und Jugendkultur zusammen. Was in westlichen Ländern als Comic japanischer Herkunft entgegentritt, spiegelt aber auch oft amerikanische und europäische Einflüsse wider. Dr. Bernd Dolle-Weinkauff beschäftigt sich fast 30 Jahren mit der Comic-Forschung und dazu gehören auch die Manga.

Grimms Märchen in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Was alles unter der literarischen Marke »Märchen« auf dem Kinder- und Jugendbuch-Markt firmiert, ist äußerst variantenreich – vom Wimmelbuch im Großformat bis zum SMS-Märchen in 160 Zeichen. Neben dem üblichen Dauersortiment tun sich auch immer mehr Parallelwelten zu den Grimm’schen Märchen auf: Dazu gehören beispielsweise die Märchen-Lovestories für Mädchen, in denen Märchen-Figuren als Strippenzieherinnen in der realen Welt auftreten, ebenso wie die Einbindung der Brüder Grimm in Jugendthriller. Die Verlage suchen Kontakt zum jungen Publikum über vielfältige crossmediale Angebote, Apps und Fanclubs im Netz bedienen den modernen Märchen-User. Wie sich das Angebot gewandelt hat, beschreibt die Literaturwissenschaftlerin Dr. Claudia Maria Pecher, die auch Vorstandsmitglied der Märchen-Stiftung Walter Kahn ist.

Was Film- und Fernsehproduktionen aus Märchen machen

Auch in Film und Fernsehen erleben Märchen eine Renaissance. Die Filme knüpfen an das an, was Kindern und Erwachsenen aus mündlicher Überlieferung und Lektüre vertraut ist, und beleben den Stoff auf ihre Art neu. Während die Filme von ARD und ZDF, die insbesondere zur Weihnachtszeit ausgestrahlt werden, noch relativ nah an die Textvorlagen der Brüder Grimm angelehnt sind, entfernen sich amerikanische Serien und Filme immer weiter von den Quellen. Häufig entsteht daraus ein Genre-Mix aus klassischen Märchen, Mythen und Populärkultur verknüpft mit Fantasy-Elementen, wie die Kinder- und Jugendbuchforscherin Anke Harms zeigt.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de;

Im Internet: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Dez 13 2012
11:02

Frankfurter Bürger-Universität diskutiert die Doppelkrise, u.a. mit Sahra Wagenknecht und Otmar Issing

Von der Banken- zur Staatsschuldenkrise?

FRANKFURT. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte? sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Experten und zahlreiche Bürger – zuletzt wieder knapp 300 - nutzen die Möglichkeit zur öffentlichen Diskussion. Aufgrund der überraschenden Resonanz musste sogar der ursprünglich vorgesehene Veranstaltungsort gewechselt werden. Die Reihe findet nun bis zu ihrem Ende am 28.1. 2013 dauerhaft im Hörsaal V auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität statt.

Die kommende Veranstaltung darf mit Sicherheit als ein Highlight der gesamten Reihe betrachtet werden! Enteignung der öffentlichen Hand – Von der Banken- zur Staatsschuldenkrise?, mit dieser Frage wird sich am kommenden Montag eine hochkarätige Expertenrunde beschäftigen. Anwesend sein werden: Dr. Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von der Partei „Die Linke“ im Bundestag, Prof. Otmar Issing, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank und Chefökonom der Europäischen Zentralbank, Dr. Christopher Pleister, Vorsitzender des Leitungsausschusses des Finanzmarktstabilisierungsfonds, sowie der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Mark Wahrenburg. Letzterer wird zu Beginn der Veranstaltung mit einem Kurzvortrag eine erste thematische Einordnungen vornehmen. In der Veranstaltung soll der Werdegang der aktuellen Krise nochmals nachgezeichnet werden. Gefragt werden muss auch, ob es sich hier tatsächlich um zwei getrennten Krisen handelt: Einer Banken- und einer Staatsschuldenkrise? Welche Wechselwirkungen sind vorhanden und welche davon wurden sogar bewusst konstruiert?

Enteignung der öffentlichen Hand – Von der Banken- zur Staatsschuldenkrise?

  • Prof. Mark Wahrenburg, Wirtschaftsexperte an der Goethe-Universität mit Schwerpunkt Risikomanagement
  • Dr. Sahra Wagenknecht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende „Die Linke“, u.a. Autorin von „Freiheit statt Kapitalismus“.
  • Prof. Otmar Issing, Präsident des Center for Financial Studies und Berater der Bundesregierung
  • Dr. Christopher Pleister, Vorsitzender des Leitungsausschusses der Finanzmarktstabilisierungsanstalt
  • sowie den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern

Moderation: Lisa Nienhaus, Wirtschaftsredakteurin Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung .

am: Montag, 17. Dezember 2012, um 19.30 Uhr

Neuer Veranstaltungsort: Hörsaal V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim, Mertonstraße 17 - 21

An insgesamt sechs Abenden greift die Diskussionsreihe der Frankfurter Bürger-Universität wichtige Aspekte eine der global drängendsten Fragen unserer Zeit auf. Beleuchtet werden sollen die Leitaspekte der gegenwärtigen Finanzkrise, die auch zu einer Krise der westlichen Demokratie geworden scheint. Wer kontrolliert Banken und Ratingagenturen? Ist es die Gier, die unser gesellschaftliches Zusammenleben ruiniert? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft? Muss Forschung Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben? Oder ist der Protest der Occupy-Bewegung der richtige Weg, um sich aus dem immer stärker werdenden Griff des Finanzsystems zu befreien?

„Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte? - Diskussionsreihe mit Experten und Bürgern“

  • 14. Januar 2013
    Wissenschaft als Krisenhelfer
    Muss Forschung Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben?
    u.a. mit Prof Tilman Allert (Soziologe), Prof. Andreas Hackethal (Wirtschaftswissenschaftler) und Karlheinz Weimar (Hessischer Finanzminister a.D.)
  • 28. Januar 2013
    Was hat´s gebracht
    Occupy als Anfang einer neuen Bürgerbewegung?
    u.a. mit Prof. Axel Honneth (Philosoph), Prof. Werner Plumpe (Historiker) und Jan Umsonst (Occupy Frankfurt); mit einem Nachwort von OB Feldmann

Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt frei

Wichtiger Hinweis: Veranstaltungsort ist immer Raum V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim, Mertonstraße 17 - 21

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 12 2012
09:25

Bisexualität erhöht den Fortpflanzungserfolg des Atlantikkärpflings

Homosexuelles Verhalten macht männliche Fische attraktiv

FRANKFURT. Die Anzahl an Nachkommen gilt in der Evolutionsbiologie als die ultimative Einheit für den Erfolg eines Individuums. Deshalb gab das Auftreten homosexuellen Verhaltens Wissenschaftlern lange Zeit Rätsel auf. Frankfurter Evolutionsbiologen um David Bierbach und Privatdozent Dr. Martin Plath haben nun herausgefunden, warum sich homosexuelles Verhalten für Männchen lohnen kann: Sexuelle Aktivität an sich ist ein Qualitätsmerkmal, das gesunde von kranken und unterernährten Partnern unterscheidet.

„Vordergründig sollte homosexuelles Verhalten, obwohl es bei nahezu allen Tierarten zu finden ist, den Fortpflanzungserfolg eines Individuums vermindern“, sagt Martin Plath. Beispielsweise bevorzugen Weibchen des Atlantikkärpflings (Poecilia mexicana) Männchen als Paarungspartner, die zuvor sexuell mit anderen Weibchen interagiert haben – ein Verhalten, das in der Wissenschaft als Partnerwahlkopieren bekannt ist und auch für den Menschen als „Ehering-Effekt“ beschrieben wurde. Wieso zeigen dann Männchen des Atlantikkärpflings sowohl hetero- als auch homosexuelles Verhalten? Und warum tritt dieses Verhalten auch bei vielen anderen Tierarten auf?

Die Frankfurter Forscher spielten in ihrer Studie Kärpfling-Weibchen verschiedene Videoanimationen vor, auf denen Männchen entweder mit einem Weibchen oder einem anderen Männchen sexuell interagierten. Dabei fanden sie heraus, dass Weibchen auch solche Männchen attraktiver finden, die sie bei homosexuellen Verhaltensweisen mit anderen Männchen beobachten konnten. „Dies zeigt, dass das sexuelle Verhalten der Männchen beziehungsweise deren sexuelle Aktivität an sich für Weibchen ein Qualitätsmerkmal darstellt, denn kranke oder unterernährte Männchen zeigen kaum Sexualverhalten“, so David Bierbach.

Die Forscher vermuten, dass sich vor allem weniger attraktive Männchen dieser Paarungsstrategie bedienen; sie versuchen, ihren Fortpflanzungserfolg durch die attraktivitätssteigernde Wirkung von homosexuellem Verhalten zu erhöhen. Martin Plath kommt zum Schluss: „Homosexualität – oder vielmehr Bisexualität – stellt eine dem normalen Verhaltensrepertoire entsprechende Verhaltensweise der Männchen dar. Dass die Weibchen sowohl andere Weibchen, als auch homosexuell aktive Männchen bei der Partnerwahl kopieren, erklärt die Bisexualität im männlichen Geschlecht. Und zwar nicht nur bei Fischen, sondern möglicherweise auch bei anderen Tierarten.“

Studie: Bierbach D, Jung CT, Hornung S, Streit B, Plath M. 2012 Homosexual behaviour increases male attractiveness to females. Biol Lett 20121038. http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2012.1038

Informationen: David Bierbach, PD Dr. Martin Plath, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42172 - 42169; Bierbach@bio.uni-frankfurt.de; mplath@bio.uni-frankfurt.de.



Personalia/Preise

Dez 6 2012
15:23

Prof. Ivan Dikic findet neue Zielstrukturen für die Medikamententwicklung

Frankfurter Krebsforscher erhält höchstdotierten deutschen Forschungspreis

FRANKFURT. Der Frankfurter Professor für Biochemie Ivan Dikic erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2013. Das gab der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) heute in Bonn bekannt. Präsident Prof. Werner Müller-Esterl gratulierte seinem Fachkollegen: „Ivan Dikic verkörpert für mich den Idealtypus eines forschungsaktiven Mediziners, der sich mit viel Enthusiasmus und schier unerschöpflicher Kraft für die Sache von Forschung und Lehre einsetzt. Ich schätze an ihm Originalität und konzeptionelles Denken, gepaart mit Führungsqualität und Durchsetzungsvermögen.“ Müller-Esterl freut sich auch aus persönlichen Gründen: Beide verbindet seit vielen Jahren eine enge Forschungspartnerschaft. Nicht zuletzt folgte Dikic Müller-Esterl auf dessen Lehrstuhl für Biochemie 2, als dieser 2009 Präsident der Goethe-Universität wurde.

Einst war sie als “ Todeskuss für Proteine” bekannt: die Markierung von Proteinen mit dem kleinen Signalmolekül Ubiquitin (Ubiquitinierung), die sie für die Vernichtung im molekularen Schredder der Zelle, dem Proteasom, freigab. Inzwischen weiß man, das Ubiquitin an den vielfältigsten Signalmechanismen der Zelle mitwirkt. Mit seinen Pionierarbeiten auf diesem Gebiet hat Ivan Dikic gezeigt, wie der Ubiquitin-Code in Zellen entschlüsselt wird. Von ihm stammt die Idee, dass gebundenes Ubiquitin von spezialisierten Domänen im Protein erkannt werden muss, damit seine Botschaft dekodiert und ein entsprechender Auftrag von der Zelle erfüllt werden kann. Indem Dikic seine Hypothese konsequent verfolgte, konnte er rasch Ubiquitin-bindende Domänen in mehr als 200 Proteinen identifizieren und deren Bedeutung sowohl in normalen physiologischen Prozessen als auch bei der Entstehung zahlreicher Erkrankungen nachweisen. Dazu gehören Krebs, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, bakterielle Infektionen und Entzündungen.

Ivan Dikic machte sich also in jungen Jahren einen ausgezeichneten Namen auf dem Gebiet der Signaltransduktion, der Übertragung von Signalen in der Zelle. Er leistete fundamentale Beiträge zur Aufklärung der Funktion von Rezeptoren, die an der Zelloberfläche verschiedenste Moleküle erkennen. Er identifizierte auch mehrere Enzyme, die in Signalketten zur Regulation des Zellwachstums wichtig sind. Weiterhin klärte er einen Mechanismus der DNA-Reparatur auf, der bei Erkrankungen wie der Erbkrankheit Xeroderma pigmentosum eine zentrale Rolle spielt.

2008 erregte eine Publikation des aus Kroatien stammenden Forschers in der angesehenen Zeitschrift „Nature“ großes Aufsehen. Im Rahmen einer internationalen Kooperation gelang es Dikic, einen seit langem gesuchten Rezeptor auf dem Proteasom zu finden. Ist dieser defekt, können neurodegenerative Erkrankungen auftreten. Diese und Dikic’s frühere Arbeiten auf diesem Gebiet eröffnen neue Perspektiven für die Identifizierung innovativer Zielstrukturen bei der Medikamentenentwicklung.

Dikics Labor gehört auch zu den Vorreitern bei der Erforschung linearer Ubiquitin-Ketten, die in Fachkreisen als große Überraschung aufgenommen wurden. Er lieferte strukturelle, biochemische und genetische Beweise für die physiologische Wirkung der linearen Ubiquitinierung und erklärte, warum Mutationen auf diesem Signalweg chronische Dermatitis, Immundefekte und die Entzündung von Organen verursachen können. In seinem Labor wurden Rezeptoren identifiziert, die „verklumpte“ Proteine erkennen und für die zelluläre Vernichtungsmaschinerie markieren. Dies geschieht durch Autophagie, einen Selbstverdauungsmechanismus der Zelle. Diese Arbeiten erstrecken sich auch auf pathogene Bakterien. In einer bahnbrechenden Arbeit entdeckte seine Gruppe einen Abwehrmechanismus gegen Salmonella enterica, eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen.

Ivan Dikic studierte Medizin und promovierte 1991 an der Universität Zagreb in Kroatien. Im Labor von Prof. Joseph Schlessinger an der New York University schloss er 1995 seine zweite, naturwissenschaftliche Promotion (Ph.D.) ab. In der Zeit von 1997-2002 war er als Assoziiertes Mitglied und Nachwuchsgruppenleiter am Ludwig Institute for Cancer Research in Uppsala/Schweden tätig. Seit 2002 ist er Professor für Biochemie am Institut für Biochemie II der Goethe-Universität.

Als Leiter der Arbeitsgruppe „Molecular Signaling“ hat sich Prof. Dikic aktiv an der Etablierung neuer Forschungsschwerpunkte an der Universität beteiligt. 2009 übernahm er zusätzlich die Aufgaben des „Scientific Directors“ des aus dem Exzellenzclusters „Makromolekulare Komplexe“ hervorgegangenem Buchmann Institute for Molecular Life Sciences. Bei seiner wissenschaftlichen Tätigkeit setzt er sich nachhaltig für die Förderung des akademischen Nachwuchses ein. Seit Jahren organisiert er die weltweit beachtete „Dubrovnik Conference on Signaling“, die sich zu einem lebendigen Forum des Austauschs zwischen Wissenschaftlern aus Ost- und West-Europa entwickelt hat.

Ausdruck der Wertschätzung seiner wissenschaftlichen Aktivitäten sind die Ernennung zum Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) im Jahr 2004 und die Aufnahme als Mitglied in die Akademie der Naturforscher Leopoldina 2010 sowie zahlreiche nationale und internationale Preise, wie das Forschungsstipendium des Boehringer Ingelheim-Fonds (Stuttgart, 1997), der schwedische Lilla Fernström-Preis (Lund, 2002), der Wissenschaftspreis der GlaxoSmithKline-Stiftung (München, 2006), der Award for Outstanding Achievement in Cancer Research der American Association for Cancer Research (Washington, 2006), der Young Cancer Researcher Award der European Association for Cancer Research (Budapest, 2006), dem Sir Hans Krebs-Preis (Hannover 2009), und die erst kürzlich bekanntgegebene Verleihung des William C Rose Award 2013 der Amerikanischen Gesellschaft für Biochemie und Molekulare Biologie.

Ivan Dikic wird als 14. Wissenschaftler der Goethe-Universität mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. 1986 erhielten der Philosoph Jürgen Habermas und der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den begehrten Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock und der Neurowissenschaftler Heinrich Betz (beide 1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007), der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010) und der Philosoph und Politikwissenschaftler Rainer Forst (2012).

Bilder zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de oder lipke@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 6 2012
15:15

Frankfurter Bürger-Universität der Goethe-Universität diskutiert über den Schaden und Nutzen eines unkontrollierten Strebens nach Mehr

Wie viel Gier verträgt die Gesellschaft?

FRANKFURT. Die Frankfurter Bürgeruniversität Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte? der Goethe-Universität deckt die Mechanismen hinter der Finanzkrise auf und schafft für Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, mit erstklassigen Experten ins Gespräch zu kommen. Bei den ersten beiden Veranstaltungen machten insgesamt bereits rund 900 Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Aufgrund der enormen Resonanz musste sogar der ursprünglich vorgesehene Veranstaltungsort gewechselt werden. Die Reihe findet seit dem 26.11. bis zu ihrem Ende am 28.1. 2013 nun dauerhaft statt im Hörsaal V auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität!

Bei der dritten Veranstaltung geht es am Montag, den 10. Dezember ab 19.30 Uhr um das Thema „Gier“. Seit Beginn der Krise wird die Schuld an der Finanzmisere immer wieder der „Gier der Banker“ zugeschrieben. Auch Bundeskanzlerin Merkel sah die Lage auf den Finanzmärkten durch „Gier und verantwortungslose Spekulationen“ bestätigt.

Falsche Anreize - Ruiniert Gier die Basis unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens?, unter diesem Titel will die Frankfurter Bürger-Universität die Rolle des Faktors Gier genauer betrachten. Ist das Streben nach Mehr grundsätzlich schlecht? Oder ist der Mensch nicht schon von Natur aus ein Nutzenmaximierer? Wie also umgehen mit diesem brennenden Gier-Gefühl?

Eine Einführung und erste Einschätzung dazu kommt von dem renommierten Frankfurter Soziologen Prof. Sighard Neckel, der sich mit dem Thema Gier ausführlich wissenschaftlich beschäftigt hat. Weiter vertieft werden soll das so komplexe wie interessante Thema in der anschließenden Diskussion mit:

  • Prof. Sighard Neckel, Soziologe
  • Prof. Guido Friebel, Wirtschaftswissenschaftler
  • Prof. Rolf Haubl, Sozialpsychologe
  • Prof. Stefan Alkier, Evangelischer Theologe
  • sowie den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern
  • Moderation: Dr. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

 

am: Montag, 10. Dezember 2012, um 19.30 Uhr
Neuer Veranstaltungsort:
     Hörsaal V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim, Mertonstraße 17 - 21

An insgesamt sechs Abenden greift die Diskussionsreihe der Frankfurter Bürger-Universität wichtige Aspekte eine der global drängendsten Fragen unserer Zeit auf. Beleuchtet werden sollen die Leitaspekte der gegenwärtigen Finanzkrise, die auch zu einer Krise der westlichen Demokratie geworden scheint. Wer kontrolliert Banken und Ratingagenturen? Ist es die Gier, die unser gesellschaftliches Zusammenleben ruiniert? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft? Muss Forschung Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben? Oder ist der Protest der Occupy-Bewegung der richtige Weg, um sich aus dem immer stärker werdenden Griff des Finanzsystems zu befreien?

„Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte? - Diskussionsreihe mit Experten und Bürgern“

  • 17. Dezember 2012
    Enteignung der öffentlichen Hand
    Von der Banken zur Staatsschuldenkrise?
    u.a. mit Prof. Otmar Issing (ehem. Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Dr. Christopher Pleister (Vorsitzender des Leitungsausschusses der Finanzmarktstabilisierungsanstalt) und Dr. Sahra Wagenknecht (stellvertr. Fraktionsvorsitzende „Die Linke“ im Deutschen Bundestag)
  • 14. Januar 2013
    Wissenschaft als Krisenhelfer
    Muss Forschung Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben?
    u.a. mit Prof Tilman Allert (Soziologe), Prof. Andreas Hackethal (Wirtschaftswissenschaftler) und Karlheinz Weimar (Hessischer Finanzminister a.D.)
  • 28. Januar 2013
    Was hat´s gebracht
    Occupy als Anfang einer neuen Bürgerbewegung?
    u.a. mit Prof. Axel Honneth (Philosoph), Prof. Werner Plumpe (Historiker) und Jan Umsonst (Occupy Frankfurt); mit einem Nachwort von OB Feldmann

Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt frei

Wichtiger Hinweis: Veranstaltungsort ist immer Raum V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim, Mertonstraße 17 - 21

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 6 2012
13:44

Vortrag von Klaus Rajewsky zu genetischen Ursachen der Leukämie

Vater der „knock-out-Maus“ in Frankfurt

FRANKFURT. Blutkrebs entsteht, wenn die weißen Blutkörperchen – ein Teil des Immunsystems – entarten und sich unkontrolliert vermehren. Der in Frankfurt geborene Immunologe Prof. Klaus Rajewsky hat sich in seinem nunmehr 48jährigen Forscherleben besonders mit den genetischen Ursachen beschäftigt. Um die Entwicklung von speziellen weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten, im Körper verfolgen zu können, entwickelte er Mausmodelle, die inzwischen weltweit im Einsatz sind. In seinem Vortrag an der Goethe-Universität am Montag, den 10. Dezember erklärt er, wie genetisch maßgeschneiderte Mausmodelle neue Therapieansätze für Lymphome ermöglichen. Das sind verschiedene Arten des Blutkrebses, die von Lymphozyten ausgehen.

Wann? Montag, 10. Dezember, 18:15 Uhr
Wo?Klinikum der Goethe-Universität, Hörsaal-Gebäude 22-1

In den von Rajewsky entwickelte Mausmodellen, können gewebespezifisch Gene aus- und eingeschaltet werden (knock-out oder knock in). Mit Hilfe dieser und anderer Techniken ist es ihm gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des bösartigen Hodgkin-Lymphoms (Lymphdrüsenkrebs) zu identifizieren. Dabei studierte er in Mäusen die Entstehung bösartiger Lymphome und hofft, dass sich die so gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Für seine Forschungen wurde Klaus Rajewsky mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2009 mit der Max-Delbrück-Medaille, 1997 mit dem Körber-Preis für Europäische Wissenschaft sowie1996 mit dem Max-Planck-Forschungspreis und dem Robert-Koch-Preis.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Insitut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel: (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de.

Veranstaltungen

Dez 5 2012
13:08

Philosophin kommt am 13. Dezember auf Einladung der Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata“ an die Goethe-Universität

Martha Nussbaum spricht über menschliche Entwicklung

FRANKFURT. Martha Nussbaum (Foto), Professorin für Recht und Ethik an der University of Chicago, gilt als eine der profiliertesten Philosophinnen der Gegenwart. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Fragen sozialer Gerechtigkeit und Theorien sozialer und ökonomischer Entwicklung. Am Donnerstag, 13. Dezember 2012, spricht sie an der Goethe-Universität über „Development and Human Capabilities: The Contribution of a Philosophical Theory of Justice“. Ihr Vortrag in englischer Sprache, zu dem auch die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen ist, beginnt um 19 Uhr c.t. im Hörsaal 6 des Hörsaalzentrums auf dem Frankfurter Campus Westend. Martha Nussbaum folgt einer Einladung der Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata: Erweiterte Gerechtigkeit – konkret und global“.

Martha Nussbaum ist insbesondere für Ihre Arbeiten mit dem Philosophen und Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen bekannt. Gemeinsam entwickelten sie den so genannten „capability approach“. Dieser „Fähigkeitenansatz“ bildet die Basis des jährlich veröffentlichten Index der menschlichen Entwicklung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen. In ihrem Vortrag setzt sich Nussbaum dafür ein, Entwicklung als die Realisierung zehn zentraler menschlicher Fähigkeiten (‚capabilities’) zu verstehen. Sie kritisiert alternative Verständnisweisen, welche Entwicklung mit wirtschaftlichem Wachstum oder der Befriedigung subjektiver Präferenzen gleichsetzen. Anhand dieser und weiterer Argumentationen beabsichtigt Nussbaum in ihrem Vortrag, die Relevanz philosophischer Arbeiten für die Entwicklungsökonomie und Entwicklungspolitik aufzuzeigen. Auf Deutsch ist von Martha Nussbaum zuletzt „Grenzen der Gerechtigkeit – Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit“ (Suhrkamp, 2010) erschienen.

Der Vortrag Martha Nussbaums findet im Rahmen eines anmeldepflichtigen Workshops zum Thema „Justice and Development“ statt. Auch hierbei geht es unter anderem um den Beitrag philosophischer Gerechtigkeitstheorien zu konkreten Belangen der Entwicklungsökonomie und Entwicklungspolitik. Ausrichter der zweitägigen wissenschaftlichen Veranstaltung ist die Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Goethe-Universität gefördert wird.

Die Philosophin Martha Nussbaum wird auch im nächsten Jahr nach Frankfurt kommen. Dann wird sie die zweite Dagmar Westberg-Vorlesung an der Goethe-Universität halten. Aktueller und erster Dagmar Westberg-Gastprofessor ist Peter Strohschneider, Professor für Germanistische Mediävistik an der LMU München und designierter Präsident der DFG.

Informationen: Julian Culp, Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata“, (069) 798-25355, culp@em.uni-frankfurt.de, www.justitia-amplificata.de

Weitere Details im Internet: www.justitia-amplificata.de/en/events/workshop-on-justice-and-development.html

Veranstaltungen

Dez 4 2012
16:08

Vortrag von Prof. Peter Geimer im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, anschließend Ausstellungseröffnung in der Studiengalerie 1.357

Was taugen Bilder als historische Quellen?

FRANKFURT. Die Vergangenheit kann man nicht beobachten. Man hat von ihr gehört oder gelesen, erinnert sich an sie. Oder man sieht Bilder und Modelle, die Historisches zeigen, es aber nicht in seiner gewesenen Integrität wiederherstellen können. „Deshalb beruht jede visuelle Rekonstruktion von Geschichte auf einer Verschränkung von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Vergegenwärtigung und Entzug, Wissen und Imagination“, so Peter Geimer, Professor am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin, der morgen (Mittwoch), um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, einen öffentlichen Vortrag hält.

Der Titel lautet „Die Farbe der Vergangenheit. Zur Kritik historischer Rekonstruktion“. Der Berliner Wissenschaftler kommt auf Einladung des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität im Rahmen der Mittwochskonferenz. Geimer beschäftigt sich mit zwei zentralen Fragen: Wie entsteht unter den skizzierten Bedingungen so etwas wie bildliche Evidenz des Historischen? Sind Bilder Quellen? Antworten sucht er am Beispiel der schwierigen Unterscheidung von Dokumentar-und Spielfilm und unter Einbeziehung einiger geschichtstheoretischer Überlegungen von de Certeau, Veyne und Koselleck. Wie kann man einerseits dem „Vetorecht der Quellen“ Rechnung tragen und andererseits die Produktivität und Unvermeidbarkeit von Fiktion, Illusion und Einbildungskraft in den Blick nehmen? Dabei wird Geimer auch diskutieren, ob Bilder nur Suggestion, Propaganda oder Verschleierung der Wirklichkeit sind.

Im Anschluss an diesen Vortrag wird die Ausstellung „Dani Gal – Nacht und Nebel" in der Studiengalerie 1.357 eröffnet – auch dazu ist die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Sie findet statt in der Studiengalerie 1.357 im ersten Stock des IG-Farben-Hauses (Raum 1.357).

Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Dez 4 2012
14:26

Der renommierte Kulturwissenschaftler spricht im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Jan Assmann über festliche Dinge im Alten Ägypten

FRANKFURT. Über festliche Dinge im Alten Ägypten spricht der Ägyptologe und Kulturphilosoph, Prof. Dr. Jan Assmann, am Donnerstag (13. Dezember um 18.15 Uhr) in der öffentlichen Vortragsreihe „Vom Eigensinn der Dinge“, die im Wintersemester im Rahmen der Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ vom Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“ veranstaltet wird. Moderieren wird den Vortrag, der im Hörsaalzentrum, Campus Westend (HZ 5) stattfindet, Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel, Sprecher des  Graduiertenkollegs.

Mit Jan Assmann haben die Organisatoren der Reihe einen der international renommiertesten Kulturwissenschaftler gewinnen können. Er hat mit den Studien über das kulturelle Gedächtnis, die er gemeinsam mit seiner Frau, Prof. Dr. Aleida Assmann, betreibt, wichtige Grundlagen für die Verknüpfung von Dingen und Wissen gelegt. Denkmäler, Bilder, Texte oder auch Riten stehen nach Assmann für die Erzeugung und Bestätigung einer gemeinsamen Erinnerung an die Geschichte.  Ohne materielle Spuren gibt es keine Tradierung von Kultur.

Normalerweise besteht der Sinn der Dinge in ihrer Funktion, die in der Regel an ihrer Form ablesbar ist. Ausnahmsweise aber entwickeln Dinge auch mit dieser Funktion assoziativ verbundene oder auch ganz andere Bedeutungen, die sich in besonderen Arten von Dekoration oder formaler Gestaltung ausdrücken können. Beispiele solchen „Eigensinns“ finden sich bei Dingen aus dem Alten Ägypten, die aus dem Kontext des „Schönen Tages“ stammen, eines häuslichen Fests, zu dem man Gäste einlud und sich schön machte. Jan Assmann geht den spezifischen Assoziationen nach, die in der speziellen Form und Dekoration von Objekten zum Ausdruck kommen und die mit dieser Sphäre zusammenhängen.

Jan Assmann lebt heute in Konstanz und Heidelberg, an der dortigen Universität hatte er bis zu seiner Emeritierung 2003 den Lehrstuhl für Ägyptologie inne. Es folgte eine Honorarprofessur für allgemeine Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz, die er bis heute ausübt. Neben seinen vielen Mitgliedschaften in internationalen Akademien, Gesellschaften und Instituten ist er auch Mitglied im Kuratorium des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität. Assmann wurde mit zahlreichen Ehrendoktorwürden und verschiedenen hochdotierten Wissenschaftspreisen ausgezeichnet.

Die Veranstaltungsreihe wurde von Ethnologen und Archäologen des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“  gemeinsam  konzipiert und organisiert haben; 26 Doktoranden aus verschiedenen Ländern werden in diesem Kolleg betreut. Die Reihe, die bis zum Februar läuft, geht den überraschenden Zusammenhängen nach, die sich aus dem „Eigensinn der Dinge“ ergeben. Die Vorträge zeigen, wie wenig die bislang vorgestellten Ordnungen der Dinge ausreichend sind, um die Welt des Materiellen zu verstehen. Der Eigensinn der Dinge wird dabei sowohl als Phänomen einzelner herausragender Objekte wie auch als Frage des Verstehens materieller Kultur insgesamt und damit nach der „conditio humana“ behandelt.

Informationen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel, Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend, 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.value-and-equivalence.de

Forschung

Dez 4 2012
14:13

Sanofi kooperiert mit Geowissenschaften und Analytischer Chemie

Außergewöhnliche Analysemethoden für die Pharmaindustrie

FRANKFURT. Sanofi und die Goethe-Universität haben heute einen Kooperationsvertrag über die Anwendung außergewöhnlicher Analysemethoden unterzeichnet. In zwei Projekten zur "Strukturellen Charakterisierung neuer pharmazeutischer Materialien" gibt die Goethe-Universität Sanofi Zugang zu analytischen Methoden und Know-how, die in der Pharmaindustrie bislang nicht zur Anwendung gekommen sind.

Zur Charakterisierung innovativer Materialien sind oft Analysemethoden erforderlich, die nicht dem pharmazeutischen Standard entsprechen. Hier kann die Pharmaindustrie von Nachbardisziplinen wie Anorganischer Chemie, Physik und den Geowissenschaften profitieren. Prof. Martin Schmidt vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie und Prof. Alan Woodland vom Institut für Geowissenschaften der Goethe Universität bedienen sich seit Langem etablierter Methoden, die der Abteilung Analytical Sciences bei Sanofi nun zur Verfügung stehen.

Blick in die Kristallstrukturen

Im Rahmen des SUMMIT-Projekts der europäischen Innovative Medicines Initiative (IMI) "Biomarker zur Vorhersage von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Diabetikern" werden winzige magnetische Eisenoxid-Partikel entwickelt, um arteriosklerotische Plaques („Arterienverkalkung“) im Patienten mithilfe Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar zu machen. Die Herstellung dieser Eisenoxid-Nanopartikel ist jedoch aufwändig und muss genau überwacht werden. Um nur die für die MRT-Methode geeigneten Partikel auszuwählen – neben den Größe spielen die chemische Zusammensetzung, die Struktur des Kristallgitters und die magnetischen Eigenschaften wichtige Rollen –, ist ein spezielles Analyseverfahren erforderlich: die Mößbauer-Spektroskopie."Wir wenden diese Methode zur Untersuchung von eisenhaltigem Gesteinen an. Sie zählt zum Standardrepertoire der Geowissenschaftler“, erklärt Prof. Alan Woodland. "In der Pharmaindustrie wendet das niemand an. Daher lag es nahe, mit den Geologen an der Universität zusammenzuarbeiten und ihre Expertise zu nutzen", so Dr. Norbert Nagel, Projektkoordinator der Kooperation bei Sanofi.

Eine andere Methode dient der Untersuchung von neuen nanokristallinen und amorphen Wirkstoffen. Die Strukturen in diesen Feststoffen sind schwieriger zu messen als in regelmäßig angeordneten Kristallen. Mithilfe von Röntgenbeugung und daraus errechneten Informationen über die Anordnung von Nachbarmolekülen lassen sich Aussagen zur physikalischen Stabilität der Wirkstoffe ableiten. "Mit der sogenannten Atom-Paar-Verteilungs-Funktion gewinnt man Informationen über die Strukturen im Nanometer-Maßstab, die man mit keiner anderen Methode erhält", erklärt Prof. Martin Schmidt von der Goethe-Universität. Seine Gruppe ist eine der wenigen Gruppen weltweit, die diese Technik beherrschen. Sanofi erhält nun durch die Kooperation Zugang zu diesen Methoden.

"Diese Kooperation ist ein Beispiel, wie wir die wissenschaftliche Expertise in unmittelbarer Nachbarschaft flexibel nutzen können", sagt Dr. Stefan Balbach, im Bereich Forschung und Entwicklung bei Sanofi verantwortlich für die Analytik.

Informationen: Prof. Dr. Martin Schmidt, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29171; m.schmidt@chemie.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Alan Woodland, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel: (069) 798- 40119; woodland@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Nov 30 2012
14:49

Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität beteiligt sich an umfassender Untersuchung – Teilnehmer für Studie gesucht

Erfolgreiche Therapie für jugendliche Opfer von Missbrauch und Gewalt

FRANKFURT. Eines von vier Mädchen und einer von elf Jungen wird in Deutschland Opfer eines sexuellen Missbrauchs, zehn Prozent der Kinder erleben körperliche Misshandlung. Die meisten entwickeln nach einem solch belastenden Erlebnis eine Posttraumatische Belastungsstörung: Schmerzliche Erinnerungen kehren immer wieder, die Jugendlichen leiden unter Albträumen, fühlen sich gefühlstaub und ständig angespannt. An der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität wurden bisher zwölf Betroffene nach einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Konzept behandelt – mit Erfolg, wie Dr. Regina Steil, Leiterin der Studie, erläutert: „Diese Intervention konnte die Symptome der Jugendlichen in durchschnittlich 33 Sitzungen über einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten deutlich reduzieren. Jetzt wollen wir verschiedene Wirkfaktoren genauer betrachten und suchen weitere Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die an der nächsten Studie teilnehmen.“

Bisher gibt es nur sehr wenige Behandlungsstudien, die Jugendliche mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung berücksichtigen und auch kein speziell zugeschnittenes, wissenschaftlich evaluiertes Therapiekonzept. „Gerade um einer Chronifizierung der Symptome entgegenzuwirken, haben wir in den vergangenen Jahren an der Goethe Universität ein Behandlungsmanual entwickelt, was speziell auf diese Jugendliche zugeschnitten ist“, erläutert die Psychologin, die auch wissenschaftliche Geschäftsführerin der Verhaltenstherapie-Ambulanz ist. Die Bostoner Psychologin Patricia Resick hat einen sehr wirksamen Behandlungsansatz für erwachsene Patienten entwickelt, der nun in Frankfurt auf die Lebenswelt Jugendlicher zugeschnitten wurde. „Wir gehen in der Therapie besonders auf Schwankungen in der Gefühlslage und in der Motivation ein und berücksichtigen auch die schulischen und sozialen Anforderungen.“

Eine umfassende vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie, an der neben Frankfurt noch zwei weitere Behandlungszentren beteiligt sind, ermöglicht es dem Psychologen-Team der Goethe-Universität nun, die Wirksamkeit ihres Therapieansatzes, aber auch verschiedene Wirkfaktoren, die den Erfolg der Behandlung fördern oder behindern, näher zu untersuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie bieten den Jugendlichen, die Opfer sexuellen Missbrauchs oder körperlicher Misshandlung geworden sind und unter einer Posttraumischen Belastungsstörung leiden, eine Einzeltherapie an; diese umfasst 30 bis 36 Therapiesitzungen in einem Zeitraum von vier bis fünf Monaten. „Die Therapien können zügig beginnen“, so Steil.

Von sexuellem Missbrauch sprechen die Psychologen, wenn eine Person, die gegenüber dem Jugendlichen oder Kind beispielsweise aufgrund ihres Alters und ihres Einflusses in einer überlegenen Position ist, das Kind zu sexuellen Handlungen drängt oder zwingt. Dies muss nicht immer gewaltsam sein. Täter sind häufig Verwandte, Freunde der Familie oder andere Jugendliche. Körperlicher Misshandlung liegt immer dann vor, wenn Bezugspersonen körperliche Gewalt anwenden und dies beim Jugendlichen zu körperlichen oder seelischen Schäden führt. Die Dunkelziffer der Kinder und Jugendlichen, die missbraucht oder misshandelt werden, dürfte deutlicher höher liegen als die oben genannten Zahlen.

Informationen: Dr. Franziska Schreiber, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23973, schreiber@psych.uni-frankfurt.de oder Dipl.-Psych. Jana Gutermann, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23989, gutermann@psych.uni-frankfurt.de