​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Nov 27 2020
14:14

​10 Jahres-Bilanz: Universität Frankfurt wirbt im Vergleich mit anderen Volluniversitäten die meisten Stipendien ein

555 neue Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität

Konzentriert studieren, sich sozial engagieren, vielseitigen Interessen nachgehen – dazu verhilft das Deutschlandstipendium, das in diesem Jahr 555 Studierende an der Goethe-Universität fördert. Die diesjährige Vergabe ist zugleich 10-Jahres-Feier: Seit der Einführung des Deutschlandstipendiums vor zehn Jahren haben rund 1.000 Privatpersonen, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen ihren Beitrag zum Erfolg dieser Förderung an der Goethe-Universität geleistet.
 
FRANKFURT. Es gehört zu den Besonderheiten des Deutschlandstipendiums, dass die Studierenden in direktem Austausch mit ihren Förderern stehen können – wenn diese nämlich auch eine Patenschaft übernehmen. Aus diesem Grund hat die Goethe-Universität dafür gesorgt, dass bei der virtuellen Vergabefeier der 555 neuen Deutschlandstipendien viele Gespräche möglich werden: in mehr als hundert digitalen Dialogforen zwischen neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten und ihren zahlreichen Förderinnen und Förderern.
 
„Es gibt nichts Inspirierendes als den Austausch mit diesen engagierten jungen Menschen“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Vergabe. „Als Institution gibt uns das Stipendium die Chance, junge Menschen in einer Lebensphase zu unterstützen, in der Geld eigentlich immer ein Problem ist. Es geht aber nicht nur ums Geld - es geht auch darum, dass die Studierenden lernen können, sich in eine zukunftsfähige Gesellschaft einzubringen. Wer hier hilft, bekommt von den jungen Menschen unendlich viel zurück.“
 
Mit der diesjährigen Stipendienvergabe jährt sich dieses große Stipendienprogramm an der Goethe-Universität zum zehnten Mal – ein Anlass, Bilanz zu ziehen. Eine Bilanz, die nicht nur mit beeindruckenden Zahlen aufwarten kann, sondern auch die besondere Qualität des Stipendiums sichtbar macht. Mehr als 40 Prozent der Geförderten sind Erstsemester; für sie ist das Deutschlandstipendium mit einer monatlichen Fördersumme von 300 Euro eine effektive Starthilfe für ihre wissenschaftliche Ausbildung. Das Deutschlandstipendium fördert talentierte, vielseitig interessierte und engagierte junge Menschen, es berücksichtigt aber auch ihre soziale Situation: Mehr als 30 Prozent der insgesamt 5078 Stipendiatinnen und Stipendiaten kommen aus Migrationsfamilien; oft wird deren Studium durch die Förderung erst möglich.
 
844 Privatpersonen, 77 Non-Profit-Organisationen, also Vereine und Stiftungen, und 92 Unternehmen haben für die Nachwuchstalente gespendet. Die Netzwerke vieler Förderinstitutionen geben den Stipendiaten die Möglichkeit, in Praktika auch außerhalb des Studiums Erfahrungen zu sammeln. Im Rahmen des universitären ideellen Förderprogramms – die Universität wurde dafür in einem bundesweiten Wettbewerb vom Stifterverband ausgezeichnet – können die Studierenden zudem an kleinen, interdisziplinären Stipendiatengruppen arbeiten: Unterstützt durch Mentorinnen und Mentoren aus dem Frankfurter Wirtschafts- und Kulturleben sind in den vergangenen zehn Jahren 61 Projekte entstanden. Vor allem in diesen Projekten entwickeln die Deutschlandstipendiaten Freundschaften über ihre Studienfächer hinweg.
 
Mehr als 18 Millionen Euro kamen den Geförderten an der Goethe-Universität im seit 2011 bestehenden Stipendienprogramm zugute – dank des Matching-Modells, bei dem jeder Beitrag, den eine Universität einwirbt, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung verdoppelt wird. 9 Millionen Euro wurden demnach bislang von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen sowie Unternehmen gespendet.
 
Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn beglückwünscht die Stipendiaten in ihrem Grußwort: „Deutschlandstipendiatin und -stipendiat zu sein: Dazu gehören persönliche Leistung, viel Fleiß, Neugier, großes Interesse am Hinterfragen von Themen und auch die Lust, an der Gesellschaft mitzuwirken. Ich gratuliere den Stipendiatinnen und Stipendiaten herzlich und wünsche ihnen, dass all diese Faktoren auch Ihr Studium begleiten“, so Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Als Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst bin ich stolz darauf, dass sich die Hochschulen in Hessen so engagiert am Deutschlandstipendium beteiligten. Die Spanne reicht von einem Stipendium an kleinen theologischen Hochschulen bis hin zu den 555 Stipendien an der Goethe-Universität, die in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Zahl an Deutschlandstipendien vergeben konnte und somit zu den Spitzenreiterinnen in Deutschland gehört. Ich danke der Goethe-Universität für ihren Einsatz und wünsche allen Stipendiatinnen und Stipendiaten viel Erfolg.“
 
Weitere Informationen
Link zum Kurzfilm „10 Jahre Deutschlandstipendium“
https://tinygu.de/vergabefeier

 

Nov 27 2020
12:03

​Universitätsklinikum Frankfurt bietet umfassendes Pandemie-Trainings- und Fortbildungsprogramm für Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen an, gefördert durch Gemeinschaftsinitiative von Rotary Clubs der RheinMain Region.

Geschult für Covid-19-Erkrankungen

FRANKFURT. Das Universitätsklinikum Frankfurt hat ein umfassendes Pandemie-Trainings- und Fortbildungsprogramm für Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen gestartet. Das Programm richtet sich an das medizinische Personal am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer medizinischer Einrichtungen der Region – wie Krankenhäuser, Alten- und Behindertenpflege, Arztpraxen, Dialysezentren und Rettungsdienste. Ziel ist es, das medizinische Personal nicht nur besser auf die aktuellen Anforderungen der Behandlung und Betreuung von COVID-19-Patienten vorzubereiten; sie sollen auch mit zukünftigen lokalen oder globalen Infektionsgeschehen professionell umgehen können. Das vierstufige Programm verbindet Theorie und Praxis und vermittelt die notwendigen Kompetenzen aktiv und interprofessionell im gesamten medizinischen Team. Dabei kombiniert das Programm vor- und nachbereitende Web-Seminare und E-Learning-Einheiten mit einem realitätsnahen Training im Simulationskrankenhaus des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität.
 
„Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass medizinisches Personal über infektiöse Erreger kompetent informiert und in hygienischen Schutzmaßnahmen umfassend geschult ist“, unterstreicht Prof. Dr. med. Miriam Rüsseler, Leiterin des Simulationskrankenhauses des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität. Im medizinischen Normalfall treffe dies jedoch nur auf eine kleine, hochspezialisierte Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu. Doch dies reiche unter Pandemiebedingungen nicht aus. „Man muss davon ausgehen, dass die COVID-19-Pandemie länger anhalten wird. Und man muss auch damit rechnen, dass durch die zunehmende Globalisierung das Risiko steigt, häufiger mit hochkontagiösen Krankheiten und epidemischen Verläufen in Kontakt zu kommen. Deshalb sollte medizinisches Personal grundsätzlich im Umgang mit Pandemieerfahrungen ausgebildet werden“, sagt Miriam Rüsseler.
 
"Wir sind froh, dass mit unserer Unterstützung das Pandemie-Training der Goethe-Universität ermöglicht werden kann. Die Bekämpfung der COVID-19 Pandemie und ähnlicher Infektionen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe größter Tragweite. Die Ausbildung wird vor allem auch den Schutz derjenigen verbessern, die sich mit ihrem persönlichen Einsatz in den Kampf gegen das Virus einbringen. Damit kommt das Training nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen, sondern gleichzeitig Patientinnen und Patienten zugute", sagt Erhard Krause, Koordinator der Rotary-Initiative. Die finanzielle Unterstützung von gut 240.000 Euro kam zusammen durch die Initiative von 14 Rotary Clubs der RheinMain Region, unterstützt durch 11 taiwanesische Clubs, den jeweiligen Distrikten, der in den USA ansässigen Rotary Foundation und des Goethe-Corona-Fonds. „Die Initiative ‚Rotary contra Corona - Heilen und Pflegen in der Pandemie'“, so Erhard Krause, „ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich Rotary den Herausforderungen der Bekämpfung der COVID-19 Pandemie unter Einsatz seiner internationalen Ressourcen stellt. Das auf diese Weise ermöglichte professionelle Spezialtraining steht über die Grenzen des Universitätsklinikums Frankfurt hinaus auch anderen Gesundheitseinrichtungen offen.“
 
Das Pandemie-Training findet im Simulationskrankenhaus des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität statt. Das Krankenhaus bietet den Teilnehmenden eine nahezu realistische Umgebung, in der sie den Klinikalltag trainieren können. Die Trainings werden anschließend wissenschaftlich ausgewertet und international kommuniziert, Erfahrungen und Erkenntnisse sollen in die Entwicklung langfristiger Trainingsprogramme und Curricula einfließen. Die Teilnahme am Pandemie-Training ist kostenlos, sollte vom Arbeitgeber jedoch als Fortbildungsveranstaltung anerkannt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein Zertifikat über die Fortbildung. Veranstaltungsort ist das Simulationskrankenhaus auf dem Campus des Universitätsklinikum Frankfurt. Zur Fortbildung größerer Teams können Trainings auch in der jeweiligen Einrichtung vor Ort durchgeführt werden.
 
Kontakt:
Interessenten wenden sich bitte per Mail an finest@kgu.de. Weitere Informationen auf www.kgu.de/pandemie-training
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Miriam Rüsseler, MME, Universitätsklinikum Frankfurt. Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie: Miriam.ruesseler@kgu.de
Erhard Krause, Rotary-Club Bad Homburg v.d.H.: erhard.krause1@gmx.de

 

Nov 26 2020
11:08

Beste Ideen für Inklusion, Beratung bei Kinderwunsch und individuelles Lernen prämiert

Start-ups der Goethe-Universität ausgezeichnet

„Talking Hands“ und „StudyCore“ heißen die beiden universitären Start-ups, deren innovative Geschäftsideen den „Hessen Ideen“-Preis erhalten haben. Den bundesweit vergebenen „Science4Life Venture Cup“ bekam das Uni-Start-up „MentalStark“. Alle Start-ups werden von Innovectis, der Transfergesellschaft der Goethe-Universität Frankfurt, und dem von ihr geleiteten Gründungszentrum „Unibator“ unterstützt.
 
FRANKFURT. Ein Daumenkino für Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung, ein digitales Beratungsangebot für Frauen mit Kinderwunsch und eine E-Learning-Plattform, die sich dem Lerntempo und -niveau von Studierenden anpasst – dies sind die innovativen Geschäftsideen von Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Goethe-Universität, die jetzt mit den Preisen „Science4Life“ und „Hessen Ideen“ gefördert wurden.
 
„Die Preise geben unseren Gründungsteams Rückenwind für ihre Projekte, das freut mich“, sagt Vizepräsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz. „Sie bestätigen aber auch die Arbeit des Gründerzentrums der Goethe-Universität, das Interessierte beim Transfer guter Ideen in die Praxis kompetent unterstützt.“
 
Die Geschäftsidee von „MentalStark“ wurde von der Gründungsinitiative Science4Life e.V. in der Ideenphase des Science4Life Venture Cup ausgezeichnet, weil sie eine Lücke füllt: Die Onlineplattform begleitet Paare und Ärzte bei Kinderwunschbehandlungen, die emotional belastend sein können; manche Patienten brechen die Behandlung deshalb ab, obwohl sie sich Kinder wünschen. „MentalStark“ bietet Patientinnen nun eine persönliche psychologische Beratung an und informiert sie wissenschaftlich in Podcasts, Tutorials und Texten. Ein persönliches Behandlungstagebuch begleitet die Patientinnen darüber hinaus während des gesamten Behandlungszeitraums.
„Wir wollen, dass Patientinnen leicht schnelle, wirksame und professionelle Hilfe erreichen können; das gab es bislang nicht“, sagen die beiden Gründerinnen Sally Schulze, Psychologische Psychotherapeutin und Doktorandin an der Goethe-Universität, und die Diplom-Betriebswirtin Vera Claas. Inzwischen haben sie mit dem Diplom-Informatiker Mischa Zöllner technische Unterstützung bekommen. „Science4life“ fördert das Gründungsteam mit 500 Euro Preisgeld und einem branchenspezifischen Coaching.
 
„Ein Erlebnis, das Spaß macht, und einen nachhaltigen Lerneffekt hat“: Dies wollen die beiden Gründerinnen Maria Möller und Laura Mohn Kindern mit einer Hör- und Sprachbehinderung bieten. Das von den Expertinnen für Visuelle Kommunikation entwickelte Daumenkinoheftchen hilft den Kindern dabei, sich mitzuteilen und ihre Gefühle auszudrücken. Beim schnellen Durchblättern sehen die Kinder nicht nur kurze Bewegungsabläufe und erlernen so die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK), mit der sie besser am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Haptik beim Blättern der inzwischen mehr als 100 Minibücher fordert auch ihre motorischen Fähigkeiten.
Das Start-up „Talking Hands“ von Laura Mohn und Maria Möller, die an der Goethe-Universität einen Bachelor in Ethnologie absolviert, wird von „Hessen Ideen“ mit einem Geldpreis unterstützt. „Hessen Ideen“ ist eine Initiative des Landes Hessen, der Hessischen Hochschulen und hessischer Unternehmen, die unternehmerische Ideen an Hessens Hochschulen fördert.
 
Den Sonderpreis von „Hessen Ideen“ erhält die E-Learning-Plattform „StudyCore“: Sie schafft u.a. neue Möglichkeiten für die digitale akademische Lehre. Der Informatiker Onur Karademir, die Physikstudentin Jasmin Hartmann und der Informatikstudent Kai Brobeil an der Goethe-Universität sowie der Informatikstudent Edgar Hildebrandt an der Hochschule Darmstadt haben eine Plattform mit Gamification-Elementen für Lehrende an Schulen, Hochschulen und Unternehmen entwickelt. Diese Plattform passt sich an das Lernniveau- und -tempo individuell an und ermöglicht Studierenden, ihr Wissen zum Lehrstoff in Echtzeit zu überprüfen. Im Gegenzug können Lehrende mit integrierten Learning-Analytics-Funktionen den Lernstand der Studierenden messen und auf deren Stärken und Schwächen eingehen.
Der Sonderpreis von „Hessen Ideen“ beinhaltet einen exklusiven Strategieworkshop zur Entwicklung des Geschäftsmodells und ein Expertengespräch zu den Entwicklungen der Digitalisierung der Lehre an hessischen Hochschulen.
 
Die genannten Start-ups werden von Innovectis, der Transfergesellschaft der Goethe-Universität Frankfurt, und dem von ihr geleiteten Gründungszentrum Unibator unterstützt. Das Gründungszentrum fördert Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Alumni aller Fachbereiche bei der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und daraus entstehender Geschäftsideen. Gründer durchlaufen ein 18-monatiges Startup-Programm mit dem Ziel, ein sorgsam entwickeltes Geschäftsmodell zu entwickeln.
 
Weitere Informationen zum Angebot des Gründungszentrums und zu Innovectis unter www.innovectis.de und www.goetheunibator.de
 
Weitere Informationen
MentalStark - Schulze, Claas & Zöller GbR
c/o Unibator

Senckenberganlage 31

60325 Frankfurt am Main
Sally Schulze

Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin (VT)

Zertifizierte Kinderwunschberaterin (BKiD)
+49 (0) 152 5101 3852
https://mentalstark.online

Talking hands
Laura Mohn, Maria Möller
Tel.: +49 (0)15157018447

E-Mail: hello@talking-hands.net

StudyCore GbR
Heldenberger Str. 14
61184 Karben
Tel.: +49 (0)173 6487842
Email: info@studycore.de
Web: StudyCore.de
LinkedIn: linkedin.com/in/onur-karademir

 

Nov 26 2020
10:02

​Feldexperiment in Supermärkten zeigt: Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verringert Personalfluktuation um bis zu 25 Prozent

Kommunikative Chefs haben zufriedeneres Personal

Wie gut Manager mit ihrem Team kommunizieren, beeinflusst die Kündigungsrate im Einzelhandel massiv. Das hat ein gemeinsames Forschungsprojekt des Frankfurter Ökonomen Guido Friebel (Goethe-Universität) mit Kollegen aus Köln und Konstanz gezeigt. Die Feldforschung fand in einer großen Supermarktkette im Baltikum statt.
 
FRANKFURT. Eine gute Gesprächskultur zwischen Chef und Mitarbeiterschaft wirkt sich positiv auf die Personalfluktuation im Einzelhandel aus. Das haben Prof. Dr. Guido Friebel (Goethe-Universität), Prof. Dr. Matthias Heinz (Universität Köln) und Nick Zubanov (Universität Konstanz) in einem gemeinsamen Forschungsprojekt herausgefunden.
 
Schlechte Bezahlung, Azubi-Mangel und hohe Fluktuation: Der Einzelhandel hat kein gutes Image auf dem Arbeitsmarkt. Doch gerade während der Corona-Hamsterkäufe wird deutlich, wie wichtig eingespielte Teams in Supermärkten sind. In einem Zeitraum von 16 Monaten haben die Wissenschaftler die Kündigungsraten in Filialen einer Supermarktkette im Baltikum analysiert, nachdem der CEO die Hälfte seiner Filialleiter per Brief dazu aufrief „alles in ihrer Macht Stehende zu tun“, um die Fluktuation an ihrem Standort zu senken und sich besser um die Mitarbeiter zu kümmern.
 
Die Filialleiter von 119 der 238 Geschäfte verbrachten daraufhin mehr Zeit mit ihren Angestellten – etwa 20 Minuten pro Tag –, während sich in den restlichen Niederlassungen nichts veränderte. Über neun Monate hinweg kündigten die Beschäftigten der kontaktierten Filialleiter seltener, die Fluktuation sank um bis zu 25 Prozent. Nachdem der Chef seine Filialleiter nach neun Monaten erneut an ihr Ziel erinnerte, sanken die Kündigungsraten nochmals im gleichen Maße. In der Zeit vor dem Experiment haben alljährlich im Schnitt 80 Prozent der 5.500 Mitarbeiter ihre Kündigung eingereicht.
 
Die Studie zeigt, dass sich die Fluktuation alleine durch einfache Kommunikation von oberem zu mittlerem Management und Filialleitern zu Mitarbeitern maßgeblich senken lässt. „Wir waren überrascht, wie groß der Effekt dieses relativ simplen Eingriffes ist“, sagt Matthias Heinz, Professor bei ECONtribute und der Universität zu Köln. Dies könne daran liegen, dass die intensive Interaktion der Filialleiter mit ihren Angestellten einen Preis habe: Auf den Umsatz hatten niedrigeren Kündigungsraten jedoch keinen positiven Effekt, der blieb gleich. Dies könne daran liegen, dass die intensive Interaktion der Filialleiter mit ihren Angestellten einen Preis habe: „Es bleibt weniger Zeit für die Kunden und die beiden Effekte neutralisieren sich gegenseitig. Die Personalverwaltungskosten aber sinken beträchtlich“, erläutert Prof. Guido Friebel.
 
Das Forschungsprojekt macht deutlich, wie wichtig die Wahl der passenden Manager ist. Sie sollten grundsätzlich gut kommunizieren und mit Menschen umgehen können, um die Zahl der Kündigungen möglichst gering zu halten. Aber auch der unkommunikative, schlechtere Führungsstil einiger Manager kann durch eine einfache Aufforderung aus der Chefetage positiv beeinflusst werden.
 
Die Studie wird in der renommierten Zeitschrift Management Science veröffentlicht.

 
Publikation: https://selten.institute/RePEc/ajk/ajkdps/ECONtribute_039_2020.pdf
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Guido Friebel
Professur für BWL, insb. Personalwirtschaft
Abteilung Management und Mikroökonomie
Fachbereich 02
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-34826
gfriebel@wiwi.uni-frankfurt.de
https://www.wiwi.uni-frankfurt.de/de/abteilungen/mm/welcome.html

 

Nov 25 2020
12:11

​Psychotherapiestudie an der Goethe-Universität nimmt Menschen mit Sozialer Angststörung auf

Angststörungen sind gut behandelbar

Der Erfolg der Kognitiven Verhaltenstherapie bei Menschen mit Angst vor sozialen Kontakten ist wissenschaftlich belegt. Klinische Psychologinnen und Psychologen der Universität Frankfurt untersuchen nun die Auswirkung verschiedener Behandlungsmaßnahmen.
 
FRANKFURT. Es sind alltägliche Situationen, die bei manchen Menschen Angst auslösen: der Plausch mit der Nachbarin, gemeinsam mit anderen zu essen und zu trinken, ein Gespräch mit der Vorgesetzten, einem Kollegen, einem Fremden. Die Angst löst Zittern aus, Erröten und Schwitzen. Und die Angst davor, dass diese Symptome von anderen wahrgenommen werden könnten, führt dazu, dass Betroffene soziale Kontakte so weit wie möglich meiden.
 
Einen Ausweg aus dieser Angstspirale bietet die Kognitive Verhaltenstherapie, die in der Abteilung für Klinische Psychologie & Psychotherapie seit Jahren durchgeführt wird. Die Wirksamkeit der Therapie ist durch zahlreiche Studien wissenschaftlich belegt; derzeit wird nun unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Stangier die Wirkung einzelner Therapiemaßnahmen genauer untersucht. Im Rahmen dieser Studien suchen die Klinischen Psychologinnen und Psychologen Menschen, die Symptome einer Sozialen Angststörung an sich feststellen oder die die Diagnose dieser Störung erhalten haben.
 
Interessierte an der Therapie sollten zwischen 18 und 70 Jahren alt sein, im Rhein-Main-Gebiet wohnen und sich derzeit nicht in psychopharmakologischer oder psychotherapeutischer Behandlung befinden.
Die Therapie findet in Präsenz unter RKI-Bedingungen statt oder kann online durchgeführt werden.
 
Ansprechpartner:

Cem Yilmaz M.Sc.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie

Goethe-Universität

Telefon 069 798 23987

yilmaz@psych.uni-frankfurt.de

Homepage https://www.psychologie.uni-frankfurt.de/69837181/ContentPage_69837181
 
Michelle Lauer B.Sc.
Projektmitarbeiterin

M.Lauer@psych.uni-frankfurt.de

 

Nov 23 2020
15:20

​Weltweite Analyse von Publikationen: „Highly Cited Researchers 2020“

Zehn Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität unter den meistzitierten Wissenschaftlern der Welt

Von den 6200 am meisten zitierten Wissenschaftlern der Welt sind zehn an der Goethe-Universität beheimatet. Dies zeigt das diesjährige Zitationsranking des „Web of Science“.
 
FRANKFURT. Meist sind es besonders grundlegende wissenschaftliche Aufsätze, an die Wissenschaftler in ihren eigenen Publikationen anknüpfen, indem sie aus ihnen zitieren. Die Häufigkeit der Zitationen ist daher sowohl ein Anzeichen für die wissenschaftliche Bedeutsamkeit der publizierten Arbeit wie auch die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Autoren in der „Scientific Community“.
 
Einmal jährlich wertet das Informations- und Technologieunternehmen Clarivate Analytics seine „Web of Science“-Zitationsdatenbank aus, indem es das das Ranking „Highly Cited Researchers“ veröffentlicht. Das aktuelle Ranking umfasst 6167 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Reihenfolge, die zwischen 2009 und 2019 am häufigsten zitiert wurden, in ihren eigenen Fächern oder in verschiedenen Fächern („Cross-Field“). Deutschland liegt mit 345 meistzitierten Wissenschaftlern im weltweiten Vergleich auf Platz vier.
 
Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sagt: „In Medizin und Naturwissenschaften zählen unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch in diesem Jahr wieder zu den am meisten zitierten in der Welt. Das dritte Mal in Folge nimmt die Goethe-Universität damit in Deutschland eine der Spitzenpositionen unter den Universitäten ein.“
 
Die „Highly Cited“ Goethe-Forscherinnen und –Forscher von 2020:
 
Prof. Dr. Ivan Đikić
Direktor des Instituts für Biochemie II (Kardiovaskuläre Biochemie) der Goethe-Universität
http://www.biochem2.de
in der Kategorie „Molecular Biology and Genetics“
 
Prof. Dr. Stefanie Dimmeler
Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration der Goethe-Universität / Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) / Sprecherin des Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI) von Goethe-Universität, Universität Gießen und Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
http://www.cardiovascular-regeneration.com/
in der Kategorie „Cross Field“
 
Prof. Dr. Petra Döll
Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Physische Geographie der Goethe-Universität
http://www.geo.uni-frankfurt.de/ipg/index.html
in der Kategorie „Cross Field“
 
Prof. Dr. Thomas Hickler
Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität / Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
https://www.senckenberg.de/de/institute/sbik-f/ag-biogeographie/
in der Kategorie „Cross Field“
 
Prof. em. Dr. Stefan H. Hohnloser
Fachbereich Medizin der Goethe-Universität / Universitätsklinikum Frankfurt, Medizinische Klinik III – Kardiologie, Angiologie, Nephrologie
https://www.kgu.de/einrichtungen/clinics/center-for-internal-medicine/med-klinik-iii-kardiologie-angiologie-nephrologie/
in der Kategorie „Clinical Medicine“
 
Prof. Dr. Henner Hollert
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität (bis September 2019 tätig an der RWTH Aachen)
https://www.bio.uni-frankfurt.de/43970666/Abt__Hollert
in der Kategorie „Cross Field“
 
apl. Prof. Dr. Sibylle Loibl
Fachbereich Medizin der Goethe-Universität / Centrum für Hämatologie und Onkologie Bethanien
http://www.onkologie-bethanien.de/unser-centrum/aerzteteam/prof-dr-med-sibylle-loibl.php
in der Kategorie „Clinical Medicine“
 
Prof. Dr. Stefan Offermanns
Fachbereich Medizin der Goethe-Universität / Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
https://www.mpg.de/457037/herz_lungenforschung_wissM37
in der Kategorie „Pharmacology and Toxicology“
 
apl. Prof. Dr. Horst Sievert
Fachbereich Medizin der Goethe-Universität / CardioVascular Center Frankfurt
https://www.cvcfrankfurt.de/en/
in der Kategorie „Clinical Medicine“
 
Prof. Dr. Stefan Zeuzem
Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität / Direktor der Medizinischen Klinik I – Gastroenterologie und Hepatologie, Pneumologie und Allergologie, Endokrinologie und Diabetologie sowie Ernährungsmedizin
https://www.kgu.de/einrichtungen/clinics/center-for-internal-medicine/medizinische-klinik-1-gastroenterologie-und-hepatologie-pneumologie-und-allergologie-endokrinologie-und-diabetologie-sowie-ernaehrungsmedizin/
in der Kategorie „Clinical Medicine“

 
Weitere Informationen

Clarivate Web of Science: Highly Cited Researchers 2020
https://recognition.webofscience.com/awards/highly-cited/2020/

 

Nov 23 2020
13:54

​Bund und Länder fördern langfristiges Akademieprojekt an Goethe-Universität und Friedrich-Schiller-Universität Jena mit 9,2 Millionen

24 Jahre für die Buber-Forschung im digitalen Zeitalter

Rund 40.000 Briefe sind aus der Korrespondenz von Martin Buber mit seinen Zeitgenossen erhalten, doch bislang sind sie kaum zugänglich. Eine Förderzusage von Bund und Ländern soll dies nun ändern: Mit fast 400.000 Euro jährlich wird ein Akademieprojekt finanziert zur Digitalisierung und Kommentierung des wertvollen Nachlasses.

FRANKFURT. Literatur, Kunst, Theologie – es gibt kaum einen Bereich des Geisteslebens, mit dessen Vertretern und Institutionen Martin Buber, einer der einflussreichsten Denker der jüngeren deutsch-jüdischen Geisteswelt, nicht im Austausch gewesen wäre. Mehr als 40.000 Briefe von ihm und an ihn sind überliefert – insbesondere im Nachlass des Philosophen in Jerusalem, aber auch verstreut in Archiven weltweit. Diesen Schatz für die Forschung zugänglich zu machen, das ist das Ziel des neuen Akademieprojekts, das Prof. Dr. Christian Wiese, Judaist und Inhaber der Martin-Buber-Professur an der Goethe-Universität, mit Mitteln von Bund und Land nun angehen kann. Alle Briefe sollen als Faksimile digitalisiert, ein Großteil auch transkribiert, übersetzt und kommentiert werden. Das Projekt ist auf 24 Jahre ausgelegt und wird mit 9,2 Millionen Euro hälftig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert. Kooperationspartner sind Prof. Dr. Martin Leiner (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Prof. Abigail Gilman (Boston University) und die National Library of Israel.

„Eine ganz wunderbare Nachricht“, freut sich Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, über die Bewilligung. „Mit diesem Akademieprojekt setzt Christian Wiese Maßstäbe und legt die Saat für ein Werk, das in jeder Hinsicht in die Zeit passt“, so Wolff. Das Projekt sei ein wichtiger Beitrag zur Internationalisierung in den Digitalen Geisteswissenschaften. „Das ist schon etwas sehr Besonderes, so etwas gibt es in anderen Ländern nicht“, sagt Prof. Dr. Christian Wiese, der 2019 einen der letzten Bände der Werkausgabe der publizierten Schriften Martin Bubers abschließen konnte. Die Edition der Briefe eröffne zusätzliche Perspektiven auf Bubers Leben und Wirken und auf seine vielfältigen Interessen – aber auch auf das Geistesleben der Jahrzehnte zwischen dem Ersten Weltkrieg und Bubers Tod im Jahre 1965 insgesamt. „Wo, wenn nicht hier in Frankfurt, sollte ein solches Projekt seinen Platz haben?“, so Wiese.

„Die Korrespondenz Bubers, der in Heppenheim gelebt und in Frankfurt gelehrt hat, kann wichtige neue Erkenntnisse zur Geschichte des 20. Jahrhunderts beisteuern. Von der Haltung des Philosophen, der immer auf Dialog und Verständigung gesetzt hat, können wir gerade in unserer polarisierten Zeit viel lernen. Das Akademieprojekt von Christian Wiese ist auch deshalb ein herausragendes in der geisteswissenschaftlichen Forschungslandschaft in Hessen. Ich freue mich sehr, dass wir dieses Projekt mitfördern können, und wünsche viel Erfolg“, sagt Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn.

Martin Buber (1878-1965) war von 1924 bis 1933 – zunächst als Lehrbeauftragter, später als Honorarprofessor für jüdische Religionslehre und Ethik – an der Universität Frankfurt am Main tätig. Er legte die Professur 1933 nach der Machtübernahme Hitlers nieder, um einer Aberkennung zuvorzukommen. Danach wirkte er am Aufbau der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung bei der Reichsvertretung der Deutschen Juden mit, bis diese ihre Arbeit einstellen musste. Noch vor dem Novemberpogrom 1938 emigrierte Buber nach Israel. Zeitlebens stand Martin Buber in Kontakt mit Persönlichkeiten aus allen Bereichen des geistigen Lebens, darunter auch zahlreichen Literatinnen und Literaten wie Margarete Susman, Hermann Hesse, Arnold Zweig, Thomas Mann oder Franz Kafka. Dabei scheute er auch vor kontroversen Auseinandersetzungen nicht zurück. „Die Briefe sind ein faszinierender Spiegel der Zeit und zeigen das intellektuelle Netzwerk auf, in dem sich Buber bewegte“, sagt Christian Wiese. Etwa ein Viertel der Briefe stammten von Martin Buber, der Rest an ihn. Aber auch in ihnen spiegele sich die Persönlichkeit und das Denken Martin Bubers.

Im Projekt sollen nun in mehrjährigen thematischen Einheiten die Briefe, die sich vor allem in Europa, Israel und in den USA befinden, gebündelt erfasst und in enger Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz digital zugänglich gemacht werden. Je nach Inhalt werden Transkripte und – wo notwendig – Übersetzungen aus dem Hebräischen sowie Kommentare hinzugefügt. Drei Editorenstellen sind im Akademieprojekt vorgesehen sowie ein Promotionsstipendium. Jährliche Konferenzen sind ebenso geplant wie eine intensive Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern in Israel und den USA. Die Stellen sollen nun zeitnah ausgeschrieben werden, so dass die Arbeit im Frühjahr beginnen kann.

„Martin Buber und sein Werk sind heute aktueller denn je“, ist Prof. Wiese überzeugt. „Er ist einer der wichtigsten Dialogdenker des 20. Jahrhunderts, seine Texte sind relevant, wo immer es um den interkulturellen oder interreligiösen Dialog geht, zugleich besitzen sie eine große Bedeutung für Fragen der politischen Ethik.“


Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/94469362

Bildtext: Dieser Brief an Hermann Hesse wurde am 16. September 1945 verfasst, am Tag nach Yom Kippur, und ist der erste Brief, den der Philosoph nach dem Krieg und der Shoah aus Jerusalem nach Deutschland sandte.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie
Fachbereich 06 Evangelische Theologie
Goethe-Universität
Telefon 069 798-33313 bzw. -33312
E-Mail c.wiese@em.uni-frankfurt.de
Homepage https://www.uni-frankfurt.de/40998908/Profil

 

Nov 23 2020
13:01

Forschungskooperation zwischen Goethe-Universität, University of Kent und Medizinischer Hochschule Hannover

Wirkstoff Aprotinin verhindert Eindringen von SARS-CoV2 in Wirtszellen

Damit das SARS-CoV2-Virus in Wirtszellen eindringen kann, muss sein „Spike“-Protein von zelleigenen Enzymen – Proteasen – gespalten werden. Der Protease-Hemmstoff Aprotinin kann die Zell-Infektion verhindern, fanden jetzt Wissenschaftler von Goethe-Universität, University of Kent und Medizinischer Hochschule Hannover heraus. Ein Aprotinin-Spray ist in Russland bereits für die Grippe-Behandlung (Influenza) zugelassen und könnte für die Behandlung von COVID-19 getestet werden.
 
FRANKFURT. Auf seiner Oberfläche ist das SARS-CoV2-Virus mit Spike-Proteinen gespickt. Die benötigt das Virus, um an Proteine (ACE2-Rezeptoren) auf der Oberfläche der Wirtszellen anzudocken. Bevor ein solches Andocken möglich ist, müssen Teile des Spike-Proteins durch Enzyme der Wirtszellen – Proteasen – abgetrennt werden.
 
In Zellkultur-Experimenten mit verschiedenen Zelltypen konnte das internationale Wissenschaftler-Team unter der Leitung von Prof. Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt, Prof. Martin Michaelis und Dr. Mark Wess (beide von der University of Kent) jetzt zeigen, dass der Protease-Hemmstoff Aprotinin die Virusvermehrung in den Zellen stoppen kann, weil SARS-CoV2 nicht mehr in die Wirtszellen eindringen kann. Da SARS-CoV2 nach der Infektion die Bildung von Protease-Inhibitoren durch die Wirtszellen mindert, ist Aprotinin offenbar in der Lage, dies zu kompensieren.
 
Aprotinin-Sprays sind in Russland bereits zugelassen zur Behandlung von Influenza-Infektionen, da auch Influenza-Viren Proteasen der Wirtszellen benötigen, um in sie einzudringen.
 
Prof. Jindrich Cinatl sagte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Aprotinin in Konzentrationen gegen SARS-CoV2 wirkt, die wir auch in Patienten erreichen könnten. Mit Aprotinin haben wir einen für eine andere Indikation bereits zugelassenen Wirkstoff-Kandidaten zur COVID-19-Behandlung, der daher schnell an Patienten getestet werden könnte.“
 
 
Publikation: Denisa Bojkova, Marco Bechtel, Katie-May McLaughlin, Jake E. McGreig, Kevin Klann, Carla Bellinghausen, Gernot Rohde, Danny Jonigk, Peter Braubach, Sandra Ciesek, Christian
Münch, Mark N. Wass, Martin Michaelis, Jindrich Cinatl jr. Aprotinin inhibits SARS-CoV-2 replication. Cells 2020, https://www.mdpi.com/2073-4409/9/11/2377x
 
Weitere Informationen

Professor Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie

Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Tel. +49 69 6301-6409

cinatl@em.uni-frankfurt.de

https://www.kgu.de/einrichtungen/institute/zentrum-der-hygiene/medizinische-virologie/forschung/research-group-cinatl/

 

Nov 21 2020
08:46

Mobilitätsforscher der Goethe-Universität starten Umfrage unter Bürgerinnen und Bürger zur Frankfurter Verkehrspolitik

​Im Meinungstest: Parkplatzgebühren, Fahrradwege und die Zukunft des Mainkais

Das Forschungsprojekt „NeuRaum“ erkundet neue Räume für die Mobilität in Frankfurt.
 
FRANKFURT. Freuen sich Frankfurter Bürgerinnen und Bürger über Fahrradspuren, die einmal Autostraßen waren? Wie stehen sie zur Ausweitung von Gebieten mit Anwohnerparken und Parkplatzgebühren? Vermissen Spaziergänger auf dem Mainkai die einjährige autofreie Zone - oder atmen Autofahrer auf, dass der Verkehr endlich wieder rollen darf?
 
Dreitausend Fragebögen haben Masterstudierende des Fachs Humangeographie in den vergangenen Tagen in zufällig ausgewählte Briefkästen in Frankfurt eingeworfen. Die Fragebögen bilden den Auftakt zu dem Forschungsprojekt „NeuRaum“, das sich unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Lanzendorf, Mobilitätsforscher am Institut für Humangeographie der Goethe Universität, dezidiert der Frankfurter Verkehrspolitik widmet.
 
Das Projekt „NeuRaum“ steht für „Neue Räume für die Mobilität in Frankfurt“ und untersucht Maßnahmen, die den Verkehr zukunftsfähig gestalten und Verkehrsräume gerecht aufteilen sollen. Die Studie will dazu verkehrspolitische Diskussionen aufgreifen und Meinungen zu drei schon umgesetzten oder künftig möglichen Verkehrsmaßnahmen im Stadtgebiet einholen: zur Umstrukturierung von Parkplätzen, für die etwa Gebühren erhoben oder Anwohnerparkausweise verlangt werden könnten; zur Umwandlung von Auto- in Fahrradspuren, beispielsweise entlang der Friedberger Landstraße, Konrad-Adenauer-Straße und Kurt-Schumacher-Straße; und zur Zukunft des Mainkais nach dessen einjähriger probeweiser Sperrung für den Autoverkehr.
 
Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, die einen Fragebogen im Briefkasten finden, bittet das Forschungsteam darum, mit ihren Antworten einen Beitrag zur Verkehrsforschung zu leisten. Dazu sollten die Teilnehmenden den Fragebogen an die genannte Adresse der Goethe-Universität zurücksenden oder den Link auf dem Fragebogen nutzen und diesen online ausfüllen.
 
Personen, die keine Fragebogen erhalten haben, sich aber an der Umfrage beteiligen wollen, können ebenso über folgenden Link an der Studie teilnehmen:
http://www.humangeographie.de/neuraum/befragung.html
 
Die Beantwortung nimmt etwa 15 bis 20 Minuten in Anspruch. Erste Ergebnisse der Studie sollen im Frühjahr nächsten Jahres vorgestellt werden.
 
 
Weitere Informationen

Prof. Dr. Martin Lanzendorf

Institut für Humangeographie

Goethe-Universität

befragung2020@dlist.uni-frankfurt.de

 

Nov 20 2020
15:20

Amerikanische Akademie prämiert Studie zur regenerativen Behandlung von Kieferknochenabbau mit R. Earl Robinson Regeneration Award

Internationale Auszeichnung für Frankfurter Parodontologie

Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) führen nicht selten zu einem Abbau von Kieferknochen. Eine Studie aus dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Goethe-Universität hat untersucht, wie sich regenerative Therapien in diesem Bereich langfristig auswirken. Für diese Studie wurden die Autoren jetzt von der US-amerikanischen Fachgesellschaft (AAP) ausgezeichnet. Der Preis ging zum ersten Mal nach Deutschland.
 
FRANKFURT. Folgen einer Parodontitis sind nicht nur Zahnfleischrückgang und Knochenabbau, sondern auch eine Zerstörung des Faserapparates, der die Zähne im Kieferknochen verankert. Unbehandelt führt dies zur Zahnlockerung und anschließendem Zahnverlust. Wird dieses Entzündungsgeschehen durch eine systematische Therapie gestoppt und kontrolliert, gibt es in der modernen Zahnmedizin durchaus Methoden, die verlorenen Strukturen wiederherzustellen. Eine parodontalchirurgische Technik (guided tissue regeneration, GTR), die dabei zum Einsatz kommt, wurde im Rahmen einer Studie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Goethe-Universität nachuntersucht und mit einem konventionellen, nicht-regenerativen Verfahren verglichen. Diese Studie ist nun mit dem amerikanischen R. Earl Robinson Regeneration Award ausgezeichnet worden.
 
Die GTR-Technik basiert auf dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“: An einen Knochendefekt, der gewissen morphologischen Anforderungen entsprechen muss um regenerativ behandelt werden zu können, grenzen Zahnfleisch, Kieferknochen und Zahnhalteapparat (Parodont). Um Gewebe, die nicht zur Wiederherstellung parodontaler Strukturen (Regeneration) beitragen, daran zu hindern, in diesen Defekt einzuwachsen, wird in einem operativen Verfahren nach adäquater Reinigung des Defektes eine Barriere (Membran) eingebracht. Diese verhindert das Einwachsen von Zellen aus dem Zahnfleisch in den Defekt und hält gleichzeitig einen Raum offen, in den die Zellen der übrigen Gewebe einwachsen und den Zahnhalteapparat bestenfalls regenerieren können. Voraussetzungen dafür sind regelmäßige Kontrollen, eine gute Mundhygiene und nach Möglichkeit keine Risikofaktoren wie beispielsweise Nikotinkonsum.
 
Wie sich diese Behandlung langfristig auswirkt, dazu gibt es nun erstmals verlässliche Daten. Dr. Hari Petsos, PD Dr. Katrin Nickles und Prof. Eickholz haben die Ergebnisse der auf 20 Jahre angelegten Studie in der Zeitschrift „Journal of Clinical Periodontology“ veröffentlicht. Die Untersuchung, die im Jahr 2000 von Prof. Dr. Ratka-Krüger, Dr. Neukranz und Prof. Dr. Raetzke in der Frankfurter Poliklinik für Parodontologie begonnen wurde, betrachtet den parodontalen Zustand der operierten Patienten jeweils nach einem, zehn und 20 Jahren und kommt zu dem Ergebnis, dass die nach einem Jahr erzielten Resultate beider untersuchter Verfahrenweisen bis zu 20 Jahre stabil gehalten werden können, und ein Großteil (82%) der untersuchten Zähne langfristig erhalten bleibt. Tendenziell war das regenerative Verfahren dem konventionellen dabei überlegen.
 
„Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere Ergebnisse international wahrgenommen werden“, sagt der federführende Autor Hari Petsos nach der Online-Konferenz, bei der die Urkunde virtuell überreicht wurde. Nicht zuletzt aus der generationenübergreifenden Verbundenheit der Autoren untereinander sei die Studie „eine echte Herzensangelegenheit“ gewesen, die nun mit dieser hochrangigen Auszeichnung „einen großartigen Abschluss“ gefunden habe.
 
Die American Academy of Periodontology (AAP) als amerikanische Fachgesellschaft für Parodontologen verleiht seit 1989 einmal im Jahr den R. Earl Robinson Regeneration Award für den besten wissenschaftlichen Beitrag auf dem Gebiet der regenerativen Parodontaltherapie. Dabei werden Beiträge aus Grundlagen- und klinischer Forschung berücksichtigt. Bewerben kann man sich auf diesen Preis nicht, potenzielle Preisträger werden von Kollegen aus dem Fachkreis vorgeschlagen und von einem unabhängigen Komitee ausgewählt.
 
Ausgezeichnet wurden Dr. Hari Petsos (Goethe-Universität) und seine Koautoren, Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger (Universität Freiburg), PD Dr. Katrin Nickles, Dr. Eric Neukranz, Prof. Dr. Peter Raetzke sowie Prof. P. Eickholz (alle Frankfurt/Main), für ihren Beitrag „Infrabony defects 20 years after open flap debridement and guided tissue regeneration“ im Journal of Clinical Periodontology.


Publikation: Petsos, H., Ratka-Kruger, P., Neukranz, E., Raetzke, P., Eickholz, P. & Nickles, K. (2019). Infrabony defects 20 years after open flap debridement and guided tissue regeneration. Journal of Clinical Periodontology, 46, 552-563. doi:10.1111/jcpe.13110.
 
Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/94439760
 
Bildtext: Drei der Autoren der Studie vor der Poliklinik im Frankfurter Universitätsklinikum: Prof. Dr. Peter Eickholz (von links), Dr. Hari Petsos, PD Dr. Katrin Nickles, Foto: Carolinum
 
Weitere Informationen

Dr. Hari Petsos, M.Sc.
Oberarzt
Poliklinik für Parodontologie

Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum)

Goethe-Universität

069-6301-5642

petsos@med.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/63186013/Poliklinik_für_Parodontologie

 

Nov 20 2020
10:45

​Wissenschaftler der Goethe-Universität präzisieren bisherige 2D-Modelle im internationalem Konsortium COVID19-NMR

Faltung von SARS-CoV2-Genom zeigt Angriffspunkte für Medikamente – auch Vorbereitung auf „SARS-CoV3“

Ein internationaler Forschungsverbund hat erstmals RNA-Faltungsstrukturen des SARS-CoV2-Genoms beobachtet, mit denen das Virus den Infektionsverlauf steuert. Da diese Strukturen bei verschiedenen Beta-Coronaviren sehr ähnlich sind, legen die Wissenschaftler damit nicht nur die Grundlagen für die gezielte Entwicklung neuartiger Medikamente zur COVID-19-Behandlung, sondern auch für künftige Infektionsgeschehen mit neuen Coronaviren, die sich in der Zukunft entwickeln könnten.

FRANKFURT. Genau 29.903 Buchstaben lang ist der genetische Code des SARS-CoV2-Virus, aufgereiht in einem langen RNA-Molekül. Es beinhaltet die Information zur Herstellung von 27 Proteinen. Dies ist zwar sehr wenig im Vergleich zu den vielleicht 40.000 Proteinsorten, die eine menschliche Zelle herstellen kann. Doch Viren nutzen bekanntermaßen ja den Stoffwechsel ihrer Wirtszellen, um sich selbst zu vermehren. Entscheidend ist für diese Strategie, dass Viren die Bildung der eigenen Proteine präzise steuern können.

SARS-CoV2 nutzt als Steuerelemente für die Protein-Herstellung räumliche Faltungen seines RNA-Erbmoleküls: Überwiegend in Bereichen, die nicht für die Viren-Proteine codieren, werden aus dem RNA-Einzelstrang Strukturen mit RNA-Doppelstrang-Abschnitten und –schleifen. Bisher gab es allerdings nur Modelle dieser Faltungen, die sich auf Computeranalysen oder indirekte experimentelle Nachweise stützten.

Nun konnte ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Leitung von Chemikern und Biochemikern der Goethe-Universität und der TU Darmstadt die Modelle erstmals experimentell überprüfen. Beteiligt waren außerdem Forscher des israelischen Weizmann Institute of Science, des schwedischen Karolinska-Instituts und der Katholischen Universität Valencia.

Die Forscher konnten die Struktur von insgesamt 15 solcher regulatorischen Elemente bestimmen. Dazu nutzten sie die Kernresonanz- oder NMR-Spektroskopie, bei der die Atome der RNA einem starken Magnetfeld ausgesetzt werden und so etwas über ihre räumliche Anordnung verraten. Die Ergebnisse dieser Methode glichen sie mit denen aus einem chemischen Verfahren ab (Dimethylsulfat-Footprint), mit dessen Hilfe zwischen RNA-Einzelstrang- und Doppelstrangbereichen unterschieden werden kann.

Der Koordinator des Konsortiums, Prof. Harald Schwalbe vom Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz der Goethe-Universität Frankfurt, erläutert: „Mit unseren Ergebnissen haben wir eine breite Basis gelegt, um künftig genau zu verstehen, wie SARS-CoV2 das Infektionsgeschehen steuert. Wissenschaftlich war das ein gewaltiger, sehr arbeitsintensiver Kraftakt, den wir nur durch den außergewöhnlichen Einsatz der Teams hier in Frankfurt und Darmstadt gemeinsam mit unseren Partnern im COVID-19-NMR-Konsortium stemmen konnten. Doch es geht direkt weiter: Derzeit untersuchen wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern, welche viralen Proteine und welche Proteine der menschlichen Wirtszellen mit den gefalteten regulatorischen Regionen der RNA interagieren, und ob sich daraus Ansatzpunkte für Therapien ergeben können.“

Weltweit forschen über 40 Arbeitsgruppen mit 200 Wissenschaftlern im COVID-19-NMR-Konsortium, in Frankfurt arbeiteten seit Ende März 2020 45 Doktoranden und Postdocs in zwei Schichten pro Tag an sieben Tagen die Woche mit.

Das Potenzial der Entdeckungen geht über neue Behandlungsoptionen für Infektionen mit SARS-CoV2 hinaus, davon ist Schwalbe überzeugt: „Die Steuerungsregionen der viralen RNA, deren Struktur wir untersucht haben, sind zum Beispiel bei SARS-CoV fast identisch und auch bei anderen Beta-Coronaviren sehr ähnlich. Daher hoffen wir, dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten, auf künftige ‚SARS-CoV3'-Viren besser vorbereitet zu sein.“

Das Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz wurde 2002 als Forschungsinfrastruktur der Goethe-Universität Frankfurt gegründet und seitdem vom Land Hessen gefördert.


Publikation: Anna Wacker, Julia E. Weigand, Sabine R. Akabayov, Nadide Altincekic, Jasleen Kaur Bains, Elnaz Banijamali, Oliver Binas, Jesus Castillo-Martinez, Erhan Cetiner, Betül Ceylan, Liang-Yuan Chiu, Jesse Davila-Calderon, Karthikeyan Dhamotharan, Elke Duchardt-Ferner, Jan Ferner, Lucio Frydman, Boris Fürtig, José Gallego, J. Tassilo Grün, Carolin Hacker, Christina Haddad, Martin Hähnke, Martin Hengesbach, Fabian Hiller, Katharina F. Hohmann, Daniel Hymon, Vanessa de Jesus, Henry Jonker, Heiko Keller, Bozana Knezic, Tom Landgraf, Frank Löhr, Le Luo, Klara R. Mertinkus, Christina Muhs, Mihajlo Novakovic, Andreas Oxenfarth, Martina Palomino-Schätzlein, Katja Petzold, Stephen A. Peter, Dennis J. Pyper, Nusrat S. Qureshi, Magdalena Riad, Christian Richter, Krishna Saxena, Tatjana Schamber, Tali Scherf, Judith Schlagnitweit, Andreas Schlundt, Robbin Schnieders, Harald Schwalbe, Alvaro Simba-Lahuasi, Sridhar Sreeramulu, Elke Stirnal, Alexey Sudakov, Jan-Niklas Tants, Blanton S. Tolbert, Jennifer Vögele, Lena Weiß, Julia Wirmer-Bartoschek, Maria A. Wirtz Martin, Jens Wöhnert, Heidi Zetzsche: Secondary structure determination of conserved SARS-CoV-2 RNA elements by NMR spectroscopy. Nucleic Acids Research, 2020, https://academic.oup.com/nar/advance-article/doi/10.1093/nar/gkaa1013/5961789

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/94413328

Bildtext: Regulatorische RNA-Elemente des SARS-CoV2-Genoms. Schwarz: Regionen, die nicht für Proteine kodieren (UTR). Orange: Regionen, die für Proteine kodieren (ORF).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Chemie und chemische Biologie
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel 069 798-29137
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
http://schwalbe.org.chemie.uni-frankfurt.de/

 

Nov 18 2020
13:25

Das Archiv des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität wurde zur Ausarbeitung eines Nominierungsantrags aufgefordert

Felsbildsammlung soll Weltdokumentenerbe werden

Die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt ist bereits jetzt international bekannt. Nun hat das Deutsche Nominierungskomitee des UNESCO-Programms „Memory of the World“ das Institut zur Ausarbeitung und Einreichung eines Nominierungsantrags aufgefordert.

FRANKFURT. Das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt verfügt über die weltweit älteste und umfassendste Sammlung von Kopien prähistorischer Felsbilder. Das Deutsche Nominierungskomitee des UNESCO-Programms „Memory of the World“ hat diese Sammlung nun für potentiell interessant für eine Aufnahme in das internationale Register des UNESCO-Weltdokumentenerbes eingeschätzt. Das internationale Register verzeichnet die weltweit bedeutendsten Dokumentensammlungen; Deutschland ist zurzeit mit 24 Einträgen vertreten – darunter die 42-zeilige Göttinger Gutenberg-Bibel, das Manuskript der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach oder auch die Dokumente aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess. Alle zwei Jahre darf das deutsche UNESCO-Nominierungskomitee zwei Vorschläge für die Aufnahme in das weltweite Register machen. „Wir freuen uns sehr über die Aufforderung zur Erarbeitung und Einreichung des Nominierungsantrags. Dies bestätigt die Bedeutung des Frobenius-Instituts als weltweit führend in der Felsbild-Forschung“, sagt Prof. Dr. Roland Hardenberg, der Leiter des Frobenius-Instituts.

Die Felsbildsammlung umfasst etwa 8.600 Felsbildkopien aus Afrika, Ozeanien, Australien und Europa, von denen viele heute als Raritäten gelten. Die Bedeutung des Archivs liegt zum einen vor allem im Alter der Kopien – sie wurden zwischen 1913 und den frühen 1960er Jahren von rund zwei Dutzend professionellen Malerinnen und Malern vor Ort originalgetreu abgezeichnet. Und auch die regionale Breite der Entstehungsorte der Bilder, die aus Afrika, Europa, Indien, Australien und Ozeanien stammen, macht die Sammlung so besonders. In einigen Fällen sind die von Mitgliedern des Instituts angefertigten Kopien heute die einzige verbliebene Dokumentation von Felskunst-Ensembles, deren Originale inzwischen zerstört sind.

Leo Frobenius, der Gründer des Instituts, erkannte als einer von wenigen Forschern früh den enormen kulturhistorischen Wert der Felsbilder Afrikas. Eine erste Expedition führte ihn und ein Team von 1913 bis 1914 in den nordafrikanischen Sahara-Atlas, wo sie die bis zu 12.000 Jahre alten Motive meist in Originalgröße auf Leinwand kopierten. Weitere Felskunstexpeditionen folgten in den 1920er und 1930er Jahren, etwa in die libysche Sahara, ins südliche Afrika, nach Norwegen, Norditalien, Südfrankreich und Ostspanien sowie Neuguinea und Australien. Heute besteht das Archiv aus Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden in verschiedenen Techniken und Formaten von bis zu 2,5 auf 10 Metern sowie aus Tausenden Schwarzweißfotografien, die den Kopiervorgang und die Originalschauplätze der Felskunst dokumentieren.

Die damals neu entdeckte prähistorische Kunst hatte großen Einfluss auf die künstlerische Avantgarde des frühen 20. Jahrhundert in Europa und den USA. Sie zog den Blick europäischer und nordamerikanischer Künstler in dem Moment auf sich, als diese die akademische Form des Gemäldes aufgaben, auf figurative Motive verzichteten und begannen, Collagen und große Wandgemälde zu realisieren. Seit Ende der 1920er Jahre wurden Teile der Sammlung in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paris, Brüssel, Amsterdam, Zürich, Johannesburg und New York erregten die ungewöhnlichen Gemälde viel Aufmerksamkeit und inspirierten namhafte Künstler der Moderne. Die Ausstellung 1937 im New Yorker Museum of Modern Art war so erfolgreich, dass die Bilder auf eine zweijährige Tournee durch 31 US-Städte gingen. Später behauptete Joan Miró, „die Malerei befindet sich seit dem Höhlenzeitalter im Niedergang“, und Alberto Giacometti, „dort und nur dort ist die Bewegung gelungen“.

Heute werden die Bestände des Felsbildarchivs in gesicherten Archivräumen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main aufbewahrt und nach bestandserhaltenden Maßgaben gelagert. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Archiv im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts am Frobenius-Institut erschlossen und digitalisiert. Seitdem ist das Felsbildarchiv in Form einer Bilddatenbank über das Internet zugänglich: http://bildarchiv.frobenius-katalog.de/


Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/94332566

Bildtexte:
Bild 01: Elisabeth Charlotte Pauli, „Hand mit drei kleinen Figuren“, abgezeichnet 1933 in Wadi Sura, ägyptische Sahara. (Copyright: Frobenius-Institut)

Bild 02: Joachim Lutz, „Stehende und liegende Formlinge“, abgezeichnet 1929 in Chinamora, Simbabwe. „Formlinge" nannte Leo Frobenius diese rätselhaft wirkenden, abstrakten Gebilde, die charakteristisch für die Felsmalereien des südlichen Afrika sind. (Copyright: Frobenius-Institut/Peter Steigerwald)

Bild 03: Joachim Lutz, „Große weiße Elefanten, Tiere und Menschen in vielen Schichten“, abgezeichnet 1929 in Ruchera, Simbabwe. (Copyright: Frobenius-Institut/Peter Steigerwald)

Bild 04: Die Malerinnen und Maler arbeiteten unter abenteuerlichen, oft strapaziösen Bedingungen. Hier Elisabeth Pauli und Katharina Mart, an Strickleitern baumelnd, beim Kopieren eines Felsbildes 1935 in Algerien. (Copyright: Frobenius-Institut)
 
Weitere Informationen
Dr. Richard Kuba
Wissenschaftlicher Mitarbeitet, Leiter des Felsbildarchivs
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität
Telefon +49 (0)69 798-33056
Kuba@em.uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de
https://www.frobenius-institut.de/sammlungen/felsbildarchiv

 

Nov 18 2020
10:49

Diskussionsreihe widmet sich der Frage, inwiefern Rassedenken und Rassismus bei Immanuel Kant zu finden ist. Die virtuellen Sitzungen beginnen ab dem 20. November und sind online verfügbar.

War Kant ein Rassist?

FRANKFURT. Die online stattfindende Diskussionsreihe „Kant – ein Rassist?“ widmet sich aus interdisziplinärer Perspektive der Frage, ob und inwiefern Immanuel Kant Rassist war. Dazu werden die Schriften Kants, aber auch der soziokulturelle und historische Hintergrund, ausführlich diskutiert. Jede Sitzung wird von einem impulsgebenden Vortrag eingeleitet. Zwei darauf bezogene Repliken eröffnen die Diskussionsrunde. Vortragende und Teilnehmende verschiedener Fachdisziplinen reflektieren in der gemeinsamen Debatte die philosophische und historische Tragweite der rassistischen Äußerungen Kants, auch mit Blick auf die Gegenwart.
 
Die virtuellen Sitzungen werden aufgezeichnet und sind in den Mediatheken der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft (BBAW) sowie der Digitalen Bibliothek Thüringen jeweils ab dem genannten Termin zugänglich. Alle Informationen sowie die Verlinkung zu den Mediatheken beziehungsweise den Videos findet man unter http://kant.bbaw.de/arbeitsstelle/veranstaltungen
 
Prof. Marcus Willaschek, Philosoph an der Goethe-Universität und Mitorganisator der Diskussionsreihe, betont im Hinblick auf die im Feuilleton, aber auch in der Wissenschaft breit geführte Debatte über die Frage, ob Kant Rassist war: „Aus einer rein historischen Perspektive kann man seine Äußerungen über die angebliche Überlegenheit der Weißen, Faulheit der Afrikaner etc. in den Kontext seiner Zeit einordnen und so ein stückweit verständlich machen, ohne Kant moralisch zu verurteilen. Als Philosoph muss ich mich jedoch auch fragen, welche Thesen und Theorien Kants heute noch überzeugend und ein Anknüpfungspunkt für unser heutiges Denken sein können. Kant kann uns noch immer wichtige Denkanstöße geben, aber manche seiner Auffassungen haben sich auch als Irrtümer erwiesen. Genauso verhält es sich mit seiner Theorie der Menschenrassen: aus heutiger Sicht ist sie falsch, und das gilt erst recht für die von Kant vertretene Rassenhierarchie mit den Weißen an der Spitze. Da muss man klar sagen: Hier irrte Kant!“   

Die Vorlesungsreihe „Kant – ein Rassist?“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Goethe-Universität (Prof. Marcus Willaschek) mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Dr. Michael Hackl), der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Prof. Andrea Esser), der Universität Siegen (Prof. Dieter Schönecker) sowie der Université du Luxembourg (Prof. Dietmar Heidemann).


Von diesen Terminen an sind die jeweiligen Veranstaltungen online zugänglich:

Freitag, 20.11.2020:
„Rasse“ und „Rassismus“.  Moderation: Marcus Willaschek (Frankfurt/M.), Impuls: Christian Geulen (Koblenz); Replik 1: Christina Brandt (Jena) Replik 2: Cengiz Barskanmaz (Halle/Saale).

Freitag, 4.12.2020:
Kants Theorie der „Menschenrassen“. Moderation: Andrea Esser (Jena), Impuls: Pauline Kleingeld (Groningen); Replik 1: Bernd Dörflinger (Trier), Replik 2: Dieter Schönecker (Siegen).

Freitag, 18.12.2020:
Rassismus ohne Rassen bei Kant? Moderation: Dieter Schönecker, Impuls: Marina Martinez Mateo (Frankfurt/M.); Replik 1: Micha Brumlik (Frankfurt/M.), Replik 2: Marcus Willaschek.

Freitag, 22.1.2021:
Rassedenken und Rassismus im 18. Jahrhundert. Moderation: Andrea Esser, Impuls: Uffa Jensen (Berlin); Replik 1: Andrew Wells (Göttingen), Replik 2: Jacob Mabe (Berlin).

Freitag, 5.2.2021:
Universalismus und Rassismus. Moderation: Marcus Willaschek, Impuls: Nikita Dhawan (Gießen); Replik 1: Rainer Forst (Frankfurt/M.), Replik 2: Michael Hackl (Berlin).

Freitag, 19.2.2021:
Wie umgehen mit Kants Schriften in Forschung und Lehre? Moderation: Michael Hackl, Impuls: Franziska Dübgen (Münster); Replik 1: Volker Gerhardt (Berlin), Replik 2: Andrea Esser.
 
Weitere Informationen:
Prof. Marcus Willaschek, Institut für Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-32678; Willaschek@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 17 2020
10:17

Studie zu Berufsperspektiven von Absolventinnen und Absolventen der islamisch-theologischen Studien und der Religionspädagogik gestartet

Islamische Theologie studiert – und dann?

Was wird eigentlich aus den Alumni der islamisch-theologischen Studien und der Religionspädagogik? Wie gelingt ihnen der Berufseinstieg? Welche Beschäftigungsmöglichkeiten bietet der Arbeitsmarkt? Antworten soll eine Verbleibstudie liefern, die nun von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft an der Universität Frankfurt gemeinsam mit den Universitäten Gießen und Mainz durchgeführt wird.

FRANKFURT. Seit 2011 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit den Bundesländern mehrere Standorte für islamisch-theologische Studien und Religionspädagogik an deutschen Universitäten. Zentrales Ziel ist es, Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht und muslimische Theologen und Theologinnen auszubilden sowie Studierende für Gemeindepädagogik, soziale Arbeit und Seelsorge in muslimischen Kontexten zu qualifizieren. Mittlerweile studieren mehr als 2.500 junge Menschen einen der beiden Studiengänge. Seit 2014 treten Absolventinnen und Absolventen dieser Studiengänge in den Arbeitsmarkt ein. Fachleute gehen davon aus, dass diese jungen Menschen in den schulischen, universitären oder sozialen Bereich und in religionsgemeinschaftliche Beschäftigungsfelder gehen.

Eine nun gestartete Verbleibstudie wird dies erstmals näher untersuchen. Sie wird von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) gemeinsam mit der Universität Gießen (Dr. Naime Cakir-Mattner, Professorin für Islamische Theologie mit Schwerpunkt muslimische Lebensgestaltung) und der Universität Mainz (Dr. Constantin Wagner, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Heterogenität) durchgeführt. „Bis jetzt besteht kein gesichertes Wissen darüber, ob Absolventinnen und Absolventen tatsächlich in den angenommenen Berufsfeldern beschäftigt sind, wie sie selbst ihre Beschäftigungssituation einschätzen und wie gut ihr Studium sie auf den Arbeitsmarkt vorbereitet“, sagt Professorin Naime Cakir-Mattner.

Die Verbleibstudie soll qualitative und quantitative Erkenntnisse liefern. Die quantitative Erhebung wird einen Überblick über die angewählten Berufsfelder, die beruflichen Positionen sowie die Beschäftigungssituation der Alumni bieten und erfassen, welche Faktoren zu (Miss-)Erfolg führen. „Im qualitativen Teil der Studie werden wir die Alumni zu ihren Erfahrungen und Bewertungen sowie ihren beruflichen Zukunftsperspektiven befragen“, so Professor Constantin Wagner.

Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer an der AIWG, über die Verbleibstudie: „Aus unserer Expertise ‚Wer studiert Islamische Theologie?' wissen wir, dass die Studierenden nur selten konkrete Berufsperspektiven haben. Die Ergebnisse aus der Verbleibstudie sollen dazu beitragen, die Studienangebote in islamischer Theologie und Religionspädagogik besser an arbeitsmarktliche Bedürfnisse anzupassen.“

Über die Projektleitung:

Dr. Jan Felix Engelhardt ist Geschäftsführer an der AIWG. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Akademisierung muslimischer Wissensproduktion in Deutschland und Europa sowie das Verhältnis zwischen Theologie, Gesellschaft und Politik.

Dr. Naime Cakir-Mattner ist Professorin für Islamische Theologie mit Schwerpunkt muslimische Lebensgestaltung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem Migration, Gender und Religion, Islamfeindlichkeit und Rassismus, Islam und Muslime im europäischen Kontext.

Dr. Constantin Wagner ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Heterogenität an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Heterogenität und soziale Ungleichheit in der postmigrantischen Gesellschaft sowie Islam(verständnisse) im postkolonialen Europa. Er ist Autor der AIWG-Expertise „Wer studiert Islamische Theologie? Ein Überblick über das Fach und seine Studierenden“.  

Informationen:
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
https://aiwg.de/

 

Nov 13 2020
11:16

​Chemiker der Universität Göttingen und der Goethe-Universität charakterisieren Schlüsselverbindung für katalytischen Stickstoffatom-Transfer

Chemie: Wie Stickstoff per Katalysator übertragen wird

Metallkatalysatoren können Stickstoff auf organische Moleküle übertragen. Bei solchen Reaktionen treten kurzlebige Verbindungen auf, deren Funktion für die Produktbildung durch die chemische Bindung von Metall und Stickstoff maßgeblich bestimmt wird. Die Struktur und chemische Bindung eines solchen Schlüsselintermediats für den Stickstoffatom-Transfer haben jetzt Chemiker der Universität Göttingen und der Goethe-Universität Frankfurt umfassend analysiert. Das detaillierte Verständnis des Reaktionsablaufs erlaubt es, künftig Katalysatoren für bestimmte Reaktionen maßzuschneidern und wichtige chemische Reaktionen gezielt zu steuern.

FRANKFURT. Um neue Wirkstoffe für Medikamente oder innovative, molekulare Materialien mit neuen Eigenschaften herzustellen, müssen Moleküle gezielt modifiziert werden. Die Kontrolle der Selektivität solcher chemischen Transformationen ist eines der Hauptziele der Katalyse. Dies gilt insbesondere für komplexe Moleküle, die an mehreren Stellen reaktiv sein können, um im Sinne der Nachhaltigkeit unnötigen Abfall zu vermeiden. So ist z.B. der selektive Einschub einzelner Stickstoffatome in Kohlenstoff-Wasserstoff Bindungen von Zielmolekülen ein besonders interessantes Ziel der chemischen Synthese. Solche Stickstofftransfer-Reaktionen wurden in der Vergangenheit anhand von quantenchemischen Computersimulationen für molekulare Metallverbindungen dargestellt, bei denen einzelne Stickstoffatome an das Metall gebunden sind. Diese hochreaktiven Intermediate wurden bisher aber nicht experimentell beobachtet. Ein Zusammenwirken von experimentellen und theoretischen Untersuchungen solcher Metallonitren-Schlüsselintermediate ist daher für eine detaillierte Analyse und schließlich Nutzung katalytischer Stickstoffatom-Transferreaktionen sehr bedeutsam.

Erstmals konnten nun Chemiker um Prof. Sven Schneider, Universität Göttingen, und Prof. Max Holthausen, Goethe-Universität Frankfurt, in Zusammenarbeit mit den Gruppen von Prof. Joris van Slageren, Universität Stuttgart und Prof. Bas de Bruin, Universität Amsterdam, ein solches Metallonitren direkt beobachten, spektroskopisch vermessen und quantenchemisch umfassend charakterisieren. Dazu wurde ein Platin-Azid-Komplex photochemisch in ein Metallonitren umgewandelt und mittels Photo-Kristallographie sowie magnetometrisch untersucht. Zusammen mit der theoretischen Modellierung gelang den Forschern nun die detaillierte Beschreibung eines sehr reaktionsfreudigen Metallonitrens, bei dem ein Stickstoffatom nur eine Bindung zum Metallatom aufweist und als Diradikal vorliegt, das heißt über zwei ungepaarte Elektronen verfügt. Die Wissenschaftler konnten ferner zeigen, wie die ungewöhnliche elektronische Struktur des Platin-Metallonitrens den gezielten Einschub des Stickstoffatoms, z.B. in C–H Bindungen anderer Moleküle, ermöglicht.

Prof. Max Holthausen erklärt: „Die Erkenntnisse unserer Arbeit erweitern das grundlegende Verständnis der chemischen Bindung und der Reaktivität solcher Metallkomplexe entscheidend. Wir legen damit die Grundlage für eine rationale Syntheseplanung.“ Prof. Sven Schneider sagt: „Die Einschubreaktionen, die wir beschrieben haben, ermöglichen die Nutzung von Metallonitrenen für die selektive Synthese organischer Stickstoffverbindungen durch katalytischen Stickstoffatom-Transfer. Damit trägt diese Arbeit zur Entwicklung neuartiger, ‚grüner' Synthesen von Stickstoffverbindungen bei.“

Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Europäischen Forschungsrat gefördert.


Publikation: Jian Sun, Josh Abbenseth, Hendrik Verplancke, Martin Diefenbach, Bas de Bruin, David Hunger, Christian Würtele, Joris van Slageren, Max C. Holthausen, Sven Schneider: A platinum(II) metallonitrene with a triplet ground state. Nat. Chem. (2020) https://doi.org/10.1038/s41557-020-0522-4

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Max C. Holthausen
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Anorganische und Analytische Chemie
Tel. +49 69 798 29430
max.holthausen@chemie.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Sven Schneider
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Anorganische Chemie
Tel. +49 551 39 22829
sven.schneider@chemie.uni-goettingen.de

 

Nov 12 2020
11:23

​Synthetisch erzeugte Bläschen sind Mini-Labore für maßgeschneiderte Moleküle – möglicher Ersatz für Rohstoffgewinnung aus Öl

Forscherin der Goethe-Universität erzeugt künstliche Zell-Organellen für die Biotechnologie

Zellen höherer Organismen nutzen Zell-Organellen, um Stoffwechselreaktionen voneinander zu trennen. So findet die Zellatmung in den Mitochondrien, den Energie-kraftwerken der Zelle, statt. Sie sind so etwas wie abgeschlossene Laborräume in der großen Fabrik Zelle. Einem Forscherteam der Goethe-Universität ist es nun gelungen, künstliche Zell-Organellen herzustellen und diese für selbst erdachte biochemische Reaktionen zu nutzen.
 
FRANKFURT. Schon länger hatten Biotechnologen versucht, natürliche Zell-Organellen für andere Prozesse zu „reprogrammieren“ – mit gemischtem Erfolg, denn die „Laboreinrichtung“ ist auf die Funktion der Organelle spezialisiert. Dr. Joanna Tripp, Nachwuchswissenschaftlerin am Institut für Molekulare Biowissenschaften, hat nun eine neuartige Methode entwickelt, künstliche Organellen in lebenden Hefezellen zu erzeugen (ACS Synthetic Biology: https://doi.org/10.1021/acssynbio.0c00241).

Sie nutzt dazu das verzweigte System von Röhren und Bläschen des Endoplasmatischen Retikulums (ER), das den Zellkern umgibt. Von diesem Membransystem schnüren sich in Zellen immer wieder Bläschen oder Vesikel ab, um etwa Stoffe an die Zellmembran zu transportieren. In Pflanzen können solche Vesikel aber auch zur Speicherung von Proteinen in Samen dienen. Diese Speicherproteine sind mit einem „Adressaufkleber“, der Zera-Sequenz, versehen, die sie in das ER einschleusen und dafür sorgen, dass Speicherproteine dort in Vesikel „verpackt“ werden. Joanna Tripp hat nun den „Adressaufkleber“ Zera verwendet, um in Hefezellen gezielt Vesikel zu erzeugen und mehrere Enzyme eines biochemischen Stoffwechselweges einzuschleusen.

Aus biotechnologischer Sicht ist dies ein Meilenstein. Denn Hefezellen als „Haustiere“ der synthetischen Biologie stellen nicht nur zahlreiche nützliche Naturstoffe her, sondern können auch genetisch so verändert werden, dass sie im großen Stil industriell interessante Moleküle wie etwa Biokraftstoffe oder Anti-Malaria-Mittel produzieren.

Doch neben den gewünschten Produkten entstehen oft auch unerwünschte Nebenprodukte oder giftige Zwischenprodukte. Zusätzlich kann das Produkt durch Lecks in der Zelle verloren gehen, oder die Reaktionen sind zu langsam. Hier können die synthetischen Zell-Organellen eine Abhilfe schaffen, denn in ihnen treffen nur die erwünschten Enzyme (mit „Adressaufkleber“) zusammen, so dass sie effektiver zusammenarbeiten können, ohne den Rest der Zelle zu stören oder gestört zu werden.

„Wir haben die Zera-Sequenz benutzt, um einen dreistufigen, synthetischen Stoffwechselweg in Vesikel einzubringen“, erklärt Joanna Tripp. „Damit haben wir selbst einen Reaktionsraum geschaffen, der genau das enthält, was wir wollen. Wir konnten dann zeigen, dass der Stoffwechselweg in den Vesikeln abgeschottet vom Rest der Zelle funktioniert.“

Die Biotechnologin hat sich für diesen Prozess ein industriell relevantes Molekül ausgesucht: Die Mukonsäure, die industriell weiter zu Adipinsäure verarbeitet wird. Diese ist ein Zwischenprodukt für Nylon und andere Kunststoffe. Zurzeit wird die Mukonsäure aus Rohöl gewonnen. Würde man sie künftig im großen Maßstab durch Hefezellen herstellen lassen, wäre das bedeutend umweltfreundlicher und nachhaltiger. Zwar geht derzeit noch ein Teil des entstehenden Zwischenproduktes Protocatechusäure verloren, weil die Vesikelmembran durchlässig ist, aber Joanna Tripp sieht dies als ein lösbares Problem an.

Prof. Eckhard Boles, Leiter der Abteilung Physiologie und Genetik niederer Eukaryoten, urteilt: „Das ist eine revolutionäre neue Methode für die synthetische Biologie. Mit den neuartigen künstlichen Organellen gibt es nun eine Möglichkeit, verschiedenartige Prozesse in der Zelle neu zu generieren oder zu optimieren.“ Die Methode ist dabei nicht auf Hefezellen beschränkt, sondern generell für eukaryotische Zellen einsetzbar. Zudem lässt sie sich auch auf andere Fragestellungen anwenden, z.B. für Reaktionen, die bisher nicht in lebenden Zellen stattfinden konnten, weil man dazu etwa Enzyme benötigt, die den Zell-Stoffwechsel stören können.


Publikation: Mara Reifenrath, Mislav Oreb, Eckhard Boles, Joanna Tripp: Artificial ER-Derived Vesicles as Synthetic Organelles for in Vivo Compartmentalization of Biochemical Pathways, in:
ACS Synthetic Biology: https://doi.org/10.1021/acssynbio.0c00241

Weitere Informationen
Dr. Joanna Tripp
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: (069) 798 29516
j.tripp@bio.uni-frankfurt.de

 

Nov 11 2020
15:45

​DFG-Graduiertenkolleg „Doing Transitions“ an der Goethe-Universität geht in die zweite Runde

Übergänge im Lebenslauf werden weiter erforscht

Wie kommt es zu Übergängen im Lebenslauf? Und wie werden sie gestaltet? Damit befasst sich ein Graduiertenkolleg an der Goethe-Universität und der Universität Tübingen. Nach drei Jahren Forschungsarbeit hat die DFG nun die Mittel für eine Verlängerung zugesagt.
 
FRANKFURT. Wie Übergänge im Lebenslauf entstehen und wie sie gestaltet werden, das untersuchen Promovierende an den Universitäten Frankfurt und Tübingen im Rahmen des Graduiertenkollegs „Doing Transitions“, das seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Das Thema wird aus dem Blickwinkel der Erziehungswissenschaften, der Psychologie und der Soziologie erforscht.
 
Menschen haben im Lauf ihres Lebens vielerlei Übergänge zu bewältigen. Bisher interessierte sich die Forschung vor dem Hintergrund, dass hier sowohl soziale Ungleichheit als auch Ein- und Ausschlussprozesse verstärkt werden, vor allem dafür, wie Übergänge verlaufen und auf welche Weise das Risiko des Scheiterns minimiert werden kann.
 
„Doing Transitions“ geht nun davon aus, dass diese Übergänge nicht per se vorhanden sind, und untersucht die ihnen zugrundeliegenden sozialen Konstruktionsprozesse. Die Arbeiten der ersten Förderphase (2017-2021) haben sich auf Formen der Gestaltung und Herstellung von Übergängen fokussiert: etwa normative Unterscheidungen und Zuschreibungen von Gelingen und Scheitern wie die Einmündung in eine Erwerbstätigkeit als Ausdruck der „Beschäftigungsfähigkeit“ eines Menschen, institutionelle Formen der Regulierung wie Prüfungen, die zum nächsten Bildungs- oder Lebensabschnitt qualifizieren, oder verschiedene Umgangsweisen von Menschen mit Übergängen wie die Integration einer neuen Rolle in das eigene Selbstverständnis. Dabei kamen nicht nur etablierte, allgemein verbindliche Übergänge in den Blick wie der Eintritt in die Schule, ins Arbeitsleben oder in die Rente, sondern auch weniger offensichtliche oder selbstverständliche Übergänge wie der zur selbständigen Mobilität im Kindesalter, der Übergang weg vom bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht, der Übergang zum Alleinleben im höheren Alter, die Inszenierung des eigenen Erwachsenwerdens im Internet oder das Revival des Übergangsrituals der Jugendweihe.
 
Jetzt hat die DFG auch die zweite Förderphase (2021-2025) bewilligt, in der weitere Dimensionen untersucht werden: Was geschieht, wenn mehrere Personen gleichzeitig verschiedene Übergänge erleben (z.B., wenn der Jobwechsel eines Elternteils den Umzug der Familie und den Schulwechsel der Kinder nach sich zieht)? Welche zeitlichen Dimensionen sind in Übergängen enthaltenen, etwa der institutionell und subjektiv „richtige“ Zeitpunkte für einen Übergang (z.B. Elternschaft), die sich oft unterscheiden, sowie die Materialität von Übergängen (wenn etwa die Berufswahlsoftware der Berufsberatung den passenden Beruf vorschlägt oder Körperimplantate nicht nur Krankheiten bekämpfen, sondern auch Identitäten verändern).
 
Derzeit ist die zweite Kohorte von Promovierenden im Kolleg. 2022 erfolgt die Ausschreibung für eine dritte Kohorte. In jeder Kohorte werden elf oder zwölf Promovierende sowie ein oder zwei Postdocs finanziert und können sich vollständig der Promotion bzw. Habilitation widmen. Außerdem sind jeweils fünf oder sechs anderweitig geförderte Promovierende beteiligt.
 
Das Fördervolumen für die zweite Förderphase beträgt 4,6 Millionen Euro, mit denen vor allem die Stellen der Promovierenden und Postdocs finanziert werden. Geleitet wird das Graduiertenkolleg von Prof. Dr. Andreas Walther (Fachbereich Erziehungswissenschaften, Goethe-Universität) und Prof. Dr. Barbara Stauber (Institut für Erziehungswissenschaft, Tübingen). Aus Frankfurt sind außerdem Prof. Dr. Sabine Andresen, Prof. Dr. Christiane Hof, Prof. Dr. Frank Oswald, alle Erziehungswissenschaft) sowie Prof. Dr. Birgit Becker und Prof. Dr. Sarah Speck (beide Soziologie) beteiligt.

 
Weitere Informationen

Prof. Dr. Andreas Walther

Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung

Goethe-Universität

069 79836383

A.Walther@em.uni-frankfurt.de
www.doingtransitions.org

 

Nov 11 2020
11:01

Förderung ermöglicht Projekte zum Originalerhalt von schriftlichem Kulturerbe an der Universitätsbibliothek

Im Kampf gegen den Zahn der Zeit

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Goethe-Universität erhält für Maßnahmen der Bestandserhaltung Fördergelder vom Bund und vom Land Hessen sowie private Spenden. Im Jahr 2020 können dadurch 200.000 Euro in den Originalerhalt von regional und national bedeutsamem Kulturgut investiert werden.
 
FRANKFURT. Ein erheblicher Teil des schriftlichen Kulturerbes in Bibliotheken und Archiven in Deutschland ist durch Säurefraß, natürliche Alterung, Schädlinge oder ungünstige Lagerungsbedingungen vom schleichenden Verfall bedroht. Der dauerhafte Erhalt der Bestände stellt eine große Herausforderung für die bewahrenden Institutionen dar. Deshalb wurden spezielle Förderprogramme geschaffen, von denen nun auch die historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek profitieren.



Mit Mitteln des Bundes und des Landes Hessen können in diesem Jahr an der Universitätsbibliothek mehrere konservatorische Projekte umgesetzt werden. Dabei werden die Lagerungsbedingungen für ausgewählte wertvolle Bestände nachhaltig verbessert oder Bücher und Archivalien fachgerecht restauriert. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, fördert diese Maßnahmen aus Sondermitteln des Bundes zu 50 Prozent (durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Berlin). Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst übernimmt im Rahmen des Landesprogramms zum Erhalt des schriftlichen Kulturgutes in Hessen weitere 40 Prozent. 



Diese staatlichen Förderprogramme zielen vor allem auf die Behandlung großer Bestandsgruppen ab, zum Beispiel durch Entsäuerungsmaßnahmen gegen das Phänomen des sogenannten Papierzerfalls. Die Restaurierung von Einzelstücken dagegen wurde durch die Spenden von Privatpersonen und durch private Stiftungen ermöglicht, wie beispielsweise die Ernte und Dank-Stiftung im Stifterverband. Insgesamt kann die Bibliothek durch die verschiedenen Zuwendungen sowie eigene Haushaltsmittel etwa 200.000 Euro für die verschiedenen bestandserhaltenden Maßnahmen einsetzen.
 
Die Projekte betreffen unter anderem die folgenden ausgewählten Bibliotheks- und Archivbestände der Universitätsbibliothek: die Sammlung Deutscher Drucke (Erscheinungsjahre 1850-1870), die sogenannte Kolonialbibliothek (Bibliothek der 1887 gegründeten „Deutschen Kolonialgesellschaft“), eine Reihe von teilweise äußerst selten überlieferten jüdischen Periodika aus der Zeit bis zum 2. Weltkrieg, den Nachlass des Philosophen Max Horkheimer sowie historische Orchestermaterialien und Theaterzettel der Frankfurter Oper, des Museumsorchesters und der Städtischen Bühnen.


Die Bibliothek verfolgt in den letzten Jahren verstärkt Maßnahmen, um die Lagerungsbedingungen für ihre historischen Bestände nachhaltig und entsprechend neuesten wissenschaftlichen Standards zu verbessern. Aus den umfangreichen Sammlungen wird dabei vor allem jenes Kulturgut vorrangig behandelt, dass sich durch fortschreitende Schadensbilder bzw. durch eine besondere wissenschaftliche und kulturhistorische Bedeutung des Objektes heraushebt. Die nun geförderten Maßnahmen sind somit Teil einer langfristig angelegten Strategie zum Originalerhalt des wertvollen schriftlichen Kulturgutes an der Universitätsbibliothek.
 
Information: Dr. Mathias Jehn, Leitung Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 39007, E-Mail: m.jehn@ub.uni-frankfurt.de
 
Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

 

Nov 10 2020
09:46

​Forscherteams der Goethe-Universität und der Universität Hildesheim starten zweite Studie zur Befindlichkeit von Jugendlichen in der Corona-Krise

Sechs Monate mit Corona: Bundesweite Umfrage zu Jugendlichen in der Pandemie

„Wie geht es Dir nach sechs Monaten in der Corona-Zeit?“ Die Erfahrungen und Perspektiven junger Menschen stehen derzeit im Mittelpunkt der bundesweiten Studie „Jugend in der Corona-Zeit“. Damit geht die Studie der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Hildesheim vom Frühjahr 2020 in die zweite Runde.
 
FRANKFURT. Mehr als 8.000 junge Menschen haben sich im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie an der bundesweiten Studie „JuCo“ der Universitäten Frankfurt und Hildesheim beteiligt und von ihren Erfahrungen und Perspektiven berichtet. Nun startet der Forschungsverbund eine zweite Erhebung. Im Fokus stehen die Veränderungen des Lebens junger Menschen durch sich ebenfalls verändernde Corona-Maßnahmen.
 
Die Online-Befragung, die bis zum 22. November durchgeführt wird, richtet sich deutschlandweit an junge Menschen ab 15 Jahren. Es geht darum, mehr über den Lebensalltag, die Herausforderungen und Perspektiven der Jugendlichen in der Pandemie zu erfahren. „Die erste Befragung hat gezeigt, dass die jungen Menschen in der Krise viel zu wenig zu Wort kommen“, so Johanna Wilmes, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Frankfurter Team vom Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung. „Jugendliche wollen mit ihren eigenen Anliegen gehört werden und nicht einfach nur als zu beschulende Menschen in der Öffentlichkeit stehen“, betont auch Anna Lips aus dem Hildesheimer Forschungsteam. Von einer großen Teilnahme an der Studie erhofft sich der Forschungsverbund deshalb Erkenntnisse darüber, wie sich junge Menschen langfristig ihre Mitsprache in der Corona-Krise vorstellen und welche Bedürfnisse sie haben.
 
Damit sich möglichst viele Jugendliche an der Umfrage beteiligen, wurde der Fragebogen diesmal auch in einfacher Sprache formuliert. Dazu Dr. Tanja Rusack von der Universität Hildesheim: „Wir wollen möglichst viele junge Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreichen.“
 
Der Fragebogen ist für Jugendliche unter https://www.soscisurvey.de/JuCo_II/  bzw. unter https://www.instagram.com/juco_jugendcorona/ bis zum 22. November abrufbar, die Teilnahme dauert ca. 20 Minuten. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden 20 Gutscheine im Wert von je 20 Euro verlost. 

Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt und dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim. Entstanden sind darin bisher die bundesweite Studie „JuCo“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie KiCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern im gleichen Zeitraum. Aktuell gehören zum Frankfurter Team Prof. Dr. Sabine Andresen und Johanna Wilmes sowie von der Universität Hildesheim Lea Heyer, Anna Lips, Dr. Tanja Rusack, Prof. Dr. Wolfgang Schröer und Dr. Severine Thomas.
 
Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Forschungsverbund und den bisherigen Veröffentlichungen unter: https://t1p.de/studien-corona
 
Prof. Dr. Sabine Andresen
Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung
Goethe-Universität Frankfurt
S.Andresen@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 9 2020
09:57

Die Theatergruppe am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität präsentiert im Wintersemester drei Produktionen online.

Chaincourt Theatre goes digital

FRANKFURT. Die Chaincourt Theatre Company hat sich in diesem Semester ein neues Betätigungsfeld erarbeitet: Corona-bedingt konnten die Studierenden nicht an den üblichen Orten in Präsenz proben, sondern waren auf den Austausch im digitalen Universum angewiesen. Doch hat die Theatergruppe am Institut für England- und Amerikastudien das Beste aus der ungewohnten Situation gemacht und sich kurzerhand dreigeteilt: Sie präsentiert jetzt im November mehrere kleinere Stücke, geprobt und aufgenommen in den letzten Monaten, im Internet. Die kreative Umsetzung der Stücke und Regie wurde von Studierenden des Fachbereichs 10 übernommen. Künstlerisch unterstützt wurden sie dabei von James Fisk, Lektor für Englisch am Institut für England- und Amerikastudien, der über eine mehrjährige Theatererfahrung verfügt.

Das Radiohörspiel „The Hitch-Hiker“, geschrieben von der in New York geborenen Schriftstellerin Lucille Fletcher, wurde zum ersten Mal am 17. November 1941 in der Orson Welles Show auf dem Radiosender CBS ausgestrahlt. Neben der musikalischen Untermalung geschrieben von Fletchers damaligem Ehemann, Bernard Herrmann, spielten Orson Welles und seine Theatergruppe der Mercury Players zwischen 1941 und 1946 bei vier Radio-Performances des Werks selbst mit. Seit seiner Erstausstrahlung 1941 wurde „The Hitch-Hiker“ mehrmals für Film und Fernsehen adaptiert und erlangte als eine Episode der Hit-Serie „The Twilight Zone“ unter Rod Serling Bekanntheit. Inspiriert von der Orson Welles-typischen Suspense (Ungewissheit), machten sich sechs Mitglieder der Chaincourt Theatre Company ihre gegenwärtige Arbeitssituation der ‚Zoom-Ära' über das Sommersemester 2020 zunutze und bringen „The Hitch-Hiker“ nun wieder in der Fassung eines gespenstigen Hörspiels zur Aufführung. Die Geschichte verfolgt Ronnie Adams, eine junge Frau aus Brooklyn, auf ihrem Weg von New York nach Kalifornien. Gespannt auf die lange und einsame Fahrt durch Amerikas diverse Landschaften, beginnt Ronnie ihre Autoreise. Dieser nimmt jedoch eine unerwartete Wendung, als sie plötzlich auf eine Hitchhikerin trifft, welche Ronnie auf jeder Etappe der 3000 Meilen wie ein Schatten zu verfolgen scheint.

Zwar wurde „The Hitch-Hiker“ eigentlich für das Radio geschrieben, eignet sich aber perfekt für eine virtuelle Inszenierung. Protagonist Ronald Adams reist quer durch die Vereinigten Staaten und begegnet dabei verschiedensten Persönlichkeiten. Über ihm schwebt dabei wie ein Damoklesschwert die immerwährende Frage, wem er am Ende gegenüberstehen wird: sich selbst oder dem Anderen. Die Chaincourt Theatre Company überwindet in dieser Inszenierung den digitalen Rahmen und macht die Software Zoom zu einem performativen Medium, das sich genau zwischen Theater und Film positioniert.

Das dritte Stück ist „Sorry, Wrong Number“; es wurde 1943 zunächst als Radiohörspiel von Lucille Fletcher geschrieben. Ein zu seiner Zeit hoch gefeiertes Stück, von Regisseur Orson Welles als “the greatest single radio script ever written" gelobt, erlebt es nun ein zeitgemäßes Update mit der Chaincourt Produktion des Werkes. Über den Verlauf des Sommersemesters 2020 fanden sich acht Mitglieder der Chaincourt Theatergruppe virtuell über Zoom zusammen und arbeiteten gemeinsam an einer zeitgenössischen Inszenierung des Werkes. In „Sorry, Wrong Number“ folgt das Publikum der Odyssee von Mrs. Stevenson, die, nachdem sie durch Zufall ein Gespräch zwischen zwei zwielichtigen Gestalten überhört, alles daran setzt diese von ihren mörderischen Plänen abzuhalten. Doch das ist nicht so einfach, wenn niemand das Haus verlassen kann.
 
Links für die Aufführungen auf YouTube (mit Veröffentlichungsdaten):

26. November, 20.15 Uhr: „The Hitch-Hiker“ - Video
https://www.youtube.com/watch?v=q43xP0k79Hw

27. November 2020, 20.15 Uhr: „The Hitch-Hiker“ – Audio (radio play)
https://youtu.be/3sNchIAtCIA

28. November 2020, 20.15 Uhr: „Sorry, Wrong Number“ - Video
https://youtu.be/whRAYgPg9_w

Link der gesamten Playlist auf YouTube (Zugang zu allen Produktionen):
https://www.youtube.com/channel/UCqjvihzyM1JlgqxBKKXJ8PA/playlists?view_as=subscriber

Kontakt: James Fisk, Künstlerische Leitung des Chaincourt Theatre; fisk@em.uni-frankfurt.de; www.chaincourt.org