​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Forschung

Jan 19 2016
12:16

Frankfurter Konzept an sechs Kliniken erprobt/Langzeiteffekt bestätigt

Gruppentherapie hilft autistischen Kindern, im Alltag besser zurecht zu kommen

FRANKFURT. Soziale Schwierigkeiten stellen eine der Hauptbeeinträchtigung bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) dar. Gerade wenn ihre Intelligenz nicht beeinträchtigt ist, werden sie sich ihrer Andersartigkeit im Entwicklungsverlauf immer bewusster. In einer an der Goethe-Universität entwickelten Gruppentherapie können sie nachhaltig lernen, wie sie sich in der sozialen Welt besser zurecht finden können. Das bestätigt eine klinische Studie, die im Laufe von drei Jahren 209 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren untersuchte.

„Oftmals begegnen wir in der klinischen Praxis Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen, die sich den Kontakt zu Gleichaltrigen wünschen und gleichzeitig jeden Tag erleben, dass sie auf Zurückweisungen stoßen, weil sie viele Verhaltensweisen ihrer Klassenkameraden nicht verstehen können. Und darüber verzweifeln sie“, erklärt Prof. Christine Freitag, Leiterin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Gemeinsam mit Dr. Hannah Cholemkery entwickelte sie eine verhaltenstherapeutische Gruppentherapie mit Anleitungen und Übungen zur Verbesserung der sozialen Fertigkeiten.

Bisher wurden Gruppentherapien zum Training sozialer Kompetenzen bei ASS hauptsächlich in den USA im Rahmen kleinerer Studien ohne Stabilitätsmessungen untersucht. Ziel der von Christine Freitag geleiteten und Hannah Cholemkery koordinierten „Sosta-net Studie“, an der sechs deutsche Universitätskliniken beteiligt waren, war es zu untersuchen, ob sich die soziale Reaktivität bei Kindern und Jugendlichen mit ASS durch eine verhaltenstherapeutische Gruppentherapie steigern lässt. Dies geschah mithilfe eines standardisierten Fragebogens (Skala zur Verbesserung sozialer Reaktivität, SRS), in dem 65 Verhaltensweisen von den Eltern vor Beginn der Gruppentherapie, am Ende der Intervention sowie zur Stabilitätsmessung drei Monate nach Abschluss der Intervention beurteilt wurden.

Die Therapie fand einmal wöchentlich in einer Gruppe mit vier bis fünf Gleichaltrigen und zwei Therapeuten über drei Monate hinweg statt und wurde von drei Elternabenden begleitet. Die Ergebnisse wurden mit denjenigen in einer Warte-Kontrollgruppe verglichen. In der Interventionsgruppe zeigte sich eine deutliche Verbesserung der sozialen Verhaltensweisen, die auch bei einer erneuten Erhebung nach drei Monaten stabil blieb.

Insbesondere Kinder mit einer schwereren Symptomatik und einem höheren IQ zu Beginn der Therapie konnten von der Therapie profitieren.

Publikation: Christine Freitag, Hannah Cholemkery et al.: Group-based cognitive behavioural psychotherapy for children and adolescents with ASD: the randomized, multicentre, controlled SOSTA – net trial, in: Journal of child psychology and psychiatry (2015), doi: 10.1111/jcpp.12509

http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/(ISSN)1469-7610/earlyview

Informationen: Prof. Dr. Christine M. Freitag, Dr. Hannah Cholemkery, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Tel.: (069) 6301-84055, Hannah.Cholemkery@kgu.de

Veranstaltungen

Jan 19 2016
12:14

Podiumsdiskussion an der Goethe-Universität am 21. Januar

Google und das Urheberrecht

FRANKFURT. Den jüngsten Entwicklungen im Internet und den damit verbundenen urheberrechtlichen Fragen widmet sich eine Podiumsdiskussion am 21. Januar auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Mit dabei ist der Leiter der Rechtsabteilung von Google Germany, Dr. Arnd Haller.

Immer wieder macht das Internet von sich reden als Raum, in dem bestehende rechtliche Regeln nur schwer durchzusetzen sind: Bei der Google-Indexierung wird das Persönlichkeitsrecht auf Vergessenwerden verletzt; wer einmal im Netz nach Waren gesucht hat, macht sich unter Umständen zum gläsernen Verbraucher; und Autoren und Musiker befürchten, um den Lohn ihrer kreativen Arbeit gebracht zu werden. Durch die Digitalisierung der Gesellschaft ist nicht nur das Recht mit seinen Regulierungsmöglichkeiten herausgefordert, sondern auch die Politik selbst. Denn das Internet kennt keine staatlichen Grenzen: Das macht die Durchsetzung von Regeln sowohl auf nationalstaatlicher als auch auf europäischer Ebene schwierig.

Das Urheberrecht ist dabei ein wichtiger Aspekt. Wie es in der digitalen Gegenwart und Zukunft gestaltet werden kann, darum geht es in dem Podiumsgespräch, zu dem der Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Recht und Theorie der Medien (Prof. Thomas Vesting) der Goethe Universität gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Rechtstheorie der Universität zu Köln (Prof. Dan Wielsch) einladen. Referenten sind Dr. Arnd Haller (Leiter der Rechtsabteilung von Google Germany), Prof. Dr. Leonhard Dobusch (Organisationstheorie, FU Berlin) und Prof. Dr. Michael Grünberger (Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Technikrecht,Uni Bayreuth). Der Frankfurter Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Vesting wird in die Thematik einführen, die Moderation der Diskussion übernimmt Prof. Dr. Dan Wielsch aus Köln. Die Zusammenarbeit mit der Uni Köln ist neu, soll aber in loser Folge mit weiteren Veranstaltungen rund um das Thema Internet fortgesetzt werden.

Die Veranstaltung beginnt am 21. Januar 2016 um 18 Uhr im Hörsaalgebäude, Raum HZ 11, am Campus Westend der Goethe-Universität.

Informationen: vesting@jur.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 15 2016
14:13

Podiumsdiskussion zu TTIP. 21. Januar, Campus Westend

Welche Auswirkungen hat das Transatlantische Handelsabkommen auf die Rhein-Main-Region?

FRANKFURT. Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen den USA und Europa hat in Deutschland eine kontroverse Debatte ausgelöst. Über die potentiellen Auswirkungen des Abkommens auf die Rhein-Main-Region als Lebensraum und Wirtschaftsstandort diskutieren Gäste aus Politik und Wirtschaft: Martin Häusling, MdEP, Grüne; Philipp Jacks, DGB Region Frankfurt am Main; Dr. Wolf Klinz, MdEP a. D., FDP; Andreas Povel, American Chamber of Commerce in Germany e. V.; Dr. Jürgen Ratzinger, IHK Frankfurt. Es moderiert Prof. Dr. Sandra Eckert, Goethe-Universität.

Podiumsdiskussion: „Europa in Frankfurt. Welche Auswirkungen hat TTIP auf unsere Region?“ 21. Januar 2016, 19 Uhr c.t., PEG-Gebäude, Raum 1.G 191.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Sandra Eckert, Juniorprofessorin Politik im Mehrebenensystem. eckert@soz.uni-frankfurt.de; www.fb03.uni-frankfurt.de/eckert

Veranstaltungen

Jan 14 2016
16:05

Öffentliche Veranstaltung des Frankfurter Forums für interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA)

Recht im Alter – Altern und Recht

FRANKFURT. „Recht im Alter – Altern und Recht“ ist das Thema einer öffentlichen Veranstaltung, zu der das Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung der Goethe-Universität (FFIA) am Dienstag (19. Januar) ab 18 Uhr in das Haus am Dom einlädt. Was heißt Autonomie im Alter, wo stärkt das Recht die Autonomie der älter werdenden Menschen, wo sieht es Einschnitte für sie vor? Werden alterndeMenschen hinreichend vor Gewalt und Diskriminierung geschützt? Welche Antworten sieht der strafende Staat für alternde Straftäter vor? Werden die Lebensleistungen der älter werdenden Menschen und Alten anerkannt, wo finden sich Defizite, was sind die Aufgaben des Rechts, was die Herausforderungen für den Gesetzgeber?

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich an diesem Abend vier Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler der Goethe-Universität, die auch im Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung mitarbeiten. Impulsreferate aus der Perspektive ihrer Fachrichtungen und ihrer praktischen Erfahrungen halten: Cornelius Prittwitz, Professor für Strafrecht, Strafprozess, Kriminologie und Rechtsphilosophie, Gisela Zenz, emeritierte Professorin an den Fachbereichen Erziehungswissenschaft und Rechtswissenschaft und Mitglied im Landespräventionsrat Hessen, Marina Wellenhofer, Professorin für Zivil- und Zivilverfahrensrecht, und Astrid Wallrabenstein, Professorin für Öffentliches Recht mit einem Schwerpunkt im Sozialrecht. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Frankfurter juristischen Gesellschaft statt.

Informationen: Dipl.-Psych. Tanja Müller, Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Tel.(09) 798 36393; E-Mail: tanja.mueller@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 13 2016
11:37

Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland – Alltagsgeschichten“ : Frankfurter Schüler erzählen

Wenn Einwanderung ein Gesicht bekommt

FRANKFURT. Sie kommen aus Sri Lanka, Bulgarien und Afghanistan. Sie sind noch jung, und doch haben sie schon viel zu erzählen: Neun Frankfurter Schülerinnen und Schüler porträtiert die Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland – Alltagsgeschichten“, die von 14. bis 28. Januar am Campus Westend zu sehen ist. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften will damit ein Signal setzen für weitere Vorhaben und Aktivitäten im Bereich Flucht und Migration.

Sein Bruder hieß Mirwais, seine Schwester Malalai. Beide kamen durch eine Rakete ums Leben. 2006 starb die Mutter, 2010 ist der Vater ermordet worden. Der 19-Jährige aus Afghanistan hatte viel hinter sich, als er 2011 in Deutschland einreiste, wie es der Wunsch des Vaters war. Nun bereitet er sich auf den Realschulabschluss vor.

Häufig wird über sie gesprochen, doch sie selbst kommen nur selten öffentlich zu Wort: junge Menschen, die auf teils abenteuerlichen Wegen aus einem anderen Land nach Deutschland kamen. Die Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland – Alltagsgeschichten“ an der Goethe-Universität gibt ihnen nun eine Stimme und ein Gesicht. Hauptschüler der Sophienschule Frankfurt-Bockenheim erzählen vom 14. Januar an in Einzelporträts ihre ganz persönliche Migrationsgeschichte.

Die Idee zur Ausstellung ist im Sommer 2014 entstanden: In einem Integrationskurs der Schulsozialarbeiterin Heike Depner und des Teach First Fellow Ali Hocaoglu an der Sophienschule wurde das Buch „Unerwünscht“ vorgestellt, in dem die drei iranischen Brüder Sadinam von ihren Flucht- und Integrationserlebnissen erzählen. Neun Schülerinnen und Schüler ließen sich dadurch motivieren, über ihre eigenen Erfahrungen bei Migration und Flucht zu berichten. In Zusammenarbeit mit Anette Mönich von der „Initiative Zukunft Bockenheim“ entstanden biographische Porträts, die bereits in Bockenheim zu sehen waren. Unter den Porträtierten sind auch einige Lehrkräfte – auch Sozialarbeiterin Depner, die ursprünglich aus Rumänien stammt. Bis 28. Januar werden die Porträts am Campus Westend gezeigt.

„Diese Initiative passt gut zu den verschiedenen bereits laufenden Aktivitäten und Vorhaben zum Thema ‚FluchtMigration‘, wie wir unser Projekt nennen“, sagt Prof. Isabell Diehm vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Die Goethe-Universität gebe damit einem pädagogischen Bereich ein Forum, der gesellschaftlich wenig Anerkennung erfährt: Die Sophienschule ist die letzte Hauptschule Hessens. Insbesondere neu eingewanderten Schülern wird hier durch Intensiv-Deutsch-Kurse die schulische und mithin Bildungsintegration erleichtert. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften will sich in Forschung und Lehre künftig noch mehr dem Themenbereich Flucht und Migration widmen. So werden seit diesem Semester zwei längerfristig konzipierte Lehrveranstaltungen angeboten, die in Kooperation mit Frankfurter Schulen und kommunalen Sozialträgern der spezifischen Qualifikation künftiger Lehrkräfte und Sozialpädagogen dienen sollen. „Mit unseren Möglichkeiten, die in Forschung, Lehre und Ausbildung liegen, wollen wir einen nachhaltigen Beitrag zur Bearbeitung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen leisten“, erklärt Prof. Diehm.

Ausstellungsflyer zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/59597080

Informationen: Prof. Dr. Isabell Diehm, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, E-Mail: i.diehm@em.uni-frankfurt.de, Telefon: 069/798-36250

Veranstaltungen

Jan 12 2016
13:53

Philosophin Catherine Colliot-Thélène übernimmt die Alfred Grosser-Gastprofessur – Öffentlicher Vortrag

Blick auf den Sozialstaat aus deutsch-französischer Perspektive

+++ Die Veranstaltung fällt leider aus. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben+++

FRANKFURT. Die französische Philosophin Prof. Catherine Colliot-Thélène übernimmt in diesem Semester die Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung an der Goethe-Universität. „Die normative Begründung des Sozialstaats – Eine deutsch-französische Perspektive“ ist das Thema ihres öffentlichen Vortrags, den sie am Dienstag (19. Januar) um 19 Uhr auf dem Campus Westend, Casino, Renate von Metzler-Raum hält.

Der Sozialstaat wurde in der Vergangenheit immer wieder als die größte Erfindung der westlichen Demokratien im 20. Jahrhundert bezeichnet. Heute hingegen sprechen viele von seinem Abbau – als Reaktion auf die staatlichen Reformen, die von der neoliberalen Wirtschaft gefordert werden. In Frankreich und Deutschland bleiben die staatlichen Unterstützungsleistungen zwar – im Vergleich zu anderen europäischen und erst recht außereuropäischen Ländern – auf hohem Niveau. Bedeutet dies aber auch, dass sich am Verständnis der normativen Begründung solcher Leistungen nichts geändert hat? Catherine Colliot-Thélène, Professorin an der Universität Rennes und von 1999 bis 2004 Direktorin des Centre Marc Bloch in Berlin, wird in ihrem Vortrag verschiedene Formen staatlicher Unterstützungsleistungen sowie Unterschiede in der Geschichte und den philosophischen Begründungen des Sozialstaats in Deutschland und Frankreich beleuchten.

Das Internationale Programm „Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ermöglicht. Es wurde 2009 auf Anregung der Frankfurter Deutsch-Französischen Gesellschaft initiiert. Jährlich besucht ein prominenter Forscher oder eine prominente Forscherin die Universität und vertieft aus sozialwissenschaftlicher Perspektive in Seminaren und Vorträgen Aspekte der Thematik. Namensgeber ist der in Frankfurt geborene Publizist und Politologe Alfred Grosser – ein zentraler Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Informationen: Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Daniela Wirth-Pagano, Institut für Soziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Telefon: 069/798-36660; B.Blaettel-Mink@soz.uni-frankfurt.de, wirth@soz.uni-frankfurt.de; Stefanie Römer, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, roemer@sptg.de, Telefon: 069/789889-43

Veranstaltungen

Jan 12 2016
13:52

Bürger-Universität: Diskussionsreihe „Was bleibt nach Blockupy?“ geht am 18. Januar 2016 in die letzte Runde

Im Rausch öffentlicher Vorurteile?

FRANKFURT. Die dritte und letzte Veranstaltung der Diskussionsreihe „Was bleibt nach Blockupy?“ der Frankfurter Bürger-Universität der Goethe-Universität beschäftigt sich am 18. Januar mit dem Thema „Im Rausch öffentlicher Vorurteile – Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?“ Auf dem Podium diskutieren die Publizistin und Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg, Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität, der Wirtschaftsethiker Prof. em. Karl Homann, der bis 2008 an der LMU München tätig war, sowie die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. Der Jenaer Rechtswissenschaftler Prof. Olaf Werner gibt zu Beginn der Veranstaltung einen kurzen Impuls.

Der öffentliche politische Diskurs, die Auseinandersetzung über unterschiedliche gesellschaftliche Positionen wird viel zu oft getrieben von Alarmismus. Ein (öffentliches) Urteil ist schnell gefällt, meistens noch, bevor überhaupt versucht wurde, Hintergründe und Motive zu verstehen und nachzuvollziehen. Holzschnittartig werden oft Gegensätze konstruiert und in aufgeregten öffentlichen Debatten abgearbeitet. Dieses Muster des (aufregungs- und erregungsgetriebenen) öffentlichen Diskurses war und ist bei vielen öffentlichen Debatten der jüngsten Vergangenheit  zu beobachten, zuletzt nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht.

Der Begriff des Verstehens scheint dagegen in Misskredit geraten zu sein. Aber was verbirgt sich hinter diesen Phänomenen der Verkürzung und Vorverurteilung? Eine Schwäche der Debattenkultur? Die Vorstellung, dass es da sowieso nichts zu verstehen gibt? Sind sie ein Hinweis auf einen problematischen Umgang mit Differenz oder auf ideologie- und normgeleitete Denkverbote? Oder beobachten wir einen Strukturwandel der Öffentlichkeit zu einer „Demokratie per Shitstorm“? Unter welchen Vorzeichen sollen und müssen öffentliche Aushandlungen in einer Demokratie stehen?

Die Reihe „Was bleibt nach Blockupy“ soll mit einem zeitlichen Abstand von mehr als einem halben Jahr noch einmal – mit nüchternem Blick – auf die Ereignisse vom März 2015 zurückblicken. Dabei soll es nicht nur um die Gewalt und das Spannungsverhältnis zwischen Demonstranten und Polizei gehen, sondern auch um die Politik der EZB und die Rollen der unterschiedlichen Akteure.

Der Abend findet in Kooperation mit der Europäischen St.-Norbert-Stiftung statt und der Frankfurter Rundschau. Die Moderation übernimmt nicht, wie angekündigt, ChefredakteurinBascha Mika, sondern Feuilleton-Leiter Christian Thomas.

18. Januar 2016
Frankfurter Bürger-Universität: „Was bleibt nach Blockupy?“
„Im Rausch öffentlicher Vorurteile – Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?“
Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, H IV (2. OG)           
Mertonstraße 17-21, 60325 Frankfurt am Main

Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Veranstaltungen

Jan 11 2016
15:45

Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland – Alltagsgeschichten“ gibt jungen Migranten ein Forum

Medieneinladung: Geschichten vom Einwandern

FRANKFURT. Häufig wird über sie gesprochen, doch sie selbst kommen nur selten öffentlich zu Wort: Die Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland – Alltagsgeschichten“ an der Goethe-Universität gibt jungen Einwanderern eine Stimme und ein Gesicht. Hauptschüler der Sophienschule Frankfurt-Bockenheim erzählen vom 14. Januar an in Einzelporträts ihre ganz persönliche Migrationsgeschichte. Medienvertreter sind herzlich zur Eröffnung der Ausstellung um 17.30 Uhr im Foyer des PEG-Gebäudes am Campus Westend eingeladen.

Die Idee zur Ausstellung ist im Sommer 2014 entstanden: In einem Integrationskurs der Schulsozialarbeiterin Heike Depner und des Teach First Fellow Ali Hocaoglu an der Sophienschule wurde das Buch „Unerwünscht“ vorgestellt, in dem die drei iranischen Brüder Sadinam von ihren Flucht- und Integrationserlebnissen erzählen. Neun Schülerinnen und Schüler ließen sich dadurch motivieren, über ihre eigenen Erfahrungen bei Migration und Flucht zu berichten. In Zusammenarbeit mit Anette Mönich von der „Initiative Zukunft Bockenheim“ entstanden biographische Porträts, die bereits in Bockenheim zu sehen waren. Unter den Porträtierten sind auch einige Lehrkräfte – auch Sozialarbeiterin Depner, die ursprünglich aus Rumänien stammt. Bis 28. Januar werden die Porträts am Campus Westend gezeigt.

„Diese Initiative passt gut zu den verschiedenen bereits laufenden Aktivitäten und Vorhaben zum Thema „FluchtMigration“, wie wir unser Projekt nennen“, sagt Prof. Isabell Diehm vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Die Goethe-Universität gebe damit einem pädagogischen Bereich ein Forum, der gesellschaftlich wenig Anerkennung erfährt: Die Sophienschule ist die letzte Hauptschule Hessens. Insbesondere neu eingewanderten Schülern wird hier durch Intensiv-Deutsch-Kurse die schulische und mithin Bildungsintegration erleichtert. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften will sich in Forschung und Lehre künftig noch mehr dem Themenbereich Flucht und Migration widmen. So werden seit diesem Semester zwei längerfristig konzipierte Lehrveranstaltungen angeboten, die in Kooperation mit Frankfurter Schulen und kommunalen Sozialträgern der spezifischen Qualifikation künftiger Lehrkräfte und Sozialpädagogen dienen sollen. „Mit unseren Möglichkeiten, die in Forschung, Lehre und Ausbildung liegen, wollen wir einen nachhaltigen Beitrag zur Bearbeitung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen leisten“, erklärt Prof. Diehm.

Bei der Ausstellungseröffnung am 14. Januar um 17.30 Uhr sind auch die Porträtierten anwesend. Für Medienvertreter besteht die Möglichkeit zu einem Hintergrundgespräch.

Veranstaltungen

Jan 8 2016
13:56

Diskussionsrunde zwischen Philosoph und Arzt in der Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“

Der Patient im Spannungsfeld der individualisierten Medizin

FRANKFURT. Rasche Fortschritte auf dem Gebiet der molekularen Medizin werfen neue ethische Fragen auf und verändern auch den Umgang zwischen Arzt und Patient: Hat der Patient beispielsweise ein Recht auf Nicht-Wissen? Welche Auswirkungen hat die Kenntnis, mit gewisser Wahrscheinlichkeit eine spezifische Krankheit zu bekommen, auf die Lebensqualität? In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ diskutieren am Donnerstag (14. Januar) Prof. Dr. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen, und Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark-Klinik Berlin, über ethische Probleme der individualisierten Medizin und ihre Konsequenzen für das Selbstverständnis von Patienten und für die Arzt-Patient-Beziehung. Die Moderation dieser Experten-Runde übernimmt die Wissenschaftsredakteurin des Hessischen Rundfunks, Dr. Regina Oehler.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ im Wintersemester stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Die Podiumsdiskussion beginnt um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 22, Hörsaal 2, Theodor-Stern-Kai 7.

Bevor die Experten miteinander ins Gespräch kommen werden, gibt es Vorträge der beiden Gäste: Der Philosophie-Professor Carl Friedrich Gethmann wird einerseits Fragen erörtern, die sich mit Schutz des genetischen Wissens über Individuen etwa gegenüber Versicherungen, Arbeitgebern und Biobanken beschäftigen. Andererseits wird es bei ihm u.a. um das Recht auf Nicht-Wissen gehen und darum, wie sich dieses auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirkt. Außerdem wird Gethmann Probleme betrachten, die aufgrund der durch die individualisierte Medizin gewonnenen Daten erzeugt werden: Kann unter den Bedingungen von Big Data die Anonymität von Daten noch gewährleistet werden?

Die neuen Möglichkeiten der personalisierten Medizin beschäftigen auch die Mediziner im täglichen Umgang mit den Patienten, darüber wird Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker sprechen. Nach seiner Auffassung kreiert die Flut molekularer Daten ein zunehmend mechanistisches Menschenbild, das jedoch die teilweise starken Placebo- und Nocebo-Effekte von Therapien nicht erklären kann. „Wo eine gezielte Beeinflussung aktuell nicht möglich ist, kann die Kenntnis einer Krankheitswahrscheinlichkeit einen erheblich negativen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten haben“, so Weizsäcker. Die molekularen Bioanalysen erfassten zwar nicht die Biografie, Gesamtpersönlichkeit und den sozialen Kontext eines Menschen, sie machten jedoch einen wesentlichen Teil einer persönlichen individuellen Arzt-Patienten-Beziehung aus, so der Berliner Arzt.

Die Referenten: Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann war von 1996 bis 2012 Direktor der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler und ab 2012 Professor am Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ der Universität Siegen. Gethmann ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher „Leopoldina“, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und seit 2013 auch Mitglied des Deutschen Ethikrates.

Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker arbeitete als Assistenzarzt in Freiburg in der Medizinischen Klinik II und in Zürich sowie als Postdoc am Massachusetts General Hospital in Boston (USA). Nach der Habilitation und der Facharzt-Ausbildung in Innerer Medizin und Gastroenterologie wurde er 2005 Chefarzt für Innere Medizin I der Schlosspark-Klinik in Berlin, Lehrkrankenhaus der Charité. Im Jahre 2000 erhielt er den Heinz-Kalk Award for Excellence in Hepatology Research und 2008 das Honorary Doctorate in Medicine, Medical Academy Voronezh (Russland).

Weiterer Vortrag in der Reihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“:

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität

Informationen: Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150, Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de;Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557,Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 7 2016
11:46

Marcel Beyer spricht im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen über das „blinde (blindgeweinte) Jahrhundert“. Auftakt: 12. Januar

Literatur im Dialog mit den Wissenschaften

FRANKFURT. Er ist in vielfacher Hinsicht ein Grenzgänger: Romanautor, Lyriker, Essayist und auch Journalist. Der heute in Dresden lebende Marcel Beyer war darüber hinaus an verschiedenen Opernprojekten beteiligt und pflegt einen intensiven Dialog mit den Naturwissenschaften. In seinen Frankfurter Poetikvorlesungen wird er seine poetologischen Reflexionen im Zeichen des Dialogs von Literatur, anderen Künsten und den Wissenschaften entfalten.

Frankfurter Poetikvorlesungen – Marcel Beyer: „Das blinde (blindgeweinte) Jahrhundert“
12.1., 19.1., 26.1., 2.2. und 9.2., jeweils um 18 Uhr im Hörsaalzentrum H 1&2 auf dem Campus Westend.  Abschlusslesung: 10. Februar im Literaturhaus Frankfurt.

Beyers Debütroman „Menschenfleisch“ erschien 1991. Sein zweiter Roman „Flughunde“ (1995) avancierte auch international zu einem großen Erfolg. Ebenso wie „Flughunde“ verhandelt auch „Spione“ (2000) Geschichte(n) des Dritten Reichs. Sein letzter Roman „Kaltenburg“ (2008) taucht tief in die deutsche Geschichte der letzten 70 Jahre ein. Auch seine Lyrik-Veröffentlichungen wie beispielsweise „Erdkunde“ (2002) und „Graphit“ (2014) und Erzählungen („Vergesst mich“, 2006 u. „Putins Briefkasten“, 2012) sind von einer intensiven Auseinandersetzung mit zeithistorischen Themen geprägt. In den 90er Jahren erreichte Beyer mit seinen journalistischen Texten für die einflussreiche Musikzeitschrift SPEX auch ein popaffines Publikum. Für sein Werk wurde Beyer mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis (1997), dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (2001), dem Kleist-Preis sowie dem Oskar-Pastior-Preis (beide 2014). 2012 war Beyer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim.

Weitere Informationen:

Die Poetikvorlesungen begleitet erneut eine von Wolfgang Schopf kuratierte Ausstellung im „Fenster zur Stadt“ (Restaurant Margarete, Braubachstr. 18-22), die ab dem 13. Januar zu sehen sein wird.

Die Universitätsbibliothek der Goethe-Universität hat zur aktuellen Poetikvorlesung eine „Literaturvitrine“ eingerichtet: Mit diesem Angebot können sich Interessierte Literatur von und über Marcel Beyer online erschließen. http://www.ub.uni-frankfurt.de/vitrine.html

In der aktuellen Ausgabe des UniReport stellt Prof. Achim Geisenhanslüke, Komparatist an der Goethe-Universität, den neuen Poetikdozenten Marcel Beyer vor. http://www.unireport.info/59165090/Unireport_6-15.pdf (S. 13)

Kontakt: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-32857. komfort-hein@lingua.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 6 2016
16:28

Frankfurter Wissenschaftler stellen in einer Publikation ein neues Modell zur Funktionsweise des Gehirns vor

Gehirn so zuverlässig wie ein Uhrwerk?

FRANKFURT. Unser Gehirn ist jederzeit aktiv, auch wenn wir uns ausruhen oder schlafen. Die Wissenschaft interessiert sich schon lange für diese ständige neuronale Aktivität des Gehirns, welche oft als eine Art “Hintergrundrauschen” beschrieben wird. Sie führt bei Messungen der Hirnaktivität dazu, dass die Antwort des Gehirns auf denselben sensorischen Reiz, z.B. bei mehrmaligem Betrachten desselben Bildes, jedes Mal unterschiedlich aussieht. Aber ähnelt dieses Hintergrundrauschen lediglich dem Leerlauf des Motors eines Autos, das an der Ampel auf „Grün“ wartet und so schneller losfahren kann? Oder ist diese spontane Gehirnaktivität das eigentliche Herzstück unseres Denkens, quasi das Fundament aus dem unsere höheren Hirnfunktionen erwachsen?

Um dieser Frage nachzugehen, haben Wissenschaftler des Frankfurt Institute for Advanced Studies und der Goethe-Universität Frankfurt in Kollaboration mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung und dem Ernst Strüngmann Institut ein neues Modell entwickelt. In ihrer Publikation in der international renommierten Fachzeitschrift PLoS Computational Biology schlagen die Frankfurter Wissenschaftler um Prof. Dr. Jochen Triesch und Christoph Hartmann vor, dass das Gehirn fast so zuverlässig wie ein Uhrwerk arbeitet. Damit stellen sie den gängigen Annahmen einen radikal verschiedenen Ansatz entgegen. Bisher wurde das Hintergrundrauschen in der Regel als ein rein zufälliges Verhalten des Gehirns erklärt.

Nach dem neuen Modell kommen die spontane Gehirnaktivität und die notorischen Unregelmäßigkeiten bei der Messung neuronaler Aktivität nur dadurch zustande, dass das Gehirn ständig sein inneres Bild der Welt verbessert und darauf basierend verschiedene Situationen durchspielt. Umgesetzt wird diese Vorstellung durch ein einfaches, komplett deterministisches, d.h. festenRegeln folgendes, neuronales Netzwerk. Das Netzwerk erstellt durch die Kombination verschiedener Lernmechanismen ein Modell seiner Umwelt und nutzt dieses, um ständig Vorhersagen über die Zukunft zu generieren. Wesentliche bekannte Befunde über spontane Hirnaktivität und die scheinbare Unvorhersagbarkeit neuronaler Messungen können durch die neuen Erkenntnisse ganz anders als bisher erklärt werden. Dies könnte ein wichtiger Puzzlestein zur Entschlüsselung des neuronalen Kodes sein, also der Art und Weise wie das Gehirn Informationen repräsentiert und verarbeitet.

Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) ist eine überdisziplinäre Forschungsinstitution zur theoretischen Erforschung von komplexen Strukturen in der Natur, die von der Goethe-Universität Frankfurt gegründet wurde und von öffentlichen Geldgebern, Stiftungen und Privatpersonen finanziert wird. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen neben der Hirnforschung Grundlagenforschung in Biowissenschaften, Computerwissenschaften, Chemie und Physik.

URL der Originalarbeit:
http://journals.plos.org/ploscompbiol/article?id=10.1371/journal.pcbi.1004640

Kontakt:
Prof. Dr. Jochen Triesch, Johanna Quandt Research Professor, Frankfurt Institute of Advanced Studies. Goethe Universität Frankfurt, Ruth-Moufang-Straße 1, 60438 Frankfurt am Main. Tel: (069) 798-47531; triesch@fias.uni-frankfurt.de  

Sonstige

Dez 21 2015
16:04

Erneute Ehrung für „academic experience worldwide“ / Preis der Bundeszentrale für politische Bildung für Studierende der Goethe-Uni

Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen

FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, gelten zunächst vor allem als hilfsbedürftig. Der Verein „academic experience Worldwide“ versucht, eine andere Perspektive ins Spiel zu bringen und den Blick auf die Ressourcen und die Menschlichkeit der Ankommenden zu lenken. Für den neuartigen Ansatz erhält der Verein den Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung.

Für die Initiatorinnen Merle Becker und Melusine Reimers, die beide an der Goethe-Universität studiert haben bzw. noch studieren, ist es nicht die erste Ehrung: 2015 waren sie bereits mit dem Frankfurter Bürgerpreis ausgezeichnet worden. „Die Goethe-Universität gratuliert zu diesem neuerlich wichtigen Preis und ist stolz auf die Preisträgerinnen“, sagt Vizepräsidentin und Politologie-Professorin Tanja Brühl. Die Auszeichnung sei mehr als verdient: In unzähligen Arbeitsstunden hätten Merle Becker und Melusine Reimers dazu beigetragen, die Situation nicht nur für die Geflüchteten zu verbessern.

Die Initiative will gleich drei Problemlagen lösen: Flüchtlinge leiden unter mangelnder Integration und darunter, dass sie von der Gesellschaft nicht als Menschen wahrgenommen werden. Studierenden fehlt es oft an Orientierung in ihrer akademischen Ausbildung. Und die Wirtschaft sucht dringend nach qualifizierten Fachkräften. Das so genannte Tandem-Projekt, das sich Merle Becker und Melusine Reimers ausgedacht haben, soll Abhilfe schaffen, indem Studierende in Deutschland mit Akademikern aus z.B. Syrien jeweils Zweierteams bilden. So können beide Seiten auf Augenhöhe voneinander lernen – fachlich oder sprachlich-kulturell –, und am Ende steht im Idealfall der erfolgreiche Start ins Arbeitsleben. Weitere Angebote sind u.a. eine offene Sprechstunde für Asylsuchende, Diskussionsveranstaltungen und Coaching-Sessions. aeWorldwide betreibt zudem eigene Forschung und ist im Bereich Politikberatung und Public Affairs aktiv. Wichtig sei auch eine intensive Medienarbeit, so Merle Becker. „Wir wollen, dass die Geflüchteten wieder als Menschen wahrgenommen werden und ihre individuellen Geschichten gesehen werden“, sagt Becker, die gerade ihre Masterarbeit in Friedens- und Konfliktforschung schreibt. Deren Thema: Neokoloniale Narrative im Urteil des Hamburger Prozesses gegen somalische Piraten.

„academic experience Worldwide“, das ausschließlich ehrenamtlich getragen wird, hat sich rasch verbreitet: In Berlin, Gießen, Heidelberg, Köln/Düsseldorf, München und Pforzheim gibt es bereits Ableger oder werden gerade welche gegründet. Mit einem so großen Erfolg hatten die beiden jungen Frauen zu Beginn nicht gerechnet. „Wir stießen überall an Grenzen und auf taube Ohren“, erinnert sich Merle Becker. Inzwischen aber hat sich das Konzept bewährt und wurde anerkannt – und bereits vielfach kopiert. „Schade, dass so viele Menschen die gleichen Ziele haben, aber nicht kooperieren“, beschreibt sie ihre eigene „Entnaivisierung“. Doch die Erfolge überstrahlen alles: Wenn sich unter den Tandems echte Freundschaften bilden oder wenn Asylsuchende als Dozenten an einer Uni unterkommen etwa. Auch die Goethe-Universität habe aeWorldwide viel zu verdanken, sagt Vizepräsidentin Brühl: „Ohne aeWorldwide gäbe es das Academic Welcome Program sicher nicht in der heutigen Form. Der Ansatz, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten, entspricht auch dem Ansatz der Goethe-Uni“, so Tanja Brühl.

Der Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung würdigt das Engagement von Einzelpersonen und Gruppen, die das Grundgesetz auf kreative Weise mit Leben füllen. Die offizielle Preisverleihung findet am 23. Mai 2016 in Berlin statt, an dem das Grundgesetz 67. Geburtstag feiert.

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/59431335

Bildunterschrift: Jeder kann vom anderen etwas lernen: Begegnungen auf Augenhöhe stehen bei aeWorldwide im Fokus. Der Verein bekommt im Mai von der Bundeszentrale für politische Bildung den Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ verliehen. (Foto: Annette Etges)

Forschung

Dez 21 2015
16:01

Forscher wollen von Pflanzen und Bakterien lernen, wie sie Solarzellen verbessern können

Photosynthese mit ultrakurzen Laserpulsen erforschen

FRANKFURT. Dass man die großen biochemischen Systeme, mit denen Pflanzen Photosynthese betreiben, heute versteht, ist maßgeblich der genauen Aufklärung ihrer Struktur zu verdanken. Die dafür wichtigsten experimentellen Methoden sind an der Goethe-Universität und den Frankfurter Max-Planck-Instituten vertreten. 1988 erhielt Prof. Hartmut Michel für die Aufklärung des photosynthetischen Reaktionszentrums von Purpurbakterien den Nobelpreis für Chemie. In der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichten Physiker und Biologen über aktuelle Forschung und mögliche Anwendungen für die Solartechnologie.

Die Evolution hat über viele Millionen Jahre das Konzept der Photosynthese optimiert und an verschiedene Organismen und deren spezifische Lebensbedingungen angepasst. Die auf dem Blattgrün Chlorophyll basierenden Systeme zeichnen sich durch eine herausragende Quantenausbeute von nahezu 100 Prozent aus. Bei den Retinal-basierten Systemen, die den lichtemfpindlichen Rezeptoren im Auge verwandt sind, ist die Ausbeute mit etwa 60 Prozent etwas geringer, dafür sind Retinale aber mit ihrem Bauprinzip universell einsetzbar. Der typische Wirkungsgrad einer kommerziellen Solarzelle auf Siliziumbasis beträgt dagegen nur circa 20 Prozent.

Licht trennt Ladungen

Alle künstlichen Photovoltaik- oder biologischen Photosynthese-Systeme wandeln Licht in elektrische Energie um: Ein absorbiertes Photon transportiert einen Ladungsträger (Elektron oder Proton) und trägt damit zum Aufbau eines elektrochemischen Potenzials über die Zellmembran bei. In der künstlichen Photovoltaik kann die entstehende Spannung direkt benutzt werden, um beispielsweise ein elektrisches Gerät zu betreiben, während sie bei biologischen Organismen zur Synthese energiereicher biochemischer Verbindungen genutzt wird. Die Echtzeitbeobachtung dieser ultraschnellen, lichtinduzierten Ladungstrennung und das daraus resultierende molekulare Verständnis der Photoreaktionen in natürlichen Systemen ist ein zentrales Forschungsthema der Arbeitsgruppe von Prof. Josef Wachtveitl.

Die eigentliche Umwandlung der Lichtenergie in elektrische Energie geschieht im Reaktionszentrum. Es ist meist von ausgedehnten Antennenkomplexen umgeben, die lichtempfindliche Farbstoffe (Chromophore) enthalten. Ihre Aufgabe ist es, Licht möglichst effektiv zu absorbieren und die elektronische Anregungsenergie schnell zum Reaktionszentrum weiterzuleiten, bevor sie in Form von Fluoreszenz oder als Wärme verloren geht. Tatsächlich geschehen die Energietransferschritte ultraschnell, und zwar in wenigen Pikosekunden (das entspricht der Dauer von wenigen Molekülschwingungen).

Die eigentliche Ladungstrennung geschieht in der Zellmembran in einem mehrstufigen Prozess. Dessen Einzelschritte sind in den letzten 30 Jahren durch verschiedene experimentelle Methoden aufgeklärt worden, wobei die von der Arbeitsgruppe Wachtveitl verwendete Anreg-Abtast-Spektroskopie mit ultrakurzen Lichtimpulsen im Zeitbereich weniger Femtosekunden (das entspricht dem Zeitbereich von Elektronenbewegungen im Atom) eine zentrale Stellung einnimmt.

Alternativen zur siliziumbasierten Solarzelle

Die kommerzielle Nutzung der Ladungstrennung nach Lichtabsorption wird derzeit durch die klassischen kristallinen Halbleitersolarzellen oder Dünnschichtsolarzellen dominiert. Parallel dazu werden vielversprechende neue Konzepte zur künstlichen Photosynthese erforscht, die auf der Kombination von nanokristallinen Materialien mit Farbstoffmolekülen basieren. Hier ist das vielleicht bekannteste Beispiel die Grätzelzelle. Diese photochemische Photovoltaikzelle besteht aus einem gesinterten, porösen Film aus Titandioxid, an dem Chromophore angelagert sind, und einem Elektrolyt. Nach Lichtabsorption wird ein Elektron vom angeregten Chromophor zur TiO2-Schicht transferiert, sodass sich ein elektrisches Potenzial zwischen den beiden Elektroden aufbaut. Der Elektrolyt gleicht die Ladung des ionisierten Chromophors wieder aus, womit der Stromkreis geschlossen ist.

Die Grätzelzelle orientiert sich an der Photosynthese. Aber obwohl der primäre Elektrontransfer sogar noch schneller ist als in der Natur, gilt es, den Wirkungsgrad und die Langzeitstabilität noch zu verbessern. „Basierend auf diesem Konzept können die Materialien variiert werden“, erklärt Prof. Josef Wachtveitl vom Institut für Physikalische Chemie der Goethe-Universität. Insbesondere ist es möglich, die Chromophore durch Halbleiternanopartikel zu ersetzen, die sehr stabil gegen Photodegradation sind. „In unserer Gruppe werden aktuell Quantenpunkte auf ihre Eignung für diesen Einsatz getestet“, fügt Wachtveitl hinzu.

Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt:

Prof. Claudia Büchel: Photosynthese zwischen Überfluss und Mangel. Wie Kieselalgen sich Lichtintensitäten anpassen.

Kieselalgen können auf hocheffiziente Weise Energie aus dem Sonnenlicht gewinnen. So überleben sie selbst lange Dunkelphasen im Meer. Doch wie schützen sie sich vor zu viel Strahlung, wenn Wind und Strömung sie in seichtes Wasser oder an die Oberfläche treiben? Dahinter steckt ein cleverer Regulations-Mechanismus.

Informationen: Prof. Josef Wachtveitl, Institut für Physikalische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29351; wveitl@theochem.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Journalisten können Forschung Frankfurt kostenlos bestellen bei Helga Ott: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Dez 18 2015
11:18

Adolf Messer Stiftung unterstützt Finanzierung eines „Common Room“ auf dem Campus Riedberg mit 100.000 Euro

Weihnachtsgeschenk für Studierende

FRANKFURT. Jahrelang waren Studierende des Campus Riedberg auf der Suche nach einem Raum, in dem sie sich über Disziplingrenzen hinweg begegnen und miteinander ins Gespräch kommen können; ein Raum für Projektarbeit und neue Ideen. Jetzt ist diese Idee dank eines 100.000 € starken Engagements der Adolf Messer Stiftung Realität geworden.

Am gestrigen Donnerstagabend wurde die Adolf Messer Stiftung Lounge, wie der Raum im Riedberg-Biozentrum nun heißt, in Anwesenheit des Vorsitzenden des Stiftungsrates, Herrn Dr. von Harbou, des Ehrensenators Stefan Messer und der Präsidentin der Goethe-Universität sowie Studierenden der Naturwissenschaften feierlich eröffnet.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff sagte: „Das ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für unsere Studierenden auf dem Riedberg, über das wir uns alle sehr freuen.“

Die Adolf Messer Stiftung unterstützt die Goethe-Universität seit vielen Jahren auf besonders großzügige Weise. Insgesamt hat die Adolf Messer Stiftung die Goethe-Universität seit 1994 mit mehr als 6 Mio. Euro gefördert. Ehrensenator Stefan Messer begründet die Motivation der Stiftung so: „Es ist ein gutes Gefühl, Bildung und Forschung zu fördern. Die Entwicklung der Goethe-Universität beeindruckt mich in den letzten Jahren sehr. Sie setzt unser Stiftungsmotto – Tradition bewahren, Zukunft fördern – in idealer Weise um. Denn wir möchten Innovationskraft, wissenschaftliche Neugier und Pioniergeist honorieren – Stärken, die auch ihren Namensgeber auszeichneten.“

Zu den Aktivitäten gehören seit 1994 die jährliche Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Adolf Messer-Stiftungspreises für zukunftsweisende Projekte der Grundlagenforschung in Naturwissenschaften und Medizin sowie die nachhaltige Förderung des Fachbereichs Medizin und des Goethe-Schülerlabors für Physik. Seit 2013 ist Stefan Messer Ehrensenator der Goethe-Universität, die höchste Auszeichnung, die die Universität an verdiente Stifter vergibt.

 

Sonstige

Dez 16 2015
11:53

Über die Rolle der Beleuchtung im Film – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Vom Spiel mit dem Licht im Lichtspiel

FRANKFURT. Viel hat sich nicht geändert seit den Kindertagen des Kinos – zumindest was die Grundregeln der Beleuchtung angeht: Schon als die Bilder laufen lernten, wussten die Macher, Licht als Stilmittel einzusetzen. Welche Wirkungen mit Hilfe der Beleuchtungstechnik bis heute erzeugt werden, ist zu lesen im Beitrag des Frankfurter Filmwissenschaftlers Prof. Dr. Vinzenz Hediger, der in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ (2/2015) erschienen ist. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen befassen sich darin mit dem Thema „Licht“.

Ein Spiel von Licht und Schatten, projiziert auf eine zweidimensionale Fläche, an deren Rändern die Welt nicht abbricht, sondern ins Unendliche weitergeht: So könnte man das Medium Film beschreiben, als Dramatisierung der Übergänge vom Licht zum Schatten. Zwar hat der Film die Realität zum Gegenstand, er bedient sich jedoch verschiedener Techniken, um gewünschte Wirkungen zu erzielen – allen voran der Beleuchtungstechnik. Wie er das tut, stellt Vinzenz Hediger auf erhellende Weise dar.

Ähnlich wie bei der Musik nimmt der Zuschauer auch die Wirkung nicht bewusst wahr. Schon seit den frühen Tagen des Films besteht die Standard-Konfiguration bei der Ausleuchtung aus drei Lichtquellen, um das Gesicht der Schauspieler entsprechend sicht- und wahrnehmbar zu machen: Die Hauptquelle, das „fill light“, strahlt von vorn und stellt eine Grundhelligkeit her, das „back light“ strahlt den Schauspieler von hinten an und erzeugt eine Art Lichtkranz. Je bedeutender die Rolle, desto intensiver strahlt dieses Licht. Von ähnlicher Bedeutung ist das „key light“, das einen Lichtglanz in die Pupille des Schauspielers setzt. Gut belegen lässt sich die unterschiedliche Beleuchtung von Haupt- und Nebendarstellung anhand des Filmklassikers „Casablanca‘“. Darüber hinaus herrschen in unterschiedlichen Filmgenres verschiedene Beleuchtungsstile vor: Eine hohe Grundhelligkeit und ein geringer Schattenwurf unterstreichen die heitere Grundstimmung von Komödien und Märchenfilmen, im Gegenzug verstärkt eine Beleuchtungstechnik, die auf dunkle Töne setzt und Plastizität durch Schatten erreicht, eine eher düstere Grundstimmung wie in Kriminalfilmen oder Tragödien.

Vinzenz Hediger (46) ist seit 2011 Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität. Er hat in Zürich Philosophie, Amerikanistik und Filmwissenschaft studiert und neben seinem Studium als Filmkritiker und Medienjournalist gearbeitet. Vor seiner Berufung nach Frankfurt hatte er den Krupp-Stiftungslehrstuhl für Theorie und Geschichte bilddokumentarischer Foren an der Ruhr-Universität Bochum inne. Zuletzt von ihm erschienen: „Essays zur Filmphilosophie“ (München: Fink; gemeinsam mit Lorenz Engell, Oliver Fahle und Christiane Voss).

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-32079, E-Mail: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

Mit der Bedeutung des Lichts im Theater beschäftigen sich zwei weitere Beiträge in „Forschung Frankfurt“ 2/2015:

* Bernd Zegowitz: „Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht“ – Licht und Schatten im (Musik-)Theater der Vormoderne

* Mayte Zimmermann: Ist es das Licht, das gefangen hält? Vom übersehenen Theaterlicht

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

 

Forschung

Dez 15 2015
12:57

Zentrale Organisationseinheit im Unternehmen verbessert den Erfolg / Externe Berater keine große Hilfe

Mehrheit aller Übernahmen scheitert

FRANKFURT. Die Mehrheit aller Unternehmensübernahmen und -fusionen scheitert. Dies erklärt Prof. Dr. Lars Schweizer in einem Interview im aktuellen Newsletter des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Exakte Zahlen ließen sich zwar schwer ermitteln, es sei jedoch im Durchschnitt davon auszugehen, dass mindestens jede zweite Übernahme scheitere. Je nach Herangehensweise einer Messung zeigten sich sogar Misserfolgsquoten von bis zu 70 Prozent. Etwas besser würden kleinere Unternehmen abschneiden, bei denen die Transaktion in der Regel weniger komplex sei. Grenzüberschreitende Übernahmen seien dagegen grundsätzlich problematisch, was Schweizer auf die größere Distanz und die kulturellen Unterschiede zurückführt.

Schweizer hat in einer aktuellen Publikation untersucht, wie Unternehmen bei M&A-Aktivitäten („Mergers & Acquisitions“) erfolgreicher sein können. Danach zeigt sich, dass Unternehmen, in denen ein zentral aufgehängtes internes Team den Übernahmeprozess von Anfang bis Ende begleitet, erfolgreicher sind als solche, wo sich mehrere Abteilungen die Arbeit teilten. Letzteres sei jedoch noch recht weit verbreitet. „Oft entwickeln die einen die Strategie, die anderen nehmen die Bewertung vor, wieder andere kümmern sich um die Integration. Da gehen viele Informationen an den Schnittstellen verloren und zudem wird der nächste Schritt oft nicht mitgedacht“, so Schweizer.

Keine große Hilfe sind nach seinen Ergebnissen externe M&A-Berater. Diese könnten Übernahmeprozesse zwar durchaus managen, ihnen fehle aber in der Regel das interne Know-How, um die Transaktion langfristig erfolgreich umzusetzen. Meist seien die Berater in der Integrationsphase auch gar nicht mehr beteiligt. „Daher heißt es gerne, dass M&A in der Beratersprache für ‚Machen und Abhauen‘ steht, während es für das Unternehmen heißt: ‚Machen und Ausbaden‘.“

Link zum Interview: http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/de/forschung/forschung-aktuell/details/article/machen-und-ausbaden.html

Informationen: Prof. Dr. Lars Schweizer, E-Mail: l.schweizer@em.uni-frankfurt.de, Tel: 069 798 34832

Sonstige

Dez 14 2015
11:10

PR-Magazin testet Kommunikationsabteilungen von 140 Unternehmen, Verbänden, Parteien und Hochschulen

Goethe-Uni mit „erstklassiger“ Kommunikationsleistung

FRANKFURT. Die Abteilung Marketing und Kommunikation der Goethe-Universität hat nach ihrer Nominierung zum Deutschen Preis für Hochschulkommunikation von ZEIT, HRK und Bosch-Stiftung im November 2015 einen weiteren Erfolg errungen: Das PR-Magazin hat im Dezember die Leistungsfähigkeit von Hochschulpressestellen getestet. Dabei ging es u.a. um Reaktionsschnelligkeit und Auskunftsqualität bei Medienanfragen. Die Goethe-Universität errang unter den zehn getesteten Abteilungen deutscher Hochschulen Platz 2 (186 von 200 möglichen Bewertungspunkten) und damit die bestmögliche Bewertung „erstklassig“.

Auch im Vergleich von insgesamt 140 Unternehmen, Verbänden, Parteien und Organisationen in Deutschland schneidet die Goethe-Universität mit Platz 8 sehr gut ab. Bewertet wurden dabei auch renommierte Unternehmen wie Apple, Samsung, SAP, Bugatti und Hugo Boss. Das Ranking des PR-Magazins ermöglicht erstmals einen Leistungsvergleich von Kommunikationsabteilungen über Branchengrenzen hinweg.

http://www.prmagazin.de/meinung-analyse/hintergrund/pressestellentest-gesamtranking.html

Forschung

Dez 14 2015
10:38

Über die Funktion der Inneren Uhr und die Zusammenhänge von Licht und seelischen Erkrankungen

Warnleuchte: Warum die Nutzung von Smartphone und Laptops am Abend für ADHS-Patienten riskant ist

FRANKFURT.Unsere biologische Uhr muss täglich neu gestellt werden, um den  inneren Rhythmus von ungefähr 24 Stunden mit dem Rhythmus der Außenwelt zu synchronisieren. Licht spielt in diesem komplexen Prozess eine besondere Rolle. Ist die Innere Uhr falsch getaktet, kann dies gravierende Folgen haben: Schlaf- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, aber auch Veränderungen des Immunsystems sowie vermehrter Konsum von Genussmitteln. Über die Funktion der Inneren Uhr berichtet in der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ der Neurobiologe Prof. Dr. Horst-Werner Korf, während sich die Psychiater Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard in ihrem Beitrag mit den Zusammenhängen zwischen Licht und seelischen Erkrankungen beschäftigen.

Lichtreize, welche die Innere Uhr takten, werden in erster Linie von circadianen Photorezeptoren wahrgenommen, die den Sehfarbstoff Melanopsin enthalten und erst vor 20 Jahren entdeckt wurden. Während die klassischen Photorezeptoren der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen,   uns die Orientierung im Raum ermöglichen, dienen die circadianen Photorezeptoren der Orientierung in der Zeit. Sie liegen in der Tiefe der Netzhaut und vermitteln Informationen über die Umgebungshelligkeit an die Hauptuhr im Gehirn, die in den „bilateral angeordneten suprachiasmatischen Kernen“, kurz „SCN“, verortet ist. Hier tickt ein molekulares Uhrwerk: „Im Zentrum steht ein Ensemble von Uhrengenen, die in sogenannten transkriptional-translationalen Rückkopplungsschleifen interagieren. Ihre Proteinprodukte sind hemmende oder aktivierende Transkriptionsfaktoren, die Gene an- oder abschalten“, erläutert Korf, Direktor der Dr. Senckenbergischen Anatomie und des Chronomedizinschen Instituts. Inzwischen konnten mehr als 3000 Gene identifiziert werden, die unter Kontrolle dieses Uhrwerks stehen.

Besonders sensibel reagieren die circadianen Photorezeptoren übrigens auf das Licht im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums. „Deshalb können Menschen, die spät am Abend vor Smartphone, Tablet oder Laptop sitzen, häufig schlecht schlafen“, ergänzt der Neurobiologe. Besonders nachteilige Folgen zeigt der Gebrauch dieser Geräte am Abend bei Menschen, die unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Patienten eine genetische Veranlagung zu einer leicht veränderten molekularen Uhr haben. „Wird diese dann noch zusätzlich durch Beleuchtungsmuster – wie das blaue Licht – desynchronisiert, führt dies über noch unbekannte Mechanismen zur Erkrankung,“ so Andreas Reif, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uni-Klinikums. „Deshalb gilt: bei ADHS haben iPhone & Co nachts Pause!“

Licht ist gut für die Seele, dies ist die gängige Auffassung; doch ganz so einfach ist es nicht, wie schon das ADHS-Beispiel zeigt. Saisonale Stimmungsschwankungen werden häufig als „Winterdepression“ bezeichnet. Zwar lässt sich ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle erkennen: So leiden fast 10 Prozent der in Alaska Lebenden an dieser Depression, in Florida sind es dagegen nur 1,5 Prozent. Aber vielleicht hatten die Menschen, die im Norden leben, deshalb eine höhere Anfälligkeit, weil ihr genetisches Risiko für Stimmungserkrankungen in einer Region mit geringerer Sonnenscheindauer eher zur Ausprägung kommen kann. So haben der Dresdner Psychiater Prof. Michael Bauer und sein Team in diesem Jahr herausgefunden, dass auch weniger Sonnenscheindauer am Geburtsort zu einer früheren Ersterkrankung bei bipolar affektiven Störungen (früher „manisch-depressive Erkrankung“) führen kann. Weitere Untersuchungen, an denen auch das Team von Prof. Reif beteiligt war, belegen die These, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ersterkrankungsalter bei bipolaren Störungen und der regionalen Sonneneinstrahlung gibt.

Die aufhellende Wirkung des Lichts zeigt bei saisonaler Depression gute Wirkung: Als „therapeutisches Licht“ wird eine helle Lichtquelle (10.000 Lux) circa 30 Minuten bei offenen Augen angewendet. „Auch bei nichtsaisonaler Depression zeigt die ‚Bright Light Therapy‘ eine gute Wirkung. Allerdings gibt es hier noch zu wenige Studien“, sagt die Psychiaterin und Neurologin Dr. Christine Reif-Leonhard. Unter Frankfurter Leitung startet im nächsten Jahr ein internationales Forschungskonsortium, um den therapeutischen Effekt von Licht bei ADHS weiter zu untersuchen.

Informationen: Prof. Dr. Horst-Werner Korf, Dr. Senckenbergischen Anatomie und Dr. Senckenbergisches Chronomedizinschen Institut, Fachbereich Medizin, Tel. 069/6301 6040, Korf@em.uni-frankfurt.de; Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum, Campus Niederrad, Tel. 069/6301-5222, andreas.reif@kgu.de, christine.reif-leonhard@kgu.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, die sich mit ganz unterschiedlichen Facetten des Lichts beschäftigt, können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Dez 11 2015
13:00

Goethe-Universität Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz rücken noch enger zusammen.

RMU - Allianz der Rhein-Main-Universitäten

MAINZ/FRANKFURT/DARMSTADT. Die Präsidenten der Technischen Universität Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt haben eine länderübergreifende Rahmenvereinbarung zur noch  intensiveren Zusammenarbeit unterzeichnet. In dieser strategischen Allianz mit rund 107.400 Studierenden, 1.440 Professuren und aktuell mehr als 70 Kooperationen werden die drei Rhein-Main-Universitäten ihre bereits bestehende Zusammenarbeit in Forschung, Lehre, wissenschaftlicher Weiterbildung und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses weiter ausbauen und nachhaltig etablieren. Die Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützen das Vorhaben.

Mit dem nun abgeschlossenen trilateralen Abkommen wollen die drei Rhein-Main-Universitäten ihre Stärken gezielt bündeln, die komplementären Profile gemeinsam weiterentwickeln und die Studienmöglichkeiten für ihre Studierenden erweitern. Als zentrale wissenschaftliche Akteure wollen sie die Entwicklung der Wissenschaftsregion Rhein-Main insgesamt befördern und deren internationale Sichtbarkeit und Attraktivität stärken. Das Rhein-Main-Gebiet positioniert sich mit den Rhein-Main-Universitäten als leistungsstarker Wissenschaftsstandort: Nach den Zahlen des jüngsten
Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gehören die drei Rhein-Main-Universitäten gemeinsam hinsichtlich ihrer Drittmitteleinwerbung in den zentralen Wissenschaftsbereichen sowie hinsichtlich der gesamten Drittmitteleinwerbung von über 450 Millionen Euro pro Jahr zu den fünf führenden Wissenschaftsregionen Deutschlands. Mit 31 ERC-Förderungen – den höchstdotierten Förderpreisen der EU – hat der Europäische Forschungsrat (ERC) von 2007 bis 2013 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Darmstadt, Frankfurt und Mainz ausgezeichnet.

Vier Exzellenzcluster, drei Exzellenzgraduiertenschulen und 27 Sonderforschungsbereiche der DFG belegen eindrucksvoll die Forschungsleistung der drei Universitäten. Hierbei spielt die enge Zusammenarbeit mit den 20 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Akademien in der Rhein-Main-Region eine wichtige Rolle.

Dazu der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Mit dieser Kooperation über Ländergrenzen hinweg heben wir eine wissenschaftspolitische Innovation aus der Taufe. Die angestrebte Zusammenarbeit in Lehre, Studium, Forschung, Administration sowie Strukturentwicklung halte ich für ausgesprochen gelungen und danke den drei Universitäten für ihre Initiative. Dank der neuen Kooperation geben wir der positiven Entwicklung der Wissenschaftsregion Rhein-Main einen weiteren Schub.“

Die rheinland-pfälzische Landesregierung begrüßt die Initiative der drei Universitäten ebenfalls ausdrücklich. „Die verstärkte Kooperation bietet hervorragende Chancen, einen noch leistungsfähigeren Bildungs-, Innovations- und Forschungsraum zu schaffen. Dadurch wird das Rhein-Main-Gebiet, das als wirtschaftliches Zentrum bereits zu den Global Playern zählt, national und international auch als Wissenschaftsregion noch stärker sichtbar und es kann leichter gelingen, noch mehr kluge Köpfe hierher zu holen und hier zu halten“, betont die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Vera Reiß.


Über 70 Projekte und fächerspezifische Verbünde

Bereits im Jahr 2004 wurde die erste Rahmenvereinbarung zwischen den Universitäten Frankfurt und Mainz unterschrieben; seither sind auch jeweils bilaterale Abkommen mit der TU Darmstadt abgeschlossen worden. Die drei Universitäten haben inzwischen in mehr als 70 Projekten und fächerspezifischen Verbünden reichlich Kooperationserfahrung gesammelt. Es gibt gemeinsam getragene Exzellenzcluster, Sonderforschungsbereiche, Studiengänge, Akademienprojekte und Graduiertenkollegs, die kooperierenden Fächer reichen von Politikwissenschaft bis Kernphysik und von Neurobiologie bis Informatik. Die bearbeiteten Themen kommen aus dem gesamten Spektrum der Disziplinen der Rhein-Main-Universitäten – von der Medizin über die Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften bis zu den Ingenieurwissenschaften.

TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel: „Hier schließen sich Partner zusammen, die sich bereits gut kennen und zueinander passen – international renommierte Forschungsuniversitäten in  der Region Rhein-Main, einander ergänzende Fächerspektren, erfolgreich entwickelte Kooperationen. Die neue Rahmenvereinbarung eröffnet viele neue Chancen, um für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Studierenden einen Zusatznutzen zu schaffen.“ TU-Präsident Prömel hebt auch weitere gemeinsame Chancen und Potenziale für zukunftsträchtige Forschungsfelder hervor: „Wir können als Rhein-Main-Universitäten die großen wissenschaftlichen Herausforderungen  gezielter angehen, indem wir unsere spezifischen Stärken etwa in der Medizin und den Ingenieurwissenschaften oder in der Informatik und den Geisteswissenschaften intelligent zusammenführen.“


Geografische Lage als Standortvorteil

In der geografischen Lage der Rhein-Main-Universitäten sieht der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, einen entscheidenden Standortvorteil: „Die strategische Partnerschaft der drei Universitäten profitiert erheblich von der räumlichen Nähe der Universitätscampi und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie von der sehr gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur der Region Rhein-Main. Kurze
Wege von einer guten halben Stunde per Auto oder S-Bahn zwischen den jeweiligen Universitäten erleichtern den Austausch von Wissen inmitten einer der bedeutendsten deutschen Metropolregionen – und das über Ländergrenzen hinweg. Damit herrschen in der Rhein-Main-Region mindestens vergleichbare Standortbedingungen wie in manchen Großstädten, in denen mehrere Universitäten und außeruniversitäre Einrichtungen zwar in einer Stadt, aber oft in signifikanter räumlicher Entfernung zueinander angesiedelt sind.“


Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, sagt: „Die drei Universitäten können viel voneinander lernen und unterm Strich gemeinsam mehr erreichen als jeweils einzeln. Wir haben aber nicht nur ein natürliches Interesse an einer noch engeren Kooperation untereinander, sondern laden auch potentielle Partner aus Wissenschaft und Gesellschaft zur projektbezogenen Zusammenarbeit ein. So lassen sich die Stärken unserer Allianz noch beträchtlich erweitern.“


Mit dem trilateralen Abkommen bekräftigen die Universitäten, dass sie im Rahmen von nationalen wie internationalen Förderprogrammen gemeinsame Forschungsprojekte und strategische Verbünde beantragen  werden. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs wollen die Partneruniversitäten gemeinsame Bewerbungen um drittmittelgeförderte Graduiertenprogramme voranbringen und die Vernetzungsmöglichkeiten verbessern.

Von Vorteil ist die Rahmenvereinbarung auch für die Studierenden der drei Universitäten: Sie können die Infrastruktur – etwa die Bibliotheken – aller Universitäten nutzen; der Erwerb eines Teils der Studien- und Prüfungsleistungen an einer der anderen Universitäten soll leichter werden. Weitere gemeinsame Studiengänge der Rhein-Main-Universitäten sind geplant. Lehrende einer Universität haben die Möglichkeit, auch an einer weiteren Rhein-Main-Partneruniversität zu lehren und Prüfungen abzunehmen. Die Beschäftigten der Universitäten sollen die jeweiligen Weiterbildungsangebote verstärkt wechselseitig nutzen können.

Um die strategische Entwicklung der Partnerschaft zu befördern, haben die Präsidentin und die Präsidenten einen Initiativfonds aufgesetzt, mit dem sie neue Kooperationen gezielt anstoßen wollen. Zugleich ermuntern sie Fachbereiche und Einrichtungen ihrer Universitäten, weitere Felder der Zusammenarbeit  zu erschließen. 

 

Weitere Informationen:

 

Daten und Fakten: http://www.uni-mainz.de/downloads_presse/RMU_daten_fakten.jpg
Geografische Lage: http://www.uni-mainz.de/downloads_presse/RMU_geografische_lage.jpg

 

Ansprechpartner

Jörg Feuck, Leiter Corporate Communications. Technische Universität Darmstadt, Karolinenplatz 5,64289 Darmstadt. Telefon +49 (0)6151 16-20018; E-Mail: feuck@pvw.tu-darmstadt.de


Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Marketing und Kommunikation, Pressesprecher des Präsidiums. Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main. Telefon +49 (0)69 798 13035; E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de


Petra Giegerich, Leiterin Kommunikation und Presse. Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 55099 Mainz. Telefon +49 (0)6131 39-20047;
E-Mail: petra.giegerich@uni-mainz.de

Personalia/Preise

Dez 11 2015
10:18

Tandem-Projekt zum „Forschenden Lernen“ ausgezeichnet

Guter Unterricht ist, wenn Theorie und Praxis sich verbinden

FRANKFURT. Ein sicheres Rezept für guten Unterricht – das würden viele Lehrende in spe sich wünschen. Doch die Arbeit mit Schülern ist ein komplexes Geschehen, dessen Mechanismen derjenige besser versteht, der sich in wissenschaftlichen Theorien auskennt. Theorie und Praxis stärker miteinander zu verkoppeln, das hat sich ein gemeinsames Vorhaben der Goethe-Universität und der Universität Bremen zum Ziel gesetzt. Das „Tandem-Projekt“ der Fachdidaktik-Professorinnen Daniela Elsner (Frankfurt) und Sabine Doff (Bremen) sind vom Deutschen Stifterverband mit einem Tandem-Fellowship ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

„Interuniversitäres Gesamtcurriculum ‚Forschendes Lernen‘ im Lehramt Englisch“ – so lautet der Titelt des Projekts der beiden Englisch-Didaktikerinnen, das sich in den nächsten drei Jahren mit der Frage beschäftigen soll, wie Forschendes Lernen künftig stärker in der Universität verankert werden kann. „Beim Forschenden Lernen geht es darum, dass die Studierenden in den Lehramtsfächern eine fragende Haltung entwickeln“, erklärt Daniela Elsner. Es gehe eben nicht darum, ein allgemeingültiges Unterrichtsrezept zu vermitteln. Künftige Lehrer müssten wissen, warum in bestimmten Situationen bestimmte Konzepte besser funktionieren und andere nicht. „Am besten begreift man Theorien, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat“, ist Elsner überzeugt. Bislang seien Theorie und Praxis der Lehrerausbildung oft nicht ausreichend miteinander verkoppelt.

Daniela Elsners Studenten befassten sich zum Beispiel jüngst damit, wie man Eltern den Einsatz von Comics und Graphic Novels im Englischunterricht schmackhaft machen kann. „Die Argumente, die eher intuitiv geäußert wurden, haben die ‚Eltern‘ nicht überzeugt. Erst als die ‚Lehrer‘ evidenzbasierte Argumente aus der Forschung brachten, ergab sich ein Umdenken.“ In einem anderen Projekt lernen Studierende im realen bilingualen Unterricht, wie das aus der Theorie bekannte „Scaffolding“ – also die Unterstützung des Lernprozesses durch Hilfestellungen wie Umformulierungen oder Bilder – von Lehrern praktisch umgesetzt wird.

In das Tandem-Projekt mit Bremen sollen auch die Studierenden einbezogen werden: Es soll gemeinsame Projekte geben, ein Symposion im Mai, ein Onlinetutorial ist geplant. Letztlich sollen davon aber nicht nur die Englischdidaktiker profitieren: Das Curriculum, das Orientierung geben soll, an welcher Stelle im Studium das Forschende Lernen besonders wichtig ist, sollte auch für andere Fachbereiche fruchtbar werden. Dafür, so Elsner, sei man auch im Gespräch mit den Erziehungswissenschaften.    

Prof. Daniela Elsner (44) wechselte 2010 von der Universität Vechta an die Goethe-Universität. Sie leitet die Abteilung Didaktik und Sprachlehrforschung am Institut für England- und Amerikastudien. Zudem ist sie stellvertretende Direktorin in der ABL (Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung der Goethe Universität). Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Mehrsprachigkeitsdidaktik. Bereits 2014 erhielt Elsner für ihre innovative Lehre den Ars legendi-Preis von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Stifterverband. Ein Jahr lang war sie im Lehren-Projekt des Stifterverbandes involviert, das sich mit Qualitätsverbesserungen in der Lehre befasst. Hier hat sich die Kooperation mit Bremen bereits angebahnt.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft setzt sich für bessere Bildung, effiziente Wissenschaft und smarte Innovationen in Deutschland ein. Mitglied können sowohl Unternehmen, Stiftungen und Organisationen als auch Privatpersonen werden. Der Mitgliedsbeitrag für Unternehmen und Institutionen beträgt jährlich mindestens 1.000 Euro. Privatpersonen sind mit mindestens 200 Euro im Jahr dabei.