​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Okt 21 2020
14:44

​Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie zeichnet Biochemiker Christian Münch von der Goethe-Universität aus

Wissenschaftspreis für Erforschung von Zellstress

Für seine Forschungsarbeiten zu den Stressantworten von Zellen wurde jetzt Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität mit dem diesjährigen Binder Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie ausgezeichnet. Mit neuen, selbst entwickelten Verfahren beobachten Christian Münch und sein Team, wie Zellen auf Stress reagieren, etwa auf die Infektion mit SARS-CoV-2-Viren oder auf Fehlfaltung von Proteinen, die in neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer vorkommt. Der Preis wird am 10. November bei einer Online-Veranstaltung der Gesellschaft verliehen.

FRANKFURT. Wenn das SARS-CoV-2-Virus eine menschliche Zelle infiziert, setzt diese verschiedene Abwehrmechanismen in Gang. Gleichzeitig beginnt das Virus, die Zelle auf die Herstellung neuer Virenpartikel hin umzuprogrammieren und dafür zu sorgen, dass die Abwehr der Zelle unterlaufen werden kann. Der Biochemiker Dr. Christian Münch hat zur Beobachtung solch schneller und komplexer Prozesse eine besondere Form der Massenspektrometrie entwickelt, die so genannte mePROD-Methode. Mit ihr lässt sich die Menge und Herstellungsrate von tausenden Proteinen bestimmen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zelle befinden.

Im Fall von SARS-CoV-2 konnten so potenzielle Angriffspunkte für Wirkstoffe entdeckt werden, die in der Zellkultur auf verschiedenen Wegen die Virusvermehrung reduzierten oder stoppten, darunter 2-Deoxy-D-Glukose, Ribavirin, Sorafenib, Pictilisib, Omipalisib und RO5126766. Mehrere dieser und verwandter Wirkstoffe werden mittlerweile in klinischen Studien getestet.

In weiteren Forschungsarbeiten befassen sich Christian Münch und sein Team mit neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer. In den Nervenzellen solcher Patienten sind Proteinfaltungsprozesse gestört, was zu Fehlfunktionen und schließlich zum Absterben der Zellen führt. Münchs Forschungen untersuchen die Zellantwort auf diesen Stress, insbesondere hinsichtlich veränderter Proteinherstellungsraten und der Auswirkungen auf Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle.

Der Binder Innovationspreis wird seit 1998 jährlich von der Deutschen Gesellschaft für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Zellbiologie verliehen und ist mit 4.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Binder GmbH gestiftet, einem weltweit aktiven Spezialisten für Simulationsschränke für wissenschaftliche und industrielle Labore.

Dr. Christian Münch studierte Biochemie an der Universität Tübingen und den Max-Planck-Instituten in Martinsried und Tübingen. Er promovierte an der University of Cambridge über defekte Proteinfaltung bei der amyotrophen Lateralsklerose. Danach untersuchte er als Postdoc an der Harvard Medical School die Auswirkungen falsch gefalteter Proteine in Mitochondrien. Seit 2016 arbeitet er als unabhängiger Gruppenleiter im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt.


Jüngste Forschungsmeldungen über Dr. Christian Münchs Arbeiten:

Detaillierter Einblick in die gestresste Zelle
https://www.muk.uni-frankfurt.de/83972844/Detaillierter_Einblick_in_die_gestresste_Zelle

Blockade zellulärer Kommunikation stoppt SARS-CoV-2

https://www.muk.uni-frankfurt.de/91312082/Blockade_zellul%C3%A4rer_Kommunikation_stoppt_SARS_CoV_2

Frankfurter Forscher entdecken Ansatzpunkte für COVID-19-Therapie

https://www.muk.uni-frankfurt.de/88372211/Frankfurter_Forscher_entdecken_Ansatzpunkte_f%C3%BCr_COVID_19_Therapie

 
Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93374838

Bildtext:
Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Christian Münch
Leiter der Forschergruppe Münch
Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (0) 69 6301 6599,
ch.muench@em.uni-frankfurt.de
http://pqc.biochem2.de

 

Okt 21 2020
13:59

​Interdisziplinäres Zentrum ICIR an der Goethe-Universität wird bis 2025 weiter gefördert

Rückenstärkung für Versicherungsforschung

FRANKFURT. Die Goethe-Universität wird als Zentrum der Versicherungsforschung weiter gestärkt: Das International Center for Insurance Regulation (ICIR), das seit 2010 als interdisziplinäres Zentrum der Goethe-Universität im House of Finance tätig ist, kann seine Arbeit fortsetzen. Die Geldgeber, der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft und das Land Hessen, haben Fördermittel für weitere fünf Jahre zugesagt.

Was wird aus unserer Altersvorsorge angesichts des demographischen Wandels? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Versicherungsbereich und dessen Regulierung aus? Mit solchen Fragen wird sich das ICIR in den nächsten fünf Jahren weiter beschäftigen. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 steht es für international sichtbare Forschung im Bereich Versicherung und Versicherungsregulierung. Hier wird Grundlagenforschung im Zusammenspiel der beteiligten Disziplinen betrieben, aber auch angewandte Forschung und Politikberatung. Ein wichtiger Teilbereich der ICIR-Forschung ist dabei die wissenschaftliche Begleitung der Versicherungsregulierung „Solvency II“, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der in Frankfurt ansässigen europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA.

Durch exzellente Lehre im Themenbereich Versicherung und Regulierung in BA- und MA-Programmen werden Nachwuchskräfte für Regulierungs- und Aufsichtsbehörden sowie die Versicherungswirtschaft ausgebildet. Das ICIR fördert zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der frühen Berufsphase und setzt sich für den Austausch zwischen Wissenschaft, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, der Versicherungswirtschaft und der Gesellschaft ein – nicht zuletzt mit Hilfe von internationalen Veranstaltungsformaten wie jüngst dem „Digital Policy Forum“ oder der großen internationalen Konferenz zu „Global Insurance Supervision“.

Statements zum ICIR

Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität: „Das ICIR ist ein zentraler Zweig interdisziplinärer Forschung im House of Finance der Goethe-Universität. Durch die Forschung am ICIR und die Vernetzung mit den Regulierungsbehörden und der Praxis werden drängende aktuelle Fragestellungen des Versicherungswesens und der Regulierung schnell und effizient in Angriff genommen.“

Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst: „Der Finanzplatz Frankfurt ist ein wichtiges Zentrum der europäischen Finanzwelt: Hier sitzen Organisationen wie die Europäische Zentralbank oder die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA, die die Finanzmärkte regulieren und beaufsichtigen. Wir als Hessische Landesregierung setzen uns dafür ein, diese Institutionen mit den wissenschaftlichen Einrichtungen Frankfurts zu vernetzen. Das ‚International Center for Insurance Regulation' bereichert mit internationaler Spitzenforschung die Regulierungsdebatte – auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes: Angesichts zunehmender Unwetterereignisse wird auch der Klimawandel zum bestimmenden Thema. Das ICIR bringt sich ein, wie Geschäftsmodelle der Versicherungsbranche im Sinne der Nachhaltigkeit weiterentwickelt und zukunftsfester gemacht werden können.“

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV): „Die Förderung der versicherungswissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses ist den deutschen Versicherern sehr wichtig. Wir leben in einer zunehmend komplexen Welt, in der die Versicherungswirtschaft im Austausch mit der Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag zum Umgang mit den neuen Risiken leisten kann. Angesichts zahlreicher Herausforderungen wie der Nachhaltigkeit, der Cybersicherheit, oder der zahlreichen Gefahren für die Finanzstabilität braucht es Grundlagenforschung mit einem klaren Praxisbezug. Hier sehen wir das ICIR weiterhin sehr gut aufgestellt.“

Prof. Dr. Wolfram Wrabetz, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für den Versicherungsbereich: „Die wissenschaftliche Begleitung des Versicherungsaufsichts-Regimes Solvency II durch das in der EU einmalige ICIR, dessen Fortbestand jetzt für die nächsten Jahre gesichert werden konnte, ist für Millionen von Versicherten in ganz Europa von großer unmittelbarer Bedeutung und unterstreicht die finanzwissenschaftliche Kompetenz der Goethe-Universität Frankfurt am Sitz der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA.“

Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director ICIR: „Ich freue mich sehr auf die kommenden fünf Jahre im ICIR. Durch unsere Forschung und den internationalen Austausch wollen wir weiterhin wichtige Themenfelder wie aktuell den Einfluss der Covid-19-Krise auf die Versicherungswirtschaft bearbeiten und nachhaltige Lösungsvorschläge unterbreiten. Den Förderern des ICIR danke ich ganz herzlich für ihr Vertrauen in unsere Arbeit.“

Prof. Dr. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs 01 – Rechtswissenschaft: „Der Fachbereich Rechtswissenschaft freut sich, das ICIR für den wichtigen Bereich des Rechtsrahmens der Versicherungsregulierung, gefördert durch eine halbe Doktorandenstelle, auch zukünftig zu unterstützen.“

Prof. Dr. Raimond Maurer, Fachbereich 02 – Wirtschaftswissenschaften: „Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und ich persönlich freuen uns sehr darüber, dass die erfolgreiche Arbeit des International Center for Insurance Regulation ICIR auch in den kommenden fünf Jahren fortgeführt werden kann. Am Standort der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA wird das ICIR die Fortentwicklung der europäischen Versicherungsregulierung weiterhin wissenschaftlich fundiert begleiten. Ich danke den Sponsoren ganz herzlich für das Vertrauen, das sie mit der Weiterfinanzierung des ICIR der Goethe-Universität entgegenbringen.“


Informationen: Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director International Center for Insurance Regulation, Fachbereich 02, House of Finance, Telefon +49 69 798 33690, E-Mail gruendl@finance.uni-frankfurt.de

 

Okt 20 2020
13:07

Überwiegend digitale Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Region

Frankfurter Bürger-Universität startet mit neuem Programm ins Wintersemester

Die Goethe-Universität gibt Impulse an die Menschen in der Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger wiederum besuchen die Universität. Diese Idee eines Dialogs zwischen Universität und Stadt ist in Pandemiezeiten schwer umzusetzen. Und dennoch: Die Frankfurter Bürger-Universität bietet für das Wintersemester ein – überwiegend digitales – Programm an.  

FRANKFURT. Sie ist noch etwas schmal, aber sie ist wieder da: die Bürger-Universität, also Veranstaltungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Region anbieten. Nach einem Semester pandemiebedingt „ohne“ ist sie ein Zeichen dafür, dass die Universität wieder vorsichtig in die Öffentlichkeit zurückkehrt und mit den Bürgerinnen und Bürgern Kontakt aufnimmt.

Vieles geht unter Pandemiebedingungen nicht – und manches geht eben doch. So kann sich das teils prominent besetzte Programm des Wintersemesters sehen lassen. Es spannt einen weiten Bogen von der Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen zu Perspektiven der Sozialdemokratie, vom Theater und der Krise der Demokratie bis hin zur Poetikvorlesung Monika Rincks, von naturwissenschaftlichen Fragen an das Anthropozän bis zu Campusführungen (in Präsenz!) und Ausstellungen wie etwa im Museum Giersch. Angeboten werden Ringvorlesungen etwa zur deutschen Literaturgeschichte, zur „Intersektionalität“ im feministischen Diskurs und zur „Erblast Mission“ für das Christentum oder Kolloquien zu Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus.

Manche Veranstaltungen knüpfen unmittelbar an die gegenwärtige Situation an: Sie fragen etwa, wie wichtig mathematische Modelle für das Verständnis von Viren und Epidemien sind. Andere greifen nicht weniger dringliche Fragen unserer Gesellschaft auf: Sie stellen sozial-ökologische Überlegungen zum „Planet Plastik“ an, fragen nach der Machtverschiebung durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz, welches Theater die Stadt braucht und wie bedeutend eine Konfliktkultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Die meisten Veranstaltungen sind digital geplant, etwa per Zoom und Youtube, oder sie finden parallel mit einer stark beschränkten Präsenz bei gleichzeitig digitalem Zugang statt. Unter den gegebenen Pandemiebedingungen sind zudem Programmänderungen möglich. Interessierte sollten sich deshalb vorab unter den jeweiligen Kontaktadressen informieren: Findet die Veranstaltung wie geplant statt, und in welcher Weise ist eine Teilnahme möglich?

Das Programm der Frankfurter Bürger-Universität liegt an einschlägigen Stellen in der Stadt aus und ist auf der Webseite der Universität einsehbar unter: https://www.buerger.uni-frankfurt.de/93061156.pdf

Informationen: Abteilung PR & Kommunikation, Pia Barth, Tel. 069/798-12481, p.barth@em.uni-frankfurt.de.

 

Okt 19 2020
15:53

Vortragsreihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität zur Zukunft der linken Volksparteien 

Was ist los mit der europäischen Sozialdemokratie?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität setzt seine Reihe „Perspektiven der Sozialdemokratie in Europa“ fort mit einem Vortrag der Frankfurter Politologin Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher. Sie spricht

am Mittwoch, 21. Oktober, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

über das Thema „Warum nicht alle SPD wählen (obwohl sie es könnten). Wählerentwicklung und soziale Bindungskraft der Sozialdemokratie seit 1949“.

Sigrid Roßteutscher ist Professorin für Soziologie und Politikwissenschaft am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung, als Projektleiterin der Studie „German Longitudinal Election Study“ (GLES) und in ihren Publikationen befasst sie sich seit vielen Jahren insbesondere mit dem Wahlverhalten in Deutschland und Europa.

In ganz Europa verlieren die sozialdemokratischen und die demokratischen

sozialistischen Parteien seit einigen Jahren dramatisch an Wählergunst. Zugleich erzielen neue politische Bewegungen, häufig rechtspopulistische Parteien, große

Stimmengewinne. Dieses Phänomen hat in den unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedliche historische, kulturelle, gesellschaftliche und politische Ursachen, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Die Vortragsreihe analysiert aus einer vergleichenden Perspektive die Gründe für diese Entwicklung und wirft die Frage auf, ob insbesondere das transnationale Zusammenwirken innerhalb der Europäischen Union für die Sozialdemokratie eine Chance bietet, zu einer neuen Rolle und Stärke zu gelangen. Die Frage könnte sich auch den anderen demokratischen Parteien und Bewegungen in Europa über kurz oder lang mit Vehemenz stellen.

Die Reihe, die im Juli mit einem Vortrag von Franz Voves gestartet wurde, ehemals Landeshauptmann der Steiermark und Landesvorsitzender der SPÖ Steiermark, wird wissenschaftlich geleitet von Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Philosophieprofessor an der Goethe-Universität, Prof. Dr. Pierre Monnet, Leiter des Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA) und Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität, sowie Prof. Dr. Hans-Jürgen Puhle, Emeritus der Politikwissenschaft an der Goethe-Universität.

Die Termine

21.10.2020
Sigrid Roßteutscher, Goethe-Universität
„Warum nicht alle SPD wählen (obwohl sie es könnten).
Wählerentwicklung und soziale Bindungskraft der Sozialdemokratie seit 1949“

04.11.2020
Hans-Jürgen Puhle, Goethe-Universität
„Was kommt nach den ‚Volksparteien'?
Zum Strukturwandel von Parteien, Öffentlichkeit und Demokratie“

25.11.2020
Wolfgang Schroeder, Universität Kassel und WZB
„Was ist noch übrig von der alten SPD?
Eine Post-Arbeiterpartei sucht ihren Platz im Parteienwettbewerb“

16.12.2020
Wolfgang Merkel, Humboldt-Universität zu Berlin und WZB, Berlin
„Varieties of Decline: Ende der Sozialdemokratie?“

20.01.2021
Gérard Grunberg, Sciences Po und CNRS, Paris
„Der Zusammenbruch des französischen Sozialismus:
strukturelle und konjunkturelle Ursachen“ (in französischer Sprache mit deutscher Zusammenfassung)

Die Vorträge finden jeweils mittwochs um 19 Uhr statt. Eine Fortsetzung der Reihe ist geplant.

Anmeldung: Die üblichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden bei unseren Veranstaltungen beachtet: Maske, Abstand, Belüftung der Räume. Außerdem ist die Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung per Email (anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de ) und gegen Vorlage einer Teilnahmebestätigung möglich. Ihre Anmeldung kann nur berücksichtig werden, wenn Sie Ihre vollständige Adresse mit Telefonnummer angeben.

Informationen:
Beate Sutterlüty
b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Telefon 06172 13977-0
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Okt 19 2020
14:29

Die Universität widmet ihren Stiftertag dem Stifterehepaar Karin und Carlo Giersch 

Goethe-Universität ehrt die Stiftung Giersch

FRANKFURT. Stiftungstag ist Ehrentag: Am 18. Oktober, dem Tag, an dem die Stiftungsuniversität Frankfurt gegründet wurde, ehrt sie ihre Stifterinnen und Stifter. In diesem Jahr sollen Ehrensenatorin Karin Giersch und Ehrensenator Carlo Giersch gebührend gefeiert werden – für das langjährige Engagement ihrer Stiftung Giersch für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie die Förderung medizinischer Projekte. Mit Rücksicht auf die zugespitzte Pandemiesituation wurde die Veranstaltung nun kurzfristig abgesagt; sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Geehrt aber wird schon jetzt: Die Universität verdankt der Stiftung Giersch eine breit aufgefächerte, langfristige, nachhaltige und großzügige Förderung. „Vom Schulkind bis zum ausgewiesenen Wissenschaftler“, hat Prof. h.c. Carlo Giersch einmal das knapp formuliert, was dem Stifterpaar ein Anliegen ist: schon bei jungen Menschen, etwa durch das Schülerlabor Physik, Interesse an der Wissenschaft zu wecken und deren wissenschaftliche Ausbildung zu fördern. Mehr als 700 Mal hat die Stiftung Giersch Deutschlandstipendien für Studierende vergeben – gemeinsam an der Goethe-Universität, der TU Darmstadt und der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Idee der „generationsübergreifenden Förderkette“ setzt die Stiftung weiterhin um mit Stipendien für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, zahlreichen Preisen und Stiftungsprofessuren.

Die Stiftung Giersch stemmt aber auch langfristige Bauprojekte für die Goethe-Universität: Im Giersch Science Center hat das naturwissenschaftlich-interdisziplinäre Frankfurt Institute for Advanced Studies eine Heimat gefunden. Das privat finanzierte Museum Giersch erhielt die Goethe-Universität für 30 Jahre zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2014. Und die Villa Giersch dient der Goethe-Universität nach ihrer Schenkung als Gästehaus.

Auch am Universitätsklinikum setzt sich die Stiftung ein: Sie fördert etwa Kunsttherapie für krebskranke Patienten und Angehörige am Centrum für Tumorerkrankungen.

Inzwischen hat die Stiftung Giersch die Goethe-Universität mit einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag gefördert und gehört so zu den bedeutendsten Förderern der Goethe-Universität.

„Die Auszeichnung der Goethe-Universität wissen wir in besonderem Maße zu schätzen“, erklärt Carlo Giersch. „Schon seit der Gründung unserer ersten Stiftung 1990 ist uns die Wissenschaftsförderung ein besonderes Anliegen. Mit unseren Stiftungen möchten wir junge Talente auf ihrem Weg unterstützen. Wir glauben daran, dass unsere Stiftungsarbeit eine lohnenswerte Investition in die Zukunft ist.“

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff äußert dazu: „Was uns neben der immensen Großzügigkeit von Karin und Carlo Giersch immer wieder beeindruckt und auch bewegt, ist ihr Interesse an den Menschen, die sie fördern. Sie wollen ihre Gesichter sehen und ihre Geschichten hören. Es ist auch dieses persönliche Interesse, das unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders motiviert und uns als Universität einen Impuls für die Weiterentwicklung von Forschungsexzellenz gibt.“

Das Vermögen der Stifter stammt zu großen Teilen aus dem Verkauf von Spoerle Electronics im Jahr 2000. Den international operierenden Konzern hatte das Paar, als Gärtnersohn und Metzgerstochter aus einfachen Verhältnissen kommend, über Jahrzehnte aufgebaut.


Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93254824

Bildtext: „Wir möchten junge Talente auf ihrem Weg unterstützen“: das Stifterehepaar Karin und Carlo Giersch (Foto: Uwe Dettmar, Goethe-Universität Frankfurt)

 

Okt 16 2020
14:00

​Ringvorlesung an der Goethe-Uni befasst sich mit „interdisziplinären Perspektiven auf gegenwärtige Herausforderungen“

Erblast Mission?

FRANKFURT. Unter dem Titel „Erblast ‚Mission'? Interdisziplinäre Perspektiven auf gegenwärtige Herausforderungen“ befasst sich eine Ringvorlesung an der Goethe-Universität mit der Geschichte und den Folgen der Missionstätigkeit europäischer Christen in fernen Ländern. Den Auftakt macht am

Dienstag, 20. Oktober, 18 Uhr c.t.
im Hörsaal 3 im Hörsaalzentrum (Campus Westend)

Prof. Dr. Thomas Söding von der Ruhr-Universität Bochum. Der Neutestamentler spricht über das Thema „Mitgift Mission. Die Dynamik des Anfangs und die Dialektik der Glaubenskommunikation“.

Mission war in allen Epochen der Christentumsgeschichte ein zentraler Auftrag, der mit den neutestamentlichen Schriften legitimiert wurde: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ heißt es im Markus-Evangelium (Mk 16,15). Zahlreiche religiöse Gemeinschaften und Orden verschrieben sich ganz der Missionstätigkeit in fernen Ländern. Jedoch weist die Geschichte der Mission zahlreiche Veränderungen und Missbräuche auf, die nicht selten zu Deformationen der christlichen Glaubensverkündigung führten: Aus der Frohbotschaft wurde eine Drohbotschaft; die Freiheit eines Christenmenschen wurde durch Zwang eingeschränkt; anstatt der Nächstenliebe herrschte nicht selten das Gebot der Intoleranz und Macht. Die Verwobenheit von Politik, wirtschaftlichen Interessen und missionarischem Tun verkehrten die Botschaft des Evangeliums häufig zu deren Gegenteil.

Mit Blick auf diese ambivalente Geschichte stellt sich die Frage, ob die Mission der Kirchen und damit vor allem das Wirken der Missionsorden und -gemeinschaften nicht eine Erblast für die eigentliche Botschaft des Christentums im 21. Jahrhundert darstellt, von der man sich notwendigerweise befreien muss. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichts- und Rechtswissenschaft, Soziologie, Kulturanthropologie und Theologie gehen diesen Fragen in einer Ringvorlesung im Wintersemester 2020/2021 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main nach. In ihren Vorträgen hinterfragen sie diese These, suchen nach Beispielen für diese „Erblast“, erläutern deren Schwere und benennen die Herausforderungen für Wissenschaft, Gesellschaft und Kirche in Gegenwart und Zukunft.

Wer nicht persönlich auf dem Campus anwesend sein kann oder will, kann die Ringvorlesung auch über YOUTUBE live verfolgen oder auf dem Kanal „Kirchengeschichte FB 07 GU Frankfurt“ als Aufzeichnung nachschauen: https://www.youtube.com/channel/UCo_50NZJvbjFuToHJ2jltAA.

Im Sommer werden die Vorträge in der Reihe „Klosterwelten. Religiöses Leben seit der Frühen Neuzeit“ im Aschendorff Verlag publiziert.

 
Die Termine

20. Oktober 2020
Prof. Dr. Thomas Söding, Bochum
Mitgift Mission. Die Dynamik des Anfangs und die Dialektik der Glaubenskommunikation

03. November 2020
Prof.'in Dr. Manuela Boatca, Freiburg
Barbaren ohne Glauben und Völker ohne Religion: Die Konstruktion religiöser Andersheiten zwischen Kolonialität und Imperialität

17. November 2020
Prof. Dr. Michael Droege, Tübingen
Mission und die Religionsverfassung der Deutschen Kolonien

01. Dezember 2020
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Reinhard, Freiburg
Mission im Wandel

15. Dezember 2020
Prof.'in Dr. Simone Rappel, München
„Es ist vorteilhaft für sie, unterworfen zu werden.“
Friedensethische Herausforderungen nach der Kolonialzeit



12. Januar 2021
Prof.'in Dr. Karoline Noack, Bonn
Alles kolonial? Ethnologische Provenienzforschung in Sammlungen aus Lateinamerika in Museen und universitären Sammlungen

26. Januar 2021
PD Dr. Richard Hölzl, Göttingen
Propaganda und Wahrheit“ – oder: wie missionarische Medienarbeit die europäische Sicht auf die Welt geformt und verformt hat

09. Februar 2021
Prof.'in Dr. Margit Eckholt, Osnabrück
Von „Kontaktzonen“ und „dritten Räumen“: Mission in befreiungstheologischen und dekolonialen Perspektiven neu denken

Alle Vorträge finden um 18 Uhr c.t. in Hörsaal 3 im Hörsaalzentrum am Campus Westend statt.


Weitere Informationen:
Paula Paschke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Professur für Kirchengeschichte
paschke@stud.uni-frankfurt.de


Das Plakat zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/92873373.pdf

 

Okt 16 2020
13:43

​Projekt „ReScript“ an der Goethe-Universität bietet spezielle Psychotherapie für Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind

Innere Bilder sollen Traumafolgen abmildern

Menschen auf der Flucht sind oft vielfach traumatisiert. An der Goethe-Universität wird eine neue Therapiemethode erprobt. Sie setzt auf die Kraft innerer Bilder.
 
FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind, haben oftmals traumatische Erfahrungen gemacht. Albträume, immer wiederkehrendes inneres Durchleben des Traumas, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schreckhaftigkeit, Angst und andere intensiv negative Gefühle können die Folge sein. Dies sind Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), für die Betroffenen sind sie mit hohem Leidensdruck verbunden.
 
Viele geflüchtete Menschen benötigen daher dringend psychotherapeutische Hilfe, wegen hoher Barrieren bleibt diese jedoch oft aus. Ein Projekt, das an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität angesiedelt ist, soll den Betroffenen neue Perspektiven geben: Unter dem Namen „Brief Imagery Rescripting for Posttraumatic Stress Disorder in Refugees“ (ReScript) erforscht ein Team unter der Leitung von Apl. Prof. Dr. Regina Steil (Frankfurt), Prof. Thomas Ehring (München) und Prof. Nexhmedin Morina (Münster) die Möglichkeiten einer innovativen Behandlungsform für traumatisierte geflüchtete Menschen. Bei dieser Methode wird die Kraft von inneren Vorstellungsbildern genutzt, die die Patientinnen und Patienten mit Unterstützung der Therapeutin entwickeln, um die Belastung durch die schlimmen Erinnerungen zu senken. Auch die Universität Marburg ist beteiligt (Dr. Cornelia Weise, Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes). Der Erfolg dieses Behandlungsansatzes konnte bereits mehrfach nachgewiesen werden. Die Behandlung wird von den Krankenkassen finanziert und findet ambulant mit insgesamt zehn Terminen à 100 Minuten statt. Bei Bedarf wird sie dolmetschergestützt durchgeführt.
 
Insgesamt sollen 90 Betroffene in Frankfurt, Marburg, Münster und München in das Projekt aufgenommen werden. Sie werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhält die neue Behandlungsform, die andere Gruppe wird bei der Suche nach Angeboten der Regelversorgung unterstützt. Auf diese Weise erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Gewissheit über die Wirksamkeit der neuen Behandlung zu erhalten.
 
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungsverbünde zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen“ mit rund 1,03 Millionen Euro gefördert. (https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/forschungsverbunde-zur-psychischen-gesundheit-gefluchteter-menschen-8798.php)
 
Im Rahmen des Forschungsprojekts werden in Frankfurt ab sofort Therapieplätze für Menschen ab 18 Jahren, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet und an einer Traumafolgestörung leiden, angeboten.
 
 
Kontakt für Patientinnen und Patienten:
Julia Reuter, M.Sc. Psych.
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität
Telefon: 069 798 25374
E-Mail: rescript@zpt-gu.de
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Franziska Lechner-Meichsner, Dipl.-Psych.
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität
Telefon: 069 798 23909 (dienstags und donnerstags)
E-Mail: meichsner@psych.uni-frankfurt.de

 

Okt 16 2020
10:06

Physiker aus Frankfurt, Hamburg und Berlin verfolgen Ausbreitung von Licht im Wasserstoff-Molekül

Zepto-Sekunden: Neuer Weltrekord in Kurzzeit-Messung

Im weltweiten Wettlauf um die Messung der kürzesten Zeitspanne liegen jetzt Physikerinnen und Physiker der Goethe-Universität Frankfurt vorn. Zusammen mit Kollegen des Beschleunigerzentrums DESY in Hamburg und des Fritz-Haber-Instituts in Berlin haben sie erstmals einen Vorgang vermessen, der im Bereich von Zeptosekunden liegt: die Ausbreitung von Licht innerhalb eines Moleküls. Eine Zeptosekunde ist ein Billionstel einer Milliardstel Sekunde (10-21 Sekunden).

FRANKFURT. Für die Vermessung der Geschwindigkeit, in der Moleküle schwingen, erhielt der ägyptische Chemiker Ahmed Zewail 1999 den Nobelpreis. Mithilfe von ultrakurzen Laserblitzen begründete er die Femtochemie: Wenn sich chemische Bindungen bilden und zerbrechen, geschieht das im Bereich von Femtosekunden. Eine Femtosekunde entspricht 0,000000000000001 Sekunden oder 10-15 Sekunden.

Atomphysiker der Goethe-Universität um Prof. Reinhard Dörner haben jetzt erstmals einen Vorgang untersucht, der noch um Größenordnungen kürzer ist als Femtosekunden: Sie vermaßen, wie lange es dauert, bis ein Lichtteilchen (Photon) ein Wasserstoffmolekül durchquert hat, nämlich etwa 247 Zeptosekunden bei der durchschnittlichen Bindungslänge des Moleküls. Dies ist die kürzeste Zeitspanne, die bisher gemessen werden konnte.

Die Zeitmessung nahmen die Wissenschaftler an Wasserstoff-Molekülen (H2) vor, die sie mit Röntgenlicht der Röntgenstrahlungsquelle PETRA III am Hamburger Beschleunigerzentrum DESY bestrahlten. Die Energie der Röntgenstrahlen stellten die Forscher so ein, dass ein Photon genügte, um beide Elektronen kurz hintereinander aus dem Wasserstoff-Molekül herauszuschlagen.

Elektronen verhalten sich gleichzeitig wie Teilchen und Wellen, und so entstanden beim Herausschlagen des ersten Elektrons kurz hintereinander erst bei dem einen und dann bei dem zweiten Atom des Wasserstoffmoleküle Elektronenwellen, die sich überlagerten.

Dabei wirkte das Photon wie ein flacher Kieselstein, den man zweimal über das Wasser hüpfen lässt: Die Wellen der ersten und zweiten Wasserberührung löschen sich gegenseitig aus, wo ein Wellental auf einen Wellenberg trifft: Es entsteht ein sogenanntes Interferenzmuster.

Das Interferenzmuster des ersten herausgeschlagenen Elektrons vermaßen die Wissenschaftler mit dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop, das Dörner mitentwickelt hat und das ultraschnelle Reaktionsprozesse von Atomen und Molekülen sichtbar machen kann. Gleichzeitig mit dem Interferenzmuster konnte mit dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop bestimmt werden, in welcher Orientierung sich das Wasserstoff-Molekül befunden hatte. Hier machten es sich die Forscher zunutze, dass das zweite Elektron ebenfalls das Wasserstoffmolekül verließ und so die verbliebenen Wasserstoffkerne auseinanderflogen und detektiert werden konnten.

„Da wir die räumliche Orientierung des Wasserstoffmoleküls kannten, konnten wir aus der Interferenz der beiden Elektronenwellen sehr genau errechnen, wann das Photon das erste und wann es das zweite Wasserstoffatom erreicht hatte“, erklärt Sven Grundmann, auf dessen Doktorarbeit der wissenschaftliche Aufsatz in Science beruht. „Und das sind bis zu 247 Zeptosekunden, je nachdem, wie weit die beiden Atome im Molekül gerade aus Sicht des Lichts voneinander entfernt waren.“

Prof. Reinhard Dörner erläutert: „Was wir jetzt erstmals beobachten konnten ist, dass die Elektronenhülle in einem Molekül nicht überall gleichzeitig auf Licht reagiert. Die Zeitverzögerung kommt dadurch zustande, dass sich die Information im Moleküle eben nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Damit haben wir unsere COLTRIMS-Technologie um eine weitere Anwendung erweitert.“


Publikation: Sven Grundmann, Daniel Trabert, Kilian Fehre, Nico Strenger, Andreas Pier, Leon Kaiser, Max Kircher, Miriam Weller, Sebastian Eckart, Lothar Ph. H. Schmidt, Florian Trinter, Till Jahnke, Markus S. Schöffler, Reinhard Dörner: Zeptosecond Birth Time Delay in Molecular Photoionization. Science https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.abb9318

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/93157222

Bildtext: Schematische Darstellung der Zeptosekunden Messung. Das Photon (gelb, von links kommend) erzeugt aus der Elektronenwolke (grau) des Wasserstoffmoleküls (rot: Atomkerne) heraus Elektronenwellen, die interferieren (Interferenzmuster: violett-weiß). Das Interferenzmuster ist ein wenig nach rechts verzerrt, woraus sich ausrechnen lässt, wie lange das Photon von einem Atom zum anderen benötigt hat. (Bild: Sven Grundmann, Goethe-Universität Frankfurt)

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Reinhard Dörner
Institut für Kernphysik
Tel. +49 (0)69 798 47003
doerner@atom.uni-frankfurt.de
https://www.atom.uni-frankfurt.de/

 

Okt 15 2020
10:21

GO-Bio-initial-Unterstützung für Nachwuchsforscher

Entwicklung neuartiger Impfstoffe: Gründerteam der Goethe-Universität erhält Förderung des Bundes

Mithilfe des Trägerstoffs Dodecin wollen zwei junge Chemiker der Goethe-Universität hoch wirksame Impfstoffe entwickeln. Für die Entwicklung ihrer Idee zu einem Produkt erhalten die Nachwuchswissenschaftler Fördergelder aus dem GO Bio initial Programm des Bundesforschungsministeriums.

FRANKFURT. Die Entwicklung von Impfstoffen gilt als eine der größten Errungenschaften moderner Medizin, auf der aktuell die größten Hoffnungen im weltweiten Kampf gegen die Covid-19-Pandemie ruhen – so wie einst bei der Bekämpfung von Polio, Pocken oder Masern. Krankheiten, die nur dank der Entwicklung wirksamer Impfstoffe heute keine signifikante Bedrohung mehr darstellen.

Dem Gründerteam aus der Goethe-Universität, Dr. Alexander Rittner und Florian Bourdeaux, ist es nun gelungen, Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einzuwerben, um im Rahmen des GO-Bio initial Programms neuartige Impfstoffe für den Markt zu entwickeln. Im Fokus ihres Projekts EpiXII steht das Protein Dodecin, das als Antigen-Träger für Vakzine genutzt werden soll. Unterstützt wird das Gründerteam hierbei von der Wissenstransfergesellschaft der Goethe-Universität, Innovectis, sowie dem Gründungszentrum Unibator.

Klassische Vakzine basieren auf toten oder abgeschwächten (attenuierten) Pathogenen, die im Körper eine Immunantwort provozieren und damit vor späteren Infektionen mit dem echten Pathogen schützen. Neue Impfstofftypen, wie zum Beispiel die Peptid-Vakzine, verwenden nur noch einzelne Proteine oder gar Proteinfragmente eines Pathogens für die Impfung. Dadurch sind sie sehr sicher und können auch in ganz anderen Anwendungsbereichen genutzt werden, etwa in der Allergie- oder der Krebstherapie. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie die Information über das Pathogen in den Körper des Geimpften gelangen kann und eine spezifische Immunantwort ausgelöst wird.

Hier setzen Rittner und Bourdeaux an: Sie wollen mit Dodecin als Antigen-Träger neue Impfstoffe entwickeln, die flächendeckend angewendet werden können. Hierbei soll die Kopplung der spezifischen Peptidsequenzen an das Trägerprotein Dodecin zu sehr hoher Immunogenität führen und dabei zusätzlich die Herstellungs- und Lagerkosten drastisch senken. Dodecin-Träger sollen als innovative Plattform für hochwirksame klinische Impfstoffe etabliert werden. Weitere Anwendungsgebiete finden sich in der Tierzucht, um dort eine nachhaltige und kostengünstige Alternative zum Einsatz von Antibiotika zu schaffen.

Nun geht das Gründerteam erste Schritte aus der Wissenschaft in die Welt der Unternehmer, um Dodecinimpfstoffe auf den Markt zu bringen. Im Unibator erhalten sie die Möglichkeit, an ihrem Businessmodell zu arbeiten und sich ein Netzwerk aus möglichen Kooperationspartnern und Investoren aufzubauen. Mit den bewilligten Fördermitteln werden die rechtlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmensgründung gestaltet, um die Technologie schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen.


Publikation: Bourdeaux, F.; Kopp, Y.; Lautenschläger, J.; Gößner, I.; Besir, H.; Vabulas, R. M.; Grininger, M. Dodecin as Carrier Protein for Immunizations and Bioengineering Applications. Scientific Reports 2020, 10 (1), 13297

Weitere Informationen
Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Alexander Rittner
rittner@chemie.uni-frankfurt.de

Florian Bourdeaux
bourdeaux@chemie.uni-frankfurt.de

Innovectis / Unibator
Dr. Kirstin Schilling
Stellvertretende Geschäftsführerin
kirstin.schilling@innovectis.de

 

Okt 14 2020
13:26

Deutsch-amerikanisches 3-Jahres-Projekt untersucht Biologie des LRRK2-Gens 

Goethe-Universität an 7,2 Millionen-Dollar-Projekt zur Parkinson-Forschung beteiligt

FRANKFURT. Bis zu 10 Prozent der Parkinson-Erkrankungen lassen sich auf Veränderungen im LRRK2-Gen zurückführen. Fünf Wissenschaftler-Teams der University of California in San Diego, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Konstanz wollen in den nächsten Jahren aufklären, wie Mutationen im LRRK2-Gen die Parkinson-Krankheit auslösen und welche möglichen Angriffspunkte es für Medikamente gibt. Dazu hat die US-amerikanische „Aligning Science Across Parkinson's“-Initiative umgerechnet rund 6,1 Millionen Euro bereitgestellt. 

In den frühen 2000er-Jahren wurde entdeckt, dass ein bestimmtes Enzym namens LRRK2 in vielen Parkinson-Kranken mutiert ist und offenbar eine wichtige Rolle in fünf bis zehn Prozent des vererbten und ein bis fünf Prozent des spontan auftretenden Morbus Parkinson spielt. LRRK2 ist ein Enzym, das in der menschlichen Zelle Phosphatgruppen an andere Proteine hängt und in den Gehirnzellen betroffener Parkinsonpatienten viel aktiver ist als normal, wodurch es Transportprozesse in der Zelle blockiert. Viele Hemmstoffe gegen das LRRK2-Enzym wurden in der Vergangenheit bereits getestet, hatten aber zu hohe Nebenwirkungen oder waren nicht ausreichend effektiv.

Die fünf Teams aus den USA und Deutschland wollen jetzt Funktionsweise und Struktur des LRRK2-Enzyms in der Zelle in allen Details aufklären und damit die Grundlage für die zielgerichtete Herstellung von Hemmstoffen schaffen. Eine erste dreidimensionale Struktur des LRRK2 Proteins wurde von dem Forschung Team gerade in der Fachzeitschrift Nature publiziert.  Die von Michael J. Fox-Stiftung getragene „Aligning Science Across Parkinson's“-Initiative unterstützt das Projekt finanziell.

Ko-Projektleiter Stefan Knapp, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität, erläutert: „Durch Vergleiche des bei Parkinsonpatienten mutierten LRRK2 mit normalem LRRK2 möchten wir herausfinden, welche Aufgaben LRRK2 in der Zelle übernimmt, wie sich das Enzym dreidimensional bewegt und verändert und wie das mutierte LRRK2 zum Absterben der Nervenzellen beiträgt. Während die Expertise der Kollegen in den USA in verschiedenen Bildgebungsmethoden liegt, werden wir in Frankfurt Sonden entwickeln, mit deren Hilfe LRRK2 in den Zellen lokalisiert werden kann, und künstliche LRRK2-Varianten herstellen, die beim Verständnis der dreidimensionalen Struktur helfen.“

Ko-Projektleiter Florian Stengel, Professor für Zelluläre Proteostase an der Universität Konstanz, sagt: „Wir hier in Konstanz wollen in diesem Projekt die zellulären Interaktionspartner von LRRK2 identifizieren. Damit können wir unser Bild von LRRK2 komplettieren und so ermöglichen, ein Medikament gegen die Form des Morbus Parkinson zu entwickeln.“

Publikation zur ersten dreidimensionalen Struktur des LKKR2-Proteins: C K Deniston, J Salogiannis, S Mathea, D M Snead, I Lahiri, M Matyszewski, O Donosa, R Watanabe, J Böhning, A K Shiau, S Knapp, E Villa, S L Reck-Peterson, A E Leschziner. Structure of LRRK2 in Parkinson's disease and model for microtubule interaction. Nature. 2020 Aug 19 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32814344/

Bild: www.uni-frankfurt.de/92946466

Bildtext: Prof. Dr. Stefan Knapp, Institut für Pharmazeutische Chemie, Goethe-Universität Frankfurt (Foto: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 69 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Florian Stengel
Fachbereich Biologie / Laboratory of Cellular Proteostasis and Mass Spectrometry
Universität Konstanz
Tel: +49 7531 88-5172
florian.stengel@uni-konstanz.de

 

Okt 13 2020
16:27

Zoom-Veranstaltung: Vertreter von Wissenschaft und Politik diskutieren über die Folgen der US-Wahlen für die europäische Politik

Europäisch-amerikanische Partnerschaft vor dem Wendepunkt?

FRANKFURT. Seit 2015 sind in den USA die Normen der liberalen Demokratie unter Beschuss geraten. Staatliche Institutionen werden verunglimpft, internationale Verträge aufgekündigt. Selbst die Legitimität demokratischer Wahlen wird unterminiert. Diesem Angriff auf die Demokratie seitens der Regierung der ältesten modernen Demokratie der Welt ist ein Prozess der politischen Polarisierung vorausgegangen. Von den politischen Eliten geschürt, hat die Polarisierung mittlerweile die breite Bevölkerung erfasst. Einig scheinen sich Amerikaner nur in einem zu sein: die Demokratie steckt in der Krise.

Diese innenpolitischen Turbulenzen der USA stellen die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft in Frage. Und dennoch: Ohne eine solide Arbeitsbeziehung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ist ein starkes Bündnis von Verteidigern einer liberalen Demokratie nicht vorstellbar. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen markieren daher einen Wendepunkt: Wie entwickelt sich die amerikanische Demokratie? Und wie lassen sich die transatlantischen Beziehungen neu gestalten?

Die europäisch-amerikanische Partnerschaft im Licht der bevorstehenden US-Wahlen ist Thema der Zoom-Veranstaltung „Rethinking the Transatlantic: The U.S. Elections and the Challenges to a Sustainable Transatlantic Partnership“ am

27. Oktober 2020
19.30 Uhr
Zoom-Veranstaltung in englische
r Sprache mit anschließender Diskussion

Auf dem virtuellen Podium diskutieren drei Experten für transatlantische Politik: Daniel Benjamin, Präsident der American Academy Berlin, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität und Direktorin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, sowie Jürgen Trittin, Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Deutschen Bundestag.

Moderiert wird die Veranstaltung von Rebecca Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Normative Ordnungen an der Goethe-Universität.

Grußworte sprechen Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sowie der Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V., Christian Schmid.  

Die virtuelle Podiumsdiskussion ist eine gemeinsame Veranstaltung der Goethe-Universität Frankfurt und des Forschungsinstituts Normative Ordnungen, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und der American Academy Berlin. Sie steht im Zusammenhang mit einem neuen inhaltlichen Schwerpunkt zu transatlantischen Beziehungen, den die Goethe-Universität und das Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg im September mit der Bad Homburg Conference 2020 initiiert haben. Konzipiert wurde der Abend von Prof. Dr. Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität und Direktoriumsmitglied am Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg.

Anmeldung:

Anmeldung über die Webseite der American Academy: https://www.americanacademy.de/event/rethinking-the-transatlantic-the-us-elections-and-the-challenges-to-a-sustainable-transatlantic-partnership/

Weitere Informationen und Kontakt:
Prof. Dr. Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität
voelz@em.uni-frankfurt.de

Elisabet Tsirkinidou, Büroleiterin der German Atlantic Association
elisabet.tsirkinidou@ata-dag.de

Dr. Berit Ebert, Leiterin Programme und Entwicklung an der American Academy
be@americanacademy.de

 

Okt 9 2020
12:08

Auftaktveranstaltung „DemokratieWagen“ von „mehr als wählen e.V.“ in Kooperation mit dem Standort Frankfurt des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt an der Goethe-Universität 

Ein StreitBus geht auf Tour

FRANKFURT. Demokratie passiert überall. Krise, Streit, Rassismus – diese und andere Themen werden nicht nur in Parlamenten verhandelt, an altehrwürdigen Orten. Demokratie passiert überall, das heißt, auch dort, wo man wohnt.

Dies Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, ist die Idee des DemokratieWagens und der gleichnamigen Auftaktveranstaltung „DemokratieWagen“

am 21. Oktober 2020
ab 9 Uhr
vor und in der Paulskirche

und

am 22. Oktober 2020
ab 10 Uhr
vor und im stadtRAUMfrankfurt
(Amt für multikulturelle Angelegenheiten).

Der DemokratieWagen ist ein 20 Meter langer Gelenkbus, den der Verein mehr als wählen e.V. gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern des interdisziplinären Ausstellungsprojekts „Making Crises Visible“ zu einem mobilen Erfahrungsraum für Demokratie umgestaltet hat. Der Bus soll Menschen zur Verfügung stehen, die sich für Demokratie und Beteiligung engagieren. Und die diese Themen in die Stadteile, vor die Haustüren der Bürgerinnen und Bürger transportieren und dort zum Mitstreiten anregen wollen.

„DemokratieWagen“ ist aber auch Motto und Ziel der zweitägigen Auftaktveranstaltung, die die Idee der Demokratie vor Ort vermitteln soll. Sie beginnt mit der Einweihung des Busses durch den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Peter Feldmann. Neben zahlreichen Workshops findet darüber hinaus eine Speakers Corner auf dem Paulsplatz zur Leitfrage statt: „Frankfurt streitet: Welche Konflikte und Krisen müssen aktuell zur Sprache gebracht werden – und wie sollen wir damit umgehen?“.

Den ersten Tag beendet die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Demokratie und Krise?“. Sie widmet sich dem Leitgedanken, dass Demokratie als unabgeschlossenes Projekt verstanden wird, das immer wieder erweitert und vertieft werden muss. In der Paulskirche diskutieren unter anderen Prof. Dr. Rainer Forst (FGZ, Goethe-Universität), Stadträtin Sylvia Weber (Dezernat Integration und Bildung), Stadtrat Mike Josef (Dezernat Planen und Wohnen), Dominik Herold (mehr als wählen e.V.) und Mirrianne Mahn (Initiative Schwarze Menschen Deutschland).

Den Abschluss von „DemokratieWagen“ bildet am zweiten Tag die Podiumsveranstaltung im stadtRAUMfrankfurt: „Wie rassistisch ist unsere demokratische Gesellschaft? Welche Strukturen prägen unser Verhalten? Was kann man dagegen tun? Und wie solidarisieren wir uns mit Opfern rechter Gewalt und rechten Hasses?“ – mit diesen Fragen setzen sich auseinander unter anderen Harpreet Cholia (Initiative 19. Februar Hanau), Eleonore Wiedenroth-Coulybaly (Initiative Schwarze Menschen Deutschland), Katharina Liesenberg (mehr als wählen e.V.) und Malcolm Ohanwe.

Für die Sprecherin des Frankfurter FGZ-Teilinstituts, Professorin Nicole Deitelhoff, stellt der Bus ein innovatives Format des Wissenstransfers dar. Sie wolle das Vehikel für den Austausch zwischen den Forscher*innen der Goethe-Universität und der Frankfurter Bürger*innengesellschaft und später auch bundesweit für das gesamte Institut einsetzen: „Besonders in seiner künftigen Nutzung als StreitBus wird die Bedeutung eines konstruktiven Streits für Demokratie und Zusammenhalt individuell erfahrbar“.    

Initiiert wurde das Projekt vom Verein mehr als wählen e.V. in Kooperation mit dem Teilinstitut Frankfurt des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt an der Goethe-Universität, dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF), dem interdisziplinären Ausstellungsprojekt Making Crises Visible (MCV), dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) sowie der Bildungsstätte Anne Frank (BS Anne Frank).

Weitere Informationen und Anmeldung:
www.mehralswaehlen.de/demokratiewagen/

Kontakt
„mehr als wählen e.V.“
Yannik Roscher
roscher@mehralswaehlen.de
www.mehralswaehlen.de/presse

Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Rebecca Caroline Schmidt
Admin. Geschäftsführerin
Goethe-Universität Frankfurt am Main
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 798-31401
rebecca.schmidt@normativeorders.net
www.fgz-risc.de

 

Okt 7 2020
11:05

Bei der digitalen TechConference an der Goethe-Universität diskutieren führende Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik 

Kann Technologie die Welt retten? 

FRANKFURT. Kann Künstliche Intelligenz den Klimawandel bekämpfen? Mehr noch: Ist Technologie möglicherweise der einzige Schlüssel, der drängende Probleme unserer Gesellschaft lösen kann? – eine These, die der bekannte Tech-Investor Frank Thelen in Bezug auf das Konferenz-Thema provozierend vertritt. Wie hoch ist aber der Preis, den unsere Gesellschaft für den technologischen Fortschritt zahlen muss? Kurz gesagt: Wollen wir überhaupt durch Technologie gerettet werden?

Die deutschlandweite und für Teilnehmende kostenlose Online-TechConference zu dem Thema „Can Tech Save the World?“

am 6. November


widmet sich diesen Fragen mit mehr als 20 renommierten Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaftsunternehmen, Startups und der Politik. Was Technik heute leisten kann, erklären etwa Vertreterinnen und Vertreter führender internationaler Tech-Konzerne wie Microsoft und Facebook sowie der Digitalbank ING und Lufthansa Industry Solutions. Der Technologieriese SAP wird durch den Chief Sustainability Officer Daniel Schmid vertreten. Mit Impulsvorträgen präsent sind außerdem KI-Unternehmer Chris Boos sowie Technologie-Startups wie das Münchener Unicorn Celonis, das Frankfurter Climate Change Startup „right. based on science“ und der amerikanische Open-Source Softwarehersteller RStudio.

Zur politischen und ethischen Dimension des Datenschutzes äußern sich der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Prof. Dr. Ulrich Kelber, und Prof. Dr. Judith Simon, Mitglied des Deutschen Ethikrates der Bundesregierung. Von der Goethe-Universität zugeschaltet ist der Internet-Privatsphäreforscher und Ökonom Prof. Bernd Skiera.

Veranstaltet wird die hochkarätig besetzte TechConference von der studentischen Initiative TechAcademy e.V. in Zusammenarbeit mit dem Career Service der Goethe-Universität Frankfurt und ELSA-Deutschland e.V. Sie richtet sich an Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie junge Unternehmerinnen und Unternehmer und eine interessierte Öffentlichkeit.

„Wir brauchen dringend einen ehrlichen Austausch über die Frage, welche Rolle wir technologischen Innovationen wie Künstlicher Intelligenz in unserer Gesellschaft geben wollen“, begründet Lukas Jürgensmeier aus dem TechAcademy Leitungsteam die Initiative zur TechConference. „Sind wir zu vorsichtig und misstrauisch, oder gehen wir fahrlässig mit unseren Daten um?"

Eröffnet wird die Konferenz durch ein Videostatement der Staatsministerin und Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär. Die Schirmherrschaft für die TechConference übernimmt die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Spannend ist nicht nur, was Technologie heute oder zukünftig leisten kann. Spannend ist vor allem auch, wie diese Innovationen unsere Gesellschaft verändern. Wie sie in unser Leben eingreifen. Darüber brauchen wir dringend einen interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Ich freue mich, dass die studentische Initiative TechAcademy der Goethe-Universität diese kritische Diskussion anstößt und viele relevante Akteure zusammenbringt.“

Die Konferenz wird ehrenamtlich durch die Mitglieder der studentischen Initiative TechAcademy e.V. organisiert. Bei TechAcademy können seit Sommer 2019 jedes Semester 70 Studierende aller Fächer der Goethe-Universität in einem innovativen Konzept Programmierkenntnisse in Data Science sowie Web Development lernen. Studierende aller Fachbereiche der Goethe-Universität können sich zwischen dem 12. Oktober und 13. November auf der Website tech-academy.io für das Wintersemester 2020/21 bewerben. Rund 200 Studierende haben in den drei Semestern nach Gründung das studentisch organisierte und kostenlose Programm bereits erfolgreich absolviert.

Limitierte Tickets können ab sofort kostenfrei über die Website conference.tech-academy.io reserviert werden.

Weitere Informationen:
conference.tech-academy.io

Kontakt:
Konferenzteam von TechAcademy e.V.
conference@tech-academy.io

 

Okt 6 2020
11:45

​Studie der Goethe-Universität zeigt: auch Feinstaub wird reduziert – Lüften wegen CO2 auch weiterhin erforderlich

Infektionsrisiko: Luftreiniger beseitigen 90 Prozent der Aerosole in Schulklassen

FRANKFURT. Atmosphärenforscher der Goethe-Universität Frankfurt haben herausgefunden, dass Luftreiniger der Filterklasse HEPA (H13) die Aerosolkonzentration in einem Klassenzimmer in einer halben Stunde um 90 Prozent senken können. Weil damit das Risiko einer Aerosolinfektion mit dem SARS-CoV-2 Virus deutlich verringert wird, empfehlen die Wissenschaftler das Aufstellen entsprechender Luftreiniger in Klassenräumen. Die Lärmbelastung durch den Reiniger beurteilten Schüler und Lehrer überwiegend als nicht störend. Die Studie wurde als Preprint veröffentlicht, vor der Publikation in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. (https://doi.org/10.1101/2020.10.02.20205633)
 
Der gefährlichste Infektionsweg des SARS-CoV-2-Virus geht über die Luft: Beim Niesen oder Husten etwa schleudern Infizierte verhältnismäßig große Tröpfchen von sich, die allerdings im Umkreis von zwei Metern zu Boden sinken. Wichtig sind auch die Aerosolpartikel, viel kleinere Flüssigkeitströpfchen, die wir auch beim Sprechen oder Atmen absondern. Studien zeigen, dass infektiöse SARS-CoV-2-Viren in solchen Aerosolen auch mehr als drei Stunden nach der Emission noch nachgewiesen werden können und dies mehrere Meter weit entfernt von Patienten. Die Flüssigkeit in solchen Aerosolpartikeln verdampft schnell, wodurch sie kleiner werden und sich innerhalb von wenigen Minuten in einem Raum ausbreiten können.
 
Joachim Curtius, Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung an der Goethe-Universität Frankfurt, hat zusammen mit seinem Team eine Woche lang vier Luftreiniger in einer Schulklasse mit Lehrern und 27 Schülern getestet. Die Luftreiniger verfügten über einen einfachen Vorfilter für groben Staub und Flusen sowie über einen HEPA- und einen Aktivkohlefilter. Die Luftreiniger setzten zusammen zwischen 760 und 1460 Kubikmeter Luft pro Stunde um. Neben der Aerosolbelastung bestimmten die Wissenschaftler die Feinstaubmenge und die CO2-Konzentration und untersuchten die Lärmbelastung durch das Gerät. Das Ergebnis: 30 Minuten nach dem Anschalten hatte der Luftreiniger 90 Prozent der Aerosole aus der Luft entfernt.
 
Prof. Curtius erklärt: „Auf Basis unserer Messdaten haben wir eine Modellrechnung angestellt, anhand der sich abschätzen lässt: Ein Luftreiniger reduziert die Menge an Aerosolen so stark, dass in einem geschlossenen Raum auch die Ansteckungsgefahr durch eine hoch infektiöse Person, einen Superspreader, sehr deutlich reduziert würde. Deshalb empfehlen wir den Schulen in diesem Winter den Einsatz von HEPA-Luftreinigern mit einem ausreichend hohen Luftdurchsatz.“
 
Lärmmessungen und eine Umfrage unter den Schülern und Lehrern ergaben, dass das Geräusch des Luftreinigers überwiegend als nicht störend empfunden wurde, sofern das Gerät nicht auf höchster Stufe lief.
 
Neben der Infektionsgefahr senkte der Luftreiniger noch die Allergen- und Feinstaubbelastung, maßen die Forscher. Joachim Curtius: „Ein Luftfilter ersetzt allerdings nicht das regelmäßige Öffnen des Fensters, wodurch die CO2-Konzentration im Raum wieder gesenkt wird. Unsere Messungen in den Klassenzimmern haben gezeigt, dass die Werte häufig über den empfohlenen Grenzwerten lagen. Hier empfehlen wir die Installation von CO2-Sensoren, damit Schüler und Lehrer dies kontrollieren können.“
 
 
Publikation: Joachim Curtius, Manuel Granzin, Jann Schrod: Testing mobile air purifiers in a school classroom: Reducing the airborne transmission risk for SARS‐CoV‐2. Preprint: medRxiv 2020.10.02.20205633; doi: https://doi.org/10.1101/2020.10.02.20205633
 
Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Curtius
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Fachbereich Geowissenschaften/Geographie
Tel. 069/798-40258
curtius@iau.uni-frankfurt.de

 

Sep 29 2020
13:08

Internationales Wissenschaftsteam klärt These zur Diamanten-Entstehung in Inneren von Proto-Planeten

Geowissenschaften: Kosmische Diamanten entstehen bei gigantischen planetaren Kollisionen

FRANKFURT. Geowissenschaftler der Goethe-Universität haben in Meteoriten die größten extraterrestrischen Diamanten gefunden, die je entdeckt wurden – immerhin einige zehntel Millimeter groß. Frankfurter Wissenschaftler konnten jetzt zusammen mit einem internationalen Team von Forschern nachweisen, dass diese Diamanten in der Frühzeit unseres Sonnensystems während der Kollision von Kleinplaneten miteinander oder mit großen Asteroiden entstanden sind und widerlegen damit die These ihres Ursprungs tief im Innern von mindestens Merkur-großen Planeten. (PNAS, https://www.pnas.org/content/early/2020/09/22/1919067117).
 
Schätzungsweise mehr als 10 Millionen Asteroide kreisen im Asteroidengürtel um die Erde. Sie sind Überbleibsel aus der Frühzeit unseres Sonnensystems, als sich unsere Planeten aus einer großen, um die Sonne rotierenden Gas- und Staubwolke bildeten. Wenn Asteroiden aus der Umlaufbahn geworfen werden, stürzen sie zuweilen als Meteoroide auf die Erde. Sind sie groß genug, so verglühen sie beim Eintritt in die Atmosphäre nicht vollständig und können als Meteorite gefunden werden. Die geowissenschaftliche Untersuchung solcher Meteorite ermöglicht Rückschlüsse auf die Entstehung, Entwicklung aber auch den Untergang von Planeten im Sonnensystem.
 
Eine besondere Art von Meteoriten sind die Ureilite. Sie sind Fragmente eines größeren Himmelskörpers – wahrscheinlich eines Kleinplaneten – der durch gewaltige Kollisionen mit anderen Kleinplaneten oder großen Asteroiden vollständig zertrümmert wurden. Ureilite enthalten häufig größere Mengen an Kohlenstoff, unter anderem in Form von Graphit oder Nano-Diamanten. Die in nun entdeckten Diamanten mit Größen von über 0,1 und mehr Millimetern können nicht beim Aufprall der Meteoroide auf die Erde entstehen. Impakt-Ereignisse mit solch großen Energien würden zur vollständigen Verdampfung des Meteoriden führen. Daher ging man bisher davon aus, dass diese größeren Diamanten – ähnlich wie im Erdinneren – durch lange andauernden Druck im Inneren von Mars- oder Merkur-großen Planetenvorläufern entstanden sein mussten.
 
Wissenschaftler der Goethe-Universität haben jetzt zusammen mit Forschern aus Italien, den USA, Russland, Saudi-Arabien, der Schweiz und dem Sudan in Ureiliten aus Marokko und dem Sudan die größten bislang entdeckten Diamanten gefunden und detailliert analysiert. Neben den bis zu mehrere 100 Mikrometer großen Diamanten fanden sich in den Ureiliten auch zahlreiche Nester von nur Nanometer großen Diamanten und Nano-Graphit. Nähere Untersuchungen zeigten, dass bei den Nano-Diamanten auch so genannte Londsdaleit-Lagen auftreten, eine nur durch plötzlichen, sehr starken Druck entstehenden Modifikation von Diamanten. Ferner zeigten auch andere Minerale (Silikate) der untersuchten Ureilit-Gesteine typische Anzeichen eines Schockdrucks. Letztendlich war es das Auftreten dieser größeren Diamanten zusammen mit Nano-Diamanten und Nano-Graphit, der den Durchbruch ergab.
 
Prof. Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Unsere umfangreichen neuen Untersuchungen zeigen, dass sich diese ungewöhnlichen extraterrestrischen Diamanten durch den immensen Schockdruck beim Einschlag eines großen Asteroiden oder gar Kleinplaneten auf der Oberfläche des Ureilit-Mutterkörpers bildeten. Es ist durchaus möglich, dass es eben dieser gigantische Einschlag war, der letztlich zur vollständigen Zerstörung des Kleinplaneten führte. Damit sind – anders als bisher angenommen – die größeren Ureilit-Diamanten kein Hinweis auf die Existenz von Mars- oder Merkur-großen Proto-Planeten in der frühen Phase unseres Sonnensystems, aber dennoch für die immensen, zerstörerischen Kräfte, die zu dieser Zeit herrschten“
 
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der folgenden Institutionen bildeten das internationale Forschungsteam:
 
Department of Geosciences, University of Padova, Italien
Institut für Geowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland
Lunar and Planetary Institute, USRA, Houston, Texas, USA
Department of Earth and Environmental Sciences, University of Pavia, Italy
Astromaterials Research and Exploration Science Division, Jacobs JETS, NASA-JSC, Houston, Texas, USA
CNR Institute of Geosciences and Earth Resources, Padova, Italien
Vereshchagin Institute for High Pressure Physics RAS, Troitsk, Moscow, Russland
NASA Astromaterials Acquisition and Curation Office, NASA-Johnson Space Center, Houston, Texas, USA
Department of Civil, Environmental and Mechanical Engineering University of Trento, Italien
Saudi Aramco R&D Center, Dhahran, Saudi Arabia
Swiss Light Source, Paul Scherrer Institut, Villigen, Schweiz
SETI Institute, Mountain View, California, USA
Department of Physics and Astronomy, University of Khartoum, Khartoum, Sudan
 
 
Publikation: Fabrizio Nestola, Cyrena A. Goodrich, Marta Morana, Anna Barbaro, Ryan S. Jakubek, Oliver Christ, Frank E. Brenker, Maria C. Domeneghetti, Maria C. Dalconi, Matteo Alvaro, Anna M. Fioretti, Konstantin Litasov, Marc D. Fries, Matteo Leoni, Nicola P. M. Casati, Peter Jenniskens, Muawia H. Shaddad: Impact shock origin of diamonds in ureilite meteorites. Proceedings of the National Academy of Science https://www.pnas.org/content/early/2020/09/22/1919067117

Bilder zum Download:
Picture1: Planetare Kollision
Bildtext: Künstlerische Darstellung der Kollision zweier Proto-Planeten (Grafik: NASA/SOFIA/Lynette Cook) https://www.nasa.gov/image-feature/what-happens-when-planets-collide
 
Picture2: Gesteinsprobe vom Ureilit-Kleinplaneten
Bildtext: Foto einer Gesteinsprobe vom Ureilit-Kleinplaneten, gefunden als Meteorit in der Sahara. Bildkante ca. 2 cm. (Bild: Oliver Christ) https://www.muk.uni-frankfurt.de/92537913
 
Picture3: Raman-spektroskopisches Fehlfarbenbild des Ureilites. Diamant (rot), Graphit (blau) (Bild: Cyrena Goodrich) http://www.uni-frankfurt.de/92538164

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frank E. Brenker
Institut für Geowissenschaften - NanoGeoscience
Dept. of Geoscience / NanoGeoscience
Goethe University Frankfurt
Tel: +49 69 798 40134
f.brenker@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 29 2020
12:04

​Corona-Spenden helfen, zusätzliche Fördermittel für die Goethe-Universität einzuwerben

Spenden geben Impulse für Forschungsexzellenz

FRANKFURT. Eine gute Starthilfe für langfristige Projekte ist der Goethe-Corona-Fonds für die inzwischen 30 wissenschaftlichen Teams, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie deren gesundheitliche und soziale Folgen erforschen. Von Spendenmitteln in Gang gebracht haben zahlreiche Projekte inzwischen eine zusätzliche Förderung weiterer Geldgeber einwerben können. Spenden plus Mittel aus Bundes- oder Europa-Töpfen: Diese Kombination erlaubt den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Goethe-Universität einen langen Atem für den Corona-Forschungsmarathon. Es sind überwiegend in der Forschung tätige Medizinerinnen und Mediziner, aber auch Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen, Soziologen und Erziehungswissenschaftler.
 
3,2 Millionen Euro beträgt der aktuelle Spendenstand für Goethe-Universität und Universitätsklinikum. Zuletzt flossen zusätzliche Mittel von der Interessengemeinschaft Frankfurter Kreditinstitute (IFK) und der BBBank, die die Universität für Projekte rund um das Corona-Virus unterstützten. Nur ein geringer Teil der Corona-Goethe-Fonds ist zweckgebunden, etwa für Projekte der Virologie.
 
„Wir werden noch lange Zeit mit dem Virus leben müssen. Aber wir werden besser damit zurechtkommen“. Die international beachtete Virologin Sandra Ciesek ist eine der Wissenschaftlerinnen, die inzwischen als kompetente Ansprechpartnerin im Licht einer breiten Öffentlichkeit steht. Und: deren zahlreiche, durch Spenden geförderte Projekte durch weitere Mittel unterstützt werden. So gehört ihr Team etwa dem EU-geförderten Forschungsverbund CARE zur Entwicklung von COVID 19-Therapien an. Eine spezielle Zuwendung erhielt auch ihre Studie über die Rolle, die Kinder im Vorschulalter bei der Ansteckung spielen. Diese wurde u.a. durch die BHF BANK Stiftung gefördert. Andere Corona-Fonds-Projekte der Klinischen Virologin widmen sich den Fragen: Wie können Testkapazitäten gesteigert werden? Welche bereits zugelassenen Medikamente können schwere Krankheitsverläufe mildern? Was besagt der Virus-Nachweis in Klärabwässern? Und: Wie hoch ist das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung in Flugzeugen? „Wir arbeiten national und international eng vernetzt“, betont Ciesek. „So trägt jeder seinen Teil dazu bei, Fragen, die uns die Pandemie stellt, zu beantworten.“
 
Mehr als 15 Projektpartner greifen inzwischen auch auf die durch Spenden geförderte Biobank der Infektiologin Maria Vehreschild zurück. Ihnen dienen die Proben und Daten zu akuten Komplikationen und Spätfolgen der Erkrankung zur Grundlagenforschung. Auf diese Weise nimmt Vehreschild auch an Therapie- und bald schon an Impfstudien teil. Das Team um die Frankfurter Infektiologin bringt seine Kenntnisse aber auch in ein Beratungsnetzwerk von Ärztinnen und Ärzten zu hochansteckenden Viren ein.
 
Nicht nur Corona-Patienten im Blick hat auch das praxisbezogene Projekt der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hackethal und Roman Inderst. Das ursprüngliche Ziel der COVID-Cockpit-App: Covid19-Symptome nachhalten und die Kommunikation von Betroffenen mit Arzt und Klinik vereinfachen. Die App funktioniert wie ein Tagebuch für Symptome und spielt personalisierte Informationen für Patienten zurück. „Im Juli sind wir umgeschwenkt“, erklärt Hackethal, „und richten die Funktionen der App nun auf die Begleitung von Langzeitpatienten aus: bald soll sie auch von HIV-Infizierten und Menschen mit anderen viralen Krankheiten genutzt werden können.“
 
Und die psychischen Folgen der Pandemie? Die Frage, wie bedroht sich Menschen durch die Pandemie und die Vorsichtsmaßnahmen fühlen, steht im Mittelpunkt der Studie des Psychologen Rolf van Dick, die schon im Vorfeld überregional auf großes Interesse stieß. Die Studie steht kurz vor der Veröffentlichung. Und bald gibt es auch Teil zwei: die Erhebung aus Deutschland wird derzeit verglichen mit Daten aus anderen Ländern wie Israel, Russland, Italien, Südafrika, China und Großbritannien.
 
Dank neu eingeworbener Mittel des Bundesministeriums für Gesundheit arbeiten etwa auch die Erziehungswissenschaftler Bernd Werse und Luise Klaus bereits an einem Folgeprojekt. Unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie befragten sie bundesweit Streetworker und die ambulante Drogenhilfe zur Situation von Drogenabhängigen unter Corona. Nun können sie ihrer quantitativen Auswertung eine qualitative folgen lassen.
 
Der Goethe-Corona-Fonds wurde im März zur Anschubfinanzierung von Forschungsprojekten der Goethe-Universität und des Universitätsklinikums ins Leben gerufen. Das ehrgeizige Spendenziel der Goethe-Universität liegt bei 5 Millionen.

 
Weitere Spenden möglich unter: https://www.betterplace.org/de/projects/78009-goethe-corona-fonds-von-goethe-universitaet-universitaetsklinikum-frankfurt

 

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Würzburg haben einen neuen Wirkstoff zur Behandlung von Krebs entwickelt. Die Substanz zerstört ein Protein, das die Krebsentwicklung in Gang setzt.

FRANKFURT/WÜRZBURG. Der Bösewicht in diesem Drama trägt einen hübschen Namen: Aurora – lateinisch für die Morgenröte. In der Welt der Biochemie steht Aurora (genauer: Aurora-A-Kinase) allerdings für ein Protein, das viel Schaden anrichtet. Dort ist schon seit Langem bekannt, dass Aurora häufig am Anfang einer Krebserkrankung steht. Es gibt den Anstoß für die Entwicklung von Leukämien und vielen Kindertumoren wie beispielsweise Neuroblastomen.
 
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt und Würzburg haben jetzt einen Wirkstoff entwickelt, der Aurora ausschalten kann. Federführend daran beteiligt waren Stefan Knapp, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt, und Dr. Elmar Wolf, Forschungsgruppenleiter am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). In der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Chemical Biology haben die Forscher die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht.
 
Tumorauslösende Proteine zum Verschwinden bringen
 
Krebserkrankungen entstehen in der Regel durch tumorerzeugende Proteine. Weil Krebszellen von diesen Proteinen mehr herstellen als normale Zellen, befördert das die Dynamik zusätzlich. Ein üblicher Therapieansatz sieht deshalb vor, die Funktion dieser Proteine mit Arzneistoffen zu hemmen. Zwar sind die Proteine sind dann zwar immer noch vorhanden, funktionieren aber nicht mehr so gut, und auf diese Weise können Tumorzellen bekämpft werden.
 
Die Entwicklung dieser Hemmstoffe ist aber schwierig und war bislang nicht für alle tumorauslösenden Proteine erfolgreich. Bisher zeigten alle Kandidaten die Aurora hemmen im klinischen Einsatz nicht die gewünschten Ergebnisse. Der Traum vieler Wissenschaftler sieht deshalb so aus: Einen Arzneistoff zu entwickeln, der die tumorauslösenden Proteine nicht nur hemmt, sondern komplett zum Verschwinden bringt. Ein vielversprechender Ansatz auf diesem Weg könnte eine neue Wirkklasse von Substanzen sein, die den wissenschaftlichen Namen „PROTAC“ tragen.
 
Krebszellen sterben in Zellkultur
 
„Wir haben einen solchen PROTAC für Aurora entwickelt“, sagt Elmar Wolf. Dieser PROTAC das baut das Aurora-Protein in Krebszellen komplett ab. Krebszellen, die im Labor kultiviert wurden, starben daraufhin ab. Die Wirkweise dieser Substanz beschreibt Wolf so: „Der Tumor braucht bestimmte tumorauslösende Proteine, die man sich wie Seiten in einem Buch vorstellen kann. Unsere PROTAC-Substanz reißt nun die Seiten ‚Aurora' heraus und vernichtet sie mit Hilfe der Protein-Abbau-Maschinerie, die jede Zelle besitzt, um alte und kaputte Proteine abzubauen“. PROTAC „schreddere“ also quasi das Aurora-Protein, bis am Ende nichts mehr von ihm zurückbleibt.
 
Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität erläutert: „Die Aurora-A-Kinase kommt zum Beispiel in Brustkrebstumoren in viel größeren Konzentration vor als in gesundem Gewebe und sie spielt wohl auch beim Prostatakrebs eine Rolle. Eine Blockade der Aurora-A-Kinase Aktivität ist nicht erfolgversprechend – so hat es bisher noch keiner der vielen klinisch getesteten Hemmstoff-Kandidaten in die klinische Zulassung geschafft. Mit unserer PROTAC-Variante inhibieren wir die Aurora-A-Kinase über einen anderen, sehr effektiven Wirkmechanismus, der neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen könnte. Im nächsten Schritt werden wir daher die Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch testen.“

 
Publikation: PROTAC-mediated degradation reveals a non-catalytic function of AURORA-A kinase. Bikash Adhikari, Jelena Bozilovic, Mathias Diebold, Jessica Denise Schwarz, Julia Hofstetter, Martin Schröder, Marek Wanior, Ashwin Narain, Markus Vogt, Nevenka Dudvarski Stankovic, Apoorva Baluapuri, Lars Schönemann, Lorenz Eing, Pranjali Bhandare, Bernhard Kuster, Andreas Schlosser, Stephanie Heinzlmeir, Christoph Sotriffer, Stefan Knapp and Elmar Wolf. Nature Chemical Biology, 28.09.2020. https://www.nature.com/articles/s41589-020-00652-y

PROTACS (Proteolysis Targeting Chimeric Molecules) stehen im Fokus des Clusterprojekts PROXIDRUGS der Goethe-Universität: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/proxidrugs-unter-leitung-der-goethe-uni-wurde-in-clusters4future-aufgenommen/

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: 069 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de

 

Sep 25 2020
11:31

​Die erste laienverständliche Übersicht mit Zahlen, Fakten und Patientenstimmen ist erschienen

Erster umfassender Report: Chronische Krankheiten in Deutschland

FRANKFURT. Mehr als die Hälfte der älteren deutschen Bevölkerung ist chronisch krank. Was chronische Krankheiten für das Gesundheitswesen, für die Gesellschaft und für die Patienten selbst bedeuten, fasst jetzt ein Report des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt zusammen. Der Report arbeitet die oft hoch komplexen Daten zu Verbreitung, Ursachen und Folgen chronischer Krankheiten auf und schildert Fallbeispiele. Weiterhin stellt er die Ergebnisse einer Untersuchung der Patientensicht auf ihre Versorgung vor. Dabei werden gute Erfahrungen wie auch erlebte Defizite sichtbar. Der Report ist laienverständlich geschrieben, barrierefrei als pdf aufbereitet und kostenfrei im Internet oder als gedruckte Version erhältlich. Das Projekt wurde von der Robert Bosch Stiftung GmbH gefördert.
 
Am Anfang bleibt eine chronische Krankheit häufig unbemerkt. Nach Jahren oder sogar Jahrzehnten können die Folgen gravierend sein: Schmerzen, körperliche Einschränkungen und seelische Belastungen reduzieren die Lebensqualität und manche chronisch Kranke sterben an ihrer Krankheit früher, als aufgrund der Lebenserwartung anzunehmen ist. Zählt man zu diesen verlorenen Lebensjahren die Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen hinzu, so kommen 25 Millionen „verlorene gesunde Lebensjahre“ in Deutschland zusammen, jedes Jahr. Dafür sind überwiegend chronische Krankheiten verantwortlich, zu je etwa 20 Prozent Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, zu weiteren 30 Prozent Muskel-Skelett-Erkrankungen zusammen mit psychischen Störungen und Krankheiten des Nervensystems.
 
Alle zusammen verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen. Mit 15 Milliarden Euro pro Jahr ist Demenz – aus volkswirtschaftlicher Sicht – die „teuerste“ chronische Krankheit, gefolgt von Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens, Bluthochdruck und Krankheiten der Hirngefäße wie Schlaganfälle. Wer chronisch krank ist, fehlt häufiger am Arbeitsplatz und geht früher in Rente.
 
Der Report schildert aus verschiedenen Perspektiven, wie es ist, mit einer chronischen Krankheit zu leben. Exemplarisch werden Verläufe einer Depression und einer Herzinsuffizienz geschildert, und es wurden Patienten zu ihren Erfahrungen mit der Behandlung ihrer Krankheit befragt. Gute Versorgung erlebten an Depression Erkrankte beispielsweise wie ein Netzwerk, das half, „aus dem Loch“ herauszukommen. Als Mangel in der Versorgung sahen sie die langwierige, selbst zu organisierende Suche nach einer Therapie. „Bei einer Depression fehlt die Kraft für eine aufwändige Suche nach Hilfe“, resümiert die Untersuchung. Es kommen auch Patienten mit der Herzerkrankung „Herzinsuffizienz“ zu Wort und erklären stellvertretend für andere chronisch Kranke, wie eine Behandlung Orientierung gibt und bei der Akzeptanz der chronischen Krankheit helfen kann.
 
Eine der Studienautorinnen und Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt Dr. Corina Güthlin erklärt: „Wir im Gesundheitssystem fokussieren uns oft zu sehr auf eine einzelne Krankheit. Dabei ist die übergreifende Betrachtung chronischer Krankheiten unerlässlich. In unserem Report geben wir erstmals einen leicht erfassbaren Überblick über chronische Krankheiten insgesamt und hoffen so, zu einem besseren Verständnis chronischer Erkrankungen beizutragen. Neben reinen Zahlen und Fakten ging es uns auch darum, die Perspektive von chronisch Kranken aufzuzeigen. Daher ist der Report sowohl für Mitarbeiter des Gesundheitswesens wie auch für Patienten wertvoll.“
 
„Die Versorgung von chronisch kranken Patienten muss vorausschauend und bedarfsgerechter gestaltet werden. Wir wollen mehr gesunde Lebensjahre für die Betroffenen gewinnen. Wir haben den Report gefördert, um durch eine kompakte Übersicht und einen leichten Zugang ein besseres Verständnis für die Situation und die Versorgungserfordernisse bei chronischer Erkrankung zu erzielen“, sagt Dr. Bernadette Klapper, Bereichsleiterin Gesundheit bei der Robert Bosch Stiftung GmbH.
 
 
Publikation: Güthlin, C.; Köhler, S; Dieckelmann, M. (2020): Chronisch krank sein in Deutschland. Zahlen, Fakten und Versorgungserfahrungen. Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Online verfügbar unter http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/55045.xx
 
Informationen:
Dr. Corina Güthlin
Institut für Allgemeinmedizin
Tel. 069-6301-83882, Sekretariat: -5687
E-Mail: guethlin@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
Homepage: http://www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

 

Sep 24 2020
11:33

​Die Universität des 3. Lebensalters lädt zum digitalen Wintersemester ein/Übungskurse für Internetanfänger*innen

Studieren von zuhause aus

FRANKFURT. Bildung für Ältere bietet die Universität des 3. Lebensalters (U3L) an der Goethe-Universität schon viele Jahre sehr erfolgreich an. Wissen auffrischen, Lieblingsthemen vertiefen, Neues entdecken, Menschen begegnen und miteinander diskutieren – all das ermöglichen die Veranstaltungen der U3L. Damit das auch in Zeiten der Corona-Pandemie so bleibt, wurde ein vielfältiges digitales Studienangebot für das Wintersemester zusammengestellt, das ab dem 2. November - ganz ortsunabhängig -  im Internet besucht werden kann.
 
Interessierte können an digitalen Vorlesungen und Seminaren beispielsweise aus der Medizin, Kunstgeschichte, Philosophie, Psychologie, Geschichte und vielen anderen Themenfeldern teilnehmen. Es sind fast 100 Veranstaltungen in Semesterlänge, die nach einer Anmeldung zur Wahl stehen. Der Beitrag für das komplette Semester beträgt 110,- Euro. Viele Veranstaltungen werden als Videokonferenzen abgehalten, so dass auch Gespräch und Austausch nicht zu kurz kommen. Das Angebot richtet sich keineswegs nur an kundige Internetnutzer*innen. Ganz im Gegenteil: es gibt ab Oktober Informationsveranstaltungen und Übungskurse, die Erstanwender*innen bei dem Einstieg in das digitale Semester begleiten. Bildung für alle – das ist und bleibt das Ziel der U3L.

Informationsveranstaltungen finden am 5.10. (von 17–18:30 Uhr) und am 20.10. (von 14–15:30 Uhr) statt. Der Zugang dazu erfolgt ganz einfach per Internetlink. Das Veranstaltungsverzeichnis für das Wintersemester und alle wichtigen Hinweise für die Teilnahme finden sich auf der Homepage der U3L unter www.u3l.uni-frankfurt.de. Für Fragen und individuelle Beratung stehen telefonische Sprechzeiten zur Verfügung: 069/798-28861 / Mo–Do 9:30–12:30 Uhr und Mi 13:30–16:00 Uhr.

 
Kontakt:
Claudia Koch-Leonhardi, Studieninformation/Öffentlichkeitsarbeit, Universität des 3. Lebensalters an der Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V.  
Campus Bockenheim  | Juridicum  6. OG |  Raum 612 | Senckenberganlage 31  |  60325 Frankfurt am Main.  Tel. +49 (0)69-798 28861  |   Fax +49 (0)69-798 28975
koch-leonhardi@em.uni-frankfurt.de; www.u3l.uni-frankfurt.de

 

Sep 24 2020
10:33

​IWAK an der Goethe-Universität legt die zweite Ausgabe des Hessischen Lohnatlas vor, die für das Hessische Ministerium für Soziales und Integration erstellt wurde

Wie man zum attraktiven Arbeitgeber wird

FRANKFURT. Gleiche Entgelte für Frauen und Männer machen Betriebe attraktiver für potenzielle Beschäftigte. Der vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität im Auftrag und für das Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellte Hessische Lohnatlas zeigt, wo noch Handlungsbedarf besteht. Die zweite Ausgabe liegt jetzt vor.

Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels suchen immer mehr Betriebe nach Strategien, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Das Bemühen um mehr Entgeltgleichheit für weibliche und männliche Beschäftigte spielt dabei offenbar eine wichtige Rolle. Unternehmen, die unterschiedliche Erwerbsbiografien berücksichtigen, können damit bei der Rekrutierung punkten – das macht die neue Ausgabe des Hessischen Lohnatlas deutlich. Nach Angaben von Unternehmen, die hierauf Wert legen, lohnt sich das durchaus auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

„Mit dieser Strategie gelingt es uns, Hochqualifizierte stärker an unser Unternehmen zu binden“, sagt Frank Rohde, Personaldirektor von Adobe Deutschland. Ähnliche Antworten erhielten die Wissenschaftlerinnen von SAP und Salesforce. Auch dort sind die Personalverantwortlichen davon überzeugt, dass die junge Generation gelebte Geschlechtergerechtigkeit von ihrem Arbeitgeber erwartet.

Dass solche Unternehmen jedoch keineswegs die Regel sind, zeigt der aktualisierte Hessische Lohnatlas. Die Lohnlücke ist in Hessen zwar von 2012 bis 2018 um vier Prozentpunkte kleiner geworden. „Damit sind wir auf dem richtigen Weg“, konstatiert der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose. „Es bleibt aber noch viel zu tun, denn im Jahr 2018 betrug die Lohnlücke im hessischen Schnitt immer noch 11,9 Prozent“, so der Minister. „Es ist bedrückend, dass die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern mit akademischen Abschlüssen seit 2012 kaum kleiner geworden ist“, kommentiert Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, die Ergebnisse: Im Jahr 2018 betrug die Lücke zwischen Akademikerinnen und Akademikern mit Wohnsitz in Hessen im Schnitt noch 26,5 Prozent. „Die Lücke sehen, dann aber auch schließen – beides ist nötig“, meint Wolff.

Der Hessische Lohnatlas wird vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), einem Zentrum der Goethe-Universität, im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt. Die jetzt präsentierte zweite Ausgabe richtet den Fokus auf Entgeltgleichheit innerhalb von Betrieben. „Großbetriebe stehen deutlich besser da als kleine Betriebe“, stellt Dr. Christa Larsen fest, Geschäftsführerin des IWAK. Dieser grundlegende Trend lasse sich dadurch erklären, dass Frauen in Großunternehmen eher aufsteigen als in mittelständischen Betrieben – was auch daran liege, dass es dort weniger Führungspositionen gibt und die Fluktuation geringer ist. Ein noch genauerer Blick lohnt sich: Der hessische Lohnatlas zeigt, dass die Lohnlücken in Betrieben mit jüngeren Belegschaften geringer sind. Ein Grund zur Hoffnung? Möglicherweise können Frauen in der jungen Generation besser mit Männern gleichziehen als dies bei früheren Generationen der Fall war.

Unterstützung von Seiten der Betriebe ist jedoch nach wie vor wichtig. „Zunächst muss man Transparenz schaffen“, sagt Christine Gräbe vom Fair Pay Innovation Lab aus Berlin.  Diese Transparenz dient als Grundlage für neue Strategien, um der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern näherzukommen. „Unternehmen haben einen gesellschaftlichen Auftrag“, betont Nina Keim von Salesforce. Bei Salesforce, einem IT-Unternehmen mit Standort in Frankfurt, setze man sich strategisch gegen Benachteiligung bei der Bezahlung aufgrund von Geschlecht oder Herkunft ein.

„Wir schaffen mit dem Hessischen Lohnatlas die notwendige Transparenz“, sagt Minister Kai Klose, „und die Betriebe wiederum zeigen uns, wie Entgeltgleichheit geschaffen werden kann. Dies ist eine ideale Verbindung, die zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führt und gleichzeitig der Wirtschaft bei der Bewältigung des Fachkräftemangels hilft.“ „Das kommt nicht zuletzt auch unseren Absolventinnen zugute, damit sie ihr ‚Bildungskapital' in gute Einkommen umsetzen können. Wirtschaftlicher Nutzen und Fairness, eine klassische Win-win-Situation“, so die Präsidentin der Goethe-Universität.

In die Vorstellung des Hessischen Lohnatlas ist neben den hier genannten Personalchefs auch Leopold Kristjansson von der isländischen Firma PayAnalytics eingebunden. Er berichtet darüber, wie in Island das Gesetz zur Entgeltgleichheit umgesetzt wird. Weitere Beiträge widmen sich der Frage, wo Betriebe, aber auch Städte und Gemeinden weitere Unterstützung erhalten können.

In den kommenden Monaten soll dann der Dialog der Sozialpartner aus den größten Branchen in Hessen unter Moderation des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration fortgesetzt werden. Im Fokus stehen hier betriebliche Strategien, wie das Ziel der Entgeltgleichheit von Frauen und Männern schneller erreicht werden kann.


Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, Campus Bockenheim Tel. (069) 798- 22152, E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de, www.iwak-frankfurt.de/projekt/hessischer-lohnatlas/ oder http://www.iwak-frankfurt.de/veranstaltungen-2/

Den Hessischen Lohnatlas finden Sie zum Download unter dem folgenden Link: http://www.arbeitswelt.hessen.de/im-fokus/der-neue-hessische-lohnatlas-mit-virtueller-dokumentation-ist-veroeffentlicht