​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Veranstaltungen

Nov 19 2012
16:02

Diskussionsabend der EKHN Stiftung ist der Auftakt einer Reihe zu „Schuld und Schulden“. 20. November, Heiliggeistkirche, Frankfurt am Main, 20 Uhr

Sehnsucht nach einem Neuanfang

FRANKFURT. Schuld und Schulden sind nicht nur dem Wortsinn nach miteinander verwandt. Denn ob man in finanzielle oder moralische Schieflagen gerät, ob man zum Schuldner oder Schuldigen wird – die Lage ist in jedem Fall bedrückend und weckt den Wunsch nach einem Schnitt. Sei es als Verzicht auf alle Ansprüche oder in Form von Vergebung. Sonst gibt es keinen Neubeginn.

Ist ein Schuldenerlass daher unvermeidlich? Wann ist er geboten, welche Kräfte sind dazu notwendig und welche werden durch ihn freigesetzt? In Anbetracht einer sich verschärfenden Euroschuldenkrise scheint es dringend geboten, sich diesen Fragen zu stellen. Daher hat sich die EKHN Stiftung dazu entschieden, diesem Thema einen Abend in ihrer Reihe von Gesprächsforen mit namhaften Persönlichkeiten aus verschiedenen Fach- und Lebensbereichen zu widmen. So werden am Dienstag, 20. November, 20 Uhr, Experten aus Religion und Wirtschaft über den inneren Zusammenhang von „Schuld und Schulden und die Sehnsucht nach einem Neuanfang“ diskutieren. Dieses Datum fällt zusammen mit der „European Finance Week“, die vom 19. bis 23. November in Frankfurt stattfindet und sich ebenfalls mit der ökonomischen und finanzpolitischen Stabilität des krisengeschüttelten Europas befasst.

Eingeladen auf das Podium des ekhnforums in der Frankfurter Heiliggeistkirche sind:

  • Professor Dr. Klaas Huizing, Fachbereich Evangelische Theologie an der Universität Würzburg
  • Die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck
  • Professor Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor am Center for Financial Studies und Inhaber des Lehrstuhls für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Frankfurter Goethe-Universität

Dabei dürfte sich die Debatte sowohl mit der Haltung der deutschen Regierung gegenüber Schuldenländern wie Griechenland und Spanien beschäftigen als auch mit der Hoffnung, dass Gott als größter Gläubiger unsere moralischen Schuldscheine zerreißt. Außerdem soll ein Beispiel aus der Geschichte vorgestellt werden: So wurde im jüdischen Talmud bereits vor rund 3000 Jahren gefordert, alle Jubeljahre , also in jedem 49. Jahr, den Ackerbau für 12 Monate ruhen zu lassen, alle Kredite abzuschreiben, alle Grundstücksgeschäfte rückgängig zu machen und die Sklaven freizulassen. Ist dieser ‚Reset‘ ein ausbaufähiges Modell für unsere Zukunft?

Dr. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, wird dieses Gespräch moderieren.

Kontakt: EKHN-Stiftung, Friederike von Bünau, Geschäftsführerin, Jahnstraße 17, 60318 Frankfurt, Telefon 069/59799051 oder E-Mail info@ekhn-stiftung.de. www.ekhn-stiftung.de

Veranstaltungen

Nov 19 2012
15:58

Vortragsreihe am Exzellenzcluster „Normative Orders“ beleuchtet Funktion und Folgen von Kritik im Streit um politische Ordnungen

Wie viel Kritik darf’s denn sein?

FRANKFURT. „Kritik erwünscht“ heißt es, wenn moderate Verbesserungsvorschläge willkommen sind. Was aber, wenn die Kritik so grundsätzlich ist, dass bestehende Verhältnisse in infrage gestellt werden oder gar mit Gewalt geändert werden sollen? Eine Vortragsreihe am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität beschäftigt sich in diesem Wintersemester an drei Terminen mit dem Thema „Protest – Widerstand – Aufstand. Streit um politische Ordnungen.“

Die Reihe beginnt am 26. November 2012 mit einem Vortrag von Prof. David Chandler (University of Westminster, London) über Formen von Widerstand gegen problematische Praktiken des so genannten „Peacebuilding“, weitgehende Eingriffe von außen mit dem zumindest offiziellen Ziel, in einem Staat nachhaltig Frieden zu schaffen. Am 3. Dezember 2012 beleuchtet Dr. Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung die Frühgeschichte der RAF. Um Untergrundbewegungen und politische Gewalt geht es schließlich am 11. Februar 2013 in dem Vortrag von Prof. Donatella della Porta, European University Institute, Florenz.

Organisiert wird die Reihe, die im Sommersemester 2012 begonnen hat, von den Cluster-Angehörigen und Politikwissenschaftlern Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase. Bisherige Beiträge befassten sich u.a. mit der Möglichkeit von Systemopposition und einer Begriffsgeschichte des Widerstands. Zentraler Gegenstand der Vortragsreihe sind unterschiedliche Formen von Kritik in politischen Ordnungen, ihre Funktion für diese Ordnungen und die Frage, wie die Ordnungen auf Kritik reagieren. Betrachtet werden nicht nur die nationalen oder lokalen politischen Ordnungen, sondern auch jene inter- und transnationalen Ordnungen, die sich jenseits und durch die nationalen Ordnungen hindurch entwickelt haben.

Kritik kann viele Formen annehmen: Sie kann sich lautstark mit einer Ordnung auseinandersetzen, die innere Emigration wählen oder subversiv tätig werden. Sie kann zum Mittel der Gewalt greifen und eine Ordnung umstürzen wollen, oder sie sucht den Zugang zu den bestehenden Institutionen, um diese umzugestalten. Wie diese unterschiedlichen Formen zusammenhängen, wie es zum Wandel von einer Form in die andere kommt, gehört zu den Schwerpunkten der Vortragsreihe. Ein weiteres Thema betrifft die Funktion der Kritik als Vehikel für politische Gleichheit; denn historisch betrachtet ist die Öffnung politischer Ordnungen für Kritik ein Ausweis ihrer Demokratisierung. Ebenfalls im Fokus der Reihe stehen die Fragen, wie viel Kritik eine politische Ordnung aushalten muss und auf welche Weise diese Ordnungen mit Kritik umgehen – wird sie einbezogen, ignoriert oder bekämpft?

Die Vorträge finden jeweils montags statt im Raum EG 02 des Gebäudes „Normative Ordnungen“ (Lübeckerstr./Ecke Hansaallee) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Der Beginn ist immer um 18.00 Uhr ct.

Das Programm in Überblick:

  • 26. November 2012:
    David Chandler (University of Westminster, London),
    Peacebuilding and the Politics of Non-Linearity: Rethinking „Hidden“ Agency and „Resistance“
  • 3. Dezember 2012:
    Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung),
    Wie entstand die RAF? Religiöse Desozialisation, politische Ideologien und Gruppendynamiken
  • 11. Februar 2013:
    Donatella della Porta (European University Institute, Florenz),
    Clandestine Political Violence: A Global Comparison

Informationen: Prof. Nicole Deitelhoff, Goethe Universität Frankfurt, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Tel.: 069-798-31444, nicole.deitelhoff@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Forschung

Nov 16 2012
12:54

Neuberufener Prof. Robert Fürst forscht zu rationaler Phytotherapie

Wie und wo wirken pflanzliche Arzneimittel?

FRANKFURT. Weißdorn stärkt das Herz, Baldrian und Melisse beruhigen die Nerven. Doch was genau sind die wirksamen Prinzipien in einem Naturstoff-Gemisch mit tausenden von Substanzen? Und an welchen Zielstrukturen des Körpers greifen sie an? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Robert Fürst, der am 1. November die Nachfolge von Prof. Theo Dingermann am Institut für Pharmazeutische Biologie angetreten hat. Dingermann bleibt der Universität noch zwei Semester erhalten.

Einer von drei Forschungsschwerpunkten Fürsts ist die rationale Phytotherapie, also die Verwendung pflanzlicher Arzneimittel, die nach Maßstäben der Schulmedizin eingesetzt werden. Fürst untersucht diese Vielstoffgemische auf ihre molekularen Mechanismen und wirksamen Komponenten hin. Das erläutert er am Beispiel des Weißdorns: Aus Studien weiß man, dass die Pflanze die Herzleistung bei milden Formen der Herzinsuffizienz verbessert. „Ich wollte wissen, wo der Wirkstoff, abgesehen vom Herzen, sonst noch angreift und hatte den Verdacht, dass er auch direkt auf die Endothelzellen wirkt, die die Gefäße auskleiden“, erklärt Fürst. Oft sind mit der Herzinsuffizienz auch entzündliche Prozesse der Gefäße verbunden. Dies trägt dazu bei, dass sie undicht werden und Flüssigkeit an das Gewebe verlieren. Diese Ödembildung kann durch Weißdorn verhindert werden, da der Extrakt direkt in Regelkreise der Endothelzellen eingreifen kann, wie Fürst herausgefunden hat.

„Die Berufung unseres Wunschkandidaten Fürst auf die Leuchtturmprofessur von Theo Dingermann war uns dank der großzügigen Unterstützung der Karlsruher Firma Dr. Willmar Schwabe, einem Produzenten pflanzlicher Arzneimittel, möglich. Wir sehen das als einen ganz besonderen Beitrag zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität im Jahr 2014“, freut sich Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz. Er wertet die Zuwendung als Anerkennung der Pharmazeutischen Biologie in Frankfurt und der Arbeit seines Kollegen Theo Dingermann. Dieser ist für sein Engagement in der Lehre (als Autor zahlreicher Lehrbücher und Professor des Jahres) sowie seiner Gremienarbeit, etwa als Biotechnologiebeauftragter des Landes Hessen, deutschlandweit bekannt.

„Die Pharmazie strahlt in Frankfurt etwas sehr Dynamisches aus. Das hat mich sofort angezogen“, so der erste Eindruck von Robert Fürst. Seine jetzigen Kollegen sind ein gut eingespieltes Team. Deshalb fiel ihm es auch nicht schwer, von München an den Main zu ziehen. Der Forscher, der mit nur 37 Jahren auf eine volle Professur berufen worden ist, hatte ursprünglich keine wissenschaftliche Karriere geplant. Nach einem Vordiplom in Physik wechselte er in die Pharmazie, weil er ein Studium mit möglichst breiter naturwissenschaftlicher Bildung bevorzugte. Nach dem 2. Staatsexamen absolvierte er seine Zeit als Pharmaziepraktikant zunächst in der Apotheke, wechselte dann aber zu Prof. Angelika Vollmar am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München – und blieb, weil ihm die Forschung so gut gefiel, bis zur Habilitation.

Informationen: Prof. Robert Fürst, Institut für Pharmazeutische Biologie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29650; fuerst@em.uni-frankfurt.de.

 

Sonstige

Nov 16 2012
12:51

Nachfolger des Frankfurter Höchstleistungsrechners LOEWE-CSC weltweit zweiter bei Energieeffizienz

Saudi-arabischer Supercomputer nach hessischem Vorbild

FRANKFURT/RIAD. Der saudi-arabische Supercomputer „SANAM“ hat im weltweiten Vergleich der energiesparendsten Supercomputer den zweiten Platz belegt. Auf der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste „Green500“, die zwei Mal jährlich die Energieeffizienz der schnellsten Computer weltweit vergleicht, erreichte das deutsch-arabische Gemeinschaftsprojekt diesen Spitzenplatz mit einer Rechenleistung von 2.351 Millionen Rechenoperationen pro Sekunde je Watt. Der Supercomputer entstand in der Zusammenarbeit zwischen dem führenden saudi-arabischen Forschungszentrums „King Abdulaziz City for Science and Technology“ (KACST) in Riad, dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Universität und dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR). „SANAM“ ist eine Weiterentwicklung des Frankfurter Höchstleistungsrechners LOEWE-CSC, der bei seiner Inbetriebnahme vor zwei Jahren der energiesparendste Großrechner Europas war.

Der arabische Name „SANAM“ bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung den Kamelhöcker, in dem Fett gespeichert wird, das für zwei Wochen das Überleben des Kamels sichert. „SANAM“ gehört zu den 500 schnellsten Computern der Welt, auf der weltweiten Rangliste „Top500“ belegt er Platz 52. Im Nahen Osten hält er die Spitzen-Position. „SANAM“ wird am KACST für Anwendungen in Seismik, Luftfahrt, Bioinformatik, Wetterforschung und Simulation eingesetzt. Für die Testläufe wurde der Supercomputer von einem deutsch-saudi-arabischen Team am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt aufgebaut. In den nächsten Monaten wird er in die saudi-arabische Hauptstadt Riad gebracht.

Wie der LOEWE-CSC ist auch „SANAM“ mit einem speziellen Kühlsystem ausgestattet und verwendet handelsübliche Hochleistungs-Grafikkarten, wie sie in Arbeitsplatzcomputern eingesetzt werden. In der Rechengeschwindigkeit ist „SANAM“ etwa 40 Prozent schneller als LOEWE-CSC, aber verbraucht pro Rechenoperation nur ein Drittel der Leistung. Erreicht wurde dies durch die Verwendung von mehr Hochgeschwindigkeits-Grafikchips in Verbindung mit optimierter Systemsoftware.

Der FIAS-Vorstandsvorsitzende und Professor für Architektur von Hochleistungsrechnern an der Goethe-Universität, Professor Volker Lindenstruth, sagte: „Die moderne Forschung ist entscheidend auf immer schnellere Supercomputer angewiesen. Sie können in Zukunft aber nur installiert werden, wenn Energieeffizienz ein entscheidendes Kriterium ist. Wir freuen uns, dass wir in Zusammenarbeit mit einem ambitionierten Forschungsland neue Technologien für eine immer bessere Energieeffizienz entwickeln können und dabei in den „Green500“ neue Maßstäbe setzen.“

Informationen: Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), Campus Riedberg, Tel: (069) 798-44100; voli@compeng.de. fias.uni-frankfurt.de

Sonstige

Die Vertreter der Konferenz der Hochschulpräsidien der Universitäten (KHU) und Fachhochschulen (KHF), Prof. Dr. Werner Müller-Esterl und Prof. Dr. Detlev Reymann, sowie weiterer Wissenschaftseinrichtungen haben heute in Frankfurt gemeinsam mit dem Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann den Startschuss für die Wissenschaftsoffensive „Hessen schafft Wissen“ gegeben. Die Offensive schafft eine neue kommunikative Plattform, um die Leistungsfähigkeit und Erfolge der beteiligten Partner einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Gleichzeitig soll sie den Nutzen und die Ergebnisse von Forschung und Wissenschaft für die Gesellschaft erläutern.

„Wissenschaft und Forschung sind Grundlagen, damit auch künftige Generationen im Wohlstand leben können. Die Leistungsfähigkeit unseres Landes und die Stärke unserer Wirtschaft sind keine Selbstverständlichkeit. Wir verdanken dies vielmehr den Menschen, die mit ihrer Arbeit in Wissenschaft, Forschung und Lehre Tag für Tag Innovationen und damit Fortschritt ermöglichen. Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern aber noch besser erklären, warum wir weiterhin in Wissenschaft und Forschung investieren: Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes, um zukunftsfähige Arbeitsplätze, und um Chancen und Perspektiven künftiger Generationen und den Nutzen für die Menschen“, sagte Ministerpräsident Bouffier. „Ich freue mich, dass wir mit dieser Offensive den Wissenschaftsstandort Hessen im nationalen und internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe noch besser positionieren können“, sagte Ministerin Kühne-Hörmann.

„Hessen setzt mit seinen Investitionen in Wissenschaft und Forschung auch im bundesweiten Vergleich ein klares Zeichen für die Innovationsfähigkeit des Landes. Dafür ist nicht zuletzt das Forschungsförderungsprogramm LOEWE ein sichtbarer Beleg. Es kommt jedoch darauf an, auch den konkreten Nutzen für die Menschen in Hessen zu erklären“, betonte Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender Charité und Vorsitzender des LOEWE-Programmbeirats. „Es ist ein wichtiger Schritt, mit der Kommunikationsinitiative die Vielzahl an innovativen und international herausragenden Forschungsprojekten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.“

„Ohne Wissenschaft hat die Gesellschaft keine Zukunft. Doch Wissenschaft ist kompliziert und kostspielig. Oft findet sie in Labors weitab vom Alltag hinter verschlossenen Türen statt. Für viele Bürger ist sie deshalb ein Buch mit sieben Siegeln. Wir Forscher sind jedoch auf die finanzielle Unterstützung von Bund und Land, also jedes Steuerzahlers, angewiesen. Daraus leitet sich eine besondere Bringschuld für uns ab. Deshalb ist die Offensive „Hessen schafft Wissen“ zu unterstützen, da sie in einfachen Worten erklärt, welche Bedeutung Wissenschaft für die Gesellschaft hat“, sagte der Präsident der Goethe-Universität, Müller-Esterl.

„Der Wissenschaftsstandort Hessen hat sich nicht zuletzt dank der entschlossenen politischen und finanziellen Unterstützung durch die hessische Landesregierung ausgezeichnet entwickelt. Ein Markenzeichen dabei ist die international vorbildliche Vernetzung von universitärer und außeruniversitärer Forschung wie sie beispielsweise im LOEWE-Projekt "Helmholtz International Center (HIC) for FAIR“ und der Doktorandenschule erfolgreich praktiziert wird“, erklärte Prof. Dr. Horst Stöcker, Geschäftsführer der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH. „Die durch die Exzellenzinitiative LOEWE und Helmholtz geförderten Kooperationen der hessischen Universitäten mit der GSI, in denen das Know-how der Universitäten für die Forschung und Entwicklung gebündelt und die Ausbildung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses in Hessen für FAIR gesichert wird, ist ein überragender Erfolg. Allein rund 130 Professuren und 260 Doktoranden forschen in diesem Bereich. Die Kooperationen sind gleichzeitig die Voraussetzung, damit weltweit einmalige Großprojekte wie das internationale Beschleunigerzentrum FAIR am Wissenschaftsstandort Hessen realisiert werden.“

In einem ersten Schritt werden hessische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Botschafter der Initiative mit ihren Projekten auf der Internet-Plattform www.hessen-schafft-wissen.de vorgestellt. Bereits rund 70 Vertreterinnen und Vertreter der hessischen Hochschulen engagieren sich im Rahmen der Offensive für ihren Wissenschaftsstandort. Begleitet wird der Start der Initiative durch eine gemeinsame Banneraktion der staatlichen Hochschulen.

Im Jahr 2013 folgen eine Reihe weiterer Projekte. Dabei stehen neben Pressearbeit und Werbung insbesondere unterschiedliche Formate im Fokus, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. So soll eine Umfrage in der Bevölkerung Fragen an die Wissenschaft aus den Bereichen der Grundlagen- und angewandten Forschung ermitteln. Wichtige Zukunftsthemen sollen dann regional und thematisch im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern erörtert werden. Durch die Vielzahl an einzelnen Vorhaben erreicht die Offensive eine große Sichtbarkeit. Darüber hinaus ist eine Präsenz der Wissenschaftsoffensive auf dem Hessentag in Kassel, ein Parlamentarischer Abend im Hessischen Landtag, ein mobiler Hörsaal, ein Wissenschaftstag und die Verleihung des hessischen Nachwuchspreises geplant.

Die Offensive „Hessen schafft Wissen“ ist zunächst konkret bis 2014 angelegt. Nach Finanzierung der Startphase insbesondere für die konzeptionelle Arbeit durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Höhe von 500.000 Euro, stellt das Land Hessen in Abstimmung mit den Hochschulen aus dem Innovationsbudget ab 2013 bis zu einer Million Euro pro Jahr bereit.

Kontakt:
Geschäftsstelle der Wissenschaftsoffensive
Tel.: 0611 / 95017-8111
Fax: 0611 / 95017-8620
Email: buero@hessen-schafft-wissen.de
Homepage: www.hessen-schafft-wissen.de

Forschung

Nov 15 2012
11:36

Junior-Professor Robert Ernst forscht an der Grenze zwischen Biochemie und Zellbiologie

Wie Fette die Zellmembran unter Stress setzen

FRANKFURT. Ungesättigte Fettsäuren sind für den Körper lebensnotwendig. Die Ernährung in der westlichen Welt ist reich an tierischen, gesättigten Fettsäuren. Wie sich das auf die Zellmembranen auswirkt, veranschaulicht Juniorprofessor Robert Ernst durch den Vergleich mit Menschen auf einer Party: gesättigte Fettsäuren sind wie steif herumstehende Gäste, während die  ungesättigten Fettsäuren gestikulieren und sich zur Musik bewegen. „Wie wichtig das Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren in der Zellmembran ist, zeigt sich daran, dass es fein reguliert ist“, erklärt er. „Gerät es aus dem Gleichgewicht, reagiert die Zelle mit Stress bis hin zum Zelltod.“ Warum das so ist, ist eine der Fragen, die der Nachwuchsforscher mit seiner im Aufbau befindlichen Forschergruppe klären möchte. Im August kam er mit einem Emmy Noether Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Goethe-Universität.

Robert Ernst, der zuvor am Max Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden arbeitete, ist fasziniert von der Komplexität der Zelle. In einer biologischen Membran gibt es hunderte verschiedener Fette (Lipide), die nicht nur untereinander, sondern auch mit den Membranproteinen wechselwirken. Woher weiß die Zelle, wie sie die Lipid-Zusammensetzung in ihrer Membran einstellen muss? Und wie reagiert sie, wenn das Gleichgewicht gestört ist? Ernst untersucht dies an Hefestämmen, bei denen Gene für die Herstellung bestimmter Lipide gezielt ausgeschaltet wurden. Seine Studien belegen ein intensives Zwiegespräch zwischen der Lipidzusammensetzung und der Qualitätskontrolle von Proteinen. In Kollaboration mit einer Forschungsgruppe an der University of California in San Francisco beginnt nun die Suche nach einer zellulären Maschinerie, die fehlerhafte, gestresste Membranen erkennt.

„Im Elektronenmikroskop kann man sehen, dass sich bei Membranstress am Zellkern Ausstülpungen bilden, die Rosenblüten ähnlich sehen“, erläutert Ernst. Dauert das Lipid-Ungleichgewicht länger an, führt dies sogar zum programmierten Zelltod. Die Phänomene, die hier in Hefezellen beobachtet werden, können analog zu der Situation in Insulin-produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gesehen werden. Ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren erhöht das Risiko für Diabetes, indem es einen dauerhaften Stress auf die Zellen ausübt. Bei den gentechnisch veränderten Hefen hört die Stress-Reaktion auf, wenn man die fehlenden ungesättigten Fettsäuren zufüttert. Was mit den unter Stress gebildeten Strukturen passiert, ist noch nicht klar. Robert Ernst vermutet, dass die Zelle sie durch Selbstverdauung (Autophagie) zerlegt und die Bausteine dann neu verwendet.

Die Goethe-Universität kennt der 35jährige noch aus der Zeit seiner Diplomarbeit am Institut für Biochemie von Prof. Robert Tampé. Damals, vor zehn Jahren, konnte er in der Mittagspause noch durch Rapsfelder spazieren gehen. Dass der studierte Humanbiologe sich nun erneut für Frankfurt entschied, erklärt er mit der spürbaren Aufbruchstimmung, die durch die Vielfältigen Veränderungen am Campus Riedberg mit neu berufenen jungen Kollegen ausgeht. Hier sieht er viele Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu gestalten und Synergien zu nutzen.

Für Bildanfragen bitte bei der Pressestelle melden.

Informationen:
Junior-Prof. Robert Ernst, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29261, ernst@em.uni-frankfurt.de.

 

 

Forschung

Nov 15 2012
11:34

Lars Schäfer entschlüsselt die Dynamik von Membranproteinen

Simulation einer molekularen Saloon-Tür

FRANKFURT. Was in die Zelle hinein gelangt und was sie wieder hinauswirft, regeln Proteine in der Zellmembran. Sie sind deshalb von großer pharmazeutischer Bedeutung, wie kürzlich erst durch den Nobelpreis für Chemie bestätigt. An der Goethe-Universität hat die breit gefächerte Forschung auf diesem Gebiet unlängst Verstärkung bekommen: Dr. Lars Schäfer kam als Emmy Noether Nachwuchsgruppenleiter von der Universität Groningen nach Frankfurt. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft erlaubt ihm den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe und die Qualifikation für eine Professur in den nächsten fünf Jahren. Am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie simuliert er die Funktion von Membran-Proteinen durch aufwändige molekulardynamische Computer-Simulationen.

Lars Schäfer erklärt seine Arbeit am Beispiel der so genannten ABC-Proteine, die viele verschiedene Stoffe aus der Zelle hinaus befördern – sowohl unerwünschte als auch erwünschte, wie z.B. Antibiotika. Diese Proteine durchziehen die Membran von außen bis ins Zellinnere, wo sich ein kleiner „Motor“ befindet. Wird dieser mit dem Treibstoff ATP in Gang gesetzt, klappen die nach außen ragenden Enden des Proteins wie eine Saloon-Tür auf und transportieren so die Moleküle aus der Zelle. „Wie das in Einzelnen funktioniert, ist nicht im Detail verstanden“, erklärt Schäfer. „Die Experimente geben uns nur Schnappschüsse vom Anfangs- und Endzustand des Proteins. Unser Ziel ist es, die Zwischenschritte zu simulieren und damit gewissermaßen einen Film der dazwischen liegenden Bewegung zu kreieren.“

Die Simulationen, die jedes einzelne Atom im Protein darstellen, sind äußerst zeitaufwändig, denn sie müssen zusätzlich die benachbarten Fettmoleküle der Zellmembran und das umgebende Wasser berücksichtigen – insgesamt mehrere hundert tausend Atome. Um die Rechnungen zu vereinfachen, versucht Schäfer deshalb, die Umgebung des ABC-Proteins durch grobkörnigere Einheiten zu repräsentieren. Wichtig ist immer wieder der Vergleich mit experimentellen Daten. Werden diese durch die Computermodelle ausreichend genau reproduziert, kann sich der Theoretiker auch Vorhersagen zutrauen.

„Die Forschungsumgebung auf dem Campus Riedberg mit den vielen experimentell und theoretisch arbeitenden Gruppen auf dem Gebiet der Membranproteine ist für mich optimal“, sagt der 34jährige. Das Umfeld habe auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bei der Bewilligung seines Emmy Noether Antrags als zusätzliches Argument überzeugt. Sein Interesse an interdisziplinärer Kooperation kann der Chemiker und Biophysiker in Frankfurt ausleben, denn hier findet er das gesamte Spektrum von der theoretischen Physik bis zu den Lebenswissenschaften.

Für Bildanfragen bitte bei der Pressestelle melden.

Informationen:
Dr. Lars Schäfer, Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29441, schaefer@chemie.uni-frankfurt.de.

 

 

Sonstige

Nov 15 2012
11:30

Im Fokus: Multiple Sklerose, Schmerz, Autoimmunerkrankungen und Diabetes/Kooperation mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Doktorandenschule für Arzneimittelforschung eröffnet

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat heute mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung die Doktorandenschule „Translational Research Innovation – Pharma“ (TRIP) eröffnet. Künftig werden jeweils vier bis acht begabte Nachwuchsforscher und -forscherinnen als Stipendiaten ein Thema aus den Gebieten Multiple Sklerose, Schmerz, Autoimmunerkrankungen oder Diabetes mellitus bearbeiten. An allen vier Indikationsgebieten besteht ein hohes medizinisches Interesse. Gleichzeitig werden mithilfe eines innovativen Ausbildungskonzepts exzellent ausgebildete Nachwuchskräfte für das geplante „House of Pharma“ herangezogen.

Die Graduiertenschule ist an die Goethe-Universität angebunden, die als einzige deutsche Universität die Arzneimittelforschung als universitären Forschungsschwerpunkt ausweist. Beteiligt sind Ärzte, Biochemiker, Bioinformatiker, Biologen, Chemiker, Pharmakologen und Pharmazeuten. „Damit wird die Doktorandenschule zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen der universitären Forschung und der durch die LOEWE-Initiative geförderten Fraunhofer-Projektgruppe für Translationale Medizin und Pharmakologie“, sagt Prof. Gerd Geisslinger, Sprecher des TRIP. „Von dem Praxisbezug profitiert nicht nur die Grundlagenforschung, sondern auch die regionale pharmazeutische Industrie“, betont Dr. Anna Eichhorn, stellvertretende Vorsitzende der Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main e. V.

TRIP vermittelt fundamentale Einblicke in die biomedizinische Forschung und ein fächerübergreifendes Methodenverständnis. „Die Promotionsprojekte umfassen alle Formen der Erforschung von Ursachen, Entstehung und Verlauf von Krankheiten sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrer Prävention, Erkennung und Behandlung“, so Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstand der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Beispielsweise charakterisieren die Projekte zur Schmerzforschung die individuelle Reaktion auf Schmerzen. Ausgehend von Genom-weiten Untersuchungen an Schmerzpatienten sollen neue Zielstrukturen identifiziert und deren Bedeutung bei der Verarbeitung von Schmerzen untersucht werden.

Das TRIP wird zu einer wesentlichen Säule des geplanten „House of Pharma“ mit dem Ziel, die Rhein-Main-Region als Kompetenzcluster der Pharmaforschung in Deutschland weiter zu profilieren. Die zweite tragende Säule ist die mit acht Millionen Euro von der Loewe-Initiative des Landes Hessen geförderte Fraunhofer-Projektgruppe zur Translationalen Medizin und Pharmakologie, die künftig in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut überführt werden soll“, erklärt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität. Weitere Beiträge zur Stärkung der Pharmaforschung leisten bereits die Fachbereiche Biochemie, Chemie, Pharmazie und Medizin der Goethe-Universität sowie das FIRST-Programm, das Hans Kröner-Graduiertenkolleg und das Zentrum für Arzneimittelforschung, -entwicklung und -sicherheit (ZAFES).

Informationen:
Prof. Dr. Dr. Gerd Geisslinger, Institut für Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301-7619, geisslinger@em.uni-frankfurt.de. Dr. Susanne Schultz-Hector, Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Postfach 1852, 61352 Bad Homburg Tel.: (06172) 897510, kontakt@ekfs.de.

Personalia/Preise

Nov 15 2012
11:27

Hessisches Wirtschaftsministerium verlängert Amtszeit um 2 Jahre

Theo Dingermann erneut Beauftragter für Biotechnologie

FRANKFURT. Theo Dingermann, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität, ist vom Hessischen Wirtschaftsministerium erneut zum Beauftragten für Life Sciences und Biotechnologie berufen worden. Diese in Hessen einzigartige Position zielt auf die wirtschaftliche Förderung der Biotechnologie durch einen wissenschaftlichen Experten und wird für jeweils zwei Jahre vergeben. Deutschlandweit stellt Hessen mehr als ein Drittel der Produktionskapazität in der „roten“ (medizinischen) Biotechnologie, die sich vor allem der Herstellung von Medikamenten widmet.

„Das ist eine großartige Auszeichnung für Theo Dingermann und vor allem auch für die Goethe-Universität“, freute sich Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, auch in seiner Eigenschaft als Professor für Pharmazie. Dingermann ist für sein Engagement in der Lehre, als Professor des Jahres und Autor zahlreicher Lehrbücher sowie als Herausgeber pharmazeutischer Fachzeitschriften deutschlandweit bekannt. „Uns liegt viel daran, Theo Dingermann auch nach seinem offiziellen Ausscheiden im Jahr 2013 als Seniorprofessor an die Uni binden“, betont Schubert-Zsilavecz.

Informationen:
Prof. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29650, dingermann@em.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

FRANKFURT. Die Bundesregierung hat Volker Wieland, Professor für Monetäre Ökonomie am Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) im House of Finance der Goethe-Universität, als neues Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorgeschlagen. Nach Berufung durch den Bundespräsidenten würde Wieland vom 1. März 2013 an für fünf Jahre im Rat mitarbeiten.

Wieland zeigte sich über die Entscheidung des Bundeskabinetts hocherfreut: „Im Fall meiner Berufung durch den Bundespräsidenten werde ich mich sehr gerne in die Arbeit des Sachverständigenrates einbringen. Ich fände es spannend, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die wirtschaftspolitische Analyse und Beratung einfließen zu lassen. Von besonderem Interesse sind dabei für mich natürlich meine bisherigen Arbeitsschwerpunkte: Geldpolitik, Europäische Währungsunion, Haushaltspolitik und Konsolidierung sowie die Regulierung der Finanzwirtschaft." 

Volker Wieland hat seit März 2012 die von der Stiftung Geld und Währung finanzierte Professur für Monetäre Ökonomie am Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) inne. Seit Juni 2012 ist er Geschäftsführender Direktor des Instituts. Zuvor war er Professor für Geldtheorie und Geldpolitik an der Goethe-Universität. Wieland organisiert seit 2003 jährlich die " ECB and Its Watchers"-Konferenz, auf der sich der Präsident und Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank öffentlich der Diskussion mit Wissenschaftlern und Experten aus der Finanzwirtschaft stellen. Er promovierte 1995 an der Stanford University in Kalifornien und arbeitete anschließend fünf Jahre lang als Ökonom an der US-Notenbank Federal Reserve in Washington D.C.

Kontakt: Dr. Muriel Büsser, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im House of Finance, buesser@hof.uni-frankfurt.de; Tel: 069 798 34006

Sonstige

FRANKFURT. Die Präsidenten der Hochschulen in Frankfurt Rhein-Main drücken ihre tiefe Sorge aus über die am Dienstag bekannt gegebene Insolvenz der Frankfurter Rundschau (FR). Die FR gehört zu den meinungsbildenden Medien in Deutschland. Wir appellieren an die Verantwortlichen auf Verlags- und Geldgeberseite, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um ein Überleben des traditionsreichen Blattes als überregionale Qualitätszeitung zu gewährleisten.

Der Ruf Frankfurts und des Rhein-Main Gebiets als herausragender Medienstandort hat in den vergangenen Jahren bereits durch die Abwanderung wichtiger Verlage mit nationaler und internationaler Strahlkraft gelitten. Frankfurt ist die einzige deutsche Stadt, in der zwei überregionale Qualitätszeitungen erscheinen. Diese Meinungsvielfalt ist Ausdruck ihrer besonderen liberalen Tradition. Frankfurt Rhein-Main braucht daher die Frankfurter Rundschau.

Für die Hochschulen und Universitäten der Region ist das Angebot der Frankfurter Rundschau von großer Bedeutung. Die FR hat sich in besonderem Maße um die regionale und überregionale Hochschulberichterstattung verdient gemacht. Dies ist in einer Zeit, in der hochschul- und wissenschaftspolitische Themen auch in überregionalen Leitmedien eher auf dem Rückzug sind, ein nicht hoch genug zu wertender Beitrag zur Meinungs- und Willensbildung.

Wir hoffen daher, dass Belegschaft und Eigentümer einen Weg finden, um das weitere Erscheinen der Frankfurter Rundschau auch über den 31. Januar 2013 hinaus zu ermöglichen!

Dr. Detlev Buchholz (Präsident, Fachhochschule Frankfurt) Prof. Bernd Kracke (Präsident, Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach) Prof. Dr. Georg Krausch (Präsident, Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Prof. Dr. Werner Müller-Esterl (Präsident der Goethe-Universität Frankfurt) Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel (Präsident der Technischen Universität Darmstadt) Prof. Dr. Detlev Reymann (Präsident der Hochschule RheinMain Wiesbaden) Thomas Rietschel (Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) Prof. Dr. Udo Steffens (Präsident der Frankfurt School of Finance and Management)

 

Veranstaltungen

Nov 13 2012
17:22

Auftakt der Bürger-Universitäts-Hauptreihe „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte“ mit großer Resonanz. Lebendige Diskussion mit OB Feldmann und Experten in der Oper Frankfurt.

Banken- und Finanzkrise gefährdet Vertrauen in Marktwirtschaft

FRANKFURT. Ein Veranstaltungsort, der vor dem markanten Eurozeichen am Willy-Brandt-Platz und der Kulisse riesiger Bankentürme kaum hätte besser gewählt werden können. „Es ist unser Anliegen, mit der Bürger-Universität in der Stadt präsent zu sein“, betonte auch Uni-Vizepräsident Prof. Matthias Lutz-Bachmann in seiner Begrüßung. Unter dem Titel „Am Scheideweg. Krise des Kapitalismus – Krise der Demokratie?“ diskutierten Politik, Wissenschaft und Medien mit Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern über die gegenwärtige Finanz- und Staatschuldenkrise. Moderiert wurde der Abend von FAZ-Redakteur Manfred Köhler. Über 500 interessierte Zuhörer bescherten der Oper Frankfurt ein volles Haus.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte in seinem einleitenden Statement die Bedeutung des Themas für die Stadt Frankfurt: „In keiner anderen deutschen Stadt ist die Diskussion so präsent.“ Alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligten sich mittlerweile an der notwendigen Diskussion, auch Banker. Feldmann kritisierte das Gebaren vieler Akteure auf dem Finanzmarkt, das zu einem massiven Verlust an Vertrauen geführt habe; er betonte aber zugleich, dass ein ausreichender Geld- und Kapitalfluss Voraussetzung sei für eine funktionierende Marktwirtschaft.

FAZ-Redakteur Andreas Platthaus verglich in seiner Einführung das Finanzkrise des Jahres 2008 mit der von 1931. Damals wie heute hätten Staaten als letzte Instanz einschreiten müssen, um das wirtschaftliche Gefüge wieder zu stabilisieren. In den 30er Jahren seien es allerdings kriminelle Machenschaften gewesen, 2008 hätten neuartige Finanzinstrumente die Krise herbeigeführt. Die Finanzkrise, so Platthaus‘ Kritik, werde heute als Schuldenkrise der Staaten wahrgenommen, obwohl Staaten wie Spanien vor der Finanzkrise geringer verschuldet waren als beispielsweise Deutschland.

Hat die Finanzkrise ihre Wirkung in den Wissenschaften gehabt, fragte Moderator Köhler den Wirtschaftswissenschafter Reinhard Schmidt (Goethe-Universität). „Die Diskussion hat ganz gewiss stärker die Frage in den Fokus gerückt, wie Finanzsysteme gestaltet sein sollten. Da das mein Forschungsthema ist, bin ich gewissermaßen ein Krisengewinnler“, erläuterte Schmidt augenzwinkernd.

Ist die Gier der Banker der Hauptgrund für den Ausbruch der Krise? „Diese moralisierende Erklärung überzeugt mich nicht. Es geht um das System. Banker sind nicht zuletzt auch Getriebene von ihren Kunden, die auf der Suche nach höheren Profiten sind“, unterstrich  der Soziologe Christoph Deutschmann.

Erik Buhn, Frankfurter Occupy-Aktivist, betonte dagegen, dass die Finanz- und Staatschuldenkrise nicht automatisch zu einer Krise des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen müsse. Länder wie Island hätten auf die hohe Verschuldung von Staat und Banken nicht mit einem radikalen Sozialabbau, sondern mit einem hohen Maß an Solidarität reagiert.

In der sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde von vielen Beiträgern der Zusammenhang von Finanzkrise und Krise der Demokratie in den Fokus gerückt. Viele wünschten sich ein dauerhaftes Forum der Frankfurter Stadtgesellschaft, um bürgernah zentrale Fragen der Finanz- und Staatsschuldenkrise zu diskutieren.

Der nächste Termin der Diskussionsreihe „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte“ ist am 26. November. Thema des Abends wird dann sein: „Ohnmächtige Demokratie – autistische Ökonomie. Wer kontrolliert Finanzsystem und Ratingagenturen?“.

ACHTUNG: Neuer Veranstaltungsort: Campus Bockenheim, Hörsaalzentrum, Raum V!

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Universität zum Download: http://www.buerger.uni-frankfurt.de/39805965/programm_BuergerUni_WS_12-13.pdf

Weitere Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-23935, Fax: (069) 798-28530, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

 

Veranstaltungen

Nov 13 2012
17:19

Vortrag des Wirtschaftsprofessors Reinhard H. Schmidt am 21. November am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Mikrofinanzierung: Gutes tun und Geld verdienen?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Mikrofinanzierung ist in die Kritik geraten. Lange Zeit sah man in dem Angebot von Kleinstkrediten an Menschen, die für traditionelle Banken als Kunden nicht interessant sind, eine geradezu ideale Kombination aus unternehmerischem Handeln und sozialem Engagement, um auch den Armen eine Existenzperspektive zu eröffnen. Entwickelt wurde dieser Ansatz der Mikrofinanzierung von Muhammad Yunus, Ökonomieprofessor aus Bangladesch. Im Jahr 2006 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis. Doch mittlerweile mehren sich die Stimmen, die von einer unzulässigen Kommerzialisierung der Grundidee mit negativen Folgen für die Bedürftigen sprechen. Gibt es einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Profitstreben und Entwicklungshilfe? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines öffentlichen Vortrags des renommierten Frankfurter Wirtschaftsprofessors Reinhard H. Schmidt zum

Thema:   „Banken für alle – Mikrokredite zwischen Wohltätigkeit und Profit“

am:         Mittwoch, dem 21. November 2012, um 19.00 Uhr

Ort:        Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität,

Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe.

Reinhard H. Schmidt ist Professor für Internationales Bank- und Finanzwesen an der Goethe-Universität und Inhaber der Stiftungsprofessur für Finance and Accounting am House of Finance der Universität. Er gehört zu den profiliertesten Experten auf dem Gebiet der Mikrofinanzierung, und er hat auf diesem Gebiet seit vielen Jahren auch Erfahrungen in der Praxis gesammelt. Von ihm stammt die Studie „Microfinance, commercialization and ethics“. Am Forschungskolleg hat Schmidt im September als Fellow gearbeitet, sein Thema: „Genossenschaften und Sparkassen als Vorbilder moderner Mikrofinanzkonzepte?“ Während seines Forschungsaufenthaltes kooperierte er mit weiteren Experten. Gemeinsam betreiben sie ein Buchprojekt mit dem Arbeitstitel: „Was kann man aus der Geschichte der Sparkassen und Genossenschaften für die Gestaltung und die internationale Förderung von Mikrofinanzbanken in Entwicklungs- und Transformationsländern lernen?“

In seinem Vortrag zeichnet Schmidt die Entwicklung der Mikrofinanzierung nach, beginnend bei der von Yunus gegründeten Grameen-Bank und einiger anderer Mikrofinanzinstitutionen, die mittlerweile auf eine fast 30-jährige Geschichte zurückblicken können. Diese Institutionen vergeben teilweise sehr kleine Kredite an Kunden, die von herkömmlichen Banken nicht als kreditfähig angesehen werden. Lange Zeit galten Mikrokredite und die Institutionen, die sie vergeben, allgemein als ethisch gut. Doch mit der Zeit gingen die Meinungen darüber auseinander, ob man sie auch so betreiben sollte, wie Yunus es mit seiner Bank vormacht. Einige Finanzexperten, darunter Prof. Schmidt, vertraten den so genannten „kommerziellen Ansatz“ mit der Begründung, man könne noch viel mehr Menschen helfen, wenn sich Mikrofinanzinstitutionen eher geschäftsmäßig und nicht nur wie Wohltätigkeitsorganisationen verhielten. „Auch diese Position ist ethisch respektabel, und zudem überzeugt sie jeden, der ökonomisch denkt“, so der Wirtschaftswissenschaftler Schmidt.

Aktuell gibt es schätzungsweise 10.000 Institutionen, die auf die eine oder andere Weise Mikrokredite anbieten. Sie sind in allen Entwicklungsländern und in den meisten ehemals kommunistischen Ländern in Osteuropa und in Asien zu finden. Viele von ihnen haben sich inzwischen zu richtigen „Banken für kleine Leute“ entwickelt. Sie bieten neben Krediten auch Sparbücher und Versicherungen an und sie erreichen heute weite Bevölkerungskreise. Das ist ein unbestreitbarer Erfolg der kommerziellen Umorientierung der Mikrofinanzierung. Zumindest in einigen Fällen scheint die kommerzielle Orientierung aber Überhand genommen zu haben. Der eigentliche ethische und entwicklungspolitische Anspruch dagegen geriet mehr und mehr in Vergessenheit oder war wohl gar nicht intendiert. Schmidt: „Wenn es, wie in Indien, zu Selbstmorden kommt, weil arme Leute die Last der ihnen aufgedrängten Kredite nicht mehr tragen können, wird plötzlich nicht nur der ‚kommerzielle Ansatz’, sondern die ganze Mikrofinanzierung ethisch fragwürdig.“

Was aber ist die Alternative? Reinhard H. Schmidt will in seinem Vortrag darlegen, wie die negativen Folgen der seiner Meinung nach unvermeidbaren geschäftsmäßigen Ausrichtung vermieden werden können und sich dadurch der ethische und entwicklungspolitische Anspruch der Mikrofinanzierung bewahren lässt. Die Einführung und Moderation des Abends hat der Frankfurter Rechtsprofessor Klaus Günther, Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität.

Die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Anmeldung:

Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen:

Prof. Dr. Klaus Günther, Direktorium, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe- Universität, k.guenther@jur.uni-frankfurt.de; Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de 

 

Personalia/Preise

Nov 13 2012
11:54

Früherer Universitätspräsident und Professor für Physikalische Chemie im Alter von 79 Jahren verstorben.

Goethe-Universität trauert um Hartwig Kelm

FRANKFURT. Am 11. November 2012 verstarb Prof. Dr. Hartwig Kelm, Ehrensenator und Präsident a. D. der Universität Frankfurt. „Die Goethe-Universität wird ihren Ehrensenator Hartwig Kelm als herausragende Persönlichkeit stets in bester Erinnerung behalten. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl.

Professor Dr. Hartwig Kelm studierte an der Frankfurter Goethe-Universität Chemie und promovierte dort 1962. Danach wechselte er als Assistant Professor an die State University of New York, kam jedoch 1970 als Professor für Physikalische Chemie nach Frankfurt zurück. Schon fünf Jahre später rückte er in das Präsidium der Goethe-Universität auf, zunächst als Vizepräsident von 1975 bis 1977, dann als ihr Präsident von 1979 bis 1986. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität, die Prof. Kelm als Vorsitzender viele Jahre lang leitete. In Dankbarkeit und Anerkennung seines Engagements ernannte ihn der Senat der Goethe-Universität 2002 zum Ehrensenator.

Professor Dr. Hartwig Kelm hat sich zudem als Intendant des Hessischen Rundfunks verdient gemacht sowie als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland.

 

Forschung

Nov 12 2012
11:48

Frankfurter Soziologe erforscht, was eine geänderte Bestattungskultur über den sozialen Wandel der Gesellschaft aussagt

Handy statt Engel – Uniformität der Friedhöfe war gestern, heute dominiert individuelle Gestaltung

FRANKFURT. Der Tod beendet das Leben – aber muss dies auch zwangsläufig das Ende der Individualität bedeuten? Wenn Menschen meinen, in traditionellen Ritualen keine Orientierung mehr zu finden, suchen sie auch für den letzten Gang ihrer Angehörigen einen ganz eigenen Weg. Die Bestattungskultur als Seismograph für sozialen Wandel – der Frankfurter Soziologe Dr. Thorsten Benkel ist davon überzeugt, dass Friedhöfe sich bestens eignen, um „Transformationsvorgänge“ in der Gesellschaft zu diagnostizieren. „Friedhöfe sind eben nicht die Endstation der Gesellschaft“, so der Wissenschaftler, der im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universität forscht. Die Uniformität der Friedhöfe war gestern, heute dominiert zusehends die individuelle Gestaltung der Gräber.

Benkel hat in den vergangenen eineinhalb Jahren „Feldforschung auf dem Friedhof“ betrieben: 160 Friedhöfe insbesondere in bundesdeutschen Großstädten und im Rhein-Main-Gebiet erkundete er – manche auch mehrmals. Er hat mit Bestattern, Steinmetzen und Angehörigen gesprochen. Noch ist die Studie nicht abgeschlossen, aber einige wichtige Tendenzen lassen sich bereits ablesen: „So sind an die Stelle religiöser Symbole und der damit verbundenen Dokumentation einer Religionszugehörigkeit Verweise auf die individuelle Persönlichkeit getreten“, konstatiert Benkel. „Zwar ist das Symbol des Kreuzes nach wie vor weit verbreitet; es gilt allerdings eher als ein Zeichen des Verlusts und der Trauer.“ Fotos auf Grabsteinen sind in einigen Regionen Deutschlands schon im 20. Jahrhundert üblich gewesen, doch inzwischen findet man sie häufiger – und auch die Art der Fotos spiegelt wider, dass die Angehörigen den Verstorbenen individueller und leibhaftiger darstellen wollen, ein einfaches Porträtfoto reicht dafür nicht aus. Beliebt sind Fotos beispielsweise in vertrauter Umgebung, bei Freizeitbeschäftigungen, sogar im Kreis von Freunden oder in alltagstypischen Situationen. Hobbys werden sehr häufig und in verschiedenster Weise dargestellt: das geliebte Kleidungsstück, der Geigenkasten, die Rockgitarre, Golf- und Hockeyschläger, Snow- und Skateboards und militärische Devotionalien werden in die Grabgestaltung integriert. Es gibt Grabsteine in Form von Autos, Gebäuden, Mänteln, Tieren, Instrumenten, Rechenschiebern, Schiffen, menschlichen Körpern oder – was in der Welt der ständigen Erreichbarkeit auch an Orten der letzten Ruhe nicht ausbleiben darf: in Form eines Mobiltelefons.

„Friedhofsbesuchern bleiben die Vereinszugehörigkeiten, individuelle Ansichten und gar Lebensphilosophien der Verstorbenen nicht verborgen“, berichtet Benkel. Nicht jede intime Zuneigungsbekundung, jedes Zitat, jeder Racheschwur oder Sinnspruch lässt sich entziffern; kryptische Formulierungen, die nur den Eingeweihten vorbehalten sind, wecken gleichermaßen erhöhte Aufmerksamkeit bei zufälligen Besuchern. Ist diese neue Bestattungskultur nicht die reale Fortsetzung der virtuellen öffentlichen Darstellung – vom Facebook zum Friedhof? Dazu Benkel, der sich seit Jahren in seiner Forschung auch mit Praxen der individuellen Selbstpräsentation im Internet beschäftigt: „Die individuelle Lebenswelt der Menschen dringt immer mehr nach außen; die Trennung von Öffentlichkeit und Privatsphäre durchläuft einen Wandel – im Leben und auch danach.“ Zu Zeiten, als mit der Herkunft auch schon der spätere Beruf oder der Wohnsitz und damit die spätere Grabstätte fest stand, gehörten diese Angaben auch ins Repertoire der Grabinschriften – doch auch das hat sich mittlerweile geändert: „In der Bestattungskultur geht es nicht mehr so sehr darum, dass die Angehörigen den Verstorbenen in einen gemeinschaftlichen Rahmen, zum Bespiel in die Dorfgemeinschaft, eingliedern, im Vordergrund steht heute vielmehr die Feier der persönlichen Einzigartigkeit“, erläutert der Soziologe.

Eigentlich ist der Friedhof ein Ort der Kollektivierung, ja fast der Gleichmachung – zumindest verbindet alle der endgültige Abschied vom Leben im Diesseits. Ist die neue Gestaltungsvielfalt der Grabstätten auch als individueller Ausbruchsversuch zu werten? „Ja, das lässt sich aus soziologischer Perspektive so deuten“, meint Benkel. Es lassen sich aber zeitgleich zwei extreme Tendenzen beobachten: so individuell wie möglich – so anonym wie möglich. Denn Beisetzungen im Friedwald oder auf Rasenflächen ohne Namenskennung erfahren seit einigen Jahren enormen Zuspruch. Wie erklärt der Soziologe diese Dialektik zwischen Individualität und Anonymität? „Das ‚Fehlen‘ eines Grabes steht einerseits für die Freiheit, damit auch für die Eigenbestimmtheit, aus etablierten Formen auszubrechen; es birgt andererseits aber auch einen pragmatischen Aspekt: Diese Form der Bestattung ist die kostengünstigste und für die Angehörigen fällt keine Pflege an.“ Und sie entspricht der zunehmenden Mobilität der Gesellschaft, wo für den regelmäßigen Besuch auf dem Friedhof und die Grabpflege oft keine Zeit bleibt. Die November-Rituale gehören heute noch am ehesten in den religiös geprägten und vor allem stärker ländlichen Regionen zu den anerkannten Konventionen.

Das Forschungsthema „Neue Formen der Abschiedskultur“ ist für Benkel und seinen Mitarbeiter Matthias Meitzler nicht mit der Analyse der Gestaltungsvielfalt von Grabstätten ausgeschöpft. Auf seinem Programm stehen auch die soziale Relevanz des Umgangs mit toten Körpern (wie wird im Trauerfall der tote Körper von der Person unterschieden?), die Kommunikationsform von Todesfällen und Traueranzeigen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen gegenüber den Angehörigen. Bereits im August 2012 ist von Thorsten Benkel im Logos-Verlag (Berlin) das Buch „Die Verwaltung des Todes – Annäherungen an eine Soziologie des Friedhofs“ erschienen (ISBN 978-3-8325-3126-3, 173 Seiten, 23,50 Euro). Weitere Publikationen sind in Vorbereitung.

Informationen: Dr. Thorsten Benkel, Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798-28915, benkel@soz.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Nov 8 2012
13:11

Mit Prof. Annette Zimmer hat im aktuellen Wintersemester zum 4. Mal eine herausragende Forscherpersönlichkeit die Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung inne

Mehr Bürgergesellschaft wagen

FRANKFURT. 1914 von Frankfurter Bürgern um den damaligen Oberbürgermeister Franz Adickes als Stiftungsuniversität gegründet, wäre die Goethe-Universität wohl selbst ein gutes Anschauungsobjekt für Bürgergesellschaftsforschung. Dank der großzügigen Förderung durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hat das Thema 2009 mit Einrichtung der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung eine entscheidende Konkretisierung erfahren. Neben dem Namensstifter Alfred Grosser selbst (2009) konnten für die Gastprofessur bereits weitere prominente Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland gewonnen werden. Nach Prof. Saskia Sassen (2010) bekleidete im Wintersemester 2011/12 die Präsidentin der Maytree Foundation, Ratna Omidvar (Toronto), die Professur.

Mit Prof. Dr. Annette Zimmer gelingt im aktuellen Wintersemester zum vierten Mal eine herausragende Besetzung. Denn die Wissenschaftlerin gilt in Deutschland als führende Vertreterin dieses Forschungsgebietes. Annette Zimmer ist Professorin für Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie ist unter anderem Mitglied des Vorstandes der International Society for Third Sector Research (ISTR) und Initiatorin des Weiterbildungsstudienganges „Nonprofit Management and Governance“ der Universität Münster.

„Ich freue mich sehr über die Einladung nach Frankfurt“, sagte Zimmer. „Ich finde es richtig und gut, dass die Polytechnische Stiftung und die Goethe-Universität mit dieser Gastprofessur ein sichtbares Zeichen setzen, um die Bedeutung des Forschungsfeldes Bürgergesellschaft zu erhöhen und diesem mehr öffentliche Sichtbarkeit zu verschaffen. Ich bin gespannt auf die Begegnung und die Diskussionen mit Wissenschaftlerinnen und Studierenden an der Goethe-Universität und mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt.“

Universitäts-Vizepräsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl hob hervor, dass die Goethe-Universität aufgrund ihrer bundesweit einzigartigen Entstehungsgeschichte als Bürgeruniversität der richtige Ort sei für diese Gastprofessur. Die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts seien es seit Jahrhunderten gewohnt, Verantwortung für ihr Gemeinwesen zu übernehmen. Das dürfe aber im Umkehrschluss nicht dazu führen, dass sich die öffentliche Hand immer weiter aus öffentlichen Aufgaben zurückziehe und diese der Initiative Privater überlassen. „In diesem Sinne erhoffe ich mir, dass von der Gastprofessur eine bereichernde Debatte über die Zukunft bürgerschaftlichen Engagements ausgeht“, so Brühl.

Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, betonte, dass die Gastprofessur das Projektprofil der Stiftung im Bereich des Bürgerengagements hervorragend abrunde. „Die Gastprofessur gibt uns die Möglichkeit, im Dialog mit herausragenden Wissenschaftlern das Thema der Bürgerstädte und der Bürgergesellschaft, in dem wir mit praktischen Projekten aktiv sind, auch theoretisch zu reflektieren“, so Kaehlbrandt.

Prodekanin Prof. Birgit Blättel-Mink vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften erklärte als Programmverantwortliche der Gastprofessur: „Ich freue mich auf den intensiven Austausch mit Frau Zimmer: Zivil- und Bürgergesellschaftsforschung ist ein wichtiges wissenschaftliches Zukunftsthema, das bisher noch wenig erschlossen ist. Mit der Professur stärkt der Fachbereich seine international vergleichende Forschung in diesem Feld. Dabei werden Chancen und Potenziale des bürgerlichen Engagements ebenso beleuchtet, wie Defizite und Probleme der Selbstorganisation von Bürgern.“

Die „Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt wurde 2009 auf Vorschlag der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft gestiftet. Mit dem Projekt sollen die Forschung und der öffentliche Diskurs über die Bürgergesellschaft am Standort Frankfurt vorangebracht und international sichtbar gemacht werden. Namenspatron ist der in Frankfurt geborene, renommierte Politikwissenschaftler Alfred Grosser, ein zentraler Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Rahmen der Gastprofessur wird in jedem Jahr ein Wissenschaftler für bis zu sieben Wochen eingeladen, sich an der Goethe-Universität sowohl in öffentlichen Vorlesungen als auch in Seminaren für Studierende und Wissenschaftler mit dem Thema Bürgergesellschaft auseinanderzusetzen. Ziel ist es, einen fachlichen Austausch zum Thema Bürgergesellschaft zu initiieren, Seminare anzubieten sowie öffentliche Vorträge zu halten, die sich insbesondere an die interessierte Stadtöffentlichkeit richten.

Einladung zur öffentlichen Vorlesung: Annette Zimmer: Zivilgesellschaft – Herausforderungen und Potenziale, Vortrag am 19. November 2012, 19 Uhr, Renate von Metzler-Saal (Raum 1.801), Casino-Gebäude, Campus Westend

Informationen: Prof. Birgit Blättel-Mink, Tel.(069)798-22542, E-Mail: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen: Daphne Lipp, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, Tel.(069) 789 889-18, E-Mail: lipp@sptg.de

Personalia/Preise

Nov 7 2012
15:32

Jochen Hückmann fördert Spitzenforschung mit 500.000 Euro

Privatspende für die Goethe-Universität

FRANKFURT. Jochen Hückmann unterstützt die Spitzenforschung an der Goethe-Universität mit einer halben Million Euro aus seinem Privatvermögen. Das Präsidium der Goethe-Universität kann den „Hückmann-Fonds“ beispielsweise dazu verwenden, begabte Nachwuchswissenschaftler aus den Exzellenzclustern in Frankfurt zu halten, indem es ihre Stelle zu einer Juniorprofessur aufwertet.

„Es ist mir ein Anliegen, die Spitzenforschung an der Goethe-Universität im Vorfeld ihres 100jährigen Jubiläums zu stärken und damit meine Verbundenheit mit dem Standort Frankfurt zum Ausdruck zu bringen“, erklärt der 70jährige, der im Juni 2012 seine Funktion als geschäftsführender Gesellschafter der Merz Unternehmensgruppe an die 4. Generation übertragen hat.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl dankte dem Förderer: „Menschen wie Jochen Hückmann, die in schwierigen Zeiten bereit sind, Spitzenforschung substanziell zu fördern, sind ein Zeichen der Hoffnung für die Universität“.

Informationen:
Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-29339.

Veranstaltungen

Nov 7 2012
15:28

45 Wissenschaftler forschen interkonfessionell und interreligiös über Glaubenstraditionen

Navid Kermani bei Auftaktveranstaltung des Graduiertenkollegs „Theologie als Wissenschaft“

FRANKFURT. Bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung des neuen Graduiertenkollegs „Theologie als Wissenschaft“ wird der Kölner Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani am 15. November (Donnerstag) aus seinem Roman „Dein Name“ lesen und mit dem Frankfurter Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt ins Gespräch kommen. Dabei treffen sich literarische und religionsphilosophische Reflexion von Glaubenstraditionen im universitären Raum. Alle Interessierten sind eingeladen, den Gedankengängen zu folgen. Autorenlesung und Gespräch beginnen um 18.15 Uhr auf dem Campus Westend, Hörsaalzentrum (HZ 4).

Der Vater liegt sterbenskrank im Herzzentrum. „Die Mutter bittet die Pförtnerin, für den Vater zu beten, da stammelt die Pförtnerin, die offenbar vollständig areligiös ist, dass sie positive Energien beisteuern würde. Das ist doch Scheiße mit euren Energien, denkt der Jüngste, während er zum Aufzug vorangeht, dann lasst es doch gleich, wenn ihr nicht an Gebete glaubt.“ – Diese Szene aus Navid Kermanis Roman „Dein Name“ zeigt: Religion ist in der heutigen, pluralen Welt nicht (mehr) selbstverständlich. Die Deutungskompetenz der Religionen und der Wissenschaftscharakter ihrer Theologie(n) werden zunehmend als prekär empfunden. Aber die Szene zeigt auch: Spätestens in existentiellen Situationen beziehungsweise in religiös-säkularen Konfliktfeldern spielt auch in der (post)säkularen Gesellschaft Religion eine unausweichliche Rolle. Solche Konfliktfelder regen das Nachdenken über Religion, über Glaubenstradition ungemein an – im privaten wie auch im öffentlich-akademischen Raum – sie sind quasi „Theologie-produktiv“.

Navid Kermani war bereits im Sommersemester 2010 zu Gast in der Goethe-Universität: Als Stiftungsgastdozent der Frankfurter Poetik-Vorlesung sprach er an fünf Abend vor vollem Haus, einiges aus diesen Vorlesungen findet sich auch in seinen 2011 erschienenen Roman „Dein Name“ wieder. Der 1967 in Siegen geborene Schriftsteller ist einer breiten Öffentlichkeit durch die brillante wissenschaftliche Prosa seiner 1999 veröffentlichten Dissertation „Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran“ bekannt geworden, für die er mit dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet wurde.

Das Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft. Formierungsprozesse der Reflexivität von Glaubenstraditionen in historischer und systematischer Analyse“ wird getragen von der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg und der Gutenberg-Universität Mainz. Dem Kolleg gehören insgesamt 45 Mitglieder an, davon elf Stipendiatinnen und Stipendiaten. Die Wissenschaftler werden sich intensiv mit den unterschiedlichen Glaubenstraditionen und ihren vielfältigen Selbstbeschreibungen beschäftigen. Nicht die neutrale Beschreibung der Religion mit ihren verschiedenartigen Phänomen soll im Zentrum stehen, wie dies etwa für Religionswissenschaft, ­soziologie und ­psychologie gilt. Vielmehr geht es um die theologische Reflexion der Religionen mit ihren Geltungsansprüchen und Traditionen, die jedoch nicht isoliert, sondern konsequent im Kontext der anderen Religionen stattfindet.

Dabei sind Frankfurt und die Goethe-Universität als Mittelpunkt des neuen Kollegs prädestiniert. Die beiden christlichen Theologien, die jüdische Religionsphilosophie, die Judaistik, die islamische Theologie und die Geschichtswissenschaften pflegen an der Goethe-Universität seit Jahren einen intensiven Dialog, der nun durch das Graduiertenkolleg weiter vertieft und über die Grenzen der Universität hinaus ausgebaut wird. Dazu der Sprecher des Graduiertenkollegs Prof. Dr. Claus Arnold: „Für diese multireligiöse Metropole ist es eine intellektuelle Herausforderung ersten Ranges, die unterschiedlichen religiösen Traditionen in einen fairen und offenen Diskurs einzubinden. Dies gelingt nur in dem Maße, in dem sich die unterschiedlichen Religionen in ein reflexives Verhältnis zu ihrer je eigenen Tradition setzen können – und darin haben wir in Frankfurt Jahre lange Erfahrung.“

Informationen: Dr. des. Markus Müller, Fachbereich Katholische Theologie,  Koordinator des Graduiertenkollegs „Theologie als Wissenschaft“ und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Kirchengeschichte, Tel. 069/798-33328, markus.mueller@em.uni-frankfurt.de www.theol.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 7 2012
14:32

Goethe-Universität feiert mit Studierenden und Förderern erfolgreiches Stipendiaten-Jahr. Insgesamt konnten 382 Deutschlandstipendien vergeben werden.

Erfolgsmodell Deutschland-Stipendium

FRANKFURT. Eine große Freude war allen Beteiligten anzusehen: Die Stipendiatenfeier der Goethe-Universität am Campus Westend wartete mit glücklichen Studierenden auf und war ganz maßgeblich von einem Rekordergebnis geprägt: Die Zahl der Deutschlandstipendien konnte gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt werden. Nach 161 im Vorjahr kommen nun 382 Stipendien an leistungsstarke Studierende vergeben werden. Damit steht die Goethe-Universität in absoluten Zahlen der geförderten Studierenden hinter der RWTH Aachen bundesweit auf Platz 2. Keine andere deutsche Hochschule hat dabei im Verhältnis zu Unternehmenszuwendungen mehr fördernde Privatpersonen und Stiftung mobilisiert als die Goethe-Universität.

In Anwesenheit von zahlreichen Ehrensenatoren sowie Freunden und Förderern der Goethe-Universität erhielten die Stipendiaten eine Urkunde, die ihre Teilnahme am diesjährigen Jahrgang belegt. „Der große Erfolg des Deutschlandstipendiums an der Goethe-Universität ist ein sichtbarer Erfolg der Stiftungsuniversität. Es ist zugleich eine besondere Auszeichnung für die Studierenden, hier ein solches Stipendium zu erhalten.  Sie sind damit wichtige Botschafter der Universität. Ich wünsche allen Stipendiaten, dass sie ihre Ziele im Studium erreichen“, sagte Universitäts-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz in seinem Grußwort. „Stipendien sind hervorragende Instrumente, um jungen Talenten ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen. Wir hoffen, dass wir mit dieser rundum gelungenen Feier weitere Spender für die nächsten Stipendiaten-Jahrgänge mobilisieren können“, unterstrich Schubert-Zsilavecz.

Das Deutschlandstipendium bietet begabten Studierenden aus allen Nationen und Teilen der Gesellschaft die Chance, sich voll und ganz auf das Studium an ihrer Hochschule zu konzentrieren. Die Stipendiaten erhalten 3.600 € im Jahr; 50 % finanziert der Bund, die andere Hälfte muss die Universität über externe Spenden akquirieren.

Zahlen und Fakten zum Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität:

An der Goethe-Universität haben im Jahre 2012 174 Spender rund 690.000 Euro gespendet; zwei Drittel entfielen auf private Spender und Stiftungen, ein Drittel kam aus der Wirtschaft. Größte Spender waren: Johann Quandt-Universitätsstiftung (39); Adolf Messer Stiftung (35); Stiftung Giersch (20); Goldman Sachs (20); Banco Santander (20); Ehrensenator Kopper (15); Evonik (15); Freunde und Förderer (18); Insight Health (10); Rotary Club (10).

Die Goethe-Universität unterstützt die Stipendiaten darüber hinaus mit einem eigenen Begleitprogramm. So arbeiten die Studierenden in interdisziplinär zusammengesetzten Gruppen unter der Leitung von Mentoren an selbst gesetzten Aufgaben. Themen, die mit der Universität, der Stadt oder der Region zu tun haben und einem gemeinnützigen Zweck dienen, stehen dabei im Fokus - vom Umweltpreis über das friedliche Fußballstadion bis hin zum Konzept für studentisches Wohnen.

Weitere Informationen: Caroline Mattingley-Scott, Leitung Fundraising, Tel. (069) 798-22471, mattingley-scott@pvw.uni-frankfurt.de, www2.uni-frankfurt.de/38657302/dstipendium 

 

 

Veranstaltungen

Nov 5 2012
16:09

Prof. Annette Zimmer aus Münster ist eine international renommierte Expertin für das Thema Bürgergesellschaft

Neue Alfred Grosser-Gastprofessorin an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Eine aktive Bürgergesellschaft zeichnet sich durch die umfassende Einmischung und Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger aus. Der Boom von Vereinen und Stiftungen, die wachsende Bereitschaft von Bürgern und das zunehmende Interesse von Unternehmen, sozial aktiv zu werden, sind Indizien für einen grundlegenden Wandel unserer Gesellschaft.

Prof. Annette Zimmer, Inhaberin der 4. Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung, geht in ihrer Forschung solchen Phänomen des Wandels nach und betrachtet dabei auch die Schattenseiten, die sich unter anderem aus dem Rückzug des Staates aus vielen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge ergeben. Die Ebbe in den öffentlichen Haushalten führt dazu, dass die Unterstützung zunehmend reduziert wird, gleichzeitig aber die Anforderungen an die Zivilgesellschaft als „Lückenbüßer“ und alternativem Dienstleister steigen.

Anlässlich der Übernahme der Stiftungsgastprofessur durch Annette Zimmer laden Goethe-Universität und Stiftung Polytechnische Gesellschaft am

Donnerstag, den 8. November 2012, 11 Uhr, Campus Westend, IG Hochhaus, 1. Etage, Raum 1.418, Grüneburgplatz 1, Frankfurt

zu einem Mediengespräch ein, bei dem wir Ihnen Frau Zimmer und ihre Forschungsthemen öffentlich vorstellen möchten.

Ihre Gesprächspartner sind: Prof. Dr. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Prof. Dr. Annette Zimmer, Universität Münster, Inhaberin der 4. Alfred Grosser-Gastprofessur Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Prodekanin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Moderation: Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Universität.

Über Ihr Interesse freuen wir uns. Bitte teilen Sie uns per E-Mail (ott@pvw.uni-frankfurt.de) mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.

Zugleich dürfen wir Sie heute schon auf einen öffentlichen Vortrag von  Annette Zimmer hinweisen, über dessen Ankündigung wir uns sehr freuen: Zivilgesellschaft – Herausforderung und Potentiale Montag, 19. November, 19 bis 21 Uhr Campus Westend, Casino, Raum 1.801 (Renate von Metzler-Saal). Eine Veranstaltung im Rahmen der 8. Frankfurter Bürger-Universität

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Olaf Kaltenborn

Pressesprecher

Goethe-Universität

 

i. V. Stephan M. Hübner

Leiter Information & Kommunikation

Stiftung Polytechnische Gesellschaft