​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Mär 31 2020
10:03

Mehrheit der Studierenden will sich gesellschaftlich einbringen

AIWG-Expertise: „Wer studiert Islamische Theologie?“

FRANKFURT. Eine Erhebung im Auftrag der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität bietet einen Einblick in das Fach Islamische Theologie und seine Studierenden: 80 Prozent der Studierenden sind weiblich. Fast drei Viertel der Studierenden stammen aus einem nichtakademischen Elternhaus. Viele geben an, sich aktiv in die Gesellschaft einbringen zu wollen. Klare Berufsperspektive für die Absolventinnen und Absolventen fehlen indes.

Seit knapp zehn Jahren bilden Hochschulen in Deutschland – mittlerweile sind es elf an der Zahl – Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht und muslimische Theologen und Theologinnen aus. Derzeit gibt es knapp 2.500 Studierende. Doch wer studiert Islamische Theologie oder Religionspädagogik? Was sind die Beweggründe, dieses noch relativ junge Fach zu studieren? Antworten geben Lena Dreier und Constantin Wagner, die Autoren der Studie „Wer studiert Islamische Theologie? Ein Überblick über das Fach und seine Studierenden“. Die heute veröffentlichte Untersuchung wurde von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) in Auftrag gegeben.

Zum ersten Mal nimmt eine Expertise die Studierenden der Islamischen Theologie genauer in den Blick. Auffällig ist, dass die überwiegende Mehrheit von ihnen weiblich ist. Rund 70 Prozent der Studierenden sind zudem die ersten in ihrer Familie, die eine Universität besuchen. Knapp 80 Prozent haben Deutsch nicht als Muttersprache erlernt. Damit unterscheidet sich die Studierendenschaft laut Studie stark von anderen Fächern. „Da im Vergleich zu anderen Studiengängen überdurchschnittlich viele Studierende mit relativ wenig Bildungskapital in die Universität einsteigen, ist es nötig, die Didaktik des Fachs inhaltlich und finanziell zu stärken, so dass viele Studierende zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden können“, so Constantin Wagner.

Die Gründe, ein Studium der Islamischen Theologie aufzunehmen, sind ebenso vielfältig wie der biografische, kulturelle oder religiöse Hintergrund der Studierenden selbst. Allerdings zeichnen sich zwei Hauptmotive ab: Religiöse und gesellschaftspolitische Beweggründe sind für die Mehrheit bei der Studienwahl entscheidend. Über 90 Prozent der Studierenden fühlen sich dem Islam sehr stark oder stark zugehörig. Religion spielt im Alltag der Studierenden eine große Rolle. Daneben fühlt sich mehr als jeder zweite einer muslimischen Gemeinde zugehörig. Mehr als 60 Prozent der Studierenden bringen ein starkes Interesse an religiösen Fragen mit.

Während dies bei einem religionsbezogenen Studiengang wenig überrascht, sticht der Wunsch der Studierenden, gesellschaftsverändernd zu wirken, besonders hervor, insbesondere im Vergleich zur Gesamtstudierendenschaft an deutschen Hochschulen. Die Studierenden wollen einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Jedoch nicht nur innerhalb der Berufsfelder, über die häufig diskutiert und die zumeist von außen an die Studierenden herangetragen werden: Imame und Lehrerkraft für den islamischen Religionsunterricht. Wie lässt sich dieser starke Wunsch nach Veränderung bei den Studierenden erklären? Laut Studie spielen hier biografische Erfahrungen während der Schulzeit eine Rolle. Häufig wurde angegeben, als Muslim oder Muslimin angesprochen, mitunter auch diskriminiert worden zu sein. Professionalisierungsstrategien anzubieten, etwa im Umgang mit Fremdzuschreibungen, komme bislang noch zu kurz im Curriculum. „Die Vorerfahrungen der muslimischen Studierenden sind für sie als Teil ihres Studiums der Islamischen Theologie zentral“, sagt Lena Dreier.

Die Interviews mit den Studierenden zeigen, wie wichtig es ist, Berufsperspektiven deutlicher aufzuzeigen und zu ermöglichen – auch schon im Studium. Aufgrund der unklaren Berufsperspektiven gebe es nur wenige konkrete Anschlussperspektiven. Aber auch für Lehramtsstudierende gebe es große Unsicherheiten über die Ausrichtung und weitere Etablierung des islamischen Religionsunterrichts, etwa in Bayern und Hessen. Vielen Absolventen fehle es zudem an Vorbildern und Mentoren in der Berufswelt.

Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG: „Die Studie zeigt, dass die Absolventinnen und Absolventen sehr motiviert sind, sich in der Gesellschaft und den Gemeinden einzubringen. Dabei ist vielen unklar, wie sie das im Rahmen von konkreten Berufen tun können. Hier kommt es jetzt auf die Verantwortlichen in denjenigen Handlungsfeldern an, in denen ihre Expertise gefragt ist. Sie müssen Berufsperspektiven für ein neues Qualifikationsprofil öffnen. Hierfür kann das Fach selbst einen Beitrag leisten, indem es die eigenen Qualifikationsleistungen stärker nach außen trägt.“

Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer der AIWG: „Fast drei Viertel der Studierenden der Islamischen Theologie stammen nicht aus akademischen Elternhäusern. Sie sind die ersten in ihrer Familie, die studieren. Damit ermöglichen die islamisch-theologischen Studien an deutschen Universitäten Geschichten von Bildungsaufstieg, von gesellschaftlicher Partizipation und von sozialer Anerkennung in unserer Wissensgesellschaft. Jetzt gilt es, diese Potenziale nutzbar zu machen.“

Die Autoren:
Lena Dreier ist Promotionsstipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung und forscht an der Universität Leipzig.
Constantin Wagner ist Juniorprofessor für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Heterogenität an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Für die Expertise wurden narrative Interviews mit insgesamt 71 Studierenden an vier Standorten geführt. Die Befragungen fanden zwischen 2016 und 2019 statt.
Die vollständige Publikation kann auf der Website der AIWG unter https://aiwg.de/wpcontent/uploads/2020/03/Wer-studiert-islamische-Theologie_Expertise.pdf heruntergeladen werden.

Informationen: Stefanie Golla, Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 069 798-22459, E-Mail golla@aiwg.de.

 

FRANKFURT. Forschern des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes in Frankfurt um Prof. Erhard Seifried und dem Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Sandra Ciesek ist es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das es ermöglicht, die Testkapazitäten zum Nachweis von SARS-CoV-2 ab sofort dramatisch weltweit zu erhöhen.

„Damit wird es möglich, die von allen Wissenschaftlern und auch Politikern geforderte Ausweitung der Testung in weitere Bevölkerungsgruppen auch bei den begrenzten Testkit-Ressourcen früher umzusetzen, als bisher angenommen wurde“, sagt Seifried. Hintergrund der Nachricht sind Laboruntersuchungen, denen Schleimhautabstrichproben des Rachens bzw. der Nase durch geeignete Verfahren in einer Pufferlösung zusammengeführt und anschließend mit Hilfe des sogenannten PCR Verfahrens (Polymerase Kettenreaktionsverfahren, direkter Genomnachweis von SARS CoV-2) getestet werden. Bei einem negativen Ergebnis haben sämtliche darin enthaltenen Proben ein zuverlässig negatives Ergebnis. Hierbei hat das Pooltesten keinen Einfluss auf die Nachweisgrenze. Bei einem positiven Minipool-Befund wird eine Einzeltestung in zuvor angefertigten Rückstellproben durchgeführt. Die positive Probe kann dann innerhalb von 4 Stunden identifiziert werden.

Die Abbildung 1 zeigt die neue Minipool Methode. Dabei wird der Abstrichtupfer zunächst in ein Archivröhrchen gegeben und anschließend in ein Poolgefäß. Da sich bei dieser Poolmethode das Volumen im Poolgefäß nicht vermehrt, wird auch keine Verdünnung und damit keine Abnahme der Empfindlichkeit (Sensitivität) beobachtet. An unabhängigen Ringversuchsproben (Vortestung des geplanten Ringversuches), die von einer von der Bundesärztekammer zugelassenen Ringversuchsorganisation (INSTAND) zur Verfügung gestellt wurde, konnte gezeigt werden, dass mit der neuen Minipool-Methode Laborergebnisse derselben Qualität wie bei der Einzeltestung erzielt werden können. Die neue Methode wurde zudem in einem kleinen Feldversuch an 50 unselektierten Patientenproben untersucht. Die Patientenproben wurden dazu in 10 Minipools à 5 Proben geclustert und parallel auch einzeln getestet. Von den 50 Patientenproben waren 5 Proben SARS CoV-2 positiv. Diese Proben waren auf 4 Pools verteilt. Alle 4 Minipools erzielten ein positives PCR Ergebnis. Minipools in denen nur Proben von Patienten ohne SARS CoV-2 waren erzielten jeweils ein negatives Ergebnis.

„Auf der Basis dieser Laborergebnisse können insbesondere große Kohorten und Untersuchungen bei asymptomatischen Menschen durchgeführt werden, wobei dadurch eine massive Einsparung insbesondere von Testkits möglich ist“, so Ciesek. Die Forschergruppe ist derzeitig aktuell dabei, die Möglichkeit zu analysieren, die Pools weiter zu vergrößern. „Die Ergebnisse stimmen optimistisch, dass das Verfahren bei globaler Etablierung sehr schnell eine bessere Auskunft über die Zahl tatsächlich infizierter Menschen ermöglichen wird“, erklärt Prof. Schmidt vom Blutspendedienst. Damit lässt sich umgehend in ganz Deutschland die aktuelle Anzahl von ca. 40.000 Untersuchungen pro Tag auf 200.000 bis 400.000 Untersuchungen steigern, ohne damit die hohe Qualität der Diagnostik zu reduzieren. Um weiter die Strategie der Früherkennung und Isolierung effizient umzusetzen, ist eine Erweiterung der Screeninguntersuchungen unabdingbar, gerade für systemrelevante Berufsgruppen wie Ärzte, Krankenschwestern, Polizei, Feuerwehr, Altenheime, Verwaltung, Nahrungsmittelindustrie. Die Rechte an der in den USA und in Europa zum Patent angemeldeten Erfindung werden gemeinschaftlich von der Goethe Universität und dem DRK Blutspendedienst gehalten. Über die Wissenstransfergesellschaft der Goethe-Universität, Innovectis, kann die Technologie umgehend anderen interessierten Einrichtungen zugänglich gemacht werden.

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, bezeichnete das neue Analyseverfahren als „Meilenstein“. „Je mehr Menschen zuverlässig auf SARS-CoV-2 getestet werden können, umso schneller lässt sich die Pandemie eindämmen.“

„Mit der neuen Methode kann Deutschland den globalen Kampf gegen SARS-CoV-2 auf ein neues Level anheben“ ist Seifried optimistisch. Der Ärztliche Direktor der Universitätsklinik Frankfurt, Prof. Graf und die Präsidentin der Goethe-Universität betonen beide die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem DRK Blutspendedienst und der Universitätsklinik und der Universität.


Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: www.uni-frankfurt.de/87014427


Bildtexte:
a) Grafik Sars-CoV-2: Die Mini-Pool-Methode, entwickelt von Frankfurter Wissenschaftlern von Uniklinikum, DRK Blutspendedienst und Goethe-Universität, erhöht die Testkapazität zum Nachweis des Virus bei unveränderter Empfindlichkeit des Tests. Grafik: Michael Schmidt, DRK Blutspendedienst Institut Frankfurt
b) Tabelle: Tabelle Externe Ringversuchsproben


Weitere Informationen:

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Erhard Seifried (Goethe-Universität)
Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer
DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen
Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie
Sandhofstrasse 1
60528 Frankfurt
Tel.: 069 / 6782-201
E-Mail: e.seifried@blutspende.de
Homepage: https://www.blutspende.de/startseite/startseite.php

Prof. Dr. med. Sandra Ciesek
Institutsdirektorin
Institut für Medizinische Virologie
über
Pressestelle Uniklinikum Frankfurt, Tel. +49 69 6301 6444, E-Mail: kommunikation@kgu.de

 

Mär 30 2020
14:05

​Soziologen der Goethe-Universität suchen Teilnehmer für empirische Studie

Wie fühlt sich die Krise an?

FRANKFURT. Wie geht es den Menschen im ungewohnten Homeoffice? Wie gestaltet sich das Privatleben, wenn alles Sozialleben zum Erliegen kommt? Auch Sozialforscher sind von der gegenwärtigen Krise herausgefordert. Eine Studie an der Goethe-Universität soll Erkenntnisse darüber bringen, wie die Situation auf die Menschen wirkt – dies würde auch bei künftigen Krisen helfen.
 
Auch in Deutschland hat die Corona-Pandemie das Leben der Menschen stark verändert: Homeoffice, Schulschließung, Kontaktverbot bestimmen jetzt den Alltag. Während die medizinische Forschung unter Hochdruck auf der Suche nach Medikamenten und Impfstoffen ist, richtet das Team am Institut für empirische Sozialforschung den Blick darauf, wie die Menschen die Corona-Krise erleben. Wie fühlen sie sich im Homeoffice? Wie erleben sie die plötzliche soziale Distanz? Wie beurteilen sie das Handeln der politischen Entscheidungsträger? Und wie schätzen sie die Gesamtlage ein?
 
„Wir wollen untersuchen, wie die sozialen Folgen einer solchen Krise aussehen und wo die besonderen Herausforderungen liegen. So können wir auch für die Zukunft lernen und künftigen Entscheidungen eine bessere Grundlage geben“, erklärt Alexander Langenkamp, der die Studie initiiert hat. Der 28-jährige Doktorand schreibt seine Dissertation über das Thema Einsamkeit und darüber, welche Folgen das Alleinsein für die Betroffenen hat und wie es bewältigt wird.
 
Um eine möglichst aussagekräftige Studie erstellen zu können, hoffen die beteiligten Wissenschaftler auf möglichst zahlreiche Teilnahme aus der gesamten Bevölkerung. Die Untersuchung wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Goethe-Universität geführt, sie ist anonym und dient ausschließlich wissenschaftlichen, nicht-kommerziellen Zwecken. Die Befragung, die sich unter dem Link https://www.soscisurvey.de/corona-survey/ öffnen lässt, nimmt circa 15 Minuten in Anspruch. Nach einem kurzen Fragebogen gibt es auch Gelegenheit, in einem zweiten Abschnitt frei über Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten.
 
Informationen: Alexander Langenkamp, Institut für empirische Sozialforschung, Campus Westend, Telefon 0151 27131529, E-Mail langenkamp@soz.uni-frankfurt.de, Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/corona-survey/

 

Mär 30 2020
09:54

​Forscher der Goethe-Universität finden Wasserstoff-Kreislauf im Bakterium Acetobacterium woodii

Neuer Stoffwechsel-Typ in Bakterien entdeckt

FRANKFURT. Wie das Bakterium Acetobacterium woodii Wasserstoff in einer Art Kreislauf zur Energiegewinnung nutzt, haben jetzt Mikrobiologen der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden. Das Bakterium lebt in einer Umgebung ohne Sauerstoff und kann dank des Wasserstoff-Kreislaufs unabhängig von anderen Bakterienarten existieren.

Sie machen das Sauerkraut sauer, lassen Milch zu Joghurt und Käse gerinnen und geben Roggenbrot seinen kräftigen Geschmack: Bakterien, die ihre Nährstoffe vergären anstatt ihnen die Energie mithilfe von Sauerstoff zu entziehen. Acetobacterium woodii (kurz: A. woodii) ist so eine anaerob lebende Mikrobe. Käse und Brot sind nicht ihr Metier - sie lebt fern vom Sauerstoff im Schlamm am Meeresgrund und ist auch in Kläranlagen oder Termitendärmen anzutreffen.

In diesen Lebensräumen wimmelt es von Mikroben, die auf verschiedene Weise die organischen Substanzen für sich nutzen. Zucker, Fettsäuren und Alkohole werden zum Beispiel durch eine Reihe von Bakterienarten zu Essigsäure vergoren, wobei auch Wasserstoff (H2) entsteht. Der jedoch stört in höheren Konzentrationen die Gärung – ein Zuviel an Wasserstoff würde nämlich die Gärungsreaktion stoppen.Deshalb leben die gärenden Bakterien in Gesellschaft mit Mikroben, die auf just diesen Wasserstoff angewiesen sind, Methanbildner etwa, die aus Wasserstoff und Kohlendioxid Methan herstellen und auf diese Weise Energie gewinnen. Von dieser Gesellschaft profitieren beide Partner – und sind gleichzeitig so aufeinander angewiesen, dass der eine nicht ohne den anderen überleben kann.

A. woodii beherrscht beide Disziplinen der anaeroben „Wasserstoff-Gesellschaft“: Es kann organische Stoffe zu Essigsäure vergären und die Essigsäure auch anorganisch aus Kohlendioxid und Wasserstoff herstellen. Dass A. woodii dabei den wichtigen Wasserstoff in der eigenen Zelle recycelt, haben jetzt die Mikrobiologen um Professor Volker Müller vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden.

Dazu schalteten die Frankfurter Wissenschaftler im Labor das Gen für das Enzym aus, das in A.woodii den Wasserstoff bildet, die so genannte Hydrogenase. Das Ergebnis: Die Bakterien konnten zum Beispiel in einem Medium mit Fruchtzucker nur wachsen, wenn außerdem noch Wasserstoff zugesetzt wurde. Verschiedene weitere Tests bestätigten, dass beide Stoffwechselwege zur Essigsäureherstellung über Wasserstoff verbunden sind, der die Zelle nicht verlässt.

„Durch das von uns entdeckte ‚Wasserstoff-Recycling' besitzt Acetobacterium woodii ein Höchstmaß an metabolischer Flexibilität,“ sagt die Frankfurter Experimentatorin Dr. Anja Wiechmann. „Es kann in einem Kreislauf Wasserstoff sowohl selbst herstellen und nutzen oder Wasserstoff aus externen Quellen verwerten. Damit ist es in der Lage, sowohl von organischen Substanzen wie auch allein von anorganischen Substanzen zu leben.“

Professor Volker Müller erklärt: „Die Ergebnisse strahlen weit über die Untersuchung von Acetobacterium woodii hinaus. Es gab bereits Vermutungen, dass viele ursprüngliche Lebensformen einen solchen Stoffwechsel besitzen, wie wir ihn bei Acetobacterium woodii beschrieben haben. Dies wird zum Beispiel für die Asgard-Archaeen angenommen, die erst vor wenigen Jahren im Meeresgrund vor Kalifornien entdeckt wurden. Unsere Untersuchungen liefern den ersten Beweis, dass solche Stoffwechselwege tatsächlich existieren.“

Publikation: Anja Wiechmann, Sarah Ciurus, Florian Oswald, Vinca Seiler, Volker Müller (2020). It does not always take two to Tango: „Syntrophy“ via hydrogen cycling in one bacterial cell. ISME Journal, (https://doi.org/10.1038/s41396-020-0627-1)

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/86948227

Bildtext: Während in anaeroben Lebensräumen die Essigsäure bildenden Bakterien und Methan-Bildner auf die Weitergabe von Wasserstoff angewiesen sind, recycelt Acetobacterium woodii den Wasserstoff innerhalb seiner Zelle. (Illustration: Sarah Ciurus, Goethe-Universität Frankfurt)

Weitere Informationen:
Prof. Volker Müller
Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: (069) 798-29507
VMueller@bio.uni-frankfurt.de

 

Mär 27 2020
15:09

​ Ranking des manager magazin basiert auf Befragung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Mandanten

Goethe-Universität „Top Hochschule“ für das Fach Wirtschaftsprüfung

FRANKFURT. Die Goethe-Universität ist beim Ranking der besten Hochschulen für Wirtschaftsprüfer in den Kreis der „Top Hochschulen“ gewählt worden. Im Gesamtranking belegt die Goethe-Universität Platz 5. In der Hochschul-Studie des manager magazin und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung mbh (WGMB) werden die besten Lehrstühle für das Fach Wirtschaftsprüfung an deutschen Universitäten und (Fach-)Hochschulen gekürt, ausgewählt und beurteilt von 51 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und 894 Mandanten.
 
Prof. Raimond Maurer, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität, freut sich: “Diese Auszeichnung verdeutlicht die Bedeutung des Bereichs Wirtschaftsprüfung der Abteilung Rechnungswesen für die Goethe-Universität und unseren Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.“

Mandanten und Wirtschaftsprüfern wurde im Rahmen der Studie „Deutschlands beste Hochschulen für das Fach Wirtschaftsprüfung“ die Frage gestellt: „Bitte nennen Sie uns die drei deutschen Universitäten bzw. (Fach-)Hochschulen, die Studierende Ihrer Meinung nach am besten für einen Berufsweg als Wirtschaftsprüfer qualifizieren.“ Von den Befragten musste dann eine Rangfolge der aus ihrer Sicht besten, der zweitbesten und der drittbesten Hochschule gebildet werden. Mit 225 Punkten und einem Rating „sehr gut“ gehört die Goethe-Universität zu den „Top 10“ der besten Hochschulen.

Link zur Studie: www.beste-wirtschaftspruefer.de

Kontakt:
Prof. Dr. Raimond Maurer, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (Dekanatssekretariat): (069) 798-34601. dekanat02@wiwi.uni-frankfurt.dehttps://www.wiwi.uni-frankfurt.de

 

Mär 27 2020
09:09

​Bereits 1 Mio. Euro für den Goethe-Corona-Fonds von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt

Eine Woge der Hilfsbereitschaft

FRANKFURT. 5 Mio. Euro sollen es insgesamt werden, 1 Mio. ist bereits fest zugesagt: Der vor wenigen Tagen verbreitete Spendenaufruf von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt zugunsten eines Goethe-Corona-Fonds hat eine Woge der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Der Fonds soll dabei helfen, die finanziellen Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, besser meistern zu können.

Gespendet werden kann über die Spendenplattform „Betterplace“ (https://www.betterplace.org/p78009) oder per Überweisung direkt an das Spendenkonto des Goethe-Corona-Fonds (Landesbank Hessen-Thüringen, IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10, Verwendungszweck: Goethe-Corona-Fonds). Den Anfang machten die 250.000 Euro, die bereits in der vergangenen Woche aus dem Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds für die COVID-19-Forschung bereitgestellt worden waren, sie bilden den Grundstock des Fonds. Die bisher größte Zuwendung mit insgesamt 600.000 Euro kommt von dem Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt. „Wir müssen möglichst rasch möglichst viel über das Coronavirus und seine Funktionsweise herausfinden. Deshalb will ich dazu beitragen, die pragmatisch ausgerichtete Virusforschung an der Goethe-Universität zu stärken“, begründet Quandt seine großzügige Spende. Sein Wunsch ist es, dass der Betrag als Anschubfinanzierung für die umgehende Einrichtung einer Qualifikationsprofessur für COVID-19-Forschung im Team der Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek verwendet wird, so dass die Suche nach Wirk- und Impfstoffen kurzfristig intensiviert und strategisch weiter gestärkt werden kann.

Weitere Unternehmen beteiligen sich mit beträchtlichen Summen, so hat Santander eine Spende von 30.000 Euro zugesagt und wird darüber hinaus den Spendenaufruf über ihre Netzwerke weltweit verteilen. Auch aus der Universität selbst treffen demnächst erste Großspenden ein:  Zwei fünfstellige Zuwendungen aus frei verwendbaren Drittmitteln verzeichnet der Fonds aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und aus dem Institut für Biochemie. Aber auch Privatpersonen z.B. aus dem Kreis der Ehemaligen und der Freunde und Förderer, engagieren sich großzügig.

Besonders erfreulich ist auch die breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Ob eine enge Verbindung zur Universität besteht oder nicht – offenbar ist es vielen Menschen ein Bedürfnis, sich mit einem Beitrag an der Finanzierung dieser besonderen Kraftanstrengung zu beteiligen. Die Online-Spendenplattform https://www.betterplace.org/p78009 verzeichnet bereits wenige Tage nach dem Start rund 350 Einzelspenden mit einem Gesamtvolumen von fast 35.000 Euro.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Ich danke allen, die etwas zum Goethe-Corona-Fonds beitragen. Ihre Spende ist auch ein Zeichen der Zuversicht, dass wir dieses Virus mit Hilfe der Forschung besiegen können. Und sie ist ein Zeichen von Solidarität der großen Goethe-Uni-Gemeinschaft, die in dieser Krise gemeinsam kämpft. Bitte lassen Sie in Ihrem Engagement nicht nach – ob durch finanziellen oder auch ganz persönlichen Einsatz. Ihre Hilfe wird gebraucht!“.

Die sich ausbreitende Pandemie bringt einen steigenden finanziellen Bedarf in vielen Bereichen mit sich – es wird mehr Geld benötigt für Schutzausrüstung für das medizinische Personal, für die Patientenversorgung, für Trainings- und Simulationskurse für Studierende, Pflegende und Ärzte, vor allem aber für Forschung und Entwicklung im Bereich der Virologie und Intensivmedizin. „Wenn an vielen Orten auf der ganzen Welt mit Hochdruck geforscht wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir bald ein Medikament oder einen Impfstoff gegen das Virus entwickeln können“, sagt Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek. „Zugleich ist es für die aktuell und in naher Zukunft Erkrankten elementar, dass das medizinische Personal bestmöglich geschult und ausgestattet wird, betont Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums.


Spenden Sie bitte über unser Spendenprojekt auf www.betterplace.org:
https://www.betterplace.org/p78009
(Gern über Ihre Plattformen und Netzwerke teilen!)

Oder als Überweisung auf das Spendenkonto:
Landesbank Hessen-Thüringen
IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10
Verwendungszweck: Goethe-Corona-Fonds

 
Wir danken im Namen der Universität – insbesondere des Fachbereichs Medizin – des Universitätsklinikums und all derer, die auf eine gute medizinische Versorgung in Zeiten von Corona angewiesen sind.


Information: Susanne Honnef, Abteilung Private Hochschulförderung, Telefon 069 798-12433, E-Mail honnef@pvw.uni-frankfurt.de; Kontakt zu Prof. Dr. Sandra Ciesek über das Universitätsklinikum Frankfurt: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher Universitätsklinikum, Telefon: 069 6301-86442, E-Mail christoph.lunkenheimer@kgu.de.

 

Mär 25 2020
16:29

​Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität bietet ab dem 30. März telefonische Beratung für Betroffene an.

Corona-Krisentelefon

FRANKFURT. Damit das Corona-Virus eingedämmt werden kann, soll man sich nach Möglichkeit zuhause aufhalten und physischen Kontakt mit anderen Menschen vermeiden. Diese Isolation kann aber für viele Menschen sehr belastend sein: Grübeln, Ansteckungsängste, Einsamkeit, Sorgen um die Zukunft und Depressionen können die Folge sein. Am Zentrum für Psychotherapie des Instituts für Psychologie wird daher eine Krisenberatung für Personen eingerichtet, die unter den psychischen Folgen der Corona-Pandemie leiden.

Auch Familien sind in der aktuellen Zeit mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Die Fortsetzung der schulischen Bildung zuhause, der Wegfall von außerfamiliärer Betreuung und Freizeitaktivitäten, die Notwendigkeit, elterliche Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren, können zu einer psychischen Beeinträchtigung führen.

Prof. Dr. Ulrich Stangier, Abteilungsleiter der Klinischen Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität, betont: „Mit diesem kostenlosen Angebot möchten wir Menschen helfen, die Rat suchen, um mit der belastenden Situation besser umgehen zu können.“

Betroffene können ab dem 30.03.2020 unter der Telefonnummer 069-798 46666 mit Therapeutinnen und Therapeuten über ihre Ängste und Möglichkeiten zur Überwindung von Belastungen reden.
Montag bis Freitag jeweils 15-21 Uhr; Samstag und Sonntag jeweils 16-20 Uhr.

Speziell für Kinder, Jugendliche und Eltern wird eine Beratung unter der gleichen Telefonnummer 069-798 46666 zu folgenden Uhrzeiten angeboten: Montag-Freitag, 9-14 Uhr.

Weitere Informationen: https://www.psychologie.uni-frankfurt.de/Corona_Krisentelefon
Prof. Dr. Ulrich Stangier, Klinische Psychologie und Psychotherapie.
Institut für Psychologie, Goethe-Universität Frankfurt. Sekretariat:
nerad@psych.uni-frankfurt.de, Tel. 069 - 798-23842.

 

Mär 23 2020
10:18

​Studie der Goethe-Universität zeigt: Viele Sportstudierende stoßen an ihre körperlichen Grenzen, sprechen aber lieber nicht darüber

Schmerzen im durchtrainierten Körper

FRANKFURT. Sie sind jung und gut trainiert – dennoch leidet ein Viertel der Studierenden der Sportwissenschaften unter Schmerzen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen, zum Beispiel Stress. Dies zeigte eine Studie, die an der Goethe-Universität entstanden ist.
 
Wenn der aktive Sport im Mittelpunkt des Berufslebens oder der Ausbildung steht, sind Schmerzen häufig ein ständiger Begleiter – wobei Schmerzen hier als Verbindung von körperlichen und psychischen Beschwerden definiert ist. „Jeder dritte Spitzensportler leidet unter erheblichen Schmerzen“, erklärt Dr. Johannes Fleckenstein, Privatdozent an der Goethe-Universität. Gemeinhin werde das Thema eher stiefmütterlich behandelt, er habe es jedoch ins Zentrum seiner Lehrveranstaltungen gestellt.
 
In diesem Zusammenhang ist jetzt eine Masterarbeit entstanden, die Verfasserin Anke Bumann widmet sich darin vor allem der Situation von Sportstudentinnen und -studenten. Bumann hat ihre Fragebögen an die Studierenden von 89 sportwissenschaftlichen Instituten im deutschsprachigen Raum gesendet, der Rücklauf war beachtlich: 865 haben teilgenommen, 664 den vollständigen Bogen ausgefüllt, zum Teil sogar mit sehr ausführlichen frei formulierten Antworten.
 
Grundlage der Befragung war der „deutsche Schmerzfragebogen“ der deutschen Schmerzgesellschaft, er wurde um spezifische Aspekte wie Sportlichkeit, Trainingslast, Selbstwirksamkeit und Resilienz ergänzt. Gefragt wurde danach, in welchen und wie vielen Körperregionen Schmerzen auftreten, welche Verletzungen und sonstige Diagnosen vorliegen, außerdem ging es um psychische Faktoren, Alkoholgenuss und Schlafqualität.
 
Die Studie zeigt deutlich: Jeder vierte der vermeintlich gesunden jungen Menschen leidet unter Schmerzen und zeigt das Auftreten sogenannter bio-psycho-sozialer Faktoren, die Schmerzen begünstigen können, vor allem Stress infolge hohen Leistungsdrucks. Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet Schmerzen in zwei und mehr Körperregionen – obwohl die meisten eine relativ große Schmerztoleranz angeben. Verglichen mit Altersgenossen haben Sportstudenten häufiger Depressionen, Angstzustände und Stress, während Rücksichtnahme auf sich selbst deutlich reduziert ist. Die Studierenden trainieren im Durchschnitt fünf bis sieben Stunden wöchentlich und konsumieren mehr Schmerzmittel (Analgetika) und Alkohol. Mehr als 60 Prozent geben an, unter Schlafstörungen zu leiden. Der Befund ist für alle Sportarten gleich, lediglich die Lokalisierung der Schmerzen ist eine andere. Die fehlende Rücksichtnahme gegenüber dem eigenen Körper und seinen Beschränkungen führe jedoch zu einer Chronifizierung dieses Zustands, der immer schwieriger zu verändern sei.
 
Dass die Not groß ist, zeige sich bei den qualitativen Antworten: Häufig wurde Freude darüber geäußert, dass nun ein Augenmerk auf die Thematik falle und man Gelegenheit habe, seine Probleme zu kommunizieren. Fleckenstein hofft darauf, dass die frühzeitige Auseinandersetzung der Studierenden mit dem Thema helfe, offener damit umzugehen – ohne Angst davor, als „Weichei“ abgestempelt zu werden. Dazu könnten seiner Meinung nach auch die Lehrenden beitragen, die bei praktischen Prüfungen mehr Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand der Kandidaten nehmen sollten. Und wenn die „fertigen“ Sportwissenschaftler in entsprechende berufliche Positionen kommen, könnten sie allmählich zu einem Umdenken beitragen.
 
„Wir müssen endlich aufhören, das Thema Schmerzen im Sport zu bagatellisieren“, fordert Johannes Fleckenstein. Es sei bedenklich, dass Schmerzerkrankungen bereits bei jungen und körperlich aktiven Studierenden in dieser Anzahl auftreten. Mit wachsender Professionalisierung, so die These der Autoren, steige die Zahl der Betroffenen noch weiter an: „Es wird enorm viel Leistung verlangt, und es geht um viel Geld“, so der Sportmediziner. Deshalb werde die Studie nun mit professionellen Athleten fortgesetzt.“
 
Publikation: Journal of Sports Science and Medicine, Volume:(19), Pages:323-336 Prevalence of Biopsychosocial Factors of Pain in 865 Sports Students of the Dach (Germany, Austria, Switzerland) Region – A Cross-Sectional Survey Anke Bumann, Winfried Banzer, Johannes Fleckenstein please click the link for reading the article:
  
Informationen: Priv.-Doz. Dr. Johannes Fleckenstein, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Telefon +49 (69) 798 24484, Mail johannes.fleckenstein@sport.uni-frankfurt.de.

 

Mär 23 2020
10:06

​Die „International Conference on Learning Analytics & Knowledge 2020“ (LAK20) widmet sich dem Messen und Auswerten von Daten aus technikgestützten Lernprozessen - Registrierung noch möglich.

Komplett online: wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt

FRANKFURT. Die „International Conference on Learning Analytics & Knowledge 2020“ (LAK20), das weltweit maßgebliche Fachforum für diesen Teilbereich der digitalen Bildung, wird ab Mittwoch, 25. März, von Frankfurt am Main aus als reines Online-Format ausgerichtet. Das Organisationsteam hat die Konferenz mit Teilnehmenden aus der ganzen Welt als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus in kürzester Zeit auf ein komplett virtuell verfügbares Programm umgestellt. Das Thema Learning Analytics steht für das Messen und Auswerten von Daten aus technikgestützten Lernprozessen, etwa im Rahmen von Online-Kursen oder Software-Tutorials. Ziel ist es, das Lernen zu unterstützen und zu optimieren.

„Vor allem international hat sich bereits gezeigt, dass Learning Analytics das Bildungswesen maßgeblich prägen kann“, sagt Professor Dr. Hendrik Drachsler vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und von der Goethe-Universität Frankfurt, der federführend für die Organisation der Konferenz verantwortlich ist. DIPF und Goethe-Universität sind gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Darmstadt Ausrichter der diesjährigen LAK, die damit erstmals von einem deutschen Team betreut wird. Als Beispiele für den Einsatz von Learning Analytics nennt Hendrik Drachsler das gezielte Fördern von Schülerinnen, Schülern und Studierenden im laufenden Lernprozess oder das Zusammenstellen von Lerngruppen nach bestimmten Kommunikationsmustern, die Aufschluss über die Bedürfnisse bei der Zusammenarbeit geben. Zugleich betont der Informatiker und Professor für Educational Technologies den hohen Stellenwert des Datenschutzes in diesem Bereich: „Die Technik soll allein dem Lernenden dienen.“ Um den Austausch zu diesem Thema voranzubringen, hat das Team um Professor Drachsler alles dafür getan, dass die Konferenz trotz der aktuellen Lage stattfinden kann.


Konferenz nun im virtuellen Raum

Die Organisatorinnen und Organisatoren haben umgehend reagiert und dafür gesorgt, dass die Konferenz, die eigentlich vor Ort in Frankfurt am Main ausgerichtet werden sollte, nun als zukunftweisendes reines Online-Format angeboten werden kann. Die registrierten Teilnehmenden können sich etwa in Video-Konferenzräume einwählen, wo die Vorträge live und von der ganzen Welt aus gehalten werden. Moderierte Chats bieten im Anschluss die Möglichkeit für Fragen und Antworten. Die Beiträge werden, wenn die Vortragenden einverstanden sind, aufgezeichnet. So können Interessierte sie auch zeitlich flexibel anschauen. Poster und Anwendungen werden ebenfalls rein virtuell präsentiert und das Programm ist insgesamt über lange Zeiträume am Tag gestreckt, um den Teilnehmenden aus sieben Zeitzonen bestmöglich gerecht zu werden. Das Team ist sich sicher, dass das Format mit seiner räumlichen Unabhängigkeit und zeitlichen Flexibilität auch Impulse für künftige andere Tagungen bietet.

Bis Dienstag, 24. März, um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit kann man sich noch für die Konferenz LAK20 registrieren, um online teilzunehmen. Hier finden Sie den Registrierungslink: https://lak20.solaresearch.org/registration


Thema der zehnten Ausgabe der Konferenz, die unter dem Dach der international vernetzten „Society for Learning Analytics Research“ (SoLAR) jedes Jahr von wechselnden internationalen Teams ausgerichtet wird, ist „Shaping the future of the field“. „Im Fokus stehen mögliche Entwicklungslinien der nächsten zehn Jahre und darüber hinaus. Im Kern geht es darum, wie sich das Lernen und Lehren messen lässt, welche Erkenntnisse sich damit gewinnen lassen, wie man sie möglichst nutzbringend einsetzt und was bei verschiedenen Einsatzgebieten und Größenordnungen von Learning Analytics zu beachten ist“, so Dr. Christoph Rensing von der TU Darmstadt, Mitorganisator der diesjährigen LAK.

Neben den allgemeinen Präsentationen umfasst das Programm zwei Keynotes von internationalen Fachleuten:

• „Learning Analytics - A field on the verge of relevance?"
Prof. Dr. Shane Dawson, Director of the Teaching Innovation Unit, Co-Director of the Centre for Change and Complexity in Learning und Professor of Learning Analytics at the University of South Australia

• „Group Learning Analytics"
Prof. Dr. Milena Tsvetkova, Assistant Professor at the Department of Methodology at the London School of Economics and Political Science

Das LAK-Organisationsteam agiert in einem regionalen Umfeld, in dem die Vorteile und Formen der Umsetzung von Learning Analytics für den Hochschulbereich bereits intensiv diskutiert werden. Professor Drachsler und Dr. Rensing haben zu dieser Thematik ein eigenes Innovationsforum initiiert. Es ist Teil des vom Land geförderten Projektes „Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“, in dessen Rahmen elf hessische Hochschulen innovative Konzepte für die Lehrenden und die Studierenden erarbeiten.


Weitere Informationen zu der Konferenz: https://lak20.solaresearch.org/ 

Kontakt:
Learning Analytics: Prof. Dr. Hendrik Drachsler, +49 (0)69-24708-870, drachsler@dipf.de
Presse: Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, www.dipf.de

 

Mär 20 2020
11:46

​Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt bitten um Unterstützung für Forschung, Ausstattung und Versorgung

Dringender Spendenaufruf für Goethe-Corona-Fonds

FRANKFURT. Mindestens fünf Millionen Euro – diese Summe wollen Goethe-Universität und Universitätsklinikum sammeln, um die Herausforderungen der Corona-Pandemie besser meistern zu können. Jeder kann dabei mithelfen: Das Geld soll über die Spendenplattform betterplace.org eingeworben werden und vor allem in die Erforschung des Corona-Virus, die akute Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Patientenversorgung am Universitätsklinikum fließen. Auch direkte Spenden sind möglich. (Weblink und Spendenkonto finden Sie am Ende der Pressemitteilung.)

Den Auftakt hat Anfang der Woche die Johanna Quandt-Universitäts-Stiftung gemacht: Sie stellte auf unbürokratische Weise innerhalb von 24 Stunden eine Viertelmillion Euro für Corona-Forscherin Prof. Dr. Sandra Ciesek und ihr Team zur Verfügung. Mit dem Geld wollen die Virologen von Goethe-Universität und Universitätsklinikum die Suche nach wirksamen Medikamenten vorantreiben. Doch das soll nur der Anfang gewesen sein. Denn die Corona-Krise erfordert ein erhebliches Ausmaß an zusätzlichen Kraftanstrengungen – und damit erhebliche zusätzliche Mittel.

„Unsere Bitte geht an alle, die die enormen Herausforderungen nicht nur bestaunen, sondern konkret helfen wollen: Spenden Sie für den Goethe-Corona-Fonds. Jeder Beitrag ist wichtig und willkommen“, appelliert Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff an die Hilfsbereitschaft der Menschen. „Wenn wir diese Krise alle gut überstehen und eventuell sogar gestärkt daraus hervorgehen wollen, müssen wir jetzt entschlossen die Weichen dafür stellen. Wenn Stadtgesellschaft und Uni-Community eng zusammenrücken – selbstverständlich nicht physisch – können wir auch große Herausforderungen meistern. Genau dafür ist vor mehr als 100 Jahren die Uni gegründet worden“, so Wolff weiter. Als Stiftungsuniversität habe die Goethe-Uni den notwendigen Spielraum, auch auf unorthodoxen Wegen Finanzierungen zu ermöglichen, so Wolff. Schon jetzt danke sie im Namen der Universität, des Universitätsklinikums und der betroffenen Patienten allen, die mit ihrer Spende zu einer Verbesserung der Lage beitrügen.

Um die Krise wissenschaftlich, klinisch und organisatorisch zu meistern, benötigen Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt kurzfristig zusätzliches Personal und finanzielle Mittel. Deshalb wurde der Goethe-Corona-Fonds aufgelegt, der möglichst bald auf mindestens fünf Millionen Euro anwachsen soll – mit Hilfe von Spenden aus der Bevölkerung, von Stiftungen und anderen privaten Förderern. Dazu wurde eine Spendenseite auf der Plattform Betterplace eingerichtet, auch Direktüberweisungen sind möglich – beides gegen Spendenquittung. Erste Zusagen gibt es bereits aus dem Kreis der Forschenden: Ein Professor hat bereits eine Spende von 40.000 Euro angekündigt.

„Die sich ausbreitende Pandemie bringt einen steigenden finanziellen Bedarf in vielen Bereichen mit sich: Wir brauchen viel Geld zum Beispiel für spezifische Geräte und Fachpersonal, Schulungen für weitere Helfer in der Krise, aber auch die Ausstattung unseres medizinischen Personals mit Schutzkleidung, Schutzbrillen und Mund-Nasen-Masken“, sagt Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. In der Forschung liegt ein besonderer Fokus auf der patientennahen Forschung, die Prof. Dr. Sandra Ciesek und ihr Team vorantreiben: Ziel ist es, einen Impfstoff und Medikamente gegen das aggressive Virus zu finden und die Diagnoseverfahren zu verbessern. „Mit Hilfe der zusätzlichen Mittel können wir die Forschung mit Nachdruck vorantreiben. Unser Ziel ist es, möglichst zeitnah mit klinischen Studien beginnen zu können“, erklärt Virologin Ciesek. Hierfür müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit biostatistischer sowie biomedizinischer Ausbildung eingestellt werden, um die generierten klinischen Daten aufarbeiten und analysieren zu können. Außerdem werden in der virologischen und intensivmedizinischen Forschung und Entwicklung dringend weitere Geräte benötigt, um Experimente und Studien schneller und effizienter durchführen zu können.

Aber auch die Lehre braucht dringend finanzielle Unterstützung: Die Studierenden sollen die Möglichkeit haben, an Trainings und Simulationskursen teilzunehmen, die sie auf die schwierige Situation im klinischen Alltag vorbereiten. Hierfür werden auch weitere Übungspuppen benötigt. „Wir stoßen in diesem Bereich leider an unsere Kapazitätsgrenzen, dabei ist das Interesse und das Engagement auf Seiten der Studierenden ungeheuer groß“, sagt Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin an der Goethe-Universität. Die Lehre, Aus- und Weiterbildung lebe auch von wirklichkeitsgetreuen Simulationen.

Spenden über unser Spendenprojekt auf www.betterplace.org:
https://www.betterplace.org/p78009
(Gern über Ihre Plattformen und Netzwerke teilen!)

Oder als Überweisung auf das Spendenkonto:
Landesbank Hessen-Thüringen
IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10
Verwendungszweck: Goethe-Corona-Fonds

Informationen: Kontakt zu Prof. Dr. Sandra Ciesek über das Universitätsklinikum Frankfurt: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher Universitätsklinikum, Telefon: 069 6301-86442, christoph.lunkenheimer@kgu.de.

 

Mär 20 2020
10:10

Rhythmische Nervensignale bestimmen Laute von Fledermäusen

​Wie das Gehirn die Stimme kontrolliert

FRANKFURT. Ein bestimmter neuronaler Schaltkreis im Gehirn kontrolliert bei Fledermäusen die Lautäußerungen der Tiere. Dies haben jetzt Biologen der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden. Die Frankfurter Forscher konnten anhand des Rhythmus, in dem der Schaltkreis schwang, vorhersagen, welche Art von Lauten die Fledermäuse unmittelbar danach ausstoßen würden. Die Forschungsergebnisse könnten dazu beitragen, Krankheiten des Menschen wie Parkinson oder Tourette-Syndrom besser zu verstehen, bei denen die Sprache gestört ist.

Fledermäuse sind berühmt für ihre Ultraschall-Navigation: Sie orientieren sich über ihr äußerst empfindliches Gehör, indem sie Ultraschall-Laute ausstoßen und anhand der Schall-Reflexionen ein Bild ihrer Umwelt erhalten. So findet beispielsweise die Brillenblattnasen-Fledermaus (Carollia perspicillata) die von ihr als Nahrung bevorzugten Früchte über dieses Echo-Ortungssystem. Gleichzeitig nutzen die Fledermäuse ihre Stimme auch zur Kommunikation mit den Artgenossen, wobei sie einen etwas tieferen Frequenzbereich wählen. Die Brillenblattnase verfügt dabei über eine stimmliche Bandbreite, die sich sonst nur noch bei Singvögeln und Menschen findet. Wie der Mensch erzeugt sie ihre Laute durch den Kehlkopf.

Der Neurowissenschaftler Julio C. Hechavarria vom Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft der Goethe-Universität hat zusammen mit seinem Team Gehirnaktivitäten der Brillenblattnase untersucht, die den Lautäußerungen vorangehen. Dabei konnten die Wissenschaftler eine Gruppe von Nervenzellen identifizieren, die eine Verschaltung vom Stirnlappen in das Innere des Gehirns zum „Streifenkörper“ (Corpus striatum) herstellen. Wenn dieser Nerven-Schaltkreis rhythmisch Signale feuert, stößt die Fledermaus etwa eine halbe Sekunde später Laute aus. Dabei schien die Art des Rhythmus zu bestimmen, ob es sich um Echo-Ortung oder Kommunikationslaute handelte.

Da sich innerhalb einer halben Sekunde jedoch kaum eine Voraussage treffen lässt, schrieben die Frankfurter Forscher ein Computerprogramm, das ihre Hypothese testete: Der Computer analysierte die aufgezeichneten Laute getrennt vom neuronalen Rhythmus und stellte dann anhand der verschiedenen Rhythmen Prognosen. Das Ergebnis: Zu rund 80 Prozent lag der Rechner mit seinen Vorhersagen Ortungsruf versus Kommunikationslaut richtig. Die Vorhersagen waren besonders genau, wenn Signale vom Stirnlappen berücksichtigt wurden. Beim Menschen wird diese Hirnregion unter anderem mit der Planung von Handlungen in Verbindung gebracht.

Dieser neuronale Rhythmus der Fledermaus gleicht einem Rhythmus, der häufig am menschlichen Kopf gemessen werden kann, stellten die Forscher fest. Sie folgern daraus, dass dieser Typ des neuronalen Rhythmus generell mit der Lautbildung von Säugetieren zusammenhängen könnte.
Julio Hechavarria: „Fledermäuse dienen seit mehr als 50 Jahren als Tiermodel zur Untersuchung, wie das menschliche Gehirn Hörreize verarbeitet und wie sich die menschliche Sprache entwickelt. Wir konnten jetzt erstmals zeigen, wie voneinander entfernte Hirnregionen bei der Fledermaus während der Lautbildung miteinander kommunizieren. Gleichzeitig wissen wir, dass die entsprechenden Gehirnnetzwerke bei Menschen gestört sind, die beispielsweise als Folge einer Parkinson-Krankheit stottern oder bei einem Tourette-Syndrom unwillkürliche Laute ausstoßen. Daher hoffen wir, dass wir mit der weiteren Untersuchung der Fledermaus-Lautbildung zu einem besseren Verständnis dieser menschlichen Krankheitsbilder beitragen können.“

Publikation: Fronto-striatal oscillations predict vocal output in bats.
Kristin Weineck, Francisco García-Rosales, Julio C. Hechavarria; PLOS Biology, DOI 10.1371/journal.pbio.3000658
https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3000658

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/86729013

Bildtext: Das Bild zeigt verschiedene Nervensignale im Stirnlappen (links), die den beiden Arten von Lautäußerungen der Brillennasenfledermäuse (Carollia perspicillata) vorangehen (rechts). Dauer und Frequenz der Lautäußerungen sind farbig dargestellt: oben ein Beispiel für einen Kommunikationslaut, unten ein Beispiel für einen Laut zur Echo-Ortung. Copyright: Julio C. Hechavarria, Goethe University Frankfurt

Weitere Informationen: Julio C. Hechavarria, Ph.D., Auditory Computations Group (Gruppenleiter), Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Campus Riedberg, Telefon +49 (0)69 798-42050, E-Mail: Hechavarria@bio.uni-frankfurt.de, https://www.julio-hechavarria.com/

 

Mär 18 2020
09:52

Goethe-Universität schließt Exklusivlizenzvertrag mit ihrem neuem Spin-off. 3Cs-Verfahren ermöglicht es erstmals, kombinatorische Reagenzien der Genschere CRISPR/Cas-herzustellen.

Start frei für Vivlion®!

FRANKFURT. Die Goethe-Universität Frankfurt schließt einen Exklusivlizenzvertrag mit ihrem Spin-off-Unternehmen Vivlion® GmbH zur Nutzung der „3Cs“-Technologie, einem innovativen Produktionsverfahren für CRISPR/Cas-Reagenzien. Vivlion® wurde von den Frankfurter Forschern Ivan Dikić, Manuel Kaulich und Kerstin Koch gegründet, um mit der an der Goethe-Universität entwickelten 3Cs-Technologie die Suche nach neuen Medikamenten entscheidend zu verbessern und funktionelles Screening in neuen Dimensionen zu ermöglichen. Mit der „CRISPR/Cas“-Methode können Gene gezielt ausgeschaltet werden. Dazu versieht man das Cas-Enzym mit einer Art genetischer Postleitzahl. Das von den Wissenschaftlern um Manuel Kaulich entwickelte, neue 3Cs-Verfahren ermöglicht es erstmals, kombinatorische CRISPR/Cas-Reagenzien herzustellen, die einen neuen Horizont eröffnen.

Einer der Erfinder, Dr. Manuel Kaulich, kommentiert: „Die 3Cs-Technologie ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus der Kombination von etabliertem und innovativem Wissen neue Forschungs- und Anwendungshorizonte generiert werden können. Besonders beeindruckt sind wir von der Versatilität der 3Cs-Technologie, die fachübergreifend relevant ist.“ So können in einem einzigen Experiment viele Bereiche der Erbsubstanz parallel geprüft werden, um beispielsweise festzustellen, welche Gene für das Versagen bestimmter Krebsmedikamente verantwortlich sind.

Prof. Ivan Dikić, CEO von Vivlion®, erklärt: “Der Erfolg von Vivlion® gründet sich aus einer Kultur der akademischen Innovation, der wissenschaftlichen Kreativität und – am wichtigsten – der Teamarbeit. Hauptziel von Vivlion® ist es, die wissenschaftliche Community mit überragenden CRISPR/Cas-Reagenzien zu versorgen und den technologischen Fortschritt in diesem Bereich voranzutreiben.“ Der mit Hilfe von der Innovectis GmbH, dem Technologietransfer-Unternehmen der Goethe-Universität, abgeschlossene Lizenzvertrag verleiht Vivlion® das alleinige und weltweit gültige Recht, basierend auf der zum Patent angemeldeten 3Cs-Technologie Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Die Goethe-Universität erhält von Vivlion® im Gegenzug Meilensteinzahlungen sowie eine Umsatzbeteiligung.

„Gründer und deren Unternehmen sind ein wesentlicher Bestandteil im Third Mission-Konzept der Goethe-Universität. Unsere Gründer sind diejenigen, die akademisches Wissen in Werte für unsere Gesellschaft wandeln“, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident Third Mission der Goethe-Universität. „Unser Spin-off Vivlion® ist ein gutes Beispiel, wie die Gesellschaft von akademischer Gesundheitsforschung profitiert“, ergänzt Dr. Martin Raditsch, Geschäftsführer der Innovectis GmbH.

Weitere Informationen:
Dr. Kirstin Schilling, Stv. Geschäftsführerin INNOVECTIS GmbH. Altenhöferallee 3, 60438 Frankfurt am Main. info@innovectis.de; Tel. (069) 2561632 0; Fax (069) 256163229. www.innovectis.de

 

Mär 16 2020
13:21

​Frankfurter Virologin Sandra Ciesek wird über Johanna Quandt Jubiläums-Fonds gefördert

Ad-hoc-Unterstützung: 250.000 Euro für Corona-Forschung an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Johanna Quandt-Universitäts-Stiftung stellt der Corona-Forscherin Prof. Sandra Ciesek eine Viertelmillion Euro zur Verfügung. Innerhalb von nur 24 Stunden wurde der Antrag bewilligt. Die Virologen des Universitätsklinikums Frankfurt wollen mit dem Geld die Suche nach wirksamen Medikamenten vorantreiben. Die Mittel stammen aus dem Johanna Quandt Jubiläums-Fonds, den die Bad Homburger Unternehmerin Johanna Quandt 2014 für die Goethe-Universität eingerichtet hatte.
 
Die Entwicklung virenhemmender Medikamente gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 steht derzeit im Fokus des Teams um Prof. Sandra Ciesek, Leiterin des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. An der Frankfurter Virologie gelang Mitarbeitern des Instituts kürzlich die Anzucht des Corona-Virus aus Proben der deutschen Reisenden, die am 1. Februar aus Wuhan zurückgeholt worden waren. Mit den Mitteln des Fonds planen die Frankfurter Wissenschaftler nun, in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie pharmakologische Substanzdatenbanken nach potenziellen antiviralen Wirkstoffen zu durchsuchen. Weiterhin sind Experimente an Zellkulturen vorgesehen, bei denen einzelne Gene gezielt ausgeschaltet werden (CRISPR-Cas9-Screening). Damit versuchen die Wissenschaftler Strukturen menschlicher Zellen zu identifizieren, die das Virus zur Infektion benötigt. So wollen sie besser verstehen, wie das SARS-CoV-2-Virus in menschliche Zellen eindringt, um sich dort zu vermehren.
 
Der Johanna Quandt Jubiläums-Fonds wurde zum 100-jährigen Bestehen der Goethe-Universität ins Leben gerufen und von Johanna Quandt mit 20 Millionen Euro ausgestattet. Seit 2015 werden mit diesen Mitteln Projekte der Goethe-Universität gefördert, deren Finanzierung nicht durch den allgemeinen Hochschulentwicklungsplan gedeckt ist. Dazu zählen die Förderung herausragender Wissenschaftler, die Unterstützung internationaler Partnerschaften sowie außeruniversitärer Forschungsinstitute und damit verbundener Kooperationen.
 
Prof. Sandra Ciesek sagte: „Mit den Mitteln aus dem Johanna Quandt Jubiläums-Fonds können wir kurzfristig qualifizierte Nachwuchswissenschaftler für diese Arbeiten einstellen. So können wir die Screenings sowie anschließende präklinische Untersuchungen schnell durchführen. Unser Ziel ist es, möglichst zeitnah mit klinischen Studien an Probanden und Patienten zu beginnen.“
 
„Die Corona-Krise zwingt die auch die Goethe-Universität zu energischem und entschlossenem Handeln“, erklärte Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität. „Als Stiftungsuniversität sind wir in der glücklichen Lage, seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit Stiftungen wie der Johanna Quandt-Universitäts-Stiftung zusammenzuarbeiten. Nur dadurch war es möglich, unbürokratisch innerhalb kürzester Zeit diese Summe für unsere Virologie bereitzustellen. Wir sind froh, in dieser schwierigen Phase Beiträge zur Bewältigung der Krise leisten zu können.“
 
 
Kontakt zu Prof. Sandra Ciesek über das Universitätsklinikum Frankfurt: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher Universitätsklinikum, Telefon: 069 6301-86442, christoph.lunkenheimer@kgu.de

 

Mär 13 2020
14:52

Zellkultur-Studie: Protonenpumpen-Inhibitor verbessert Wirksamkeit von Virostatikum

Neue Wirkstoff-Kombination für bessere Herpes-Behandlung

FRANKFURT. Eine neue Wirkstoff-Kombination könnte womöglich die Behandlung von Herpes-simplex-Krankheiten wie Lippenbläschen, Genitalherpes und Hornhautentzündung (Keratitis) verbessern. Das haben Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Kent, Großbritannien, herausgefunden. Die Forscher testeten verschiedene Wirkstoffe in Zellkulturen und entdeckten, dass Omeprazol und andere Protonenpumpen-Inhibitoren die Wirksamkeit des Virostatikums Acyclovir verbessern konnten. Acyclovir wird am häufigsten zur Behandlung Krankheiten verwendet, die mit Herpes-simplex-Infektionen einhergehen.  

Lippenbläschen und Genitalherpes können erhebliche Beschwerden verursachen. Hornhautentzündungen, die durch Herpes simplex verursacht werden, gehören zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung in den Industrieländern. Bei Menschen mit einem unterdrückten Immunsystem wie zum Beispiel Organempfänger können Herpes-simplex-Viren lebensbedrohlich sein. Daher besteht ein hoher Bedarf an verbesserten Therapien.

Ein internationales Team unter der Leitung von Professor Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt, und Professor Martin Michaelis, School of Biosciences, University of Kent, hat verschiedene Protonenpumpen-Inhibitoren in Kombination mit zwei Virostatika getestet, Acyclovir und Ribavirin.

Protonenpumpen-Inhibitoren sind die am häufigsten angewandten Wirkstoffe gegen

Sodbrennen, weil sie die Magensäureproduktion stark verringern. Darüber hinaus können Protonenpumpen-Inhibitoren auch die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente verstärken, der so genannten Nukleosid-Analoga. Die Virostatika Acyclovir und Ribavirin sind ebenfalls Nukleosid-Analoga, und daher untersuchte das deutsch-britische Forschungsteam, ob Protonenpumpen-Inhibitoren auch die Wirksamkeit der beiden Virostatika erhöhen könnten.

Während Protonenpumpen-Inhibitoren zusammen mit Ribavirin nur einen geringen Einfluss auf die Vermehrung des Herpes-simplex-Virus zeigten, minderten sie in Kombination mit Acyclovir die Freisetzung von Viren deutlich. Dabei zeigte Omeprazol unter den untersuchten Protonenpumpen-Inhibitoren den größten Effekt.

Professor Jindrich Cinatl, Letztautor der Studie, sagte: “Was unsere Forschung so interessant macht, ist, dass Protonenpumpen-Inhibitoren eingehend charakterisierte und gut verträgliche Wirkstoffe sind. Daher können wir sie jetzt direkt zusammen mit Virostatika in Patienten testen, die an schweren, durch das Herpes-simplex-Virus verursachten Krankheiten leiden. Wenn wir im Menschen denselben Effekt sehen wie in der Zellkultur, werden wir vielen Patienten helfen können, für die wir derzeit nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten haben.“

Publication: Omeprazole increases the efficacy of acyclovir against herpes simplex virus type 1 and 2. Malte Kleinschmidt, Denisa Bojkova, Holger Rabenau, Jindrich Cinatl – Goethe-University Frankfurt; Martin Michaelis, Mark Wass - University of Kent, in: Frontiers in Microbiology https://doi.org/10.3389/fmicb.2019.02790

Information:
Professor Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl,
Head of Research Group Cinatl,
Institute of Medical Virology,
University Hospital Frankfurt am Main, Germany,
Phone +49 69 / 6301-6409,
E-Mail: cinatl@em.uni-frankfurt.de,

Homepage: https://www.kgu.de/einrichtungen/institute/zentrum-der-hygiene/medizinische-virologie/forschung/research-group-cinatl/.

Informationen für Social Media

Twitter-Accounts: @goetheuni, @UniKent


Tweet-Vorschläge:

Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Professor Jindrich Cinatl von der @goetheuni hat eine verbesserte Wirkstoff-Kombination zur Behandlung von Herpes gefunden

Wissenschaftler der @goetheuni & der @UniKent testen eine neue Wirkstoff-Kombination, um Herpes besser zu behandeln.

Wissenschaftler der @goetheuni & der @UniKent haben herausgefunden, dass bestimmte Protonenpumpen-Inhibitoren die Wirksamkeit von Virostatika verbessern können.

 

Mär 13 2020
13:14

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2020 

Judith Reichmann für Erkenntnisse zur korrekten Weitergabe der Chromosomen geehrt

Die Bildung der Geschlechtszellen und die erste Zellteilung der befruchteten Eizelle sind fehleranfällige Prozesse. Manchmal stimmt am Ende die Zahl der Chromosomen nicht oder der Zwei-Zell-Embryo hat zwei Zellkerne pro Zelle statt einem Zellkern. Meistens münden diese Fehler in einer Fehlgeburt. Judith Reichmann hat bei Mäusen Fehlerquellen entdeckt, die dafür verantwortlich sind. 

FRANKFURT. Dr. Judith Reichmann vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg erhält morgen den mit 60.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2020. Der Festakt in der Paulskirche ist wegen der aktuellen Entwicklungen in der Coronavirus-Pandemie allerdings abgesagt worden. Die Biologin wird für ihre Forschung zu den Ursachen von Chromosomenstörungen und Fehlgeburten geehrt. Erarbeitet hat sie diese Ergebnisse bei Mäusen. Diese Säugetiere besitzen ein Protein mit dem Namen Tex19.1, das die Chromosomen während der Bildung der Eizellen zusammenhält und Samenzellen vor genetischen Schäden bewahrt. Ohne dieses Protein haben viele Maus-Embryonen eine falsche Chromosomenzahl und sterben schon nach wenigen Zellteilungen. Fehler entstehen auch bei der ersten Zellteilung der befruchteten Eizelle. Reichmann konnte zeigen, dass der väterliche und mütterliche Chromosomensatz bei dieser ersten Zellteilung nicht über eine gemeinsame Spindel auf die beiden Tochterzellen verteilt werden, sondern über zwei getrennte Spindeln. Das kann dazu führen, dass die beiden Chromosomensätze so weit auseinanderdriften, dass der Zwei-Zell-Embryo am Ende nicht einen Zellkern mit zwei Chromosomensätzen hat, sondern zwei Zellkerne mit je einem Chromosomensatz.

Die beiden Spindeln hat Reichmann mit der sogenannten Lichtblattmikroskopie entdeckt, die sie zu diesem Zweck weiterentwickelt hat. Die Embryonen der Maus vertragen kein Dauerlicht und können deshalb nicht mit einem herkömmlichen Mikroskop untersucht werden. Bei einem Lichtblattmikroskop wird nur die Ebene beleuchtet, die gerade beobachtet wird. Der Rest des Embryos bleibt im Dunkeln.

„Judith Reichmann hat gezeigt, wie Mäuse dafür sorgen, dass ihre Nachkommen die korrekte Zahl an Chromosomen und nur einen Zellkern haben. Beides ist für eine erfolgreiche Fortpflanzung ungeheuer wichtig“, schreibt der Stiftungsrat in seiner Begründung zur Preisvergabe. „Reichmanns Forschung trägt vielleicht eines Tages dazu bei, dass die Rate an Fehlgeburten bei Frauen reduziert werden kann – vorausgesetzt die bei Mäusen identifizierten Fehlerquellen gelten auch für die menschliche Fortpflanzung“.

Reichmann hat mit Tex19.1 ein Protein entdeckt, das die Chromosomen während der Halbierung des doppelten Chromosomensatzes indirekt stabilisiert. Dieser als Meiose bezeichnete Prozess sorgt dafür, dass die Geschlechtszellen mit einem einfachen Chromosomensatz in die Befruchtung gehen, sonst würde sich der Chromosomensatz mit jeder Generation verdoppeln. Dass die Chromosomen während der Meiose stabilisiert werden müssen, liegt daran, dass dieser Prozess in den Eizellen für längere Zeit unterbrochen und erst vor dem Eisprung beendet wird. Fehlt Tex19.1, driften die Chromosomen während der Meiose auseinander. Das führt dazu, dass viele Embryonen unter den Nachkommen nicht die korrekte Zahl an Chromosomen haben.

Mit der Entdeckung der zwei Spindeln während der ersten Zellteilung der befruchteten Eizelle hat Reichmann dafür gesorgt, dass Lehrbücher umgeschrieben werden müssen. Bisher ist man davon ausgegangen, dass der väterliche und mütterliche Chromosomensatz in der Eizelle verschmilzt und dann über einen Spindelapparat auf die beiden Tochterzellen verteilt wird. Reichmann konnte mit der Lichtblattmikroskopie zeigen, dass die väterlichen und mütterlichen Chromosomen getrennt voneinander und über zwei Spindeln in der Mitte der befruchteten Eizelle angeordnet und dann auf die Pole verteilt werden. Auch im Zellkern des Zwei-Zell-Embryos bleiben die beiden Chromosomensätze zunächst noch in unterschiedlichen Hemisphären, bevor sie sich dann mit jeder weiteren Teilung mehr und mehr durchmischen.

Falls der väterliche und mütterliche Chromosomensatz auch beim Menschen erst im Zwei-Zell-Embryo verschmilzt, müsste auch noch einmal über das Embryonenschutzgesetz diskutiert werden, denn für dieses Gesetz beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von mütterlichem und väterlichem Erbgut. Das ist aber bisher in der befruchteten Eizelle verortet worden, nicht im Zwei-Zell-Embryo. Reichmanns Forschung hat damit auch in dieser Hinsicht Fragen aufgeworfen.

Kurzbiographie Dr. Judith Reichmann
Judith Reichmann (35) studierte Angewandte Biologie an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Zum Ende ihres Studiums wechselte sie an die Universität Aberdeen in Schottland, wo sie noch einen Bachelor in Genetik machte. An der Universität Edinburgh promovierte sie über Prozesse zur Entstehung von Ei- und Spermienzellen. Reichmann kam 2012 als Postdoktorandin an das EMBL, um die Zellteilungen am Beginn des Lebens mit neuesten Mikroskopie-Techniken zu untersuchen.  Seit 2017 ist sie als Wissenschaftlerin am EMBL tätig. Reichmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis
Der 2006 erstmals vergebene Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von der Paul Ehrlich-Stiftung einmal jährlich an einen in Deutschland tätigen Nachwuchswissenschaftler oder eine in Deutschland tätige Nachwuchswissenschaftlerin verliehen, und zwar für herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Das Preisgeld von 60.000 € muss forschungsbezogen verwendet werden. Vorschlagsberechtigt sind Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie leitende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Forschungseinrichtungen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den Stiftungsrat auf Vorschlag einer achtköpfigen Auswahlkommission.

Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Die Präsidentin der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.

Weitere Informationen
Alle Unterlagen der Pressemappe sowie ein Foto von Frau Dr. Reichmann sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt. Den ausführlichen Lebenslauf, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste erhalten Sie von Dr. Hildegard Kaulen, Telefon: +49 (0) 6122/52718, E-Mail: h.k@kaulen-wissenschaft.de

 

Angriff oder Friedenspflicht? Diese Frage beantworten Immunzellen unzählige Male am Tag. Würden sie dabei regelmäßig falsch liegen, hätte dies ernsthafte Konsequenzen für unsere Gesundheit. Mit den von Shimon Sakaguchi entdeckten regulatorischen T-Zellen besitzt der Körper eine Friedenstruppe, die dem Immunsystem hilft, sicher zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Stärkt oder schwächt man diese Friedenstruppe, erhält das Immunsystem einen Kick oder einen Dämpfer. Beides kann therapeutisch relevant sein. Deshalb werden beide Konzepte klinisch geprüft. 

FRANKFURT. Der Japaner Shimon Sakaguchi erhält morgen den mit 120.000€ dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2020. Der Festakt in der Paulskirche ist wegen der aktuellen Entwicklungen in der Coronavirus-Pandemie allerdings abgesagt worden. Sakaguchi bekommt die renommierte Auszeichnung für die Entdeckung der regulatorischen T-Zellen, die das Potenzial haben, die neuen Helden der Medizin zu werden. Regulatorische T-Zellen halten das Immunsystem im Gleichgewicht und sorgen dafür, dass es weder Amok läuft noch unaufmerksam ist. „Ohne die von Sakaguchi entdeckten regulatorischen T-Zellen wäre das Immunsystem nicht in der Lage, Fehler bei der Unterscheidung von Freund und Feind mit dem gebotenen Nachdruck zu korrigieren“ begründet der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung seine Entscheidung zur Preisvergabe. „Das Immunsystem braucht eine solche Kontrolle, weil Übereifer zu Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und Typ 1-Diabetes führt. Versagen gibt Krebszellen die Gelegenheit, sich zu einem Tumor zusammenzurotten und Metastasen zu bilden. Sakaguchis Entdeckung hat demnach eine hohe medizinische Relevanz.“

Der diesjährige Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Preisträger war früh von der Existenz einer immunologischen Friedenstruppe überzeugt. Da es keinen Marker gab, mit dem diese Zellen identifiziert und isoliert werden konnten, machte er sich daran, ein solches Merkmal zu suchen. Er fand es in Form eines Oberflächenproteins, das nur bei den regulatorischen T-Zellen dauerhaft und in großer Menge vorhanden ist und das als Andockpunkt für einen Angelhaken dienen kann. „Die Entdeckung dieses Markers machte unmissverständlich deutlich, dass es die regulatorischen T-Zellen tatsächlich gibt und dass man sie isolieren und näher charakterisieren kann“, sagt Professor Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und Vorsitzender des Stiftungsrates. „Das hat dem Arbeitsgebiet einen enormen Schub verliehen. Plötzlich interessierten sich viele Wissenschaftler für die regulatorischen T-Zellen.“

Spätestens ab dem Zeitpunkt, als Sakaguchi nachweisen konnte, dass das Protein Foxp3 der zentrale An/Aus-Schalter der regulatorischen T-Zellen ist, war klar, dass diese Zellen auch medizinisch relevant sind. Über Foxp3 fahren die regulatorischen T-Zellen ihr Betriebssystem hoch. Andere Wissenschaftler hatten bereits gezeigt, dass Patienten mit dem sehr seltenen, angeborenen IPEX-Syndrom kein Foxp3 bilden. Diesen Patienten fehlt damit offensichtlich der Zugriff auf ihre immunologische Friedenstruppe. Sie entwickeln schon bald nach der Geburt eine schwere Autoimmunerkrankung, an der sie oft früh versterben.

Regulatorische T-Zellen kommen wegen ihrer fundamentalen Bedeutung für das Immunsystem für die Behandlung verschiedenster Erkrankungen in Betracht. Allerdings auf unterschiedliche Weise. Bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Typ1-Diabetes und Multiple Sklerose muss ihre Aktivität gestärkt werden, damit sie entschlossener gegen die unangemessenen Attacken auf körpereigenes Gewebe vorgehen. Bei Krebs brauchen die regulatorischen T-Zellen einen Dämpfer. Krebszellen sind zwar körpereigene Zellen, da sie sich aber nicht mehr an das einmal vereinbarte Programm halten, müssten sie eigentlich beseitigt werden. Das geschieht allerdings nicht mit der gebotenen Konsequenz, weil sich die Krebszellen unter den Schutz der regulatorischen T-Zellen stellen, die im Tumor überproportional häufig vertreten sind. Bei Krebs müssen die regulatorischen T-Zellen also geschwächt werden, damit das Immunsystem nicht länger über die wahre Natur der Tumorzellen getäuscht wird und gegen die Krebszellen vorgehen kann.

Der Dämpfer könnte darin bestehen, dass die Zahl der regulatorischen T-Zellen im Tumor reduziert oder deren Wirkung unterbunden wird. Dabei sollte allerdings möglichst spezifisch und auf den Tumor bezogen vorgegangen werden, da die regulatorischen T-Zellen auch an anderer Stelle im Körper gebraucht werden. „Geschwächt werden sollten sie eigentlich nur im Tumor, nicht im ganzen Körper“, erklärt Thomas Boehm „Sakaguchi versucht daher, die im Tumor vorhandenen regulatorischen T-Zellen in konventionelle T-Zellen umzuwandeln, die sich dann am Angriff auf die Tumorzellen beteiligen. Wenn die Strategie aufgeht, würde aus der falsch verstandenen Friedenspflicht eine Verstärkung des Angriffs werden.“

Derzeit werden verschiedenste Konzepte zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Krebs geprüft, die sich allerdings noch in einer frühen Phase der klinischen Entwicklung befinden. Bis zu einer breiten therapeutischen Anwendung ist es noch ein weiter Weg.

Kurzbiographie Professor Dr. Shimon Sakaguchi
Professor Shimon Sakaguchi, MD (69) ist Arzt. Er studierte Medizin an der Kyoto Universität in Japan, wechselte dann als Postdoktorand an die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und danach an die Stanford Universität in Kalifornien. 1989 wurde er „Assistant Professor“ am Scripps Research Institute in La Jolla. 1991 kehrte Sakaguchi nach Japan zurück und forschte zunächst am „Tokyo Metropolitan Institute of Gerontology“. Später am „Institute for Frontier Medical Sciences“ der Kyoto Universität, dessen Direktor er zeitweilig war. Seit 2011 arbeitet er an der Osaka Universität. 2012 wurde er Foreign Member der amerikanischen National Academy of Sciences und 2017 ernannte ihn die japanische Regierung zur „Person of Cultural Merit“. Sakaguchi hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, darunter den William B. Coley Award des Cancer Research Institute, den Keio Medical Science Prize, den Canada Gairdner International Award und den Crafoord Prize. Im vergangenen Jahr wurde ihm der „Deutsche Immunologie-Preis 2019“ verliehen.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird traditionell an Paul Ehrlichs Geburtstag, dem 14. März, in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Mit ihm werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die sich auf den von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebieten besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie und der Chemotherapie. Finanziert wird der seit 1952 verliehene Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und durch zweckgebundene Spenden folgender Unternehmen, Stiftungen und Einrichtungen: Christa Verhein Stiftung, Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, C.H. Boehringer Sohn AG & Co. KG, Biotest AG, Hans und Wolfgang Schleussner-Stiftung, Fresenius SE & Co. KGaA, F. Hoffmann-LaRoche Ltd., Grünenthal Group, Janssen-Cilag GmbH, Merck KGaA, Bayer AG, Holtzbrinck Publishing Group, AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, die Baden-Württembergische Bank, B. Metzler seel. Sohn & Co. und die Goethe-Universität. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung ausgewählt. Eine Liste der Stiftungsratsmitglieder ist auf der Internetseite der Paul Ehrlich-Stiftung hinterlegt.

Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Die Präsidentin der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.

Weitere Informationen
Sämtliche Unterlagen der Pressemappe und ein Foto des Preisträgers sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt. Der Abdruck ist kostenfrei. Den ausführlichen Lebenslauf, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste erhalten Sie von Dr. Hildegard Kaulen, Telefon: +49 (0) 6122/52718, Email: h.k@kaulen-wissenschaft.de

 

Mär 11 2020
11:01

Digitalisierung: Herausforderungen für Forschung, Unternehmen und Gesellschaft

BWL-Fachgesellschaft tagt mit über 600 Mitgliedern und Gästen an der Goethe-Universität Frankfurt

FRANKFURT. Dem Thema „Digitale Transformation“ widmet sich die 82. Jahrestagung des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB), die dieses Jahr vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt ausgerichtet wird. Vom 17.-20. März tauschen sich gut 600 Besucherinnen und Besucher in 179 Sessions, Panels, Symposien und Workshops mit etwa 300 Vorträgen über den Stand und die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Forschung, sowie über den Transfer der Erkenntnisse in die Praxis aus.

Digitalisierung, das ist die Umwandlung von analogen Inhalten und Arbeitsweisen in digitale Formen. Der Begriff beschreibt einen tiefgreifenden Wandel, der sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft erfasst hat. Die deutschsprachige BWL tagt in Frankfurt und macht diesen Wandel für eine Woche zu ihrem Generalthema. Insbesondere zum Digital Day am Mittwoch, den 18.3.2020, werden die innovativen und praxisnahen Beiträge in unterschiedlichen Formaten thematisiert. Diskutiert werden aktuelle Fragestellungen wie „Bezahlen wir in Zukunft mit dem ‚digitalen Euro'?“, „Wie verändert sich unsere Arbeitswelt mit der Digitalisierung?“, „Welche innovativen Geschäftsmodelle bewegen den Mittelstand?“ und „Digitale Transformation im Gesundheitswesen?“. Am Runden Tisch werden zukünftige Forschungsperspektiven ausgelotet, in Workshops mit Medienvertretern der Transfer betriebswirtschaftlicher Forschung in Praxis und Öffentlichkeit geprobt werden.

Prof. Dr. Birgitta Wolff, die Präsidentin der Goethe-Universität, findet: „Schön, dass 99 Jahre nach der Gründung des VHB in Frankfurt die 82. Jahrestagung wieder in Frankfurt stattfindet. Mit dem Thema „Digitale Transformation“ und dessen Folgen für die Betriebswirtschaftslehre ist die Veranstaltung hier gut aufgehoben. Nicht allein, weil unser Fachbereich Wirtschaftswissenschaften einer der größten und traditionsreichsten an einer deutschen Universität ist, sondern auch, weil uns das Thema digitaler Wandel an der Goethe-Universität wie auch an vielen anderen Universitäten weltweit in vielfältiger Weise intensiv beschäftigt. Diese unterschiedlichen Perspektiven werden unsere Forschenden in die Tagung mit einbringen.“

Eröffnet wird die Konferenz am Dienstagabend mit zwei hochkarätigen Keynotes: Marketing-Professor Bernd Skiera (Frankfurt) spricht über die Regulierung im Netz und die Folgen für die Werbeindustrie und verweist auf den dringenden Bedarf fundierter empirischer Forschung zum Thema. Theodor Weimer, CEO der Deutsche Börse AG, spricht über Digitalisierung als Zukunftsherausforderung für Unternehmen und skizziert Kernelemente einer gelingenden Digitalen Transformation. Zu den Zukunftsherausforderungen wird darüber hinaus am Mittwochabend eine weitere Keynote Session mit dem renommierten Wirtschaftsinformatiker Jan-Marco Leimeister (St. Gallen/Kassel), dem CEO von TeamViewer Oliver Steil, Rolf Felkel und Claus Grunow, Senior Vice President und Vice President aus den Digitalisierungsbereichen von Fraport sowie Dr. Christian Langer, Head of Digital Strategy, Innovation and Transformation der Lufthansa Group, stattfinden.

„Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit vielen Partnern in Frankfurt ein breites und vielfältiges Tagungsprogramm umsetzen können. Im Zentrum der Tagung stehen die Herausforderungen der digitalen Transformation, die immer stärker die betriebswirtschaftliche Forschung und Lehre prägen - sowohl inhaltlich wie auch methodisch. Mit dem ‚Digital Day' stellt die VHB-Tagung die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in den Mittelpunkt des betriebswirtschaftlichen Diskurses“, so Mark Wahrenburg, Vorsitzender des diesjährigen Organisationskomitees und Professor für Bankbetriebslehre an der Goethe-Universität.

Die 82. Jahrestagung des VHB findet in diesem Jahr erstmalig nicht an Pfingsten, sondern im Frühjahr statt. Mit dem neuen Datum wird ein neues Format eingeführt: Die 18 Fachgruppen sind aufgerufen, ihre individuellen Tagungen ab diesem Jahr unter dem Dach der gemeinsamen Jahrestagung auszurichten. Peter Walgenbach, Vorsitzender des VHB und Professor für BWL an der Universität Jena, betont:
„Uns verbindet die Begeisterung für betriebswirtschaftliche Forschung und Lehre. Die Jahrestagung eröffnet den Blick auf die gesamte Disziplin BWL. Das Thema der diesjährigen Tagung ist für alle unsere Fachgruppen von großer Bedeutung und bietet die Chance, über die Grenzen unserer Teildisziplinen hinauszugehen. Wir sollten die Tagung intensiv nutzen, um uns auszutauschen und voneinander zu lernen.“

Flankiert werden die Kernkonferenztage von der Pre- und Post-Conference am Dienstag und Freitag. Die Pre-Conference steht ganz im Zeichen der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und der Methoden-Workshops. Im Laufe des Freitags tagen Expertinnen und Experten aus der Wissenschaftsethik zu Möglichkeiten und Grenzen, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung betriebswirtschaftlicher Forschung ergeben. Auch ein Punkt auf der Post-Conference: die Vorbereitung der Jubiläumstagung im kommenden Jahr, denn der VHB wird 100 Jahre alt.

Sämtliche Informationen zur Tagung: http://bwl2020.org

Über den VHB
Der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB) setzt sich aus rund 2.600 Mitgliedern zusammen, die sich wissenschaftlich auf dem Gebiet der Betriebswirtschaftslehre betätigen. Ziel des VHB ist die Förderung und Weiterentwicklung der BWL als gesellschaftlich relevante, international anschlussfähige und zukunftsweisende Wissenschaftsdisziplin. Der Verband ist eine wachsende, lebendige Plattform für wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen Bereichen der BWL und darüber hinaus. 1921 gegründet ist der VHB heute die führende wissenschaftliche Verbandsinstitution der BWL im deutschsprachigen Raum (http://vhbonline.org/).

Für weitere Auskünfte
Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V.
Bianca Volk, Pressesprecherin
Geschäftsstelle: Reitstallstr. 7 – 37073 Göttingen – Deutschland
Tel.: +49 (0)551 - 797 78 566, Fax: +49 (0)551 - 797 78 567
E-Mail: bianca.volk@vhbonline.org - URL: http://vhbonline.org 

 

Mär 10 2020
10:36

Das Projekt „Sprachförderprofis“ kann seine erfolgreiche Arbeit mit Fachkräften in Kitas und Grundschulen fortsetzen

Sprachförderprofis gehen in die zweite Förderrunde

FRANKFURT. Das Projekt „Sprachförderprofis“ der Goethe-Universität und des IDeA-Zentrums bildet seit Herbst 2016 Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte gemeinsam fort. Die pädagogischen Fachkräfte lernen, linguistisch fundierte Sprachförderung zu konzipieren und diese flexibel in Groß- und Kleingruppen für Kindern mit besonderem Sprachförderbedarf, beispielsweise Deutsch als Zweitsprache, umzusetzen. Nun haben die Förderpartner die Fortsetzung für weitere drei Jahre bewilligt.

Damit pädagogische Fachkräfte aus Kitas und Grundschulen wissen, wie das komplexe System Sprache funktioniert und wie sie Kinder im (Zweit-)Spracherwerb unterstützen können, werden sie an der Goethe-Universität zu „Sprachförderprofis“ ausgebildet. Das Projekt „Sprachförderprofis“ ist angesiedelt an der Arbeitseinheit Deutsch als Zweitsprache unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Schulz am Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache. Als Projektpartner beteiligt sind das Stadtschulamt Frankfurt, das Hessische Kultusministerium und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

„Mehr als 350 Fachkräfte aus ganz Hessen wurden in der ersten Förderphase geschult, 24 Gruppen, davon 14 in Frankfurt, haben das Programm durchlaufen“, berichtet Projektleiterin Prof. Dr. Petra Schulz. Auch ein Lehrbuch für die Praxis ist dabei entstanden, das im Herbst dieses Jahres gedruckt vorliegen soll. In der zweiten Förderphase, für die mehr als 200.000 Euro zur Verfügung stehen, soll das erfolgreiche Konzept fortgeführt werden: Wie bisher wird eine Fortbildungsreihe mit vier Modulen zu linguistischen Grundlagen, Erst- und Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung angeboten, kombiniert mit individuell abgestimmten Coachings vor Ort. Neu ist das Modul „Sprachförderprofis im Team“. Dr. Rabea Lemmer und Alina Lausecker, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen im Projekt, erläutern: „In dem neuen Modul werden die Inhalte der Fortbildungsreihe gemeinsam mit zertifizierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Einrichtungen umgesetzt, um beispielsweise ein neues Sprachförderkonzept zu entwickeln.“ Darüber hinaus soll unter dem Stichwort „Sprache stärken“ der Blick für spät erworbene sprachliche Phänomene geschärft werden, die insbesondere für den schulischen Erfolg von Bedeutung sind, – wie die Unterscheidung von bestimmtem und unbestimmtem Artikel.

Informationen: Prof. Dr. Petra Schulz, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Fachbereich 10, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt, Telefon 069 798-32561, E-Mail p.schulz@em.uni-frankfurt.de; Homepage: www.uni-frankfurt.de/44192743/DaZ; Sprachförderprofis: www.sprachfoerderprofis.de. Dort können auch frühzeitig Fortbildungstermine eingesehen werden. 

 

Mär 9 2020
14:27

Frobenius-Institut eröffnet die Ausstellung „Baxxe – Home“ im Museum Bautzen (14. März bis 1. Juni 2020)

Äthiopische Perspektiven auf „Heimat“

FRANKFURT. Was bedeutet „Heimat“? Diese Frage steht im Zentrum der Fotoausstellung „Baxxe – Home“ der äthiopischen Fotografin Maheder Haileselassie, die

am Samstag, 14. März, um 15 Uhr
im Museum Bautzen, Kornmarkt 1, 02625 Bautzen

eröffnet wird. Die Ausstellung zeigt Fotos aus den Archiven des Frobenius-Instituts, welche die frühen Expeditionen in die Region Gedeo (Äthiopien) zwischen den 1930er und 1950er Jahren dokumentieren. Diesen Bildern werden aktuelle Fotografien von Haileselassie und Schülerinnen und Schülern aus der Region Gedeo gegenübergestellt, welche ihre eigenen Auffassungen von „Heimat“ abbilden. Entstanden sind diese Werke in einem Workshop, den Maheder Haileselassie im Frühjahr 2019 in der Region geleitet hat.

Darüber hinaus ist in der Ausstellung ein in den 1970er Jahren gedrehter Film des Frobenius-Instituts über Handwerker in Gedeo zu sehen, kommentiert durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop. Der Film spiegelt die Auseinandersetzung der jungen Menschen aus Gedeo mit ihrer regionalen Geschichte wider.

Die Ausstellung baut auf eine Kooperation zwischen dem Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung und dem Goethe-Institut in Addis Abeba (Äthiopien) auf, und war erstmals vom 21. November bis 31. Januar 2019 am Goethe-Institut in Addis Abeba ausgestellt. In erweiterter Form ist sie nun im Museum Bautzen zu sehen, wo sie sich in die dortige Ausstellungsfolge zum Thema „Heimat“ einreiht.

Informationen: Dr. Sophia Thubauville, Frobenius-Insitut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität, Telefon +49 (0)69 798-33240, Mail Thubauville@em.uni-frankfurt.de; Näheres unter: https://www.frobenius-institut.de/aktuelles; https://www.museum-bautzen.de/veranstaltungen/ausstellungen/baxxe-heimat/

Den Ausstellungsflyer finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/86430263

 

Mär 5 2020
11:25

Der österreichische Autor und Essayist spricht am Samstag auf dem Campus Westend über „Unterwegs nach Babylon“

60 Jahre Frankfurter Poetikvorlesungen: Jubiläumsdozentur mit Christoph Ransmayr

FRANKFURT. Im Wintersemester 2019/20 feiert die Frankfurter Poetikvorlesung ihr 60-jähriges Jubiläum. Die Jubiläumsvorlesung wird von Christoph Ransmayr gehalten. Eingeleitet und begleitet wurde die Dozentur von einer dreiteiligen wissenschaftlichen Vortragsreihe, die vertiefende Einblicke in das Werk Ransmayrs vermittelte.

60 Jahre Frankfurter Poetikvorlesungen: Christoph Ransmayr - Unterwegs nach Babylon

Öffentliche Vorlesung. Samstag, 7. März, 18 Uhr c.t.. Hörsaalzentrum (HZ 1&2), Campus Westend.

Die wieder von Wolfgang Schopf (Literaturarchiv der Goethe-Universität) kuratierte Begleitausstellung zur Poetikdozentur im „Fenster zur Stadt“/Restaurant Margarete wird im Anschluss an die Vorlesung eröffnet; die Ausstellung ist täglich geöffnet von 11 bis 24 Uhr.
Die Abschlusslesung findet am Montag, 9. März, ab 19.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt statt.

„Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt.“ Dieses Zitat stammt aus dem Vorwort des 2012 erschienenen Reise-Erzählbandes „Atlas eines ängstlichen Mannes“ von Christoph Ransmayr und kann als poetologischer Leitsatz für sein gesamtes Werk gelesen werden. In seinem Roman „Die letzte Welt“ (1988) erfüllt Ransmayr diesen Anspruch par excellence und es gelingt ihm der internationale Durchbruch. Zahlreiche weitere Romane folgten seitdem, insbesondere sind hier „Morbus Kitahara“ (1995), „Der fliegende Berg“ (2006) sowie sein aktuellster Roman „Cox oder Der Lauf der Zeit“ (2016) hervorzuheben. Daneben zählen auch Theaterstücke (u.a. „Die Unsichtbare. Tirade an drei Stränden“ (2001), Essays und literarische Reportagen zu seinem Œuvre. Die vielfältigen Perspektiven, Formen, Genres und Medien des Erzählens erkundet Ransmayr in seinem mittlerweile zehn Bände umfassenden großen Projekt „Spielformen des Erzählens“.

Für sein kreatives Schaffen wurde Christoph Ransmayr inzwischen mit unzähligen Auszeichnungen und Preisen geehrt; so erhielt er allein im vergangenen Jahr den Würth-Preis für Europäische Literatur, den Kleist-Preis, den Nicolas-Born-Preis, den Preis der Stadt Wien für Literatur sowie den Bayerischen Buchpreis. Im kommenden Mai wird Ransmayr den Ludwig-Börne-Preis 2020 erhalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat als diesjähriger Preisrichter den Preisträger ausgewählt, er wird auch die Laudatio halten.

Weitere Informationen:
Prof. Susanne Komfort-Hein, Geschäftsführung: Frankfurter Poetikvorlesungen, Goethe-Universität Frankfurt. Tel (069) 798 32855; E-Mail: Koch@lingua.uni-frankfurt.de.
www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de