​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Forschung

Mai 17 2017
11:57

Neue hochauflösende Mikroskopiertechnik hilft, die Entstehung von Leben besser zu verstehen

Präziser Einblick in die Tiefe von Zellen

FRANKFURT. Ist es möglich, auf der Zellebene zuzusehen, wie sich Fischembryonen zu Forellen, Karpfen oder Lachsen entwickeln? Forschern der Goethe-Universität ist dies gelungen, indem sie eine spezielle Form der Fluoreszenzmikroskopie mit einer zweiten Mikroskopiertechnik kombiniert haben. Das neue hochauflösende Lichtmikroskop erlaubt faszinierende Einblicke ins Zellinnere.

Doch was ist das Neue dabei? Bereits mit der herkömmlichen konfokalen Fluoreszenzmikroskopie ließen sich Organismen sehr präzise und plastisch bei der Ausdifferenzierung ihrer Zellen beobachten. Wissenschaftler kennzeichnen Zellmoleküle mit fluoreszierenden Markern, die ein Lichtstrahl zum Leuchten bringt. Eine Kamera nimmt die dreidimensionale Verteilung der leuchtenden Moleküle, der Fluorophore, auf.

Ernst Stelzer, Professor am Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft und Forschungsleiter im Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“ der Goethe-Universität, hat mit seiner Arbeitsgruppe die Fluoreszenzmikroskopie entscheidend weiterentwickelt. Sein Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskop (LSFM) geht sehr schonend selbst mit so empfindlichen Proben wie Fischembryonen um. Ein großer Fortschritt, denn herkömmliche Verfahren zerstörten bisher durch die Energie der Photonen die Farbstoffe und die Zellen in sehr kurzer Zeit.

Bei der von Stelzer entwickelten Technik nehmen mikrometerdünne Lichtscheiben nur die Bereiche der Zelle in den Fokus, die die Wissenschaftler genauer betrachten wollen. Die Kamera nimmt Bilder der Probe aus verschiedenen Richtungen und Winkeln auf. Computer setzen die Einzelbilder zu dreidimensionalen Gesamtbildern und Filmen zusammen. „Da wir die Zellproben unter möglichst natürlichen Wachstumsbedingungen untersuchen, können wir sehr präzise Ergebnisse erzielen“, so Stelzer. Doch nicht nur statische Abbildungen von Zellen, sondern auch dynamische Veränderungen in der Umgebung oder von Genmutationen lassen sich im direkten Vergleich messen.

Bo-Jui Chang, Victor Perez Meza und Ernst Stelzer haben das Verfahren jetzt noch weiter verbessert: „Wir haben nun die Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskopie mit der kohärenten strukturierten Beleuchtungsmikroskopie (SIM) kombiniert. Das macht eine extrem hohe Auflösung möglich“, berichtet er. Die SIM ist eine Superauflösungstechnik,die mehrere Bilder erzeugt und sie miteinander kombiniert. Dadurch verbessert sich die Auflösung im physikalischen Sinn. Technisch geht man so vor, dass man eine fluoreszierende Probe mit einem ganz bestimmten Beleuchtungsmuster anregt. Die Methode ist auf Oberflächen beschränkt, hat aber große Vorteile. So ist sie beim Anregen der Fluoreszenz nicht zu intensiv, ermöglicht sehr schnelle Aufnahmen und kann mit allen fluoreszierenden Molekülen für die Hochauflösung eingesetzt werden.

„In dem neuen Mikroskop, das wir csiLSFM nennen, haben wir das Prinzip von SIM so weiter entwickelt, dass es nicht mehr auf Oberflächen beschränkt ist, sondern auch in ausgedehnten dreidimensionalen Objekten angewandt werden kann. Dazu lassen wir zwei gegenläufige Lichtblätter miteinander interferieren, und zwar unter einem Winkel von 180 Grad, so dass sie das kleinstmögliche Interferenzmuster bilden. Wir erreichen damit eine maximale Auflösung von unter 100 Nanometern, die.“, erklärt Ernst Stelzer. Das neue Instrument hat drei Objektivlinsen. Es arbeitet mit einer flexiblen Steuerung von Rotation, Frequenz und Phasenverschiebung der perfekt modulierten Lichtscheiben.

Bilder vom endoplasmatischen Retikulum, einem weit verzweigten Membrannetzwerk aus Röhren, Bläschen und Zisternen, in Hefen zeigen, dass die Forscher mit csiLSFM an physiologisch bedeutenden Objekten erfolgreich arbeiten können.

Publikation:Chang BJ, Perez Meza VD, Stelzer EHK (2017)csiLSFM combines light-sheet fluorescence microscopy and coherent structured illumination for a lateral resolution below 100 nm. Proc Natl Acad Sci U S A, 114(19):4869-4874. doi: 10.1073/pnas.1609278114 (2017 May 9).Epub 2017 Apr 24.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/66612661

Bildtext: Lebende in Agarose eingebette Hefezelle. Von links nach rechts: konventionelle Fluoreszenz, konventionell bearbeitet und csiLSFM. Der Balken hat eine Breite von 1 µm.

Bild: Arbeitsgruppe Stelzer, Goethe-Universität

Informationen: Prof. Dr. Ernst H. K. Stelzer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften,
Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: +49 (69) 798 42547/42545, ernst.stelzer@physikalischebiologie.de

Personalia/Preise

Mai 17 2017
10:42

Bekannter Philosoph ist am Montag im Alter von 95 Jahren gestorben

Goethe-Universität trauert um Karl-Otto Apel

FRANKFURT. Die Goethe-Universität würdigt den Philosophen Prof. Karl-Otto Apel, der am Montag im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff sagte: „Wir trauern um Karl-Otto Apel. Mit ihm verliert die Goethe-Universität einen philosophischen Vordenker und weltweit anerkannten Intellektuellen, dessen Stimme auch in der Öffentlichkeit oft zu hören war. Wir werden ihn sehr vermissen und denken in diesen Stunden auch an seine Familie.“

Der Philosoph Prof. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters Herausbildung Normativer Ordnungen und selbst Apel-Schüler würdigte seinen früheren akademischen Lehrer in einem Nachruf mit folgenden Worten:

„Professor Dr. Karl-Otto Apel, Emeritus für Philosophie an der Goethe Universität, ist gestern im Alter von 95 Jahren an seinem Wohnort in Niedernhausen gestorben. Er gilt als einer der wichtigsten Philosophen seiner Zeit und hat die Philosophie in Deutschland nachhaltig geprägt.

Am 15.03.1922 in Düsseldorf geboren, studierte Apel Geschichte, Germanistik und Philosophie (bei Erich Rothacker) in Bonn, wo er auch die Bekanntschaft mit dem sieben Jahre jüngeren Jürgen Habermas machte, seinem wichtigsten philosophischen Weggefährten, mit dem ihn auch eine lebenslange Freundschaft verband. 1950 wurde er mit einer Arbeit über Dasein und Erkennen. Eine erkenntnistheoretische Interpretation der Philosophie Martin Heideggers promoviert, 1961 folgte die Habilitation in Mainz mit einer Arbeit über Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus von Dante bis Vico. Nach Professuren in Kiel (1962-69) und Saarbrücken (1969-72) lehrte Apel von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1990 an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Transformation der Philosophie (1973), Diskurs und Verantwortung (1988) und Auseinandersetzungen (1998).

Berühmt wurde Karl-Otto Apel durch die Entwicklung der sogenannten Transzendentalpragmatik, die im Kern besagt, dass der menschliche Sprachgebrauch an unhintergehbare Normen der kommunikativen Rationalität und des gegenseitigen Respekts geknüpft ist. Dabei griff er Peirces Idee einer prinzipiell unbegrenzten wissenschaftlichen Interpretationsgemeinschaft auf und konfrontierte die an Heidegger anknüpfende hermeneutische Philosophie mit der sprachanalytischen Sinnkritik; auf dieser breit gefächerten Grundlage entfaltete er eine neue Transzendentalphilosophie, die er „im Apriori der Kommunikationsgemeinschaft“ begründet sah. Damit verband sich für ihn einerseits der Anspruch, das bis zum 20. Jahrhundert vorherrschende Paradigma der Subjektphilosophie durch das Paradigma einer Philosophie intersubjektiver Verständigung zu überwinden, und zum anderen eine Letztbegründung nicht nur der theoretischen, sondern auch der praktischen Philosophie zu leisten. An deren Notwendigkeit und Möglichkeit hielt er auch in seinen zuletzt erschienenen Aufsatzsammlungen Paradigmen der ersten Philosophie (2011) und Transzendentale Reflexion und Geschichte (2017) fest. Denn fundamental geprägt durch die historische Erfahrung mit dem Nationalsozialismus, wollte Apel gerade in der praktischen Philosophie jede Form von Relativismus vermeiden. Er insistierte darauf, dass es etwas gibt, das wir immer schon voraussetzen, wenn wir eine Frage ernsthaft stellen, nämlich eine ideale Kommunikationsgemeinschaft, innerhalb der sich der wissenschaftliche wie der moralische und politische Diskurs vollzieht.

Die Bereitschaft zum ernsthaften Argumentieren impliziere dabei immer schon die Anerkennung der ethischen Grundnorm, nach der „alle Sinn- und Wahrheitsansprüche von Menschen im Prinzip in einer unbegrenzten Kommunikationsgemeinschaft durch Argumente – und nur durch Argumente – einlösbar sein müssen“. (Apel, Diskurs und Verantwortung, 46) Nur, wenn jeder am Diskurs Beteiligte sich bemühe, so weit wie möglich die Diskursregeln einzuhalten, bzw. sich verpflichte, für deren Etablierung und Realisierung zu sorgen, lasse sich die argumentative Praxis aufrechterhalten und dann auch zur Konfliktlösung einsetzen. Auf dieser Grundnorm aufbauend hat Apel dann seine Diskursethik – im Dialog mit Jürgen Habermas - vor allem in seinem zweiten Hauptwerk Diskurs und Verantwortung entwickelt.

Insgesamt haben Apels Untersuchungen zur Sprach- und Erkenntnisphilosophie wie auch vor allem zur praktischen Philosophie die philosophischen Debatten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur in Deutschland entscheidend mit bestimmt und neben Jürgen Habermas auch Philosophen wie Wolfgang Kuhlmann, Marcel Niquet, Matthias Kettner und Rainer Forst sowie Vertreter der südamerikanischen Befreiungsethik maßgeblich beeinflusst.“

Foto zum Download unter:www.uni-frankfurt.de/66607324

Veranstaltungen

Mai 16 2017
13:14

Auftakt der Vortragsreihe „Imperien und ihr Ende“ im Schloss Bad Homburg

1917: multiethnische Imperien in der Krise

BAD HOMBURG. Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten in Imperien wie der Habsburger Monarchie Angehörige verschiedener Religionen und Volksgruppen meist friedlich zusammen – das war damals der „historische Normalfall“. Was passiert jedoch, wenn das multiethnische Geflecht in Ungleichgewicht gerät und die Kategorie der „Nation“ in den Vordergrund rückt? Jörn Leonhard, Professor für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, widmet sich in seinem Vortrag „Die Krise der Loyalität: Die multiethnischen Imperien im Schlüsseljahr 1917“ dieser Frage und wirft einen Blick auf das für das Ende von Imperien schlüsselhafte Jahr 1917

am Donnerstag (18. Mai) um 19 Uhr
im Schloss Bad Homburg.

Schon seit Beginn des Ersten Weltkrieges hatten die europäischen Kriegsakteure auf das Prinzip von Nation und Nationalstaat gesetzt, um Verbündete zu gewinnen. Damit aber provozierten sie in den Gesellschaften der multiethnischen Imperien Russlands, der Habsburger Monarchie und des Osmanischen Reiches umfassende nationalpolitische Erwartungen. Das erklärt weitere Phänomene: die deutsche Unterstützung für ukrainische und finnische Nationalisten, die Konkurrenz von Deutschen und Russen um polnische Unterstützung, wobei den Polen im Gegenzug weitgehende nationale Autonomie versprochen wird, die Unterstützung aus London und Paris für palästinensische und arabische Unabhängigkeitsbewegungen gegen das Osmanische Reich, aber auch die Angst der Briten vor einer osmanischen Strategie, die Inder gegen die britische Herrschaft aufzuwiegeln. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Jörn Leonhard die Krise überkommener Loyalitäten in den multiethnischen Großreichen im Schlüsseljahr des Krieges.

Jörn Leonhards Vortrag ist Auftakt der fünfteiligen Vortragsreihe „Imperien und ihr Ende“, die gemeinsam von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und dem Historischen Kolleg des Forschungskollegs Humanwissenschaften veranstaltet wird. Die Vortragsreihe wiederum ist Bestandteil des gleichnamigen Themenjahres im Historischen Kolleg, in dessen Rahmen dem „Imperium“ als wichtigem Forschungsgegenstand der Geschichte und Rechtsgeschichte mit einem reichhaltigen Forschungs- und Veranstaltungsprogramm Rechnung getragen wird.

Weitere Themen und Termine der Vortragsreihe im Überblick (Beginn jeweils 19 Uhr, Ort: Schloss Bad Homburg)

  • 8. Juni (Donnerstag): Ulrike Freitag (Professorin für Islamwissenschaft, Freue Universität Berlin) mit „Der Zusammenbruch des Osmanischen Imperiums und seine Folgen“
  • 22. Juni (Donnerstag): Joachim von Puttkamer (Professor für Osteuropäische Geschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena), „‘Möge Gott der Herr Rußland schützen.‘ Der Untergang des Zarenreiches in der Russischen Revolution“
  • 6. Juli (Donnerstag): Benedikt Stuchtey (Professor für Neuere Geschichte, Philipps-Universität Marburg), „Nach dem Krieg: Die Imperien in der Kritik“
  • 12. Juli (Mittwoch): Christoph Cornelißen (Professor für Neueste Geschichte, Goethe-Universität) „Der Zusammenbruch der Imperien in Europa und die Suche nach neuen Ordnungen“

Die Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Themenjahr 2017 „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Informationen: Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.Zu den Veranstaltungen im Schloss Bad Homburg ist keine Anmeldung erforderlich.

Veranstaltungen

Mai 16 2017
12:20

„Mittwochskonferenzen“ – öffentliche Vortragsreihe des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften im Mai

Ein Radioapparat im Empire-Stil

FRANKFURT. Das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften (FZHG) der Goethe-Universität lädt im Sommersemester noch zu zwei öffentlichen Vorträgen im Rahmen seiner „Mittwochskonferenzen“ ein. Sie finden jeweils um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411 stattfinden. Am 17. Mai spricht David B. Ruderman, Professor für Modern Jewish History an der University of Pennsylvania Philadelphia über „Defending the Integrity of Rabbinic Judaism in 19th Century Europe: The Response of Isaac Baer Levinsohn to the Missionary Assaults of his Day”. Am 31. Mai hält Dario Gamboni, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Genf einen Vortrag mit dem Titel „Ein Radioapparat im Empire-Stil: Reflektierte Konservierung der Vergangenheit in Künstler- und Sammlermuseen“.

David B. Ruderman beschäftigt sich mit der Replik des hebräisch russischen Schriftstellers Isaac Baer Levinson (1788–1860) auf Alexander McCaul (1799–1863), prominentester Vertreter der „London Society for Promoting Christianity amongst Jews”. McCaul veröffentlichte 1837 einen scharfen Angriff auf den Talmud und löste damit große Irritation unter den Juden aus. Levinsohn, gut vernetzt mit der zeitgenössischen Wissenschaft und oft „russischer Mendelssohn“ genannt, argumentierte sehr elaboriert, wie das Judentum angesichts der vielfältigen Herausforderungen der Moderne seinen authentischen Charakter behalten und sich dennoch reformieren könnte. Levinsohn war nicht nur sehr belesen in rabbinischen Quellen, er verfügte auch über umfassende Kenntnisse der alten und modernen Geschichte.

Dario Gamboni thematisiert in seinem Vortrag die Bedeutung der Konservierung. Sie gehört zu den Aufgaben der meisten Museen und schließt allmählich auch Geschichte und Substanz der Museen selbst ein – von der Präsentation der Sammlungen bis zur Architektur. Daraus resultiert eine Spannung zwischen der Anpassung an sich stets verändernde Umstände und Erwartungen einerseits sowie Kontinuität und Selbstreflexivität andererseits, so der Referent. Aus der Betrachtung von Künstler- und Sammlermuseen, die sich ein unverändertes Weiterleben als Ziel geben und die Erinnerung an ihre Gründer, die Erhaltung von Kunst und Kultur erfinderisch und manchmal humorvoll pflegen, gewinnt Gamboni spannende Erkenntnisse.

Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel.(069) 798 32113, E-Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de 

Forschung

Mai 15 2017
14:30

DFG bewilligt neues Graduiertenkolleg an der Goethe-Universität

Doktoranden forschen zur Auflösung von Entzündungen

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein neues interdisziplinäres Graduiertenkolleg an der Goethe-Universität bewilligt. Im Kolleg „AVE“ arbeiten Mediziner und Pharmazeuten zusammen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs an die Erforschung von Entzündungsreaktionen heranzuführen.

Ausgangspunkt für die Einrichtung des Graduiertenkollegs „AVE“ ist die Hypothese, dass der Körper Entzündungen aktiv auflöst, indem er bisher nicht bekannte entzündungsauflösende Mediatoren herstellt oder bekannte Mediatoren in veränderter Funktion einsetzt. Bisher war man davon ausgegangen, dass es ausreicht, die entzündungsfördernden Moleküle medikamentös auszuschalten. Aber das ist wegen der Vielzahl der ähnlich wirkenden Entzündungsmediatoren nicht in Gänze möglich. Zusätzlich können als Nebenwirkung Infektionen mit Erregern auftreten, welche die Immunschwäche des Körpers ausnutzen.

Das Graduiertenkolleg „AVE“ vereint Projektleiter des Fachbereichs Medizin, des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie und des Georg-Speyer-Hauses. Es bündelt somit vorhandene Expertisen zu Mechanismen der Entzündungsauflösung und ermöglicht Doktoranden aus dem biomedizinischen Bereich eine fachübergreifende Ausbildung. Inhaltlich schließt das Graduiertenkolleg an Fragestellungen zum Thema „Signalling“ des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität an. Diese umfassen die Vermittlung von Signalen im Körper und die daran beteiligten Moleküle. Ebenso knüpft „AVE“ an die bestehenden Strukturen der Translationalen Forschung an, die eine möglichst enge Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung anstreben. In den nächsten 4,5 Jahren sollen insgesamt 22 Doktoranden ausgebildet werden.

Information: Prof. Bernhard Brüne, Institut für Biochemie I, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-7424, b.bruene@biochem.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 15 2017
13:46

„Enter_Zukunft_IT“ am 18. Mai auf dem Campus Bockenheim

IT Fach- und Jobmesse an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Der Fachbereich Informatik und Mathematik sowie der Career Service der Goethe-Universität Frankfurt veranstalten am

Donnerstag, 18. Mai 2017, von 10.00 bis 16.00 Uhr in der Neuen Mensa/Sozialzentrum, Campus Bockenheim

eine IT Fach- und Jobmesse. Auf der „Enter_Zukunft_IT“ können sich Studierende, Absolventen sowie Fach- und Führungskräfte über Jobmöglichkeiten und Neuigkeiten in der IT-Branche informieren. Unternehmen und Organisationen aus der Wirtschaft und der Goethe-Universität präsentieren sich den Besuchern zwischen 10 Uhr und 16 Uhr an Messeständen und in Unternehmenspräsentationen. Der Eintritt ist kostenfrei.

Nähere Informationen zur Veranstaltung, zu den Messeausstellern und zur Anfahrt unter www.enter-zukunft-it.de

Personalia/Preise

Mai 15 2017
09:57

Schader-Preis 2017 an Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff überreicht

Der Streit als Quelle der Erneuerung demokratischer Gemeinwesen

DARMSTADT. Herrschaft und Widerstand in der Politik des globalen Zeitalters, Staatlichkeit, Völkerrecht und Entpolitisierung von Sicherheitsleistungen – wichtige Beiträge in der Friedens- und Konfliktforschung, mit denen Prof. Nicole Deitelhoff aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten maßgeblich mitgestaltet. Für dieses Engagement hat die Schader-Stiftung der Politikwissenschaftlerin der Goethe-Universität gestern den Schader-Preis 2017 überreicht. Die Preisverleihung fand vor rund 350 geladenen Gästen im Schader-Forum in Darmstadt statt.

In ihrem Vortrag zur Preisverleihung sprach die Preisträgerin über den Streit als Quelle der Erneuerung demokratischer Gemeinwesen. „Wenn die politische Lüge primär zum Symbol der Ablehnung des Establishments, der Ordnung und ihrer zentralen Institutionen wird, steht mehr auf dem Spiel als die kurzfristige Wirksamkeit eines Arguments. Es ist die Funktion öffentlicher Auseinandersetzung, die Entdeckung politischer Alternativen und ihre Verhandlung, die zur Disposition steht, weil ihr die Basis verloren geht“, sagte Prof. Deitelhoff.

Die Laudatio hielt Klaus von Beyme, Politikwissenschaftler von der Universität Heidelberg und Mitglied des Senats der Schader-Stiftung. „Die ‚Internationalen Beziehungen‘ als Teildisziplin unseres Faches haben sich professionalisiert. Deitelhoffs Beitrag zur Weiterentwicklung der Unterdisziplin war nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Anwendung auf Themen gewichtig. Die internationalen Beziehungen sind für sie weniger theorie- als themengesteuert. Wenn sich die weltpolitische Situation ändert, kommt es in der Wissenschaft zu großen Umbrüchen. Ein solches Ereignis scheint sich dank Trump, Putin und Erdogan gerade wieder abzuspielen und man darf gespannt sein, wie es die Politikwissenschaft umkrempelt“, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung.

Nicole Deitelhoff, geboren 1974, hat seit 2009 eine Professur für Internationale Beziehungen und Theorien Globaler Ordnungen an der Goethe-Universität inne und leitet eine Forschergruppe zu „Normativität im Streit. Normenkonflikte im globalen Regieren“ an der HSFK. Seit 2016 ist sie deren Geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählt „Überzeugung in der Politik“ (Suhrkamp 2006), für die sie unter anderem den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhielt. 2010 gab sie mit Jens Steffek einen Band zum Thema „Was bleibt vom Staat?“ heraus. Darüber hinaus ist Nicole Deitelhoff Mitglied des Direktoriums des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und leitet dessen Internationales Graduiertenprogramm (IGP).

Der Schader-Preis wird jährlich vom Senat der Schader-Stiftung verliehen und ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Schader-Stiftung wurde 1988 von Alois M. Schader gegründet, um den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis zu fördern. Ein besonderes Anliegen des Stifters ist es, das Ansehen praxisorientierter Forschung in den Gesellschaftswissenschaften zu verbessern.

Der Vortrag der Preisträgerin und weitere Dokumente zum Schader-Preis sind in Kürze verfügbar unter www.schader-stiftung.de/schader-preis

Veranstaltungen

Mai 15 2017
09:47

Öffentliche Veranstaltung mit dem Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler und dem Philosophen Christoph Menke am 16. Mai im MMK Museum für Moderne Kunst

Podiumsgespräch: „Markiert sein oder markiert werden?“

FRANKFURT. „Claudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein“. Unter diesem Motto steht eine aktuelle Ausstellung im Frankfurter MMK Museum für Moderne Kunst. Zu sehen sind Bilderserien der Fotografin Claudia Andujar, entstanden in Brasilien seit den 1960er Jahren. Eine Serie – sie gilt bis heute als ihre wichtigste – heißt „Marcados“ (deutsch: „markiert“) und zeigt Angehörige einer indigenen Volksgruppe, die kleine Tafeln mit Nummern um den Hals tragen. Sie bildet den Anknüpfungspunkt für ein Podiumsgespräch über die Funktion des Bildes und die Tradition der ethnografischen Fotografie mit dem Titel

„Markiert sein oder markiert werden? Reflexionen über die fotografische Serie ‚Marcados‘ von Claudia Andujar“ am Dienstag, dem 16. Mai 2017, um 19.00 Uhr im MMK Museum für Moderne Kunst (MMK 1), Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main. 

Diskutanten sind der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler, Professor an der Universität Konstanz, zu dessen Spezialgebieten auch Theorie und Geschichte der Fotografie gehören, und der Philosophie-Professor Christoph Menke, der die Ästhetik der Moderne zu seinen Schwerpunkten zählt. Menke lehrt an der Goethe-Universität und ist Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Der interdisziplinäre Forschungsverbund gehört ebenso zu den Ausrichtern des Podiumsgesprächs wie das MMK Museum für Moderne Kunst und das Jüdische Museum Frankfurt, dessen Leiterin Mirjam Wenzel die Veranstaltung moderiert. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung „Claudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein“ ist am 16. Mai von 18.00 bis 19.00 Uhr frei zugänglich. Um 18.00 Uhr findet zudem eine kostenlose öffentliche Führung durch die Ausstellung statt.

Die Schweizer Fotografin Claudia Andujar entkam dem Holocaust, dem ihre jüdische Familie väterlicherseits zum Opfer fiel, und emigrierte in den 1950er-Jahren nach Brasilien. Dort engagiert sie sich seit den 1970er-Jahren für die Rechte und das Überleben der Yanomami im Amazonasgebiet. Anfang der 1980er-Jahre startete eine von Andujar gegründete Kommission eine Impfkampagne, für die sie in verschiedenen Dörfern Porträtaufnahmen der Yanomami machte. Da die Yanomami traditionell keine Namen verwenden – sie sprechen sich mittels Familienrelationen an –, wurden ihnen zur Identifizierung für den Impfausweis Nummern um den Hals gehängt.

Den Titel „Marcados“ erhielten die Fotografien erst über 20 Jahre später, als sie 2006 erstmals auf der Biennale von São Paulo gezeigt wurden. Die Bilder von mit Nummern markierten Personen wecken historische Erinnerungen, die aufs engste mit Andujars Familienschicksal verknüpft sind, da ein großer Teil ihrer Verwandtschaft in Konzentrationslagern ermordet wurde. Claudia Andujar: „Das waren für mich die für den Tod Markierten. Was ich versucht habe, mit den Yanomami zu machen, war, sie für das Leben, für das Überleben zu markieren.“

Andujars Werk zeichnet sich bis heute durch eine hohe Aktualität und Brisanz aus. Im Titel der Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ spiegelt sich angesichts wiederkehrender politischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen in Brasilien die Botschaft der Künstlerin an die Gegenwart wider. Das Podiumsgespräch mit Bernd Stiegler und Christoph Menke wird die fotografische Serie „Marcados“ sowohl in ästhetischer wie auch historischer Hinsicht kontextualisieren und die ihr innewohnende Ambivalenz thematisieren.

Bernd Stiegler ist Professor für Neuere Deutsche Literatur mit Schwerpunkt Literatur des 20. Jahrhunderts im medialen Kontext an der Universität Konstanz. Seine Forschungsinteressen reichen von der Theorie und Geschichte der Medien, und hier insbesondere der Photographie, bis zur deutschen und französischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen: „Spuren, Elfen und andere Erscheinungen. Conan Doyle und die Photographie“ (2014) und „Der montierte Mensch. Eine Figur der Moderne“ (2016).

Christoph Menke ist Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und im Institut für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine Arbeitsgebiete erstrecken sich ebenso auf Theorien der Subjektivität, Ethik und Ästhetik. Bei der Ästhetik gilt sein Hauptaugenmerk der Ästhetik der Moderne sowie der Tragödie und dem Theater. Jüngste Publikationen (u.a.): „Die Kraft der Kunst“ (2013) und „Kritik der Rechte“ (2015).

Informationen:
MMK Museum für Moderne Kunst:
Christina Henneke, Daniela Denninger, Julia Haecker,
Tel.: 069/212 37761, presse.mmk@stadt-frankfurt.de, http://mmk-frankfurt.de

Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“:
Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411,
bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Pressefotos zum Download unter: http://mmk-frankfurt.de/de/presse/pressedownload/

Personalia/Preise

Mai 9 2017
15:50

Junge Geowissenschaftler und Physiker der Goethe Universität überzeugten beim DLR Wettbewerb

Gewonnen: Studentisches Experiment fliegt zur ISS

FRANKFURT. Ein von Studierenden der Goethe-Universität vorgeschlagenes Experiment zur Planetenentstehung hat bei einem Wettbewerb des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewonnen. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst nimmt das EXCISS-Experiment nächstes Jahr mit auf die Internationale Raumstation ISS.

„Wir freuen uns schon darauf, Herrn Gerst die Durchführung unseres Experiments zu erklären“, erzählt Tamara Koch, die Leiterin des Projektes, begeistert. Bis dahin ist aber noch viel Arbeit zu bewältigen. Die Studierenden der Geowissenschaften und der Physik haben nun knapp ein Jahr Zeit, das Projekt zu realisieren und Vorexperimente durchzuführen. Ein detailgenauer Prototyp aus dem 3D-Drucker existiert bereits und wurde der Jury auf dem Auswahl-Workshop am 4. und 5. Mai in Bonn präsentiert.

„Wie könnte Lehre spektakulärer, mitreißender oder anschaulicher sein als mit einem eigenen Experiment auf der ISS?“, fragt Frank Brenker, Professor am Institut für Geowissenschaften und Initiator des Projektes. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Björn Winkler betreut er die Studenten. „Wir sind begeistert vom Engagement der Studenten, die hier bereits Herausragendes geleistet haben“, kommentiert Björn Winkler die Leistung der Studentengruppe.

Worum geht es bei dem Experiment?

„Nichts weniger als die Entstehung der häufigsten Festkörper im frühen Sonnensystem wollen wir mit diesem Experiment klären“, berichtet Gruppenleiterin Tamara Koch. In der Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor ca. 4,56 Milliarden Jahren bestand der Solare Nebel aus Gas und Staubkörnern. Sie bestanden entweder aus Kalzium- und Aluminium-reichen Mineralen oder aus Eisen und Magnesium-reichen Silikaten. Durch einen bisher noch nicht geklärten Prozess wurden diese in der frühen Phase des Sonnensystems plötzlich auf mehrere Tausend Grad aufgeheizt, um dann ebenso plötzlich wieder zu Tröpfchen, sogenannten Chondren, zu erstarren. Dieser Prozess gibt Forschern bis heute Rätsel auf.

Forscher vermuten, dass entweder Schockwellen oder Blitze die Staubteilchen so stark aufgeheizt haben. Eine weitere Möglichkeit wäre die Kollision mit Asteroiden. Keine der drei Thesen hat sich bisher durchsetzen können. Im EXCISS-Projekt wollen die Studierenden nun prüfen, ob die Chondren im Staub-Gas-Gemisch des Solaren Nebels durch hoch-energetische Blitze entstanden sein könnten. Dabei stehen die Eisen und Magnesium-reichen Silikate im Fokus.

Mini-Blitze in der Schwerelosigkeit

„Die Idee hinter dem Projekt ist einfach“, erklärt Tamara Koch. „Wir möchten Staubpartikel in Schwerelosigkeit unter Bedingungen kollidieren lassen wie sie im Solaren Nebel geherrscht haben. Die so gebildeten Staubklümpchen beschießen wir dann wiederholt mit Blitzen, die durch Entladungen von Plattenkondensatoren erzeugt werden. Neu an der Idee ist, dies unter realistischen Bedingungen der Schwerelosigkeit und bei geringem Gasdruck durchzuführen. Solche Experimente sind auf der Erde auch in Falltürmen nicht möglich. Die ISS bietet damit ein einzigartiges Umfeld, die Blitz-Hypothese zu überprüfen.“

„Solch ein Projekt in einer kleinen Kiste von weniger als 15 Zentimeter Kantenlänge und mit zwei Volt Stromversorgung durchzuführen, ist schon eine Herausforderung“ erklärt Yannik Schaper, der sich mit seinem Kommilitonen um die Physik des Projekts kümmert.

Intensive Unterstützung erhält das Projekt von den AGs Nanogeowissenschaften (Prof. Frank Brenker), Kristallographie (Prof. Björn Winkler, David Merges), der zugehörigen Werkstatt und dem Elektroniklabor (David Merges), und der Glasbläserei des Fachbereichs Chemie der Goethe-Universität (Michael Röder). Sponsoren für die finanzielle Unterstützung des Projektes werden nun gesucht.

Ein Foto der Studierenden finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66492588

Informationen: Tamara Koch, Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, tamara-koch@stud.uni-frankfurt.de, f.brenker@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 8 2017
18:17

Team um Ivan Dikic und Mike Heilemann entdeckt Signalsystem für Entzündungsreaktion - mögliche Basis für neue Therapien

Wie Zellen sich aktiv gegen Salmonellen wehren

FRANKFURT. Bakterielle Infektionen stellen eine enorme globale Bedrohung dar, weltweit nimmt die Verbreitung von Bakterienstämmen zu, die gegen gängige Antibiotika resistent sind. Forscher hoffen, neuartige Therapien zu finden, indem sie die Wechselwirkung zwischen Erreger und Wirt im Detail verstehen lernen. Nun haben Wissenschaftler der Goethe-Universität am Beispiel der Salmonellen-Infektion einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet.

Bakterien haben ausgeklügelte Mechanismen entwickelt, um in Wirtszellen zu überleben und sich zu vermehren. So verbergen sich Salmonellen innerhalb der Zelle normalerweise in membranumhüllten Körperchen, nur wenige brechen in das Zellinnere aus. Diese „Ausbrecher“ sind jedoch besonders gefährlich, weil sie sich rasend schnell vermehren und ausbreiten können. Die Zelle hat wirkungsvolle Abwehrmechanismen entwickelt, um eine solche Invasion zu stoppen. Ein interdisziplinäres Team um Prof. Ivan Dikic vom Institut für Biochemie II und Prof. Mike Heilemann vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität hat jetzt einen dieser Mechanismen aufgeklärt.

Protein-Ketten geben Signale für Entzündungsantwort weiter

Die Zelle reagiert schnell: Sie markiert die ausgebrochenen Bakterien mit einem kleinen Protein, dem Ubiquitin, das in viele zelluläre Prozesse regulierend eingreift. Diese Markierung mit Ubiquitin erfolgt in langen, unterschiedlich verzweigten Ketten. Daraus ergibt sich ein regelrechter Geheimcode, der noch längst nicht vollständig entschlüsselt ist. Die Ubiquitin-Ketten geben – ähnlich wie Funkmasten – spezifische Signale weiter.

Mit hochauflösender Mikroskopie ist es dem Frankfurter Team nun erstmals gelungen, die verschiedenartigen Ubiquitin-Markierungen rund um Salmonellen sichtbar zu machen und deren molekulare Organisation detailliert zu untersuchen. Sie stellten fest, dass bei einer bakteriellen Invasion ein ganz bestimmter Kettentypus, die sogenannten linearen Ubiquitin-Ketten, eine wichtige Rolle spielen: Sie leiten den Abbau der Bakterien ein und lösen zusätzlich eine Entzündungsantwort aus. Dadurch werden die verbleibenden Bakterien in Schach gehalten. Gleichzeitig identifizierten die Forscher das Enzym Otulin als wichtigen Regulator. Otulin vermag die Weiterleitung von Signalen zu stoppen, was für eine exakte Kontrolle der Entzündungsantwort essentiell ist. Damit wird vermieden, dass eine überschießende Entzündung ähnlich viel oder sogar mehr Schaden anrichtet als der bakterielle Erreger selbst.

Diese neuen Erkenntnisse öffnen nun den Weg für zahlreiche weiterführende Projekte und könnten unter anderem eines Tages den Grundstein für neue therapeutische Ansätze liefern. Erst kürzlich erhielt Ivan Dikic einen der renommierten ERC Advanced Grants in Höhe von 2,5 Millionen Euro, um die Rolle der Ubiquitinierung bei bakteriellen Infektionen weiter zu erforschen.

Die Signalweiterleitung durch Ubiquitin spielt aber nicht nur bei der Abwehr von Infektionen eine bedeutende Rolle, sondern auch bei immunologischen und neurodegenerativen Erkrankungen und bei Krebs. Bislang ist jedoch nur ansatzweise bekannt, wie aus kleinen Fehlern in diesem System schwere Krankheiten entstehen und wie man gezielt therapeutisch eingreifen kann.

Verschiedene Förderungen ermöglichten das interdisziplinäre Forschungsprojekt. Die Frankfurter Forschungen wurden unter anderem durch Unterstützung des LOEWE-Schwerpunktes Ubiquitin-Netzwerke, des Sonderforschungsbereichs 1177 zur selektiven Autophagie und des Exzellenzclusters Makromolekulare Komplexe ermöglicht.

Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe von Nature Microbiology publiziert, parallel zu den neuesten Erkenntnissen einer befreundeten Arbeitsgruppe aus Cambridge (England), die weitere Details zur linearen Ubiquitinierung von Bakterien enthüllt.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66465906

Bildtexte
1: Salmonellen-Bakterien in einer menschlichen Zelle, umgeben von einem Mantel aus verschiedenartigen Ubiquitin-Markierungen. Lila repräsentiert linear-verknüpfte Ubiquitin-Ketten, grün alle Ubiquitin-Markierungen. Aufgenommen mittels hochauflösender Mikroskopie (dSTORM). Copyright : Mike Heilemann/Ivan Dikic

2: Ein Salmonellen-Bakterium in einer menschlichen Zelle, umgeben von einem Mantel aus verschiedenartige Ubiquitin-Ketten. Lila repräsentiert linear-verknüpfte Ubiquitin-Ketten, grün alle Ubiquitin-Markierungen. Aufgenommen mittels hochauflösender Mikroskopie (dSTORM). Copyright : Mike Heilemann/Ivan Dikic

3: Ein Salmonellen-Bakterium in einer menschlichen Zelle, umgeben von einem Mantel aus Ubiquitin. Die farbigen Punkte stellen einzelne linear verknüpfte Ubiquitin-Ketten dar. Aufgenommen mittels hochauflösender Mikroskopie (3D-dSTORM).

Copyright : Mike Heilemann/Ivan Dikic

Publikation: van Wijk SJ, Fricke F, Herhaus L, Gupta J, Hötte K, Pampaloni F, Grumati P, Kaulich M, Sou Y, Komatsu M, Greten F, Fulda S, Heilemann M, Dikic I. Linear ubiquitination of cytosolic Salmonella Typhimurium activates NF-κB and restricts bacterial proliferation. Nature Microbiology 2017, doi 10.1038/nmicrobiol.2017.66.

Information: Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301 84250, k.koch@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Mai 3 2017
17:48

Förderung universitärer Spitzenforschung im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Start des Goethe-Fellowship-Programms

FRANKFURT. Das Goethe-Fellowship-Programm, das 2017 mit der Berufung der ersten Goethe-Fellows beginnt, stand heute im Zentrum des Empfangs zur Eröffnung des Sommersemesters am Forschungskolleg Humanwissenschaften. Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, stellte das Programm als ein wichtiges Instrument universitärer Forschungsförderung vor. Das Programm wurde vom Direktor des Kollegs, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, gemeinsam mit dem Direktorium des Kollegs und dem Präsidium der Universität entwickelt. Es geht darum, Professorinnen und Professoren der Universität bei der Entwicklung innovativer Fragestellungen im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften zu unterstützen.

Anfang 2017 wurden folgende Personen berufen: Die Soziologin Prof. Daniela Grunow möchte sich in ihrem Projekt mit dem Arbeitstitel „Contested Social Structures“ mit der disziplinenübergreifenden Analyse des Verhältnisses von sich wandelnder Sozialstruktur und politischer Orientierung befassen. Der Religionsphilosoph Prof. Christian Wiese möchte untersuchen, wie sich die Vertreter von Judentum, Christentum und Islam wechselseitig wahrnehmen und wie kulturelle Interaktionen, religiös-politische Konflikte und dialogische Annäherungen beschrieben werden können. Der Sinologe Prof. Iwo Amelung schließlich plant ein Projekt über „Chinesisches Wirtschaftsdenken“, das nicht nur theoriegeschichtlich interessant ist, sondern auch, angesichts der Wiedereingliederung Chinas in weltwirtschaftliche Zusammenhänge, aktuelle Relevanz hat. Dieses Projekt wird er gemeinsam mit dem Ökonomen Prof. Bertram Schefold durchführen, der als Senior Fellow ebenfalls Mitglied des Forschungskollegs Humanwissenschaften wird.

Konkret sieht das Programm vor, dass den Professorinnen oder Professoren, die als Goethe-Fellow ans Kolleg berufen werden, für vier Jahre die Zeit, der Raum und die Mittel gewährt werden, eine neue Forschungsidee auszuarbeiten – welche den Ausgangspunkt für die Beantragung eines größeren Drittmittelprojekts bilden könnte. Beispielsweise können sie am Kolleg einschlägige Tagungen mit internationalen Gästen organisieren oder Forschungspartner aus dem Ausland zur gemeinsamen Arbeit ans Kolleg einladen. Hierfür erhalten sie nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern vor allem auch Zeit, da ihnen eine kleine Reduktion ihrer Lehrverpflichtungen an der Universität eingeräumt wird. Wichtig ist, dass das Programm auch die Mittel bereithält, den damit verbundenen Lehrausfall durch Gastdozenten zu vertreten.

Fortsetzung bestehender Programme im Sommersemester 2017

Gleichzeitig gehen die bereits bestehenden Projekte am Forschungskolleg Humanwissenschaften auch im Sommersemester weiter. Folgende Gastwissenschaftler sind dazu eingeladen, am Kolleg zu arbeiten: Der Wissenschaftshistoriker und Religionsphilosoph Menachem Fisch (Tel Aviv); die Politikwissenschaftler Sara Amighetti (London), Amy Hondo (Princeton), Rinku Lamba (Neu Delhi), Miriam Ronzoni (Manchester), Christian Schemmel (Manchester), Isaac Taylor (Oxford), Fabio Wolkenstein (London) und Caleb Yong (Oxford); die Philosophen Iain Macdonald (Montreal) und Cristian Dimitriu (Toronto) sowie die Historiker Gustavo Corni (Trient), Robert von Friedeburg Lincoln/UK, Grazyna Jurkowlaniec (Warschau), Maciej Ptaszynski (Warschau), Daniela Rando (Pavia) und Nicole Reinhardt (Durham).

Das Historische Kolleg beginnt, unter der Federführung von Christoph Cornelißen und Thomas Duve, mit einer Reihe von Vorträgen und wissenschaftlichen Veranstaltungen über „Imperien und ihr Ende“. Die Reihe EuropaDialoge/Dialogues d’Europe wird mit Vorträgen von Thomas Betzwieser und Podiumsdiskussionen zu den Wahlen in Frankreich fortgesetzt werden. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
61348 Bad Homburg v.d. Höhe
Tel.: 06172/139770
E-Mail: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Wissenschaftskommunikation
Beate Sutterlüty
Tel.: 06172 / 13977-15
E-Mail: b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Ellinor Schweighöfer
Tel.: 06172 / 13977-14
E-Mail: schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Veranstaltungen

Mai 3 2017
14:25

Der Kunstkritiker Eduard Beaucamp steht am 8. Mai im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität

Unzeitgemäße Kunstkritik

FRANKFURT. Heimspiel für die Frankfurter Bürger-Universität: Mit Eduard Beaucamp stellt die Biografienreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ dieses Mal eine einflussreiche Frankfurter Persönlichkeit vor. Als Leiter des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis 2002 prägte Eduard Beaucamp über Jahrzehnte mit seinen Texten die Welt der Kunst. In seinen Essays positionierte er sich wortmächtig als einer der einflussreichsten Kenner der malerischen Avantgarde. Von besonderer Bedeutung war für ihn die Kunst der ehemaligen DDR, vor allem der Leipziger Schule. Der Vortrag von Prof. Matthias Bormuth

„Eduard Beaucamp – Unzeitgemäße Kunstkritik“ am Montag, 08. Mai 2017, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main,

fragt nach den biografischen Zäsuren, die Beaucamp für die immer kritische Auseinandersetzung  mit Werken, Künstlern und kunstpolitischen Missständen im geteilten Deutschland empfänglich werden ließen. Bormuth lehrt Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg.

Die Veranstaltungsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ wird seit 2008 von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Folgende Biografien erwarten Sie außerdem im Sommersemester:

22. Mai 2017
Dr. Lorenz Jäger
Walter Benjamin
Genie und Grenzgänger 

19. Juni 2017
Prof. Birgit Recki
Helmuth Plessner
Vom Lachen und Weinen 

26. Juni 2017
Dr. Edo Reents
Manfred Krug
Liebling Kreuzberg 

03. Juli 2017
Prof. Tilman Allert
Beate Uhse
Freiheit für die Liebe 

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 3 2017
14:23

Licht aktivierbare mikroRNA-Inhibitoren erstmals als lokale Therapeutika eingesetzt

Neue Hoffnung bei schlecht heilenden Wunden

FRANKFURT. MikroRNAs sind interessante Zielstrukturen für neue Therapeutika. Man kann sie durch synthetische AntimiRs blockieren. Doch bisher waren diese nicht örtlich begrenzt einsetzbar. Forschern der Goethe-Universität ist das jetzt bei der Behandlung der gestörten Wundheilung mithilfe Licht aktivierbarer AntimiRs gelungen.

MikroRNAs sind kleine Genschnipsel, die an Zielstrukturen in Zellen binden und so verhindern, dass bestimmte Proteine entstehen. Da sie wesentlich an der Entstehung und Ausprägung verschiedener Krankheiten beteiligt sind, haben Forscher sogenannte AntimiRs entwickelt, die die Funktion von mikroRNAs blockieren. Der Nachteil dieses Ansatzes ist jedoch, dass die Blockade im gesamten Körper zu Nebenwirkungen führen kann, da mikroRNAs in verschiedenen Organen unterschiedliche Funktionen ausüben können. Dieses Problem haben Forscher der Goethe-Universität nun gelöst.

Die Arbeitsgruppen von Prof. Alex Heckel und Prof. Stefanie Dimmeler vom Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe entwickelten AntimiRs, die lokal begrenzt über den Einsatz von Licht mit einer spezifischen Wellenlänge sehr wirksam aktiviert werden können. Dazu wurden die AntimiRs in einem Käfig aus lichtempfindlichen Molekülen gesperrt, die zerfallen, sobald man sie mit Licht einer spezifischen Wellenlänge bestrahlt.

Als Test für die therapeutische Wirkung dieser neuen AntimiRs wählten die Forscher als Zielstruktur die mikroRNA-92a, die bei Diabetikern mit schlecht heilenden Wunden verstärkt zu finden ist. Sie injizierten Mäusen die AntimiR im lichtempfindlichen Käfig in die Haut und setzen das Therapeutikum anschließend mithilfe von Licht im Gewebe frei. Gemeinsam konnten die Arbeitsgruppen nachweisen, dass die zielgenaue Aktivierung einer AntimiR gegen die mikroRNA-92a die Wundheilung fördert.

„Neben diesen Befunden, die erstmals eine Verbesserung der Wundheilung durch AntimiRs gegen die mikroRNA-92a nachweisen, beweisen unsere Daten zudem, dass die Funktion der mikroRNA-92a tatsächlich nur lokal begrenzt gehemmt wird. Andere Organe wie die Leber, waren nicht betroffen“, erklärt Prof. Stefanie Dimmeler die klinische Bedeutung der Untersuchung.

Nun wollen die Forscher prüfen, ob sie den Einsatz von Licht-induzierbaren AntimiRs auch auf die Behandlung anderer Krankheiten ausweiten können. Insbesondere wollen sie prüfen, ob toxische AntimiRs auch Tumoren lokal begrenzt angreifen können.

Publikation: Tina Lucas, Florian Schäfer, Patricia Müller, Sabine A. Eming, Alexander Heckel & Stefanie Dimmeler: “Light-inducible antimiR-92a as a therapeutic strategy to promote skin repair in healing-impaired diabetic mice”, in: Nature Communications, 2.Mai 2017, doi: 10.1038/ncomms15162

Information: Prof. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration und Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Exzellenzcluster Kardio-Pulmonäre Systeme, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Telefon: (069) 798-29475, dimmeler@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 2 2017
10:56

DAAD verlängert Gelder für Lehre der Allgemeinen und Vergleichenden Dramaturgie

Hölderlin-Gastprofessur wird fortgesetzt

FRANKFURT. Mit welchen Dramaturgien antwortet das Theater außerhalb Deutschlands auf die Fragen der Gegenwart? Erhellendes dazu wird auch in den nächsten vier Semestern an der Goethe-Universität zu hören sein: Die Friedrich-Hölderlin-Gastprofessur für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie kann mit Unterstützung des DAAD und des International Office der Goethe-Universität fortgesetzt werden.

Die Gastprofessoren stehen bereits fest: Prof. Khalid Amine aus Tanger (Marokko), Prof. Tore Vagn Lid aus Oslo (Norwegen), Prof. Heike Roms aus Aberystwyth (Wales) sowie Prof. Shannon Jackson aus Berkeley (USA). „Sie alle verbinden in ihrer Arbeit Theorie und künstlerische Praxis auf vorbildliche und exemplarische Weise miteinander“, erklärt der Theaterwissenschaftler Prof. Nikolaus Müller-Schöll, an dessen Professur die Gastprofessur angedockt ist. In Frankfurt werden sich die ausgewiesenen Experten unter anderem mit Dramaturgien beschäftigen, die auf den Arabischen Frühling oder die Großstadt Bezug nehmen, mit der ökologischen Verträglichkeit des Theaters oder, in einem szenisch-praktischen Projekt mit der heutigen „Brauchbarkeit Hanns Eislers“.

Das Bild des Dramaturgen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Vor diesem Hintergrund sollte die 2014 erstmals eingerichtete Hölderlin-Gastprofessur ein neues Lehr- und Forschungsfeld eröffnen, das als „Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie“ bezeichnet wird. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung, so die Idee, sollten Dramaturgen über die klassischen Zuschreibungen hinaus auch als Fachleute für internationale und interkulturelle Fragen etabliert werden, die die oft als bedrohlich empfundene Nähe des Fremden als Chance begreiflich machen können. Die Berufung von international ausgewiesenen Praktikern mit starkem theoretischen Interesse und Theoretikern mit einem Schwerpunkt auf künstlerischen Fragen und Prozessen ermöglicht es, neue Tendenzen und Forschungsfelder in das Frankfurter Lehrangebot zu integrieren – zum Nutzen des forschungsorientierten Nachwuchses. Die Gastprofessur hat auch maßgeblich dazu beigetragen, das internationale Lehr- und Forschungs-Netzwerk der Frankfurter Theaterwissenschaft und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft auszubauen.

Im Rahmen dieses Netzwerkes wird im Oktober ein internationaler Double Degree-Studiengang eingerichtet, der Masterstudiengang „Comparative Dramaturgy and Performance Research“. Dieser Studiengang ist ein gemeinsames Angebot der Theaterwissenschaft der Goethe-Universität und der theaterwissenschaftlichen Institute in Paris, Brüssel, Helsinki und perspektivisch auch Oslo und Krakau. Er beinhaltet ein Jahr an zwei europäischen Universitäten sowie ein Auslandspraktikum am Theater.

Mit seiner Förderentscheidung erkenne der DAAD die erfolgreiche Arbeit der in den vergangenen fünf Semestern nach Frankfurt geholten internationalen Gastprofessoren an, so Professor Müller-Schöll. Seit 2014 waren Prof. Freddie Rokem (Tel Aviv), Prof. Markus Wessendorf (Honolulu, USA), Prof. Esa Kirkkopelto (Helsinki), Prof. Lina Majdalanie (Beirut) sowie Prof. Annalisa Piccirillo (Neapel) zu Gast.

Informationen: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Norbert Wollheim Platz 1, 60323 Frankfurt  am Main; Email: Mueller-Schoell@tfm.uni-frankfurt.de Tel: 069/798-32065.

Veranstaltungen

Mai 2 2017
09:49

Gemeinsame Ausstellung der Goethe-Universität, der Hochschule für Musik und des Museums für Moderne Kunst

Studiengalerie 1.357 zeigt Werke der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 zeigt vom 3. Mai bis 7. Juni das multimediale Werk der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941-2009). Die Organisatoren der Studiengalerie, die Goethe-Universität und MMK Museum für Moderne Kunst, haben für ihre nächste Ausstellung erstmals die HfMDK Hochschule für Musik und Darstellende Kunst als Partnerin gewonnen.

Eröffnung der Ausstellung „Schreibzeit“: Mittwoch, 3. Mai, 20.00 Uhr, Studiengalerie 1.357 IG-Farben-Haus

Installative Konzerte: 3. Mai, 20.00 Uhr, Eisenhowersaal 1.314 und Eisenhowerraum 1.414, IG Farbenhaus

Am Eröffnungsabend führen Musikerinnen und Musiker der HfMDK Hochschule für Musik und darstellende Kunst parallel zwei Werke Darbovens auf - Opus 26 für Streichquartett (Tenero Quartett - Rocío García Perez, Violine; Natalia Nagyova, Violine; Clara Holdenried, Bratsche; Michael Preuß, Violoncello -  im Eisenhowersaal) und Opus 17a für Kontrabass Solo (Jakob Krupp, Kontrabass – im Eisenhowerraum). Neben den beiden Kompositionen, die nur am Eröffnungsabend aufgeführt werden, zeigt die Galerie ein Schlüsselwerk ihrer raumfüllenden Papierarbeiten sowie den wohl wichtigsten Film Darbovens - „Vierjahreszeiten. Der Mond ist aufgegangen“ von 1982/83 aus der Sammlung des MMK.

Zur Künstlerin: Mit endlosen Serien von Schreib-Zeichnungen hat sich Hanne Darboven (1941-2009) in den späten 1960er Jahren im Diskurs der New Yorker Minimal- und Konzeptkunst etabliert. Schnell wurde sie eine Schlüsselfigur der Gegenwartskunst, viermal widmete eine documenta ihren riesigen Schreibarbeiten zentrale Räume (d5 1972, d6 1977, d7 1982, d11 2011). Im Jahr 1975 begann sie die Arbeit an einem komplizierten Gewebe aus Zeitrechnungen, annalistischen Einträgen, wiederkehrenden Textformeln, grafischen Elementen und Textzitaten diverser Autoren. Das zitierte Textmaterial sollte nicht originell sein, es folgte dem literarischen Genre des florilegium (Blütenlese). Von Louis Aragon, Charles Baudelaire, Bertolt Brecht, Hans Magnus Enzensberger und vielen mehr bis Mao Zedong, dem „Spiegel“ und dem „Brockhaus“ zitiert Hanne Darboven unkommentiert, was in den Siebzigerjahren zum Reflexionsreservoir des intellektuellen Milieus gehört.

Die ersten 241 Blätter dieser Arbeit publizierte sie unter dem Titel etc., etc. im Jahr 1976. Sie sind in der Galerie vollständig ausgestellt. In den Folgejahren wurde aus dieser Sequenz ihr über 4000 Blätter starkes Schlüsselwerk Schreibzeit, das sie 1999 abschloss. Schon in dem hier gezeigten etc. etc. vereint Darboven die Elemente ihrer Arbeitsweise: minimalistische Konstruktionsprinzipien, ihre Technik der Zeitnotierung und ihre Art des politischen Kommentierens durch eklektisches Abschreiben. Parallel zu diesen Schreib-Zeichnungen entwickelte sie eine Vielzahl anderer Arbeitsweisen, besonders im Medium des 16mm Films und der musikalischen Komposition. Mit dem Film „Vierjahreszeiten. Der Mond ist aufgegangen“ (1982/83) und – am Eröffnungstag – der Live-Aufführung ihrer Komposition Opus 17a für Kontrabass solo (1983) und Opus 26 für Streichquartett (1989/90) zeigt die Studiengalerie 1.357 die Arbeitsweise dieser sehr einflussreichen Künstlerin in ihrer Medienvielfalt.

Website der Studiengalerie 1.357: http://studiengalerie.uni-frankfurt.de/home.html

Veranstaltungen

Apr 27 2017
11:53

Die neue Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beginnt am 3. Mai

Strafrechtspflege zwischen Purismus und Pluralität

FRANKFURT. Die Strafrechtspflege scheint in besonderem Maße an den Nationalstaat und fest umrissene Aufgaben gebunden zu sein: Ein Souverän lässt in Vertretung eines Volkes Gerechtigkeit walten, indem er ein kohärentes Strafrecht ein- und durchsetzt. Es geht um die Wahrheitserforschung und den Schutz der Gemeinschaftsinteressen. Doch diese Einheit – fußend auch auf der Vorstellung einer autonomen, historisch gewachsenen Rechtskultur – sieht sich mittlerweile zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Diesem Spannungsfeld widmet sich die aktuelle Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die Reihe mit Vorträgen in deutscher und englischer Sprache startet am 3. Mai und heißt: „Criminal Justice between Purity and Pluralism – Strafrechtspflege zwischen Purismus und Pluralität“.

Die fachliche Leitung hat Christoph Burchard, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Straf- und Strafprozessrecht, Internationales und Europäisches Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie an der Goethe-Universität. Den Auftaktvortrag hält der Co-Sprecher des Clusters, Klaus Günther, der an der Goethe-Universität Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht lehrt. Sein Thema lautet: „Vom Rechtsgüterschutz zur Aufmerksamkeitfür das Besondere – Partikularisierung des Strafrechts?“. Alle Vorlesungen finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 11) auf dem Campus Westend statt. Sie beginnen jeweils um 18.15 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen.

Die Grundlage für die sechsteilige Ringvorlesung bildet der Befund, dass sich die Strafrechtspflege nicht länger als eine „domaine réservé“, einen ausschließlich für den Nationalstaat reservierten Bereich beschreiben lässt. Sie wird vielmehr zunehmend in einem Netzwerk nationaler, internationaler, europäischer und supranationaler Akteure betrieben. Die Idee einer autonomen Rechtskultur wird umso zweifelhafter, je mehr zum einen die weltweiten Wechselwirkungen zunehmen und sich zum anderen die Gesellschaften auch intern pluralisieren. Die Aufgaben der Strafrechtspflege gestalten sich somit normativ offener, diverser und partikularer.

Den Aspekt der Partikularisierung greift Klaus Günther gleich zum Beginn der Reihe am 3. Mai auf. Er setzt sich mit dem in jüngster Zeit häufig erhobenen Vorwurf auseinander, wonach den Verbrechensopfern und ihrem individuellen Leid bisher weder im Strafrecht noch im Strafverfahren die vermeintlich gebotene Aufmerksamkeit geschenkt worden sei. Es mangele – so die Vorwürfe weiter – an Empathie, Einfühlungsvermögen und Verständnis für die konkrete Situation Einzelner. In seinem Vortrag geht Günther möglichen Motiven dieser Entwicklung nach und fragt – auch kritisch – nach deren normativen Konsequenzen.

Die Termine im Überblick:

3. Mai 2017, 18.15 Uhr
Prof. Klaus Günther (Goethe-Universität, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“): Vom Rechtsgüterschutz zur Aufmerksamkeit für das Besondere – Partikularisierung des Strafrechts?

10. Mai 2017, 18.15 Uhr
Prof. Beatrice Brunhöber (Leibniz Universität Hannover): Titanen oder Zyklopen? Kriminalisierungstheorie zwischen Einheit und Vielfalt

24. Mai 2017, 18.15 Uhr
Prof. Bernard E. Harcourt (Columbia University & École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris): Contemporary Critical Thought and Juridical Practice

14. Juni 2017, 18.15 Uhr
Prof. David von Mayenburg (Goethe-Universität, Institut für Rechtsgeschichte): Multikausale und monokausale Erklärungen des Verbrechens in der frühen Kriminologie – Eine 12-jährige Raubmörderin vor Gericht (RGSt 15, 87)

21. Juni 2017, 18.15 Uhr
Prof. Frank Meyer (Universität Zürich): Legitimationsbedürfnisse internationalisierter strafrechtlicher Hoheitsgewalt – Zwischen Pluralismus und Nativismus

12. Juli 2017, 18.15 Uhr
Prof. Malcolm Thorburn (University of Toronto, Faculty of Law): Criminal Law and the Promise of Self-Government

Informationen: Prof. Christoph Burchard, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Tel. (069) 798-31471, sekretariat.burchard@jura.uni-frankfurt.de, www.normativeorders.net/de/

Programm: http://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Veranstaltungen

Apr 26 2017
11:28

Führungen, Modenschau, Live- Jazz und kulinarische Köstlichkeiten: Die Nacht der Museen 2017 im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Im Stil der 50er-Jahre

FRANKFURT. Die Besucherinnen und Besucher der Nacht der Museen am 6. Mai 2017 erwartet im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität von 19 bis 2 Uhr ein Abend ganz im Stil der 50er Jahre. Die 1950er Jahre stellten eine Zeit des Aufbruchs dar. In der Kunst der 1949 gegründeten Bundesrepublik dominierte die Abstraktion. Mit 74 Arbeiten von 20 Künstlern und Künstlerinnen möchte die Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er-Jahren“ (noch bis 9. Juli 2017) im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität einen neuen Blick auf die ausgewählten Werke jener Zeit ermöglichen, die für Freiheit stand und dem Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik entsprach. Im Fokus der Ausstellung stehen die Künstlergruppierungen „junger westen“ in Recklinghausen, „ZEN 49“ in München und „Quadriga“ in Frankfurt. Die Kunsthistorikerin Dr. Claudia Caesar führt in der Nacht der Museen stündlich durch die Ausstellung.

Ob süß und brav wie Doris Day, sexy wie Marilyn Monroe oder elegant wie Audrey Hepburn – der Retro-Fashion-Shop „Peggy Sue Frankfurt“ präsentiert in einer Modenschau die Kleidungsstile der Wirtschaftswunderzeit. Petticoat und Pferdeschwanz – so sehen viele die Mode der 1950er Jahre. Doch spätestens seit TV-Serien wie „Mad Men“ oder „Ku’damm 56“ ist bekannt: Die Mode der Wirtschaftswunderzeit war vielseitig und feminin. Die Besucher der Nacht der Museen können sich bei der Modenschau davon überzeugen. Drei Models werden ein breites Spektrum stilechter Looks, vom süßen Backfisch bis zur glamourösen Femme Fatale präsentieren.

Das Contrast Trio unterhält mit niveauvollem Live-Jazz. Die Musik der Formation ist eine Mischung aus vielerlei Genres. Yuriy Sych, Martin Standke und Timothy Roth spielen seit vielen Jahren zusammen und versuchen dabei ihre Musik in immer neue Richtungen zu treiben. Alle drei gewannen den Wettbewerb Jugend jazzt 2006 als Bandmitglieder des damaligen Contrast Quartets und wirkten schon mehrere Male beim Deutschen Jazz Festival Frankfurt mit. Darüber hinaus wurden sie auch mit vielen Einzelpreisen ausgezeichnet.

Für das leibliche Wohl sorgt Käfer’s mit ausgesuchten Spezialitäten.

Das Programm im Detail:

  • 20–24 Uhr (stdl.): Führungen durch die Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren (Treffpunkt: Museumskasse)
  • 19.15–19.45 Uhr; 20–20.30 Uhr; 20.45–21.15 Uhr; Pause 21.15–22.15 Uhr, 22.15–22.45 Uhr; 23–23.30 Uhr; 23.45–0.15 Uhr; 0.30–1.00 Uhr: LIVE-Jazzmusik mit dem Trio „Contrast“(Yuriy Sych/Piano, Timothy Roth/Bass, Martin Standke/Drums)
  • 21.30–22 Uhr: Modenschau mit Mode im Stil der 1950er Jahre. Präsentiert von Peggy Sue Frankfurt, Retro Fashion & Lifestyle
  • 19–1.30 Uhr: Kulinarische Spezialitäten von KÄFER´s aus der Kurhausgastronomie Wiesbaden

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse. Passwort: museumgiersch2017

Informationen: Dipl. Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität, Tel: 069/13821010, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Sonstige

Apr 25 2017
14:07

Stifterverband fördert neues Projekt für hochqualifizierte Geflüchtete im Studienverlauf

Goethe-Universität für Konzept zur Integration von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund ausgezeichnet

FRANKFURT. Der Stifterverband hat der Goethe-Universität aus Mitteln des Stiftungsfonds Deutsche Bank 50.000 Euro bewilligt. Mit dem Geld soll das Projekt „Service4 zur Förderung Studierender mit Fluchthintergrund im Studienverlauf unterstützt werden. Prof. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e.V., und Michael Münch, Vorstandsmitglied Deutsche Bank Stiftung; Art, Culture & Sports, Deutsche Bank AG, überreichten auf der Auftaktveranstaltung des „Academic Welcome Program“ an der Goethe-Universität die Urkunde.

Der Stiftungsfonds Deutsche Bank im Stifterverband fördert Hochschulen, die Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund bei der Aufnahme oder beim Abschluss eines Hochschulstudiums unterstützen. Für das Programm „Angekommen, integriert, qualifiziert!“ stellt er insgesamt 350.000 Euro bereit. Die Hochschulen erhalten jeweils 32.000 Euro als Strukturförderung sowie weitere 18.000 Euro Fördermittel zur Vergabe von Jahresstipendien. „Wir freuen uns, dass wir als eine von sieben Hochschulen die Förderung des Stifterverbandes erhalten. Damit können wir unsere Angebote für geflüchtete Studierende bzw. Akademikerinnen und Akademiker, die bei uns weiterstudieren und sich qualifizieren möchten, ganz entscheidend erweitern“, betont Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Goethe-Universität.

An der Goethe-Uni existieren bereits zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote für Geflüchtete mit Studieninteresse und –erfahrungen im Rahmen des „Academic Welcome Program for highly qualified refugees“ (AWP). Mit den Fördermitteln des Stifterverbandes soll nun die Umsetzung von vier neuen ineinandergreifenden Projekten finanziert werden. Durch die Einrichtung einer Servicestelle „Studium & Flucht“ im International Office sollen primär Synergien der bestehenden Angebote freigesetzt werden. Zusätzlich wird ein Hilfskräfte-Pool in der Arbeitsstelle Service Learning aufgebaut. Dies ermöglicht eine Ausweitung dieses Bereiches, so dass Studierende mit Flucht- oder Migrationshintergrund nicht mehr nur Empfänger des Service Learnings sind, sondern sich auch selbst aktiv engagieren können. Zusätzliche Workshopangebote im International Career Service, die speziell auf die Bedürfnisse von Geflüchteten zugeschnitten sind, sollen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Die Jahresstipendien werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) verdoppelt, so dass zehn Deutschlandstipendien in Höhe von monatlich 300 € an geflüchtete Studierende vergeben werden, damit sie monetäre und ideelle Unterstützung erhalten können.

Die Auftaktveranstaltung des „Academic Welcome Program“ an der Goethe-Universität fand vergangene Woche statt. 53 neue Teilnehmende können im Sommersemester am Programm für hochqualifizierte Geflüchtete teilnehmen. Damit profitieren mittlerweile insgesamt über 130 Teilnehmende von den Angeboten des AWP. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit Deutsch-Intensivkurse, Propädeutika und Lehrveranstaltungen zu besuchen, haben Zugang zur Universitätsbibliothek und zu weiteren Hochschulservices und erhalten darüber hinaus individuelle Beratung und Betreuung.

Weitere Informationen: Marius Jakl, Projektkoordinator “Academic Welcome Program”, International Office, Goethe-Universität. Tel. (069) 798-17298; Jakl@em.uni-frankfurt.de. www.uni-frankfurt.de/awp

Veranstaltungen

Apr 25 2017
10:16

Start der Regionalpark-ScienceTours – Forschendes Lernen in der Region

Regionalpark RheinMain wird „Outdoor-Klassenzimmer“

FRANKFURT/OFFENBACH. Mit der Pilot-Tour „Klima“ startet das neue Bildungsprojekt des Regionalpark RheinMain und der Goethe-Universität. Als erstes können Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse der Frankfurter Anna-Schmidt-Schule am Montag (24. April) im Regionalpark Portal Wetterpark Offenbach den Klimaunterschied zwischen Stadt und Land erforschen.

Die Regionalpark-ScienceTours bieten an außerschulischen Lernorten im Regionalpark aufregende Wissensabenteuer und spannende Einblicke in Wissenschaft und Forschung. Die Themen Klima, Biodiversität und Mobilität sind an die Lehrpläne der Sekundarstufe I angepasst. Eigens entwickelte Unterrichtsmaterialien zur Vor- und Nachbereitung machen die Wissenschaftsexkursionen für Lehrkräfte zu einem „Rund-um-sorglos-Paket“. Ab Mai können weitere Schulklassen dieser Stufe den Regionalpark als Lernlabor nutzen.

Was hat eine kleine Zwergdeckelschnecke mit Biodiversität und Gewässerökologie zu tun? Warum unterscheidet sich das Klima in Großstädten und auf dem Land? Welche Mobilitätsströme sind für die Rhein-Main-Region charakteristisch? Diesen und weiteren Fragen gehen Schüler gemeinsam mit Wissenschaftlern und Studierenden der Goethe-Universität nach. Getreu dem Motto „Hands on – Forschendes Lernen und Experimentieren“ führen die Jugendlichen eigene praktische Untersuchungen durch und erproben selbstständig Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens.

Durch die Zusammenarbeit des Regionalpark RheinMain und der Goethe-Universität vereinen die Regionalpark-ScienceTours besondere Stadtlandschaften mit wissenschaftlicher Expertise. Sie versprechen sich dadurch bei den Schülern nachhaltige Lernprozesse anzustoßen und einen Zugang zur Rhein-Main-Region und Wissenschaft zu ermöglichen.

„Von den Regionalpark-ScienceTours profitieren nicht nur Schülerinnen und Schüler, die die Universität und ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennenlernen, sondern auch unsere Studierenden, weil diese aktiv bei der Konzeption und Durchführung der Touren beteiligt sind. So sammeln sie bereits während ihres Studiums wichtige pädagogische Erfahrungen“, erklärt Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität. „Der Regionalpark RheinMain wertet die Landschaft im Ballungsraum RheinMain als Erlebnisraum auf. Die Regionalpark-ScienceTours passen daher zur Grundidee des Regionalpark RheinMain“, sagt Jutta Wippermann, Prokuristin und Projektverantwortliche des Regionalparks.

Diese außerschulischen Lernorte bieten den Schülerinnen und Schülern neue Lernerfahrungen und andere Formen der Ergebnissicherung als im Klassenzimmer: Bei der Biodiversitäts-Tour arbeiten sie wie Limnologen und bestimmen den Gewässerzustand des Schwalbachs. Während der Klima-Tour untersuchen die Jugendlichen anhand von Experimenten und Simulationen den Unterschied zwischen dem Klima in der Stadt und auf dem Land, um anschließend Ideen für eine Stadt mit besseren Klimabedingungen zu entwickeln. 

Der Hessische Kultusminister Prof. Alexander Lorz hat die Schirmherrschaft für die Regionalpark-ScienceTours übernommen. Die „Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region“ fördert die Regionalpark ScienceTours bis Ende 2018.

Der Regionalpark RheinMain
Das Rhein-Main-Gebiet zählt zu den lebenswertesten Metropolregionen weltweit. Der Regionalpark RheinMain wertet die Stadtlandschaft auf und zeigt ihre Eigenarten. Das Grün vor unserer Haustüre wird erlebbar. Zwischen Rheingau und Spessart, Taunus und Hessischem Ried erschließen 550 Kilometer ausgeschilderte Regionalparkrouten ein Gebiet, das mehr als einem Viertel des Bundeslandes Hessen entspricht. Sie verbinden Flussauen, Weinberge, Obstwiesen und Wälder und überwinden dabei Häfen, Autobahnen und Schienen. Gemeinsam mit vielen Partnern hat der Regionalpark Naturschätze bewahrt und Landmarken gebaut. Über 200 Attraktionen wie Aussichtspunkte, Kunstinterventionen und Spielangebote eröffnen neue Perspektiven auf die Kulturlandschaft.

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/66296450

Bildunterschriften:
Foto 1: Schulklasse während der Führung im Wetterpark Offenbach mit dem Meteorologen und Gästeführer Denny Karran.
Foto 2: Während der Führung im Wetterpark.
Foto 3: Schülerinnen und Schüler beim Experimentieren zum Thema Stadtklima im Besucherzentrum im Wetterpark Offenbach.

Informationen: Katharina Völk, Projektbüro Regionalpark-ScienceTours, PR & Kommunikation, Telefon: 069 798-12481, k.voelk@vdv.uni-frankfurt.de, www.regionalpark-sciencetours.de

Veranstaltungen

Apr 24 2017
09:43

Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis lädt zum Infoabend ein

Neuer Kurs: Abendprogramm für Einsteiger in die Kultur- und Medienarbeit

FRANKFURT. Im Wintersemester 2017/18 startet ein neuer zweisemestriger Kurs des Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis. Über das Konzept und die Möglichkeiten zur Teilnahme informieren die Koordinatorinnen

am 11. Mai (Donnerstag) um 19.00 Uhr
im Raum 1.801, Casino-Gebäude, Campus Westend.

Zu dem Infoabend an der Goethe-Universität sind Studierende und Hochschulabsolventen eingeladen, dort haben sie auch Gelegenheit, mit Dozenten und Teilnehmern des Programms zu sprechen. Die Lehrenden Horst Martin (Presse und Öffentlichkeitsarbeit) und Silke Hartmann (Kulturmanagerin – u.a. openbooks, lit.cologne) geben Einblicke in ihre Arbeit, Ehemalige berichten von ihren Erfahrungen, und der gegenwärtige Jahrgang stellt sich mit aktuellen Projekten vor.

Das Fortbildungsprogramm vermittelt zwischen Studium und kultur- und medienbezogenen Berufspraxis. Die Bewerbungsfrist für den zweisemestrigen Studiengang läuft noch bis zum 1. Juli 2017. Die Buch- und Medienpraxis wendet sich an Hochschulabsolventen sowie Berufstätige, die sich weiter qualifizieren wollen. Das Programm kooperiert seit 1997 mit Verlagen, Zeitungen, Museen, Rundfunk- und Fernsehsendern sowie anderen kulturellen Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet. Die Dozentinnen und Dozenten des Programms sind profilierte Vertreter dieser Berufsbereiche und machen die Studierenden durch praktische Übungen mit dem Erwartungshorizont ihres Berufsfeldes vertraut. Sie sind für viele ein erster Kontakt in das jeweilige Berufsfeld. Am Ende der Kurse richten die Teilnehmer eigene Veranstaltungen aus und arbeiten an gemeinsamen Projekten.

Das Programm kann berufs- oder studienbegleitend absolviert werden. Über zwei Semester finden an drei Abenden der Woche (Montag, Dienstag, Mittwoch) von 18 bis 22 Uhr insgesamt zwölf Kurse statt. Pro Jahrgang befassen sich die 30 ausgewählten Teilnehmer mit den Themen Lektorat, Buchhandel und Verlagswesen, Hörfunkredaktion, Fernsehredaktion, Zeitungsredaktion, Literaturkritik, Medienkritik, Öffentlichkeitsarbeit, Kulturmanagement, Ausstellungskonzeption sowie Online-Publishing.

Informationen: Franziska Haug und Nicola Menzel, Koordination des Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis, Leitung: Prof. Dr. Heinz Drügh, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich Neuere Philologien, Campus Westend, Tel.: (069)798-23626, E-Mail: bmp@lingua.uni-frankfurt.de, www.buchundmedienpraxis.de, www.facebook.de/buchundmedienpraxis