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Jul 17 2020
11:52

​Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität wagen in der neuen Ausgabe des UniReport eine Zwischenbilanz

Wie hat die Corona-Pandemie die Welt verändert?

FRANKFURT. Nach knapp vier Monaten Corona-Krise stellen sich auch der Wissenschaft viele Fragen: Sind bestimmte Teile der Gesellschaft stärker von den Folgen betroffen, klafft eine Gerechtigkeitslücke? Öffnen sich vielleicht Wege für neue medizinische, wirtschaftliche und ökologische Ansätze? Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität aus den Sozial- und Geisteswissenschaften, aber ebenso aus Medizin und Naturwissenschaft analysieren im UniReport die aktuelle Lage und stellen Prognosen an.

Der Pharmazeut Prof. Theo Dingermann hebt die Transparenz in der Berichterstattung über die Pandemie positiv hervor: Dies werde zu gegebener Zeit ermöglichen, beispielsweise Versorgungskonzepte kritisch zu bewerten. Der Politische Philosoph Prof. Rainer Forst diskutiert aus demokratietheoretischer Perspektive verschiedene Deutungen des Lockdowns: Er warnt davor, dass eine „absolutistische“ Lesart, nach der der Staat den Bürgerinnen und Bürgern die Freiheiten weggenommen habe, bis ihnen wieder zugetraut werde, sie gescheit zu nutzen, die Demokratie gefährde. Die Volkswirtin Nicola Fuchs-Schündeln wiederum beleuchtet kritisch die Schul- und Kitaschließungen; diese beeinträchtigten die Chancengleichheit zwischen Schülern aus unterschiedlichen sozioökonomischen Verhältnissen; sie erwartet, dass sich die Ungleichheit der Geschlechter im Arbeitsmarkt weiter erhöhen wird. Weitere Beiträger sind der Wirtschaftspädagoge Prof. Gerhard Minnameier, der Psychologe Prof. Ulrich Stangier und die Infektiologin Prof. Maria Vehreschild.

Wer kommt gut durch die Corona-Krise, wer verliert und wer profitiert davon? In ihrem Essay „Intersektionalität – ein zentrales Konzept feministischer Gegenwartsanalyse“ gehen Prof. Bettina Kleiner, Prof. Helma Lutz und Dr. Marianne Schmidbaur einleitend auf die sozialen Ungleichheitsverhältnisse ein, wie sie sich unter den Bedingungen der Corona-Krise besonders deutlich zeigen. Davon ausgehend erläutern die Autorinnen, warum sie das Konzept der Intersektionalität nicht nur in der Corona-Pandemie für einen zentralen wissenschaftlichen, juristischen und politischen Zugang zur Analyse und Veränderung von Macht- und Ungleichheitsverhältnissen halten.

Die weiteren Themen im UniReport 4/Juli 2020:

  • „Ich lade alle Mitglieder unserer Universität zur Zusammenarbeit ein“: Prof. Enrico Schleiff tritt sein Amt als Präsident der Goethe-Universität am 1. Januar 2021 an.
  • Nordöstliche Campusseite nimmt Form an: Der Rohbau der Sprach- und Kulturwissenschaften (SKW) ist fertig, das geplante Center for Humanities könnte mit Kunst und Theater das Uni-Schaufenster zur Stadt werden.
  • Begehrt - die Kunstpädagogik: Das „Kleine Fach“ sieht sich zwischen Kunstschaffenden und Vermittelnden.
  • „Das Erbe der Lynchjustiz spukt nach wie vor in den Köpfen herum“: Ein Gespräch mit dem Amerikanisten Prof. Simon Wendt über Rassismus und Protestbewegung in den USA.
  • „Ich bin so gestresst“: Lernräume zu, Nebenjob weg. Auslandsstudium abgesagt – wie die Corona-Krise für Studierende zum Problem wird.
  • Ein Haus für die Bürgergesellschaft und die universitäre Community: Dr. Birgit Sander, neue Leiterin des Museum Giersch der Goethe-Universität, im Gespräch.
  • Lehre ist für sie Herzensangelegenheit: Die Rechtswissenschaftlerin Prof. Katja Langenbucher im Porträt.
  • Die Kinderstube der Honigbienen: Erstmals wurden Videos der kompletten Larvenentwicklung gemacht.
  • Weniger Formalitäten und Besprechungen, mehr Austausch: Die chinesische Mineralogin Qiao Shu genießt ihre Arbeit als Gastwissenschaftlerin am Institut für Geowissenschaften.
  • Transnational unterwegs – in der Wissenschaft wie im Leben: Wilhelm-Bender-Dissertationspreis für die Politikwissenschaftlerin Eva-Maria Schäfferle.
  • Transatlantische Beziehungen neu denken: Die 4. Bad Homburg Conference am Forschungskolleg Humanwissenschaften widmet sich dem belasteten Verhältnis zwischen USA und Europa.
  • 20.000 Funde: Die Archäologin Stephanie Döpper hat im Rahmen eines DFG-Projektes mit Studierenden im Oman nach Objekten von der Steinzeit bis heute gesucht.
  • „Der NSU-Strafprozess“: Prof. Jörg Arnold über ein gemeinsames strafrechtliches Schwerpunktseminar der Universitäten Münster und Frankfurt.

Der UniReport 4/2020 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe