​​​​Pressemitteilungen ​

Veranstaltungen

Jan 20 2017
11:11

JOB-MESSE für Pädagogen auf dem Campus Westend

„Der pädagogischen Praxis auf der Spur“

FRANKFURT. Zum 4. Mal veranstalten der Fachbereich Erziehungswissenschaften und das Paritätische Bildungswerk Hessen e.V. gemeinsam mit dem Career Service der Goethe-Universität die JOB-MESSE für angehende Pädagoginnen und Pädagogen in den Feldern Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Sonderpädagogik:

am Freitag, den 27.01., von 10.00 - 16.00 Uhr im PEG-Gebäude am Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt.

Hier können Studierende, Absolventen/innen und bereits erfahrene Pädagogen/innen mit potentiellen Arbeitgebern in Kontakt treten. Die ausstellenden Unternehmen und Institutionen haben wiederum die Chance sich zu präsentieren und potentielle neue Mitarbeiter/innen kennen zu lernen. Parallel gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf den individuellen berufsbiographischen Werdegängen professioneller Pädagoginnen und Pädagogen.

Zusätzlich gibt es vielfältige Informationen zu Berufsmöglichkeiten, Weiterbildungen und Jobperspektiven sowie ein individuelles Beratungsangebot zu Bewerbung und beruflicher Orientierung.

Weitere Informationen unter: www.jobmessen.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 19 2017
13:32

Podiumsdiskussion an der Goethe-Universität.

„BREXIT: Wird Frankfurt das neue London?“

FRANKFURT. Prof. Sandra Eckert vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität diskutiert mit ihren Gästen über Herausforderungen und Chancen des BREXIT für die Frankfurter Stadtentwicklung. Die Diskussion findet statt am 25. Januar um 19 Uhr auf dem Campus Westend (PEG-Gebäude Raum 1.G 191) und richtet sich an die interessierte Hochschulöffentlichkeit und Stadtgesellschaft.

„Wird Frankfurt das neue London?“ Diese Frage steht im Raum, seitdem sich die Briten im Juni letzten Jahres mehrheitlich für den Austritt aus der Europäischen Union (EU), den sogenannten „BREXIT“, ausgesprochen haben. London ist derzeit unbestritten die Nummer Eins der europäischen Finanzplätze, wird aber als Standort außerhalb der EU an Attraktivität einbüßen. Frankfurt positioniert sich neben den anderen europäischen Finanzzentren Amsterdam, Dublin, Luxemburg und Paris als neue Finanzhauptstadt Europas. Die Mainmetropole ist nicht nur ein internationaler Finanzplatz, sondern beheimatet bereits die Europäische Zentralbank, die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung, sowie seit 2014 die Europäische Bankenaufsicht. Wie soll sich Frankfurt mit seiner internationalen Stadtgesellschaft als Wirtschaftsstandort, Wohnort und Lebensraum künftig entwickeln? Zwar liegen die Chancen für den Finanzplatz Frankfurt auf der Hand, die Herausforderungen für eine sozialverträgliche und nachhaltige Stadtentwicklung sind jedoch enorm.

Es diskutieren: Olaf Cunitz (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH), Monika Fontaine-Kretschmer (Nassauische Heimstätte/Wohnstadt), Nicholas Jefcoat (Deutsch-Britische Gesellschaft Rhein-Main e.V.), Johannes Schäfer (Brexit Task Force, Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH) sowie Sibylle Yaakov (FrankfurtRheinMain GmbH). Die Moderation übernimmt die Politikwissenschaftlerin und Europaforscherin Prof. Dr. Sandra Eckert.

Kontakt: Prof. Dr. Sandra Eckert, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-36505 eckert@soz.uni-frankfurt.de; http://www.fb03.uni-frankfurt.de/64948162/Flyer-BREXIT_sw-A3.pdf

Veranstaltungen

Jan 19 2017
12:30

Vortrag von Nicholas J. Conard: Welche Schlüsse erlauben seine archäologischen Funde in Höhlen der Schwäbischen Alb?

Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand

FRANKFURT. „Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand“ – das ist das Thema, mit dem sich der TübingerProfessor für Ältere Urgeschichte, Nicholas J. Conard,beschäftigt. Der Wissenschaftler hatdie weltweit ältesten Kunstdokumente und Musikinstrumente in Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt. Er hält seinen Vortrag

am Mittwoch (25. Januar) um 19.30 Uhr im Hörsaal, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Georg-Voigt-Straße 14.

Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Prof. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Der Vortrag findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.

Vor rund 300.000 bis vor 40.000 Jahren bewohnte der Neandertaler Europa. Wäre der moderne Mensch, der in Afrika entstanden ist, nicht vor circa 40.000 Jahren nach Europa eingewandert, so wäre der Kontinent wahrscheinlich bis heute von Neandertalern bewohnt. Aus jener Zeit vor 40.000 Jahren stammen die ersten figürlichen Kunstdokumente und Musikinstrumente, die Conard mit seinem Forscherteam nach ihrer Entdeckung in vier Höhlen der Schwäbischen Alb genau dokumentiert hat. Die Ausgrabungen erstrecken sich über zwei Jahrzehnte und begannen 1995. In seinem Vortrag schildert Conard, warum Kunst und Musik entstanden sind, und erklärt, warum die archäologische Forschung in den Höhlen von so großer Bedeutung ist, wenn es um die Anfänge der Kultur geht.

Nicholas J. Conard, geb. 1961 in Cincinnati, studierte Anthropologie, Chemie und Physik an der University of Rochester, New York, Ethnologie und Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln. In Yale studierte und promovierte er anschließend in der Anthropologie. Seit 1995 hat er die Professur für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie in Tübingen inne und ist wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren. Conard beschäftigt sich mit der frühen Menschheitsentwicklung im eurasischen und südafrikanischen Raum und es geht ihm auch um die Anfänge von Musik und Kunst sowie von Ackerbau und Viehzucht. Conard ist seit 2007 Senckenberg-Professor an der Universität Tübingen.

In der gesamten Vortragsreihe berichten international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die atemberaubenden Fortschritte, die sich in allen die Evolution des Menschen betreffenden Disziplinen abzeichnen. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

8. Februar, 19.30 Uhr, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Andreas Mulch, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität

15. Februar, 19 Uhr, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
Privatdozentin Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau
Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim 

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

Sonstige

Jan 19 2017
12:26

Dokumente der Frankfurter Schule: Inzwischen schon 13 Nachlässe

Dokumente zur kritischen Theorie: Schweppenhäuser-Nachlass im Archivzentrum der Uni-Bibliothek

FRANKFURT. Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg konnte seine Materialien zur kritischen Theorie um den Nachlass des Philosophen Hermann Schweppenhäuser (1928-2015) erweitern. Schweppenhäuser promovierte 1956 am wiedereröffneten Institut für Sozialforschung, war bis 1961 Assistent von Theodor W. Adorno und gehörte zu den einflussreichsten Philosophen der Frankfurter Schule. Der Nachlass umfasst circa 75.000 Seiten mit wertvollen und zahlreichen unveröffentlichten Archivalien und ist zu wissenschaftlichen Zwecken im Archivzentrum einsehbar.

„Damit wird unser Archivbestand zur kritischen Theorie und Frankfurter Schule erheblich erweitert“, freut sich der Leiter des Archivzentrums Dr. Mathias Jehn. „Bereits in unseren Beständen ist unter anderem der Nachlass von Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Ludwig von Friedeburg sowie die Vorlässe von Jürgen Habermas und Oskar Negt.“ Darüber hinaus befinden sich das Adorno-Archiv und ein wertvoller Altbestand aus den 1950er und 1960er Jahren im Institut für Sozialforschung. Noch ist der Schweppenhäuser-Nachlass nicht komplett aufgearbeitet: „Das wird wegen des großen Umfangs mindestens noch zwölf Monate in Anspruch nehmen“, so Jehn. Aber der aus zahlreichen Korrespondenzen mit der internationalen philosophischen Fachwelt, teilweise unveröffentlichte wissenschaftliche Manuskripte sowie vereinzelt private Dokumente bestehende Nachlass ist nun komplett in Frankfurt und wurde der Bibliothek vom Sohn des Philosophen, Gerhard Schweppenhäuser, überlassen.

1961 wechselte Hermann Schweppenhäuser, ein gebürtiger Frankfurter, nach Lüneburg: Dort war er auf den neugegründeten Lehrstuhl für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule berufen worden. Was eigentlich nur eine Zwischenetappe werden sollte, blieb eine akademische Lebensstellung mit einer Honorarprofessur an der Goethe-Universität. Adorno hatte sich das offensichtlich auch anders vorgestellt; in einer Karte vom14. Oktober 1960 aus Graz, die auch im Nachlass befindet, gratulierte er Schweppenhäuser „aufs allerherzlichste“ zu seiner Lüneburger Berufung und fügte hinzu: „Mein Wunsch, daß Sie die Position einnehmen, die Ihnen sicher manche wesentliche Erfahrung einbringen wird, verbindet sich mit dem, daß Sieraschhabilitiert werden – und bei uns bleiben!“

Doch die kritische Theorie der Frankfurter Schule, die von den meisten beteiligten Wissenschaftlern nie als ein geschlossener Kreis mit einer einheitlichen Theorie gesehen wurde und wird, entwickelte sich in eine andere Richtung, so wurde Schweppenhäuser nicht an die Goethe-Universität berufen. Habermas, der 1964 die Nachfolge von Horkheimer in Frankfurt antrat, wehrte sich mehrfach öffentlich gegen „eine bruchlose Zurechnung zur Kritischen Theorie“, obwohl er Adorno verehrt hat – wie sein Biograf Stefan Müller-Doohm feststellt. Habermas entwickelte seine eigenständige Idee einer Kommunikationstheorie der Gesellschaft, „die sich nicht als Transformation, sondern ganz als Alternative zur Kritischen Theorie der Gesellschaft versteht“, so Müller-Doohm in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen (2016). Habermas teilt zwar die Kritik von Adorno und Horkheimer an der einseitig technisch-ökonomischen Rationalisierung der modernen Kultur und Gesellschaft, wählt aber einen anderen Blickwinkel und fokussiert seine Diagnose auf ein „problematisches Primat der Ökonomie vor der demokratisch legitimierten Politik, mit der Gesellschaften auf sich selbst einwirken“, so Müller-Doohm.

Roger Behrens beurteilt in seinem Nachruf in der Wochenzeitung „jungle world“ (2015) kritisch, dass Schweppenhäuser an der Goethe-Universität keine Chance bekam: „Schweppenhäusers Philosophie ist der Versuch, kritische Theorie […] zu begründen, ohne in die Falle des Normativitätspostulats zu tappen, wie etwa Jürgen Habermas und die ihm folgenden Akademiker […]. Hermann Schweppenhäuser – übrigens ein Jahr älter als Habermas – hat dementgegen energisch am Postulat der kritischen Theorie festgehalten, im Sinne Horkheimers und Adornos, im Sinne Karl Marx und im Sinne Kants – als radikale Aufklärung [und] Herrschaftskritik.“

Der Nachlass macht, obwohl noch nicht vollständig ausgewertet, deutlich: Schweppenhäuser prägte durch zahlreiche Aufsätze, die international rezipiert und teilweise übersetzt wurden, den Diskurs über Adorno und Benjamin entscheidend mit. Schweppenhäuser formulierte eine Version kritischer Theorie, „die den Grundintentionen von Horkheimer und Adorno nähersteht als die kommunikationstheoretisch reformierte Frankfurter Schule durch Habermas und seine Nachfolger“, so sein Sohn Gerhard Schweppenhäuser. Seine Vorlesungen, beispielsweise zur „Charakteristik des Adornoschen Denkens“ oder zur „Dialektik der Aufklärung“ ermöglichten in Lüneburg wie in Frankfurt ein „authentisches Studium“ der kritischen Theorie.

Schweppenhäuser befasste sich in seinen philosophischen Schriften mit der Selbstreflexion des dialektischen Denkens, der Sprachphilosophie, der Ästhetik und der Kultur- und Zeitkritik sowie mit dem Verhältnis von Philosophie und Theologie. In den 1970er Jahren gab er gemeinsam mit Rolf Tiedemann die Gesammelten Werke Walter Benjamins im Suhrkamp Verlag heraus. Der Nachlass wird mit der Signatur „Na 77 Nachlass Hermann Schweppenhäuser“ umfasst zahlreiche unveröffentlichte Texte, die ein breites Spektrum umfassen: von fachwissenschaftlichen Erörterungen über anspruchsvoll formulierte Aphorismen und Fragmente bis hin zu literarischen Produktionen aus den Bereichen der Lyrik und Kurzprosa. Auch dramatische Versuche aus der Studentenzeit warten im Archiv auf ihre Erschließung. In der Gedenkschrift „Bild und Gedanke“, die 2016 erschien, wurde eine erste, kleine Auswahl Aphorismen aus dem Nachlass publiziert.

Aus der umfassenden Korrespondenz, die ebenfalls Bestandteilen des Nachlasses ist, lässt sich erkennen, wie eng der Philosoph im Dialog mit international renommierten Wissenschaftlern stand – dazu gehören u.a.: Girogio Agamben (Italien), Siegfried Kracauer (USA), Herbert Marcuse (USA), Gerard Raulet (Frankreich), Gershom Scholem (Israel), Gary Smith (USA), Ulrich Sonnemann (Deutschland) und Moshe Zuckermann (Israel).

Fotos und Bildtexte unter: www.uni-frankfurt.de/65055989

Informationen: Dr. Mathias Jehn, Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, Telefon (069) 798-39007, E-Mail: m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 18 2017
16:38

Susanna Schrafstetter von der Universität Vermont hält Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität – Umfangreiches Begleitprogramm

Stille Helden und heimliche Profiteure

FRANKFURT. Die nichtjüdischen Unterstützer, die jüdischen Deutschen auf der Flucht geholfen haben, stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität, die von Prof. Susanna Schrafstetter gehalten wird. Dieser Vorlesung am 27. Januar geht ein umfangreiches Begleitprogramm voraus.

Seit einigen Jahren bereits findet anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus eine Gedenkvorlesung statt. In diesem Jahr spricht die Historikerin Susanna Schrafstetter über die nichtjüdischen Deutschen, die Juden dabei halfen unterzutauchen. Nicht alle taten dies aus ethischer Verantwortung oder Mitgefühl; zuweilen handelten sie auch aus eigennützigen Motiven. Die Vorlesung mit dem Titel „Stille Helden und heimliche Profiteure – Erfahrungen von untergetauchten Juden mit ihren Helfern 1941-1945“ findet statt

am Freitag, 27. Januar, um 12 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt.

Zwischen 1941 und 1945 flüchteten etwa 10.000 bis 15.000 Juden in Deutschland vor der Deportation und tauchten unter. Dabei waren sie auf die Unterstützung nichtjüdischer Verwandter, Freunden, Bekannten oder auch fremden Menschen angewiesen. Erst in jüngerer Zeit erfuhren diese Helfer Anerkennung – oft als „stille Helden“. Aber flüchtende Juden wurden oft auch Opfer von Dieben, Schwindlern und Erpressern. Der Vortrag geht auf die gesamte Bandbreite dieser Begegnungen ein, deren Motive von uneigennütziger Hilfe bis zur persönlichen Bereicherung reichten.

Susanna Schrafstetter ist Associate Professor of History und Mitarbeiterin am Center for Holocaust Studies der Universität Vermont (USA). 2017 ist sie als Senior Research Fellow am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz.

Erstmals findet dieses Jahr ein vielfältiges gemeinsames Begleitprogramm von Fritz-Bauer-Institut, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Pädagogischem Zentrum Frankfurt und AStA der Goethe-Universität statt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Die Termine:

Nebel im August
Lesung und Gespräch mit Robert Domes
Freitag, 20. Januar, 15-17 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, Raum 311

Führung über das Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 21. Januar, 15 Uhr
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Treffpunkt: Wollheim-Pavillon

Möglichkeiten und Grenzen einer Public History of the Holocaust
Werkstattbericht der Studiengruppe Public History
Montag, 23. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1

Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933-1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft des Nationalsozilaistischen Lehrerbundes
Vortrag von Prof. Benjamin Ortmeyer
Mittwoch, 25. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum 311
Norbert-Wollheim-Platz 1

Last Folio – Fotografien letzter Zeugnisse jüdischer Kultur in der Slowakei
Ausstellung
Donnerstag, 26. Januar, bis Freitag, 24. Februar
Campus Westend, Lobby des PA-Gebäudes
Theodor-W.-Adorno-Platz 1

Autobiographische Apologien der Täter – Henriette und Baldur von Schirach
Donnerstag, 26. Januar, 19-20 Uhr
Vortrag von Dr. Steffen Bruendel
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1 

Im Gedenken an die Opfer von Auschwitz (Lager Buna/Monowitz)
Namenslesung
Freitag, 27. Januar, 11.30-16.30 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Foyer
Norbert-Wollheim-Platz 1

Primo Levi: „Ist das ein Mensch?“ und „Das periodische System“
Freitag, 27. Januar, 19 Uhr
Lesung mit Schauspieler Christian Wirmer, Gesprächsleitung: Prof. Harald Schwalbe
Centre for Dialogue,
Zur Kalbacher Höhe 56
60438 Frankfurt (Riedberg)

Erhobenen Hauptes. (Über)Leben im Kibbuz Ma’abarot
Filmvorführung und anschließendes Gespräch mit dem Filmteam
Freitag, 27. Januar, 20 Uhr
Campus Bockenheim, Festsaal im Studierendenhaus
Mertonstraße 26-28 

Informationen unter der Rufnummer 069 798 32344, Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 17 2017
14:51

Vortrag von Tilman Spreckelsen im Rahmen der ersten Grimm-Bürgerdozentur

„… Harry Potter und der lange Schatten der Brüder Grimm“

FRANKFURT. Dr. Tilman Spreckelsen, Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Dezember mit der erster Grimm-Bürgerdozentur der Stadt Hanau und des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität ausgezeichnet, hält einen Vortrag zum Thema „Das Märchen von Beedle, dem Barden, oder: Harry Potter und der lange Schatten der Brüder Grimm“

am Donnerstag (19. Januar) um 18.15 Uhr im Casino, Renate von Metzler-Saal (Raum 1.801), Campus Westend.

Zur Einführung spricht Prof. Dr. Ute Dettmar, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung. Mit der Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur ist eine dreiteilige öffentliche Vorlesungsreihe verbunden, der Spreckelsen den Titel „Der goldene Schlüssel“ gegeben hat. Dies ist die zweite Veranstaltung. Es folgt am 24. Februar 2017 (Freitag) um 9.45 im Kulturforum Hanau ein Vortrag für Schülerinnen und Schüler der Oberstufenkurse Deutsch; das Thema „Jacob und Will Reckless hinter dem Spiegel, oder: Warum uns die Welt der Märchen keine Ruhe lässt“.

Spreckelsen wurde – so hieß es in der Begründung der Jury – als „ein außergewöhnlich versierter Fürsprecher für die Grimm’schen Märchen und deren Fortwirken, insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur“ ausgezeichnet. Der Journalist, Jahrgang 1967, hat immer wieder Jubiläen, Editionsprojekte und andere Anlässe genutzt, um intensiv über Märchen und über die Brüder Grimm zu recherchieren. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen machte er einem breiten Publikum in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zugängig – sachkundig und stilistisch brillant. Auch sein erzählerisches Talent wird mit dieser Dozentur gewürdigt; er hat sich intensiv mit den nordischen Erzählwelten auseinandergesetzt und diese Erzähltraditionen in einen zeitgemäßen Sprachduktus übertragen.

Die Grimm-Bürgerdozentur und die Vortragsreihe werden unterstützt von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität, der Märchen-Stiftung Walter Kahn und dem Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. Die Grimm-Bürgerdozentur soll alle zwei Jahre vergeben werden. Dr. Claudia Maria Pecher, Märchenforscherin am Institut für Jugendbuchforschung, und Diplom-Politologe Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, haben die Reihe konzipiert und organisiert.

Informationen: Dr. Claudia Maria Pecher, Franca Feil M. A., Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798–32995, E-Mail: pecher@em.uni-frankfurt.de, E-Mail: feil@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 17 2017
12:05

Sechsteilige Veranstaltungsreihe an der Goethe-Universität. Auftakt am 31. Januar mit Vortrag und Podiumsrunde

Demenz, Parkinson und Schlaganfall: Wo stehen wir in der Medizin und was bedeutet das für unser Leben?

FRANKFURT. Die Herausforderungen, die der demografische Wandel für Wirtschafts-, Sozialsysteme und unseren Lebensalltag bedeutet, sind bekannt. Mit der zunehmenden Überalterung werden aber auch die altersbedingten Erkrankungen des Gehirns wie Demenz oder Parkinson steigen – Experten rechnen mit einem jährlichen Anstieg von allein 40.000 Demenzfällen, so dass 2030 etwa 2,5 Mio. Menschen in Deutschland betroffen sein werden.

„Mit der Veranstaltungsreihe Alterserkrankungen des Gehirns will die Hertie-Stiftung über die häufigsten Krankheiten des Gehirns im Alter informieren und für die damit verbundenen sozialen, ethischen und rechtlichen Probleme sensibilisieren“, sagt Prof. Dr. Michael Madeja, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, die der größte private Förderer der Neurowissenschaften in Deutschland ist. Madeja weiter: „Die Probleme für den einzelnen Erkrankten, aber auch für die Gesellschaft sind enorm. Je eher wir uns damit beschäftigen, desto besser können wir uns den kommenden Anforderungen stellen.“

Die sechsteilige Reihe ist eine Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Führende Neurowissenschaftler stellen jeweils den aktuellen Forschungsstand der Krankheiten Demenz, Parkinson, Schwindel, Schlaganfall, Hirntumor und Depression vor. Die anschließenden Podien diskutieren über einen gesellschaftlich relevanten Aspekt, der mit den Erkrankungen einhergeht: Wohnen im Alter, Geschäftsfähigkeit, Selbstständigkeit, Kosten, Gesundes Altern und Sterbehilfe. Besetzt sind die Gesprächsrunden mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis.

Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz, Vize-Präsident der Goethe-Universität Frankfurt: „Wir freuen uns sehr über diese gute Kooperation in bewährter Partnerschaft. Als erklärte Bürger-Universität möchten wir unseren Mitmenschen vor Ort Angebote ermöglichen, die sich mit aktuellen und drängenden Themen für alle Generationen beschäftigen. Die komplexen Herausforderungen des Alters verkörpern ein solches Feld zu 100 Prozent.“

Den Auftakt der Reihe am 31. Januar 2017 macht die Alzheimer-Demenz mit der Problematik der Geschäftsfähigkeit bei fortschreitender Erkrankung. Prof. Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung Tübingen wird über den Stand der medizinischen Forschung berichten. Diese am häuftigsten auftretende neurodegenerative Erkrankung ist zwar unheilbar, aber die
Wissenschaft hat seit ihrer Entdeckung Anfang des 20ten Jahrhunderts bereits zahlreiche Erkenntnisse zu Entstehung und Behandlung gewonnen. In der anschließenden Podiumsrunde „Mit 80 nicht mehr volljährig?“ diskutieren der gerichtl. Vormund Jürgen Frank, Axel Bauer, Richter am Betreuungsgericht Frankfurt, und Filmemacher und Autor von „Vergiß mein nicht“ David Sieveking über den Verlust der eigenen Geschäftsfähigkeit. Die hr-Journalistin Alice Engel moderiert die Runde.

Die Veranstaltung am 31. Januar beginnt um 18:30 Uhr und findet im Festsaal des Casinos der Goethe-Universität Frankfurt Campus Westend, Nina-Rubinstein-Weg 1 statt. Der Besuch ist kostenfrei, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich unter www.ghst.de/veranstaltungsreihe.

Die folgenden Termine:

  • 28.03.2017: Vortrag Depression & Podiumsrunde „Macht Altern krank?“
  • 16.05.2017: Vortrag Parkinson & Podiumsrunde „2 ZKB für 80+ gesucht!“
  • 20.06.2017: Vortrag Hirntumor & Podiumsrunde „Wann darf ich endlich sterben?“
  • 26.09.2017: Vortrag Schwindelerkrankung & Podiumsrunde „Lass, ich kann das noch alleine!“
  • 21.11.2017: Vortrag Schlaganfall & Podiumsrunde „Wer soll das alles bezahlen?“

Weitere Informationen zum Ablauf und den eingeladenen Podiumsgästen unter www.ghst.de/veranstaltungsreihe 

Pressekontakt:
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Grüneburgweg 105 | 60323 Frankfurt
Julia Riedel | Kommunikation
T. 069/660756-162 |riedelj@ghst.de

Veranstaltungen

Jan 17 2017
11:05

Programm der 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung – Öffentliche Vorträge, Diskussion und Kolloquium

Princeton-Historiker Grafton zur Gelehrsamkeit des Humanismus

FRANKFURT. Die 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung übernimmt vom 23. bis 25. Januar der Historiker Anthony T. Grafton, Henry Putnam Professor of History an der Princeton University. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler hält drei öffentliche Vorträge zum Thema „Early Christianity in Early Modern Europe: Religion and Scholarship“ und ein Kolloquium zum Thema „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“.

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert entstand in Europa eine neue faszinierende Welt humanistischer Gelehrsamkeit. Diese Epoche, die der Historiker in den Blick nimmt, ist entscheidend in der Geschichte der Geisteswissenschaften. Anthony Grafton entwickelt in seinen wissenschaftsgeschichtlichen Vorträgen eine vollkommen neue Sicht auf die humanistische Gelehrsamkeit. Rückblickend erscheint der Humanismus vielfach als eine säkulare Bewegung. Grafton stellt aber heraus, dass sich die Gelehrten dieser Zeit mit überraschender Intensität der philologischen und historischen Erforschung der Kirchengeschichte widmeten und dabei höchst innovative Forschungsmethoden entwickelten. In der Frühen Neuzeit erforschten Gelehrte die Geschichte der Frühen Kirche, um ihre Vision einer modernen Kirche aufzuzeigen und zu verteidigen. Ihre wissenschaftlichen Entscheidungen wurden in einem hohen Maße von bestehenden religiösen Bindungen und von dem Empfinden bestimmt, dass es sich bei ihren Forschungen selbst um einen religiösen Akt handelte.

Anhand dreier Fallstudien, die Teil eines umfassenderen Projekts sind, interpretiert Grafton die Entwicklung der frühneuzeitlichen Gelehrsamkeit zum Frühen Christentum und zieht daraus vorläufige Schlussfolgerungen für die Charakterisierung des Verhältnisses von Religion und Wissenschaft in dieser Epoche. In dieser Zeit der christlichen Renaissance sammelten Bibliografen die verstreuten Texte der Kirchenväter und andere frühchristliche Dokumente. Gelehrte edierten die Schriften aus der Feder von Tertullian, Augustinus und Hieronymus, kommentierten sie kritisch und machten deutlich, dass die Kirchenväter keine Heiligen waren, denen vollkommene Autorität zukam, sondern Menschen, die häufig in theologische Streitigkeiten verstrickt waren. Historiker dieser Epoche verfassten auf der Grundlage neuer Archive mit kirchlichen Dokumenten ausführliche, auch widerstreitende geschichtliche Darstellungen der Ursprünge und der frühen Entwicklung des Christentums.

Termine und Themen im Einzelnen
23.1.(Montag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Festsaal Casino: „Judaizing the Last Supper“
24.1. (Dienstag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Reading the Witnesses“
25.1. (Mittwoch), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Finding the First Christians“

Kolloquium „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“ zu den Vorlesungen: 24.1. (Dienstag) von 10 bis 12 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe (Anmeldung unter jurewicz@em.uni-frankfurt.de)

Zur Person des Vortragenden
Nach seinem Studium am University College London (bei dem berühmten Althistoriker Arnaldo Momigliano) und an der University of Chicago, wo Grafton 1975 auch promovierte, lehrte der Historiker für kurze Zeit am Department of History der Cornell University. Noch im selben Jahr erhielt er einen Ruf an die Princeton University, an der er bis heute wirkt. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Kulturgeschichte der Renaissance, der Geschichte des Buches und seiner Leser, der Geschichte der Gelehrsamkeit in Westeuropa von der Antike bis ins 19. Jahrhundert sowie der Wissenschaftsgeschichte von der Antike bis zur Renaissance.

Zu seinen zahlreichen Büchern zählt eine profunde Studie der Gelehrsamkeit des herausragenden Philologen der Spätrenaissance, Joseph Justus Scaliger, eine Darstellung der Bedeutung des Bildungsprogramms der Renaissance (From Humanism to the Humanities, 1986) sowie Studien zu dem Astrologen Girolamo Cardano (1999) und zu dem Humanisten Leon Battista Alberti (2000). Sein originellstes und zugleich zugänglichstes Werk ist „The Footnote: A curious history“ (1997; in der deutschen Übersetzung: „Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote“), eine Fallstudie zur Geschichte der Geschichtsschreibung von unten.

Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim Fellowship (1989), den Los Angeles Times Book Prize (1993), den Balzan Prize for History of Humanities (2002) sowie den Mellon Foundation’s Distinguished Achievement Award (2003). Er ist zudem Mitglied der American Philosophical Society and der British Academy.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung
Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine/n weltweit renommierte/n Forscher/in nach Frankfurt einladen. In den vergangenen vier Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen und den Berliner Theologen Christoph Markschies.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Tel. (069) 798-33313, c.wiese@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 16 2017
13:22

Internationale Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Städelschule am 19. und 20. Januar

Philosophisches Symposium zum „Wert der Kritik“

FRANKFURT. „The Value of Critique“ heißt ein zweitägiges Symposium, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und dem Institut für Kunstkritik der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main. Über den „Wert der Kritik“ diskutieren am 19. und 20. Januar 2017 in der Städelschule prominente Vertreterinnen und Vertreter einer zeitgenössischen Kritischen Theorie. Ausgangspunkte der Erörterungen sind die Vorträge von Bruno Latour (Paris), Beate Söntgen (Lüneburg), Rahel Jaeggi (Berlin) und Luc Boltanski (Paris).

Die gesamte Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Konzipiert wurde sie von Isabelle Graw, Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule, und Christoph Menke, Professor für praktische Philosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Teilnehmer von Seiten des Clusters sind auch deren Sprecher Rainer Forst (Politische Theorie) und Klaus Günther (Rechtsphilosophie) sowie der Philosoph Martin Seel. Den vier Vorträgen folgt jeweils eine Entgegnungs- und Kommentarrunde. Komplettiert wird das Programm durch eine Roundtable-Diskussion.

Das Symposium behandelt das Verhältnis von Kritik und Bewertung, hier vor allem im Sinne von Evaluation, als zwei Arten des Urteilens oder Beurteilens. Es geht um ihre Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Ein besonderer Fokus liegt auf Perspektiven und Potenzialen kritischen Urteilens.

Kritik, so eine philosophische Definition, ermöglicht es den Kritikübenden, sich ihres Objekts der Kritik zu bemächtigen, indem sie dessen Widersprüche oder Defizite entlarven. Kritik gilt als eine beispielhafte Strategie der Aufklärung und eine Voraussetzung für die Freiheit eines Subjekts. Im Modus der Evaluation hingegen werden die Dinge von vornherein aus einer bestimmten Perspektive betrachtet, die explizit nach dem relativen Nutzen des Bewertungsobjekts fragt. Bei einer so verstandenen Evaluation zielen die bewertenden Subjekte vor allem auf ihr eigenes Wohlergehen, beispielsweise in ökonomischer Hinsicht.

Alles in allem, so scheint es, hat die Kritik im Vergleich zur Evaluation an Boden verloren. Doch einen ersten Hinweis, dass sich Kritik und Evaluation nicht ausschließen, liefert schon die Etymologie des ursprünglich griechischen Wortes „Kritiké“, das die Unterscheidung in den Mittelpunkt stellt. Und auch die mittlerweile weitverbreitete Ansicht, wonach die transformative Kraft der Kritik ohnehin von den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen absorbiert werde, wollen die Veranstalter nicht kommentarlos hinnehmen. Untersucht wird in diesem Zusammenhang das Potenzial unterschiedlicher Kritikformen, in Bezug auf die vier Vortragenden sind dies Luc Boltanskis Modell der „Social Critique“, Bruno Latours „Critique of Critique”, Rahel Jaeggis „Internal Kritik“ und Beate Söntgens „Kulturen der Kritik“.

Das Symposium findet in der Lichthalle der Städelschule statt (Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt am Main). Die Veranstaltung ist fach- und presseöffentlich, eine Anmeldung nicht erforderlich, Reservierungen können nicht entgegengenommen werden.

Das Programm im Überblick:

19. Januar 2017
14 – 16 Uhr: „Against Critique“
Lecture: Bruno Latour
Respondents: Rainer Forst, Petra Gehring

16.30 – 18.00 Uhr: Roundtable: „Labour and Value“
Participants: Sabeth Buchmann, Isabelle Graw, Christoph Menke, John Roberts

18.30 – 20.30 Uhr „The Power of Critique“
Lecture: Beate Söntgen
Respondents: Martin Seel, Kerstin Stakemeier,

20. Januar 2017
11.00 – 13.00 Uhr: „Criticize your Life“
Lecture: Rahel Jaeggi
Respondents: Eva Geulen, Thomas Lemke

14.00 – 16.00 Uhr: „Social Critique“
Lecture: Luc Boltanski
Respondents: Juliane Rebentisch, Klaus Günther 

Informationen: Jonas Leihener, Städelschule, Künstlerischer Koordinator, Tel.: 069/605008-52, jonas.leihener@staedelschule.de, www.staedelschule.de Bernd Frye, Exzellenzcluster, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Sonstige

Jan 13 2017
11:22

Frankfurter Volksbank erster Geldgeber für die Kontaktpflege zu Ehemaligen der Goethe-Uni

Mehr Mittel für Alumni-Arbeit

FRANKFURT.Der Kontakt zu ehemaligen Studentinnen und Studenten, das so genannte „Networking“, hat auch an der Goethe-Universität einen wachsenden Stellenwert. Unterstützt wird die Alumni-Arbeit, die in der Abteilung Private Hochschulförderung angesiedelt ist, neuerdings von der Frankfurter Volksbank. Für die nächsten drei Jahre hat sie der Frankfurter Hochschule jeweils 20.000 Euro für diesen Zweck zugesagt.

Viele Absolventen der Goethe-Universität bleiben nach ihrem Abschluss in Frankfurt oder lassen sich in der Umgebung nieder – ein Vorteil für die Alumni-Arbeit: So ist es leichter, den Kontakt zu den Ehemaligen zu halten. Mit Angeboten wie den Alumni-Lounges bei Großveranstaltungen oder dem Alumni-Magazin „Einblick“ sorgt das zentrale Alumni-Büro der Universität dafür, dass die einstigen Studentinnen und Studenten über ihre Alma mater informiert bleiben und am Geschehen dort teilhaben können. 

Eine Initiative, die Unterstützung verdient hat, findet Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank: „Als Frankfurter Volksbank fühlen wir uns dem Wissenschaftsstandort Frankfurt und insbesondere auch der Goethe-Universität eng verbunden. Hier wird nicht nur in der Forschung wichtige wissenschaftliche Grundlagenarbeit geleistet, auch in der Lehre nimmt die Goethe-Universität eine Spitzenstellung ein. Es ist für die Hochschule wie für ihre ‚Ehemaligen‘ gleichermaßen wichtig, dass auch nach Ende des Studiums die Kontakte zwischen Absolventen und ihrer Universität erhalten bleiben. Deshalb begleiten wir das Alumni-Projekt der Goethe-Universität mit großer Sympathie.“ 

„Ich freue mich sehr darüber, dass die Frankfurter Volksbank regelmäßige Unterstützung zugesagt hat. So können wir die Alumni-Arbeit weiter stärken, die für eine Stiftungsuniversität von immenser Bedeutung ist“, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, als Vizepräsident der Goethe-Universität zuständig für den Bereich „Third Mission“. Diese neben Forschung und Lehre so genannte dritte Säule der Universität beinhaltet den regen Austausch mit der Gesellschaft.

Geben und Nehmen liegen auch in der Alumni-Arbeit nah beieinander. So engagiert sich mancher Alumnus und manche Alumna als Mentor für werdende Akademiker, hält Vorträge bei Alumni-Veranstaltungen oder bietet gar eigene Seminare an. Wichtig ist auch die finanzielle Unterstützung, die erfolgreiche Ehemalige in manchen Bereichen leisten.

Forschung

Jan 12 2017
11:13

Zahl der Lebendspenden nimmt zu/ Dank immunologischer Forschung weniger Abstoßungsreaktionen durch gezielte Prävention

Ein fast normales Leben mit der Niere des Partners

FRANKFURT. In Deutschland beträgt die Wartezeit für eine Spenderniere durchschnittlich sieben Jahre. Es besteht ein großer Mangel an postmortal gespendeten Nieren hirntoter Patienten, auf die die Mehrzahl der Empfänger auf der Warteliste angewiesen sind. Aufklärung über die Abläufe und Fakten im Organspende- und Transplantationsbereich sind wichtig, um die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung zu steigern.

Andererseits hat die sehr erfolgreiche Lebendspende zugenommen. So ist am Universitätsklinikum Frankfurt der Anteil der Lebendspenden an allen Nieren-Transplantationen 2016 von 25 auf über 40 Prozent gestiegen. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ lassen wir ein Spender-Empfänger-Paar, Tim und Claudia Pillar, sowie die betreuende Nephrologin, Prof. Ingeborg Hauser, zu Wort kommen.

Voraussetzung für eine Lebendspende ist, dass der Spender gesund ist und ihm durch die Organspende selbst keine wesentlichen gesundheitlichen Probleme entstehen. „Im ersten Gespräch konzentriere ich mich darauf, den potenziellen Spender genau über die Voruntersuchungen, die kurz- und langfristigen Risiken, die gesetzlichen Vorgaben, den Ablauf der Spende und die Erfolgsraten aufzuklären sowie über die notwendige jährliche Nachsorge nach der Spende. Zudem ist vom Gesetzgeber ein Gespräch mit einem Psychologen vorgesehen. Wichtig ist auch zu fragen, wie Spender und Empfänger reagieren würden, wenn die gespendete Niere die Funktion nicht aufnehmen würde“, erklärt Prof. Hauser.

In Dr. Tim Pillar, einem frisch pensionierten Molekularbiologen, fand sie einen gut informierten Spender, der ihr fachlich und menschlich großes Vertrauen entgegenbrachte. Mit seiner Zuversicht konnte Tim Pillar auch seine Frau, bei der wenige Monate zuvor beide Nieren versagt hatten, von dem Eingriff überzeugen. Die Großzügigkeit ihres Mannes hat Claudia Pillar tief beeindruckt und berührt: „Das ist etwas sehr Großes“.

Die Überlebensrate der Transplantate hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mehr als 90 Prozent der Spenderorgane überleben das kritische erste Jahr nach der Transplantation - bei einem Patientenüberleben von circa 98 Prozent. Außerdem sind akute Abstoßungsreaktionen heutzutage in der Regel gut behandelbar. Der Erfolg der Transplantation ist den Fortschritten in experimenteller und klinischer Forschung zu verdanken. Die Verträglichkeit eines Spenderorgans wird mithilfe der sogenannte HLA-Typisierung überprüft. Das HLA-Muster kennzeichnet die immunologische Beschaffenheit jedes Organismus. Heute kann man mit immunologischen Tests schon im Vorfeld der Transplantation spezifische HLA-Antikörper aufspüren, die gegen das Transplantat gerichtet sein können, und vorbeugende immunsuppressive Maßnahmen ergreifen. Ingeborg Hauser und ihre Gruppe haben in Zusammenarbeit mit dem HLA-Labor des Blutspendedienstes unter der Leitung von Professor Christian Seidl darüber erst kürzlich eine Studie in der Fachzeitschrift „Transplant International“ publiziert.

Das Zentrum für Nierentransplantationen am Universitätsklinikum Frankfurt ist das größte in Hessen mit cira 60-70 Nierentransplantationen pro Jahr und blickt auf eine langjährige Erfahrung zurück. Bereits 1968 wurde die erste Niere transplantiert; 1973 folgte die erste Lebendspende. Insgesamt sind bisher über 2.500 Nierentransplantationen vorgenommen worden. Einige der transplantierten Patienten aus dem Frankfurter Transplantationszentrum leben mit funktionierendem Transplantat schon mehr als 30 Jahre. Seit 2003 bietet der Funktionsbereich Nephrologie unter der Leitung von Prof. Helmut Geiger zusammen mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Leitung von Prof. Wolf Bechstein und  Oberarzt Privatdozent Guido Woeste die gleichzeitige Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Transplantation an für Typ I Diabetiker.

Seit 2006 ist auch die Lebendspende über nicht miteinander verträgliche Blutgruppen hinweg, die sogenannte ABO inkompatible Spende, möglich. Dabei wird der Empfänger mit einer Kombination aus Immunsuppression und Plasmaaustausch vorbehandelt. So werden die Blutgruppenantikörper des Empfängers gegen die fremde Blutgruppe des Lebendspenders entfernt und in ihrer Bildung unterdrückt. Die Vorbehandlung dauert in der Regel vier Wochen. Dieses therapeutische Verfahren wurde erfolgreich in ähnlicher Weise übernommen zur Desensibilisierung bei donorspezifischen HLA- Antikörpern des Lebendspendeempfängers gegen den Spender, so auch beim Ehepaar Pillar.

Im Transplantationszentrum Frankfurt wurden mittlerweile über 300 Lebendspenden durchgeführt. 2010 führte Prof. Wolf Bechstein die Schlüssellochtechnik (laparoskopische Entnahmetechnik) bei Lebendspendern ein. Mit diesem Verfahren hat er seither über 90 Lebendspendeentnahmen erfolgreich vorgenommen. Die Transplantation ist eine Teamarbeit verschiedener Kliniken und Institute. Spezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich, und auch der Patient selbst tragen gemeinsam zum Transplantationserfolg bei.

Claudia Pillar lebt seit Mai 2015 mit ihrer neuen Niere und führt ein fast normales Leben. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie im Sommer 2016 den Traum von der Rente im eigenen Haus in Südfrankreich doch noch verwirklicht.

Informationen: Prof. Dr. Ingeborg A. Hauser, Medizinischen Klinik III, Selbständiger Funktionsbereich Nephrologie, Universitätsklinikum Frankfurt, Sekretariat: Tel.: (069)6301-6668, yonca.serifovska@kgu.de.

Forschung

Jan 11 2017
11:11

Vinzenz Hediger analysiert Entwicklung von den ersten Reisefilmen bis zu den Blockbustern – Beitrag im aktuellen „Forschung Frankfurt“

Der Film als Medium des Fremden, des Eigenen und der kulturellen Indifferenz

FRANKFURT. „Der Film als mobiles Medium der Moderne produziert unablässig Erfahrungen von Eigenem und Fremdem, von Identität und Differenz“, betont der Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hediger in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt (2/2016), dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität. Zeigten die Reisefilme zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewusst die „wunderbare Differenz“ zur eigenen Wirklichkeit, wurde in der heilen Welt der Heimatfilme nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Eigene für den Konsum verfügbar gemacht. Erst die Hollywood-Blockbuster verfolgten die Strategie, das kulturell Fremde so zu minimieren, dass daraus der für alle verständliche „Dialekt der Moderne“ wurde.

Als eigenes Genre vermittelte der Film in seiner frühen Phase die Erfahrung des Naturschönen, gleichzeitig stand die Erfahrung mit dem Fremden und der kulturellen Differenz im Vordergrund. „Die Sujets umfassten das ganze Repertoire der ethnologischen Feldforschung: Handwerk, Nahrungszubereitung, Kleidungsstile, Tänze, Rituale“, so Hediger über die Dokumentationen und Reisefilme mit ethnografischen Motiven, die in Deutschland „Kulturfilme“ genannt wurden. Filme lösten ortgebundene Formen des Spektakels ab wie die legendären „Völkerschauen“ des Hamburger Zoounternehmers Hagenbeck. So griff auch Robert Flaherty in „Nanook of the North“ das Alltagsleben einer Inuit-Familie auf; er rekonstruierte aber eine Lebensform mit Kleidern und Gerätschaften, die schon längst nicht mehr in Gebrauch waren. Das Broadway-Publikum war begeistert, die Vermarktung der Nanook-Produkte von Pelzmänteln bis Speiseeis wurde ein voller Erfolg.

„Dem Film kommt aber auch die Rolle zu, das Eigene für den Konsum verfügbar zu machen. Der Heimatfilm des deutschen Nachkriegskinos ist dafür ein prägnantes Beispiel“, erläutert der Frankfurter Filmwissenschaftler. Geschichten von der Liebe im Grünen, von Brauchtum und Tradition, Wanderschaft und heilsamer Natur versichern dem Publikum ab den 1950er Jahren, dass es eine heile Welt jenseits der Trümmerlandschaften gibt. So strömten die Menschen, sobald erste Impulse des Wirtschaftswachstums zu spüren waren, in die deutschen Landschaften, noch verzaubert von seichten Heimatfilme. Diese bildeten aber schon bald die kritische Kontrastfolie für Filme der neuen deutschen Filmemacher. In seiner Film-Trilogie „Heimat“ verkehrte Edgar Reitz die beschaulich ländliche Idylle in eine vielschichtige lebendige Chronik der deutschen Geschichte vom Faschismus über das Wirtschaftswunder und bis in die 1980er Jahre.

Warum hatte Reitz‘ „Heimat“ auch international einen solchen Erfolg? Dazu Hediger: „Der erdverbundende Dichter/Denker/Musiker Hermann, der schließlich die Hauptfigur von ‚Heimat‘ wird, entspricht einer Fremdwahrnehmung Deutschlands als Land der Dichter und Denker. Bei aller kritischen Haltung verfertigt Reitz’ Kino schließlich das Eigene zum Spektakel kultureller Identität, das von einem internationalen Publikum als konsumierbare kulturelle Differenz angenommen wird.“ WährendFilme mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren aus den 1950er und 1960er Jahren die „Italianità“ feiern, die italienische Lebensart, die um Liebe und Küche kreist, macht bei „Heimat“ der Bildungsroman des tiefgründigen Künstlers den deutschen Markenkern aus.

Die Blockbuster-Erfolge des „New Hollywood“ basieren auf der gegenteiligen Strategie: Sie minimieren die kulturellen Differenzen und bieten ein Spektakel kultureller Indifferenz. „Das können sich alle zu eigen machen, ohne zuerst einen Graben des Fremden überwinden zu müssen“, sagt Hediger. Die deutsch-amerikanische Filmwissenschaftlerin Miriam Hansen hat dafür den Begriff „globaler Dialekt der Moderne“ geprägt. In Spielbergs „Jaws“ (1975), einer der ersten Blockbuster-Erfolge bedarf es – so der Frankfurter Wissenschaftler – „keiner interkulturellen Hermeneutik, um zu verstehen, dass es nicht angenehm ist, von einem weißen Hai gefressen zu werden.“ Doch wie geht das Erfolgsrezept auf, wenn Filme nicht von kulturfreien Grundängsten handeln? Dazu der Filmexperte: „Diese Filme basieren dann vorzugsweise auf Vorlagen deren kulturübergreifender Appeal schon feststeht, wie etwa den weltweit erfolgreichen Harry-Potter-Romanen.“ Damit reagieren die Hollywoodstudios auch auf die extremen Risiken des Filmgeschäfts. Die meisten Filme floppen, während 20 Prozent aller Filme 80 Prozent aller Einnahmen einspielen. Gerade weil sie kulturelle Differenzen herunterspielen, haben Blockbuster-Filme dabei die besten Aussichten, zu den wenigen großen Gewinnern zu zählen.

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Campus Westend, Tel. 069/798- 32079, E-Mail: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 10 2017
11:20

Nächster Vortrag in der Reihe „Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Zur Evolution der menschlichen Hautfarbe

FRANKFURT. Die menschlichen Hautfarben faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Die unterschiedlichen Pigmentierungen zeigen, wie sich die Haut anpasst hat, um das Eindringen von UV-Strahlung zu regulieren. Die Evolution der menschlichen Hautfarbe ist ein gutes Beispiel für einen evolutionären Kompromiss. Sie belegt auch, wie Evolution durch natürliche Selektion vorangetrieben wird und den menschlichen Körper beeinflusst. Mit diesem Thema beschäftigt sich Nina Jablonski, seit 2006 Professorin für Anthropologie an der Pennsylvania State University, in ihrem Vortrag „The Skin of Homo sapiens: The evolution of our Interface with the World“, den sie erhält

am 18. Januar (Mittwoch) um 19.30 Uhr,
im Hörsaal, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Georg-Voigt-Straße 14.

Der Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

In der Geschichte des Homo sapiens ist die Pigmentierung der Haut ein sich stets wandelndes Merkmal, ähnliche Hautfarben haben sich unter ähnlichen Umweltbedingungen oft auch mehrfach verändert. Dies zeigt – so Jablonski, dass die Verwendung der Hautfarbe für eine Klassifizierung des Menschen nicht geeignet ist, und dass die soziale Bedeutung, die der Hautfarbe noch immer beigemessen wird, keine wissenschaftlichen Grundlagen hat.

Nina Jablonski, geb. 1953, wechselte nach einem Bachelor im Fach Biologie in Pennsylvania für den Master an die University of Washington, um dort Anthropologie zu studieren und das aufkeimende Fachgebiet molekulare Evolution mit der Anthropologie zu verbinden. Nach der Promotion lehrte sie gut zehn Jahre an der Universität Hongkong, bevor sie nach einigen Jahren an der University of Western Australia, wo sie sich der Evolution des aufrechten Ganges und der Hautfarben zuwandte, einen Lehrstuhl an der California Academy of Sciences in San Francisco antrat und dann 2006 einen Ruf nach Pennsylvania bekam. Bis heute erforscht sie, wie Umweltveränderungen die Entwicklung von Altwelt-Primaten und Menschen beeinflussen. Neben ihrer Forschung engagiert sich die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin für die Verbreitung des Wissens über die Evolution des Menschen an wissenschaftliche Laien.

In der gesamten Vortragsreihe berichten international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die atemberaubenden Fortschritte, die sich in allen die Evolution des Menschen betreffenden Disziplinen abzeichnen. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

25. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand
Prof. Dr. Nicholas J. Conard, Eberhard Karls Universität Tübingen
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

8. Februar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität

15. Februar 2017, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
PD Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau
Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim

Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, bis auf die abschließende Podiumsdiskussion, die um 19 Uhr startet.

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

Forschung

Jan 9 2017
11:54

Checkpoint-Inhibitoren machen Krebszellen für das Immunsystem sichtbar

Krebs: Länger leben mit Immuntherapie

FRANKFURT.  Seit einigen Jahren entwickeln Krebsforscher Therapien, die nicht die eigentlichen Tumorzellen angreifen, sondern sich gegen die Zellen in der Tumorumgebung richten. Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren stellen nach Ansicht vieler Forscher den ersten echten Durchbruch in der Therapie fortgeschrittener Tumorerkrankungen dar. Prof. Florian Greten und Prof. Jörg Trojan berichten in der aktuellen Ausgabe des Magazins Forschung Frankfurt der Goethe-Universität über den aktuellen Stand der Forschung.

Ein zentraler Ansatzpunkt der Immunonkologie sind die Kontrollpunkte des Immunsystems (Checkpoints) auf der Oberfläche von T-Zellen. Diese Zellen greifen Krebszellen direkt an und koordinieren die Abwehrreaktion der anderen Immunzellen. Andererseits verhindern sie auch überschießende Immunreaktionen. Das geschieht über die Aktvierung von Kontrollpunkten.

1996 entdeckte der amerikanische Immunologe James P. Allison mit seinem Team, dass Krebszellen die Immunabwehr ausschalten, indem sie einen bestimmten Kontrollpunkt, den Rezeptor CTLA-4, aktivieren. Das war eine bahnbrechende Entdeckung. Inzwischen sind mehrere solcher Checkpoints entdeckt worden und einige, wie der Rezeptor PD-1, lassen sich durch Medikamente gezielt blockieren. So kann das Immunsystem die Tumorzellen wieder erkennen und vernichten. Als Nebenwirkung dieser Medikamente können überschießende Immunreaktionen auftreten.

Als erstes Medikament dieser neuen Wirkstoffklasse wurde 2011 der CTLA-4-Immuncheckpoint-Inhibitor Ipilimumab beim metastasierten Melanom (schwarzem Hautkrebs) zugelassen. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte damit auf bis zu 13,5 Monate verlängert werden, verglichen mit etwa 9 Monaten unter einer Standardchemotherapie mit Dacarbazin. Wichtiger noch ist der deutlich höhere Anteil an Patienten mit einem Langzeitüberleben nach Ipilimumab-Therapie.

Die zweite Substanz, die mittlerweile zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Melanom, vorbehandeltem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom und vorbehandeltem Nierenzellkarzinom zugelassen wurde, ist der PD-1-Inhibitor Nivolumab. Er weist deutlich weniger immunvermittelte Nebenwirkungen als Ipilimumab auf. Im Vergleich zu einer Therapie mit Dacarbazin kann bei Patienten mit metastasiertem Melanom das 1-Jahresüberleben von 42 auf 73 Prozent fast verdoppelt werden.

Durch die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab lässt sich das therapeutische Ansprechen und das Überleben ohne weiteres Fortschreiten der Erkrankung sogar noch weiter erhöhen. „Was bislang für nicht möglich gehalten wurde, nämlich ein komplettes Verschwinden des Tumors, scheint für einen kleinen Teil der Patienten möglich zu sein“, erklärt Jörg Trojan, Professor für gastrointestinale Onkologie am Universitätsklinikum der Goethe-Universität. „Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen, die jedoch in der Regel gut beherrschbar sind, treten unter der Kombinationsbehandlung bei bis zu 55 Prozent der Patienten auf“, so Trojan weiter.

Ein weiterer PD-1-Blocker für die Therapie von Patienten mit metastasiertem Melanom mit vergleichbar wenig Nebenwirkungen ist Pembrolizumab. Das Medikament wird in Kürze ebenfalls für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms, ein sehr seltenes neuroendokrines Karzinom der Haut, zugelassen. Ebenso dürfen vorbehandelte Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom mit der Substanz behandelt werden.

Sowohl Nivolumab und Pembrolizumab als auch die PD-L1 Blocker Atezolizumab und Avelumab werden aktuell bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen untersucht, unter anderem bei Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom. Von großem klinischem Interesse ist es, verschiedene Immuncheckpoints beziehungsweise Signalwege, die für die Modulation der Immunantwort relevant sind, gleichzeitig zu hemmen. Als wichtige Zielstrukturen werden derzeit Substanzen untersucht, die weitere inhibitorische T-Zell-Rezeptoren blockieren oder aktivierende T-Zell-Rezeptoren stimulieren können.

„Durch die Einführung der etablierten Immuncheckpoint-Inhibitoren sowie durch verschiedene immuntherapeutische Kombinationsbehandlungen ist zu erwarten, dass sich die Therapie bei einer Vielzahl von bisher nur schwer beziehungsweise zeitlich begrenzt behandelbaren fortgeschrittenen Tumorerkrankungen deutlich verbessern wird“, erwartet Prof. Florian Greten, Leiter des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie in Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Jörg Trojan, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069)-6301-7860, trojan@em.uni-frankfurt.de.

Prof. Dr. Florian Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie, Tel.: (069) 63395-183, Greten@gsh.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 6 2017
10:20

Schülerinnen und Schüler können auf der Veranstaltung „MainStudy“ am 18. und 19. Januar die Goethe-Universität kennenlernen

Uni-Luft schnuppern

FRANKFURT.Bald ist es wieder so weit: Tausende von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufen und der Fachoberschulen werden die Goethe-Universität im Januar zur „MainStudy“ besuchen. Dabei erwartet sie ein vielfältiges Programm aus Vorträgen zu Studiengängen, Campusführungen, Präsentationen von beliebten Berufsbildern und deren Zugangsmöglichkeiten und vieles mehr.

Veranstaltungsorte sind am 18. Januar der Campus Westend mit der Vorstellung der geistes-, gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer und am 19. Januar  der Campus Riedberg mit der Vorstellung der Naturwissenschaften.

Zusätzlich zu den allgemeinen Programmpunkten präsentieren sich die einzelnen Fächer und Institute durch Infostände, Führungen, Experimente und Gesprächsrunden mit Studierenden. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Universität intensiver zu erkunden und vielleicht auch schon den ersten Kontakt zu Studierenden oder Professoren des Wunschfaches aufzunehmen.

Die Angebote der Bundesagentur für Arbeit runden die beiden Tage mit zahlreichen Vorträgen zur Berufspraxis und übergreifenden Themen zu Entscheidungsfindung und Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abitur und Studium ab.

Eingebettet sind die beiden Veranstaltungstage an der Goethe-Universität in die insgesamt viertägige Veranstaltung „MainStudy“ der Hochschulen der Region Frankfurt vom 16. bis 19. Januar. Neben der Goethe-Universität sind als Gastgeber mit dabei die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen und die Hochschule für Gestaltung Offenbach.

Schülerinnen und Schüler und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Goethe-Universität zur „MainStudy“ zu besuchen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: http://www.mainstudy.uni-frankfurt.de

Informationen: Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-18485; kummert@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 5 2017
11:31

Forscher der Goethe-Universität finden Biomarker zur individuelleren Therapie

Leukämie besser behandeln

FRANKFURT.Forscher der Goethe-Universität haben herausgefunden, warum die Standardbehandlung bei aggressivem Blutkrebs oft nicht wirkt: Sie entdeckten nicht nur einen Biomarker, der auf die Wirksamkeit der Medikamente verweist, sondern auch einen Ansatzpunkt für neue Therapien.

Bislang war es unmöglich vorherzusagen, welche Patienten, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) leiden, auf die Cytarabin-basierte Standardchemotherapie ansprechen werden – und welche nicht. Deshalb erhalten alle Patienten dieselbe Therapie, obwohl nur ein Teil von der mit erheblichen Nebenwirkungen verbundenen Behandlung profitieren wird. Forscher der Goethe-Universität haben nun einen neuen Biomarker entdeckt, mit dessen Hilfe Patienten, die auf die Therapie ansprechen werden, mit hoher Genauigkeit identifiziert werden können. Darüber hinaus eröffnen die Ergebnisse neue Möglichkeiten zur Behandlung von Leukämiepatienten, für die gegenwärtig keine geeignete Therapie zur Verfügung steht.

Der Wirkstoff Cytarabin bildet das Rückgrat von Chemotherapien zur Behandlung der AML. In Krebszellen wird Cytarabin durch die Bindung von Phosphatgruppen aktiviert. In seiner von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder geförderten Arbeitsgruppe untersuchte Prof. Jindrich Cinatl (Institut für Medizinische Virologie, Goethe-Universität, kommissarischer Direktor: Prof Volkhard Kempf) Cytarabin-resistente AML-Zellen aus der Resistant Cancer Cell Line (RCCL) collection (www.kent.ac.uk/stms/cmp/RCCL/RCCLabout.html), die er gemeinsam mit Prof. Martin Michaelis (University of Kent, Canterbury, UK) betreibt. Dabei entdeckte Prof. Cinatl, dass die Toxizität von Cytarabin gegenüber AML Zellen mit der Konzentration des zellulären Enzyms SAMHD1 korreliert, was ermöglicht die Empfindlichkeit von AML-Zellen gegenüber Cytarabin vorherzusagen.

Basierend auf diesem initialen Befund zeigte in der Folge ein Konsortium, das von Prof. Cinatl gemeinsam mit Prof. Oliver Keppler (der während der Studie vom Institut für Medizinische Virologie der Goethe-Universität an die Ludwig-Maximilians-Universität München wechselte) geleitet wurde, dass das Enzym SAMHD1 Phosphatgruppen von der aktivierten Form von Cytarabin abspaltet und Cytarabin wieder in seine inaktive Form überführt. In einer Zusammenarbeit mit Klinikern  (geleitet von Prof. Hubert Serve, Medizinische Klinik II, Goethe-Universität) wurde gezeigt, dass die in Leukämiezellen gefundenen SAMHD1-Konzentrationen auch ermöglichten, AML-Patienten, die von Cytarabin-basierten Chemotherapien profitieren, klinisch mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Damit ist SAMHD1 ein neuer klinischer Biomarker, der es ermöglicht, Cytarabin-basierte Therapien gezielt für AML-Patienten zu verwenden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Behandlung ansprechen werden, und Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ansprechen werden, die toxischen Nebenwirkungen zu ersparen. Darüber hinaus zeigte die von Frankfurter Forschern geleitete Arbeitsgruppe, dass die Hemmung von SAMHD1 AML-Zellen zu Cytarabin sensibilisiert, was neue Therapiemöglichkeiten für Leukämiepatienten eröffnet, für die es zurzeit noch keine wirksamen Behandlungen gibt.

Die Ergebnisse wurden am 19. Dezember 2016 in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht und sind unter der folgenden Webadresse zu finden:

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.4255.html

Informationen: Prof Dr Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie, E-Mail: Cinatl@em.uni-frankfurt.de, Tel. +49 (0)69 6301 6409

Forschung

Jan 5 2017
11:28

Schizophrenie beruht auf gestörter Informationsverarbeitung im Gehirn

Wenn fremde Stimmen das Kommando übernehmen

FRANKFURT. Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert: Die Symptome von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung sind für Außenstehende befremdlich. Wie der Psychiater Dr. Robert Bittner in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität erklärt, beruht die Verwechslung von „eigen“ und „fremd“ auf verschiedenen Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Schizophrene Psychosen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie manifestieren sich typischerweise in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter und haben für die Betroffenen gravierende psychosoziale Folgen. Zudem gehören sie zu den Erkrankungen mit den höchsten direkten und indirekten Behandlungskosten. Zu den Symptomen zählen Wahnideen, Halluzinationen, Ich-Störungen und formale Denkstörungen. Der Krankheitsverlauf ist in vielen Fällen durch wiederkehrende akute psychotische Episoden gekennzeichnet. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen diese Phänomene während akuter Phasen unbeirrbar für real halten.

Bislang ist die Pathophysiologie schizophrener Psychosen nur teilweise verstanden. Deswegen gibt es lediglich Therapien, welche die Symptome bessern. „Die  Stigmatisierung der Erkrankung ist weit verbreitet. Sie vergrößert das subjektive Leid der Betroffenen, stellt aber auch ein zusätzliches Hindernis für die Behandlung dar“, bedauert Dr. Robert Bittner von der Klinik fürPsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt.

Bittner erforscht seit vielen Jahren, was im Gehirn von Menschen mit schizophrenen Psychosen falsch läuft. Inzwischen belegen eine Vielzahl von Studien mit bildgebenden Verfahren und an den Gehirnen Verstorbener, dass die Verbindungen von Nervenzellen im Gehirn und deren Kommunikation untereinander bei schizophrenen Psychosen grundlegend gestört sind. Bei schizophrenen Patienten werden offenbar zu viele Nervenverbindungen während der Jugend abgebaut, was auch zu kognitiven Störungen führt.

Typische Wahnsymptome wie Beziehungsideen, bei denen die Betroffenen vollkommen alltägliche und für sie eigentlich bedeutungslose Ereignisse auf sich beziehen, erklärt die Forschung inzwischen durch die übermäßige Ausschüttung von Dopamin. Sie führt dazu, dass äußere Reize in ihrer Bedeutung überbewertet werden. Beispielsweise haben schizophrene Patienten den Eindruck, fremde Leute, denen sie auf der Straße begegnen, sähen sie bedeutungsvoll an oder redeten untereinander über sie, als wüssten sie Dinge aus ihrem Privatleben. Ähnliches gilt auch für die Wahnwahrnehmung, bei der Betroffene meinen, es würden ihnen beispielsweise durch Schilder oder Plakate persönliche Botschaften übermittelt. Diese Überbewertung von bekannten oder irrelevanten Reizen kann man inzwischen gut medikamentös behandeln, indem man die übermäßige Wirkung von Dopamin blockiert.

Schließlich erklärt die Forschung Symptome wie Stimmenhören oder das Gefühl, „ferngesteuert“ zu werden, durch die Fehlregulation einer Gehirnfunktion, die es gesunden Menschen ermöglicht, zwischen inneren und äußeren Sinnesreizen zu unterscheiden. Wenn wir beispielsweise ein Geräusch selbst erzeugen, werden Gehirnareale, die akustische Signale verarbeiten, mithilfe sogenannter Efferenzkopien darüber informiert. Werden Efferenzkopien innerer Sprache fehlerhaft weitergeleitet, können wir nicht mehr unterscheiden, ob Stimmen von innen oder außen kommen.

Mit dem Erklärungsmodell der Informationsverarbeitungsstörung können Psychiater also die fremdartig oder bizarr anmutenden psychotischen Symptome der Schizophrenie zunehmend erklären. Das hilft nicht nur bei der Entwicklung neuer Therapien, sondern erleichtert es auch, den Betroffenen die Ursache ihrer Erkrankung zu erklären. „Schwererkrankte leugnen zwar den Krankheitswert ihrer psychotischen Symptome, sind sich in vielen Fällen aber ihrer kognitiven Defizite bewusst. Indem man ihnen diese Defizite neurobiologisch erklärt, kann man erfahrungsgemäß am besten ein Krankheitsverständnis aufbauen“, so Bittner.

Dies gelte auch für den Umgang mit den Angehörigen, bei denen in der Regel eine große Unsicherheit im Umgang mit den Erkrankten und ein großer Informationsbedarf herrschten. Indem die Angehörigen einbezogen und deren Ressourcen und Kompetenzen gestärkt werden, erhalten die Betroffenen wichtige Unterstützung, was längerfristig zu einem günstigeren Krankheitsverlauf führt. Bittner hofft, dass dieses Modell auch der Öffentlichkeit ein klareres Bild schizophrener Psychosen vermittelt und dadurch der Stigmatisierung der Erkrankung entgegenwirkt.

Informationen: Dr. Robert Bittner, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt, Tel.: (069)-6301-84713, Robert.Bittner@kgu.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 5 2017
11:24

Vorlesungen der Schriftstellerin starten am 10. Januar an der Goethe-Universität

Ulrike Draesner übernimmt Frankfurter Poetikdozentur

FRANKFURT. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner übernimmt die Stiftungsgastdozentur für Poetik an der Goethe-Universität im Wintersemester 2016/17. In den fünf Vorlesungen mit dem Titel „Grammatik der Gespenster“ wird Draesner über Grundlagen und Bedingungen ihres literarischen Schaffens sprechen. Die Frankfurter Poetikvorlesungen werden wieder begleitet von einer Ausstellung im „Fenster zur Stadt“, vom Literaturarchiv an der Goethe-Universität kuratiert. Zusätzlich liest Ulrike Draesner im Rahmen der „Poetik-Gespensternacht“ im Frankfurter Literaturhaus.

Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2016/17:
Ulrike Draesner - „Grammatik der Gespenster“.

Jeweils dienstags am 10., 17., 24. und 31. Januar sowie am 7. Februar.
Beginn: 18 Uhr c.t. Campus Westend, Audimax (Hörsaalzentrum HZ 1&2). Eintritt ist frei.
Begleitausstellung ab dem 11. Januar im „Fenster zur Stadt (Restaurant Margarete, Braubachstraße).
„Poetik-Gespensternacht“ mit Ulrike Draesner. 23. Januar, Frankfurter Literaturhaus.

Die heute in Berlin lebende Romanautorin, Lyrikerin, Essayistin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Draesner veröffentlichte im Jahre 1995 ihr erstes Buch, den Gedichtband „gedächtnisschleifen“. Draesners Werk zeichnet eine große Vielseitigkeit aus: So gehören neben Essays, intermedialen Arbeiten und so genannten „Radikal-Übersetzungen“ auch Erzählbände und literarische Interpretationen dazu. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie unter anderem den Preis der Literaturhäuser (2002), den Droste-Preis der Stadt Meersburg (2006) und den Joachim-Ringelnatz-Preis (2014). 2016 wurde sie mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Im Interview mit dem UniReport hat Draesner das Konzept ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen erläutert: Sie möchte „mit Hilfe unterschiedlichster literarischer Beispiele danach fragen, was wir durch Literatur erfahren oder wissen können.“ Ihre Vorlesungen stehen laut Draesner „im Zeichen einer Frage: Wie schreiben wir Leben? Was life writing heißt – in Novellen, im Roman, im Essay in Gedichten und in Übersetzungen – möchte ich gemeinsam mit dem Publikum erkunden.“

Draesner setzt die erfolgreiche Geschichte der Frankfurter Poetikvorlesungen fort: Diese beginnt 1959 mit Ingeborg Bachmanns „Fragen zeitgenössischer Dichtung“. Seitdem folgten die einflussreichsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dem Ruf an die Goethe-Universität. In den vergangenen Semestern konnten u.a. Clemens Meyer, Marcel Beyer und Katja Lange-Müller als Dozenten gewonnen werden.

Interview mit Ulrike Draesner im aktuellen UniReport: http://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/ulrike-draesner-wird-neue-frankfurter-poetikdozentin 

Kontakt: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Geschäftsführung Frankfurter Poetikvorlesungen, Goethe-Universität; Esther Delp, M.A.; Tel. (069) 798-32855; delp@lingua.uni-frankfurt.de; www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 3 2017
12:30

Der Umgang mit Fremdwörtern sagt viel über nationale Befindlichkeiten – Beitrag in „Forschung Frankfurt“

Seismograph der Sprachgemeinschaft

FRANKFURT.Fremdwörter gehören zum Sprachwandel. Immer wieder hat es in der Sprachgeschichte Wellen fremdsprachiger Einflüsse gegeben, und immer wieder treten als Reaktion darauf die Fremdwortgegner auf den Plan. Ein Beitrag der Sprachwissenschaftlerin Dr. Anke Sauter in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ widmet sich dem Verhältnis der Deutschen zu ihren Fremdwörtern.

Auch Wörter wandern ein – so die Wahrnehmung mancher Fremdwortgegner. Wenn man schon zu Metaphern greift, müsste man jedoch eher sagen: Die Wörter werden importiert. Denn es ist die Sprachgemeinschaft, die aktiv und aus freien Stücken Bestandteile fremder Sprachen in die eigene Sprache übernimmt. Warum sie das tut, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Teil der Fremdwörter bleibt und wird zum wesentlichen Element des Sprachwandels.

Wein, Öl, Fenster – zusammen mit Kultur und Fertigkeiten, die sich aus dem römischen Reich in der damaligen Welt verbreiteten, kamen auch die Bezeichnungen in die europäischen Sprachen. Viele sind als Fremdwörter kaum noch zu erkennen, haben sich der sprachlichen Umgebung vollkommen angepasst. Aber auch losgelöst davon sind das Griechische und das Lateinische, das ja bis in die Neuzeit die Sprache der Wissenschaft geblieben ist, ein wichtiger Quell für Entlehnungen: Bis heute wird man dort fündig, wenn es darum geht, neue Sachverhalte und Dinge zu benennen, man denke etwa Wortbildungen mit neo- oder pseudo- oder inter-.

In der so genannten Alamode-Zeit des 17. Jahrhunderts wurden etliche Wörter aus dem Französischen entlehnt. Kein Wunder: Der Einfluss Frankreichs war in der Zeit des Absolutismus so groß, dass an europäischen Höfen bevorzugt Französisch gesprochen wurde. Da wollte auch das Bürgertum mithalten. Heute hat das Englische den größten Impact. Spätestens seit 1945 gilt es als progressiv, modern, cool. Es reicht schon, wenn Wörter nur scheinbar aus dem Englischen stammen, um von der Sprachgemeinschaft akzeptiert zu werden – gängiges Beispiel hierfür ist das Wort Handy, das in der Bedeutung „Mobiltelefon“ im Englischen nicht existiert.

In der Vergangenheit wurde immer wieder über die „Reinheit“ der Sprache reflektiert, kreative Köpfe bemühten sich um „Verdeutschungen“. Im 16. Jahrhundert trug Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung dazu bei, die deutsche Sprache zu einem tauglichen Instrument der Kommunikation zu machen, später dann ging es um die Etablierung einer einheitlichen Nationalsprache. Besonders im Vorfeld der Befreiungskriege spielte Patriotismus als Motivation eine wichtige Rolle – ebenso wie bei den Sprachreinigern, die sich während und nach dem Ersten Weltkrieg engagierten und eine Art Stellvertreterkrieg auf sprachlicher Ebene führten. Einer von ihnen war Eduard Engel, der bis heute zu Unrecht vielen nur als schriller Fremdwortgegner bekannt ist. Seit 1945 hält sich die Sprachwissenschaft zurück, dafür formiert sich auf anderer Ebene wieder Fremdwortkritik. Im Fadenkreuz diesmal: vor allem die Anglizismen.

Informationen: Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin, Abteilung PR und Kommunikation, Tel. 069 798-12477, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Forschung

Dez 21 2016
11:07

Frankfurter Ethnologen und Soziologen über ihre Erfahrungen mit dem kulturell Fremden

Häufig zu beobachten: Das Eigene überhöhen, das Andere abwerten

FRANKFURT. Ethnologen und Soziologen befassen sich seit dem 19. Jahrhundert mit dem sozial und kulturell Fremden. Als „teilnehmende Beobachter“ und „Feldforscher“ versuchen sie sich – als eine Art Zuwanderer auf Zeit – mit einer anderen Lebensform vertraut zu machen und ihren Charakter zu begreifen. Zu welchen Einsichten gelangen sie dabei? Darüber und vor allem über ihre eigenen Erfahrungen sprach der Philosoph und Publizist Dr. Rolf Wiggershaus in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (2/2016) mit fünf Frankfurter Professorinnen und Professoren: den Ethnologen Mamadou Diawara und Hans Peter Hahn, Karl-Heinz Kohl und der Ethnologin Susanne Schröter sowie der Soziologin Kira Kosnick.

Blickt man auf den Sprachgebrauch, so scheint klar: Wer sich vor dem Fremdem verschließt, bleibt oder wird eigen. Und das bedeutet: absonderlich, starrsinnig, erfahrungsresistent. Xenophobie und Ethnozentrismus gibt es nicht nur heutzutage bei Alteingesessenen, die mit Migranten nichts zu tun haben wollen, weil sie darin eine Gefahr für ihre Identität sehen. Auch die europäischen Kolonisatoren kamen nach Amerika und Afrika als Eroberer  und nicht, um mit den dort lebenden Völkern in einen beide Seiten bereichernden Kontakt zu treten. Das Verhältnis zum Fremden und zu Fremden ist kompliziert und changiert zwischen Furcht und Faszination, Verachtung und Idealisierung, Abwehr und Verlangen.

Hans Peter Hahn erinnert daran, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Fremden als „ein Bastard aus Exotismus und Kolonialismus“ entstand. Die weitgehend risikolose Erforschung außereuropäischer Einheimischer durch die ihnen fremden europäischen Forscher war nur durch eine Art „kolonialen Frieden“ möglich, in dem Missionare, Händler und Kolonialbeamte die Situation unter Kontrolle hatten. Die Exotik – das Betonen von Besonderheiten und das Ausmalen des  Fremdartigen – unterstrich das hierarchische Gefälle zwischen der Zivilisation der Kolonisatoren und den Kulturen der Eingeborenen, steigerte die ambivalenten Gefühle von Lust und Angst und sicherte der Ethnologie einen eigenen Gegenstandsbereich.

„Othering“ – abgeleitet vom englischen „other“ – wurde zur Bezeichnung für einen Vorgang, der, so Hahn, „den anderen zum Anderen macht und ihn ganz in seiner Andersartigkeit verortet und damit die gesellschaftliche oder kulturelle Distanz zementiert“. Pauschal verwendet kann der Othering-Vorwurf zum Mittel werden, sich jeglichen Blick von außen zu verbitten. Ohne den aber, so Karl-Heinz Kohl, bleibt man in der Selbstverständlichkeit der eigenen Kultur befangen. Das Ideal wäre deshalb eine „relationale Fremdheit“. Er selbst praktizierte in den 1980er Jahren als nahezu klassischer Feldforscher auf einer ostindonesischen Insel das Eintauchen in eine fremde Kultur bis hin zum (Fast-)-Mitgerissenwerden bei Tieropfern während eines großen Festes. Heute beobachtet er im eigenen Land mit Sorge einen gegenseitigen Abgrenzungsprozess. Einerseits wird das Multikulti-Narrativ seitens der Zuwanderer inzwischen ernst genommen und kulturelle Andersheit selbstbewusst und sichtbar demonstriert. Andererseits wird auf Migrationsbewegungen von immer mehr Einheimischen immer offener mit Fremdenfeindlichkeit reagiert.

Susanne Schröter erlebte 1983 in Sri Lanka den Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen der singhalesischen Mehrheit und der teilweise aus Indien stammenden tamilischen Minderheit. Sie war erschüttert über die vorbehaltlose Zustimmung ihrer singhalesischen Gastgeber zu den Massakern an Tamilen, erfuhr dann aber auch von tamilischen Racheaktionen, denen Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Zu einem Schlüsselproblem wurde für sie, wie man der transkulturellen Tendenz zur Überhöhung des Eigenen und Abwertung des Anderen entgegenwirken kann. Mamadou Diawara, aus Mali stammend, versteht sich als Brückenbauer zwischen Afrika und westlicher Welt, zwischen lokaler Tradition und globaler Moderne. In einer globalisierten Welt ist es gleichzeitig ökonomisch nötiger und praktisch schwieriger geworden, in jungen Jahren in die Ferne aufzubrechen, um sich dort zu bewähren und schließlich zur Verbesserung der Verhältnisse in der Herkunftswelt beizutragen.

Als einen Ort der erwünschten Begegnung mit Unbekannten, Fremden hat Kira Kosnick Ethnoclubs ausgemacht. Sie bilden seit einiger Zeit einen Bestandteil urbanen Nachtlebens in europäischen Großstädten. Gerade für junge Leute mit Migrationshintergrund können Clubszenen zur Probebühne für das Experimentieren mit kulturellen Normen werden. So kann beispielsweise eine junge türkische Frau zu ihrer Musik tanzen, ohne befürchten zu müssen, von Männern sexuell belästigt zu werden.

Der richtige Umgang mit Fremden und Fremdem, das zeigen die Gespräche, ist eine wahre Kunst und verlangt Menschen viel ab. Diese Kunst ist zugleich nötiger denn je auf einem immer enger werdenden Planeten, auf dem Menschen sich immer weniger aus dem Weg gehen können und Schmelztiegel-Gesellschaften zur dominierenden Realität werden. Nur wenn für Möglichkeiten zur Begegnung von Einheimischen und Migranten gesorgt ist, kann es zu Prozessen gegenseitigen  Kennenlernens und Lernens kommen statt zu gegenseitiger Abgrenzung und Dämonisierung.

Informationen: Dr. Rolf Wiggershaus, Tel. (06173) 6 77 31, E-Mail: wiggersh.r@t-online.de; Prof. Dr. Mamadou Diawara, Institut für Ethnologie, (069)798-33055, E-Mail: M.Diawara@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, (069)798- 33072; E-Mail: hans.hahn@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl, , Institut für Ethnologie, (069)798- 33053; E-Mail: k.kohl@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Susanne Schröter, Institut für Ethnologie, (069)798- 33063; E-Mail: S.Schroeter@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Kira Kosnick, Institut für Soziologie, Tel. (069)798- 36582, E-Mail: kosnick@em.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.