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Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:08

Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach startet am 21. Mai.

Goethe Lectures Offenbach: Burnout als Beginn

FRANKFURT/OFFENBACH. Am Donnerstag, dem 21. Mai 2015, startet die Veranstaltungsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ mit ihrem ersten Vortrag. Das neue Format ist eine Kooperation des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main mit der Stadt Offenbach am Main. Federführend auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat und ein Ort des Wissensaustausches darstellt.

Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit einem Fokus auf die Region Frankfurt Rhein-Main. Die Veranstaltungen, insgesamt stehen in diesem Jahr zunächst vier auf dem Programm, finden jeweils im Klingspor-Museum statt.

Das erste Kooperationsprojekt zwischen dem Frankfurter Exzellenzcluster und der Stadt Offenbach datiert aus dem Sommer 2013. Dabei gab Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität, unter dem Titel „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“ auch einen Einblick in gegenwärtige rechtstheoretische Diskussionen. Im Frühling 2014 war der Forschungsverbund Kooperationspartner der Lichtinstallation „Say Say Say“ von Anny und Sibel Öztürk an der Fassade des Offenbacher Rathauses. Im Rahmenprogramm sprach Darrel Moellendorf, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Internationale Politische Theorie an der Goethe-Universität, bei seinem Vortrag „Energie, Armut und die Zukunft“ über globale Gerechtigkeit und Klimawandel.

„Immer mehr Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für aktuelle Erkenntnisse in der Forschung und in der Wissenslandschaft. Deshalb war ich sofort begeistert über die erneute Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Exzellenzcluster“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider. Die „Goethe Lectures Offenbach“ stellten ein herausragendes Beispiel für die Übermittlung von wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen in die Bürgerschaft dar. „Dass wir dem Exzellenzcluster hierfür nun ein Podium außerhalb Frankfurts bei uns in Offenbach bieten können, freut mich und zeigt deutlich, dass Offenbach als interessanter und kreativer Standort in der Region und darüber hinaus wahrgenommen wird.“

„Es ist schön, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität so intensiv an gesellschaftlich relevanten Fragen arbeiten und dabei die Regionalgesellschaft aktiv mit einbinden“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Für die Goethe-Universität und den Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ sind regionale Kooperationen, wie jetzt die ‚Goethe Lectures Offenbach‘, ein wichtiges Resonanzfeld.“

Auftaktredner ist Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 21. Mai um 19.00 Uhr dem Thema „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“. Burnout, so Neckel, tritt als ein subjektives Leid auf, in dem sich über individuelle Notlagen hinaus gesellschaftliche Probleme insbesondere des modernen Berufslebens dokumentieren. Als ein meist arbeitsbedingtes Erschöpfungssyndrom sind die Ursachen von Burnout in den Belastungsfaktoren eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen, der vom Einzelnen hohe berufliche Einsatzbereitschaft, starke Identifikation mit der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbststeuerung bei der Lebensbewältigung erwartet.

Ausgehend von der soziologischen Betrachtungsweise von subjektivem als sozialem Leid wird im Vortrag die Wettbewerbsgesellschaft der Gegenwart als eine Sozialordnung analysiert, die Erschöpfungssyndrome dadurch hervorbringt, dass sie die Individuen in eine permanente Sorge um die eigene Leistungsfähigkeit zwingt. Als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes kann Burnout aber auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden. Die öffentliche Debatte um Burnout trägt zur Herausbildung einer neuen Rechtfertigungsordnung des Kapitalismus bei, die unter dem Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ verspricht, schonender auch mit subjektiven Ressourcen umzugehen.

Sighard Neckel ist auch Mitglied des Kollegiums des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ungleichheitsforschung, die Wirtschaftssoziologie, die Emotions- und Kulturforschung sowie die Gesellschaftsanalyse des Finanzmarktkapitalismus. Zum Thema "Burnout" erschien zuletzt gemeinsam mit Greta Wagner "Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft" (Suhrkamp, Berlin 2013).

Die weiteren Termine (jeweils um 19.00 Uhr im Klingspor-Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach; der Eintritt ist frei):

23. Juni 2015: „Wer hat die Macht im Internet?“
Dr. Matthias C. Kettemann, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Rechtswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Menschenrechtliche Implikationen der Informationsgesellschaft

12. Oktober 2015: „Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien“
Prof. Dr. Annette Imhausen, Mitglied des Exzellenzclusters, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt an der Goethe-Universität

26. November 2015: „Banken und Menschenrechte – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
Dr. Manuel Wörsdörfer, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Wirtschafts- und Unternehmensethik

Weitere Informationen:

Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Veranstaltungen

Mai 13 2015
16:25

Frühlingsfest im neuen Wissenschaftsgarten auf dem naturwissenschaftlichen Campus. Sonntag, 17. Mai, ab 11 Uhr

Goethe-Universität feiert auf dem Riedberg

FRANKFURT. Im Zuge der 100-Jahr-Feierlichkeiten der Goethe-Universität wurde der neue Wissenschaftsgarten auf dem Riedberg eröffnet. Der „botanische Garten“ der Universität mit seinen rund 1.500 Pflanzenarten dient der naturwissenschaftlichen Lehre und Forschung und umfasst unter anderem ein großes Gewächshaus und den rund 3 Hektar großen Freilandbereich. Am kommenden Sonntag feiert die Universität ihr Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten. Alle Bürger der Stadt, Anwohner, Studierende und Mitarbeiter sind herzlich eingeladen.

Ein reichhaltiges Programm mit Führungen zu Kunst & Natur rund um den Wissenschaftsgarten wartet auf die Besucher. Die Themen reichen von „Die Honigbiene – Bestäubung für die Forschung“ über „Ökologie und Nutzungsmöglichkeiten von Pilzen“ bis hin zu „Eichen für den Wald der Zukunft“.

Für Essen und Trinken sowie musikalische Unterhaltung ist gesorgt. Bei Regen werden die Gäste im Gewächshaus begrüßt. Der Campus Riedberg ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (U8 u. U9, Haltestelle „Uni-Campus Riedberg“).

Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten Campus Riedberg. Sonntag, 17. Mai, 11-17 Uhr.

Führungen zum Garten (Dauer jeweils ca. 50 Minuten)
13 und 15 Uhr: Führung durch den Arzneipflanzengarten (Ilse Zündorf); 14 Uhr Führung durch den Wissenschaftsgarten; (Robert Anton, Susanne Pietsch, Georg Zizka).

Informationsstände
(13-15 Uhr)
"Eichen für den Wald der Zukunft" (Abteilung Prof. Brüggemann); "Lebloser Waldboden?" und "Von der Vielfalt der Pflanzenfarbstoffe": Close to Science - Untersuchen und Experimentieren am Mitmachstand der Didaktik der Biowissenschaften (Abteilung Prof. Dierkes); "Boden und Gesteine" (Fachbereich Geowissenschaften/Geographie); "Die Honigbienen der Goethe Universität - Bestäubung für die Forschung" (Abteilung. Prof. Grünewald); "Ökologie und Nutzungsmöglichkeiten von Pilzen" (Abteilung Prof. Piepenbring).

Veranstaltungen

Mai 13 2015
15:56

Internationales Sommerseminar für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte findet erstmals in Frankfurt statt

Waffen und Gesetze beim römischen Militär

FRANKFURT. Das Militär in der römischen Antike steht im Mittelpunkt des dreitägigen Internationalen Sommerseminars für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte, das vom kommenden Donnerstag (Christi Himmelfahrt) an im Gästehaus der Goethe-Universität stattfindet. Unter dem Titel „Arma et Leges – Rechtliche Aspekte des römischen Militärwesens“ beschäftigen sich Professoren und Studierende aus fünf europäischen Ländern mit den juristischen Dimensionen des historischen Soldatenalltags. Thematisiert werden unter anderem  Militärdiplome und die damit verbundenen Bürgerrechtsverleihungen (Prof. Dr. Eva Jakab, Szeged/Ungarn), das Militärstrafrecht (Steffen Jauß, Frankfurt), Soldatentestamente (Matthias Bieniakonski, Mainz), aber auch die Bedeutung der Vorstellung von einem gerechten Krieg für das Privatrecht (Henrik Held, Zagreb/Kroatien) oder der Umgang mit der Kriegsbeute (Dr. Kirsten Jahn, Magdeburg). Den Eröffnungsvortrag hält Dr. Carsten Amrhein, der Direktor des Saalburgmuseums, über „Leben an der Grenze – Römischer Soldatenalltag in der Provinz“. Das Seminar umfasst auch eine Exkursion zum Römerkastell Saalburg mit Führung durch den Direktor und Abendessen in der Taberna sowie einen rechtshistorischen Stadtrundgang durch Frankfurt.

Das Internationale Sommerseminar für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte wurde Mitte der 90er Jahre vom inzwischen emeritierten österreichischen Rechtshistoriker Prof. Dr. DDr. h.c. Gerhard Thür ins Leben gerufen. Anlass waren die damaligen politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa, die auch mit Veränderungen in der akademischen Welt einhergingen. Der Frankfurter Rechtshistoriker Prof. Dr. Guido Pfeifer ist seit 2007 Mitveranstalter der Reihe. Das Sommerseminar findet in diesem Jahr erstmals in der Mainmetropole statt. Frankfurt ist inzwischen zu einem Zentrum der international profilierten rechtshistorischen Kompetenz geworden: Neben dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, einer der weltweit führenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Rechtsgeschichte, existiert an der Goethe-Universität das größte rechtshistorische Institut aller deutschen Universitäten.

Informationen: Professor Dr. Guido Pfeifer, Telefon +49 (0)69  798 34327, E-Mail: pessoa@jur.uni-frankfurt.de 

Personalia/Preise

Mai 13 2015
15:55

Früherer Rektor der Goethe-Universität, Prof. Walter Rüegg, im Alter von 97 Jahren gestorben

Pionier der Universitätshistorie

FRANKFURT. Walter Rüegg ist tot. Wie die Goethe-Universität erst jetzt erfuhr, starb ihr früherer Universitätsrektor am 29. April im Alter von 97 Jahren.

1961 war der Schweizer Rüegg auf eine ordentliche Professur für Soziologie an die Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät berufen worden: „Der Kontakt zu Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die am benachbarten Institut für Sozialforschung wirkten, blieb distanziert“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am 5. Mai 2015 in einem Nachruf. „Die offene Konfrontation zwischen einer bürgerlichen Gesellschaftslehre und einer marxistischen Soziologie vermied Walter Rüegg“.

Vielleicht war es auch dieses Bedürfnis nach Ausgleich zwischen Extrempositionen, das ihn in den sehr bewegten Jahren zwischen 1965 und 1970 als Rektor der Goethe-Universität Frankfurt wählbar machte. Wenig später (1967/68) versuchte er, als Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz hochschulpolitische Reformen zu initiieren: Auch in diesem anspruchsvollen Amt „vertraute der am humanistischen Ideal Geschulte auf die Kraft des Dialogs“, so die NZZ.

Früh hatte sich Rüegg als Wissenschafts- und Bildungshistoriker profiliert.  Mit seiner Arbeit „Geschichte der Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung des Humanismus“ erhielt er 1950 die Lehrbefugnis an der Universität Zürich – ein Thema, das er sehr viel später wieder aufgreift und zur Vollendung führt: Unter seinen Werken sticht die vierbändige «Geschichte der Universität in Europa» heraus (1993–2010) heraus.

In einem Interview aus dem Jahr 2008 bekannte Rüegg, der in der Fachwelt als ein Pionier der Universitätshistorie gilt, er habe mit seiner Universitätsgeschichte auch mit Legenden aufräumen wollen, die sich um abendländische Universitätsgründungen ranken: „Der Forschungsbereich „Universitätsgeschichte“ etablierte sich erst im letzten Halbjahrhundert  als eigenes Fach und räumte mit früheren Legenden auf. Die Universität Bologna hat 1888 ihre Gründung im Jahre 1088 regelrecht erfunden. Man fand in einem mittelalterlichen  Dokument, dass gegen Ende des 11. Jahrhunderts  zwei Juristen in Bologna lehrten, und nahm  das als Beweis für die Existenz einer Art Universität. Für das Datum gab es allerdings keinerlei Belege. Aber schon im Mittelalter konstruierten Universitäten ihre Gründungsgeschichte, um zu beweisen, dass es sich um keine moderne Einrichtung handelte, sondern dass sie bereits in einer Tradition stand: so behauptete man etwa in Paris, Karl der Große habe sie eingerichtet oder in Oxford Alfred der Große“, so Rüegg.

„Mit Walter Rüegg verlieren wir einen Hochschulreformer, der schon Mitte der 1960er Jahre mehr universitäre Eigenverantwortung forderte und sie - gemeinsam mit der Hessischen Rektorenkonferenz - auch erreichte. Und wir verdanken ihm ein neues Forschungsgebiet: die universitätshistorische Forschung“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Er hat der Goethe-Universität in entscheidenden Jahren ihrer Entwicklung viel gegeben. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.“

Forschung

Mai 13 2015
10:48

Children’s Worlds Studie veröffentlicht Ergebnisse

Wo leben die glücklichsten Kinder?

FRANKFURT/LONDON/ZÜRICH. Mehr als 50.000 Kinder wurden in 15 verschiedenen Ländern zu Erfahrungen, Perspektiven und Wohlbefinden befragt. Die Children’s Worlds Studie, in der Acht- bis Zwölfjährige in so unterschiedlichen Ländern wie Nepal und Norwegen, Äthiopien und Israel oder Deutschland und Südkorea direkt befragt wurden, ist bislang einzigartig. Der Bericht, der heute veröffentlicht wird, bringt wichtige Erkenntnisse, die zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern auf der ganzen Welt genutzt werden können. Die Jacobs Foundation hat dieses fortlaufende, internationale Projekt während der letzten drei Jahre gefördert.

Kinder erleben große Unterschiede. In  europäischen Ländern sind sie zufriedener mit ihren Freundschaften, während Kinder aus afrikanischen Ländern tendenziell glücklicher mit ihrem Schulleben sind. Kinder in nordeuropäischen Ländern hingegen sind insbesondere unzufrieden mit ihrem Aussehen und ihrem Selbstbewusstsein. Die Mehrheit der 53.000 befragten Kinder in allen 15 Ländern bewertet ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn in der Gesamtheit als positiv. Allerdings variiert der prozentuale Anteil der Kinder mit sehr hohem Wohlbefinden: Demnach rangieren die Türkei mit 78 % sowie Rumänien und Kolumbien mit 77 % ganz vorne, während in Südkorea nur 40 % ein hohes Wohlbefinden haben. Der Prozentsatz des niedrigen Wohlbefindens liegt bei 2 % in Rumänien und Kolumbien und wiederum bei über 7% in Südkorea und Südafrika.

Das Wohlbefinden der Kinder in Deutschland

Für die deutschen Ergebnisse hebt Studienleiterin Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt hervor: „Kinder in Deutschland sind im hohen Maße mit ihren Freundinnen und Freunden zufrieden. Mit Blick auf die Erwachsenen ist ihnen wichtig, dass sie ernst genommen und einbezogen werden. Generell sinkt das Wohlbefinden bei den Zwölfjährigen, vor allem Mädchen sind weniger zufrieden mit ihrem Aussehen. Im Vergleich zu anderen Ländern zeigt sich außerdem, dass Kinder in Deutschland weniger über ihre Rechte und die Kinderrechtskonvention wissen.“

Neben diesen Ergebnissen gibt die Studie auch Auskunft über grundlegende Aspekte wie Familie, Freundschaften, Geld und Besitz, Schulleben, Wohnumgebung, Freizeit und Zeitnutzung, persönliches Wohlbefinden und Kinderrechte. Hiermit liegen wichtige Informationen für Politik, Pädagogik und Wissenschaft vor.

Simon Sommer, Head of Research bei der Jacobs Foundation, betont die Bedeutung für die verschiedenen Handlungsfelder: „Wir sind hocherfreut, den ersten Bericht dieser neuen internationalen Studie vorzustellen. Die Stiftung ist stolz darauf, ein Teil davon zu sein, komplexe Forschung zugänglicher zu machen und dem Ziel eines besseren Verständnisses der kindlichen Lebenswelt durch die eigene Perspektive der Kinder, einen Schritt näher gekommen zu sein. Durch innovative Forschungsprojekte wie dieses möchten wir den Transfer von Forschung in die Praxis stärken und Impulse für politische Entscheidungsträger und Vertreter der Gesellschaft liefern.“ Die Ergebnisse bieten vielfältige Einsichten in globales Kinderleben.

Alters- und Geschlechterunterschiede

In Europa und Südkorea verringert sich das Wohlbefinden von Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren, während in anderen Ländern, wie zum Beispiel Israel und Äthiopien, keine Altersunterschiede sichtbar wurden. Das Geschlecht beeinflusste zwar nicht die Gesamtzufriedenheit, aber es wurden signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, Aussehen und Selbstbewusstsein in Europa und Südkorea aufgedeckt, die so in weiteren asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen Ländern nicht vorherrschen.

Mit wem Kinder zusammen wohnen

Auch die Wohn- und Familienformen sind international vergleichend interessant: Während mehr als die Hälfte der Kinder in Nepal (61 %) in einem Haushalt, der aus mindestens einem Elternteil und einem Großelternteil besteht, wohnen, berichten in England, Norwegen und Israel weniger als 10 % von einem Drei-Generationen-Haushalt. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Kinder einiger europäischer Länder zwei Wohnsitze als ihr Zuhause bezeichnen. Dies trifft auf über 10 % der Kinder in Norwegen, England und Estland zu – solch ein Familienmodell ist nur selten in anderen Ländern dieser Studie aufzufinden.

Hausaufgaben in Estland – sich um Geschwister kümmern in Nepal

Zwischen den Ländern wurden beachtliche Unterschiede gefunden, auf welche Weise Kinder ihre Zeit verbringen. Zum Beispiel bringen Kinder in Estland mehr Zeit für ihre Hausaufgaben auf als in Südkorea und England. Kinder in Polen, Norwegen und Israel widmen sich eher sportlichen Aktivitäten. Kinder in einigen Ländern, einschließlich Algerien, Nepal und Südafrika, verbringen hingegen sehr viel mehr Zeit damit, sich um ihre Geschwister oder andere Familienmitglieder zu kümmern als in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland, in der Türkei und in Südkorea.

Kinderrechte

Abschließend ist auf große Unterschiede bezüglich des Wissens und der Umsetzung der Kinderrechte innerhalb der 15 Länder hinzuweisen. Mehr als drei Viertel (77 %) der Kinder in Norwegen äußerten, dass sie die Rechte von Kindern kennen im Vergleich zu 36 % der Kinder im Vereinigten Königreich.  Darüber hinaus stimmten 84 % der Kinder in Norwegen zu, dass Erwachsene in ihrem Land die Rechte von Kindern respektieren im Vergleich zu weniger als 50 % der Kinder in sieben anderen Länder. Asher Ben-Arieh (Jerusalem), einer der Untersuchungsleiter und der Vorsitzende der International Society of Children’s Indicators, bemerkt: „Dieser Bericht ist der Höhepunkt vieler Jahre Arbeit an einem vertieften Verständnis für die Perspektive von Kindern, über ihre Lebenswelt und ihr Wohlbefinden. Die Studie „Children’s Worlds“ füllt eine Lücke der internationalen Forschung. Unsere Arbeit beweist, dass es möglich und wertvoll ist, Kinder zu fragen, was sie von ihrem Leben halten.  Wir möchten den 53.000 Kindern der 15 Länder, die bislang an dem Forschungsprojekt mitgewirkt haben, dafür danken, dass sie uns ihre Ansichten und Erfahrungen mitgeteilt haben. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede zwischen den Ländern, aber auch innerhalb der einzelnen Länder. Der Bericht beinhaltet wichtige Botschaften für Entscheidungsträger, Praktiker, Eltern und all diejenigen, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beschäftigen.“

Ergebnisse des Berichts werden heute der Versammlung des Europäischen Parlaments in Brüssel und im Laufe des Jahres 2015 auf vielen Konferenzen weltweit präsentiert. Dies ist der erste Bericht der gegenwärtigen Befragungswelle. Innerhalb dieser Welle nehmen noch weitere fünf Länder an der Studie teil. Im Laufe des Jahres werden weitere Berichte, einschließlich Befunde für achtjährige Kinder, veröffentlicht.

Weitere Informationen

Bei Rückfragen oder Anfragen zur internationalen Erhebung: www.isciweb.org
Asher Ben-Arieh, Hebrew University of Jerusalem: asher@haruv.org.il

Bei Rückfragen oder Anfragen zur deutschen Erhebung: Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt: S.Andresen@em.uni-frankfurt.de; Johanna Wilmes, Goethe-Universität Frankfurt: wilmes@em.uni-frankfurt.de

Pressekontakt der Jacobs Foundation: Alexandra Güntzer, Head of Communication, Tel.: +41 (0) 44 388 61; alexandra.guentzer@jacobsfoundation.org

Veranstaltungen

Mai 13 2015
10:44

Im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität werden die Lebensstationen von Jürgen Habermas beleuchtet

Kluge Mahnung aus Frankfurt

FRANKFURT. Jürgen Habermas ist weltweit einer der wichtigsten zeitgenössischen Philosophen und Soziologen. Nach der Promotion in Bonn machte er sich durch seine journalistische Tätigkeit einen Namen, etwa mit einer eindrucksvollen Kritik an Martin Heidegger. 1956 kam er als Forschungsassistent von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno ans Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Es waren diese Frankfurter Nachkriegsjahre, die für seine philosophische Entwicklung und intellektuelle Prägung von bleibender Bedeutung werden sollten.

Der Vortrag von Prof. em. Stefan Müller-Doohm bietet einen Rückblick auf die Lebensstationen eines Gelehrten, mit dem man es sich zu einfach machte, wenn man ihn als Repräsentanten einer „Zweiten Generation“ Kritischer Theorie etikettierte. Stellvertretend für eine ganze Nation spiegelt sich auch in der Biografie von Jürgen Habermas etwas Grundsätzliches über die Entwicklung Deutschlands wieder. Prof. em. Müller-Doohm lehrte von 1974 bis 2008 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Soziologie und ist u.a. Autor der 2014 erschienenen Habermas-Biografie.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Kluge Mahnung aus Frankfurt – Jürgen Habermas
Referent: Prof. em. Stefan Müller-Doohm

Zeit: Montag, 18. Mai 2015, um 19.30 Uhr
Ort: 
Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 12 2015
12:16

Neurobiologin Amparo Acker-Palmer erhält ERC Advanced Grant/ 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre

Wie „sprechen“ Nervenzellen und Blutgefäße miteinander?

FRANKFURT. Nervenzellen und Blutgefäße durchziehen den Körper oft Seite an Seite. Das bemerkte schon der flämische Anatom Andreas Vesalius im 16. Jahrhundert. Erst in den letzten zehn Jahren haben Forscher entdeckt, dass das Wachstum neuronaler und vaskulärer Netzwerke von denselben Molekülen gesteuert wird. Prof. Amparo Acker-Palmer, eine Pionierin auf diesem Gebiet, wird nun erstmals die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Blutgefäßzellen im Gehirn untersuchen. Dabei erhofft sie auch neue Erkenntnisse für die Therapie von Demenz und psychischen Erkrankungen. Der Europäische Forschungsrat fördert das Vorhaben mit einem Advanced Investigator Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren.

„Am interessantesten ist das Zusammenspiel von Nervenzellen und Blutgefäßen in der Hirnrinde. Bisher wissen wir wenig darüber, wie Neuronen mit den Endothelzellen im Inneren der Blutgefäße kommunizieren, damit sich das Gehirn richtig entwickeln und funktionieren kann“, erklärt Amparo Acker-Palmer. Sie will darum zunächst das schichtweise Wachstum der Gehirnrinde während der embryonalen Entwicklung untersuchen. Denn hier wachsen die neuronalen Strukturen von innen nach außen, während die Blutgefäße sich in umgekehrter Richtung von der Oberfläche her nach innen ausbreiten. Da beide Wachstumsprozesse aufeinander abgestimmt sind, vermutet Acker-Palmer, dass sie von denselben Signalmolekülen gesteuert werden. Acker-Palmer möchte nun untersuchen, inwiefern eine fehlerhafte Abstimmung dieser Signalkaskaden zu kognitiven Störungen beitragen kann.

Als Modellorganismen verwendet ihre Arbeitsgruppe genetisch veränderte Mäuse und Zebrafische. Letzte sind durchsichtig, so dass sie lebend mit modernsten Licht-Mikroskopen untersucht werden können. Hochauflösende Elektronenmikroskope sollen außerdem dazu eingesetzt werden, die besonders engen Verbindungen zwischen Endothelzellen der Blutkapillaren und der Gliazellen an der Blut-Hirn-Schranke zu untersuchen. Gliazellen sind Nervenzellen, die sich um die Blutkapillaren wickeln und verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blut in die Hirnzellen eindringen. Acker-Palmer möchte mit ihrer Arbeitsgruppe die molekularen Signalwege an dieser entscheidenden Stelle entschlüsseln. „Wenn es uns gelingt, in den Mechanismus einzugreifen, um die Blut-Hirn-Schranke zeitweise zu öffnen, können wir Wirkstoffe einschleusen und somit neue Ansatzpunkte zur Therapie von Demenz oder psychiatrischen Erkrankungen finden“, so die Neurobiologin.

Amparo Acker-Palmer, geboren 1968 in Sueca, Valencia, Spanien, studierte Biologie und Biochemie an der Universität von Valencia, wo sie 1996 promovierte.  Danach ging sie als Postdoktorandin an das Europäische Molekularbiologische Labor (EMBL) nach Heidelberg. 2001 wechselte sie als Leiterin einer selbstständigen Nachwuchsgruppe für Signaltransduktion an das Max-Planck-Institut für Neurobiologie nach Martinsried bei München. 2007 wurde sie an das Exzellenzzentrum „Makromolekulare Komplexe“ der Goethe-Universität Frankfurt berufen. Seit 2011 ist Acker-Palmer Leiterin der Abteilung Molekulare und Zelluläre Neurobiologie beim Fachbereich Biowissenschaften der Goethe Universität Frankfurt. 2012 erhielt sie ein Gutenberg Forschungskolleg(GFK)-Fellowship von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und ist eine der leitenden Wissenschaftlerinnen des Rhine-Main Neuroscience Network (rmn2). 2014 wurde Acker-Palmer zum Max-Planck-Fellow am MPI für Hirnforschung in Frankfurt berufen.  Amparo Acker-Palmer ist Mitglied der Deutschen Akademie für Naturforscher Leopoldina und der Academia Europaea. 2010 wurde sie mit dem Paul Ehrlich-Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55539781

Bildtexte

Prof. Amparo Acker-Palmer.

Mäuse-Gehirn: Das hier dargestellte mikroskopische Bild eines Mäusegehirns zeigt das enge Zusammenspiel zwischen Neuronen (grün), Astrozyten (blau) und Blutgefäßen (rot) im Gehirn. Die verschiedenen Zellpopulationen treten in einem spezifischen Muster auf und interagieren mit den Nachbarzellen.

Zebrafisch: Mikroskopiebild des Blutkreislaufsystems einer drei Tage alten Zebrafischlarve. Das linke Bild zeigt die Seitenansicht des Kopfes, das mittlere Bild den Rumpf und das rechte Bild die Rückenansicht des Kopfes. Mit Hilfe von fluoreszierenden Reportergenen erkennt man, dass die Blutgefäße (grün) zu diesem Zeitpunkt voll ausgebildet sind. Ebenfalls sieht man die einzelnen Blutzellen (rot) in den Blutgefäßen zirkulieren.

Informationen:  Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Buchmann-Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mai 12 2015
10:50

Biologin Stefanie Dimmeler erhält ERC Advanced Grant/ 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre

Von Herzinfarkt bis Krebs: Welche Rolle spielen lange nicht-kodierende RNAs?

FRANKFURT. Etwa 70 Prozent unserer Gene sind die Blaupause für Biomoleküle, deren Funktion gerade erst entdeckt wird: die nicht-kodierenden RNAs. Statt in Proteine übersetzt zu werden, übernehmen sie vermutlich Steuerungsfunktionen im Körper. Stefanie Dimmeler konnte als eine der ersten Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass die Untergruppe der mikro-RNAs bei der Regeneration von Blutgefäßen eine Rolle spielt. Vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält sie nun den begehrten ERC Advanced Investigator Grant, um eine weitere große Gruppe von nicht-kodierenden RNAs zu untersuchen. Sie vermutet, dass diese an der Entstehung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebserkrankungen beteiligt sind. Der ERC bewilligte ihr 2,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre.

„Wenn Sie mich fragen, was den Menschen in seiner evolutionären Entwicklung besonders macht, würde ich sagen: Es sind die mehr als 30.000 nicht-kodierenden RNAs, die wir sonst nur mit den Primaten teilen“, sagt Stefanie Dimmeler. Aus der Sicht ihres Forschungsgebiets, der kardiovaskulären Regeneration, fällt besonders auf, dass Gefäßerkrankungen wie die den Herzinfarkt auslösende Arteriosklerose in ihrer typischen Form nur beim Menschen auftritt. Vieles deutet darauf hin, dass lange, nicht-kodierende RNAs, kurz lncRNAs, diese Krankheitsprozesse steuern. Sie wirken auf die Innenschicht der Blutgefäße, die sogenannten Endothelzellen, und tragen dazu bei, dass die Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Die Techniken zum Aufspüren der lncRNAs und deren komplexen Funktionen sind weitaus komplizierter als der Nachweis von Proteinen. Dimmeler hat mit ihrer Arbeitsgruppe zwei Kandidaten identifiziert, Angiolnc1 und Angiolnc2, welche die Funktion der  Endothelzellen regulieren. Nun möchte sie die molekularen epigenetischen Mechanismen untersuchen, über die diese beiden lncRNAs Gefäßerkrankungen auslösen und steuern. Ziel dieser Forschungsarbeiten ist, neue Behandlungsansätze zur Verhinderung der Arteriosklerose zu identifizieren, um darüber das Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu verringern.

Im dritten Teil ihres Projekts untersucht Stefanie Dimmeler, inwieweit ringförmige lncRNAs, die nach ihrer Freisetzung ins Blut besonders geschützt sind, sich als Biomarker für die Erkennung von Erkrankungen des Blutgefäßsystems oder Herzens eignen. Dazu will sie mit ihrer Gruppe Tests entwickeln, mit denen die Biomoleküle im Blut von Patienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen werden können.

Prof. Stefanie Dimmeler, Jahrgang 1967, studierte Biologie an der Universität Konstanz, wo sie 1993 promovierte. Nach zwei Jahren als wissenschaftliche Assistentin an der Universität zu Köln wechselte sie an die Goethe-Universität, wo sie sich 1998 im Fach Experimentelle Medizin habilitierte. 2001 nahm sie einen Ruf auf die Professur für Molekulare Kardiologie an der Goethe-Universität an. Seit 2008 ist sie Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration im Zentrum für Molekulare Medizin. Sie ist Co-Sprecherin des DFG-geförderten Exzellenzclusters „Kardio-Pulmonäre Systeme“, des vom Land Hessens geförderten „LOEWE Zentrums für Zell- und Gentherapie“ und des BMBF-geförderten Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) am Standort Rhein-Main. Sie ist Mitglied im Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe sowie mehrerer Sonderforschungsbereiche. Von 2008 bis 2012 war sie Mitglied des Deutschen Ethikrates. Stefanie Dimmeler erhielt zahlreiche Forschungspreise, darunter den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Ernst Jung-Preis für Medizin.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55538604

Bildtexte

Prof. Stefanie Dimmeler.

Blutgefäße: Aufnahme von Blutgefäßen im Herzen (rot gefärbt). Das große Gefäß ist umgeben von kleinen Gefäßen (Kapillaren). Die Zellkerne sind blau dargestellt, die Nervenzellen grün. 

Informationen:  Prof. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration, Campus Niederrad, Sekretariat: Claudia Herfurth, Tel.: (069) 6301-6667, herfurth@med.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Mai 8 2015
15:47

Die Deutschen reagieren bislang gelassen auf den Streik der GDL. Aber ein Einverständnis mit den Zielen der Gewerkschaft lässt sich daraus nicht ableiten, so der Politikwissenschaftler Claudius Wagemann

Gelernt, mit dem Streik umzugehen

FRANKFURT. Der sechstägige Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) legt noch bis kommenden Sonntag weite Teile des Personen- und Güterverkehrs in Deutschland lahm. Der Politikwissenschaftler Prof. Claudius Wagemann zeigt sich aber überrascht vom Umgang der Bevölkerung mit der Ausnahmesituation: „Die Deutschen, die an sich nicht sehr streikerfahren sind, gehen damit recht gelassen um.“ Allerdings sei mit dem bereits achten Streik dieser Art die traditionelle „Gewerkschaftsfreundlichkeit“ der Mehrheit der Bevölkerung an ihre Grenze gekommen. „Ich glaube nicht, dass der Protest von der breiten Bevölkerung noch ernst genommen wird.“

Interessant findet Wagemann, dass der GDL-Streik extrem personalisiert sei; Gewerkschaftschef Weselsky polarisiere die Öffentlichkeit. Hingegen sei die Diskussion um den Streik der Pilotenvereinigung Cockpit mit wesentlich weniger Polemik geführt worden. „Cockpit hat eben keinen Weselsky an der Spitze“, so Wagemann. Er bestätigt ferner die Analyse vieler Beobachter, dass sich hinter dem aktuellen Streik der Lokführer ein weitreichenderer Konflikt verberge, nämlich der um das geplante Tarifeinheitsgesetz. Die GDL befinde sich im Kampf gegen das Gesetz in einem strategischen Dilemma: Mit ihrem aktuellen Streik, der die Macht einer vergleichsweise kleinen Gewerkschaft  vor Augen führe, mache sie das Zustandekommen des Gesetzes eher noch wahrscheinlicher. Andererseits müsse sie sich aus Gründen des Selbsterhalts dagegen wehren.

Wagemann hebt aber hervor, dass die GDL mit ihrem Streik durchaus ein Zeichen setze gegen neoliberale Tendenzen in Wirtschaft und Gesellschaft. „Sie bricht mit ihrem Streik verkrustete Strukturen auf. Eine Monopolgewerkschaft wie der DGB steht dagegen solchen  Streikformen eher ablehnend gegenüber, weil man die Zersplitterung der Gewerkschaftsfront und damit verbunden den eigenen Machtverlust fürchtet.“

Der Politikwissenschaftler verortet den Konflikt in einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel: Er spricht von einer „institutionellen Sklerosis“. Parteien, Gewerkschaften und Verbände verlören zunehmend Mitglieder und büßten Zustimmung seitens der Gesellschaft ein. Neue Formen des Protestes und der Beteiligung träten auf den Plan. „Bewegungen wie Blockupy, die besonders junge Leute über Social Media ansprechen, füllen gewissermaßen dieses Vakuum.“ Besonders die Gewerkschaften drohten den Anschluss zu verlieren, indem sie große gesellschaftliche Debatten über die Zukunft der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Sozialismus den neuen Protestkulturen überließen.

Kontakt: Prof. Dr. Claudius Wagemann, Professur für Gesellschaftswissenschaften, Schwerpunkt Methoden der Qualitativen Empirischen Sozialforschung, Institut für Politikwissenschaft. Tel. (069) 069/798-36647;  methoden-qualitativ@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 8 2015
11:47

Der Frankfurter Mediävist wird für seine Arbeiten über die Auswirkungen der Hirnforschung auf die Geschichtswissenschaft ausgezeichnet

Carl Friedrich Gauß-Medaille für Prof. Johannes Fried

FRANKFURT. Der renommierte Frankfurter Mediävist Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried wird heute Nachmittag in Braunschweig mit der Carl Friedrich Gauß-Medaille 2015 der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft ausgezeichnet. Der 73-Jährige erhält die Auszeichnung in Würdigung „seiner wegweisenden Arbeiten zur Umformung menschlicher Gedächtnisleistungen und ihres Niederschlags in historischen Quellen“, heißt es in der Pressemitteilung der Gesellschaft.

Den Historiker, zu dessen Forschungsschwerpunkten das Früh- und Hochmittelalter sowie die Geschichte von Bildung und Wissen mit Erinnern und Vergessen im Mittelalter zählen, beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit den Auswirkungen der Hirnforschung auf die Geschichtswissenschaft. Er ermuntert die Historiker, nicht nur zu erforschen, wie es war, sondern auch, wie Erinnerungskulturen funktionieren. Die Geschichtswissenschaft habe schriftlichen Zeugnissen allzu oft vertraut, so Fried, ohne die Erinnerungsfähigkeit der Zeugen zu überprüfen. Die Mediävisten müssten ihre Quellen ganz besonders unter die Lupe nehmen, denn häufig hätten Zeugen erst Jahrzehnte später ihre Erinnerungen aufgeschrieben. Nicht zuletzt um einen Umdenkungsprozess anzustoßen, sucht Fried auch immer wieder den Kontakt zu den Kognitionswissenschaftlern.

In seinem 2004 erschienenen Buch „Der Schleier der Erinnerung“ geht Fried intensiv auf das Problem ein, dass unser Gedächtnis für Ereignisse und Tatsachen unzuverlässig ist. In jahrzehntelanger Arbeit hat er die relevante neurowissenschaftliche Literatur zusammengetragen, die das Faktum belegt. „Kein Übersichtsartikel eines professionellen Hirn- oder Kognitionswissenschaftlers könnte zum Thema gründlicher und autoritativer sein“, schrieb der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Christoph von der Malsburg in einer Rezension. Fried schildert in seinem methodologischen Hauptwerk ausführlich verschiedene gedächtnisverfälschende Faktoren an entsprechenden Beispielen aus der Geschichte. In der Würdigung der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft heißt es: „Seine Darstellungen zur früh- und hochmittelalterlichen europäischen und deutschen Geschichte sind beispielhaft in ihrer literarischen Qualität und entfalten eine Wirkung weit über die Fachwelt hinaus. Seine innovativen Interpretationen historischer Schlüsselquellen stellen immer wieder gewohnte Sichtweisen in Frage.“

Im Herbst 2013 erzielte Fried mit einer umfassenden Biografie zu Karl dem Großen, dem berühmtesten Herrscher des Mittelalters, bei Historikern wie Geschichtsinteressierten hohe Aufmerksamkeit. Der Frankfurter Professor zieht in seinem „Opus magnum“, das ein Jahr vor dem 1200. Todestag des Herrschers erschien, alle historischen Register, spürt anhand von Quellen und Artefakten, Indizien und Analogieschlüssen Karl nach, lässt Wissen, modernste Methoden der Gedächtnisforschung und die schöpferische Intuition ineinander spielen, um ein Zeitalter und eine Herrschergestalt zum Leben zu erwecken.

Johannes Fried hat an der Universität Heidelberg Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaften studiert. Nach seiner Habilitation 1977 war er von 1980 bis 1982 Professor an der Universität zu Köln und folgte dann einem Ruf auf die Professur für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität. Von 1996 bis 2000 war der Mediävist Vorsitzender des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. 1995 forschte Fried als Fellow des berühmten „Institute for Advanced Studies“ in Princeton (USA). Er ist Mitglied in zwei nationalen und zwei internationalen wissenschaftlichen Akademien. 2006 wurde er von der Deutschen Akademie für Sprache mit dem Sigmund-Freud-Preis für Wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet, 2008 verlieh ihm die RWTH Aachen die Ehrendoktorwürde.

Die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft ist eine traditionsreiche Gelehrtengesellschaft des Landes Niedersachsen. Sie fördert durch eigene Tätigkeit und in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen im In- und Ausland die Wissenschaften, insbesondere das Zusammenwirken von Naturwissenschaften, Technischen Wissenschaften und Geisteswissenschaften. Seit 1949 vergibt sie die Gauß-Medaille in der Regel einmal jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen.

Veranstaltungen

Mai 7 2015
15:22

Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit der Stadt Offenbach startet mit vier Vorträgen

Medieneinladung: Goethe geht nach Offenbach

FRANKFURT/OFFENBACH. „Offenbach Goethe Lectures“ heißt ein neues Veranstaltungsformat, bei dem der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität mit der Stadt Offenbach zusammenarbeitet. Ziel der Reihe, die in diesem Sommersemester beginnt und im Jahr 2015 vier Veranstaltungen beinhaltet, ist die Intensivierung des Dialogs mit der Öffentlichkeit über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus. Die Vorträge finden im Offenbacher Klingspor-Museum statt. Damit möchte der Exzellenzcluster seine Kooperation mit regionalen Einrichtungen der Wissenserzeugung und -vermittlung weiter ausbauen.

Für die Stadt Offenbach besteht nach zwei bereits erfolgreichen Kooperationen mit dem Frankfurter Exzellenzcluster das Ziel, mit der neuerlichen Zusammenarbeit den Bekanntheitsgrad des Kreativ- und Designstandorts Offenbach in der Wissenschaftslandschaft weiter zu erhöhen, sowie den Wissenstransfer des Exzellenzclusters in die Stadtgesellschaft Offenbachs zu forcieren und damit auch wieder den Offenbacher Kultur- und Kreativschaffenden neue Ansätze zum Austausch zu geben. Mitveranstalter auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung und das Klingspor-Museum Offenbach.

Die Vortragenden aus den Reihen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes sind sowohl profilierte Professorinnen und Professoren als auch fortgeschrittene Nachwuchswissenschaftler, die mit ihren Schwerpunkten innovative Forschungsgebiete erschließen. In der ersten „Goethe Lecture Offenbach“ erörtert der Soziologie-Professor Sighard Neckel unter dem Titel „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“ am 21. Mai den Zusammenhang zwischen subjektivem Leid und gesellschaftlichen Problemen. Dabei wird Neckel auch der Frage nachgehen, ob Burnout als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden kann.

Hintergründe zur Idee der Gesamtreihe und Details zu einzelnen Vorträgen würden wir Ihnen gerne persönlich vorstellen. Wir laden Sie ganz herzlich ein zu einem

Mediengespräch
am Mittwoch, 13. Mai 2015, um 10.30 Uhr,
Ort: Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main

Teilnehmer: 

  • Jürgen Amberger, Amtsleiter Wirtschaftsförderung, Stadt Offenbach
  • Ria Baumann, Ansprechpartnerin Kreativwirtschaft, Wirtschaftsförderung, Stadt Offenbach
  • Prof. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität
  • Prof. Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität
  • Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters an der Goethe-Universität
  • Dr. Stefan Soltek, Leiter, Klingspor-Museum

Eine kurze Mitteilung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wäre sehr freundlich. Bitte per Mail an: bernd.frye@normativeorders.net

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Veranstaltungen

Mai 6 2015
16:53

„Rendezvous mit Chopin“: Ehrensenatorinnen der Goethe-Universität laden ein zu Konzert mit Pianistin Olga Scheps

Stuttgarter Kammerorchester gastiert auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Karin Giersch, Renate von Metzler und Johanna Quandt, Ehrensenatorinnen der Goethe-Universität, sind am 7. Mai die Gastgeberinnen eines „Rendezvous mit Chopin“ auf dem Campus Westend. Die Pianistin Olga Scheps und das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Johannes Klumpp spielen 

Chopins „Klavierkonzert Nr. 2 in f-Moll“, in dessen Zentrum das Klavier steht. Das Orchester begleitet dezent und unterstreicht Farben und Spannungsbögen. Die Begrüßung übernimmt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff.

Die drei Ehrensenatorinnen werden die Gäste des Abends um eine Spende bitten  zugunsten von Projekten, die den über 700 ausländischen Studierenden an der Goethe-Universität den Einstieg ins Studium erleichtern und sie zu einem erfolgreichen Studienabschluss führen sollen. Angebote wie Einführungsprogramme, Sprachkurse und Exkursionen sollen mithilfe von Spenden künftig noch ausgebaut werden.

„Rendezvous mit Chopin“. Olga Scheps u. Stuttgarter Kammerorchester.
Donnerstag, 7. Mai 2015, 19 Uhr. Casino, Campus Westend.

Medienvertreter sind herzlich zur Veranstaltung eingeladen. Sie erhalten selbstverständlich die Möglichkeit, mit den Organisatorinnen des Abends ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen: Nike von Wersebe, Gesamtorganisation. Tel. (069) 798-12234; wersebe@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 6 2015
11:05

Ein Workshop-Angebot für spät- und kurzentschlossene Abiturienten

„Schule aus - was nun? Was tun!“

FRANKFURT. Die Bewerbungsfrist für die meisten Studiengänge endet am 15. Juli 2015. Höchste Zeit also, wichtige Informationen zu Studieninhalten, Anforderungen, Studienplatzaussichten und den eventuellen Alternativen einzuholen. Für die Abiturientinnen und Abiturienten, die noch gar nicht wissen, was und ob sie studieren sollen, bietet die Zentrale Studienberatung der Goethe-Universität am Samstag, den 4. Juli 2015, ein besonderes Workshop-Angebot an: In kleinen Gruppen soll an Themen wie eigene Stärken und Werte oder Interessen- und Entscheidungsfindung gearbeitet werden. Dabei gibt es neben Hilfestellungen und Impulsen natürlich auch jede Menge Gesprächsmöglichkeiten mit Studierenden der unterschiedlichsten Fächer und zahlreiche Informationen zu Bewerbungs- und Zulassungsmodalitäten.

Mit diesem Workshop-Angebot reiht sich die Goethe-Universität ein in vergleichbare Veranstaltungen anderer hessischer Hochschulen, die Anfang Juli stattfinden und unter dem Motto - „Schule aus – Was nun? Was tun!“ - stehen. Die Angebote reichen dabei von Workshops und Infoständen über Vorträge und offenen Sprechstunden bis zu Gruppengesprächen und Einzelberatungen. Das Besondere: die Veranstaltungen finden meist nicht während der normalen Öffnungszeiten, sondern bis in den späten Abend hinein oder am Wochenende statt, so dass auch diejenigen, die jobben oder schon ein Praktikum machen, daran teilnehmen können.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit zum Workshop-Angebot der Goethe-Universität unter: www.uni-frankfurt.de/Studieninteressierte

Die Veranstaltungsformate der anderen hessischen Hochschulen können eingesehen werden unter: http://www.hochschullandschaft-hessen.de/

Kontakt: Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Campus Westend, Tel. (069) 798 18485, kummert@em.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Mai 5 2015
14:31

Wissenschaftsminister Boris Rhein eröffnete am 5. Mai zusammen mit Universitätspräsidentin Birgitta Wolff neues Seminarhaus auf dem Campus Westend

Gelungene Balance zwischen Funktion und Ästhetik

FRANKFURT. Eine Rekordbauzeit von nur zwei Jahren, errichtet in universitärer Eigenregie und im vorgesehenen Kostenrahmen – das neue Seminarhaus der Goethe-Universität hat zum Start des Sommersemesters am 13. April wie geplant seinen Betrieb aufgenommen; und es begeistert nicht nur wegen seiner spektakulären Farbgebung im Inneren und des großzügigen Raumgefühls. Auch außen ist das vom Frankfurter Architekten Ferdinand Heide geplante Gebäude ein weiterer architektonischer Meilenstein auf dem Campus Westend: Durch die asymmetrische Verteilung und Anordnung größerer und kleinerer Fenstergruppen und spektakuläre Mauereinlässe ergibt sich eine ausgesprochen spannende Textur der honiggelben Travertin-Fassade, die man in ähnlicher Weise bereits vom 2008 eröffneten Hörsaalzentrum in der Nachbarschaft kennt.

Anlässlich der offiziellen Eröffnung am 5. Mai zeigte sich der Hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein beeindruckt: „Hier ist ein wirklich sehr ansprechendes Gebäude entstanden, das auch durch seine Farbgestaltung im Inneren sehr heiter wirkt. Ich bin überzeugt, dass die Studierenden dieses Haus als eine echte Bereicherung für den Campus und ihren Studienalltag ansehen werden. Dass mit dem kompakten und energieoptimierten Gebäude ein weiterer Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz des Landes geleistet wird, ist dabei noch ein wichtiger Nebeneffekt.“

Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sagte: „Der Zuwachs an Seminarräumen ist ein Glücksfall für die Uni. In der Vergangenheit war die Raumnot zum Teil wirklich eklatant. Schön ist auch, dass unsere Bauabteilung hier unter Beweis stellen konnte, dass wir auch in Eigenregie pünktlich und im Kostenrahmen bauen können.“

Die Gebäude-Daten lassen erkennen, dass bei der Realisierung Gestaltung und Praxistauglichkeit in idealer Weise in Einklang gebracht wurden: Fast 4.200 Quadratmeter an Nutzfläche, 51 zusätzliche Seminarräume mit Flächen zwischen von 35 m² bis 144 m² lassen in Verbindung mit dem 2013 ebenfalls in universitärer Eigenregie fertiggestellten Seminarpavillon die Raumnot früherer Zeiten auf dem Campus Westend vergessen; die maximale Kapazität liegt bei fast 3.000 Personen. 11,5 Mio. Euro flossen aus dem von Bund und Ländern finanzierten Hochschulpakt 2020 in den Bau. Der Differenzbetrag zu den insgesamt rd. 23,4 Mio. Euro betragenden Gesamtkosten wurde aus QSL- und Heureka-Mitteln des Landes gedeckt. Besonders um die Verwendung der QSL-Mittel hatte es im Vorfeld intensive Diskussionen mit Studierendenvertretern gegeben. Letztlich aber befürworteten das Land und auch der Uni-Senat eine Verwendung der Mittel für ein Haus der Lehre. Das Seminarhaus war nötig geworden, um angesichts historisch hoher Studierendenzahlen an der Goethe-Universität den mit Bachelor und Master entstandenen Mehrbedarf an mittleren und kleinen Seminarräumen zu decken.

„Die Investitionen der Landesregierung lohnen sich in jeder Hinsicht und schaffen beste Rahmenbedingungen für die Hochschulen und die Studierenden. Mit dem neuen hessischen Hochschulpakt garantieren wir den Hochschulen auch für die Jahre 1016 bis 2020 Planungssicherheit und insgesamt 9 Milliarden Euro für die Hochschulfinanzierung“, erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Daten und Fakten:

Projektleitung und –steuerung:  Goethe-Universität Frankfurt, Abteilung Planen und Bauen,

Architektur: Büro Ferdinand Heide, Frankfurt,

TGA-Planer: Kofler Energies, Frankfurt,

Tragwerksplanung, Bauphysik und Raumakustik, Wärmeschutznachweis:

B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt

Kosten einschließlich technische Ausstattung: ca. 23,4 Mio. €,

Wettbewerbsentscheidung: März 2012,

Baubeginn: April 2013,

Richtfest: Dezember 2013,

Inbetriebnahme: 13. April 2015,

Nutzfläche: 4.180m²

Max.  Belegungszahl: 2.820 Personen,

Seminarräume: 51 (35m² bis 144m²)

  • 14 Seminarräume a 35 m²,
  • 24 Seminarräume a 70 m²,
  • 12 Seminarräume a 105 m²,
  • 1 Seminaraum a 144 m²,

Fahrradstellplätze: 80

Möblierte Lernbereiche im Foyer: 6

Spinde: 600,

Bürofläche: 150m²,

Barrierefreier Bau mit 2 Aufzügen, Medientechnik mit festinstallierten Medienpulten in jedem Raum, strukturierte Glasfaserverkabelung, Flächendeckender WLAN, Cafe des Studentenwerks.

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/55436884

Hochschulpolitische Themen

Mai 5 2015
14:29

Zwei Fächer der Goethe-Universität schneiden im aktuellen CHE-Ranking besonders gut ab

Große Zufriedenheit der Geografie- und Pharmazie-Studierenden

FRANKFURT. Mit der Studiensituation ihres Faches sind die Studierenden der Geografie und der Pharmazie an der Goethe-Universität sehr zufrieden. Das geht aus dem aktuellen Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor: Beide Fächer landen beim Kriterium „Studiensituation insgesamt“ jeweils in der Spitzengruppe. Während die Pharmazie auch bei „Betreuung durch Lehrende“ und „Wissenschaftliche Veröffentlichungen“ in der Spitzengruppe rangiert, wird bei der Geografie der „Bezug zu Berufspraxis“ sehr positiv bewertet.

Das Fach Sportwissenschaft konnte bei den Kriterien „Bezug zu Berufspraxis“, „Wissenschaftliche Veröffentlichungen“ und „Internationale Ausrichtung“ punkten und gelangte damit in die Spitzengruppe. Der „Bezug zu Berufspraxis“ brachte auch die Geowissenschaften  in die Spitzengruppe des Faches.

Für das aktuelle CHE Hochschulranking wurden über 300 Universitäten und Fachhochschulen untersucht. Ein Drittel der Fächer wurde neu bewertet. Neben Fakten zu Studium, Lehre und Forschung umfasst das Ranking auch Urteile von Studierenden über die Studienbedingungen an ihrer Hochschule.

Weitere Informationen zum CHE Hochschulranking: www.zeit.de/hochschulranking

Veranstaltungen

Mai 4 2015
13:23

Esoterische und parawissenschaftliche Theorien auf dem kritischen Prüfstand – Interessierte Öffentlichkeit willkommen

Gurus, Geister, Galileo. Die „SkepKon 2015“ zu Gast am Campus Westend

FRANKFURT. Zur „SkepKon“, Jahreskonferenz der „Skeptiker“, treffen sich vom 14. bis 16. Mai die Mitglieder der Gesellschaft zur Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) auf dem Campus Westend. Auf der Veranstaltung stellen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachbereiche esoterische und parawissenschaftliche Theorien auf den kritischen Prüfstand. Während der Eröffnungstag am 14. Mai für alle Neugierigen gedacht ist, richten sich die Vorträge am 15. und 16. Mai eher an fachlich Interessierte.

Dr. Stephanie Dreyfürst, Leiterin des Schreibzentrums der Goethe-Universität und gleichzeitig Vorstandsmitglied der GWUP, freut sich auf das „Heimspiel“ am Frankfurter Campus Westend. Sie wird in ihrem Vortrag auf der SkepKon der Frage nachgehen, warum Wissenschaftler wie Galileo oder Einstein wie Heilige oder Popstars verehrt wurden und werden. Neben diesem eher kulturwissenschaftlichen Blick auf Wissenschaft(ler) kommen auch andere Disziplinen nicht zu kurz: Die Biologin Bettina Wurche wirft am Eröffnungstag einen Blick in die (nicht ganz) extra-terrestrische Fauna des Star Wars-Universums, der selbsternannte „Guru“ Lorenz Meyer erklärt, wie er auszog, der Welt Sheng Fui zu bringen. Und Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke führt in die Geheimnisse ungeklärter Todesfälle ein, bevor am Abend des Eröffnungstags die englische Bloggerin Hayley Stevens aus ihrem Dasein als ehemalige Geisterjägerin berichtet.

Mit großer Spannung erwartet wird auch der Vortrag von Dr. David Bardens, der über seinen gerade erkämpften „Sieg“ im so genannten Masernprozess berichten wird. Daneben stehen am Freitag und Samstag die Versprechungen der Beauty-Hersteller im Fokus (Claudia Courts), das esoterische Erziehungskonzept der Maria Montessori (Marc Fabian Buck) sowie Esoterik in der Unternehmensberatung (Dr. Holm Hümmler) – ein Thema, über das sich in „Mainhattan“ trefflich diskutieren lässt. Dass die Skeptiker sich auch in die vermeintlich dunkelsten Ecken wagen, beweist der Vortrag von Lydia Benecke, Kriminalpsychologin, die in ihrem Vortrag „Teufelswerk oder Hexenjagd“ untersucht, was es mit den angeblichen Satanistenmorden der „Schwarzen Szene“ wirklich auf sich hat.

Die GWUP ist eine Gesellschaft zur kritischen Aufklärung und im Sinne des Verbraucherschutzes. In dem 1987 gegründeten gemeinnützigen Verein mit Sitz in Roßdorf bei Darmstadt sind über 1300 Wissenschaftler und interessierte Laien organisiert. Die GWUP klärt die Öffentlichkeit über para- und pseudowissenschaftliche Behauptungen auf Basis des aktuellen Wissensstandes auf. Im deutschsprachigen Raum ist sie die zentrale Informationsstelle für Behörden, Medien und alle anderen Anfragenden. Die GWUP fordert einen besseren Schutz der Gesellschaft vor unseriösen Anbietern, insbesondere im medizinischen und therapeutischen Bereich.

Tagungsort ist das IG Farben-Haus, Campus Westend der Goethe-Universität. Der Eintritt fürs Nachmittags- und Abendprogramm am Donnerstag (14. Mai), kostet jeweils 5 Euro, die Tageskarte 8 Euro. Tickets für die gesamte Konferenz sind ab 70 Euro erhältlich. Studierende der Goethe-Universität erhalten bei Vorlage ihres Studierendenausweises einen Sonderrabatt: Wer an allen drei Tagen an der Konferenz teilnehmen möchte, zahlt 50 Euro, wer Mitglied der GWUP wird, nur 35 Euro. Studierende anderer Unis können ab 15 Teilnehmern einen Gruppenrabatt bekommen und zahlen dann ebenfalls nur 35 Euro.

Informationen: Dr. Stephanie Dreyfürst, Schreibzentrum der Goethe-Universität, dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Mahner, Tel. 06154-695023; Inge Hüsgen, Tel. 06154-695024; presse@gwup.org;Programm unter; www.skepkon.org

Anmeldung unter skepkon.org; Anmeldung für Studierende bei Dr. Stephanie Dreyfürst unter dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de (Kopie des Studienausweises bitte per Mail mitschicken).

Veranstaltungen

Mai 4 2015
12:54

Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität lädt zu Lesungen

Bildromane und Poesie aus den Niederlanden

FRANKFURT. Es ist noch eine Weile hin bis zur Buchmesse 2016, deren Ehrengäste die Niederlande und Flandern sein werden. Einen Vorgeschmack auf die niederländischsprachige Literatur bietet schon jetzt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität: An drei Abenden im Mai werden die Literaturgattungen Graphic Novel und Poesie erlebbar.

Im Mittelpunkt der ersten Veranstaltung, die am 7. Mai um 19 Uhr am Campus Westend stattfindet, stehen Judith Vanistendael aus Flandern und Typex (Pseudonym für Raymond Koot) aus Amsterdam, deren Werke deutlich machen, dass die Graphic Novel durchaus geeignet ist für ernste Themen. In ihrem Bildroman „Als David seine Stimme verlor“ erzählt Vanistendael von einer todbringenden Krebserkrankung. In ausdrucksstarken Aquarellbildern zeigt die belgische Künstlerin, wie die einzelnen Familienmitglieder und auch der Kranke selbst mit dem Schicksal umgehen. Die Künstlerbiographie „Rembrandt“ des Niederländers Typex holt den wohl berühmtesten niederländischen Maler Rembrandt van Rijn ins 21. Jahrhundert und zeigt den Künstler von seiner menschlichen Seite. Das Buch, das leider noch nicht in deutscher Sprache vorliegt, erntete viel positive Kritik. Die vollkommene Einheit von Erzähltem und bildlich anspruchsvoller Darstellung in den Graphic Novels dieser beiden renommierten Illustratoren verspricht einen spannenden Abend. Die Veranstaltung ist zweisprachig, Auszüge aus den Werken werden mit Beamer an die Wand projiziert.

Zum „Treffen der Nationaldichter“ kommt es am Donnerstag, 21. Mai: Charles Ducal aus Flandern und Anne Vegter aus den Niederlanden wurden in ihrem jeweiligen Heimatland zum „Dichter des Vaterlands“ gekürt. Diesen Titel gibt es in den Niederlanden seit dem Jahre 2000, in Belgien seit 2014. Die Geehrten haben die Aufgabe, zu wichtigen Ereignissen im Land Gedichte zu schreiben. Ducal und Vegter werden aus ihren „nationalen“ Gedichten auf Niederländisch und auf Deutsch vorlesen. Sie werden über ihr Amt und dessen Ausfüllung sowie über die Entstehungsgeschichte der nationalen Gedichte erzählen. Der Abend wird ebenfalls zweisprachig sein. Im Anschluss bietet die Generaldirektion der Regierung Flanderns in Berlin einen Empfang an.

Auch der Auftaktabend zum dreitägigen 8. Europäischen Poesiefestival Frankfurt am darauffolgenden Tag präsentiert zwei niederländischsprachige Poeten: Willem van Toorn (Niederlande) und Miriam Van hee (Belgien) werden ebenso wie Franco Buffoni (Italien) und Barbara Zeizinger (Deutschland) aus ihren Werken vortragen. Anschließend findet eine Diskussion statt zum Thema: „Europa heute. Wie die Dichter es empfinden“.

Graphic Novel: Lesung mit Judith Vanistendael und Typex, Donnerstag, 7. Mai 2015, 19 Uhr, PEG-Gebäude, Raum 1.G.135, Campus Westend

Treffen der Nationaldichter: Lesung mit Charles Ducal und Anne Vegter, Donnerstag, 21. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.801, Casinogebäude, Campus Westend

Auftakt zum 8. Europäischen Poesiefestival: Lesung mit Willem van Toorn und Miram Van hee, Freitag, 22. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.802,  Casinogebäude, Campus Westend

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55414632

Bildtexte:

1) Der Amsterdamer Illustrator Typex hat eine kongeniale Bildbiographie des Künstlers Rembrandt van Rijn geschaffen.

2) Eine beeindruckende Persönlichkeit: In seinem Bildroman „Oog & Blik“ hat Typex den Maler Rembrandt van Rijn ins 21. Jahrhundert geholt.

Forschung

Mai 4 2015
12:41

Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung lädt zu Diskussion und Vorträgen

Alternsforschung blickt über den Tellerrand einzelner Disziplinen

FRANKFURT. Das Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung der Goethe-Universität (FFIA) beleuchtet das Phänomen des Alterns aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln. Dazu lädt das Forum am Donnerstag, 7. Mai zu zwei Vorträgen und einer Diskussion auf den Campus Westend.

„Herausforderungen und Nutzen interdisziplinärer Alternsforschung“ – unter diesem Titel stellt der Psychologe Manfred Diehl seine Beobachtungen und Reflektionen vor. Diehl lehrt und forscht an der Colorado State University in den USA. Er kommt ursprünglich aus Deutschland, hat in den USA viele Jahre selbst ein interdisziplinäres Zentrum für Alternsforschung geleitet und kennt die Herausforderungen der Forschung über den Tellerrand aus eigener Erfahrung. In seiner eigenen Tätigkeit geht er unter anderem der Frage nach, wie Menschen das Älterwerden überhaupt wahrnehmen und wie sie mit alltäglichen Belastungen im Alltag umgehen. Der Sozialwissenschaftler und ehemalige Altenpfleger Hermann Brandenburg, der den Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar innehat, wird über das Thema Interdisziplinarität aus Sicht der Philosophie und Pflegewissenschaft sprechen. Antworten sowohl auf Fragen des gesunden und mobilen Alterns, als auch des Alterns mit Belastungen werden künftig im Zusammenspiel verschiedener Disziplinen gegeben werden. Nach den Vorträgen gibt es Gelegenheit zur Diskussion im Plenum. Die Veranstaltung findet am 7. Mai von 10 bis 12 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes auf dem Campus Westend statt (der Eintritt ist frei).

Im Anschluss an die Veranstaltung finden sich die Mitglieder des FFIA zur nichtöffentlichen konstituierenden Sitzung zusammen. Das Forum, das am 16. Oktober 2014 feierlich eröffnet wurde, bringt Wissenschaftler/-innen aus den Fachbereichen Rechtswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Psychologie und Sportwissenschaften, Geographie und Medizin zusammen. Sie alle haben in ihrer Forschung mit Phänomenen des Alterns zu tun. Ziel des Forums ist es, neuartigen interdisziplinären Projekten zum Durchbruch zu verhelfen, den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Promotionsstipendien gezielt zu fördern und Frankfurt als Standort für die Alternsforschung sichtbarer zu machen. Sprecher der Initiativgruppe ist Prof. Dr. Frank Oswald. Das Besondere an der Frankfurter Alternsforschung ist die Verknüpfung von lebens-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven mit dem Ziel der Förderung und Erhaltung von Lebensqualität. Inhaltlich geht es bisher beispielsweise um Wohnen im Quartier, Gesundheitskompetenz, Mobilität und Klimawandel, Kommunikation und Kunsterleben bei Demenz, Chancen und Grenzen von Robotik, oder um die Vermeidung von Risiken in der häuslichen Pflege. Altern wird dabei nicht als Defizit oder Krankheit betrachtet, sondern als normaler Abschnitt unseres Lebens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich das Leben im Alternsverlauf gestalten und meistern lässt, was also Individuen und Gesellschaft lernen und leisten müssen, um erfolgreich, zufrieden und würdevoll zu altern.

Informationen: Professor Dr. Frank Oswald, Telefon +49 (0)69  798 36398, E-Mail: oswald@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Apr 30 2015
20:00

Frankfurter Physiker fanden lange gesuchten Efimov-Zustand im Helium-Trimer/ Publikation in Science

Quantenmechanisches Trio aus Helium

FRANKFURT. Einen vor 40 Jahren von dem russischen Theoretiker Efimov vorhergesagten Quantenzustand haben Physiker der Goethe-Universität in einem Molekül aus drei Helium-Atomen entdeckt. Das vergleichsweise riesige Molekül kann nur in dem von der Quantenphysik eröffneten Tunnelbereich existieren, erklären die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science.

Vitaly Efimov hatte 1970 ein Dreiteilchen-Quantensystem untersucht, in dem die Anziehung zwischen zwei der Teilchen so klein wird, dass sich die Bindung auflöst. Seine Vorhersage: Anstatt zu zerbrechen, kann das Molekül aus drei Teilchen dann unendlich viele gebundene Zustände annehmen, wobei die Abstände zwischen den Bindungspartnern riesig werden. „Jede klassische Vorstellung, warum eine solche Konstruktion hält, versagt hier“, erklärt Prof. Reinhard Dörner, Leiter der Arbeitsgruppe am Institut für Kernphysik.

Diese seltsame Vorhersage begründete das heute boomende Feld der „Efimov-Physik“. Schon bald zeichnete sich ab, dass ein System aus drei Helium-Atomen, ein sogenanntes Trimer, das Paradebeispiel für diesen quantenmechanischen Effekt sein würde. Doch alle Versuche, das gigantisch große, nur extrem schwach gebundene Helium-System nachzuweisen, schlugen fehl.

Indirekte Hinweise auf Efimov-Systeme fanden Physiker der Universität Innsbruck erstmals 2006 in kalten Quantengasen aus Cäsium-Atomen. In den von ihnen verwendeten Atomfallen kann die Wechselwirkung zwischen den Teilchen von außen gesteuert werden. So erzeugte Efimov-Systeme werden aber, sobald sie entstehen, aus der künstlichen Umgebung der Falle herausgeschleudert und zerfallen ungesehen.

Der Frankfurter Physiker Dr. Maksim Kunitski aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dörner hat nun ein stabiles Efimov-System aus drei Helium-Atomen hergestellt, indem er ein Helium-Gas bei der Temperatur von nur acht Grad über dem absoluten Nullpunkt durch eine sehr feine Düse in ein Vakuum expandieren ließ. In dem Molekularstrahl bildeten sich Helium-Moleküle mit zwei, drei oder mehr Helium-Atomen. Durch die Beugung des Molekularstrahls an einem hyperfeinen Gitter konnte der Physiker die Trimere räumlich abtrennen.

Um die Struktur und insbesondere die Bindungsabstände im Trimer vermessen zu können, wurde jedes Helium-Atom des Moleküls mithilfe eines Laserstrahls ionisiert. Das nunmehr dreifach positiv geladene Trimer brach aufgrund der elektrostatischen Abstoßung explosionsartig auseinander. Mittels des an der Goethe-Universität entwickelten Coltrims-Mikroskops konnten die Forscher anschließend die Spur und den Impuls der Helium-Ionen dreidimensional messen und so die Geometrie des Trimers rekonstruieren.

Maksim Kunitski fand in Zusammenarbeit mit der Theoretikerin Doerte Blume von der Washington State University, USA, heraus, dass tatsächlich einer der vielen möglichen Efimov-Zustände auf natürliche Weise in dem Molekularstrahl entstanden war. Die Bindungsabstände in dem riesigen Molekül betrugen 100 Angström und mehr (im Vergleich dazu sind es in einem Wasser-Molekül nur zwei Angström). Dabei bilden die Atome kein gleichschenkliges Dreieck, sondern sind asymmetrisch angeordnet. Das ist in sehr guter Übereinstimmung mit den schon seit vielen Jahren vorliegenden theoretischen Vorhersagen.

„Dies ist das erste stabile Efimov System, das jemals entdeckt wurde. Das Dreiteilchensystem fliegt ohne weitere Wechselwirkung und ohne dass äußere Felder nötig sind in seiner Vakuumkammer durch das Labor“, erklärt Dörner. „Maksim Kunitski hat diese grandiose Arbeit in einem Laserlabor an der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt. Eine große Maschine hat er dafür nicht gebraucht“.

„Der Efimov-Zustand ist kein exotischer Spezialfall, sondern ein Beispiel für einen universellen Quanteneffekt, der in vielen Bereichen der Physik eine wichtige Rolle spielt“, erklärt Kunitski. Beispiele sind kalte Atome, Cluster, die Kernphysik und neuerdings auch die Festkörperphysik. Darüber hinaus gibt es auch erste Berichte über dessen Bedeutung in der Biologie.

Ein in Bezug auf die Erfolgsaussichten derartig riskantes Forschungsprojekt anzugehen konnte sich Reinhard Dörner leisten, weil die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihm 2009 im Rahmen des Koselleck Programms 1,25 Millionen Euro zur Verfügung stellte. „Es war ein eher verwegener Plan“, sagt Dörner im Rückblick, „aber jetzt, am Ende des Projektes, und wirklich nur, weil mir die DFG diesen großen Betrag von für ein Risikoprojekt ohne Detailplanung zur Verfügung gestellt hat – war die Suche erfolgreich.“

Publikation: M. Kunitski et al.: Observation of the Efimov state of the helium trimer, in Science, 1. Mai 2015, DOI: 10.1126/science.aaa5601

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55392281

Bildtexte:

1)  Efimov Trimer in einem Gasstrahl anderer Teilchen. Die drei Heliumatome bilden ein spitzwinkliges Dreieck, ihr Abstand der gelb dargestellten Quantenwolke beträgt das Hundertfache der Größe der Atome.  

2) Dr. Maksim Kunitski an dem Frankfurter COLTRIMS Mikroskop, mit dem er den Efimov Zustand des Helium Trimers entdeckt hat.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Apr 30 2015
14:40

Wissenschaftsminister Boris Rhein und Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff eröffnen am 5. Mai auf dem Campus Westend neues Haus der Lehre mit 51 zusätzlichen Räumen

Medieneinladung: Feierliche Eröffnung des Seminarhauses

FRANKFURT. Zur offiziellen Eröffnungsfeier des neuen Seminarhauses auf dem Campus Westend der Goethe-Universität möchten wir Sie herzlich einladen. An der Veranstaltung nehmen u.a. der Hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein, Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff sowie der Architekt Ferdinand Heide teil.

Die Feier findet statt

am Dienstag, 5. Mai 2015, 16 Uhr
Ort: Goethe-Universität, Campus Westend, Foyer Seminarhaus,
Max-Horkheimer-Str. 4 (früher: Lübecker Straße)

Über Ihr Kommen freuen wir uns. Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie teilnehmen möchten (Frau Ott, Tel.: 069/798-12472, Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität