​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Veranstaltungen

Aug 9 2016
15:16

Biologen der Goethe-Universität bieten Führung zu Pflanzen des Mittelmeeres und der Tropen an

Sommer im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT.Zu zwei Führungen lädt Prof. Georg Zizka vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Goethe-Universität Interessierte in den Wissenschaftsgarten auf dem Riedberg ein: Die Tour „Vom Mittelmeer bis zu den Tropen" führt am Freitag, 19. August, die Besucher zu den Pflanzen der Mediterrangebiete, der Subtropen und Tropen im Wissenschaftsgarten. Insgesamt rund 2000 Arten aus diesen Klimaten werden im Gewächshaus des Gartens kultiviert und dienen der Lehre und Forschung. Die Führung stellt die großen Lebensräume zwischen Etesienklima und Äquator anhand typischer Exemplare aus der Sammlung vor und gibt Einblicke in die universitäre Nutzung.
Beginn der Führung ist um 16.00 Uhr (Ende ca. 17.30), Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Wissenschaftsgartens.

Eine weitere Sonderführung des Wissenschaftsgartens am 19. August hat "Vergängliche Pracht - die Pflanzenwelt der Ruderalflächen am Riedberg" zum Thema. Gemeinsam führen Prof. Georg Zizka und Dipl. Geogr. Dirk Bönsel zur Pflanzenwelt der brachliegenden Rohbodenflächen (Ruderalflächen), wie sie zurzeit am Riedberg im Zusammenhang mit der Bautätigkeit in großer Zahl zu finden sind. Diese Standorte sind durch besondere, extreme Umweltbedingungen gekennzeichnet, meist nur kurze Zeit (wenige Jahre) vorhanden und verfügen dennoch über eine reiche, spezielle Pflanzen- und Tierwelt (insbesondere so genannter Pionierarten). Die Vielfalt der Blütenpflanzen erreicht auf solchen Flächen leicht 200 Arten und mehr.
Beginn dieser Führung ist um 18.00 Uhr (Ende ca. 19.30), Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Wissenschaftsgartens, von dort aus geht es zu ausgewählten Brachflächen.

Der Wissenschaftsgarten kann mit den Linien U 8 und U 9,  Haltestelle Campus Riedberg, oder mittels PKW über die Altenhöferallee gut erreicht werden.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Zizka, Fachbereich 15 – Biowissenschaften, Goethe-Universität, Tel. 069/798-42176; Georg.Zizka@senckenberg.de

Sonstige

Aug 8 2016
16:14

Der Politikwissenschaftler Andreas Nölke analysiert in einem aktuellen Essay die ökonomische und politische Krise Brasiliens

Olympische Spiele in einem „paralysierten Land“

FRANKFURT.Seit dem Wochenende bietet die wohl größte Sportveranstaltung der Welt in Rio de Janeiro wieder spannende Wettkämpfe in zahllosen Disziplinen. Doch bereits im Vorfeld wurde die Freude auf die Olympischen Spiele eingetrübt, nicht nur durch die Dopingvorwürfe. Ein weiterer Grund für die eher verhaltene Begeisterung weltweit ist die angespannte Lage im Gastgeberland Brasilien. Andreas Nölke, Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität und Experte für Internationale politische Ökonomie, hat sich intensiv mit dem Schwellenland Brasilien beschäftigt. In seinem Essay schaut er auf die soziale Situation im fünftgrößten Staat der Erde, erklärt die Schwäche der von Amtsenthebungsverfahren und Korruptionsvorwürfen gebeutelten Regierung und diskutiert den Niedergang der brasilianischen Wirtschaft.

Brasilien, ein Land mit einer traditionell hohen sozialen Ungleichheit, habe durchaus mithilfe von Sozialprogrammen arme Bevölkerungsschichten am Wirtschaftsboom partizipieren lassen, sagt Nölke. Doch habe der Konsumboom zu einer Überlastung der Infrastruktur geführt; zudem mobilisierten die Eliten im Land gegen das soziale Wachstumsmodell. Soziale Proteste blieben angesichts einer fehlenden Zukunftsperspektive schwach, was Nölke auch auf die Krise der Regierung zurückführt. Der vom Amt suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff drohe die Amtsenthebung, die Zustimmung zur Regierung des amtierenden Präsidenten Michel Temer, der auch der Korruption überführt wurde, sei im Schwinden begriffen. Nölke spricht von einem „dysfunktionalen parlamentarischen System“ – der einzelne Abgeordnete sähe sich als „politischer Unternehmer“, der „immer auf der Suche nach geeigneten Geldgebern“ sei.

Auch die Wirtschaft sei paralysiert und befinde sich in der „tiefsten Krise seit Jahrzehnten“, so Nölke. Jedoch sei dafür nicht, wie häufig behauptet, der Einbruch der Preise wichtiger Exportgüter verantwortlich; auch die Korruptionsaffären könnten den wirtschaftlichen Niedergang nicht erklären. Vielmehr führe in der „staatlich-durchdrungenen Wirtschaft“ die angedrohte Verfolgung von Preisabsprachen zwischen Staat und Unternehmen dazu, dass sich niemand mehr traue, Investitionsentscheidungen zu treffen, aus Angst vor Staatsanwälten „Investitionen sind allerdings in einer relativ stark geschlossenen Wirtschaft wie der brasilianischen […] absolut unabdingbar, um die derzeitige Krise zu überwinden“, betont Nölke.

Der Politikwissenschaftler kritisiert ferner die „Gigantomanie von Sportereignissen“: „Der soziale wie der volkswirtschaftliche Nutzen hält sich in engen Grenzen, wenn er überhaupt eintritt.“ Wettkämpfe, Sportstätten und Verkehrsinfrastruktur nutzten vor allem der oberen Mittelschicht; Teile der Bevölkerung hingegen litten unter Zwangsumsiedlungen und einer „unsozialen Verwendung fiskalischer Ressourcen“, sagt Nölke.

LINK zum Artikel Nölkes auf Goethe-Uni online: http://tinygu.de/noelke-essay 

Weitere Informationen: Prof. Andreas Nölke, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-36501;  a.noelke@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 4 2016
16:28

Neue Ausstellung im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT zeigt bekannte und unbekannte Schätze aus der Kunstsammlung der Goethe-Universität.

„Goethe und die Dame in Blau – Köpfe der Goethe-Universität“

FRANKFURT.Die Ausstellung „Goethe und die Dame in Blau“, die vom 12. bis zum 28. August 2016 im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT gezeigt wird, gibt durch ausgewählte Exponate der Kunstsammlung der Goethe-Uni Einblicke in die über hundertjährige Geschichte der Hochschule. Zugleich lädt sie die Besucherinnen und Besucher ein, sich anhand der Kunstobjekte mit der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Universität anhand ihrer herausragenden „Köpfen“ auseinanderzusetzen.

Das Gedächtnis der Universität - so kann man das Universitätsarchiv der Goethe-Universität gut und gerne bezeichnen, beherbergt es doch die gesamten schriftlichen Hinterlassenschaften der Hochschule, die universitäre Kunstsammlung, Nachlässe berühmter Frankfurter Professoren sowie historische Fotografien. Das Archiv bewahrt dies nicht nur für die heutige Forschung, sondern auch für die nachfolgenden Generationen und prägt damit nachhaltig die Identität und die Außendarstellung der Universität. Auch die im Archiv gesammelten Kunstwerke dienen im Besonderen der Erinnerungskultur an der Hochschule: Büsten, Porträts und Medaillen bedeutender Persönlichkeiten erinnern an herausragende Leistungen in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Stadt Frankfurt als Wissenschaftsstandort. Als Stiftungsuniversität 1912 von der Frankfurter Bürgerschaft ins Leben gerufen und 1914 eröffnet, ist die Goethe-Universität im besonderen Maße dem Andenken an die Stifterinnen und Stifter verpflichtet, denn ohne deren Engagement wäre die Gründung einer Hochschule nicht möglich gewesen.

Dabei erinnern die in der Ausstellung gezeigten Werke aber nicht nur an die „guten“ Zeiten der Goethe-Universität: Unter der NS-Herrschaft wurden nicht nur die jüdischen und politisch unliebsamen Professoren, Dozenten und Mitarbeiter entlassen, jüdischen Studierenden die Berechtigung zu studieren entzogen, sondern auch die Erinnerung an die jüdischen Stifterinnen und Stifter getilgt. Somit erinnern die Werke, welche die „Säuberung“ und die Zerstörung der Frankfurter Universität überstanden haben, nicht nur an wissenschaftliche Leistungen und stifterische Unterstützung der „Köpfe der Goethe Universität“, sondern auch an das an ihnen begangene Unrecht.

Mit dem Logo von Adrian Frutiger, das zum „Markenzeichen“ der Universität wurde, ist Goethe als Namensgeber omnipräsent. Neben den Werken rund um Goethe, den Büsten und Gemälde von Stiftern und Professoren werden aber auch diejenigen, die für das universitäre Leben essentiell sind, anhand der Fotografien in ihren Akten präsentiert: die Studierenden.

Die Ausstellung wird am 11. August um 19 Uhr eröffnet. Die Grußworte sprechen Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Museumsbeauftragter des Präsidiums, und PD Dr. Michael Maaser, Leiter des Universitätsarchivs. Enrico Dunkel, Kurator und Referent der Kunstsammlung, führt in die Ausstellung ein. Bei der Ausstellungseröffnung wird auch das neue Museumslogo präsentiert.

„Goethe und die Dame in Blau“ wird bis einschließlich des Frankfurter Museumsuferfestes (26.-28. August 2016) zu sehen sein, auf dem das MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT und die Hochschule die Ausstellung mit einem bunten Programm für Jung und Alt begleiten.

Museumsuferfest:

Freitag, 26. August 2016, 10.00–17.00 Uhr

Samstag, 27. August 2016, 10.00–22.00 Uhr

Sonntag, 28. August 2016, 10.00–20.00 Uhr

Programm des MUSEUM GIERSCH auf dem Museumsuferfest

Kuratorenführungen: Samstag, 15 und 19 Uhr; Sonntag, 11 und 15 Uhr

Workshops für Groß und Klein: Sa und So 12–18 Uhr

Antiquariatsmeile: Fr ab 15 Uhr, Sa und So ab 11 Uhr

Freitag, 26. August

16–19 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Fotobox

12–17 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s), Meike Göpfert (Piano solo)

Samstag, 27. August

10–20 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Kinderschminken (12–18 Uhr) und Fotobox (14 – 20 Uhr)

12–22 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s)

15–20 Uhr Meike Göpfert (Piano solo)

Sonntag, 28. August

10–20 Uhr Infostand der Goethe-Universität mit Kinderschminken (12–18 Uhr)

12–20 Uhr Wiener Kaffeehaus (Kurhausgastronomie Wiesbaden/KÄFER’s)

14–19 Uhr Meike Göpfert (Piano solo)

Informationen: Enrico Dunkel, Referent Kunstsammlung im Universitätsarchiv Frankfurt, dunkel@em.uni-frankfurt.de; Christine Karmann, Pressearbeit, Museum Giersch der Goethe-Universität, ck@museum-giersch.de; Dr. Annabelle Hornung, PR und Kommunikation, Goethe-Universität, hornung@pvw.uni-frankfurt.de

MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT

Schaumainkai 83

60596 Frankfurt am Main

www.museum-giersch.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 12.00 – 19.00 Uhr

Freitag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr, Montag geschlossen

 

Universitätsarchiv Frankfurt

Kunstsammlung

Senckenberganlage 31-33

60325 Frankfurt am Main

www.archiv.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Aug 1 2016
11:45

21 Dozenten aus Zentralafrika zu Gast an der Goethe-Universität

Sommerschule „Wald, Klima, Umwelt“

FRANKFURT.Zu einer achtwöchigen Sommerschule mit dem Thema „Wald, Klima und Umwelt“ treffen sich ab dem 1. August 21 Dozenten aus 10 Ländern Zentralafrikas an der Goethe-Universität. Ziel ist es, weitreichende Kompetenzen im Bereich Umwelt, Ressourcenmanagement und Organisationsentwicklung sowie bei der Afrikaforschung gebündelt und zur Weiterbildung der Teilnehmenden zu nutzen.

Organisatoren sind das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität und die AMBERO Consulting GmbH als technischer Partner im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden kommen aus den 22 Mitgliedsinstitutionen des Netzwerks der Aus- und Weiterbildungsinstitutionen im Bereich Forst- und Umweltwissenschaft in Zentralafrika (RIFFEAC).

Im Anschluss an die Sommerschule sollen die Teilnehmenden in ihren Heimatländern als Multiplikatoren fungieren und das erworbene Wissen einsetzen und verbreiten. Dies geschieht unter anderem über ein Transferprojekt, das im Rahmen der Sommerschule entwickelt und im Anschluss in der Heimatinstitution mit fachlicher Unterstützung durch das GIZ-Programm „Regionale Unterstützung der Zentralafrikanischen Waldkommission“ umgesetzt wird. Beispielsweise entwickeln die Teilnehmer eine Weiterbildung, aktualisieren einen Studiengang oder erarbeiten eine Marketingstrategie für Bildungsangebote.

Um einen regen fachlich-methodischen Austausch zwischen den Mitgliedsinstitutionen von  RIFFEAC und deutschen Institutionen zu initiieren und etablieren, schließt sich an die Sommerschule für Dozenten  eine Studienreise unter Einbeziehung aller Direktorinnen und Direktoren der RIFFEAC-Institutionen in Deutschland und den Niederlanden an. Sie führt unter anderem an die Universitäten Göttingen, Hamburg und Köln sowie das International Training Center (ITC) am „International Institute for Geo-Information Science and Earth Observation“ in Enschede (Niederlande) und dem Nationalpark Kellerwald/Edersee.

Informationen: Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie und ZIAF, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-40160, -40155, J.Runge@em.uni-frankfurt.de.

 

Forschung

Jul 29 2016
12:49

Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellen

Alzheimer-Fibrillen atomar aufgelöst

FRANKFURT.Langestreckte Fasern (Fibrillen) des Beta-Amyloid-Proteins bilden die typischen senilen Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Einem europäischen Forscherteam ist es jetzt zeitgleich mit einem US-amerikanischen Team gelungen, die Struktur des für die Krankheit bedeutendsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Dies erleichtert die gezielte Suche nach Arzneistoffen zur Behandlung der Alzheimer-Demenz.

Weltweit sind mindestens 60 Prozent der Demenzerkrankungen auf die Alzheimer-Krankheit zurückzuführen. Sie verursacht enormes menschliches Leid und bringt hohe Kosten mit sich. Heilung oder eine ursächliche Therapie gibt es bis heute nicht. Unter anderem deshalb, weil der genaue Ablauf der Krankheit auf molekularer Ebene im Gehirn noch viele Rätsel aufgibt.

Bekannt ist, dass das Beta-Amyloid-Protein eine entscheidende Rolle spielt. Es handelt sich um ein 39 bis 42 Aminosäuren langes, für Nervenzellen giftiges Peptid, das langgestreckte Fibrillen (Fasern) bilden kann. Beta-Amyloid-Peptid 1–42 und Beta-Amyloid-Peptid 1-40 sind die beiden Hauptformen, die in senilen Plaques vorkommen. Warum diese zum Untergang von Nervenzellen im Gehirn führen, ist nicht bekannt, aber von größtem Interesse für die Entwicklung von Alzheimer-Arzneimitteln.

In einer Zusammenarbeit zwischen der ETH Zürich, der Université de Lyon und der Goethe Universität Frankfurt am Main ist es, in Zusammenarbeit mit Kollegen an der Universität Irvine und dem Brookhaven National Laboratory, jetzt gelungen, den Aufbau einer Fibrille des für die Krankheit gefährlichsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Die Forscher bauten dabei auf Arbeiten der Universität Chicago über die Struktur von Beta-Amyloid Monomeren auf. Weitere immunologische Untersuchungen wiesen nach, dass die untersuchte Form der Fibrillen besonders krankheitsrelevant ist.

Proteinfibrillen sind in elektronenmikroskopischen Aufnahmen zwar sichtbar (Abb. 1), aber es ist sehr schwierig, ins atomare Detail zu gehen. Die dafür gebräuchlichen strukturbiologischen Methoden setzen voraus, dass das Makromolekül entweder als möglichst regelmäßiger Kristall oder in Form einzelner gelöster Moleküle in Wasser vorliegt. Fibrillen sind jedoch langgestreckte Gebilde, die unter sich verkleben und weder Kristalle bilden noch in Wasser gelöst werden können.

Einzig die Festkörper-Kernresonanzspektroskopie (Festkörper-NMR) ist hier in der Lage, Einblick auf atomarer Ebene zu bieten. Neue methodische Entwicklungen erlauben es, ein Netzwerk von Distanzen zwischen Atomen der Proteinmoleküle in einer Fibrille auszumessen (Abb. 2). Daraus konnte in umfangreichen Rechnungen der atomare Aufbau der Fibrille rekonstruiert werden.

Der Hauptteil des Beta-Amyloid 1–42 Peptids nimmt die Struktur eines doppelten Hufeisens an (Abb. 3). Jeweils zwei gleiche Moleküle in einer Ebene bilden, aufeinandergestapelt, eine lange Fibrille. Viele Wasserstoffbrückenbindungen parallel zur Längsachse geben der Fibrille ihre hohe Stabilität.

„Die Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellstudien, für die kaum experimentelle Messdaten zur Verfügung standen“, erklärt Prof. Peter Güntert, Professor für Computergestützte Strukturbiologie an der Goethe-Universität.

In Fachkreisen haben die Publikationen der europäischen und amerikanischen Teams, die einander bestätigen, für Aufsehen gesorgt, denn erstmals ist es möglich, auf Grundlage der Struktur gezielt nach Arzneistoffen zu suchen, die Beta-Amyloid Fibrillen angreifen. Die Forscher hoffen, dass in den nächsten ein bis zwei Dekaden der vor 110 Jahren von dem Frankfurter Arzt Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Geißel des Alters der Schrecken genommen werden kann.

Publikationen: Wälti, M. A., Ravotti, F., Arai, H., Glabe, C., Wall, J., Böckmann, A., Güntert, P., Meier, B. H. & Riek, R. Atomic-resolution structure of a disease-relevant Aβ(1-42) amyloid fibril. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, DOI 10.1073/pnas.1600749113.

http://www.pnas.org/content/early/2016/07/27/1600749113

Colvin, M. T., Silvers, R., Ni, Q. Z., Can, T. V., Sergeyev, I., Rosay, M., Donovan, K. J., Michael, B., Wall, J., Linse, S. & Griffin, R. G. Atomic resolution structure of monomorphic Aβ42 amyloid fibrils. Journal of the American Chemical Society, DOI 10.1021/jacs.6b05129.

Xiao, Y., Ma, B., McElheny, D., Parthasarathy, S., Long, F., Hoshi, M., Nussinov, R. & Ishii, Y. Aβ(1–42) fibril structure illuminates self-recognition and replication of amyloid in Alzheimer’s disease. Nature Structural & Molecular Biology 22, 499–505 (2015).

Bilder zum Download finden sie hier www.uni-frankfurt.de/62697618

Bildtexte:

Abb. 1: Elektronenmikroskopische Aufnahme der Alzheimer-Fibrillen.
Abb. 2: Netzwerk der Atome im Proteinmolekül
Abb. 3: Struktur der Amyloid-Beta 1–42 Fibrille

Informationen: Prof. Peter Güntert, Institut für Biophysikalische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29621, guentert@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jul 19 2016
16:19

Sammelband mit Beiträgen zu jüdischen Wissenschaftlern und ihren Gegnern an der Universität Frankfurt vor und nach 1933 – Ergebnisse einer internationalen Tagung zum Jubiläumsjahr der Goethe-Universität

Neuerscheinung: „Politisierung der Wissenschaft“

FRANKFURT. Die Besonderheit der Frankfurter Universitätsgeschichte bietet auch die Möglichkeit für eine ungewöhnliche und neuartige Fragestellung: Wie gestaltete sich in Frankfurt das Verhältnis zwischen scharf rechtsgerichteten, „völkisch“-antisemitischen Wissenschaftlern auf der einen und liberalen, deutsch-jüdischen Gelehrten auf der anderen Seite vor und nach 1933? Überraschenderweise lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten erkennen: So wollten Vertreter beider Seiten die von ihnen als defizitär wahrgenommene Politik in der Weimarer Republik mit Hilfe der Wissenschaft reformieren. Jeder nutzte auf seine Art das wissenschaftliche Etikett der Objektivität und erteilte auf dieser Basis politische Handlungsdirektiven.

Wie sich der politische Geltungsanspruch Frankfurter Wissenschaftler auswirkte und welche Arbeitsatmosphäre dadurch an der Universität entstand, wird in dem soeben erschienenen Buch Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933, herausgegeben von Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian, in zahlreichen Beiträgen erforscht.

Da sich 1914 viele jüdische Frankfurter Bürger an der Gründung und finanziellen Ausstattung der neuen Universität beteiligten, nutzten sie auch ihren Einfluss, um die an den übrigen deutschen Universitäten vorherrschende Berufungspolitik zu verändern: Jüdische Bewerber, die aufgrund ihrer Religion an vielen anderen deutschen Hochschulen benachteiligt wurden, bekamen im liberalen Frankfurt eine Chance, wo das konfessionelle Moment keine Rolle spielte. Es waren nicht zuletzt jüdische Wissenschaftler - hier seien etwa der Mediziner Paul Ehrlich, der Religionsphilosoph Martin Buber oder der Historiker Ernst Kantorowicz genannt – die maßgeblich dazu beitrugen, dass die Universität Frankfurt in der Weimarer Republik als ausnehmend progressiv und „modern“ galt. 1933, als diese im Zuge der nationalsozialistischen Politik vertrieben wurden, stellten sie ein Drittel des Lehrkörpers der Goethe-Universität.

Wie konnte gerade die an der Frankfurter Universität betriebene Wissenschaft eine so hohe gesellschaftspolitische Außenwirkung erlangen? Welche Arbeitsatmosphäre herrschte dort, wo bekannte „völkische“ ebenso wie bedeutende jüdische Wissenschaftler ihre Fragen und Theorien entwickelten? Welchen Einfluss hatte gerade diese Koexistenz auf die gesellschaftspolitische Innovationskraft der Wissenschaft? Mit diesen Fragen beschäftigen sich im vorliegenden Band international renommierte Forscher wie der französische Philosoph Emmanuel Faye, der amerikanische Geschichtsphilosoph Martin Jay oder die israelischen Historiker Shulamit Volkov und Moshe Zimmermann.

Der Wahrheit verpflichtet, suggerierte die Wissenschaft nur allzu leicht, dass auch ihre Ergebnisse objektiv seien. Deshalb musste gerade in der um politische Stabilität ringenden Weimarer Republik eine Politik, deren Forderungen aus der Wissenschaft abgeleitet wurden, wie eine Art Heilsversprechen erscheinen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Wissenschaftsverständnis des im Tagungsband untersuchten Soziologen Franz Oppenheimer, der die Absicht hatte, mit seiner Wissenschaft zur „Erlösung“ der Menschheit von irdischen Übeln beizutragen: „Oppenheimer war von einem starken Sendungsbewusstsein durchdrungen und wollte die soziale Frage lösen, indem er gegen die sozialen Missstände anging“, so der in Graz forschende Ökonom Heinz D. Kurz. Für Oppenheimer lag die Ursache der Armut in der historischen Tatsache begründet, dass der Boden in Privateigentum übergegangen und es damit zu einer künstlichen Verknappung der lebensnotwendigen Ressourcen gekommen sei. Infolgedessen forderte er, den Boden in Gemeineigentum zu überführen, wobei dies mittels Genossenschaften erreicht werden solle. Allerdings können die auf wissenschaftlichem Weg gewonnenen politischen Haltungen zum Gegenteil des eigentlich Intendierten führen: „Wie soll man gegen eine politische Ansicht argumentieren, die sich das wissenschaftliche Etikett der Objektivität anheftet bzw. einen wissenschaftlichen Wahrheitsanspruch erhebt?“, fragt Janus Gudian. Wenn jede qua Wissenschaft gewonnene politische Meinung auf „ihre“ Objektivität pocht, werden ihre Geltungsansprüche widerstreiten, statt einen Konsens herbeiführen.

Doch gerade in der entscheidenden Frage, wie gesellschaftlicher Konsens erzeugt werden soll, unterscheiden sich die beiden genannten Gruppen eklatant voneinander: Während „völkische“ Wissenschaftler primär Gesellschaftsmodelle entwickelten, die auf eine homogene Bevölkerung zielten, indem sie „Andersartige“ ausgrenzten, stand den mehrheitlich liberal denkenden jüdischen Gelehrten eine heterogene Gesellschaft vor Augen, geprägt vom Gedanken der Inklusion. Als Beitrag zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität organisierten das Historische Seminar und das Fritz Bauer Institut im Rahmen des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften 2012 eine internationale Tagung zur politischen Wissenschaftskultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der nun dieser Sammelband hervorgegangen ist. „Jubiläen haben sich zu hochpolitischen Ereignissen entwickelt, mit deren Hilfe nicht nur Identität gestiftet, sondern auch die Zukunft gestaltet werden soll. Zu diesem Zweck wird die kollektive Erinnerung an die Vergangenheit des Jubilars erneuert. Damit schlägt bei einem Jubiläum traditionell die Stunde des Historikers“, so der wissenschaftliche Bearbeiter des Bandes, Janus Gudian.

Bibliografische Angaben

Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian (Hrsg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933. (Schriftenreihe des Frankfurter Universitätsarchivs 5), Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1438-2, 505 Seiten, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von Steven E. Aschheim, Mitchell G. Ash, Peter C. Caldwell, David Dyzenhaus, Emmanuel Faye, Janus Gudian, Jeffrey Herf, Martin Jay, David Kettler, Carsten Kretschmann, Heinz D. Kurz, Robert E. Lerner, Alexander von Schwerin, John C. Stillwell, Shulamit Volkov, Michael Zank und Moshe Zimmermann.

Informationen: Janus Gudian M.A., Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798-32426, E-Mail: gudian@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 19 2016
08:20

Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt

Die Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike

FRANKFURT.Die Geschichte der frühen Christenverfolgung werde in der jüngeren historischen Forschung weitaus weniger dramatisch gesehen als früher, so der Leibniz-Preisträger Prof. Hartmut Leppin. In seinem Beitrag zur „Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike“ in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ erklärt der Althistoriker: „Man beobachtet eine Politik des Gewährenlassens, aber keine bewusste Toleranz und kein Recht auf Religionsfreiheit.“

Eine Trennung zwischen Staat und Religion gab es in der Antike nicht. Die wichtigsten Kulte waren solche, die von der Republik getragen und finanziert wurden. Politiker bekleideten als wichtige Stufen in ihrer Karriere auch Priesterämter. „Wenn im Kult etwas falsch gemacht wurde, drohte der Zorn der Götter, der das ganze Gemeinwesen treffen konnte“, so Leppin. Insofern gehörte es zu den Aufgaben des Senats, über die Ausübung des religiösen Kults zu wachen. Beispielsweise beschäftigte er sich im Jahr 186 v. Chr. mit dem ausufernden Kult zu Ehren des Weingotts Bacchus.

Doch lief die Politik des Senats nicht nur darauf hinaus, das Bestehende zu bewahren. So wurde die phrygische Fruchtbarkeitsgöttin Kybele während des zweiten Krieges gegen Karthago eingeführt – trotz der für die Römer schockierenden Praxis der Priester, sich selbst zu kastrieren. Auch der aus Ägypten stammende Isis-Kult wurde nach einem wechselvollen Schicksal schließlich durch die römischen Kaiser im 1. Jahrhundert n. Chr. gefördert.

Die Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt, sondern weil sie sich weigerten, den Göttern zu Opfern und mit diesem Kultfrevel das Gemeinwesen gefährdeten“, erklärt Leppin. Den römischen Beamten sei es gleichgültig gewesen, ob das Opfer mit innerer Anteilnahme dargebracht wurde. So konnten Christen, die opferten, ungeahndet ihrem Glauben weiterhin anhängen. Eine systematische Christenverfolgung setzte erst im 3. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Decius ein. Er war in einer Zeit militärischer Bedrängnis an die Macht gekommen und forderte alle Bürger des Reiches auf, die Götter durch Opfer gnädig zu stimmen – und diese Anordnung wurde streng kontrolliert.

Auch unter den nachfolgenden Kaisern erlebten die Christen über Jahrzehnte anhaltende Bedrängnis. In diesem Kontext entstand die Idee der Religionsfreiheit, die erstmals um 200 n. Chr. bei dem römischen Autor Tertullian dokumentiert ist. Ihre politische Umsetzung durch Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert blieb jedoch ein Zwischenspiel. Denn die christlichen Kaiser begannen bald ihrerseits, andersgläubige zu bedrängen; zunächst Christen anderer Konfession, dann zunehmend auch Heiden und Juden. Der Gedanke der Religionsfreiheit blieb in verschiedenen Texten über die Jahrhunderte erhalten. „Da das Argument schon einmal durchdacht worden war, ließ es sich leichter zur Geltung bringen. Insofern gehört der Gedanke der Religionsfreiheit, obwohl er seinerzeit nicht besonders bedeutend war, zu den wichtigsten Elementen des Erbes der Antike“, schlussfolgert der Althistoriker.

Informationen: Prof. Hartmut Leppin, Historisches Seminar, Exzellenzcluster Herausbildung Normativer Ordnungen, Tel.: (069)-798-32462, h.leppin@em.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:27

LOEWE Schwerpunkt MegaSyn erforscht Syntheseprinzip riesiger Enzyme/ 4,6 Millionen Euro für vier Jahre

Megasynthasen: Schlüssel zum Design neuer Antibiotika?

FRANKFURT.Antibiotika und viele andere pharmazeutische Wirkstoffe werden im Labor von Mikroorganismen produziert und oft nur noch chemisch „veredelt“, bevor sie in die Apotheke kommen. Die Wirkstoffe werden von riesigen, multifunktionalen Enzyme, den Megasynthasen, erzeugt. Im neuen LOEWE Schwerpunkt MegaSyn möchten Forscher jetzt herausfinden, wie die Natur die riesigen Moleküle Schritt für Schritt synthetisiert, damit sie selbst maßschneiderte Megasynthasen herstellen können. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert MegaSyn mit 4.644.000 Euro in den nächsten vier Jahren.

Ob es sich um so wichtige Antibiotika wie Erythromycin, Vancomycin und Daptomycin handelt, um Cholesterin-Senker wie die Statine oder um Immunsuppresiva wie Ciclosporin – immer sind Megasynthasen bei der Produktion im Spiel. Die Biosynthese dieser wichtigen Wirkstoffe erfolgt über Carbon- oder Aminosäuren, die wie am Fließband einer Autofabrik von einer enzymatischen Station zur nächsten weitergereicht werden, bis am Ende der fertige Wirkstoff abgespalten wird.

Bisher ist die Struktur der Megasynthasen kaum erforscht, da sie durch ihre schiere Größe über strukturbiologische Methoden wie Röntgenspektroskopie nur schwer zugänglich sind. Dennoch konnten Forscher bereits einige der wertvollen Riesenmoleküle in den Dienst nehmen: „Wir haben in den letzten Jahren Regeln für die Modifikation natürlicher nicht-ribosomaler Peptid Synthetasen gefunden. Damit können wir neue Megasynthasen und schließlich aminosäurebasierte Wirkstoffe erzeugen, die es so in der Natur noch nicht gab“, erläutert Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie und einer der beiden Sprecher von MegaSyn.

„Die Informationen aus den geplanten strukturbiologischen Arbeiten werden uns erlauben, bestimmte Klassen von Megasynthasen besser zu kontrollieren, so dass wir vielleicht schon in wenigen Jahren viele Produkte über maßschneiderte Megasynthasen in biosynthetischen Prozessen herstellen können“, sagt Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung an der Goethe Universität und auch Sprecher von MegaSyn.

Für das Design von Megasynthasen werden nun in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Marburg, der Max Planck Institute für terrestrische Mikrobiologie (Marburg) und für Biophysik (Frankfurt) sowie der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, Baupläne für verschiedene Megasynthasen erarbeitet: Polyketidsynthasen (PKS), Fettsäuresynthasen (FAS) oder nicht-ribosomale Peptid Synthetasen (NRPS). Dazu wollen die Forscher einerseits Methoden zur effizienten molekularbiologischen Manipulation der Gene entwickeln, welche die Megasynthase kodieren. Andererseits wollen sie moderne strukturbiologische Methoden erstmals nutzen, um detaillierte Einblicke in die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen zu werfen.

„Mit MegaSyn haben wir ein weltweit einmaliges Konsortium aus Biochemikern, Biophysikern, Molekularbiologen, Strukturbiologen und Biotechnologen geschaffen, das es erlaubt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung mit angewandter Forschung an Wirkstoffen zu verbinden“, erläutern Helge Bode und Martin Grininger. Da im Rahmen von MegaSyn die Weichen für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien für die Wirkstoff-Forschung gestellt werden sollen, ist auch das Interesse der pharmazeutischen Industrie groß. Deshalb wird MegaSyn auch von Unternehmen wie Merck (Darmstadt) unterstützt.

Ein Bild zum Download finden sie hier: www.uni-frankfurt.de/62453495

Bildtext: Test für die Wirkung von Antibiotika: die mit Antibiotikum getränkten Testplättchen zeigen gegen die Bakterienkultur eine Aufklarungszone (links), in der keine Bakterien wachsen. Unwirksame zeigen dies nicht (rechts).

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de

Prof. Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-42705, grininger@chemie.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:21

Neuer LOEWE-Schwerpunkt „Religiöse Positionierung“ an der Goethe-Universität untersucht Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam zu religiöser Vielfalt und Differenz in historischer und empirischer Perspektive

Welches Gewalt- und Friedenspotenzial bergen die monotheistischen Weltreligionen?

FRANKFURT.Im Rahmen der 9. LOEWE-Förderstaffel des Landes Hessen erhält die Goethe-Universität einen neuen Forschungsschwerpunkt: „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten (RelPos)“. Das Projekt wird vom Land Hessen mit einer Summe von knapp 4,5 Millionen Euro gefördert, die Förderzeitraum reicht von 2017 bis 2020. Federführende Institution ist die Goethe-Universität, Wissenschaftlicher Koordinator Prof. Christian Wiese (Fachbereich Evangelische Theologie). An der kooperierenden Justus-Liebig-Universität Gießen ist Prof. Roderich Barth Wieses Stellvertreter.

Zum Hintergrund: Gegenwärtig wird angesichts einer Vielzahl gewaltförmiger Konflikte, in denen Religion zum Tragen kommt, über die ebenso sinnstiftende wie auch zerstörerische Rolle von Religion und Religionen kontrovers debattiert. Besonders monotheistischen Religionen wird dabei unterstellt, sie ständen aufgrund ihrer zum Teil exklusiven Geltungsansprüche dem Pluralismus feindlich gegenüber und hätten eine Tendenz zu fundamentalistischen Positionen oder zur Gewalt. Andere Interpretationen hingegen sehen in ihnen ein Potenzial, Konflikten, Kriegen und Terror entgegenzuwirken. „Die aktuellen Debatten über die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen der zahlenmäßig beispiellosen Zuwanderung von Geflüchteten zeigen, dass sich Einwanderungsgesellschaften künftig auf ein weit höheres Maß an religiös-kultureller Pluralisierung und dadurch ausgelösten Ängsten und Konflikten einstellen müssen“, betont Prof. Christian Wiese. Der neue LOEWE-Schwerpunkt wird vor diesem Hintergrund die Funktion religiöser Positionierungen in historischen wie auch gegenwärtigen jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten hinsichtlich des Umgangs mit religiöser Differenz untersuchen. „Interreligiöse Pluralismus- oder Dialogkonzepte zielen auf eine konsensorientierte, harmonisierende Überwindung von Gegensätzen. Wir hingegen gehen in unserem Projekt davon aus, dass Religionen grundsätzlich positionell und somit konflikthaft, deshalb aber nicht zwangsläufig pluralismusunfähig sind, sondern Differenzen Ernst zu nehmen und zu achten vermögen“, erläutert Prof. Wiese. Beteiligt an diesem interreligiösen und interdisziplinären Projekt sind neben der protestantischen Theologie, der Judaistik und den Islamischen Studien auch die Soziologie, die Ethnologie und die Erziehungswissenschaften.

Wiese verweist auf die ausgezeichneten Voraussetzungen, die der Wissenschaftsstandort Frankfurt/Gießen bietet, einen innovativen Beitrag zu Fragen von Religion und Gesellschaft, Migration und Integration sowie religiöser Differenz und Interreligiosität zu leisten: So ist der Fachbereich Evangelische Theologie an der Goethe-Uni bereits mit dem Institut für Theologie an der Justus-Liebig-Universität eng verbunden; gemeinsam werden auch nichtkonfessionelle religionswissenschaftliche und –philosophische Studiengänge angeboten, die programmatisch auf Interreligiosität ausgerichtet sind. Im Bereich der Jüdischen Studien ist mit dem Seminar für Judaistik und der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie ein international gut vernetzter Partner vorhanden. Ferner hat das vom BMBF und vom Land Hessen geförderte Zentrum für Islamische Studien Frankfurt/Gießen in den vergangenen Jahren eine führende Rolle im Bereich einer modernen islamisch-theologischen Wissenschaft eingenommen. Auch die in Frankfurt beim Exzellenzcluster „Normative Orders“ angesiedelten Projekte bieten beste Kooperationsmöglichkeiten: Beispielsweise das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ von Prof. Susanne Schröter, das aktuelle Entwicklungen in der islamischen Welt untersucht, das Projekt „Genese und Geltung des Säkularen“ (Prof. Matthias Lutz-Bachmann u. Prof. Thomas Schmidt) oder „Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung“ (Prof. Rainer Forst). Ebenfalls zu nennen sind auf dem Gebiet der interreligiösen Forschung die seit 2014 etablierten Kooperationen der Goethe-Universität mit der Tel Aviv University und der Cambridge University. Der Forschungsschwerpunkt wird zudem intensiv mit Partnerinstitutionen im Bereich von Bildung und Politik in Frankfurt und der Rhein-Main-Region zusammenarbeiten und so auch zu den öffentlichen Debatten über religiöse Vielfalt und Differenz beitragen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie

Dekan des FB 06, Evangelische Theologie. Geschäftsführender Direktor des Instituts für Religionsphilosophische Forschung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069)  798 33313; E-Mail: C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 15 2016
08:32

Kein „Glaubensunterricht“: Das grundgesetzlich verankerte Schulfach soll vor allem Wissen über den Glauben vermitteln

Religionsunterricht – eine deutsche Besonderheit

FRANKFURT.Religionsunterricht gehört in Deutschland zum ganz normalen Fächerkanon einer staatlichen Schule. Wie passt das zusammen mit der angeblichen Trennung von Staat und Religion in unsrem Land? Warum das spezifisch deutsche Konstrukt, das letztlich bis auf die Paulskirchenverfassung zurückreicht, eine Chance für die Gesellschaft sein kann, dieser Frage ist Anke Sauter in ihrem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nachgegangen. Interessante Gesprächspartner fand sie dabei bei den Religionspädagogen unterschiedlicher Prägung, die an der Goethe-Universität lehren und forschen.

Allgemeinbildende öffentliche Schulen sollten sich um alle Lebensbereiche kümmern und den Schülern die dafür notwendige Bildung vermitteln – das ist einer der Grundgedanken dafür, dass an deutschen Schulen auch die Religion ihren festen Platz hat. Als einziges Schulfach ist sie sogar im Grundgesetz verankert: Dort ist einerseits festgeschrieben, dass die Inhalte in Abstimmung mit den Religionsgemeinschaften vermittelt werden, dass es aber andererseits auch die Möglichkeit gibt, sich vom Religionsunterricht abzumelden. War der Unterricht in den Anfangsjahren der Bundesrepublik noch stark am Kennen- und Auswendiglernen religiöser Texte orientiert, fand in den 1970er Jahren eine Öffnung statt. Weder evangelischer noch katholischer Religionsunterricht konzentriert sich noch allein auf die der eignen Konfession zugehörigen Themen; beide vermitteln auch Wissen über andere Religionsgemeinschaften und auch über nichtreligiöse Lebensorientierungen. „Der Glaube ist ein Thema des Religionsunterrichts, aber Religionsunterricht ist kein Glaubensunterricht“, sagt der evangelische Religionspädagoge Prof. Dr. David Käbisch. Denn der Glaube sei nicht verfügbar und könne insofern kein „operationalisierbares Unterrichtsziel“ sein. Glaube wird meist in den Familien vermittelt – wenn überhaupt
–, im schulischen Unterricht jedoch geht es um Inhalte.

Das sollte nach Ansicht des muslimischen Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Harry Harun Behr auch beim islamischen Religionsunterricht der Fall sein. Anders als viele Nicht-Muslime glaubten, wüchsen muslimische Kinder oft eher glaubensfern auf. Wie bei vielen christlichen Kindern gehe es im schulischen Religionsunterricht zunächst um „religiöse Alphabetisierung“, so Behr. Schon 1980 hat die Kultusministerkonferenz der Länder die Notwendigkeit des islamischen Religionsunterrichts konstatiert, doch erst in den vergangenen Jahren kam der Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur in Gang. An der Goethe-Universität wurde ein neues Fach „Islamische Studien“ eingeführt, das dem Aufbau einer Islamischen Theologie dienen soll. Gemeinsam mit der Uni Gießen beheimatet Frankfurt ein Zentrum für Islamische Studien; in Gießen werden Grundschullehrer ausgebildet, an der Goethe-Universität gibt es seit diesem Frühjahr einen Weiterbildungsstudiengang für bereits praktizierende Lehrkräfte, vom Wintersemester 2016/17 an wird ein grundständiges Studium für Sekundarstufenlehrer angeboten. Für diese beiden Studiengänge ist Prof. Behr zuständig.

Eine Hürde bei der Einrichtung des bekenntnisorientierten Unterrichts analog zu dem für die christlichen Konfessionen ist freilich die Tatsache, dass es im Islam keine mit kirchlichen Entscheidungsträgern vergleichbaren Instanzen gibt. In den Ländern, in denen die Inhalte des Religionsunterrichts sich tatsächlich an den Glaubensgemeinschaften orientieren sollen, hat man sich deshalb mit Beiräten beholfen, in denen unterschiedliche Richtungen des Islam vertreten sind. In Hessen ging man einen anderen Weg, indem man direkt mit zwei Verbänden – der türkisch orientierten DITIB Hessen und der Ahmadiyya Muslim Jamaat Verträge schloss, so dass es zwei islamische Angebote unterschiedlicher Ausrichtung gibt. Die Unterschiede seien eher kultureller als theologischer Art, betont Behr, der maßgeblich an der Erarbeitung des Kerncurriculums beteiligt war. Während Kritiker der Landesregierung monieren, man dürfe mit einer dem türkischen Staat so nahe stehenden Institution wie DITIB nicht so eng kooperieren, sieht Behr die Chance in dem neuen Angebot: „Islamunterricht ist normalitätsstiftend“, sagt er – auch für das Zusammenleben der Muslime unterschiedlicher Herkunft. Vor allem aber trage der Unterricht in deutscher Sprache erheblich zur Integration der jungen Muslime in die deutsche Gesellschaft bei. „Wir müssen ein attraktiveres Angebot machen als die Islamisten“, betont Behr.

Ob das neue Studienangebot auch junge Leute mit extremen Positionen anzieht, darüber kann nur spekuliert werden. Aber auch in diesen Fällen ist das Angebot eine Chance, ins Gespräch zu kommen. „Theologie ist Selbstaufklärung“, sagt der katholische Religionspädagoge Prof. Dr. Bernd Trocholepczy. Auch in den christlichen Theologien gibt es immer wieder fundamentalistisch geprägte Studierende. Manche könne man umstimmen, manche gäben ihr Studium wieder auf. Denn, so Trocholepczy, theologische Rationalität und Fundamentalismus seien nicht miteinander vereinbar.

Sonstige

Jul 14 2016
12:27

Gefährdet die Digitalisierung nicht nur die Privatsphäre, sondern auch die politische Teilhabe und Kritik? Die aktuelle Ausgabe des UniReport stellt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema vor

Wie viel Freiheit steckt noch im Privaten?

FRANKFURT.Verschwindet durch die Allgegenwart digitaler Medien die Privatsphäre, ist der Nutzer von Smartphones und Tablet Computer eine gefährdete Spezies? Prof. Sandra Seubert, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität, forscht gemeinsam mit Medien- und Rechtswissenschaftlern sowie Informatikern im Rahmen einer interdisziplinären Forschungsgruppe zum „Strukturwandel des Privaten“. Sie hinterfragt dabei den in der öffentlichen Debatte nur selten problematisierten Begriff des Privaten: „Man beklagt, dass mit dem Privaten gegenwärtig ein Wert gefährdet oder gar im Verschwinden begriffen ist: Aber was ist es eigentlich, was wir hier normativ wertschätzen?“Die von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungsgruppe legt deshalb einen besonderen Fokus auf den politischen Werts des Privaten: seine Bedeutung für die Demokratie, für Partizipation, Widerspruch und Kritik.

Die weiteren Themen in der Juli-Ausgabe des UniReport:

  • Verantwortungsvoller Umgang mit Versuchstieren: Der Neurophysiologe Jochen Roeper erforscht Morbus Parkinson und Schizophrenie.
  • Essay: Köln – Junge Männer und sexuelle Übergriffe: Was hat das mit dem Islam zu tun? Die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş kommentiert zum Abschluss der Debatte im UniReport die Vorfälle der Silvesternacht.
  • Rechtsberatung für Migranten: Im Projekt „Law Clinic Migration und Teilhabe“ engagieren sich Studierende der Rechtswissenschaften.
  • Speisekammer, Apotheke und Kulturlandschaft: Eine Ausstellung im Palmengarten stellt die unbekannten Seiten der Savanne vor.
  • Wie Wissenschaft und Politik voneinander lernen können: Ein Nachbericht zum Hochschulforum Third Mission an der Goethe-Uni.
  • Gute Erzählungen ähneln Brühwürfeln: Katja-Lange-Müller über ihre Vorgänger der Frankfurter Poetikdozentur und ihre Zeit in Bergen-Enkheim.
  • Wo kluge Köpfe am liebsten schreiben: Die Gewinner des Foto-Wettbewerbs „Schreiborte“.

Der UniReport 4/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/62394146. Im neuen Online-Magazin „Goethe-Uni online“ werden darüber hinaus Beiträge des UniReport mit weiteren Texten, Fotos und Videos ergänzt: http://tinygu.de/UniReport

Sonstige

Jul 13 2016
14:55

Santander Universitäten fördert auch künftig Internationalität der Goethe-Universität

„Einzigartige Gastfreundschaft“ kann weitergehen

FRANKFURT.„Diesmal habe ich bei der Ausländerbehörde so positive Erfahrungen gemacht, und ich kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen.“ „Ich freue mich schon wiederzukommen und Goethes einzigartige Gastfreundschaft noch einmal zu erleben.“ „Ihnen allen vielen Dank für Ihre Unterstützung. Ihre Hilfe sowohl bei bürokratischen Dingen als auch in Hinblick auf die Unterkunft hat wirklich einen großen Unterschied ausgemacht.“ Diese Stimmen (in Übersetzung) stammen allesamt von Gastwissenschaftlern, die beim Aufenthalt in Frankfurt vom Goethe Welcome Center (GWC) beraten und unterstützt worden sind. Dessen Existenz ist auch künftig gesichert, die weitere Förderung durch Santander Universitäten wurde heute vertraglich festgehalten.

Das Welcome Center soll optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler schaffen, indem es ihnen vor, während und nach ihrem Aufenthalt zur Seite steht. Die Hilfe reicht vom Behördengang über die Wohnungssuche bis hin zur Bewerbung um einen Kita-Platz für den Nachwuchs. Auch in Versicherungsfragen berät das GWC, zudem bietet es Sprachkurse und Exkursionen an. Die Einrichtung des GWC und einiger weiterer Angebote, die die Goethe-Uni internationaler machen sollen, wurde erst möglich durch Spenden von Santander Universitäten. Die erste Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2012 ist am heutigen Mittwoch erneuert worden. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Präsidentin der Universität, Prof. Birgitta Wolff, und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, in Frankfurt am Main unterzeichnet.

„Wir sind sehr froh, auch in Zukunft einen solch renommierten und verlässlichen Partner wie die Goethe-Universität Frankfurt an unserer Seite zu haben“, erklärte Fernando Silva anlässlich der Vertragsunterzeichnung. „Universitäten leisten einen enormen Beitrag für die Gesellschaft“, so der Generalbevollmächtigte weiter. Daher werde Santander in den nächsten vier Jahren wieder mehrere 100 Millionen Euro in die Finanzierung von Universitätsprojekten weltweit investieren.

Ein Santander-Förderschwerpunkt bleibt in den nächsten Jahren das Welcome Center der Goethe-Universität. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden, insgesamt wurden bis April 2016 709 Wissenschaftler aus dem Ausland betreut. Schon vor ihrer Ankunft werden die Gäste mit umfangreichen Informationen versorgt. Universitätspräsidentin Birgitta Wolff: „Das Welcome Center hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland, sich schneller an der Uni und in Frankfurt zurechtzufinden. Ein echter Standortvorteil. Insofern ist es von unschätzbarem Wert, dass die Goethe-Universität auch weiterhin auf Santander als Partner zählen kann.“

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Die Stelle wurde im Oktober 2012 erstmals besetzt und beinhaltet ein Lehrdeputat von neun Semesterwochenstunden. Der Stelleninhaber führt neben den Kursen veranstaltungsbegleitend auch Prüfungen durch.

Darüber hinaus wird die Bank 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen. Weltweit werden derzeit 36.000 Stipendiaten von Santander gefördert. Laut einem aktuellen Bericht der UNESCO ist Santander heute der größte private Förderer von Höherer Bildung.

Bilder zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/62388193

Bildunterschrift: Unipräsidentin Prof. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, bei der Vertragsunterzeichnung.

Forschung

Jul 12 2016
12:44

Neue Forschergruppe erforscht Mikromilieu auf der Suche nach gezielteren Therapien

Darmkrebs: Zellen in Tumor-Umgebung sind wichtig

FRANKFURT.Grundlegende Mechanismen bei der Entstehung des Darmkrebses zu untersuchen, ist das Ziel einer neuen Forschergruppe unter Federführung von Prof. Florian R. Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie sowie Professor an der Goethe Universität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Vorhaben mit 3,5 Millionen Euro für zunächst drei Jahre.

Darmkrebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Tumoren im Erwachsenenalter. Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Therapie lässt sich Dickdarmkrebs bis heute nur unzureichend gezielt bekämpfen. Mittlerweile ist auch bekannt, warum: nicht nur die eigentlichen Tumorzellen, sondern auch Immunzellen und Bindegewebszellen in direkter Umgebung der Tumorzellen, das sogenannte Tumormikromilieu, haben einen entscheidenden Einfluss auf das Tumorwachstum.

Die zelluläre Zusammensetzung dieses Mikromilieus und die Beschaffenheit der beteiligten Zellen sind sehr variabel und beeinflussen sich gegenseitig: bestimmte Mutationen in Tumorzellen können die Zusammensetzung des Tumorstromas, des bindegewebigen Stützgerüstes, verändern. Auf der anderen Seite haben Zellen aus dem Tumorstroma einen großen Einfluss auf das Wachstum der eigentlichen Tumorzellen und damit auf den Erfolg von Therapien. Derzeitige Standardtherapien richten sich in der Regel nur gegen die Tumorzellen und berücksichtigen mögliche Veränderungen im Tumormikromilieu nicht.

Die Forschergruppe „Cell Plasticity in Colorectal Carcinogenesis“, an der die Goethe-Universität sowie der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Regensburg beteiligt sind, beabsichtigt nun, die komplexen molekularen und zellulären Zusammenhänge im Mikromilieu des Darmkrebses zu entschlüsseln und neue Therapiekonzepte zu testen. „Wir hoffen, Wege zu finden, das Tumormikromilieu zu verändern, um ein besseres Ansprechen von Standardtherapien zu erreichen oder idealerweise sogar völlig neue Therapiekonzepte für die Behandlung des Dickdarmkrebses zu definieren“, erklärt Prof. Greten. Der stellvertretende Sprecher der Forschergruppe, Prof. Markus Neurath vom Universitätsklinikum Erlangen, betont: „Mittelfristiges Ziel wird es sein, solche Konzepte in die Klinik zu überführen, um sie den Patienten zugutekommen zu lassen“.

Informationen: Prof. Dr. Florian R. Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Tel.: (069)-63395-232, greten@gsh.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 11 2016
14:21

Vertragsunterzeichnung mit Unipräsidentin Wolff am Mittwoch, 13. Juli

Santander sagt weitere Unterstützung für Goethe-Uni zu

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Goethe-Universität Frankfurt und die Santander Consumer Bank AG werden ihre 2012 vereinbarte und anfänglich auf vier Jahre befristete Kooperation fortsetzen. Die Vertragsunterzeichnung mit Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter von Santander, findet am Mittwoch, 13. Juli, um 9.30 Uhr im IKB-Gebäude statt. Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen.

Förderschwerpunkt bleibt das Welcome Center der Goethe-Universität (GWC), das Wissenschaftlern aus dem Ausland Unterstützung und Beratung bietet. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden. Aufgabe des GWC als zentrale nichtakademische Beratungsstelle und Serviceeinrichtung ist es, optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu schaffen und ihnen vor, während und nach dem Aufenthalt hilfreich zur Seite zu stehen.

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Und die Bank wird 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen.

Wir laden Sie herzlich zur Vertragsunterzeichnung ein. Um 9.45 Uhr werden die einzelnen Förderprojekte vorgestellt, um 11 Uhr findet die eigentliche Unterzeichnung des Vertrages statt. Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff, Santander-Generalbevollmächtigter Fernando Silva und Alberto Dörr, Leiter Santander Universitäten, stehen im Anschluss für ein Gespräch zur Verfügung.

Termin:
Mittwoch, 13. Juli, um 9.45 bzw. 11 Uhr
IKB-Gebäude, Eschersheimer Landstraße 121 (U-Bahn-Station Holzhausenstraße), 6. Stock, Konferenzraum

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin

Forschung

Jul 11 2016
11:30

Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main will Studierenden internationale Gegenwartskunst vermitteln

Gaensheimer ist Honorarprofessorin der Goethe-Universität

FRANKFURT.Die Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Dr. Susanne Gaensheimer, ist neue Honorarprofessorin der Goethe-Universität. Die renommierte Kunsthistorikerin und Kuratorin ist der Goethe-Universität bereits seit 2013 mit einem Lehrauftrag in Kunstgeschichte verbunden. Ihre Professur möchte sie nutzen, um ausgehend von der Sammlung des MMK die Geschichte der Gegenwartskunst mit den Schwerpunkten Pop Art, Minimalismus, Konzeptkunst und neue Medien in den Fokus zu rücken. Dabei bietet sie den Studierenden die Möglichkeit, in den Museumsräumen und anhand der originalen Werke ein tiefes Verständnis für die Gegenwartskunst und ihre Kontexte zu entwickeln. Studierende können im Rahmen einer intensiven Kooperation mit dem Masterstudiengang „Curatorial Studies“ kuratorische Praxiserfahrungen im MMK sammeln und damit eine konkrete Vorstellung für künftige Berufsfelder entwickeln.

„Susanne Gaensheimer lehrt unsere Studierenden über das zu sprechen, was wir sehen, nicht nur über das, was wir lesen“, sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Ihr Engagement bietet wichtige Ergänzungen unserer Arbeit in Lehre und Forschung und ist gelebte Bürger-Uni im besten Sinne. Toll, dass sie nun Professorin bei uns ist.“

Susanne Gaensheimer betonte: „Ich freue mich sehr über die enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Universität und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und die ehrenvolle Aufgabe, die internationale Gegenwartskunst den Studierenden näherzubringen.“

Gaensheimer studierte Kunstgeschichte in München und Hamburg. Von 1995 bis 1996 absolvierte sie das Independent Study Programme des Whitney Museum of American Art in New York. 1998 wurde sie mit einer Dissertation über Bruce Naumann promoviert. 1998 bis 1999 absolvierte sie ein wissenschaftliches Volontariat an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. 1999 bis 2001 war sie Direktorin des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Von 2001 bis 2008 leitete sie die Sammlung für Gegenwartskunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Seit Januar 2009 ist sie Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Susanne Gaensheimer kuratierte den deutschen Pavillon der Biennale di Venezia 2011, der ursprünglich von Christoph Schlingensief gestaltet werden sollte. Der von Gaensheimer postum eingerichtete Pavillon erhielt den „Goldenen Löwen“, die höchste Auszeichnung der Biennale. Auch 2013 kuratierte sie den deutschen Beitrag zur 55. Biennale. Anfang 2012 wurde sie u.a. in die Ankaufskommission der Bundesrepublik Deutschland, in den Sparkassen-Kulturfonds, in die Turner Prize-Jury 2013 und in die Findungskommissionen für den Kurator der 7. und 8. Berlin Biennale 2014 sowie der 14. documenta in Kassel 2017 berufen. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag am Kunstgeschichtlichen Institut an der Goethe-Universität. Im Dezember 2014 wurde ihr der Hessische Verdienstorden verliehen.

Personalia/Preise

Jul 8 2016
14:11

Wechsel nach 16 Jahren an der Goethe-Universität erfolgt zum 1. Januar 2017

Gottschalk wird Kanzler der Universität Bonn

FRANKFURT. Nach insgesamt 16 Jahren in leitenden Positionen an der Goethe-Universität wird Universitätskanzler Holger Gottschalk zum 1. Januar 2017 Kanzler der Universität Bonn. Gottschalk ist nach seiner Ernennung als Stellvertreter des Kanzlers seit Juli 2012 hauptamtlicher Kanzler der Goethe-Universität. Zuvor war er viele Jahre selbst in der Verwaltung tätig, zunächst als Controller, später als Koordinator des Rechnungswesens und dann als Bereichsleiter Finanzen. Gottschalk hat auch an der Goethe-Universität studiert.

„Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da mir die Goethe-Universität sehr am Herzen liegt“, sagte Gottschalk. „Aber nach insgesamt 16 Jahren hatte ich auch den starken Wunsch, etwas Neues zu wagen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, die Goethe-Universität in den entscheidenden Jahren ihres Wandels zur Stiftungsuniversität mitgestalten zu können. Von diesem großen Erfahrungsschatz an einer der größten und interessantesten deutschen Universitäten werde ich in meiner neuen Position sehr profitieren. Ich danke allen, die mir in den letzten Jahren bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgaben zur Seite gestanden haben.“

Zu Gottschalks wichtigsten Errungenschaften in seiner Zeit als Uni-Kanzler gehören die Professionalisierung des Hochschulmanagements und der Verwaltung nach der Umwandlung in eine Stiftungsuniversität, die erfolgreiche Fortführung der baulichen Entwicklung der Universität sowie die Realisierung zweier von der Uni eigenverantwortlich durchgeführter Bauprojekte, des 22 Mio. Euro teuren Seminarhauses sowie des 5 Mio. Euro teuren Seminarpavillons.

Der Vorsitzende des Hochschulrats, Professor Matthias Kleiner, sagte: „Der Hochschulrat der Goethe-Universität dankt Herrn Gottschalk für seine herausragenden Leistungen. Er hat in einer wichtigen Phase der Veränderung und Neuausrichtung mit gezielten Reformen die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erhöht und diese gleichzeitig weiter modernisiert. Wir danken ihm, dass er der Goethe-Universität in der Phase des Übergangs bis Ende 2016 noch weiter zur Seite stehen wird. Für die verantwortungsvolle Arbeit an seiner neuen Wirkungsstätte wünschen wir ihm schon jetzt alles Gute.“

Universitätspräsidentin Professor Birgitta Wolff bedauerte den absehbaren Weggang Holger Gottschalks: „Schon in den 18 Monaten unserer bisherigen Zusammenarbeit haben wir gemeinsam viel erreicht und einen guten Teamspirit entwickelt. So ist der 2015 begonnene Integrationsprozess der Verwaltung inzwischen weit fortgeschritten. Wir werden Holger Gottschalk vermissen und ich wünsche ihm persönlich von Herzen eine gute Hand bei seinen künftigen neuen Aufgaben in Bonn.“

Foto zum Download unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/62305984?

Veranstaltungen

Jul 8 2016
14:07

Buchvorstellung – Beiträge zu jüdischen Wissenschaftlern und ihren Gegnern an der Universität Frankfurt vor und nach 1933

Neuerscheinung: „Politisierung der Wissenschaft“

FRANKFURT. Sehr geehrte Damen und Herren,

an der Universität Frankfurt lehrten von Beginn an viele jüdische Wissenschaftler, was nicht zuletzt mit den besonderen Bedingungen der 1914 von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründeten Universität zusammenhängt. Fast alle jüdischen Gelehrten mussten in den 1930er Jahren vor dem Nazi-Terror fliehen und damit verlor die Universität ein Drittel ihrer Lehrenden. Das sind bekannte Fakten – doch in dem soeben erschienenen Buch „Politisierung der Wissenschaft“ wird ein bisher nicht erforschtes Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Wie gestaltete sich das Verhältnis zwischen scharf rechtsgerichteten, „völkisch“-antisemitischen Wissenschaftlern auf der einen und liberalen, deutsch-jüdischen Gelehrten auf der anderen Seite vor und nach 1933?

Überraschenderweise lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Wissenschaftlern erkennen: So wollten Vertreter beider Seiten die von ihnen als defizitär wahrgenommene Politik in der Weimarer Republik mit Hilfe der Wissenschaft reformieren. Jeder nutzte auf seine Art das wissenschaftliche Etikett der Objektivität und erteilte auf dieser Basis politische Handlungsdirektiven. Wie sich der politische Geltungsanspruch Frankfurter Wissenschaftler auswirkte und welche Arbeitsatmosphäre dadurch an der Universität entstand, wird u.a. Thema bei der Buchpräsentation sein.

Wir laden Sie herzlich ein zur Buchpräsentation

am 19. Juli (Dienstag) um 14.30 Uhr
Campus Westend, IG Farbengebäude, Raum 1.411

Ihre Gesprächspartner sind:

  • Prof. Dr. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität
  • Prof. Dr. Werner Konitzer, Fritz Bauer Institut
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried, Historisches Seminar, Goethe-Universität
  • Prof. Dr. Moritz Epple, Historisches Seminar, Goethe-Universität (Moderation)

Das Buch, herausgegeben von Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian, mit Beiträgen u.a. von Steven Aschheim, Mitchell Ash, Emmanuel Faye, Jeffrey Herf, Martin Jay, Shulamit Volkov und Moshe Zimmermann, fasst die Ergebnisse einer internationalen und interdisziplinären Tagung zusammen, die im Rahmen des 100. Geburtstags der Goethe-Universität 2014 stattfand und damals ein großes öffentliches Echo fand.

Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian (Hrsg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933. (Schriftenreihe des Frankfurter Universitätsarchivs 5), Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1438-2, 505 Seiten, 39,90 Euro.

Bitte geben Sie uns bis zum Mittwoch (13. Juli) eine kurze Nachricht per Mail (gudian@em.uni-frankfurt.de), ob Sie an dem Mediengespräch teilnehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrike Jaspers
Referentin für Wissenschaftskommunikation
Abteilung PR & Kommunikation

Janus Gudian
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Historisches Seminar

Personalia/Preise

Jul 7 2016
15:49

Prof. Julika Griem auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Vizepräsidentin gewählt.

Anglistin der Goethe-Universität zieht ins Präsidium der DFG ein

FRANKFURT. Die Mitgliederversammlung der DFG hat am 6. Juli auf ihrer Sitzung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Mainz die Literaturwissenschaftlerin Prof. Julika Griem in das Präsidium der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungsorganisation für die Wissenschaft in Deutschland gewählt. Gemeinsam mit dem Präsidenten entwickelt das Präsidium die strategisch-konzeptionelle Ausrichtung der DFG. Griem folgt auf den Münsteraner Althistoriker Prof. Peter Funke.

Die Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität engagiert sich seit 2012 als Mitglied im Auswahlausschuss des Heinz Maier-Leibnitz-Preises der DFG und seit 2015 als DFG-Fachkollegiatin für die Literaturwissenschaft. In der Strategiekommission des Wissenschaftsrates und der Gemeinsamen Kommission sowie dem Bewilligungsausschuss zur Exzellenzinitiative der DFG ist Griem seit 2014 Mitglied. Seit März 2016 leitet sie das von der VolkswagenStiftung geförderte Promotionskolleg „Schreibszene Frankfurt“ an der Goethe-Universität.

Weitere Informationen

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. (228) 885-2109,  presse@dfg.de.
Pressemitteilung zum neuen DFG-Präsidium:  http://dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2016/pressemitteilung_nr_30/index.html

 

Personalia/Preise

Jul 7 2016
11:06

Sportmediziner berät zu Bewegung und Sport bei Zuckerkrankheit

Prof. Banzer in neuen Diabetes-Beirat berufen

FRANKFURT.Prof. Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Goethe-Universität, ist vom Robert Koch-Institut in den neuen wissenschaftlichen Beirat der „Nationalen Diabetes-Surveillance“ berufen worden. Ziel dieser Einrichtung ist es, die Entwicklung von Diabetes in Deutschland in Bezug auf Krankheitsgeschehen, Folgen, Risikoentwicklung, Versorgungssituation und Präventionspotential zu überwachen.

„Ich freue mich über den Ruf in den wissenschaftlichen Beirat und die Initiative des Robert Koch-Institutes“, so der Sportmediziner. „In Deutschland ist schätzungsweise jeder 13. Bürger an Diabetes erkrankt. Doch viele wissen nicht, dass sie durch Bewegung und Sport einen positiven Effekt auf Diabetes erzielen können.“

Banzer bringt seine langjährige Beratungskompetenz und Erfahrung aus anderen Gesundheitskommissionen ein. Er ist im „Steering Committee of the European Network for the promotion of health enhancing physical activit“ (HEPA/WHO), Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V., Mitglied der Gesundheitskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie Gesundheitsbeauftragter des Landessportbundes Hessen.

Der wissenschaftliche Beirat setzt sich aus 20 Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Epidemiologie, Versorgungsforschung, Gesundheitsberichterstattung, Qualitätssicherung, Gesundheitsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Patientenselbsthilfe zusammen. Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention. Der Präsident des Robert Koch-Institutes beruft den wissenschaftlichen Beirat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Gesundheit für maximal vier Jahre ein. Die konstituierende Beiratssitzung wird am 21. September 2016 am Robert Koch-Institut in Berlin stattfinden.

Informationen: Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Tel.: (069) 798- 24543, winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 7 2016
10:52

Über das Verhältnis von käuflichen Dingen und religiösen Praktiken – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Macht Shoppen selig?

FRANKFURT.Apples iPhone wurde bei seiner Markteinführung in den USA „Jesus-Phone“ genannt, sein spiritueller Vater Steve Jobs galt sogar als „iGod“, die Flagship-Stores dieser und anderer Firmen laden als „Tempel des Konsums“ zur käuflichen Einkehr ein. Der Tanz um das goldene Kalb scheint ein grundlegendes Bewegungsmuster unserer Zeit zu sein. Und ist es wirklich so, dass der Konsum eine „Ersatzreligion“ ist und das Shoppen eine „quasi-religiöse“ Handlung? Diesen Fragen geht der Journalist Bernd Frye in seinem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nach. Anregungen und Anschauungsmaterial lieferte ihm dabei auch das Forschungsprojekt „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ unter maßgeblicher Beteiligung der Goethe-Universität.

Gegen Ende ihrer Laufzeit präsentierten sich die Forschungen zur Konsumästhetik im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres der Öffentlichkeit mit einer Ausstellung im Museum Angewandte Kunst. Sie hieß „Hamster – Hipster – Handy“ und stellte das Smartphone pars pro toto für den Umgang mit käuflichen Dingen in den Mittelpunkt. „Das Handy ist ein Schlüsselobjekt des 21. Jahrhunderts. Es ist sowohl ein Kultur- als auch ein Kultgegenstand“, sagt Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität und eine der Kuratorinnen der Ausstellung mit dem Untertitel „Im Bann des Mobiltelefons“. Das Smartphone präsentiere sich als ein „verehrter Gegenstand, eine Reliquie, der Mensch huldigt dem ‚heiligen’ Leuchten des Displays“, heißt es auch im Ausstellungskatalog. Das wissenschaftliche Projekt, das in Einzelaspekten noch fortgeführt wird, galt nicht explizit dem Verhältnis von Konsum und Religion. Es ist aber verblüffend, wie viele Bezüge zutage traten.

Heinz Drügh, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität, leitete ein Teilprojekt des interdisziplinären Forschungsverbunds. Dabei ging es um „Künstlerische Verhandlungsformen des Konsums“, also auch um die Frage, wie käufliche Dinge und der Umgang mit ihnen als Motiv von der Kunst aufgenommen, dargestellt und gedeutet werden. Als Ertrag seiner Forschungen erschien Ende vergangenen Jahres die Studie „Ästhetik des Supermarkts“, die auch grundlegende Einblicke in die geistes- und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit unserem Verhältnis zu käuflichen Dingen gibt. Drügh zeigt, wie schon in Zolas Warenhaus-Roman „Das Paradies der Damen“ das religiöse Sprachregister bemüht wurde – und übrigens auch das erotische. Zola beschrieb schon vor 130 Jahren: die ersten Warenhäuser erinnerten an „Kathedralen“, in denen auf „Altären“ die Waren, zum Beispiel der „Kult des Weiß“ der Damenwäsche, feilgeboten wurden. Für unser Verhältnis zu den Waren und dessen kultische Konnotationen sieht er unter anderem bei dem US-amerikanischen Kulturanthropologen Igor Kopytoff aufschlussreiche Erklärungsansätze.

So spricht Kopytoff von Techniken und Praktiken der „Singularisierung“, mit denen massenhaft hergestellte Objekte wieder als etwas Besonders ausgezeichnet werden. Bei indigenen Völkern, so Kopytoff, sei es den Schamanen vorbehalten, eigentlich alltäglichen Dingen Eigenschaften des Heiligen oder transzendente Bezüge zu verleihen. „Bedeutung hat, was individuell als sinnvoll und tragfähig erlebt wird. Der Glaube kann Berge versetzen – das gilt sicher heute auch für eine Marke“, sagt auch der Würzburger Theologie-Professor Hans-Georg Ziebertz, der sich gleichzeitig überzeugt zeigt, dass „zwischen Markenerlösung und Erlösung durch den Zuspruch Gottes langfristig ein qualitativer Unterschied bemerkbar“ sei. Trotz mancher struktureller Übereinstimmungen zwischen Konsum und Religion spricht sich Wolfgang Ullrich, der von Seiten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe an dem Konsumästhetik-Projekt beteiligt war, dagegen aus, den Konsum als Ersatzreligion zu bezeichnen. Die Bedeutung der Vokabel sei „diffus“, und im Umgang mit dem Warenpluralismus könne auch eine eigene Kulturtechnik erkannt werden.

Und noch eine weitere These scheint bei näherer Betrachtung Schwachpunkte zu zeigen – nämlich die, dass Konsumhandlungen „quasi-religiöse“ Handlungen seien und Menschen in ihnen neue identitäts- und gemeinschaftsstiftende Inhalte suchten, weil Sozialformen wie die Kirche vermeintlich an Bedeutung verloren hätten. Als ausgemacht könne zwar gelten, dass „der Konsum über die notwendige Versorgung hinaus eine veränderte Rolle spielt“, sagt der Jesuit Michael Sievernich, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Universität Mainz und ehemaliger Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Da aber „der Zusammenhang, gar ein kausaler, kaum empirisch herzustellen“ sei, bleibe der interpretatorische Zugriff ambivalent, zumal wenn er auf eine Kategorie des Quasi-Religiösen zurückgreife, die noch klärungsbedürftiger sei als das Religiöse selbst.

In der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ gibt es zudem ein ausführliches Interview mit Michael Sievernich. Hier lautet das Thema „Von ‚Glaubens-Shoppern‘ und ‚Religions-Komponisten’ - Der moderne Mensch und seine spirituelle Suche“.

Informationen: Prof. Dr. Birgit Richard, Professur für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 28406, E-Mail: PROFRICHAR@aol.com; Prof. Dr. Heinz Drügh, Professur für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik, Tel. (069) 798 32860, E-Mail: Druegh@lingua.uni-frankfurt.de; Bernd Frye, Tel. 0177-7222719, E-Mail: bernd.frye@me.com

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.