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Jun 22 2015
16:22

Jahrestagung der Afrikagruppe deutscher GeowissenschaftlerInnen an der Goethe-Universität

Milleniumsziele in Afrika: Rolle der Geowissenschaften

FRANKFURT. 2015 steht eine Bestandsaufnahme der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen an. Aus diesem Anlass diskutiert die Afrikagruppe deutscher Geowissenschaftler/-innen (AdG) auf Ihrer Jahrestagung an der Goethe-Universität, was bisher erreicht wurde und wie es weitergehen sollte. Besonders das 7. Entwicklungsziel zur „Ökologischen Nachhaltigkeit“ ist für die Geowissenschaften von großer Bedeutung. In der Keynote Lecture sprechen Franca Schwarz und Dirk Küster (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, BGR, Fachbereich Internationale Zusammenarbeit, Hannover) über die „Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele in geowissenschaftlichen Projekten in Afrika“.

Wann? Fr./Sa., 26. und 27. Juni
Wo? Campus Riedberg der Goethe-Universität, Geozentrum, Hörsaal GW 0.124.

Die Frankfurter Afrikaforschung blickt auf eine fast 200-jährige Tradition zurück. Lange vor der Gründung der Goethe-Universität 1914 machten sich die Afrikaforscher Eduard Rüppell und Leo Frobenius im 19. und 20. Jahrhundert einen Namen. Die besondere Kompetenz der Frankfurter Afrikaforschung besteht darin, dass aus nahezu allen Fachbereichen Wissenschaftler sich mit der Erforschung Afrikas befassen und in zahlreichen Projekten und Sonderforschungsbereichen interdisziplinär zusammenarbeiten. 2003 wurde als Ausdruck dieser langen Tradition das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität gegründet. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Physische Geographie richtet es die Tagung aus.
Insgesamt 18 Vorträge in drei Themensitzungen sowie zahlreiche Posterpräsentationen stehen auf dem Programm.
Eintritt für Tagesbesucher: 15 Euro.

Informationen:
Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie, Campus Riedberg,
Tel.: (069)-798-40160, -40155 (Sekretariat), j.runge@em.uni-frankfurt.de.
Programm: http://www.uni-frankfurt.de/56037228/AdG2015_2_Zirkular.pdf
www.ziaf.de

Veranstaltungen

Jun 22 2015
12:49

Inzwischen 14 Bände in der Reihe „Gründer Gönner und Gelehrte“ der Goethe-Universität erschienen

Neu in der Biographienreihe: Porträts von Moritz Schmidt-Metzler und Heinrich Roessler

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Biographienreihe der Goethe-Universität „Gründer, Gönner und Gelehrte“ sind jetzt zwei neue Bände erschienen: Die Historikerin Berenike Seib stellt Moritz Schmidt-Metzler (1838-1907) vor, der als Vorsitzender der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung wesentliche Vorarbeit für die Gründung der Frankfurter Universität leistete. Der Wirtschaftshistoriker Jörg Lesczenski porträtiert Heinrich Roessler (1845-1924); der Frankfurter Naturwissenschaftler und Unternehmer gestaltete die Sozial- und Bildungspolitik maßgeblich mit und setzte sich vehement für die Universitätsgründung ein.

In der im Frankfurter Societäts-Verlag publizierten Biographienreihe werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert. In ihren Lebensbildern spiegelt sich die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Bisher sind bereits 14 Bände erschienen. Anlass für diese Reihe war der 100. Geburtstag der Goethe-Universität im vergangenen Jahr.

Wir möchten Ihnen die nun veröffentlichten Biographien und ihre Autoren vorstellen, außerdem möchte wir Sie über die Persönlichkeiten, die noch porträtiert werden sollen, und die Förderer dieses Projektes informieren.

Dieses Treffen bietet auch die Chance zum Gespräch zwischen Historikern, Autoren, Förderern, Journalisten, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats und Vertretern des Societäts-Verlags. Wir laden Sie herzlich ein zur Präsentation und zum Gespräch bei einem zweiten Frühstück

am:     Donnerstag, dem 25. Juni 2015, um 11.30 Uhr
Ort:     Campus Westend, Gebäude Präsidium und Administration, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, Erdgeschoss, Raum P04 (Link zum Lageplan: unter www.uni-frankfurt.de/38093807/Campus_Westend-pdf.pdf; PA-Gebäude ist mit der Nr. 8 bezeichnet)

Bitte teilen Sie uns bis 17. Juni (Mittwoch) mit, ob wir mit Ihrer Teilnahme rechnen dürfen. Mails bitte an: Eger@pvw.uni-frankfurt.de

Mit besten Grüßen

Ulrike Jaspers                Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl
Koordinatorinnen des Projekts „Biographienreihe  „Gründer, Gönner und Gelehrte“

Sonstige

Jun 19 2015
14:00

Wissenschaftsminister Boris Rhein überreicht Urkunden an geförderte Projekte

Neues LOEWE-Zentrum an der GU geht an den Start

FRANKFURT. Das hessische Landesförderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) geht in eine weitere Runde – und wieder ist die Goethe-Universität vorne mit dabei. Bei einer feierlichen Matinee am Campus Westend hat Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) heute Vormittag die Urkunden überreicht. Neu als LOEWE-Zentrum ins Programm aufgenommen wurde das Projekt „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“; das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ und der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ können ihr Vorhaben mit Landesmitteln abschließen.

Mit rund 20 Millionen Euro geht die größte Fördersumme an das LOEWE-Zentrum „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“ unter der Leitung von Prof. Gerd Geisslinger, in dem sich die federführende Goethe-Universität, die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie TMP des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und  die Abteilung Pharmakologie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim zusammengeschlossen haben. Hauptziel des LOEWE-Zentrums  ist die zielgerichtete Überführung von innovativen akademischen Forschungsideen in die anwendungsorientierte Arzneimittelforschung und somit der effektive Transfer in die medizinische Praxis. Trotz explodierender Kosten in der Arzneimittelentwicklung scheitern bislang viele neue Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. Die Wissenschaftler haben sich zum Ziel gesetzt, die Leistung der Arzneimittelforschung zu steigern und so die Entwicklungskosten von Arzneimitteln unter marktwirtschaftlichen Kriterien zu senken. Erreichen wollen sie dies, indem sie u.a. in Kooperation mit der Industrie präklinische und klinische Modelle entwickeln, um so früh wie möglich Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können und damit die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung deutlich zu steigern. Die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie, soll die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft koordinieren. Langfristiges Ziel des LOEWE-Zentrums ist die Etablierung des ersten Fraunhofer-Instituts in Frankfurt. Das Projekt knüpft an den LOEWE-Schwerpunkt „Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung“ (2012-2014) an.

Beeindruckende Ergebnisse geliefert hat das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ (Helmholtz International Center for Facility for Antiproton and Ion Research): Mit dem LOEWE CSC in Frankfurt Höchst haben die beteiligten Wissenschaftler einen der schnellsten und energieeffizientesten Rechner in Deutschland entwickelt. Wobei dieser Rechner nur eine Art Nebenprodukt der Grundlagenforschung ist, die den Start des Teilchenbeschleunigers FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) vorbereiten soll. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist Masse? Woher kommt Materie? Wie sind die Elemente entstanden? HIC for FAIR kann mit den genehmigten Mitteln nun noch bis Dezember 2015
weitermachen. Neben der Goethe-Universität sind die Technische Universität Darmstadt, die Justus-Liebig-Universität Gießen, das Frankfurt Institute for Advanced Studies sowie das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung als Partner beteiligt.

Und auch der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ kann bis Ende 2015 fortgesetzt werden, dafür stehen weitere 350.000 Euro zur Verfügung. Unter Federführung der Goethe-Universität erforschen Wissenschaftler der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt und unter Beteiligung der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung Formen und Muster im Umgang mit Konflikten. Welche Konflikte trug man zu unterschiedlichen Zeiten vor Gericht aus, wann wurde außergerichtlich nach Lösungen gesucht? Wie stellt sich dies im internationalen Vergleich dar? Ziel ist eine fundierte Theorie der Konfliktlösung. Zugleich soll Frankfurt als Zentrum der Konfliktforschung etabliert werden, indem das Projekt in einen DFG-Sonderforschungsbereich überführt wird.

Die Goethe-Universität hat damit bei sechs LOEWE-Zentren und acht LOEWE-Schwerpunkten die Federführung inne. Professor Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, zieht eine positive Zwischenbilanz: „Die LOEWE-Initiative hat in Hessen viel Gutes bewirkt. Denn sie regt nicht nur zur Kooperation innerhalb der Hochschulen an, sondern wegen ihrer Anwendungsorientierung auch mit Partnern aus der Wirtschaft. Aber auch für die Grundlagenforschung gibt sie wichtige Impulse. So werden nicht wenige frühere LOEWE-Projekte heute zum Beispiel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert – auch das ein Beispiel für gelungenen Transfer!“

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Jun 19 2015
13:54

Vortrag des renommierten Sozialhistoriker Jürgen Kocka eröffnet Jahresthema des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Neue Perspektiven auf verschiedene Varianten des globalen Kapitalismus

BAD HOMBURG. Der renommierte Berliner Sozialhistoriker Prof. Dr. Jürgen Kocka hält am Donnerstag (25. Juni) am Historischen Kolleg des Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg einen öffentlichen Vortrag. Er spricht über „Probleme einer vergleichenden Geschichte des Kapitalismus“, moderiert wird die Veranstaltung von den Frankfurter Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Plumpe. Dies ist Auftakt zum Themenjahr 2015 im Historischen Kolleg, das sich mit „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“ beschäftigt.

Kocka, emeritierter Professor für Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin, wird den Blick auf die stark divergierende Entwicklung von atlantischer und asiatischer Welt um 1800 richten. Der vielfach ausgezeichnete Forscher wird langfristige Entwicklungslinien in der Geschichte des modernen Kapitalismus nachzeichnen und darlegen, wie der Begriff des Kapitalismus zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichts- und Sozialwissenschaft verwendet wurde. Besonders interessiert ihn, welchen Nutzen der Kapitalismusbegriff für globalgeschichtliche und gegenwartsbezogene Fragen hat. Kocka wird auch fragen, inwiefern sich die Varianten des Kapitalismus im 21. Jahrhundert annähern.

Damit führt der Berliner Wissenschaftler in das  Jahresthema des Historischen Kollegs ein. Es beschäftigt sich mit der Entstehung des abendländischen Kapitalismus und seine von den Niederlanden und Großbritannien ausgehende Verbreitung des Kapitalismus, die sich zunächst auf Europa beschränkte und dann weltweit ausdehnte. Dabei handelt es sich um ein historisches Phänomen von außerordentlicher Tragweite, das das Interesse von Ökonomen, Soziologen und Historikern geweckt hat.

An den öffentlichen Abendvortrag schließt sich ein Intensivseminar für Studierende, Doktoranden und einschlägig arbeitende Forscher an. Es wird gemeinsam von Jürgen Kocka, Werner Plumpe, dem Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Jahresthema 2015/2016, sowie dem Wirtschaftshistoriker Peer Vries (Wien) und dem Politikwissenschaftler Tobias ten Brink (Frankfurt) gehalten. Sie versuchen, eine neue Perspektive auf die langfristige Evolution verschiedener Varianten des globalen Kapitalismus in der Atlantischen Welt und Asien vom frühen 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert zu entwickeln. Bei diesem Seminar und im weiteren Verlauf des Themenjahres stehen zudem die Rolle und Beschaffenheit grundlegender Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus auf dem Prüfstand wie Eigentumsrechte, Nutzenorientierung und Kapitalmärkte. Nicht zuletzt geht es – auch mit aktuellem politischen Bezug – um soziale Ungleichheiten, immanente Konflikte, aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Kapitalismus.
2014 war das Auftaktjahr des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. Es widmete sich der „Welt von 1914“. Renommierte internationale Wissenschaftler, wie Christopher Clark, Gustavo Corni und Till van Rahden, forschten zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen dem „Großen Krieg“ und der Zeit danach. Die Wissenschaftler diskutierten, wie die Kriegserfahrung fundamentale Aspekte der Weltsicht veränderte, und richteten den Blick auf politische und gesellschaftliche Ordnungsmuster, etwa das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit.

Das Historische Kolleg wurde als erste eigenständige Programmlinie des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte, an der Goethe-Universität.

Die Dagmar-Westberg-Stiftung ist Hauptsponsorin des Historischen Kollegs. Das Themenjahr „Varianten des Kapitalismus“ wird finanziert von Stefan Quandt. Das Forschunsgkolleg Humanwissenschaften ist ein Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung.

Informationen: Dr. Friederike Sattler und Ellinor Schweighöfer,
Forschungskolleg Humanwissenschaften, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-0, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de ; schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldung für den öffentlichen Vortrag von Prof. Kocka erbeten an: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

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Jun 18 2015
16:19

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 23. Juni im Klingspor-Museum

Vortrag: Wer hat die Macht im Internet?

FRANKFURT/OFFENBACH. Beim Auftaktvortrag der „Goethe Lectures Offenbach“ sprach der Soziologie-Professor Sighard Neckel vor rund einem Monat über „Burnout. Das gesellschaftliche Leid mit der Erschöpfung“. Das zweite Thema der neuen Reihe, bei der der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität mit der Stadt Offenbach kooperiert, ist nicht minder aktuell. Nun geht es um das weltweite Datennetz, das in den Augen vieler Kritiker ein rechtsfreier Raum ist, der von den Interessen einiger weniger Großkonzerne dominiert wird. Ob das stimmt und wie es denn zu ändern wäre, analysiert der Rechtswissenschaftler Dr. Matthias C. Kettemann in seinem Vortrag „Wer hat die Macht im Internet?“ am Dienstag, dem 23. Juni, im Offenbacher Klingspor-Museum. Die interessierte Öffentlichkeit ist bei freiem Eintritt herzlich willkommen.

Der Vortrag wird sich zunächst mit dem Charakter der Macht im Internet beschäftigen. Die herrschenden Machttheorien sprechen von verschiedenen Gesichtern der Macht. Mit Max Weber können wir Macht als die Fähigkeit verstehen, „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“. In vielen sozialen Beziehungen im Internet gibt es allerdings kein Widerstreben. Niemand zwingt uns, eine bestimme Suchmaschine zu nutzen oder ein bestimmtes soziales Netzwerk zu besuchen, niemand zwang europäische Regierungen, mit den USA Vereinbarungen zum Datenaustausch einzugehen. Dennoch geschieht es. Und das ist eine Wirkung von Macht.

Sodann werden in dem Vortrag die ‚üblichen Verdächtigen‘ auf ihre Rolle als Herrscher über die Macht im Internet durchleuchtet: die Unternehmen – die Googles und Facebooks unserer Zeit – und die großen Staaten mit ihren Überwachungskapazitäten, wobei die USA, zumindest noch, eine Sonderrolle einnehmen. Der Vortrag zeigt aber auch auf, warum kein Akteur alleine machtvoll sein kann und kommt zu dem Schluss, dass bei den einzelnen Menschen viel an emanzipatorischer Macht verbleibt. Aber Macht ist, auch dies ein zentraler Schluss, natürlich nicht alles: Mit Pascal ist Macht ohne Recht tyrannisch, sodass jede Machtordnung des Internets von einer legitimierenden Rechtsordnung unterfüttert sein muss.

Der Prozess, in dem die normative Ordnung des Internets als Gegenmodell zu einer reinen Machtordnung entwickelt wird, ist für Kettemann die „Internet Governance“. Diese hat gewisse normative Ziele, die richtunggebend sind. Zentral dabei: Der Schutz der Integrität des Internets liegt im globalen öffentlichen Interesse, und nationale Internetpolitik wird mit Blick auf das öffentliche Interesse am Schutz des Internets determiniert.

Um das Demokratisierungs- und Emanzipationsversprechen des Internets einzulösen, bedarf es, so Kettemann, einer menschenrechtlich sensiblen Netzpolitik. Diese dürfe nicht dem Informationsindustriekomplex überlassen werden – aber auch nicht autoritären Staaten. Die Internet Governance brauche klare völkerrechtliche Grundlagen. Aber eine normative Ordnung des Internets könne nicht ohne einen sie tragenden Sozialvertrag Bestand haben. Diesen zu erarbeiten, zu diskutieren und umzusetzen sei unser aller Aufgabe – eine Aufgabe, der wir uns stellen müssten, um die Macht im Internet zu bändigen.

Matthias C. Kettemann ist Postdoktorand des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, wo er sich zur normativen Ordnung des Internets habilitiert. Kettemann hat für den Europarat und das Europäische Parlament geforscht und ist Co-Chair der Internet Rights & Principles Coalition. Zu seinen jüngsten Publikationen gehören: „The Future of Individuals in International Law“, „European Yearbook on Human Rights 2013“ (als Co-Herausgeber) und “Freedom of expression and the Internet” (zusammen mit Wolfgang Benedek).

Veranstalter des Vortragsabends und auch der Gesamtreihe sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion.

Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard):
Wer hat die Macht im Internet?
Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“
Dienstag, 23. Juni, 19.00 Uhr
Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main

Informationen:
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411,
bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392,
kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Personalia/Preise

Jun 18 2015
16:13

Langjähriger Freund, Gönner und Ehrenbürger starb im Alter von 72 Jahren

Goethe-Universität trauert um Jochen Hückmann

FRANKFURT. Die Goethe-Universität trauert um Dr. Jochen Hückmann. Der Ehrenbürger und langjährige Chef des Pharma-Unternehmens Merz & Co. war am Montag im Alter von 72 Jahren gestorben. Hückmann hatte sich viele Jahre intensiv für die Goethe-Universität eingesetzt. Bereits vor 30 Jahren, im Jahr 1985, stiftete der promovierte Ökonom die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur für Pharmazie und Humanmedizin – eine der ersten Stiftungsgastprofessuren der Goethe-Universität. Erst 2014 war die traditionsreiche Gastprofessur um weitere fünf Jahre verlängert worden. Leitgedanke der Gastprofessur ist vor allem die Förderung internationaler wissenschaftlicher Beziehungen der Goethe-Universität in den Bereichen Medizin und Pharmazie. Mit der Stiftung einer Gastprofessur knüpfte die Firma Merz & Co. an alte Traditionen Frankfurter Mäzenatentums an. Der Firmengründer Friedrich Merz war Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Die Gastprofessur umfasst Forschungs- und Lehrtätigkeiten sowie die Teilnahme an einem internationalen und interdisziplinären Symposium, das dem Forschungsschwerpunkt des Gastprofessors gewidmet ist und ebenfalls von der Firma Merz & Co. unterstützt wird.

Im universitären Jubiläumsjahr 2014 rief Jochen Hückmann zudem einen mit 500.000 € dotierten Stiftungsfonds aus Privatmitteln für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern sowie der Förderung der wissenschaftlichen Spitzenforschung an der Goethe-Universität ins Leben. Ein ebenfalls von ihm gestifteter, mit 100.000 € dotierter Jubiläumspreis für medizinische Spitzenforschung wurde 2014 an Prof. Florian Greten vom Georg-Speyer-Haus verliehen.

Noch Mitte 2014 hatte die Journalistin Astrid Ludwig Jochen Hückmann für die Jubiläumsausgabe des Magazins Forschung Frankfurt – das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität – porträtiert. Unter dem Titel „Die stillen Stifter“ schrieb sie: „Ein Mittelständler, der in der Spitzenforschung mitmischt. Auch das passt zu Dr. Jochen Hückmann und dem Frankfurter Familienunternehmen, das nicht an die Börse geht und seine Arzneimittel in Reinheim im Odenwald und im sachsen-anhaltischen Dessau produziert: klein, aber fein, bodenständig und innovativ. Wissenschaft und Forschung, darin liege die Zukunft Deutschlands – dieses Credo ist entscheidend für seine Unterstützung der Goethe-Universität. Die öffentliche Wahrnehmung seiner eigenen Person ist ihm dabei unwichtig: »Das brauche ich nicht. Es geht um die Universität.« Gutes zu tun, macht ihm Freude; und er möchte gern andere motivieren, sich ebenfalls zu engagieren und zu stiften.

Uni-Vizepräsident und Pharmakologe Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz würdigte  Jochen Hückmann: „Mit ihm verliert die Goethe-Universität einen echten Freund und Gönner. Jochen Hückmann hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Er wollte helfen und hat dies in der ihm eigenen bescheidenen und freundlichen Art so nachdrücklich getan wie kaum ein anderer. Die Goethe-Universität ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Wir werden ihn sehr vermissen.“

www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/51322710/FoFra_2014_1_Stifter_Die_stillen_Stifter.pdf


Veranstaltungen

Jun 18 2015
11:32

Ein Gespräch über den nachhaltigen Umgang mit Wasser

Vom Sinn und Unsinn des Wassersparens

FRANKFURT. Wir alle kennen die zahlreichen Verbrauchertipps zum Wassersparen und viele von uns wenden sie auch an. Schließlich gehört Wassersparen zum Umweltschutz und Umweltschutz inzwischen zum „guten Leben“ dazu. Doch macht es wirklich Sinn, Topfpflanzen mit dem Kondenswasser aus dem Trockner zu gießen, Duschwasser für Toilettenspülungen wiederzuverwenden oder Regenwasser für den Garten aufzufangen? Helfen wir damit wirklich der Umwelt oder „nur“ dem Geldbeutel? Was für Verbraucher nach einem klaren Fall aussieht, zeigt sich Experten bei genauer Betrachtung als komplexer Zusammenhang – sowohl zwischen Wasserinfrastruktur, Ökonomie und Ökologie als auch zwischen städtischen Ballungsräumen und ländlicher Umgebung. Wie sieht hier wie da ein sinnvoller Umgang mit der Ressource Wasser wirklich aus?

Dieser Frage widmet sich das Gespräch mit Dr. Stefan Liehr vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Dr. Regina Oehler von hr-iNFO kommende Woche. Liehr leitet den Forschungsschwerpunkt „Wasserressourcen und Landnutzung“ am ISOE. Oehler hat, nach Stationen als Neurobiologin und Autorin für die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT, die Wissenschaftsredaktion Hörfunk des Hessischen Rundfunks aufgebaut, wo sie bis heute tätig ist.

Die Veranstaltung ist Teil der Diskussionsreihe „Blaue Zukunft – Die kostbare Ressource Wasser und wie wir damit umgehen (müssen)“, die die Goethe-Universität zusammen mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ausrichtet. An insgesamt vier Abenden diskutieren Wissenschaftler beider Einrichtungen eines der wichtigsten Themen der Zukunft: Wasser. Dabei soll es nicht nur um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gehen, sondern vor allem um Fragen, die wir uns als Verbraucher stellen sollten und müssen.

Vom Sinn und Unsinn des Wassersparens – Nachhaltiger Umgang mit Wasser
Gespräch mit Dr. Stefan Liehr (ISOE) und Dr. Regina Oehler (hr-iNFO)

Zeit: Mittwoch, 24. Juni 2015, um 19.00 Uhr
Ort: GLS Bank, Mainzer Landstraße 47, 60325 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Die Reihe findet statt im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität, das komplette Programm finden Sie unter:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Ausblick

Am 08. Juli 2015 geht es dann weiter mit der Diskussion
Risikostoffe im Wasser – Gefahren für Mensch und Umwelt?
Mit Prof. Jörg Oehlmann, Prof. Wilhelm Püttmann (beide Goethe-Universität), Anna Walz und Dr. Carolin Völker (beide ISOE), Moderation: PD Dr. Heike Zimmermann-Timm (GRADE – Goethe Graduate Academy)

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität sowie Bevölkerungsentwicklung und Versorgung.

Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Nicola Schuldt-Baumgart (Leitung)
Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt am Main
Tel: (069) 707 69 19-30; Fax: (069) 707 69 19-11
schuldt-baumgart@isoe.de

Internet: www.isoe.de

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Jun 17 2015
15:54

„Starker Start ins Studium“: Projekttagung an der Goethe-Universität

Bessere Bedingungen für Erstsemester

FRANKFURT. Mit dem Projekt „Starker Start ins Studium“ hat die Frankfurter Goethe-Universität im Herbst 2011 eines der umfangreichsten Programme im Qualitätspakt Lehre des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung eingeworben. In den verschiedenen Fachzentren der Universität wird seither daran gearbeitet, Studierenden in der ersten Zeit ihres Studiums bessere Bedingungen zu bieten. Die vielfältigen Ansätze des Projekts werden bei einer Tagung am Montag, 6. Juli, im Rahmen einer Tagung vorgestellt.

In drei Bereiche lassen sich die Maßnahmen zur Verbesserung der Studieneingangsbedingungen unterteilen: die Unterstützung beim Studieneinstieg, die Lernbegleitung in der Studieneingangsphase und das Lehren und Lernen in der „Weiter“-Entwicklung. So gibt es inzwischen Vorkurse in den Fächern Chemie, Mathematik und Informatik als Vorbereitungs- und Auffrischungskurse für Studienanfänger, insbesondere vor Beginn des Wintersemesters. Viele Studiengänge bieten vor Studienbeginn Orientierungsveranstaltungen für die angehenden Bachelorstudierenden an, wie etwa die „Welcome-Tage“ in den Biowissenschaften. In der Medizin wurde ein umfangreiches, dreiwöchiges Propädeutikum mit Beginn im September etabliert.

Lernbegleitung in der Studieneingangsphase wiederum kann ganz unterschiedlich realisiert werden. Ein Beispiel sind die „Peer-TutorInnen“ des Schreibzentrums, die andere Studierende in der Textarbeit beratend unterstützen. Zudem wurden Konzepte entwickelt, durch die die Tutoren und Mentoren in Zusammenarbeit der Fachzentren mit der zentralen Einrichtung für Tutorenqualifizierung „studiumdigitale“ auf Ihre Tätigkeit vorbereitet und qualifiziert werden. Beim „Starken Start ins Studium“ wurden auch viele Ideen für neue, spannende und zielgruppenspezifische Lehrangebote umgesetzt. Das Projekt USE (Universität studieren / Studieren erforschen) etwa hat zum Ziel, die universitäre Lehre, die meist hinter verschlossenen Türen stattfindet, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem auf einer Online-Plattform Ergebnisse von Lehrveranstaltungen, Lehrkonzepte und studentische Arbeiten präsentiert werden.

Bei der Projekttagung „Starker Start ins Studium“ am Montag, den 06. Juli, werden die rund 50 Projektbeteiligten ihre Arbeit in Kurzvorträgen und anhand von Postern präsentieren und sich anschließend der Diskussion stellen. Eine thematische Einführung in den Tag gibt Prof. Elke Wild, die über das Thema „Visible Learning“ im Hochschulkontext sprechen wird. Die Tagung richtet sich an Angehörige und Lehrende der Goethe-Universität sowie an alle an Lehre Interessierten anderer Hochschulen und Institutionen. Im Anschluss an die Tagung wird der 1822 Preis für exzellente Lehre verliehen.

„Starker Start ins Studium”, Tag der Lehre,
9.30 bis 17.30 Uhr,
Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Casino Festsaal
Anmeldung: https://anmeldung.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/allgemein/?veranstaltung=3st
Anmeldeschluss 01.07.2015
Tagungsbüro: tagung@starkerstart.uni-frankfurt.de
Dr. Julia Sommer/ Lars Gußen
Weitere Infos: http://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/53980949/Tagung

Veranstaltungen

Jun 17 2015
15:39

LOEWE-Matinee mit feierlicher Urkundenübergabe durch Wissenschaftsminister Boris Rhein

Medieneinladung: Auszeichnung praxisnaher Spitzenforschung made in Hessen

FRANKFURT. Die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz, kurz LOEWE, ist die hessische Exzellenzinitiative. Das 2008 gestartete, bundesweit einmalige wissenschaftliche Förderprogramm soll die Profilbildung der hessischen Hochschulen sowie die Vernetzung von universitären, außeruniversitären und unternehmerischen Partnern vorantreiben. Zwischen 2008 und 2014 hat das Land Hessen über LOEWE rund 520 Millionen Euro in wegweisende Projekte investiert. Anlässlich einer LOEWE-Matinee an der Goethe-Universität präsentieren sich erfolgreiche Initiativen der 1. und 4. Förderstaffel. Anschließend erfolgt die Übergabe der Urkunden und Bescheide durch Wissenschaftsminister Boris Rhein. Die Veranstaltung findet statt

am Freitag, 19. Juni 2015, 10-11.30 Uhr,
Ort: Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend,
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt a.M.,
Foyer des Gebäudes PA (Präsidium und Administration).

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Matinee teilzunehmen. Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können (Frau Ott, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Forschung

Jun 17 2015
13:11

Nur wenn Vorhersagen falsch sind, schalten sich obere Hirnregionen ein

Wie erkennt das Gehirn Gesichter?

FRANKFURT. Unser Gehirn erkennt in Millisekunden Objekte, sogar, wenn es nur rudimentäre optische Informationen erhält. Forscher vermuten, dass die verlässliche und schnelle Erkennung gelingt, indem das Gehirn ständig Vorhersagen über Objekte im Gesichtsfeld trifft und diese mit den hereinkommenden Informationen abgleicht. Nur wenn dabei Fehler auftreten, müssen höhere Hirnregionen  benachrichtigt werden, um aktiv ihre Vorhersagen anzupassen. Wissenschaftler der Goethe-Universität haben diese Vermutung jetzt bestätigt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Neuroscience“ berichten, haben sie im Falle eines Vorhersagefehlers die Verstärkung von solchen Hirnwellen identifiziert, die an höhere Hirnareale gesendet werden. Diese Ergebnisse versprechen auch ein besseres Verständnis der psychischen Erkrankungen Schizophrenie und der Autismus-Spektrum-Störung.

Um Vorhersagefehler bei ihren Probanden zu provozieren, zeigten die Forscher ihnen sogenannte Mooney Gesichter, benannt nach ihrem Erfinder Craig Mooney. Das sind Fotos von Gesichtern, die ganz auf schwarze und weiße Flächen reduziert sind. Diese erkennen wir meist mühelos. Wir können sogar Angaben über Geschlecht, Alter und Gesichtsausdruck machen – obwohl lediglich der Verlauf der schwarz-weißen Grenze ein wenig Information über das Gesicht enthält. Und selbst diese minimale Information ist zweideutig, denn die Grenzen stellen entweder Übergänge zwischen Licht und Schatten dar oder sie begrenzen das Objekt selbst.

„In unserer Studie benutzten wir Mooney Gesichter, die gezielt zwei Erwartungen enttäuschten: erstens, dass wir Gesichter immer aufrecht sehen, und zweitens, dass Licht von oben einfällt. Dadurch hat sich die Gesichtserkennungs-Leistung deutlich verschlechtert und verlangsamt“, erklärt Prof. Michael Wibral vom Brain Imaging Center der Goethe-Universität.

Was passiert in diesem Fall im Gehirn? Eine aktuelle Theorie, die „Predictive Coding“-Theorie, besagt, dass Signale nur zur Verarbeitung in höhere Hirnregionen gesendet werden müssen, wenn Vorhersagen nicht erfüllt sind. Es müssten also verstärkte Signale in Richtung höherer Hirnregionen auftreten. Es gibt jedoch auch konkurrierende Theorien, die genau das Gegenteil vorhersagen.

Ein direkter Test der Theorie wurde erst kürzlich möglich, als Frankfurter Wissenschaftler vom Strüngmann-Institut entdeckten, dass Hirnwellen mit etwa 90 Schwingungen pro Sekunde bevorzugt auftreten, wenn höhere Areale des Gehirns adressiert werden. „Wenn ein Vorhersagefehler provoziert wird, indem wir Bilder erzeugen, die lebenslang gelernten visuellen Alltagswahrheiten widersprechen, sollten wir die fehlerspezifischen Hirnwellen mit etwa 90 Schwingungen pro Sekunde vermehrt sehen. Das konnten wir experimentell bestätigen“, erklärt Wibral. „Schließlich konnten wir auch zeigen, dass die ‚Fehlerhirnwellen‘ umso stärker sind, je langsamer das Erkennen ist. Dies zeigt, dass diese Hirnwellen nicht nur eine Korrektur einleiten, sondern ursächlich an unserer
Wahrnehmung beteiligt sind”, so Wibral weiter. Die Ergebnisse sind bedeutsam, weil gerade diese Hirnwellen auch bei Patienten mit Schizophrenie und Autismus Spektrum Störung deutlich beeinträchtigt erscheinen. Das haben Messungen der vergangenen Jahre im Labor des Frankfurter Brain Imaging Centers gezeigt. Die Forscher erhoffen sich nun, beide Erkrankungen besser zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, Patienten dabei zu helfen, ihre fehlerhaften Vorhersagen besser anzupassen.

Publikation:
Alla Brodski, Georg-Friedrich Paasch, Saskia Helbling, and Michael Wibral: The Faces of Predictive Coding, in: Journal of Neuroscience, 17 Juni 2015 • 35(24):8997–9006 • 8997, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1529-14.2015;

Ein Bild zum Download finden Sie hier: www.uni-frankfurt.de/56080403
Bildtext: Bei der Gesichtserkennung geht das Gehirn davon aus, dass der Lichteinfall von oben kommt und das Gesicht aufrecht ist (UPTP). Diese Erwartungen haben die Forscher enttäuscht durch Lichteinfall von unten (UPBT), einen invertierten Kopf (INTP) und ein invertiertes Bild mit Lichteinfall von unten (INBT). Das letzte Bild ist ein Kontroll-Stimulus, in dem die Gesichtselemente verschoben wurden.

Informationen: Prof. Michael Wibral, MEG Labor, Brain Imaging Center, Klinikum der Goethe Universität, Tel.: (069) 6301 83193, wibral[at]bic.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 16 2015
11:22

Eine Nacht lang Wissenschaft zum Anfassen auf dem Campus Riedberg

Night of Science: Faszination Forschung live erleben 

FRANKFURT. Tief eintauchen in die Welt der Naturwissenschaft: Das können Interessierte am Freitag, den 19. Juni 2015, bei der Night of Science auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität. Das Programm beginnt um 17 Uhr und dauert bis 6 Uhr morgens. Es bietet über 70 spannende Vorträge, faszinierende Experimente, Mitmachstationen, Laborbesichtigungen und ein buntes Rahmenprogramm. Passend zum "Internationalen Jahr des Lichts" gibt es in diesem Jahr unter anderem eine Vortragsreihe zu kulturellen und technologischen Aspekten des Themas Licht.

Den Eröffnungsvortrag hält um 17 Uhr der Neurowissenschaftler und Buchautor Prof. Boris Kotchoubey, der sich mit den neurobiologischen und psychologischen Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung und des freien Willens beschäftigt. Unter dem Titel "Der Fehler von Pontius Pilatus: Warum ‚Wahrnehmung‘ mit ‚wahr‘ beginnt" begibt sich Kotchoubey auf Erkundungstour im Dickicht von Wahrnehmung und Wahrheit und beleuchtet insbesondere die Frage, ob das Bild der Welt, das uns unsere Sinne liefern, eine reine Illusion ist.

Ein Vortrag des Hirnforschers Prof. Wolf Singer schafft anschließend den Übergang zur spannenden Frage, inwieweit unsere Entscheidungen tatsächlich frei sind oder bereits durch äußere Umstände bestimmt werden. Prof. Singer und Prof. Kotchoubey werden danach ihre Positionen im Rahmen einer moderierten Podiumsdebatte miteinander diskutieren.
Das ist der Auftakt zu über 70 weiteren unterhaltsamen Vorträgen, in denen Dozenten neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen, alltägliche Phänomene erklären und spektakuläre Experimente zeigen. Wer schon immer mal ein echtes Labor von innen kennenlernen wollte, hat dazu bei der Night of Science ebenfalls Gelegenheit. Angeboten werden geführte Besichtigungen in kleinen Gruppen. Zu sehen ist beispielsweise der kälteste Ort Frankfurts: das Tieftemperaturlabor des physikalischen Instituts oder auch die Arbeit in einem Forensik-Labor.

Erstmals sind auch das Max-Planck-Institut für Biophysik sowie das Max-Planck-Institut für Hirnforschung auf dem Campus Riedberg mit Vorträgen und Führungen an der Night of Science beteiligt. Für Schülerinnen, Schüler und Studieninteressierte stellen Lehrende die Studiengänge verschiedener naturwissenschaftlicher Fachbereiche vor und stehen für Fragen zur Verfügung.

Abwechslungsreiches Rahmenprogramm
Im Rahmenprogramm gibt es für Kinder zahlreiche Mitmach- und Showexperimente sowie einen betreuten Spielplatz. Musikbegeisterte kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Insgesamt fünf verschiedene Live-Bands werden den Abend musikalisch gestalten. Die Bandbreite reicht dabei von Alternative Rock über Punk bis zu Indie-Pop. Zusätzlich ist ein „Science Slam“ geplant, also ein Kurzvortragsturnier, bei dem Wissenschaftler interessante Forschungsthemen humoristisch vor Publikum präsentieren. Auch die Roboter-Kicker aus Frankfurt, die Bembelbots, treten wieder zu einem Fußballmatch der Superlative an.

Die Night of Science, die seit 2006 jährlich stattfindet, wird ehrenamtlich von Studierenden aus neun naturwissenschaftlichen Fachbereichen organisiert. Damit wollen sie ihre Studienfächer einer breiten Öffentlichkeit näherbringen. Für ihr Engagement wurde ihnen 2012 der Hessische Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre verliehen. Finanziert wird die Veranstaltung durch den Verkauf von Speisen und Getränken sowie Sponsorengelder. Auch die Initiative „Hessen schafft Wissen“ unterstützt die Veranstaltung mit Technik und digitalen Inhalten.

Wann? Freitag, den 19.6.2015, ab 17.00 Uhr bis morgens 6.00 Uhr.
Wo? Campus Riedberg, Ruth-Moufang-Str. 2 und Max-von-Laue-Str. 1-9.

Informationen: Marco Rotter, Tel.: 015126818136, fragen@nightofscience.de.
Das Programm: www.nightofscience.de

Veranstaltungen

Jun 12 2015
16:44

Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 20. Juni im Frankfurter Kunstverein zum Auftakt der Paglen-Ausstellung „The Octopus“

Überwachung ist (k)eine Kunst

FRANKFURT. Der Frankfurter Kunstverein hat mit dem US-amerikanischen Künstler Trevor Paglen eine umfassende Werkschau entwickelt. Sie heißt „The Octopus“ und beschäftigt sich vom 20. Juni bis zum 30. August 2015 mit Themen wie Überwachung und politische Einflussnahme. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch mit zentralen Beiträgen in dem umfangreichen Rahmenprogramm vertreten ist. Am Samstag, dem 20. Juni, veranstaltet der Exzellenzcluster um 20 Uhr im Kunstverein die Podiumsdiskussion „The Art of Surveillance“ („Die Kunst der Überwachung“). Der Eintritt hierzu ist frei.

Die vermeintliche „Notwendigkeit“ moderner Überwachungssysteme, die der Künstler Trevor Paglen in seinen Fotografien zeigt, wird mit der Verteidigung westlicher Werte begründet. Ein Grundpfeiler der Demokratie ist jedoch die Privatsphäre. Warum die schon heute schier grenzenlose Überwachung das Potenzial hat, den Rechtsstaat abzuschaffen, obwohl sie ihn doch schützen soll, ist ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion. Teilnehmer sind Trevor Paglen und die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins Franziska Nori. Vom Exzellenzcluster kommen Klaus Günther, dessen Co-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht, sowie der Soziologe und Postdoktorand des Exzellenzclusters Valentin Rauer, der zum Zusammenhang von Sicherheitskultur und der Entwicklung ziviler Überwachungsdrohnen forscht. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Clusters.

„Terror kann eine Nation nicht in ihren Grundfesten gefährden. Aber mit den Überwachungssystemen der Geheimdienste lässt sich im Handumdrehen ein totalitärer Staat erschaffen“, sagt Trevor Paglen, der mit seinen Fotografien Anlagen, Apparaturen und Aktivitäten, die eigentlich geheim bleiben sollen, öffentlich sichtbar macht: Abhörstationen, Überwachungsdrohnen, Spionagesatelliten und verdeckte Operationen. Der US-Amerikaner, der als „Grenzgänger zwischen Kunst und Politik“ gilt, will mit seinen Bildern nach eigener Aussage eine „neue Art des Sehens“ schaffen, um Überwachungssysteme wahrzunehmen und darüber zu diskutieren, ob wir sie wirklich wollen.

Vielleicht gelingt es ja der Kunst, breiten Widerstand gegen die Überwachung zu mobilisieren. Denn bis auf vereinzelte Aktionen im unmittelbaren Anschluss an den „NSA-Skandal“ blieben groß angelegte Proteste aus, und auch von einer Veränderung der Verhaltensweisen kann nicht die Rede sein: Facebook, Google & Co. werden, wie es scheint, so viel und so sorglos wie zuvor verwendet. Die Überwachung sei überall, man müsse nur den Blick trainieren, dann sehe man beispielsweise auch Drohnen, sagt Paglen, der auch diese ferngesteuerten Flugobjekte fotografiert hat. Drohen werden – was mittlerweile bekannt ist – als Waffen zu militärischen Zwecken eingesetzt. Sie finden aber auch bei der „zivilen“ Überwachung in immer größerem Maße Verwendung, was vielleicht nicht so bekannt ist.

Der Einsatz von Drohnen und Satelliten, das „Abfischen“ von E-Mails und anderem Datenverkehr verstößt, so betonen Kritiker, in vielen Fällen gegen das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, also das Recht, selbst zu befinden, was mit den eigenen Daten geschieht. Im so genannten Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts heißt es: „Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“

Die Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ ist ein Projekt des Frankfurter Kunstvereins. Sie findet im Rahmen der „RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt Rhein/Main“ statt und ist zudem eine Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm finden im Frankfurter Kunstverein statt: Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main.

Vorschau:
Am 22. Juli gibt es, ebenfalls im Rahmen des Kooperationsprojekts mit dem Frankfurter Kunstverein und am gleichen Ort, einen Vortrag von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie. Der Titel lautet: „Die (Un)Sichtbarkeit der Macht“. Trevor Paglens Bilder machen geheime Orte der Macht sichtbar. Doch entgegen der Auffassung, dass damit auch die Ausübung von Macht sichtbar würde, müssen wir, so Forst, nach deren verborgener Wirkungsweise fragen.

Ein Hinweis an die Redaktionen – Pressevorbesichtigung am 18.6.2015:
Der Frankfurter Kunstverein veranstaltet am Donnerstag, dem 18. Juni, um 11 Uhr eine Pressevorbesichtigung der Ausstellung, zu der Sie auch im Namen des Exzellenzclusters herzlich eingeladen sind. Es sprechen: Franziska Nori (Direktorin Frankfurter Kunstverein), Trevor Paglen (Künstler), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“) und Luminita Sabau (Sprecherin RAY Fotografieprojekte). Um Anmeldung wird gebeten unter: presse@fkv.de

Ein Bild zum Downloaden gibt es hier: uni-frankfurt.de/56039889

Information:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/
Julia Wittwer, Leitung PR Frankfurter Kunstverein, Tel.: 069/219314-30, presse@fkv.de, www.fkv.de/;

Veranstaltungen

Jun 12 2015
12:14

Konferenz im Museum Angewandte Kunst befasst sich mit der zeitgenössischen Auffassung von Ästhetik und Konsum

Konsumästhetik: Impulse für die Kunst?

FRANKFURT. Konsum und Ästhetik scheinen Antipoden zu sein. Die Tagung „Konsumästhetik“ vom 18. bis 20. Juni im Museum Angewandte Kunst wirft jedoch einen anderen Blick auf diese scheinbaren Gegensätze und fragt nach positiven Wechselwirkungen. Die Konferenz findet im Rahmen des Forschungsverbundprojekts „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ statt und wird von Heinz Drügh, Professor für Literaturgeschichte und Ästhetik an der Goethe-Universität, und seiner Doktorandin Annemarie Opp organisiert.

Angesichts der gesellschaftlichen Tendenz zur Ökonomisierung sowie dem Unbehagen darüber gilt das Ästhetische manchen als eine Art „Gegengift“. Diese Hoffnung geht zurück auf die im 18. Jahrhundert wurzelnde Vorstellung von der Kunst als autonomer Sphäre. Die Tagung schlägt eine andere Perspektive vor: In welcher Hinsicht kann die Konsumsphäre für die Künste und unsere Auffassung von Ästhetik produktiv sein? Diese Fragestellung führt zu einer Debatte sowohl über konkrete Verhandlungen zwischen Konsum und Kunst als auch über unsere zeitgenössische Vorstellung von Ästhetik.  

Das Forschungsverbundprojekt „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ widmet sich der kritischen Analyse des Konsums als eines zentralen Phänomens westlicher Gesellschaften. Ziel ist eine wissenschaftliche Haltung gegenüber Konsumgütern und dem Umgang mit ihnen, die sich weder als vorentschiedene Kritik noch als marktliberale Affirmation des Konsums versteht. Dabei soll auf differenzierte Art und Weise betrachtet werden, womit und wovon wir leben. Das Projekt leiten Prof. Moritz Baßler (Münster), Prof. Heinz Drügh (Frankfurt), Prof. Birgit Richard (Frankfurt) und Prof. Wolfgang Ullrich (Karlsruhe). Die Konferenz und das Forschungsverbundprojekt werden von der Volkswagenstiftung gefördert.

Die Tagungsbeiträge befassen sich zum Beispiel mit der „Ästhetik der Dinge“ (Aida Bosch, Erlangen-Nürnberg), mit „sowjetischer Konsumästhetik und ihrem nostalgischen Potenzial“ (Monika Rüthers, Hamburg) oder mit der Frage, „warum die Dinge immer anders sind, als die Warenwelt uns glauben machen will“ (Hans Peter Hahn, Frankfurt). Eine Podiumsdiskussion am Donnerstag um 17.30 Uhr dreht sich um das Thema „Käufliche Welt als künstlerisches Phänomen“. Podiumsteilnehmer sind Barbara Vinken, Christoph Menke, Moritz Baßler und Wolfgang Ullrich, moderiert wird die Runde von Heinz Drügh und Birgit Richard. Am Samstag um 17.15 Uhr führt Kuratorin Birgit Richard durch die Ausstellung „Hamster – Hipster – Handy. Im Bann des Mobiltelefons“. Für Studierende der Goethe Universität ist die Konferenzteilnahme kostenlos.

Konsumästhetik, Konferenz vom 18. bis 20.06.2015, Museum Angewandte Kunst Frankfurt, Programm im Internet: www.konsumaesthetik.de/Veranstaltungen/Konferenz

Organisation:
Prof. Dr. Heinz Drügh und Annemarie Opp M.A., Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt

Information und Anmeldung: konsumaesthetik@gmail.com

Veranstaltungen

Jun 11 2015
12:02

Die Frankfurter Bürger-Universität stellt Kunst-Mäzen Peter Ludwig vor

Nur ja nicht für sich selbst sammeln!

FRANKFURT. Das Museum Ludwig in Köln ist den meisten in Deutschland bekannt, den wenigsten jedoch sein Namensgeber: Peter Ludwig.
Peter Ludwig stieg in den 1950er Jahren in die Schokoladenfirma Leonhard Monheim ein, baute diese in den 1970er und 1980er Jahren zu einem der führenden deutschen Unternehmen in dieser Branche aus. Heute heißt sie Ludwig Schokolade. Seine Leidenschaft aber war das Sammeln von Kunst. Er brachte die PopArt nach Deutschland, kaufte auf der documenta 4 1968 auf einen Schlag zehn Werke von Andy Warhol und Jasper Johns; Künstler, die heute weltberühmt sind. Seine Sammlung beschränkt sich jedoch nicht nur auf das 1976 gegründete Museum Ludwig in Köln. Schon zu Lebzeiten verteilte er seinen Sammlungsschatz weltweit, gründete oder beschenkte Institutionen und Museen, etwa in Sankt Petersburg, Budapest, Basel oder Cuba.

Was bringt einen Menschen  dazu, den größten Teil seines persönlichen Reichtums für Kunst auszugeben, die er dann in alle Welt verleiht und verschenkt? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Vortrag des bekannten Kasseler Soziologen Prof. Heinz Bude und zeichnet die Geschichte des Mäzens als einer Figur unserer Kultur. Ludwigs Weg ist ein Beispiel einer Karriere nach 1945 und die Geschichte einer persönlichen Besessenheit, die immer den Glanz der Bilder suchte.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Sammeln für die Öffentlichkeit  – Peter Ludwig
Referent: Prof. Heinz Bude lehrt Makrosoziologie an der Universität Kassel

Zeit: Montag, 15. Juni 2015, um 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 10 2015
13:11

Der Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen diskutiert an aktuellen Beispielen darüber, warum zu wirklichen Neuerungen mehr gehört als technischer Fortschritt

Echte Innovationen brauchen Beteiligung aller

FRANKFURT. Der Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen trifft sich vom 12. bis 14. Juni zu seiner 18. Tagung für Angewandte Sozialwissenschaften auf dem Campus Westend der Goethe-Universität im IG-Farben-Haus. Das Thema der Tagung lautet „Soziale Innovation Verstehen“. Auf der Agenda steht u.a., was Innovationen in der Arbeitswelt, beispielsweise mit Industrie 4.0, für die Betroffenen bedeutet und wie sie sich mit anderen Akteuren in diese Innovationsprozesse einbringen können.

Es geht auch um Corporate Social Responsibility, z.B. bei der betrieblichen Gesundheitspolitik oder der Förderung nachhaltigen Konsums von Mitarbeitern. Ein anderes Feld der Innovation betrifft neue soziale Praktiken in der Politik, z.B. die Einbeziehung von Bürgern bei der Planung neuer Stadtteile oder kommunaler Verkehrskonzepte.

Bei der Tagung werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über anwendungsorientierte Forschungsprojekte diskutieren, aber auch über Fragen der Grundlagenforschung. Mitveranstalter sind das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften; die Soziologin ist auch Direktorin des IWAK.

Angesichts der wirtschaftspolitischen Krisen und der verbreiteten Einsicht, dass der Klimawandel vor allem durch gesellschaftsweite Verhaltensänderungen beeinflusst werden kann, setzen immer mehr große Institutionen wie EU, OECD oder die Bundesregierung auf soziale Innovation. Damit deutet sich ein Umdenken an: Unter Innovation werden nicht mehr ausschließlich technische Neuerung gesehen. Es setzt sich vielmehr das Verständnis durch, dass sich das Neue – auch wenn es aus der Wirtschaft kommt – immer als Veränderung von Gewohnheiten und Verhaltensweisen manifestiert und dass die Gesellschaft oder Teile von ihr dabei aktiv mitwirken.

Und so bringt Prof. Blättel-Mink den zentralen Begriff auf einen einfachen Nenner: „Soziale Innovation ist, wenn viele etwas anders machen und sich dieses auch durchsetzt.“ Und liefert gleich die wissenschaftliche Definition ihrer Kollegen Jürgen Howaldt und Michael Schwarz nach: „Eine soziale Innovation ist eine von bestimmten Akteuren bzw. Akteurskonstellationen ausgehende intentionale, zielgerichtete Neukonfiguration sozialer Praktiken in bestimmten Handlungsfeldern bzw. sozialen Kontexten, mit dem Ziel, Probleme oder Bedürfnisse besser zu lösen bzw. zu befriedigen, als dies auf der Grundlage etablierter Praktiken möglich ist.“

Informationen:
Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Westend, Tel: (069)-798-36660, B.Blaettel-Mink@soz.uni-frankfurt.de; Programm im Internet: http://bds-soz.de/BDS/PDF/TAS/2015/Programm_XVIII.TAS.pdf

Personalia/Preise

Jun 9 2015
15:10

Zum vierten Mal seit 2005 zertifiziert

Goethe-Universität bei Familienfreundlichkeit vorbildlich

FRANKFURT. Bereits seit vielen Jahren agiert die Goethe-Universität vorbildlich im Bereich Familien-Service. Nun ist sie zum vierten Mal seit 2005 durch die Berufundfamilie gGmbH als „familiengerechte Hochschule“ zertifiziert worden. Damit ist sie hessenweit eine der ersten Hochschulen, die über zehn Jahre hinweg alle vier Stufen des Audits, ein Untersuchungsverfahren im Qualitätsmanagement, durchlaufen hat. Hierdurch möchte die Goethe-Universität die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Studium oder Beruf und Familie kontinuierlich und nachhaltig verbessern. Während des gerade abgeschlossenen Re-Auditierungsverfahrens wurden hierfür erneut konkrete Ziele und Maßnahmen vereinbart: Einerseits sollen die Studienbedingungen noch familienfreundlicher gestaltet werden, indem Studierende mit Kind beispielsweise bevorzugt Plätze in teilnahmebeschränkten Veranstaltungen erhalten. Ein Tandem-Programm soll zudem den Austausch zwischen studentischen Familien mit viel Erfahrung und denjenigen fördern, für die eine derartige Situation neu ist.

Andererseits sollen auch die Bedürfnisse der an der Goethe-Universität beschäftigten Eltern mehr berücksichtigt werden. „Führungskräfte in Wissenschaft und Verwaltung noch stärker für die Bedarfe ihrer Mitarbeitenden mit Familienaufgaben zu sensibilisieren, steht im Zentrum der neuen Vereinbarung“, sagt Anja Wolde, Leiterin des Gleichstellungsbüros. Vorgesetzte sollen beispielsweise vermehrt darauf achten, dass wichtige Meetings in der Zeit stattfinden, in der auch die Betreuungseinrichtungen geöffnet haben. Zudem sollen die Arbeitszeiten noch flexibler gestaltet werden können. Diese Ziele und weitere zu erreichen, bedeutet für die Goethe-Universität zugleich die Chancengleichheit für alle Hochschulmitglieder im Rahmen der Gleichstellungs- und Diversitätspolitik weiterhin zu verbessern. Dem insgesamt steigenden Beratungsbedarf von Eltern begegnet das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität bereits mit regelmäßigen Informationsveranstaltungen.

Das „audit familiengerechte hochschule“ ist ein Managementinstrument für Hochschulen, das 2001 entwickelt wurde. Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Studierende und Beschäftigte zu verbessern. Die berufundfamilie gGmbH wurde 1998 von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet.
Gesamte Zielvereinbarung als pdf-Download: http://www.uni-frankfurt.de/55785543/2015_03---Zielvereinbarungen_audit.pdf
Kontakt: Benjamin Kirst, Koordinator des Familien-Service Gleichstellungsbüros, Tel.: (069)798-18124, E-Mail: kirst@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jun 9 2015
10:09

Faltbare Bildschirme: Bor-haltige Nanographene sind vielversprechende Materialien für tragbare elektronische Geräte

Organische Elektronik: Goethe-Universität entwickelt neue Leuchtstoffe

FRANKFURT. Große Fortschritte auf dem Gebiet der organischen Elektronik revolutionieren gegenwärtig die bislang Silizium-dominierte Halbleitertechnologie. So erlauben inzwischen maßgeschneiderte organische Moleküle die Herstellung leichter, mechanisch flexibler und auf die jeweilige Anwendung optimal abgestimmter elektronischer Bauelemente. Chemiker der Goethe-Universität haben nun eine neue Klasse organischer Leuchtstoffe entwickelt, indem sie gezielt Bor-Atome in die Molekülstrukturen einschleusten. Die in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ beschriebenen Verbindungen zeigen eine intensive blaue Fluoreszenz und sind daher für den Einsatz in Organischen Leuchtdioden (OLEDs) interessant.
 
Als Graphit leitet Kohlenstoff den elektrischen Strom ähnlich einem Metall. Auch seine zweidimensionale Form, die Graphenschicht, besitzt äußerst attraktive optische und elektronische Eigenschaften. In Graphen, dessen Entdecker im Jahre 2010 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden, sind zahllose Benzolringe zu einer bienenwabenförmigen Struktur zusammengefügt. Ausschnitte aus dieser Struktur, sogenannte Nanographene oder Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs), bilden die Basis der organischen Elektronik.

„Lange Zeit hat man sich weitgehend darauf konzentriert, die Eigenschaften von Nanographenen durch chemische Manipulation ihrer Ränder zu beeinflussen“, so Prof. Matthias Wagner vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Goethe-Universität. „In den letzten Jahren versteht man es jedoch zunehmend, auch die innere Struktur zu verändern, indem man Fremdatome in das Kohlenstoffgerüst einbettet. Hier kommt dem Bor eine herausragende Bedeutung zu.“

Ein Vergleich der neuen Bor-haltigen Nanographene mit den analogen Bor-freien Kohlenwasserstoffen belegt, dass die Boratome zwei Schlüsseleigenschaften eines OLED-Farbstoffs entscheidend beeinflussen: die Fluoreszenzfarbe verschiebt sich in den besonders gefragten blauen Spektralbereich und die Fähigkeit zum Elektronentransport wird wesentlich verbessert. Bislang konnte man das volle Potential Bor-haltiger PAHs nur eingeschränkt nutzen, da die meisten Vertreter empfindlich gegenüber Luft und Feuchtigkeit sind. „Dieses Problem tritt bei unseren Farbstoffen nicht auf, was im Hinblick auf praktische Anwendungen wichtig ist“, erläutert Valentin Hertz, der die Verbindungen im Rahmen seiner Doktorarbeit synthetisiert hat.

Hertz und Wagner erwarten, dass Materialien wie die von ihnen entwickelten Graphenflocken insbesondere in tragbaren elektronischen Geräten einsetzbar sein werden: Als Foliendisplays für künftige Generationen von Smartphones und Tabletcomputern könnten selbst großflächige Bildschirme platzsparend eingerollt oder gefaltet werden, wenn die Geräte nicht im Gebrauch sind.

Publikation:
V. Hertz et al: Boron-Containing PAHs: Facile Synthesis of Stable, Redox-Active Luminophores, in: Angew. Chem. Int. Ed. 2015, DOI: 10.1002/anie.201502977;
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201502977/abstract

Ein Bild zum Download finden Sie hier: www.muk.uni-frankfurt.de/55920178
Bildtext:
Neuentwickelte Bor-haltige Nanographene dienen als effiziente blaue Leuchtstoffe.

Informationen:
Prof. Matthias Wagner, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29156, Matthias.Wagner@chemie.uni-frankfurt.de


Sonstige

Jun 5 2015
10:32

BMBF fördert Verbundprojekt mit 2,4 Millionen Euro

Wasserressourcen der Nidda nachhaltiger nutzen

FRANKFURT. „NiddaMan“, ein regionales Verbundprojekt unter Federführung der Goethe-Universität, wird in den kommenden drei Jahren Strategien für ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement im Einzugsgebiet der Nidda entwickeln. NiddaMan ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme „Regionales Wasserressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland (ReWaM)“ im Förderschwerpunkt „Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM)“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit 2,4 Millionen Euro.

Wenn Ende 2015 die entsprechende Frist der EU-Wasserrahmenrichtlinie abläuft, werden 70 Prozent der Gewässerabschnitte in Deutschland nicht den geforderten guten bis sehr guten ökologischen Zustand erreicht haben. Das BMBF hat deshalb vor zwei Jahren Forschungsprojekte zur nachhaltigen Bewirtschaftung der regionalen Gewässer ausgeschrieben. NiddaMan gehört zu den 14 Anträgen, die jetzt aus ursprünglich 121 Projektskizzen zur Förderung ausgewählt wurden.

„Das Einzugsgebiet der Nidda ist in vielfacher Hinsicht repräsentativ für Fließgewässer in Mitteleuropa. Hier lassen sich exemplarisch Nutzungskonflikte untersuchen und modellhaft Lösungen entwickeln“, erklärt Prof. Jörg Oehlmann, Koordinator von NiddaMan und Leiter der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität.

Die von der Quelle im Vogelsberg bis zur Mündung in den Main etwa 100 Kilometer lange Nidda ist in ihrem Oberlauf noch in einem nahezu naturnahen Zustand. Die Wasserqualität ist gut, der Flusslauf naturbelassen und die Biodiversität entsprechend groß, das heißt, es gibt eine breite Vielfalt an Mikroorganismen, wirbellosen Tieren, Fischen, anderen Wirbeltieren und Vegetation am Ufer. Im Mittellauf treten zunehmend Konflikte zwischen Ökologie und landwirtschaftlicher Nutzung angrenzender Flächen auf. Im Unterlauf entstehen weitere Belastungen durch Wasserentnahmen in Siedlungen, Abläufe von Verkehrsflächen und versiegelten Bereichen, Industrie- und kommunale Abwässer und die Einleitung von solehaltigem Wasser durch Bäderbetriebe.

Das Ziel der elf Projektpartner von NiddaMan ist es, bisher verstreutes Wissen zu bündeln und Synergien zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit zu nutzen. Deshalb sind über die rein wissenschaftlichen Untersuchungen zur Schadstoffbelastung und deren ökologischen Auswirkungen auch sozial-ökologische Studien geplant. Hier gilt es, das Wissen unterschiedlicher Akteure aus der Praxis einzubinden, Konfliktfelder der Wassernutzung zu identifizieren und Nutzer mit unterschiedlichen Interessen miteinander ins Gespräch zu bringen. Bewusst werden auch Bürger dazu eingeladen, durch ihre Beobachtungen einen aktiven Beitrag zur Forschung zu leisten. Die Beiträge können per App auf eine Internetplattform übermittelt werden.

Die gesammelten Erkenntnisse von NiddaMan sollen abschließend in ein Informations- und Managementsystem einfließen, das als Instrument für die wasserwirtschaftliche Praxis auch auf andere Regionen übertragbar sein sollte. Im Fokus stehen die Bereiche Gewässerüberwachung, effektive Planung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen, Bildung und Qualifizierung von Fachpersonal, die Überwindung bisheriger Hemmnisse für ein effizientes Management der Wasserressourcen sowie Wissenstransfer in angrenzende Forschungssektoren.

Neben der Goethe-Universität Frankfurt (Koordination) sind die Universität Tübingen, das Karlsruher Institut für Technologie, die Technische Universität Darmstadt, das Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt, die Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, das Ingenieurbüro Brandt Gerdes Sitzmann Wasserwirtschaft GmbH, Darmstadt sowie das Ingenieurbüro Unger Ingenieure, Darmstadt, als Partner am NiddaMan-Projekt beteiligt. Assoziierte Partner sind das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie, Wiesbaden, das Regierungspräsidium Darmstadt und der Wetteraukreis, Friedberg.

Informationen: Prof. Jörg Oehlmann, Abteilung für Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42142, oehlmann@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jun 3 2015
19:00

Frankfurter Wissenschaftler entdecken neuen molekularen Mechanismus, der Schädliches beseitigt – Defekte können neurodegenerative Krankheiten auslösen

Kontrollinstanz in der Zelle

FRANKFURT. Qualitätskontrolle ist wichtig – das gilt nicht nur für die Produktion von Waren, sondern auch für alle Prozesse des Lebens. Während ein Industriekonzern im Zweifelsfall jedoch eine großangelegte Rückrufaktion starten kann, um langfristige Schäden zu verhindern, sind Mängel in der Qualitätskontrolle für Zellen oftmals fatal. Das zeigt sich insbesondere bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), bei denen grundlegende Mechanismen der zellulären Qualitätskontrolle versagen.

Frankfurter Forschern um Ivan Dikic, Professor für Biochemie an der Goethe-Universität, ist es jetzt gelungen, molekulare Details zu entschlüsseln, die ein neues Verständnis zweier neuronaler Krankheitsbilder ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei die „Autophagie“ als entscheidendes Element der zellulären Qualitätskontrolle. Autophagie heißt wörtlich übersetzt „Selbstfressen“. Dahinter verbirgt sich ein ausgeklügeltes System, bei dem zelluläre Abfälle spezifisch erkannt, in Membranen verpackt und entsorgt werden. Typischerweise handelt es sich dabei um schadhafte oder überzählige Proteine oder Zellorganellen, aber auch eindringende Pathogene wie Bakterien oder Viren können über diesen Weg beseitigt werden.
Das Team von Prof. Ivan Dikic hat nun gemeinsam mit Kollegen aus Jena, Aachen und den Niederlanden  einen neuen Autophagie-Rezeptor identifiziert, das sogenannte FAM134B Protein. In der heutigen Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature berichten die Forscher, welche Rolle FAM134B bei der konstanten Erneuerung des endoplasmatischen Retikulums (ER), einem wichtigen Zellorganell, spielt. Es sorgt dafür, dass das ER abgebaut und entsorgungsgerecht verpackt wird, während andere Proteine den neuen Aufbau kontrollieren.

„Zu wenig FAM134B führt zu einer unkontrollierten Ausdehnung dieses Organells, was sehr schädlich für die Zelle ist“, erläutert Ivan Dikic. „Die Entdeckung von FAM134B als neuem Rezeptor ist per se schon ein Meilenstein. Richtig spannend wurde es jedoch, als wir die Verbindung zu einer seltenen neuronalen Erbkrankheit erkannten.“ Bei der hereditären sensorischen und autonomen Neuropathie vom Typ II (HSAN II) hatten die Partner aus der Humangenetik des Universitätsklinikums Jena, Privatdozent Ingo Kurth und Professor Christian Hübner, bereits 2009 nachgewiesen, dass mutiertes FAM134B das Absterben sensorischer Neuronen verursacht. Die genaue Funktion des FAM 134 B Proteins in der Nervenzelle blieb jedoch unklar.  HSAN II ist eine sehr seltene Erbkrankheit, bei der das Schmerz- und Temperaturempfinden und die Schweißbildung nicht richtig funktionieren. Betroffene Patienten verbrennen sich z.B. sehr leicht, weil sie die Hitze und die damit verbundenen Schmerzsignale nicht spüren können. Im Mausmodell ließ sich nun durch Mutation von FAM134B ein ähnliches Krankheitsbild erzeugen. „Das mutierte Protein kann nicht mehr als Rezeptor funktionieren. Mit unseren Studien sind wir den molekularen Ursachen dieser Erkrankung einen großen Schritt näher gekommen. Gleichzeitig zeigt sich hier, wie wichtig die Autophagie für die zelluläre Qualitätskontrolle ist und welche fatalen Folgen eine Fehlfunktion dieses Systems hat “, erläutert Dikic.

Seine Labore am Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS) und am Institut für Biochemie II (IBC II) waren erst kürzlich an einer weiteren bahnbrechenden Studie zu einer neurodegenerativen Erkrankung, der ALS, beteiligt. Typischerweise führt ALS durch den massiven Verlust motorischer Neuronen nach drei bis vier Jahren zum Tode. Obwohl ALS ebenfalls zu den seltenen Erkrankungen zählt, ist sie durch den Physiker und langjährigen Patienten Stephen Hawking sowie die Ice Bucket Challenge im vergangenen Jahr in der breiten Öffentlichkeit relativ bekannt.

Wie im Leitartikel der Mai-Ausgabe von Nature Neuroscience berichtet, ist es nun einem internationalen Team gelungen, die für ALS verantwortlichen Gene und Gendefekte besser zu verstehen. Die Wissenschaftler entdeckten, dass Mutationen in einem speziellen Enzym, der Tank-bindenden Kinase 1 (TBK1), in Familien mit ALS gehäuft auftreten. Das Dikic-Labor war insbesondere an der Aufklärung der Funktion von TBK1 beteiligt und konnte zeigen, dass die in Patienten gefundenen Mutationen die Interaktion von TBK1 mit dem Autophagie-Rezeptor Optineurin unterbrechen. Optineurin ist beispielweise an der Beseitigung verklumpter Proteine und der Abwehr bakterieller Infektionen beteiligt. Ko-autor Dr. Benjamin Richter kommentiert: „Für mich als Mediziner, der in der Grundlagenforschung arbeitet, ist faszinierend, wie wir hier durch eine gemeinsame, interdisziplinäre Anstrengung einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der pathophysiologischen Ursachen einer neuronalen Erkrankung leisten konnten.“  „Beide Studien zeigen in beispielloser Weise, wie sich aus einzelnen Erkenntnissen übergreifende Konzepte ableiten lassen“, betont Ivan Dikic. Wenn die zelluläre Qualitätskontrolle in Neuronen langfristig versage, seien die Folgen für den Gesamtorganismus fatal. „Als zentraler Mechanismus der zellulären Qualitätskontrolle hat sich hier die Autophagie herauskristallisiert. Auf der molekularen Ebene sind jedoch vollkommen unterschiedliche Bereiche betroffen“, so Dikic.  

Ivan Dikic (49) forscht seit 2002 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, seit 2009 leitet er das Institut für Biochemie II am Universitätsklinikum und war als erster Wissenschaftlicher Direktor entscheidend am Aufbau des Buchmann Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften auf dem Campus Riedberg beteiligt. Der gebürtige Kroate hat Medizin in Zagreb studiert, gefolgt von einer naturwissenschaftlichen Promotion an der Universität von New York und dem Aufbau seiner ersten eigenständigen Forschungsgruppe am Ludwig Institut für Krebsforschung in Uppsala (Schweden). Er erhielt 2013 mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den renommiertesten deutschen Wissenschaftspreis. Darüber hinaus wurde er mit zahlreichen weiteren Auszeichnungen geehrt, unter anderem dem Ernst Jung-Preis für Medizin (2013), dem William C. Rose Award der Amerikanischen Fachgesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (2013) und dem Deutschen Krebspreis (2010). Er ist Mitglied der Fachgesellschaften Leopoldina und EMBO,  hat 2010 einen Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) eingeworben und ist Sprecher des LOEWE-Schwerpunktes Ubiquitin-Netzwerke, in dessen Rahmen Teile der nun publizierten Arbeiten angefertigt wurden.

Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55863443

Publikationen:

A. Khaminets et al.: Regulation of endoplasmic reticulum turnover by selective autophagy. Nature, doi: 10.1038/nature14498, Advance Online Publication (AOP): http://www.nature.com/nature,

A. Freischmidt et al.: Haploinsufficiency of TBK1 causes familial ALS and fronto-temporal dementia Natur Neuroscience, Nature Neuroscience
18,
631–636
(2015),
doi:10.1038/nn.4000, http://www.nature.com/neuro/journal/v18/n5/full/nn.4000.html

Kontakt: Prof. Ivan Dikic, Goethe-Universität Frankfurt, Telefon 069 6301 5964,
Email: dikic@biochem2.uni-frankfurt.de

Sonstige

Jun 3 2015
16:19

Spektrum reicht von Antibiotikaresistenzen bis zum Dialog mit Afrika

G7-Treffen: Wissenschaftler der Goethe-Universität und ihre Erwartungen

FRANKFURT. Am 7. und 8. Juni blickt die Welt nach Schloss Elmau – zum Gipfel der großen Sieben, dem informellen Gremium, das sich vom Wirtschaftstreffen zum Forum für weltpolitische Fragen entwickelt hat. Auf dem Programm der Regierungschefs aus den US, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland stehen neben den aktuellen Krisenherden, der Sicherheits- und Entwicklungspolitik auch Themen wie der Meeresumweltschutz, Antibiotika-Resistenzen, die Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung sowie der Dialog mit Afrika. Was erwarten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität von diesem Gipfel, wo setzt ihre Kritik an?

Direkt im Anschluss an den G7-Gipfel findet am 8. und 9. Juni in Berlin die Tagung „200 Jahre Konferenzdiplomatie: Vom Weiner Kongress zu G7“ statt, die der Frankfurter Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christopher Daase von der Goethe-Universität maßgeblich organisiert hat. Dort treffen sich Wissenschaftler und Praktiker aus Politik und Diplomatie. Ziel ist es, mögliche Lehren sowohl aus der Geschichte des Wiener Kongresses als auch den Erfahrungen der G6-, G7- und G8-Treffen für die Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen von Außen- und Sicherheitspolitik in einer multipolaren Welt zu diskutieren.

Im Folgenden einige Statements der Frankfurter Expertinnen und Experten:

Wasserressourcen, Prof. Dr. Petra Döll, Hydrologin

(E-Mail: p.doell@em.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 40219 oder (069)26010309 )

 „Wer die Wasserressourcen der Erde schützen will, muss auch das Klima schützen und die Treibhausgas-Emissionen minimieren. Mit hoher wissenschaftlicher Plausibilität führt der Klimawandel in vielen schon heute unter Wasserknappheit leidenden Gebieten zu einer Verringerung der Wasserressourcen, und intensiverer Starkregen gefährdet die Trinkwasserqualität nicht nur in Entwicklungsländern. Um die Ernährung weltweit zu sichern, ohne die Wasserressourcen zu gefährden, ist es sinnvoll, die Effizienz der Wassernutzung im Ackerbau zu steigern. Ein effizienter Wassereinsatz für die Ernährung bedeutet aber auch, den Konsum von Fleisch in den Industrieländern zu reduzieren, da die Produktion von Fleisch wasserintensiver ist als die von pflanzlicher Nahrung. Daher hoffe ich, dass die G7-Staaten Klimaschutzmaßnahmen verabreden, die die Erreichung des 2-Grad-Ziels tatsächlich ermöglichen, und dass sie ihre weltweite Führungsrolle bei der Erreichung eines nachhaltigen Lebensstils diskutieren.“

Frauenförderung, Prof. Dr. Helma Lutz, Genderforscherin

(E-Mail: lutz@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 36615

„Die Bundesregierung will auf dem Gipfel eine Agenda zur Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung verabschieden; diese orientiert sich an den von der Organisation UN WOMEN 2010 lancierten Maßnahmen zur Etablierung von gleichstellungsfreundlichen und geschlechtergerechten Maßstäben für Unternehmen und Gesellschaft. Als Genderforscherin sollte ich ein solches Programm nachdrücklich begrüßen – warum nur beschleicht mich das Gefühl, dass es hier einmal mehr um Lippenbekenntnisse geht? Die internationale Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) wurde 1979 verabschiedet. Obwohl die Zahl der Frauen, die einen Bildungsabschluss erlangt haben, sprunghaft gestiegen ist, arbeitet  die Mehrheit immer noch auf segregierten Arbeitsmärkten im Niedriglohnsektor, wird für gleiche Arbeit schlechter bezahlt (Gender-Pay Gap) und trägt die Hauptlast der Reproduktionsarbeit. Wo bleibt die Skandalisierung dieser Fakten? Warum steht weiterhin die Frage nach der Umverteilung bzw. Gleichverteilung von Reproduktions -, Sorge- und Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern nicht auf der Agenda? In Elmau, so steht zu befürchten, bleibt es beim ‚business as usual‘.“

Antibiotikaresistenzen, Prof. Hans-Reinhard Brodt

(Sekretariat Anna Musella, E-Mail: Anna-Maria.Musella@kgu.de, Tel.: (069) 6301 – 5452)

Der Schwerpunkt Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt begrüßt die Bemühungen der Bundesregierung, die Erforschung von Antibiotikaresistenzen und wenig bekannten, zumeist tropischen Infektionskrankheiten weiter voranzutreiben – in der Hoffnung, daß auch an deutschen Universitäten das Fach Infektiologie zukünftig keine Rarität bleibt und die Ausbildung qualifizierter Infektiologen/innen wie auch von Tropenmediziner/innen dort ebenso wie die Impfstoff- und Antiinfektiva-Forschung neue Priorität genießen.

Weitgehend kostenneutrale Vorschläge des Schwerpunktes Infektiologie der Universitätsklinik Frankfurt: 

  • jeder Einsatz von Antiinfektiva in der Tiermast bzw. in der Veterinärmedizin wird mit einer Steuer belegt, über die verlässlich und aktuell diese Verwendung dokumentiert und reglementiert werden kann
  • alle Verordnungen hoch wirksamer Antiinfektiva in Klinik und Praxis werden an speziell zu erwerbende Fähigkeiten, Aus- und Weiterbildungen der Ärzte gebunden
  • Krankenhäuser,  große Praxen und mikrobiologische Institute werden verpflichtet, Umfang, Art, Anzahl und Ergebnisse der vorgenommenen Resistenztestungen zeitnah, z.B. halbjährlich zu veröffentlichen und zu vergleichen
  • an allen Universitäten wird das Fach Infektionskrankheiten (Infektiologie) zur Lehre und Forschung  eingerichtet.

Internationale Ordnungspolitik, Prof. Dr. Christopher Daase, Politikwissenschaftler, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

(E-Mail: daase@normativeorders.net, Kontaktaufnahme nur per Mail möglich)

„Die G7 hat sich als eine zunächst wirtschaftspolitisch orientierte Diskussionsrunde zwischen sechs Staatschefs (G6) zu einer Gruppe von sieben westlichen Staaten entwickelt (G7), die in regelmäßigen Abständen zentrale Fragen internationaler Ordnungspolitik erörtert, zeitweise sogar mit Russland (G8). Dabei ist es der G7 gelungen, nicht nur auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen (wie z.B. den internationalen Terrorismus) zu reagieren, sondern sich auch an Machtverschiebungen im internationalen System anzupassen und diesen Wandel mitzugestalten. Im Grunde ist die Geschichte der G6/7/8 eine Geschichte informellen Wandels, der sowohl durch die Erweiterung ihrer Mitgliederzahl als auch die Versuche gekennzeichnet ist, auf die wachsenden Ansprüche aufstrebender Mächte mit Dialog-Angeboten einzugehen. Nicht zuletzt wegen der Reform-Blockade in der UNO hat sich die G7 als zentrale, relativ informelle Institution der Weltpolitik etabliert, von der zwar keine handfesten Entscheidungen zu erwarten sind, aber doch Hinweise darauf, wie die führenden Mächte des Westens die aktuellen Krisen der Weltpolitik lösen wollen."

Entwicklungspolitik, Prof. Dr. Uta Ruppert, Politikwissenschaftlerin

(E-Mail: ruppert@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 36648 oder mobil 0177 8665649)

„Entwicklungspolitik findet heute mehr denn je in einer multipolaren, transnationalen Welt statt, in der die G7 nur noch eines von mehreren Machtzentren darstellt. Neue Süd-Süd-Partnerschaften und auch einzelne Akteure wie China, Indien und Brasilien gewinnen in letzter Zeit enorm an Bedeutung. Als Entwicklungs- und Afrikaforscherin untersuche ich solche Entwicklungen – und zwar im Zusammenhang des vom Bundesforschungsministerium finanzierten Verbundprogrammes AFRASO (‚Afrikas Asiatische Optionen‘). Unsere bisherigen Ergebnisse belegen, dass politische Forderungen an die G7, wie sie von Nichtregierungsorganisationen wie Misereor erhoben werden, in die richtige Richtung weisen: Der Selbstanspruch der G7, in unserer globalisierten, transnationalisierten Welt eine besondere ‚Wertegemeinschaft‘ zu repräsentieren, erfordert vor dem Hintergrund anhaltender weltweiter Ungerechtigkeit vor allem klare Gerechtigkeitsziele zu definieren und konkrete politische Maßnahmen zu deren Umsetzung zu vereinbaren. Die G7 sind Hauptprofiteure der Globalisierung und gleichermaßen Hauptverursacher der Weltprobleme, die sie in Elmau zu lösen suchen. Bedrohungen des Weltklimas, inhumane Arbeitsbedingungen entlang der Produktions- und Lieferketten sämtlicher Handelsgüter, Fluchtkatastrophen oder Ernährungskrisen, gerade auch in Afrika, sind untrennbar mit der transnationalen kapitalistischen Lebens- und Arbeitsweise verbunden. Ich erwarte deutliche politische und finanzielle Antworten auf die großen Probleme der Weltentwicklung von dem G7-Gipfel.

Dialog mit Afrika, Prof. Dr. Jürgen Runge, Geowissenschaftler und Direktor des Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF)

(E-Mail: jrunge@em.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 40160 oder mobil 0172-944-5377)

„Das ZIAF, Kommunikations- und Kompetenzplattform für den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Austausch über Afrika an der Goethe-Universität, hofft, dass die G7 afrikanische Staaten bei ihren Reformbestrebungen unterstützt und Grundlagen für Frieden und Sicherheit, Wachstum und nachhaltige Entwicklung gestärkt werden. Es wäre wünschenswert, dass der Dialog zu und mit Afrika einen Beitrag dazu leisten könnte, ein differenzierteres Bild von Afrika in der Welt zu vermitteln. Das ZIAF, das sich als ‚Think Tank‘ versteht und eng mit Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit und privatwirtschaftlichen Unternehmen in afrikanischen Ländern zusammenarbeitet,  würde es sehr begrüßen, wenn es mit der deutsche G7-Präsidentschaft gelänge, nachhaltige Synergien durch Expertenwissen und Regionalkompetenz zu etablieren. Der von G7 avisierte Dialog mit afrikanischen Partnern muss auf Augenhöhe stattfinden. Nur wenn alle Akteure gleichberechtigt partizipieren, sind die Ziele einer effizienten Entwicklungs- und Ressourcenpolitik und einer nachhaltigen Umweltpolitik erreichbar.“

Dialog mit Afrika, Prof. Dr. Frank Schulze-Engler, Co-Sprecher des BMBF-Verbundprojekts „Afrikas Asiatische Optionen“ (AFRASO)

(E-Mail: schulze-engler@nelk.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798-32354 oder (069) 798-32352 (Sekretariat)

„In einer zunehmend globalisierten und multipolaren Welt haben G7-Gipfel zwangsläufig etwas Anachronistisches: Sie ragen aus dem 20. Jahrhundert in unsere Zeit, aber man darf bezweifeln, dass sie wirklich geeignet sind, die Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Afrika ist heute in vielfältige Interaktionen nicht nur mit Europa und Nordamerika, sondern auch mit China, Indien, Brasilien und zahlreichen weiteren Ländern Asiens und Lateinamerikas eingebunden – Interaktionen, denen das Frankfurter Großforschungsprojekt ‚Afrikas Asiatische Optionen‘ (AFRASO) im ökonomischen und politischen, aber auch im sozialen und kulturellen Bereich nachspürt. Wer einen effektiven Beitrag zur Bewältigung der Zukunftsprobleme Afrikas leisten möchte, wird gut daran tun, mehr als nur sieben Länder des Globalen Nordens an einen Tisch zu bringen.“

Proteste gegen G7-Gipfel, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

(E-Mail: nicole.deitelhoff@normativeorders.net, Kontaktaufnahme nur per Mail möglich) 

„Aller Voraussicht nach wird auch das G7-Treffen in Schloss Elmau massive zivilgesellschaftliche Proteste anziehen. Nach Jahren der Konfrontation auf solchen Gipfeln erscheinen diese wie eine gut einstudierte Choreographie. Die Ordnungskräfte rufen zu friedlichen Protesten auf, definieren Sicherheitszonen und -korridore und die Protestierenden beklagen die allgegenwärtige Repression und punkten mit phantasievollen Protestzügen und aufwändigen Formationen. Fast könnte man das Ganze für eine große Inszenierung halten, ein farbenfrohes, routiniertes Spektakel ohne große politische Substanz. Eine solche Einschätzung greift aber zu kurz, denn jenseits aller Professionalisierung und Inszenierung ist der Protest im Kern Ausdruck politischen Widerstands. Letztlich geht es nach wie vor um handfeste politische Auseinandersetzungen: Mit welchem Recht dürfen die G7 globale Regeln setzen? Wer definiert globale Probleme, wer die Lösungsoptionen, wer darf teilhaben an der Regelsetzung, und – nicht zuletzt – gibt es politische Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System? Wer solchen Protesten, wie dies jüngst immer öfter in Politik und Medien geschieht, die politischen Kompetenz abspricht (Stichwort TTIP), trägt letztlich mit dazu bei, dass sich die Protestierenden weiter von den politischen Institutionen entfremden.“