Pressemitteilungen 

Veranstaltungen

Jan 27 2015
09:31

Vortrag von Trude Simonsohn, Überlebende des Holocaust, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz

Die Kinder im KZ Theresienstadt

FRANKFURT. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von sowjetischen Truppen befreit. Auschwitz ist heute ein Synonym für den Holocaust. Trude Simonsohn, Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, spricht anlässlich des Gedenktages über „Die Kinder im KZ Theresienstadt“. Simonsohn betreute selbst als junge Frau jugendliche Mädchen unter den Ausnahmebedingungen des Konzentrationslagers Theresienstadt. Sie überlebte und berichtet seit vielen Jahren in Schulen und Universitäten über ihre Erlebnisse.

Die öffentliche Veranstaltung ist Teil der Vorlesung „Zur Problematik der ‚Klassiker der Pädagogik‘“ von Prof. Benjamin Ortmeyer.

Trude Simonsohn: „Die Kinder im KZ Theresienstadt.“
Mittwoch, 28. Januar, 10.15 Uhr. Hörsaalgebäude,
Raum H V, Campus Bockenheim der Goethe-Universität, Gräfstr.

Veranstaltungen

Jan 26 2015
14:40

Der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann hält Abendvortrag im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Der deutsch-französische Dialog und seine sprachlichen Strukturen

FRANKFURT. Im Deutschen muss man jeden Satz beenden – vor allem wenn das Prädikat zweigeteilt ist. Darüber hat schon Madame de Staël in ihrem Deutschland-Buch „De l’Allemagne“ geklagt: Diese Eigenschaft des Deutschen verhindere das produktive Stimmengewirr französischer Salons. Die sprachlichen Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Französischen und die zugrunde liegenden geistigen Unterschiede thematisiert der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann bei einem Vortrag am Mittwoch, 28. Januar, im Forschungskolleg Humanwissenschaften.

„Gegenstrebige Fügung. Zur sprachlichen Problematik des deutsch-französischen Dialogs“: So lautet der Titel des Abendvortrags, den der Wissenschaftler am Mittwoch, 28. Februar, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg halten wird. Das Interesse für die verschiedenen Formen sprachlicher Zugänge zur Wirklichkeit und die Konsequenzen, die daraus für den Dialog der Kulturen entstehen, keimte Ende des 18. Jahrhunderts auf. Im Gefolge nationalstaatlicher Entwicklungen gewann es rasch an Bedeutung. Ausgehend von Germaine de Staëls Überlegungen und Humboldts Entwurf einer vergleichenden Sprachwissenschaft, will Wismann das produktive Spannungsverhältnis zwischen den beiden Nachbarsprachen auf lexikalischer, morphologischer und syntaktischer Ebene beschreiben. Das Freilegen der geistigen Strukturen soll dazu dienen, Missverständnisse auszuräumen und zu zeigen, wie sich die beiden Grundeinstellungen gegenseitig ergänzen.

Der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann, Jahrgang 1935, ist Forschungsdirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris. Sein jüngstes Buch „Penser entre les langues“ von 2012 befasst sich mit dem „linguistischen Dazwischen“ des Denkens, eine Figur, die als Modell für die europäischen Kulturen dient und sowohl deren Zusammenhalt als auch die Unterschiede zum Ausdruck bringt. Die Einführung zum Vortrag hält Prof. Pierre Monnet, der das an der Goethe-Universität angesiedelte Institut français d’histoire en Allemagne leitet und zugleich auch Forschungsdirektor an der École des Hautes Ètudes en Sciences Sociales ist.

Die Vortrag in der Reihe EuropaDialoge/Dialogues d‘Europe statt, die gemeinsam vom Forschungskolleg und dem an der Goethe-Universität angesiedelten Institut français d’histoire en Allemagne veranstaltet wird. Im vorigen Jahr konnte der französische Wirtschaftswissenschaftler Prof. Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“) für einen Abend gewonnen werden. Weitere Vorträge werden in diesem Jahr unter anderem Prof. Dr. Udo di Fabio, Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Lucia Puttrich halten.

„Gegenstrebige Fügung. Zur sprachlichen Problematik des deutsch-französischen Dialogs“. Abendvortrag im Rahmen der Reihe „EuropaDialoge/Dialogues d’Europe“. Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe.

Anmeldung: per Fax unter der Nummer 06172/13977-39 oder per E-Mail an info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Information: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de, bei Prof. Dr. Pierre Monnet, Telefon 069/798-31901, E-Mail: monnet@ehess.fr oder bei Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Vizepräsident der Goethe-Universität, Telefon: 069/798-32779; -32776, E-Mail: Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 23 2015
11:54

Am 27. Januar spielt das Trio Chagall Werke von Dmitri Schostakowitsch und Mieczyslaw Weinberg

Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

FRANKFURT. Der Verein Musica Judaica lädt gemeinsam mit der Goethe-Universität am Dienstag, 27. Januar 2015, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zu einem Gedenkkonzert ein. Das Trio Chagall mit Marat Dickermann (Violine), Stephan Breit (Violoncello), Monica Gutman (Klavier) wird an dem Abend das Klaviertrio e-Moll op. 67 (1944) von Dmitri Schostakowitsch sowie das Klaviertrio a-Moll op. 24 (1945) von Mieczyslaw Weinberg spielen. Ebenso wie der Verein Musica Judaica engagiert sich das Frankfurter Ensemble durch Konzerte und Einspielungen dafür, Werke jüdischer Komponisten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975), einer der bedeutendsten Komponisten Russlands im  20. Jahrhundert, integrierte Themen und Elemente jüdischer Musik in seine Werke. So auch in seinem Klaviertrio op. 67 aus dem Jahr 1944. Mit diesem kompositorischen Schaffen, zeigte Schostakowitsch sich solidarisch gegenüber zahlreichen Kollegen und Freunden, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. Im Spätsommer 1942 wurden mehrere jüdische Dozenten des Moskauer Konservatoriums entlassen. Das zweite an diesem Abend gespielte Klaviertrio op. 24, wurde 1945 von Mieczys?aw Weinberg (1919–1996) komponiert. Der aus einer jüdisch-polnischen Familie stammende Komponist war auf der Flucht vor den Nationalsozialisten 1943 in die Sowjetunion gelangt. Auf Einladung Schostakowitschs kam Weinberg nach Moskau – eine Künstlerfreundschaft entstand. Die beiden in dem Konzert gespielten Klaviertrios von Schostakowitsch und Weinberg zeigen trotz ihrer starken Individualität sowohl in der kompositorischen Anlage als auch durch außermusikalische Bezüge deutliche Parallelen. 

Zur Erläuterung des Programms gibt Prof. Dr. Daniela Philippi, Vorstand des Vereins Musica Judaica e.V., einen kurzen Einführungsvortrag.

Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, Beginn: 19.30 Uhr, Lobby der Zentralverwaltung PA Gebäude, Campus Westend.

Eintritt 15 Euro, für Mitglieder 10 Euro, für Studierende und Schüler frei.

Kontakt: Prof. Daniela Philippi, Institut für Musikwissenschaft, Tel. (069) 798-22161, philippi@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jan 23 2015
11:33

Medien-Einladung: Universitätspräsidentin Birgitta Wolff überreicht am 27. Januar den DAAD-Preis 2014 an besten ausländischen Studierenden der Goethe-Universität.

Neujahrsempfang für internationale Wissenschaftler

FRANKFURT. Im Rahmen des Neujahrsempfangs des International Office und des Goethe Welcome Centre wird Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, den DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender verleihen. Im Anschluss daran wird Wolff die internationalen Wissenschaftler an der Goethe-Universität begrüßen.

Ablauf der Feier am 27. Januar

16.30-18.00 Uhr: Begrüßung der DAAD-Stipendiatinnen und –Stipendiaten seitens der Goethe-Universität und des DAAD 18.00 Uhr: Verleihung des DAAD-Preises 2014 19.00 Uhr: Neujahrsempfang 2015 für die internationalen Wissenschaftler an der Goethe-Universität; Rede von Universitätspräsidentin Birgitta Wolff Ab 19.30 Uhr: Eröffnung des Büffets, geselliges Beisammensein.
Ort: Gästehaus der Goethe-Universität, Frauenlobstr. 1.

Die Verleihung des DAAD-Preises 2014 und der Neujahrsempfang bieten Medienvertretern Gelegenheit, mit den internationalen Studierenden und Wissenschaftlern an der Goethe-Universität ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen: Florian von Bothmer, International Office, Director Goethe Welcome Centre, Goethe-Universität Frankfurt. Tel.:(069)-798-17192; vonBothmer@em.uni-frankfurt.de

 

Veranstaltungen

Jan 22 2015
09:06

Premiere von „Natural Affection“ ist am 30. Januar auf dem Campus Westend

Chaincourt Theatre Company präsentiert Mutter-Sohn-Drama

FRANKFURT. Eine Mutter, hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Sohn und einer neuen Beziehung: Wie wird sie sich entscheiden, kann sie sich überhaupt entscheiden? Die Chaincourt Theatre Company, angesiedelt am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität, präsentiert ihr neuestes Stück Natural Affection“ von William Inge. Am 30. Januar ist Premiere des englischsprachigen Stücks.

In Sues Leben läuft nur wenig falsch: Sie hat einen guten Job in Chicago und lebt zusammen mit ihrem jüngeren Liebhaber Bernie in einem eigenen Apartment. Diese Ruhe droht jedoch zu kippen, als ihr Sohn Donnie über Weihnachten zu Besuch kommt. Er hat den größten Teil seines Lebens im Waisenhaus verbracht und lebt seit mehreren Jahren in einer Besserungsanstalt, die er nun wegen guter Führung verlassen dürfte – wenn Sue ihn bei sich aufnimmt. Doch es kommt zu Spannungen zwischen Donnie und Bernie, und auch die Besuche von Claire und Vince, dem Ehepaar gegenüber, stellen die Beziehungen von Sue zu den beiden Männern auf die Probe. Am Ende muss sie sich entscheiden – will sie ihrer Liebe und Verpflichtung ihrem Sohn gegenüber nachkommen, oder will sie ihr Leben mit Bernie, trotz aufgekommener Unstimmigkeiten, wie bisher weiterführen?

Die Premiere von „Natural Affection“ 1962 fiel in die Zeit des Kritikerstreiks in New York – obwohl William Inge ein machtvolles, tragendes Drama geschaffen hatte, entging es der Aufmerksamkeit des Publikums. Jetzt präsentiert die Chaincourt Theatre Company „Natural Affection“ neu – aber immer noch so aktuell, wie vor über fünfzig Jahren.

Chaincourt Theatre Company: “Natural Affection“

Premiere: 30. Januar 2015; weitere Aufführungen: 31. Januar, 6. Februar u. 7. Februar 2015.
Vorstellungsbeginn: jeweils um 19.30 Uhr.

Ort:  IG-Farben-Nebengebäude, Raum 1.741, Campus Westend
Karten: 10 €/5 € (ermäßigt), erhältlich an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn oder in „Zimmer 17“ (Raum 3.257, IG-Farben-Haus, Tel. 793 32550); Montag 12-16; Dienstag 10-14; Mittwoch 14-16; Donnerstag 10-14.

Kontakt:  James Fisk, Künstlerische Leitung (fisk@em.uni-frankfurt.de)

Weitere Informationen unter www.chaincourt.org

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Jan 21 2015
16:55

Komponist spricht am 27. Januar auf dem Campus Westend.

Wolfgang Rihm eröffnet Frankfurter Poetikvorlesungen

FRANKFURT. Den Auftakt der Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2014/15 bestreitet der renommierte Komponist und Professor für Komposition Wolfgang Rihm. Sein Vortrag am 27. Januar trägt den Titel „Über das Erfinden von Musik“. Die Poetikvorlesungen stehen in diesem Semester unter dem Motto „Poetiken zwischen den Künsten – Dialoge mit der Literatur“. Ausgelotet werden Bezüge zwischen musikalischen, filmischen und literarischen Kompositionen. Den zweiten Vortrag am 3. Februar wird der Film- und Fernsehregisseur Dominik Graf halten.

Wolfgang Rihm hat in Karlsruhe, Köln und Freiburg bei Eugen Werner Velte, Karlheinz Stockhausen, Klaus Huber, Wolfgang Fortner und Humphrey Searle Komposition studiert. Seit 1985 hat er an der Musikhochschule Karlsruhe eine Professur für Komposition inne. Rihm erhielt unter anderem den Rolf Liebermann-Preis, das Bundesverdienstkreuz, den Jacob Burckhardt-Preis der Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung, den Bach-Preis der Stadt Hamburg sowie den Ernst von Siemens Musikpreis. Er ist ferner Mitglied der Akademien der Künste München, Berlin und Mannheim.

„Wolfgang Rihms Musik ist im aktuellen Konzertleben in einem Maße präsent wie wohl keine andere der Komponistenkollegen seiner Generation. Dies mag sich zum einen seinem enormen Œuvre verdanken, das mittlerweile um die 500 Werke unterschiedlichster Gattungen und Besetzungen umfasst, von Solowerken für verschiedene Instrumente über Lieder-Zyklen, Kammer- und Ensemblemusik bis hin zu zahlreichen Orchester- und einer ganzen Reihe von Bühnenwerken, die Interpreten und Veranstaltern viele Möglichkeiten für die Programmgestaltung bieten und zudem auch noch sehr gut spielbar sind“, sagt Prof. Marion Saxer, Musikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität, im aktuellen UniReport über Rihm.

„Poetiken zwischen den Künsten – Dialoge mit der Literatur“.
Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2014/15.
27. Januar: Wolfgang Rihm. 18 Uhr c.t. im Hörsaalzentrum (HZ 1&2), Campus Westend der Goethe-Universität.

Am 3. Februar wird der Regisseur und Drehbuchautor Dominik Graf den zweiten Vortrag im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen halten. Er spricht dann über den „Erzähler im Kino: Antagonismus von Kommentar und Kamera?“.

Porträts von Wolfgang Rihm und Dominik Graf im aktuellen UniReport unter http://www.uni-frankfurt.de/53303289 (S. 19).

Weitere Informationen unter: www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 21 2015
14:46

Am 26. Januar diskutiert die Frankfurter Bürger-Universität über Flüchtlingselend und Fachkräftemangel

Welche Einwanderungspolitik braucht Deutschland?

FRANKFURT. Die Flüchtlingsströme über das Mittelmeer nach Europa reißen nicht ab. Viele der Menschen fliehen vor Krieg, Verfolgung und Armut. Doch nicht alle schaffen den Weg nach Europa. „Dass es nicht gelingt, die Seenotrettung so zu organisieren, dass die Menschen nicht zu hunderten im Meer ersaufen, ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit, den sich Europa nicht leisten sollte“, äußert sich Tom Koenigs. Koenigs ist neben anderen prominenten Experten Teilnehmer des Podiums der nächsten Bürger-Universität zum Thema Flüchtlingspolitik. Der menschenrechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen fordert darüber hinaus die Aufnahme von mehr Flüchtlingen in Deutschland. Aus seiner Sicht bereichern sie unser Land. Auch im aktuellen UniReport 6.14 (S. 24, http://www.uni-frankfurt.de/53303289) äußert sich Koenigs in einem Gastbeitrag dazu.

Diejenigen, die es nach Europa geschafft haben, dürften laut Dubliner Abkommen jedoch nur in jenem Land Asyl beantragen, wo sie als erstes europäischen Boden betreten haben. Pater Peter Balleis, ebenfalls mit auf dem Podium der Bürger-Universität,  plädiert daher dafür, dass sich Asylbewerber frei für ein Land entscheiden können: „Die Flüchtlinge wissen sehr wohl, wo sie eine bessere Chance haben, sich zu integrieren, wo sie vielleicht schon Bekannte und Verwandte haben“, sagt der Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Asylbewerber immer weiter angestiegen. Knapp über 200.000 Asylanträge wurden 2014 in Deutschland gestellt. Im Jahr zuvor waren es noch rund 73.000 weniger. Die meisten der Bewerber kamen aus Syrien.

Das Flüchtlingselend beschäftigt am Montag, den 26. Januar 2015, 19.30 Uhr, auch die Experten und die interessierte Öffentlichkeit anlässlich der Bürger-Universität: „Welche Einwanderungspolitik braucht Deutschland? Flüchtlingselend und Fachkräftemangel“, lautet der Titel. Auf dem Podium diskutieren neben Grünen-Politiker Tom Koenigs und Pater Peter Balleis auch der Migrationsforscher Prof. em. Dietrich Thränhardt sowie der Integrationsbeauftrage der Bayerischen Staatsregierung Martin Neumeyer über zentrale Fragen der Einwanderungspolitik in Deutschland: Ist es aus humanitären Gründen nicht geboten, so viel zu helfen, wie wir können? Und was kann in den Herkunftsländern getan werden, um die Fluchtgründe zu beseitigen? Wie könnte eine Einwanderungspolitik aussehen, die sowohl dem Gebot der Menschlichkeit nachkommt als auch den Bedürfnissen der Wirtschaft nach dringend benötigten Fachkräften?

Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität nimmt sich im Wintersemester 2014/15 unter dem Titel „Alles nur Schwarzmalerei?“ der kaum noch überschaubaren Krisenanhäufungen der Gegenwart an. An insgesamt sechs Abenden werden exemplarisch sechs Krisen und Konflikte analysiert, die uns in den kommenden Jahren sicherlich weiter beschäftigen werden.

Wie immer wird die Frankfurter Bürger-Universität von einer umfangreichen Broschüre begleitet. Diese beinhaltet neben den eigens konzipierten Diskussionsabenden auch zahlreiche Veranstaltungen aus den Fachbereichen der Goethe-Universität. Alle stehen den Bürgerinnen und Bürger Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets größtenteils kostenfrei offen.

Die Broschüre können Sie über die Homepage www.buerger.uni-frankfurt.de anfordern.

Frankfurter Bürger-Universität: „Welche Einwanderungspolitik braucht Deutschland? Flüchtlingselend und Fachkräftemangel“, Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Veranstaltungen

Jan 21 2015
14:04

Über den Dialog zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten – Ein Vortrag von Prof. Stefan Wild über neue Wege der Koranforschung und -übersetzung

Viele Wege zum Text des Koran?

FRANKFURT. „Viele Wege zum Text? Gespräch zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten“ – mit diesem Thema beschäftigt sich der renommierte Orientalist Stefan Wild, bis zu seiner Emeritierung 2002 Professor für Semitische Sprachen und Islamwissenschaften an der Universität Bonn, am 26. Januar in seinem Vortrag. Die Vorlesung, die um 18 Uhr im Casino (Renate von Metzler-Saal) auf dem Campus Westend beginnt, gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet.

Die Begriffe „Osten“ und „Westen“, die sich im Titel dieser Ringvorlesung finden, haben viel von ihrer Selbstverständlichkeit verloren. Ein seit Langem am Berliner Wissenschaftskolleg angesiedeltes Projekt heißt: „Europe in the Middle East. The Middle East in Europe“. „Das weist darauf hin, dass die Gegensätzlichkeit zwischen Osten und Westen, Naher Osten und Europa, muslimischer Kultur und westlicher Kultur im dritten Jahrtausend in vielem überholt ist“, so Wild und ergänzt: „Der Koran nimmt heute etwa im Vergleich mit dem frühen 20. Jahrhundert religiös und kulturell eine vollkommen neue Rolle ein.“ Sein Vortrag beschäftigt sich einerseits mit neuen Wegen der Koranforschung und der Koranübersetzung, darüber hinaus aber auch mit dem wissenschaftlichen und religiösen Dialog zwischen Religion und Religionswissenschaft. Außerdem geht es um die Frage: Gibt es einen Punkt, an dem der Dialog aufhört?

Stefan Wild, geb. 1937 in Leipzig, war nach seiner Zeit als Assistent am Orientalischen Seminar der Universität Heidelberg von 1968 bis 1973 Direktor des Orient-Instituts der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Beirut/Libanon, dann von 1974 bis 1977 Professor an der Universität Amsterdam und von 1977 bis zu seiner Emeritierung 2002 Professor für Semitische Sprachen und Islamwissenschaft an der Universität Bonn. Zu seinen Publikationen zählen Bücher und Aufsätze zur Semitistik, altarabischen Philologie, Koranwissenschaft, islamisch-arabischen Geistesgeschichte und modernen arabischen Literatur. Von 1981 bis 2009 war er Herausgeber bzw. Mitherausgeber der Zeitschrift Die Welt des Islams. International Journal for the Study of Modern Islam (Leiden).

Weitere Veranstaltung in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“:

9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 20 2015
15:19

Studierende der Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Sonderpädagogik treffen Unternehmen und Institutionen. 23. Januar, Campus Westend.

Job-Messe für Pädagogen

FRANKFURT. Zum dritten Mal findet an der Goethe-Universität die Job-Messe „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ statt. Hier können Studierende und Absolventinnen und Absolventen pädagogischer Disziplinen mit Arbeitgebern aus dem Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus in Kontakt treten. Die ausstellenden Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen haben wiederum die Chance, sich zu präsentieren und zukünftige neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen zu lernen. Parallel gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops aus der Praxis. Hier gibt es vielfältige Informationen zu Berufsmöglichkeiten und Jobperspektiven von Pädagogen.

Höhepunkt der Job-Messe 2015 ist die Verleihung des „Hessischen Preises für gute pädagogische Praxis“. Prämiert wird der beste Praktikumsbetrieb, der von Studierenden der Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Gießen ausgewählt wurde.ocUni Veranstalter der Job-Messe sind der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität und das Paritätische Bildungswerk Hessen in Kooperation mit dem Career Service der Goethe-Universität.

DIE Job-Messe für angehende Pädagoginnen und Pädagogen der Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Sonderpädagogik.
Freitag, den 23.01.15 von 10.00-16.00 Uhr im PEG-Gebäude am Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Weitere Informationen unter: www.jobmessen.uni-frankfurt.de

 

Forschung

Jan 20 2015
12:30

Elementarer Vorgang des Energiestoffwechsels aufgeklärt/ Publikation in Science

Größter Proteinkomplex der Atmungskette entschlüsselt

FRANKFURT. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Sie produzieren ATP, die Energie-Währung des Körpers. Der Antrieb für diesen Prozess ist ein elektrochemisches Membranpotential, das von einer Reihe von Protonenpumpen erzeugt wird. Diese komplexen makromolekularen Maschinen werden zusammen als Atmungskette bezeichnet. Die Struktur des größten Proteins der Atmungskette, des mitochondrialen Komplex I, haben Wissenschaftler des Frankfurter Exzellenzclusters „Makromolekulare Komplexe“ in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg jetzt mithilfe der Röntgenstrukturanalyse aufgeklärt. Sie berichten darüber in der angesehenen Fachzeitschrift Science.

„Der mitochondriale Komplex I spielt bei der Gewinnung von zellulärer Energie eine Schlüsselrolle und wird darüber hinaus mit der Entstehung von Krankheiten wie Parkinson in Verbindung gebracht“, erklärt Volker Zickermann, Privat-Dozent im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität. Für das Funktionieren der Atmungskette müssen in allen Zellen unseres Körpers permanent ausreichende Mengen an Sauerstoff zur Verfügung stehen. Die bei der biologischen Oxidation freigesetzte Energie wird dazu verwendet, Protonen von einer Seite der inneren Mitochondrien-Membran auf die andere Seite zu transportieren. Der entstehende Protonengradient ist die eigentliche „Batterie“ für die ATP-Synthese.

Was die Forscher überraschte: Vorangegangene Studien legten nahe, dass Redoxreaktion und Protonentransport im Komplex I räumlich voneinander getrennt ablaufen. Die Frankfurter Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Zickermann sowie die Arbeitsgruppen von Prof. Harald Schwalbe und Prof. Ulrich Brandt konnten nun aus der detaillierten Analyse der Struktur ableiten, wie die beiden Prozesse miteinander in Verbindung stehen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis eines elementaren Vorgangs im Energiestoffwechsel.

Schon länger ist bekannt, dass Komplex I reversibel zwischen einer aktiven und einer inaktiven Form hin und her wechseln kann. Dies wird als ein Schutzmechanismus gegen die Bildung von schädlichen Sauerstoffradikalen interpretiert. Die Struktur gibt nun deutliche Hinweise darauf, wie sich diese beiden Formen voneinander unterscheiden und ineinander überführt werden können. „Die Forschungsergebnisse geben damit auch wichtige Hinweise zu den molekularen Grundlagen einer pathophysiologisch bedeutsamen Eigenschaft von Komplex I, die etwa für das Ausmaß einer Gewebeschädigung nach einem Herzinfarkt von Bedeutung ist“, erläutert Zickermann.

Ein Bild kann bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden (hardy@pvw.uni-frankfurt.de)

Publikation:

Zickermann V, Wirth C, Nasiri H, Siegmund K, Schwalbe H, Hunte C, Brandt U (2015) Mechanistic insight from the crystal structure of mitochondrial complex I. Science 347:44-49. DOI 10.1126/science.1259859.

Informationen: Privatdozent  Dr. Volker Zickermann, Institut für Biochemie II, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29575, Zickermann@med.uni-frankfurt.de.

 

Veranstaltungen

Jan 15 2015
17:08

Zum Abschluss präsentiert das ABC4Trust-Projekt seine Ergebnisse in der Hessischen Landesvertretung bei der Europäischen Union in Brüssel

Datenschutz und Vertrauenswürdigkeit: Beides gleichzeitig kann im Internet gewährleistet werden

FRANKFURT/BRÜSSEL. Eines der anerkanntesten EU-Projekte der Goethe-Universität präsentiert seine Ergebnisse am Dienstag (20.1.) in der Hessischen Landesvertretung bei der Europäischen Union in Brüssel: „ABC4Trust“, so das Kürzel des internationalen Projektes, dessen Sprecher der Frankfurter Prof. Kai Rannenberg ist, hat Lösungswege entwickelt, die die Vertrauenswürdigkeit persönlicher Daten im Netz deutlich erhöhen werden und gleichzeitig die Privatsphäre optimal schützen. Bei der Vorstellung der Ergebnisse werden am Dienstag neben der neuen Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, u.a. auch Günther Oettinger, Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft sowie Jan Albrecht, Mitglied des Europäischen Parlaments, Grüne/EFA-Fraktion, und Berichterstatter zur Europäischen Datenschutzgrundverordnung, teilnehmen.

Die ersten drei Buchstaben von ABC4Trust stehen für „Attribute-based Credentials“. Den Anbieter im Internet sollen nur die jeweils relevanten Eigenschaften (Attribute) des Nutzers zur Verfügung gestellt werden, diese sollen aber versehen sein mit einer Art Beglaubigungsurkunde (Credential) von jemandem, dem der Anbieter vertraut. Ein Beispiel:  Kauft jemand im Netz ein Buch, muss der Onlinehändler nichts über sein Geburtsdatum, seine Blutgruppe oder die mit Freunden  gemeinsamen Hobbies wissen. Diese Informationen können zwar in anderen Internetzusammenhängen wichtig sein, wie etwa im Kontakt mit der Krankenversicherung oder im Chat mit den Freunden. Für den Onlinehändler ist aber vor allem wichtig, dass die Kontodaten des Nutzers stimmen. Das kann der Nutzer zum Beispiel mit ihrer Bank- oder Kreditkarte belegen.

Der Nutzer kann seine „Beglaubigungsurkunden“, seine „Credentials“, in einer Art Brieftasche speichern, aus der er seine jeweils wichtigen Attribute vorzeigen kann. Das ist für den Nutzer deutlich besser als die gegenwärtige Situation im Internet, bei der Identitätsinformationen immer wieder an der Quelle, dem sogenannten „Identitätsprovider“, abgefragt werden. Dazu Rannenberg, der seit 2002 die Stiftungsprofessur der Deutsche Telekom für „Mobile Business & Multilateral Security“ inne hat: „ABC4Trust hat seit 2009 ein auf Privacy-ABCs basierendes System für elektronische Identifikation entwickelt, das Nutzenden erlaubt, ihre Privatheit zu schützen und zugleich Sicherheit für ihren Gegenüber – die Serviceanbieter – bietet. Wir haben das System erfolgreich in zwei Pilotanwendungen getestet; einer Kommunikationsplattform in einer Schule in Schweden und einem anonymen Kursevaluierungssystem an der Universität Patras.“

Insgesamt haben ca. 50 Wissenschaftler an den verschiedenen Teilprojekten mitgewirkt; mit knapp 9 Millionen Euro seit 2010 förderte die EU das ABC4Trust-Projekt aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm. Zu dem internationalen Projektkonsortium gehören neben der Goethe-Universität, der Technischen Universität Darmstadt sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus Dänemark und Schweden Unternehmen wie IBM, Microsoft und Nokia Networks, außerdem ein Verschlüsselungsspezialist aus Frankreich.

Auf der Brüsseler Abschlussveranstaltung werden verschiedene Pilotanwendungen vorgestellt.  Dabei geht es auch darum, wie die zwei fortgeschrittene Technologien zum Identitätsmanagement über „Attribute-based Credentials“ (beide von amerikanischen Anbietern: U-Prove von Microsoft und Idemix von IBM) sinnvoll miteinander verbunden werden können. Das ABC4Trust-Projekt ist nun über diese beiden Technologen gebaut worden, damit die Nutzer nicht von dem einen oder anderen Managementsystem abhängig sind, sondern auswählen können. Auch ABC4Trust soll, das ist eine forschungspolitische Bedingung der EU, eine offen zugängliche Technologie sein. Das Projektteam musste also alle Player zusammenbringen. »Das war nicht immer so einfach, aber es ist uns gelungen!“ – freut sich der Frankfurter IT-Experte.

Er wird mit seinen internationalen Mitstreitern am Dienstag auch einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Identitätsmanagement gegeben. Dazu gehört die Nutzung dieser Privacy-ABCs auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, Tablets, um auch dort die Privatheit der Nutzer besser schützen. Zu den Gästen in der hessischen Landesvertretung zählen bei dieser Veranstaltung auch: Michael Garcia (Stellvertretender Direktor der „Nationalen Strategie für vertrauenswürdige Identitäten im virtuellen Raum“ des nationalen Instituts für Standardisierung und Technologie, beim U.S. Wirtschaftsministerium – „NIST“) und Achim Klabunde (Leiter des Sektors IT-Policy bei dem Europäischen Datenschutzbeauftragten).

Teilnahme an der Abschlussveranstaltung (20. Januar, 9.30 Uhr – 18.00 Uhr) ist für Interessierte und Journalisten noch möglich, Anmeldung unter: https://abc4trust.eu/index.php/events/177-summit-announce

Informationen: Prof. Dr. Kai Rannenberg, Stiftungsprofessur der Deutsche Telekom für „Mobile Business & Multilateral Security“, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. 069-79834701, Kai.Rannenberg@m-chair.de, contact@abc4trust.eu; https://www.datenschutzzentrum.de/projekte/abc4trust/, englischsprachige Projektwebsite https://abc4trust.eu/summit

Veranstaltungen

Jan 15 2015
17:03

Am 19. Januar diskutiert die Frankfurter Bürger-Universität über die medizinische Versorgung in Deutschland

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

FRANKFURT. Nach „Heillose Medizin“ und „Die Krankheitserfinder“ ist „Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht“ sein neuestes Buch. Jörg Blech enthüllt darin, wie Ärzte, Psychologen und Pharmakonzerne aus gesunden Menschen psychisch gestörte Patienten machen. Der Bestsellerautor und Medizinjournalist beim Spiegel stellt fest: „Die Abschaffung des Normalen ist Trend. Mit seelischen Störungen wird viel Geld verdient.“ Als Beispiel für eine aus kommerziellen Gründen erdachte Krankheit nennt Blech das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Mit den Medikamenten gegen ADHS verdient nicht nur die Pharmaindustrie viel Geld.

Kritisch sehen nicht wenige Gesundheitsexperten auch die Rolle privater Krankenversicherungen. Laut MLP-Gesundheitsreport befürchten 80 Prozent der Bürger eine Zwei-Klassen-Medizin. Viele fragen sich: Was passiert, wenn ich richtig krank werde? Wie gut werde ich dann versorgt und wer bezahlt die teuren Medikamente für meine Behandlung? Und gibt es in Zukunft überhaupt noch genügend Ärzte, die alle Patienten versorgen können?

Über diese und weitere Fragen können Frankfurts Bürger am Montag, den 19. Januar, 19.30 Uhr, im Rahmen der vierten Veranstaltung der Bürger-Universität mit dem Titel „Wie krank ist unser Gesundheitssystem? Die Medizin hat den Menschen vergessen“ mit Blech und weiteren Experten der Gesundheitsbranche diskutieren:

Prof. Matthias Schrappe, Internist und Versorgungsforscher

Prof. Klaus Stegmüller, Politikwissenschaftler und Hochschullehrer am Fachbereich Pflege und Gesundheit, Fachhochschule Fulda.

Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität nimmt sich im Wintersemester 2014/15 unter dem Titel „Alles nur Schwarzmalerei?“ der kaum noch überschaubaren Krisenanhäufungen an. An insgesamt sechs Abenden werden exemplarisch sechs Krisen und Konflikte analysiert, die uns in den kommenden Jahren sicherlich weiter beschäftigen werden.

Wie immer wird die Frankfurter Bürger-Universität von einer umfangreichen Broschüre begleitet. Diese beinhaltet neben den eigens konzipierten Diskussionsabenden auch zahlreiche Veranstaltungen aus den Fachbereichen der Goethe-Universität. Alle stehen für die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets offen.

Die Broschüre können Sie über die Homepage www.buerger.uni-frankfurt.de anfordern.

Frankfurter Bürgeruniversität: „Wie krank ist unser Gesundheitssystem? Die Medizin hat den Menschen vergessen“, Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Forschung

Jan 14 2015
11:13

Kommunikation von Bakterien als Angriffspunkt für Medikamente

Neue Bakterien-Sprache entdeckt

FRANKFURT. Bakterien kommunizieren mittels chemischer Signale und können durch diese „Absprache“ gemeinsame Eigenschaften ausbilden und so auch ihre potenziell krankmachende Wirkung entfalten. Wissenschaftler um Dr. Helge B. Bode, Merck Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität Frankfurt, und Dr. Ralf Heermann, Privatdozent am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Ludwig-Maximilian-Universität München haben nun einen bislang unbekannten Kommunikationsweg beschrieben, der weit verbreitet zu sein scheint. Darüber berichten sie aktuell in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science.

Die Erforschung der bakteriellen Kommunikation ist auch von medizinischem Interesse. Denn die Kommunikationswege von Bakterien sind ein möglicher Angriffspunkt für neue Medikamente. Wird die entsprechende Kommunikationsmöglichkeit unterbunden, so können die Bakterien krankmachende Eigenschaften gar nicht erst ausbilden. „Wenn Krankheitserreger nicht mehr wie bisher durch Antibiotika abgetötet, sondern im Vorfeld an der Bildung krankmachender Eigenschaften gehindert werden könnten, würde das die Gefahr von Resistenzbildungen erheblich mindern“, sagt Bode.

Verschiedene Bakterien haben auch verschiedene Arten zu kommunizieren. Das Team um Heermann und Bode hat bereits 2013 erstmals einen bis dahin unbekannten Kommunikationsweg bei Bakterien entdeckt. Nun ist es ihnen gelungen, eine neue und weit verbreitete chemische Art der bakteriellen Kommunikation zu entschlüsseln.

Bislang am besten ist die Kommunikation zwischen Bakterien über die N-Acylhomoserinlaktone (AHL) erforscht: Das Enzym LuxI produziert Signale, die von dem LuxR-Rezeptor erkannt werden, woraufhin die Bakterien bestimmte Eigenschaften ausbilden und ihr Verhalten aufeinander abstimmen. Da dafür eine bestimmte Anzahl an Bakterien vorhanden sein muss, heißt dieser Vorgang „Quorum sensing“.

Die Arbeitsgruppen von Heermann und Bode untersuchen jedoch Bakterien, die zwar einen LuxR-Rezeptor haben, aber nicht das Enzym LuxI. In der aktuellen Studie haben die Mikrobiologen das Bakterium Photorhabdus asymbiotica untersucht, einen für Insekten tödlichen Krankheitserreger, der auch Menschen befallen und Hautinfektionen verursachen kann. Diese Bakterien kommunizieren über das Signalmolekül Dialkylresorcinol, welches der zugehörige LuxR-Rezeptor erkennt. „Bei diesem „Quorum sensing“-System ist der Einfluss auf die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien äußerst stark. P. asymbiotica benötigt Dialkylresorcinol und koordiniert damit die Kommunikation mit den Artgenossen für die erfolgreiche Infektion der Larve“, sagt Helge Bode, dessen Gruppe 2013 auch die Bildung dieser neuen Signalmoleküle beschrieb.

Die Forscher haben nicht nur P. asymbiotica, sondern eine Reihe weiterer Bakteriengenome untersucht. Der neu entdeckte Signalweg scheint weit verbreitet zu sein. „Wir konnten viele weitere humanpathogene Bakterien identifizieren, die ebenfalls kein LuxI aufweisen und auch die Fähigkeit zur Bildung dieses Signals besitzen“, sagt Heermann.

Publikation:

Sophie Brameyer, Darko Kresovic, Helge B. Bode and Ralf Heermann:

Dialkylresorcinols as bacterial signaling molecules

In: PNAS 112 (2), 572-577.

DOI: 10.1073/pnas.1417685112

www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1417685112

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Fachbereich Biowissenschaften & Buchmann Institute for Molecular Life Sciences, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557, H.Bode@bio.uni-frankfurt.de.

Bild zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/53683200

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Bildunterschrift:
Die Insektenlarven wurden mit P. asymbiotica infiziert. Da die Bakterien biolumineszent sind, leuchten die Larven im Dunkeln. Die Pathogenität von humanpathogenen Keimen wird häufig im Insektenmodell untersucht. (Abbildung: Ralf Heermann, LMU).

Forschung

Jan 14 2015
11:11

Biologin und Mathematikerin nehmen Klebstoff für Zellen unter die Lupe

Wie halten Zellen im Gewebe zusammen?

FRANKFURT. Zellen werden in vielen Geweben durch Proteine der Cadherin-Familie zusammen gehalten. Ein weit verbreiteter Vertreter ist N-cadherin, das im Gehirn Nervenzellen verknüpft und damit eine wesentliche Rolle beim Lernen spielt. Allerdings tritt das Protein auch bei Tumorerkrankungen auf. Hier ist es dafür verantwortlich, dass das Gewebe nicht mehr zusammen hält, so dass es zur Metastasenbildung kommt. Eine Biologin und eine Mathematikerin haben den Prozess der Zell-Verknüpfung erstmals in einer dreidimensionalen Zellkultur nachgebildet und ihre Ergebnisse mithilfe eines mathematischen Modells bestätigt.

„Wenn man bedenkt, wie grundlegend Zell-Zell Kontakte sind und wie vielfältig das Auftreten von N-cadherin im Körper ist, wird deutlich, wie wichtig unsere Ergebnisse für die Grundlagenforschung in Zell- und Entwicklungsbiologie sind“, sagt Postdoktorandin Dr. Sabine Fischer vom Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität. Darüber hinaus hofft die Forscherin, ihren Kollegen in der Krebsforschung einen wichtigen Input für die Therapieentwicklung zu liefern.

Das Protein N-cadherin wirkt wie ein Klebstoff zwischen benachbarten Zellen. Es sammelt sich in den Membranen an und bildet einerseits Kontakte zu Proteinen in derselben Zelle (cis-Verbindungen) und andererseits mit Proteinen der Nachbarzelle (trans-Verbindungen). Dieses klar strukturierte Netzwerk von Cadherin-Verbindungen wurde bisher nur anhand von Kristallstrukturen der Proteine untersucht. „Es ist nicht klar, wie diese Verbindungen sich auf das Verhalten von lebenden Zellen auswirken“, erklärt die Biologin Dr. Sakshi Garg vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung.

Die Nachwuchsforscherinnen untersuchten die Wirkung des zellulären Klebstoffs, indem sie Zellkulturen aus den Darmzellen von Mäusen als drei-dimensionale, kugelförmige Zellaggregate kultivierten und den zeitlichen Verlauf des Wachstums mit dem Mikroskop beobachteten. Dieser Ansatz spiegelt die Strukturen im Körper deutlich besser wieder, als standardmäßige zwei-dimensionale Zellkulturen. Die im Labor gewachsenen Sphäroide treten in ähnlicher Form im lebenden Organismus bei der Metastasenbildung und auch bei der Knochenentwicklung auf. Im Experiment verglichen die Forscherinnen Darmzellen, die von Natur aus keine N-Cadherine exprimieren, mit Zellkulturen mit Wildtyp N-cadherin sowie mit Zellkulturen von Mutanten, die entweder nur cis- oder trans-Verbindungen herstellten.

Wie die Forscherinnen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Interface berichten, haben die verschiedenen Arten von N-cadherin Verbindungen klar trennbare Einflüsse auf Zell-Zell Kontakte und damit auf die Haltbarkeit eines Gewebes. Die Effekte von Mutationen verschiedener N-cadherin Bindungsstellen reichen von einer bloßen Verlangsamung der Kontaktformation bis zu deutlicher Beeinträchtigung der Gewebestabilität. Trans-Verbindungen bildeten sich zur Überraschung der Forscherinnen auch, wenn die N-cadherin cis-Verbindungen fehlen. Allerdings sind die innerzellulären cis-Verbindungen essentiell für die Stabilität von Zell-Zell Kontakten.

Um die fundamentalen Prozesse der Sphäroidformierung und damit der Zell-Zell Kontakte und der N-Cadherin Interaktionen zu verstehen, ergänzte die Mathematikerin Sabine Fischer die experimentellen Ergebnisse durch eine mathematische Modellierung. „Mit unserem mathematischen Modell konnten wir alle unsere 20 experimentellen Konditionen fitten. Dies zeigt die enorme Stärke des Modells“, berichtet Fischer. Die Forscherinnen verglichen ihr mathematisches Modell nicht nur, wie allgemein üblich, mit den experimentellen Daten, sondern konnten damit auch Vorhersagen treffen, die zu weiteren Experimenten führten. „Wir haben den Zyklus von Experimenten und mathematischer Modellierung also mehrfach durchlaufen, um neue Erkenntnisse über N-cadherin Interaktionen in einem drei-dimensionalen Gewebe-ähnlichen Kontext zu erlangen“, so die Mathematikerin.

Publikation: S. Garg, S. C. Fischer, E. M. Schuman, E. H. K. Stelzer: Lateral assembly of N-cadherin drives tissue integrity by stabilising adherens junctions, in: J. R. Soc. Interface 20141055 (http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2014.1055)

Ein Bild zum Download finden Sie hier: www.uni-frankfurt.de/53683043

Bildtext: Mit dem Lichtscheibenmikroskop aufgenommene kugelförmige Zellkulturen ohne N-Cadherine, mit Wildtyp N-Cadherin, cis-Mutante und zwei verschiedenen trans-Mutanten.

Informationen: Dr. Sabine Fischer, Physikalische Biologie, Fachbereich Biowissenschaften (IZN), Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42554, sabine.fischer@physikalischebiologie.de, www.physikalischebiologie.de.

Veranstaltungen

Jan 13 2015
17:38

Konzert im Museum Giersch mit historischen Klavierrollen des Instituts für Musikwissenschaften

Mozart von der Klavierrolle

FRANKFURT. Im Begleitprogramm zu Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge – 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ wird vom 16. bis 18. Januar 2015 ein ganz einzigartiges Musikerlebnis zu hören sein: Drei Konzerte mit Klavierrollen für mechanisches Klavier Duca, produziert von der Frankfurter Firma Philipps zwischen 1908 – 1912. Das Institut für Musikwissenschaften der Goethe-Universität besitzt eine einmalige Sammlung von 954 Klavierrollen, die durch weltberühmte Pianisten wie Camille Saint-Saëns eingespielt worden sind. Auf diese Weise konnten bekannte Virtuosen im eigenen Wohnzimmer gehört werden. Neben den klassischen Komponisten wurde jedoch auch ein breites Spektrum von Unterhaltungsmusik auf Klavierrollen aufgenommen.

Die  1886 gegründete Frankfurter Firma Piano-Instrumenten-Fabrik J. D. Philipps spezialisierte sich schon früh auf mechanische Klaviere. Diese waren in der Lage, Steuerimpulse gelochter Papierrollen mittels eines pneumatischen Wiedergabesystems in Musik zu übersetzen. 1910 entwickelte Philipps ein Reproduktionsklavier, das das individuelle Spiel eines Pianisten mit allen dynamischen Feinheiten wiedergeben konnte. Für das Konzert im Museum Giersch der Goethe-Universität wird der renommierte englische Pianist Rex Lawson aus London, der als einer der wenigen Spezialisten weltweit für mechanische Klaviere gilt, die Rollen interpretieren. Zum Spiel gebracht werden unter anderem Stücke von Beethoven, Liszt, Mozart, Brahms, Rehberg, Chopin und Schubert. Sie entführen die Zuhörer in eine vergangene Zeitepoche und spiegeln zugleich ein Stück Musikgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts wider.

Drei Konzerte mit Klavierrollen für mechanisches Klavier Duca.
Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83.

Fr, 16.1., und Sa, 17.1.2015, jeweils 18 Uhr.
So, 18.1.2015, 16 Uhr.
Pianist: Rex Lawson, London.

Veranstaltungen

Jan 13 2015
17:36

Bürgervorlesung zum 50. Geburtstag des Alzheimer-Medikaments Tebonin

Mit Ginkgo-Extrakt gegen das Vergessen

FRANKFURT. Tebonin, ein Extrakt aus dem Ginkgo-Baum, ist das älteste und meist verkaufte Medikament gegen Alzheimer-Demenz in Deutschland. Aus Anlass seines 50jährigen Geburtstags lädt die Goethe-Universität gemeinsam mit der Hirnliga, einer Vereinigung der deutschen Alzheimerforscher, und dem Hersteller Dr. Willmar Schwabe, Karlsruhe, zu einer Bürgervorlesung ein

am 29. Januar 2015
um 18:30 Uhr
im Foyer des PA-Gebäudes, Campus Westend.
Thema: „Moderne Konzepte zur Entstehung von Hirnleistungsstörungen im Alter. Ist ein Versuch mit Ginkgoextrakt zeitgemäß?“

In seinem Vortrag wird Prof. Walter E. Müller, Vorstandsmitglied der Hirnliga und ehemaliger Direktor des Pharmakologischen Instituts für Naturwissenschaftler der Goethe-Universität, über den aktuellen Stand der Forschung zur Wirkung des Ginkgo-Extrakts berichten. Er hat dazu selbst viele Jahre geforscht. In seinem Vortrag wird er auch auf die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Symposiums eingehen, das am gleichen Tag stattfindet.

„Viele Forschungsergebnisse deuten inzwischen darauf hin, dass eine mangelnde Energieversorgung der Nervenzellen einen großen, wenn nicht sogar den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und den Verlauf der Krankheit hat“, so Müller. Dabei rücken die Kraftwerke der Zelle, die Mitochondrien, zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Neuronen von Alzheimer-Patienten können dem oxidativen Stress, der die Funktion ihrer Mitochondrien beeinträchtig, nicht mehr entgegenwirken. In der Folge nimmt die Bildung der typischen Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn zu. Der Ginkgo-Extrakt ist offenbar in der Lage, Mitochondrien vor oxidativem Stress zu schützen.

Im Rahmen der Bürgervorlesung verleiht die Hirnliga ihren Steinberg-Krupp-Alzheimer-Forschungspreis. Der von Dr. Trude-Lotte Steinberg-Krupp gestiftete Preis zeichnet junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die durch eine Veröffentlichung in den letzten zwei Jahren einen besonders wichtigen wissenschaftlichen Beitrag auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung geleistet haben.

Informationen: Prof. Walter E. Müller, Pharmakologisches Institut für Naturwissenschaftler, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29376, w.e.mueller@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jan 12 2015
15:51

Statements der Frankfurter Islamwissenschaftler und des Sprechers des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“ zu den Ereignissen in Paris

„Menschen müssen ihre Toleranz dort unter Beweis stellen, wo sie sich provoziert fühlen“

Etwa 30.000 Menschen gedenken in Berlin der Opfer der Terrorattacken in Paris und bekunden ihre Solidarität. Sie trafen sich am Sonntag auf dem Pariser Platz vor der Französischen Botschaft zu einer Mahnwache, um an den islamistischen Anschlag auf die Redaktion des religionskritischen Satiremagazins 'Charlie Hebdo' zu erinnern. Berlin, 11.01.2015

FRANKFURT. „Gerade als muslimische Theologen, Historiker und Sozialforscher sind wir im Moment mehr als andere aufgefordert, menschenverachtende Argumentationen in den ideologisierten Deutungen und Lesarten der islamischen Religion als existent wahrzunehmen, die Ursachen und Formen ihrer Entstehung zu begreifen, die Bezüge auf die islamischen Lehren darin aufzudecken und vor allem islamische Antworten darauf zu geben.“ Mit einer mehrseitigen Stellungnahme reagieren die Wissenschaftler des Zentrums für Islamische Studien an der Goethe-Universität (www.uni-frankfurt.de/53652821), Prof. Dr. Bekim Agai, Prof. Dr. Harun Behr, Dr. Armina Omerika, Prof. Dr. Ömer Özsoy und Prof. Dr. Yaşar Sarıkaya, auf den terroristischen Anschlag auf Charlie Hebdo und die Geiselnahmen in Frankreich.

Auch der Sprecher des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“, Prof. Dr. Rainer Forst, meldete sich zu Wort; er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Themen Toleranz und Gerechtigkeit: „ In einer freiheitlichen Gesellschaft haben alle Religionen, Weltanschauungen und Atheismen ihren Platz, die Menschenrechte und Demokratie akzeptieren, und sie müssen ihre Toleranz dort unter Beweis stellen, wo sie sich provoziert fühlen – ob durch religiöse Praktiken und Symbole oder durch Schmähkarikaturen.“ Dies – so Forst – sei ein Lernprozess, der Mehrheiten und Minderheiten betreffe. Der Philosophie-Professor weiter: „Intoleranz finden wir auf beiden Seiten, wobei sich Fanatismus, der zur Gewalt bereit ist, kaum allein aus religiösen Motiven speist.“ Wichtig sei es, in der Reaktion auf diese Mordtaten die Reproduktion von Pauschalverurteilungen des Islam, wie etwa „Pegida“ sie betreibe, zu vermeiden.

Forst setzt sich auch mit der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Tag des Anschlags auseinander: „Wir haben mit der übergroßen Mehrheit der Muslime ein sehr gutes Verhältnis.“ Dazu Forst: „Nahezu unbemerkt schleicht sich in diese wohlmeinende Aussage ein Gegensatz zwischen ‚wir‘ und ‚die‘ ein, den es zu überwinden gilt. Die alltägliche Arbeit an der Toleranz und der Integration geht weiter.“ (www.uni-frankfurt.de/53665804)

Die Islamwissenschaftler der Goethe-Universität sehen in dem Anschlag von Paris auch einen – möglicherweise ganz bewussten – Anschlag auf diejenigen Muslime Europas, die in demokratischen Gesellschaften leben wollen und sich hier ihren Lebensmittelpunkt aufbauen. Nachdem es gestern eine breite gesellschaftliche Front gegen eine drohende Polarisierung gab, an der sich auch viele Muslime beteiligten, hofft der Direktor des Zentrums für Islamische Studien, Bekim Agai, „dass sich dies nicht nur in symbolischen Bekundungen erschöpft, sondern wirklich nach den Ursachen gesellschaftlicher Fragmentierung gefragt wird“. Die Frankfurter Islamwissenschaftler fordern auch, dass sich die Muslime in Europa aus einer „binnenislamischen Sicht stärker in die Debatten um Freiheit und die Rechte Anderer einbringen sollten, und da spielt die universitäre Ausbildung, wie sie an der Goethe-Universität angeboten wird, eine entscheidende Rolle. Weiter heißt es: „Rassistische und islamfeindliche Haltungen gilt es dabei mit Argumenten in offen ausgetragenen Debatten, mit rechtsstaatlichen Mitteln und mit gesellschaftlich produktivem Engagement zu bekämpfen – Gewalt darf dabei keine Option sein. Der Islam hat auch in dieser Hinsicht eine reiche historische Tradition zu bieten, der sich die Muslime bewusst werden sollten und die sie im Jetzt und Hier weiterentwickeln müssen.“

In offenen Debatten wird auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt im Koran nicht ausgeblendet werden. Dazu Agai: „Eines ist klar, es gibt keine gewaltfreien Religionstexte, weil die Gewalt ein Bestandteil der ‚conditio humana‘ ist. Extremisten aller Religionen legitimieren ihre Gewalt über diese Schriften, auch Muslime.“ Doch hier sieht Agai, die Aufgabe der Theologie: „Sie muss diese Deutungen auch ernst nehmen und sich detailliert mit ihnen und ihren Prämissen beschäftigen. Eine kritische Lektüre bedeutet, dass man dem ganzen Text in seiner Zeit gerecht wird und nicht nur die Stellen aufgreift, die einem passen und andere unter den Tisch fallen lässt.“

Harry Harun Behr, Professor für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Islam an der Goethe-Universität, weist in seinen Anmerkungen „Tinte wiegt schwerer als Blut“ (Link:http://www.uni-frankfurt.de/53652821/02-Stellungnahme)auf „Fehlformen der Schriftauslegung“ hin: „Der heutige Salafismus als Ruf zur Rückkehr zu den Wurzeln über die wortwörtliche Lesart der Tradition mag romantische Motive von Menschen bedienen, die sich abgehängt und desorientiert fühlen.“ Der Ausbildung islamischer Religionslehrer komme eine besondere Bedeutung zu und stelle gleichzeitig auch eine große Herausforderung dar, denn – so Behr – „es sind die Lehrkräfte, die sich mit den Milchbärten herumschlagen müssen, die aus der letzten Bank das Gegenkalifat ausrufen“. Nach seiner Auffassung hat die islamische Theologie auch die Aufgabe, „den Islam vor der feindlichen Übernahme durch die Meuterer unter seiner eigenen Anhängerschaft zu verhindern“. Für ihn geht es „eine Reformulierung des islamischen Menschenbildes, die sich bildungswirksam erschließen lässt, etwa über die Beschreibung von Bildungszielen des Islamischen Religionsunterrichts.“

Das Bild mit den Stiften bei den Protesten in Paris und anderswo in Europa erinnert Behr übrigens an einen wenig bekannten Weisheitsspruch des Propheten Muhammads, dass am Ende die Tinte der Gelehrten schwerer wiege als das Blut des Märtyrers. Und auch im Koran stehe (Vers 3 der 96. Sure): „Trag vor – es ist dein Herr, der Hochgeehrte, der dich durch die Feder lehrte.“

Forschung

Jan 8 2015
14:45

Frankfurter Forscher und NASA visualisieren Entstehung eines schwarzen Lochs

Astronomische Simulation ist Renner auf Youtube

FRANKFURT. Nicht selten entfalten Bilder gewaltiger Naturereignisse eine besondere Schönheit. Das gilt auch für Computersimulationen, wie sich unlängst zeigte, als die NASA den Clip des Frankfurter Astronomen Luciano Rezzolla auf Youtube stellte. Er zeigt in Zeitlupe, wie zwei Neutronensterne zu einem schwarzen Loch verschmelzen. Innerhalb weniger Tage wurde der schrecklich schöne Zusammenstoß gigantischer Massen mehr als 270 tausend Mal angeschaut. Mittlerweile sind es mehr als 459 tausend Klicks. Die „New York Times“ nahm die Simulation zum Anlass für einen ausführlichen Bericht über die Entstehung schwarzer Löcher.

Nur 20 Millisekunden – ein Fünftel der Dauer eines Wimpernschlags – dauert es, bis aus zwei Neutronensternen ein schwarzes Loch geworden ist. Gesehen hat das noch kein menschliches Auge, aber die Computersimulation, die auf Rezzollas Berechnungen beruhen, geben eine gute Vorstellung davon: Zu Beginn des Clips haben sich die beiden Sterne ungleicher Masse auf 18 Kilometer genähert; einen Abstand, der in etwa ihrem Durchmesser entspricht. Während sie in einer spiralförmigen Bewegung aufeinander zustürzen, löst sich bereits Materie von der Kruste des leichteren Sterns und wird in einem Strudel von dem schwereren Stern aufgesaugt.

Nur 13 Millisekunden später hat der schwerere Partner so viel Materie angesammelt, dass er unter dem Druck der Gravitationskraft zu einem schwarzen Loch kollabiert. Aber nicht alle Materie wird verschluckt. Ein Teil davon umkreist das dunkle Zentrum in einem Ring mit einer Ausdehnung von 20 Kilometern. Bei dem Zusammenstoß werden enorme Energiemengen in Form kurzwelliger Gammastrahlen freigesetzt. In nur zwei Sekunden entsteht dabei so viel Energie, wie alle Sterne in unserer Galaxie zusammen in einem ganzen Jahr produzieren. Auf dieses kurze Nachglühen richtet sich Rezzollas Forschungsinteresse. In der von der NASA koordinierten Swift Mission hofft er, die energiereichen Gammastrahlen mit großen, auf der Erde stationierten Teleskopen aufzuspüren.

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de.

Link zur Simulation: https://www.youtube.com/watch?v=vw2sLcyV7Vc

Bericht in der „New York Times“: www.nytimes.com/2014/10/08/science/space/how-to-make-a-black-hole.html?_r=1

Forschung

Jan 7 2015
15:30

Schicksale und Machenschaften Frankfurter Mediziner im Nationalsozialismus

Otmar von Verschuer blieb ungeschoren, Richard Koch unbekannt

FRANKFURT. Kurz nach Hitlers Machtübernahme standen auch in Frankfurt stramme Parteigänger bereit, um ihre jüdischen Kollegen aus den Ämtern zu drängen. Allerdings hat die Frankfurter Universität aus Historikerperspektive eine Ausnahmestellung, denn auf ihrer Personalliste standen Namen wie von Verschuer, Mengele und Hirt. Trotz ihrer Bekanntheit ist bis heute vieles um diese Täter rätselhaft geblieben. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ geht die Medizinjournalistin Martina Lenzen-Schulte den Schicksalen und Machenschaften Frankfurter Mediziner im Nationalsozialismus nach.

Schon früh wurden in Frankfurt jüdische Mitglieder der Fakultät aus dem Amt gedrängt – entweder aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, oder aber informell, wie im Fall des Hygienikers Max Neisser, der selbst um seine Emeritierung bat. Von den 19 Ordinarien der Medizin, die in Frankfurt für das Wintersemester 1932/1933 dokumentiert sind, mussten bis 1938 sechs aktive Mediziner und vier emeritierte ihr Amt verlassen. Hinzu kamen zahlreiche weitere Dozenten und Professoren der Fakultät, insgesamt listet der Frankfurter Medizinhistoriker Udo Benzenhöfer in seinem Buch zur Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin 53 Namen auf.

Richard Koch war eines der ersten jüdischen Fakultätsmitglieder, die nach der Machtübernahme entrechtet wurden. Er war in Frankfurt seit 1926 Vorsteher des Seminars für Geschichte der Medizin und verdiente sich seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen als niedergelassener Arzt in Frankfurt. Er publizierte regelmäßig in der „Frankfurter Zeitung“ über medizinische und naturwissenschaftliche Themen, hatte jedoch nach der Beurlaubung kaum noch Einnahmen. Ab 1936 musste er sich regelmäßig bei der Polizei melden, wurde schließlich gewarnt und floh über verschiedene Stationen in den Kaukasus, wo er in Essentuki 1949 mittellos starb. Er gilt als einer der bedeutendsten Medizintheoretiker und -historiker des 20. Jahrhunderts.

Der international anerkannte Physiologe Gustav Emden wurde zunächst nicht entlassen. Wahrscheinlich wäre er als Jude später verfolgt worden, aber er starb bereits im Juli 1933. Anders erging es dem Ordinarius der Dermatologie, Oscar Gans, der nach Versetzung in den „Ruhestand“, wie es offiziell hieß, 1934 emigrierte und 1949 wieder zurück nach Frankfurt kam. Klassisch ist auch der Fall des Pharmakologen Werner Lipschitz, der als „Volljude“ von zwei Mitarbeitern, die sich bei ihm habilitiert hatten, denunziert worden war. Dass einer von ihnen sich später dazu bekannte, unter dem Druck der neuen Ideologie und seines Kollegen gehandelt zu haben und sich bei der Familie entschuldigte, ist ebenfalls eine Konstellation, die man von anderen Universitäten kennt.

Anstiftung zu verbrecherischer Zwillingsforschung?

Otmar Freiherr von Verschuer zählte zu denjenigen, die sich und ihr Fach den neuen Verhältnissen anzupassen wussten. Er kam nach Frankfurt, nachdem der nationalsozialistische Dekan der Medizin, Hans Holfelder, sich für die Einrichtung eines Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität eingesetzt hatte. Josef Mengele wurde 1937 sein Praktikant, später Assistent und Doktorand.

Als von Verschuer 1942 die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Anthropologie in Berlin übernahm und Mengele 1943 Lagerarzt in Ausschwitz wurde, versorgte er das Berliner Institut regelmäßig mit „Material“, Blutproben und Augen von Zwillingspaaren. Von Verschuer bedankte sich ebenso regelmäßig dafür, habe aber – so seine Aussagen nach dem Krieg – nicht gewusst, wie genau dies alles gewonnen wurde. Dass Mengeles Untaten in Ausschwitz in der für von Verschuer so bedeutenden Zwillingsforschung ihren Ursprung hatten, ist mehr als plausibel.

In Mengeles Biografie nach der Frankfurter Zeit gibt es bis heute Unklarheiten: Obwohl von Verschuer versuchte, ihn in Frankfurt zu halten, wurde er 1940 einberufen und kam über verschiedene Stationen Ende Mai 1943 als Lagerarzt nach Auschwitz. Bis zum Kriegsende wurde er weiterhin als Angestellter der Universität Frankfurt geführt. Zdenek Zofka erwähnt in seiner Publikation über Mengele, dass dessen Versetzung nach Auschwitz Methode gehabt haben könnte und ganz im Interesse von Verschuers war. Es sei „nicht einmal auszuschließen, dass es überhaupt von Verschuers Idee war, die in Auschwitz gegebenen besonderen Verhältnisse für die wissenschaftliche Forschung auszunützen“.

Für Unverständnis und Aufregung sorgt unter Historikern, dass es von Verschuer gelang, 1951 einen Lehrstuhl für Humangenetik in Münster zu erlangen. Obwohl er alle Aufzeichnungen über seine Forschung aus dem Krieg retten konnte, fehlten just diejenigen, die sich auf die Zusammenarbeit mit Mengele beziehen. Nach dem Krieg bettelte er unbelastete deutsche Kollegen – darunter Otto Hahn vergeblich – um Persilscheine an, und stellte sich geschickt seinen internationalen Kollegen gegenüber als Opfer unseliger Entwicklungen und einer Verbrecherkaste dar, von der er sich stets distanziert hätte. Der Historiker Benno Müller-Hill vermutet, dass ihm dabei auch belastendes Wissen über andere zugutekam. Eine Biografie von Verschuers fehlt noch immer, auch die Forschung über das vermutete Netzwerk ehemaliger NS-Eugeniker und Nationalsozialisten an der Universität Münster hat nie wirklich Fahrt aufnehmen können.

Forschung Frankfurt kostenlos bestellen: Helga Ott, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-12472; ott@pvw.uni-frankfurt.de. www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Mitmachen bei der Leserumfrage: Wie gefällt Ihnen das neue Konzept von „Forschung Frankfurt“? Beteiligen Sie sich bis zum 20. Januar 2015 an unserer Online-Umfrage. Als Dankeschön verlosen wir einen Gutschein für das Restaurant Sturm&Drang auf dem Campus Westend über 30 Euro. https://ww3.unipark.de/uc/forschungfrankfurt/

Veranstaltungen

Jan 6 2015
16:43

Solist Jörg Wachsmuth an der größten spielbaren Tuba der Welt

13. Goethe-Campus-Konzert mit SKYLINE SYMPHONY

FRANKFURT. Das SKYLINE SYMPHONY – Frankfurter Kammerorchester unter der Leitung von Michael Sanderling spielt wieder auf dem Campus Westend: Solist des Abends wird der Tubist Jörg Wachsmuth sein. Er studierte im Fach Tuba an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler” Berlin und zählt heute zu den weltweit führenden Virtuosen auf seinem Instrument. 1990 bis 2000 war er Solotubist der Neubrandenburger Philharmonie und seit 2000 ist er als Solotubist der Dresdner Philharmonie tätig. Gleichzeitig wirkt er kammermusikalisch im renommierten Melton Tuba Quartett. Er ist Preisträger verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe. Prof. Jörg Wachsmuth ist ein international gefragter Solist und Orchestertubist. Konzertreisen führten ihn u.a. in die USA, nach Frankreich, Österreich, Russland, Argentinien, Brasilien Japan und Korea. Wachsmuths  besondere Liebe gilt der größten spielbaren Riesentuba der Welt aus der Musikstadt Markneukirchen.

13. Goethe-Campus-Konzert mit Skyline Symphony
Sonntag, 11. Januar, 17 Uhr, Casino Festsaal, Campus Westend.

Das Programm:

Benjamin Britten, Simple Symphony for String Orchestra op. 4; Nikolai Rimski-Korsakov, Hummelflug; Julius Fucík, "Der alte Brummbär"; Dmitri Schostakowitsch, Kammersinfonie für Streichorchester nach dem Streichquartett Nr. 8 c-moll op. 110.

Mehr Informationen auch zum Kartenvorverkauf unter http://www.skyline-symphony.com/