​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

 

Dez 13 2019
12:15

Dr. Tobias Freimüller erhält den Rosl und Paul Arnsberg-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Die besondere Geschichte der Juden in Frankfurt

FRANKFURT. Dr. Tobias Freimüller, stellvertretender Direktor des Fritz-Bauer-Instituts an der Goethe-Universität, hat gestern den Rosl und Paul Arnsberg-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft des Jahres 2019 erhalten. Mit der alle drei Jahre vergebenen Auszeichnung werden herausragende Forschungsarbeiten zur Geschichte der jüdischen Bürger Frankfurts gewürdigt.

Tobias Freimüller wurde mit dem Preis für seine Studie zur Geschichte jüdischen Lebens in Frankfurt nach 1945 gewürdigt, mit der er 2019 am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften an der Goethe-Universität habilitiert worden ist. Das Buch erscheint im Frühjahr 2020 unter dem Titel „Frankfurt und die Juden. Neuanfänge und Fremdheitserfahrungen 1945-1990“ als erster Band der Reihe „Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust“ im Wallstein-Verlag.

„Die Arbeit zeichnet ein hochdifferenziertes Bild des komplexen Verhältnisses von Jüdinnen und Juden untereinander und zur nichtjüdischen deutschen Gesellschaft nach der Schoah“, lobte die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums und Honorarprofessorin an der Goethe-Universität, ihre Wahl. Freimüllers Arbeit habe das Potenzial, zum Standardwerk zu werden.

Frankfurt am Main war vor 1933 die deutsche Stadt mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil, ihre Jüdische Gemeinde war nach Berlin die zweitgrößte in Deutschland. Im Finanzwesen, in Bildung und Wissenschaft, aber auch in einer Vielzahl von Vereinen und Stiftungen prägten Juden die Stadt Frankfurt in besonderer Weise. Bei Kriegsende im Frühjahr 1945 war diese vielfältige Kultur durch die Verfolgung, Deportation und Ermordung der Juden völlig zerstört. Statt einstmals rund 30.000 jüdischen Frankfurterinnen und Frankfurtern hielten sich nur noch etwa 100 bis 200 in der zerstörten Stadt auf.

Zu den wenigen Überlebenden, aus deren Kreis die Jüdische Gemeinde schnell wieder gegründet wurde, kam eine große Zahl jüdischer „Displaced Persons“ (DP) hinzu, die aus Osteuropa geflohen waren und in dem amerikanischen Hauptquartier Frankfurt am Main einen ersten Fluchtpunkt ihres weiteren Lebens sahen. Von hier aus hofften sie, nach Amerika, nach Palästina oder in andere Länder ausreisen zu können. Da dieser Weg aber vorerst versperrt war, lebten tausende der jüdischen DPs einige Jahre in einem eilig errichteten Lager in Frankfurt-Zeilsheim. Gleichzeitig kehrten erste überlebende Frankfurter Jüdinnen und Juden aus dem Exil zurück, dazu ausdrücklich ermutigt von Oberbürgermeister Walter Kolb.

Tobias Freimüller zeichnet in seiner Habilitationsschrift nach, wie es in den folgenden Jahren gelang, allmählich wieder Institutionen und einen sozialen Raum für jüdisches Leben in Frankfurt zu etablieren. Die Stadt dient dabei einerseits als typisches Beispiel für die jüdische Nachkriegsgeschichte in der Bundesrepublik, als ein Ort, an dem wie unter einem Brennglas die Konfliktlagen jüdischer Nachkriegsgeschichte aufscheinen.

Aber Frankfurt war auch ein Sonderfall. Hier entstand unter dem Schutz der amerikanischen Besatzungsmacht rasch ein Netz jüdischer Institutionen und später eine intellektuelle Szene, deren Leuchtturm das aus dem Exil zurückgekehrte Institut für Sozialforschung war. Gleichwohl blieb das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden in Frankfurt besonders konfliktreich. Höhepunkte dieser Auseinandersetzungen waren die aufsehenerregende Blockade der Uraufführung des Theaterstücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder durch die Jüdische Gemeinde im Herbst 1985 und der Börneplatzkonflikt 1987.

Wo und in welcher Form existierte nach dem Ende des Nationalsozialismus noch ein lokales jüdisches Gedächtnis in Frankfurt, an das man anknüpfen konnte? Wie ging man mit noch erhaltenen jüdischen Erinnerungsorten in der Topographie der Stadt um? Wie gelang die Integration der nach Kriegsende aus Osteuropa geflohenen Holocaustüberlebenden und warum artikulierte sich gerade in Frankfurt die „zweite Generation“ von Jüdinnen und Juden seit den 1960er Jahren so vernehmlich?

Deutsch-jüdische Nachkriegsgeschichte erscheint am Frankfurter Beispiel als eine vielfältige Geschichte von Migration, Konflikt und intellektuellem Neubeginn, aus der sich in den 1980er Jahren schließlich ein neues jüdisches Selbstbewusstsein entwickelte.

Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft wurde 2008 ins Leben gerufen und wurde nun zum sechsten Mal vergeben. Er wird international ausgeschrieben und ist herausragenden Forschungen zur Geschichte des jüdischen Lebens in Frankfurt gewidmet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.


Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: www.uni-frankfurt.de/84238080

Bildtext: Für seine Arbeit über die Geschichte des Frankfurter Judentums ist Tobias Freimüller am Donnerstag mit dem Rosl und Paul Arnsberg-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgezeichnet worden. (Foto: Stiftung Polytechnische Gesellschaft/Dominik Buschardt)

Informationen: Dr. Tobias Freimüller, Stellvertretender Direktor am Fritz-Bauer-Institut, An-Institut der Goethe-Universität, Campus Westend, Telefon 069/798 322-31, E-Mail freimueller@em.uni-frankfurt.de, Homepage www.fritz-bauer-institut.de

 

Dez 13 2019
12:12

Einzelzelltechniken erlauben neue Einsichten auf Zellebene

Ein Zellatlas des kranken Herzens

FRANKFURT. Wie erholt sich das Herz nach einem Infarkt? Was unterscheidet junge Herzen von alten? Diese Fragen wollen Forscher mithilfe neuer Technologien beantworten, die verschiedenste Zelltypen und ihre Aktivitäten bis auf die Ebene von Proteinen und Genen verfolgen. In der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt erklärt Prof. Stefanie Dimmeler, Sprecherin des Exzellenzclusters „Cardio-Pulmonary Institute“, wie diese Erkenntnisse kranken Herzen künftig besser bei der Regeneration helfen könnten.

Herz und Gefäße bilden ein hochkomplexes Organsystem, in dem unterschiedlichste Zelltypen reibungslos zusammenarbeiten müssen. Die Endothelzellen, die alle Blutgefäße auskleiden, stabilisieren zusammen mit den Gefäßmuskelzellen die Gefäße und regulieren den Blutdruck. Für das Herzpumpen sind wiederum die Herzmuskelzellen verantwortlich. Was passiert aber in kranken oder altersschwachen Herzen? Das konnten Herzbiologen bisher nur auf der Ebene von Geweben untersuchen. Biologisch relevante Vorgänge, die sich auf der Zellebene abspielen, könnten aber ebenfalls eine Rolle spielen.

Nun gewähren neu entwickelte Verfahren zur Analyse einzelner Zellen erstmals Einblicke in die tatsächliche Vielfalt der Zellen im Herz-Kreislauf-System. Sie erlauben es, gleichzeitig eine Vielzahl an aktiven Genen oder Proteinen in einzelnen Zellen zu analysieren. Um all diese Daten sinnvoll zusammenzuführen und interpretieren zu können, nutzen Forscher Ansätze aus der künstlichen Intelligenz. Maschinenlernverfahren helfen Stefanie Dimmeler und Wesley Aplanalp vom Institut für kardiovaskuläre Regeneration, Zellen mit ähnlichen Eigenschaften zusammenzufassen und nach ihren Eigenschaften und Funktionen zu ordnen.

„Diese Methoden können wir in Krankheitsmodellen anwenden, um erstmals zu untersuchen, wie einzelne Zellen auf Risikofaktoren oder Erkrankungen reagieren“, erklärt Dimmeler. „Wir möchten beispielsweise wissen, ob sich alle Zellen gleichzeitig verändern, oder ob es nur einzelne Zellen oder Zellgruppen sind, die dann Nachbarzellen durch fehlerhafte Kontakte schädigen.“

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Einzelzell-Technologie auch auf kleine menschliche Gewebestücke, wie Biopsien, anwendbar ist. Zusammen mit vielen internationalen Forschern trägt Dimmeler die Informationen zusammen, um erstmals einen Atlas des kranken Herzens anfertigen zu können. Erst kürzlich trafen sich Experten aus aller Welt in Frankfurt um gemeinsam über die neuen Technologien und die gewonnenen Erkenntnisse zu diskutieren. Wie umfangreich die Daten sind, die zunächst gesammelt werden müssen, lässt sich durch einen Vergleich mit dem bereits veröffentlichten Zellatlas der gesunden Maus ermessen: Dieser umfasst 100 000 Zellen von 20 Organen und Geweben.

Zur Erstellung des menschlichen Zellatlas wurde im Oktober 2016 in London das Konsortium „Human Cell Atlas“ gegründet. „Bei manchen Zellarten, die beim Menschen in hoher Zahl vorkommen, reicht bereits eine kleine Stichprobe, aber um seltene Zellen wie Stammzellen oder auch komplexe Veränderungen bei Erkrankungen feststellen zu können, müssen sehr viele Zellen analysiert werden“, erklärt Dimmeler. Daher hat die Chan Zuckerberg Initiative von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seiner Frau, der Kinderärztin Priscilla Chan, das Projekt im Juni 2019 zusätzlich mit 68 Millionen Dollar gefördert.

Die Arbeitsgruppe von Dimmeler arbeitet zusammen mit dem Kardiologen Prof. Andreas Zeiher und dem Herzchirurgen Prof. Thomas Walther daran, die Einzelzellbiologie im kranken und alten Herzen des Menschen aufzuklären. Insbesondere versucht das Team, anhand von menschlichem Blut und kleinen Gewebestückchen, die bei Herzoperationen anfallen, zu verstehen, wie der Herzinfarkt und die dann folgende Narbenbildung die Zusammensetzung und die Kommunikation der Zellen im Herzen verändern. Gibt es möglicherweise seltene, bisher unbekannte Populationen von Stamm- oder Vorläuferzellen? Wie verändern sich die Entzündungszellen im Blut herzkranker Patienten? Und was passiert, wenn die Entzündungszellen ins Herz einwandern?

Während die menschlichen Proben noch gesammelt werden, haben Dimmeler und ihre Mitstreiter an Mäusen bereits festgestellt, dass einzelne Zellpopulationen sich im Alter verändern. Nachfolgende bioinformatische Analysen zeigten zudem eine Veränderung der Gene, die für die Kommunikation der Zellen untereinander verantwortlich sind. „Wir konnten im alten Herzen eine Kommunikationsstörung nachweisen. Im jungen Herzen unterstützen sich die Zellen gegenseitig: Zwischen den Herzmuskel- und Gefäß-bildenden Zellen liegen Zellen des Bindegewebes, sogenannte Fibroblasten. Sie schütten Botenstoffe aus, die die Gefäßzellen positiv beeinflussen. Im Alter werden dagegen andere Botenstoffe gebildet, die zu einer eingeschränkten Durchblutung des Herzens führen könnten“, erklärt die Biologin.

Die Forscher am Cardio-Pulmonary Institute, an dem auch die Universität Gießen und das Max Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung beteiligt sind, hoffen, dass die Einzelzelltechnologien künftig dazu beitragen werden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen. Darauf aufbauend möchten sie neue therapeutische und diagnostische Verfahren entwickeln. 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/84147011

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2019) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Web: www.forschung-frankfurt.de.

 

Dez 12 2019
14:16

Antworten gibt es bei der MainStudy 2020 an der Goethe-Universität

Was soll ich bloß studieren?  

FRANKFURT. Am 22. und 23. Januar können Schülerinnen und Schüler an der Goethe-Universität im Rahmen der MainStudy 2020 einen Einblick in die unterschiedlichsten Studiengänge nehmen und damit wichtige Fragen für ihre Berufs- und Studienentscheidung klären: Wie sieht es eigentlich an einer Uni aus? Welches Studium ist das richtige für mich? Ist mein Traum-Fach wirklich das, was ich mir darunter vorstelle?

Bald ist es wieder so weit: Tausende von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufen und der Fachoberschulen aus dem Rhein-Main-Gebiet werden Mitte 2020 ihr (Fach-)Abitur machen und müssen sich entscheiden, wie sie ihre berufliche Zukunft gestalten wollen. Die Auswahl ist riesig (rund 18.000 Studiengänge in Deutschland) und unübersichtlich und die jungen Menschen oft mit der Entscheidung überfordert. Was hier wirklich hilft, sind Erfahrungen und Eindrücke aus erster Hand. Deshalb öffnet die Goethe-Universität am 22. und 23. Januar wieder Ihre Türen zur „MainStudy“ und ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern an zwei Tagen die Universität und ihre Fachbereiche live zu erleben. Dabei erwartet die Schüler ein vielfältiges Programm aus Vorträgen zu Studiengängen, Campusführungen, Experimenten und Gesprächsrunden mit Studierenden. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Universität intensiver zu erkunden und vielleicht auch schon den ersten Kontakt zu Studierenden oder Professor/innen des Wunschfaches aufzunehmen. Die Angebote der Bundesagentur für Arbeit runden die beiden Tage mit zahlreichen Vorträgen zur Berufspraxis und übergreifenden Themen zu Entscheidungsfindung und Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abitur und Studium ab.

Veranstaltungen
22. Januar 2020, 8.45 Uhr bis 16.00 Uhr, Campus Westend: Vorstellung der geistes-, gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer.
23. Januar 2020, 8.45 Uhr bis 16.00 Uhr, Campus Riedberg: Vorstellung der Naturwissenschaften.

Eingebettet sind die beiden Veranstaltungstage an der Goethe-Universität in die insgesamt viertägige Veranstaltung „MainStudy“ der Hochschulen der Region Frankfurt vom 20. bis 23. Januar 2020. Neben der Goethe-Universität sind Gastgeber die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und die Hochschule für Gestaltung Offenbach. Schülerinnen und Schüler und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Goethe-Universität zur „MainStudy“ zu besuchen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: http://www.mainstudy.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen:
Marion Gröger, Studien-Service-Center, Goethe-Universität Frankfurt, Tel.: (069) 798-17288, m.groeger@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 11 2019
13:36

Till van Rahden, Historiker an der Université de Montréal, diskutiert mit der Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff über sein Buch „Demokratie. Eine gefährdete Lebensform“

Was die Demokratie am Leben hält

BAD HOMBURG. Lange galt die liberale Demokratie als selbstverständlich. Nun steckt sie in der Krise: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger distanzieren sich von der Politik, die Volksparteien verlieren an Bindekraft, digitale Kurznachrichten ersetzen zunehmend die öffentliche Debatte. Weltweit erscheinen Studien, die sich mit den Ursachen der aktuellen Anfechtungen der Demokratie befassen. In seinem im November 2019 im Campus-Verlag erschienenen Buch Demokratie. Eine gefährdete Lebensform wechselt der Historiker Till van Rahden die Perspektive: „Statt darauf zu starren, wie Demokratien sterben, geht dieses Buch der Frage nach, was sie am Leben erhält.“ In fünf Kapiteln wirft der Autor Schlaglichter auf die Geschichte der Bundesrepublik, um so die kulturellen und sozialen Voraussetzungen der Demokratie herauszuarbeiten, die im Alltagsleben und in öffentlichen Debatten zum Tragen kommen. Er analysiert etwa das „Lächeln der Verfassungsrichterin“ bei der Verkündung des „Stichentscheid-Urteils“ 1959, die Kinderladenbewegung in den frühen 1970er Jahren oder die Debatten um die Schließung des Offenbacher Parkbades in den frühen 1990er Jahren.

Zur Diskussion über die Thesen des Buches lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften sehr herzlich

am Montag, 16. Dezember, um 19 Uhr
ins Forschungskolleg
(Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

ein. Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung Prof. Nicole Deitelhoff wird mit Till van Rahden über sein Verständnis von der „Demokratie als Lebensform“ sprechen. Prof. Johannes Völz, Professor für Amerikanistik mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ an der Goethe-Universität und Mitglied im Direktorium des Forschungskollegs, wird das Gespräch moderieren.

Die Buchvorstellung mit anschließender Diskussion ist Teil der Reihe »Das Forschungskolleg Humanwissenschaften stellt vor: …«. Mit dem Ziel, wissenschaftliche Bücher in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu diskutieren, lädt das Kolleg Angehörige der Rhein-Main-Universitäten sowie Gäste des Kollegs ein, um über ihr Buch, dessen Hintergründe sowie die Fragen, die sie zu diesem Werk motivierten, zu sprechen. Geleitet wird die Reihe von Professor Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, dem Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften.

Anmeldung:
Um vorherige Anmeldung unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de wird gebeten. 

Information: Iris Helene Koban, Geschäftsführung, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-10; Email: i.koban@forschungskolleghumanwissenschaften.de); Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-15; Email: b.sutterluety@forschungskolleghumanwissenschaften.de); www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Dez 11 2019
13:18

Mediävistin Franziska Wenzel über das Herz im Minnesang – Gerade erschienen: „Forschung Frankfurt“ zum Thema „Von Herzen“

Verschenkt, getauscht, bewohnt und verspeist

FRANKFURT. Das Herz ist ein wichtiges Organ, ein pulsierender Muskel, von dem das Leben abhängt. Als Symbol steht es vor allem für die Liebe und andere tiefe Empfindungen. Der Übergang vom Herzen nach medizinischem Verständnis zum Herzen als sprachlichem Bild war in der Literatur des Mittelalters noch fließend. Darüber schreibt in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ die Mediävistin Franziska Wenzel. Das Schwerpunktthema lautet diesmal: „Von Herzen“.

Das Sprachbild vom „gebrochenen Herzen“ – bis heute wird es häufig bemüht. Im Minnesang des Mittelalters kann es jedoch verblüffend konkret gemeint sein: Etwa wenn die Liebenden am gebrochenen Herzen lebensgefährlich erkranken, wie das im »Herzmaere« Konrads von Würzburg, einem Autor aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Fall ist. Einer solchen Konkretisierung, so Franziska Wenzel in ihrem Beitrag, liege eine ungewöhnliche Verbindung von Sprache, Vorstellung und körperlichem Zustand zugrunde. Die Mediävistin zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie bilderreich die Sprache des Mittelalters war und welche zentrale Rolle das Herz dabei spielte.

Viele dieser Sprachbilder basierten auf der Vorstellung eines körperlichen Innenraums, so Wenzel: Das Herz als ein Gehäuse, in dem man wohnen, das man begehen, erobern und beherrschen kann. Der Ursprung dieser Vorstellung sei biblischer Natur und knüpfe an die Vorstellung von der Gegenwart Gottes im Herzen des Menschen an. Solche Verräumlichungen seien v.a. in der lyrischen Liebesdichtung anzutreffen. Häufig komme auch das Sprachbild vom Herzenstausch vor, das oft mehrdeutig verwendet wird – metaphorisch, symbolisch, ironisch, aber durchaus auch wörtlich. Was Fragen aufwirft: Was bewirkt das weibliche Herz in der Brust eines Mannes?

In fast allen Kulturen existent ist Wenzel zufolge das Motiv vom verspeisten Herzen. Es kommt zum Beispiel in Erzählungen vor, in denen der eifersüchtige Ehemann den Liebhaber tötet und sich an der Ehefrau rächt, indem er ihr das zubereitete Herz als Speise vorsetzt. In anderen Texten stirbt der Liebhaber in der Fremde und lässt sein Herz zur Geliebten zurückschicken. Der Ehemann fängt den Boten zufällig ab und setzt das Herz, von seinem Koch zubereitet, der Ehefrau vor. Dieses populäre Motiv wurde bis ins 20. Jahrhundert vielfach literarisch verarbeitet. Es findet sich etwa in der »Vita nuova« Dante Alighieris (um 1290), im »Decamerone« Giovanni Boccaccios (um 1350), bei Jörg Wickram in »Gabriotto und Reinhart« (1551), bei Georg Philipp Harsdörffer in der barocken Dichtung »Das gefressene Hertz« (1654) und später in Ludwig Uhlands »Der Kastellan von Couci« (1812) sowie in Stendhals »Le Rouge et le Noir« (1830).

Die Autorin, die seit diesem Jahr an der Goethe-Universität forscht und lehrt, legt anschaulich dar, welche sprachliche Kraft die Minnelyrik in all ihrer Bildhaftigkeit entfaltete. Im »Herzmaere« Konrads von Würzburg etwa treten in großer Verdichtung sprachbildliche, konkrete und symbolische Erscheinungen des Herzens nebeneinander. Das metaphorische Herz wird zum konkret gebrochenen Herzen, das sich als Organ dem Körper entnehmen und zur Erinnerung einbalsamieren lässt; das sich aber zugleich auch als Minnesymbol verschicken lässt, das als erkaltetes Organ zum Tod führt. Das fleischliche Herz kann zubereitet und verspeist werden – eine Form der nicht zu steigernden menschlichen Nähe.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Beitrag von Prof. Franziska Wenzel, der in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2019) erschienen ist. Die Ausgabe kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Web: www.forschung-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Dr. Franziska Wenzel, Professur für Ältere deutsche Literatur, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich 10, Telefon 069 798-32687; E-Mail frwenzel@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 9 2019
15:43

Neues aus der Fischöl-Fettsäuren-Forschung und zum Einfluss der Ernährung

Herzgesundheit: Cholesterin senken reicht nicht

FRANKFURT. Ein zu hoher Cholesterinspiegel kann heutzutage medikamentös gut behandelt werden. Doch inzwischen ist bekannt, dass weit mehr Stoffwechselprozesse bei der Entstehung von Herz- und Gefäßerkrankungen im Spiel sind. Viele lassen sich über die Ernährung beeinflussen, wie Forscherinnen und Forscher in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten. Schwerpunkt ist die Forschung im Exzellenzcluster „Cardio-Pulmonary Institute“.

Wussten Sie, dass antibakterielles Mundwasser zu Bluthochdruck führen kann? Bakterien im Speichel produzieren Enzyme, die Nitrat aus der Nahrung zu Nitrit reduzieren. In dieser Form kann der Körper es weiter in Stickoxid (NO) umwandeln. NO hat eine Schlüsselfunktion für die Gesundheit der Entdothelzellen, mit denen die Innenwände der Gefäße ausgekleidet sind. Führt man den Körper andererseits mehr Nitrate mit der Nahrung zu, z.B. in Form von Rote Beete-Saft, könnte sich das bei bestimmten Patientengruppen als blutdrucksenkend auswirken. Es gibt Studien, wonach die Gabe von nichtorganischem Nitrat und Rote Beete-Saft mit einem signifikanten Rückgang des systolischen Blutdrucks verbunden ist. Dieser Befund sollte jedoch in weiteren Untersuchungen verifiziert werden.

Eine zweite, bisher unterschätzte Verbindung ist der Schwefelwasserstoff (H2S), bekannt durch den Geruch von faulen Eiern. Im Körper wird die Synthese von H2S durch eine Reihe von Enzymen gesteuert, wobei die Cystathioninlyase (CSE) die wichtigste im Herz-Kreislauf-System ist. Bei Patienten mit beschädigten und fehlerhaft funktionierenden Endothelzellen nimmt die CSE-Aktivität ab. Der Grund dafür könnten Gefäßentzündungen sein, wie Sofia-Iris Bibli aus dem „Institute for Vascular Signaling“ von Prof. Ingrid Fleming kürzlich herausgefunden hat. Für die Therapie werden derzeit H2S-Spender entwickelt.

Und wie steht es mit Diäten, die mit Omega-3-Fettsäuren (Fischölen) angereichert sind? Zunächst hatten Studienergebnisse gezeigt, dass diese Ernährungsform allgemein vor Diabetes und Herzerkrankungen schützt. Neuere klinische Studien konnten hingegen keinen signifikanten Nutzen von Fischölergänzungen nachweisen. Ingrid Fleming zufolge liegt das daran, dass die verschiedenen Studien nicht die optimale Konzentration jeder Omega-3-Fettsäure bestimmt haben bzw. das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren, das für den Schutz erforderlich ist. Zweitens schwankt die Qualität der rezeptfreien Ergänzungsmittel auf dem Markt stark. Die Analyse der meistverkauften Fischöl-Nahrungsergänzungsmittel in den USA ergab beispielsweise einen hohen Anteil an anderen Fettsäuren. Zudem können Fischöle eine Mischung aus EPA und DHA enthalten. Schützende Effekte sind jedoch nur von EPA bekannt.

Wie Fischöle ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten ist derzeit schwer zu beantworten. Man weiß bisher nur, dass EPA und DHA leicht in Zellen und Gewebe eingebaut werden und dadurch die Membraneigenschaften, die Übermittlung von Signalen und die Genexpression verändern. Aus EPA entsteht außerdem das entzündungshemmende Resolvin E1, das nachweislich Entzündungen in verschiedenen Krankheitsmodellen aufzulösen hilft.

Fettsäuren sind außerdem für das Herz eine wichtige Energiequelle. Mit über 75 Prozent gewinnt es den allergrößten Teil seiner Energie aus ihnen, nur zwischen 10 und 20 Prozent stammen von Glukose. Es gibt Studien, die zeigen, dass bei einigen Menschen mit Herzfehlern das Herz mehr Energie aus Glukose statt aus Fettsäuren gewinnt. Das Herz bekommt dann zwar immer noch genug Energie, kann aber trotzdem nicht mehr richtig funktionieren. „Dieser Stoffwechsel-Vorgang ist wichtig. Wir wissen aber noch nicht genau, wie und warum er abläuft“, erklärt der Pharmakologe Dr. Jiong Hu, der für seine Forschung am „Institute for Vascular Signaling“ einen Advanced Grant des Cardio-Pulmonary Institute bekommen hat.

Schließlich kann auch die Bakterienflora im Darm die Entwicklung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen beeinflussen. So begünstig eine Ernährung, die viel rotes Fleisch enthält, die Entstehung von Atherosklerose, denn rotes Fleisch enthält reichlich L-Carnitin, das von Darm-Mikrobiota in Trimethylaminoxid (TMAO) umgewandelt wird. TMAO begünstigt Atherosklerose. Eine vegetarische oder veganer schützt hingegen die Gefäße. Fleming vermutet, dass es künftig zur Entwicklung einer Welle von Probiotika kommen wird, die die Darmflora und die Bildung von Stoffwechselprodukten verändern sollen, um das Herz zu schützen.

Weitere Themen in der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt:

Vorbeugen ist besser als heilen

Interview mit dem Epidemiologen und Systemmediziner Prof. Philipp Wild, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, zum Einfluss von Umweltfaktoren auf die Herzgesundheit

Vom Herz zum Schmerz:  Kummer als Auslöser von Krankheit und Leiden

Klappe – die zweite: Herzklappenaustausch in einer halben Stunde dank modernem Katheter-Verfahren

„Meine herzkranken Kinder haben mich gerettet“ – Porträt des Kinderkardiologen Prof. Dietmar Schranz

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2019) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Web: www.forschung-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Ingrid Fleming, Institute for Vascular Signaling, Tel.: 069: 6301-6972; -6052, Email: fleming@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2019
10:50

Tina Turner steht in diesem Jahr im Fokus der Weihnachtsvorlesung

Rockröhre mit Nierenversagen

FRANKFURT. Auch in diesem Jahr laden die Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber wieder zu einer Weihnachtsvorlesung auf den Campus Riedberg ein. In ihrem Vortrag geht es diesmal um Tina Turner, die Rocksängerin mit der rauchigen Stimme. „Nierenversagen – wenn die Entgiftung des Körpers versagt“ lautet der Titel der Vorlesung, die

am Dienstag, 17. Dezember, um 11 Uhr c.t.
im Biozentrum, Raum B1 (Campus Riedberg)

stattfindet. Dingermann und Steinhilber werden in Rahmen der Traditionsreihe, bei der die gesundheitlichen Leiden prominenter Musiker im Mittelpunkt stehen, auf das Leben und Leiden, aber auch auf das künstlerische Schaffen der Sängerin eingehen.

In Deutschland bekommen rund 80.000 Patienten regelmäßig eine Dialyse, wobei über die Hälfte der Patienten älter als 65 Jahre sind. Deren Diagnose lautet Niereninsuffizienz: Dabei sind die Nieren nicht mehr in der Lage, ihrer Entgiftungsfunktion nachzukommen. Die häufigsten Ursachen für eine Niereninsuffizienz sind langjähriger Diabetes und unbehandelter Bluthochdruck. Ohne Behandlung ist eine Niereninsuffizienz tödlich, aber auch bei entsprechender Therapie mittels Dialyse haben die Patienten eine deutlich reduzierte Lebenserwartung. Die einzige kurative Therapie besteht in der Nierentransplantation. Der Mangel an Spendernieren führt jedoch dazu, dass die niereninsuffizienten Patienten immer länger an der Dialyse hängen und dass damit ihre Lebenserwartung sinkt.

Tina Turner, eine der herausragenden Rocksängerinnen unserer Zeit, hat in ihrem Leben viel Licht, aber auch viel Schatten gesehen. Sie wurde mit Ruhm überschüttet, gilt als „simply the best“, stand jedoch auch dem Tod schon sehr nahe. Tina Turner litt an Bluthochdruck, und drei Wochen nach ihrer zweiten Hochzeit im Jahr 2013 erlitt sie einen Schlaganfall. 2016 folgte der nächste Schock: Turner erhielt die Diagnose Darmkrebs, später versagten ihre Nieren. Wegen der Niereninsuffizienz musste sie vier Jahre lang zur Dialyse. Als sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechterte, wurde ihr 2017 im Alter von 77 Jahren eine Niere transplantiert. Ihr zweiter Ehemann, der Kölner Musikproduzent Erwin Bach, spendete ihr eine seiner beiden Nieren.

In ihrem Vortrag stellen Theo Dingermann und Dieter Steinhilber einerseits die einzigartige Karriere von Tina Turner vor und zum anderen die Möglichkeiten zur Prävention und Therapie der Niereninsuffizenz.

Informationen: Dr. Ilse Zündorf, Institut für Pharmazeutische Biologie
Goethe-Universität Frankfurt a.M., Max-von-Laue-Str. 9, 60438 Frankfurt, Tel. (069) 79829648, zuendorf@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 6 2019
09:28

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling stellte bei einer Pressekonferenz verschiedene Linien-Varianten einer U4-Verlängerung vor, die den Campus Westend mit einbeziehen.

Gestiegene Chance für U-Bahn-Haltestelle auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Die Chancen für die Realisierung einer U-Bahn Haltestelle auf dem Campus Westend sind gestiegen. Bei einer Pressekonferenz hat Stadtrat Klaus Oesterling gestern verschiedene Streckenvarianten für eine künftige U4-Linienführung von Bockenheim über Ginnheim zum Riedberg vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass auch die im März 2019 durch die Goethe-Universität öffentlich vorgestellte neue Streckenvariante mit einer U4-Haltestelle mitten auf dem Campus Westend zwischen Hörsaalzentrum und RuW-Gebäude in der Machbarkeitsstudie bei den weiteren Planungen berücksichtigt wird.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Wir sind dankbar, dass Verkehrsdezernent Klaus Oesterling unsere Argumente für eine bessere Anbindung des Campus Westend an den öffentlichen Nahverkehr gehört hat und diese in die aktuellen Planungen einfließen lässt. Sollte die Vision einer eigenen Campushaltestelle Realität werden, könnte man den Campus Westend künftig vom Hauptbahnhof aus in ca. sechs Minuten Fahrzeit erreichen, statt heute in 17 bis 20. Die Campusvariante wäre auch ein starkes Signal der Stadt Frankfurt gegenüber ihrer Stiftungsuniversität, die in Frankfurt eine der Einrichtungen mit dem höchsten Publikumsverkehr überhaupt darstellt und künftig zusammen mit weiteren Einrichtungen auf dem Campus noch um weitere 10.000 potentielle ÖPNV-Nutzer wachsen wird.“

Auch der Verkehrsreferent des AStA, Sebastian Heidrich, betonte: „Die Planungen gehen endlich in die richtige Richtung. Für die heute schon deutlich mehr als 30.000 Studierenden auf dem IG Farben-Campus und tausende Mitarbeitende stellte eine wirksame ÖPNV-Anbindung eine enorme Erleichterung dar. Der heute von den meisten Studierenden genutzte U-Bahnhof Holzhausenstraße ist schon längst nicht mehr in der Lage, die wachsenden Menschenmengen zu bewältigen. Immer wieder kommt es aufgrund der Überlastung zu gefährlichen Szenen am Bahnsteig. Wenn man diesen Zustand beenden will, gibt es zu einer U4-Anbindung des IG Farben-Campus keine Alternative.“ Heidrich betonte auch, dass es aus Klimaschutzgründen geboten sei, mit attraktiven Angeboten des ÖPNV möglichst viele Menschen zum Umstieg zu bewegen.

Oesterling kündigte bei der Pressekonferenz an, bis Mitte 2020 nunmehr drei bis vier (von bisher 10) Varianten weiter auf ihre Wirtschaftlichkeit hin untersuchen zu lassen. Mit den Ergebnissen ist Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Außerdem kündigte er ein Gutachten an, mit dem festgestellt werden soll, ob der Wasserhaushalt der Bäume des Grüneburgparks durch eine U4-Unterquerung beeinflusst würde.

Weitere Hintergründe, Daten und Fakten zur Verkehrssituation am Campus Westend und der Notwendigkeit einer U4-Erweiterung über den Campus finden Sie unter:

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/wp-content/uploads/2019/03/PraesentationU4-2_nl.pdf

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/wp-content/uploads/2019/03/GU-Factsheet-U.pdf

 

Dez 5 2019
15:44

Im neuen UniReport sprechen Studierende und Lehrende über Fächer, die als „klein“ gelten, aber zur Vielfalt und zum Reichtum der Wissenschaftslandschaft ganz entscheidend beitragen.

Kleine Fächer mit großem Potenzial

FRANKFURT. Die Bezeichnung “Kleine Fächer“ orientiert sich in der Regel daran, wie stark das Fach innerhalb der deutschen Hochschullandschaft vertreten ist. Das quantitative Kriterium, also die Zahl der Professuren je Standort, sagt aber nur wenig über die Bedeutung der Fächer. Wie der Afrikanist Prof. Axel Fleisch im neuen UniReport betont, deckt beispielsweise sein „kleines“ Fach das riesige Themenspektrum eines ganzen Kontinents ab. Mit einer AG „Kleine Fächer“ haben sich an der Goethe-Universität Fächer von der Afrikanistik über Judaistik und Lusitanistik bis hin zur Theaterwissenschaft zusammengeschlossen. Im Rahmen des bundesweiten Projektes „Kleine-Fächer-Wochen an deutschen Hochschulen“ hoffen Studierende wie Lehrende, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die „Kleinen Fächer“ keine Randerscheinungen abbilden.

Punkten können die Kleinen Fächer nicht nur mit einem guten Betreuungsverhältnis. Auch die beruflichen Perspektiven sind recht gut, bieten die Fächer doch jenseits des Mainstreams viel Raum, einerseits eigenen Interessen nachzugehen und andererseits kooperative Lern- und Kommunikationsformen kennen zu lernen und zu praktizieren. „Wir haben im Austausch mit Personalchefs vernommen, dass man es durchaus zu schätzen weiß, wenn Studierende nicht einfach nur schnell die Module durchstudieren, sondern den Mut haben, sich ein eigenes Profil und Netzwerke aufzubauen. Ellenbogendenken und Einzelkämpfertum führt heute nicht weiter. Auch im Hinblick auf die großen Herausforderungen unserer Zeit muss man im Team arbeiten und kooperativ denken können“, betont Axel Fleisch.

Die weiteren Themen im UniReport 6/Dezember 2019:

  • Wechselseitige Lernabhängigkeit von Glauben und Wissen: Matthias Lutz-Bachmann rezensiert das neueste Werk von Jürgen Habermas „Auch eine Geschichte der Philosophie“.
  • Science, not Silence:  Wer wie worüber in der Universität sprechen darf - Rückblick auf eine leidenschaftlich geführte Diskussion.
  • Gefährdung der Meinungsfreiheit? Fragen an den Wissenschaftssoziologen David Kaldewey.
  • Das hat Methode: Jasmin Hefendehl und Andreas Schlundt forschen daran, Menschen eines Tages im Kampf gegen Alzheimer oder Autoimmunerkrankungen zu helfen.
  • Zunehmende Vielfalt der Musikcharts: Der Physiker Claudius Gros hat sich mit der Beschleunigung kultureller Prozesse beschäftigt.
  • Tresorschlüssel im Wäscheschrank: Die Wilhelm-Hahn-und-Erben-Stiftung fördert seit 50 Jahren geisteswissenschaftliche Projekte
  • Fach mit Streitlust: Ein Rückblick auf die Festveranstaltung „100 Jahre Soziologie an der Goethe-Universität“.
  • Goethe, Deine Forscher: Nina Morgner ist Professorin im Institut für Physikalische und Theoretische Chemie.
  • Lehren kann man lernen: Die pädagogische Psychologin Mareike Kunter, „Scientist of the Year 2019“, steht für eine Professionalisierung des Lehramts.
  • Stehen wir vor einer Depressionsepidemie? Merz-Stiftungsgastprofessorin Brenda Penninx blickt aber optimistisch in die Zukunft.
  • Studentische Reise in die Vergangenheit: Ein Sammelband nimmt die Geschichte der historischen Wissenschaften unter die Lupe.
  • Was hält die Gesellschaft zusammen? Die Frankfurter Bürgeruniversität zur Demokratie - ein Rückblick auf die ersten zwei Abende.
  • Aufbau der Goethe Professional School: Wissenschaftliche Weiterbildung an der Goethe-Universität als Zukunftsaufgabe.
  • Verkehrswende –  nur wie? Beim Mercator-Science-Policy-Fellow ship-Programm traf Mitte November der Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf auf Vertreter aus dem Bundesverkehrsministerium und dem Bundespräsidialamt.
  • Veränderungen der Publikationslandschaft: Der GRADE Research Day zum Thema „Wissenschaftliches Publizieren“.
  • Eine Sammlung wird lebendig: Das Oswin-Köhler-Archiv am Institut für Afrikanistik arbeitet gemeinsam mit Angehörigen der Herkunftsgemeinschaften daran, das gesammelte Wissen weitläufig zugänglich zu machen.
  • Den Klimawandel einmal aus der Sicht der Politik erleben: Eine Schülerin berichtet von ihren Erfahrungen auf der #climonomics, der EU-Klimakonferenz für Schülerinnen und Schüler.
  • Wahlbekanntmachung: Informationen zu den Wahlen der Fachbereichsräte, Fachschaftsräte und des Studierendenparlaments.

Der UniReport 6/2019 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/83974260.pdf

 

Dez 5 2019
11:07

Die amerikanische Holocaustforscherin Prof. Deborah Lipstadt spricht im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Der neue Antisemitismus

FRANKFURT. Nicht allein in Deutschland, sondern weltweit häufen sich in jüngster Zeit Fälle antisemitisch motivierter Diskriminierung und Gewalt, deren ideologische Grundlagen vielfältig und komplex sind. In ihrem 2018 in deutscher Sprache im Berlin Verlag erschienenen Buch „Der neue Antisemitismus“ spürt die renommierte amerikanische Historikerin und Holocaustforscherin Deborah Lipstadt den Ausdrucksformen dieses erschreckend virulenten Hasses in Europa, den USA und im Nahen Osten nach und erklärt die Ursachen seines Wiederaufstiegs auch jenseits rechtsradikaler und islamistischer Milieus. Sie zeigt auf, was Juden und Nichtjuden wissen müssen, um dem neuen Antisemitismus etwas entgegensetzen zu können, und warnt vor den universalen Folgen eines Hasses, der sich rasant ausbreitet. „Juden sind so etwas wie der Gradmesser der Gesellschaft. Wer sie angreift, greift alle demokratischen und multikulturellen Werte an“, so Lipstadt.

Zum Vortrag von Deborah Lipstadt über „Contemporary Antisemitism. Old Text in a New Binding“ mit anschließender Diskussion lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften

Am Dienstag, 10. Dezember, um 19 Uhr
ins Forschungskolleg
(Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

ein. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Deborah Lipstadt ist Professorin für Moderne Jüdische Geschichte und Holocaust-Studien an der Emory University in Atlanta (USA). Ihre Forschungen sind immer wieder auf ein großes öffentliches und politisches Interesse gestoßen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte ihre Geschichte der Holocaustleugnung (auf Deutsch unter dem Titel „Leugnen des Holocaust. Rechtsextremismus mit Methode“ 1996 in Hamburg erschienen): Der britische Holocaustleugner David Irving verklagte Lipstadt wegen der ihn betreffenden Aussagen vor einem Londoner Gericht. Im Urteil stellten die Richter fest, dass Irving die historischen Fakten systematisch manipulierte, und es gab Lipstadt in allen wesentlichen Punkten Recht. Im Mai 2018 wurde Deborah Lipstadt mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg ausgezeichnet.

Die Einführung in den Vortrag übernimmt Prof. Christian Wiese, Inhaber der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität und Sprecher des LOEWE-Schwerpunktes „Religiöse Positionierung. Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“. Seit 2018 ist er zudem Mitglied im Wissenschaftlichen Direktorium des Forschungskollegs Humanwissenschaften.

Weiterer Vortragstermin:
Im Rahmen der von der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie veranstalteten Ringvorlesung „Religiöse Konflikte – Religion und Konflikt – Religion und Gewalt“ wird Deborah Lisptadt bereits am Montag, 9. Dezember, um 18 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität sprechen (Hörsaalzentrum 13).

Anmeldung:
Für die Veranstaltung am 10. Dezember in Bad Homburg wird um vorherige Anmeldung unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de gebeten. Für den Vortrag am 9. Dezember auf dem Campus Westend ist keine Anmeldung erforderlich.

Information und Anmeldung: Beate Sutterlüty, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Wissenschaftskommunikation, Tel.: 06172-13977-15 (E-Mail: b.sutterluety@forschungskolleghumanwissenschaften.de)

Eva Kramberger, Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie (kramberger@em.uni-frankfurt.de)

 

Dez 5 2019
11:02

Die Chaincourt Theatre Company präsentiert: „Machinal“ von Sophie Treadwell. 

Junge Frau in der kalten Welt der Moderne

FRANKFURT. Die Chaincourt Theatre Company stellt Ende Januar ihr neues Stück vor: „Machinal“ von Sophie Treadwell. Insgesamt wirken 22 Studierende der Goethe-Universität sowohl auf der Bühne als auch in den Kulissen in diesem anspruchsvollen Theaterstück mit. James Fisk, Lektor für Englisch am Institut für England- und Amerikastudien, führt zum wiederholten Male Regie und bringt seine mehrjährige Theatererfahrung zum vollen Einsatz, um die Studierenden künstlerisch zu unterstützen. Die kreative Umsetzung des Stückes durch Kostüme, Bühnenbild und Technik wird von Studierenden des Fachbereichs 10 übernommen.

„Machinal“ ist ein seltenes Beispiel des amerikanischen avantgardistischen Expressionismus und wurde von der Dramatikerin Sophie Treadwell geschrieben. Basierend auf dem echten Fall der Ruth Brown Snyder, die am 12. Januar 1928 wegen Mordes auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, hatte „Machinal“ seine Uraufführung am Broadway im Plymouth Theater am 7. September 1928. In den Hauptrollen spielten die österreichische Schauspielerin Zita Johann und Clark Gable, der später Rhett Butler in der Hollywood-Verfilmung von „Vom Winde verweht“ wurde. In „Machinal“ folgen die Zuschauer der Figur der “Young Woman", einer sanften Frau, die sich gefangen fühlt in einer emotional kalten und auf Leistung ausgerichteten Welt. In neun Episoden wird dargestellt, wie die junge Frau verzweifelt versucht, sich in diese Gesellschaft einzufügen und das tut, was von ihr erwartet wird, jedoch immer wieder dabei scheitert. Unterdrückt von ihrer Mutter und ihrem Ehemann, flieht sie schließlich in eine Affäre mit einem mysteriösen Fremden, durch den sie zum ersten Mal wirkliche Lebensfreude erfährt. Doch die Situation gerät außer Kontrolle, und die Maschine der Gesellschaft droht die “Young Woman" endgültig zu zermalmen.

Obwohl „Machinal“ nun schon über 90 Jahre alt ist, wirkt es immer noch erschreckend aktuell in seiner Darstellung von Ängsten, Burnout, von unrealistischen Erwartungen der Gesellschaft, unter denen Frauen zu leiden haben, und den Gefahren einer vollkommen auf Profitgier ausgerichteten Welt. Für die Figur der “Young Woman" ist es unmöglich, in der mechanisierten und kalten Welt der Moderne zu leben, was sich im Stück besonders in den Dialogen widerspiegelt, die selten flüssig sind, sondern immer wieder durch fast schon mechanisch redende Menschen oder durch laute Geräusche der Maschinen unterbrochen werden.

Vorstellungen: Premiere am 31. Januar 2020; weitere Aufführungen am 1., 6., 7. und 8. Februar 2020; Vorstellungsbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr im IG-Farben-Nebengebäude, Raum NG 1.741, Campus Westend der Goethe-Universität.

Karten:  10 €/5 € (ermäßigt) erhältlich an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn oder in „Zimmer 17“ (Raum IG 3.257, am Campus-Westend, Tel. 793 32550); montags 10.30-16.00 Uhr; dienstags 10.00-14.00 Uhr; mittwochs 10.00-13.30 Uhr u. donnerstags 12.00-14.00 Uhr.

Kontakt: James Fisk, Künstlerische Leitung des Chaincourt Theatre; fisk@em.uni-frankfurt.de; www.chaincourt.org

 

Dez 5 2019
10:05

Im „South Hesse Oak Project“ (SHOP) erforschen Frankfurter Biologen, wie Klimaveränderungen den hiesigen Bäumen schaden

Der Versteppung vorbeugen

FRANKFURT. Forscher vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität suchen im „South Hesse Oak Project“ (SHOP) nach Strategien, um einer Versteppung des Waldes entgegenzuwirken, die als Folge des Klimawandels zu befürchten ist. Nun stellen sie erste strategische Empfehlungen vor.

 Die Sommer in Mitteleuropa werden wärmer, die sommerlichen Niederschläge weniger und die Dürreperioden länger und häufiger. Der Klimawandel verändert das Wetter und beeinflusst damit die Wälder. Wo derzeit noch eine gute Wasserversorgung besteht, wird der Klimawandel mittelfristig, so hofft man, nur zu einer moderaten Veränderung in der Artenzusammensetzung führen, hin zu Arten, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen. Wälder, die allerdings bereits heute auf Extremstandorten mit schlechter Wasserversorgung wachsen – wie große Teile des Frankfurter Stadtwaldes, in dem durch die Dürren der Jahre 2018/19 insgesamt 97 Prozent aller Bäume geschädigt sind –, werden zukünftige Dürreperioden nicht unbeschadet überstehen. Deshalb untersuchen Forscher vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität im „South Hesse Oak Project“ (SHOP), welche Strategien einer Versteppung entgegenwirken, um so den Wald als Habitat mit reicher Biodiversität und als CO2-Speicher trotz des voranschreitenden Klimawandels zu erhalten.

Nun stellen sie erste strategische Empfehlungen vor:

  • Moderat betroffene Standorte mit zukünftig immer noch guter Wasserversorgung sind prinzipiell in der Lage, über natürliche Regeneration des Bestandes, klimatische Selektion der Individuen und eine Anpassung der Artenzusammensetzung dem Klimawandel ohne anthropogenes Zutun zu trotzen.
  • Für mäßig betroffene Standorte, an denen zunehmend Trockenschäden zu erwarten sind, ist die gezielte Aufforstung trockenresistenter Baumarten heimischen Ursprungs wie Traubeneiche oder Waldkiefer sinnvoll.
  • Für stark betroffene Regionen wie die Sandböden im Rhein-Main-Gebiet ist der Anbau von Arten aus trockeneren Klimazonen notwendig. Hierfür kommen prinzipiell mediterrane Arten sowie Arten aus Übersee in Frage.

Bereits 2007 begann an der Goethe-Universität der Arbeitskreis „Ökophysiologie der Pflanzen“ mediterrane Eichenarten zu untersuchen. Das daraus entstandene Projekt „Wald der Zukunft“ wurde 2009 zu Beginn des LOEWE-Zentrums BiK-F mit dem Innovationspreis „Deutschland - Land der Ideen: Ausgezeichneter Ort 2009“ belohnt. Mit externen Partnern entwickelte sich hieraus 2011 das SHOP.

Das Projekt beschäftigt sich mit der Einbringung mediterraner Eichen als Alternativbaumarten. „Die Eiche ist hierzulande einer der ökologisch wichtigsten bestandsbildenden Bäume“, sagt Wolfgang Brüggemann, Biologieprofessor und Leiter des SHOP. „Sie steht aber häufig auf extrem trockenen Standorten und wird daher vom Klimawandel besonders stark betroffen sein.“ Die alternativen Baumarten müssen nicht nur trockenresistenter als die Stieleiche sein, sondern auch die hiesigen heute noch kalten Winter gut überstehen. Außerdem ist es für die Wissenschaftler wichtig, dass die Arten auch die ökologischen Funktionen der hier ausfallenden Arten übernehmen können. „Um die Systeme nicht weiter zu schwächen, ist das Aufrechterhalten der Biodiversität wichtig“, sagt Vera Holland, Post-Doc am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität.

Im SHOP-Projekt – und dem 2017 daraus mit Partnern in Italien und Griechenland entwickelten Kooperationsprojekt „Futureoaks-IKYDA“ – haben die Forscher zwischen 2009 und 2017 insgesamt mehr als 10.000 Eichen an vier Standorten in Südhessen sowie in Griechenland und Italien gepflanzt. Über Jahre haben sie ihr Wachstum, ihre Physiologie, Molekularbiologie und ihr ökologisches Potential studiert. Die Ergebnisse ihrer Forschung belegen ein großes Potential für einige der mediterranen Eichen, um als Alternativbaumarten an Extremstandorten gepflanzt zu werden: etwa die Flaumeiche (Quercus pubescens) oder unter bestimmten Bedingungen auch die immergrüne Steineiche (Quercus ilex).

„Auf Basis modellgestützter Prognosen wird eine klimawandelbedingte Verschiebung der Verbreitungsgrenzen mediterraner Arten in Richtung Mitteleuropa bereits seit Jahren vorhergesagt“, sagt Vera Holland. „Der Klimawandel schreitet aber viel schneller voran, als dass die natürliche Einwanderung dieser Baumarten damit Schritt halten und schnell genug die Lücken füllen kann, die durch Extremwetterereignisse entstehen. Die von uns propagierte Einbringung über eine gestützte Migration würde demnach diesem Prozess vorgreifen und so verhindern, dass es zu einem Rückgang der Waldgebiete, starkem Nachlassen der CO2-Speicherung und starker Bodenerosion auf zwischenzeitlich entwaldeten Standorten käme“, so die Biologin.

Informationen: Wolfgang Brüggemann, Professor, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, +49 (0)69-79842192, w.brueggemann@bio.uni-frankfurt.de

 

Dez 5 2019
09:54

Forscher der Goethe-Universität finden Abschnitte in der DNA von Eichen, die die Bäume resistenter gegen die Dürre machen können

Gene gegen die Trockenheit

FRANKFURT. Der Klimawandel führt zu immer intensiveren Dürreperioden in Europa. Die Trockenheit setzt auch den Wäldern stark zu. Schon seit längerem überlegen sich Waldschützer ganz genau, welche Bäume sie für die Aufforstung pflanzen sollen. Forscher vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität haben nun Gene in Eichen identifiziert, die die Bäume resistenter gegen die Dürre machen könnten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin „Plant Gene“.

In der Studie haben die Biologen die Gene von drei verschiedenen Eichenarten untersucht: der heimischen Stieleiche, der südeuropäischen Flaumeiche und der ebenfalls südeuropäischen Steineiche. Die Bäume waren zum Zeitpunkt der Untersuchung neun Jahre alt, sie waren von der Darmstädter Forstbaumschule zur Verfügung gestellt worden und wurden nun im Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität unter kontrollierten Bedingungen Trockenstress ausgesetzt. Bei ihrer Analyse achteten die Forscher auf zwölf Gene, die durch vorangegangene Studien bereits als potenziell bedeutsam für die Resistenz gegenüber Trockenheit ausgemacht wurden.

Entgegen vorheriger Studien, in denen meist nur eine Probe nach einer kurzen Dürreperiode analysiert wurde, untersuchten die Forscher die Bäume und ihre Gene nun über zwei Jahre hinweg. Acht Mal entnahmen sie Proben, analysierten diese und schauten, wie aktiv die zwölf Gene abgelesen und in Genprodukte umgewandelt wurden. So erstellten sie Expressionsprofile für die einzelnen DNA-Sequenzen. Bei einigen Genen konnten sie so vorherige Funde an krautigen Pflanzen bestätigen, die darauf hinwiesen, dass die Gene während extremer Trockenperioden verstärkt abgelesen werden. Bei anderen Genen war dieser Mechanismus bisher noch nicht bekannt.

„Wenn wir wissen, wie Baumarten auf der molekularen Ebene auf Trockenheit reagieren, verstehen wir besser, wie sich der Klimawandel auf die europäischen Wälder auswirkt“, sagt Peter Kotrade, Erstautor der Studie und Biologe am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität am Fachbereich Biologie der Goethe-Universität. „Unsere Studie bestätigt vorherige Ergebnisse an Modellpflanzen zum ersten Mal an Waldbäumen und zeigt zudem detaillierte Expressionsmuster für die ausgewählten Gene. Das trägt zum Verständnis der molekularen Reaktion von Eichen auf Dürreperioden bei. Künftig könnte dieses Wissen dazu genutzt werden, um bei Waldbegründungen und Aufforstungen auszuwählen, welche Bäume gepflanzt werden“, so der Biologe weiter.

Publikation: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2352407319300265  

Informationen: Peter Kotrade, M. Sc., Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biowissenschaften, Campus Riedberg, +49(0)69-79842188, kotrade@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 4 2019
17:01

Forscher der Goethe-Universität entwickeln neues Proteomik-Verfahren

Detaillierter Einblick in die gestresste Zelle

FRANKFURT. Wenn Zellen in Stress geraten, so läuft ein komplexes und genau reguliertes Programm ab, um bleibende Schäden abzuwenden. Als schnelle Reaktion nach einem Stress-Signal wird beispielsweise die Herstellung von Proteinen (Proteinsynthese) heruntergefahren. Bislang war es kaum möglich, solche akuten Veränderungen in der Zelle zu messen. Wie in der aktuellen Onlineausgabe der renommierten Fachzeitschrift Molecular Cell berichtet, haben Forscher der Goethe-Universität nun eine Methode entwickelt, die dies ermöglicht.

 Das Team um den Biochemiker Dr. Christian Münch, der eine Emmy-Noether-Gruppe leitet, nutzte einen simplen, aber äußerst wirkungsvollen Kniff: Bei der Messung aller Proteine im Massenspektrometer wurde ein Kanal zugeschaltet, der speziell das Signal von neusynthetisierten Proteinen verstärkt und so deren Messung überhaupt ermöglicht. So gelang es erstmals, mit hochmodernen quantitativen massenspektrometrischen Technologien akute Veränderungen in der Proteinsynthese zu erfassen.

Die Idee dazu entwickelten die Forscher, weil sie verstehen wollten, wie spezifische Stress-Signale die Proteinsynthese beeinflussen. „Die Herausforderung bestand darin, dass die Menge an neu produzierten Proteinen innerhalb eines kleinen Zeitintervalls extrem niedrig ist, d.h. wir müssen mit unseren Messungen kleinste Veränderungen von wenigen Prozent für jedes einzelne Protein erfassen“, kommentiert Projektleiter Münch das Verfahren. Die neu entwickelte Analysemethode verschafft seinem Team nun detaillierten Einblick in die molekularen Ereignisse, die das Überleben der Zelle nach Stress sichern. Die Reaktion von Zellen auf Stress spielt z.B. bei der Entstehung von Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Das Verständnis der zugrundeliegenden molekularen Prozesse öffnet damit auch die Tür für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien.

„Die von uns entwickelte Methode ermöglicht zeitlich hochauflösende Messungen, d.h. wir können die schnellen, innerhalb von Minuten ablaufenden Reaktionen der Zelle auf Stress messen, gleichzeitig benötigt sie wenig Material und ist zudem auch noch kostengünstig“, erklärt Münch. „Damit können wir nun Tausende von Proteinen in definierten Zeitabständen nach einer Behandlung simultan quantifizieren.“ Aufgrund der geringen benötigten Probenmengen seien auch Messungen in Gewebeproben von Patienten möglich, was die Zusammenarbeit mit klinischen Kollegen ermögliche. Für die Präsentation der ersten Daten, die mit der neuen Methode erzeugt wurden, wurde Doktorand Kevin Klann kürzlich bei einer Konferenz (EMBO) zur Proteostase in Portugal mit einem Posterpreis des FEBS-Journals ausgezeichnet. Der junge Molekularbiologe konnte erstmals nachweisen, dass zwei der wichtigsten zellulären Signalwege, die durch sehr unterschiedliche Reize ausgelöst werden, letztendlich auf der Ebene der Proteinsynthese das gleiche bewirken. Diese Entdeckung bringt das Forschungsfeld einen entscheidenden Schritt nach vorn.

Das Projekt wird vom Europäischen Research Council (ERC) als Teil des von Münch eingeworbenen Starting Grants mitoUPR gefördert, in dem er Mechanismen der Qualitätskontrolle für mitochondriale Proteine untersucht. Christian Münch wird darüber hinaus im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und ist Mitglied der Johanna Quandt Young Academy at Goethe. Seit Dezember 2016 leitet er die Arbeitsgruppe „Protein Quality Control“ am Institut für Biochemie II im Fachbereich Medizin der Goethe-Universität, nachdem er zuvor in einem der führenden Proteomiklabors an der Harvard-Universität tätig war.

Publikation: Klann K, Tascher G, Münch C. Functional translatome proteomics reveal converging and dose-dependent regulation by mTORC1 and eIF2α. Molecular Cell 77, 1-13, Feb 20, 2020. doi.org/10.1016/j.molcel.2019.11.010

Informationen:
Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie II, Fachbereich Medizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel.: (069) 6301-6599, ch.muench@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 4 2019
08:20

9. Vergabefeier am 3. Dezember bringt dank privater und öffentlicher Förderung 500 neue Stipendien für Studierende

Deutschlandstipendium: Schon über 16 Millionen Euro für Studierende der Goethe-Uni

FRANKFURT. Das „Deutschlandstipendium“ an der Goethe-Universität bleibt ein Erfolgsmodell: Bei der 9. Vergabefeier am 3. Dezember im Festsaal des Casinos auf dem Campus Westend wurden 500 Studierende mit einem Jahresstipendium ausgezeichnet.  Die Studierenden, die neben überdurchschnittlichen Leistungen ein besonderes gesellschaftliches oder soziales Engagement mitbringen, erhalten für ein Jahr monatliche Zuwendungen in Höhe von 300 Euro. Das Stipendium schenkt insbesondere auch jenen Chancen, die trotz Hürden in ihrem Lebens- und Bildungsweg hervorragende Leistungen erbringen. Gesamtwert allein der Neuförderungen: 1,8 Mio. Euro!

Die Entwicklung der Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität ist seit Jahren eine Erfolgsgeschichte. Seit 2011 konnten insgesamt 4.523 Stipendien an Studierende aller Fachbereiche vergeben werden. Das entspricht einem privaten Spendenvolumen von 8,14 Mio. Euro. Da grundsätzlich ein Matching dieser Summe aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in gleicher Größenordnung erfolgt, konnte die Goethe-Universität bisher insgesamt mehr als 16 Mio. Euro an leistungsbereite Studierende auszahlen.

In der aktuellen Fördererrunde stellte besonders das Ehepaar Karin und Carlo Giersch seine Großzügigkeit unter Beweis: die Stiftung Giersch verdoppelte ihren Anteil an Deutschlandstipendien von 25 im Vorjahr auf jetzt 50.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Dass sich das Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität in den letzten Jahren so großartig entwickelt hat, verdanken wir auch unserer leider verstorbenen Ehrensenatorin Johanna Quandt. Mit ihrem zum 100. Universitätsgeburtstag gestifteten Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds sind auch viele Deutschlandstipendien finanziert worden. Mit ihrem Fonds hat Johanna Quandt ihre besondere Verbundenheit zur Goethe-Universität zum Ausdruck gebracht. Wir sind ihr dafür sehr dankbar. Wir danken ebenso der Stiftung Giersch und vielen anderen, die das Deutschlandstipendium jetzt und in Zukunft unterstützen. Die Spender der Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität sind Unternehmen, Stiftungen, Vereine und zahlreiche Privatpersonen, darunter auch viele Ehemalige unserer Universität. Sie bestätigen damit, wie wichtig es ist, in Bildung zu investieren und junge Menschen beim Start in eine erfolgreiche Zukunft zu unterstützen.“

Bundesweit profitieren vom Deutschlandstipendiums inzwischen mehr als 27.000 Studierende an über 300 deutschen Hochschulen. Damit ist das Deutschlandstipendium das mit Abstand erfolgreichste Stipendien-Programm mit der größten Breitenwirkung. Denn die Mittel aus dem Deutschlandstipendium kommen Studierenden aus allen Gesellschaftsschichten zugute. Die dadurch seit 2011 zusätzlich mobilisierte private Förderung für Stipendien liegt bisher bei bundesweit insgesamt 168 Mio. Euro.

 

Dez 3 2019
09:49

Archäologen der Goethe-Universität schließen Projekt in Stockstadt am Main ab

Virtuelle Reise zu den Römern

FRANKFURT. Archäologen der Goethe-Universität haben in einem umfangreichen Projekt römische Funde aus Stockstadt am Main (Bayern) aufgearbeitet und digital erfasst. Die Arbeiten bilden die Voraussetzung für künftige Forschungen und für eine Neukonzeptionierung des Museums in Stockstadt.

Auf dem heutigen Stadtgebiet des Marktes Stockstadt am Main bestand von etwa 100 bis 270 n. Chr. einer der bedeutendsten Standorte am römischen Main-Limes. Das Kastell beherbergte nacheinander mehrere römische Hilfstruppen, am längsten die cohors I Aquitanorum veterana equitata, einer Einheit aus ca. 500 Fußsoldaten und 120 Reitern, die ursprünglich im heutigen Südwest-Frankreich ausgehoben worden war. Dem Militärlager schloss sich eine ausgedehnte Siedlung (vicus) an, die von der Garnison, aber wohl auch vom Germanienhandel profitierte.

International bekannt ist das römische Stockstadt vor allem durch sein Mithras-Heiligtum (Mithräum), die steinernen Weihealtäre von sog. Benefiziariern (beneficiarii consulares), einer Art Militärpolizei und Zollaufsicht des röm. Statthalters, zwei bronzene Gesichtsmasken von Reiterhelmen sowie einen Münzschatz von 1315 Silbermünzen (denarii). Diese Funde werden heute im Saalburgmuseum, in der Archäologischen Staatssammlung München bzw. im Stiftsmuseum Aschaffenburg aufbewahrt und präsentiert.

Umfangreichere Ausgrabungen fanden nur zwischen 1885 und 1909 statt, einige kleinere Untersuchungen nach 1990. Zuletzt wurden 2011/12 Ausgrabungen im römischen Gräberfeld durchgeführt. Seit 2005 ist die röm. Fundstätte trotz weitgehender mittelalterlicher bis moderner Überbauung Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes obergermanisch-rätischer Limes.

Nicht nur die genannten Museen beherbergen Funde aus Stockstadt; auch das Heimatmuseum Stockstadt besitzt eine mehr als 6000 Objekte umfassende Sammlung römischer Funde, darunter verschiedenste Gegenstände des alltäglichen Lebens und der Militärausrüstung, aber z. B. auch Architekturteile der Umwehrung des Kastells und die gut erhaltenen Beigaben zahlreicher Gräber. Diese Funde stammen hauptsächlich aus Notbergungen und Aufsammlungen auf Baustellen des 20. Jahrhunderts durch ehrenamtliche Beauftragte und Privatleute, aber auch aus amtlichen Ausgrabungen. Die teilweise überregional bedeutenden Funde sind bisher weitgehend unveröffentlicht und nur exemplarisch ausgestellt.

Diese Bestände für die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit systematisch zu archivieren und zu erschließen, ist das Ziel eines bayerisch-hessischen Kooperationsprojekts der Marktgemeinde Stockstadt a. M., der Goethe-Universität Frankfurt und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, das Ende 2019 nach neun Monaten abgeschlossen wird. Die Funde sind nun nach den aktuellen Standards für Kulturgüter in einer Mediendatenbank der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern digital recherchierbar erfasst. Von Anfang 2020 an soll die Datenbank über die Homepage des Marktes Stockstadt online nutzbar sein.

Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Funde z. T. gereinigt, nach Sammlungen bzw. Fundstellen und Materialien sortiert, (zumindest grob) wissenschaftlich bestimmt und datiert werden. Darüber hinaus wurden die Objekte einzeln oder auch in Sammelaufnahmen durchfotografiert. Diese Datenerhebung und -sicherung bildete die notwendige Voraussetzung für die Archivierung, die mit der Einpflege der Daten in die Mediendatenbank einherging. Jedes einzelne Objekt wurde mit einer Inventarnummer beschriftet.

All diese Arbeiten wurden durch ein kleines Team von Studierenden, unterstützt durch ehrenamtliche Helfer, ausgeführt. Den Studenten bot sich so die Möglichkeit, fachspezifische Materialkenntnisse zu erwerben und gleichzeitig einen Einblick in praktische Museumsarbeit im digitalen Zeitalter zu erhalten. Die Leitung des Projekts hatte Dr. Alexander Reis aus Obernburg am Main inne, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Archäologische Wissenschaften (Abt. II) mit Drittmitteln des Marktes Stockstadt für dieses Projekt eingestellt werden konnte. Er ist provinzialrömischer Archäologe und wurde 2003 an der Goethe-Universität im Fach Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen mit der Studie „NIDA-Heddernheim im 3. Jahrhundert n. Chr. – Studien zum Ende der Siedlung“ (Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 24, Frankfurt a. M. 2010) bei Prof. Dr. Hans-Markus v. Kaenel promoviert.

Das Projekt zeitigt nicht nur einen beträchtlichen Mehrwert für die archäologische Limesforschung, sondern bildet zugleich die notwendige Grundlage für eine zukünftige Neukonzeption der Dauerausstellung des Museums. Im Zuge des Projektes gelang es außerdem, die umfangreiche Privatsammlung des örtlichen Apothekers Dr. Fred Rattinger (1912–1981) in öffentliches Eigentum zu überführen. Die feierliche Übereignung der Sammlung fand im Rahmen eines heutigen Pressetermins statt.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/83879025

Bildtext:
Bild 1: Sigillata-Schüssel aus Gallien, 2. Jahrhundert nach Christus.
Bild 2:  Römisches Grab aus Stockstadt.
Fotos: GU

Informationen: Prof. Dr. Markus Scholz, Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. II, Fachberei 10, Uni-Campus Westend, Telefon +49 (0)69 798 32265, m.scholz@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 29 2019
11:39

Gemeinsames Bildungsprojekt des Regionalpark RheinMain und der Goethe-Universität Frankfurt als offizielles Projekt „UN-Dekade für biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. 

Regionalpark ScienceTours erhalten Auszeichnung 

FRANKFURT/FLÖRSHEIM. Die Regionalpark ScienceTours bieten an außerschulischen Lernorten im Regionalpark aufregende Wissensabenteuer und spannende Einblicke in Wissenschaft und Forschung. Von diesem gemeinsamen Bildungsprojekt des Regionalpark RheinMain und der Goethe-Universität Frankfurt am Main konnten in den vergangenen vier Jahren bereits mehr als 80 Lerngruppen mit über 1700 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7-10 profitieren.

Durch die Kooperation vereinen die Regionalpark ScienceTours besondere Stadtlandschaften mit wissenschaftlicher Expertise. Ziel sei es, „bei den Schülern nachhaltige Lernprozesse anzustoßen und einen Zugang zur Rhein-Main-Region und Wissenschaft zu ermöglichen“, so die Vertreter beider Kooperationspartner Kjell Schmidt, Geschäftsführer des Regionalparks und Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter der Abteilung PR&Kommunikation der Goethe Universität Frankfurt. Finanzielle Förderer dieses Projekts sind die Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region und der Regionalverband FrankfurtRheinMain.

In insgesamt drei verschiedenen Touren werden im Sinne eines Projekttages die Themen Biodiversität, Klima und Mobilität an unterschiedlichen außerschulischen Lernorten behandelt. Im Fokus der Touren stehen dabei die Auseinandersetzung mit verschiedenen Öko-Systemen und die Frage, wie anthropogene Einflüsse sich auf die lokale Biodiversität und unsere Gesundheit auswirken können. Diese außerschulischen Lernorte bieten den Schülerinnen und Schülern neue Lernerfahrungen und andere Formen der Ergebnissicherung als im Klassenzimmer.

Offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt
Die Regionalpark ScienceTours dürfen sich nun für die nächsten zwei Jahre offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt nennen. Die Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen.

Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade Fachjury tagt zweimal im Jahr. Zur Beteiligung am Wettbewerb bestehen keine Fristen. Eine Bewerbung als UN-Dekade-Projekt erfolgt online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de.

„Wenn wir uns für den Schutz der biologischen Vielfalt einsetzen, so erhalten wir schlicht unsere natürliche Lebensgrundlage. Kein Leben auf dieser Welt würde existieren ohne etwa die Arbeit von Bienen und anderen bestäubenden Insekten oder die Leistung vieler unterschiedlicher Baum- und Pflanzenarten als CO2-Speicher. Umfassendes Wissen über die Artenvielfalt hier in Hessen vermitteln die ‚Regionalpark ScienceTours' den Schülerinnen und Schülern aus der Region und darüber hinaus. Ein hervorragendes Angebot, das nun auch Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt geworden ist. Ich freue mich sehr, dass ich die Auszeichnung heute an die Verantwortlichen überreichen darf“, sagte der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, der auch Vorstandsmitglied der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region ist.

Auch Frau Dr. Kirsten Schröder-Goga vom Regionalverband FrankfurtRheinMain freut sich über die Auszeichnung und ist überzeugt, mit der finanziellen Unterstützung einen wichtigen Beitrag zu leisten, die Region nicht nur als lebenswert darzustellen, sondern sie für Bildungsprozesse nachfolgender Generationen nutzbar und interessant zu machen.

Im Rahmen der Veranstaltung kamen auch die Schülerinnen und Schüler zu Wort. Eine Projektgruppe der IGS Wallrabenstein widmete sich nach dem Besuch einer Mobilitätstour in den vergangenen Wochen intensiv möglichen zukünftigen Verkehrskonzepten für Siedlungen. Die Ergebnisse und Visionen konnte die Gruppe im Regionalpark Portal präsentieren. Auch hier wurde abschließend deutlich, im gemeinsamen generationenübergreifenden Austausch werden nicht nur Probleme fixiert, sondern auch Horizonte erweitert.  

Informationen: Christian Dietz, Projektbüro Regionalpark-ScienceTours, PR & Kommunikation, Telefon: 069 798-42278, kontakt@regionalpark-sciencetours.de, www.regionalpark-sciencetours.de

 

Nov 28 2019
12:47

Nachwuchswissenschaftlerin Stephanie Döpper erhält Förderung der Gerda Henkel Stiftung, um über verlassene Lehmziegelsiedlungen im Oman zu forschen

Frankfurter Archäologen erforschen „Lost Cities“ im Oman

FRANKFURT. Die Goethe-Universität forscht im Oman: Wie die Gerda Henkel Stiftung bekanntgegeben hat, erhält Dr. Stephanie Döpper im Rahmen des Förderschwerpunkt „Lost Cities“ eine Förderung von fast 300.000 Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.

Im Oman hat sich der Aufschwung der vergangenen drei Jahrzehnte infolge von Erdöl- und Erdgasförderung auch auf die Wohnbebauung ausgewirkt. Die Bevölkerung zog vielfach aus den traditionellen Lehmziegelsiedlungen in angrenzende neue Häuser aus Beton, ohne die ursprünglichen Siedlungen ganz aufzugeben. Höchste Zeit, diese kulturelle Landschaft zu erhalten. Stephanie Döpper leitet ein interdisziplinäres Team aus Archäologen, Islamwissenschaftlern und Kultursoziologen aus Frankfurt, Bochum und Leipzig. Gemeinsam wollen sie herausfinden, welche soziale Relevanz die verlassenen Lehmziegelsiedlungen für die heutige Gesellschaft und die Identitätsbildung im Oman haben.

Im Bereich der Archäologie sollen dafür in mehrmonatigen Forschungsaufenthalten in den kommenden Jahren drei Lehmziegelsiedlungen im Zentraloman kartiert und bauhistorisch aufgenommen werden. Zudem wird anhand der Untersuchung der vorgefundenen Artefakte wie Keramikscherben eine funktionale Zuordnung der einzelnen Gebäude in diesen Siedlungen vorgenommen. Von besonderer Relevanz sind dabei Nachnutzungen, wie beispielsweise die Umwidmung eines Wohnhauses in einen Ziegenstall. These des Forschungsteams ist es, dass es sich bei den aufgegebenen Lehmziegelsiedlungen nicht nur um verlassene Kulissen einer vergangenen Lebensweise handelt, sondern um immer noch sehr lebendige und belebte Orte mit Zukunft.

Dr. Stephanie Döpper beschäftigt sich schon seit Jahren mit Siedlungen und Siedlungssystemen im Zentraloman von der frühen Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr. bis hin zu den wahrscheinlich im 18. oder 19. Jahrhundert n. Chr. entstandenen und heute verlassenen Lehmziegelsiedlungen im Rahmen des von der Gerda Henkel Stiftung bewilligten Forschungsvorhabens. Dabei steht immer auch die Frage im Hintergrund, was Menschen in dieser Region veranlasst hat, sesshaft zu werden und auch, warum solche Siedlungen wieder aufgegeben wurden.

Die Förderung durch die Gerda Henkel Stiftung ermöglicht die Finanzierung eines Promotionsstipendiums sowie der Forschungsaufenthalte vor Ort.

Insgesamt nimmt die Stiftung 53 neue Forschungsvorhaben in ihre Förderung auf. In ihrer Herbstsitzung bewilligten die Stiftungsgremien hierfür 8,6 Millionen Euro. Damit werden Wissenschaftler aus knapp 30 Ländern unterstützt.


Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/83770372

Bildtext:
Bild 1: Haus in der verlassenen Lehmziegelsiedlung von Al-Mudhaybi. Foto: Stephanie Döpper
Bild 2: Keramikgefäße in verlassener Lehmziegelsiedlung von Al-Mudhaybi. Foto: Stephanie Döpper
Bild 3: Haus mit eingestürzten Decken in der verlassenen Lehmziegelsiedlung von Sinaw.
Bild 4: Verlassene Lehmziegelsiedlung von Sinaw. Foto: Stephanie Döpper
Bild 5: Verlassene Lehmziegelsiedlung von Sinaw. Foto: Stephanie Döpper

Alle Bilder stammen von Stephanie Döpper.

Informationen: Dr. Stephanie Döpper, Institut für Archäologische Wissenschaften, Archäologie, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60629 Frankfurt am Main, +49(0)69 798-32320, doepper@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2019
10:03

Der Politiker Robert Habeck spricht und diskutiert am 3. Dezember in der „Denkraum“-Reihe des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität

Wie werden wir die Erde retten können? 

FRANKFURT. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, der sich die Menschheit derzeit stellen muss. Das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, scheint bereits jetzt nur noch schwer zu erreichen. Der Trend zur globalen Erwärmung ist ungebrochen, der CO2-Ausstoß hat weiter zugenommen und Extremwettereignisse wie Starkregen, andauernde Hitze- und Dürreperioden häufen sich. Nicht zuletzt durch Bewegungen wie „Fridays for Future“ hat das Thema zusätzlich an gesellschaftlicher Brisanz gewonnen. Ein radikaleres Umdenken scheint dringend notwendig, doch stehen dem wirtschaftspolitische Interessen entgegen und insbesondere für weniger wohlhabende Länder wirken drastische Klimaschutzmaßnahmen unzumutbar.

 Wie vereinbar ist Klimaschutz mit Wachstumspolitik und kann eine „sozial-ökologische Marktwirtschaft“, wie sie im Leitantrag des Bundesvorstands der Partei Bündnis 90/Die Grünen steht, gelingen? Hat die globale Marktwirtschaft angesichts der endlichen Ressourcen unseres Planeten nicht bereits ihre Grenzen erreicht? Sind stärkere Regulierungen durch die Politik, wie sie derzeit angestrebt werden, eine sinnvolle Maßnahme? Kann eine Kehrtwende gelingen und wenn ja wie?

Diese Fragen werden im Zentrum des kommenden „Denkraum“ des Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität stehen.

Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Schriftsteller und Publizist, spricht und diskutiert zum Thema

„Klima_Wie werden wir die Erde retten können?“
am Dienstag, dem 3. Dezember 2019, um 20 Uhr
im Chagallsaal des Schauspiel Frankfurt, Neue Mainzer Str. 17, 
60311 Frankfurt am Main.

Moderieren wird Rebecca Caroline Schmidt, die Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Dr. Robert Habeck ist seit Januar 2018 zusammen mit Annalena Baerbock Bundesvorsitzender der Grünen. Der gebürtige Lübecker hat in Hamburg seinen Doktor der Philosophie gemacht und seit 1999 mit seiner Ehefrau Andrea Paluch Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, sowie Romane und Übersetzungen zu englischer Lyrik. 2002 wurde er Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen. 2009 zog er in den Schleswig-Holsteinischen Landtag ein und wurde Fraktionsvorsitzender. 2012 bis 2017 erhielt er das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten und war Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt. 2017 brachte er sich erstmals als Spitzenkandidat für den Bundestag ein.

In der aktuellen Spielzeit lautet die Leitfrage des Denkraums „Zukunft_Aber wie?“. Die partizipative Redenreihe des Schauspiel Frankfurt findet seit 2018 in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt und wird unterstützt von der Heraeus Bildungsstiftung. Nach jedem Impulsvortrag der Reihe erhalten alle Zuhörer die Möglichkeit, in kleinen Tischgesprächen zu jeweils zehn Personen die dargelegten Thesen und Analysen zu diskutieren und Fragen an den Redner oder die Rednerin zu formulieren. Der jeweilige Moderator des Abends sammelt diese Eindrücke ein und konfrontiert den eingeladenen Referenten auf diese Weise mit den Fragen des Publikums.

Die anstehenden Termine im Überblick:

3. Dezember 2019
Robert Habeck: Klima_Wie werden wir die Erde retten können?

11. Februar 2020
Martin Saar: Demokratie_Was wird aus der Krise des Politischen?

10. März 2020
Susanne Wiest: Arbeit_Was wird aus der Wettbewerbsgesellschaft?

26. Mai 2020
Sophie Passmann: Gleichheit_Werden wir in Teilhabe leben?

2. Juni 2020
Axel Honneth: Anerkennung_Was wird aus unserem Recht auf soziale Freiheit?

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Neue Mainzer Str. 17, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro / erm. 8 Euro; www.schauspielfrankfurt.de

Detailliertes Programm:
https://www.normativeorders.net/denkraum

Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Nov 26 2019
17:59

Die Fördermittel des Bankhauses Metzler kommen seit 1992 dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität zugute.

Austauschprogramm mit Wharton wird umbenannt in Christoph von Metzler Stiftungsgastprofessur 

FRANKFURT. Das Bankhaus Metzler fördert seit über 20 Jahren den Gastprofessoren­austausch des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften mit der Wharton Business School, bekannt als „Metzler Stiftungsgastprofessur für internationale Finanzwirtschaft“. Auf Wunsch des Bankhauses wurde dieses Austauschprogramm nun in „Christoph von Metzler Stiftungsgastprofessur für internationale Finanzwirtschaft“ umbenannt. An der zu diesem Anlass stattfindenden Feier nahmen sowohl Vorstand und Familie von Metzler teil als auch Professorinnen und Professoren des Fachbereichs.  

Der Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften, Prof. Dr. Raimond Maurer, sagte: „Durch das langjährige Metzler-Gastprofessorenprogramm für Internationale Finanzwirtschaft haben sich enge Beziehungen zwischen Forschungsteams aus unserem Fachbereich und der Wharton School entwickelt. Das Programm hat sich als höchst fruchtbar erwiesen und zu zahlreichen gemeinsamen Publikationen mit weltweiter Beachtung geführt. Der Fachbereich ist sehr dankbar für die nachhaltige Unterstützung durch das Bankhaus Metzler.“

Christoph von Metzler trat gemeinsam mit seinem Vetter Friedrich von Metzler 1969 ins Bankhaus Metzler ein. Die Juniorchefs entwickelten sich schnell zu einem erfolgreichen Duo, deren Arbeit bis heute die strategische Ausrichtung des Unternehmens bestimmt. Während sich Friedrich von Metzler dem Wertpapiergeschäft im weitesten Sinne widmete und den Grundstein dafür legte, dass die Bank an der Mitte der 80er-Jahre beginnenden steilen Entwicklung dieses Segments bis heute höchst erfolgreich partizipieren konnte, konzentrierte sich Christoph von Metzler auf das sogenannte kommerzielle Bankgeschäft. Die Herausforderung hierbei war, sich auf nichtbilanzwirksame Dienstleistungen zu beschränken und gleichzeitig auf Bilanzwachstum und Zinsgeschäft zu verzichten – und somit die Risiken für eine Bank dieser Größe zu minimieren. Zudem gehörte Christoph von Metzler von 1979 bis 1993 dem Frankfurter Beirat der Deutschen Bank AG an. 1974 bis 1993 war er außerdem Mitglied des Aufsichtsrats der Philipp Holzmann AG. Ehrenamtlich engagierte er sich viele Jahre in den Vorständen der Deutsch-Englischen Gesellschaft e. V.  und des Vereins Frankfurter Bachkonzerte e. V. sowie in der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität und im Board des von John D. Rockefeller gegründeten Population Council New York. Christoph von Metzler starb nach kurzer schwerer Krankheit 1993 im Alter von nur 50 Jahren.

Eine Herzensangelegenheit war es Christoph von Metzler, dass am Finanzplatz Frankfurt exzellente Finanzfachleute ausgebildet werden, um sich im zunehmenden internationalen Wettbewerb besser behaupten und den Finanzplatz Frankfurt international weiterentwickeln zu können. Bei der Frankfurter Goethe-Universität sah er in dieser Hinsicht Handlungsbedarf. Aus zahlreichen Gesprächen mit den Universitätspräsidenten Hartwig Kelm und vor allem Klaus Ring entstand die Idee einer von Metzler geförderten Gastprofessur für renommierte US-amerikanische Professoren auf dem sich rasant entwickelnden Gebiet der Finanzwirtschaft. Der seit 1991 wieder in Frankfurt am Main lehrende Prof. Reinhard Schmidt nahm diesen Anstoß begeistert auf und begleitete engagiert die seit 1992 aktive Zusammenarbeit der Goethe-Universität mit der Wharton Business-School der Universität Philadelphia, die zu einem regen Austausch der entsprechenden Professoren beider Hochschulen führte.

Die von Metzler finanzierte und auf eine Idee von Christoph von Metzler zurückgehende „Gastprofessur für internationale Finanzwirtschaft“ leistete somit einen Beitrag zu einer Entwicklung, die in dem heute hochrenommierten „House of Finance“ ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Zugleich erinnert die „Christoph von Metzler Stiftungsgastprofessur“ an einen herausragenden Bankier, dessen Todestag sich im vergangenen Jahr bereits zum fünfundzwanzigsten Mal jährte.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Raimond Maurer, Dekan Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-34601, dekanat02@wiwi.uni-frankfurt.de