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Veranstaltungen

Jan 17 2017
12:05

Sechsteilige Veranstaltungsreihe an der Goethe-Universität. Auftakt am 31. Januar mit Vortrag und Podiumsrunde

Demenz, Parkinson und Schlaganfall: Wo stehen wir in der Medizin und was bedeutet das für unser Leben?

FRANKFURT. Die Herausforderungen, die der demografische Wandel für Wirtschafts-, Sozialsysteme und unseren Lebensalltag bedeutet, sind bekannt. Mit der zunehmenden Überalterung werden aber auch die altersbedingten Erkrankungen des Gehirns wie Demenz oder Parkinson steigen – Experten rechnen mit einem jährlichen Anstieg von allein 40.000 Demenzfällen, so dass 2030 etwa 2,5 Mio. Menschen in Deutschland betroffen sein werden.

„Mit der Veranstaltungsreihe Alterserkrankungen des Gehirns will die Hertie-Stiftung über die häufigsten Krankheiten des Gehirns im Alter informieren und für die damit verbundenen sozialen, ethischen und rechtlichen Probleme sensibilisieren“, sagt Prof. Dr. Michael Madeja, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, die der größte private Förderer der Neurowissenschaften in Deutschland ist. Madeja weiter: „Die Probleme für den einzelnen Erkrankten, aber auch für die Gesellschaft sind enorm. Je eher wir uns damit beschäftigen, desto besser können wir uns den kommenden Anforderungen stellen.“

Die sechsteilige Reihe ist eine Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Führende Neurowissenschaftler stellen jeweils den aktuellen Forschungsstand der Krankheiten Demenz, Parkinson, Schwindel, Schlaganfall, Hirntumor und Depression vor. Die anschließenden Podien diskutieren über einen gesellschaftlich relevanten Aspekt, der mit den Erkrankungen einhergeht: Wohnen im Alter, Geschäftsfähigkeit, Selbstständigkeit, Kosten, Gesundes Altern und Sterbehilfe. Besetzt sind die Gesprächsrunden mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis.

Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz, Vize-Präsident der Goethe-Universität Frankfurt: „Wir freuen uns sehr über diese gute Kooperation in bewährter Partnerschaft. Als erklärte Bürger-Universität möchten wir unseren Mitmenschen vor Ort Angebote ermöglichen, die sich mit aktuellen und drängenden Themen für alle Generationen beschäftigen. Die komplexen Herausforderungen des Alters verkörpern ein solches Feld zu 100 Prozent.“

Den Auftakt der Reihe am 31. Januar 2017 macht die Alzheimer-Demenz mit der Problematik der Geschäftsfähigkeit bei fortschreitender Erkrankung. Prof. Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung Tübingen wird über den Stand der medizinischen Forschung berichten. Diese am häuftigsten auftretende neurodegenerative Erkrankung ist zwar unheilbar, aber die
Wissenschaft hat seit ihrer Entdeckung Anfang des 20ten Jahrhunderts bereits zahlreiche Erkenntnisse zu Entstehung und Behandlung gewonnen. In der anschließenden Podiumsrunde „Mit 80 nicht mehr volljährig?“ diskutieren der gerichtl. Vormund Jürgen Frank, Axel Bauer, Richter am Betreuungsgericht Frankfurt, und Filmemacher und Autor von „Vergiß mein nicht“ David Sieveking über den Verlust der eigenen Geschäftsfähigkeit. Die hr-Journalistin Alice Engel moderiert die Runde.

Die Veranstaltung am 31. Januar beginnt um 18:30 Uhr und findet im Festsaal des Casinos der Goethe-Universität Frankfurt Campus Westend, Nina-Rubinstein-Weg 1 statt. Der Besuch ist kostenfrei, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich unter www.ghst.de/veranstaltungsreihe.

Die folgenden Termine:

  • 28.03.2017: Vortrag Depression & Podiumsrunde „Macht Altern krank?“
  • 16.05.2017: Vortrag Parkinson & Podiumsrunde „2 ZKB für 80+ gesucht!“
  • 20.06.2017: Vortrag Hirntumor & Podiumsrunde „Wann darf ich endlich sterben?“
  • 26.09.2017: Vortrag Schwindelerkrankung & Podiumsrunde „Lass, ich kann das noch alleine!“
  • 21.11.2017: Vortrag Schlaganfall & Podiumsrunde „Wer soll das alles bezahlen?“

Weitere Informationen zum Ablauf und den eingeladenen Podiumsgästen unter www.ghst.de/veranstaltungsreihe 

Pressekontakt:
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Grüneburgweg 105 | 60323 Frankfurt
Julia Riedel | Kommunikation
T. 069/660756-162 |riedelj@ghst.de

Veranstaltungen

Jan 17 2017
11:05

Programm der 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung – Öffentliche Vorträge, Diskussion und Kolloquium

Princeton-Historiker Grafton zur Gelehrsamkeit des Humanismus

FRANKFURT. Die 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung übernimmt vom 23. bis 25. Januar der Historiker Anthony T. Grafton, Henry Putnam Professor of History an der Princeton University. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler hält drei öffentliche Vorträge zum Thema „Early Christianity in Early Modern Europe: Religion and Scholarship“ und ein Kolloquium zum Thema „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“.

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert entstand in Europa eine neue faszinierende Welt humanistischer Gelehrsamkeit. Diese Epoche, die der Historiker in den Blick nimmt, ist entscheidend in der Geschichte der Geisteswissenschaften. Anthony Grafton entwickelt in seinen wissenschaftsgeschichtlichen Vorträgen eine vollkommen neue Sicht auf die humanistische Gelehrsamkeit. Rückblickend erscheint der Humanismus vielfach als eine säkulare Bewegung. Grafton stellt aber heraus, dass sich die Gelehrten dieser Zeit mit überraschender Intensität der philologischen und historischen Erforschung der Kirchengeschichte widmeten und dabei höchst innovative Forschungsmethoden entwickelten. In der Frühen Neuzeit erforschten Gelehrte die Geschichte der Frühen Kirche, um ihre Vision einer modernen Kirche aufzuzeigen und zu verteidigen. Ihre wissenschaftlichen Entscheidungen wurden in einem hohen Maße von bestehenden religiösen Bindungen und von dem Empfinden bestimmt, dass es sich bei ihren Forschungen selbst um einen religiösen Akt handelte.

Anhand dreier Fallstudien, die Teil eines umfassenderen Projekts sind, interpretiert Grafton die Entwicklung der frühneuzeitlichen Gelehrsamkeit zum Frühen Christentum und zieht daraus vorläufige Schlussfolgerungen für die Charakterisierung des Verhältnisses von Religion und Wissenschaft in dieser Epoche. In dieser Zeit der christlichen Renaissance sammelten Bibliografen die verstreuten Texte der Kirchenväter und andere frühchristliche Dokumente. Gelehrte edierten die Schriften aus der Feder von Tertullian, Augustinus und Hieronymus, kommentierten sie kritisch und machten deutlich, dass die Kirchenväter keine Heiligen waren, denen vollkommene Autorität zukam, sondern Menschen, die häufig in theologische Streitigkeiten verstrickt waren. Historiker dieser Epoche verfassten auf der Grundlage neuer Archive mit kirchlichen Dokumenten ausführliche, auch widerstreitende geschichtliche Darstellungen der Ursprünge und der frühen Entwicklung des Christentums.

Termine und Themen im Einzelnen
23.1.(Montag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Festsaal Casino: „Judaizing the Last Supper“
24.1. (Dienstag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Reading the Witnesses“
25.1. (Mittwoch), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Finding the First Christians“

Kolloquium „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“ zu den Vorlesungen: 24.1. (Dienstag) von 10 bis 12 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe (Anmeldung unter jurewicz@em.uni-frankfurt.de)

Zur Person des Vortragenden
Nach seinem Studium am University College London (bei dem berühmten Althistoriker Arnaldo Momigliano) und an der University of Chicago, wo Grafton 1975 auch promovierte, lehrte der Historiker für kurze Zeit am Department of History der Cornell University. Noch im selben Jahr erhielt er einen Ruf an die Princeton University, an der er bis heute wirkt. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Kulturgeschichte der Renaissance, der Geschichte des Buches und seiner Leser, der Geschichte der Gelehrsamkeit in Westeuropa von der Antike bis ins 19. Jahrhundert sowie der Wissenschaftsgeschichte von der Antike bis zur Renaissance.

Zu seinen zahlreichen Büchern zählt eine profunde Studie der Gelehrsamkeit des herausragenden Philologen der Spätrenaissance, Joseph Justus Scaliger, eine Darstellung der Bedeutung des Bildungsprogramms der Renaissance (From Humanism to the Humanities, 1986) sowie Studien zu dem Astrologen Girolamo Cardano (1999) und zu dem Humanisten Leon Battista Alberti (2000). Sein originellstes und zugleich zugänglichstes Werk ist „The Footnote: A curious history“ (1997; in der deutschen Übersetzung: „Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote“), eine Fallstudie zur Geschichte der Geschichtsschreibung von unten.

Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim Fellowship (1989), den Los Angeles Times Book Prize (1993), den Balzan Prize for History of Humanities (2002) sowie den Mellon Foundation’s Distinguished Achievement Award (2003). Er ist zudem Mitglied der American Philosophical Society and der British Academy.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung
Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine/n weltweit renommierte/n Forscher/in nach Frankfurt einladen. In den vergangenen vier Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen und den Berliner Theologen Christoph Markschies.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Tel. (069) 798-33313, c.wiese@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 16 2017
13:22

Internationale Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Städelschule am 19. und 20. Januar

Philosophisches Symposium zum „Wert der Kritik“

FRANKFURT. „The Value of Critique“ heißt ein zweitägiges Symposium, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und dem Institut für Kunstkritik der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main. Über den „Wert der Kritik“ diskutieren am 19. und 20. Januar 2017 in der Städelschule prominente Vertreterinnen und Vertreter einer zeitgenössischen Kritischen Theorie. Ausgangspunkte der Erörterungen sind die Vorträge von Bruno Latour (Paris), Beate Söntgen (Lüneburg), Rahel Jaeggi (Berlin) und Luc Boltanski (Paris).

Die gesamte Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Konzipiert wurde sie von Isabelle Graw, Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule, und Christoph Menke, Professor für praktische Philosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters. Teilnehmer von Seiten des Clusters sind auch deren Sprecher Rainer Forst (Politische Theorie) und Klaus Günther (Rechtsphilosophie) sowie der Philosoph Martin Seel. Den vier Vorträgen folgt jeweils eine Entgegnungs- und Kommentarrunde. Komplettiert wird das Programm durch eine Roundtable-Diskussion.

Das Symposium behandelt das Verhältnis von Kritik und Bewertung, hier vor allem im Sinne von Evaluation, als zwei Arten des Urteilens oder Beurteilens. Es geht um ihre Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Ein besonderer Fokus liegt auf Perspektiven und Potenzialen kritischen Urteilens.

Kritik, so eine philosophische Definition, ermöglicht es den Kritikübenden, sich ihres Objekts der Kritik zu bemächtigen, indem sie dessen Widersprüche oder Defizite entlarven. Kritik gilt als eine beispielhafte Strategie der Aufklärung und eine Voraussetzung für die Freiheit eines Subjekts. Im Modus der Evaluation hingegen werden die Dinge von vornherein aus einer bestimmten Perspektive betrachtet, die explizit nach dem relativen Nutzen des Bewertungsobjekts fragt. Bei einer so verstandenen Evaluation zielen die bewertenden Subjekte vor allem auf ihr eigenes Wohlergehen, beispielsweise in ökonomischer Hinsicht.

Alles in allem, so scheint es, hat die Kritik im Vergleich zur Evaluation an Boden verloren. Doch einen ersten Hinweis, dass sich Kritik und Evaluation nicht ausschließen, liefert schon die Etymologie des ursprünglich griechischen Wortes „Kritiké“, das die Unterscheidung in den Mittelpunkt stellt. Und auch die mittlerweile weitverbreitete Ansicht, wonach die transformative Kraft der Kritik ohnehin von den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen absorbiert werde, wollen die Veranstalter nicht kommentarlos hinnehmen. Untersucht wird in diesem Zusammenhang das Potenzial unterschiedlicher Kritikformen, in Bezug auf die vier Vortragenden sind dies Luc Boltanskis Modell der „Social Critique“, Bruno Latours „Critique of Critique”, Rahel Jaeggis „Internal Kritik“ und Beate Söntgens „Kulturen der Kritik“.

Das Symposium findet in der Lichthalle der Städelschule statt (Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt am Main). Die Veranstaltung ist fach- und presseöffentlich, eine Anmeldung nicht erforderlich, Reservierungen können nicht entgegengenommen werden.

Das Programm im Überblick:

19. Januar 2017
14 – 16 Uhr: „Against Critique“
Lecture: Bruno Latour
Respondents: Rainer Forst, Petra Gehring

16.30 – 18.00 Uhr: Roundtable: „Labour and Value“
Participants: Sabeth Buchmann, Isabelle Graw, Christoph Menke, John Roberts

18.30 – 20.30 Uhr „The Power of Critique“
Lecture: Beate Söntgen
Respondents: Martin Seel, Kerstin Stakemeier,

20. Januar 2017
11.00 – 13.00 Uhr: „Criticize your Life“
Lecture: Rahel Jaeggi
Respondents: Eva Geulen, Thomas Lemke

14.00 – 16.00 Uhr: „Social Critique“
Lecture: Luc Boltanski
Respondents: Juliane Rebentisch, Klaus Günther 

Informationen: Jonas Leihener, Städelschule, Künstlerischer Koordinator, Tel.: 069/605008-52, jonas.leihener@staedelschule.de, www.staedelschule.de Bernd Frye, Exzellenzcluster, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net

Sonstige

Jan 13 2017
11:22

Frankfurter Volksbank erster Geldgeber für die Kontaktpflege zu Ehemaligen der Goethe-Uni

Mehr Mittel für Alumni-Arbeit

FRANKFURT.Der Kontakt zu ehemaligen Studentinnen und Studenten, das so genannte „Networking“, hat auch an der Goethe-Universität einen wachsenden Stellenwert. Unterstützt wird die Alumni-Arbeit, die in der Abteilung Private Hochschulförderung angesiedelt ist, neuerdings von der Frankfurter Volksbank. Für die nächsten drei Jahre hat sie der Frankfurter Hochschule jeweils 20.000 Euro für diesen Zweck zugesagt.

Viele Absolventen der Goethe-Universität bleiben nach ihrem Abschluss in Frankfurt oder lassen sich in der Umgebung nieder – ein Vorteil für die Alumni-Arbeit: So ist es leichter, den Kontakt zu den Ehemaligen zu halten. Mit Angeboten wie den Alumni-Lounges bei Großveranstaltungen oder dem Alumni-Magazin „Einblick“ sorgt das zentrale Alumni-Büro der Universität dafür, dass die einstigen Studentinnen und Studenten über ihre Alma mater informiert bleiben und am Geschehen dort teilhaben können. 

Eine Initiative, die Unterstützung verdient hat, findet Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank: „Als Frankfurter Volksbank fühlen wir uns dem Wissenschaftsstandort Frankfurt und insbesondere auch der Goethe-Universität eng verbunden. Hier wird nicht nur in der Forschung wichtige wissenschaftliche Grundlagenarbeit geleistet, auch in der Lehre nimmt die Goethe-Universität eine Spitzenstellung ein. Es ist für die Hochschule wie für ihre ‚Ehemaligen‘ gleichermaßen wichtig, dass auch nach Ende des Studiums die Kontakte zwischen Absolventen und ihrer Universität erhalten bleiben. Deshalb begleiten wir das Alumni-Projekt der Goethe-Universität mit großer Sympathie.“ 

„Ich freue mich sehr darüber, dass die Frankfurter Volksbank regelmäßige Unterstützung zugesagt hat. So können wir die Alumni-Arbeit weiter stärken, die für eine Stiftungsuniversität von immenser Bedeutung ist“, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, als Vizepräsident der Goethe-Universität zuständig für den Bereich „Third Mission“. Diese neben Forschung und Lehre so genannte dritte Säule der Universität beinhaltet den regen Austausch mit der Gesellschaft.

Geben und Nehmen liegen auch in der Alumni-Arbeit nah beieinander. So engagiert sich mancher Alumnus und manche Alumna als Mentor für werdende Akademiker, hält Vorträge bei Alumni-Veranstaltungen oder bietet gar eigene Seminare an. Wichtig ist auch die finanzielle Unterstützung, die erfolgreiche Ehemalige in manchen Bereichen leisten.

Forschung

Jan 12 2017
11:13

Zahl der Lebendspenden nimmt zu/ Dank immunologischer Forschung weniger Abstoßungsreaktionen durch gezielte Prävention

Ein fast normales Leben mit der Niere des Partners

FRANKFURT. In Deutschland beträgt die Wartezeit für eine Spenderniere durchschnittlich sieben Jahre. Es besteht ein großer Mangel an postmortal gespendeten Nieren hirntoter Patienten, auf die die Mehrzahl der Empfänger auf der Warteliste angewiesen sind. Aufklärung über die Abläufe und Fakten im Organspende- und Transplantationsbereich sind wichtig, um die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung zu steigern.

Andererseits hat die sehr erfolgreiche Lebendspende zugenommen. So ist am Universitätsklinikum Frankfurt der Anteil der Lebendspenden an allen Nieren-Transplantationen 2016 von 25 auf über 40 Prozent gestiegen. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ lassen wir ein Spender-Empfänger-Paar, Tim und Claudia Pillar, sowie die betreuende Nephrologin, Prof. Ingeborg Hauser, zu Wort kommen.

Voraussetzung für eine Lebendspende ist, dass der Spender gesund ist und ihm durch die Organspende selbst keine wesentlichen gesundheitlichen Probleme entstehen. „Im ersten Gespräch konzentriere ich mich darauf, den potenziellen Spender genau über die Voruntersuchungen, die kurz- und langfristigen Risiken, die gesetzlichen Vorgaben, den Ablauf der Spende und die Erfolgsraten aufzuklären sowie über die notwendige jährliche Nachsorge nach der Spende. Zudem ist vom Gesetzgeber ein Gespräch mit einem Psychologen vorgesehen. Wichtig ist auch zu fragen, wie Spender und Empfänger reagieren würden, wenn die gespendete Niere die Funktion nicht aufnehmen würde“, erklärt Prof. Hauser.

In Dr. Tim Pillar, einem frisch pensionierten Molekularbiologen, fand sie einen gut informierten Spender, der ihr fachlich und menschlich großes Vertrauen entgegenbrachte. Mit seiner Zuversicht konnte Tim Pillar auch seine Frau, bei der wenige Monate zuvor beide Nieren versagt hatten, von dem Eingriff überzeugen. Die Großzügigkeit ihres Mannes hat Claudia Pillar tief beeindruckt und berührt: „Das ist etwas sehr Großes“.

Die Überlebensrate der Transplantate hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mehr als 90 Prozent der Spenderorgane überleben das kritische erste Jahr nach der Transplantation - bei einem Patientenüberleben von circa 98 Prozent. Außerdem sind akute Abstoßungsreaktionen heutzutage in der Regel gut behandelbar. Der Erfolg der Transplantation ist den Fortschritten in experimenteller und klinischer Forschung zu verdanken. Die Verträglichkeit eines Spenderorgans wird mithilfe der sogenannte HLA-Typisierung überprüft. Das HLA-Muster kennzeichnet die immunologische Beschaffenheit jedes Organismus. Heute kann man mit immunologischen Tests schon im Vorfeld der Transplantation spezifische HLA-Antikörper aufspüren, die gegen das Transplantat gerichtet sein können, und vorbeugende immunsuppressive Maßnahmen ergreifen. Ingeborg Hauser und ihre Gruppe haben in Zusammenarbeit mit dem HLA-Labor des Blutspendedienstes unter der Leitung von Professor Christian Seidl darüber erst kürzlich eine Studie in der Fachzeitschrift „Transplant International“ publiziert.

Das Zentrum für Nierentransplantationen am Universitätsklinikum Frankfurt ist das größte in Hessen mit cira 60-70 Nierentransplantationen pro Jahr und blickt auf eine langjährige Erfahrung zurück. Bereits 1968 wurde die erste Niere transplantiert; 1973 folgte die erste Lebendspende. Insgesamt sind bisher über 2.500 Nierentransplantationen vorgenommen worden. Einige der transplantierten Patienten aus dem Frankfurter Transplantationszentrum leben mit funktionierendem Transplantat schon mehr als 30 Jahre. Seit 2003 bietet der Funktionsbereich Nephrologie unter der Leitung von Prof. Helmut Geiger zusammen mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Leitung von Prof. Wolf Bechstein und  Oberarzt Privatdozent Guido Woeste die gleichzeitige Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Transplantation an für Typ I Diabetiker.

Seit 2006 ist auch die Lebendspende über nicht miteinander verträgliche Blutgruppen hinweg, die sogenannte ABO inkompatible Spende, möglich. Dabei wird der Empfänger mit einer Kombination aus Immunsuppression und Plasmaaustausch vorbehandelt. So werden die Blutgruppenantikörper des Empfängers gegen die fremde Blutgruppe des Lebendspenders entfernt und in ihrer Bildung unterdrückt. Die Vorbehandlung dauert in der Regel vier Wochen. Dieses therapeutische Verfahren wurde erfolgreich in ähnlicher Weise übernommen zur Desensibilisierung bei donorspezifischen HLA- Antikörpern des Lebendspendeempfängers gegen den Spender, so auch beim Ehepaar Pillar.

Im Transplantationszentrum Frankfurt wurden mittlerweile über 300 Lebendspenden durchgeführt. 2010 führte Prof. Wolf Bechstein die Schlüssellochtechnik (laparoskopische Entnahmetechnik) bei Lebendspendern ein. Mit diesem Verfahren hat er seither über 90 Lebendspendeentnahmen erfolgreich vorgenommen. Die Transplantation ist eine Teamarbeit verschiedener Kliniken und Institute. Spezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich, und auch der Patient selbst tragen gemeinsam zum Transplantationserfolg bei.

Claudia Pillar lebt seit Mai 2015 mit ihrer neuen Niere und führt ein fast normales Leben. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie im Sommer 2016 den Traum von der Rente im eigenen Haus in Südfrankreich doch noch verwirklicht.

Informationen: Prof. Dr. Ingeborg A. Hauser, Medizinischen Klinik III, Selbständiger Funktionsbereich Nephrologie, Universitätsklinikum Frankfurt, Sekretariat: Tel.: (069)6301-6668, yonca.serifovska@kgu.de.

Forschung

Jan 11 2017
11:11

Vinzenz Hediger analysiert Entwicklung von den ersten Reisefilmen bis zu den Blockbustern – Beitrag im aktuellen „Forschung Frankfurt“

Der Film als Medium des Fremden, des Eigenen und der kulturellen Indifferenz

FRANKFURT. „Der Film als mobiles Medium der Moderne produziert unablässig Erfahrungen von Eigenem und Fremdem, von Identität und Differenz“, betont der Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hediger in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt (2/2016), dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität. Zeigten die Reisefilme zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewusst die „wunderbare Differenz“ zur eigenen Wirklichkeit, wurde in der heilen Welt der Heimatfilme nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Eigene für den Konsum verfügbar gemacht. Erst die Hollywood-Blockbuster verfolgten die Strategie, das kulturell Fremde so zu minimieren, dass daraus der für alle verständliche „Dialekt der Moderne“ wurde.

Als eigenes Genre vermittelte der Film in seiner frühen Phase die Erfahrung des Naturschönen, gleichzeitig stand die Erfahrung mit dem Fremden und der kulturellen Differenz im Vordergrund. „Die Sujets umfassten das ganze Repertoire der ethnologischen Feldforschung: Handwerk, Nahrungszubereitung, Kleidungsstile, Tänze, Rituale“, so Hediger über die Dokumentationen und Reisefilme mit ethnografischen Motiven, die in Deutschland „Kulturfilme“ genannt wurden. Filme lösten ortgebundene Formen des Spektakels ab wie die legendären „Völkerschauen“ des Hamburger Zoounternehmers Hagenbeck. So griff auch Robert Flaherty in „Nanook of the North“ das Alltagsleben einer Inuit-Familie auf; er rekonstruierte aber eine Lebensform mit Kleidern und Gerätschaften, die schon längst nicht mehr in Gebrauch waren. Das Broadway-Publikum war begeistert, die Vermarktung der Nanook-Produkte von Pelzmänteln bis Speiseeis wurde ein voller Erfolg.

„Dem Film kommt aber auch die Rolle zu, das Eigene für den Konsum verfügbar zu machen. Der Heimatfilm des deutschen Nachkriegskinos ist dafür ein prägnantes Beispiel“, erläutert der Frankfurter Filmwissenschaftler. Geschichten von der Liebe im Grünen, von Brauchtum und Tradition, Wanderschaft und heilsamer Natur versichern dem Publikum ab den 1950er Jahren, dass es eine heile Welt jenseits der Trümmerlandschaften gibt. So strömten die Menschen, sobald erste Impulse des Wirtschaftswachstums zu spüren waren, in die deutschen Landschaften, noch verzaubert von seichten Heimatfilme. Diese bildeten aber schon bald die kritische Kontrastfolie für Filme der neuen deutschen Filmemacher. In seiner Film-Trilogie „Heimat“ verkehrte Edgar Reitz die beschaulich ländliche Idylle in eine vielschichtige lebendige Chronik der deutschen Geschichte vom Faschismus über das Wirtschaftswunder und bis in die 1980er Jahre.

Warum hatte Reitz‘ „Heimat“ auch international einen solchen Erfolg? Dazu Hediger: „Der erdverbundende Dichter/Denker/Musiker Hermann, der schließlich die Hauptfigur von ‚Heimat‘ wird, entspricht einer Fremdwahrnehmung Deutschlands als Land der Dichter und Denker. Bei aller kritischen Haltung verfertigt Reitz’ Kino schließlich das Eigene zum Spektakel kultureller Identität, das von einem internationalen Publikum als konsumierbare kulturelle Differenz angenommen wird.“ WährendFilme mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren aus den 1950er und 1960er Jahren die „Italianità“ feiern, die italienische Lebensart, die um Liebe und Küche kreist, macht bei „Heimat“ der Bildungsroman des tiefgründigen Künstlers den deutschen Markenkern aus.

Die Blockbuster-Erfolge des „New Hollywood“ basieren auf der gegenteiligen Strategie: Sie minimieren die kulturellen Differenzen und bieten ein Spektakel kultureller Indifferenz. „Das können sich alle zu eigen machen, ohne zuerst einen Graben des Fremden überwinden zu müssen“, sagt Hediger. Die deutsch-amerikanische Filmwissenschaftlerin Miriam Hansen hat dafür den Begriff „globaler Dialekt der Moderne“ geprägt. In Spielbergs „Jaws“ (1975), einer der ersten Blockbuster-Erfolge bedarf es – so der Frankfurter Wissenschaftler – „keiner interkulturellen Hermeneutik, um zu verstehen, dass es nicht angenehm ist, von einem weißen Hai gefressen zu werden.“ Doch wie geht das Erfolgsrezept auf, wenn Filme nicht von kulturfreien Grundängsten handeln? Dazu der Filmexperte: „Diese Filme basieren dann vorzugsweise auf Vorlagen deren kulturübergreifender Appeal schon feststeht, wie etwa den weltweit erfolgreichen Harry-Potter-Romanen.“ Damit reagieren die Hollywoodstudios auch auf die extremen Risiken des Filmgeschäfts. Die meisten Filme floppen, während 20 Prozent aller Filme 80 Prozent aller Einnahmen einspielen. Gerade weil sie kulturelle Differenzen herunterspielen, haben Blockbuster-Filme dabei die besten Aussichten, zu den wenigen großen Gewinnern zu zählen.

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Campus Westend, Tel. 069/798- 32079, E-Mail: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 10 2017
11:20

Nächster Vortrag in der Reihe „Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Zur Evolution der menschlichen Hautfarbe

FRANKFURT. Die menschlichen Hautfarben faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Die unterschiedlichen Pigmentierungen zeigen, wie sich die Haut anpasst hat, um das Eindringen von UV-Strahlung zu regulieren. Die Evolution der menschlichen Hautfarbe ist ein gutes Beispiel für einen evolutionären Kompromiss. Sie belegt auch, wie Evolution durch natürliche Selektion vorangetrieben wird und den menschlichen Körper beeinflusst. Mit diesem Thema beschäftigt sich Nina Jablonski, seit 2006 Professorin für Anthropologie an der Pennsylvania State University, in ihrem Vortrag „The Skin of Homo sapiens: The evolution of our Interface with the World“, den sie erhält

am 18. Januar (Mittwoch) um 19.30 Uhr,
im Hörsaal, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Georg-Voigt-Straße 14.

Der Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

In der Geschichte des Homo sapiens ist die Pigmentierung der Haut ein sich stets wandelndes Merkmal, ähnliche Hautfarben haben sich unter ähnlichen Umweltbedingungen oft auch mehrfach verändert. Dies zeigt – so Jablonski, dass die Verwendung der Hautfarbe für eine Klassifizierung des Menschen nicht geeignet ist, und dass die soziale Bedeutung, die der Hautfarbe noch immer beigemessen wird, keine wissenschaftlichen Grundlagen hat.

Nina Jablonski, geb. 1953, wechselte nach einem Bachelor im Fach Biologie in Pennsylvania für den Master an die University of Washington, um dort Anthropologie zu studieren und das aufkeimende Fachgebiet molekulare Evolution mit der Anthropologie zu verbinden. Nach der Promotion lehrte sie gut zehn Jahre an der Universität Hongkong, bevor sie nach einigen Jahren an der University of Western Australia, wo sie sich der Evolution des aufrechten Ganges und der Hautfarben zuwandte, einen Lehrstuhl an der California Academy of Sciences in San Francisco antrat und dann 2006 einen Ruf nach Pennsylvania bekam. Bis heute erforscht sie, wie Umweltveränderungen die Entwicklung von Altwelt-Primaten und Menschen beeinflussen. Neben ihrer Forschung engagiert sich die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin für die Verbreitung des Wissens über die Evolution des Menschen an wissenschaftliche Laien.

In der gesamten Vortragsreihe berichten international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die atemberaubenden Fortschritte, die sich in allen die Evolution des Menschen betreffenden Disziplinen abzeichnen. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

25. Januar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand
Prof. Dr. Nicholas J. Conard, Eberhard Karls Universität Tübingen
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität 

8. Februar 2017, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität

15. Februar 2017, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
PD Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau
Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim

Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, bis auf die abschließende Podiumsdiskussion, die um 19 Uhr startet.

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

Forschung

Jan 9 2017
11:54

Checkpoint-Inhibitoren machen Krebszellen für das Immunsystem sichtbar

Krebs: Länger leben mit Immuntherapie

FRANKFURT.  Seit einigen Jahren entwickeln Krebsforscher Therapien, die nicht die eigentlichen Tumorzellen angreifen, sondern sich gegen die Zellen in der Tumorumgebung richten. Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren stellen nach Ansicht vieler Forscher den ersten echten Durchbruch in der Therapie fortgeschrittener Tumorerkrankungen dar. Prof. Florian Greten und Prof. Jörg Trojan berichten in der aktuellen Ausgabe des Magazins Forschung Frankfurt der Goethe-Universität über den aktuellen Stand der Forschung.

Ein zentraler Ansatzpunkt der Immunonkologie sind die Kontrollpunkte des Immunsystems (Checkpoints) auf der Oberfläche von T-Zellen. Diese Zellen greifen Krebszellen direkt an und koordinieren die Abwehrreaktion der anderen Immunzellen. Andererseits verhindern sie auch überschießende Immunreaktionen. Das geschieht über die Aktvierung von Kontrollpunkten.

1996 entdeckte der amerikanische Immunologe James P. Allison mit seinem Team, dass Krebszellen die Immunabwehr ausschalten, indem sie einen bestimmten Kontrollpunkt, den Rezeptor CTLA-4, aktivieren. Das war eine bahnbrechende Entdeckung. Inzwischen sind mehrere solcher Checkpoints entdeckt worden und einige, wie der Rezeptor PD-1, lassen sich durch Medikamente gezielt blockieren. So kann das Immunsystem die Tumorzellen wieder erkennen und vernichten. Als Nebenwirkung dieser Medikamente können überschießende Immunreaktionen auftreten.

Als erstes Medikament dieser neuen Wirkstoffklasse wurde 2011 der CTLA-4-Immuncheckpoint-Inhibitor Ipilimumab beim metastasierten Melanom (schwarzem Hautkrebs) zugelassen. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte damit auf bis zu 13,5 Monate verlängert werden, verglichen mit etwa 9 Monaten unter einer Standardchemotherapie mit Dacarbazin. Wichtiger noch ist der deutlich höhere Anteil an Patienten mit einem Langzeitüberleben nach Ipilimumab-Therapie.

Die zweite Substanz, die mittlerweile zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Melanom, vorbehandeltem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom und vorbehandeltem Nierenzellkarzinom zugelassen wurde, ist der PD-1-Inhibitor Nivolumab. Er weist deutlich weniger immunvermittelte Nebenwirkungen als Ipilimumab auf. Im Vergleich zu einer Therapie mit Dacarbazin kann bei Patienten mit metastasiertem Melanom das 1-Jahresüberleben von 42 auf 73 Prozent fast verdoppelt werden.

Durch die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab lässt sich das therapeutische Ansprechen und das Überleben ohne weiteres Fortschreiten der Erkrankung sogar noch weiter erhöhen. „Was bislang für nicht möglich gehalten wurde, nämlich ein komplettes Verschwinden des Tumors, scheint für einen kleinen Teil der Patienten möglich zu sein“, erklärt Jörg Trojan, Professor für gastrointestinale Onkologie am Universitätsklinikum der Goethe-Universität. „Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen, die jedoch in der Regel gut beherrschbar sind, treten unter der Kombinationsbehandlung bei bis zu 55 Prozent der Patienten auf“, so Trojan weiter.

Ein weiterer PD-1-Blocker für die Therapie von Patienten mit metastasiertem Melanom mit vergleichbar wenig Nebenwirkungen ist Pembrolizumab. Das Medikament wird in Kürze ebenfalls für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms, ein sehr seltenes neuroendokrines Karzinom der Haut, zugelassen. Ebenso dürfen vorbehandelte Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom mit der Substanz behandelt werden.

Sowohl Nivolumab und Pembrolizumab als auch die PD-L1 Blocker Atezolizumab und Avelumab werden aktuell bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen untersucht, unter anderem bei Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom. Von großem klinischem Interesse ist es, verschiedene Immuncheckpoints beziehungsweise Signalwege, die für die Modulation der Immunantwort relevant sind, gleichzeitig zu hemmen. Als wichtige Zielstrukturen werden derzeit Substanzen untersucht, die weitere inhibitorische T-Zell-Rezeptoren blockieren oder aktivierende T-Zell-Rezeptoren stimulieren können.

„Durch die Einführung der etablierten Immuncheckpoint-Inhibitoren sowie durch verschiedene immuntherapeutische Kombinationsbehandlungen ist zu erwarten, dass sich die Therapie bei einer Vielzahl von bisher nur schwer beziehungsweise zeitlich begrenzt behandelbaren fortgeschrittenen Tumorerkrankungen deutlich verbessern wird“, erwartet Prof. Florian Greten, Leiter des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie in Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Jörg Trojan, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069)-6301-7860, trojan@em.uni-frankfurt.de.

Prof. Dr. Florian Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie, Tel.: (069) 63395-183, Greten@gsh.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 6 2017
10:20

Schülerinnen und Schüler können auf der Veranstaltung „MainStudy“ am 18. und 19. Januar die Goethe-Universität kennenlernen

Uni-Luft schnuppern

FRANKFURT.Bald ist es wieder so weit: Tausende von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufen und der Fachoberschulen werden die Goethe-Universität im Januar zur „MainStudy“ besuchen. Dabei erwartet sie ein vielfältiges Programm aus Vorträgen zu Studiengängen, Campusführungen, Präsentationen von beliebten Berufsbildern und deren Zugangsmöglichkeiten und vieles mehr.

Veranstaltungsorte sind am 18. Januar der Campus Westend mit der Vorstellung der geistes-, gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer und am 19. Januar  der Campus Riedberg mit der Vorstellung der Naturwissenschaften.

Zusätzlich zu den allgemeinen Programmpunkten präsentieren sich die einzelnen Fächer und Institute durch Infostände, Führungen, Experimente und Gesprächsrunden mit Studierenden. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Universität intensiver zu erkunden und vielleicht auch schon den ersten Kontakt zu Studierenden oder Professoren des Wunschfaches aufzunehmen.

Die Angebote der Bundesagentur für Arbeit runden die beiden Tage mit zahlreichen Vorträgen zur Berufspraxis und übergreifenden Themen zu Entscheidungsfindung und Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abitur und Studium ab.

Eingebettet sind die beiden Veranstaltungstage an der Goethe-Universität in die insgesamt viertägige Veranstaltung „MainStudy“ der Hochschulen der Region Frankfurt vom 16. bis 19. Januar. Neben der Goethe-Universität sind als Gastgeber mit dabei die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen und die Hochschule für Gestaltung Offenbach.

Schülerinnen und Schüler und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Goethe-Universität zur „MainStudy“ zu besuchen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: http://www.mainstudy.uni-frankfurt.de

Informationen: Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-18485; kummert@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 5 2017
11:31

Forscher der Goethe-Universität finden Biomarker zur individuelleren Therapie

Leukämie besser behandeln

FRANKFURT.Forscher der Goethe-Universität haben herausgefunden, warum die Standardbehandlung bei aggressivem Blutkrebs oft nicht wirkt: Sie entdeckten nicht nur einen Biomarker, der auf die Wirksamkeit der Medikamente verweist, sondern auch einen Ansatzpunkt für neue Therapien.

Bislang war es unmöglich vorherzusagen, welche Patienten, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) leiden, auf die Cytarabin-basierte Standardchemotherapie ansprechen werden – und welche nicht. Deshalb erhalten alle Patienten dieselbe Therapie, obwohl nur ein Teil von der mit erheblichen Nebenwirkungen verbundenen Behandlung profitieren wird. Forscher der Goethe-Universität haben nun einen neuen Biomarker entdeckt, mit dessen Hilfe Patienten, die auf die Therapie ansprechen werden, mit hoher Genauigkeit identifiziert werden können. Darüber hinaus eröffnen die Ergebnisse neue Möglichkeiten zur Behandlung von Leukämiepatienten, für die gegenwärtig keine geeignete Therapie zur Verfügung steht.

Der Wirkstoff Cytarabin bildet das Rückgrat von Chemotherapien zur Behandlung der AML. In Krebszellen wird Cytarabin durch die Bindung von Phosphatgruppen aktiviert. In seiner von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder geförderten Arbeitsgruppe untersuchte Prof. Jindrich Cinatl (Institut für Medizinische Virologie, Goethe-Universität, kommissarischer Direktor: Prof Volkhard Kempf) Cytarabin-resistente AML-Zellen aus der Resistant Cancer Cell Line (RCCL) collection (www.kent.ac.uk/stms/cmp/RCCL/RCCLabout.html), die er gemeinsam mit Prof. Martin Michaelis (University of Kent, Canterbury, UK) betreibt. Dabei entdeckte Prof. Cinatl, dass die Toxizität von Cytarabin gegenüber AML Zellen mit der Konzentration des zellulären Enzyms SAMHD1 korreliert, was ermöglicht die Empfindlichkeit von AML-Zellen gegenüber Cytarabin vorherzusagen.

Basierend auf diesem initialen Befund zeigte in der Folge ein Konsortium, das von Prof. Cinatl gemeinsam mit Prof. Oliver Keppler (der während der Studie vom Institut für Medizinische Virologie der Goethe-Universität an die Ludwig-Maximilians-Universität München wechselte) geleitet wurde, dass das Enzym SAMHD1 Phosphatgruppen von der aktivierten Form von Cytarabin abspaltet und Cytarabin wieder in seine inaktive Form überführt. In einer Zusammenarbeit mit Klinikern  (geleitet von Prof. Hubert Serve, Medizinische Klinik II, Goethe-Universität) wurde gezeigt, dass die in Leukämiezellen gefundenen SAMHD1-Konzentrationen auch ermöglichten, AML-Patienten, die von Cytarabin-basierten Chemotherapien profitieren, klinisch mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Damit ist SAMHD1 ein neuer klinischer Biomarker, der es ermöglicht, Cytarabin-basierte Therapien gezielt für AML-Patienten zu verwenden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Behandlung ansprechen werden, und Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ansprechen werden, die toxischen Nebenwirkungen zu ersparen. Darüber hinaus zeigte die von Frankfurter Forschern geleitete Arbeitsgruppe, dass die Hemmung von SAMHD1 AML-Zellen zu Cytarabin sensibilisiert, was neue Therapiemöglichkeiten für Leukämiepatienten eröffnet, für die es zurzeit noch keine wirksamen Behandlungen gibt.

Die Ergebnisse wurden am 19. Dezember 2016 in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht und sind unter der folgenden Webadresse zu finden:

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.4255.html

Informationen: Prof Dr Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie, E-Mail: Cinatl@em.uni-frankfurt.de, Tel. +49 (0)69 6301 6409

Forschung

Jan 5 2017
11:28

Schizophrenie beruht auf gestörter Informationsverarbeitung im Gehirn

Wenn fremde Stimmen das Kommando übernehmen

FRANKFURT. Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert: Die Symptome von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung sind für Außenstehende befremdlich. Wie der Psychiater Dr. Robert Bittner in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität erklärt, beruht die Verwechslung von „eigen“ und „fremd“ auf verschiedenen Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Schizophrene Psychosen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie manifestieren sich typischerweise in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter und haben für die Betroffenen gravierende psychosoziale Folgen. Zudem gehören sie zu den Erkrankungen mit den höchsten direkten und indirekten Behandlungskosten. Zu den Symptomen zählen Wahnideen, Halluzinationen, Ich-Störungen und formale Denkstörungen. Der Krankheitsverlauf ist in vielen Fällen durch wiederkehrende akute psychotische Episoden gekennzeichnet. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen diese Phänomene während akuter Phasen unbeirrbar für real halten.

Bislang ist die Pathophysiologie schizophrener Psychosen nur teilweise verstanden. Deswegen gibt es lediglich Therapien, welche die Symptome bessern. „Die  Stigmatisierung der Erkrankung ist weit verbreitet. Sie vergrößert das subjektive Leid der Betroffenen, stellt aber auch ein zusätzliches Hindernis für die Behandlung dar“, bedauert Dr. Robert Bittner von der Klinik fürPsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt.

Bittner erforscht seit vielen Jahren, was im Gehirn von Menschen mit schizophrenen Psychosen falsch läuft. Inzwischen belegen eine Vielzahl von Studien mit bildgebenden Verfahren und an den Gehirnen Verstorbener, dass die Verbindungen von Nervenzellen im Gehirn und deren Kommunikation untereinander bei schizophrenen Psychosen grundlegend gestört sind. Bei schizophrenen Patienten werden offenbar zu viele Nervenverbindungen während der Jugend abgebaut, was auch zu kognitiven Störungen führt.

Typische Wahnsymptome wie Beziehungsideen, bei denen die Betroffenen vollkommen alltägliche und für sie eigentlich bedeutungslose Ereignisse auf sich beziehen, erklärt die Forschung inzwischen durch die übermäßige Ausschüttung von Dopamin. Sie führt dazu, dass äußere Reize in ihrer Bedeutung überbewertet werden. Beispielsweise haben schizophrene Patienten den Eindruck, fremde Leute, denen sie auf der Straße begegnen, sähen sie bedeutungsvoll an oder redeten untereinander über sie, als wüssten sie Dinge aus ihrem Privatleben. Ähnliches gilt auch für die Wahnwahrnehmung, bei der Betroffene meinen, es würden ihnen beispielsweise durch Schilder oder Plakate persönliche Botschaften übermittelt. Diese Überbewertung von bekannten oder irrelevanten Reizen kann man inzwischen gut medikamentös behandeln, indem man die übermäßige Wirkung von Dopamin blockiert.

Schließlich erklärt die Forschung Symptome wie Stimmenhören oder das Gefühl, „ferngesteuert“ zu werden, durch die Fehlregulation einer Gehirnfunktion, die es gesunden Menschen ermöglicht, zwischen inneren und äußeren Sinnesreizen zu unterscheiden. Wenn wir beispielsweise ein Geräusch selbst erzeugen, werden Gehirnareale, die akustische Signale verarbeiten, mithilfe sogenannter Efferenzkopien darüber informiert. Werden Efferenzkopien innerer Sprache fehlerhaft weitergeleitet, können wir nicht mehr unterscheiden, ob Stimmen von innen oder außen kommen.

Mit dem Erklärungsmodell der Informationsverarbeitungsstörung können Psychiater also die fremdartig oder bizarr anmutenden psychotischen Symptome der Schizophrenie zunehmend erklären. Das hilft nicht nur bei der Entwicklung neuer Therapien, sondern erleichtert es auch, den Betroffenen die Ursache ihrer Erkrankung zu erklären. „Schwererkrankte leugnen zwar den Krankheitswert ihrer psychotischen Symptome, sind sich in vielen Fällen aber ihrer kognitiven Defizite bewusst. Indem man ihnen diese Defizite neurobiologisch erklärt, kann man erfahrungsgemäß am besten ein Krankheitsverständnis aufbauen“, so Bittner.

Dies gelte auch für den Umgang mit den Angehörigen, bei denen in der Regel eine große Unsicherheit im Umgang mit den Erkrankten und ein großer Informationsbedarf herrschten. Indem die Angehörigen einbezogen und deren Ressourcen und Kompetenzen gestärkt werden, erhalten die Betroffenen wichtige Unterstützung, was längerfristig zu einem günstigeren Krankheitsverlauf führt. Bittner hofft, dass dieses Modell auch der Öffentlichkeit ein klareres Bild schizophrener Psychosen vermittelt und dadurch der Stigmatisierung der Erkrankung entgegenwirkt.

Informationen: Dr. Robert Bittner, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt, Tel.: (069)-6301-84713, Robert.Bittner@kgu.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 5 2017
11:24

Vorlesungen der Schriftstellerin starten am 10. Januar an der Goethe-Universität

Ulrike Draesner übernimmt Frankfurter Poetikdozentur

FRANKFURT. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner übernimmt die Stiftungsgastdozentur für Poetik an der Goethe-Universität im Wintersemester 2016/17. In den fünf Vorlesungen mit dem Titel „Grammatik der Gespenster“ wird Draesner über Grundlagen und Bedingungen ihres literarischen Schaffens sprechen. Die Frankfurter Poetikvorlesungen werden wieder begleitet von einer Ausstellung im „Fenster zur Stadt“, vom Literaturarchiv an der Goethe-Universität kuratiert. Zusätzlich liest Ulrike Draesner im Rahmen der „Poetik-Gespensternacht“ im Frankfurter Literaturhaus.

Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2016/17:
Ulrike Draesner - „Grammatik der Gespenster“.

Jeweils dienstags am 10., 17., 24. und 31. Januar sowie am 7. Februar.
Beginn: 18 Uhr c.t. Campus Westend, Audimax (Hörsaalzentrum HZ 1&2). Eintritt ist frei.
Begleitausstellung ab dem 11. Januar im „Fenster zur Stadt (Restaurant Margarete, Braubachstraße).
„Poetik-Gespensternacht“ mit Ulrike Draesner. 23. Januar, Frankfurter Literaturhaus.

Die heute in Berlin lebende Romanautorin, Lyrikerin, Essayistin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Draesner veröffentlichte im Jahre 1995 ihr erstes Buch, den Gedichtband „gedächtnisschleifen“. Draesners Werk zeichnet eine große Vielseitigkeit aus: So gehören neben Essays, intermedialen Arbeiten und so genannten „Radikal-Übersetzungen“ auch Erzählbände und literarische Interpretationen dazu. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie unter anderem den Preis der Literaturhäuser (2002), den Droste-Preis der Stadt Meersburg (2006) und den Joachim-Ringelnatz-Preis (2014). 2016 wurde sie mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Im Interview mit dem UniReport hat Draesner das Konzept ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen erläutert: Sie möchte „mit Hilfe unterschiedlichster literarischer Beispiele danach fragen, was wir durch Literatur erfahren oder wissen können.“ Ihre Vorlesungen stehen laut Draesner „im Zeichen einer Frage: Wie schreiben wir Leben? Was life writing heißt – in Novellen, im Roman, im Essay in Gedichten und in Übersetzungen – möchte ich gemeinsam mit dem Publikum erkunden.“

Draesner setzt die erfolgreiche Geschichte der Frankfurter Poetikvorlesungen fort: Diese beginnt 1959 mit Ingeborg Bachmanns „Fragen zeitgenössischer Dichtung“. Seitdem folgten die einflussreichsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dem Ruf an die Goethe-Universität. In den vergangenen Semestern konnten u.a. Clemens Meyer, Marcel Beyer und Katja Lange-Müller als Dozenten gewonnen werden.

Interview mit Ulrike Draesner im aktuellen UniReport: http://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/ulrike-draesner-wird-neue-frankfurter-poetikdozentin 

Kontakt: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Geschäftsführung Frankfurter Poetikvorlesungen, Goethe-Universität; Esther Delp, M.A.; Tel. (069) 798-32855; delp@lingua.uni-frankfurt.de; www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 3 2017
12:30

Der Umgang mit Fremdwörtern sagt viel über nationale Befindlichkeiten – Beitrag in „Forschung Frankfurt“

Seismograph der Sprachgemeinschaft

FRANKFURT.Fremdwörter gehören zum Sprachwandel. Immer wieder hat es in der Sprachgeschichte Wellen fremdsprachiger Einflüsse gegeben, und immer wieder treten als Reaktion darauf die Fremdwortgegner auf den Plan. Ein Beitrag der Sprachwissenschaftlerin Dr. Anke Sauter in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ widmet sich dem Verhältnis der Deutschen zu ihren Fremdwörtern.

Auch Wörter wandern ein – so die Wahrnehmung mancher Fremdwortgegner. Wenn man schon zu Metaphern greift, müsste man jedoch eher sagen: Die Wörter werden importiert. Denn es ist die Sprachgemeinschaft, die aktiv und aus freien Stücken Bestandteile fremder Sprachen in die eigene Sprache übernimmt. Warum sie das tut, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Teil der Fremdwörter bleibt und wird zum wesentlichen Element des Sprachwandels.

Wein, Öl, Fenster – zusammen mit Kultur und Fertigkeiten, die sich aus dem römischen Reich in der damaligen Welt verbreiteten, kamen auch die Bezeichnungen in die europäischen Sprachen. Viele sind als Fremdwörter kaum noch zu erkennen, haben sich der sprachlichen Umgebung vollkommen angepasst. Aber auch losgelöst davon sind das Griechische und das Lateinische, das ja bis in die Neuzeit die Sprache der Wissenschaft geblieben ist, ein wichtiger Quell für Entlehnungen: Bis heute wird man dort fündig, wenn es darum geht, neue Sachverhalte und Dinge zu benennen, man denke etwa Wortbildungen mit neo- oder pseudo- oder inter-.

In der so genannten Alamode-Zeit des 17. Jahrhunderts wurden etliche Wörter aus dem Französischen entlehnt. Kein Wunder: Der Einfluss Frankreichs war in der Zeit des Absolutismus so groß, dass an europäischen Höfen bevorzugt Französisch gesprochen wurde. Da wollte auch das Bürgertum mithalten. Heute hat das Englische den größten Impact. Spätestens seit 1945 gilt es als progressiv, modern, cool. Es reicht schon, wenn Wörter nur scheinbar aus dem Englischen stammen, um von der Sprachgemeinschaft akzeptiert zu werden – gängiges Beispiel hierfür ist das Wort Handy, das in der Bedeutung „Mobiltelefon“ im Englischen nicht existiert.

In der Vergangenheit wurde immer wieder über die „Reinheit“ der Sprache reflektiert, kreative Köpfe bemühten sich um „Verdeutschungen“. Im 16. Jahrhundert trug Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung dazu bei, die deutsche Sprache zu einem tauglichen Instrument der Kommunikation zu machen, später dann ging es um die Etablierung einer einheitlichen Nationalsprache. Besonders im Vorfeld der Befreiungskriege spielte Patriotismus als Motivation eine wichtige Rolle – ebenso wie bei den Sprachreinigern, die sich während und nach dem Ersten Weltkrieg engagierten und eine Art Stellvertreterkrieg auf sprachlicher Ebene führten. Einer von ihnen war Eduard Engel, der bis heute zu Unrecht vielen nur als schriller Fremdwortgegner bekannt ist. Seit 1945 hält sich die Sprachwissenschaft zurück, dafür formiert sich auf anderer Ebene wieder Fremdwortkritik. Im Fadenkreuz diesmal: vor allem die Anglizismen.

Informationen: Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin, Abteilung PR und Kommunikation, Tel. 069 798-12477, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

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Forschung

Dez 21 2016
11:07

Frankfurter Ethnologen und Soziologen über ihre Erfahrungen mit dem kulturell Fremden

Häufig zu beobachten: Das Eigene überhöhen, das Andere abwerten

FRANKFURT. Ethnologen und Soziologen befassen sich seit dem 19. Jahrhundert mit dem sozial und kulturell Fremden. Als „teilnehmende Beobachter“ und „Feldforscher“ versuchen sie sich – als eine Art Zuwanderer auf Zeit – mit einer anderen Lebensform vertraut zu machen und ihren Charakter zu begreifen. Zu welchen Einsichten gelangen sie dabei? Darüber und vor allem über ihre eigenen Erfahrungen sprach der Philosoph und Publizist Dr. Rolf Wiggershaus in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (2/2016) mit fünf Frankfurter Professorinnen und Professoren: den Ethnologen Mamadou Diawara und Hans Peter Hahn, Karl-Heinz Kohl und der Ethnologin Susanne Schröter sowie der Soziologin Kira Kosnick.

Blickt man auf den Sprachgebrauch, so scheint klar: Wer sich vor dem Fremdem verschließt, bleibt oder wird eigen. Und das bedeutet: absonderlich, starrsinnig, erfahrungsresistent. Xenophobie und Ethnozentrismus gibt es nicht nur heutzutage bei Alteingesessenen, die mit Migranten nichts zu tun haben wollen, weil sie darin eine Gefahr für ihre Identität sehen. Auch die europäischen Kolonisatoren kamen nach Amerika und Afrika als Eroberer  und nicht, um mit den dort lebenden Völkern in einen beide Seiten bereichernden Kontakt zu treten. Das Verhältnis zum Fremden und zu Fremden ist kompliziert und changiert zwischen Furcht und Faszination, Verachtung und Idealisierung, Abwehr und Verlangen.

Hans Peter Hahn erinnert daran, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Fremden als „ein Bastard aus Exotismus und Kolonialismus“ entstand. Die weitgehend risikolose Erforschung außereuropäischer Einheimischer durch die ihnen fremden europäischen Forscher war nur durch eine Art „kolonialen Frieden“ möglich, in dem Missionare, Händler und Kolonialbeamte die Situation unter Kontrolle hatten. Die Exotik – das Betonen von Besonderheiten und das Ausmalen des  Fremdartigen – unterstrich das hierarchische Gefälle zwischen der Zivilisation der Kolonisatoren und den Kulturen der Eingeborenen, steigerte die ambivalenten Gefühle von Lust und Angst und sicherte der Ethnologie einen eigenen Gegenstandsbereich.

„Othering“ – abgeleitet vom englischen „other“ – wurde zur Bezeichnung für einen Vorgang, der, so Hahn, „den anderen zum Anderen macht und ihn ganz in seiner Andersartigkeit verortet und damit die gesellschaftliche oder kulturelle Distanz zementiert“. Pauschal verwendet kann der Othering-Vorwurf zum Mittel werden, sich jeglichen Blick von außen zu verbitten. Ohne den aber, so Karl-Heinz Kohl, bleibt man in der Selbstverständlichkeit der eigenen Kultur befangen. Das Ideal wäre deshalb eine „relationale Fremdheit“. Er selbst praktizierte in den 1980er Jahren als nahezu klassischer Feldforscher auf einer ostindonesischen Insel das Eintauchen in eine fremde Kultur bis hin zum (Fast-)-Mitgerissenwerden bei Tieropfern während eines großen Festes. Heute beobachtet er im eigenen Land mit Sorge einen gegenseitigen Abgrenzungsprozess. Einerseits wird das Multikulti-Narrativ seitens der Zuwanderer inzwischen ernst genommen und kulturelle Andersheit selbstbewusst und sichtbar demonstriert. Andererseits wird auf Migrationsbewegungen von immer mehr Einheimischen immer offener mit Fremdenfeindlichkeit reagiert.

Susanne Schröter erlebte 1983 in Sri Lanka den Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen der singhalesischen Mehrheit und der teilweise aus Indien stammenden tamilischen Minderheit. Sie war erschüttert über die vorbehaltlose Zustimmung ihrer singhalesischen Gastgeber zu den Massakern an Tamilen, erfuhr dann aber auch von tamilischen Racheaktionen, denen Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Zu einem Schlüsselproblem wurde für sie, wie man der transkulturellen Tendenz zur Überhöhung des Eigenen und Abwertung des Anderen entgegenwirken kann. Mamadou Diawara, aus Mali stammend, versteht sich als Brückenbauer zwischen Afrika und westlicher Welt, zwischen lokaler Tradition und globaler Moderne. In einer globalisierten Welt ist es gleichzeitig ökonomisch nötiger und praktisch schwieriger geworden, in jungen Jahren in die Ferne aufzubrechen, um sich dort zu bewähren und schließlich zur Verbesserung der Verhältnisse in der Herkunftswelt beizutragen.

Als einen Ort der erwünschten Begegnung mit Unbekannten, Fremden hat Kira Kosnick Ethnoclubs ausgemacht. Sie bilden seit einiger Zeit einen Bestandteil urbanen Nachtlebens in europäischen Großstädten. Gerade für junge Leute mit Migrationshintergrund können Clubszenen zur Probebühne für das Experimentieren mit kulturellen Normen werden. So kann beispielsweise eine junge türkische Frau zu ihrer Musik tanzen, ohne befürchten zu müssen, von Männern sexuell belästigt zu werden.

Der richtige Umgang mit Fremden und Fremdem, das zeigen die Gespräche, ist eine wahre Kunst und verlangt Menschen viel ab. Diese Kunst ist zugleich nötiger denn je auf einem immer enger werdenden Planeten, auf dem Menschen sich immer weniger aus dem Weg gehen können und Schmelztiegel-Gesellschaften zur dominierenden Realität werden. Nur wenn für Möglichkeiten zur Begegnung von Einheimischen und Migranten gesorgt ist, kann es zu Prozessen gegenseitigen  Kennenlernens und Lernens kommen statt zu gegenseitiger Abgrenzung und Dämonisierung.

Informationen: Dr. Rolf Wiggershaus, Tel. (06173) 6 77 31, E-Mail: wiggersh.r@t-online.de; Prof. Dr. Mamadou Diawara, Institut für Ethnologie, (069)798-33055, E-Mail: M.Diawara@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, (069)798- 33072; E-Mail: hans.hahn@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl, , Institut für Ethnologie, (069)798- 33053; E-Mail: k.kohl@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Susanne Schröter, Institut für Ethnologie, (069)798- 33063; E-Mail: S.Schroeter@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Kira Kosnick, Institut für Soziologie, Tel. (069)798- 36582, E-Mail: kosnick@em.uni-frankfurt.de

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Forschung

Dez 19 2016
12:18

Historiker Johannes Fried in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ über die Identität der Deutschen – Altphilologe Thomas Paulsen über Tacitus‘ Blick auf die antiken Germanen

„Der deutsche Ursprung liegt im Fremden“

FRANKFURT. Die Deutschen traten „sich selbst immer ein wenig fremd gegenüber“, schreibt der Mittelalter-Historiker Johannes Fried in seinem Buch „Die Anfänge der Deutschen“. Das viel beachtete Werk, das nach 20 Jahren in einer Neuausgabe vorliegt, lässt sich mittlerweile auch als Kommentar zur Diskussion um die angebliche Bedrohung „eigener“ Werte lesen. „Ich muss entschieden bestreiten, dass es diese überhaupt gibt!“, widerspricht Fried in der jüngsten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2016). Es gebe viele Werte, die auch bei den Deutschen zu Hause seien. „Aber es gibt keine deutschen Werte.“ Als durchaus „wissbegierige Barbaren“, so der emeritierte Professor der Goethe-Universität in dem Interview mit dem Journalisten Bernd Frye, seien die Deutschen erst spät in ihr nationales Dasein „geschlittert“.

Das Wissenschaftsmagazin der Frankfurter Universität widmet sich aktuell dem Thema „Fremd und Eigen“ – aus naturwissenschaftlicher, medizinischer, soziologischer und auch historischer Perspektive. Wenn die heutigen Deutschen die Wurzeln ihrer nationalen Eigen- und auch Einheit bei den „alten Germanen“ suchen, seien sie jedoch, so Fried, auf der falschen Fährte. Ebenso falsch sei es, im Jahr 9 nach Christus die „Geburt der Deutschen“ zu sehen, wie Medien hierzulande anlässlich des 2000. Jahrestages der sogenannten Varusschlacht titelten. Im Germanien der Römerzeit gab es viele verschiedene Völkerschaften mit jeweils eigenem Identitätsbewusstsein und Selbstverständnis. „Sie sprachen zwar verwandte Sprachen, aber sind deswegen noch lange kein gemeinsames Volk gewesen.“

Ein weiteres „Jubiläum“ dieser Art hätte man ganz aktuell feiern können. Vor 2000 Jahren, im Jahr 16, verzichteten die Römer nach erneuten schweren Rückschlägen für immer auf die Eroberung Germaniens. Ist da etwa ein Jubiläum verschwitzt worden? „Nein, wir haben kein Jubiläum verschwitzt, sondern allenfalls ein trauriges Ereignis zu beklagen“, so Fried. Die Römer hätten die Region zwischen Rhein und Elbe seitdem „nicht mehr für ihre eigene Zivilisation fruchtbar werden lassen. Das ist für die künftige deutsche Geschichte von großer Bedeutung.“ Der kulturelle Einschnitt bezog nicht zuletzt auf die Sprache: „Die Hochzivilisation bedurfte des Lateins als der lingua franca dieser Welt.“

Die Sprache ist ein Dreh- und Angelpunkt der deutschen Ethnogenese – und das gilt auch für den Namen des werdenden Volkes. „Deutsch“ bedeutet in der althochdeutschen Version „theodisk“ zunächst soviel wie „zum Volk gehörig“ oder auch „in der Sprache des Volkes“. Schritt für Schritt zum Eigennamen für ein ganzes Volk wurde „deutsch“ und „die Deutschen“ seit den Italienfeldzügen, beginnend mit Otto dem Großen im 10. Jahrhundert. Um den fremden Völkerschaften, die über die Alpen nach Rom zogen, einen gemeinsamen Namen zu geben, griffen die Italiener das Wort „theodisk“ auf – und sind, von geringen sprachlichen Verschleifungen abgesehen, auch eintausend Jahre später dabei geblieben, „i tedeschi“.

Fried betont, dass sich die deutschen Völker erst als Heer in Italien als Deutsche begriffen hätten. Doch das war ein zeitlich und örtlich begrenztes Phänomen: „Sie verstehen sich nur in Italien als einheitliche Gruppe und bringen von dort diesen Einheitsnamen mit. Aber sobald sie zu Hause sind, bleiben sie die Bayern und die Franken und die Sachsen. Sie haben ihre eigene Heimat, ihre eigene politische Elite und vor allen Dingen ihr eigenes Recht.“ Die Eigenheiten der einzelnen Völker äußerten sich auch in ihren jeweils eigenen Sagen und Mythen, in denen sie sich übrigens alle als Einwanderer aus der Fremde sahen: „Die Franken hielten sich für Enkel der Trojaner, und die Schwaben kamen einst in großer Zahl übers Meer gefahren. Bei den Bayern gibt es verschiedene Abstammungssagen; sie kamen aus dem heutigen Armenien oder aus Sibirien.“

Ein gemeinsames Abstammungsnarrativ bietet dann die im 15. Jahrhundert wiederentdeckte Schrift „Germania“ des römischen Historikers Tacitus, die wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert stammt. Eine Hauptthese besagt, dass die Germanen eine Art Urvolk sind und einen gemeinsamen Stammvater haben. „Jetzt gilt als gewiss: Germanisch ist deutsch, allenfalls eine ältere Variante desselben. Und das bedeutet dann natürlich einen Schub für Nationalisierungs-Phänomene“. Diese sollten, so Fried, noch lange Zeit anhalten.

Sein Buch „Die Anfänge der Deutschen“ erschien im September 2015 in einer überarbeiten Neuausgabe. Welche Pointierungen würde er vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsdebatte vornehmen? Fried betont, „dass die Deutschen nie ein einheitliches Volk waren, es erst im 19. Jahrhundert – wenn überhaupt – geworden sind.“ Und er fügt hinzu, „dass eigentlich alle Völker Einwanderer sind“. Dabei verweist Fried auf die Ergebnisse der Archäo- und Paläogenetik, bäuerliche Siedler seien vor einigen Tausend Jahren aus dem Orient ins heutige Deutschland gekommen: „Wir sind also alle Einwanderer – wenn Sie es so wollen – aus der Türkei, aus dem Irak, aus Syrien. Das würde ich vielleicht heute prononcierter im Schlusskapitel des Buches ansprechen.“

Informationen: Prof. em. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069)798-32426, fried@em.uni-frankfurt.de

Wie der römische Historiker Tacitus die Germanen schuf

Auf nur 25 Seiten schuf Tacitus gegen Ende des 1. Jahrhunderts „Germania“ und damit auch das Volk der Germanen, das so gar nicht existierte. In der Antike lebten auf diesem Territorium völlig unabhängig voneinander vielerlei Stämme. Warum zeichnete Tacitus das positive Bild eines unverdorbenen, kampfeslustigen Naturvolks? Wollte er damit den dekadenten Römern einen Spiegel vorhalten? Wollte er vor dem starken Gegner im fremden Norden warnen, gegen den die Römer nicht wieder zu Felde ziehen sollten? Mit diesem Thema beschäftigt sich der Frankfurter Altphilologe Prof. Dr. Thomas Paulsen in seinem Beitrag in der der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“.

Tacitus‘ „Germania“ ist in zwei Hauptteile gegliedert, innerhalb deren es keine systematischen Gliederungselemente gibt: Im ersten handelt Tacitus Sitten, Gebräuche und Charakterzüge der Germanen ab, im zweiten geht er im Westen beginnend die wichtigen germanischen Stämme mit ihren besonderen Eigenarten durch. Dazu Paulsen: „Es wird jedoch schnell deutlich, dass der römische Historiker die Germanen als im Wesentlichen einheitliches Volk sah, das sie, was man nicht stark genug betonen kann, in der Antike nie waren und als welche sie sich selbst auch nie bezeichneten.“ Denn die verschiedenen Stämme wie Bataver, Cherusker, Chatten, Markomannen, Sueben lebten unabhängig voneinander, schlossen zum Teil kurzlebige Bündnisse, bekriegten einander, waren nicht alle romfeindlich gesonnen und verfügten über keinerlei einheitliche Organisation.

Tacitus betrachtet Germanien als ein unwirtliches, raues und trostloses Land,„teils Schauder erregend durch seine Wälder, teils widerlich durch seine Sümpfe« und dazu feucht und windig“. Da die Germanen wenig Kontakt zu anderen Völker gehabt hätten, seien sie sich, so Tacitus, äußerlich sehr ähnlich: Sie hätten grimmig blickende blaue Augen, rötliche Haare und große Körper, die hervorragend geeignet für Sturmangriffe, aber wenig ausdauernd seien, empfindlich gegenüber Durst und Hitze, hingegen stark im Ertragen von Hunger und Kälte.

Tacitus zollte den Germanen großen Respekt – für ihre Kampfesstärke, aber auch für ihre Lebensführung frei von Verlockungen des Luxus. „Sicher wollte er damit auch auf dierömische Dekadenz anspielen“, so Paulsen. Tacitus, der zum erweiterten Beraterkreis des Kaisers gehörte, könnte auch im Sinn gehabt haben, die römischen Eliten vor neuerlichen Auseinandersetzungen mit germanischen Stämmen zu warnen.

Informationen: Prof. Dr. Thomas Paulsen, Institut für Klassische Philologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-32482, E-Mail:  thomas.paulsen@em.uni-frankfurt.de  

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2016) kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

Dez 16 2016
11:55

Land Hessen ermöglicht Kooperationsprofessur mit dem Fritz-Bauer-Institut

Sybille Steinbacher übernimmt bundesweit erste Holocaust-Professur

FRANKFURT/WIESBADEN.Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute bekannt gegeben, dass die Historikerin Prof. Dr. Sybille Steinbacher die bundesweit erste Holocaust-Professur übernimmt. Eine international besetzte Berufungskommission hatte sie empfohlen, Uni-Senat und Präsidium der Goethe-Universität haben entschieden und berufen. Bereits im Juli 2015 wurde die Finanzierungvereinbarung mit der Goethe-Universität und dem Fritz-Bauer-Institut für die Einrichtung einer Professur zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust unterzeichnet. Seitdem lief das ordentliche Berufungsverfahren für die Besetzung der neuen W3-Professorenstelle. Der Stiftungsrat des Fritz-Bauer-Instituts hat am heutigen Tag die Berufung zustimmend zur Kenntnis genommen. Das Land Hessen unterstützt die Professur mit zusätzlichen 150.000 Euro jährlich.

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Wir freuen uns sehr, dass diese bedeutende Professur nun mit einer besonders ausgewiesenen Expertin besetzt werden kann. Das ist ein Meilenstein auf dem Weg hin zu einem besseren Verständnis der nationalsozialistischen Verbrechen und deren Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart hinein. Diese gemeinsame Berufung von Goethe-Universität und Fritz-Bauer-Institut wird auch die Integration von universitärer und Instituts-Forschung weiter fördern.“ 

Die Historikerin, die bis Oktober 2016 das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien leitete, übernimmt die Professur zum 1. Mai 2017. Steinbacher ist eine renommierte Expertin auf dem Gebiet der Holocaust-Forschung und kann einschlägige Forschungsarbeiten dazu vorweisen. Bei der Professur, die im Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften an der Goethe-Universität angesiedelt sein wird,  handelt es sich um eine Kooperationsprofessur mit dem Fritz-Bauer-Institut, die vom Land Hessen finanziell ermöglicht wird.

Prof. Birgitta Wolff, Universitätspräsidentin der Goethe-Universität: „Die Goethe-Uni fühlt sich nicht zuletzt durch ihre eigene wechselvolle Geschichte der intellektuellen Aufarbeitung des Holocaust besonders verpflichtet. Sybille Steinbacher wird sich diesem Thema mit unserer vollen Unterstützung widmen. Sie wird auch als Kollegin sehr gut zu uns passen.“

Der neue Lehrstuhl ist zugleich mit der Leitung des Fritz-Bauer-Institutes verbunden, das die Landesregierung auch weiterhin mit einer Förderung in 2017 in Höhe von 375.100 Euro unterstützt. Damit stehen für Holocaust-Professur und Institut künftig insgesamt 500.000 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.

„Die Verknüpfung der neuen Holocaust-Professur mit der Leitung des Fritz-Bauer-Institutes ist eine einmalige Gelegenheit die wir nutzen, um der wissenschaftlichen Aufarbeitung einen möglichst großen Schub zu geben. Das Fritz-Bauer-Institut ist eine Bildungs- und Forschungsstätte von höchstem internationalem Rang, dessen Bedeutung sich weit über die Grenzen von Hessen hinaus entfaltet. Vor allem die Auseinandersetzung mit den ethischen und moralischen Rechtfertigungsstrukturen des Holocaust bis in die Gegenwart macht die Forschung so einmalig und bedeutsam“, erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Jutta Ebeling, Stiftungsratsvorsitzende Fritz-Bauer-Institut: „Mit Sybille Steinbacher hat die Universität  gemeinsam mit dem FBI eine international anerkannte Wissenschaftlerin berufen, die die wissenschaftliche Erforschung der nationalsozialistischen Verbrechen mit einer großen Sensibilität für die Bedeutung des Themas in der Gegenwart verbindet. Wir freuen uns, Sybille Steinbacher bald in Frankfurt am Main begrüßen zu dürfen.“ 

Bereits in ihrer als Buch erschienenen Magisterarbeit an der LMU München hat sich Sybille Steinbacher mit der Massenvernichtung im NS-Staat beschäftigt: „Dachau: Die Stadt und das Konzentrationslager in der NS-Zeit“ lautete der Titel. Die innovative Perspektive hat sie in ihrer Dissertation weiterentwickelt: Aus der Arbeit „‘Musterstadt‘ Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien“, an der Ruhr-Universität Bochum entstanden, ist später ein international viel beachtetes und in mehrere Sprachen übersetztes Standardwerk zum Thema hervorgegangen. Ein zweites Arbeitsgebiet Steinbachers ist die Gesellschaftsgeschichte der frühen Bundesrepublik. Aus der 2010 eingereichten Habilitationsschrift an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ging die Monographie „Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik“ hervor.

Sybille Steinbacher kann zahlreiche Auslandsaufenthalte vorweisen: Sie war unter anderem Stipendiatin am Deutschen Historischen Institut in Warschau, an der Harvard University sowie Fellow am United States Holocaust Memorial Museum. 2010 hatte sie bereits eine Gastprofessur zur Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität in Verbindung mit dem Fritz-Bauer-Institut inne. Seit 2010 ist Sybille Steinbacher Universitätsprofessorin für Zeitgeschichte/Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung an der Universität Wien. Seit 2014 ist Steinbacher Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Sonstige

Dez 16 2016
10:14

„Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen“: Der Frankfurter Biologie-Didaktiker Hans Peter Klein nimmt die Folgen von PISA unter die Lupe

Kritik an Kompetenzorientierung

FRANKFURT. Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Bildungsmonitoring – was steckt hinter den zentralen Begriffen der modernen Bildungslandschaft? In seinem Buch „Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen – das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel“ befasst sich Professor Hans Peter Klein, streitbarer Biologie-Didaktiker an der Goethe-Universität, mit den Bildungsbestrebungen der vergangenen 16 Jahre. Sein Resümee ist nicht sehr schmeichelhaft. Durch eine nur auf den Nutzen ausgerichtete Kompetenzorientierung sowie eine neoliberale Outcomeorientierung gepaart mit einem Vermessungswahn habe eine qualitative Abwärtsspirale eingesetzt, in der in nahezu allen Bildungsbereichen nur noch Quantität auf Kosten der Qualität geschaffen würde.

Professor Klein nimmt in seinem Buch kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Veränderungen geht, die das deutsche Bildungswesen in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Aufgrund immer neuer Reformen in den Schulen würden diese nur noch in Ansätzen eigentlich grundlegende Wissensbestände vermitteln, selbst bei Abiturienten machten sich mangelnde Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen an den Hochschulen immer deutlicher bemerkbar. Klein vergleicht die neuen Bildungskonzepte ausführlich mit denen aus den USA und weist an vielen Beispielen nach, dass diese dort längst als gescheitert gelten.

Hans Peter Klein hat zur Bestätigung seiner Thesen über Jahre die Anforderungen für das Zentralabitur in verschiedenen Bundesländern unter die Lupe genommen. Ein Versuch sorgte für Aufsehen: Klein legte den Schülern einer neunten Klasse die Zentralabituraufgaben im Leistungskurs Biologie vor, und die Neuntklässler hatten keine Probleme, sie erfolgreich zu lösen. Sie mussten lediglich die in einem Text enthaltenen Informationen richtig wiedergeben. Diese Art von Lesekompetenzaufgaben sei an den Hochschulen unbekannt und habe mit Bildung und Wissen nichts zu tun. Die Schulfächer würden sich immer weiter von den universitär betriebenen Fächern entfernen.

Das Buch, das als eine Mischung aus Sachinformation und Satire verfasst ist, wendet sich an Lehrer, Schulleiter, Eltern, Schüler, aber auch an Hochschullehrer, Politiker und Journalisten – und an alle, die am Bildungswesen interessiert sind. Ein zweiter Band ist unter dem Titel „Für eine Handvoll Euro“ für Herbst 2017 angekündigt. Darin konzentriert sich Klein auf die Entwicklungen an Hochschulen in Folge des Bologna-Prozesses.

Hans Peter Klein
Hans Peter Klein unterrichtete viele Jahre als Gymnasiallehrer und wurde 2001 auf den Lehrstuhl für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt am Main berufen. Er ist Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften, Mitbegründer der Gesellschaft für Bildung und Wissen und Mitglied der Bildungskommission der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. 2011/2012 war er als Gastprofessor am College of New Jersey in den USA tätig.

Sonstige

Dez 15 2016
13:24

Neueste Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt thematisiert Facetten des Umgangs mit dem Fremden

„Eigen“ und „fremd“ zu unterscheiden, ist oft überlebenswichtig

FRANKFURT. Die Fähigkeit, zwischen „eigen“ und „fremd“ zu unterscheiden, ist in der Natur überlebenswichtig. Bodenbakterien überlisten ihre Nahrungskonkurrenten, das Immunsystem fahndet nach fremden Zellen, eingeschleppte Arten verschieben ökologische Gleichgewichte. Auch der Mensch lernt früh, zwischen sich und Fremden zu unterscheiden und sein soziales Umfeld in Gruppen einzuteilen. Galten andere Kulturen im 19. Jahrhundert noch eher als fremd und exotisch, macht die fortschreitende Globalisierung die Integration des Fremden zur neuen Herausforderung. Den unterschiedlichen Facetten des Umgangs von „eigen“ und „fremd“ widmet sich die soeben erschienene Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt (2/2016).

 Hier einige Highlights des Magazins:

  • Nähe auf Distanz – so gestaltet sich heute das nachbarschaftliche Verhältnis. Der Kulturanthropologe Prof. Dr. Heinz Schilling hat sich auf Spurensuche begeben und u.a. festgestellt, dass Begegnungen mit Nachbarn heute oft nahezu kommunikationsfrei bleiben. Sind die Nachbarn von nebenan längst Fremde geworden? Haben Nachbarschaften ihren sozialen Verpflichtungscharakter verloren? Der „Feldforscher“ zeigt auch andere Beispiele, wenn es beispielsweise darum geht, Flüchtlinge in der unmittelbaren Nachbarschaft zu integrieren, sich im Alltag auszutauschen.
  • Befremdlich sind für Außenstehende die Symptome von Menschen mit schizophrener Störung: Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert. Warum diese Menschen „eigen“ und „fremd“ oft verwechseln, können neurowissenschaftliche Modelle inzwischen immer besser erklären, wie der Psychiater Dr. Robert Bittner berichtet.
  • „Der deutsche Ursprung liegt im Fremden“, betont der Historiker Prof. Dr. Johannes Fried in einem Interview mit Bernd Frye. Die Vorstellung einer ruhmreichen Linie von den „alten Germanen“ zu den heutigen Deutschen hält sich zwar hartnäckig. Doch als „wissbegierige Barbaren“ seien sie erst spät in ihr nationales Dasein „geschlittert“, so der Historiker, dessen Buch „Die Anfänge der Deutschen“ in einer Neuausgabe vorliegt.
  • Der Film lebt von Erfahrungen des Eigenen und Fremden, wie der Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hedinger in seinem Beitrag belegt. Zeigten die Reisefilme früher bewusst die „wunderbare Differenz“ zur eigenen Wirklichkeit, verfolgen die Hollywood-Blockbuster inzwischen die Strategie, das kulturell Fremde so zu minimieren, dass daraus der für alle verständliche „Dialekt der Moderne“ wird.
  • Organspenden sind erst möglich, seitdem Mediziner gelernt haben, die Abwehrmechanismen des Immunsystems zu kontrollieren. Unter dem Titel „Leben mit der Niere des Partners“ erzählt Dr. Anne Hardy die bewegende Geschichte von Tim Pillar, der seiner Frau mit seiner Nierenspende ein fast normales Leben beschert hat. Heute überleben dank neuster Forschung 90 Prozent der Transplantate das kritische erste Jahr.
  • Der Klimawandel birgt auch die Gefahr, dass die wärmeliebenden Überträger exotischer Krankheiten wie die Asiatische Tigermücke bei uns heimisch werden. Wird sie aufgrund des Klimawandels weiter nach Norden wandern? Mit ökologischer Nischenmodellierung und genomischen Analysen entwirft die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sven Klimpel künftige Szenarien, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2016) kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Dez 14 2016
15:58

Neue Produktion der Chaincourt Theatre Company hat am 27. Januar Premiere

„DOMINOES“ - die Gier nach Wohlstand

FRANKFURT. Zwei Königreiche, deren Herrscher nicht unterschiedlicher regieren könnten, zwei junge, naive Nachkommen, ein gekränkter Liebender und eine unermesslich wertvolle goldene Schatulle, über deren künftigen Verbleib zu entscheiden ist – dies ist der Stoff, aus dem Märchen gemacht sind: DOMINOES – A Fairy Tale“, das neue Stück der Chaincourt Theatre Company an der Goethe-Universität, ist eine Schauergeschichte; zwar frei erfunden, jedoch nichtsdestotrotz auf überzogene Weise Wahrheit offenbarend.Wie Kinder werden die Besucher mit einer Mär von verzerrten Charakteren und vereinfachten Gut-Böse-Konstrukten konfrontiert, an deren Ende ein jeder sich selbst in der Verantwortung sehen muss, über den Tellerrand hinaus zu schauen.Das Stück stammt aus der Feder von Jo Rippier, Regie führt Nenad Smigoc.

Premiere ist am 27. Januar 2017; weitere Aufführungen finden am 28. Januar sowie am 2., 3. & 4. Februar statt; Vorstellungsbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Campus Westend, IG-Farben-Nebengebäude, Raum 1.741. Karten (10 Euro/5 Euro - ermäßigt) sind erhältlich an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn oder in „Zimmer 17“ (Raum 3.257, IG-Farben-Haus, Tel. 793 32550); Montag 11-16 Dienstag & Donnerstag 11.30-16.30; Mittwoch 12-16.

Die Chaincourt Theatre Company ist angesiedelt am Institut für England- und Amerikastudien (IEAS) der Goethe-Universität. Die Theatergruppe besteht aus Studierenden, Alumni und Mitarbeitern des Instituts.

Kontakt: James Fisk,  Künstlerische Leitung der Chaincourt Theatre Company, Goethe-Universität Frankfurt am Main, director@chaincourt.org; www.chaincourt.org

Personalia/Preise

Dez 14 2016
14:04

Die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff erhält den Schader-Preis 2017

Auszeichnung für eine Brückenbauerin

FRANKFURT. Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff wird mit dem Schader-Preis 2017 ausgezeichnet. Die 42-jährige Professorin für „Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik“ an der Goethe-Universität erhält den mit 15.000 Euro dotierten Preis vor allem für ihre Leistungen in der Friedens- und Konfliktforschung.

Der Schader-Preis wird vom Senat der Schader-Stiftung verliehen, dem die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre angehören. Für den Senat begründet dessen Sprecher Paul Kirchhof (Heidelberg) die Entscheidung für die diesjährige Preisträgerin: „Nicole Deitelhoff erhält den Preis für ihre Forschungen zu Herrschaft und Widerstand in der Politik unseres globalen Zeitalters, zu Normen und Institutionen von Staatlichkeit und deren Internationalisierung, zum humanen Völkerrecht und der Entpolitisierung staatlicher und gesellschaftlicher Sicherheitsleistungen. Die Auszeichnung würdigt besonders ihre Leistungen in der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, die gerade in der Gegenwart wissenschaftliche und praktische Bedeutung gewonnen hat“, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung. Überreicht wird der Preis im Mai 2017 in Darmstadt.

„Die Schader-Stiftung widmet sich der Verbindung von Geistes- und Sozialwissenschaften mit der Praxis – eine seltene, aber wichtige Mission im deutschen Fördersystem. Mit Nicole Deitelhoff wird eine engagierte Forscherin ausgezeichnet, die aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten maßgeblich mitgestaltet“, sagt die Präsidentin der Goethe-Universität Birgitta Wolff in einer ersten Reaktion. „Sie ist eine echte Brückenbauerin! Wir freuen uns über die Auszeichnung für sie“, so Wolff weiter.

Nicole Deitelhoff, geboren 1974, studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Technischen Universität Darmstadt und der State University of New York at Buffalo. Sie war von 1998 bis 2001 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Bundestagsbüro und wurde 2004 in Darmstadt promoviert. Anschließend war sie als Forschungsprofessorin an der Universität Bremen, als Gastprofessorin an der Hebrew Universität Jerusalem und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)und der Technischen Universität Darmstadt tätig. Seit 2009 hat Deitelhoff eine Professur für Internationale Beziehungen und Theorien Globaler Ordnungen an der Goethe-Universität inne und leitet eine Forschergruppe zu „Normativität im Streit. Normenkonflikte im globalen Regieren“ an der HSFK. Seit 2016 ist sie deren Geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählt „Überzeugung in der Politik“ (Suhrkamp 2006), für die sie unter anderem den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhielt. 2010 gab sie mit Jens Steffek einen Band zum Thema „Was bleibt vom Staat?“ heraus. Darüber hinaus ist Nicole Deitelhoff Mitglied des Direktoriums des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und leitet dessen Internationales Graduiertenprogramm (IGP).

Die Schader-Stiftung wurde 1988 von Alois M. Schader gegründet, um den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis zu fördern. Ein besonderes Anliegen des Stifters ist es, das Ansehen praxisorientierter Forschung in den Gesellschaftswissenschaften zu verbessern. Auch deshalb vergibt die Stiftung jährlich den Schader-Preis an Gesellschaftswissenschaftler, die sich in dieser Hinsicht besonders verdient gemacht haben.

Weitere Informationen unter http://www.schader-stiftung.de/schader-preis/