​​​​​​Pressemitteilungen ​​​

Hochschulpolitische Themen

Feb 4 2015
13:49

Universität, Stadt und Ortsbeirat präsentieren gemeinsam neue Ortsschilder

Feierstunde zur Umbenennung auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Mit dem Norbert-Wollheim-Platz, dem Theodor-W.-Adorno-Platz und der Max-Horkheimer-Straße hat der Campus Westend drei neue Ortsbezeichnungen erhalten. Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff enthüllte im Rahmen einer Feierstunde gemeinsam mit Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz, dem Ortsvorsteher des Ortsbeirates 2, Axel Kaufmann, und der AStA-Vorsitzenden Myrella Dorn die neuen Ortsschilder. Ebenfalls eine Ansprache hielt Trude Simonsohn, Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

„Mit den nun vollzogenen Umbenennungen auf dem Campus Westend wird der bewegten Geschichte der Universität und des Campus gedacht. Damit wird nicht nur an herausragende wissenschaftliche Leistungen, sondern auch an jüdische Schicksale, die für Vertreibung und Verfolgung stehen, dauerhaft erinnert“, sagte Birgitta Wolff bei der Enthüllung der Namensschilder. Wolff freute sich über den zwischen Universität, Stadt, Ortsbeirat und der Öffentlichkeit hergestellten Konsens: „Schön, dass man letztlich einvernehmlich diese Lösung mit den Namen von Wollheim, Adorno und Horkheimer gefunden hat.“

Der Norbert-Wollheim-Platz, vormals Grüneburgplatz, trägt nun den Namen des jüdischen Zwangsarbeiters Norbert Wollheim, der nach dem Krieg in einem Musterprozess erfolgreich den IG-Farben-Konzern verklagte; der Theodor-W.-Adorno-Platz (bisher als „Campusplatz“ tituliert) und die Max-Horkheimer-Straße (vormals Lübecker Straße) erinnern an die beiden wohl wichtigsten Vertreter der Frankfurter Schule, die als jüdische Intellektuelle in der NS-Zeit in die USA emigrierten und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankfurt an die Goethe-Universität zurückkehrten.

Weitere Namensänderungen sind auf dem Campus Westend geplant: In seiner Sitzung am 28. Januar hatte der Senat der Goethe-Universität Frankfurt vier Benennungen von Wegen, Straßen und Plätzen beschlossen. Diese wurden bereits dem Ortsbeirat 2 vorgelegt, der darüber noch entscheiden muss.

Veranstaltungen

Feb 4 2015
13:44

Am 9. Februar diskutiert die Frankfurter Bürger-Universität die Rolle des Qualitätsjournalismus in Zeiten der Informationsüberflutung

Ist unsere Demokratie in Gefahr?

FRANKFURT. Nachrichten sind schon längst kein Luxusgut mehr. Sie werden uns auf dem täglichen Jahrmarkt der Informationen als Massenware zum Schleuderpreis angepriesen. Und ähnlich dem Parcourlauf durch die Schnäppchenabteilung fällt es uns schwer, zu widerstehen oder überhaupt nur zu unterscheiden, was brauchen wir, was nicht? Welche Informationen sind wichtig, welche unwichtig?

Diesen und anderen Fragen geht am 9. Februar 2015 die Frankfurter Bürger-Universität in ihrer letzten Veranstaltung im Wintersemester 2014/15 nach.

„Das Internet gibt erstmals jedem die Chance, öffentlich das Wort zu ergreifen.“ Prof. Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, nennt eine zentrale Ursache der Informationsflut. Die Tatsache, dass im Internet fast alles ungefiltert seinen Ausdruck findet, führt nicht nur zu einem Gefühl der Überforderung (Dieses Gefühl ist historisch gesehen nicht neu, wie Neuberger in der kommenden Ausgabe des UniReports, die am 6. Februar erscheint, erklärt). Das schiere Überangebot an Informationen führt zwangsläufig zum Verlust der Übersicht, der Kontrolle, letztendlich der Urteilsfähigkeit. Was bedeutet das für unsere Demokratie? Was passiert mit dem gesellschaftlichen Konsens, wenn der traditionelle Informationskanon – Tagesschau, Tageszeitung und Rundfunk – keine Geltung mehr hat?

Bezeichnend für eine Zeit, in der Informationen für jeden jederzeit und einfach zugänglich sind, ist auch der Schritt des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL. Dieser hat seit dem 8. Januar einen neuen Claim eingeführt: „Keine Angst vor der Wahrheit“ ersetzt nun „Spiegel-Leser wissen mehr“. Mehr zu wissen und zu erfahren, ist in der heutigen Zeit keine Herausforderung. Mehr denn je geht es um die Frage, wie wir mit der Masse an Informationen umgehen?

Welche Rolle fällt da dem Journalismus zu, wie wandelt sich dieser im Angesicht neuer Herausforderungen? Kann die eigentliche „vierte Gewalt“ im Staat digitale Informationsströme regulieren? Welche Konzepte und Formate des Online-Journalismus gibt es, die dem Qualitätsjournalismus das Überleben sichern?

Über die Zukunft der Informationsgesellschaft, über Fragen der Medienkompetenz und nicht zuletzt über die Zukunft des Qualitätsjournalismus werden am Montag, den 9. Februar 2015, 19.30 Uhr, Experten und eine interessierte Öffentlichkeit im Rahmen der Bürger-Universität diskutieren. Das Thema des Abends lautet: „Ist unsere Demokratie in Gefahr? Verlust der Urteilsfähigkeit als Folge von Informationsüberflutung“. Auf dem Podium diskutieren sowohl Vertreter des Print- als auch des Onlinejournalismus: Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur der digitalen Medien bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger; Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten Verbandes und Alexander von Streit, Chefredakteur und Mitbegründer des Onlinemagazins „Krautreporter“. Den Impulsvortrag wird der Kommunikationswissenschaftler Prof. Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilian-Universität München übernehmen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u.a. die Themen Medienqualität, Medienregulierung, Medienwandel und Medialisierung.

Frankfurter Bürger-Universität: „Ist unsere Demokratie in Gefahr? Verlust der Urteilsfähigkeit als Folge von Informationsüberflutung“, Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Vorschau

Das Sommersemester 2015 steht wieder im Zeichen deutscher Biografien. Prof. Tilman Allert kuratiert im fünften Jahr in Folge die Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“.

Auch im Sommer wird die Frankfurter Bürger-Universität von einer umfangreichen Broschüre begleitet. Diese beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe zahlreiche Veranstaltungen aus den Fachbereichen der Goethe-Universität. Alle stehen den Bürgerinnen und Bürgern Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets größtenteils kostenfrei offen.

Die Broschüre können Sie über die Homepage www.buerger.uni-frankfurt.de schon jetzt vorbestellen.

Forschung

Feb 2 2015
12:48

VolkswagenStiftung ermöglicht Freiräume: Der Frankfurter Soziologe Thomas Lemke schreibt an seinem „Opus magnum“

„Die Regierung der Dinge. Grundlagen und Perspektiven des neuen Materialismus“

FRANKFURT. Der Frankfurter Soziologie-Professor Thomas Lemke hat die „Opus magnum“-Förderung der VolkswagenStiftung erhalten. Das bedeutet für den 51-jährigen Wissenschaftler, der sich seit Jahren intensiv mit dem Thema „Biotechnologien, Natur und Gesellschaft“ beschäftigt: eineinhalb Jahre Freiraum, um sich ausschließlich mit einem größeren wissenschaftlichen Werk zu befassen. Der Arbeitstitel für das „Opus magnum“ steht schon fest: „Die Regierung der Dinge. Grundlagen und Perspektiven des Neuen Materialismus“. Lemke will in seinem Buch die Erklärungsangebote und Innovationspotenziale des Neuen Materialismus kritisch prüfen und das neue Forschungsgebiet zum ersten Mal systematisch vorstellen.

Die Stiftung finanziert im Rahmen dieses Förderprogramms Lemkes Vertretung in der Lehre. So profitiert nicht nur der Professor, sondern auch die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Eva Sänger, die gerade ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt zur Bedeutung von Ultraschall-Bildern in der pränatalen Diagnostik am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften abgeschlossen hat. Ab dem kommenden Sommersemester vermittelt sie Studierenden Themen der Wissenschafts- und Technikforschung, der Medizinsoziologie und der feministischen Theorie.

In seinem großen Werk will Lemke eine bemerkenswerte Neuorientierung und Akzentverschiebung aufgreifen, die er seit einigen Jahren in den Geistes- und Sozialwissenschaften beobachtet und die mit dem Begriff „Neuer Materialismus“ umschrieben wird. „Kennzeichnend für diesen Materialismus ist, dass Konzepte von Handlungsfähigkeit, Selbstorganisation und Wirkungsmacht, die traditionell für Menschen reserviert waren, auf nicht-menschliche Entitäten ausgedehnt werden“, so Lemke. Mit Entitäten bezeichnen Philosophen und Soziologen etwas, das existiert, ein Seiendes, das kann ein konkreter oder abstrakter Gegenstand sein. „Zu beobachten ist, dass Dinge, Artefakte und Objekte zunehmend thematisiert und neu konzeptualisiert werden.“ Ob Stammzelle, Computer oder Internet: ihnen allen kommt etwas Hybrides zwischen toter Materie und lebendigem Sein, zwischen Faktischem und Normativen zu.

Der Soziologe zu seinem umfassenden Projekt: „Mir geht es dabei zum einen darum, Differenzen zu älteren Versionen des Materialismus herauszuarbeiten, ich will aber auch ungelöste theoretische Spannungen und konzeptionelle Unklarheiten dieser Forschungsperspektive in den Blick zu nehmen.“ Sein Ziel ist jedoch letztlich mehr als eine kritische Bestandsaufnahme vorliegender Positionen innerhalb des Neuen Materialismus. „Meine These ist, dass sich in der Idee einer ‚Regierung der Dinge‘, die sich in den Arbeiten des französischen Philosophen und Historikers Michel Foucault findet, Elemente eines posthumanistischen und relationalen Konzepts von Materialität finden und fruchtbar weiterentwickeln lassen.“ In diesem Sinne gibt es kein „Ding an sich“, sondern Dinge und ihre Grenzen werden erst in Interaktionsbeziehungen hervorgebracht und menschliches Handeln hängt ganz entscheidend von bestimmten Ermöglichungsbedingungen, von Apparaten und materiellen Arrangements ab.

Das Buch soll diese historisch informierte und empirisch orientierte Perspektive auf das, was Foucault die „Verflechtung von Menschen und Dingen“ nennt, aufgreifen und weiter ausarbeiten. Und Lemke ergänzt: „Dabei will ich Foucaults Analytik der Regierung systematisch mit Einsichten der Wissenschafts- und Technikforschung verbinden.“ Der konzeptionelle Vorschlag einer „Regierung der Dinge“, so Lemke, vermeidet die Engführung eines auf Menschen fokussierten Regierungsbegriffs und vermag darüber hinaus einen substanziellen Beitrag zu einer materialistischen Analyse politischer Prozesse und Strukturen zu leisten.

Seit seiner Berufung 2008 hat Lemke eine Reihe von Drittmittelprojekten geleitet, darunter auch ein internationales Verbundprojekt zu den sozialen und politischen Implikationen der Nutzung von DNA-Analysen in Einwanderungsverfahren in verschiedenen europäischen Staaten. Hinzu kamen viele Aufgaben in der universitären Selbstverwaltung. Lemke war u.a. geschäftsführender Direktor des Instituts für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften und Prodekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften. In das „Opus magnum“-Programm der Volkswagen-Stiftung passte das Profil von Lemke bestens: Denn Ziel der Initiative ist es, Professorinnen und Professoren aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die sich durch herausragende Arbeiten ausgewiesen haben, einen Freiraum für die intensive Arbeit an einem anspruchsvollen wissenschaftlichen Werk zu eröffnen. Bereits 2008 zeichnete die VolkswagenStiftung die Arbeit des Frankfurter Soziologen aus. Lemkes Buch „Die Polizei der Gene. Formen und Felder genetischer Diskriminierung“ erhielt die Übersetzungsförderung der Stiftung und liegt nunmehr auch in einer erweiterten englischsprachigen Ausgabe vor.

Zur Person

Thomas Lemke studierte Politikwissenschaften, Soziologie und Rechtswissenschaft in Frankfurt, Southampton und Paris und promovierte 1996 an der Goethe-Universität zum Machtbegriff Michel Foucaults. Nach der Promotion arbeitete Lemke als Wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal, wo er sich 2006 habilitierte. Er war langjähriger Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt und als Gastwissenschaftler am Goldsmiths College in London und der New York University tätig. Lemke hatte Gastprofessuren an der Copenhagen Business School und der University of New South Wales in Sydney inne. 2007 erhielt er ein Heisenberg-Stipendium der DFG, das ein Jahr später in eine Heisenberg-Professur umgewandelt wurde. Seit September 2008 ist Thomas Lemke Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Biotechnologien, Natur und Gesellschaft“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und seit dem vergangenen Jahr auch Honorarprofessur der University of New South Wales in Sydney.

Lemke hat sich in Forschung und Lehre vor allem mit den Voraussetzungen, Kontextbedingungen und Folgen biowissenschaftlichen Wissens und biotechnologischer Innovationen beschäftigt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der Analyse genetischer Diskurse und Praktiken. In mehreren Buchveröffentlichungen ist er den Auswirkungen genetischen Wissens auf Selbstbilder, Gesundheitskonzepte und Sicherheitspolitiken nachgegangen und hat zusammen mit seiner Kollegin Katharina Liebsch die erste systematische Untersuchung zu Praktiken genetischer Diskriminierung in Deutschland vorgelegt.

Informationen: Prof. Dr. Thomas Lemke, Institut für Soziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798 36664, lemke@em.uni-frankfurt.de, www.fb03.uni-frankfurt.de/45646661/tlemke?legacy_request=1

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/53929509

Veranstaltungen

Feb 2 2015
11:49

Wie unterscheiden sich die heutigen Auslegungsmethoden des Korans aus sunnitischer und schiitischer Sicht?

Podiumsdiskussion zum Abschluss der Vorlesungsreihe zum Koran

FRANKFURT. Zum Abschluss der Vortragsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ diskutieren drei Islamwissenschaftler, Prof. Rotraud Wielandt (Universität Bamberg), Prof. Katajun Amirpur (Universität Hamburg) und Prof. Bekim Agai (Goethe-Universität), über den zeitgenössischen Zugang zum Koran aus sunnitischer und schiitischer Sicht. Die Veranstaltung beginnt am Montag, 9. Februar um 18 Uhr im Casino (Renate von Metzler-Saal) auf dem Campus Westend. Die Ringvorlesung wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet.

Unter dem Titel „Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt“ sollen Meilensteine sunnitischer und schiitischer zeitgenössischer Koranhermeneutik vorgestellt und über Möglichkeiten und Grenzen der Beschäftigung mit dem fundamentalen Glaubensdokument der Muslime diskutiert werden. Der Koran ist für die Muslime der zentrale Text ihres Glaubens, seine Rezitation und Lektüre sind immer wieder Ausgangs- und Endpunkt persönlicher und kollektiver religiöser Erfahrungen. „Dabei wird ein bestehender Text immer wieder neu zum Sprechen gebracht, der jeweilige Verstehenshorizont geht mit dem Text immer wieder neue Verbindungen ein“, so Bekim Agai. „In der islamischen Geistesgeschichte haben sich unterschiedliche Wege etabliert, den Koran für den jeweiligen zeitgenössischen Leser zu erschließen.“ Das Bewusstsein, dass man auf vielfältige methodische Weise an einen Text herangehen kann, hat auch in der Moderne die Beschäftigung mit dem Koran und seiner Auslegung stark beeinflusst. Daran knüpft die Diskussion an, die Bekim Agai, Direktor des Zentrums für Islamische Studien der Goethe-Universität, moderiert.

Die sunnitischen Zugänge erläutert Prof. Rotraud Wielandt. Sie studierte Islamkunde/Arabistik, Turkologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Philosophie an den Universitäten München, Tübingen und Istanbul. Von 1985 bis 2009 war sie Professorin für Islamkunde und Arabistik an der Universität Bamberg und Gründungsmitglied des Zentrums für Interreligiöse Studien der Universität Bamberg. Seit April 2009 hat sie Lehraufträge an den Universitäten Frankfurt a.M. und Fribourg/Schweiz sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt a.M. und an der Hochschule für Philosophie in München angenommen. Prof. Wielandt hat zahlreiche Publikationen zu Fragen der islamischen Theologie (Schwerpunkte: zeitgenössische koranexegetische Hermeneutik, theologische Anthropologie, Menschenrechtsfragen), zu Denkströmungen und ideologischen Tendenzen im zeitgenössischen Islam und zur modernen arabischen Literatur veröffentlicht.

Die Islamwissenschaftlerin Prof. Katajun Amirpur legt in der Podiumsdiskussion besonders die schiitischen Zugänge zum Koran dar. Die 1971 in Köln geborene Hochschullehrerin studierte Islamwissenschaft an der Universität Bonn und schiitische Theologie an der Universität Teheran. In ihrer Promotion und Habilitation beschäftige sie sich mit neuen Ansätzen der koranischen Exegese und Hermeneutik. Seit 2012 ist Amirpur Professorin für Islamische Studien und stellvertretende Direktorin der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg. Außerdem ist sie Mitherausgeberin der Zeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender, Dialog und Pluralismus und wie sich diese Themen aus der islamischen Tradition heraus neu denken lassen.

Der Mitveranstalter dieser Reihe und Moderator Bekim Agai (geb. 1974 in Essen) studierte Islamwissenschaften, Geschichte und Psychologie in Bonn und Kairo. Er wurde an der Universität Bochum mit einer Arbeit zum türkischen Prediger Fethullah Gülen promoviert, arbeitete danach als wissenschaftlicher Assistent und Post-Doc an den Universitäten Bonn und Halle. Er war Leiter der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Nachwuchsforschergruppe „Europa von außen gesehen – Formationen nahöstlicher Ansichten aus Europa auf Europa“. Seit dem Wintersemester 2013/2014 ist er Professor für Kultur und Gesellschaft des Islam in Geschichte und Gegenwart am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam der Goethe-Universität und dessen geschäftsführender Direktor.

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Feb 2 2015
11:47

Erfinder der Pille, Ehrendoktor der Goethe-Universität, mit 91 Jahren gestorben.

Trauer um Carl Djerassi

FRANKFURT. Mit 91 Jahren ist der berühmte Naturstoffchemiker und Schriftsteller Carl Djerassi gestorben. Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat der Professor der Stanford University  maßgeblich zur Entwicklung der Antibabypille beigetragen. 2013 wurde Djerassi für sein Lebenswerk die Ehrendoktorwürde des Fachbereiches Biochemie, Chemie und Pharmazie der Goethe-Universität verliehen. „Mit Djerassi verliert die Wissenschaft einen großen Forscher, der zugleich auch in den Geisteswissenschaften und den Künsten zuhause war. Sein Ideal einer umfassenden humanistischen Bildung ist auch ein Leitbild der Goethe-Universität“, betont Universitätsvizepräsident und Pharmazie-Professor Manfred Schubert-Zsilavecz.

1923 als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, emigrierte Djerassi 1939 in die USA. Er studierte Chemie an der University of Wisconsin, wo er 1945 auch promovierte. Danach arbeitete er zunächst als forschender Chemiker in der Industrie. Im Alter von 27 Jahren gelang ihm die Synthese des Sexualhormons Noretisteron. Damit war die Grundlage geschaffen für die Entwicklung der Antibabypille, die 1961 auf den Markt kam. Ab 1959 lehrte und lebte Djerassi an der Standford University.

Djerassi Verbindung zur Goethe-Universität reicht in die 1990er Jahre zurück, als der ebenfalls  aus Wien stammende Chemiker Prof. Christian Noe Direktor des Instituts für Pharmazeutische Chemie war. Im Zentrum von Djerassis Forschung standen die Strukturaufklärung und Totalsynthese einer Vielfalt von Naturstoffen. Diese Disziplin hat auch im Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie an der Goethe-Universität eine große Rolle.

Frankfurt ist auch der Handlungsort seines Romans „Vier Juden auf dem Parnass“, in dem Djerassi sich mit der nicht-religiösen jüdischen Identität auseinandersetzt. Djerassi nutzte seine Aufenthalte bei Konferenzen in Frankfurt zur Recherche der historischen Rahmenhandlung.

Weitere Informationen: Universitätsvizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Institut für Pharmazeutische Chemie, Tel.: (069) 798-29339, Schubert-Zsilavecz@pharmchem.uni-frankfurt.de.

Forschung

Feb 2 2015
11:45

Neue DFG-Forschergruppe befasst sich mit dem Verhalten des Minerals bei hohen Drücken und Temperaturen

Wie es den Karbonaten im Erdinneren ergeht

FRANKFURT. Karbonate sind die wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Erde. Doch welche Rolle spielen sie im Erdinneren? Wie reagieren sie auf die Bedingungen im Erdmantel? Mit diesen Fragen befasst sich jetzt eine Forschergruppe von Wissenschaftlern aus Frankfurt, Bayreuth, Berlin/Potsdam, Freiberg und Hamburg, die von der DFG gefördert wird. Die Forschergruppe bringt Experten verschiedener geowissenschaftlicher Disziplinen sowie hochmoderne Technik zusammen.

Die Erde hat einen Radius von durchschnittlich rund 6400 Kilometern. Die tiefste Bohrung, zu der der Mensch bisher in der Lage war, ging jedoch nur bis in zwölf Kilometer Tiefe. Und selbst bei enormem technischem Fortschritt sei es undenkbar, die tiefen Schichten jemals empirisch erforschen zu können, sagt Björn Winkler, Professor für Kristallographie an der Goethe Universität Frankfurt und Koordinator der neuen Forschergruppe. „Wie es da drinnen aussieht, das können wir nur durch die Kombination von Experimenten und Modellrechnungen herausfinden“, erklärt er. Während es über Silikate, die ein wesentlicher Bestandteil des Erdmantels sind, schon genauere Erkenntnisse gibt, sind Karbonate bislang noch wenig erforscht. „Der Erdaufbau ist ohne Karbonate erklärbar – die Frage ist allerdings: wie gut?“, sagt Winkler.

„Strukturen, Eigenschaften und Reaktionen von Karbonaten bei hohen Temperaturen und Drücken“ („Structures, Properties and Reactions of Carbonates at High Temperatures and Pressures“) lautet der Titel des Projekts, das die DFG von Mitte Februar an fördert. „Wir wollen verstehen, wie die Erde funktioniert“, umschreibt Winkler das übergeordnete Forschungsinteresse der rund 30 Wissenschaftler und ihrer Teams. Welche Möglichkeiten unser Planet hat, Kohlenstoff zu lagern, wie viel Kohlenstoff es überhaupt auf der Erde gibt – der gesamte Kohlenstoffkreislauf sei nach wie vor ein Geheimnis.

Im Fokus der Forschergruppe, die sieben Einzelprojekte verbindet, steht der Erdmantel, die 2850 Kilometer mächtige mittlere Schale im inneren Aufbau der Erde. Ziel ist das bessere Verständnis von Phasenbeziehung, Kristallchemie und physikalischen Eigenschaften der Karbonate. Dazu sollen die Bedingungen der Mantelübergangszone sowie des darunterliegenden unteren Erdmantels – also sehr hohe Temperaturen und ein sehr hoher Druck – simuliert werden. Jedes der sieben Projekte nimmt einen anderen Aspekt unter die Lupe, zum Beispiel das Karbonat Calcit oder die Kombination von Karbonaten mit Eisen, mit Silikaten oder unter Schock.

Winkler und sein Team befassen sich schon seit sechs Jahren mit der Thematik. Sein Mitarbeiter  Dr. Lkhamsuren Bayarjargal wurde für die Arbeit mit Hochleistungslasern bereits mit dem Max-von-Laue-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie ausgezeichnet sowie vom Fokus-Programm der Goethe-Universität gefördert. Und auch die überregionale Zusammenarbeit der Forscher ist nicht ganz neu. Mit Hilfe der DFG-Mittel können jetzt jedoch spezielle Apparaturen konstruiert werden, um die Bedingungen im Erdmantel zu simulieren. So genannte Diamantstempelzellen erlauben Drücke, die eine Million mal so stark sind wie der Atmosphärendruck; Hochleistungslaser sind in der Lage, Temperaturen von bis zu 5000 Grad Celsius zu erzeugen. Dass dies die Bedingungen sind, die im Erdmantel herrschen, wurde durch entsprechende Berechnungen belegt.

Winzigste Mengen eines Karbonats genügen schon für ein Experiment. Die Substanz wird im Experiment den entsprechenden Bedingungen ausgesetzt und gleichzeitig  von den Wissenschaftlern auf Veränderungen hin untersucht. Hierbei wird mit unterschiedlichen Techniken gearbeitet – in Frankfurt z.B. mit Raman-Spektroskopie, in Potsdam mit Infrarot-Spektroskopie. „Wenn wir auf unterschiedlichen Wegen zum selben Ergebnis kommen, wissen wir, dass wir richtig liegen“, so Prof. Winkler.

Information: Prof. Dr. Björn Winkler, Facheinheit Mineralogie, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-40107, b.winkler@ kristall.uni-frankfurt.de. 

Forschung

Feb 2 2015
10:21

Nils Bertschinger erhält Helmut O. Maucher-Stiftungsprofessur

Systemische Risiken – ein neuer Forschungsbereich des FIAS

FRANKFURT. Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Universität Frankfurt erhält einen neuen Forschungsbereich:Systemische Risiken. Damit will das Institut, das sich auf die theoretische Erforschung komplexer Systeme spezialisiert hat, neben Hirnforschung, Physik, Lebenswissenschaften&Chemie sowie Computerwissenschaften erstmals auch theoretische Grundlagen für die Aufklärung von Phänomenen in Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiten. Zum ersten Inhaber der dafür neu eingerichteten Helmut O. Maucher-Stiftungsprofessur für Systemische Risiken wurde vom ehemaligen Präsidenten der Goethe-Universität der Computerwissenschaftler Prof. Nils Bertschinger vom Max-Planck-Institut (MPI) für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig berufen. Er trat sein Amt am 1. Februar an.

Komplexe, selbstorganisierte Systeme, wie sie die Wissenschaftler am FIAS erforschen, gibt es viele in der Natur, etwa in der Chemie, in den Atomkernen oder im Gehirn, aber auch in gesellschaftlichen Systemen, etwa im Wirtschafts- und Finanzsystem. Wie wenig diese Systeme bisher verstanden sind, hat zum Beispiel die weltweite Finanzkrise des Jahres 2008 gezeigt. Dabei gibt es Parallelen zwischen den komplexen Systemen in der Natur und in der Gesellschaft: Es handelt sich jeweils um einzelne, miteinander interagierende Elemente, die in der Vernetzung neue, unerwartete Wirkungen entfalten.

Forscher am FIAS haben sehr viel Erfahrung mit derartigen Systemen, mit großen Datenmengen und mit der Modellierung von komplexen Zusammenhängen in theoretischen mathematischen Modellen. In enger Zusammenarbeit von Computerwissenschaftlern, Mathematikern, Wirtschaftswissenschaftlern und Finanzwissenschaftlern sollen in dem neuen Arbeitsbereich von Prof. Bertschinger die Möglichkeiten erforscht werden, derartige Risiken im Wirtschafts- und Finanzsystem vorherzusagen oder zu beeinflussen.

Prof. Bertschinger hat an der RWTH Aaachen Computerwissenschaften studiert. Er promovierte an der Technische Universität Graz und am MPI für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig, wo er seit 2009 wissenschaftlich arbeitet. Seine Forschungsinteressen gelten vor allem komplexen dynamischen Systemen, etwa dem Verständnis von adaptiven und sozialen Systemen, sowie der Risikoanalyse von Finanzderivaten.

Weitere Informationen:

Dr. Joachim Reinhardt
Frankfurt Institut for Advanced Studies (FIAS)
Ruth-Moufang-Str. 1
60438 Frankfurt am Main
Telefon: 069-798-47866
Fax: 069-798-47611
E-Mail:fias@uni-frankfurt.de 
Web:fias.uni-frankfurt.de

oder

Jana Gregor
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Inselstraße 22
04103 Leipzig
Tel. 0341 9959 650
Email. Jgregor@mis.mpg.de

Veranstaltungen

Jan 30 2015
17:47

Regisseur gewährt Einblicke in seine Arbeit für Kino und Fernsehen. 3. Februar, Campus Westend

Frankfurter Poetikvorlesungen: Dominik Graf spricht über den Erzähler im Kino

FRANKFURT. Den zweiten Vortrag der aktuellen Frankfurter Poetikvorlesungen übernimmt der renommierte Film- und Fernsehregisseur Dominik Graf. Er spricht über den „Erzähler im Kino. Antagonismus von Kommentar und Kamera?“ Den ersten Vortrag der kleinen Reihe „Poetiken zwischen den Künsten – Dialoge mit der Literatur“ hatte der Komponist Wolfgang Rihm am vergangenen Dienstag gehalten.

Der in München geborene und aufgewachsene Graf studierte dort erst Germanistik und Musikwissenschaften, bevor er ab 1974 die Hochschule für Fernsehen und Film besuchte. Seit 2004 ist Graf Professor für Spielfilmregie an der Internationalen Filmschule Köln. 2012 gewann er bereits zum zehnten Mal den Grimme-Preis, damit ist er der in Marl am häufigsten ausgezeichnete Preisträger.

Graf hat zahlreiche Kinofilme vorgelegt, beherrscht aber ebenso die unterschiedlichen Formate der Fernseh-Fiktion. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der Kinofilm „Die Katze“ (mit Götz George und Gudrun Landgrebe, 1988) und „Die geliebten Schwestern“ (2014), der die Liebe Schillers zu den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld erzählt. Der Film lief bei der Berlinale im Wettbewerb.

Grafs Krimis für das Fernsehen zählen sicherlich zu den ambitioniertesten und wertvollsten des Genres. So gilt „Frau Bu lacht“ aus dem Jahre 1995 vielen Kennern als der beste Tatort aller Zeiten. Erst kürzlich lieferte Graf mit dem Polizeiruf 110 „Smoke on the water“ (2014) wiederholt den Beweis, dass sich deutsche Fernsehproduktionen keineswegs hinter den international hochgeschätzten amerikanischen Serien verstecken müssen.

Prof. Vinzenz Hediger, Filmwissenschaftler an der Goethe-Universität, sagt, dass Graf mit dem Zehnteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010) bereits das „Modell“ für die „allseits geforderten deutschen ‚Qualitätsserien‘“ geliefert habe. Hediger fährt fort: „Dass Graf in den USA (noch) nicht so gefeiert wird wie die Macher des ‚quality TV‘ liegt vor allem daran, dass amerikanische Fernsehkritiker nur ‚Wetten dass‘ kennen.“

„Poetiken zwischen den Künsten – Dialoge mit der Literatur“.
Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2014/15.
3. Februar: Dominik Graf. 18 Uhr c.t. im Hörsaalzentrum (HZ 1&2), Campus Westend der Goethe-Universität.

Beitrag von Vinzenz Hediger
im aktuellen UniReport unter http://www.uni-frankfurt.de/53303289  (S. 19).

Mehr Informationen unter http://www.uni-frankfurt.de/45662348/aktuelle_dozentur

Forschung

Jan 30 2015
11:15

Bäckerhefe trägt als Modellorganismus zur Aufklärung bei

Veränderte Ribosomen verzögern das Altern

FRANKFURT. Mit der Bäckerhefe als Modellorganismus konnten Karl-Dieter Entian und seine Mitarbeiter Sunny Sharma, Jun Yang und Peter Kötter vom Institut für Molekulare Biowissenschaften die molekulare Funktion des Hefegens RCM1 als Methyltransferase der ribosomalen RNA aufklären. Gemeinsam mit  Markus Schosserer und Johannes Grillari vom Department für Biotechnologie der Universität für Bodenkultur Wien konnten sie nun zeigen, dass das funktionell homologe Gen des Menschen, NSUN5, den Alterungsprozess verschiedener Organismen beeinflussen kann. Durch das Ausschalten von NSUN5 (RCM1) wird die Proteinsynthese in Zellen „umprogrammiert“. Mit der Bäckerhefe als Modellorganismus und genetisch veränderten Rcm1 Methyltransferasen konnten diese Befunde erhärtet werden. Diese Studie unter Beteiligung mehrerer Partner im In- und Ausland wurde soeben im renommierten Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Ribosomen sind molekulare Maschinen und in Zellen für die Synthese von Proteinen zuständig. In den letzten Jahren wurde klar, dass dies kein starrer Prozess ist, sondern Ribosomen spezielle Proteine je nach vorherrschenden Umgebungsbedingungen erzeugen. Diese „spezialisierten“ Ribosomen helfen der Zelle rasch auf Einflüsse von außen, wie beispielsweise Hitze oder oxidativen Stress, zu reagieren.

Nachdem die Funktion von Rcm1 als Methyltransferase der ribosomalen RNA im Institut für Molekulare Biowissenschaften  aufgeklärt war, konnte das Forscherteam mit Mutanten nachweisen, dass das Fehlen einer einzelnen Methylgruppe in der ribosomalen RNA, die ein wichtiger Baustein der Ribosomen ist, Fruchtfliegen, Fadenwürmer und Bäckerhefe resistenter gegen Stress macht und diese Organismen länger leben lässt.

Wie die Frankfurter Arbeitsgruppe in den letzten Jahren gezeigt hat, haben viele der bei Hefe gefundenen Methyltransferasen homologe Proteine  im Menschen, von denen einige bei Krankheitsprozessen eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn der Weg von einfachen Modellorganismen zu einer Anwendung im Menschen noch weit ist, sehen die beteiligten Wissenschaftler dennoch in ihren Forschungsergebnissen hohes Potenzial, um in Zukunft Krankheiten, die durch Methylierungsstörungen der ribosomalen RNA hervorgerufen werden, frühzeitig zu entdecken, zu vermindern und möglicherweise Therapieverfahren zu entwickeln.

Links: http://www.nature.com/ncomms/index.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3799443/

Kontakt / Rückfragen: Prof. Dr. Karl-Dieter Entain Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe Universität Frankfurt, Max-von-Laue Strasse 9, 60438 Frankfurt/M., Tel.: +69 798 29525, entian@bio.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 30 2015
10:51

Einladung zum Medientermin / Feierstunde auf dem neuen „Norbert-Wollheim-Platz

Campus Westend: Straßen und Plätze tragen neue Namen

FRANKFURT. Nobert Wollheim, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer sind prominente Namen, nach denen ab sofort Straßen und Plätze auf dem Campus Westend der Goethe-Universität benannt sind. Weitere Benennungen  werden in absehbarer Zeit im Westend und auf dem Riedberg folgen.

Zusammen mit der Stadt Frankfurt und dem Ortsbeirat 2 möchten wir Sie anlässlich einer medienöffentlichen Feierstunde

am Mittwoch, den 4. Februar, 11 Uhr, Ort: Campus Westend,
Vorplatz IG Farben Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt

einladen, an der der Enthüllung der Straßenschilder teilzunehmen. Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Personalia/Preise

Jan 30 2015
10:04

Feierliche Vergabe der Stipendien mit Universitätspräsidentin Birgitta Wolff

511 Deutschland-Stipendien: Goethe-Universität wieder mit Spitzenergebnis

FRANKFURT. Bei einer Feierstunde im Festsaal auf dem Campus Westend überreichte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff den Deutschland-Stipendiatinnen und -Stipendiaten des akademischen Jahres 2014/15 ihre Urkunden. Mit 511 Stipendien und einer Gesamtsumme von 919.800 Euro an eingeworbenen Spenden hat die Goethe-Universität zum wiederholten Male ein Spitzenergebnis unter den deutschen Hochschulen erzielt. Ein Großteil der Stipendien, nämlich 65 Prozent, sind dabei zweckungebunden und können unabhängig von Fach und Studiengang vergeben werden. Damit entscheidet die Eignung und nicht das gewählte Studienfach über die Vergabe eines Stipendiums.

Birgitta Wolff gratulierte den glücklichen Studierenden zu dieser Auszeichnung. „Sie stehen auch beispielhaft für die Vielfalt und gesellschaftliche Durchlässigkeit der Goethe-Universität.“ 62 Prozent der Stipendiaten seien Frauen, 30 Prozent der Stipendiaten hätten einen Migrationshintergrund und 40 Prozent stammten aus bildungsfernen Schichten. Bei der Auswahl der Stipendiaten seien nicht nur schulische oder akademische Leistungen, sondern ebenso soziales Engagement und die eigene Biografie entscheidend gewesen.Hier sitzen 511 Menschen, die sich für ihre Ziele einsetzen und Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für die Gesellschaft übernehmen.

Wolff hob ferner das bereits vom Stifterverband für Wissenschaft ausgezeichnete ideelle Förderprogramm hervor: So engagieren sich die Stipendiaten im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagement für wichtige gesellschaftliche Fragen. In Projektgruppen, die von Mentoren aus Unternehmen und Stiftungen begleitet werden, widmen sich die Studierenden so unterschiedlichen Themen wie der Betreuung von Flüchtlingen oder dem Papierrecycling. „Sie als Stipendiaten geben den Stiftern und Bürgern damit ideell etwas für ihre materielle Unterstützung zurück“, betonte Wolff.

Die Universitätspräsidentin dankte in ihrer Rede allen 287 Förderern und hob dabei die Mäzenin Johanna Quandt hervor, die sich seit vielen Jahren für die Goethe-Universität engagiert und die Ehrensenatorenwürde trägt. Quandt finanziert in diesem Jahr knapp die Hälfte der Stipendien.

In einer von Universitätsvizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz moderierten Gesprächsrunde betonten Förderer den gesamtgesellschaftlichen Nutzen des Deutschland-Stipendiums. Bettina Langenberg gewährte Einblicke in ihre Motivation als private Förderin; Alexander Heck von der Freiherr Carl von Rothschild‘sche Stiftung und Udo Schweers vom Unternehmen ‚Santander Universitäten‘ stellten dar, warum Stiftungen und Unternehmen das Deutschland-Stipendium unterstützen.

Zum Deutschland-Stipendium: Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von 300 Euro für mindestens ein Jahr. Die eine Hälfte der Förderung spenden private Förderer, die andere Hälfte gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dazu. Gefördert werden sowohl Studienanfänger als auch Studierende höherer Semester, deren bisheriger Werdegang besonders gute Leistungen im Studium erwarten lässt oder bereits aufweist. Berücksichtigt werden außerdem das gesellschaftliche Engagement der Studierenden sowie besondere persönliche Umstände, die sich beispielsweise aus der familiären Herkunft, der Betreuung für Familienangehörige oder einem Migrationshintergrund ergeben.

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/53893324

Weitere Informationen: Lucia Lentes, Stabsstelle Fundraising, Goethe-Universität. Tel. (069) 798-12756; lentes@pvw.uni-frankfurt.de; www2.uni-frankfurt.de/44947252/chancen_schenken 

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Jan 29 2015
16:41

Ein Abend im Café Sturm & Drang mit Film, Lesung und Ausstellung erinnert an den AfE-Turm

TURM reloaded

FRANKFURT. Seit einem Jahr ist der AfE-Turm Geschichte. Aus diesem Anlass erinnert ein multimedialer Abend im Café Sturm & Drang, der am 2. Februar, also genau ein Jahr nach der Sprengung stattfindet, an das schon legendäre Gebäude. Filmische, fotografische, textliche und bildnerische Annäherungen lassen den Turm, der für viele, die dort studiert und gearbeitet haben, der Inbegriff der kritischen Wissenschaft war, für einen Abend nochmal lebendig werden.

Zuerst präsentiert Vladimir Alexeev seinen Film über das Uni-Hochhaus. Danach werden Maria Marchel und Manfred Simon persönlich gefärbte Anekdoten und Stories aus der Arbeitswelt im Turm zum Besten geben. Die Sprüche und Graffiti an den Wänden des Turms wird Albert Schmude mit einer Lesung aus seinen bekannten Werken „Turm forever“ und „Freiheit für Grönland, weg mit dem Packeis“ in Erinnerung rufen. Die Ausstellung „Turm-Diversität“ zeigt Kohlezeichnungen von Petra Boßhammer und Siebdrucke von Michael Bloeck. Um fotografische Ansichten des einst höchsten Gebäudes in Frankfurt geht es schließlich im Bildband „Der AfE-Turm“, den Christian Engels mit seinem Kollegen Per Schorn herausgebracht hat.

TURM reloaded 2.2
Montag, 2. Februar, 18.00 Uhr im Restaurant/Café-Bistro Sturm und Drang
Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Grüneburgplatz 1/Theodor-W.-Adorno-Platz 5, 60323 Frankfurt

Mehr Informationen unter http://cafe-sturm-und-drang.de/specials/

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Jan 29 2015
13:02

Jubiläumsausstellung der Goethe-Universität im Museum Giersch zeigt noch bis 8. Februar außergewöhnliche Stücke aus 40 Sammlungen

„Wunderbare Dinge“ nur noch kurze Zeit zu sehen

FRANKFURT. „Wunderbare Dinge“ sehen kann man derzeit im Museum Giersch, allerdings nur noch für kurze Zeit: Die Ausstellung, die anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität Seltenes, Spektakuläres und Historisches aus 40 uniinternen Sammlungen zeigt, ist noch bis 8. Februar geöffnet. Wer sich für Geschichte und Gegenwart der Frankfurter Universität und ihrer verschiedenen Forschungsbereiche interessiert, hat bis dahin Gelegenheit für einen Besuch. Am Donnerstag, 4. Februar, findet nochmals eine öffentliche Führung statt, und für 5- bis 10-Jährige gibt es ein Kinderprogramm. Die Finissage mit Lesungen und Musik findet am Samstag, 7. Februar, statt.

„Ich sehe wunderbare Dinge“, diesen Aufruf Howard Carters bei der Entdeckung des Tutenchamun-Grabes im Tal der Könige hat Kuratorin Dr. Charlotte Trümpler als Motto für diese einmalige Zusammenstellung von Exponaten ausgewählt. Denn bei der Recherche in Depots, Büros, Archivräumen und Dachböden der Universität sind sie und ihr Team oft ähnlich wie Carter auf Unerwartetes, Verblüffendes und Wertvolles gestoßen.  Die schönsten Stücke wurden für die Ausstellung ausgewählt und nach wohlüberlegten Kriterien geordnet. Neben erklärenden Tafeln zu den Exponaten sind auch 41 Filme entstanden, die dem Besucher einen humorvollen Blick über die Schulter der Wissenschaftler eröffnen.

Zu Beginn der Ausstellung kann der Besucher Einzigartiges, aber auch Alltägliches selbst entdecken und so die Sammlungsvielfalt kennenlernen. Gezeigt wird der älteste menschliche Fund, ein 2,4 Millionen Jahre alter Unterkiefer aus Malawi (Afrika), das älteste Ziehbilderbuch der Welt, gesammelt von Walter Benjamin, oder ein handsigniertes Plakat von Andy Warhol, aber auch eine Motorradjacke aus den wilden 60er-Jahren. Ein weiterer Raum gibt mit Hilfe von Fotografien Einblick in die Sammlungen selbst, in die Aufbewahrung der Objekte in meterlangen Kellerregalen, gestapelten Kisten und gefüllten Depots.

Der größte Teil der Schau zeigt die Objekte jedoch nicht nach Sammlungszugehörigkeit geordnet, sondern nach thematischen Gesichtspunkten. Die verschiedenen Bereiche sind überschrieben mit Schlagworten wie Neugier, Glaube, Köpfe, Bewegung, Gewalt, Zeit usw. Durch die Gegenüberstellung verschiedener Exponate werden Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte der Disziplinen verdeutlicht. Am Ende der Ausstellungsräume erwartet den Besucher eine eher leichtfüßige Thematik: Der von Studierenden mitgestaltete Raum widmet sich dem Thema Kaffee, Kaffeetassen von Universitätsangehörigen zeigen zum Teil einen ganz eigenen Humor. Bei einer heißen Tasse kann sich der Besucher vom Rundgang ausruhen, im Katalog blättern, die neu entstandene Plattform zu den Sammlungen anschauen oder sich mit den Filmen beschäftigen.

Öffnungszeiten: Di, Mi 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr, Fr, Sa, So 10-18 Uhr

Flyer, Foto und Bildtext zur Herunterladen unter: www.uni-frankfurt.de/53866851.

Begleitprogramm:

Öffentliche Führung im Museum Giersch sonntags um 15 Uhr sowie am Mittwoch, 4. Februar um 17.30 Uhr; Kosten: 2 Euro (zuzügl. Eintritt); Sonderführungen auf Anfrage unter 069 63304128;

Kinderprogramm „Forscher aufgepasst!“: Wie echte Wissenschaftler erforschen die 5- bis 10-Jährigen Objekte, sammeln Bilder und Informationen und ordnen das Gesammelte in eigene Mappen; Mittwoch, 4. Februar, 15.30 bis 17.30 Uhr; Kosten: 6 Euro; verbindliche Anmeldung bis 2.  Februar unter 069 63304128

Finissage: Samstag, 7. Februar, 15-22 Uhr mit dem Jazz Trio Contrast; 17-18 und 19-20 Uhr Lesungen zu Objekten aus den Sammlungen, ab 17 Uhr Getränkeverkauf. Eintritt Erwachsene 5 Euro/Ermäßigt 3 Euro, Kinder unter 12 Jahren und Studierende haben freien Eintritt.

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Jan 29 2015
12:44

Ganztägiges Symposium der EKHN Stiftung will Licht in aktuelle Medizindebatte bringen

Stammzellen: Große Hoffnung und viele offene Fragen

FRANKFURT.„Der erneuerbare Mensch?“ – so lautet der Titel des naturwissenschaftlichen Symposiums, zu dem die EKHN Stiftung am Samstag, 7. Februar, an die Goethe-Universität lädt. Es geht um Methoden und Erkenntnisse der Stammzellforschung – aber gerade auch um die vielen offenen Fragen.

Viele Hoffnungen verbinden sich mit möglichen künftigen Therapien: Könnten so in Zukunft chronische Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose und Alzheimer überwunden werden oder kinderlose Paare neue Hoffnung auf Nachwuchs schöpfen: Für viele Menschen enthält die Stammzellforschung eine Art Heilsversprechen. Dies bestätigt eine Umfrage, die Emnid 2013 im Auftrag des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW erstellt hat. Danach waren mehr als 90 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Biomedizin in der näheren Zukunft bei der Behandlung von Krankheiten eine sehr wichtige Rolle spielen werde, und 77 Prozent wären selbst zu einer Stammzellenspende bereit. Insgesamt stellten die Meinungsforscher fest, dass die Bevölkerung bei diesem Thema gut informiert ist.

Dem gegenüber steht die ethische Debatte: Kaum eine andere Fachrichtung innerhalb der Medizin dürfte so umstritten sein wie die Stammzellforschung. Denn was zunächst vor allem als Chance erscheint, kann auch weitergedacht werden: Mit Hilfe dieser Technologie können beliebig Organe nachgezüchtet werden, der Selbstoptimierung des Menschen scheinen damit kaum noch Grenzen gesetzt. Nicht die Linderung von Leid allein stünde dann im Fokus dieses medizinischen Teilbereichs, sondern möglicherweise das Design des perfekten Menschen. Wer es sich leisten kann, legt sich beizeiten ein „Ersatzteillager“ für seine Organe an – nicht unbedingt eine sympathische Vorstellung.

Noch sind auch viele Forschungsfragen nicht geklärt – etwa die nach Immunabstoßungsreaktionen und Tumorbildungen nach einer Stammzellenimplantation –, aber die gesellschaftliche Debatte über das Thema muss dringend geführt werden. Was ist tatsächlich machbar bisher? Was ist ethisch erlaubt in der Stammzellforschung? Diesen Fragen widmet sich das ganztägige wissenschaftliche Symposium, zu dem die EKHN Stiftung am Samstag, 7. Februar, ins Auditorium Maximum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität lädt. In Einzelvorträgen beleuchten renommierte Biologen, Mediziner, Pharmakologen und Theologen die Thematik aus ihrer Perspektive und stehen anschließend zur Diskussion mit den teilnehmenden Bürgern bereit.

Mit dabei sind der Frankfurter Pharmakologe Theodor Dingermann (Goethe-Universität), Prof. Regine Kollek (Professorin für Technologiefolgenabschätzung der modernen Biotechnologie, Universität Hamburg), Prof. Magdalena Götz (Direktorin des Instituts für Stammzellforschung am Helmholtz Zentrum München und Inhaberin des Lehrstuhls für Physiologische Genomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Anthony Ho (Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin V, Universität Heidelberg und Mitglied der Zentralen Ethikkommission zur Stammzellforschung), Prof. Klaus Tanner (Ordinarius für Systematische Theologie und Ethik, Universität Heidelberg) und Prof. Oliver Brüstle (Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Moderiert wird das Symposium von Joachim Müller-Jung, Ressortchef für „Natur und Wissenschaft“ bei der FAZ und Autor des Buches „Das Ende der Krankheit. Die neuen Versprechen der Medizin“.

Das Symposium findet zum dritten Mal statt. In den Jahren 2011 und 2013 ging es um die Themen Klimawandel bzw. Hirnforschung. Die Veranstaltung, die sich regelmäßig zum Publikumsmagneten entwickelt, richtet sich vor allem an ein jüngeres Publikum. Dem Symposium im Audimax geht denn auch ein zweitägiges vorbereitendes Schülerseminar voraus, an dem rund 200 Oberstufenschüler aus Hessen und Rheinland-Pfalz teilnehmen. Das Schülerseminar steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dingermann. Die Schirmherrschaft für die gesamte Veranstaltung haben in diesem Jahr der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt Peter Feldmann, der Kirchenpräsident der EKHN Dr. Volker Jung und Uni-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavec übernommen.

Teilnahmebedingungen: Anmeldung zum Symposium möglich bis 6. Februar auf der Webseite www.ekhn-stiftung.de/symposium2015.

Information: Friederike von Bünau, Geschäftsführerin EKHN Stiftung, Telefon 069 59799051, Fax 069597990 52, E-Mail info@ekhn-stiftung.de

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Jan 29 2015
12:42

Reihe zur Übersetzung von Normen und Normativität endet am 5. Februar 2015 mit einem Vortrag des renommierten Kulturhistorikers

Peter Burke spricht zum Abschluss der Ringvorlesung

FRANKFURT. Das Finale der Ringvorlesung „Translating Normativity: New Perspectives on Law and Legal Transfers“ ist gleichzeitig ihr Höhepunkt. Am 5. Februar kommt Peter Burke, der international als einer der bedeutendsten Kulturhistoriker gilt, an die Goethe-Universität. Der Cambridge-Professor widmet sich einem Thema, das für die Beschäftigung mit Fragen des Rechtstransfers zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen grundlegend ist: „Translating norms: strengths and weaknesses of a concept”. Sein öffentlicher Vortrag in englischer Sprache beginnt um 18.15 Uhr im Casinogebäude (Raum 1801) auf dem Campus Westend.

Veranstalter der jetzt zu Ende gehenden Ringvorlesung ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in besonderer Zusammenarbeit mit dem Partner des Exzellenzclusters, dem Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Was passiert, wenn rechtliche Normen in einen neuen kulturellen oder sprachlichen Kontext übertragen werden? Wie verändert sich das Recht, wie verändert sich seine Normativität? Vor allem auch diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Reihe, deren Ziel es ist, das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Fremden und dem Eigenen in interkulturell verflochtenen Rechtsbildungsprozessen zu beleuchten.

Recht und rechtliches Wissen waren im Laufe der Geschichte stets über Kulturgrenzen hinweg in Bewegung. Die Aufnahme fremden Rechts erfolgte teils freiwillig, teils wurde sie von außen erzwungen. Nach Systemumbrüchen oder Regimewechseln sowie im Rahmen der juristischen Entwicklungszusammenarbeit dient ausländisches Recht regelmäßig als Vorbild bei der Erschaffung einer stabilen und funktionsfähigen Rechtsordnung. Bei den damit verbundenen Vorgängen handelt es sich jedoch nicht um ein lineares Geben oder Nehmen. Ein erkenntnisleitender Begriff der Ringvorlesung ist deshalb die „kulturelle Übersetzung“. Damit soll der Blick auf die Eigendynamiken gerichtet werden – von der Begegnung, Verständigung und Aushandlung bis zu Widerständen.

In seinem Vortrag diskutiert Peter Burke die Stärken aber ebenso mögliche Schwächen des Konzepts „cultural translation“ unter besonderer Berücksichtigung der Übersetzung rechtlicher Normen. Das Konzept der kulturellen Übersetzung sei, so Burke, eine Möglichkeit, kulturellen Wandel auf verschiedenen Gebieten zu beschreiben. Im Fall des Rechts müsse auch berücksichtigt werden, dass es bereits in einem bestimmten kulturellen Kontext formuliert wurde. Das Recht wird also nicht, wie auch die rechtswissenschaftliche Forschung zeigt, schlicht durch die Hand des Gesetzgebers geschaffen, sondern ist stets schon verwoben mit Sprache und Tradition.

Peter Burke, der in Oxford studiert hat, ist emeritierter Professor für Kulturgeschichte an der Universität Cambridge. International bekannt wurde er durch seine Werke zur Renaissance und deren Sozialgeschichte. Seine 26 Bücher und rund 200 Artikel sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Seine jüngste, im Jahr 2014 auf Deutsch erschienene Monographie „Die Explosion des Wissens. Von der Encyclopedie bis Wikipedia“ geht der Geschichte des Wissens und der Wissensgesellschaft der vergangenen 250 Jahre nach.

Information: Dr. Lena Foljanty, Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Tel. (069) 78978-186, foljanty@rg.mpg.de, www.rg.mpg.de, www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Veranstaltungen

Jan 29 2015
12:39

Goethe-Universität im vierten Jahrgang der Förderung wieder mit herausragendem Ergebnis

Feierliche Vergabe der Deutschland-Stipendien

FRANKFURT. Im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal auf dem Campus Westend werden die Deutschland-Stipendien des akademischen Jahres 2014/15 vergeben. Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff wird den Studierenden die Urkunden überreichen. Im vierten Jahrgang des Deutschland-Stipendiums kann die Goethe-Universität wie bereits in den Vorjahren ein sehr gutes Ergebnis erzielen: Über 500 Stipendien können vergeben werden.

Mit dem Deutschland-Stipendium werden begabte und leistungsstarke Studierende mit je 300 Euro im Monat gefördert. Die eine Hälfte der Förderung spenden private Förderer, die andere Hälfte gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung dazu. Eine Besonderheit des Stipendiums an der Goethe-Universität ist das ideelle Förderprogramm.

Vergabefeier der Deutschland-Stipendien
Donnerstag, 29. Januar 2015, um 19 Uhr. Festsaal Casino, Campus Westend.

Weitere Informationen: Lucia Lentes, Stabsstelle Fundraising, Goethe-Universität. Tel. (069) 798-12756; m.pacera@vdv.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 27 2015
14:04

Der Politikwissenschaftler und Alfred Grosser-Gastprofessor Yves Sintomer spricht in einer öffentlichen Vorlesung über gegenwärtige Entwicklungen in beiden Ländern

Deutschland und Frankreich im Vergleich

FRANKFURT. Europa erlebt derzeit eine Krise der politischen Repräsentation. Die Parteien verlieren Mitglieder, das Vertrauen in die Politik wird geringer, vielerorts entwickeln sich autoritäre Tendenzen. Was dies für Deutschland und Frankreich bedeutet, erforscht der Franzose Prof. Dr. Yves Sintomer. Entwicklung und Geschichte beider Länder sind eng miteinander verflochten. Gegenwärtig entwickeln sich die Staaten jedoch unterschiedlich. Sintomers Diagnose: Anders als Deutschland hat Frankreich erhebliche Schwierigkeiten mit Reformen, die Politik verliert an Sachlichkeit, Rechtspopulismus nimmt zu. Doch ist die Krise in Frankreich wirklich so tief? Welche Perspektiven haben Deutschland und Frankreich? Antworten gibt der aktuelle Inhaber der Frankfurter Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung in seinem Vortrag.

Prof. Yves Sintomer: „Die Krise der repräsentativen Demokratie: Frankreich und Deutschland im Vergleich“.
Vortrag im Rahmen der  Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung
29. Januar 2015, 19 Uhr, PEG-Gebäude, Raum 1.G 192, Campus Westend.

Yves Sintomer ist Professor an der Université Paris 8 und Senior Fellow des Institut Universitaire de France. Seine Schwerpunkte sind die theoretische Fundierung deliberativer Demokratie, die Ausprägungen partizipativer Demokratie in Europa und die Veränderung der politischen Repräsentation in Frankreich, Deutschland, Brasilien und China. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Sozialforschung (IfS) ist Sintomer mit Frankfurt verbunden.

Die Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt wurde 2009 auf Initiative der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft gestiftet. Mit dem Projekt sollen die Forschung und der öffentliche Diskurs über die Bürgergesellschaft am Standort Frankfurt vorangebracht und international sichtbar gemacht werden. Namenspatron ist der in Frankfurt geborene renommierte Politikwissenschaftler Alfred Grosser.

Forschung

Jan 27 2015
14:02

Grabungen in Nigeria zurzeit nicht möglich – Frankfurter Archäologen wollen kein Sicherheitsrisiko eingehen – Nun werden vorhandene Daten in Frankfurt ausgewertet

1,6 Mio Euro von der DFG: Erforschung der Nok-Kultur geht in die dritte Runde

FRANKFURT. Das Wissenschaftler-Team des Instituts für Archäologische Wissenschaften, das seit 2005 die Nok-Kultur in Nigeria erforscht, kann seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird das auf insgesamt 12 Jahre Laufzeit angelegte Forschungsprogramm weitere drei Jahre mit 1,6 Millionen Euro unterstützten. Ziel ist es mehr zu erfahren über die mit 2000 bis 3000 Jahren älteste Figuralkunst in Afrika südlich der Sahara sowie die Lebensumstände dieser Kultur.

Allerdings zwingen die politischen Unruhen in Nigeria die Forscher zu einer Änderung ihrer Pläne. Grund sind die politischen Unruhen in Nigeria, insbesondere die Anschläge der islamistischen Terrororganisation Boko Haram: „Das Sicherheitsrisiko für das Team ist zu groß, deshalb müssen wir die Feldarbeiten in Nigeria verschieben und der sich hoffentlich verbessernden Situation anpassen“, so Prof. Dr. Peter Breunig. Der Frankfurter Archäologe bereist das westafrikanische Land seit 1989 regelmäßig.

In der Zwischenzeit planen die zehn Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die bisherigen Ausgrabungen und die vorliegenden Fundinventare von 79 Grabungsstellen auszuwerten und die Aufarbeitung, Publikation und Internet-Präsentation der bisher zusammengetragenen Daten vorzuziehen. Die Frankfurter Ergebnisse könnten vielleicht schon bald das einzige und nicht mehr zu erweiterbare Wissen über diese Kultur darstellen. Denn die Raubgräber, die seit Jahrzehnten in Nigeria aktiv sind, lassen sich von den politischen Unruhen wenig beeindrucken; ihr Geschäft geht weiter: „Die Skulpturen sind auf dem internationalen Kunstmarkt weiter sehr begehrt. Die Raubgräber zerstören auf der Suche nach diesen Schätzen systematisch eine Fundstelle nach der anderen“, bedauert Breunig.

Neben den bis zu einem Meter großen, über 2000 Jahre alten Terrakotten, die bei vielen Grabungen gefunden werden, sind die Wissenschaftler auch auf andere Funde wie Keramikgefäße, Steingeräte, Eisenobjekte und pflanzliche Reste gestoßen, deren Auswertung ein umfassendes Bild der Nok-Kultur liefern wird. Dazu der Frankfurter Archäologe: „So lassen beispielsweise die Keramikgefäße, die sich in Form und Verzierung unterscheiden, Entwicklungsabschnitte erkennen, die eine Grundlage der Chronologie der Nok-Kultur bilden.“

Ein eigener, von Prof. Dr. Katharina Neumann geleiteter Projektteil, widmet sich den pflanzlichen Resten, die sich regelmäßig in den Ausgrabungsflächen finden. Sie liefern Hinweise auf die Umwelt und die Wirtschaftsweise. Bereits jetzt ist erkennbar, dass die Nok-Kultur nur wenige Kulturpflanzen genutzt hat. „Von Anfang an waren Hirse und eine Bohnenart, außerdem verschiedene Wildfrüchte vertreten; erst nach dem Ende der Nok-Kultur kamen die Ölpalme sowie ein ‚Fonio’ genanntes Getreide hinzu“, erläutert die Archäobotanikerin Neumann. „Unter Umständen war die konservative Haltung der Menschen, die sich in ihrem begrenzten Kulturpflanzenspektrum und in der standardisierten Herstellung der Terrakotta-Skulpturen ausdrückt, mit ein Grund für das Verschwinden der Nok-Kultur um 300 v. Chr.“

Als übergeordnetes Thema betrachten die Archäologen die gesellschaftliche Entwicklung in der Nok-Kultur von kleinen Gruppen aus Jägern und Sammlern zu großen Gemeinschaften mit zunehmend komplexen Formen menschlichen Zusammenlebens. „Die Nok-Kultur mit ihrer rätselhaften Verwendung der zahllosen Terrakotten verkörpert ein vielversprechendes Beispiel dieser Entwicklung“, ergänzt Breunig. Aus dem Fundzusammenhang schließen die Archäologen, dass zumindest ein Teil der Plastiken Bestandteil komplexer Ritualpraktiken waren, die am ehesten mit Ahnenkult in Verbindung zu bringen sind.

Das Frankfurter Archäologen-Team will noch mehr erfahren über die Siedlungs- und Wirtschaftsweise, die soziale Organisation sowie die Rolle, die das Aufkommen der Eisenmetallurgie als eine große technologische Umwälzung dabei spielte. Während in den ersten beiden Phasen der DFG-Förderung die Chronologie und Struktur der Fundstellen im Mittelpunkt standen, werden sich die Forscher in den kommenden drei Jahren den regionalen Differenzierungen im Verbreitungsgebiet der Nok-Kultur widmen, das fast die fünffache Größe Hessens umfasst. Auf dem Programm stehen u.a. exemplarische Untersuchungen einer großen Siedlungskammer, in der Fundstellen der Nok-Kultur zahlreich auftreten und Einblick in die Siedlungsgewohnheiten der Menschen damals versprechen, und von Plätzen zur Eisenverhüttung. Denn die Nok-Kultur liefert Hinweise auf das früheste Eisen im sub-saharischen Afrika, was weiter untermauert werden soll.

Finanziert wurde von der DFG auch die große erfolgreiche Skulpturenausstellung, die vom Oktober 2013 bis März 2014 in Kooperation mit dem Frankfurter Liebieghaus stattfand. Dort wurden über 100 Skulpturen und Fragmente der Nok-Kultur und eine Zusammenfassung bisheriger Forschungsergebnisse gezeigt. Sämtliche Objekte aus der Frankfurter Ausstellung wurden inzwischen wieder an die zuständige Bundesbehörde in Nigeria zurückgegeben, wo sie in einer Ausstellung in der Landeshauptstadt Kaduna gezeigt werden. Sie waren nur Leihgabe für die wissenschaftliche Auswertung und die Frankfurter Ausstellung.

Informationen: Prof. Peter Breunig, Instituts für Archäologische Wissenschaften, Bereich Archäologie und Archäobotanik Afrikas, Campus Westend, Tel. (069) 798-32094, breunig@em.uni-frankfurt.de

Fotos und Bildtexte zur Herunterladen unter: www.uni-frankfurt.de/53831781

Veranstaltungen

Jan 27 2015
13:52

Kristien Hemmerechts und Franca Treur lesen auf dem Campus Westend – Neue Veranstaltungsreihe des Lektorats Niederländisch

Flämische Schriftstellerin rührt an nationalem Trauma: Roman über die Frau des Kinderschänders Marc Dutroux

FRANKFURT. Mit Lesungen und Diskussionsveranstaltungen zur Literatur bereitet das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität das interessierte Frankfurter Publikum auf den Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016 vor: Regelmäßig werden in den kommenden Monaten jeweils ein niederländischer und ein flämischer Gast eingeladen.

Zum Auftakt kommen am 6. Februar (Freitag) die Schriftstellerinnen Franca Treur und Kristien Hemmerechts. Sie werden auf Niederländisch aus ihren Romanen „Dorsvloer vol confetti“ (deutsch: „Ein Dreschboden voller Konfetti“) und „De vrouw die de honden eten gaf“ (deutsch: „Die Frau, die den Hunden zu essen gab“) lesen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Casino, Raum 1.812, Campus Westend. Sowohl Kristien Hemmerechts als auch Franca Treur haben mit ihren Romanen jeweils empfindliche Stellen in der belgischen bzw. niederländischen Gesellschaft getroffen und sehen sich deshalb einiger Kritik ausgesetzt; auch darüber werden sie mit den Zuhörern diskutieren.

Selten hat in den letzten Jahren das Erscheinen eines Romans so viel Diskussionen, Kontroversen und Kritik ausgelöst wie das Anfang 2014 erschienene Buch von Kristien Hemmerechts „De vrouw die de honden eten gaf“. In dem Roman versucht sich die Autorin in Michelle Martin – Belgiens meist gehasste Frau – hineinzuversetzen. Die Frage, die sie dabei beschäftigt ist, wie eine Mutter von drei Kindern es fertigbrachte, die Hunde ihres inhaftierten Ehemannes, des Kinderschänders Marc Dutroux, zu füttern, während sie wusste, dass im Keller zwei junge Mädchen eingesperrt waren und verhungerten. Die Reaktionen auf Kristien Hemmerechts Versuch zeigen, dass Belgiens nationales Trauma noch lange nicht geheilt und die Verarbeitung immer noch ein Tabu ist.

Kristien Hemmerechts (geb. 1955) hat bereits etwa 30 Bücher, meist Romane veröffentlicht, die häufig als provozierend wahrgenommen wurden. „De vrouw die de honden eten gaf „wurde bereits ins Französische und Englische übersetzt, eine schwedische Übersetzung ist in Vorbereitung.

Franca Treurs Debütroman „Dorsvloer vol confetti“ aus dem Jahre 2009 wurde in den Niederlanden sehr positiv aufgenommen, er wurde mit dem Selexyz-Preis für das beste Debüt ausgezeichnet und im vergangenen Jahr verfilmt. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das in den 1990er Jahren in der Provinz Seeland in einer streng reformierten, kinderreichen Bauernfamilie aufwächst – ein Familienmodell, von dem man angenommen hatte, es würde der Vergangenheit angehören. Aufgrund dieser Thematik wird Franca Treur (geb. 1979) mit Schriftstellern wie Jan Siebelink und Maarten`t Hart verglichen, obwohl sie fast 40 Jahre jünger ist. Da der Roman deutliche autobiografische Züge aufweist, wird Franca Treur in reformierten Kreisen als Nestbeschmutzerin kritisiert.

Keiner der beiden Romane ist bisher ins Deutsche übersetzt worden, aber vielleicht ändert sich das noch bis zur Buchmesse 2016.

nformationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe

Veranstaltungen

Jan 27 2015
13:48

Rhein-Main Neuronetz goes public/ Öffentlicher Vortrag von Wolf Singer

Ein starkes Netzwerk für die Hirnforschung

FRANKFURT. Das Rhein-Main Neuronetz (rhine-main neuroscience network, rmn²) gehört in Forscherkreisen zu den international sichtbaren Standorten der Hirnforschung in Deutschland. Gegründet wurde es vor fünf Jahren als Zusammenschluss von Forschungsinstitutionen in Frankfurt und Mainz, um Forschungsgeräte und Technologien gemeinsam zu nutzen und neue Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis umzusetzen. Nun stellt sich das rmn² erstmals der Öffentlichkeit vor.

Was? 1. rmn² lecture mit Prof. Wolf Singer: „Das Gehirn, ein sich selbst organisierendes, dynamisches System: Herausforderungen eines Paradigmenwechsels“

Wann? Montag, dem 2. Februar 2015 um 17:15 Uhr

Wo? Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Hörsaalzentrum  HZ1, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt

Die Vorlesungen werden von nun an jährlich abwechselnd in an der Goethe-Universität und der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz, stattfinden. Weitere Mitglieder des Netzwerks sind die Universitätskliniken beider Städte, das Institut für Molekulare Biologie Mainz, das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), das Ernst Strüngmann Institut sowie die Max-Planck Institute für Hirnforschung und Empirische Ästhetik in Frankfurt.

Die internationale Sichtbarkeit des Neuro-Forschungsverbunds steht auf einer Stufe mit den Forschungsnetzwerken in Berlin und München. Zu den größten, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Verbundprojekten des rmn² gehören die „Molekularen und Zellulären Mechanismen der Neuralen Homöostase“ und “Multiple Sklerose: Von einem neuen Verständnis der Pathogenese zur Therapie“.

In seinem Vortrag wird Wolf Singer, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, Mitbegründer des FIAS und Senior Fellow am Ernst-Strüngmann- Institut für Neurowissenschaften, aufzeigen, dass die Funktionen des Gehirns auf dem Zusammenwirken einer Vielzahl räumlich verteilter Prozesse beruhen, die sich ohne Zutun einer zentralen Instanz koordinieren. Für die Grundlagenwissenschaft ist es eine große Herausforderung, die Prinzipien dieser Eigendynamik zu verstehen.  Nicht zuletzt, weil vermutlich eine Reihe neurologischer und vor allem psychiatrischer Erkrankungen auf Störungen dieser Dynamik beruhen.

Wird ein vertieftes Verständnis der Verarbeitungsprozesse im Gehirn in naher Zukunft die Entwicklung intelligenter, künstlicher Systeme begünstigen? Und wie wird dies den Blick auf uns selbst verändern? Auch diese Fragen werden im Rahmen des Vortrags thematisiert.

Alle Interessierten sind zu Vortrag, Diskussion und kleinem Umtrunk eingeladen.

Informationen: Dr. Gabi Lahner, Koordinatorin des Rhine-Main Neuroscience Network (rmn²), Neuroscience Center, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-6021, lahner@em.uni-frankfurt.de.
www.rmn2.de