Pressemitteilungen 

Veranstaltungen

Jan 10 2014
11:06

Prof. Fotis Jannidis spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Die empirische Wende: Literaturforschung mit digitaler Volltextrecherche

FRANKFURT. Mit der Verwendung digitaler Textsammlungen in der Literaturwissenschaft setzt sich Prof. Fotis Jannidis am Mittwoch (15. Januar) auseinander. Der Titel seines öffentlichen Vortrags lautet „Literaturgeschichte und Makroanalyse“ Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.

Auch wenn erst ein kleiner Anteil aller gedruckten Bücher im digitalen Volltext vorliegt, hat sich inzwischen bereits ein neues Forschungsfeld etabliert, das Methoden der Korpuslinguistik, des „Information Retrieval“ und des „Text Mining“ verwendet, um Antworten auf Fragen zu erlangen, die bisher schon aufgrund der Menge der zu untersuchenden Texte unbeantwortbar erschienen. Der Professor für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg wird in seinem Vortrag dieses Forschungsfeld und einige der Methoden und Ergebnisse vorstellen.

Der Umgang mit großen Datenmengen hat die Arbeitsweise vieler Geisteswissenschaftler in den vergangenen Jahren erheblich verändert und hat auch inhaltlich zu einem Wandel in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern geführt. „Empirische Wende“ nennen die Experten die an Einfluss gewinnende quantifizierende Arbeit an großen, kontrolliert erstellten digitalen Text- und Bildcorpora. Die Goethe-Universität hat auf diesem Gebiet die Nase vorn: Mit der im Dezember 2013 noch einmal um ein Jahr verlängerten Finanzierung für LOEWE-Schwerpunkt kann Frankfurt seine Spitzenposition in der sich schnell entwickelnden Landschaft der „Digital Humanities“ in Deutschland weiter ausbauen. Beteiligt an diesem LOEWE-Schwerpunkt sind auch Informatiker und Geisteswissenschaftler der TU Darmstadt sowie Literaturwissenschaftler des Freien Deutschen Hochstifts (Frankfurter Goethe-Museum).

Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Jan 10 2014
11:04

Prof. Wolfgang Bauer spricht bei der öffentlichen Vortragsreihe „Vom Urknall ins Labor“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Genesis : Über den Ursprung der Atome

FRANKFURT. Alle Materie auf der Erde, einschließlich unseres Körpers, besteht aus einer gigantischen Anzahl von Atomen. In einem ständigen Recyclingprozess werden die Atome in unserem Körper kontinuierlich mit der Biosphäre ausgetauscht. In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Vom Urknall ins Labor“ hält am Donnerstag (16. Januar) um 19 Uhr Prof. Wolfgang Bauer einen Vortrag zum Thema „Genesis – der Ursprung der Elemente“. Im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG gewähren international renommierte Forscher interessierten Laien in diesem Wintersemester einen Blick in die realen und virtuellen Laboratorien der Physik.

Was ist der Ursprung dieser Atome, wie alt sind sie, wie lange leben sie und wie sind sie entstanden? Und können wir Atome sogar – den jahrhundertealten Traum der Alchemisten erfüllend – künstlich ineinander umwandeln? Die Verbindung der moderne Kernphysik und der Astrophysik kann Antworten auf diese Fragen liefern, wie Bauer, Professor an der Michigan State University, USA den Zuhörern zeigen wird.

Prof. Dr. Wolfgang Bauer studierte Physik an der Universität Gießen und promovierte im Jahr 1987. Anschließend war er Postdoctoral Research Fellow am California Institute of Technology, Pasadena (USA). Es folgte 1988 eine Assistenzprofessur an der Michigan State University, East Lansing. Seit 1996 ist Bauer Professor für Physik und Astronomie an der Michigan State University (MSU) und seit 1997 Leiter der Theoriegruppe am National Superconducting Cyclotron Laboratory. Als Chairman des Department of Physics and Astronomy der MSU fungiert Bauer seit 2001, 2009 wurde er Gründungsdirektor des Institute for Cyber-Enabled Research, Michigan State University. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Kernreaktionen bei mittleren und hohen Energien, nukleare Fragmentation, Supernova-Explosionen, Einsatz moderner Medien in der Lehre.

Wie auch die zwei noch folgenden Vorträge beginnt die Vorlesung mit anschließender Diskussionsrunde um 19 Uhr auf dem Campus Riedberg, im Hörsaal 100 des „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ (FIAS), Ruth-Moufang-Straße 1. Organisatoren und Veranstalter dieser Reihe sind neben der Goethe-Universität das „Helmholtz International Center for Fair“ (Hic for Fair) und das FIAS. Die Vorlesungen im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ richten sich an interessierte Bürger und Bürgerinnen sowie an Studierende und Angehörige aller wissenschaftlichen Institutionen im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurt ist als Austragungsort einer solchen Ringvorlesung besonders geeignet, da in der Rhein-Main-Region eine Reihe von führenden Forschungsinstitutionen dem Gebiet „Materie unter extremen Bedingungen“ beheimatet ist. Physiker der Goethe-Universität arbeiten eng zusammen mit dem Helmholtzzentrum GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) in Darmstadt und mit der dort entstehenden Großforschungsanlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research). Begleitet werden diese Aktivitäten vom Mitveranstalter der Vortragsreihe, dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR), das demnächst sein neues Forschungsgebäude auf dem Campus Riedberg beziehen wird, und von dem benachbarten, theoretisch arbeitenden interdisziplinären Forschungsinstitut FIAS (Frankfurt Institute for Advanced Studies).

Die weiteren Vorträge auf einen Blick:

30. Januar 2014
Hans-Thomas Janka (Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching: Rätselhafte Supernovae – den Geheimnissen der größten kosmischen Explosionen auf der Spur

10. Februar 2014 (Montag)
Harald Lesch (Ludwig-Maximilians-Universität München: Schlagzeilen vom Rand der Wirklichkeit

Informationen: Prof. Dr. Marcus Bleicher, Helmholtz International Center for FAIR, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47834, contact@hicforfair.de; Dr. Joachim Reinhardt, Frankfurt Institute for Advanced Studies, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47866, reinhardt@fias.uni-frankfurt.de; fias.uni-frankfurt.de/materie

Veranstaltungen

Jan 9 2014
15:39

Bildung als Ware. Die Frankfurter Bürger-Universität diskutiert die ökonomische Dimension von Wissen.

Exklusiv und effizient?

FRANKFURT. „Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, so der Titel der nächsten Veranstaltung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität zum Thema Bildungsgerechtigkeit . Zur Debatte stehen dabei Fragen wie: Viel Geld, viel Wissen? Kann man Intelligenz tatsächlich kaufen? Wie funktioniert das Geschäft mit der Bildung? Die Bildungsökonomin Kerstin Schneider wird in ihrem Impulsvortrag die ökonomische Dimension von Bildung charakterisieren.

Das Spannungsfeld zwischen modernen Lernformen und dem Verlust traditioneller Wissensvermittlung betrifft Lehrende und Lernende gleichermaßen. Gleichzeitig bieten Online-Angebote schnellen Zugang zu mehr Wissen, ohne Abitur und teure Studiengebühren. Claudia Bremer, Leiterin der zentralen elearning-Stelle studiumdigitale an der Goethe-Universität, wird in der Diskussion die Potenziale digitaler Medien erörtern.

Wer es sich leisten kann, schickt den Nachwuchs direkt auf eine Privatschule. Wird hier tatsächlich eine goldene Zukunft verkauft? Die Elternsprecherin Eva Segner und Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich, werden vom Schulalltag und sozialer Kompetenz der Eliteschüler berichten.

Der renommierte Frankfurter Soziologe Sighard Neckel hingegen erkennt im aktuellen Kampf um gute Bildung feudale Strukturen wieder und warnt vor den gesellschaftlichen Folgen.

„Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, mit:
Claudia Bremer, Leiterin studiumdigitale Goethe-Universität, Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich mit Eva Segner, Elternsprecherin, Prof. Sighard Neckel, Soziologe an der Goethe-Universität, Prof. Kerstin Schneider, Bildungsökonomin, Bergische Universität Wuppertal

und den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern

Moderation: Marc Dugge von hr-iNFO
am: Montag, 13. Januar 2014, um 19.30 Uhr
Ort: Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Bildung ohne Gerechtigkeit? Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte“, so der Titel der Diskussionsreihe in diesem Wintersemester, die zusammen mit der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) entwickelt wurde. Unterstützt von hr-iNFO, dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks, bildet die Reihe zugleich die Brücke ins Jubiläumsjahr der Goethe-Universität 2014. In der Tradition einer von Frankfurter Bürgern geschaffenen Hochschule beschäftigt sich die Goethe-Universität mit einer der wichtigsten gesellschaftspolitischen Diskussionen unserer Zeit. In der Frankfurter „Bürger-Uni“ diskutieren Wissenschaftler, Experten und Frankfurter Bürger einzelne Aspekte der Auseinandersetzung um gute und schlechte Bildung.

Abschlussveranstaltung: 27. Januar 2014
Abgehoben und überakademisiert? Wie viel Bildung verträgt der Mensch? U.a. mit Götz Rehn, Gründer von Alnatura, Prof. Manfred Prenzel, Pisa-Studien-Experte, Dirk Roßmann, Gründer von Rossmann und Dr. Heiner Schnelling, Leiter der Universitätsbibliothek. Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Wichtige Hinweise: Veranstaltungsort ist immer der Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Alle Veranstaltungen können per Livestream mitverfolgt werden und sind anschließend auch über unser Archiv abrufbar:  www.buerger.uni-frankfurt.de  

Veranstaltungen

Jan 9 2014
14:21

Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 startet am 14. Januar mit der Vorlesungsreihe „Nicht sterben“. Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“.

Frankfurter Poetikvorlesungen mit Terézia Mora

FRANKFURT. Auftakt der renommierten Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2013/14: Terézia Mora spricht am 14. Januar erstmals als neue Gastdozentin für Poetik an der Goethe-Universität. Unter dem Titel „Nicht sterben“ wird Mora in insgesamt fünf Vorlesungen ihre Überlegungen zu den Bedingungen und Grundlagen ihres literarischen Schaffens vorstellen. Zum Begleitprogramm der Poetikvorlesungen gehören erneut eine Ausstellung im „Fenster zur Stadt“ sowie eine Abschlusslesung im Frankfurter Literaturhaus.

Die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 zählt zu den herausragenden Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und hat zahlreiche Prosaarbeiten vorgelegt. Auch als Drehbuch-, Theater- und Hörspielautorin hat sich Mora einen Namen gemacht. Die 1971 im ungarischen Sopron geborene Autorin hat zudem wichtige Werke der ungarischen Literatur übersetzt. Mora gilt als Autorin, die in ihren Werken mit radikalen Gegenwartsdiagnosen aufwartet. Bereits 1999 sorgte sie mit ihrem literarischem Debüt, dem Erzählungsband „Seltsame Materie“, für Furore. Auch die nachfolgenden Romane „Alle Tage“ und „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ wurden von der literarischen Öffentlichkeit mit großer Resonanz bedacht.

Mora erhielt für ihr Werk zahlreiche Preise, unter anderem den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse und das Villa-Massimo-Stipendium. Für ihren im vergangenen September erschienenen Roman „Das Ungeheuer“ wurde Mora mit dem Deutschen Buchpreis 2013 ausgezeichnet.

In den vergangenen Semestern stellten so unterschiedliche Autorenpersönlichkeiten wie Thomas Meinecke, Alexander Kluge, Michael Lentz oder Juli Zeh in Frankfurt ihre Poetik vor. Im Sommersemester 2014 wird Daniel Kehlmann die Stiftungsgastdozentur übernehmen.

Terezia Mora: Nicht sterben. Stiftungsgastdozentur für Poetik.
14./21./28. Januar; 4. und 11. Februar, Campus Westend, Hörsaal HZ2. Beginn jeweils 18 Uhr, Eintritt ist frei.

Abschlusslesung am 12. Februar, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Frankfurt.
Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“, Braubachstr. 18-22 (ab dem 15. Januar)

Weitere Informationen: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-32857. komfort-hein@lingua.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 8 2014
12:45

Der Historiker Johannes Fried zu räumlicher und geistiger Beweglichkeit am Hofe Karls des Großen – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Mobilität im Mittelalter: Gelehrte auf Wanderschaft

FRANKFURT. Nicht unser Jahrhundert, sondern das Mittelalter verdient das Prädikat „mobil“: Wanderschaft war ein Grundzug des Mittelalters: Könige, Kaufleute, Bettler und Ganoven, die Wanderarbeiter der Bauhütten, die Söldner der großen Armeen, in ihrem Gefolge die Dirnen, dann die Studenten und nicht wenige Professoren: Sie alle hatten lange Jahre der Wanderschaft und der Fremde zu überstehen, bevor sie sich – wenn überhaupt – irgendwo dauerhaft niederlassen konnten. Der renommierte Frankfurter Historiker Prof. Dr. Johannes Fried, nimmt in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ besonders das Reiseverhalten der Gelehrten unter die Lupe.

Den Hof Karls des Großen bezeichnet Fried, dessen umfassende und viel beachtete Biographie Karls des Großen im September 2013 im Beck Verlag erschienen ist, als „geradezu archetypisch für die Wissenschaftsförderung des kommenden Jahrtausends“: „Immer mehr Gelehrte strömten an des Königs Hof. Karls weithin bekannte Wissbegier, sein Reformeifer und nicht zuletzt die Karrierechancen, die der Königsdienst verhieß, lockten sie an. Aus aller Herren Länder kamen sie. Die Gelehrtenversammlung dort war neu- und einzigartig.“

Von Karl gerufen und belohnt, versammelte sich im 8. Jahrhundert eine internationale Gelehrtengemeinschaft aus Langobarden, Angelsachsen, Iren und Westgoten am Hof in Aachen. „Sie war sonst nirgends anzutreffen, an keinem Fürstenhof, auch nicht in Rom, Konstantinopel oder Córdoba“, so der Frankfurter Mediävist. Er stieß aber auch darauf, dass Spannungen und Feindseligkeiten nicht ausblieben: „Die Fremden, angewiesen auf die Gnade des Königs, beargwöhnten einander, neideten einander den Erfolg, befehdeten sich mit Worten und Versen und sorgten aber gerade mit ihrer Konkurrenz für eine intellektuelle Lebendigkeit und geistige Frische wie seit Jahrhunderten nicht mehr im lateinischen Westen – belebende Auswüchse der agonalen Gesellschaft und ihrer Mobilität.“

Am Hofe Karls begannen die Gelehrten wieder zu entdecken, was zuvor mehr oder weniger untergegangen war: was die Antike und Spätantike an intellektueller Kultur und an Wissenschaft zu bieten hatte. Dazu Fried: „Das Griechisch des Aristoteles verstand im Westen ohnehin niemand. Angewiesen war man auf die wenigen Übersetzungen des Boethius, die freilich nur selten in Handschriften zu greifen waren. Erst durch den Impuls vom Hof Karls des Großen verbreiteten sie sich und konnten allgemein in die Schulen einziehen.“

Zu den herausragenden Gelehrten zählten der Angelsachse Alkuin, der aus York kam und für Karl eine Rhetorik und Dialektik aristotelischen Zuschnitts verfasste. Sein Konkurrent war Theodulf, er verfasste eine auf die aristotelische Kategorienlehre und Dialektik gestützte Widerlegung des griechischen Bilderkults. Der Westgote war in einer der arabischen Kultur nicht fernen Umwelt aufgewachsen und offerierte sein Wissen dem Frankenkönig.

Auch in den folgenden Jahrhunderten verbreitet sich Wissen nicht zuletzt durch die reisenden Gelehrten. Die Motive waren unterschiedlich, im 10./11. Jahrhundert folgten die Gelehrten den Büchern, wenn sie erfuhren, dass irgendwo verschollene Texte aufgetaucht waren.

Spätestens im 12. Jahrhundert setzte sich durch, dass wer studieren wolle, auch in die Fremde gehen müsse: „Professoren wurden abgeworben, Studenten, in Genossenschaften organisiert, wurden zur ‚Auswanderung‘ bewogen, um sie andernorts mit höheren Einnahmen und günstigeren Studienbedingungen anzulocken. Man versprach sich Gewinn für die Stadt. Die Hohen Schulen konzentrierten sich europaweit das gesamte Mittelalter über an wenigen Orten: Bologna, Padua, Neapel, Paris, Montpellier, Salamanca und in wenigen anderen Städten, spät erst Krakau, Prag, Wien oder Heidelberg“, erläutert der Frankfurter Historiker.

Informationen: Prof. Dr. Johannes Fried, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798- 32426, Fried@em.uni-frankfurt.de

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Jan 7 2014
15:06

Abschlussdiskussion an der Frankfurter Börse in Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ am 15. Januar 2014

Philosophie-Reihe an der Börse zieht Bilanz

FRANKFURT. Das Podium wird prominent besetzt sein bei der Diskussion zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Anstand, Fairness, Gerechtigkeit – Ethische Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“. Die Gesprächsrunde findet am 15. Januar 2014 um 18.30 Uhr im Plenarsaal der Alten Börse statt (Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt). Ihre Teilnahme zugesagt haben: Dr. Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Finja Carolin Kütz, Deutschland-Chefin der auf Banken spezialisierten Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, Prof. Ferdinand Kirchhof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, und Prof. Rainer Forst, politischer Philosoph und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Moderation übernimmt Prof. Marcus Willaschek, Philosoph an der Goethe-Universität und Mitglied des Clusters.

In den Händen von Marcus Willaschek liegen auch die Konzeption und fachliche Leitung der Gesamtreihe, die die Deutsche Börse AG in Verbindung mit dem Frankfurter Exzellenzcluster veranstaltet. Ziel der Reihe ist es, durch einen Dialog zwischen Philosophie und Finanzwelt zu einem Reflexionsprozess über Werte in der Finanzwelt beizutragen. Frankfurt steht als der bedeutendste Finanzplatz Kontinentaleuropas in der Weltöffentlichkeit. Die Finanzmetropole mit der international angesehenen Goethe-Universität hat zudem eine strahlkräftige Tradition des philosophischen Diskurses, mit einem Schwerpunkt auf Sozialphilosophie. Der Dialog zwischen den beiden Welten ist durch die vielbeachteten öffentlichen Vorträge der Philosophen Prof. Otfried Höffe (Universität Tübingen), Prof. Axel Honneth (Universität Frankfurt) und Prof. Thomas Pogge (Yale University) erneut aufgenommen worden.

Die Vorträge fanden im Rahmen einer Vortrags- und Diskussionsreihe statt, die nun in ihrem vierten und letzten Teil mit der Podiumsdiskussion ihren Höhepunkt erreicht. Man darf auf eine angeregte und anregende Diskussion gespannt sein, in der es auch um die folgenden Fragen geht: An welchen ethischen Regeln kann sich die Finanzwirtschaft der Zukunft orientieren? Und an welchen muss sie sich orientieren, damit sie ihre „dienende Rolle“ (Dr. Wolfgang Schäuble) für Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen kann? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um das verlorengegangene Vertrauen der Politik und der Bevölkerung in die Finanzwirtschaft wiederherzustellen? Reichen dabei rechtliche Maßnahmen aus, oder ist ein fundamentales Umdenken bei den Akteuren im Finanzmarkt nötig?

Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit einer Einladungsbestätigung möglich. Einlass ab 17.30 Uhr. Anmeldungen werden erbeten unter: ethischeorientierung@deutsche-boerse.com

Informationen: Prof. Marcus Willaschek, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel: (069) 798-32761, Marcus.Willaschek@normativeorders.net, www.normativeorders.net; Deutsche Börse AG, Section Events, Tel: (069) 211-12222, www.deutsche-boerse.com

Forschung

Jan 7 2014
11:05

Pedelecs machen Spaß und ein gutes Gewissen

E-Bikes: eine kleine Revolution in der Elektromobiliät

FRANKFURT. Während bei elektromobilen Autos ein Durchbruch (noch) nicht in Sicht ist, erfreut sich das E-Bike zunehmender Beliebtheit. Es erlaubt Bewegung mit dosierter Anstrengung und schont die Umwelt. Der Nutzer hat ein doppelt gutes Gewissen. Was Menschen noch dazu antreibt, Pedelecs in ihren Alltag zu integrieren, untersucht die sozialwissenschaftliche Begleitforschung.

„Elektroautos empfinden viele potenzielle Nutzer als technisch unausgereift und nicht alltagstauglich“, weiß Steffi Schubert von der urbane konzepte GmbH in Offenbach. Gemeinsam mit Thomas Prill, Doktorand am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität, untersuchte sie, inwieweit Pedelecs oder E-Bikes einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Mobilitätssystem leisten können. Über die Ergebnisse eines Teilprojekts, das im Rahmen der Modellregion Elektromobilität RheinMain gefördert wurde, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“.

Pedelecs unterstützen die Tretkraft der Nutzenden bis zu einer Geschwindigkeit von 25 oder 45 Kilometer pro Stunde elektrisch. Ihre Verkaufszahl nimmt seit 2007 kontinuierlich zu und lag in Deutschland 2012 laut Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands bei zirka 400.000 Stück. Mittlerweile sollen mehr als eine Million dieser Zweiräder auf deutschen Straßen unterwegs sein. „Angesichts dieses Erfolges stellt sich die Frage, ob Pedelecs nicht weit mehr sein können, als ein getuntes Fahrrad“, erläutert Thomas Prill den Forschungsansatz.

In leitfadengestützten Interviews, Gruppengesprächen mit Nutzenden und Experteninterviews haben die Forscher Daten zur Akzeptanz, Nutzung und Wirkung von elektromobilen Angeboten erhoben und analysiert. Der Fokus lag dabei auf der Marktvorbereitung, -einführung und -verbreitung von Pedelecs sowohl für den Privatbesitz als auch für die Integration in Flottenkonzepte.

„Die Gespräche mit den Nutzerinnen und Nutzern zeigen, dass Pedelecs auf breite Akzeptanz stoßen, und dass vor allem die erste Fahrt mit einem E-Bike für viele ein Schlüsselerlebnis mit Wow-Effekt ist, das Begeisterung auslöst“, berichtet Steffi Schubert. Die Pedelecs werden vor allem bei Arbeitswegen und Dienstfahrten geschätzt, weil sie gegenüber dem ÖPNV oder Fahrgemeinschaften eine selbstbestimmtere Mobilität ermöglichen. Die Ankunft beim Kunden oder Geschäftspartner mit einem Pedelec eröffnet oftmals einen guten Gesprächseinstieg. Umwelt-, Nachhaltigkeits- oder Imageaspekte haben bei den meisten Befragten eine eher implizite Bedeutung; sie sind positive Nebeneffekte.

Ein hoher Mehrwert wird von vielen Nutzenden im privaten Bereich darin gesehen, Leistungsdefizite zum Partner auszugleichen. Insbesondere für einige Frauen ist dieser Aspekt sehr bedeutend. Und bei gemeinschaftlichen Freizeitfahrten mit nur einem Pedelec freuen sich alle, weil derjenige mit Tretkraftunterstützung den Kinderanhänger oder das Grillequipment angehängt bekommt.

„Insgesamt hat sich gezeigt, dass Pedelecs bei denjenigen, die die Möglichkeit hatten, diese ausgiebig testen zu können, meist auf großen Zuspruch stoßen“, fasst Prill die Ergebnisse der Studie zusammen. Arbeitgeber erwiesen sich dabei als gute Multiplikatoren. Unternehmen und Organisationen, die Pedelecs im Rahmen der Modellregion Elektromobilität als neue Option im Fuhrparkmanagement aufnahmen, berichteten über zahlreiche positive Effekte auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene.

„Um weitere Zielgruppen erreichen zu können, sind öffentlich zugängliche Angebote und andere Betreiberkonzepte interessant, wie beispielsweise Leih- und Testmöglichkeiten über Wohnungsgesellschaften, Energieversorger oder Verkehrsunternehmen“, empfiehlt Steffi Schubert. Auch diese Möglichkeiten werden derzeit in Modellprojekten getestet.

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Thomas Prill, Institut für Humangeographie, Campus Westend, Prill@em.uni-frankfurt.de, Steffi Schubert, urbane konzepte GmbH, Tel.: 0152-29585214; schubert@urbane-konzepte.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Forschung

Jan 6 2014
14:40

Die Politikwissenschaftlerin Sigrid Roßteutscher zu den Ursachen der veränderten Wahlverhaltens – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Der Wähler von heute: unberechenbar und mobil

FRANKFURT.Wähler gelten heute als unberechenbar und launisch, aber auch als empfänglich gegenüber Lockrufen populistischer Alternativen. Die Wähler von heute sind Wechselwähler und entscheiden häufig erst an der Wahlurne, wem sie die Stimme geben. Die Mobilität der Wähler gehört zum politischen System der heutigen Bundesrepublik und ist das Ergebnis massiver Veränderungen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten abgespielt haben. Details beschreibt die Frankfurter Politikwissenschaftlerin, Prof. Sigrid Roßteutscher, in ihrem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt mit dem Schwerpunktthema „Mobilität“.

In ihrer Diagnose des gesellschaftlichen Wandlungsprozesses spielen auch die massiven Veränderungen in der Medien- und Informationslandschaft eine entscheidende Rolle: Im Zuge der Liberalisierung des Medienmarkts ab 1990 nahm die Zahl der frei empfänglichen privaten Rund- und Fernsehkanäle explosionsartig zu, es folgte der Siegeszug des Internet sowie die Verbreitung der „social media“, was das potenzielle Angebot an Informationen drastisch ansteigen ließ. Dazu die Politikwissenschaftlerin er Goethe-Universität: „Die politischen Signale, die Bürger aus den Medien empfangen, sind somit weniger homogen und damit potenziell auch schwieriger einzuordnen und zu bewerten, als dies für lange Zeit der Fall war. Außerdem können Bürger, die sich nicht für Politik interessieren, intensiv andere Angebote in den vielfältigen Medien nutzen und Politik ausblenden.“

Für die Volksparteien sind die guten Jahre seit den 1990er vorbei: So sind beispielsweise immer weniger Arbeitnehmer gewerkschaftlich orientiert, weil viele klassische Arbeiterberufe verschwunden sind; damit schrumpft auch die Kernklientel der SPD. Ähnlich geht es der CDU/CSU, dort macht sich der Rückgang der aktiven Kirchgänger bemerkbar. „Diese sozialstrukturelle Veränderungen tragen zur Erosion traditioneller politischer Milieus bei, die über lange Zeit das Rückgrat der etablierten Parteien bildeten“, analysiert Roßteutscher.

Mit der schwindenden Bindungskraft der großen Parteien nimmt die Zahl neuer kleinerer Parteien zu, die sich nahe der Fünf-Prozent-Hürde bewegen – Ergebnis: die Fragmentierung des Parteiensystems. Im Zuge der deutschen Vereinigung etablierte sich über die SED, PDS dann schließlich „Die Linke“. Da die neue linke Partei ihre Klientel verstärkt im Osten hat, trug dies nachhaltig zur Regionalisierung des Parteiensystems. Die allmähliche Etablierung der Grünen und dann der Linkspartei führte zu einem graduellen Zuwachs der kleinen Parteien auf Kosten der Großparteien – zumindest bis zur Bundestagswahl im September. „Ob der erstaunliche Zuwachs der ‚Großen‘ bei der Bundestagswahl 2013 eine Trendumkehr signalisiert oder eher einmaliger Ausreißer ist, bleibt abzuwarten“, so die Wahlforscherin. Roßteutscher gehört zu den führenden bundesdeutschen Wissenschaftlern, die in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Deutschen Nationalen Wahlstudie kooperieren.

In der „German Longitudinal Election Study“ (GLES), dem bislang umfassendsten und ehrgeizigsten Projekt der deutschen Wahlforschung, werden als Datenbasis Querschnitts- und sowohl kurz- als auch langfristige Längsschnittumfragen eingesetzt und mit einem Kandidatensurvey, einer Analyse von TV-Duellen sowie Inhaltsanalysen der Medienberichterstattung kombiniert. Mit Blick auf die Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 untersucht die GLES, wie die mobilere Wählerschaft auf die Herausforderungen der neuen, sehr komplexen Konstellation elektoraler Politik reagiert. Bisher liegen intensive Untersuchungen zur Bundestagswahl 2009 vor, die Daten zu 2013 werden für die Analyse aufbereitet, eine erste gemeinsame Veröffentlichung zu den Besonderheiten dieser Wahl erscheint im Sommer 2014. Die Langfristperspektive wird dann vor allem nach der Bundestagswahl 2017, wenn Daten für drei aufeinanderfolgende Wahlen vorliegen, im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Analyse stehen.Drei von insgesamt neun Studienkomponenten der GLES werden unter Leitung von Roßteutscher an der Goethe-Universität realisiert. Zu den Kooperationspartnern gehören die Universität Frankfurt und Mannheim (Prof. Hans Rattinger, Prof. Rüdiger Schmitt-Beck) sowie das Wissenschaftszentrum Berlin (Prof. Bernhard Weßels) und das GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (Prof. Christof Wolf).

Festgesellt haben die Politikwissenschaftler und Soziologen auch, das mehr Parteien im Angebot nicht zu einer höheren Wahlbeteiligung führen. Gingen in den 1980er Jahren noch Bürger aller Schichten zur Wahl, sind es heute insbesondere die Wähler mit niedrigem Bildungsstatus, die zur stetig wachsenden Gruppe der Nichtwähler gehören. Dazu die Frankfurter Wissenschaftlerin: „Da die soziale Schere bei Jungwählern bis 29 Jahren noch sehr viel deutlicher zu erkennen ist als bei älteren Wählern, spricht viel dafür, dass diese Ungleichheit ein bleibendes Merkmal des politischen Systems Deutschlands wird.“ Die weiteren Untersuchungen der Wahlstudie werden auch darüber detaillierte Auskunft geben können.

Informationen: Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798- 36628, Rossteutscher@soz.uni-frankfurt.de

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Forschung Frankfurt im Web:  www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Sonstige

Dez 19 2013
15:25

Erfolgreiches Projekt der hessischen Universitäten für Professorinnennachwuchs startet neuen Durchgang.

Karrierestrategie in Richtung Professorin

FRANKFURT. ProProfessur, ein Projekt der fünf hessischen Universitäten, richtet sich an hoch qualifizierte fortgeschrittene Postdoktorandinnen, Habilitandinnen, Privatdozentinnen und Juniorprofessorinnen aller Fachrichtungen, die in einem Zeitraum von 18 Monaten gezielt an ihrer Karrierestrategie in Richtung Professur arbeiten möchten. Denn: Geschlechtsspezifische Studien und Statistiken bestätigen nach wie vor: Trotz hervorragender Fachexpertise gelingt noch immer viel zu wenigen Wissenschaftlerinnen der Sprung in die akademischen Spitzenpositionen. Mit einem kombinierten Angebot aus Qualifizierung in den soft skills für den Wissenschaftsbetrieb, strategischem Networking und One-to-One-Mentoring durch erfahrene Professorinnen und Professoren aus einem fachnahen Kontext erfolgt eine passgenaue Förderung. In einem vertrauensvollen Umfeld wird eine individualisierte Potenzialanalyse die sowohl die vorhandenen Kompetenzen sichtbar macht, als auch Felder identifiziert, auf denen vor dem Hintergrund der konkreten Anforderungen für eine Professur im jeweiligen Fach (z. B. Publikationen, Drittmittelakquise, Auslandsaufenthalte) verstärkt gearbeitet werden sollte.

Die bisherigen Durchgänge waren sehr erfolgreich. Aus dem Pilotdurchgang von ProProfessur 2008/2009 sind inzwischen 44 % der Teilnehmerinnen (21) in eine Professur berufen worden. Dieses Ergebnis liegt weit über dem bundesweiten Neuberufenenanteil an Professorinnen von derzeit 29,2 % (Stand 2012).

Die fünf hessischen Universitäten finanzieren bis Ende 2015 das ProProfessur-Projekt in einem weiteren Durchgang mit insgesamt 45 Plätzen. Die Bewerbungsfrist läuft bis 27.01.2014. Zu den Bewerbungsmodalitäten und Programmschwerpunkten findet auch an der Goethe-Universität Frankfurt eine Informationsveranstaltung statt: 

Dienstag, 14. Januar 2014, 17.00-18.30 Uhr, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt, PEG-Gebäude, Raum 135.

Potenziellen Bewerberinnen wird die Teilnahme empfohlen. Neben der Projektleiterin und der Frauenbeauftragten der Goethe-Universität Frankfurt stehen zwei ehemalige Teilnehmerinnen für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. Nähere Informationen zum Projekt sind auf der Homepage www.proprofessur.de zu finden.

Weitere Informationen: Dr. Astrid Franzke, Projekt ProProfessur, Goethe-Universität, Tel. (069) 798- 18117. franzke@em.uni-frankfurt.de; www.proprofessur.de

 

Forschung

Dez 19 2013
15:22

Soziologe Tilman Allert entwickelt eine Typologie der Passagiere – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Über den Wolken: Die latente Verortungskrise beim Fliegen

FRANKFURT. Fliegen ist für viele längst zur Routine geworden. Wer denkt schon darüber nach, um welchen Preis Menschen ihre Flugunfähigkeit und Bodenhaftung überwinden und dass sie ihre Autonomie des freien Agierens in einer bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft aufgeben müssen? Soziologen thematisieren dies und stellen fest: Fliegen stürzt Menschen in eine „transitorische Verortungskrise“, ohne dass sie sich dessen überhaupt bewusst werden. „Beim Fliegen verlässt der Mensch seine raumzeitliche Verortung, er wird unverrückbares Mitglied in einer losen Gruppe, der er sich nicht entziehen kann, und ist angewiesen auf die Dienstleistung der ebenfalls fliegenden Gastgeber“, so der Soziologe Prof. Tilman Allert in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (2/2013), die sich ganz dem Thema „Mobilität“ widmet.

„Das Bemerkenswerte am Fliegen ist der scharfe Kontrast zwischen maximaler Überwindung von Raumgrenzen und dem Minimum an Eigenanstrengung“, charakterisiert Allert die Situation über den Wolken. Extremer geht es in keinem anderen Verkehrsmittel zu: Das Höchstmaß an Mobilität im Flugzeug versetzt die Passagiere in einen beschäftigungslosen und bewegloses Zustand. Und das bezeichnet der Frankfurter Soziologe als „idiosynkrasieverdächtige Sozialsituation“: „Der Umstand, dass Menschen in einer anonymen Gruppenkonstellation mit erheblich eingeschränkter individueller Handlungsautonomie eingebunden sind, steigert das Bemühen, eigenwillige normative Strukturierungen der Situation zu entwerfen, normalitätsentlastet und in der Extraterritorialität befreit vom Sanktionsdruck der gewohnten ‚significant others‘.“

Sechs Reaktionstypen sind – nach Allert – zu beobachten: Flugreisende, die die Situation als handlungsentlastend empfinden, die Auszeit genießen und sich ihren Tagträumen hingeben. Dann die Querulanten, die bewusst abweichendes Verhalten zeigen, sich über irgendwelche nichtigen Dinge oder den schlechten Service lautstark beklagen und so die erzwungene Untätigkeit versuchen zu kompensieren. Der dritte Typus überdeckt die enge unbehagliche Zwangssituation mit besonderer Kommunikationsfreude, sprich mit Geschwätzigkeit. Dazu schreibt der Soziologe: „Dadurch treten diese Menschen aus der Anonymität der Mitgliedschaft aus und unternehmen Versuche vorübergehender Geselligkeit – nicht nur unter ihresgleichen, sondern auch mit dem Servicepersonal, das unter diesen Voraussetzungen den Wunsch nach individueller Ansprache und Kommunikation mit der gleichzeitig wirksamen Verpflichtung zur Gleichheit in der Kundenbetreuung zu überprüfen hat.“ Zur vierten Gruppe: Diese Passagiere nutzen das „normative Niemandsland des Fliegens“, um eine sublime Form der Flegelei und Vulgarität zu erproben – und nicht selten auch zu kultivieren. Sie nehmen sich Dinge heraus, die sie sich mit beiden Beinen auf der Erde nicht trauen würden. Der fünfte Typus neigt zur exzessiven Konsumfreude: Die Aura des Außeralltäglichen („Der Himmel steht ihm offen!“) scheint ihm die Legitimation zu verleihen, einfach mehr zu kaufen, als er es gewöhnlich tun würde. Und als letzte Gruppe stellt Allert noch die Menschen vor, die auf den Verlust der Bodenhaftung panisch reagieren: „Nicht etwa die Technologie des Flugzeugs, die Erschütterungen bei Start und Landung oder Ähnliches, vielmehr die konkretistisch wahrgenommene Entfernung von ‚significant others‘ beschwört die Panik herauf. Somit kristallisiert sich in der Flugangst eine Disposition gewordene Sehnsucht nach Verortung.“ Es kann also nicht verwundern, dass der Frankfurter Soziologe das Fliegen als „transitorische Verortungskrise“ bezeichnet!

Informationen: Prof. Dr. Tilman Allert, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, , Campus Westend, Tel. (069) 798- 36691, tilman.allert@t-online.de

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Forschung

Dez 18 2013
12:32

Auch Wissenschaftler gehören zur kleinen Gruppe der Hochmobilen

Hochmobile Lebensformen: Last oder Lust?

FRANKFURT. 60 Prozent der Flugmeilen, Bahn- oder Auto-Kilometer, die jährlich von Bundesbürgern zurückgelegt werden, entfallen auf eine kleine Gruppe sogenannter „Hochmobiler“. Sie sind Fernpendler, müssen aus beruflichen Gründen viel reisen oder können es sich einfach leisten, überall auf der Welt unterwegs zu sein. Ab circa 40.000 Kilometern im Jahr zählt man zu dieser privilegierten Gruppe. Auch Professoren gehören dazu. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ überprüfen wir die Aussagen einer quantitativen Befragung der Mobilitätsforschung am Beispiel vielreisender Professoren.

Große repräsentative Befragungen wie die Erhebung „Mobilität in Deutschland“, bei denen  etwa alle vier Jahre 60.000 deutsche Haushalte befragt werden, liefern die Eckdaten zum Verkehrsgeschehen in Deutschland. „Hochmobile sind dabei jedoch in der Regel stark unterrepräsentiert. Sie werden daher auch kaum bei der Verkehrsplanung und Erstellung von Szenarien zukünftiger Entwicklungen im Mobilitätsbereich berücksichtigt“, weiß Robert Schönduwe, Doktorand in der Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung von Prof. Martin Lanzendorf.

Verkehrsforscher gehen zumeist von traditionellen Haushaltsformen und Lebensstilen aus. Heute peitschen jedoch die Wogen der Globalisierung durch die Biografien hoch spezialisierter und hochmobiler Wissensarbeiter. Multilokale Lebensphasen werden häufiger, beispielsweise, wenn nach dem Kauf des Eigenheims ein beruflich bedingter Ortswechsel notwendig wird. Dadurch werden viele zu Fernpendlern. Andere Menschen leben zwar über Jahre mit ihrem Partner am gleichen Ort, zählen aber durch ihren Beruf zu den Hochmobilen. Dieser Typus ist auch unter Wissenschaftlern weitverbreitet, insbesondere, wenn sie in internationalen Projekten arbeiten.

Was Mobilitätsforscher wie Robert Schönduwe aus dem Verhalten von Hochmobilen lernen, ist, dass es für eine nachhaltige und ressourcenschonende Mobilität nicht reicht, Menschen aus dem Auto zu holen. In seiner Online-Befragung, in der er die Mobilitätsbiografien von 745 Hochmobil-en in den letzten zehn Jahren ermittelte, fand Schönduwe heraus, dass ein Viertel der Befragten kein Auto besitzen. Sie wohnen aber in Städten, die wie Frankfurt mit Autobahnkreuzen, ICE-Anschluss und Flughafen den Zugang zu genau den Transportmitteln erleichtern, die eine hochmobile Lebensform erst ermöglichen.

Die klassischen Strategien für eine nachhaltige Mobilität – Vermeidung und Verlagerung – sind bei hochmobilen Wissenschaftlern wie dem Kernphysiker Henner Büsching nur schwer zu verwirklichen, weil sie sonst nicht in internationalen Kooperationen wie dem CERN bei Genf arbeiten könnten. Sie sind, trotz täglicher Kommunikation über virtuelle Plattformen, darauf angewiesen, ihre Kollegen aus ganz Europa, den USA und Japan regelmäßig zu treffen.

Unterwegssein gehört auch für die meisten Geisteswissenschaftler  zu ihrer Profession. Das Reisen hilft ihnen, Bekanntes mit anderen Augen zu sehen und neu zu reflektieren. Anders als einst Immanuel Kant, der ja Königsberg nie verlassen haben soll. Aber letztlich ist auch für die Philosophen heute – so Rainer Forst im Interview –geistige Mobilität wichtiger als geografische: „Es gibt ja auch Leute, die sehr viel reisen, aber dennoch von der Welt nicht viel mitbekommen. Wenn Mobilität überhaupt einen Vorteil hat, dann nur, weil sie den Geist erweitert. Und ein erweiterter Geist ist auch immer ein Geist, der gewisse Wurzeln hat.“

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Robert Schönduwe, Institut für Humangeographie, Campus Westend, Tel.: (030) 238884107, schoenduwe@em.uni-frankfurt.de

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Personalia/Preise

Dez 17 2013
14:06

Astrophysiker überprüfen Einsteins allgemeine Relativitätstheorie/ EU bewilligt Synergy Grant von 14 Millionen Euro

Eine Kamera für ein Schwarzes Loch

FRANKFURT. Für den Aufbau eines Beobachtungssystems, mit dem erstmals exakte Bilder eines schwarzen Lochs aufgenommen werden können, hat der Europäische Forschungsrat (ERC) 14 Millionen Euro bewilligt. Das Team unter der Leitung von Prof. Luciano Rezzolla, Goethe-Universität und Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, Prof. Heino Falcke, Radboud-Universität Nimwegen und Prof. Michael Kramer, Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, wird damit Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins überprüfen. Der ERC fördert ihre Arbeit durch ein “Synergy Grant”. Dies ist die höchstdotierte und begehrteste vom EU-Forschungsrat vergebene Forschungsförderung.

Schwarze Löcher können nicht direkt beobachtet werden, weil ihr Gravitationsfeld so stark ist, dass selbst Licht verschluckt wird. Für die Grenze, an der Licht-Teilchen dem Sog nicht mehr entkommen können, den Ereignishorizont, gibt es bisher nur theoretische Berechnungen. Astrophysiker wollen ihn nun erstmals messen, indem sie ins Zentrum unserer Milchstraße schauen. Dort befindet sich Sagittarius A*, ein schwarzes Loch mit der Masse von vier Millionen Sonnenmassen.

Das Schwergewicht macht sich bemerkbar, indem es ständig Radiowellen aussendet. Es sind die letzten Lebenszeichen von gewaltigen Gasmassen, die den Ereignishorizont überqueren. Indem Astrophysiker mit verschiedenen Radioteleskopen weltweit die Radiowellen von Sagittarius A* bis an ihren Ursprung verfolgen, erwarten sie, den Ereignishorizont als einen schwarzen Schatten sichtbar machen zu können. In der Entfernung zum Galaktischen Zentrum erscheint dieser nur etwa so dick wie ein Apfel auf dem Mond, den man von der Erde aus betrachtet.

Um so kleine Strukturen detektieren zu können, hat Heino Falcke von der Universität Nijmegen schon vor 15 Jahren vorgeschlagen, die von Hochfrequenz-Radioteleskopen weltweit gemessenen Signale mit genauen Zeitangaben zu speichern und dann rechnerisch zu vergleichen (Langbasisinterferometrie, VLBI). Inzwischen gibt es internationale Bemühungen, ein Ereignishorizont-Teleskop nach diesem Prinzip zu konstruieren. „Mit den Mitteln des ERC-grants können wir die Pläne nun verwirklichen“, so Falcke.

Darüber hinaus möchte die Gruppe mithilfe von Radioteleskopen neue Pulsare in der Nähe des schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße aufspüren. Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, die als präzise Uhren im All genutzt werden können. Sie erlauben es, die von der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagte Krümmung von Raum und Zeit in der Nähe eines schwarzen Lochs mit bisher unerreichter Genauigkeit zu vermessen. Merkwürdigerweise hat man aber bisher im Zentrum der Milchstraße kaum Pulsare gefunden. Eine Ausnahme ist der kürzlich von Michael Kramer und seiner Bonner Gruppe in der Nähe von Sagittarius A* gefundene Pulsar. „Wir vermuten, dass es davon noch mehr gibt. Und dann werden wir sie auch finden“, erwartet Kramer.

Um sicher zu sein, dass im Zentrum der Milchstraße tatsächlich ein schwarzes Loch und nicht etwas anderes ist, wollen die Astrophysiker die experimentellen Daten vom Schatten des Ereignishorizonts und der Bewegung der Pulsare und Sterne im Umkreis von Sagittarius A* mit Computersimulationen vergleichen. Dafür ist Luciano Rezzolla der Experte. Der Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität leitet auch am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam eine Arbeitsgruppe. „Wir können inzwischen sehr präzise berechnen, wie Raum und Zeit durch das immense Gravitationsfeld eines schwarzen Loches gekrümmt werden und wie Licht und Materie sich in dessen Umfeld bewegen“, erklärt Rezzolla.

„Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie ist die beste Gravitationstheorie, die wir kennen, aber es ist nicht die einzige. Wir werden diese Beobachtungen nutzen, um herauszufinden, ob schwarze Löcher, eines der Lieblingskinder unter den astronomischen Objekten, wirklich existieren“, so Rezzolla weiter. Schließlich will er mit seinen Kollegen die Gravitationstheorie in einem Bereich überprüfen, der früher dem Science Fiction angehörte. „Das wird ein Wendepunkt in der modernen Wissenschaft“, prognostiziert der italienischstämmige Astrophysiker.

Am ERC-grant sind weitere Partner in Europa beteiligt:

* Robert Laing von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching, Wissenschaftler bei ALMA, einem neuen Hochfrequenz-Radioteleskop in der chilenischen Atacamawüste,

* Frank Eisenhauer, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, leitender Wissenschaftler des GRAVITY-Projekts, das eine neue Kamera für optische Teleskope der ESO baut, um die Masse von Sagittarius A* mithilfe der Bewegung von Sternen präzise messen zu können, und

* Huib-Jan van Langevelde, Direktor des Joint Institute for VLBI in Europa.

Der ERC vergibt Synergy grants für wissenschaftlich exzellente Forschungsvorhaben in einem aufwendigen und durch starke Konkurrenz geprägten Auswahlprozess. Die Zuwendungen betragen höchstens 15 Million Euro und verlangen die Zusammenarbeit von zwei bis vier hauptverantwortlichen Forschern. In der aktuellen Auswahlrunde wählte der ERC von 449 Forschungsanträgen aus allen Bereichen der Wissenschaft 13 Projekte aus. Das entspricht einer Erfolgsquote von weniger als drei Prozent. Zum ersten Mal wurde ein Antrag aus der Astrophysik berücksichtigt.

Bei Bedarf können wir Ihnen ein Foto zur Verfügung stellen (hardy@pvw.uni-frankfurt.de)

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, (069)-798-47871; rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de.

Forschung

Dez 17 2013
14:03

Der Ethnologe Hans Peter Hahn zu Formen der Mobilität und sozialen Identität – Beitrag in einem Schwerpunktheft zu Mobilität von „Forschung Frankfurt“

Immer im Aufbruch: Mobilität spielt in allen Kulturen und zu allen Zeiten eine entscheidende Rolle

FRANKFURT. Die Geschichte der Menschheit im globalen Maßstab ist eine Geschichte ihrer Bewegung im Raum: Männer und Frauen, Verwandtschaftsgruppen, Berufsgruppen und ganze Völker waren stets bereit, aufzubrechen, neue Räume zu erschließen und andere Orte zu erkunden. „Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung von Kultur“, so der Frankfurter Ethnologe Prof. Hans Peter Hahn in seinem Übersichtsartikel zu Formen der Mobilität in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (2/2013).

Das Konzept der Sesshaftigkeit ist dagegen eine relativ neue Erfindung der Menschheit, auch die Idee einer Nation, deren Kultur mit dem dauerhaft bewohnten Lebensraum eng verbunden ist. Beides entspringt neueren Vorstellungen, die wenig mit einer grundlegenden Disposition der Menschen zu tun hat: unterwegs zu sein, Neues zu entdecken und die Welt zu erfahren. „Die Vorstellung, eine Gesellschaft aufgrund ihrer Mobilitätsmuster zu beschreiben, steht damit in einem grundsätzlichen Widerspruch zur Idee der Nation“, erläutert Hahn und beschreibt das in der Kulturanthropologie seit über 20 Jahren verwendete Konzept des Transnationalismus: Es erklärt, wie Menschen zwischen Nationen und Staaten leben, indem sie an Orten beiden Ländern eine sozial verankerte Identität entwickeln und bewahren – ein Beispiel sind türkische Migranten, die in Deutschland leben, aber auch ihre familiären und sozialen Beziehung in ihrem oder dem Herkunftsland ihrer Eltern pflegen. Die Idee des Transnationalismus sieht nicht mehr die Verwurzelung als Basis der Identität, sondern die Kompetenz, an zwei ganz verschiedenen Orten am sozialen Leben teilzuhaben.

Der Frankfurter Ethnologe, der vor allem in Westafrika forscht, erläutert in seinem Beitrag auch, was wir über andere Kulturen, ihre Gesellschaftsstrukturen und Normen erfahren können, wenn wir beobachten, wie und welche Menschen sich im Raum bewegen. In vielen Kulturen haben die Männer beispielsweise einen größeren Bewegungsradius als Frauen. Für Ethnologen ist es auch aufschlussreich, Rhythmen der Mobilität zu analysieren, um mehr über Gesellschaften zu erfahren als statische ökonomische und soziale Daten hergeben. Hahn nennt zwei Beispiele: Was bedeutet es zum Beispiel für Familien, wenn Wege zwischen der Wohnung am Stadtrand und der Innenstadt immer mehr Zeit in Anspruch nehmen? Wie bewerten Pendler die Zeit, die sie im Auto oder in der U-Bahn verbringen?

In der Ethnografie der Mobilität spielt der Begriff „Chronotopos“ eine wichtige Rolle. „Man kann Gesellschaften sehr gut beschreiben, indem man den zeitlichen Verlauf von Bewegungen an bestimmten Orten in der öffentlichen Sphäre dokumentiert. Jeder Ort kann mithin als Chronotopos gesehen werden; das Chronotopos ist durch die Zahl der sich dort aufhaltenden Menschen charakterisiert, durch deren räumliche Bewegung, durch ihre Reiseziele und nicht zuletzt durch die erwartete Dauer des Aufenthaltes am Ziel“, erklärt Hahn. Ethnologen haben eindringliche Studien zu Chronotopen vorgelegt, zum Beispiel zur U-Bahn (Marc Augé) oder zu Autobahn-Raststätten (Julio Cortazar und Carol Dunlop). Die Fallstudien fragen nach der Funktion dieser „Orte der Bewegung“ – nach den Erwartungen, die Menschen mit den Orten und mit ihrem Aufenthalt dort verbinden. Dazu Hahn: „Bestimmte Chronotopen (Flughäfen, Bahnhöfe, Fußgängerzonen, Autobahnraststätten) sind mit bestimmten technischen Modalitäten der Bewegung verbunden. Aber ihnen sind auch bestimmte soziale Gruppen, deren ökonomische Möglichkeiten und deren Wissen zuzuordnen.“

In dem Beitrag des Frankfurter Ethnologen zu Formen der Mobilität geht es auch darum, wie die reale mit der virtuellen Mobilität verknüpft ist. Noch ist nicht umfassend erforscht, ob in Zukunft diese beiden Mobilitätsformen wirklich ineinander übergehen. Kann ein – via Skype – gemeinsam verbrachtes Frühstück bzw. Abendessen für verschiedene Familienangehörige in Dehli und London als eine „geteilte Alltagserfahrung“ gelten? Aktuelle Forschungen zur Mobilität beschäftigen  sich mit der Entwicklung eines neuen Konzepts der virtuellen Ko-Präsenz.

Informationen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-33072, hans.hahn@em.uni-frankfurt.de

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Forschung

Dez 16 2013
12:06

Neue Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ zu Facetten der Mobilität

Immer unterwegs: Können und müssen wir uns das leisten?

FRANKFURT. „Verkehr darf nicht beliebig vermehrbar sein“, davon ist Mobilitätsforscher Prof. Martin Lanzendorf  überzeugt. Denn ein steigendes Verkehrsaufkommen belastet die Umwelt, verschwendet Ressourcen, verstopft die Straßen und schmälert die Lebensqualität in der Stadt. In der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2013) fragen Forscher, wie man Menschen zum Umdenken bewegen kann. Dabei ist die Fixierung auf den Pkw längst nicht mehr das einzige Problem. Für viele Menschen ist das Unterwegssein inzwischen Teil ihres Jobs, für andere ist es sogar Teil ihres Lebensstils.

Eines der Schlagwörter der Mobilitätsforscher ist die Multimodalität, die flexible und dem Zweck angepasste Wahl der Verkehrsmittel. Das erfordert auch flexibles Denken, die Bereitschaft, ganz oder teilweise auf private Verkehrsmittel zu verzichten und sich über moderne Kommunikationsmittel zu vernetzen. Auch Arbeitgeber können dazu beitragen, die Hemmschwelle für die Nutzung neuer Verkehrsmittel wie Elektroautos und Pedelecs zu senken. Das belegt die sozialwissenschaftliche Begleitforschung zu mehreren Projekten, die in Forschung Frankfurt vorgestellt werden.

Motivierend sind die Ausblicke der Autoren auf die weitgehend autofreie Stadt der Zukunft. Denn nach Ansicht des australischen Forschers Prof. Jeffrey Kenworthy droht den Megacities der Zukunft der Verkehrsinfarkt, wenn die Städteplaner nicht umdenken. Kenworthy, zurzeit Gastforscher an der Goethe-Universität und der Fachhochschule Frankfurt, entwickelt eine Vision Fußgänger und Radfahrer ihre Städte schrittweise zurückerobern können. Dies kombiniert er mit einer intelligenten Infrastruktur, die sich um die Knotenpunkte öffentlicher Verkehrsnetze gruppiert.

Eine Auswahl aus den insgesamt 29  Beiträgen des Heftes:

  • Simulationen: Staus vermeiden, Abgase reduzieren (Jörg Dallmeyer und Andreas Lattner, Informatiker)
  • Immer im Aufbruch: Die Menschheit unterwegs (Hans Peter Hahn, Ethnologe)
  • Le Parkour: Wie der Homo mobilis die Großstadt erobert (Robert Gugutzer und Andrea Dlugosch, Sportsoziologen)
  • Hochmobile Lebensformen: Last oder Lust? (Anne Hardy, Wissenschaftsjournalistin)
  • „Man kann überall Frankfurter sein“ (Ein Interview mit Rainer Forst und Darrel Moellendorf)
  • Eine Zeitreise ins mobile Mittelalter (Beiträge von Jan Rüdiger und Johannes Fried, Historiker)
  • Unterwegs in physischen und virtuellen Welten (Gastbeitrag von Barbara Lenz, DLR Berlin)
  • Filme müssen reisen (Vinzenz Hediger, Filmwissenschaftler)
  • Wählermobilität und Wandel der Gesellschaft (Sigrid Roßteutscher, Soziologin)

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Dr. Anne Hardy und Ulrike Jaspers, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12498, hardy@pvw.uni-frankfurt.de, und (069)-798-13066, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de.

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Personalia/Preise

Dez 16 2013
10:19

Thomas Müller ist neuer Robert Bosch Juniorprofessor an die Goethe-Universität

Er folgt den Spuren der Gazellen in der Mongolei

FRANKFURT. Die Mongolei erlebt aufgrund ihrer Bodenschätze – Öl, Kupfer, Gold – derzeit einen stärkeren wirtschaftlichen Aufschwung als das Nachbarland China. In dem bisher wenig erschlossenen Land werden neue Straßen und Eisenbahnlinien angelegt. Welche Auswirkungen diese Eingriffe auf die Wanderbewegungen der riesigen Gazellenherden haben, will der neu berufene Biologe Dr. Thomas Müller erforschen. Nach 10 Jahren in den Vereinigten Staaten kehrt er als Robert Bosch Juniorprofessor nach Deutschland zurück. Die Robert Bosch Stiftung vergibt jährlich eine Juniorprofessur an einen herausragenden Nachwuchswissenschaftler, der die Wechselwirkungen zwischen natürlichen Prozessen und menschlichen Umwelteingriffen erforscht.

Für die Berufung von Thomas Müller haben sich drei Frankfurter Gastinstitutionen gemeinsam eingesetzt: Die Goethe-Universität, das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Am BiK-F hat Thomas Müller bereits vor einigen Jahren als Postdoktorand gearbeitet. Damals erforschte er mit Prof. Katrin Böhning-Gaese die Bewegungen von Hornvögeln in Südafrika. Diese Vögel haben eine wichtige Funktion für das Ökosystem, weil sie Pflanzensamen zwischen benachbarten Waldgebieten transportieren. Außerdem konnte Müller mit einer Datenanalyse von Vogelzugdaten der Schreikraniche in den Vereinigten Staaten aufklären, in wieweit der Vogelzug in den Genen liegen und welche Teile erlernt werden. Diese Arbeit brachte ihm die Titelgeschichte der renommierten Fachzeitschrift „Science“ ein.

Als Juniorprofessor wird Thomas Müller nun eine eigenständige Arbeitsgruppe leiten, die sich mit der jungen Forschungsdisziplin „Movement Ecology“ – der Bewegungsökologie von Tieren – beschäftigt. In der Mongolei war er bereits 2007, als er einem Kollegen half, einzelne Gazellen einzufangen und mit einem Peilsender auszustatten. In seiner Doktorarbeit wertete er die Daten aus und fand, dass die Migrationsbewegungen „völlig chaotisch“ sind. Allerdings entdeckte er, dass die Zäune entlang der 2.215 Kilometer langen transmongolischen Eisenbahnlinie von Ulaanbaatar nach Peking sowie entlang der mongolisch-chinesischen Grenze ein unüberwindbares Hinderniss für die Tiere darstellen. Dasselbe gilt für die wenigen, von LKWs stark befahrenen Straßen. „Meine Forschungsergebnisse sollen in praktische Empfehlungen für die Mongolei münden, wie sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung ökologisch verträglich gestalten kann“, so Müller. Vorstellbar wäre beispielsweise die Konstruktion von Wildbrücken. Seine Erkenntnisse möchte er schrittweise auch auf andere Ökosysteme und Regionen der Welt übertragen.

Thomas Müller studierte an der Universität Marburg Biologie und promovierte an der University of Maryland in den USA. Anschließend arbeitete er in Frankfurt und in Maryland als PostDoc und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Smithsonian Conservation Biology Institute, USA.

Bilder zum Download finden Sie hier: HIER

Bildtexte:

1. Transmongolische Eisenbahnlinie von Ulaanbaatar nach Peking, mit den Überresten einer am Zaun verendeten Gazelle. Diese Infrastrukturen zerschneiden die Lebensräume und werden als unüberwindbares Hindernis immer mehr Tieren zum Verhängnis, die an das Leben in der freien Landschaft angepasst sind.

2. Mit GPS-Sender ausgestattete Gazelle. Die so gewonnenen Daten helfen den Wissenschaftlern, die Wanderungen der Herden zu verstehen, über die bislang wenig bekannt ist.

3. Während der Feldarbeiten in der mongolischen Steppe machen die Wissenschaftler Pause an einem mongolischen Ger (Jurte).

4. Die Forscher wissen bislang wenig über die Sozialstrukturen der Gazellen. In den Weiten des mongolischen Graslandes trifft man manchmal auf kleine Gazellengruppen, manchmal auch auf riesige Herden mit mehreren zehntausend Tieren.

Informationen: Juniorprofessor Dr. Thomas Müller, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt, Tel.: (069) 7542 1889, thomas.mueller@senckenberg.de.

Veranstaltungen

Dez 13 2013
15:08

Eröffnung im IG-Farben-Haus/Studierende kooperieren mit Filmmuseum und Städel

Studiengalerie zeigt Maryam Jafris “Staged Archive”

FRANKFURT. Am Beispiel der Videoarbeit “Staged Archive” (2008) der pakistanischen Künstlerin Maryam Jafri hat die Studiengruppe “Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch” untersucht, wie Gegenwartskünstler auf Geschichte zugreifen. In dem 9-minütigen Video geht es um eine traumartig verfremdete Gerichtsverhandlung zu einem Mord, der in der kolonialen Vergangenheit der heutigen Republik Ghana stattgefunden hat. Die Künstlerin verwendet unter anderem Bilder aus einem Fotoarchiv, das den Betrieb von Wanderkinos durch Missionare dokumentiert. Ihre Ergebnisse präsentieren die Studierenden in einer Ausstellung. Wir laden ein zur Eröffnung

am 18. Dezember, 20 Uhr,

in der Studiengalerie 1.357, IG-Farben-Haus, Campus Westend.

Die Studierenden arbeiteten mit den Kuratoren der Ausstellung „Fassbinder – JETZT“ im Deutschen Filmmuseum (30. Oktober 2013 bis zum 1. Juli 2014) zusammen. Auch dort ist derzeit eine Arbeit von Maryam Jafri zu sehen, in der sie Aspekte der Filme Rainer Werner Fassbinders aufgreift. Weiterer Kooperationspartner der Studiengalerie ist das Städelmuseum.

In „Staged Archive“ finden sich in der reduzierten Kulisse mit grell oranger Farbgebung Anklänge an die utopische Welt von Fassbinders Spielfilm „Querelle“ (1982) und an die phantasmagorische Rauminszenierung im Epilog seiner Fernsehserie „Berlin Alexanderplatz“ (1979/80).  Der Film reflektiert das Nachdenken über die  kollektive Erinnerung an eine historische Schuld. Er zeigt, wie diese mit der kulturellen Autorität von Bildmedien und Bildarchiven verwoben ist. Jafri kombiniert verschiedene Filmgenres und mediale Gattungen. Sie lehnt ihre Szenen zugleich an den Stil des Film Noir, an Roadmovies und das europäische Autorenkino an. Es entfaltet sich ein surreales Geschehen: Der Protagonist, der abwechselnd als Kind und Erwachsener auftritt, ist zugleich Zuschauer und Angeklagter. Der dargestellte Gerichtsraum gleicht einer Theaterszenerie. In den unwirklichen Bildern löst sich die Vorstellung einer linearen Zeit auf.

Jafri verschränkt historische Bezüge mit Zitaten aus der Filmgeschichte zu fiebrigen Alptraumszenen, in denen sich die Zeitebenen überlappen. Statt einer kohärenten Erzählstruktur webt sie ein Netz aus Anspielungen, Hinweisen und Zitaten.

Die 1972 geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Kopenhagen und New York. Sie war an zahlreichen internationalen Ausstellungen (unter anderem der Manifesta 9) beteiligt. In Deutschland waren ihre Arbeiten zuletzt im Neuen Berliner Kunstverein und im Bielefelder Kunstverein zu sehen.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Nicole Kreckel, Studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, frau.n.kreckel@stud.uni-frankfurt.de

Bild- und Textmaterial: Studiengruppe „Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ unter: www.geschichte.uni-frankfurt.de/studien/studiengalerie/index.html

Die Ausstellung ist bis zum 13. Februar von Montag bis Donnerstag, 12 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Forschung

Dez 13 2013
12:21

Biologischer Katalysator geht ein Hauptproblem des vielversprechenden Energieträgers an / Publikation in Science

Neuer Weg zu einem effizienten Wasserstoff-Speicher

FRANKFURT. Wasserstoff ist eine klimafreundliche Alternative für die Energieversorgung der Zukunft. Eine sichere und effiziente Möglichkeit, diesen zu speichern, haben die Frankfurter Biowissenschaftler Kai Schuchmann und Volker Müller von der Goethe-Universität nun entdeckt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science berichten, fanden sie in einem Bakterium ein Enzym, das Wasserstoff und Kohlendioxid zu Ameisensäure umsetzt. Im Unterschied zu gasförmigem Wasserstoff kann diese Flüssigkeit wie konventionelle Treibstoffe gelagert und transportiert werden. Der Vorteil: Wasserstoff würde erst am Verbrauchsort zur Umsetzung in einer Brennstoffzelle wieder freigesetzt oder die Ameisensäure könnte direkt zur Energieversorgung von elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen eingesetzt werden.

„Ein Auto mit Brennstoffzelle benötigt circa 45.000 Liter Wasserstoff für 400 Kilometer. Diese Menge ließe sich in circa 75 Litern flüssiger Ameisensäure speichern“, rechnet Kai Schuchmann vor. Eigentlich erforscht der Biowissenschaftler in seiner Doktorarbeit den Stoffwechsel des Bakteriums Acetobacterium woodii. Dieser Organismus gibt Einblicke in die Lebensweise der ersten Organismen auf der Erde. „Jetzt zeigt sich, dass in diesem Bakterium zusätzlich viel Potential für zukünftige Technologien steckt“, freut sich Schuchmann, dem die Entdeckung im ersten Jahr seiner Doktorarbeit gelang. Bisherige chemische Katalysatoren benötigen meist hohe Drücke oder Temperaturen für die schnelle Umsetzung von Wasserstoff und CO2. Die biologische Alternative ermöglicht nun die Reaktion mit hoher Geschwindigkeit unter milden Bedingungen.

„Attraktiv ist das Enzym nicht nur deshalb, weil es sowohl die Speicherung als auch die Freisetzung von Wasserstoff mit hoher Effizienz ermöglicht“, erklärt Prof. Volker Müller,  Leiter der Abteilung für Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe-Universität. „Sogar die Verwertung von Kohlenmonoxid ist über einen alternativen Weg möglich“. Dies ist von Vorteil, da Brennstoffzellen durch Verunreinigungen mit Kohlenmonoxid geschädigt werden.

Die Wissenschaftler haben bereits ein Patent für ihr System der biologischen Wasserstoffspeicherung angemeldet, in dem sie auch die Bakterien als ganzes verwenden können. „Man muss Acetobacterium woodii nur dazu bringen, seinen Stoffwechsel nach der Produktion von Ameisensäure, die nur ein Zwischenprodukt ist, abzubrechen“, erläutert Prof. Müller. Das gelang den Forschern durch das Entfernen von Natrium-Ionen, denn das Bakterium benötigt für einen entscheidenden Schritt der Energiegewinnung Natrium, wie Müller im vergangenen Jahr in einer viel beachteten Publikation herausfand. Wird es nicht mit Natrium versorgt, stellt es nur Ameisensäure her.

Bei Bedarf können wir Ihnen ein Foto zur Verfügung stellen (ott@pvw.uni-frankfurt.de)

Publikation: Kai Schuchmann und Volker Müller, Direct and reversible hydrogenation of CO2 to formate by a bacterial carbon dioxide reductase, Science  doi: 10.1126/science.1244758

Informationen: Kai Schuchmann und Prof. Volker Müller, Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, (069)-798-29589; schuchmann@bio.uni-frankfurt.de,  und Tel.: (069) 798- 29507; -29508, VMueller@bio.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Dez 13 2013
12:11

Neue Seminarbauten auf dem Campus Westend verbessern die Studienbedingungen in Zeiten steigender Studierendenzahlen

Mehr Raum für die Lehre

FRANKFURT. Die Goethe-Universität erreicht eine weitere Etappe bei der Realisierung von Neubauten auf dem Campus Westend: Heute (13.12.) feierte sie zusammen mit Vertretern der Hessischen Ministerien für Wissenschaft und Kunst sowie Finanzen das Richtfest für das neue Seminargebäude sowie die Bauübergabe des neuen Seminarpavillons. Beide Gebäude werden erstmals in baulicher Zuständigkeit der Goethe-Universität realisiert. Die Gesamtkosten für beide Gebäude betragen rund 28,8 Mio. Euro. Das Seminarhaus (Gesamtkosten 23,5 Mio. Euro) nach Plänen des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide soll mit einer Fläche von insgesamt 4.000 Quadratmetern Anfang 2015 in Betrieb gehen. Im kommenden Sommersemester wird der 1.000 Quadratmeter große und 12 Räume umfassende Seminarpavillon (Gesamtkosten 5,3 Mio. Euro) für die Lehre zur Verfügung stehen.

Auch bei der Finanzierung gingen Land und Universität neue Wege. Um angesichts stark gestiegener und weiter steigender Studierendenzahlen möglichst rasch auf Engpässe reagieren zu können, werden die Gebäude sowohl durch Mittel des Hochschulpakt 2020-Investitionsprogramms, durch Landesmittel wie dem Hochschulbau-Investitionsprogramm HEUREKA als auch universitäre QSL-Mitteln mitfinanziert.

Universitätspräsident Prof Werner Müller-Esterl hob anlässlich einer Feierstunde hervor, wie wichtig die neuen Gebäude für die Verbesserung der Lehre seien: „Wir wollen unseren Studierenden auch in Zeiten hoher Studienanfängerzahlen gute Studienbedingungen bieten. Die neuen Gebäude schaffen hier schon kurzfristig eine erhebliche Entlastung. Die Goethe-Universität stellt damit unter Beweis, dass sie auch im Baubereich die Vorteile einer Autonomie für sich zu nutzen versteht.“

Ingmar Jung, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sagte: „Mit den neuen Seminarraumgebäude wird ein echter Mehrwert für Studierende geschaffen.“ Es sei nicht einfach nur ein weiterer Baustein auf dem Campus Westend. Mit dem Neubau würden zugleich auch bis zu 1.900 Veranstaltungsplätze in kleineren Seminar- und Übungsräumen realisiert. Er lobte den raschen Baufortschritt und fügte hinzu: „Mit kurzfristig wirkenden Maßnahmen reagieren das Land und die Universität auf die steigenden Studierendenzahlen und verbessern so die Lehrbedingungen an der Hochschule.“

Horst Westerfeld, Staatssekretär des Hessischen Ministeriums für Finanzen, erklärte: „Mit Hilfe des Hochschulpakts von Bund und Ländern, den Mitteln zur Verbesserung der Qualität der Studienbedingungen und Lehre sowie des HEUREKA-Programms fördert das Land intensiv den Ausbau und die Erneuerung der universitären Infrastruktur in Hessen. Der Neubau des Seminarhauses markiert dabei einen weiteren Meilenstein bei der Um- und Neugestaltung des Campus Westend.  Mit seiner großzügigen, offenen Gestaltung wird das Gebäude ferner zum Gesamtkonzept der ,Universität im Park’ am Standort Westend beitragen und sicherlich ein Ort werden, an dem Lehrende sowie Studierende gerne lehren, lernen und leben.“

Zufrieden mit dem Baufortschritt des Seminarhauses zeigte sich Architekt Ferdinand Heide, dessen unverwechselbare Handschrift bereits verschiedene Gebäude auf dem Campus Westend tragen. Unverkennbar ist die Verwandtschaft mit dem benachbarten Hörsaalzentrum. „Ich freue mich, dass sich im Rahmen des Wettbewerbs für mich erneut die Möglichkeit ergeben hat, auf Deutschlands schönstem Campus ein weiteres Gebäude an markanter Stelle errichten zu können. Ich bin mir sicher, dass der funktionale und gestalterische Wert dieses Gebäudes die späteren Nutzer zufriedenstellen wird.“

 

Sonstige

Dez 11 2013
15:15

Universität des 3. Lebensalters: nachberufliche Bildung wird immer stärker nachgefragt.

Zahl der älteren Studierenden an der Goethe-Universität gestiegen

FRANKFURT. Auch in diesem Semester ist die Studierendenzahl der Universität des 3. Lebensalters (U3L) angestiegen. Inzwischen besuchen mehr als 3.500 Wissensdurstige die über 110 Vorlesungen und Seminare. Die E-Learning-Plattform OLAT der Goethe-Universität erfreut sich auch bei U3L-Studierenden steigender Beliebtheit. Mehr als ein Drittel der späten Studierenden arbeiten  auf dieser Plattform mit eingestellten Skripten bzw. tauschen sich in selbst eingerichteten Arbeitsgruppen aus.

Sorgen, dass die älteren Studierenden den jungen die ohnehin knappen Studienplätze streitig machen könnten, sind unbegründet. Denn bei den Veranstaltungen der U3L handelt es sich zum allergrößten Teil um eigene Veranstaltungen, die unabhängig von den Studiengängen der Goethe-Universität angeboten werden. Das gesamte Programm der U3L kann sogar von den regulären Studierenden kostenlos besucht werden. Das wird durchaus in Anspruch genommen und führt zu interessanten Begegnungen zwischen Jung und Alt.

Ein besonderes Angebot an der U3L ist der gerade gestartete Strukturierte Studiengang „Das Öffentliche und das Private“, der u.a. Bezug nimmt auf die aktuellen Debatten über Datenschutz und Privatsphäre im Kontext der Neuen Medien. Dabei haben die Studierenden Gelegenheit, sich beispielsweise über den geschichtlichen und kulturellen Vergleich mit Konzepten des Privaten und Öffentlichen auseinanderzusetzen und nach fünf Semestern ein auf die U3L zugeschnittenes Zertifikat zu erwerben.

Als „Erst-Semester“ haben sich aktuell 280 an nachberuflicher Bildung Interessierte neu eingeschrieben. Die über 3.500 U3L-Studierenden sind zu etwa 60 Prozent weiblich. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 64 Jahren. Starre Altersgrenzen gibt es für ein U3L-Studium nicht: das Altersspektrum reicht von 50 bis über 90 Jahren. 15 Studierende sind jünger als 50, 165 Studierende sind älter als 80  und 6 sogar älter als 90 Jahre.

An der Nachfrage der U3L in Frankfurt aber auch andernorts zeigt sich ganz deutlich, dass der Anteil aktiver und bildungsinteressierter älterer Menschen wächst. Daher ist es ein Gebot der Zeit,  Studienangebote für nachberuflich Studierende weiter auszubauen. So lautet auch der Tenor der „Oldenburger Erklärung zur Förderung der wissenschaftlichen Weiterbildung Älterer der BAG WiWA“, die von der U3L mitgetragen wird. Die Bundesarbeitsgemeinschaft wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere (BAG WiWA) setzt sich aus über 50 Einrichtungen zusammen, die an den Hochschulen in der Bundesrepublik wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere organisieren. „Wir wollen mit der Oldenburger Erklärung die erfolgreiche Arbeit an den Hochschulen im Bereich der akademischen Bildung im Alter herausstellen und zugleich betonen, dass wir einen steigenden Bedarf an Forschung und Praxisentwicklung sehen.“, erklärt Silvia Dabo-Cruz, die Leiterin der Geschäftsstelle der U3L, die zur Zeit den Vorsitz der BAG WiWA innehat. Der vollständige Text der „Oldenburger Erklärung“ der BAG WiWA, die der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V. (DGWF) angehört, findet sich online unter: www.bagwiwa.de/files/20131029Oldenburger%20Erkl%C3%A4rung.pdf

Die Universität des 3. Lebensalters ist eine Bildungsinstitution an der Goethe-Universität, die besonders ältere Erwachsene anspricht, die sich innerhalb eines akademischen Rahmens mit Fragen der Wissenschaft und Bildung auseinandersetzen und an der eigenen Weiterbildung arbeiten wollen

Kontakt:
Claudia Koch-Leonhardi, Tel.(069)798 28861; koch-leonhardi@em.uni-frankfurt.de;

www.u3l.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 11 2013
10:18

Prof. Margit Kern von der Universität Hamburg spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Wie europäische Maler Elemente mexikanischer Kultur aufgenommen haben

FRANKFURT. „Violentia und potestas – Transkulturelle Imagination des Opfers und die Inszenierung von Gewalt“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Margit Kern, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, am Mittwoch (18. Dezember) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.

Die europäische Expansion hat die visuellen Kulturen Amerikas von Grund auf verändert, während Europa von dieser Entwicklung weitgehend unberührt geblieben ist, so zumindest eine häufig geäußerte Einschätzung. „Doch diese transkulturelle Imaginationen sind auch in europäischen Ländern zu verorten“, stellt die Kunsthistorikerin fest. Sie wird in ihrem Vortrag zeigen, wie Übersetzungsprozesse im Rahmen der Mission in Neuspanien, dem heutigen Mexiko, auf Europa zurückgewirkt haben. Werke von europäischen Malern wie Giovanni Lanfranco, Domenichino und anderen geben diese transkulturellen Aushandlungsprozesse in beide Richtungen zu erkennen und belegen, dass die Opferdiskurse der Mission in den zeitgenössischen Wissenskulturen reflektiert wurden. Die asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen Europa und der „neuen Welt“ führten oft dazu, dass diese Verflechtung nur als Marginalie wahrgenommen wurde.

Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org