Pressemitteilungen 

Veranstaltungen

Nov 10 2015
10:37

Schwerpunkt Kultur und Migration an der Goethe-Universität veranstaltet Diskussionsreihe in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei

Frankfurter Fragen zu Flucht

FRANKFURT. Der Schwerpunkt Kultur und Migration des Instituts für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt veranstaltet eine Diskussionsreihe zum Thema „Frankfurter Fragen zu Flucht“, zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag (19.11.) wie auch die weiteren von 19.30 bis 21.30 in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, statt. Es werden Fragen nach der deutschen und europäischen Asyl- und Grenzpolitik gestellt, wie nach den globalen Machtverhältnissen und Konflikten, in die aktuelle Fluchtbewegungen eingebettet sind. Ebenso soll der Umgang mit erstarkendem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit thematisiert und über sinnvolle Formen des Helfens und solidarischen Engagements mit und für geflüchtete Menschen diskutiert werden.

Noch nie waren nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen auf der Flucht wie heute - Menschen, die oft unter Einsatz ihres Lebens versuchen, in Deutschland oder anderen EU-Staaten Schutz zu erhalten. Auch wenn nur ein kleiner Teil der weltweit Flüchtenden nach Europa und nach Deutschland gelangt, bestimmen die Diskussionen um die wachsende Anzahl von Menschen die aktuelle mediale Berichterstattung und das tagespolitische Geschehen in der Bundesrepublik. Die ankommenden Menschen und die Herausforderungen ihrer unmittelbaren Versorgung werfen auf lokalpolitischer und alltäglicher Ebene in Frankfurt und Hessen Fragen nach Unterstützung und dem langfristigen Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft auf. Diese Fragen sollen an vier Donnerstagen mit Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft gemeinsam mit dem Frankfurter Publikum diskutieren werden.

Das Programm auf einen Blick:

19. November
Was tun, wie helfen?
Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern der Projekte Teachers on the Road, Project.Shelter, Frankfurt Hilft sowie Hildegund Niebch (Diakonie Hessen) und Johanna Bröse(Netzwerk Flüchtlingsforschung, Universität Tübingen)

3. Dezember
Warum fliehen Menschen?
Diskussionsrunde mit Thomas Gebauer (medico international, Frankfurt), Dr. Tanja Scheiterbauer und Dr. Stefan Ouma (Goethe Universität) und Dr. Claudia Lichnofsky (Georg-Eckert-Institut Braunschweig)

21. Januar 2016
Wie zieht Europa Grenzen?
Diskussionsrunde mit Marei Pelzer (Pro Asyl e.V.), Bernd Kasparek (Bordermonitoring.eu), Vertreterinnen der Gruppe Lampedusa in Hanau

4. Februar 2016
Wie umgehen mit rassistischer Gewalt?
Diskussionsrunde mit Dr. Kien Nghi Ha (Kultur- und Politikwissenschaftler, Berlin), Olivia Sarma (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt), Dr. Türkân Kanbıçak Kanbıçak (Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums, Frankfurt)

Informationen: Prof. Dr. Kira Kosnick, Schwerpunkt Kultur und Migration, Institut für Soziologie, Campus Westend, Tel. 069/798- 36582, kosnick@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 9 2015
17:01

Internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ fragt nach der Verankerung von Wissenschaft in gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen

Konferenz zur Macht (in) der Wissenschaft

FRANKFURT. Die internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beschäftigt sich am 13. und 14. November aus verschiedenen disziplinären Perspektiven mit Theorie und Praxis von wissenschaftlicher Wissensproduktion und deren kritischen Potential. Der Titel der Tagung in englischer Sprache lautet: „The Power of/in Academia: Critical Interventions in Knowledge Production and Society“.

Auf der einen Seite spielt wissenschaftlich produziertes Wissen eine zentrale Rolle in der Deutung und Kritik sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und politischer Zusammenhänge, auf der anderen Seite entsteht dieses Wissen in ebenjenen Zusammenhängen. Wissenschaft kann nie losgelöst von gesellschaftlichen Macht– und Herrschaftsverhältnissen gedacht werden. Dennoch nehmen wissenschaftliche Erkenntnisse im Vergleich zu anderen Wissensformen gerade deswegen eine besondere Rolle ein, weil sie als besonders „neutral“, eben wissenschaftlich, gelten.

Gesellschaftskritik und Wissenschaft zu verbinden, bedeutet daher auch, jene Verfahren zu reflektieren, die zur Analyse sozialer Phänomene eingesetzt werden und die letztlich die Grundlage für Gesellschaftskritik seitens der Wissenschaft darstellen. In verschiedenen Panels wird diskutiert, in welcher Form und auf welchen normativen Grundlagen Wissenschaft Kritik an Gesellschaft und Gesellschaft Kritik an Wissenschaft üben kann; wie sich kritische Perspektiven auf die Rolle der Wissenschaft in gesellschaftlichen Prozessen entwickeln lassen und welche Rolle dabei die methodologische und ethische Reflexion der eigenen Vorgehensweisen spielt. Außerdem wird das Verhältnis von wissenschaftlichem zu ästhetischem Wissen diskutiert und das kritisch-reflexive Potential der Kunst als das Andere der Wissenschaft beleuchtet.

Am Abend des ersten Konferenztages (13.11.) hält hierzu Prof. Dieter Mersch, Leiter des Instituts für Theorie (ith) und Professor für Ästhetik und Theorie an der Züricher Hochschule der Künste (ZHdK), den Abendvortrag „Aesthetic Criticism. On the Wisdom of Art“. Überdies soll auch die Konferenz selbst als eine Form performativer Wissensdarstellung hinterfragt werden. Das Theater der Versammlung der Universität Bremen, eines der ersten deutschen Forschungstheater, wird am Samstagvormittag „C Copy A Encrypted“ performen. Zudem wird es Formen der kollektiven Wissensproduktion geben, in denen die behandelten Themen in einem alternativen Rahmen besprochen werden. Zum Abschluss der Konferenz wird Prof. Yvonna S. Lincoln (Texas A&M University) in ihrem Abendvortrag „Threat Levels: Qualitative research Ethics, Power and Neoliberalism’sContext“ über die qualitative Forschung im neoliberalen Kontext sprechen.

Die internationale Nachwuchskonferenz steht Interessierten offen. Alle Veranstaltungen finden im Gebäude des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend statt. Eine vorherige Anmeldung wird erbeten unter: graduateconference@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/nachwuchskonferenzen

Kontakt: Johanna Leinius vom Organisationsteam der Nachwuchskonferenz, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. 069/798-31516, johanna.leinius@normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/

Veranstaltungen

Nov 6 2015
16:19

Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität am 11. November

Heiner Goebbels ist neuer Kantorowicz Lecturer

FRANKFURT. Die Kantorowicz Lectures in Political Language des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften feiern ein kleines Jubiläum. Seit fünf Jahren gibt es die prominent besetzte Reihe nun –  genauso lang wie das Zentrum selbst, das an der Goethe-Universität angesiedelt ist und mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ kooperiert. Beide Institutionen zusammen veranstalten jetzt die fünfte Auflage der Lectures. Der Referent gehört bereits seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exponenten der zeitgenössischen Musik- und Theaterszene und hat sich zugleich als Kunsttheoretiker und Wissenschaftler einen Namen gemacht. Heiner Goebbels bestreitet seine Kantorowicz Lecture unter dem programmatischen Titel:

„Erkläre nichts. Stell es hin. Sag's. Verschwinde.“ – Zur Frage nach einer Politik des Ästhetischen

am: Mittwoch, dem 11. November 2015, um 18.00 Uhr

Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801

Die aktuelle Kantorowicz Lecture in Political Language widmet sich der Frage wie die Künste mit politischer Bedeutung aufgeladen werden und einem besonders sperrigen Medium politischer Sprache: der Musik. Wie man mit dem Medium der Musik, der Komposition, im politischen Diskurs agiert, ist für das Gros der Geisteswissenschaftler bisher wenig nachvollziehbar. In dem Komponisten und Theatermacher Heiner Goebbels haben das Forschungszentrum und der Exzellenzcluster für die Kantorowicz Lecture 2015 einen international besonders renommierten Redner gewinnen können, der den Versuch unternimmt, dem Begriff der politischen Sprache die künstlerische Erfahrung entgegenzustellen. Seit seinen frühesten Arbeiten, der Zeit seiner Zusammenarbeit mit Heiner Müller, bis zu seinen aktuellen Musiktheaterproduktionen stellt sich Goebbels unentwegt die Frage nach der Politik des Ästhetischen.

Heiner Goebbels arbeitet als Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universität in Gießen und ist Präsident der Theaterakademie Hessen. Von 2012 bis 2014 war er künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale – International Festival of the Arts. Goebbels war Mitbegründer des „Sogenannten Linksradikalen Blasorchester“, das bis 1981 existierte, und des Duos Heiner Goebbels/Alfred Harth sowie des Art Rock Trios Cassiber (1982 –1992). In dieser Zeit schrieb er Theatermusiken für Inszenierungen unter anderem von Hans Neuenfels, Claus Peymann, Matthias Langhoff undRuth Berghaus. Mitte der 1980er Jahre begann er eigene Hörspiele vor allem zu Texten von Heiner Müller zu schreiben und zu inszenieren. Nach ersten szenischen Konzerten wandte er sich verstärkt eigenen Theaterinszenierungen zu. Neben seinen Bühnenstücken schreibt er weiterhin Musik.

Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. In den vergangenen fünf Jahren konnten jeweils sehr renommierte ausländische Gaste für diese Vorträge gewonnen werden. Erster Kantorowicz Lecturer war im Jahr 2011 der Philosoph und Historiker Quentin Skinner.

Informationen:

Prof. Bernhard Jussen, Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Tel.: 069/798-32427, (-32424 Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32113, (-32344 Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de 

www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/

Veranstaltungen

Nov 6 2015
14:10

Eröffnung der Ausstellung von Bruno Feger im PEG-Gebäude auf dem Campus-Westend. 11. November, 18 Uhr

Vernissage mit Stahlskulpturen

FRANKFURT. Die beiden stählernen Grashalme stehen bereits seit vergangenem Sommer an prominenter Stelle, nämlich im Foyer des PEG der Goethe-Universität: Die Skulptur „Gräser“ hat der Künstler Bruno Feger geschaffen. Nun werden anlässlich der Schenkung eine Reihe von weiteren Stahlplastiken des Künstlers im Treppenhaus des Gebäudes der Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften gezeigt.

Alle Interessierten sind zur Vernissage herzlich eingeladen, die am Mittwoch, 11. November, um 18 Uhr im Foyer des Instituts für Psychologie (5. OG) stattfindet. Der Künstler und die Stifterin sind anwesend. Grußworte werden sprechen: Prof. Rolf van Dick, Institut für Psychologie; Andreas Eckel, Private Hochschulförderung; Dr. Carsten D. Siebert, Kurator. Anmeldungen zur Vernissage werden erbeten per E-Mail an: dekanat@psych.uni-frankfurt.de

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Februar 2016, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr. PEG-Gebäude, 3.-5. OG, Campus Westend, Theodor-W-Adorno-Platz 6.

Weitere Informationen: Martina Siebert, Dekanat FB 05 – Psychologie und Sportwissenschaften, Tel. (069) 798-35301

Hochschulpolitische Themen

Nov 6 2015
12:56

Konzept der Goethe-Universität überzeugt im Qualitätspakt Lehre – Weitere 21 Millionen Euro zur Verbesserung der Lehre erwartet

„Starker Start ins Studium“ geht in die zweite Runde

FRANKFURT. Im bundesweiten Wettbewerb zur Verbesserung der Lehre gehört die Goethe-Universität zu den erfolgreichsten Hochschulen: Für die Goethe-Universität werden in der zweiten Förderperiode bis Ende 2020 noch einmal  rund 21 Millionen Euro erwartet. Vom Frankfurter Programm „Starker Start ins Studium“ profitieren vor allem Studierende in den ersten drei Semestern. Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff freut sich über das erfolgreiche Abschneiden der Goethe-Universität: „Das zeigt uns, dass wir einen guten Weg zur Verbesserung der Lehre eingeschlagen haben. Mit dieser Förderung haben wir übrigens eines der größten Drittmittel-Projekte in diesem Jahr eingeworben – und das für die Lehre!“ Gleichzeitig hebt Wolff hervor: „Die in Aussicht stehenden 21 Millionen Euro tragen dazu bei, die Betreuungsrelation trotz der seit 2008 um 40 Prozent gestiegenen Studierendenzahlen einigermaßen konstant zu halten. Insofern ist es schön und wichtig, dass es auch für die Lehre Drittmittel gibt. Allerdings ist es schade, dass wir so dringend auf sie angewiesen sind.“

Die 156 in der zweiten Förderperiode des „Qualitätspakts Lehre“ erfolgreichen Hochschulen sind heute Vormittag bei der Pressekonferenz der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von der Bundesbildungsministerin Prof. Johanna Wanka bekannt gegeben worden. Wobei die 21 Millionen Euro für die Goethe-Universität zu den höchsten Förderungen gehören. Dieses Bund-Länder-Programm für die Lehre an Hochschulen läuft seit 2011. 2016 beginnt die zweite Förderphase; insgesamt ist das Programm mit zwei Milliarden Euro dotiert, für die zweite Phase stehen noch einmal 820 Millionen Euro zur Verfügung.

In der Studieneingangsphase werden die Weichen für ein erfolgreiches Studium gestellt, darin sind sich Bildungsexperten einig. „Deswegen konzentrieren wir uns mit dem Programm genau auf diese Phase. Die zweite Förderperiode gibt uns die Möglichkeit, unsere gemeinsamen Konzepte für gute Lehre weiterhin und noch besser umzusetzen.“, sagt die für die Lehre zuständige Vizepräsidentin der Goethe-Universität, Prof. Tanja Brühl. Auswertungen der Goethe-Universität aus der ersten Förderperiode bestätigen den richtigen Kurs eindrücklich: So ist beispielsweise der Anteil der Studienabbrecher nach dem vierten Fachsemester in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften von 35 Prozent auf 18 Prozent gesunken. Vielfältige zusätzliche Angebote wie Brückenkurse im Mathe, Tutorien in Kleingruppen, individuellen Betreuung beim wissenschaftlichen Schreiben schlagen dabei offensichtlich ebenso positiv zu Buche, wie die etwa 60 zusätzlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Lehre und Hochschuldidaktik sowie umfangreiche Qualifikationsangebote für alle Lehrenden, insbesondere auch für die 170 studentischen Tutorinnen und Tutoren.

Seit einigen Jahren beobachten die Lehrenden aller Universitäten, dass Abiturienten mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorkenntnissen in ihr Studium starten. Hier setzt das Konzept „Starker Start ins Studium“ an. Den Verantwortlichen ist hierbei wichtig, dass die universitäre Lehre sowohl in den Lehrangeboten als auch im Selbstverständnis der Lehrenden die zunehmende Heterogenität der Studierenden berücksichtigt. „Heterogenitätssensible Lehre“ nennen das die Experten. Das bedeutet: Jeder Studienanfänger soll mit seinen Stärken und Defiziten dort abgeholt werden, wo es notwendig ist, um erfolgreich und selbstbestimmt studieren zu können und um nach den ersten Semestern die methodischen und fachlichen Grundkompetenzen zu beherrschen. Dass unterschiedliche Voraussetzungen ein großes Thema an der Goethe-Universität sind, hat die universitätsweite Studierendenbefragung gezeigt: 37 Prozent der Studierenden kommen aus Familien, in denen kein Elternteil studiert hat; fast 24 Prozent haben einen Migrationshintergrund, davon haben 40 Prozent Deutsch als zweite Sprache erlernt; 66 Prozent der Studierenden müssen für ihren Lebensunterhalt parallel zum Studium arbeiten.

Nach der Zusage aus Berlin soll nun unter anderem ein Mathezentrum aufgebaut werden: Hier werden Studienanfänger aus den Natur- und Sozialwissenschaften ihre Wissenslücken in mathematischen Grundlagen, die für diese Fächer unabdingbar sind, schließen können. Dazu Dr. Julia Sommer, Koordinatorin des Zentrums Naturwissenschaften, das ebenfalls Teil des Starken Starts ist: „Wir wollen mit dem Mathezentrum an das erfolgreiche Konzept des Schreibzentrums unserer Uni anknüpfen und Studierende mit einem niedrigschwelligen Angebot unterstützen.“ Mit solchen Angeboten hat das Schreibzentrum gute Erfahrungen gemacht. So berichtet die Tutorin, Parvin Djahani, von ihren Beratungsgesprächen für die Kommilitonen „auf Augenhöhe“: „Weil ich selbst auch studiere, trauen sich Studierende bei mir viel mehr zu fragen als bei ihren Dozenten.“

Mit den Geldern wird in der zweiten Förderphase auch das Konzept der „Forschungsorientierten Lehre“ weiterentwickelt. Gerade zu Studienbeginn sollen und wollen die Studierenden erste eigene Erfahrungen in kleineren Projekten sammeln. Dies können auch „praxisorientierte Lehrforschungsprojekte“ sein, die gesellschaftsrelevante Fragen aufgreifen, das sogenannte „Service-Learning“. So könnten beispielsweise angehende Juristen Flüchtlinge zu ihrem rechtlichen Status beraten, Ethnologie-Studierende ausländischen Kommilitonen nach Erfahrungen mit der Lebenskultur in Frankfurt befragen, Marketing-Studierende ein Konzept für die Mitgliederwerbung einer Hilfsorganisation entwickeln, oder angehende Historiker eine Ausstellung zu den Anfängen der chemischen Industrie in Frankfurt konzeptionieren.

Kern des Projekts sind und bleiben die vier Zentren für Lehre in den Sozialwissenschaften, den Geisteswissenschaften, den Naturwissenschaften sowie in der Lehrerbildung. Unterstützt werden sie von dem Verbund „Di³“, dem das Interdisziplinäre Kolleg Hochschuldidaktik, „studiumdigitale“ sowie das Gleichstellungsbüro angehören. Die Leiterin der Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung und Projektleiterin Dr. Kerstin Schulmeyer resümiert: „Mit dem Starken Start ist es uns gelungen, Strukturen für die Lehre zu schaffen, die einerseits eine fachnahe Qualifizierung der Lehrenden und zum anderen Kommunikation über und die Weiterentwicklung von guter Lehre ermöglichen, darauf sind wir stolz!“ Durch diese Kooperationsformen haben sich achtbare Erfolge eingestellt: Die Erfolgsquoten in den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern sind beispielsweise deutlich gestiegen, seitdem die Angebote in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie auf die Bedürfnisse der Studierenden abgestimmt und um zusätzliche Kurse und Tutorien ergänzt wurden.

Die Auswahl für diese zweite Förderstaffel erfolgte in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren: Zwölf im Bereich der Hochschullehre ausgewiesene Experten aus Wissenschaft, Hochschulmanagement und Studierendenschaft urteilten über die Förderwürdigkeit der 180 Anträge. 156 Hochschulen werden unterstützt, darunter auch acht hessischen Universitäten und Hochschulen.

Informationen: Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin für Lehre, bruehl@soz.uni-frankfurt.de; Dr. Kerstin Schulmeyer, Projektleitung und Leiterin Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung, Telefon: (069) 798 12341, schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de

Forschung

Nov 6 2015
12:55

Im österreichischen Montafon gab es bereits vor 3500 Jahren Bergbau

Durchbruch für Bergbauforschung in der Bronzezeit

FRANKFURT/BARTHOLOMÄBERG. Bergbau in den Alpen gibt es schon viel länger als bisher angenommen – im österreichischen Montafon seit der Bronzezeit. Dank C14-Datierungen konnte jetzt eine Forschergruppe der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Rüdiger Krause vom Institut für Archäologische Wissenschaften im Zuge von Prospektionen am Bartholomäberg in 1450 Metern Höhe bis zu 3500 Jahre alte Bergbauspuren aus der mittleren Bronzezeit nachweisen. Die C14- oder auch Radiokarbonmethode ermöglicht aufgrund abnehmender Radioaktivität kohlenstoffhaltiger Materie eine relativ präzise Alterseinstufung etwa an Holzkohlen.

So fanden die Forscher auch heraus, dass 2500 Jahre später – im späten Frühmittelalter – der Bergbau dort offenbar sogar wieder aufgenommen wurde. Denn auch aus dieser Zeit finden sich eindeutige Spuren im Gelände. Damit ist dies eines der ältesten bisher nachweisbaren Montanreviere im europäischen Hochgebirge. Die Entdeckung, die durch Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) möglich wurde, gleicht nach Krause „einer kleinen Sensation, da die Fachwelt bronzezeitlichen Bergbau im Montanrevier des Montafons bisher nicht für möglich gehalten hatte.“ Auch für das frühe oder hohe Mittelalter liegen sonst nur ganz wenigen Stellen alpinen Bergbaus vor. Krause sieht jetzt eine spannende Verbindung etwa zu den historisch überlieferten neun Eisenschmelzöfen im Drusengau – der Region um Bludenz, dem Klostertal und dem Montafon, die im Churer Reichsurbar im Jahr 843 erwähnt sind.

Krause und sein Team, in dem Archäobotaniker und viele Studierende der Goethe-Uni mitarbeiten, forschen seit 15 Jahren im Montafon, das in den Zentralalpen im Süden des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg liegt. Ziel ist die Erkundung der frühen Besiedlungsgeschichte und des frühen Bergbaus dieser einzigartigen inneralpinen „Siedlungskammer“ mit bronze- und eisenzeitlichen Siedlungen und einer bronzezeitlichen Burganlage mit bis zu 3m dicken Steinmauern.

Im kommenden Sommer sollen die Ausgrabungen in dem neu entdeckten Bergbaurevier beginnen. Ein spannendes Vorhaben, denn vergleichbar alten Bergbau gibt es sonst nur in den Ostalpen etwa im Bereich des berühmten Bergbaureviers des Mitterbergs, wo bronzezeitliche Bergleute bis in 200 m Tiefe Stollen gegraben und den intensivsten Bergbau dieser Zeit in den Alpen erschlossen haben. „Welchen Stellenwert unsere neue Fundstelle im Montafon dazu im Kontext der bronzezeitlichen Kupferversorgung in den Alpen gehabt hatte, werden die weiteren Untersuchungen zeigen“, sagt Krause.

Für die Frankfurter archäologischen Forschungen ist das Montafon mit seiner besonderen Besiedlungsgeschichte mit bronze- und eisenzeitlichen Siedlungen ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Gilt sie doch auch als Modellregion für eine interdisziplinäre Herangehensweise, so sind die Archäobotanik, die Bodenkunde und Metallanalysen, insbesondere von Schwermetallen im Boden als Überbleibsel des alten Bergbaus, ganz wichtige Informationsquellen. Im Fokus stehen dabei Fragen, was Menschen ursprünglich bewegt haben könnte, diese alpinen Tallandschaften zu besiedeln. Ab wann wurde die selbstversorgende Wirtschaft – die Vieh- und Weidewirtschaft, Sammelwirtschaft und der Ackerbau – von Tätigkeiten im Bergbau ergänzt? Dank der Frankfurter Forscher ist heute bekannt, dass in dieser inneralpine Tallandschaft seit etwa 2000 v. Chr. dauerhaft Menschen leben und das Montafon heute damit auf eine 4000jährige Besiedlungsgeschichte zurückblicken kann.

Die wissenschaftlichen „Durchbrüche“ im ehemaligen Montangebiet werden nun auch in Buchform sichtbar: Am 9. November wird in Bartholomäberg (Montafon) die erste Monographie zur Archäologie und frühen Geschichte des Bergbaus im Montafons vorgestellt, ein reich mit Fotographien und Graphiken ausgestattetes „buntes“ Buch, das dem Leser und Betrachter in kurzen und leicht verständlichen Texten die älteste Geschichte einer alpinen Tallandschaft am Beispiel des Montafons und die verschiedenen Methoden seiner Erforschung in lebendiger Form nahebringen will. So ist auch Bürgermeister Martin Vallaster von der Gemeinde Bartholomäberg sichtlich angetan: „Wir alle sind sehr stolz auf dieses Buch, das für die Vermittlung der Forschungsergebnisse mit den vielseitigen neuen Erkenntnissen ein Produkt von nachhaltigem Wert darstellt. Versetzen Sie sich beim Lesen dieses Buches in die Welt unserer Vorfahren und erfahren Sie Spannendes aus unserer einzigartigen Siedlungsgeschichte“.

Zum Buch Montafoner Zeitmaschine:
Rüdiger Krause, Archäologie im Gebirge. Montafoner Zeitmaschine. Frühe Besiedlungs-geschichte und Bergbau im Montafon, Vorarlberg (Österreich). Mit Beitragen von Lisa Bringemeier, Rudolf Klopfer, Astrid Röpke, Astrid Stobbe, Franziska Würfel. 150 Seiten, 213 farbige und großformatige Abbildungen, 23 x 23 cm, fester Einband, Euro 19,80

Bartholomäberg/Bonn 2015 (ISBN 978-3-7749-3981-0), Kommissionsvertrieb: Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn (Deutschland),  www.habelt.de

Kontakt: Prof. Dr. Rüdiger Krause, Sprach- und Kulturwissenschaften, Campus Westend, Tel.: +160-824 7 824, E-Mail: r.krause@em.uni-frankfurt.de

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/58833010

Veranstaltungen

Nov 5 2015
13:54

Forscher ziehen nach 10 Jahren Bilanz und diskutieren über die Zukunft

Tagung: Einsprüche gegen die Ökonomisierung des Bildungswesens

FRANKFURT.  Vor 10 Jahren bildete sich unter Federführung der Pädagogen Prof. Andreas Gruschka und Prof. Olaf Radtke von der Goethe-Universität zum ersten Mal eine breite Koalition der Kritiker gegen die Ökonomisierung des Bildungswesens. Die aus den  Einsprüchen von 2005 hervorgegangene Gesellschaft für Bildung und Wissen lädt zu einer internationalen Tagung am 14. November ein, auf der die Entwicklung bis heute bilanziert und die  Kritik aktualisiert werden soll. Auf dem Programm steht unter anderem ein Vortrag der amerikanischen Bildungsforscherin Gita Steiner Khamsi von der Columbia University in New York, die Bildungssysteme im internationalen Vergleich studiert. Die Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen.

Was? Tagung: 10 Jahre Frankfurter Einsprüche gegen die Ökonomisierung des Bildungswesens - Bilanz und Fortsetzung
Wann? 9:30 – 17:15 Uhr
Wo?  Campus Westend (Casino Gebäude), Festsaal / EG, Theodor-W.-Adorno-Platz 4, 60323 Frankfurt am Main

Die Gesellschaft für Bildung und Wissen klärt seit 2010 über die Reformfolgen auf. Ihr Bildungs-Rat hat ein pädagogisches Bildungskonzept vorgelegt, das einen am Humanismus ausgerichteten alternativen Weg zur OECD und PISA weisen soll.

Informationen: Prof. Hans Peter Klein, Institut für Didaktik der Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42272, h.p.klein@bio.uni-frankfurt.de.

 Program und Anmeldung unter: http://bildung-wissen.eu/veranstaltungen-1/veranstaltungen-fortbildungen-u-a/10-jahre-frankfurter-einsprueche.html

Veranstaltungen

Nov 4 2015
15:53

Kirchenhistoriker Volker Leppin spricht im Forschungskolleg Bad Homburg über den Reformator und das Jubiläum der Reformation im nächsten Jahr.

Wie wird man Martin Luther historisch gerecht?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Kann man zugleich feiern – und historisch redlich bleiben?“, fragt Volker Leppin. Er ist selbst vielfach in Gremien engagiert, die das Jubiläum zum Gedenken des Ereignisses vorbereiten, das sich vor fünfhundert Jahren in Wittenberg vollzog. Martin Luthers Bild ziere als Logo die Werbung der „Reformationsdekade“, die auf das große Jubiläum 2017 zuführen soll. Doch der Wittenberger Reformator stehe auch für Grobianismus, antijudaistische Ausfälle – und Ereignisse, die Jahrhunderte zurück liegen. In seinem öffentlichen Vortrag am Historischen Kolleg möchte Leppin daher der Frage nachgehen, wie man ein historisch angemessenes Bild Martin Luthers nachzeichnen und den Reformator doch auch als theologischen Gesprächspartner und Inspirator für die Gegenwart verstehen kann.

Volker Leppin ist Professor für Kirchengeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen und ausgewiesener Experte für Martin Luther und das „Luthertum“. Seine Monographie „Martin Luther. Vom Mönch zum Feind des Papstes“ erschien dieses Jahr in zweiter Auflage im Verlag Lambert Schneider.

Der öffentliche Vortrag Volker Leppins blickt voraus auf das nächste Themenjahr am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften:  „Reformationen – Kontinuitäten und Brüche“. Unter der Federführung von Luise Schorn-Schütte, Professorin für Neuere Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Frühen Neuzeit an der Goethe-Universität, erfolgt die Auseinandersetzung mit Spezialaspekten der reformatorischen Bewegung. Das Ziel des Themenjahrs besteht nicht zuletzt darin, durch die Freilegung zeitgebundener Deutungsmuster den Kern des reformatorischen Anliegens auch für die Gegenwart wieder besser verständlich zu machen.

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg als erste eigene Programmlinie ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte, an der Goethe-Universität. Hauptsponsorin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Der Vortrag Volker Leppins findet statt am Donnerstag, dem 5. November, 19.00 Uhr, am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe.

Um Anmeldung wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Weitere Informationen: Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Veranstaltungen

Nov 4 2015
15:50

Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 10. November 2015 im Historischen Museum

Was ist Recht bei TTIP?

FRANKFURT. Das geplante Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschafts-abkommen (TTIP) gehört hierzulande zu den umstrittensten politischen Projekten der Gegenwart. Noch vor wenigen Wochen demonstrierten in Berlin rund 150.000 Menschen gegen die Realisierung des Abkommens. Die Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union, die Bundespräsident Norbert Lammert unlängst als zu wenig transparent kritisierte, laufen seit fast zweieinhalb Jahren. Das Vorhaben, mit dem der weltweit größte Wirtschaftsraum entstünde, hat neben ökonomischen vor allem auch rechtliche Implikationen. Insbesondere diese stehen im Mittelpunkt des 18. Frankfurter Stadtgesprächs des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zum Thema

„Im Namen des Marktes? –

TTIP, seine Schiedsgerichte und die Selbstfesselung staatlicher Politik“

am: Dienstag, dem 10. November 2015, um 19.00 Uhr

Ort: Historisches Museum, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt

Auch bei der jüngsten Auflage des Stadtgesprächs ist die interessierte Öffentlichkeit bei freiem Eintritt herzlich willkommen. Als Gast des Exzellenzclusters nimmt Prof. R. Alexander Lorz an der Podiumsdiskussion teil. Er ist Kultusminister des Landes Hessen und Professor für Öffentliches Recht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sein Gesprächspartner von Seiten des Clusters ist Prof. Armin von Bogdandy, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Die Moderation hat Rebecca Caroline Schmidt, Juristin und Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Sitz an der Goethe-Universität. Kooperationspartner der Veranstaltung ist das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.

Die Befürworter von TTIP argumentieren mit Wirtschaftswachstum, finanziellen Vorteilen auch für den Durchschnittshaushalt und sichereren Arbeitsplätzen. Zudem könne die Globalisierung aktiv gestaltet werden. Kritiker hingegen sprechen von falschen Zahlen, halten die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum für marginal und sagen, dass größere Märkte zu mehr Konzentration des Reichtums in den Händen  immer weniger Konzerne und Anleger führten. Vor allem aber stehe zu befürchten, dass nach dem Inkrafttreten des Abkommens nationale rechtliche Regulierungen als vertragswidrige Beschränkungen des freien Handels gelten könnten -  wie beispielsweise auch die öffentliche Subventionierung von Kultur- und Bildungseinrichtungen. Damit würde die Politik rechtliche Gestaltungspielräume zugunsten eines unbeschränkten Wettbewerbs auf dem globalen Markt verlieren.

Besondere Aufmerksamkeit hat zudem die Absicht der Verhandlungsparteien erregt, künftige Handelskonflikte im Rahmen des Abkommens nicht durch ein staatliches Gericht, sondern durch private Schiedsgerichte schlichten zu lassen. Damit werde nicht nur die politische Gesetzgebung eingeschränkt, sondern auch die öffentliche Gewalt der Justiz zugunsten privater, marktadäquater Streitschlichtung, die wiederum in die politische Gesetzgebung des Nationalstaates eingreifen könne. Zu den Fragen, die damit aufgeworfen werden, gehören: Von wem und in wessen Namen wird in Zeiten von TTIP Recht geschaffen und angewendet? Welche Legitimationsprobleme ergeben sich daraus? Und welcher Handlungsspielraum bliebe im Rahmen dieses Abkommens überhaupt noch der Politik?

Alexander Lorz war im Kabinett von Ministerpräsident Koch Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Im Jahr 2012 wurde er im Staatssekretär im hessischen Kultusministerium. Seit 2014 ist er Hessischer Kultusminister. Lorz habilitierte sich an der Universität Mannheim, wo ihm die Lehrbefugnis für Öffentliches Recht einschließlich Völker- und Europarecht sowie Rechtsphilosophie verliehen wurde. Im Jahr 2000 erhielt er einen Lehrstuhl als ordentlicher Professor für deutsches und ausländisches öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Armin von Bogdandy ist Partner Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Professor für öffentliches Recht an der Goethe-Universität. Der Direktor am Heidelberger Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht war u.a. Mitglied des Wissenschaftsrats und Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Seit 2010 ist er Senior Emile Noël Fellow der Global Law School der New York University. Im Jahr 2014 bekam er den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Und im Jahr 2015 wurde er vom Präsidenten des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte für besondere Verdienste um die Menschenrechte in Lateinamerika ausgezeichnet.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Forschung

Nov 4 2015
12:19

Der international renommierte Kant-Forscher Prof. Marcus Willaschek stellt das Mammutwerk in der Goethe-Universität vor

Das neue Kant-Lexikon in drei Bänden: 221 Autoren aus mehr als 20 Ländern beteiligten sich

FRANKFURT. Fast 100 Jahre hat es gedauert, bis jetzt endlich ein neues Kant-Lexikon erschienen ist, das auch die Kant-Forschung des 20. Jahrhunderts angemessen abbildet: Heute wurde das neue dreibändige Kant-Lexikon mit knapp 2400 Artikeln an der Goethe-Universität vorgestellt. Insgesamt 15 Jahre haben die vier Herausgeber an diesem Mammutwerk gearbeitet, federführend war Marcus Willaschek, Philosophie-Professor an der Goethe-Universität. Weitere Herausgeber sind Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Prof. Dr. Georg Mohr (Universität Bremen) und Dr. Stefano Bacin (Università Vita-Salute, Mailand). 221 Autoren aus mehr als zwanzig Ländern haben ihre Artikel beigesteuert, erschienen ist das Mammutwerk im Verlag Walter de Gruyter.

„Das neue Lexikon“, so betont Willaschek, „will ein reines Hilfsmittel bei der Lektüre Kants sein. Es geht weder um eine Kanonisierung noch um eine Beurteilung Kants, auch wenn Interpretationsschwierigkeiten und -kontroversen durchaus berücksichtigt werden.“ Eng gebunden an Kants Terminologie soll es helfen, Kants Philosophieren, gewissermaßen seine philosophische Praxis, zu begreifen. Auch Kants naturwissenschaftliches Werk wird ausführlich berücksichtigt. Bei Marcus Willaschek selbst haben die Lektüre der vielen Artikel und die jahrelange intensive redaktionelle Arbeit die zuvor schon vorhandene Bewunderung für Kant noch einmal gesteigert: „Ich schätze ihn nicht nur wegen seiner Breite, mehr noch wegen seiner Tiefe, in dem Sinne, dass er Probleme bis in ihre Grundlagen konsequent zu Ende denkt.“

Willaschek, ein international renommierter Kant-Kenner, hat sich bereits seit dem fünften Semester seines Philosophie-Studiums mit dem Königsberger Philosophen und seinen Schriften auseinandergesetzt, 1991 promovierte er über „Praktische Vernunft, Handlungstheorie und Moralbegründung bei Kant“. Seit 2003 hat Willaschek die Professur für Philosophie der Neuzeit an der Goethe-Universität inne. Seit 2012 gehört er dem erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Philosophie an und ist stellvertretender Vorsitzender der Kant-Kommission der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Beschlossen auf dem Kant-Kongress des Jahres 2000, sollte das neue Kant-Lexikon eigentlich fünf Jahre später beim nächsten Kongress der Kantianer vorliegen. Doch dann wurden es insgesamt 15 Jahre. Das 1930 erschienene bisher wichtigste und erfolgreichste Kant-Lexikon von Rudolf Eisler, der das Werk bereits 1916 abgeschlossen hatte, war das kompakte 650-seitige Werk eines Einzelnen, das zu einer Fülle von Stichworten vorwiegend Kant-Zitate versammelte. Das neue Kant-Lexikon ist ein Kollektivwerk. Die Initiative ging vom Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter aus, die Fritz-Thyssen-Stiftung förderte das Projekt, und so nahmen im Sommer 2000 zunächst drei Philosophie-Professoren und Kant-Experten die Arbeit auf. 2010 wurde ein weiterer Kant-Kenner als vierter Herausgeber hinzugezogen: Stefano Bacin von der Mailänder Università Vita-Salute. Der schiere Umfang, den das Projekt mit Artikeln zu Kantischen Termini und Schriften sowie zu für Kant bedeutsamen Personen angenommen hatte, machte das nötig.

Bevor die Herausgeber an die Verteilung der Artikel gingen, verwandten sie viel Zeit darauf, die Stichworte festzulegen. Und diese Seite ihrer Tätigkeit hörte nie ganz auf. „Bis zuletzt kam es vor, dass ein Artikel als überflüssig verworfen, ein anderer als relevant erkannt wurde“, berichtet Willaschek. Sie bündelten zumeist zehn thematisch zusammenhängende Artikel – einen großen, zwei oder drei mittelgroße und einige kleinere, um nicht auf den kleinen und philosophisch wenig relevant scheinenden sitzen zu bleiben. „Denn gerade diese machen deutlich“, findet Willaschek, „was alles für Kant tatsächlich philosophische Relevanz hatte.“ Er nennt als ein Beispiel „Treibholz“: „Indem es sogar auf baumlosen Inseln den Bau von Häusern ermöglicht, zeugt es im Rahmen von Kants geschichtsphilosophischen Überlegungen davon, dass die Natur menschliche Ausbreitung begünstigt.“

Für Willaschek ist Kant nicht nur ein großer Philosoph, sondern auch ein großartiger Schriftsteller. Faulheit sei „der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit bei gesundem Zustand“ ist eines der zahllosen Beispiele für Kant als Meister der Definition – „eine Meisterschaft, die die Frucht einer Kombination von Betrachtung, Selbstdenken und differenziertem Ausdruck ist“, so der Frankfurter Philosophie-Professor. Auch einen Meister sloganartiger Formulierungen, die eine komplizierte Sache knapp auf den Punkt bringen, sieht Willaschek in Kant. „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind“ aus Kants „Kritik der reinen Vernunft“ ist eines von vielen Beispielen.

Solche schlagenden Formulierungen ändern natürlich nichts daran, dass Kant, vor allem der Kant der großen kritischen Werke, keine leichte Lektüre ist. Deshalb wird das neue Kant-Lexikon auch nach über zwei Jahrhunderten Kant-Lektüre und Beschäftigung mit ihm noch neue Erkenntnisse und Interpretationen zu Tage fördern. Wo es um die philosophische und wissenschaftliche Bedeutung der Kantischen Terminologie geht, stellt das neue Lexikon alles Bisherige dadurch in den Schatten, dass es Kants Terminologie auf der Grundlage aktueller Text-Editionen und unter Berücksichtigung aktueller Kant-Forschung umfassend erschließt.

Informationen: Prof. Dr. Marcus Willaschek, Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel.  069/798-32678, willaschek@em.uni-frankfurt.de

In der nächsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ (2/2015) erscheint ein längerer Beitrag von Dr. Rolf Wiggershaus über das Kant-Lexikon.

Marcus Willaschek/Jürgen Stolzenberg/Georg Mohr/Stefano Bacin (Herausgeber): Kant-Lexikon, Berlin 2015, 3 Bände, 2800 Seiten, Ladenpreis der gebundenen Ausgabe: 349 Euro, Subskriptionspreis bis 31. Dezember 2015: 249 Euro, ISBN: 978-3-11-017259-1

Veranstaltungen

Nov 4 2015
11:34

Merz-Stiftungsgastprofessorin und Forscher der Goethe-Universität diskutieren Therapie von Diabetes und hautspezifischer Tumore

Bürgerforum zur Stammzellforschung

FRANKFURT. Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Merz-Stiftungsgastprofessur lädt die Goethe-Universität in Kooperation mit dem Pharma-Unternehmen Merz zu einem Bürgerforum ein. Zum Thema „Perspektiven der Stammzellforschung“ diskutiert Prof. Elaine Fuchs von der Rockefeller University, New York, mit Professorinnen und Professoren der Goethe-Universität. Elaine Fuchs ist eine international anerkannte und vielfach ausgezeichnete Expertin für Hautstammzellen. Sie engagiert sich für Frauen in der Wissenschaft und für ethische und soziale Anliegen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Elaine Fuchs besucht die Goethe-Universität vom 8. bis 12. November zu Vorträgen und wissenschaftlichem Austausch. Höhepunkt der Merz-Stiftungsgastprofessur ist, wie in jedem Jahr, ein wissenschaftliches Symposium am 10. November mit renomierten internationalen Forschern. Das Bürgerforum zur Stammzellforschung richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit. Diskutiert werden aktuelle Projekte, die einen direkten medizinischen Bezug haben und in absehbarer Zeit zur Anwendung kommen, beispielsweise in der Therapie von Diabetes.

Wann? 11. November 2015, 17:30 Uhr

Wo? Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, PA-Gebäude, Foyer

Grußwort: Boris Rhein, hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst

Auf dem Podium:

Prof. Dr. Elaine Fuchs (Merz Stiftungsgastprofessorin, Rockefeller University, NY) Prof. Dr. Anna Starzinski-Powitz (Humangenetik, Goethe-Universität) Dr. Francesco Pampaloni (Physikalische Biologie, Goethe-Universität) Prof. Dr. Manuel Grez (Georg Speyer Haus, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie) Prof. Dr. Simone Fulda (Institut für experimentelle Tumorbiologie in der Pädiatrie, Goethe-Universität)

Moderation: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Vizepräsident der Goethe-Universität).

Prof. Elaine Fuchs ist seit 2002 Rebecca C. Lancefield Professorin an der Rockefeller University im Herzen von New York City. Sie leitet das Labor für Zellbiologie und Entwicklung von Säugern (engl. Laboratory of Mammalian Cell Biology and Development). Ihr Forschungsgebiet ist die Bedeutung der Haut, die Entwicklung der oberen Hautschichten und die Bildung von Haarfollikeln aus pluripotenten Stammzellen. Mit ihren Mitarbeitern treibt sie die Entwicklung und Anwendung der modernen Stammzelltechnologien ebenso voran wie die Grundlagenforschung zur Therapie hautspezifischer Tumore.

Mit der inzwischen 25. Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur seit 1987 fördert das pharmazeutische Unternehmen Merz aus Frankfurt am Main internationale wissenschaftliche Beziehungen der Goethe Universität in den Bereichen Medizin und Pharmazie.

Informationen: Prof. Ernst Stelzer, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42545, ernst.stelzer(at)physikalischebiologie.de.

 

Veranstaltungen

Nov 3 2015
13:50

The Economist und Goethe-Universität laden Studierende und Experten zum Diskussionsabend auf dem Campus Westend ein.

„The Future of Technology and Jobs“

FRANKFURT. Wie verändern neue Technologien den Arbeitsmarkt? Wie sehen die Jobs der Zukunft aus? Und bereitet das Studium von heute ausreichend auf die Herausforderungen von morgen vor? Das Wirtschaftsmagazin The Economist lädt in Kooperation mit der Goethe-Universität am 12. November Top-Experten und Studierende dazu ein, diese spannenden Themen zu diskutieren.

In einer Zeit des ständigen Wandels, in der sich das Wissen der Welt alle zwei bis fünf Jahre verdoppelt, können Algorithmen und Apps ganze Industrien mit hohem Tempo von Grund auf verändern. In diesem Umfeld ändern sich die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter radikal: Traditionelle Karrierewege werden zunehmend eine Sache der Vergangenheit. Wie zukunftssicher ist unsere Hochschulbildung in Anbetracht dieser neuen Herausforderungen? Und welche Fähigkeiten sind für Mitarbeiter in Zukunft wichtig?

Das Wirtschaftsmagazin The Economist will diesen Fragen auf den Grund gehen und hat dafür hochkarätige Experten eingeladen: Prof. Guido Friebel, Chair of Human Resource Management an der Goethe Universität; Morten Lund, Entrepreneur und Venture Capitalist, im letzten Jahrzehnt Gründer und Co-Investor bei 40 Unternehmen, darunter auch Skype; Oliver Rosenthal, Industry Leader, Creative Agency bei Google Deutschland, und Dr. Heiko von der Gracht, Zukunftsforscher und Leiter des Think Tank für Zukunftsmanagement beim (von KPMG geförderten) Institute of Corporate Education e. V. (incore).

Moderiert wird die Veranstaltung von Lane Greene und Ludwig Siegele, den Fachredakteuren von The Economist. Im Anschluss an die Expertenrunde findet eine Studierendendebatte statt. Im Oxford-Stil vertreten zwei ausgewählte Debattierer kontroverse Standpunkte und laden das Publikum zur Diskussion ein. Im Nachgang der Veranstaltung haben Teilnehmer und Experten bei einem lockeren Zusammentreffen ausreichend Gelegenheit, sich weiter auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Veranstaltung „The Future of Technology and Jobs“
12. November 2015, 18.30 Uhr. Goethe Universität Campus Westend, Hörsaalzentrum (Raum 4 / 1. OG)

Anmeldung und weitere Informationen unter www.economist.com/future.

Tickets können ebenfalls an der Abendkasse erworben werden. Die Anzahl der Plätze ist limitiert.

Personalia/Preise

Okt 30 2015
16:05

Auszeichnung für Ausstellung und Buch „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“

Medienpreis Mathematik an den Frankfurter Wissenschaftshistoriker Moritz Epple und sein Team

FRANKFURT. Den Medienpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung des Jahres 2015 erhalten Prof. Dr. Moritz Epple von der Goethe-Universität und sein Team für ihre Ausstellung und ihr Buch „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“. Diese Entscheidung der Jury wurde jetzt in Berlin bekanntgegeben. Der Preis, mit dem herausragende Leistungen bei der Vermittlung und Popularisierung von Mathematik ausgezeichnet werden, ist mit 5000 Euro dotiert. Er wird von Berliner Walter de Gruyter Stiftung gestiftet und am 19. November in Berlin vergeben.

„Die Ausstellung verbindet auf einzigartige Weise wissenschaftshistorische, mathematische und politische Aspekte“, sagt Volker Bach, DMV-Präsident und Juryvorsitzender. „In der Ausstellung wird die große Bedeutung jüdischer Mathematiker für ihr Fach nicht zuletzt über ihre Werke greifbar; gleichzeitig wird aber auch die menschliche Dimension deutlich – von der teilweisen Integration im Kaiserreich bis zu Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung zur Zeit des Nationalsozialismus.“

Die Ausstellung hat Moritz Epple mit der Arbeitsgruppe „Wissenschaftsgeschichte der Moderne“ am Historischen Seminar, zu denen Ruti Ungar, Birgit Bergmann, Judith Delombre, und Raimund Ziemer gehörten, und fünf Mathematik-Historikern von anderen Universitäten erarbeitet. „Unter den Exponaten finden sich etliche Stücke, die bisher die Tiefe eines staubigen Archivs nicht verlassen haben“, so Prof. Moritz Epple, Leiter des  internationalen Ausstellungsprojekts, das sich intensiv damit beschäftigt hat, das verstreute Wissen über das Wirken jüdischer Mathematiker systematisch zusammenzuführen. 2008, im Jahr der Mathematik, war die Ausstellung zunächst im Physikalischen Verein in Frankfurt zu sehen und wurde anschließend in 14 Städten in Deutschland gezeigt. Unter dem Titel „Transcending Tradition: Jewish Mathematicians in German-Speaking Academic Culture“ wanderte die englischsprachige Ausstellung seit 2011 von mehreren Orten in Israel auch in die USA und nach Australien. Seit Oktober ist sie wieder zurück in Deutschland und war zuletzt am Hausdorff Center for Mathematics in Bonn zu Gast. Im Juli 2016 wird sie im Jüdischen Museum in Berlin zu sehen sein.

Die Exponate der Ausstellung dokumentieren eindrucksvoll, welche tragende Rolle jüdische Mathematiker im deutschen Kaiserreich und in der Weimar Republik innerhalb ihres Fachs, aber auch darüber hinaus in der deutschen Kulturszene spielten. Es werden die wichtigen Etappen von der rechtlichen und politischen Gleichstellung jüdischer Bürger im 19. Jahrhundert bis zur Verfolgung und Vertreibung im nationalsozialistischen Deutschland vorgestellt. Neben den großen mathematischen Zentren Berlin und Göttingen zeigen die Wissenschaftshistoriker auch die beeindruckende und zugleich bedrückende Geschichte der Mathematik an der Frankfurter Universität. Dazu gehörte das außergewöhnliche, von Max Dehn geleitete Mathematisch-Historische Seminar, in dem die Frankfurter Mathematik-Dozenten mit ihren Studenten über viele Jahre hinweg zentrale historische Texte ihrer Disziplin im Original studierten. Alle jüdischen Dozenten – und mithin fast das komplette Mathematische Seminar – verloren nach 1933 ihre Arbeitsmöglichkeiten. Nicht alle erreichten rechtzeitig das schützende Ausland.

Informationen: Prof. Dr. Moritz Epple, Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32415, E-Mail: epple@em.uni-frankfurt.de; www.gj-math.de

Thomas Vogt, Deutsche Mathematiker-Vereinigung, Medienbüro Mathematik, Tel.: (030) 838-75657, E-Mail: th.vogt@fu-berlin.de; www.dmv.mathematik.de

Veranstaltungen

Okt 30 2015
15:45

Studierende organisieren Podiumsdiskussionen zum 70. Jahrestag der Vereinten Nationen.

Medien-Einladung: Goethe Konferenz United Nations

FRANKFURT. Vor 70 Jahren nahmen die Vereinten Nationen ihre Arbeit auf. Aus diesem Anlass laden Studierende der Goethe-Universität unter der Leitung von Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl Bürgerinnen und Bürger zu einer kleinen Vortragsreihe ein: An zwei Abenden diskutieren Expertinnen und Experten über Geschichte und Zukunft der Sicherheits- und Friedenspolitik der Vereinten Nationen. Anschließend hat das Publikum die Möglichkeit, mitzudiskutieren und Fragen ans Podium zu stellen.

4. November: „Erfolge und Misserfolge der Vereinten Nationen“
Gäste: Dr. Silke Weinlich, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik; Dr. Bernd Kubbig u. Gregor Hofmann, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Moderation: Friederike Bauer, freie Journalistin.

11. November: „Responsibility to protect in Bezug auf die Syrien-Krise“
Gäste: Uwe Becker, Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt; Gregor Hofmann, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung; Prof. Dr. Dr. Rainer Hofmann, Goethe-Universität. Moderation: Andreas Schwarzkopf, Frankfurter Rundschau

Beginn: jeweils 19.00 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr).
Ort: Campus Westend, Hörsaalzentrum, Raum HZ9.

Weitere Informationen: www.gkun.de oder www.facebook.com/goethekonferenz

Sonstige

Okt 29 2015
14:51

„Academic Welcome Program“ an der Goethe-Universität bietet 30 Geflüchteten Zugang zu universitärer Bildung und Infrastruktur.

Begrüßungsprogramm für Flüchtlinge gestartet

FRANKFURT. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Academic Welcome Program for highly qualified Refugees“ (AWP) wurden am Mittwochabend auf dem Campus Westend begrüßt. Univizepräsidentin Prof. Tanja Brühl betonte in ihrer Rede, dass die Goethe-Universität sich ihrem Selbstverständnis als Bürger-Universität verpflichtet sieht: „Als Universität, die von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gegründet wurde, ist es uns wichtig, den neu in unsere Stadt und Region hinzu gekommenen Menschen aus Krisenregionen Zukunftsperspektiven bieten.“ Brühl erinnerte auch an die dunklen Seiten in der Geschichte der Universität; Lehrende und Studierende der Universität hätten in der Zeit des Nationalsozialismus Flucht und Vertreibung erleben müssen. „Wie in unserem Leitbild fest verankert, wollen wir gerade mit Blick auf unsere wechselvolle Geschichte mit dem Programm für geflüchtete Akademiker einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“

Von den 30 Studierenden des Academic Welcome Programs stammt die Hälfte aus Syrien, ein Viertel aus Afghanistan. Weitere Herkunftsländer sind Äthiopien, Eritrea, Pakistan und der Iran. Einige von ihnen sind auch auf dem Sport-Campus der Goethe-Uni in Ginnheim untergebracht. Hanna Reuther vom International Office, die das Programm koordiniert, und  die verschiedenen in- und externen Kooperationspartner stellten die vielfältigen Angebote  des Willkommensprogramms vor. Reuther: „Wir möchten den Studierenden des AWP vor allem Zugang zu universitärer Bildung, akademischer Infrastruktur und Netzwerken verschaffen.“ Neben Sprachkursen und dem Besuch von Lehrveranstaltungen stehen Beratungs- und Unterstützungsangebote im Fokus. Die Teilnehmenden erhalten einen Studierendenausweis, mit dem sie beispielsweise die Bibliotheken oder die Dienste des Rechenzentrums nutzen können. Die von Studierenden gegründete Initiative „academic experience Worldwide“ bietet spezielle Tandemprogramme an, in dem Flüchtlinge und Studierende sich gegenseitig unterstützen können. Der AStA unterstützt den ersten Jahrgang u.a. mit Büchergutscheinen.

Bei den Teilnehmenden stoßen die Angebote des Programms bereits auf großes Interesse. Mohammed (24) studierte im 5. Semester Computer Science, als er Afghanistan verließ. Sein Deutsch ist gut, weil er schon dort als Dolmetscher für die Uno arbeitete und auch jetzt in Frankfurt wieder einen Job als Übersetzer gefunden hat. „Seit ich 2013 nach Deutschland kam, suche ich nach einer Möglichkeit weiterstudieren zu können und bin sehr froh, von dem Programm der Goethe-Universität gehört zu haben.“ Der Syrer Khaldoun (21) ist gerade mal vier Monate in Deutschland und besucht schon englische Wirtschaftsvorlesungen in Frankfurt. „Die letzten vier Jahre in Syrien haben mein Leben zerstört. Ich habe meine Familie, meine Freunde, mein Studium zurückgelassen und beginne hier von vorn“, erzählt der junge Mann. Er sei jeden Tag froh, nicht mehr in Lebensgefahr zu schweben. In das neue Academic Welcome Programm hat er sich vor allem eingeschrieben, um die Sprache noch besser zu lernen. 

Weitere Informationen zum Academic Welcome Program: http://www.uni-frankfurt.de/58025323/Academic-Welcome-Program

Gefördert wird das Academic Welcome Programm mit 50.000 Euro von der Aventis Foundation.

Expertinnen und Experten der Goethe-Universität zum Thema „Flüchtlinge/Migration“
 

Politik- u. Sozialwissenschaften:

Prof. Dr. Tanja Brühl, Politikwissenschaftlerin.
Themen: Friedens- und Konfliktforschung; internationale Institutionen
Telefon: 069/798-36653; -12225
E-Mail-Adresse: bruehl@soz.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Helma Lutz, Soziologin
Themen: Geschlecht, Migration und Ethnizität
Telefon: 069/798-36615
E-Mail-Adresse: Lutz@soz.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Kira Kosnick
Themen: Einwanderungsdebatte und Rassismus; Asylrecht
Telefon: 069/798-36582
E-Mail-Adresse: kosnick@em.uni-frankfurt.de

Jun.-Prof. Dr. Anna Amelina, Soziologin
Themen: Migrationsforschung
Telefon: 069/798-36670; (Sekretariat)
E-Mail-Adresse: bosshammer@soz.uni-frankfurt.de

Dr. des. Dorothea Gädeke, Politikwissenschaftlerin
Themen: globale Gerechtigkeit; normative Perspektiven auf Entwicklungs-, Migrations-, u. Flüchtlingspolitik
Telefon: 069/798-31539
E-Mail-Adresse: dorothea.gaedeke@normativeorders.net

Erziehungswissenschaften:

Prof. Dr. Isabell Diehm, Erziehungswissenschaftlerin.
Themen: vorschulische und schulische Bildung bei Migranten
Telefon: 069/798-36250
E-Mail-Adresse: i.diehm@em.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Seifert, Erziehungswissenschaftlerin
Themen: Bildungsteilhabe für junge Flüchtlinge
Telefon: 069/798-36274
E-Mail-Adresse: a.seifert@em.uni-frankfurt.de

Psychologie
Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Psychoanalytikerin
Themen: Traumatherapie, (u.a. Flüchtlingssprechstunde, Supervision für ehrenamtliche Helfer, Lehrer, Erzieher, Studierende)
Sigmund-Freud-Institut
Telefon: 069-971 204 149
E-Mail: Leuzinger-Bohleber@sigmund-freud-institut.de
http://www.sigmund-freud-institut.de

Theologie/Sozialethik
Prof. Dr. Christof Mandry, Theologe und Sozialethiker
Themen: Weltanschaulicher Pluralismus, Legitimität von Grenzen, Menschenrechte von Migranten, Identitätsinteressen von Aufnahmegesellschaften
Telefon: 069/798-33326
E-Mail-Adresse: mandry@em.uni-frankfurt.de 

Sprachwissenschaften
Prof. Dr. Petra Schulz, Professur für Deutsch als Zweitsprache,
Themen: Sprachförderung und Sprachdiagnostik für bei Kindern und Jugendlichen
Telefon: 069/ 798-32561
E-Mail-Adresse: P.Schulz@em.uni-frankfurt.de
http://www2.uni-frankfurt.de/44201194/Team

Rechtswissenschaften:

Prof. Dr. Uwe Volkmann, Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie
Themen: Toleranz; Kulturelles Selbstverständnis und Recht
Telefon: 069/798-34269
E-Mail-Adresse: Volkmann@jura.uni-frankfurt.de

Wirtschaftswissenschaften:

Prof. Dr. Guido Friebel, Personalwirtschaft
Themen: Economics of Migration (Die Ökonomie der Migration); Irregular Migration and Human Smugglin (Irreguläre Migration und Menschenschmuggel)
Telefon: 069/798-34826
E-Mail-Adresse: gfriebel@wiwi.uni-frankfurt.de

Geschichte:
Prof. Dr. Hartmut Leppin, Althistoriker
Themen: Religiöse Minderheiten; Toleranz
Telefon: 069/798-32462
E-Mail-Adresse: h.leppin@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Neuhistoriker
Themen: Geschichte der Migrationskontrolle
Telefon: 069/798-32626
E-Mail-Adresse: fahrmeir@em.uni-frankfurt.de

Theologie:

Prof. Dr. Bekim Agai, Islamwissenschaftler
Themen: Kultur und Gesellschaft des Islam
Telefon: 069/798-32752
E-Mail-Adresse: agai@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 29 2015
14:19

Veranstaltung des Lektorats Niederländisch mit den Journalisten Laura Starink und Mark Schaevers

Lesung zu „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“

FRANKFURT. Dass Flucht und Vertreibung nicht nur ein gegenwärtiges Problem sind, darauf macht das Lektorat Niederländisch an der Goethe-Universität aufmerksam: Am 6. November liest die niederländische Journalistin Laura Starink aus ihrem Roman über die Vertreibung ihrer Familie aus Schlesien und der flämische Journalist Mark Schaevers stellt die Biografie des jüdischen Malers Felix Nussbaum vor. Zu dem Themenabend „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“ sind alle interessierten Bürger um 19 Uhr ins Casino (Raum1.811), Campus Westend, eingeladen. Die Lesung ist auf Niederländisch und Deutsch – ergänzt von Bildern.

 Starinks Lebensgeschichte ihrer schlesischen Mutter erschien im September dieses Jahres im Verlag „weissbooks“ unter dem Titel „Meine Mutter aus Mikultschütz“. Das niederländische Original „Duitse wortels“ verkaufte sich in den Niederlanden, wo das Schicksal der Schlesier weitgehend unbekannt war, über 30.000 Mal. Die Slawistin recherchierte die Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits in Polen und Deutschland. Es entstand ein faszinierendes Mosaik von Menschen, für die der eigentliche Krieg mit der Flucht vor der Roten Armee und der Vertreibung aus Schlesien erst nach Kriegsende begann.

 „Orgelman“ hat Mark Schaevers Nussbaums Biografie genannt. Seine Faszination für den Osnabrücker Maler entstand während Vorarbeiten für ein Buch, das er über jüdische Intellektuelle plante, die nach Ostende geflüchtet waren. In akribischer Kleinarbeit zeichnet Schaevers in der Biografie nach, wie sehr die Flucht Nussbaums Leben dominierte. Nach einem Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom (1932/33) streunte er elf Jahre durch Italien, Frankreich, die Schweiz und Belgien, in den letzten Kriegstagen in Belgien wurde er noch verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Felix Nussbaum (1904-1944) war nach dem Krieg fast völlig vergessen worden; denn seine Berliner Bilder waren verbrannt und die in Belgien entstandenen schimmelten in feuchten Brüsseler Kellern vor sich hin. Auf faszinierende Art und Weise erweckt Mark Schaevers Vita und Werk von Nussbaum wieder zum Leben. Die reich bebilderte Biografie erscheint 2016 auf Deutsch beim Galiani Verlag.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch

Veranstaltungen

Okt 29 2015
14:14

Molekularbiologe spricht bei Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ im Rahmen der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Computermodelle einzelner Patienten könnten helfen, unnötige Behandlungen bei Krebs zu vermeiden

FRANKFURT.In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie – Auf dem Weg zur personalisierten Medizin in der Krebstherapie“ spricht am Donnerstag (4. November) Prof. Dr. Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin. Sein Thema „Der virtuelle Patient als Basis der personalisierten Medizin“. Der international renommierte Wissenschaftler beschreibt, wie Computermodelle einzelner Patienten entwickelt werden können, um Wirkungen und Nebenwirkungen aller möglichen Behandlungsansätze zu bestimmen, ohne den Patienten zu belasten und Kosten für unwirksame Medikamente zu erzeugen.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7.

„Wir befinden uns am Beginn einer revolutionären Entwicklung in der Medizin, getragen von enormen Fortschritten in der molekularen Diagnostik, vor allem im Bereich des ‚next-generation sequencing‘“, so Lehrach. „Mit dieser Methodik wird es erstmals mit einem vertretbaren Aufwand möglich, molekulare Prozesse im einzelnen Patienten global zu analysieren.“ Auf der Basis dieser und anderer Daten können Lehrach und seine Team dann Computermodelle der jeweiligen Patienten entwickeln. Dies geschieht analog zu vielen anderen Bereichen, bei denen Computermodelle ebenfalls eingesetzt werden, um die zunächst unvermeidlichen Fehler, die bei so komplexen Entscheidungen für eine bestimmte Behandlungsart entstehen, ohne reale Konsequenz für den Patienten machen zu können. Tumorpatienten haben in der Regel eine große Zahl molekulargenetischer Abweichungen (Aberrationen). Und es ist letztlich das Ziel, dass diese Informationen in einem komplexen Computermodell zusammengeführt werden und dann getestet wird, welche der vorhandenen zielgerichteten („targeted“) Therapien für einen solchen Patienten möglicherweise in Frage kommt. Damit könnte nicht nur gezielter behandelt werden, sondern unwirksame und häufig sehr kostenintensive Therapien vermieden werden. Diese computersimulierte Therapie könnte somit einen vielversprechenden Ansatz der personalisierten Medizin darstellen.

Prof. Dr. Hans Lehrach, geb. 1946 in Wien, studierte Chemie in Wien. Nach seiner Promotion an den beiden Göttinger Max-Planck-Instituten für Experimentelle Medizin und für Biophysikalische Chemie schloss er von 1974 bis 1978 eine intensive Forschungszeit als Postdoc an der Harvard University, Boston (USA), an. Im Anschluss war er neun Jahre Arbeitsgruppenleiter am European European Molecular Biology Laboratory EMBL, Heidelberg. 1987 wurde er Leiter der Abteilung Genomanalyse beim Imperial Cancer Research Fund in London und 1994 dessen Direktor. Seit 1994 ist Lehrach Direktor und Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik, von 1997 bis 2001 war er Sprecher des Deutschen Humangenomprojekts. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. 2004 mit dem Karl Heinz Beckurts-Preis für Errungenschaften in der Genomforschung.

Die Moderation dieser Veranstaltung übernimmt der Frankfurter Onkologe Prof. Dr. Dieter Hoelzer. Konzipiert und organisiert wurde diese Vorlesungsreihe von zwei Wissenschaftlern der Goethe-Universität, dem Chemiker Prof. Dr. Joachim Engels und der Onkologin Prof. Dr. Simone Fulda.

Die Vorträge auf einen Blick:

Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr, Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4.
Alle Veranstaltungen werden aufgezeichnet, sind per Livestream oder spätestens am übernächsten Tag abrufbar über www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

19. November 2015
Prof. Dr. Rudi Balling, Luxembourg Centre for Systems Biomedicine
Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin
Leichter gesagt als getan
Moderation Prof. Dr. Joachim Engels, Goethe-Universität

3. Dezember 2015
Diskussionsrunde : Personalisierte Medizin im Spannungsfeld von Arzt und Patient, Pharmaindustrie und Kostenträger
Dr. Thomas Schinecker, Roche Diagnostics, Mannheim
Dr. Ursula Marschall, Barmer GEK, Wuppertal
Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Moderation Dr. Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung

14. Januar 2016
Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen
Ethische Probleme der individualisierten Medizin
Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark Klinik, Berlin
Selbstverständnis von Patienten und die Arzt-Patient-Beziehung
Einführung Prof. Dr. Peter Janich, Philipps-Universität, Marburg
Moderation Dr. Regina Oehler, Hessischer Rundfunk

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität

Informationen:
Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150,
Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557,Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Livestream und Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de

Forschung

Okt 28 2015
11:06

Paul Canfield ist als Humboldt-Professor an der Goethe-Universität

US-Supraleitungsexperte forscht in Frankfurt

FRANKFURT.Einer der Pioniere der Hochtemperatur-Supraleitung, Prof. Paul Canfield vom Ames Laboratory in Iowa, ist zurzeit als Humboldt-Professor am Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität. Er kam auf den Vorschlag von Prof. Maria Roser Valenti, mit der er seit Jahren bei der Entwicklung neuer Materialien für die Hochtemperatur-Supraleitung zusammenarbeitet. Die Eigenschaften dieser mehrkomponentigen Materialien hängt empfindlich von deren Zusammensetzung ab. Die Arbeitsgruppe von Roser Valenti unterstützt die Suche durch Computer-Simulationen.

„Die Frage, welches von zwei leicht unterschiedlich zusammengesetzten Materialien supraleitend sein wird, ist vergleichbar mit der Frage, welcher von zwei Elefanten schwerer ist“, erklärt Paul Canfield. „Die Energie-Differenzen, die entscheiden, ob wir einen Magneten und einen Supraleiter erhalten, sind bei diesen Systemen minimal.“

Paul Canfield ist ein äußerst kreativer Materialwissenschaftler, an dessen Labor bereits eine Vielzahl neuer Materialien entdeckt oder verbessert wurden. Bei Supraleitern wie dem aktuell intensiv erforschten Magnesium-Diborid geht es beispielsweise darum, die Sprungtemperatur weiter anzuheben. Das ist die Temperatur, bei der das Material den Strom ohne Widerstand leitet. Könnte man flüssigen Stickstoff statt flüssiges Helium für die Kühlung verwenden, würde das die Kosten senken. Gegenwärtig wird Magnesium-Diborid bereits in der medizinischen Diagnostik in Spulen für die Magnetresonanztomographie verwendet.

Andere bekannte Supraleiter, zu deren Entwicklung Paul Canfield entscheidende Beiträge geleistet hat, sind die bereits länger bekannten keramischen Supraleiter auf der Basis von Kupferoxid. Als Hochtemperatur-Supraleiter können sie mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden. Ebenso erforscht er die erst 2008 entdeckten Eisenpnictide und chalkogenide - eine völlig neuartige und unerwartete Klasse von Hochtemperatur-Supraleitern.

Um den Prozess der Suche zu verdeutlichen, hat der leidenschaftliche Hobbykoch sie in der Fachzeitschrift „Nature Physics“ einmal mit dem Kochen verglichen. Häufig frage er Studenten, die sich in seine Arbeitsgruppe bewerben, ob sie gerne kochen. In einem anderen Aufsatz vergleicht er seine Arbeit mit dem Fischen. Gute Fischer wüssten, wo die besten Fanggründe sind, wobei die Resultate oft Überraschungen brächten. „You can’t always get what you want, but if you try sometimes you might find you get what you need“, zitiert er Mick Jagger und Keith Richards.

Die Humboldt-Stiftung bietet überdurchschnittlich qualifizierten erfahrenen Wissenschaftlern aus dem Ausland die Möglichkeit, ein selbst gewähltes Forschungsprojekt über 6 bis 18 Monate bei einem Gastgeber in Deutschland zu verfolgen. Paul Canfield, der mit 65.000 Euro von der Humboldt-Stiftung gefördert wird, plant nach seinem zweimonatigen Aufenthalt in Frankfurt weitere zwei Monate an der Technischen Universität Dresden.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

 Informationen: Prof. Maria Roser Valenti, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47816, valenti@itp.uni-frankfurt.dehttps://www.youtube.com/watch?v=lKD-M0G6S5c

Veranstaltungen

Okt 28 2015
09:04

Friedrich Murnaus Gruselklassiker „Nosferatu“ mit Livemusik der Komponistin Violeta Dinescu im Museum Giersch der Goethe-Uni

„Eine Symphonie des Grauens“

FRANKFURT. 93 Jahre, so lange schon ist Friedrich Murnaus Gruselklassiker „Nosferatu“ Vorbild für die meisten späteren Horrorfilme. Der über 70-minütige, 1922 entstandene Stummfilm, lässt mit seiner extrem wirkungsvollen Dramaturgie auch noch heutige Betrachter erschaudern. In seiner „Symphonie des Grauens“, so der Untertitel des Films, verarbeitet Murnau Bram Stokers Dracula-Stoff: Der handelt vom Grafen Orlok, einem Vampir aus den Karpaten, der sich in eine Frau verliebt und ihre Heimatstadt Wisborg in Angst und Schrecken versetzt.

Am Dienstag, dem 3. November 2015 (Beginn: 19:00 Uhr) besteht für Kino-Liebhaber und Murnau-Fans im Museum Giersch der Goethe-Universität eine der seltenen Gelegenheiten, in die grausige Welt von „Nosferatu“ einzutauchen. Nicht nur wird der Film in voller Länge gezeigt. Er wird in einer Live-Aufführung musikalisch begleitet und dramaturgisch unterstützt vom rumänischen Trio Kontraste mit eigens für den Film komponierter Musik der bekannten rumänischen Komponistin Violeta Dinescu, die an der Universität Oldenburg eine Kompositionsprofessur innehat.

Der Eintritt ist frei. Es wird jedoch um eine Spende für das Deutschland-Stipendium der Goethe-Universität gebeten. Da nur ein begrenztes Kontingent von insgesamt 50 Plätzen zur Verfügung steht, ist frühzeitiges Erscheinen ratsam.

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main; Spendenkonto: Goethe-Universität Frankfurt, IBAN: DE 95 5005 0000 0001 0064 10, BIC: HELA DE FF, Verwendungszweck: Stipendienprogramm 300 001 000 4

Veranstaltungen

Okt 27 2015
14:44

Die neue Vorlesungsreihe zum Thema Kino des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 29. Oktober

Vorträge und Filme zum „Universum von Agnès Varda“

FRANKFURT. Im Fokus der jüngsten Vorlesungsreihe zum Thema Kino des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ steht mit Agnès Varda eine Schlüsselfigur des modernen Kinos, die sich erfindungsreich zwischen den Genres und Formaten bewegt und mit ihren Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Kunstinstallationen immer wieder in die großen politischen Debatten ihrer Zeit eingreift – vom Vietnamkrieg über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung bis zum Problem der Obdachlosigkeit. In der Film & Lecture-Reihe mit dem Titel „Selbstporträts von anderen: Das Universum von Agnès Varda“, die am 28. Oktober im Deutschen Filmmuseum startet, entwerfen internationale Expertinnen und Experten während zwei Semestern eine Kartographie dieses vielschichtigen Werks.

Neben den Vorträgen gehören Filmvorführungen zum Programm. Abschließend besteht jeweils die Möglichkeit zur Diskussion. Veranstaltet wird die Reihe vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gemeinsam mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, das auch maßgeblich für die Konzeption dieser Reihe verantwortlich zeichnet, sowie dem Kino im deutschen Filmmuseum.

„Es ist, als würde ich Dein Selbst-Porträt filmen“, sagt Agnès Varda zu Jane Birkin in „Jane B. par Agnès V.“ von 1988. Varda, geboren 1928 in Brüssel, Gründerfigur der „Nouvelle Vague“, Spielfilmregisseurin, Dokumentaristin, Installationskünstlerin und Filmtheoretikerin, ist eine der großen Künstlerpersönlichkeiten der Filmgeschichte, mit einem Werk, das mittlerweile sechs Jahrzehnte umspannt. Der Satz, den sie zu Birkin sagt, lässt sich als Poetik und Programm verstehen: Für Varda, die – zusammen mit Godard, und im Dialog und Widerstreit mit diesem – das intellektuelle Gravitationszentrum der „Nouvelle Vague“ bildete, ist die entscheidende Frage nicht, was Kino ist, sondern was es bedeutet, Kino zu machen – für sie selbst, für andere, und im Zusammenspiel mit anderen.

Zum Start der Reihe am 29. Oktober geht es um das Thema „Porträt, Skizze, Entwurf: Über ‚Jane B. par Agnès V.‘ und ‚Kung Fu Master‘“. Referent ist Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters. Die Idee zum Film „Jane B. par Agnès V.“ stammt von Jane Birkin selbst. Mit dem Schmacht-Hit „Je t’aime ... moi non plus...“ zusammen mit Serge Gainsbourg zum Pop–Weltstar geworden und in den 1980er Jahren zur Schauspielerin avanciert, bot Birkin sich Varda als Sujet eines Porträt-Films an. Daraus wurde ein vielschichtiges filmisches Gemälde, ein Porträt von Birkin und ihren Kindern, Charlotte Gainsbourg und Luc Doillon, ein Doppel(selbst)porträt von Birkin und Agnès Varda, und zugleich ein Entwurf für einen weiteren Film, „Kung Fu Master – Un petit amour“, eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau um die vierzig und einem jungen Mann an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Ein Film also, der aus einem Zwiegespräch entsteht, die Werkgrenzen sprengt und sich somit besonders gut eignet als Ausgangspunkt einer Diskussion über die Poetik von Agnès Varda.

Die Agnès Varda-Reihe umfasst in diesem Winter- und im darauf folgenden Sommersemester insgesamt 15 Einzeltermine. Sie findet im Rahmen der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) statt. Kooperationspartner sind der Masterstudiengang „Curatorial Studies“, das Institut Français pour l’Histoire en Allemagne und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im April 2016 wird die Regisseurin zu Gast in Frankfurt sein.

Der Eintritt ist frei. Wegen der beschränkten Platzzahl wird um Kartenreservierungen gebeten unter: 069 961 220-220. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main.

Die Termine im Wintersemester 2015/2016:

Donnerstag, 29. Oktober 2015, 20 Uhr
Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Porträt, Skizze, Entwurf: Über „Jane B. par Agnès V.“ und „Kung Fu Master“

Donnerstag, 5. November 2015, 20 Uhr
Kelley Conway (Madison, Wisconsin)
Les Plages d’Agnès: Selbstporträt einer Filmemacherin

Donnerstag, 19. November 2015, 20 Uhr
Delphine Bénézet (London)
Küstensehnsüchte: Das Meer, die Lieder und die Sonne in in Vardas Du côté de la côte (1958) und Documenteur (1980-81)

Donnerstag, 3. Dezember 2015, 20 Uhr
Kathrin Peters (Berlin)
Der längste Tag. Zu Agnès Vardas „Cléo de 5 à 7“ (F 1961)

Donnerstag, 14. Januar 2016, 20 Uhr
Angela Keppler (Mannheim)
Agnès Vardas L’une chante, l’autre pas: Eine Art feministisches Musical?

Donnerstag, 28. Januar 2016, 20 Uhr
Dominique Bluher (Chicago)
PhotoCinéExpo

Donnerstag, 11. Februar 2016, 20 Uhr
Alexandra Schneider (Mainz)
Hommage an einen Amateur: Zu Agnès Vardas Jacquot de Nantes

Informationen:
Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079: hediger@tfm.uni-frankfurt.de Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/vorlesungsreihe-kino/vorlesungsreihe-lecture-an-film