Pressemitteilungen 

Forschung

Mai 26 2014
13:54

Grün leuchtende Struktur besteht aus licht-aktivierbaren Molekülen

Winziges Goethe-Logo in 3D

FRANKFURT. Biologische Prozesse auf molekularer Ebene zeitlich und räumlich präzise steuern zu können, spielt eine Schlüsselrolle in den Lebens- und Materialwissenschaften. Biochemikern der Goethe-Universität ist es gelungen, eine winzige dreidimensionale Struktur aus Biomolekülen zu bauen, die mit Licht aktiviert werden. Auf dem Titelbild der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ demonstrieren sie dies anhand des Goethe-Kopfes im Logo der Universität.

Dreht man die Aufnahme des grün leuchtenden Goethe-Kopfes am Computerbildschirm, zeigt sich, dass Haare, Gesicht sowie Hals und Schulterpartie in unterschiedlichen Ebenen liegen. Die Struktur besteht aus dem Molekül Glutathion und wurde mittels dreidimensionaler Mikroskopie in ein Gel gezeichnet. Glutathion hat zusammen mit dem Protein Glutathion-S-Transferase (GST) im menschlichen Körper eine entgiftende Wirkung. Molekül und Protein binden nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip aneinander.

Schon vor zwei Jahren hatte Volker Gatterdam in der Forschergruppe um Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie eine Molekül-Protein-Verbindung verwendet, um mit einem Laser mikroskopisch kleine Bilder zu zeichnen. Das Glutathion wurde dazu mit einer licht-aktivierbaren Schutzgruppe versehen, so dass es nicht an GST binden kann. Sobald die Schutzgruppe durch Licht abgespalten wird, reagiert es mit einem grün fluoreszierenden Rezeptor. In Zusammenarbeit mit den Forschungsgruppen um Prof. Alexander Heckel (Organische Chemie und Chemische Biologie) und Prof. Josef Wachtveitl (Physikalische und Theoretische Chemie) entwickelte Volker Gatterdam nun eine neue Variante des licht-aktivierbaren Glutathions, das mit einem Zwei-Photonen-Laser aktiviert wird.

Das Besondere am Zwei-Photonen-Laser ist seine hohe räumliche Auflösung, also die Genauigkeit, mit der ein ganz bestimmter Punkt angesteuert werden kann. Ander als bei der herkömmlichen Mikroskopie, bei der nur ein Photon des Lasers ein Molekül anregt, regen hier zwei Photonen gleichzeitig die Schutzgruppe des Glutathions an und spalten sie sehr präzise ab. Weniger Millisekunden später kann dann ein grün fluoreszierender Rezeptor binden und das Muster sichtbar machen.

Die hohe Photonendichte des Zwei-Photonen-Lasers kann nur in einem winzig kleinen Volumen von etwa dem Volumen einer einzelnen Bakterienzelle) erreicht werden. „Das ist ein großer Vorteil“, erläutert Volker Gatterdam, „Man kann auf diese Weise kleinste Punkte genau ansteuern, und das in drei Dimensionen“. So konnte er die verschiedensten 3D-Bilder „schreiben“, vom Goethe-Kopf über Marylin Monroe, bis hin zu einem QR-Code. Das Aufleuchten lässt sich in Echtzeit beobachten.

Diese Experimente legen den Grundstein für viele weitere. Da der Zwei-Photonen-Laser für Zellen deutlich weniger schädlich ist und tiefer eindringen kann, bietet sich dieses System auch für Experimente mit menschlichem Gewebe und Organen an. Es ist zum Beispiel denkbar, zelluläre Prozesse präzise, an einer bestimmten Stelle mit hoher zeitlicher Auflösung auszulösen.

Publikation: Volker Gatterdam et al.: Dreidimensionale Proteinnetzwerke durch Zwei-Photonen-Aktivierung, in: Angewandte Chemie, Bd. 126 /2014), S. 1-6, DOI: 10.1002/ange.201309930

Ein Video zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Robert Tampé, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 23 2014
17:35

Im Rahmen des 100-jährigen Universitätsjubiläums hält Christopher Clark auf Einladung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ einen Vortrag zum Kontext des Kriegsjahres 1914.

Öffentlicher Jubiläumsvortrag von Christopher Clark

FRANKFURT AM MAIN. Ausgerechnet zum 100. Jubiläum der Goethe-Universität scheint die Konstellation von 1914 vielen Kommentatoren erstaunlich, ja bedrohlich aktuell. Darauf hat nicht zuletzt der Historiker Christopher Clark von der Universität Cambridge in seinem Buch „Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ hingewiesen:

„Dabei muss jedem Leser aus dem 21. Jahrhundert, der den Verlauf der Krise von 1914 aufmerksam verfolgt, deren Aktualität ins Auge springen. Tatsächlich könnte man sogar behaupten, dass die Julikrise 1914 uns heute weniger fremd – weniger unerklärlich – ist als noch in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. So gesehen sind die Akteure von 1914 unsere Zeitgenossen.“

Clark hat mit seinem jüngsten Werk, für das er im Frühjahr 2014 den Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch erhielt, den wohl wichtigsten Beitrag zur Debatte über den Kriegsbeginn 1914 geliefert. Seine Thesen sind in der deutschen Politik in den vergangenen Monaten vielfach rezipiert worden: Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte am Rande eines EU-Gipfels, dass sie bei der Lektüre des Buchs über den Vorabend des Ersten Weltkriegs ähnliche Phänomene erkannt habe wie heute in der EU. Die SPD-Politiker Sigmar Gabriel und Martin Schulz setzten sich ebenso mit Clark auseinander wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der in einem Interview zur gegenwärtigen Ukraine-Krise erklärte, die Akteure auf allen Seiten „(…) verhalten sich so, wie es der Autor Christopher Clark in seinem lesenswerten Buch über den Beginn des 1. Weltkriegs beschrieben hat: wie Schlafwandler“.

Wie plausibel sind solche – auch gerade durch Jubiläen bedingte – Analogien? Inwieweit vermag der historische Vergleich die Gegenwart zu erhellen? Eine Möglichkeit, diesen Fragen nachzugehen, bietet der Festvortrag von Prof. Christopher Clark mit dem Titel „Das Wilhelminische Deutschland und die Universität Frankfurt: Der Kontext des Kriegsjahres“. Der Vortrag findet statt am Donnerstag, 29. Mai, um 18 Uhr und wird auf Deutsch gehalten. Vortragsort ist der Hörsaal HZ 1, im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend. Die Öffentlichkeit und die Presse sind herzlich eingeladen.

Der Jubiläumsvortrag Clarks verbindet das Gründungsjahr der Frankfurter Universität, und damit auch ihre Geschichte, mit nationalen und welthistorischen Bezügen. Die Gründung der Goethe-Universität im Jahr 1914 fällt zeitlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammen. Lange Zeit ging die Forschung intensiv der Frage nach, inwieweit das politische und intellektuelle Klima des Kaiserreichs eine besondere Verantwortung für die Eskalation des militärischen Konflikts trug. Der Historiker Clark diskutiert den aktuellen Stand der Debatte zum Wechselspiel zwischen Mentalitäten und kurzlebigen Ereignisfolgen vor dem Hintergrund seiner eigenen Forschungsergebnisse. Der Vortrag gehört zu den Veranstaltungen, mit denen sich der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an dem Jubiläumsprogramm „100 Jahre Goethe-Universität“ beteiligt.

Christopher Clark, der in Cambridge Neuere Europäische Geschichte lehrt, steht bereits seit einigen Jahren in enger Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dessen Forschungsthemen. Im Mai folgt der vielfach ausgezeichnete Historiker zum zweiten Mal einer Einladung des Clusters an das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Dort gehört er auch zu den ersten Fellows des neu gegründeten Historischen Kollegs.

Eine weitere Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“ findet am 4. Juni 2014 um 19.30 Uhr auf dem Campus Westend statt. An diesem Tag hält die an der Yale-Universität lehrende politische Philosophin Prof. Seyla Benhabib, die erst in der vergangenen Woche mit dem Meister Eckhart Preis 2014 ausgezeichnet wurde, den nächsten Festvortrag zum Thema „Der ethisch-politische Horizont der Kritischen Theorie: Gestern und heute“.

Informationen im Internet: www.normativeorders.net/gu-100

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net

Veranstaltungen

Mai 22 2014
10:28

Prof. Werner Plumpe stellt im Rahmen der Bürger-Universität einen Alumni der Goethe-Universität vor: Ludwig Erhard

Wohlstand für alle

FRANKFURT. Die meisten nennen Theodor W. Adorno, wenn sie an einen prominenten Alumnus der Goethe-Universität denken. Viel seltener dagegen fällt der Name Ludwig Erhards. Dabei hat auch der zweite deutsche Bundeskanzler als Promovend von Franz Oppenheimer, dem ersten deutschen Lehrstuhlinhaber für Soziologie und Nationalökonomie, prägende Jahre an der damals noch jungen Frankfurter Universität verbracht. Jahre, die sein ökonomisches und politisches Denken fundamental verändert haben.

Das von Erhard vertretene Modell der Sozialen Marktwirtschaft geht ganz wesentlich auf Oppenheimers Idee eines Dritten Weges zwischen Kapitalismus und Sozialismus zurück, wie er in einer Lobrede auf seinen akademischen Lehrer 1964 deutlich machte: „Etwas hat mich so tief beeindruckt, dass es für mich unverlierbar ist, nämlich die Auseinandersetzung mit den gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit. Er (Oppenheimer) erkannte den „Kapitalismus“ als das Prinzip, das zur Ungleichheit führt, das die Ungleichheit geradezu statuiert, obwohl ihm gewiss nichts ferner lag als eine öde Gleichmacherei; auf der anderen Seite verabscheute er den Kommunismus, weil er zwangsläufig zur Unfreiheit führt. Es müsse einen Weg geben, - einen dritten Weg, der eine glückliche Synthese, einen Ausweg bedeutet (…) Solange ich lebe, werde ich Franz Oppenheimer nicht vergessen! Ich werde glücklich sein, wenn die Soziale Marktwirtschaft - so vollkommen oder so unvollkommen sie auch sein mag - weiter zeugen wird auch für das Werk, für den geistigen Ansatz der Gedanken und die Lehre von Franz Oppenheimer.“

Der besondere Impuls, den Erhards Denken in seinen Jahren bei Franz Oppenheimer erfuhr, wird auch Gegenstand des nächsten Vortrags im Rahmen der Frankfurter Bürgeruniversität in der Reihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“ sein.

Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor. Stellvertretend für eine ganze Nation werden so auch die individuellen Voraussetzungen Ludwig Erhards betrachtet. Werner Plumpe von der Goethe Universität, einer der profiliertesten Experten für Wirtschaft und Sozialgeschichte, geht in seinem Vortrag den Stationen einer Politikerkarriere nach, aber auch den Voraussetzungen, die aus Ludwig Erhard einen liberalen Wirtschaftspolitiker machten.

Wohlstand für alle – Ludwig Erhard

Referent: Prof. Werner Plumpe, Goethe-Universität Frankfurt

am: Montag, 26. Mai 2014, um 19.30 Uhr,Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de

Eintritt frei

Das komplette Programm der 11. Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 21 2014
15:41

Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung der Goethe-Universität geht an den Start.

Medieneinladung: „Normal“ altern – was zählt?

FRANKFURT. Aktuell feiern Menschen des geburtenstärksten Jahrgangs in Deutschland ihren 50. Geburtstag. Aber nicht nur die Baby-Boomer-Generation, auch die Älteren von heute stellen andere Anforderungen an das eigene Altern und an die Gesellschaft als frühere Generationen. Unter veränderten Alltagsanforderungen und neuen Technikentwicklungen wollen ältere Menschen mobil bleiben und an Gesellschaft teilhaben. Wichtiger werden daher belastbare Befunde aus einer Forschung, die Älterwerden nicht nur unter medizinischer Perspektive betrachtet.

Das neue „Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung“ (FFA), das  zum 1. August 2014 seine Arbeit aufnimmt, verknüpft lebens-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven mit dem Ziel der Förderung und Erhaltung von Lebensqualität.

Anlässlich der Unterzeichnung der Fördervereinbarung über das Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung (FFA) zwischen der BHF-BANK-Stiftung und der Goethe-Universität Frankfurt möchten wir Ihnen das neue Forum bei einem Mediengespräch

am Montag, den 26. Mai 2014, Beginn: 11:00 Uhr, in der BHF-BANK Stiftung, Bockenheimer Landstr. 10/Eingang Oberlindau 2, Kaffeezimmer, 60323 Frankfurt

vorstellen. Ihre Gesprächspartner:

* Dietmar Schmidt, Vorsitzender der BHF-BANK Stiftung

* Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität

* Prof. Frank Oswald, Interdisziplinäre Alternswissenschaft, Goethe-Universität

Vorgestellt werden ebenfalls zwei konkrete Projekte, die sich mit den Themen „Emotionale und soziale Robotik“, „Mobilität im Alter“ sowie „Menschenwürde und Persönlichkeitsschutz beschäftigen.

Im Anschluss reichen wir einen kleinen Imbiss, der Gelegenheit zu weiterem Austausch bietet.

Über Ihr Interesse freuen wir uns. Bitte teilen Sie uns mit (ott@pvw.uni-frankfurt.de), ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dirk Frank

Pressereferent

Sonstige

Mai 21 2014
15:27

Zwölf Bände in einem Jubiläumsschuber Biografien vermitteln Eindruck von intellektueller und wissenschaftlicher Vielfalt an der Frankfurter Universität

„Gründer, Gönner und Gelehrte“

FRANKFURT. Die Goethe-Universität nimmt ihren 100. Geburtstag zum Anlass, sich herausragender Persönlichkeiten in ihrer Geschichte zu erinnern. In der im Frankfurter Societäts-Verlag erscheinenden Biografienreihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert.

Bei der Präsentation des Jubiläumsschubers mit den bisher zwölf erschienenen Bänden erklärte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl: „Die Biografien vermitteln einen hervorragenden Eindruck von der intellektuellen und wissenschaftlichen Vielfalt, die die Universität in ihrer frühen Phase bis 1933 prägte, aber auch über das Engagement der Remigranten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg vehement für den Wiederaufbau einer liberalen Universität stark machten“, und er ergänzte: „In den Lebensbildern der Gründer, Gönner und Gelehrten spiegelt sich auch die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert wider.“

Folgende Bände, die einzeln oder im Schuber im Buchhandel und beim Societäts-Verlag erhältlich sind, liegen vor: Franz Adickes, Oberbürgermeister und Universitätsgründer – Theodor W. Adorno, Philosoph, Musiker, pessimistischer Aufklärer – Friedrich Dessauer, Röntgenpionier, Biophysiker und Demokrat – Leo Frobenius, Afrikaforscher, Ethnologe, Abenteurer – Leo Gans, Arthur von Weinberg, Mäzenatentum und jüdische Emanzipation – Max Horkheimer, Begründer der „Frankfurter Schule“ – Ernst Kantorowicz, Der „ganze Mensch“ und die Geschichtsschreibung – Wilhelm Merton. Ein Weltbürger gründet eine Universität – Fritz Neumark, Finanzpolitiker und Politikberater – Franz Oppenheimer, Ökonom und Soziologe der ersten Stunde – Henry Oswalt, Bildungsbürger und Mäzen – Otto Stern, Physiker, Querdenker, Nobelpreisträger.

Franz Adickes

Franz Adickes (1845–1915), von 1891 bis 1912 Oberbürgermeister von Frankfurt, zählt zu den herausragenden Kommunalpolitikern im Kaiserreich. In seiner Amtszeit vollzog Frankfurt den Aufstieg zur Großstadt. Höhepunkt von Adickes‘ Wirken ist die Gründung der Frankfurter Universität – für deren Einrichtung Bürger der Stadt rund 20 Millionen Mark an privaten Mitteln aufbrachten. Der Frankfurter Historiker Lothar Gall stellt Adickes als Repräsentant des liberalen Bürgertums vor.

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno (1903–1969) gehört zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Max Horkheimer (1895–1973) gilt er als Begründer der „Kritischen Theorie“. Der Musikkritiker Gerhard R. Koch stellt in seiner Biografie auch den Komponist Adorno und seine kreative (musik-)ästhetische Reflexion aus dem Geist der Moderne vor. Das „Achtundsechziger“-Idol beharrte auf der Theorie gegenüber Polit-Aktionismus und wurde im Konflikt mit den linken Studenten zwischen subjektiv revolutionärem Denken und kollektivem Umsturzverlangen zerrissen.

Friedrich Dessauer

Die Röntgenstrahlen waren die aufregendste Entdeckung seiner Jugend. Wie Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne Hardy schildert, erkannte Friedrich Dessauer (1881–1963) den Wert der Röntgenstrahlen für die medizinische Diagnostik, als er an das Krankenbett seines Bruders gerufen wurde und die Ärzte eine tödliche Krankheit diagnostizierten. Er brach sein Studium ab und gründete noch minderjährig eine Firma für Röntgenapparate. Erst mit 34 Jahren holte er seine Promotion nach und gründete bald darauf an der Universität Frankfurt ein Institut, aus dem das heutige Max-Planck-Institut für Biophysik hervorgegangen ist. Sein politisches Engagement als Reichstagsabgeordneter der katholischen Zentrumspartei zwangen ihn 1934 ins Exil nach Istanbul. Erst 1953 kehrte er nach Frankfurt zurück.

Leo Frobenius

Leo Frobenius (1873-1938) war eine schillernde und doch faszinierende Persönlichkeit: Abenteurer und Afrika-Entdecker, Ethnologe und Kulturphilosoph, Monarchist und Ideenspender für ein neues Afrika-Bild. Der Autodidakt war getrieben von der Vorstellung, sich mit aller Kraft gegen Modernisierung und Rationalisierung stemmen zu müssen. Und in Afrika schien er all das in den Mythen, Masken und Malereien zu finden, was in Europa an Wert verlor. Der Autor und Ethnologe Bernhard Streck kommt zu der Einschätzung: Trotz aller Verständnisprobleme, die sich heute auftun, hat Frobenius seinen Platz in der Ahnengalerie der ersten Bürgeruniversität Deutschlands verdient.

Leo Gans, Arthur von Weinberg

Leo Gans (1843–1935) und Arthur von Weinberg (1860–1943), Ehrenbürger der Stadt Frankfurt, geniale Erfinder und mit Cassella erfolgreiche Unternehmer, entstammten einer der ältesten jüdischen Familien Frankfurts. Als Naturwissenschaftler und Mäzene sorgten sie dafür, dass der Physikalische Verein und die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft als selbstständige Einrichtungen in die neue Universität integriert wurden. Die Historikerin Monika Groening zeigt, wie ihre Lebenswege von den Veränderungen während des Kaiserreichs und des Nazi-Terrorregimes geprägt wurden.

Max Horkheimer

Bereits in den 1920er Jahren war Max Horkheimer (1895-1973) als Philosophie-Professor und als Direktor des Instituts für Sozialforschung einer der führenden Köpfe der „geistigen Linken“. 1933 gehörte er wie sein enger Vertrauter Theodor W. Adorno (1903–1969) und einige Mitarbeiter zu den ersten Opfern der „Säuberung“ der Universität und mussten ins US-Exil emigrieren. 1950 kehrten Horkheimer und viele andere Wissenschaftlern nach Frankfurt zurück und entwickelten das Institut für Sozialforschung zu einem intellektuell-moralischen Zentrum für die junge Bundesrepublik. Die „Frankfurter Schule“ einer kritischen Gesellschaftstheorie fand weltweit Beachtung, wie Rolf Wiggershaus, ausgewiesener Kenner, eindrucksvoll darlegt.

Ernst H. Kantorowicz

Wie kaum ein anderer steht Ernst H. Kantorowicz (1895-1963), der von 1930 bis 1935 eine Professur für mittelalterliche Geschichte an der Frankfurter Universität innehatte, für die Ambivalenzen im „Zeitalter der Extreme“. Der  jüdische Gelehrte und „Jünger“ des Dichters Stefan George war ein bekennender Deutschnationaler. Mit seiner vielbeachteten  Biografie Kaiser Friedrichs II. schrieb er ein Generationenbuch, dem auch Nationalsozialisten die Anerkennung nicht versagten. Dennoch musste auch er 1938 aus Deutschland fliehen. Er emigrierte in die USA. Der Historiker Janus Gudian zeichnet Kantorowicz‘ Leben detailliert nach und setzt dabei Vita und Werk in Beziehung.

Wilhelm Merton

Wilhelm Merton (1848–1916), geboren als William Moses, Jude, Großhändler, Konzernlenker mit globalen Ambitionen und weltweitem Einfluss, Mäzen und Philanthrop, Sozialreformer, Konvertit sowie Großbürger mit liberaler Gesinnung ist eine der beeindruckenden  Persönlichkeiten Frankfurts in Wilhelminischer Zeit. Wie der Historiker Ralf Roth beschreibt, war Merton nicht nur maßgeblich an der Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und der Frankfurter Universität beteiligt, sondern setzte auch deren Öffnung zu den modernen Sozialwissenschaften durch.

Fritz Neumark

Der Nationalökonom Fritz Neumark (1900–1991) gehört zu den einflussreichsten deutschen Finanzwissenschaftlern der Nachkriegszeit. Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz Grossekettler beschreibt, wie Neumark als Wissenschaftler und Politikberater Grundsätze für eine moderne Finanzpolitik entwickelte, welche die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik maßgeblich beeinflussten. Neumark gehörte zu den Remigranten, die in den 1950er Jahren das intellektuelle Klima an der Goethe-Universität bestimmten. Wie viele seiner Kollegen hatte er wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 die Universität verlassen müssen.

Franz Oppenheimer

Franz Oppenheimer (1864–1943), Deutschlands erster Soziologie-Professor, hatte einen außergewöhnlichen Lebensweg: Nach dem Medizinstudium setzte sich der Sohn eines jüdischen Predigers bald mit sozialen und ökonomischen Fragen auseinander. 1919 stiftete Karl Kotzenberg (1866–1940) extra für ihn einen Lehrstuhl für Soziologie und Theoretische Nationalökonomie an der Frankfurter Universität. Seine zehn Frankfurter Jahre waren produktiv, aber auch konfliktreich, wie der Wirtschaftswissenschaftler Volker Caspari und der Soziologe Klaus Lichtblau beschreiben. Oppenheimer stritt für seine Vorstellungen eines „liberalen Sozialismus“. Einige seiner Ideen setzte sein berühmtester Schüler, Ludwig Erhard (1897–1977), mit der Sozialen Marktwirtschaft um.

Henry Oswalt

Der Geheime Justizrat Dr. Henry Oswalt (1849–1934) war eine der Gründerpersönlichkeiten der Frankfurter Universität. Wie die beiden Historiker Birgit Wörner und Roman Köster darlegen, unterstützte der aus dem jüdischen Bürgertum stammende Notar und Rechtsanwalt mit seinem fachmännischen Rat Oberbürgermeister Franz Adickes (1845–1915) und den Industriellen Wilhelm Merton (1848–1916) bei der Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und ihrer späteren Umwandlung zur Universität. Mit Hilfe der „Oswalt-Stiftung“ konnte 1921 der erste Lehrstuhl für Röntgenphysik in Deutschland für Dessauer eingerichtet werden.

Otto Stern

Der Quantenphysiker Otto Stern (1888–1969) begründete den frühen Weltruhm in der Frankfurter Physik. Der Mitarbeiter Einsteins und geniale Experimentator wurde gleich 1914 nach Frankfurt berufen. Der Physiker Horst Schmidt-Böcking und die Wissenschaftshistorikerin Karin Reich beschreiben, wie Stern die Molekularstrahlmethode – den Weg zur Entschlüsselung des inneren Bauplans des Atoms – entwickelte und damit die Grundlagen der modernen Quantenphysik legte. 1933 als Jude aus Deutschland vertrieben, wird er 1943 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Kernspintomographie, Laser u.a. wären ohne Stern nicht denkbar.

Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer, Ulrike Jaspers, Projektkoordination, Campus Westend, schulmeyer@pvw.uni-frankfurt, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de , Tel. (069) 798 13066.

 

Veranstaltungen

Mai 21 2014
15:22

Eröffnung Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

Einladung zum Mediengespräch

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften öffnet am 23. Mai offiziell seine Pforten. Es versteht sich als Ideenlabor der Geschichtswissenschaft, als produktiver Rückzugsort für Historiker von internationalem Ansehen. Doch es ist vor allem auch Ort der gesellschaftlichen Diskussion, an dem Fachleute und Öffentlichkeit, die Bürger Bad Homburgs und des Rhein-Main-Gebiets, zum lebendigen Austausch zusammenkommen.

Das zunächst auf fünf Jahre angelegte Programm ist ein Schulterschluss von Forschungskolleg Humanwissenschaften und Historischem Seminar der Goethe-Universität. Unter der Federführung von jeweils ein bis zwei Frankfurter Professorinnen oder Professoren widmet sich jedes der Jahre einer anderen historischen Fragestellung und Zeit: 2014 ist dies das Thema „Welt um 1914“ unter der Regie von Prof. Andreas Fahrmeir, wissenschaftlicher Koordinator des Historischen Kollegs. Die weiteren Programmverantwortlichen sind Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe,  Frühneuzeithistorikerin Prof. Luise Schorn-Schütte, Prof. Christoph Cornelißen, Lehrstuhlinhaber für Neueste Geschichte, Rechtshistoriker Prof. Thomas Duve und Althistoriker Prof. Hartmut Leppin. In jedem Jahr lädt das Historische Kolleg bis zu zehn  thematisch einschlägige Gastwissenschaftler für einen Zeitraum von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten ein, um in den Kollegsgebäuden Am Wingertsberg zu forschen und mit der Öffentlichkeit in den Dialog zu treten.

Ermöglicht wurde die Einrichtung des Historischen Kollegs durch die Dagmar-Westberg-Stiftung und die finanzielle Unterstützung der Stadt Bad Homburg sowie des Unternehmers Stefan Quandt.

Den offiziellen Auftakt des Historischen Kollegs bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Europa 1914. Der Weg ins Unbekannte“. Renommierte Weltkriegsexpertinnen und -experten, unter ihnen mit Christopher Clark und Gustavo Corni zwei der ersten Gastwissenschaftler des Historischen Kollegs, erörtern dabei weniger die Frage nach der Kriegsschuld der politischen Eliten als vielmehr die Stimmungslagen in der Bevölkerung. Christopher Clark ist auch Gast des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität. Die Podiumsdiskussion ist zugleich der Abschluss der gleichnamigen internationalen Tagung unter Leitung von Prof. Christoph Cornelißen. Sie ist der Frage gewidmet, wie die Bürger verschiedener Länder im Sommer 1914 den Weg in den Krieg erlebten, und beleuchtet die sozialen, kulturellen sowie politischen Leitbilder dieser Zeit. Das Historische Kolleg ist einer der Förderer dieser Tagung.

Vor der Podiumsdiskussion, die um 16.00 Uhr beginnt und im Konferenzraum des Forschungskollegs stattfindet,  laden wir Sie ganz herzlich zu einem Mediengespräch ein. Dieses findet statt

 

am Freitag, den 23. Mai, um 14:30 Uhr,

in der Bibliothek des Forschungskollegs Humanwissenschaften,

Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg.

Ihre Gesprächspartner sind:

 

* Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor Forschungskolleg Humanwissenschaften, Vizepräsident Goethe-Universität Frankfurt

* Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Wissenschaftlicher Koordinator Historisches Kolleg, Programmverantwortlicher 2014,

* Ellinor Schweighöfer M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin Historisches Kolleg,

* sowie einige der Programmverantwortlichen für die Jahre 2015-2018.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann    

Prof. Dr. Andreas Fahrmeir

Veranstaltungen

Mai 20 2014
11:29

Internationale Konferenz der Goethe-Universität thematisiert am 22. und 23. Mai auch den gewandelten Blick auf die historischen Ereignisse vor dem Kriegsausbruch

Tagung zu 1914 diskutiert den „Weg ins Unbekannte“

FRANKFURT. Wie erlebten die „einfachen Menschen“ und die Familien im Sommer 1914 den Weg der europäischen Mächte in den Ersten Weltkrieg? Welche Hoffnungen auf Frieden gab es trotz drohender Vorzeichen? Und war die öffentliche Stimmung in Deutschland bei Ausbruch des Waffengangs wirklich von so großer Euphorie geprägt? Auch um diese Fragen geht es auf der internationalen Tagung „Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte“ am 22. und 23. Mai. Veranstalter ist der Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität. Zu den Kooperationspartnern gehört der Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Ziel der Tagung ist es, aktuelle Forschungen zur Vorkriegszeit und zum Sommer 1914 zusammenzuführen. Auf dieser Grundlage sollen die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Ursachen und Bedingungen für den Kriegsausbruch diskutiert werden. Zu den Teilnehmern zählen neben Christopher Clark aus Cambridge, Autor des Bestsellers „Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“, auch weitere prominente Historiker aus verschiedenen Ländern – unter ihnen Gerd Krumeich (Freiburg) und Frédéric Rousseau (Montpellier). Ort des ersten Konferenztages am 22. Mai ist das Gebäude des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Der zweite Teil findet am 23. Mai im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg satt. Hier mündet die Tagung auch in die abschließende Podiumsdiskussion. Für beide Tage und die Podiumsdiskussion ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Die wissenschaftliche Leitung der Tagung haben Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte, und seine Mitarbeiter Silke Fehlemann und Nils Löffelbein. Cornelißen ist gleichzeitig neues assoziiertes Mitglied des Clusters, der damit der Zeitgeschichte als einem besonders dynamischen Forschungsfeld der Geschichtswissenschaft eine erhöhte Aufmerksamkeit schenkt. Cornelißen wird in seinem Eröffnungsvortrag „Der Weg ins Unbekannte. Historiker-Kontroversen 1914 – 2014“ auch den Umstand thematisieren, dass Historiker ihre Vorstellungen vom Weg der europäischen Gesellschaften in den Ersten Weltkrieg schon mehrmals korrigieren mussten. „Anhand der Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg kann man die Konjunkturen sich wandelnder politischer Leitvorstellungen beschreiben“, so Cornelißen. „Die Thesen Christopher Clarks zur gemeinsamen Verantwortung der europäischen Mächte sind nicht zuletzt Zeichen einer veränderten Stellung Deutschlands in der internationalen Politik. Gleichzeitig sind sie Ausdruck veränderter Ansprüche der europäischen Öffentlichkeit.“

Die Tagung gliedert sich in drei aufeinanderfolgende Sektionen: „Kriegserwartungen“, „Friedenshoffnungen“, Mobilisierungen“.

Zu den Themen der ersten Sektion gehören die Kulturgeschichte des Militärs und dessen Kriegsvorstellungen. Außerdem zeigt der Mitorganisator Nils Löffelbein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte, in einem Vortrag, „dass es in den Vorkriegsgesellschaften bestenfalls vage Vorstellungen vom Verlauf und den Auswirkungen eines großen europäischen Krieges gab.“ In der zweiten Sektion geht es um die durchaus einflussreichen und weitgespannten Friedenshoffnungen, die den Beginn des Ersten Weltkriegs in ganz Europa begleiteten. In diesem Zusammenhang wird sowohl der sozialistische als auch den bürgerlichen Pazifismus beleuchtet.

Die dritte Sektion nimmt die verschiedenen Formen gesellschaftlicher Mobilisierungen in den Blick. „Wir wollen zeigen, dass der Krieg nicht nur an der Front stattfand, sondern auch die Zivilbevölkerungen, vor allem die Familien in vielfältiger Weise betroffen waren, von den Eltern der Soldaten bis zum Kleinkind. Abschiede waren die gemeinsame Erfahrung vieler europäischer Familien und wurden doch ganz unterschiedlich erlebt, praktiziert und erzählt“, so die Historikerin Silke Fehlemann, die ebenfalls zum Frankfurter Organisationsteam gehört.

Zum Ausklang der Konferenz steht der politische Weg in den Krieg im Vordergrund. Mit diesem Themenschwerpunkt wird auf die abschließende Podiumsdiskussion am 23. Mai ab 16.00 Uhr übergeleitet. Die Diskutanten sind neben Christopher Clark, Gerd Krumeich und Frédéric Rousseau auch Annika Mombauer (Milton Keynes, UK) und Gustavo Corni (Trient). Die Moderation hat Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Im Fokus sollen vor allem die Stimmungslagen und Leitbilder in der Bevölkerung stehen und weniger die Frage nach der Kriegsschuld der politischen Eliten.

Die Tagung „Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte“ wird gefördert von der Ludwig Quidde-Stiftung und dem Institut français d’histoire en Allemagne.

Eine weitere Gelegenheit, den prominenten Tagungsteilnehmer Christopher Clark zu erleben, besteht am 29. Mai auf dem Frankfurter Campus Westend. Dann hält er im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“ einen vom Cluster ausgerichteten öffentlichen Vortrag zum Thema „Das Wilhelminische Deutschland und die Universität Frankfurt: Der Kontext der Kriegsjahre“.

Programm:

www.normativeorders.net/europa-1914

Anmeldung:

Anmeldung für die Vorträge der Tagung bitte beim Sekretariat des Lehrstuhls für Neueste Geschichte unter:  m.konze@em.uni-frankfurt.de

Anmeldung für die Podiumsdiskussion im Forschungskolleg Humanwissenschaften bitte unter: schweighöfer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen:

Lehrstuhl für Neueste Geschichte, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Dr. Silke Fehlemann, Tel.: 069/798-32585, fehlemann@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 19 2014
12:00

Dreitägiges öffentliches Symposium zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität mit festlichem Auftakt im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde

Mäzene, Gelehrte, Bürger: Jüdisches Engagement und Jüdische Gelehrsamkeit in der Frankfurt Uni-Geschichte

FRANKFURT. „Mäzene, Gelehrte, Bürger: Jüdisches Engagement und jüdische Gelehrsamkeit in der Frankfurter Universitätsgeschichte“ ist das Thema eines öffentlichen Symposiums, zu dem interessierte Bürger und Wissenschaftler vom 25. bis 27. Mai ins Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde und die Goethe-Universität eingeladen sind. Zum Auftakt hält der Vorsitzende des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Prof. Dr. Salomon Korn, den Festvortrag über das jüdische Mäzenatentum und die Gründung der Universität in Frankfurt. Dieser Festakt, bei dem u.a. Dr. Andrei Mares als Vorsitzender des Gemeinderats der Jüdischen Gemeinde, und Universitätspräsident Prof. Dr. Werner Müller-Esterl sprechen werden, findet statt am Sonntag (25. Mai) um 17 Uhr im Ignatz Bubis-Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde.

Der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Frankfurt kommt im Kontext der Gründung der Frankfurter Universität vor 100 Jahren besondere Bedeutung zu: Individuelle jüdische Stifterinnen und Stifter sowie jüdische Stiftungen spielten nicht nur für die Finanzierung der jungen Universität eine herausragende Rolle. Sie legten auch den Grundstein für die besondere Liberalität und Offenheit der Hochschule. Eine ganze Reihe von Instituten und Lehrstühlen im Bereich der Medizin, der Naturwissenschaften, der Sozialforschung, der Geschichtswissenschaften und der Philosophie verdanken ihre Gründung großzügigen Mäzenen, und auch nach ihrer Errichtung erfreute sich die Universität der Unterstützung der jüdischen Bürgerschaft. „Mit diesem Engagement war vor allem auch die Hoffnung verbunden, in Frankfurt könnten jüdische Gelehrte fortan, frei von religiösen Schranken und sozialer Diskriminierung, selbstverständlich und gleichberechtigt am akademischen Leben teilhaben“, erläutert Prof. Christian Wiese, seit 2010 Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, der für diese Tagung federführend verantwortlich ist.

Kooperationspartner sind die Jüdische Gemeinde Frankfurt, das Jüdische Museum Frankfurt und die Hebraica- und Judaica Abteilung der Frankfurter Universitätsbibliothek. Das Symposium gehört zum Programm anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Goethe-Universität.

Die Vorträge des Symposiums, die am Montag (26. Mai) und Dienstag (27. Mai) im Casino, Raum 1.801 auf dem Campus Westend stattfinden, betten die Frage nach der Rolle jüdischer Stiftungen, Stifterinnen und Stifter der Universität in Beiträge zur zeitgenössischen Geschichte der jüdischen Gemeinschaft Frankfurts ein. Dabei thematisieren sie u. a. die Rolle des Sozialpolitikers und Philanthropen Wilhelm Merton, des deutsch-amerikanischen Bankiers Jacob Schiff, des Unternehmers Arthur von Weinberg oder der Familie Rothschild. „Exemplarisch wird zudem die Geschichte der Wirksamkeit jüdischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie der aus jüdischen Stiftungen hervorgegangenen Institute in der Frankfurter Universitätsgeschichte vor und nach der Shoah erzählt“, ergänzt Wiese. Im Mittelpunkt stehen Gelehrte wie Martin Buber, der Orientalist Josef Horowitz oder der Soziologe Franz Oppenheimer, aber auch das Institut für Sozialforschung.

Darüber hinaus konnte der international renommierte amerikanische Historiker Prof. Dr. Michael A. Meyer für den Abendvortrag am Montag (26. Mai) um 19 Uhr gewonnen werden. Er spricht über die Rolle von Juden und Judentum an den deutschen Universitäten. Durchgehend spielt die Zäsur von 1933 eine wichtige Rolle: „Die Entlassung jüdischer Gelehrter, die Diskriminierung jüdischer Studierender und die Enteignung jüdischer Stiftungen gehört mit zum Erbe der Goethe-Universität“, so Wiese. Prof. Dr. Micha Brumlik reflektiert in einem abschließenden Abendvortrag am (Dienstag) 27. Mai (Beginn 18.15 Uhr) über die Auslöschung des jüdischen Teils der Frankfurter Universitätsgeschichte im Nationalsozialismus und die Schwierigkeiten eines Neuanfangs nach 1945.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-33313/3342, c.wiese@em.uni-frankfurt.de; Dr. Stefan Vogt, Tel. (069) 798-32032, s.vogt@em.uni-frankfurt.de; das Programm im Detail: http://www2.uni-frankfurt.de/49851370/maezene

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Mai 19 2014
11:58

Abend der offenen Tür bei der „Buch- und Medienpraxis“ an der Goethe-Universität

Fortbildungsprogramm für Einsteiger in Kultur- und Medienarbeit startet in neue Runde

FRANKFURT. Zum Wintersemester 2014/15 startet ein neuer Kurs des Fortbildungsprogramms „Buch- und Medienpraxis“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Bewerbungsfrist für den zweisemestrigen Studiengang läuft noch bis zum 1. Juli. Das in der Bundesrepublik einzigartige Programm wendet sich an qualifizierte Hochschulabsolventinnen und -absolventen und vermittelt zwischen dem geistes- oder gesellschaftswissenschaftlichen Studium und der medienbezogenen Berufspraxis.

Am 22. Mai (Donnerstag) sind Interessierte zum Abend der offenen Tür eingeladen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Casino-Gebäude, Raum 1.812, Campus Westend. Auf dem Programm stehen ausführliche Informationen:  So geben die Lehrenden Silke Tabbert (Schoeffling Verlag) und Klaus Walter (Moderator und Autor) Einblick in ihre Kursarbeit, Ehemalige berichten von ihren Erfahrungen und der gegenwärtige Jahrgang stellt sich mit aktuellen Projekten vor. Ab 20 Uhr ist bei Sekt, Selters und Musik Gelegenheit zum persönlichen Gespräch.

In dieses Fortbildungsprogramm werden maximal 30 Studierende aufgenommen. In den insgesamt zwölf Kursen, die an drei Abenden der Woche (Montag, Dienstag, Mittwoch) von 18 bis 22 Uhr stattfinden, befassen sich die Teilnehmer mit den Themen Lektorat, Buchhandel und Verlagswesen, Hörfunkredaktion, Fernsehredaktion, Zeitungsredaktion, Literaturkritik, Medienkritik, Öffentlichkeits-arbeit, Kulturmanagement, Ausstellungskonzeption sowie Online-Publishing.

Seit 1997 kooperiert die „Buch- und Medienpraxis“ mit Verlagen, Zeitungen, Museen, Rundfunk- und Fernsehsendern sowie anderen kulturellen Einrichtungen außerhalb der Universität. Die Dozenten sind profilierte Vertreter dieser Bereiche und machen die Studierenden durch berufspraktische Übungen mit dem Erwartungshorizont ihres Berufsfeldes vertraut. Am Ende der Kurse stehen von den Teilnehmern initiierte Veranstaltungen und Projekte.

Informationen: Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Heinz Drügh, Koordination: Maren Illinger und Malte Kleinjung, Fortbildungsprogramm „Buch- und Medienpraxis“, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Tel: 069/798-23626, Mail: bmp@lingua.uni-frankfurt.de, www.buchundmedienpraxis.de

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Mai 19 2014
11:56

Diskussion mit zwei Expertinnen in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften

Historiker nehmen Behinderung als Leitkategorie von Gesellschaften in den Blick

FRANKFURT. Auch Historiker beschäftigen sich mit Behinderung („disability“) als Leitkategorie von Gesellschaften: Bietet sich damit die Chance, nicht nur Geschichte(n) der Behinderung, sondern auch die allgemeine Geschichte neu zu schreiben? Über diese Frage diskutieren am Mittwoch (21. Mai) Prof. Dr. Cordula Nolte als Vertreterin der Geschichte des Mittelalters und des Forschungsprogramms „Disability History der Vormoderne“ (Universität Bremen) und Prof. Dr. Anne Waldschmidt, Soziologin und Professorin für Disability Studies (Universität zu Köln). Die öffentliche Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, statt.

In einem Jahrhunderte währenden, mit der Entwicklung der Moderne parallel verlaufenden Prozess ist die Differenzierungskategorie „disability“, die im deutschsprachigen Raum heute Behinderung genannt wird, allmählich entstanden. Zugleich, sozusagen als Kehrseite der Medaille, haben sich Vorstellungen von Gesundheit, Funktionsfähigkeit und Normalität formiert, die tief in der Gesellschaft und Kultur verankert sind. Diese Vorstellungen zu historisieren, hat sich die „Disability History“ vorgenommen. Diese Forschungsperspektive hat sich im Anschluss an die internationalen „Disability Studies“ entwickelt, die im Kontext der sozialen Bewegung behinderter Menschen, beeinflusst durch kritische Gesellschaftstheorie und postmoderne Kulturtheorien entstanden sind. Ihr wissenschaftliches Programm zielt auf die Kritik des in den Rehabilitationswissenschaften vorherrschenden individuellen Behinderungsmodells und favorisiert ein soziales und ein kulturelles Modell. Unter anderem geht es darum, den Zusammenhang von Gesellschaft und Behinderung, von Inklusions- und Exklusionsprozessen zu verstehen. Im Blick haben die Wissenschaftler dabei nicht nur das 19. und 20. Jahrhundert, sondern auch, wie neuere mediävistische Studien zeigen, die vormodernen Gesellschaften.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32427, jussen@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

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Mai 16 2014
14:02

Linguisten und Lebenswissenschaftler setzen sich bei Auswahlverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft durch

Zwei neue Graduiertenkollegs an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität kann zwei neue von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Graduiertenkollegs eröffnen: Davon profitieren in den kommenden viereinhalb Jahren 12 Nachwuchswissenschaftler in der Linguistik, Anglistik, Romanistik und empirischer Sprachwissenschaft und 20 in den Lebenswissenschaften. Die Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Chance, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren und sich frühzeitig international zu vernetzen. An der Universität Frankfurt gibt es bereits sieben solcher Kollegs, vier in den Geisteswissenschaften und drei in den Naturwissenschaften.

Nun hat der zuständige Bewilligungsausschuss der DFG auf seiner Frühjahrstagung in Bonn beschlossen, bundesweit 13 weitere Kollegs mit insgesamt etwa 48 Millionen Euro zu fördern. Die Frankfurter Linguisten beschäftigen sich mit „Nominaler Modifikation“ und wollen zu diesem Thema eine international sichtbare Forschungsplattform aufbauen, Sprecherin des Kollegs ist Prof. Dr. Caroline Féry. Bei den Lebenswissenschaften waren der Professor für Chemische Biologie und Medizinische Chemie Alexander Heckel und seine Kollegen mit ihrem Antrag für das Graduiertenkolleg „Complex Scenarios of Light-Control“ erfolgreich.

Dabei geht es darum, weiter zu erforschen, wie Licht als ideales Triggersignal fungieren kann, um chemische und biologische Reaktionen zu initiieren und räumliche oder zeitliche Folgeprozesse zu untersuchen. Insbesondere wenn fotolabile, also lichtunbeständige, chemische Verbindungen verwendet werden, können Systeme tatsächlich sehr präzise gesteuert werden. Von „Uncaging“ spricht man, wenn diese chemischen Verbindungen eine gewünschte Reaktivität vorübergehend blockieren, sie jedoch mit Licht wieder entfernt werden können. Die bisherigen Steuerverfahren sind jedoch noch nicht ausgereift – das Graduiertenkolleg soll deshalb über den jetzigen Stand der Technik hinausgehen und komplexe Lichtregulationsszenarien entwickeln. Diese sollen dann helfen, Protein- und RNA-Faltungsprozesse zu untersuchen, ebenso wie Transportprozesse durch Membrane sowie die Anordnung von Proteinen in drei Dimensionen. Die Promovenden werden engen Kontakt zum Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe haben, denn dort ist Heckel auch Principal Investigator.

In der Linguistik geht um die menschliche Sprache: Die Wissenschaftler befassen sich damit, theoretische und praktische Aspekte von Sprache zu beschreiben und zu erklären. Das übergreifende Thema des sprachwissenschaftlichen Kollegs ist die Grammatik von Nominalausdrücken und deren Modifikation. Nomina können durch verschiedene Konstruktionen modifiziert werden, etwa durch Adjektive („das große Auto“), durch Präpositionalphrasen („das Auto mit dem Schiebedach“) oder durch Relativsätze („das Auto, das auf dem Parkplatz steht“). In diesem Zusammenhang spielen auch die Verarbeitung und der Erwerb komplexer nominaler Ausdrücke eine wichtige Rolle. Die zugrunde liegenden Mechanismen werden von den beteiligten Forscherinnen und Forschern analysiert: Dabei zählt nicht nur allein eine syntaktische oder semantische Perspektive, sondern es sollen insbesondere auch verschiedene linguistische Subdisziplinen, wie Spracherwerb, Phonologie und Psycholinguistik, berücksichtigt werden. Das neue Graduiertenkolleg ist stark international ausgerichtet, so kooperiert es u.a. mit der University of Pennsylvania (USA), an der einsemestrige Forschungsaufenthalte vorgesehen sind.

Informationen: Prof. Dr. Caroline Féry, Institut für Linguistik, Fachbereich Neuere Philologien, Campus Westend, Tel. 069/798-32217, caroline.fery@gmail.com, http://www2.uni-frankfurt.de/50692667

Prof. Dr. Alexander Heckel, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Campus Riedberg, 069/798-42505; Heckel@uni-frankfurt.de, www.clic.uni-frankfurt.de

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Mai 16 2014
14:01

Konferenz startet mit einem Vortrag von Ute Gerhard, die die erste Professur für Frauenforschung in Frankfurt inne hatte

Ausschließende Einschließung? 100 Jahre Frauen & Wissenschaft an der Goethe-Universität

FRANKFURT. „Ausschließende Einschließung? – 100 Jahre Frauen und Wissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main“ ist das Thema einer interdisziplinären Konferenz des Cornelia Goethe Centrums, die am 22. und 23. Mai im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Goethe-Universität stattfindet. Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag (22. Mai) um 19:30 Uhr mit einem öffentlichen Vortrag der ersten Inhaberin des Frankfurter Frauenlehrstuhls, Ute Gerhard, in der Zentralbibliothek Frankfurt. Ihr Thema: „In den Brüchen der Zeit… – 100 Jahre Frauenstudien an der Universität Frankfurt“.

Bei der Tagung stehen u.a. folgende Fragen auf der Agenda: Welche Verbindungen bestanden zwischen der Goethe-Universität und dem ebenfalls 1914 eröffneten Frauenseminar für soziale Berufsarbeit, der heutigen Fachhochschule? Und welche Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Geschlecht werden in der Geschichte der Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung vor 100 Jahren sichtbar? Was haben die Politikwissenschaftlerin Eleonore Sterling und die Kommunikationswissenschaftlerin Herta Herzog gemeinsam, außer dass sie brillante Wissenschaftlerinnen waren und zu Begründerinnen neuer Fachrichtungen wurden? Welche Rolle spielten Stifterinnen und die liberale, überwiegend jüdische Bürgergesellschaft für die Entwicklung des Frauenstudiums und der Karrierechancen von Wissenschaftlerinnen in Frankfurt?

Entlang der Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Exklusion und Inklusion befasst sich die Konferenz mit besonderen Weichenstellungen für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen durch die Frankfurter Hochschulgründung, mit „verschütteten“ Pionierleistungen ihrer Wissenschaftlerinnen und mit dem langjährigen und letztlich erfolgreichen Kampf um die erste Professur für Frauenforschung an einer deutschen Universität. Einem Blick zurück auf feministische Wissenschaftskritik und die Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung an deutschen Hochschulen in den 1970/1980er Jahren folgt der Blick nach vorn: Inwieweit sind Frauen und ist feministische Wissenschaftskritik an den Universitäten angekommen? Wie hat sich das Verständnis der Frauen- und Geschlechterforschung als kritische Wissenschaft entwickelt? Welche Anstöße gilt es zu bewahren, welche Neuorientierungen sind nötig?

Am Freitag wechselt der Tagungsort auf den Campus Westend (Casino, R. 1.801), wo weitere international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, u.a. Ursula Apitzsch, Nikita Dhawan, Karin Hausen, Claudia Honegger, Elisabeth Klaus, Helma Lutz, Michael Maaser, Brita Rang, Birgit Seemann, Sophia Thubauville, Christine von Oertzen sowie die Veranstalterinnen der Konferenz Marion Keller, Marianne Schmidbaur und Ulla Wischermann ihre Forschungsergebnisse vorstellen und über die Entwicklung der Frankfurter Universität diskutieren.

Die Veranstaltung am Donnerstagabend steht allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei. Für den zweiten Konferenztag ist eine Anmeldung vor Ort noch möglich. Ein kleiner Tagungsbeitrag wird erhoben.

Informationen: Dr. Marianne Schmidbaur, Stefan Fey, Cornelia Goethe Centrum, CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (0171)273 9354; http://www.cgc.uni-frankfurt.de/wissen100

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Mai 15 2014
15:41

Frankfurter Buchmesse und Goethe-Unibator schreiben zum zweiten Mal Wettbewerb aus.

Call for Papers: Digital Publishing Ideenwettbewerb

FRANKFURT. Die Frankfurter Buchmesse (8.-12. Oktober 2014) und der Goethe-Unibator schreiben zum 2. Mal den Digital Publishing Creative Ideas Wettbewerb (#dpc14) aus. Gesucht werden innovative Ideen und kreative Lösungsansätze im Bereich des Digital Publishing, speziell zur Erstellung von digitalen Inhalten (Content Production): „Wir sind auf der Suche nach smarten Lösungen für die Content-Erstellung. Dies können z.B. Tools, Plattformen, Dienstleistungen oder Konzepte sein, die es Nutzern ermöglichen, Inhalte zu erstellen, zu teilen, zu verteilen, zu verbessern“, sagt Holger Volland, VP Media Industries bei der Frankfurter Buchmesse. Mögliche Beispiele sind internetgestützte Self-Publishing-Plattformen, automatisierte Content-Erstellung, Tools für User Generated Content u.v.m. Mit dem Digital Publishing Ideenwettbewerb wollen die Veranstalter Querdenkern und Visionären ein Forum zum vielseitigen und unvoreingenommenen Gestalten der „Content Production“ von Morgen anbieten. Deadline für Einreichungen ist der 15. Juli 2014.

„Wir freuen uns sehr, dass wir die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse fortsetzen können. Der Digital Publishing Creative Ideas Wettbewerb bietet Teams, die an innovativen Ideen und Produkten arbeiten, eine ausgezeichnete Gelegenheit, ihre Projekte der Öffentlichkeit vorzustellen“, sagt Professor Roberto V. Zicari, Direktor des Goethe-Unibators.

Eine Expertenjury wird die fünf herausragenden Konzepte auswählen. Diese werden im unmittelbaren Vorfeld der Frankfurter Buchmesse im Rahmen der Konferenz CONTEC am Dienstag, 7.Oktober vorgestellt. Die Finalisten haben einige Minuten Zeit, ihre Ideen dem Publikum zu präsentieren. Hilfsmittel wie Präsentationen sind erlaubt. Die Jurymitglieder vor Ort werden die drei besten Ideen prämieren.

Einreichungsformalitäten

Die eingereichte Ideenskizze sollte folgende beiden zentrale Elemente klären:

1. Was ist das zentrale Ziel, Herausforderung oder Problem?
2. Was soll verändert oder verbessert werden und wie sollen die Herausforderungen gelöst werden?

Format: Es werden nur Pdf-Dateien mit maximal zwei A4 Seiten in Schriftgröße 11 mit Zeilenabstand 1,5 akzeptiert. Einreichungen, die über die vorgegebene Seitenzahl hinausgehen, können nicht berücksichtigt werden. Bitte reichen Sie Ihre Ideen auf Englisch ein. Deadline ist der 15. Juli 2014.

Der Link zum Hochladen der Datei wird am 15. Mai 2014 auf der Website des Goethe-Unibators freigeschaltet: http://www.goetheunibator.de/index.php/de/digital-publishing.html 

Die Jury setzt sich in diesem Jahr zusammen aus: RA York Freiling (Hoppenstedt Rechtsanwälte), Dr. Manfred Spindler (Mitglied des Vorstands, Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.), Prof. Dr. Jörg Scheidt (Professor für analytische Informationssysteme, University of Applied Sciences Hof), Andreas Lukic (ValueNet Capital Partners GmbH), Adam Azani (EsyMix Packaging Inc.), Dr. Markus Solf (famPlus GmbH), Dr. Björn Braun (Senior Analyst, Gartner), Marco Piskurek (Marketing Consulting & Strategic Planning), Shirly Pugh (SPMJ Technology Consulting UK), Prof. Dr. Roser Valenti (Professor, Institut für Theoretische Physik, Goethe-Universität Frankfurt), Holger Volland (Vice President Media Industries, Frankfurter Buchmesse), Dr. Dirk Frank (Pressereferent, Goethe-Universität Frankfurt).

Kontakt Goethe-Unibator:

Dr. Sebastian Schäfer
Tel.: +49 (0) 69 798-23472, info@goetheunibator.de
Website
: www.goetheunibator.de
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Kontakt für die Medien:
Presse & Unternehmenskommunikation Frankfurter Buchmesse
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Mai 15 2014
15:38

Die Übersetzerin Hedwig van Heck beleuchtet die Freundschaft der beiden Dichter unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs

„Holland und der Krieg – Albert Verwey und der George-Kreis“

FRANKFURT. Am Mittwoch (21. Mai) hält die niederländische Juristin und Übersetzerin Hedwig van Heck einen öffentlichen Vortrag in deutscher Sprache zu „Holland und der Krieg – Albert Verwey und der George-Kreis“. Sie beleuchtet die Freundschaft zwischen dem niederländischen Dichter Albert Verwey, dem deutschen Dichter Stefan George und einigen seiner Gefährten während des Ersten Weltkriegs. Es ist eine Phase in ihrer Freundschaft, geprägt von Missverständnissen und dem Ende ihrer »aussern wege«, wie George es einmal formuliert hatte - während aber beiden Dichter sich »der gemeinsamkeit der inneren […] gewiss blieben«. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Casino (Raum 1.802), Campus Westend, und findet im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung des Lektorats Niederländisch an der Goethe-Universität zum „Großen Krieg“ statt – wie der Erste Weltkrieg im kollektiven Gedächtnis der Belgier heißt.

Obwohl die Niederlande im Ersten Weltkrieg neutral bleiben konnten, ging dieser Krieg, der sich quasi vor ihrer Haustür abspielte, nicht spurlos vorbei: Zunächst flüchteten hunderttausende Belgier vor der deutschen Armee über die belgisch-niederländische Grenze. Zwar kehrten viele nach einiger Zeit wieder heim, aber es blieben doch etwa 100.000 belgische Flüchtlinge während des gesamten Kriegs in den Niederlanden. Nichts war mehr wie in Friedenszeiten, auch nicht in den neutralen Niederlanden. Deswegen passt auch dieser Vortrag in die Reihe über den Ersten Weltkrieg in Flandern.

Die Übersetzerin hat sich anlässlich ihres Masterstudiums „Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft“ in ihrer Masterarbeit intensiv mit den Übersetzungen Stefan Georges aus dem Niederländischen befasst, die von Albert Verwey stammen.

Der niederländische Dichter Albert Verwey (1865-1937) und der deutsche Dichter Stefan George (1868-1933) waren sich Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal begegnet. So unterschiedlich das Äußere, so ähnlich ihre Verbundenheit zur Dichtung. Der künstlerische Anreiz der von der Dichtung des jeweils anderen ausgeht zeigte sich gleich bei dieser ersten Begegnung am 11. September 1895 in der Villa Nova der Familie Verwey im niederländischen Fischerdorf Noordwijk aan Zee.

Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich zwischen George und Verwey ein Verhältnis, das viele Jahre anhielt. Insbesondere in den ersten sieben Jahren kommen sich die beiden Dichter während längerer gegenseitiger Besuche und auf gemeinsamen Reisen näher. Im Laufe der Zeit lernt Verwey aus dem engeren und weiteren Umfeld Stefan Georges verschiedene Gefährten kennen. Insbesondere zu Friedrich Gundolf und Karl Wolfskehl verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft.

Als der Große Krieg im Sommer 1914 ausbricht, hat Verwey nur einen Gedanken: die Angst, von seinen deutschen Freunden abgeschottet zu werden. Dieser Krieg bedrohte die über 20 Jahre bestehende Beziehung mit Deutschland, welche nicht nur für Verwey selbst, sondern nach seiner Einschätzung auch für die Entwicklung des niederländischen Geisteslebens bis dahin von großer Bedeutung gewesen war.

Seine Essays über den Krieg, die er in seiner Zeitschrift „De Beweging“ veröffentlicht und nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal in einem kleinen Band unter dem Namen „Holland und der Krieg“ publiziert, sind gekennzeichnet von einer verurteilenden Haltung gegenüber Deutschland. Dazu Hedwig van Heck: „Dabei ist Verwey der Überzeugung, dass Dichtung und Geist über den Krieg stehen, dass nicht nur seine, sondern auch die Freundschaft seiner deutschen Freunden zu ihm und ihre künstlerische Verbundenheit mit ihm über den Ereignissen hinweg unverändert bleiben – nicht ahnend, dass seine deutschen Freunde in diesem Krieg ihren ‚heiligen Krieg‘” sahen – würde er doch eine gesellschaftliche Erneuerung hervorbringen.“ So fand Verweys Meinung über den Krieg und das Kriegsgeschehen keine gute Aufnahme mehr.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe

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Mai 15 2014
15:36

Im Rahmen der Bürger-Universität spricht Dieter Bartetzko über Caterina Valente

Wo meine Sonne scheint

FRANKFURT. „Bonsoir Kathrin!“ hieß es ab 1957 und bis in die 70er hinein im deutschen Fernsehen. Die Gastgeberin: Caterina Valente, die „Stimme des Aufschwungs“. Ihren Aufschwung feierte Catherina Valente jedoch nicht nur in Deutschland. Mit ihren Liedern aus Schlager, Pop, Jazz Chanson oder Bossa Nova machte sie eine weltumspannende Karriere.

Caterina Valente stammt aus einer angesehenen italienischen Künstlerfamilie und stand selbst mit fünf Jahren das erste Mal auf der Bühne. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war sie acht Jahre alt. Es folgten Gefangenschaft in Breslau und die Deportation nach Russland. Nach dem Krieg kehrte die Familie Valente nach Paris zurück. Durch einen Auftritt als 16-jährige Sängerin in einem dortigen Nachtclub kam ihre Karriere ins Rollen. Es folgten Auftritte und Gesangsaufnahmen in Frankreich, Kopenhagen sowie Zürich, die über den Rundfunk schnell eine weite Verbreitung fanden. Nach ersten Erfolgen als Sängerin drehte sie dann 1954 ihren ersten Kinofilm „Mannequins für Rio“. Durch ihre erste Ehe besitzt Valente neben der italienische auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe: „Deutsche Biografien – Wie wir wurden, wer wir sind“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor. Stellvertretend für eine ganze Nation spiegelt sich auch in der Biografie der Valente etwas Grundsätzliches über die Entwicklung Deutschlands wieder. Dieter Bartetzko, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, geht in seinem Vortrag sowohl den Stationen der internationalen Karriere nach als auch Valentes Bedeutung für das Deutschland des Aufschwungs.

Wo meine Sonne scheint – Caterina Valente
Referentin: Dieter Bartetzko, Frankfurter Allgemeine Zeitung

am: Montag, 19. Mai 2014, um 19.30 Uhr,
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de

Eintritt frei

Das komplette Programm der 11. Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

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Mai 15 2014
15:35

Diskussionsveranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ fragt nach historischen Schuldzuschreibungen

Terminänderung: Stadtgespräch mit Christopher Clark am 26. Mai!

FRANKFURT. Das nächste Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ findet nicht, wie zunächst angekündigt, am 19, Mai statt. Die öffentliche Diskussionsrunde, bei der der Historiker Christopher Clark von der Universität Cambridge zu Gast sein wird, musste auf den 26. Mai verschoben werden. Ort und Uhrzeit bleiben gleich: Beginn ist um 19.00 Uhr im Historischen Museum Frankfurt (Fahrtor 2, Römerberg). Der Grund für die Verlegung liegt in erst jetzt bekannt gewordenen Terminüberschneidungen im umfangreichen Vortrags- und Einladungsprogramm von Christopher Clark, dessen Buch „Die Schlafwandler“ nach wie vor in vielen europäischen Ländern auf größtes Interesse stößt. Da der Gesprächspartner von Seiten des Clusters, der Frankfurter Historiker Andreas Fahrmeir, an dem neuen Termin wegen lange feststehender Verpflichtungen bedauerlicherweise verhindert ist, ergibt sich auch eine neue Besetzung des Podiums. Der Cluster freut sich, Christoph Cornelißen gewonnen zu haben. Er lehrt an der Goethe-Universität Neueste Geschichte und ist assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters.

Diese Terminänderung bezieht sich auf die Pressemitteilung vom 12. Mai („Stadtgespräch des Clusters mit Christopher Clark“). Hier folgt die aktualisierte Version:

Die Frage nach der Schuld stellt sich nicht nur im Strafrecht, sie gehört auch zu den großen Themen der Geschichte. Fast könnte man meinen, dass unsere Bewertung historischer Ereignisse, besonders kriegerischer Auseinandersetzungen, nicht ohne die Antwort darauf auskommt, wer im Unrecht war und zur Verantwortung gezogen werden muss. Beim 15. Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität soll es grundsätzlich und epochenübergreifend um die Bedeutung, die Funktion und die Folgen von Schuldzuschreibungen in der Geschichte gehen. Die Podiumsdiskussion trägt den Titel: „Wer hat angefangen? – Sinn und Unsinn historischer Schuldzuschreibungen“. Sie findet am 26. Mai 2014 um 19.00 Uhr im Historischen Museum Frankfurt statt (Fahrtor 2, Römerberg).

Exemplarisch und mit Bezug auf das aktuelle Jubiläumsjahr rückt in der jüngsten Ausgabe des Frankfurter Stadtgesprächs auch der Erste Weltkrieg in den Fokus, für dessen Ausbruch viele Historiker lange Zeit vor allem Deutschland verantwortlich machten. Zu Gast bei der öffentlichen Veranstaltung ist der Historiker Christopher Clark von der Universität Cambridge, der in seinem Buch „Die Schlafwandler – Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog“ einen differenzierteren Ansatz verfolgt. Sein Diskussionspartner ist Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität. Die Moderation hat Klaus Günther, Co-Sprecher des Clusters und Rechtswissenschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Strafrecht und Rechtsphilosophie. Das Stadtgespräch wird in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main veranstaltet.

„Der Kriegsausbruch von 1914 ist kein Agatha-Christie-Thriller, an dessen Ende wir den Schuldigen im Wintergarten über einen Leichnam gebeugt auf frischer Tat ertappen. In dieser Geschichte gibt es keine Tatwaffe als unwiderlegbaren Beweis, oder genauer: Es gibt sie in der Hand jedes einzelnen Akteurs. So gesehen war der Kriegsausbruch eine Tragödie, kein Verbrechen.“ Das schreibt Christopher Clark in seinem „Schlafwandler“-Buch. Er widerspricht damit vor allem auch der These des deutschen Historikers Fritz Fischer aus den 1960er-Jahren, wonach Deutschland den Krieg aus Expansionsbestrebungen gezielt vorbereitet habe. Auch fragt Clark in seinem Buch, ob es denn überhaupt nötig sei, „dass wir ein Plädoyer gegen einen einzigen schuldigen Staat halten oder eine Rangordnung der Staaten nach ihrem jeweiligen Anteil an der Verantwortung für den Kriegsausbruch aufstellen“.

Zumindest ein Grund für die Suche nach den Hauptverantwortlichen mag selbst in weltgeschichtlichen Zusammenhängen darin bestehen, konkrete Haftungsfragen zu klären. Bei den Friedensverhandlungen in Versailles wurde die moralische Verantwortung für den Ausbruch des Krieges beim Deutschen Reich und seinen Bündnispartnern gesehen. Die letzte Rate in Verbindung mit den damals beschlossenen Reparationen leistete die Bundesrepublik im Oktober 2010, es waren 200 Millionen Euro.

Nach wie vor strittig ist, welche Rolle die Schuldzuweisung an das Deutsche Reich für die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik spielte und damit für die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und die von den Deutschen begangenen Menschheitsverbrechen. Gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde in Nürnberg erstmals ein internationales Strafverfahren geführt. Und schließlich und nicht zuletzt: Gegenseitige Schuldzuweisungen wie beispielsweise im ehemaligen Jugoslawien vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen den verschiedenen Ethnien prägen auch aktuelle Konflikte, sei es in der Ukraine oder auf dem afrikanischen Kontinent.

Christopher Clark, der in Cambridge Neuere Europäische Geschichte lehrt, steht bereits seit einigen Jahren in enger Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dessen Forschungsthemen. Im Mai folgt der vielfach ausgezeichnete Historiker zum zweiten Mal einer Einladung des Clusters an das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Dort gehört er auch zu den ersten Fellows des neu gegründeten Historischen Kollegs.

Terminvorschau: Eine weitere Gelegenheit, Clark „live“ zu sehen, besteht am 29. Mai auf dem Frankfurter Campus Westend. Dann hält er im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“ einen vom Cluster ausgerichteten öffentlichen Vortrag zum Thema „Das Wilhelminische Deutschland und die Universität Frankfurt: Der Kontext der Kriegsjahre“.

 

Informationen im Internet: Zum Stadtgespräch am 19. Mai: www.normativeorders.net/frankfurter-stadtgespraech

Zum Jubiläums-Vortrag am 29. Mai: www.normativeorders.net/gu-100

 

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net

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Mai 14 2014
13:58

Fach- und Jobmesse an der Goethe-Universität auf dem Campus Bockenheim

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FRANKFURT. Der Fachbereich Informatik und Mathematik der Goethe-Universität Frankfurt veranstaltet am Donnerstag, 15. Mai 2014, seine erste IT Fach- und Jobmesse. Am Campus Bockenheim, im Sozialzentrum/Neue Mensa Foyer, begrüßt die Universität interessierte Studierende, Absolventen sowie Fach- und Führungskräfte, die sich über Jobmöglichkeiten und Neuigkeiten in der IT-Branche informieren möchten. Unternehmen und Organisationen aus der Wirtschaft und der Goethe-Universität präsentieren sich den Besuchern zwischen 10 Uhr und 16 Uhr an Messeständen, in Unternehmenspräsentationen und in Fachvorträgen. Der Eintritt ist kostenfrei.

Veranstaltet wird die Jobmesse „Enter_Zukunft_IT“ vom Fachbereich Informatik und Mathematik der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Career Center der Goethe-Universität. Nähere Informationen zur Veranstaltung, zum Vortragsrahmenprogramm sowie den Messeausstellern finden Interessierte unter www.enter-zukunft-it.de.

Die Messe ist auch ein Programmpunkt im Rahmen des Jubiläumsprogramms zum 100jährigen Bestehen der Goethe-Universität.

Veranstaltungen

Mai 13 2014
17:03

Öffentlicher Abendvortrag des Nobelpreisträgers Frank Wilczek

Über die Schönheit physikalischer Gesetze

FRANKFURT. Können wissenschaftliche Ideen ästhetisch schön sein? Dieser Frage wird der Physik-Nobelpreisträger des Jahres 2004, Prof. Frank Wilczek vom Massachussetts Institute of Technology, USA, in einen öffentlichen Vortrag nachgehen. Der englische Vortrag mit dem Titel “Quantum Beauty” findet im Rahmen der diesjährigen Quark Matter-Konferenz in Darmstadt statt, zu der mehr als 800 Forscher aus aller Welt erwartet werden. Organisatoren sind die Universitäten Frankfurt und Heidelberg, die Technische Universität Darmstadt und das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung.

Wann? Donnerstag, den 22.5.2014, 19:00 Uhr.
Wo? Hörsaal 122 der Technischen Universität Darmstadt, Altes Maschinenhaus, Magdalenenstr. 12, 64289 Darmstadt.

Bereits Pythagoras und Platon dachten über die Schönheit physikalischer Theorien nach. Schön ist für den Physiker beispielsweise eine Theorie, die bestimmten Symmetrien unterliegt. Dass eine schöne Theorie auch wahr ist, deutete sich bereits in der Mechanik Isaac Newtons und der Theorie des Elektromagnetismus James Clerk Maxwells an. Wie Frank Wilczek demonstrieren wird, hat die moderne Physik dieses Prinzip in großer Tiefe und im Detail verinnerlicht. Er wird auch die Entwicklung des Konzepts der Schönheit physikalischer Gesetze rekapitulieren und zeigen, wie es die Forschung auf dem Weg zum ultimativen Verständnis unserer Welt leitet.

Der Eintrittspreis beträgt 5,- € (Eintrittskarten sind bis zum 19.5. zzgl. einer Vorverkaufsgebühr von 50 Cent erhältlich im Darmstadt Shop am Eingang des Luisencenters, Luisenplatz 5).

Die Quark Matter-Konferenz ist die größte und wichtigste Konferenz der Schwerionenphysik. Sie findet vom 19.5. bis 24.5. im Konferenzzentrum Darmstadtium in Darmstadt statt. Nach drei Jahren Datenaufnahme am LHC-Beschleuniger des CERN sowie einer neuen experimentellen Kampagne am RHIC am Brookhaven National Laboratory, USA, sind gerade zu diesem Zeitpunkt besonders spannende neue Forschungsergebnisse zu erwarten. Auf dem Gelände der GSI ist zurzeit die FAIR-Beschleunigungsanlage im Bau, an der auch die Goethe-Universität beteiligt ist.

Informationen: Prof. Dr. Dirk Rischke, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-47862, drischke@th.physik.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Mai 13 2014
17:01

Goethe-Universität schenkt Oberbürgermeister Peter Feldmann Jubiläumsfahrrad zur Nutzung für gemeinnützige Zwecke

Kleine Geste, große Wirkung: Fahrradkurse für Migrantinnen

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Jubiläumsjahr sorgte die Goethe-Universität für mehr nachhaltige Mobilität in Frankfurt. Nach der Verlosung von 100 Jubiläumsfahrrädern an Angehörige der Universität, wird ein weiteres Fahrrad nun in den Dienst einer gemeinnützigen Einrichtung gestellt.

Die Übergabe des Zweirades an Oberbürgermeister Peter Feldmann erfolgt im Rahmen eines Besuchs der Heinrich-Lübke-Siedlung am 15. Mai 2014. Treffpunkt ist um 17.00 Uhr vor dem REWE-Markt, Heinrich-Lübke-Straße 5-7 (Zugang auch über Ludwig-Landmann-Straße).

Von dort geht der Weg dann zum Begegnungszentrum des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behindertenhilfe e.V., Heinrich-Lübke-Straße 32, wo das Fahrrad seiner Bestimmung übergeben werden soll: Hier können es sich Seniorinnen und Senioren ausleihen, aber auch die Teilnehmerinnen des vom Quartiersmanagement initiierten Fahrradkurses für Migrantinnen.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an den Termin teilzunehmen. Wir bitten um Information (ott@pvw.uni-frankfurt.de), ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.

Veranstaltungen

Mai 13 2014
16:59

Vortragsreihe „Cornelia Goethe Colloquien“ im Sommersemester 2014

Eine Frankfurter Schule der Frauen- und Geschlechterforschung?

FRANKFURT. Die Kritische Theorie, die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in Frankfurt begründet wurde, hat in vielfacher Hinsicht zum Weiter-Denken, aber auch zum Gegen-den-Strich-Denken angeregt. Vor allem deshalb waren und sind die kultur- und gesellschaftstheoretischen Impulse dieser Frankfurter Schule für die Frauen- und Geschlechterforschung bis heute wegweisend. Die Themen der öffentlichen Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums im Sommersemester 2014 reichen von den „Anfängen der Frauenforschung in Frankfurt“ bis hin zu „aktuellen Debatten im Anschluss an die Kritische Theorie“. Zur Debatte steht vor dem Hintergrund des Jubiläums der Goethe-Universität die Frage nach einer Frankfurter Schule der Frauen- und Geschlechterforschung. Die Vorträge finden immer (außer 22. Mai) mittwochs von 18 bis 20 Uhr im PEG-Gebäude (Raum 1.G 191), Campus Westend, statt.

Traditionelle Vorträge sind eher die Ausnahme bei diesen Veranstaltungen, die zum Zuhören, zur Auseinandersetzung und zum Mitdiskutieren einladen. Sie beginnen am Mittwoch (14. Mai) mit einem Interview zwischen der Medienwissenschaftlerin und geschäftsführenden Direktorin des Cornelia Goethe Centrums, Prof. Ulla Wischermann, und der Kinowissenschaftlerin und -enthusiastin, Prof. Heide Schlüpmann. Auf „100 Jahre Frauenstudien an der Goethe-Universität“ blickt eine Woche später Prof. Ute Gerhard, die erste Professorin für Frauenforschung an einer deutschen Universität, zurück (22.5.). Ausnahmsweise findet dieser Vortrag, der zugleich die Konferenz „Ausschließende Einschließung. 100 Jahre Frauen & Wissenschaft an der Goethe-Universität“ eröffnet, in der Stadtbibliothek statt.

Weitere Highlights der Vortragsreihe sind die Diskussion der Frage, wie die doppelte Verortung von Frauen in Erwerbs- und Familienarbeit in Anschluss an die Kritische Theorie heute vor dem Hintergrund einer sich international zuspitzenden „Care“-Krise, einer Krise des „Füreinander-Sorgens“, zu denken ist. Es diskutieren Prof. Helma Lutz und Prof. Regina Becker-Schmidt (4. Juni). Biografische Erinnerungsarbeit ist der Leitfaden für „Kritische Theorie und die Anfänge der Frauenforschung in Frankfurt“ am 11. Juni, ein Zurück- und Vordenken mit Prof. Ursula Apitzsch und Prof. Christel Eckart. Gegen den Strich und in vielfacher Hinsicht von einem anderen Standpunkt aus gesehen, reflektiert Prof. Nikita Dhawan am 25. Juni „The Paradox of postcolonial Enlightement“. Abgeschlossen wird die in Kooperation mit dem Frankfurter Institut für Sozialforschung konzipierte Reihe am 9. Juli mit einem Gespräch zu aktuellen Fragen der Geschlechtertheorie. Den Abend gestaltet die Frankfurter feministische Philosphinnengruppe mit ihrem Gast, der Philosophin Dr. Eva von Redecker.

Die Vortragsreihe wird veranstaltet vom Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) in Kooperation mit dem Institut für Sozialforschung und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Das Programm auf einen Blick

14. Mai
Das große Kino - Feministische Kritik und Frankfurter Schule.
Ulla Wischermann im Gespräch mit Heide Schlüpmann

22. Mai (19:30 Uhr, Stadtbücherei Frankfurt a.M., Zentralbibliothek, Hasengasse 4)
„In den Brüchen der Zeit…“ - 100 Jahre Frauenstudien an der Universität Frankfurt.
Ute Gerhard

4. Juni
Von der ‚Doppelten Vergesellschaftung von Frauen‘ zur ‚Krise der Care-Arbeit‘ – Impulse aus der ‚Kritischen Theorie‘?'
Helma Lutz im Gespräch mit Regina Becker-Schmidt 

11. Juni
Kritische Theorie und die Anfänge der Frauenforschung in Frankfurt.
Ursula Apitzsch im Gespräch mit Christel Eckart

25. Juni
Affirmative Sabotage of the Master’s Tools: The Paradox of Postcolonial Enlightenment.
Nikita Dhawan (in engl. Sprache)

9. Juli
Queer und materialistisch. Aktuelle feministische Debatten im Anschluss an die Kritische Theorie.
Eva von Redecker im Gespräch mit der Feministischen Philosophinnengruppe Frankfurt

Informationen: Dr. Marianne Schmidbaur, Stefan Fey, Cornelia Goethe Centrum, CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (0171)273 9354; http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-colloq.shtml