​​​​Pressemitteilungen ​

Sonstige

Jun 2 2017
13:39

Klimaforscher Prof. Joachim Curtius von der Goethe-Universität übt massive Kritik an der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, das Pariser Klimaabkommen aufzukündigen

„Ein Bestreiten ist einfach lächerlich“

FRANKFURT. Die gestrige Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, das Pariser Klimaschutzabkommen zu verlassen, hat auch die Klimaforscher an der Goethe-Universität alarmiert. Der renommierte Klimaforscher, Prof. Joachim Curtius, bezeichnete die Entscheidung als „einen ganz herben Rückschlag für den gesamten Prozess.“ Man könne die in dem Abkommen vereinbarten verbindlichen Maßnahmen mit Rücksicht auf die USA nicht noch weitere 4 bis 8 Jahre verzögern. Als „lächerlich“ bezeichnete es Curtius, dass Trump und seine Mitstreiter die Ursachen des Klimawandels weiter infrage stellten: „Hunderte von wissenschaftlichen, untereinander völlig unabhängigen Untersuchungen belegen den Klimawandel zweifelsfrei“, betont Curtius. „Man schaue sich nur die Satellitenfotos zur Eisbedeckung der arktischen Meere an. Den Rückgang von mehreren Millionen Quadratkilometer Eisfläche kann jeder sofort erkennen.“ Auch der wesentliche Einfluss des Menschen auf den Klimawandel sei wissenschaftlich sehr gut abgesichert. Curtius bezeichnete es als „unfassbar“, dass diese „gut gesicherten wissenschaftlichen Fakten“ weiterhin bestritten werden.

Den angekündigten Ausstieg der USA als global hauptverantwortliche Nation für den Klimawandel bezeichnete der Klimaforscher als „doppelt bitter“. Er befürchtet, dass andere Nationen dies als Vorwand nutzen könnten, um ihre Anstrengungen ebenfalls zurückzufahren. In diesem Zusammenhang bezeichnete er es aber auch als „positives und erfreuliches Signal“, das sowohl Indien als auch China deutlich gemacht hätten, weiter uneingeschränkt am Pariser Klimaabkommen festhalten zu wollen.

Für die Zukunft sieht Curtius weiterhin enorme Anstrengungen, um den Weltklimawandel noch aufhalten zu können. „Wir müssen innerhalb der nächsten 30 Jahre die globale CO2-Emissionen in die Atmosphäre um mindestens 2 Prozentpunkte pro Jahr, eher um 3 Prozentpunkte senken“. Dies erfordere Investitionen, die derzeit nur die entwickelten Industrieländer bewältigen könnten. Hier tue der Ausstieg der USA besonders weh. Curtius: „Die USA hatten bereits ihre Verantwortung anerkannt, dass diese Transfers an die armen Länder, die vom Klimawandel am härtesten getroffen sind, notwendig sind und von ihnen mitfinanziert werden müssen.“

Das vollständige Interview mit Prof. Curtius lesen Sie unter http://tinygu.de/Joachim-Curtius

Ein Foto steht unter www.uni-frankfurt.de/66809548 zum Download zur Verfügung.

Forschung

Jun 1 2017
13:08

Der Politikwissenschaftler Thorsten Thiel spricht im neuen UniReport über erfundene Nachrichten und die Folgen für die politische Kultur.

Fake News – eine Gefahr für die Demokratie?

FRANKFURT. Sie bestimmen mittlerweile die Diskussionen in den Zeitungen und im Fernsehen: Fake News wurde kürzlich sogar zum „Anglizismus des Jahres“ gekürt. Doch was verbirgt sich dahinter, wie groß sind die Gefahren erfundener Nachrichten für die Gesellschaft? Dr. Thorsten Thiel, Politikwissenschaftler am Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und assoziiertes Mitglied am Exzellenzcluster ‚Normative Ordnungen‘ an der Goethe-Uni, betont in der neuen Ausgabe des UniReports, dass erfundene Nachrichten nach wie vor eher Nischenphänomene darstellten. Die Debatte um Fake News lenke von den wirklichen Neuerungen des digitalen Strukturwandels wie Filterblasen oder Hate Speech eher ab.

Auch wenn automatisierte Verfahren der Sprach- oder Bilderkennung immer besser würden, könnten Computer nicht den Wahrheitsgehalt einer Geschichte überprüfen. Thiel, der auch den Leibniz-Forschungsverbund ‚Krisen einer globalisierten Welt‘ koordiniert, warnt davor, Akteuren wie Facebook oder Google die Kontrolle bei der Wahrheitsbewertung im Netz zu überlassen: Der Staat gebe damit hoheitliche Zuständigkeiten ab und mache sich tendenziell abhängig von der Expertise und den Prozessen kommerzieller Akteure. Zudem sieht er eine weitere Gefahr: „Was in Deutschland zur Filterung von Falschmeldungen eingesetzt wird, kann im Kontext von autoritären Regimen der Zensur abweichender Meinungen dienen.“

Thiel kritisiert angstbesetzte Metaphern des Digitalen und warnt vor einer zu starken Kontrolle der Dezentralität des Netzes: „Auf lange Sicht birgt dies Gefahren

für die Computersicherheit, aber wohl auch für die Demokratie.“ Er plädiert stattdessen dafür, die emanzipatorischen Vorstellungen vom Digitalen wieder zu erneuern.

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • „Die selbstkritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ist ein Fundament der politischen Kultur in Deutschland.“ Prof. Sybille Steinbacher, Inhaberin des Lehrstuhls für Holocaust-Forschung, über ihre künftigen Forschungsaktivitäten.
  • Mensch-Umwelt-Beziehung aus zwei Blickwinkeln: Der Bachelorstudiengang Geographie bietet mit Humangeographie und Physischer Geographie verschiedene Abschlüsse.
  • Third Mission oder wenn Entscheider auf Forscher treffen: Eveline Lemke, Fellow des Mercator Science-Policy Fellow-Programms, im Gespräch mit der Geschichts- und Politikwissenschaft an der Goethe-Uni.
  • „Kein gewöhnliches Krankenhaus“: Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, im Interview.
  • „Ein leidenschaftlicher Denker“: Rainer Forst über den kürzlich verstorbenen Philosophen Karl Otto Apel.
  • Neue Hoffnung bei schlecht heilenden Wunden: Lichtaktivierbare Inhibitoren von mikroRNA erstmals lokal begrenzt als Therapeutikum eingesetzt.

Der UniReport 3/2017 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.uni-frankfurt.de/66778187.

Forschung

Jun 1 2017
10:43

Narkosemittel bewirken, dass manche Hirnareale weniger Informationen produzieren

Warum verliert man bei der Narkose das Bewusstsein?

FRANKFURT. Bisher gingen Forscher davon aus, dass Narkosemittel die Signalübertragung zwischen verschiedenen Hirnarealen unterbrechen und man deshalb bewusstlos wird. Neurowissenschaftler der Goethe-Universität sowie des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation fanden jetzt heraus, dass bestimmte Areale unter Narkose weniger Informationen produzieren. Die oft gemessene Reduktion von Informationstransfer unter Narkose könnte eine Folge dieser reduzierten Informationsproduktion sein und nicht – wie bisher vermutet – eine Folge gestörter Signalübertragung.

Wenn in einer Stadt kaum noch Telefongespräche geführt werden, kann es sein, dass mehrere Telekommunikationssysteme zusammengebrochen sind - oder es ist Nacht und die meisten Leute schlafen. In einem narkotisierten Gehirn ist es ähnlich: findet auffallend wenig Informationsübertragung zwischen verschiedenen Gehirnarealen statt, ist entweder die Signalübertragung in den Nervenfasern gehemmt, oder bestimmte Gehirnareale sind weniger aktiv bei der Erzeugung von Informationen.

Die zweite Hypothese haben Patricia Wollstadt, ihre Kollegen vom Brain Imaging Center an der Goethe-Universität und die Wissenschaftler des MPI für Dynamik und Selbstorganisation nun untersucht. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von „PLOS Computational Biology“ mitteilen, untersuchten sie im Gehirn von Frettchen „Quellareale“ des Gehirns, aus denen unter Narkose weniger Informationen übermittelt wurden als im Wachzustand. Sie fanden, dass dort die Informationsproduktion unter Narkose stärker beeinträchtigt war als in den „Zielarealen“, in die Information übertragen wird. Dies deutet darauf hin, dass die in der Quelle verfügbare Information den Informationstransfer bestimmt und nicht eine gestörte Signalübertragung. Wäre letzteres der Fall, würde man eine stärkere Reduktion in Zielarealen erwarten, da hier weniger Information „ankommt“..

„Diese alternative Erklärung ist über die Anästhesieforschung hinaus relevant“, so Patricia Wollstadt, „da grundsätzlich jede Untersuchung von neuronalem Informationstransfer berücksichtigen sollte, wie viel Informationen lokal verfügbar und damit auch übertragbar sind“.

Publikation: Patricia Wollstadt, Kristin K. Sellers, Lucas Rudelt, Viola

Priesemann, Axel Hutt, Flavio Fröhlich, Michael Wibral: Breakdown of local information processing may underlie isofflurane anesthesia effects, in PLOS Computational Biology, http://journals.plos.org/ploscompbiol/article?id=10.1371/journal.pcbi.1005511

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66792186
Foto: Stefan_Schranz/ pixabay, CC 0

Information: Prof. Michael Wibral, Brain Imaging Center, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301-83193, wibral@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 1 2017
09:20

Der Schriftsteller spricht ab dem 6. Juni an der Goethe-Universität über sein literarisches Schreiben.

Michael Kleeberg übernimmt Frankfurter Poetikdozentur

FRANKFURT. Der Schriftsteller, Essayist und Übersetzer Michael Kleeberg übernimmt im Sommersemester 2017 die renommierte Stiftungsgastdozentur der Frankfurter Poetikvorlesungen. Seine Vortragsreihe mit dem Titel „BESSEREM VERSTÄNDNISS. Ein Making-of“ wird er zwischen dem 6. Juni und dem 4. Juli an fünf aufeinanderfolgenden Dienstagen über das literarische Schreiben, seine literarischen Orientierungspunkte und seine poetologischen An- und Einsichten halten.

Frankfurter Poetikvorlesungen im Sommersemester 2017
Michael Kleeberg: „BESSEREM VERSTÄNDNISS. Ein Making-of“

6./13./20./27. Juni, 4. Juli. Hörsaalzentrum, Campus Westend, HZ 1&2, Beginn jeweils 18.15 Uhr. Abschlusslesung im Literaturhaus Frankfurt, 5. Juli, 19.30 Uhr.

Begleitausstellung „Erste Sätze. Making of Michael Kleeberg“ (Kurator: Wolfgang Schopf, Literaturarchiv der Goethe-Universität) ab 7. Juni im „Fenster zur Stadt“/Restaurant Margarete, Braubachstraße 18-22.

Michael Kleeberg wurde 1959 in Stuttgart geboren; nach längeren Auslandsaufenthalten, unter anderem in Frankreich, lebt er heute in Berlin. Er ist Romancier, Erzähler, Essayist und Übersetzer aus dem Französischen und Englischen. Seinen Durchbruch hatte Kleeberg mit dem Roman „Ein Garten im Norden“ (1998), den Kritiker kanonisch für die Literaturgeschichte der jüngsten Gegenwart halten. Als ein weiterer Höhepunkt in Kleebergs Schaffen wird der Roman „Karlmann“ (2007) betrachtet, der ein gesellschaftliches Panorama der 80er Jahre in Westdeutschland zeichnet. Kleeberg ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter der Anna-Seghers-Preis (1996), der Lion-Feuchtwanger-Preis (2000), Mainzer Stadtschreiber (2008), der Evangelische Buchpreis (2011), der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2015) und der Kulturpreis der Stadt Böblingen (2017).

Im aktuellen UniReport erklärt Kleeberg den Titel seiner Vorlesungen: „‘Besserem Verständniss‘ mit Doppel-S ist der Titel des erklärenden Prosaanhangs, den Goethe in der Erstausgabe von 1819 den Gedichten des ‚Westöstlichen Divans‘ nachstellte. Mein aktuelles Schreibprojekt ist vom Divan inspiriert, die Vorlesungen versuchen, die Entstehung dieses Projekts zu begründen und zu erklären – daher der Titel.“

Ferner spricht Kleeberg im Interview auch darüber, wie er zum Entschluss gekommen ist, Schriftsteller zu werden: „Der Zustand beim Schreiben (und davor und danach) schien mir zum einen der einzige, den ich mein ganzes Leben lang immer wiederspüren wollte und weil mir zum anderen alle andere Arbeit (und Arbeit überhaupt) ein Horror war. Abtauchen, durch Tapetentüren in ein Paralleluniversum entfliehen, Zeit formen und bannen - das war in etwa der Reiz. Und natürlich die Hoffnung auf unsterblichen Ruhm, soweit er jemandem erreichbar ist, der nicht singen und Gitarre spielen kann und kein Naturwissenschaftsass ist.“

Das komplette Interview mit Michael Kleeberg im UniReport kann nachgelesen werden unter http://tinygu.de/Michael-Kleeberg

Weitere Informationen: Prof. Susanne Komfort-Hein, Geschäftsführung Frankfurter Poetikvorlesungen, Goethe-Universität; Esther Delp, M.A.; Tel. (069) 798-32855; delp@lingua.uni-frankfurt.de; www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de

Sonstige

Mai 31 2017
12:29

Kunstwerke im Dialog mit Poelzigs Architektur – „Guerilla-Kunst“: Urbane Möbel aus Drainageröhren

„Blickachsen 11“ – Skulpturen auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Das Konzept des Künstlerduos Pitsch & Schau ist aufgegangen: Ihre Stadtmöbel aus Drainagerohren sollen den öffentlichen Raum nicht nur formen, sondern ihn sich aneignen und „besetzen“. Und die Studierenden der Goethe-Universität haben die „Guerilla-Kunst“ der beiden Hamburger voll angenommen, die auf der großen Rasenfläche zwischen IG-Farben-Haus und Casino zum Verweilen einlädt. Noch zwei weitere Künstler präsentieren sich im Rahmen der Skulpturenbiennale „Blickachsen 11“ auf dem Campus Westend: Ewerdt Hilgemann mit seinen unverwechselbaren Edelstahlkuben und Raul Walch mit „Interaction of colors“. Beide setzen sich auf ihre Art mit Poelzigs IG-Farben-Haus-Architektur auseinander.

Über den ganzen Sommer bis zum 1. Oktober läuft die Ausstellung „Blickachsen 11“ an allen acht Schauplätzen. Vom Zentrum in Bad Homburg führen symbolische Blickachsen zu den sieben anderen Ausstellungsorten der Region. Dieses Mal werden insgesamt 80 Großskulpturen von 37 internationalen Künstlern gezeigt. Zum vierten Mal ist auch der Campus Westend der Goethe-Universität dabei. Mit seiner wunderbaren Parklandschaft ist der Campus für den Bad Homburger Initiator und Kurator der Skulpturenbiennale Christian K. Scheffel ein idealer Ort, sich den Herausforderungen von Wissenschaft, Architektur und zeitgenössischer Kunst gleichermaßen zu stellen, aber auch das studentische Leben zu bereichern – und sei es mit kreativ-urbanen Möbeln.

Der „Luftschmied“ Ewerdt Hilgemann präsentiert auf dem Campus Westend die Dreiergruppe „Threesome“ und die aus drei identischen Elementen entstandenen „Giants“ (Riesen). Seine Technik umschreibt er so: „Ich entziehe die Luft und hauche damit Leben ein“. Seit 1984 entwickelt der in den Niederlanden lebende Künstler in immer neuen Variationen seine unverwechselbaren lebendig wirkenden Edelstahlkuben. Ihre individuelle Deformation schafft der Künstler dadurch, dass er den ursprünglich gleichförmigen Quadern mit einer Vakuumpumpe die Luft entzieht, so entstehen geknickte Formen. Und diese in sich zusammengefallenen Gebilde rahmen jetzt den klaren geometrischen Aufbau des IG-Farben-Gebäudes, das Hans Poelzig in den 1920er Jahren entworfen hat. Dazu in der Ausstellungsbroschüre: „Während dort die vertikalen Linien die Architektur optisch strecken und strukturieren, wirken die Arbeiten von Ewerdt Hilgemann beinahe durch äußere Einwirkung geschwächt.“

Der 1980 in Frankfurt geborene Raul Walch hat vier Stoffe an den Fahnenmasten auf dem Campus gehisst; sie sollen mit ihrer Beweglichkeit einen Kontrast zu den klaren Linien und Geometrien des IG-Farben-Gebäudes bilden. Walch greift dabei Ornamente des architektonischen Gebäuderasters auf und überführt sie in eine malerische Fläche, dabei verwendet er ausschließlich Pigmente natürlichen Ursprungs. In der Ausstellungspublikation ist das Zusammenspiel von Poelzig und Walch so beschrieben: „Eine solche Transformation der Fassade in textiles Material versinnbildlicht Hans Poelzigs Fassadenauffassung, die sich mit der ‚Bekleidungslehre‘ des Architekturtheoretikers Gottfried Semper auseinandersetzt: Poelzig entwarf für die Gebäudefassade ebenfalls ein ‚Kleid‘, allerdings ein schützendes und schmückendes, ohne die Konstruktion zu verhüllen. Während das Mauerwerk des heutigen Campusbaus seit Jahrzehnten statisch an einem Ort verbleibt, verändert sich Walchs Arbeit nicht nur sekündlich durch die Luftbewegung, sondern auch langfristig aufgrund der sich zersetzenden Stofflichkeit und der verblassenden Farben.“

Mit ihren kreativen grellgelben Stadtmöbeln folgen Pitsch & Schau dem Motto: „Sitzen – Besetzen – Besitzen“. Denn ihre Sitze legitimieren oft erst das aktive Einnehmen eines Ortes, auch wenn die von den beiden Künstlern ausgewählten Plätze nicht immer offiziell dafür vorgesehen sind. Das ist auf dem Campus Westend anders, wo die Rasenflächen zum belebten Campus gehören. Bei den dortigen urbanen Sitzmöbeln wurden die Rohre auf stählerne Unterkonstruktionen montiert und bespielen nun prominent die großen Rasenflächen. In früheren Ausführungen wurden diese Möbel an bestehende urbane Strukturen angebunden: Sie wurden mit Kabelbindern an Brüstungen, Brückenpfeiler oder Fahrradständer fixiert. Die beiden Hamburger Künstler Mario Pitsch und Oliver Schau arbeiten seit 2017 zusammen.

Die Skulpturenausstellung findet in diesem Jahr gemeinsam mit dem Museum Liaunig, einem privaten Museum für zeitgenössische Kunst, Neuhaus (Österreich), statt. Im Auftrag des Museums hat Dr. Maria Schneider die Ausstellung gemeinsam mit Christian K. Scheffel, dem Gründer und Kurator der Biennale, kuratiert. Neben großen internationalen Namen der Bildhauerei wie Markus Lüpertz, Jaume Plensa, Joana Vasconcelos oder Ben Vautier geben die „Blickachsen 11“ auch einen Einblick in die Vielfalt der österreichischen Bildhauerei im 20. und 21. Jahrhundert. Darüber hinaus gibt die Ausstellung auch jüngeren Künstlern wieder die Chance, ihre Skulpturen einem breiten Publikum zu zeigen. Bei der Biennale werden unterschiedlichste Positionen der dreidimensionalen Gegenwartskunst in Beziehung zueinander und zu ihrem Ausstellungsort gesetzt. Auch eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten sind wieder dabei, wie die Objekte auf dem Campus Westend zeigen.

Seit 2013 gibt es die Stiftung Blickachsen gGmbH, die seit „Blickachsen 9“ die Ausstellungen verantwortet und gemeinsam mit dem Magistrat der Stadt Bad Homburg, der Kur- und Kongreß-GmbH und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen veranstaltet; Vorsitzender des Kuratoriums ist Stefan Quandt.

Fotos von den Kunstwerken auf dem Campus Westend zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/66765031 (Copyright: Stiftung Blickachsen gGmbH, Bad Homburg, und Künstler); weitere Informationen zu den drei auf dem Campus Westend vertretenen Künstlern: http://tinygu.de/Blickachsen11

Führungen an allen Standorten der Ausstellung „Blickachsen 11“ für private Gruppen, Schulklassen, Firmen oder Vereine können über die Stiftung Blickachsen gebucht werden (E-Mail: fuehrungen@blickachsen.de, Tel.: (06172) 681 19 46.

Informationen: Sunita Scheffel, „Blickachsen“-Kommunikation, mobil 0178-47 32 591, presse@blickachsen.de, www.blickachsen.de

Hochschulpolitische Themen

Mai 29 2017
12:35

Wissenschaftsdelegation begleitet Ministerpräsident Volker Bouffier nach Mexiko und Kolumbien – Besonderer Schwerpunkt auf Wissenstransfer in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft

Hessische Hochschulen bauen ihre Verbindungen nach Lateinamerika aus

FRANKFURT/MEXIKO-STADT/BOGOTO. Um die Zusammenarbeit mit starken Partnern in Mexiko und Kolumbien weiter zu intensivieren, haben Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulleitungen der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg sowie der Frankfurt University of Applied Sciences und des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung den Hessischen Ministerpräsidenten auf seiner Lateinamerikareise begleitet. Vor Ort wurde die Wissenschaftsdelegation unterstützt von den Vertretern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Mexiko und Kolumbien, Herrn Dr. Alexander Au (Leiter DAAD Außenstelle Mexiko-Stadt) und Herrn Dr. Reinhard Babel (Leiter DAAD Informationszentrum Bogotá).

Die hessischen Hochschulen leisten wichtige Beiträge, um den aktuellen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Herausforderungen in beiden Ländern zu begegnen, so zum Beispiel durch das an der Universität Guadalajara (Mexiko) jüngst gegründete Maria Sibylla Merian Forschungszentrum „Center for Advanced Latin American Studies“ (CALAS) unter Beteiligung der Universität Kassel, und durch das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ (Instituto Colombo-Aléman para la Paz), unter der Konsortialleitung der Justus-Liebig-Universität Gießen und mit Beteiligung des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Eine international vergleichende Perspektive auf Friedensprozesse steht im Zentrum des Envisioning Peace | Transforming Conflict Network, das derzeit von der Philipps-Universität Marburg mit deutschen und kolumbianischen Partnern aufgebaut wird.

„Kolumbien hat heute eine gute Chance zur Gestaltung des Friedens. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem CAPAZ hierzu auch aus Hessen einen wichtigen Beitrag leisten können. Wir kommen nicht, um zu belehren, sondern um unsere Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Jedes Land muss seinen eigenen Weg für eine erfolgreiche Zukunft finden, aber da, wo wir helfen können, sind wir ein ehrlicher Partner“, sagt der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Das Engagement der hessischen Institutionen im kolumbianischen Friedensprozess geht zurück auf die im Friedensvertrag durch die kolumbianische Regierung und die ehemaligen Rebellen der FARC gemeinsam an Deutschland gerichtete Bitte um Unterstützung im Friedensprozess. Das mit Mitteln des Auswärtigen Amts durch den DAAD geförderte Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ ist eine direkte Reaktion auf diese Bitte. Im Rahmen des CAPAZ bündeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Kolumbien ihre Expertise zu zentralen Fragen und Herausforderungen des kolumbianischen Friedensprozesses. Hierzu gehören etwa die Ausgestaltung einer Übergangsjustiz, die den notwendigen Aussöhnungsprozess unterstützt, der Aufbau einer gemeinsamen Erinnerungskultur schon in der Schulzeit (z.B. durch entsprechende Schulbücher), die Wiedereingliederung bisheriger Rebellen in die Zivilgesellschaft und in den Arbeitsmarkt, aber auch agrarökonomische Fragen der Landreform und der Landnutzung. Mit ihrem Engagement übernehmen die beteiligten hessischen Institutionen eine besondere Verantwortung, nach über fünf Jahrzehnten des bewaffneten Konflikts in Kolumbien nun einen Beitrag zur Sicherung des Friedens und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in Kolumbien zu leisten.

Ein Höhepunkt der Delegationstermine war die Teilnahme der hessischen Delegation an der bislang größten Veranstaltung Kolumbiens zum Friedensprozess. Hier hielt Ministerpräsident Volker Bouffier eine Rede, in der er auf Grundlage der Erfahrungen Deutschlands mit der Vergangenheitsbewältigung – nach dem zweiten Weltkrieg und der Nazi-Diktatur sowie nach der Wiedervereinigung Deutschlands – eindrucksvoll deutlich machte, dass man keine Zukunft gestalten kann, ohne sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auf der Grundlage des Wissens Deutschlands um die Einzigartigkeit des Friedensprozesses in Kolumbien soll das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ nun seine politische Begleitung und Beratung anbieten.

Zuvor besuchte die rund 60-köpfige Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Abschluss des Deutschlandjahres, das im Juni von Bundeskanzlerin Merkel offiziell beendet werden wird, Mexiko. Hier wurden unter anderem die neuen Kooperationsabkommen zwischen der Technischen Universität Darmstadt und der Justus-Liebig-Universität mit der mit deutlich über 300.000 Studierenden größten und wichtigsten Universität des Landes, der Universidad Autònoma de México (UNAM) endabgestimmt; die nun unterschriftsreifen Abkommen werden die Grundlage für eine noch engere Zusammenarbeit in Lehre und Forschung mit einer entsprechenden Wissenschaftlermobilität und einem noch stärkeren Studierendenaustausch bilden.

„Gerade die Nationale Autonome Universität von Mexiko, eine der besten Universitäten des Landes, sowie andere leistungsstarke mexikanische Hochschulen mit ihren über 370 Kooperationsabkommen mit deutschen Partnerhochschulen sind ein hervorragendes Beispiel dafür, dass sich unser jahrelanges Engagement als DAAD vor Ort auszahlt. In Mexiko finden unsere Hochschulen für ihre wissenschaftliche Arbeit exzellente Partner auf Augenhöhe“, sagt DAAD-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel.

Die Wissenschafts- und Hochschullandschaften in Mexiko und Kolumbien zeichnen sich durch eine hohe Qualität und sehr dynamische Entwicklung aus, in der es ein besonderes Gestaltungspotential für die internationale Zusammenarbeit gibt. Die Delegationsreise hat den hessischen Hochschulen eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnet, ihre bereits bestehenden starken Verbindungen nach Lateinamerika, etwa zum Instituto Tecnológico Autónomo de México (ITAM) und zur Universidad des los Andes, zu bekräftigen und weiter auszubauen.

Forschung

Mai 29 2017
12:33

DFG bewilligt Sonderforschungsbereich in Kooperation mit den Universitäten in Darmstadt und Bielefeld zu Materie unter extremen Bedingungen / Medizin-SFB verlängert

Heißer als hunderttausend Sonnen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB-TR) bewilligt, in dem Physiker der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Bielefeld und der Technischen Universität Darmstadt gemeinsam „stark-wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“ erforschen wollen. Dafür hatten die Forscher für die nächsten vier Jahre rund 8 Millionen Euro beantragt. Sprecher des neuen Forschungsverbunds, der in der Kooperation mit der TU Darmstadt auch die Ende 2015 ins Leben gerufene Strategische Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) stärkt, ist der Frankfurter Physiker Prof. Dirk Rischke.

Mit „extremen Bedingungen“ sind hohe Temperaturen und Dichten gemeint, wie sie z.B. in der ersten Millionstel Sekunde nach dem Urknall vorlagen: Einige Billionen Grad Celsius (das ist hunderttausendmal heißer als das Innere unserer Sonne) sowie das Mehrfache der in Atomkernen erreichten Dichte (mehrere 100 Millionen Tonnen pro Kubikzentimeter). Unter diesen Bedingungen ist Materie von der so genannten starken Wechselwirkung dominiert. Das ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie ist u.a. für den Aufbau der Atomkerne aus Protonen und Neutronen und für deren innere Struktur aus Quarks und Gluonen verantwortlich.

Unter extremen Bedingungen bildet stark-wechselwirkende Materie neuartige Zustandsformen aus, vergleichbar mit den verschiedenen Aggregatzuständen des Wassers als Eis, Flüssigkeit und Gas. Während dies an großen Teilchenbeschleunigern wie dem LHC am CERN in Genf und in Zukunft an FAIR in Darmstadt experimentell untersucht wird, will der neue SFB-TR die Thematik von theoretischer Seite her beleuchten.

In 14 Teilprojekten sollen hier die fundamentalen Eigenschaften stark-wechselwirkender Materie untersucht und auf die Physik im frühen Universum und in Schwerionen-Experimenten angewendet werden. Erklärtes Ziel ist es dabei, möglichst direkt von der fundamentalen Theorie der starken Wechselwirkung, der Quantenchromodynamik (QCD), auszugehen. Diese Theorie, für deren Erforschung es schon mehrere Nobel-Preise gab, ist seit über 40 Jahren bekannt. Dennoch hat es sich vielfach als schwierig erwiesen, im Rahmen der QCD konkrete Vorhersagen zu machen. Insbesondere die Eigenschaften makroskopischer Ansammlungen stark-wechselwirkender Teilchen bei hohen Temperaturen und Dichten konnten noch nicht zufriedenstellend aus der QCD abgeleitet werden.

Einzigartig am neuen SFB-TR ist die Kombination von analytisch basierten Methoden mit aufwändigen numerischen Simulationen auf Höchstleistungs-Supercomputern („Gitter-QCD“). „Dies geschieht in enger Zusammenarbeit, so dass wir die Stärken der jeweiligen Zugänge und die unterschiedlichen Expertisen an den drei Standorten optimal ausnutzen“, betont der Sprecher des SFB-TR, Prof. Dirk Rischke von der Goethe-Universität Frankfurt. Prof. Jochen Wambach von der TU Darmstadt, zusammen mit Prof. Frithjof Karsch von der Universität Bielefeld Rischkes Stellvertreter, ergänzt: „Viele von uns kennen sich schon lange und haben auch früher erfolgreich zusammengearbeitet. Der Transregio stellt diese Kooperation aber auf eine völlig neue Stufe.“

Die gleichberechtigte Zusammenarbeit der drei Partneruniversitäten wird dadurch unterstrichen, dass bereits jetzt vereinbart wurde, die Sprecherschaft des SFB-TR nach jeder Förderperiode bei erfolgreicher Verlängerung rotieren zu lassen. „Die komplexen theoretischen Fragestellungen sowie die derzeit stattfindenden und bereits geplanten Experimente in diesem auch international äußerst aktiven Forschungsgebiet werden in dem kommenden Jahrzehnt Anregungen für vielfältige Forschungsprojekte geben“, sagt Karsch. „Wir sind daher davon überzeugt, die maximale Laufzeit eines SFBs von zwölf Jahren mit interessanten Projekten ausfüllen zu können“, sind sich Rischke, Karsch und Wambach einig.

SFB in der Medizin verlängert

Verlängert wurde ein Sonderforschungsbereich aus der Medizin. Im SFB 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“ untersuchen die Forscher, welche Bedeutung Lipide (Fettmoleküle) als Signalmoleküle haben und wie sie an Krankheitsprozessen beteiligt sind. Somit kann die Kooperation der Goethe-Universität mit dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim in den kommenden vier Jahren fortgesetzt werden.

Zahlreiche Befunde der letzten Jahre weisen darauf hin, dass Störungen des Fettstoffwechsels an der Entstehung und dem Fortschreiten von Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes, Krebs, Entzündungen, Schmerz und neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind. Sie bieten sich deshalb als pharmakologische Zielstrukturen an.

In der ersten Förderperiode konzentrierten sich die Forscher darauf, Synthese- und Abbauwege von Molekülen zu untersuchen, die in den gesunden sowie den gestörten Fettstoffwechsel eingreifen. Diese sogenannten Lipidmediatoren sollen nun in der zweiten Förderperiode in Bezug auf bestimmte Erkrankungen wie akute und chronische Entzündungen, Schmerz oder der Tumorentwicklung untersucht werden. „Wir wollen die Forschung in Richtung der funktionellen Konsequenzen sowie der diagnostischen und therapeutischen Umsetzung, experimentell wie klinisch, vorantreiben“, so Prof. Josef Pfeilschifter, Sprecher des SFBs.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66712830

Bildtext: Am neuen SFB-TR beteiligte Wissenschaftler aus Bielefeld, Darmstadt und Frankfurt. In der ersten Reihe: Sprecher Prof. Dirk Rischke, Goethe-Universität (Mitte) und die stellvertretenden Sprecher Prof. Jochen Wambach, TU Darmstadt (zweiter von rechts) und Prof. Frithjof. Karsch, Universität Bielefeld (zweiter von links). Foto: Hauke Sandmeyer (Universität Bielefeld)

Informationen: Prof. Dr. Dirk Rischke, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 47862, drischke@th.physik.uni-frankfurt.de.

Prof. Josef Pfeilschifter, Tanja Giesbrecht (Sekretariat), Institut für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301 6991, giesbrecht@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 29 2017
12:27

Vortrag mit Klangbeispielen von Prof. Marion Saxer am 1. Juni im Museum Giersch

Gibt es abstrakte Musik? Die kompositorischen Neuentwicklungen der musikalischen Avantgarden der 1950er Jahre

FRANKFURT. Die Musik gilt gemeinhin als die abstrakteste aller Künste. Bei näherer Betrachtung ist diese Überzeugung jedoch nicht haltbar. In einigen der kompositorischen Neuentwicklungen der 1950er Jahre in Europa und Amerika scheinen die abstrakten Qualitäten von Musik besonders erkennbar zu werden. In ihrem Vortrag stellt Marion Saxer, Professorin für Historische Musikwissenschaft, Schwerpunkt Zeitgenössische Musik und Klangkunst an der Goethe-Universität Frankfurt,

am Donnerstag, 1. Juni 2017,
um 19 Uhr
im Museum Giersch der Goethe-Universität,
Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main 

an konkreten Werkbeispielen kompositorische Konzepte der Zeit vor – von Komponisten wie Pierre Boulez, John Cage und Morton Feldman u.a. – anhand derer die Frage, ob es abstrakte Musik überhaupt geben kann, erörtert wird.

Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ (noch bis 9. Juli 2017) im Museum Giersch der Goethe-Universität. Mit 74 Arbeiten von 20 Künstlern und Künstlerinnen möchte die Ausstellung einen neuen Blick auf die Abstraktion jener Zeit werfen, die für Freiheit stand und dem Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik entsprach. Nach der Diktatur des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Isolation gelang mit ihr der Anschluss an die westliche Avantgarde.

Marion Saxer hat Schulmusik, Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik in Mainz sowie Musikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert. Ihr zweites Staatsexamen legte sie in Frankfurt am Main ab. Nach ihrer Promotion an der TU Berlin habilitierte sie sich 2006 im Fach Historische Musikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit 2013 lehrt Saxer dort als Professorin für Historische Musikwissenschaft, Schwerpunkt Zeitgenössische Musik und Klangkunst. Zu Ihren Forschungsschwerpunkten zählen Musik und Klangkunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Musik und Medien im 20. Jahrhundert sowie  Expressionismus in Musik und anderen Künsten.

Karten für 4 Euro gibt es an der Abendkasse. Ohne Anmeldung.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66721323

Veranstaltungen

Mai 23 2017
17:33

Internationale Tagung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften – Auch interessierte Bürger können teilnehmen

„Der Sechstagekrieg und das Israelbild der deutschen Linken“

FRANKFURT. Der militärische Erfolg Israels im Sechstagekrieg 1967 habe einen negativen Wandel in der Einstellung gegenüber Israel bewirkt, denn – so der renommierte Münchner Professor für jüdische Geschichte und Kultur, Michael Brenner: „Die Juden waren nicht mehr Opfer, sondern wurden plötzlich zu Tätern.“ Reicht das als Erklärung aus? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der internationalen Tagung „Israel, die PLO und die deutsche Linke 1967–2017, oder: wie der Sechstagekrieg Wahrnehmungen veränderte“. Zu dieser öffentlichen Veranstaltung lädt das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften ein

am 25. (Donnerstag) und 26. Mai (Freitag) ins Seminarhaus, Raum: SH 5.101, Campus Westend.

Als Referenten nehmen u. a. teil: der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, der Soziologe Stefan Müller-Doohm von der Universität Oldenburg, die Bielefelder Zeithistorikerin Ingrid Gilcher-Holtey sowie der Historiker Jeffrey Herf von der University Maryland (Washington). Auch die interessierte Öffentlichkeit ist zu dieser Tagung herzlich eingeladen.

Zum historischen Hintergrund:
Vor fast 50 Jahren, am 2. Juni 1967, wurde in Berlin der Student Benno Ohnesorg während einer Anti-Schah-Demonstration von einem Polizisten erschossen. Sein Tod mobilisierte und radikalisierte die studentische Protestbewegung, die sich seit Mitte der 1960er Jahre formierte. Drei Tage später, am 5. Juni 1967, begann der Sechstagekrieg, den Israel gegen Ägypten, Jordanien und Syrien führte. Nach sechs Tagen hatte Israel Jerusalem eingenommen und weitere große Geländegewinne erzielt, so dass die Gegner einem Waffenstillstand zustimmten. Der Krieg gilt als Wendepunkt in der Perzeption Israels durch Teile der westdeutschen Linken.

Hatten sich bereits 1967 erste „Palästina-Komitees“ gebildet, solidarisierte sich 1969 auch der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) mit dem arabischen Kampf gegen Israel. Dies führte dazu, dass sich führende Intellektuelle wie Theodor W. Adorno von der Protestbewegung abwandten und ihr nun antisemitisches, faschistisches Denken vorwarfen. Gleichwohl wurde Israelkritik zu einem wichtigen Argument in linken Diskursmilieus. Die 1970 gegründete Terrorgruppe RAF rief zur Solidarität mit dem „Befreiungskampf des Palästinensischen Volkes“ auf.

Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel. (069) 798, 32344, Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de, das Programm im Detail unter www.fzhg.org/aktuelles/termine/, Anmeldung bitte unter: fzhg@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Mai 23 2017
09:37

Die Goethe-Universität ehrt herausragende Ökonomin und Alterssicherungsexpertin

Ehrenpromotion für Olivia S. Mitchell

FRANKFURT. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt verleiht am Mittwoch die Ehrendoktorwürde an Prof. Olivia S. Mitchell. Die herausragende Wissenschaftlerin der Wharton School der Universität von Pennsylvania ist weithin anerkannt für ihre Leistungen und Expertise auf den Gebieten der Alterssicherung, Versicherung und der Finanzbildung. „Olivia Mitchell ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Alterssicherungs- und Pensionsforschung“, begründet der Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften Prof. Raimond Maurer die Auszeichnung. „Darüber hinaus möchten wir ihr vorbildliches Engagement im Rahmen des Austauschs von Wissenschaftlern zwischen der Goethe-Universität und der Universität von Pennsylvania würdigen.“ Das Gastwissenschaftlerprogramm zwischen beiden Häusern wird seit 1992 vom Bankhaus Metzler gefördert.

Die Ehrendoktorwürde wird im Rahmen einer akademischen Feier verliehen, zu der Medienvertreter herzlich eingeladen sind.

Wann? 24. Mai 2017, 16:00 Uhr
Wo? Campus Westend, Casino-Gebäude, Renate-von-Metzler-Saal.

Olivia S. Mitchell ist „International Foundation of Employee Benefit Plans“-Professorin, Professorin für Business Economics und Public Policy sowie Professorin für Insurance und Risk Management an der Wharton School der Universität von Pennsylvania.Sie ist zudem Direktorin des Pension Research Council und des Boettner Center on Pensions and Retirement Research. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen öffentliche und private Pensionssysteme, Versicherung und Risikomanagement, Finanzbildung und öffentliche Finanzen. So beschäftigt sie sich zum Beispiel mit der Frage, wie sich Langlebigkeitsrisiken und Finanzkrisen auf die Vermögen von privaten Haushalten und deren Arbeitsverhalten im Zeitablauf auswirken.

Mitchell ist Research Associate am National Bureau of Economic Research (NBER), Co-Forschungsleiterin der Health & Retirement Study und Mitglied des Executive Board des Retirement Research Center an der Universität von Michigan. Sie hat mehr als 200 Bücher und Forschungspapiere veröffentlicht, die in den renommiertesten wirtschafts­wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen sind. Darüber hinaus hat sie zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten, unter anderen den Fidelity Pyramid Prize; den Carolyn Shaw Bell Award des Committee on the Status of Women in the Economics Profession und den Roger F. Murray First Prize. 2015 wurde sie vom Weltwirtschaftsforum als eine der „Top 10 Women Economist” weltweit geführt und 2011 führte sie das Investment Advisor-Magazine unter den „25 Most Influential People“ und den „50 Top Women in Wealth“.

Informationen: Barbara Kleiner, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Tel.: (069) 798-34617, kleiner@wiwi.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

Mai 19 2017
13:32

Künftige Mediziner bieten Hilfe für Menschen ohne Versicherung

Hochschulpreis für Studentische Poliklinik

FRANKFURT. Die Studentische Poliklinik der Goethe-Universität hat den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre erhalten. Der mit 60.000 Euro dotierte Preis ist gestern Abend im Museum Wiesbaden durch Wissenschaftsminister Boris Rhein überreicht worden. Stellvertretend für die Studierenden nahmen Arda Manap und Sophia Corell zusammen mit Dr. Lukas Seifert Dr. Petra Tiarks-Jungk, Prof. Ferdinand Gerlach und Prof. Robert Sader als Gründungsinitiatoren, die Auszeichnung in Empfang.

Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern und den nominierten Projekten herzlich zu ihrem Erfolg: „Ihre Lehrkonzepte sind praxisnah und zukunftsweisend. Sie ermöglichen Studierenden neue Blickwinkel auf Probleme und regen dazu an, sich auf vielfältige Weise sowohl dem theoretischen Lernstoff als auch Fragestellungen der Praxis zu nähern.“ Mit der Vergabe des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre habe die Hessische Landesregierung bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Die Auszeichnung stelle die herausragende Bedeutung der Lehre für die Ausbildung des akademischen Nachwuchses heraus. „Außerdem schafft sie einen Anreiz, sich in der Hochschullehre zu engagieren“, so Rhein abschließend.

Die für Lehre zuständige Vizepräsidentin der Goethe-Universität, Prof. Tanja Brühl, bezeichnete das preisgekrönte Projekt als „beispielhaft“: „Ich beglückwünsche die statusübergreifende Studiengruppe, die aus Studierenden, Ärztinnen und Ärzten und Professoren besteht, sehr herzlich zum Hessischen Hochschulpreis und danke für ihr enormes Engagement. Die Studentische Poliklinik Frankfurt ist ‚Bürgeruniversität‘ im eigentlichen Sinne. Studierende leisten durch die ehrenamtliche hausärztliche Sprechstunde einen Beitrag zur medizinischen Basisversorgung in Frankfurt“, so Brühl.

Seit Juni 2014 bieten Studierende der Medizin an der Goethe-Universität in Räumlichkeiten des Gesundheitsamtes eine Sprechstunde für Menschen ohne Versicherung an. Das Angebot wird von den Studierenden selbständig organisiert, die eigentliche Sprechstunde mit Anamnese und Diagnose ist jedoch lehrärztlich betreut. Auf diese Weise profitieren beide Seiten: Die Patienten kommen in den Genuss einer kostenlosen, aber hochwertigen medizinischen Basisversorgung, die Studierenden erlangen Praxiswissen und lernen eine Patientengruppe kennen mit einem für sie meist ungewohnten kulturellen oder sozialen Hintergrund.

„Unser Vorbild waren die ‚Student Run Free Clinics‘ in den USA“, erinnert sich Lukas Seifert an die Anfänge. Er war am Beginn seines klinischen Studiums im fünften Semester, als Studiendekan Prof. Robert Sader die Idee einer Bürgersprechstunde durch Studierende ins Gespräch brachte, für die er bereits seit 2007 politische Vorarbeit betrieb. 2010 war es dann soweit, da schlug er gemeinsam mit zwei Kommilitonen, die wie er der Fachschaft Medizin angehörten, vor, die Sprechstunde als studentisch organisiertes Projekt zu konzipieren. Man reiste in die USA, wo inzwischen 90 Prozent der medizinischen Fakultäten über eine „Student Run Free Clinic“ verfügen, wofür dort eine große Notwendigkeit bestand, da viele Menschen nicht versichert waren. Die Frankfurter Studierenden sahen sich mehrere Projekte in den USA an, führten Interviews – und zogen sich das Beste daraus für das eigene Projekt, das bald als Wahlpflichtfach etabliert und damit in die kurrikulare Lehre implementiert wurde.

Dabei habe man auf einen professionellen Aufbau viel Wert gelegt, sagt Seifert. Der Vorwurf, das sei nur eine Spielwiese für Medizinstudenten, sollte von vornherein verhindert werden. Mit Fördergeldern aus dem QSL-Fonds (Qualitätssicherung in der Lehre) wurde ein Konzept aufgestellt: Wer mitmachen will, muss sich mit einem Motivationsschreiben bewerben und vorbereitende Pflichtkurse in Untersuchung und Anamnese sowie über häufige Beratungsanlässe in der hausärztlichen Medizin erfolgreich absolvieren, die von Studierenden in höheren Semestern abgehalten werden. Erst anschließend können die Studierenden in der Sprechstunde der Studentischen Poliklinik mitmachen. Entwickelt wurde dieses Konzept gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin unter Leitung von Prof. Ferdinand Gerlach.

Die Sprechstunde, die inzwischen an zwei Nachmittagen in der Woche angeboten wird, verwalten die Studierenden selbständig, auch die Vorgespräche mit den Patienten führen sie ohne Hilfe durch – immer ein jüngerer und ein erfahrener Student im Team. Bei der eigentlichen Anamnese ist dann eine Ärztin oder ein Arzt mit dabei, die oder der über den weiteren Verlauf der Behandlung entscheidet. Von Anfang an mit im Boot ist Dr. Petra Tiarks-Jungk, die auch die Humanitäre Sprechstunde des Gesundheitsamtes betreut; seit Oktober 2016 wird sie von fünf Hausärzten mit Lehrauftrag des Fachbereichs Medizin unterstützt. „Von der Erfahrung von Dr. Tiarks-Jungk haben wir mehr als profitiert. Sie hat uns auch wichtige Tipps gegeben für kostenlose Weiterbehandlung und Fachdiagnostik“, sagt Seifert. Der Effekt für die Studierenden ist erwiesen: Bei praktischen und theoretischen Tests schnitten die Absolventen des Wahlfachs der Studentischen Poliklinik deutlich besser ab als ihre Kommilitonen.

„Das Konzept ist in Deutschland, vermutlich in ganz Europa einzigartig“, so Prof. Sader. Es vereinige in idealer Weise unterschiedliche praxisorientierte Lehr- und Lernmethoden in einer echten medizinischen Alltagsituation, so wie es sich die Studierenden für ihre Ausbildung immer wünschen. Am beeindruckendsten sei aber, so Sader weiter, dass das Projekt ohne die aktive Mit- und Zuarbeit jedes einzelnen Projektpartners, nie hätte gelingen können: Der Enthusiasmus und das Engagement der Studierenden, die fachliche Kompetenz von Dr. Seifert und Prof. Gerlach in der Konzeption der neuartigen Lehrveranstaltung, der besondere Einsatz von Frau Dr. Petra Tiarks-Jung bei der Betreuung der Studierenden erst hätten die Studentische Poliklinik möglich gemacht. Wesentlich war jedoch auch die begleitende politische und strategische Arbeit des Studiendekans Robert Sader. Über die Verwendung des Preisgeldes sind sich die Beteiligten einig: Es wird komplett in die Ausstattung des Projekts einfließen.

Von Beginn an war das Wartezimmer voll: „Viele kommen gern zu uns, weil wir uns viel Zeit nehmen“, meint Lukas Seifert. Gut kann sich der heute 29-Jährige an seine ersten Fälle in der Poliklinik erinnern: „Das war zum Teil schon heftig für mich“, sagt er. Ein Mann sei gekommen, der nach einer Notfall-OP zu schnell entlassen worden war und dessen Bauchwunde aufplatzte. Die Behörden wollten ihn zur OP nach Rumänien schicken. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit der Mann in Frankfurt operiert werden kann“, erinnert sich der Mediziner. Weil viele der Patienten auch psychosoziale Schwierigkeiten haben, wurde auch eine Kooperation mit dem Fachbereich Soziale Arbeit der Fachhochschule Frankfurt ins Leben gerufen. Außerdem kann man auf die Unterstützung von Hebammen und Psychologen zurückgreifen – und vielleicht bald auf zahnmedizinische Expertise: Lukas Seifert, der derzeit an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie arbeitet, studiert im Zweitstudium noch Zahnmedizin.

Bilder zum Download finden Sie unter https://wissenschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/hochschulpreis-fuer-exzellenz-der-lehre-ehrt-herausragende-lehr-und

Informationen: Dr. Lukas Seifert, Email: LukasBenedikt.Seifert@kgu.de

Veranstaltungen

Mai 18 2017
16:57

Öffentlicher Vortrag von Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, am 22. Mai an der Goethe-Universität

Das Humboldt Forum als Ort für den Dialog der Kulturen

FRANKFURT. Es gilt als das derzeit größte Kulturprojekt Deutschlands: Mit dem Humboldt Forum entsteht in Berlin ein neues kulturelles Quartier in der Mitte der Stadt. Ab 2019 sollen hier vor allem die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert werden. Das ambitionierte Projekt setzt auf einen Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst, wobei auch das koloniale Erbe und die Auseinandersetzung mit der Erwerbsgeschichte der Exponate eine wichtige Rolle spielen sollen. Einen Einblick zu Anspruch und Selbstverständnis des neuen Museums gibt Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und einer der Gründungsintendanten des Humboldt Forums, in seinem Vortrag

„Das Humboldt Forum im neuen Berliner Schloss:Chancen, Potentiale und Herausforderungen eines neuartigen Ortes für den Dialog der Kulturen“ am Montag, dem 22. Mai 2017, um 18.30 Uhr im Festsaal des Casinos auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Der Eintritt ist frei, die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen. Hermann Parzinger ist habilitierter Prähistoriker. Zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der er seit 2008 vorsteht, zählen unter anderem die Staatlichen Museen und die Staatsbibliothek zu Berlin. Veranstalter des Vortragsabends ist der Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit dem Förderverein Berliner Schloss e.V., dem Institut für Ethnologie der Goethe-Universität und dem Frobenius-Institut an der Goethe-Universität. Zu den gemeinsamen Themen der Frankfurter Ethnologen und Historiker gehört auch die Zukunft ethnologischer Ausstellungen und Museen in Auseinandersetzung mit einer postkolonialen Kritik, die in bisherigen Konzepten einen nicht überwundenen Eurozentrismus sieht.

Im wieder aufgebauten Berliner Schloss soll mit dem Humboldt Forum ein neuartiges Kunst- und Kulturerfahrungszentrum entstehen, das sich mit der Kultur und Geschichte Afrikas, Asiens, Australiens, Ozeaniens und Amerikas und den vielfältigen Wechselwirkungen ihrer kulturellen Entwicklungen befasst. Zusammen mit den herausragenden Sammlungen zur Kunst und Kultur Europas und des Nahen Ostens auf der Museumsinsel entsteht hier – Museumsinsel und Humboldt Forum als Einheit denkend – ein besonderer Ort, der auf der Grundlage aller Sammlungen in Berlin, auch der naturkundlichen, ein tieferes Verständnis für die Verflechtungen in der Welt befördern soll: Die „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ des 19. Jahrhunderts erfährt so im frühen 21. Jahrhundert gleichsam ihre globale Erweiterung. Statt eurozentrischer Perspektive, so der Anspruch, muss das Humboldt Forum den gleichberechtigten Dialog der Kulturen in den Mittelpunkt stellen.

Vor seiner Tätigkeit als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz leitete Hermann Parzinger das Deutsche Archäologische Institut. Schwerpunkt seiner Forschung ist der Kulturwandel in verschiedenen Kulturräumen. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Migrationsbewegungen in der Ur‐Geschichte der Menschheit. Er untersuchte die Sesshaftwerdung des Menschen im 7. Jahrtausend v. Chr. bis zu den frühgeschichtlichen Kulturen. Zudem ist er Spezialist für die Kultur der Skythen. Von besonderer Bedeutung sind seine Grabungen in Zentralasien. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde er mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet, darunter dem Leibniz-Preis und die Aufnahme in den Orden Pour le Mérite. Parzinger ist unter anderem Mitglied in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und in der American Philosophical Society.

Die Einleitung und Moderation der öffentlichen Veranstaltung mit Hermann Parzinger liegt in den Händen von Prof. Susanne Schröter. Die Ethnologin ist Mitglied des Exzellenzclusters und leitet hier dasFrankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. Darüber hinaus ist sie geschäftsführende Direktorin desInstituts für Ethnologie und Vorstandsmitglied des Deutschen Orient-Instituts.

Informationen: Katja Rieck, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel.: 069/798-33214, Katja.Rieck@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Veranstaltungen

Mai 18 2017
16:53

Vortrag von Prof. Christopher Daase am 23. Mai im Museum Giersch

Die Politik der Abstraktion: Kunst und Gesellschaft im Kalten Krieg

FRANKFURT. Der Siegeszug der abstrakten Kunst in Deutschland nach 1945 ist nicht ohne die politische und soziale Lage der Nachkriegszeit verständlich. In seinem Vortrag „Die Politik der Abstraktion: Kunst und Gesellschaft im Kalten Krieg“ zeichnet Prof. Christopher Daase, Politikwissenschaftler an der Goethe-Universität,

am Dienstag, 23. Mai,
um 19 Uhr
im Museum Giersch der Goethe-Universität,
Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

wichtige Debatten des beginnenden Kalten Krieges nach. Er wird dabei zeigen, wie eng das Verhältnis von Politik und Kunst und wie „politisch“ die abstrakte Malerei war. Dabei beleuchtet er insbesondere die Rolle des amerikanischen Geheimdienstes CIA, der wesentlich zur Verbreitung der abstrakten Kunst in Europa beigetragen hat.

Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ (noch bis 9. Juli 2017) im Museum Giersch der Goethe-Universität. Mit 74 Arbeiten von 20 Künstlern und Künstlerinnen möchte die Ausstellung einen neuen Blick auf die Abstraktion jener Zeit werfen, die für Freiheit stand und dem Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik entsprach. Nach der Diktatur des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Isolation gelang mit ihr der Anschluss an die westliche Avantgarde.

Christopher Daase hat Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Hamburg, Freiburg, Berlin und Harvard studiert. Er wurde 1996 an der Freien Universität Berlin promoviert. Nach Stationen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin, Senior Lecturer an der University of Kent at Canterbury und Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt Daase seit 2009 als Professor für Politikwissenschaft im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Uni. Er ist außerdem Co-Direktor des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Arbeitsschwerpunkte sind die Theorien und Methoden der Internationalen Beziehungen, die Sicherheitspolitik und die Internationalen Organisationen.

Der Vortrag findet statt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Karten für 4 Euro gibt es an der Abendkasse.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66637091 (© Normative Orders)

Informationen: Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/13821010, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Sonstige

Mai 18 2017
16:48

Neun Schulen unterzeichnen Kooperationsvereinbarungen mit der Goethe-Universität

Partnerschulprogramm

FRANKFURT. Neun neue Schulpartnerschaften mit Schulen aus dem Einzugsgebiet Frankfurt: Vertreterinnen und Vertreter der Anna-Schmidt-Schule Frankfurt am Main, Freiherr-vom-Stein-Schule Frankfurt, Heinrich-Mann-Schule Dietzenbach, Helmholtzschule Frankfurt, Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg, Karl-Rehbein-Schule Hanau, Max-Beckmann-Schule Frankfurt, Otto-Hahn-Schule Frankfurt, Schule am Ried Frankfurt unterzeichneten gestern ihre Kooperationsvereinbarungen mit der Goethe-Universität. Universitätsvizepräsidentin Prof. Tanja Brühl begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der Schulen.

Das Partnerschulprogramm der Goethe-Universität hat das Ziel, die universitären Angebote im Bereich der Schülerarbeit besser zu strukturieren. Angestrebt wird einekontinuierlichere Zusammenarbeit mit den Partnerschulen. Besonders im Fokus stehen dabei dieStudien- und Berufsorientierung, Kooperationen in der Lehrerbildung sowie in der Forschung. Die Goethe-Universität bietet ihren Partnerschulen beispielsweise Schüler-Workshops, Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte und die Unterstützung beim Auf- und Ausbau des schuleigenen Berufs- und Studienorientierungscurriculums. Die Kooperationsvereinbarungen legen jeweils die Leistungen der Partner fest, sind aber auch auf die individuellen Erfordernisse der Schule abgestimmt.

Mehr zum Partnerschulprogramm unter www.uni-frankfurt.de/60067856/Partnerschulen

Weitere Informationen: Susanne Mombers, Zentrale Studienberatung, Bereich Studien-Service-Center, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-17268, ssc-schulpartnerschaften@uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 18 2017
16:46

Podiumsdiskussion mit bekannten Autoren auf dem Campus Westend

Vom Nutzen und Nachteil der Biografie für die Wirtschaftsgeschichte

FRANKFURT. Der Unternehmer August Thyssen stritt viel mit Frau und Kindern, der Chemiker und Industrielle Carl Duisberg kämpfte gegen Übergewicht, Erschöpfungs- und Krankheitsgefühle. Sind das Trivialitäten, Plaudereien aus dem unternehmerhistorischen Nähkästchen? Oder sind solche Einsichten ein wichtiger Bestandteil der Beschäftigung mit wirtschaftshistorisch herausragenden Persönlichkeiten? Welche Bedeutung haben Privatleben und Persönlichkeitsstruktur für das Verständnis unternehmerischen Handelns? Diesen und weiteren spannenden Fragen widmen sich einige bekannte Biografen bei einer Podiumsdiskussion, die vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Goethe-Universität am 30. Mai (Dienstag) von 18 bis 20 Uhr im Casino, Raum 1.811, Campus Westend, Goethe-Universität, veranstaltet wird.

Die Podiumsteilnehmer
Auf dem Podium nehmen Platz: Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 2012 eine vielbeachtete Biografie des Soziologen Max Weber veröffentlicht hat, und der Frankfurter Soziologe Prof. Tilman Allert, er kuratiert seit einigen Jahren für die Frankfurter Bürgeruniversität die Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“ und stellte dabei selbst u.a. die Politikerin Ursula von der Leyen, die Schauspielerin Romy Schneider sowie den Designer Karl Lagerfeld vor. Vom Frankfurter Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte sind dabei: der Lehrstuhlinhaber Prof. Werner Plumpe, dessen umfassende Biografie des Industriellen Carl Duisberg vergangenes Jahr erschienen ist, Prof. Johannes Bähr, der nach einer Studie zum Bankier Jürgen Ponto im vergangenen Jahr eine umfassende Biografie zu Werner von Siemens vorgelegt hat, Dr. Jörg Lesczenski, der sich in seiner Dissertation mit dem Ruhrindustriellen August Thyssen und in der Biografienreihe der Goethe-Universität „Gründer, Gönner und Gelehrte“ mit dem Unternehmer Heinrich Roessler beschäftigt hat, sowie Dr. Friederike Sattler, die bereits eine Biografie des Bankiers Ernst Matthiensen abgeschlossen hat und zur Zeit zum Bankier Alfred Herrhausen forscht.

Diese erfahrenen Biografen werden Einblicke in ihre Arbeit geben und auch die Relevanz der Biografie für die Wirtschaftsgeschichte diskutieren. Biografien fordern zur Erzählung geradezu heraus – haben sie damit vor allem illustrativen Charakter, weil sich mit ihnen wirtschaftliche Entwicklung und individuelles Handeln anschaulich verbinden lassen oder können sie damit das statische Bild sogenannter Strukturanalysen ergänzen oder vielleicht sogar ersetzen? Hinterfragt werden soll in dieser Runde auch, welche Rolle es spielt, ob es sich bei der Biografie um die Auftragsarbeit eines Unternehmens handelt oder ob sie alleine auf wissenschaftliches Interesse zurückgeht. Die Diskussion über diese unterschiedlichen Fragen ist aktueller denn je, zumal Biografien auch außerhalb des wissenschaftlichen Publikums auf großes Interesse stoßen: So sind Barbara Stollberg-Rilingers preisgekrönte Arbeit über Maria Theresia oder Andrea Wulfs Darstellung über Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur große Erfolge auf dem Buchmarkt.

Informationen: Vernessa Oberhansl, M.A., Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798 32620, E-Mail: oberhansl@em.uni-frankfurt.de; mehr Details zu den Autoren und ihren Biografien unter:  http://tinygu.de/Biografien

 

Veranstaltungen

Mai 18 2017
11:47

Die Frankfurter Bürger-Universität stellt die Biografie Walter Benjamins vor

Genie und Grenzgänger

FRANKFURT. Walter Benjamins Werk blieb unvollendet, sein Leben endete früh und tragisch, dennoch zählt er zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Der deutsche Philosoph und Kulturkritiker ist über seine Verbindung zu Theodor W. Adorno und der Frankfurter Schule auch mit der Geschichte der Goethe-Universität eng verwoben. Die Biografie Benjamins, in deren Stationen sich die intellektuellen Milieus der Weimarer Republik ebenso wie die politischen Zäsuren von der russischen Revolution bis zum nationalsozialistischen Krieg widerspiegeln, ist Gegenstand eines Vortrags von Dr. Lorenz Jäger im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität „Wie wir wurden, wer wir sind“:

„Walter Benjamin – Genie und Grenzgänger“, am Montag, 22. Mai 2017, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main.

Jäger ist Autor des aktuellen Buches „Walter Benjamin: Das Leben eines Unvollendeten“. Darin hat er sowohl das Schaffen des Denkers als auch sein Privatleben neu interpretiert. In seinem Vortrag wird der ehemalige Ressortleiter „Geisteswissenschaften“ bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die faszinierende Verschränkung von Werk und Person zum Thema machen.

Die Veranstaltungsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ wird seit 2008 von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Folgende Biografien erwarten Sie außerdem im Sommersemester:

19. Juni 2017
Prof. Birgit Recki
Helmuth Plessner
Vom Lachen und Weinen 

26. Juni 2017
Dr. Edo Reents
Manfred Krug
Liebling Kreuzberg 

03. Juli 2017
Prof. Tilman Allert
Beate Uhse
Freiheit für die Liebe

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 17 2017
11:57

Neue hochauflösende Mikroskopiertechnik hilft, die Entstehung von Leben besser zu verstehen

Präziser Einblick in die Tiefe von Zellen

FRANKFURT. Ist es möglich, auf der Zellebene zuzusehen, wie sich Fischembryonen zu Forellen, Karpfen oder Lachsen entwickeln? Forschern der Goethe-Universität ist dies gelungen, indem sie eine spezielle Form der Fluoreszenzmikroskopie mit einer zweiten Mikroskopiertechnik kombiniert haben. Das neue hochauflösende Lichtmikroskop erlaubt faszinierende Einblicke ins Zellinnere.

Doch was ist das Neue dabei? Bereits mit der herkömmlichen konfokalen Fluoreszenzmikroskopie ließen sich Organismen sehr präzise und plastisch bei der Ausdifferenzierung ihrer Zellen beobachten. Wissenschaftler kennzeichnen Zellmoleküle mit fluoreszierenden Markern, die ein Lichtstrahl zum Leuchten bringt. Eine Kamera nimmt die dreidimensionale Verteilung der leuchtenden Moleküle, der Fluorophore, auf.

Ernst Stelzer, Professor am Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft und Forschungsleiter im Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“ der Goethe-Universität, hat mit seiner Arbeitsgruppe die Fluoreszenzmikroskopie entscheidend weiterentwickelt. Sein Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskop (LSFM) geht sehr schonend selbst mit so empfindlichen Proben wie Fischembryonen um. Ein großer Fortschritt, denn herkömmliche Verfahren zerstörten bisher durch die Energie der Photonen die Farbstoffe und die Zellen in sehr kurzer Zeit.

Bei der von Stelzer entwickelten Technik nehmen mikrometerdünne Lichtscheiben nur die Bereiche der Zelle in den Fokus, die die Wissenschaftler genauer betrachten wollen. Die Kamera nimmt Bilder der Probe aus verschiedenen Richtungen und Winkeln auf. Computer setzen die Einzelbilder zu dreidimensionalen Gesamtbildern und Filmen zusammen. „Da wir die Zellproben unter möglichst natürlichen Wachstumsbedingungen untersuchen, können wir sehr präzise Ergebnisse erzielen“, so Stelzer. Doch nicht nur statische Abbildungen von Zellen, sondern auch dynamische Veränderungen in der Umgebung oder von Genmutationen lassen sich im direkten Vergleich messen.

Bo-Jui Chang, Victor Perez Meza und Ernst Stelzer haben das Verfahren jetzt noch weiter verbessert: „Wir haben nun die Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskopie mit der kohärenten strukturierten Beleuchtungsmikroskopie (SIM) kombiniert. Das macht eine extrem hohe Auflösung möglich“, berichtet er. Die SIM ist eine Superauflösungstechnik,die mehrere Bilder erzeugt und sie miteinander kombiniert. Dadurch verbessert sich die Auflösung im physikalischen Sinn. Technisch geht man so vor, dass man eine fluoreszierende Probe mit einem ganz bestimmten Beleuchtungsmuster anregt. Die Methode ist auf Oberflächen beschränkt, hat aber große Vorteile. So ist sie beim Anregen der Fluoreszenz nicht zu intensiv, ermöglicht sehr schnelle Aufnahmen und kann mit allen fluoreszierenden Molekülen für die Hochauflösung eingesetzt werden.

„In dem neuen Mikroskop, das wir csiLSFM nennen, haben wir das Prinzip von SIM so weiter entwickelt, dass es nicht mehr auf Oberflächen beschränkt ist, sondern auch in ausgedehnten dreidimensionalen Objekten angewandt werden kann. Dazu lassen wir zwei gegenläufige Lichtblätter miteinander interferieren, und zwar unter einem Winkel von 180 Grad, so dass sie das kleinstmögliche Interferenzmuster bilden. Wir erreichen damit eine maximale Auflösung von unter 100 Nanometern, die.“, erklärt Ernst Stelzer. Das neue Instrument hat drei Objektivlinsen. Es arbeitet mit einer flexiblen Steuerung von Rotation, Frequenz und Phasenverschiebung der perfekt modulierten Lichtscheiben.

Bilder vom endoplasmatischen Retikulum, einem weit verzweigten Membrannetzwerk aus Röhren, Bläschen und Zisternen, in Hefen zeigen, dass die Forscher mit csiLSFM an physiologisch bedeutenden Objekten erfolgreich arbeiten können.

Publikation:Chang BJ, Perez Meza VD, Stelzer EHK (2017)csiLSFM combines light-sheet fluorescence microscopy and coherent structured illumination for a lateral resolution below 100 nm. Proc Natl Acad Sci U S A, 114(19):4869-4874. doi: 10.1073/pnas.1609278114 (2017 May 9).Epub 2017 Apr 24.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/66612661

Bildtext: Lebende in Agarose eingebette Hefezelle. Von links nach rechts: konventionelle Fluoreszenz, konventionell bearbeitet und csiLSFM. Der Balken hat eine Breite von 1 µm.

Bild: Arbeitsgruppe Stelzer, Goethe-Universität

Informationen: Prof. Dr. Ernst H. K. Stelzer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften,
Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: +49 (69) 798 42547/42545, ernst.stelzer@physikalischebiologie.de

Personalia/Preise

Mai 17 2017
10:42

Bekannter Philosoph ist am Montag im Alter von 95 Jahren gestorben

Goethe-Universität trauert um Karl-Otto Apel

FRANKFURT. Die Goethe-Universität würdigt den Philosophen Prof. Karl-Otto Apel, der am Montag im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff sagte: „Wir trauern um Karl-Otto Apel. Mit ihm verliert die Goethe-Universität einen philosophischen Vordenker und weltweit anerkannten Intellektuellen, dessen Stimme auch in der Öffentlichkeit oft zu hören war. Wir werden ihn sehr vermissen und denken in diesen Stunden auch an seine Familie.“

Der Philosoph Prof. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters Herausbildung Normativer Ordnungen und selbst Apel-Schüler würdigte seinen früheren akademischen Lehrer in einem Nachruf mit folgenden Worten:

„Professor Dr. Karl-Otto Apel, Emeritus für Philosophie an der Goethe Universität, ist gestern im Alter von 95 Jahren an seinem Wohnort in Niedernhausen gestorben. Er gilt als einer der wichtigsten Philosophen seiner Zeit und hat die Philosophie in Deutschland nachhaltig geprägt.

Am 15.03.1922 in Düsseldorf geboren, studierte Apel Geschichte, Germanistik und Philosophie (bei Erich Rothacker) in Bonn, wo er auch die Bekanntschaft mit dem sieben Jahre jüngeren Jürgen Habermas machte, seinem wichtigsten philosophischen Weggefährten, mit dem ihn auch eine lebenslange Freundschaft verband. 1950 wurde er mit einer Arbeit über Dasein und Erkennen. Eine erkenntnistheoretische Interpretation der Philosophie Martin Heideggers promoviert, 1961 folgte die Habilitation in Mainz mit einer Arbeit über Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus von Dante bis Vico. Nach Professuren in Kiel (1962-69) und Saarbrücken (1969-72) lehrte Apel von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1990 an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Transformation der Philosophie (1973), Diskurs und Verantwortung (1988) und Auseinandersetzungen (1998).

Berühmt wurde Karl-Otto Apel durch die Entwicklung der sogenannten Transzendentalpragmatik, die im Kern besagt, dass der menschliche Sprachgebrauch an unhintergehbare Normen der kommunikativen Rationalität und des gegenseitigen Respekts geknüpft ist. Dabei griff er Peirces Idee einer prinzipiell unbegrenzten wissenschaftlichen Interpretationsgemeinschaft auf und konfrontierte die an Heidegger anknüpfende hermeneutische Philosophie mit der sprachanalytischen Sinnkritik; auf dieser breit gefächerten Grundlage entfaltete er eine neue Transzendentalphilosophie, die er „im Apriori der Kommunikationsgemeinschaft“ begründet sah. Damit verband sich für ihn einerseits der Anspruch, das bis zum 20. Jahrhundert vorherrschende Paradigma der Subjektphilosophie durch das Paradigma einer Philosophie intersubjektiver Verständigung zu überwinden, und zum anderen eine Letztbegründung nicht nur der theoretischen, sondern auch der praktischen Philosophie zu leisten. An deren Notwendigkeit und Möglichkeit hielt er auch in seinen zuletzt erschienenen Aufsatzsammlungen Paradigmen der ersten Philosophie (2011) und Transzendentale Reflexion und Geschichte (2017) fest. Denn fundamental geprägt durch die historische Erfahrung mit dem Nationalsozialismus, wollte Apel gerade in der praktischen Philosophie jede Form von Relativismus vermeiden. Er insistierte darauf, dass es etwas gibt, das wir immer schon voraussetzen, wenn wir eine Frage ernsthaft stellen, nämlich eine ideale Kommunikationsgemeinschaft, innerhalb der sich der wissenschaftliche wie der moralische und politische Diskurs vollzieht.

Die Bereitschaft zum ernsthaften Argumentieren impliziere dabei immer schon die Anerkennung der ethischen Grundnorm, nach der „alle Sinn- und Wahrheitsansprüche von Menschen im Prinzip in einer unbegrenzten Kommunikationsgemeinschaft durch Argumente – und nur durch Argumente – einlösbar sein müssen“. (Apel, Diskurs und Verantwortung, 46) Nur, wenn jeder am Diskurs Beteiligte sich bemühe, so weit wie möglich die Diskursregeln einzuhalten, bzw. sich verpflichte, für deren Etablierung und Realisierung zu sorgen, lasse sich die argumentative Praxis aufrechterhalten und dann auch zur Konfliktlösung einsetzen. Auf dieser Grundnorm aufbauend hat Apel dann seine Diskursethik – im Dialog mit Jürgen Habermas - vor allem in seinem zweiten Hauptwerk Diskurs und Verantwortung entwickelt.

Insgesamt haben Apels Untersuchungen zur Sprach- und Erkenntnisphilosophie wie auch vor allem zur praktischen Philosophie die philosophischen Debatten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur in Deutschland entscheidend mit bestimmt und neben Jürgen Habermas auch Philosophen wie Wolfgang Kuhlmann, Marcel Niquet, Matthias Kettner und Rainer Forst sowie Vertreter der südamerikanischen Befreiungsethik maßgeblich beeinflusst.“

Foto zum Download unter:www.uni-frankfurt.de/66607324

Veranstaltungen

Mai 16 2017
13:14

Auftakt der Vortragsreihe „Imperien und ihr Ende“ im Schloss Bad Homburg

1917: multiethnische Imperien in der Krise

BAD HOMBURG. Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten in Imperien wie der Habsburger Monarchie Angehörige verschiedener Religionen und Volksgruppen meist friedlich zusammen – das war damals der „historische Normalfall“. Was passiert jedoch, wenn das multiethnische Geflecht in Ungleichgewicht gerät und die Kategorie der „Nation“ in den Vordergrund rückt? Jörn Leonhard, Professor für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, widmet sich in seinem Vortrag „Die Krise der Loyalität: Die multiethnischen Imperien im Schlüsseljahr 1917“ dieser Frage und wirft einen Blick auf das für das Ende von Imperien schlüsselhafte Jahr 1917

am Donnerstag (18. Mai) um 19 Uhr
im Schloss Bad Homburg.

Schon seit Beginn des Ersten Weltkrieges hatten die europäischen Kriegsakteure auf das Prinzip von Nation und Nationalstaat gesetzt, um Verbündete zu gewinnen. Damit aber provozierten sie in den Gesellschaften der multiethnischen Imperien Russlands, der Habsburger Monarchie und des Osmanischen Reiches umfassende nationalpolitische Erwartungen. Das erklärt weitere Phänomene: die deutsche Unterstützung für ukrainische und finnische Nationalisten, die Konkurrenz von Deutschen und Russen um polnische Unterstützung, wobei den Polen im Gegenzug weitgehende nationale Autonomie versprochen wird, die Unterstützung aus London und Paris für palästinensische und arabische Unabhängigkeitsbewegungen gegen das Osmanische Reich, aber auch die Angst der Briten vor einer osmanischen Strategie, die Inder gegen die britische Herrschaft aufzuwiegeln. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Jörn Leonhard die Krise überkommener Loyalitäten in den multiethnischen Großreichen im Schlüsseljahr des Krieges.

Jörn Leonhards Vortrag ist Auftakt der fünfteiligen Vortragsreihe „Imperien und ihr Ende“, die gemeinsam von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und dem Historischen Kolleg des Forschungskollegs Humanwissenschaften veranstaltet wird. Die Vortragsreihe wiederum ist Bestandteil des gleichnamigen Themenjahres im Historischen Kolleg, in dessen Rahmen dem „Imperium“ als wichtigem Forschungsgegenstand der Geschichte und Rechtsgeschichte mit einem reichhaltigen Forschungs- und Veranstaltungsprogramm Rechnung getragen wird.

Weitere Themen und Termine der Vortragsreihe im Überblick (Beginn jeweils 19 Uhr, Ort: Schloss Bad Homburg)

  • 8. Juni (Donnerstag): Ulrike Freitag (Professorin für Islamwissenschaft, Freue Universität Berlin) mit „Der Zusammenbruch des Osmanischen Imperiums und seine Folgen“
  • 22. Juni (Donnerstag): Joachim von Puttkamer (Professor für Osteuropäische Geschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena), „‘Möge Gott der Herr Rußland schützen.‘ Der Untergang des Zarenreiches in der Russischen Revolution“
  • 6. Juli (Donnerstag): Benedikt Stuchtey (Professor für Neuere Geschichte, Philipps-Universität Marburg), „Nach dem Krieg: Die Imperien in der Kritik“
  • 12. Juli (Mittwoch): Christoph Cornelißen (Professor für Neueste Geschichte, Goethe-Universität) „Der Zusammenbruch der Imperien in Europa und die Suche nach neuen Ordnungen“

Die Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Themenjahr 2017 „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Informationen: Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.Zu den Veranstaltungen im Schloss Bad Homburg ist keine Anmeldung erforderlich.

Veranstaltungen

Mai 16 2017
12:20

„Mittwochskonferenzen“ – öffentliche Vortragsreihe des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften im Mai

Ein Radioapparat im Empire-Stil

FRANKFURT. Das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften (FZHG) der Goethe-Universität lädt im Sommersemester noch zu zwei öffentlichen Vorträgen im Rahmen seiner „Mittwochskonferenzen“ ein. Sie finden jeweils um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411 stattfinden. Am 17. Mai spricht David B. Ruderman, Professor für Modern Jewish History an der University of Pennsylvania Philadelphia über „Defending the Integrity of Rabbinic Judaism in 19th Century Europe: The Response of Isaac Baer Levinsohn to the Missionary Assaults of his Day”. Am 31. Mai hält Dario Gamboni, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Genf einen Vortrag mit dem Titel „Ein Radioapparat im Empire-Stil: Reflektierte Konservierung der Vergangenheit in Künstler- und Sammlermuseen“.

David B. Ruderman beschäftigt sich mit der Replik des hebräisch russischen Schriftstellers Isaac Baer Levinson (1788–1860) auf Alexander McCaul (1799–1863), prominentester Vertreter der „London Society for Promoting Christianity amongst Jews”. McCaul veröffentlichte 1837 einen scharfen Angriff auf den Talmud und löste damit große Irritation unter den Juden aus. Levinsohn, gut vernetzt mit der zeitgenössischen Wissenschaft und oft „russischer Mendelssohn“ genannt, argumentierte sehr elaboriert, wie das Judentum angesichts der vielfältigen Herausforderungen der Moderne seinen authentischen Charakter behalten und sich dennoch reformieren könnte. Levinsohn war nicht nur sehr belesen in rabbinischen Quellen, er verfügte auch über umfassende Kenntnisse der alten und modernen Geschichte.

Dario Gamboni thematisiert in seinem Vortrag die Bedeutung der Konservierung. Sie gehört zu den Aufgaben der meisten Museen und schließt allmählich auch Geschichte und Substanz der Museen selbst ein – von der Präsentation der Sammlungen bis zur Architektur. Daraus resultiert eine Spannung zwischen der Anpassung an sich stets verändernde Umstände und Erwartungen einerseits sowie Kontinuität und Selbstreflexivität andererseits, so der Referent. Aus der Betrachtung von Künstler- und Sammlermuseen, die sich ein unverändertes Weiterleben als Ziel geben und die Erinnerung an ihre Gründer, die Erhaltung von Kunst und Kultur erfinderisch und manchmal humorvoll pflegen, gewinnt Gamboni spannende Erkenntnisse.

Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel.(069) 798 32113, E-Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de