​​​​Pressemitteilungen ​

 

Dez 1 2017
11:58

Luft anhalten für ein scharfes Bild - Schonende Diagnostik macht Frühstadien von Herzerkrankungen sichtbar

Tiefer Blick ins Herz

FRANKFURT. Herzerkrankungen sind keinesfalls nur ein Risiko für Senioren. Auch körperlich aktive Menschen können gefährdet sein, etwa wenn eine eigentlich harmlose Erkältungskrankheit auf den Herzmuskel übergreift. Bleibt dies unerkannt und setzt beispielsweise der Handwerker seine aktive Tätigkeit oder der Sportler sein intensives Training fort, kann dies zu chronischen Entzündungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Tod führen. Wie Untersuchungen mit hochmodernen Bildgebungsgeräte solche Risiken verringern, schildert das Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Prof. Eike Nagel und seine zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung „Kardiovaskuläre Bildgebung“ der Goethe-Universität Frankfurt entwickeln verbesserte Prognose- und Diagnosemöglichkeiten von Herzerkrankungen. „Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie können wir in den Herzmuskel reinschauen“, schildert Nagel die Vorteile eines in der Herzuntersuchung recht neuen Verfahrens, das die Frankfurter in den letzten Jahren federführend mit- und fortentwickelt haben. Es macht den Blutfluss sichtbar und damit mögliche Engstellen. Zudem erkennen die Experten, ob der Herzmuskel vernarbt, entzündet oder anderweitig verändert ist.

Die vergleichsweise schnelle Methode erlaubt es, Patienten frühzeitig zu untersuchen und so möglicherweise eine Herzschwäche bis hin zum Herzinfarkt zu verhindern. „Krankheiten wie HIV, Nierenschäden, Rheuma oder Tumoren strahlen häufig auch auf das Herz aus“, beschreibt Nagel gefährdete Menschen. „Wir können heute so viele Erkrankungen erfolgreich behandeln oder sogar heilen – aber das Herz leidet dabei unentdeckt mit und sollte daher beobachtet werden“, ist der Kardiologe überzeugt.

Die schonende MRT-Untersuchung von außen ist bei geringeren Risiken genauso effizient wie ein klassischer Herzkatheter-Eingriff, bei dem ein feiner Schlauch über eine Ader zum Herzen vorgeschoben wird. Das konnte Nagels Arbeitsgruppe kürzlich in einer international beachteten Studie zeigen.

Auch hochmoderne Computer-Tomographen stehen der Abteilung Kardiovaskuläre Bildgebung für dreidimensionale Bilder des Herzens zu Verfügung. Sie machen insbesondere verkalkte Ablagerungen sichtbar, die in Zukunft platzen und einen plötzlichen Herzinfarkt auslösen könnten. Demnächst reiche ein Herzschlag für eine aussagekräftige Aufnahme aus, prognostiziert Nagel – derzeit müssen die Patienten sechs bis zehn Sekunden lang den Atem anhalten, damit die Lungentätigkeit nicht das Bild verwackelt.

Diese rasanten Fortschritte in der Bildgebung der letzten Jahrzehnte faszinieren Nagel: „Heute können wir feinste Veränderungen erkennen und uns damit tatsächlich ein Bild von der Herzerkrankung machen.“

Viele weitere Beiträge zum Schwerpunkt „Bild und Bildlichkeit“ in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zeigen faszinierende Facetten von Bildern in der Wissenschaft.

Bilder zum Download einschließlich Bildtexten finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69481709

Informationen: Prof. Dr. med. Eike Nagel, Abteilung für Kardiovaskuläre Bildgebung, Universitätsklinikum Frankfurt, Medizinische Klinik III / Kardiologie (Haus 23 A), Theodor-Stern-Kai 7,  60590 Frankfurt am Main, Te­le­fon: 069 6301-87200, Eike.Nagel@kgu.de

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 30 2017
16:04

DFG bewilligt 3. Förderperiode des SFBs "Endotheliale Signaltransduktion und Vaskuläre Reparatur"

Millionenförderung für Herz-Kreislauf-Forschung

FRANKFURT. Nach einer exzellenten Begutachtung hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung des Sonderforschungsbereichs (SFB) "Endotheliale Signaltransduktion und Vaskuläre Reparatur" unter Federführung der Goethe-Universität ein weiteres Mal verlängert. Die Gesamtfördersumme für die nächsten vier Jahre beträgt 8,6 Millionen Euro.

Im Zentrum der Forschung stehen jene Zellen, welche die Blutgefäße im Inneren auskleiden. Diese sogenannten Endothelzellen spielen für die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems eine zentrale Rolle: Sie produzieren Signalmoleküle, die an der Regulation des Blutdrucks und an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Ebenso kontrollieren sie die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen und steuern das Wachstum der Blutgefäße.

Seit 2010 untersuchen die Forscher in 14 Teilprojekten unter anderem spezifische Signalmoleküle und molekulare Mechanismen, die für den Erhalt der Gefäßfunktion und Regeneration notwendig sind. Einen weiteren Schwerpunkt bilden translationale Projekte, welche die rasche Umsetzung von Forschungsergebnissen am Krankenbett zum Ziel haben. Sie untersuchen beispielsweise den Zusammenhang zwischen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht und der Endothelfunktion und sollen die Behandlung von Erkrankungen wie Atherosklerose oder Herzinsuffizienz verbessern.

Am SFB unter Sprecherin Prof. Ingrid Fleming vom Institute for Vascular Signalling sind auch das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim sowie Forscher aus den Biowissenschaften an der Goethe-Universität beteiligt.

Information: Prof. Dr. Ingrid Fleming, Institute for Vascular Signalling, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-6972; -6052, SFB834@vrc.uni-frankfurt.de.

 

Nov 30 2017
16:03

Studie soll prüfen, wie Expertenwissen sich flächendeckend verbreiten lässt/ Ländliche Gebiete in Hessen sind unterversorgt

Epilepsie-Patienten mit Telemedizin besser versorgen

FRANKFURT. Die Diagnose einer Epilepsie erfordert in vielen Fällen eine spezialisierte, neurologische Expertise. Diese ist in Bundesländern wie Hessen häufig nicht flächendeckend verfügbar. Das Epilepsiezentrum an der Universitätsklinik Frankfurt will deshalb die Möglichkeiten der telemedizinischen Beratung von Krankenhäusern und neurologischen Praxen untersuchen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Hessische Ministerium Soziales und Integration haben für die Studie gemeinsam insgesamt 708 Tausend Euro bewilligt.

In Deutschland sind mehr als 800.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Oft erhalten die Betroffenen erst nach Jahren die richtige Diagnose und werden anfänglich falsch behandelt. Verspätete Diagnosen und Fehldiagnosen führen zu psychosozialer Belastung und verlängern die Krankheitszeiten. Dabei könnten die Anfälle in zwei Dritteln der Fälle rascher kontrolliert werden, wenn die mittlerweile 30 zur Verfügung stehenden Antiepileptika frühzeitig und richtig eingesetzt würden.

Bislang ist die Epilepsie-Expertise in Hessen aber nicht flächendeckend verfügbar. Mit ein Grund dafür ist die im Ländervergleich niedrige Dichte an neurologischen Praxen (Platz 13). Für Epilepsiepatienten ist dies problematisch, weil sie aufgrund der Therapie mit Anti-Epileptika nicht Auto fahren dürfen. Zudem sind überdurchschnittlich häufig behinderte und alte Menschen von Epilepsie betroffenen. Auch sie sind weniger mobil als andere Patienten und können deshalb die spezialisierten Zentren nicht gut erreichen.

„Die Telemedizin kann eine wichtige Rolle spielen, um die Kompetenz der spezialisierten Zentren in die Fläche zu bringen. Aber bisher stehen wir damit in unserem Fachgebiet noch ganz am Anfang“, so Prof. Felix Rosenow vom Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main. Sein Kollege Prof. Adam Strzelczyk, der mit ihm den Projektantrag stellte, ergänzt: „In einigen Bundesländern, aber nicht in Hessen, gibt es mittlerweile erste Ansätze, einzelne Krankhäuser konsiliarisch mit Expertise zu versorgen, bis hin zu noch sehr kleinen tele-epileptologischen Netzwerken, die aber rein krankenhausbasiert sind.“

In dem nun bewilligten Projekt ist zunächst geplant, ein telemedizinisches Netzwerk für die Epilepsieversorgung in Hessen zu etablieren. Ziel ist es, die am Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main vorhandene Expertise zunächst mit je fünf bis zehn Kliniken und neurologischen Praxen zu teilen. Das Epilepsiezentrum Marburg möchte sich ebenfalls beteiligen und wird diesbezüglich einen Ergänzungsantrag an die Ministerien stellen. Begleitend wird mit einer Versorgungsforschungsanalyse geprüft, ob sich mit diesem Ansatz verlängerte Krankenhausaufenthalte, Arbeitslosigkeit sowie Frühberentung vermindern lassen und eine bessere Integration am Arbeitsmarkt ermöglicht wird.

Eine wesentliche technische Innovation, die auch im Rahmen des Projekts vorangetrieben werden soll, ist die Schaffung von standardisierten und zertifizierten Lösungen für die telemedizinische Auswertung von EEG-Daten. Im Vorfeld des Antrags haben Rosenow und Strzelczyk bereits Gespräche mit der Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions (DTHSS) geführt, die u.a. die Anwendung Tele Health Ost-Sachsen (THOS) betreibt. Auch eine Kooperation mit dem Austrian Institute of Technologie wird erwogen.

Information: Prof. Felix Rosenow, Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie, Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069)-6301-84521, rosenow@med.uni-frankfurt.de.

 

Nov 30 2017
16:02

Podiumsdiskussion im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Wenn Imperien untergehen

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Imperien und ihr Ende“ sind das Jahresthema 2017 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Eine Podiumsdiskussion fasst die Ergebnisse zurückliegender Veranstaltungen zusammen und sucht nach Antworten auf die Frage, was passiert, wenn Imperien untergehen.

Für die im 20. Jahrhundert Geborenen ist der Nationalstaat die vertrauteste Organisationsform. Das Imperium erscheint fremd, ist jedoch historischer Normalfall: eine Machtstruktur mit multiethnischer Bevölkerung und verschiedenen Religionen, mit einer einheitlichen Außenpolitik, doch ohne vereinheitlichte Rechtsordnung im Inneren, sowie mit dem Anspruch, ein Weltreich zu sein. Der Zusammenbruch eines solchen Reiches hat entsprechend weitreichende Konsequenzen.

Das Jahresthema 2017 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität war und ist den „Imperien und ihrem Ende“ gewidmet. Wann aber endet ein Imperium, woran macht man dieses Ende fest, und welche Folgen hat es? Die Antworten dürften in jedem historischen Fall anders ausfallen. In den vergangenen Monaten ging und geht es in Bad Homburg um so unterschiedliche Fälle wie das Ende des Inkareichs in Südamerika, den Zerfall der iberischen Imperien im Atlantik und Pazifikraum, das Osmanische und das Zarenreich. Die abschließende

Podiumsdiskussion „Imperien und ihr Ende“ am Donnerstag, 7. Dezember, 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg,

soll dazu dienen, Ergebnisse dieser Veranstaltungen zusammenzufassen und nach Unterschieden, aber vielleicht auch Gemeinsamkeiten dieser historisch vielfältigen Prozesse zu fragen. Darüber hinaus werden nochmals die paradox anmutenden langfristigen imperialen Kontinuitätslinien nach dem „Ende der Imperien“ beleuchtet.

Die Programmbeauftragten für das Themenjahr „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Sie setzten sich auf dem Podium gemeinsam mit zwei Fellows des Historischen Kollegs, die im Rahmen des Themenjahres „Imperien und ihr Ende“ Gastwissenschaftler am Forschungskolleg Humanwissenschaften sind, mit oben genannten Fragen auseinander. Ulrike von Hirschhausen ist Professorin für Europäische und Neueste Geschichte an der Universität Rostock. Während ihres Fellowships am Forschungskolleg Humanwissenschaften forscht sie zu „Empires – Die Krise der Vielfalt im 19. Jahrhundert“. Massimo Meccarelli ist Professor für Rechtsgeschichte an der Universität von Macerata, Italien. Sein Forschungsaufenthalt ist der räumlichen Dimension von Recht und Fragen der Imperienbildung durch Recht in der Frühen Neuzeit gewidmet. Moderiert wird die Diskussion von Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität und wissenschaftlicher Leiter des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung. Das kommende Jahr 2018 widmet sich das Historische Kolleg dem Thema „Christianisierung in der Spätantike“. Federführend dabei ist Hartmut Leppin, Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität.

Um Anmeldung wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Dr. Ellinor Schweighöfer, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Nov 29 2017
17:41

Zertifikatsübergabe an die ersten beiden Gruppen der Fortbildungsreihe in der Berta-Jourdan-Schule Frankfurt

Vom Sprachprofi zum Sprachförderprofi

FRANKFURT. Im Projekt „Sprachförderprofis“ werden seit Herbst 2016 Pädagoginnen und Pädagogen geschult für den Umgang mit Kindern, die Sprachförderbedarf in der deutschen Sprache haben. Die erste Schulungsrunde ist heute mit der Übergabe von Teilnahmezertifikaten zu Ende gegangen.

Das Beherrschen der deutschen Bildungssprache ist der Schlüssel für den schulischen Erfolg von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprachen und ihre Integration ins soziale Umfeld. Laut PISA 2000 ist „Für Kinder aus Zuwandererfamilien […] die [mangelnde] Sprachkompetenz die entscheidende Hürde in ihrer Bildungskarriere“. Daher ist eine möglichst frühe, abgestimmte Sprachförderung der hessischen Kindertagesstätten und Schulen unverzichtbar.

Um das Angebot in Frankfurter Kindertagesstätten und Grundschulen in Frankfurt und Hessen gerade vor dem Hintergrund des steigenden Anteils von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache zu professionalisieren, wurde im Herbst 2016 an der Goethe-Universität das Projekt „Sprachförderprofis“ ins Leben gerufen, das von Prof. Petra Schulz (Goethe-Universität, Professur für Deutsch als Zweitsprache) geleitet wird und sich zum Ziel gesetzt hat, das pädagogische Personal in der wichtigen Aufgabe der Sprachförderung zu unterstützen und weiter zu qualifizieren.

Im Grunde genommen sind wir natürlich alle Sprachprofis – zumindest in unserer Muttersprache. Wir wissen intuitiv genau, ob ein Satz grammatikalisch richtig oder falsch ist oder ob ein Wort zu unserer Sprache gehört oder nicht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir alle Sprachförderprofis sind. Dazu muss man wissen, wie das komplexe System Sprache aufgebaut ist und wie Kinder sich Sprache aneignen. Um die Kinder dabei effektiv fördern zu können, braucht es Experten für die Sprache – Sprachförderprofis eben.

Die „Sprachförderprofis“ sind ein gemeinsames Projekt der Goethe-Universität Frankfurt und des IDeA-Zentrums (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk). Finanziell gefördert wird es seit 2016 vom Stadtschulamt Frankfurt, dem Hessischen Kultusministerium und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. „Im Einwanderungsland Deutschland ist die fachgerechte Vermittlung der Landessprache an Zuwanderer eine zentrale Aufgabe. Das Projekt ‚Sprachförderprofis‘ ist ein wichtiger Beitrag dazu“, sagt Prof. Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Prof. Petra Schulz erklärt das Konzept: „In dem Projekt werden Sprachförderkräfte aus Kindertagesstätten und Grundschulen im zentralen Bereich Sprache gemeinsam systematisch und linguistisch fundiert qualifiziert. Unser Ziel ist es, in den Handlungsbereichen Sprachdiagnostik und Sprachförderung in enger Kooperation mit der Praxis Qualitätsstandards zu entwickeln, die die Kontinuität der Fördermaßnahmen im Elementar- und im Primarbereich sicherstellen.“

Das Besondere am sprachwissenschaftlich basierten Konzept: Erzieherinnen und Erzieher aus Frankfurt und Lehrkräfte werden gemeinsam systematisch für eine sprachsensible Arbeit in Kita und Grundschule geschult. Zudem ist das Projekt ein gelungenes Beispiel hinsichtlich der zielgerichteten Zusammenarbeit gerade im Bereich der immer wichtiger werdenden Integrationsherausforderung zwischen Universität, Land, Kommune und Stiftung. Rabea Lemmer und Alina Lausecker, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen im Projekt, weisen auf eine weitere Besonderheit des Projekts hin: „Die Fortbildungen finden nicht als isolierte Veranstaltungsreihe statt; Vermittlungsphasen wechseln sich mit Einheiten zur Umsetzung und zur Reflexion der Praxis ab. So wird eine größtmögliche Wirksamkeit und eine enge Verzahnung mit den Erfahrungen der Fachkräfte garantiert.“

Nach der erfolgreichen Teilnahme an der fünftägigen Fortbildung sind am heutigen Mittwoch, 29. November, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in den Beruflichen Schulen Berta Jourdan die ersten 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schule und Kita mit dem Sprachförderprofis-Zertifikat ausgezeichnet worden. Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag der renommierten Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim zum Thema „Sprachprofis kompetent fördern".

Innerhalb Hessens nimmt Frankfurt in diesem Projekt eine Vorreiterrolle ein: Die Sprachförderprofis-Fortbildungen zur Professionalisierung von Sprachförderkräften, die hier initiiert wurden, sollen noch in diesem Jahr im Bereich der Grundschulen auf andere hessische Regionen ausgeweitet werden. Auch für Frankfurt sind für 2018 und 2019 weitere Fortbildungen geplant.

Ein Bild erhalten Sie auf Anfrage bei Helga Ott, Abteilung PR & Kommunikation, E-Mail ott@pvw.uni-frankfurt.de

Informationen: Prof. Dr. Petra Schulz, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Fachbereich 10, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt, Telefon 069 798-32561, E-Mail p.schulz@em.uni-frankfurt.de; Homepage: www.uni-frankfurt.de/44192743/DaZ; Sprachförderprofis: www.sprachfoerderprofis.de

 

Nov 29 2017
14:12

Wie umgehen mit kinderpornographischen Fotos und Videos vor Gericht?

Verbotene Bilder

FRANKFURT. Im Strafprozess gegen Produzenten, Verbreiter und Besitzer kinderpornographischer Bilder sind Bilder als Beweismittel unverzichtbar. Zugleich verlängern sie das Leiden der Opfer. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ geht ein Beitrag aus der Rechtswissenschaft der Frage nach, unter welchen Bedingungen wer diese Bilder sehen darf bzw. sehen muss.

Wer als Kind oder Jugendlicher Opfer von Missbrauch wird, hat meist sein Leben lang unter den seelischen Folgen zu leiden. Bilder sind einerseits Teil des Missbrauchs, werden aber andererseits im Strafprozess als Beweismittel benötigt. Ein Dilemma für das Strafprozessrecht, wird das Verbrechen durch diese Bilder doch perpetuiert. Wie damit umzugehen ist, wirft noch etliche Fragen auf. Im Beitrag mit dem Titel „Verbotene Bilder“ erläutern die Rechtswissenschaftler Prof. Matthias Jahn und Dr. Dominik Brodowski die aktuelle Rechtslage und gehen auf den Stand der Debatte ein.

Mit welchen Bildern jeglicher Umgang grundsätzlich verboten ist, das ist im Strafgesetzbuch nachzulesen. Mit den wachsenden technischen Möglichkeiten haben sich auch die gesetzlichen Regelungen immer wieder verändert. Waren in 1970er Jahren vor allem Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Hinblick auf analoge Medien wie Zeitschriften, Fotografien und Videos verboten, macht man sich seit den 90er Jahren schon durch den Besitz strafbar. Und längst bezieht sich das Verbot auch auf Speichermedien und das Internet, die Strafbarkeit wurde ausgeweitet auf Darstellungen von Jugendlichen und auf Posing-Fotos. Schon die Suche danach ist strafbar.

Bei Ermittlungen werden diese verbotenen Bilder gesichert und ausgewertet, die Ermittler haben täglich damit zu tun. So kommen auch Richterinnen und Richter – jedenfalls zeitweise – in den Besitz der verbotenen Darstellungen. Strafbar machen sie sich damit nicht – solange sie nur das tun, wozu sie nach geltendem Recht ja verpflichtet sind. Für ein faires Strafverfahren muss auch der Verteidiger Einblick in die Verfahrensunterlagen bekommen. Doch darf er die Bilder an seinen Mandanten weitergeben? Wie schaut es mit externen Gutachtern aus? Im Einzelfall sind die Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenen fließend und müssen immer wieder neu verhandelt werden. Dies machen die beiden Autoren in ihrem Beitrag deutlich und zeigen anhand von Beispielen, wie das Dilemma in der Praxis gelöst wurde.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 27 2017
17:39

Physiker der Goethe-Universität sind mit drei Projekten beteiligt

Neuer SFB entschlüsselt Chiralität von Molekülen

FRANKFURT. Die Spiegelbildlichkeit von Molekülen verstehen und manipulieren – das ist das Ziel eines von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs.  An dem Forschungsverbund „Extreme light for sensing and driving molecular chirality“ (ELCH)unter Federführung der Universität Kassel ist die Goethe-Universität mit drei Einzelprojekten wesentlich beteiligt.

Für die physikalische Grundlagenforschung, aber auch für die Medizin und Lebenswissenschaft ist es wichtig, die „Chiralität“ zu verstehen, also die Tatsache, dass zwei Moleküle aus denselben Atomen spiegelverkehrt aufgebaut sein können. So kann eine Chemikalie in der einen Variante giftig und in der anderen ein Medikament sein. Die Kasseler Forschungsgruppe will chirale Moleküle hochempfindlich analysieren und letztlich ihre Chiralität oder „Händigkeit“ manipulieren und umkehren. Dafür werden die Moleküle mit extremen Lasern beschossen und mit modernsten Nachweistechniken erfasst, unter anderem mit der an der Goethe-Universität entwickelten COLTRIMS Technik, eine Art Supermikroskop, mit dem sich einzelne Moleküle untersuchen lassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll dabei weltweit erstmals ein Gasphasenlabor für die ausschließlich mit Licht getriebene Physik chiraler Moleküle entstehen.

Die DFG finanziert den Sonderforschungsbereich zunächst für die kommenden vier Jahre mit rund 9 Millionen Euro. Danach sind zwei Verlängerungsperioden auf maximal 12 Jahre möglich. Sprecher ist Prof. Dr. Thomas Baumert, Leiter des Fachgebiets Femtosekundenspetroskopie und ultraschnelle Laserkontrolle. Beteiligt am Sonderforschungsbereich sind sieben Professuren der Universität Kassel, weitere Partner sind das Deutsche Elektronensynchrotron (DESY) Hamburg, die Philipps-Universität Marburg und die Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Reinhard Dörner und Dr. Markus Schöffler, Institut für Kernphysik).

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel. (069) 798- 47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de.

Martin Pitzer, Reinhard Dörner und Markus Schöffler: „Wenn Licht Moleküle in Stücke reißt“ in: Forschung Frankfurt 2/2015 (PDF-Download).

 

Nov 27 2017
17:38

Szenenwissen macht die Verarbeitung von Seheindrücken effizienter

Virtual Reality im Dienst der Psychologie

FRANKFURT. Der Aufbau unserer Umwelt folgt bestimmten Strukturen und Merkmalen, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir ihrer kaum bewusst sind. Dieses „Szenenwissen“ untersucht die Psychologin Prof. Melissa Lê-Hoa Võ an der Goethe-Universität – unter anderem im Virtual Reality-Labor. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichtet die Journalistin Jessica Klapp über ihren virtuellen Ausflug nach Italien und erklärt, warum wir die Milch nicht unter dem Bett suchen oder das Kissen in der Badewanne.

„Wenn wir einen bestimmten Gegenstand in einer Szene suchen, scheinen wir genaue Vorstellungen darüber entwickelt zu haben, welche Objekte wir wo suchen und finden müssen“, erklärt Melissa Võ. Bei der Erforschung dieser natürlichen Szenen interessiert sie insbesondere, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Bei welchen Gegebenheiten merken wir besonders auf? Und an was würden wir uns später erinnern? Um das herauszufinden, setzt die Psychologin in ihrem Labor neben Hirnpotenzialmessungen auch Eye-Tracking und Virtual Reality Szenen ein.

„Mit Eye-Tracking messen wir, welche Teile eines Bildes vom Betrachter als interessant oder wichtig befunden werden, wie schnell der Blick auf bestimmte Objekte in Szenen fällt und wie lange der Blick dort verweilt“, erklärt Dr. Dejan Draschkow aus der Arbeitsgruppe von Võ. Wegen der engen Beziehung von Augenbewegung und kognitiven Prozessen ist das Eye-Tracking von großer Bedeutung. Die videobasierten Systeme, die die Forscher verwenden, erfassen die Augenbewegungen mithilfe einer Kamera. Sowohl kopfgetragene, brillenähnliche Systeme kommen zum Einsatz als auch Remote-Eye-Tracker, die sich mit einer Kamera und Infrarot-LEDs im Computermonitor befinden. Mit dem mobilen System können sich die Versuchspersonen im Raum bewegen, Gegenstände suchen und mit ihnen interagieren.

Mit dem Virtual Reality-Headset wird über den Computer eine virtuelle 3-D-Welt simuliert, durch die sich der Proband bewegt. Mit simulierten Umgebungen wie einer italienischen Piazza, in deren Mitte unterwartet braune Kisten schweben, prüfen die Forscher, ob die Ergebnisse, die sie auf zweidimensionalen Bildschirmen feststellen, auch in einer realitätsnahen, dreidimensionalen Umgebung gelten. Sie wollen Gesetzmäßigkeiten verstehen, mit deren Hilfe Menschen ihre Umwelt aufbauen und mit den Objekten in ihr interagieren.

Die Erforschung von Szenenwissen im Kindesalter ist eines der Felder, mit denen sich die Arbeitsgruppe sehr intensiv auseinandersetzt. Ziel des Projekts „SCESAM“, das mit der Unterstützung von IDeA – einem interdisziplinären Forschungszentrum – initiiert wurde, ist es, eventuelle kognitive Defizite wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Mit einem mobilen Forschungslabor finden die Studien direkt vor der KiTa statt: Die Forscher zeigen den Kindern „ungrammatische“ Bilder, auf denen etwa ein Schuh anstelle eines Topfes auf dem Herd steht, und beobachten die Reaktionen mithilfe einer Eye-Tracking-Kamera. Verhält sich eines unter vielen Kindern anders, interessiert sie, ob ein Zusammenhang zur sprachlichen Entwicklung und dem Aufmerksamkeitsverhalten besteht.

Auch Bereiche wie die Medizin ziehen Nutzen aus den Ergebnissen. So haben die Forscher Blickbewegungen von Radiologen bei der Betrachtung von Röntgenbildern gemessen und untersucht, welche Strategien sie zur Erkennung von Tumoren nutzen und mit welchem Erfolg diese Strategien einhergehen. Ebenso von Bedeutung sind die Forschungsergebnisse bei der Handgepäck-Sicherheitskontrolle an Flughäfen. Wie entscheiden Mitarbeiter, welche Gepäckstücke näher geprüft werden müssen? Warum wurde ein gefährlicher Gegenstand nicht gefunden? Hat der Kontrolleur nicht auf diesen Bereich geschaut? Oder hat er darauf geschaut, diesen Teil aber nicht für wichtig erachtet?

Schließlich könnten auch Menschen mit Demenz von der Erforschung des Szenenwissens profitieren. Denn Võ und ihre Mitarbeiter haben herausgefunden, dass die Gedächtnisleistung für Bilder in einer Szene zunimmt, wenn die Probanden zuvor einzelne Objekte gesucht und gefunden haben. Bei einem überraschenden Gedächtnistest schnitten sie deutlich besser ab als Personen, die sich explizit Objekte merken sollten. „Dies bedeutet für uns, dass bei der visuellen Suche eine starke Auseinandersetzung mit der Szene stattfindet und sich Objekte besser einprägen“, erklärt die Psychologin.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69396691

Bildtext: Ein Bild aus der Datenbank SCEGRAM, die Objekte an ungewöhnlichen Standorten zeigt. Die Arbeitsgruppe von Melissa Võ untersucht, wie das Gehirn darauf reagiert.

Information: Prof. Melissa Le-Hoa Võ, Dr. Dejan Draschkow, Scene Grammar Lab, Institut für Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069)798-35342, mlvo@psych.uni-frankfurt.de, Tel.: (069)798-35310, draschkow@psych.uni-frankfurt.de.

 

Nov 24 2017
15:31

„Normative Ordnungen“ ab dem 29. November mit fünf Beiträgen bei der Frankfurter Biennale des bewegten Bildes zum Thema „Desire“

Utopie und Filosofie: Der Cluster auf dem B3-Festival

FRANKFURT. Der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beteiligt sich auch an der diesjährigen B3 Biennale des bewegten Bildes, aktuell zum Leitthema „On Desire. Über das Begehren“. Der Bogen reicht vom idealen Staat über heißes Rechtsgefühl bis zum Internet als Wunschmaschine der Gegenwart und einer frühen filmischen Versöhnungsutopie von Mensch und Maschine. Hinzu kommt das Begehren nach Weisheit – auf Niederländisch übrigens „Wijsbegeerte“ und dort ein Synonym für „Filosofie“.

Die B3 wird jetzt zum dritten Mal von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach veranstaltet. 2015 kamen rund 370.000 Besucher. Das Festivalzentrum „FOUR Frankfurt“ der jüngsten Auflage befindet sich in den ehemaligen Vorstandsetagen der Deutschen Bank und im Hermann-Josef-Abs-Saal an der Junghofstraße. Dort und an weiteren Orten Frankfurts und der Rhein-Main-Region präsentieren nationale und internationale Akteure aus Kunst, Medien, Technologie und Wissenschaft ihre Projekte und Ideen. Es geht um Fernsehen, Film und Virtuelle Realität, den Computer und das Internet. Flankierend und den Fokus erweiternd machen sich auch Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes Gedanken über das Begehren. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit normativen Ordnungen kann Prinzipien aufzeigen, Begriffe klären und Orientierung geben. Sie benennt dabei auch Sehnsüchte - und hinterfragt sie zugleich kritisch.

Dass Philosophie auch „Wijsbegeerte“ heißt, kann kaum verwundern. Denn in der Tat gibt es ein Begehren nach Wissen und Weisheit  – was die letzten Dinge betrifft, aber auch in Bezug auf die alltägliche Lebensführung. Doch während die populären Philosophie-Formate im Fernsehen, Radio und in Zeitschriften wohl gerade deshalb Konjunktur haben, weil sie konkrete Relevanz versprechen, zeigt sich die akademisch betriebene „Liebe zur Weisheit“ bei einer direkten Verwertung oft zurückhaltend. „Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?“ heißt das Podiums- und Publikumsgespräch mit Marcus Willaschek, Philosophie-Professor an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters, am 29. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Die Moderation hat Bernd Frye, Pressereferent des Clusters.

Die „Gesetze des Begehrens im Internet“ untersucht der Jurist Matthias C. Kettemann, der sich am Cluster zur normativen Ordnung des Internets habilitiert, in seinem Vortrag am 30. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Im Internet als Wunschmaschine der Gegenwart produzieren und konsumieren wir laufend Inhalte und sehen und erwerben Produkte. Zwischen uns und anderen, zwischen uns und den Produkten stehen Vermittler: die Intermediäre (Plattformen und soziale Medien), die Gesetze des Begehrens im Internet aufstellen. Doch was sind das für Normen, die das Begehren strukturieren?

Rainer Forst referiert am 1. Dezember. Er ist einer der beiden Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Sein Thema von 17.30 bis 18.30 Uhr: „Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo“. Das utopische Denken ist umstritten: Es gilt als unabdingbar, um gegebene Ordnungen zu überschreiten, andererseits wird es als sinnlose Träumerei oder totalitäre Produktion des neuen Menschen kritisiert. Im Rückgang auf die 500 Jahre alte „Utopia“ des Thomas Morus aber lässt sich zeigen, dass es gerade dort seinen Sinn hat, wo es uns in eine kritische und ironische Distanz zum Hier und Jetzt und auch zur Idee der perfekten Gesellschaft bringt.

Klaus Günther ist der weitere Cluster-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 2. Dezember von 17.30 bis 18.30 Uhr dem Thema „Hitze und Kälte im Recht“. Denn eine Funktion, die dem Recht zugeschrieben wird, ist die Abkühlung von heißen Emotionen: Das Recht nötigt dazu, sich auf geregelte Verfahren einzulassen. Doch heften sich Emotionen an das Recht, die umso heißer werden, sobald es nicht dem eigenen Begehren entspricht. Sophokles‘ Drama „Antigone“ oder Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ sind literarische Beispiele dafür.

Ein Vortrag mit Filmbeispielen steht für den 3. Dezember von 14.30 bis 15.30 Uhr auf dem Programm: „L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930)“, so das Thema von Tatjana Sheplyakova, Philosophin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster. In Vertovs Klassiker „Enthusiasmus“, dem ersten sowjetischen Tonfilm überhaupt, wird die Utopie der Versöhnung von Mensch und Maschine real. Menschliche Arbeit ist hier ein Begehren, das sich im Spiel der mechanischen Wiederholungen potenziert. Ihr Antrieb ist kein Mangel, sondern Luxus der Kräfte. Was sagt uns dieser Film heute, in dem das Kino die Kirche ablöst, das Sehen zum Hören wird und das Individuum im Kollektivkörper aufgeht?

Die Termine im Überblick:

Mittwoch, 29. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Marcus Willaschek: Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie? (Moderation: Bernd Frye); 1. OG, Plenarsaal

Donnerstag, 30. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Dr. Matthias C. Kettemann: Gesetze des Begehrens im Internet; 1. OG, Plenarsaal

Freitag, 1. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Rainer Forst: Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo; 1. OG, Plenarsaal

Samstag, 2. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Klaus Günther: Hitze und Kälte im Recht; 1. OG, Plenarsaal

Sonntag, 3. Dezember 2017, 14.30 bis 15.30 Uhr
Dr. Tatjana Sheplyakova: L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930); 2. OG, Congress Raum 1

Festivalzentrum FOUR Frankfurt, Junghofstraße 5-9, 60311 Frankfurt; der Eintritt zu den Veranstaltungen des Exzellenzclusters ist frei

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net
http://www.normativeorders.nethttp://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/b3-biennale;
http://www.b3biennale.de

 

Nov 22 2017
16:37

Aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt

Vorstandsvergütung: Unterhalb des Dax ist die Vergütung angestiegen

FRANKFURT. Auch unterhalb des Dax werden Millionengehälter für Vorstände allmählich zur Regel – das zeigt die aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt. Während die Dax-Vorstände 2016 ähnlich viel verdienten wie im Jahr zuvor, stiegen die Gehälter bei MDax-, SDax-, und TecDax-Unternehmen zum Teil deutlich an. So erhielt der Vorstandschef eines MDax-Konzerns im Median 2,9 Millionen Euro, was einem Gehaltssprung von 17 Prozent entsprach. Die weiteren Vorstandsmitglieder erzielten auch ein Plus von 17 Prozent auf 1,6 Millionen Euro. Im SDax wurden die Vorstandsvorsitzenden im Median mit 1,3 Millionen Euro vergütet (plus 8 Prozent), seine Kollegen mit 1,1 Millionen Euro (plus 28 Prozent). Auch im TecDax ging es deutlich nach oben. Hier kam ein Vorstandschef auf 1,5 Millionen Euro (plus 18 Prozent), die weiteren Vorstandsmitglieder auf 0,8 Millionen Euro (plus 9 Prozent).

„Gehaltssprünge spiegeln die hohe Profitabilität der Unternehmen, aber auch Verschiebungen in den einzelnen Indizes wider“
„Die Entwicklung der Vorstandsgehälter spiegelt die robuste Konjunktur, die gerade bei vielen mittelgroßen Unternehmen höhere Gewinne und steigende Aktienkurse nach sich zieht“, sagt Petra Raspels, Arbeitsdirektorin bei PwC in Deutschland. Zu berücksichtigen ist hier aber auch der Effekt, der durch die Wechselhäufigkeit in der Zusammensetzung der Unternehmen in den betrachteten Indizes entsteht. Je nach Vergütungsniveau in den auf- oder absteigenden Unternehmen haben diese Wechsel entsprechende Auswirkungen auf das Vergütungsniveau des betreffenden Index. Hinzu komme die hohe Bedeutung variabler Gehaltselemente. Ein Beispiel: Die Vorstandschefs von TecDax-Unternehmen bezogen 2016 im Schnitt zwei Drittel ihrer Gesamtvergütung aus erfolgsabhängigen Komponenten. „Insofern würde ich in den steigenden Vorstandsgehältern auch keine ungesunde Entwicklung sehen. Denn durch die variablen Anteile ist sichergestellt, dass – wenn die Gewinne irgendwann zurückgehen sollten – auch die Vergütung wieder sinkt und die Unternehmen dann entsprechend weniger belastet werden“, so Raspels.

Die Langfristperspektive wird immer wichtiger
Unterm Strich fällt auf, dass sich die Vergütungsstrukturen in der deutschen Wirtschaft inzwischen eindeutig an einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung orientieren. So handelte es sich beispielsweise bei zwei Drittel der variablen Gehälter von Dax-Chefs um sogenannte „Long Term Incentives“ – also um Vergütungskomponenten, die nur dann vollständig ausbezahlt werden, wenn das Unternehmen auch langfristig Erfolg hat. „Darüber hinaus wird der Faktor Nachhaltigkeit auch in den maßgeblichen Regelwerken immer stärker betont“, sagt PwC-Vergütungsexpertin Nicole Fischer. „Die Corporate-Governance-Kommission hat ihre Vorgaben in diesem Jahr nochmals genau dahingehend präzisiert. Und auch die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (in Form des CSR-RUG) forciert eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, indem sie die vergleichbare Offenlegung nicht-finanzieller Aspekte fördert.“

Wie sich die Vergütungsmodelle optimieren ließen
Gleichwohl – auch das geht aus der Studie von PwC und der Goethe-Universität hervor – ließen sich die Vergütungsstrukturen bei vielen Unternehmen durchaus noch verbessern. So zahlen die meisten „Long Term Incentives“ immer noch Cash statt Aktien aus – womit sich der Bonus im Moment der Auszahlung von der Geschäftsentwicklung abkoppelt. „Eine Alternative hierzu wären sogenannte Restricted Share Units, kombiniert mit speziellen Bedingungen, die im Fachjargon als Vesting-Klauseln bezeichnet werden“, erläutert PwC-Partnerin Raspels. Dieses Modell läuft darauf hinaus, langfristige Boni in Form von Aktien zu gewähren – und die Vorstände anzuhalten, die Papiere auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum zu halten. Eine zusätzliche Komponente einer solchen, strikt nachhaltigen Vergütungsstruktur wären die international üblichen Share Ownership Guidelines. Petra Raspels: „Diese Richtlinien legen fest, dass Vorstände möglichst ein Mehrfaches ihrer Grundvergütung in Aktien des eigenen Unternehmens zu halten haben. Dadurch werden die persönlichen Interessen des Top-Managements endgültig mit den langfristigen Unternehmenszielen in Einklang gebracht.“

Klare Differenzierung in der Aufsichtsratsvergütung:
Im Median erhielt ein Aufsichtsratsvorsitzender im Dax 321.000 Euro – 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Stellvertreter und weiteren Aufsichtsratsmitglieder erhielten mit 249.000 Euro (plus 8 Prozent) bzw. 134.000 Euro (plus 5 Prozent) jeweils mehr als noch 2015. Für die weiteren Indizes ist eine klare Differenzierung entlang der Höhe der Gesamtvergütung erkennbar: Ein Aufsichtsratsvorsitzender im MDax erhielt 2016 199.125 Euro, im SDax waren es 100.000 Euro und im TecDax noch 89.855 Euro. Interessant ist zu beobachten, dass der TecDax der einzige Index ist, der einen Rückgang der Gesamtvergütung für Vorsitzende und weitere Aufsichtsratsmitglieder verzeichnete: 3 Prozent weniger für Aufsichtsratsvorsitzende und sogar 9 Prozent weniger für die weiteren Mitglieder. Ein Grund für diese unterschiedlichen Entwicklungen ist laut Studienautoren die sich geänderte Zusammensetzung der einzelnen Indizes.

Verzicht auf eine variable Aufsichtsratsvergütung zumeist erkennbar:
Zudem ist der Trend, auf ein variables Vergütungssystem zu verzichten, in nahezu allen Indizes beobachtbar: Im Dax bspw. verzichten bereits 77 Prozent der Unternehmen – im Vorjahr waren es nur 70 Prozent. Im SDax hingegen gibt es einen Stillstand: Seit 2014 verzichten 68 Prozent der Unternehmen auf ein variables System. „Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig auch hier Anpassungen vorgenommen werden. Ein Umdenken ist jedoch schon heute für alle Indizes erkennbar“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking, Mitautor der Studie und Professor an der Goethe-Universität Frankfurt.

Hinweis:
Die Studie wird unter folgenden Links abrufbar sein:
Ab dem 22.11.2017, 19:00 Uhr: https://www.pwc.de/de/human-resources/verguetungsstudie-2017.pdf
Ab dem 23.11.2017, 12:00 Uhr: https://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-boecking/aktuelles.html

Weitere Informationen:
Pressekontakt PwC: Sven Humann, PwC Communications,Tel.: +49 (0)211 981 – 2188, E-Mail: sven.humann@pwc.com
Pressekontakt Goethe-Universität: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Pressesprecher des Präsidiums, Tel.: 069/798-13035, E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Ergänzung zur Pressemitteilung

  Vorstandsvorsitzende weitere Vorstandsmitglieder
Dax 5,62 Mio. € 3,03 Mio. €
MDax 2,87 Mio. € 1,64 Mio. €
SDax 1,34 Mio. € 1,08 Mio. €
TecDax 1,52 Mio. € 0,80 Mio. €

Gesamtvergütung (Median) des Vorstands in 2016

  AR-Vorsitz stellv. AR-Vorsitz weiteres AR-Mitglied
Dax 321.000 € 249.000 € 134.000 €
MDax 199.125 € 124.750 € 80.000 €
SDax 100.000 € 68.000 € 45.000 €
TecDax 89.855 € 70.000 € 42.0000 €

Gesamtvergütung (Median) des Aufsichtsrats in 2016

 

Nov 22 2017
12:03

Studie an der Goethe-Uni: Bei intelligenteren Menschen arbeiten manche Gehirnregionen besonders eng zusammen, während andere sich abschirmen

Kluge Köpfe haben die besser vernetzten Gehirne

FRANKFURT. Bisher wurden verschiedene Ausprägungen von Intelligenz vor allem mit Unterschieden in einzelnen Hirnregionen erklärt. Sind die Gehirne von intelligenteren Personen jedoch auch anders verschaltet als die Gehirne von weniger intelligenten Personen? Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Goethe-Universität bestätigt diese Vermutung. Bestimmte Gehirnregionen sind bei intelligenteren Personen stärker, andere Regionen hingegen schwächer in den Informationsfluss zwischen und innerhalb von Gehirnmodulen eingebunden.

Die Grundlagen des menschlichen Denkens faszinieren Wissenschaftler und Laien seit jeher. Unterschiede in kognitiven Leistungen – und daraus resultierende Differenzen etwa bei Schulerfolg und Karriere – werden vor allem auf individuell unterschiedlich ausgeprägte Intelligenz zurückgeführt. Dass damit auch Unterschiede in der Vernetzung funktioneller Module im neuronalen Netzwerk des Gehirns einhergehen, zeigt eine Studie, die gerade in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht worden ist. Kirsten Hilger, Christian Fiebach und Ulrike Basten vom Institut für Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt nutzten MRT-Hirnscans von mehr als 300 Personen und moderne Verfahren der graphentheoretischen Netzwerkanalyse, um die neurobiologischen Grundlagen menschlicher Intelligenz zu untersuchen.

Schon  2015 hat die Forschergruppe eine Meta-Studie in der Fachzeitschrift „Intelligence“ veröffentlicht, worin sie Hirnregionen identifizierte – darunter den Präfrontalcortex – , in denen Aktivierungsveränderungen während kognitiver Herausforderungen einen zuverlässigen Zusammenhang mit Intelligenz zeigten. Wie diese „Intelligenz-Regionen“ des Gehirns jedoch untereinander vernetzt sind, darüber gab es in der Forschung bis vor wenigen Jahren kaum Einsichten.

Anfang 2017 dann berichtete das Forscherteam der Goethe-Universität, dass bei intelligenteren Personen zwei Hirnregionen, die mit der Verarbeitung aufgabenrelevanter Informationen in Verbindung gebracht werden (vorderer insulärer und cingulärer Cortex), über kürzere und somit effizientere Verbindungen mit dem Rest des Hirnnetzwerks verbunden sind (2017, „Intelligence“). Eine andere Region, die mit dem Ausblenden irrelevanter Informationen in Verbindung gebracht wird (die Übergangsregion zwischen Temporal- und Parietalcortex), ist hingegen weniger stark mit dem Rest des Netzwerks verbunden. „Die unterschiedlich starke Einbettung dieser Regionen ins Gesamtnetzwerk des Gehirns könnte es intelligenteren Personen erleichtern, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden – was bei vielen kognitiven Herausforderungen einen Vorteil darstellen würde“, spekuliert Studienleiterin Ulrike Basten.

In ihrer aktuellen Studie nun berücksichtigten die Wissenschaftler, dass das menschliche Gehirn modular organisiert ist. „Das ist ähnlich wie bei einem sozialen Netzwerk, das sich aus Subnetzwerken (Familien, Cliquen, Freundeskreise) zusammensetzt, in denen die Personen untereinander stärker verbunden sind als zu Personen anderer Subnetzwerke. So ist auch unser Gehirn organisiert. Im Gehirn gibt es Subnetzwerke von Hirnregionen – oder eben Module –, die untereinander eng vernetzt sind, während sie zum Rest des Netzwerks nur schwache Verbindungen haben. In unserer Studie haben wir uns intelligenzabhängige Unterschiede in der Rolle einzelner Hirnregionen für die Kommunikation zwischen und innerhalb von Subnetzwerken angesehen: Unterstützt eine Region eher den Informationsfluss innerhalb der eigenen ‚Clique’ oder ermöglicht sie durch Verbindungen zu anderen Subnetzwerken den Informationsaustausch mit anderen ‚Cliquen’, und wie hängt dies mit Intelligenz zusammen?“

Die Studie zeigt: Bei intelligenteren Personen sind bestimmte Gehirnregionen deutlich stärker am Austausch von Informationen zwischen Subnetzwerken beteiligt, so dass bedeutsame Informationen schneller und effizienter kommuniziert werden können. Auf der anderen Seite konnten die Forscher auch Regionen identifizieren, welche bei intelligenteren Personen stärker vom restlichen Netzwerk abgekoppelt sind, wodurch Gedanken möglicherweise besser gegen störende Einflüsse abgeschirmt sind. „Wir gehen davon aus, dass Netzwerkmerkmale, die wir bei intelligenteren Personen in stärkerer Ausprägung gefunden haben, es den Menschen erleichtern, sich gedanklich auf etwas zu konzentrieren und dabei irrelevante, möglicherweise störende Reize auszublenden“, sagt Basten. Dabei bleibt zunächst offen, wie die Zusammenhänge, die die Autoren in ihren Studien finden, zustande kommen. Ulrike Basten: „Es ist möglich, dass manche Menschen aufgrund einer biologischen Veranlagung Hirnnetzwerke ausbilden, die intelligente Leistungen wahrscheinlicher machen. Genauso gut kann sich aber umgekehrt der häufigere Gebrauch des Gehirns für intelligentere Leistungen positiv auf die Ausformung der Netzwerke im Gehirn auswirken. Bei allem, was wir über den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Intelligenz wissen, erscheint ein Wechselspiel beider Prozesse am wahrscheinlichsten.“ 

Publikation: Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Intelligence is associated with the modular structure of intrinsic brain networks. Scientific Reports. (DOI:10.1038/s41598-017-15795-7)

Weitere ReferenzenBasten, U., Hilger, K., & Fiebach, C. J. (2015). Where smart brains are different: A quantitative meta-analysis of functional and structural brain imaging studies on intelligence. Intelligence, 51, 10-27 | Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Efficient hubs in the intelligent brain: Nodal efficiency of hub regions in the salience network is associated with general intelligence. Intelligence, 60, 10-25.

Informationen: Dr. Ulrike Basten, Institut für Psychologie, Fachbereich 05, Theodor-W.-Adorno-
Platz 6 (Campus Westend), 60323 Frankfurt, basten@psych.uni-frankfurt.de, Telefon 0176 23973329; vgl. Arbeitsgruppe für Neurokognitive Psychologie, http://fiebachlab.org

 

Nov 22 2017
12:00

Aus dem Dornröschenschlaf in den Fokus der Wissenschaft: die Felsbildkopien des Frobenius-Instituts

Vergessene Bilder

FRANKFURT. Lange Zeit schlummerten sie in den Archiven des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität. Nun erleben die Kopien prähistorischer Felsbilder, die der Ethnologe und Institutsgründer Leo Frobenius in Afrika und anderen Erdteilen erstellen ließ, ein beeindruckendes Comeback.

Elefanten, Büffel, Hirsche und Antilopen, Menschen, teils mit Tierköpfen, und seltsam organisch wirkende Formen: Die Menschen der Vorgeschichte hatten offenbar das Bedürfnis, ihre Umwelt in Bildern zu verewigen. Im Verhältnis 1:1 dokumentiert wurden diese Gemälde im Auftrag des Ethnologen Leo Frobenius Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schon kurz nach ihrem Entstehen waren diese beeindruckenden Kopien in Ausstellungen in Frankfurt zu sehen, in den 30er Jahren gingen sie dann „auf Tournee“. Berlin, Oslo und Brüssel, Paris, Zürich und Wien – die aufwendig von Künstler(innen)hand erstellten Bilder wurden in zahlreichen europäischen Städten gezeigt. 1937 dann in New York. Ein Meilenstein der Kunstgeschichte, wie Sabine Graichens Beitrag in der neuesten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, deutlich macht: Die Ausstellungen der Felsbildkopien sollten zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne nachhaltig beeinflussen. Pablo Picasso und Joan Miró, Ernst Ludwig Kirchner, Willi Baumeister und Alberto Giacometti waren nachweislich fasziniert davon.

Jahrzehnte waren die Bilder dann vergessen, die Ethnologie arbeitete lieber mit Fotografien. Seit ihrer Wiederentdeckung haben sie viel Beachtung erhalten. Dr. Richard Kuba, Ethnologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frobenius-Institut, hat die Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte der Bilder aufgearbeitet. Längst ist klar, wie bedeutend sie sind – nicht nur, weil sie bis zu 30.000 Jahre alte Gemälde dokumentiert haben, die inzwischen zum Teil zerstört oder verblasst sind; gleich mehrere Forschungsdisziplinen haben die Felsbildkopien und ihre Entstehungsgeschichte im Blick, neben der Ethnologie die Archäologie, die Kunstgeschichte, aber auch die Genderforschung – und nicht zuletzt die Wissenschaftsgeschichte.

Der Beitrag „Vorgeschichtliche Bilder schreiben (Kunst-)Geschichte“ im Forschung Frankfurt-Heft zum Thema „Bild und Bildlichkeit“ versucht, die vielschichtige Bedeutung der Felsbildkopien, die unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen entstanden sind, zu erfassen und zu erklären. Und er verweist auf das Frühjahr 2019, wenn die Bilder endlich wieder in Frankfurt zu sehen sein werden, in der Stadt, in der Leo Frobenius sein Institut beheimatet hat.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.de

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 21 2017
10:49

Ab 27. November diskutiert die Frankfurter Bürger-Uni an insgesamt drei Abenden über Medien und öffentliche Meinung im Wandel

Informiert oder manipuliert?

FRANKFURT. Das Erfinden von Nachrichten macht immer häufiger Schlagzeilen. Nicht von ungefähr wurde „postfaktisch“ zum „Wort des Jahres 2016“ gekürt. Es wird zum allgegenwärtigen Attribut unserer Zeit. Die Reihe „Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel“ möchte der Bedeutung des Journalismus in Zeiten von Falschmeldungen, ihrer Entstehung und deren Folgen für gesellschaftliche und politische Diskurse sowie gängigen Techniken und Praktiken der Manipulation auf den Grund gehen.

Den Auftakt bildet die Podiumsdiskussion zum Thema „Old School oder En Vogue? Journalismus neu denken“

am 27. November 2017 um 19.30 Uhr
in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt.

Meinungsbildend, faktisch, aktuell, relevant – Merkmale, die den klassischen Journalismus auszeichnen. Oder etwa ausgezeichnet haben? Gewiss ist, die Branche unterliegt einem Wandel. Die Digitalisierung hat den Journalismus verändert, seine Funktion als Gatekeeper in Frage gestellt. Leser bestimmen Themen, Internet-Provider filtern Nachrichten und Roboter sorgen für Content. Doch in Zeiten von Ungewissheit, Trump und Fake News erfährt der klassische Journalismus am Beispiel von „The New York Times“ plötzlich wieder eine besondere Relevanz. Welche tatsächliche Bedeutung haben die klassischen Medien heute (noch)? Kann die Branche in Zeiten von Blogs und Social Media noch Schritt halten? Wie sehen Formate der Zukunft aus?

Über diese und weitere Fragen diskutieren Prof. Manfred Faßler, Medienwissenschaftler an der Goethe-Uni, Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Joachim Braun, Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse und Nils Bremer, Chefredakteur des Journal Frankfurt. Die Moderation übernimmt Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Uni.

Raum- und Medienpartner der Reihe sind die Stadtbücherei Frankfurt und die Frankfurter Rundschau.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

11. Dezember 2017
Auf der Suche nach der Wahrheit. Folgen von Fake-News für politische und gesellschaftliche Diskurse
Podium: Prof. Marcus Willaschek (Philosoph, Goethe-Uni), Prof. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaftler, Goethe-Uni), Anna-Maria Wagner (Referentin für Digitale Kommunikation, Deutscher Journalistenverband), Andreas Platthaus (stellv. Feuilleton-Chef, Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Moderation: Pitt von Bebenburg (Frankfurter Rundschau) 

15. Januar 2018
„Soziale“ oder „asoziale“ Medien? Technologien der Wahrnehmungsüberwältigung
Podium: Dr. Thorsten Thiel (Politologe, Goethe-Uni), Julia Krüger (Autorin, netzpolitik.org), Karolin Schwarz (Autorin und Gründerin von hoaxmap.org)
Moderation: Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Das Programmheft mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Besuchen Sie auch unseren Online-Veranstaltungskalender unter: www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Nov 20 2017
11:45

Oft überzeugt eine künstlerische Interpretation mehr als das reale Bild/ Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt zu „Bild und Bildlichkeit“

Mit gestylten Grafiken auf das Cover

FRANKFURT. Schönheit liegt auch in der Wissenschaft im Auge des Betrachters. So wie Eltern ihre Sprösslinge schön finden, schwärmen Forscher wie Mike Heilemann und Ivan Dikic von ihren Bildern fluoreszierender Bakterien. Doch um es auf das Cover der renommierten Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ zu schaffen, beauftragten sie die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko.

„Auf das Cover zu kommen, ist für einen Forscher ähnlich erstrebenswert wie für ein Fotomodell – wenn auch eher mit wissenschaftlichen als mit nackten Tatsachen“, schreibt Dr. Kerstin Koch in ihrem Artikel: „Mit gestylten Grafiken auf das Cover“ in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“. Nachdem das Manuskript mit den Forschungsergebnissen erst einmal zur Publikation angenommen sei, beginne das Rennen um den prominenten Platz auf dem Titel.

Anders als die Publikumsmedien machen Fachzeitschriften es sich einfach: Sie fordern die Autoren auf, Ideen für den Titel einzureichen. Bei der Wahl des Titelbildes ist den Redakteuren der künstlerische Wert meist wichtiger, als eine spezifische wissenschaftliche Botschaft rüberzubringen. „Das Hauptkriterium ist die Ästhetik“, bekennt Andrew Jermy, Chefredakteur von „Nature Microbiology“ im Interview mit „Forschung Frankfurt“.

Forscher Ivan Dikic vom Institut für Biochemie 2 der Goethe-Universität weiß um den künstlerischen Anspruch der Fachzeitschriften, aber gleichzeitig möchte er, dass die wissenschaftlich wichtige Botschaft eines Forschungsbildes auch noch transportiert wird. Deshalb beauftragte er in diesem Jahr die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko von Ella Maru Studio. Die geborene Russin lebt mit ihrem Mann, einem Wissenschaftler, in den USA. Ihre ersten Aufträge bekam sie durch den Chef ihres Mannes. Schnell sprach sich die Qualität ihrer Arbeit herum und sie eröffnete ein Grafikatelier, das sich auf wissenschaftliche Illustrationen und Animationen spezialisierte.

Ivan Dikic ist überzeugt, dass die Ehre, auf den Titel gehoben zu werden, die damit verbundene Mühe wert ist: „Die Erfahrung zeigt, dass eine Titelstory nach wie vor viel Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Community erzeugt.“ Im Juli 2017 erschien schließlich eines der vorgeschlagenen Bilder auf dem Titel.

Ästhetik ist den meisten Naturwissenschaftlern bei der Publikation ihrer Bilder wichtig. Das zeigte auch das Interview mit den Lebenswissenschaftlern Prof. Volker Dötsch und Junior Professorin Michaela Müller-McNicoll. „Der Editor blättert das Manuskript erst mal durch, und wenn die Abbildungen schlampig gemacht sind, wenn die Farben und Größen nicht stimmen, dann liest er das nicht, obwohl die Daten vielleicht toll sind“, berichtet Müller-McNicoll. „Ästhetik ist das, was hilft“, urteilt Volker Dötsch ganz pragmatisch.

Gute Abbildungen sind umso wichtiger, als deren Bedeutung sich oft nur einem kleinen Kreis von Kennern erschließt. Das wird in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ besonders deutlich an den „Lieblingsbildern“. Die Redaktion bat fünf Naturwissenschaftler um ein Bild, das für ihre Forschung sehr wichtig war. In allen Fällen waren viele erklärende Worte notwendig.

Dass Bilder in der Wissenschaft so facettenreich sind wie die Wissenschaft selbst, beleuchten auch die weiteren Beiträge zum Thema „Bild und Bildlichkeit“. Themen sind die unterschiedlichen Entstehungsweisen und Funktionen von Bildern, aber auch Bilder als Gegenstand der Forschung.

Weitere Themen:

  • Jessica Klapp: Virtual Reality im Dienst der Kognitionspsychologie
  • Bastian von Harrach: In der medizinischen Bildgebung geht nichts ohne Mathematik
  • Mireen Friedrich-Rust, Andrea Tal und Jörg Bojunga: Mit der Kamera durch das Verdauungssystem
  • Michael Stolleis: Bilder im Recht – Recht im Bild
  • Rolf Wiggershaus: Bilderhorizonte: Formierung der Vergangenheitsvorstellungen durch Bilder
  • Dirk Frank interviewt Bernd Dolle-Weinkauf: Können auch Bilder erzählen? Visualität und Narrativität im Comic
  • Anke Sauter: Das Gesicht – ein Abbild der Persönlichkeit?

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 15 2017
16:52

Physikprofessor Claudius Gros wendet die Theorie der dynamischen Systeme an

Sind hochentwickelte Demokratien inhärent instabil?

FRANKFURT. Die politischen Turbulenzen, die viele westliche Demokratien derzeit heimsuchen, lassen sich naturwissenschaftlich erklären: Claudius Gros, Professor für Theoretische Physik, macht in seiner Analyse das ungleiche Tempo von politischer Willensbildung und politischem Handeln dafür verantwortlich.

Fernsehen, Mobiltelefonie, Internet – die moderne Kommunikation trägt dazu bei, dass sich der Prozess der politischen Meinungsbildung immer mehr beschleunigt. Die politischen Akteure und Institutionen hingegen brauchen unter Umständen noch immer Jahre, um auf die Bedürfnisse der Wähler einzugehen. „Aus der Theorie der dynamischen Systeme ist bekannt: In einer solchen Situationen wird der der Status quo unausweichlich instabil“, sagt Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität.

In einer systemtheoretischen Analyse hat Gros ein Modell entwickelt, mit dem sich der Zustand der Demokratie als Funktion der Werte der Wähler bestimmen lässt. In diesem Modell reagieren die politischen Eliten typischerweise erst nach einer Verzögerung von bis zu einigen Jahren auf veränderte soziopolitische Konstellationen. Hinsichtlich der Wähler wird darüber hinaus angenommen, dass diese sich ihrerseits erst dann mit Nachdruck engagieren, wenn sich die Lage in ihren Augen deutlich verschlechtert hat.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist potentiell für das Verständnis der politischen Turbulenzen relevant, die sich in den vergangenen Jahren in vielen westlichen Demokratien gezeigt haben. Falls verifiziert werden kann, dass die politische Meinungsbildung in der Tat tendenziell immer schneller abläuft, dann werden moderne Demokratien unausweichlich solange von Instabilitäten in der Form von sich selbst verstärkenden „Schweinezyklen“ heimgesucht werden, solange die politischen Akteure neu auftretende Probleme lediglich mit substantiellen Verzögerungen angehen. In der Folge wird sich die unterschwellige Tendenz zu selbst-verstärkenden Entwicklungen immer wieder in dem jeweils aktuellen soziopolitischen Kontext manifestieren.

Publikation: Claudius Gros, Time delays versus accelerating opinion dynamics: Are advanced democracies inherently unstable? European Physical Journal B 90, 223 (2017); https://epjb.epj.org/articles/epjb/abs/2017/11/b170341/b170341.html

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69245039

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: 069 798-47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de.

 

Nov 15 2017
11:59

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 23. und 24. November 2017

Tagung zur Krise: „Die Grenze zwischen den Ordnungen“

FRANKFURT. Es ist schon paradox: Lange Zeit schien es, als ob die liberale Weltordnung westlicher Prägung vor allem von außen unter Druck gerate. Mittlerweile könnte auch das Gegenteil der Fall sein. Die Stichworte reichen von Trump, über den Brexit bis zu nationalistischen und populistischen Bewegungen. Hinzu kommen nach wie vor virulente transnationale Herausforderungen wie die Migrations-, Klima- oder Finanzkrisen. Um ein besseres Verständnis der gesellschaftlichen Konflikte und globalen Probleme, die mit dem Begriff Krise bezeichnet oder zu einer übergreifenden Krise zusammengefasst werden, geht es dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in seiner zehnten Internationalen Jahreskonferenz. Sie trägt den Titel: „Crisis – Interdisciplinary Perspectives“.

Die zweitägige Veranstaltung findet am 23. und 24. November statt, auch dieses Mal im Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Auf den Jahreskonferenzen werden zentrale Themenstellungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Gästen aus dem In- und Ausland diskutiert. Ist die Welt nun wirklich – um mit Shakespeares Hamlet zu sprechen – „aus den Fugen“? Immerhin gab es nach 1989 einen großen Fortschrittsglauben bezogen auf Wohlstand, Gerechtigkeit und Demokratie in einer friedlichen internationalen Ordnung. Dieser Optimismus scheint nun vielfach abgelöst worden zu sein von Gefühlen der Angst und Unsicherheit, die sich auch in antidemokratischen Formen äußern.

Prägend, besonders auch für die aktuelle Jubiläums-Jahreskonferenz, so der Anspruch des Exzellenzclusters, ist die transdisziplinäre Methode, die seit zehn Jahren den Kern des Forschungsverbundes bildet und eine differenzierte Analyse der Geschehnisse ermöglichen soll. Gegenstand der Untersuchungen sind dabei nicht nur die Defizite von Regelwerken oder transnationalen und supranationalen Institutionen, sondern ebenso deren normative Begründungen und tatsächliche Akzeptanz. Auf dem diesjährigen Programm stehen drei Panels mit insgesamt neun Vorträgen. Hinzu kommt eine Keynote von Hauke Brunkhorst, Professor für Soziologie an der Europa-Universität Flensburg.

Die Konferenz beginnt mit einem Panel zum Thema „Conceptions of Crisis“. Hier soll auch der grundlegenden Frage nachgegangen werden, was es genau bedeuten könnte, wenn davon die Rede ist, eine normative Ordnung stecke in der Krise. Rainer Forst und Klaus Günther, die beiden Sprecher des Exzellenzclusters, verweisen bei einer Begriffsklärung auf den Philosophen Schleiermacher und dessen Definition einer „Grenze zwischen zwei verschiedenen Ordnungen der Dinge“, die Krise als eine Zeit des Übergangs von einer alten zu einer neuen Ordnung, da die alte Ordnung nicht mehr herstellbar und die neue noch nicht vorgezeichnet ist. Gegenwärtig könne man, so der politische Philosoph und der Rechtswissenschaftler in ihrem Beitrag „Normative Crisis: Conceptual and Diagnostic Remarks“, von verschiedenen Formen von „Rechtfertigungskrisen“ sprechen.

Weitere Vortragende des ersten Panels, moderiert von der Cluster-Geschäftsführerin Rebecca Caroline Schmidt, sind Albena Azmanova und Brian Milstein, beide auf dem Feld der politischen Philosophie zu Hause. Die Professorin an der University of Kent spricht über „Crisis of Crisis: On Normative and Institutional Stuckness“ und der wissenschaftliche Mitarbeiter des Exzellenzclusters widmet sich der Frage „What Does Legitimation Crisis Mean Today?“. Im Anschluss an das Eröffnungspanel steht die Keynote Lecture auf dem Programm. „Normative Orders in Crisis – Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System“, heißt der Vortrag von Hauke Brunkhorst. Hier zeichnet er u.a. die Entwicklung der vergangenen 40 Jahre nach. Sie ist, so seine These, geprägt durch eine Abwertung politischer und persönlicher Rechte durch soziale Ungerechtigkeit.

Das zweite Panel – dann am 24. November – hat einen Fokus auf der historischen und ethnologischen Perspektive. Es heißt „Historical Interpretations in Crisis – The Search for Concepts beyond the Secularization Paradigm“ und wird moderiert von Annette Warner, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt und Mitglied des Exzellenzclusters. Zu den mittlerweile unzulänglichen historischen Konzepten gehöre auch die Rede von Europa als eines hervorzuhebenden Ortes. Zu bevorzugen sei „A Concept of Eurasia“. So heißt auch der Vortrag von Chris Hann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale). Judith Blume (bis vor kurzem am Cluster, jetzt in Göttingen) zeigt am Beispiel von Sammelbildern und dem Ende der Nazizeit, wie sich normative Krisen in der Alltagskultur abbilden. Der Mittelalter-Historiker und Cluster-Angehörige Bernhard Jussen plädiert in seinem Beitrag, nicht nur auf Schriftlichkeit fixiert zu sein, sondern auch visuelle Medien stärker mit einzubeziehen.

Das abschließende Panel beschäftigt sich mit der Frage, was die gegenwärtigen nationalistischen Narrative für das Konzept der internationalen Ordnung bedeutet, verstanden als System von Staaten, die in einem kosmopolitischen Geist eng kooperieren. Moderator ist der Rechtswissenschaftler Stefan Kadelbach vom Exzellenzcluster. Die drei Referierenden stammen aus der Politikwissenschaft. Zu Gast in Frankfurt ist Vivienne Jabri. Die Professorin für Internationale Politik am King’s College London spricht über: „Crisis and World Order: A Postcolonial Political Ontology“. Der Professor für Internationale Organisationen Christopher Daase („The Contradictions of the Liberal World Order“) und der Postdoktorand Stefan Kroll („The Crisis of the Liberal World Order: And the Politics of its Defense“) gehören zum Cluster. Sie adressieren Aspekte, der vermeintlich von innen heraus gefährdeten liberalen Weltordnung und fragen, ob nicht auch die Grundannahmen liberaler und institutionalistischer Ansätze einer kritischen Prüfung unterzogen werden müssten.

Die Konferenz ist presseöffentlich. Eine vorherige Anmeldung wird erbeten – bitte unter: office@normativeorders.net

Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/jahreskonferenzen

 

Nov 15 2017
11:54

Repräsentative Online-Befragung von Studierenden zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage

21. Sozialerhebung: Ergebnisse der Goethe-Universität

FRANKFURT. Nachdem bereits im Sommer 2017 das Gesamtergebnis der 21. Sozialerhebung bekannt gegeben worden ist, liegt nun die Einzelauswertung der Goethe-Universität vor. Der durchschnittliche Studierende dieser Hochschule ist 24,4 Jahre alt, nicht verheiratet und hat monatlich 1014 Euro zur Verfügung. Die meisten der Befragten studieren in Vollzeit und im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften. Sie investieren durchschnittlich 31 Stunden pro Woche in ihr Studium. 13 Stunden davon verbringen sie in Lehrveranstaltungen, 18 Stunden im Selbststudium. 67 Prozent der befragten Studierenden bewerten ihren Arbeitsaufwand als hoch bis sehr hoch, die übrigen 33 Prozent von mittel bis niedrig.

Die alle vier Jahre erscheinende Studie ermittelt die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland. Sie wird im Rahmen einer Onlinebefragung einer zufällig gezogenen Stichprobe von Studierenden bundesweit vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und dem Deutschen Studentenwerk (DSW) durchgeführt. Von der Goethe-Universität nahmen rund 1.055 Studierende teil (auswertbare Fälle), vor allem Studierende aus den ersten sechs Fachsemestern. Bundesweit machten rund 67.000 Studierende an 248 Hochschulen bei der Befragung mit (davon ~55.000 ausgewertet).

Die Spezifika des Hochschulstandortes spiegeln sich durchaus im Vergleich der Ergebnisse der Goethe-Uni mit der bundesweiten Auswertung wider, wie etwa hohe Mieten oder ein höherer Anteil an Migranten in der Stadt Frankfurt als anderswo. Somit leben knapp 40 Prozent der Befragten ausschließlich außerhalb Frankfurts, damit liegen die Studierenden der Goethe-Uni deutlich über dem bundesweiten Ergebnis in dieser Kategorie von knapp 30 Prozent. Mit 27 Prozent wohnen die meisten aller Befragten bei den Eltern. Bundesweit dagegen ist die Wohngemeinschaft die am häufigsten gewählte Wohnform. Im Vergleich zur Motivation für andere Wohnformen, wird die Wahl der Wohnform „bei den Eltern“ von den Frankfurter Studierenden seltener als eine bewusst gewählte Option angegeben. Mehr Prozentpunkte hat die Auswertung der Goethe-Uni im Vergleich zum bundesweiten Ergebnis auch ergeben, wenn es um den Migrationsstatus der Studierenden geht. 30 Prozent der Befragten an der Goethe-Universität haben einen Migrationshintergrund, bundesweit sind es 20 Prozent.

Die Goethe-Uni weist laut der Befragungsergebnisse ebenso mehr Studienfach- (25%; bundesweit: 21%) und Hochschulwechsler (22%; bundesweit: 17%) auf. Elf Prozent der Befragten geben an, das Studium nicht in Vollzeit zu absolvieren, das sind rund vier Prozent mehr als bundesweit an Universitäten. 25 Prozent geben an, gesundheitlich beeinträchtigt zu sein (bundesweit: 23%).

Die wichtigsten Finanzierungsquellen für die Studierenden der Goethe-Uni sind die Elternleistungen, sowie bundesweit auch. Zwölf Prozent der Befragten erhielten im Sommersemester 2016 BAföG. Damit sind es weniger als hessen- (15%) und bundesweit (18%). Hingegen sind mit 76 Prozent mehr Studierende der Goethe-Uni erwerbstätig als in der deutschlandweiten Auswertung ermittelt (69%).

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff kommentierte die Zahlen mit den Worten: „Frankfurt ist als Studienstandort ziemlich attraktiv, jedoch auch teurer für Studierende als andere Orte. Das erklärt die vielen Nebenjobs und den überdurchschnittlichen Anteil an Studierenden, die bei ihren Eltern wohnen. Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine Herausforderung in Frankfurt. Mit Deutschlandstipendien versuchen wir auch als Uni, Hunderte von Studierenden von finanziellem Druck zu entlasten. Jede Unterstützung ist willkommen.“

Neben der Auswertung der 21. Sozialerhebung von DZHW und DSW werden für die Goethe-Universität auch die Ergebnisse, der in diesem Wintersemester laufenden universitätseigenen Studierendenbefragung relevant für die Qualitätssicherung und Studiengangsentwicklung sein. Die Studie wird anders als die Sozialerhebung fächerspezifische Auswertungen erlauben, die insbesondere vor dem Hintergrund der verschiedenen Fachkulturen an der Goethe-Uni von Bedeutung sind. Die Studierendenbefragung umfasst darüber hinaus Themen, wie die Bewertungen von Studium und Lehre sowie Rückmeldungen zur Studien- und Prüfungsorganisation.

Randauszählung zur 21. Sozialerhebung für die Goethe-Universität als PDF-Download: www.uni-frankfurt.de/69214378

Informationen: Lena Opitz, Abteilung Lehre & Qualitätssicherung, Telefon: 069-798-12457, Opitz@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2017
10:37

Vortrag im Forschungskolleg Humanwissenschaft über Bildung und Erziehung im Kontext der Gülen-Bewegung

„Pädagogik der Anderen?“

FRANKFURT. Dr. Thomas Geier von der Universität Halle-Wittenberg spricht am Mittwoch, 22. November, in Bad Homburg darüber, welche Bedeutung dem türkisch-muslimischen Netzwerk der Gülen-Bewegung im hiesigen Bildungssystem zukommt.

Das zumeist als Gülen-Bewegung bezeichnete transnationale türkisch-muslimische Bildungsnetzwerk hizmet (türk. für Dienst) ist spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 auch in Deutschland bekannt. Kontroversen über deren sozial-religiöses Engagement im Bildungsbereich gab es schon zuvor; doch seitdem die Akteure in der Türkei als für den Putsch verantwortliche Terroristen gelten, haben sich diese verschärft. Zwischen den Anhängern Gülens und jenen von Erdoğans AKP kam es auch in der deutschen Migrationsgesellschaft zu einer starken Polarisierung, die auch die allgemeine öffentliche Debatte beeinflusst.

Dr. Thomas Geier untersucht in seinem Vortrag „Pädagogik der Anderen? Bildung und Erziehung im Kontext der Gülen-Bewegung“

am Mittwoch, 22. November 2017, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

das türkisch-muslimische Bildungsnetzwerk aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive, ohne dabei die aktuellen politischen Zusammenhänge außer Acht zu lassen. Er arbeitet heraus, welche Bedeutung dem Netzwerk im hiesigen Erziehungs- und Bildungssystem zukommt. Dabei greift der Erziehungswissenschaftler auf empirische Ergebnisse zurück, die im Kontext eines laufenden von der DFG finanzierten Projekts zur „Pädagogik der Gülen-Bewegung“ entstanden sind.

Dr. Thomas Geier ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Schul- und Bildungsforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2016 leitet er das DFG-Projekt „Die Pädagogik der Gülen-Bewegung – Rekonstruktion von Bildungspraktiken und Biographien in türkisch-muslimischen Gesprächskreisen“. Derzeit ist Geier auf Einladung des an der Goethe-Universität Frankfurt und der Justus-Liebig Universität Gießen angesiedelten LOEWE-Schwerpunktes „Religiöse Positionierung. Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“ Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Die Einführung in die Thematik und die Moderation übernimmt Prof. Isabell Diehm, Professorin am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktes »Religiöse Positionierung« leitet sie gemeinsam mit Dr. Patricia Stošić das Teilprojekt »Zwischen Distinktion und Diskriminierung. Zur Bedeutung religiöser Positionierungen für Professionalität in Bildungsorganisationen«.

Nach dem Vortrag gibt es einen Umtrunk im Kolleggebäude.

Ein Bild von Prof. Thomas Geier finden Sie zum Download unter www.uni-frankfurt.de/69219454

Copyright: Stefanie Wetzel

Anmeldung per Email unter: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Informationen: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172 13977 0; Iris Helene Koban (Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften), i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Beate Sutterlüty (Wissenschaftskommunikation), b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Nov 13 2017
18:34

Theoretiker der Goethe-Uni kalkuliert den Effekt magnetischer Segel

Kann man interstellare Raumsonden auch wieder abbremsen?

FRANKFURT. Mit einer miniaturisierten Raumsonde, die man auf bis zu ein Viertel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigen könnte, wäre unser nächster Stern, Alpha Centauri, in 20 bis 50 Jahren erreichbar. Ohne einen Mechanismus zum Abbremsen kann die Raumsonde allerdings nur im Vorbeiflug vom Stern und seinen Planeten Daten sammeln. Ein theoretischer Physiker der Goethe-Universität hat jetzt untersucht, ob sich interstellare Raumsonden mit Hilfe von „magnetischen Segeln“ abbremsen ließen.

Lange war die Vorstellung, unbemannte Raumsonden durch die Weiten des interstellaren Raumes zu fremden Sternen zu schicken, reine Utopie. Seit Neuestem wird jedoch u.a. im Rahmen der „Breakthrough Starshot Initiative“ an Konzepten gearbeitet, miniaturisierte Raumsonden mittels starker Laser zu beschleunigen. Noch schwieriger wäre es, interstellare Raumsonden darüber hinaus auch wieder abzubremsen, da man sie aus Gewichtsgründen nicht mit Bremsaggregaten ausstatten kann. Nach Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt wäre es dagegen möglich, zumindest vergleichsweise langsame Raumsonden mit Hilfe magnetischer Segel wieder abzubremsen.

„Langsam würde in diesem Fall eine Reisegeschwindigkeit von 1000 Kilometern pro Sekunde bedeuten, was zwar nur 0.3 Prozent der Lichtgeschwindigkeit ist, dafür aber etwa fünfzigmal schneller als die Voyager-Raumsonden“, erläutert Claudius Gros. Um die Bewegungsenergie der Raumsonde auf das interstellare Gas zu übertragen, ist nach den Berechnungen von Gros ein magnetisches Segel notwendig, das aus einer großen supraleitenden Schlaufe mit einem Durchmesser von gut 50 Kilometern besteht. In dieser Schlaufe wird verlustfrei ein Strom induziert, der seinerseits ein starkes Magnetfeld erzeugt. Der ionisierte Wasserstoff des interstellaren Mediums wird in der Folge vom Magnetfeld der Sonde reflektiert, wodurch diese nach und nach abgebremst wird. Das funktioniert, wie Gros zeigen konnte, trotz der extrem niedrigen Teilchendichte des interstellaren Raums (0,005 bis 0,1 Teilchen pro Kubikzentimeter).

Die Arbeiten von Gros zeigen auf, dass Magnetsegel ‚langsame‘ Raumsonden mit einer Masse von bis zu 1500 Kilogramm abbremsen können. Für die Reise wären allerdings historische Zeiträume notwendig. Die sieben bekannten Planeten des Trappist-1 Systems könnten so in etwa 12000 Jahren erreicht werden. Interessant ist auf der anderen Seite, dass für den Start der gleiche Laser geeignet wäre, mit dem sich nach bisherigen Planungen auch wenige Gramm schwere Raumsonden fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und nach Alpha-Centauri schicken ließen.

Missionen zu fremden Sternen, die Jahrtausende benötigen, kommen nicht für wissenschaftliche Erkundungsmissionen infrage. Anders sieht es dagegen aus, wenn die Reisedauer keine Rolle spielt. Ein Beispiel hierfür sind Missionen, die dem irdischen Leben alternative Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Solche Missionen, wie sie 2016 von Gros unter dem Namen 'Genesis Projekt' vorgeschlagen wurden, würden einzelliges Leben mit sich führen, entweder als tiefgekühlte Sporen oder kodiert in einem miniaturisierten Gen-Labor. Für eine Genesis Sonde ist nicht der Zeitpunkt der Ankunft wichtig, sondern die Möglichkeit abzubremsen und schlussendlich in eine Umlaufbahn um den Zielplaneten einzuschwenken.

Publikationen:
Claudius Gros: Universal scaling relation for magnetic sails: momentum braking in the limit of dilute interstellar media, Journal of Physics Communications 1, 045007 (2017) http://iopscience.iop.org/article/10.1088/2399-6528/aa927e

Claudius Gros: Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, in: Astrophysics and Space Science 361, 324 (2016) http://link.springer.com/article/10.1007/s10509-016-2911-0

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 47818, gros07[@]itp.uni-frankfurt.de.

Scobel 3sat Scobel Interview vom 19.10.2017:  Lässt sich neues Leben auf Exoplaneten bringen? http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=69526

 

Nov 10 2017
18:33

Zweiter Vortrag in der Reihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“

Zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vorteilen von Einwanderung

FRANKFURT. Migration sorgt in Europa aus verschiedenen Gründen für kontroverse Diskussionen. Kritiker und Populisten werfen Einwanderern vor, sie würden Arbeitsplätze wegnehmen, den Wohlfahrtsstaat belasten und die nationale Identität, lokale Kulturen sowie die Sicherheit gefährden. In unserer offenen Welt werden sich mehr Menschen unweigerlich über Grenzen hinweg bewegen, sagt Philippe Legrain - und wir sollten sie generell begrüßen. Über die Vorteile von Einwanderung spricht der Wirtschaftswissenschaftler vom London School of Economics’ European Institute in seinem Vortrag „The diversity dividend: Why the economic, social and cultural benefits of immigration are much greater than commonly thought“ 

am 15. November 2017 um 18.00 Uhr im Anbau Casino Saal West, Campus Westend.

Er findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“. Sie wird veranstaltet von den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Psychologie sowie der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Prof. Rolf van Dick, Goethe-Universität.

Warum kommen immer mehr Menschen aus armen Ländern nach Europa, in die Vereinigten Staaten und Australien? Können wir sie fernhalten? Sollten wir es überhaupt versuchen? Diesen Fragen geht Philippe Legrain in seinem Buch „Immigrants. Your country needs them“ nach. Der frühere Berater des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso hat mit seinem Buch auch außerhalb der Wissenschaft viel Beachtung gefunden.

Legrain gründete das Open Political Economy Network (OPEN), einen internationalen Think-Tank, und arbeitet als Kolumnist für die „Project Syndicate“ und die „Foreign Policy“. Zuvor beriet er den Direktor der Welthandelsorganisation Mike Moore und arbeitete als Handels- und Wirtschaftskorrespondent für „The Economist“.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

24. Januar 2018
Im Jahrhundert der Migration. Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften
Thomas Elbert, Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

31. Januar 2018
Trauma in a cross-cultural perspective
Devon Hinton, Professor der Psychiatrie am Massachusetts General Hospital und am Department of Global Health and Social Medicine der Harvard Medical School
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

07. Februar 2018
Migration im Verlauf der Schulbiografie. Die Situation migrierter Kinder, Jugendlicher sowie junger Erwachsender im deutschen Bildungssystem und Möglichkeiten der Professionalisierung im Lehramt
Mona Massumi, Lehrerin und Mitarbeiterin im Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln
Moderation: Prof. Isabell Diehm, Goethe-Universität

14. Februar 2018
Let’s Talk about Difference. Enpowering First-generation College Students to Succeed
Nicole M. Stephens, Professorin für Management und Organisation an der Kellogg School of Management
Moderation: Prof. Tanja Brühl, Prof. Rolf van Dick, beide Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Für die Vorträge in englischer Sprache werden Zusammenfassungen in deutscher Sprache bereit gelegt.

Alle Veranstaltungen finden im Anbau Casino Saal West, Campus Westend, statt.

Programm im Internet: www.abl.uni-frankfurt.de/vortragsreihe

Informationen: Ute Kandetzki, Geschäftsführerin Goethe-Lehrerakademie, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22650, E-Mail: vortragsreihe@abl-uni-frankfurt.de