​​​​Pressemitteilungen ​

Forschung

Jan 23 2014
13:26

EU-Projekt testet neue Hypothesen zur Schmerzentstehung und Toleranzentwicklung

Chronische Schmerzen: neue Medikamente gesucht

FRANKFURT. Chronische Schmerzen können bisher nur bei einer Minderheit der Patienten zufriedenstellend beseitigt werden. Das ist nicht nur für die Betroffenen belastend, sondern bringt auch gesundheitspolitische und –ökonomische Probleme mit sich. Die Europäische Union fördert deshalb zurzeit verstärkt Gemeinschaftsprojekte zur Schmerzforschung, darunter auch das Fünf-Jahres-Projekt „GLORIA“ (Sprecherin: Prof. Eija Kalso, Universität Helsinki), an dem auch Klinische Pharmakologen um Prof. Jörn Lötsch von der Goethe-Universität beteiligt sind.

Ein Fünftel der europäischen Bevölkerung leidet unter chronischen Schmerzen; bei den über 70-Jährigen sind es sogar bis zu einem Drittel. Die derzeit verfügbaren medikamentösen Behandlungsoptionen umfassen nur eine begrenzte Auswahl wirksamer Schmerzmittelklassen. Bei vielen Patienten sind die verfügbaren Medikamente bisher nicht oder nur unzureichend wirksam. Darüber hinaus können sie Nebenwirkungen verursachen, die zum Abbruch der Behandlung führen.

„Neue und innovative Schmerzmedikamente werden dringend benötigt“, weiß Prof. Jörn Lötsch vom Institut für Klinische Pharmakologie der Goethe-Universität. Im Forschungsprojekt „GLORIA“ arbeitet er daran zusammen mit Kollegen der Universität von Helsinki, dem Karolinska-Institut in Stockholm, dem „Centre Européen de Recherche en Biologie et Médecine“ in Straßburg sowie der Firma Chemedest in Tartu, Estland. Das Interesse der Forscher richtet sich auf die Rolle der Gliazellen. Sie machen etwa die Hälfte der Zellen im Gehirn aus. Bisher hatte man ihnen vorwiegend eine stützende und versorgende Funktion zugeschrieben, aber zunehmend entdecken Forscher, dass sie auch an der Übertragung und Speicherung von Informationen beteiligt sind.

„Unsere Haupthypothese ist, dass Entzündungen der Nervenzellen und die damit verbundene Aktivierung der Gliazellen eine wichtige Rolle bei chronischen Schmerzzuständen spielen“, so Lötsch. Dazu gehören sowohl neuropathische Schmerzen durch die Schädigung oder Kompression von Nervenzellen als auch Schmerzen anderer Ursache wie Arthrose oder Fibromyalgie. Die Aktivierung der Gliazellen könnte auch an Nebenwirkungen von Opioidanalgetika und der Toleranzentwicklung gegenüber dieser Medikamentengruppe beteiligt sein, vermuten die Forscher.

In dem Schmerzforschungsprojekt „GLORIA“ wollen Lötsch und seine Kollegen unter anderem auch genetische und epigenetische Faktoren untersuchen, die insbesondere das Opioidsystem, ein Hauptsystem der körpereigenen Schmerzunterdrückung und Ort der Wirkung von Opioidanalgetika, an seiner Schnittstelle zur den Gliazellen betreffen. Die Forscher wollen Patientengruppen identifizieren, denen ursächlich am Schmerzempfinden beteiligte genetischer Marker gemeinsam sind. Damit wollen sie die Grundlagen zur Entwicklung innovativer klinisch-pharmakologischer Therapieansätze legen, die es künftig erlauben werden, chronischen Schmerz individuell und wirksam zu behandeln.

Informationen: Prof. Dr. Jörn Lötsch, Institut für Klinische Pharmakologie, Campus Niederrad, E-Mail: j.loetsch@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 23 2014
13:21

Zwei Vorträge über den KZ-Arzt Josef Mengele sowie über jüdische Stifter und Gelehrte nach 1933 / Gedenkkonzert mit Adorno-Quartett

Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

FRANKFURT. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, beteiligt sich in ihrem Jubiläumsjahr die Goethe-Universität mit drei Veranstaltungen. Das Jahr 1933 markiert eine tiefe Zäsur in der 100-jährigen Geschichte der Universität, deren Gründung 1914 nur durch die maßgebliche Unterstützung jüdischer Stifterinnen und Stifter möglich gewesen war und an der bedeutende jüdische Wissenschaftler bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten forschten und lehrten.

Im Rahmen des Jubiläumsprogramms startet am Montag (27. Januar) um 18 Uhr im Casino (Raum1.802) auf dem Campus Westend die Ringvorlesung „Die Goethe-Universität in der NS-Zeit“ mit einem Vortrag von Prof. Benjamin Ortmeyer über Josef Mengele, den gnadenlosen KZ-Arzt von Auschwitz. Nach einer kleinen Pause findet (ab 20 Uhr) im gleichen Raum ein Konzert mit dem Adorno-Quartett statt. Auf dem Programm stehen u.a. Werke, die Viktor Ullmann und Gideon Klein im Ghetto Theresienstadt komponierten.

Benjamin Ortmeyer, Leiter der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität, hat seinem Vortrag den Titel „Jenseits des Hippokratischen Eids: Dr. Mengele und die Goethe-Universität“ gegeben. Mengele kam 1937 als Assistent an das Frankfurter Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene (Leitung Prof. Otmar Freiherr von Verschuer), wo er auch promovierte. 1940 wurde Mengele zum Wehrdienst einberufen, später meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS. 1943 übernahm er den Posten als Chefarzt im Konzentrationslager Auschwitz. Dort erwies er sich als grausamer Vollstrecker der „Endlösung“; er war nicht nur verantwortlich für die Vergasung von tausenden Juden und anderen Häftlingen sondern auch für die „Selektionen“ – nicht zuletzt um seine wissenschaftliche Forschung über Rassenmerkmale, Anomalien wie Riesen- und Zwergwuchs, Rückgratverkrümmung etc. fortzusetzen. Mengele rückte erst während der frühen 1960er Jahre im Zuge der Ermittlungen zu den Auschwitz-Prozessen ins engere Blickfeld der Strafverfolger, wurde aber nie gefasst. 1961 erkannte ihm die Goethe-Universität den Doktortitel ab, wogegen Mengele sich sogar über seine Anwälte aus seinem südamerikanischen Versteck wehrte. Mengele lebte nach dem Krieg zunächst einige Jahre unter seinem echten Namen ungestört in Argentinien, er besuchte sogar in den 1950er Jahren legal die Bundesrepublik. Seine weitere Flucht über Paraguay nach Brasilien gab zu unzähligen Spekulationen und Legendenbildungen Anlass, konnte aber erst nach der Entdeckung seiner Leiche aufgeklärt werden. Er starb 1979 an den Folgen eines Herzinfarkts bei einem Badeunfall in Brasilien.

Für das Gedenkkonzert konnte das Adorno-Quartett mit Marat Dickermann (Violine), Elena Tsaur (Violine), Elen Guloyan (Viola) und Roland Horn (Violoncello) gewonnen werden. Das Frankfurter Ensemble hat es sich ebenso wie der Verein Musica Judaica zur Aufgabe gemacht, Werke jüdischer Komponisten durch Konzerte und Einspielungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Verbindung der Goethe-Universität ist seit kurzer Zeit dadurch intensiviert worden, dass die Frankfurter Musikwissenschaftlerin Prof. Daniela Philippi in den Vorstand des Vereins gewählt wurde. Auf dem Programm stehen: Gideon Klein, Fantasie und Fuge (1942/43); Józef Koffler, Ukrainische Skizzen (1941); Bernhard Sekles, Streichquartett op.31 (1923) und Victor Ullmann, Streichquartett Nr.3 (1943).

Mit diesen Werken für die klassische Besetzung Streichquartett werden vier Komponisten vorgestellt, die zu den Opfern des nationalsozialistischen Regimes zählen. Sie gehören drei verschiedenen Generationen an und erhielten ihre musikalische Prägung in Wien, Prag und Frankfurt. Alle vier beschäftigten sich sowohl mit den kompositorischen Neuerungen ihrer Zeit als auch mit der Musiktradition und kamen in diesem Spannungsfeld zu individuellen Lösungen. Bernhard Sekles (1872–1934) leitete viele Jahre das Frankfurter Hoch’sche Conservatorium, Józef Koffler (1896–1944) wirkte in Lemberg. Viktor Ullmann (1898–1944) und Gideon Klein (1919–1945) lebten zuletzt im Ghetto Theresienstadt und komponierten dort unter anderem auch die beiden im Konzert gespielten Werke.

Im Museum Judengasse (Kurt-Schumacher-Straße 10) hält am Montag (27. Januar) um 17 Uhr Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität, einen Vortrag zum Thema „Das Ende der freien Wissenschaft. Der Ausschluss jüdischer Stifter und Gelehrter der Stiftungsuniversität Frankfurt nach 1933“. Jüdische Stifterinnen und Stifter und jüdische Gelehrte haben die junge Universität Frankfurt seit der Zeit ihrer Gründung 1914 in erheblichem Maße geprägt – in der Religionswissenschaft, der Orientalistik und Soziologie, ebenso wie in den Wirtschaftswissenschaften, der Medizin und allen Bereichen der Naturwissenschaften. Der Ausschluss und die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus bereiteten dieser in der akademischen Kultur in Deutschland vor und nach dem Ersten Weltkrieg einzigartigen Konstellation ein Ende. Wiese geht dieser Geschichte am Beispiel paradigmatischer Einzelfiguren nach und reflektiert über die tiefe Zäsur, die das Jahr 1933 für die Frankfurter Universitätsgeschichte und die jüdische Geschichte in Frankfurt markiert.

Drei weitere Vorträge sind im Rahmen der Ringvorlesung „Die Goethe-Universität in der NS-Zeit“ noch im laufenden Jahr geplant:

  • 12. Mai (Montag): „Erziehung als Zucht: Prof. Ernst Krieck – Rektor der Goethe-Universität 1933 (Prof. Benjamin Ortmeyer)
  • 9. Juni (Montag): „Nationalbewusste Mediävistik und bewusstes Judentum: Ernst Kantorowicz (Prof. Micha Brumlik)
  • 11. November (Montag): „Die Georg und Franzsika Speyersche Hochschulstiftung und die NS-Zeit (Prof. Benjamin Ortmeyer) 

Informationen: Prof. Benjamin Ortmeyer, Forschungsstelle NS-Pädagogik; Tel. (069) 798-22091, BOrtmeyer@t-online.de; Prof. Daniela Philippi, Institut für Musikwissenschaft, Tel. (069) 798-22161, philippi@em.uni-frankfurt.de; Prof. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, (069) 798-33313, C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

Das gesamte Programm zum 100-jährigen Jubiläum der Goethe-Universität: www2.uni-frankfurt.de/gu100

Veranstaltungen

Jan 22 2014
16:07

Goethe-Universität im dritten Jahrgang der Förderung so erfolgreich wie nie zuvor.

Feierliche Vergabe der Deutschland-Stipendien

FRANKFURT. Im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal auf dem Campus Westend werden die Deutschland-Stipendien des akademischen Jahres 2013/14 vergeben. In Anwesenheit des neuen Wissenschaftsministers Boris Rhein und zahlreichen Spendern wird Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl den Studierenden die Urkunden übergeben. Im dritten Jahrgang des Deutschland-Stipendiums und zugleich auch im Jubiläumsjahr konnte die Goethe-Universität ein besonders gutes Ergebnis erzielen: Über 600 Stipendien können vergeben werden.

Mit dem Deutschland-Stipendium werden begabte und leistungsstarke Studierende mit je 300 Euro im Monat gefördert. Die eine Hälfte der Förderung spenden private Förderer, die andere Hälfte gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung dazu. Eine Besonderheit des Stipendiums an der Goethe-Universität ist das ideelle Förderprogramm.

Vergabefeier der Deutschland-Stipendien
Donnerstag, 23. Januar 2014, um 18 Uhr. Festsaal Casino, Campus Westend.

Weitere Informationen: Lucia Lentes, Stabsstelle Fundraising, Goethe-Universität. Tel. (069) 798-12756; m.pacera@vdv.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 22 2014
16:03

Festredner ist Fields-Medaillenträger Cédric Villani

100 Jahre Mathematik an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Als die Goethe-Universität im Jahr 1914 gegründet wurde, war der Gründungsdekan der naturwissenschaftlichen Fakultät, Arthur Schoenflies, ein Mathematiker. Das Fach war somit von Anfang an in dieser Fakultät vertreten. In einer Festveranstaltung gedenkt das Institut für Mathematik seiner historischen Wurzeln und gibt Ausblicke auf aktuelle Perspektiven des Fachgebiets. Hauptredner der Veranstaltung ist Cédric Villani (Université de Lyon and Institut Henri Poincaré, Paris), einer der weltweit prominentesten Mathematiker, welcher insbesondere durch seinen faszinierenden Vorträge und sein autobiografisches Buch "Das lebendige Theorem" auch jenseits der universitären Fachwelt einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Villani wurde im Jahre 2010 für seine Arbeiten zur nichtlinearen Landau-Dämpfung und zur Boltzmann-Gleichung mit der Fields-Medaille die höchste mathematische Auszeichnung weltweit verliehen.

Was? Festveranstaltung "100 Years of Mathematics at the Goethe University"
Wann? Freitag, den 24.1.2014 um 16 Uhr
Wo? Festsaal, Casino, Campus Westend, Goethe-Universität.

In seinem Vortrag "Of Gases, Prices, Triangles and Men" wird Villani aktuelle mathematische Entdeckungen und ihre Bedeutung für die Physik und Wirtschaftswissenschaften darstellen. In einem weiteren Vortrag wird Moritz Epple,  Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte  an der Goethe-Universität, einen Einblick in die Anfangszeit der Universitätsmathematik in Frankfurt unter Arthur Schoenflies geben.

Informationen: Prof. Dr. Tobias Weth, Institut für Mathematik, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798-22547 bzw. 22511 (Sekretariat), weth@math.uni-frankfurt.de, www.math.uni-frankfurt.de/100years

Veranstaltungen

Jan 21 2014
16:38

JOB-MESSE für angehende Pädagogen. 24. Januar, Campus Westend.

Der pädagogischen Praxis auf der Spur

FRANKFURT.Auf der 2. JOB-MESSE können Studierende und Absolventen der Pädagogik, aber auch jene, die bereits im Beruf stehen, in Kontakt mit potentiellen Arbeitgebern treten. Die Teilnehmenden erhalten hier vielfältige Informationen zu möglichen Einsatzfeldern und den entsprechenden Jobperspektiven. Parallel gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit verschiedenen Workshops, für die man sich am Messetag anmelden kann. Die Unternehmen, Einrichtung und Institution wiederum haben die Chance, sich zu präsentieren und potentielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen zu lernen. 

„Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ - 2. JOB-Messe für angehende Pädagoginnen und Pädagogen in den Feldern Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Sonderpädagogik . 

Freitag, den 24.01.14, von 10.00 -15.00 Uhr.
PEG-Gebäude am Campus Westend. 

Veranstaltet wird die JOB-MESSE vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität und dem Paritätischen Bildungswerk Hessen in Kooperation mit den Career Services der Goethe-Universität.

Weitere Informationen: www.jobmessen-uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 21 2014
14:03

Wintersemester-Produktion mit Theaterstück über Liebe, Betrug und Rache. Premiere: 31. Januar.

Chaincourt Theatre Company präsentiert: “Die Erbin”

FRANKFURT. Seit der Uraufführung 1949 erlebte „Die Erbineine lange und erfolgreiche Produktionshistorie, sowohl in Form von Spielfilmen als auch auf dem Broadway. Für die Wintersemester-Produktion bringt die Chaincourt Theatre Company (Institut für England- und Amerikastudien) diese Geschichte über Liebe, Betrug und Rache am Westend Campus fünf Mal zur Aufführung.

“Catherine, es ist an der Zeit die Wahrheit zu realisieren. Hunderte sind hübscher als du, Tausende intelligenter, du jedoch besitzt eine Eigenschaft die alle anderen Mädchen in den Schatten stellt. Dein Geld.” „Die Erbin“ spielt im Haus eines reichen und angesehenen Arztes in New York City. Es handelt vom Werben um die Tochter des Doktors, Catherine Sloper, einer mutterlosen und schüchternen doch reichen Frau im heiratsfähigen Alter. Deren Vater verdächtigt den Mann, in den sie sich verliebt hat, lediglich ein Mitgiftjäger zu sein. Auf sich allein gestellt, abgesehen von der Hilfe ihrer Tante, versucht Catherine jenen Mann trotzdem für sich zu gewinnen, denn sie denkt, dass er sie von einem weiteren einsamen Leben mit ihrem Vater bewahren wird. Ungeachtet der Konsequenzen ihres Verhaltens, erleben die Figuren des Stücks, genau wie in der realen Welt, ein nicht vorhersehbares Schicksal.

„Die Erbin“ („The Heiress“) ist ein Theaterstück von Ruth und Augustus Goetz, das auf der Novelle „Washington Square“ von Henry James basiert.

Vorstellungen: Premiere am 31. Januar 2014; weitere Aufführungen am 1., 6., 7. und 8. Februar 2014.
Ort: Goethe-Universität, Westend Campus, IG-Farben-Nebengebäude,
Raum 1.741.

Vorstellungsbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten: 10 €/5 € (ermäßigt); erhältlich an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn oder in „Zimmer 17“ (Raum 3.257, IG-Farben-Haus, Tel. 793 32550); Montag u. Dienstag 10-14; Mittwoch 10-12; Donnerstag 10-14.

Weitere Informationen:  James Fisk, Künstlerische Leitung Chaincourt Theatre Company. fisk@em.uni-frankfurt.de. www.chaincourt.org 

Sonstige

Jan 16 2014
17:31

Neues Forschungsnetzwerk zu bilingualem Lernen, Immersion und Mehrsprachigkeit

Kooperation zwischen Phorms Schule Frankfurt und Goethe-Universität

FRANKFURT. Michael Gehrig, Schulleiter der bilingualen Phorms Schule Frankfurt und Daniela Elsner, Professorin für Didaktik der englischen Sprache und Sprachlehrforschung an der Goethe Universität Frankfurt, haben heute offiziell eine Kooperation beschlossen. Theorie und Praxis sollen künftig stärker verzahnt werden. Die Kooperation sieht vor, dass künftig Studierende der Sprachlehrforschung im Rahmen von Hospitationen und Praktika an der Phorms Schule in der Praxis erproben, was sie in der Theorie an der Universität lernen. Die Lehrer der Phorms Schule profitieren durch den engen Kontakt zu den Studenten ebenfalls. Die Studenten informieren die Lehrkräfte der Phorms Schule über neue Erkenntnisse und Entwicklungen aus der fremdsprachendidaktischen Unterrichtsforschung. Zusätzlich werden von universitärer Seite aus Fortbildungen für die Lehrkräfte angeboten. Die Lehrer können auch an ausgewählten Veranstaltungen des Instituts teilnehmen.

Die Kooperation bietet Chancen für beide Seiten. „Die Phorms Schule Frankfurt ist ein perfektes Umfeld, in dem wir gemeinsam offene Fragen im Hinblick auf die Chancen und Grenzen bilingualer beziehungsweise immersiver Unterrichtskonzepte in Deutschland erforschen können“, sagte Daniela Elsner. Seit 2010 ist sie Professorin für Didaktik und Sprachlehrforschung am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe Universität Frankfurt. Zuvor lehrte sie in Vechta, Bremen und Köln.

Die bilinguale Phorms Schule Frankfurt hat zwei Standorte: Im Holzhausen Viertel in Frankfurt und in Steinbach im Taunus. Von der Eingangsstufe bis zum Gymnasium lernen die Kinder auf Englisch und auf Deutsch bei muttersprachlichen Pädagogen.  Vor allem in Kanada und den USA blickt man auf langjährige Erfahrungen mit Immersionsschulen zurück. In Deutschland sind Schulen, an denen mehr als 80 Prozent des Unterrichts in einer Fremdsprache erfolgen, noch die Ausnahme. Unterschiedliche Studien belegen, dass sich immersive Unterrichtskonzepte positiv auf die kognitive Entwicklung und die Sachfachkompetenzen der Schülerinnen und Schüler auswirken können. Weitgehend ungeklärt ist aber bislang, wie sich die Beschulung in einer anderen Sprache als der Muttersprache langfristig auf die Kompetenzen in der Erstsprache, die Identität der Lerner und ihr Sprachenselbstbild auswirken. „Auch wissen wir noch nicht genug über die Sprachentwicklung von mehrsprachigen Kindern in solchen Settings“, erläuterte Daniela Elsner.

Für dieses Forschungsprojekt benötigt die Gruppe noch Drittmittelgeber, um die sie sich derzeit bemüht. Im Rahmen der Kooperation können die Studenten für ihre Abschlussarbeiten zunächst kleinere Untersuchungen durchführen. Die Ergebnisse dieser Studien werden in einen Sammelband einfließen, der im Shaker Verlag Aachen in der Reihe „Papers of Excellence“ erscheinen wird. „Wir freuen uns sehr auf neue Erkenntnisse durch die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften, den Schülern und Herrn Gehrig, der uns mit seinem Engagement und Tatendrang sehr beeindruckt!“ sagt Daniela Elsner auch im Namen ihrer Teamkollegin Professorin Britta Viebrock.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Daniela Elsner, Institut für England und Amerikastudien, Sprachlehrforschung und Didaktik. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-32518, elsner@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 13 2014
13:54

Hindernisse als Sportgeräte und Herausforderungen

Le Parkour: Mobile Körper erobern die Stadt

FRANKFURT. Mobilität wird in der Regel mit Technik und Verkehr in Verbindung gebracht. In der Großstadt sorgen Autos, Busse und Bahnen für einen möglichst schnellen, aber körperlich passiven Ortswechsel. Die Trendsportart Le Parkour setzt dazu einen Kontrapunkt, wie der Sportsoziologe Prof. Robert Gugutzer und die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Andrea Dlugosch in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazin „Forschung Frankfurt“ berichten. Jugendliche „Traceure“ suchen explizit die körperliche Beweglichkeit, nicht zuletzt als einen Prozess der kreativen Selbstfindung.

Die aus Frankreich stammende Trendsportart ist inzwischen global verbreitet und wird überwiegend in Großstädten von zumeist männlichen Jugendlichen ausgeübt. Die Traceure, wie sich die Akteure nennen (französisch: la trace, die Spur), bezeichnen ihren Sport als eine „Kunst der Fortbewegung“, weil es darum gehe, Hindernisse im urbanen Raum möglichst effizient, ohne technische Hilfsmittel und in einem kontinuierlichen Bewegungsfluss zu überwinden. Papierkörbe, Mülltonnen, Bänke, Treppen, Fahrradständer, Bauzäune, Garagendächer, Häuserwände oder Häuserschluchten verkörpern ad hoc sich stellende Sportpartner, die es ausschließlich mit dem eigenen Körper zu bezwingen gilt.

Verglichen mit der relativ kleinen Anzahl an Aktiven ist der Bekanntheitsgrad von Le Parkour bemerkenswert groß. Dafür sorgen vor allem (Selbst-)Inszenierungen in Videoclips, Spielfilmen und Musikvideos. Nach Meinung der Sozialwissenschaftler begeistern Le Parkour und seine akrobatische Version, das Freerunning,  weil sie körperliche Effizienz und geschmeidige Beweglichkeit mit massiver, unbeweglicher städtischer Architektur verschmelzen. Andererseits  konfrontieren die Traceure die Stadt mit einem Ausmaß an Körperlichkeit, das befremdlich wirkt. Sie widersprechen den normativen Vorgaben von Körpern im öffentlichen Raum auf ungewohnte bis spektakuläre (für manche Passanten auch ärgerliche) Weise. Man klettert keine Mauer hoch oder springt über ein Treppengeländer, um den Weg abzukürzen und schneller an sein Ziel zu gelangen.

Traceure sind unzeitgemäß: sie sind unglaublich mobil, obwohl oder gerade weil sie auf technische Möglichkeiten effizienter Fortbewegung verzichten. Sie ignorieren zudem die architektonisch gegebenen Begrenzungen menschlicher Eigenmobilität und schaffen sich aktiv ihre Bewegungsautonomie. Die Freiheit der Bewegung ist ihnen ein wichtiger Wert, der subjektiv ein umso höheres Gewicht erhält, je schwieriger er zu realisieren ist. Daher suchen sich Traceure regelmäßig „spots“ (Übungsplätze), die eine körperliche Herausforderung darstellen oder Grenzerfahrungen ermöglichen. Schritt für Schritt – Traceure sind keine Hasardeure – erweitern sie so ihren körperlichen Handlungs- und Bewegungsspielraum und damit zugleich ihren Selbstgestaltungsspielraum.

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Robert Gugutzer, Institut für Sportwissenschaften, Sozialwissenschaften des Sports, Sportcampus Ginnheim, Tel.: (069) 798- 24529, hardy@pvw.uni-frankfurt.de, und (069)-798-13066, gugutzer@sport.uni-frankfurt.de

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Veranstaltungen

Jan 13 2014
13:52

Auftritt in der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“ auf dem Campus Westend

Ein künstlerisches Multitalent: Der niederländische Dichter, Schauspieler, Performancekünstler Ramsey Nasr

FRANKFURT. In der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“ ist am kommenden Montag (20. Januar) der niederländische Dichter, Schauspieler und Performancekünstler Ramsey Nasr zu Gast in der Goethe-Universität. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Casino, Raum 1.802, Campus Westend. Der 1974 in Rotterdam geborene Künstler mit niederländischen und palästinensischen Wurzeln zählt inzwischen zu den bedeutendsten und bekanntesten Dichtern im niederländischen Sprachraum.

Nach seiner Schauspielausbildung in Antwerpen wurde er 2005 zum Stadtdichter Antwerpens benannt. Von 2009 bis 2013 erfüllte er mit Glanz das niederländische Amt des „Dichter des Vaterlands“. Seine Vielseitigkeit ist bestechend. Er schreibt nicht nur unvergessliche Auftragsgedichte, er reagiert auch mit poetischen Mitteln auf Missstände, Aktualität, Ereignisse. Nasr ist ein politisch und gesellschaftlich engagierter Dichter, seine Poesie leidet nicht unter dieser Themenwahl. Er ist kunst- und musikversessen, wenn nicht „besessen“. Sein Lieblingsmaler Jan Vermeer und das berühmte, 1888 eröffnete „Concertgebouw“ in Amsterdam tauchen immer wieder in seinem Werk auf. Neben Musikalität und Engagement sind Humor, Intellekt und technisches Raffinement kennzeichnend für seine Dichtkunst.

Nachdem Nasr Anfang 2013 das Amt des Dichters des Vaterlands weitergereicht hatte, stand er monatelang mit großem Erfolg als Schauspieler auf der Bühne. „Seine angenehme Stimme und Diktion, seine engagierten Gedichte, seine offene Persönlichkeit machen einen Abend mit Ramsey Nasr zu einem unvergesslichen Erlebnis“, so die Organisatorin der Reihe, Laurette Artois vom Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität. Seine Ausstrahlung hat Nasr bereits in der Stadtkirche Darmstadt im Februar 2012 und als „writer in residence“ an der Freien Universität Berlin im Wintersemester 2010/11 unter Beweis gestellt. Mangelnde oder fehlende Niederländisch-Kenntnisse sind bei dem Auftritt in der Goethe-Universität kein Problem: Nasrs Gedichte aus den Bänden „Tussen lelie en waterstofbom“ (2000-2006) und „Mi have een droom (alle vaderlandse gedichten)“ (2009-2013)werden auf Englisch oder Deutsch ausliegen.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe

Veranstaltungen

Jan 10 2014
11:06

Prof. Fotis Jannidis spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Die empirische Wende: Literaturforschung mit digitaler Volltextrecherche

FRANKFURT. Mit der Verwendung digitaler Textsammlungen in der Literaturwissenschaft setzt sich Prof. Fotis Jannidis am Mittwoch (15. Januar) auseinander. Der Titel seines öffentlichen Vortrags lautet „Literaturgeschichte und Makroanalyse“ Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.

Auch wenn erst ein kleiner Anteil aller gedruckten Bücher im digitalen Volltext vorliegt, hat sich inzwischen bereits ein neues Forschungsfeld etabliert, das Methoden der Korpuslinguistik, des „Information Retrieval“ und des „Text Mining“ verwendet, um Antworten auf Fragen zu erlangen, die bisher schon aufgrund der Menge der zu untersuchenden Texte unbeantwortbar erschienen. Der Professor für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg wird in seinem Vortrag dieses Forschungsfeld und einige der Methoden und Ergebnisse vorstellen.

Der Umgang mit großen Datenmengen hat die Arbeitsweise vieler Geisteswissenschaftler in den vergangenen Jahren erheblich verändert und hat auch inhaltlich zu einem Wandel in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern geführt. „Empirische Wende“ nennen die Experten die an Einfluss gewinnende quantifizierende Arbeit an großen, kontrolliert erstellten digitalen Text- und Bildcorpora. Die Goethe-Universität hat auf diesem Gebiet die Nase vorn: Mit der im Dezember 2013 noch einmal um ein Jahr verlängerten Finanzierung für LOEWE-Schwerpunkt kann Frankfurt seine Spitzenposition in der sich schnell entwickelnden Landschaft der „Digital Humanities“ in Deutschland weiter ausbauen. Beteiligt an diesem LOEWE-Schwerpunkt sind auch Informatiker und Geisteswissenschaftler der TU Darmstadt sowie Literaturwissenschaftler des Freien Deutschen Hochstifts (Frankfurter Goethe-Museum).

Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Jan 10 2014
11:04

Prof. Wolfgang Bauer spricht bei der öffentlichen Vortragsreihe „Vom Urknall ins Labor“ im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Genesis : Über den Ursprung der Atome

FRANKFURT. Alle Materie auf der Erde, einschließlich unseres Körpers, besteht aus einer gigantischen Anzahl von Atomen. In einem ständigen Recyclingprozess werden die Atome in unserem Körper kontinuierlich mit der Biosphäre ausgetauscht. In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Vom Urknall ins Labor“ hält am Donnerstag (16. Januar) um 19 Uhr Prof. Wolfgang Bauer einen Vortrag zum Thema „Genesis – der Ursprung der Elemente“. Im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG gewähren international renommierte Forscher interessierten Laien in diesem Wintersemester einen Blick in die realen und virtuellen Laboratorien der Physik.

Was ist der Ursprung dieser Atome, wie alt sind sie, wie lange leben sie und wie sind sie entstanden? Und können wir Atome sogar – den jahrhundertealten Traum der Alchemisten erfüllend – künstlich ineinander umwandeln? Die Verbindung der moderne Kernphysik und der Astrophysik kann Antworten auf diese Fragen liefern, wie Bauer, Professor an der Michigan State University, USA den Zuhörern zeigen wird.

Prof. Dr. Wolfgang Bauer studierte Physik an der Universität Gießen und promovierte im Jahr 1987. Anschließend war er Postdoctoral Research Fellow am California Institute of Technology, Pasadena (USA). Es folgte 1988 eine Assistenzprofessur an der Michigan State University, East Lansing. Seit 1996 ist Bauer Professor für Physik und Astronomie an der Michigan State University (MSU) und seit 1997 Leiter der Theoriegruppe am National Superconducting Cyclotron Laboratory. Als Chairman des Department of Physics and Astronomy der MSU fungiert Bauer seit 2001, 2009 wurde er Gründungsdirektor des Institute for Cyber-Enabled Research, Michigan State University. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Kernreaktionen bei mittleren und hohen Energien, nukleare Fragmentation, Supernova-Explosionen, Einsatz moderner Medien in der Lehre.

Wie auch die zwei noch folgenden Vorträge beginnt die Vorlesung mit anschließender Diskussionsrunde um 19 Uhr auf dem Campus Riedberg, im Hörsaal 100 des „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ (FIAS), Ruth-Moufang-Straße 1. Organisatoren und Veranstalter dieser Reihe sind neben der Goethe-Universität das „Helmholtz International Center for Fair“ (Hic for Fair) und das FIAS. Die Vorlesungen im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ richten sich an interessierte Bürger und Bürgerinnen sowie an Studierende und Angehörige aller wissenschaftlichen Institutionen im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurt ist als Austragungsort einer solchen Ringvorlesung besonders geeignet, da in der Rhein-Main-Region eine Reihe von führenden Forschungsinstitutionen dem Gebiet „Materie unter extremen Bedingungen“ beheimatet ist. Physiker der Goethe-Universität arbeiten eng zusammen mit dem Helmholtzzentrum GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) in Darmstadt und mit der dort entstehenden Großforschungsanlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research). Begleitet werden diese Aktivitäten vom Mitveranstalter der Vortragsreihe, dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR), das demnächst sein neues Forschungsgebäude auf dem Campus Riedberg beziehen wird, und von dem benachbarten, theoretisch arbeitenden interdisziplinären Forschungsinstitut FIAS (Frankfurt Institute for Advanced Studies).

Die weiteren Vorträge auf einen Blick:

30. Januar 2014
Hans-Thomas Janka (Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching: Rätselhafte Supernovae – den Geheimnissen der größten kosmischen Explosionen auf der Spur

10. Februar 2014 (Montag)
Harald Lesch (Ludwig-Maximilians-Universität München: Schlagzeilen vom Rand der Wirklichkeit

Informationen: Prof. Dr. Marcus Bleicher, Helmholtz International Center for FAIR, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47834, contact@hicforfair.de; Dr. Joachim Reinhardt, Frankfurt Institute for Advanced Studies, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47866, reinhardt@fias.uni-frankfurt.de; fias.uni-frankfurt.de/materie

Veranstaltungen

Jan 9 2014
15:39

Bildung als Ware. Die Frankfurter Bürger-Universität diskutiert die ökonomische Dimension von Wissen.

Exklusiv und effizient?

FRANKFURT. „Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, so der Titel der nächsten Veranstaltung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität zum Thema Bildungsgerechtigkeit . Zur Debatte stehen dabei Fragen wie: Viel Geld, viel Wissen? Kann man Intelligenz tatsächlich kaufen? Wie funktioniert das Geschäft mit der Bildung? Die Bildungsökonomin Kerstin Schneider wird in ihrem Impulsvortrag die ökonomische Dimension von Bildung charakterisieren.

Das Spannungsfeld zwischen modernen Lernformen und dem Verlust traditioneller Wissensvermittlung betrifft Lehrende und Lernende gleichermaßen. Gleichzeitig bieten Online-Angebote schnellen Zugang zu mehr Wissen, ohne Abitur und teure Studiengebühren. Claudia Bremer, Leiterin der zentralen elearning-Stelle studiumdigitale an der Goethe-Universität, wird in der Diskussion die Potenziale digitaler Medien erörtern.

Wer es sich leisten kann, schickt den Nachwuchs direkt auf eine Privatschule. Wird hier tatsächlich eine goldene Zukunft verkauft? Die Elternsprecherin Eva Segner und Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich, werden vom Schulalltag und sozialer Kompetenz der Eliteschüler berichten.

Der renommierte Frankfurter Soziologe Sighard Neckel hingegen erkennt im aktuellen Kampf um gute Bildung feudale Strukturen wieder und warnt vor den gesellschaftlichen Folgen.

„Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, mit:
Claudia Bremer, Leiterin studiumdigitale Goethe-Universität, Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich mit Eva Segner, Elternsprecherin, Prof. Sighard Neckel, Soziologe an der Goethe-Universität, Prof. Kerstin Schneider, Bildungsökonomin, Bergische Universität Wuppertal

und den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern

Moderation: Marc Dugge von hr-iNFO
am: Montag, 13. Januar 2014, um 19.30 Uhr
Ort: Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Bildung ohne Gerechtigkeit? Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte“, so der Titel der Diskussionsreihe in diesem Wintersemester, die zusammen mit der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) entwickelt wurde. Unterstützt von hr-iNFO, dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks, bildet die Reihe zugleich die Brücke ins Jubiläumsjahr der Goethe-Universität 2014. In der Tradition einer von Frankfurter Bürgern geschaffenen Hochschule beschäftigt sich die Goethe-Universität mit einer der wichtigsten gesellschaftspolitischen Diskussionen unserer Zeit. In der Frankfurter „Bürger-Uni“ diskutieren Wissenschaftler, Experten und Frankfurter Bürger einzelne Aspekte der Auseinandersetzung um gute und schlechte Bildung.

Abschlussveranstaltung: 27. Januar 2014
Abgehoben und überakademisiert? Wie viel Bildung verträgt der Mensch? U.a. mit Götz Rehn, Gründer von Alnatura, Prof. Manfred Prenzel, Pisa-Studien-Experte, Dirk Roßmann, Gründer von Rossmann und Dr. Heiner Schnelling, Leiter der Universitätsbibliothek. Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Wichtige Hinweise: Veranstaltungsort ist immer der Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Alle Veranstaltungen können per Livestream mitverfolgt werden und sind anschließend auch über unser Archiv abrufbar:  www.buerger.uni-frankfurt.de  

Veranstaltungen

Jan 9 2014
14:21

Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 startet am 14. Januar mit der Vorlesungsreihe „Nicht sterben“. Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“.

Frankfurter Poetikvorlesungen mit Terézia Mora

FRANKFURT. Auftakt der renommierten Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2013/14: Terézia Mora spricht am 14. Januar erstmals als neue Gastdozentin für Poetik an der Goethe-Universität. Unter dem Titel „Nicht sterben“ wird Mora in insgesamt fünf Vorlesungen ihre Überlegungen zu den Bedingungen und Grundlagen ihres literarischen Schaffens vorstellen. Zum Begleitprogramm der Poetikvorlesungen gehören erneut eine Ausstellung im „Fenster zur Stadt“ sowie eine Abschlusslesung im Frankfurter Literaturhaus.

Die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 zählt zu den herausragenden Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und hat zahlreiche Prosaarbeiten vorgelegt. Auch als Drehbuch-, Theater- und Hörspielautorin hat sich Mora einen Namen gemacht. Die 1971 im ungarischen Sopron geborene Autorin hat zudem wichtige Werke der ungarischen Literatur übersetzt. Mora gilt als Autorin, die in ihren Werken mit radikalen Gegenwartsdiagnosen aufwartet. Bereits 1999 sorgte sie mit ihrem literarischem Debüt, dem Erzählungsband „Seltsame Materie“, für Furore. Auch die nachfolgenden Romane „Alle Tage“ und „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ wurden von der literarischen Öffentlichkeit mit großer Resonanz bedacht.

Mora erhielt für ihr Werk zahlreiche Preise, unter anderem den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse und das Villa-Massimo-Stipendium. Für ihren im vergangenen September erschienenen Roman „Das Ungeheuer“ wurde Mora mit dem Deutschen Buchpreis 2013 ausgezeichnet.

In den vergangenen Semestern stellten so unterschiedliche Autorenpersönlichkeiten wie Thomas Meinecke, Alexander Kluge, Michael Lentz oder Juli Zeh in Frankfurt ihre Poetik vor. Im Sommersemester 2014 wird Daniel Kehlmann die Stiftungsgastdozentur übernehmen.

Terezia Mora: Nicht sterben. Stiftungsgastdozentur für Poetik.
14./21./28. Januar; 4. und 11. Februar, Campus Westend, Hörsaal HZ2. Beginn jeweils 18 Uhr, Eintritt ist frei.

Abschlusslesung am 12. Februar, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Frankfurt.
Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“, Braubachstr. 18-22 (ab dem 15. Januar)

Weitere Informationen: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-32857. komfort-hein@lingua.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 8 2014
12:45

Der Historiker Johannes Fried zu räumlicher und geistiger Beweglichkeit am Hofe Karls des Großen – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Mobilität im Mittelalter: Gelehrte auf Wanderschaft

FRANKFURT. Nicht unser Jahrhundert, sondern das Mittelalter verdient das Prädikat „mobil“: Wanderschaft war ein Grundzug des Mittelalters: Könige, Kaufleute, Bettler und Ganoven, die Wanderarbeiter der Bauhütten, die Söldner der großen Armeen, in ihrem Gefolge die Dirnen, dann die Studenten und nicht wenige Professoren: Sie alle hatten lange Jahre der Wanderschaft und der Fremde zu überstehen, bevor sie sich – wenn überhaupt – irgendwo dauerhaft niederlassen konnten. Der renommierte Frankfurter Historiker Prof. Dr. Johannes Fried, nimmt in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ besonders das Reiseverhalten der Gelehrten unter die Lupe.

Den Hof Karls des Großen bezeichnet Fried, dessen umfassende und viel beachtete Biographie Karls des Großen im September 2013 im Beck Verlag erschienen ist, als „geradezu archetypisch für die Wissenschaftsförderung des kommenden Jahrtausends“: „Immer mehr Gelehrte strömten an des Königs Hof. Karls weithin bekannte Wissbegier, sein Reformeifer und nicht zuletzt die Karrierechancen, die der Königsdienst verhieß, lockten sie an. Aus aller Herren Länder kamen sie. Die Gelehrtenversammlung dort war neu- und einzigartig.“

Von Karl gerufen und belohnt, versammelte sich im 8. Jahrhundert eine internationale Gelehrtengemeinschaft aus Langobarden, Angelsachsen, Iren und Westgoten am Hof in Aachen. „Sie war sonst nirgends anzutreffen, an keinem Fürstenhof, auch nicht in Rom, Konstantinopel oder Córdoba“, so der Frankfurter Mediävist. Er stieß aber auch darauf, dass Spannungen und Feindseligkeiten nicht ausblieben: „Die Fremden, angewiesen auf die Gnade des Königs, beargwöhnten einander, neideten einander den Erfolg, befehdeten sich mit Worten und Versen und sorgten aber gerade mit ihrer Konkurrenz für eine intellektuelle Lebendigkeit und geistige Frische wie seit Jahrhunderten nicht mehr im lateinischen Westen – belebende Auswüchse der agonalen Gesellschaft und ihrer Mobilität.“

Am Hofe Karls begannen die Gelehrten wieder zu entdecken, was zuvor mehr oder weniger untergegangen war: was die Antike und Spätantike an intellektueller Kultur und an Wissenschaft zu bieten hatte. Dazu Fried: „Das Griechisch des Aristoteles verstand im Westen ohnehin niemand. Angewiesen war man auf die wenigen Übersetzungen des Boethius, die freilich nur selten in Handschriften zu greifen waren. Erst durch den Impuls vom Hof Karls des Großen verbreiteten sie sich und konnten allgemein in die Schulen einziehen.“

Zu den herausragenden Gelehrten zählten der Angelsachse Alkuin, der aus York kam und für Karl eine Rhetorik und Dialektik aristotelischen Zuschnitts verfasste. Sein Konkurrent war Theodulf, er verfasste eine auf die aristotelische Kategorienlehre und Dialektik gestützte Widerlegung des griechischen Bilderkults. Der Westgote war in einer der arabischen Kultur nicht fernen Umwelt aufgewachsen und offerierte sein Wissen dem Frankenkönig.

Auch in den folgenden Jahrhunderten verbreitet sich Wissen nicht zuletzt durch die reisenden Gelehrten. Die Motive waren unterschiedlich, im 10./11. Jahrhundert folgten die Gelehrten den Büchern, wenn sie erfuhren, dass irgendwo verschollene Texte aufgetaucht waren.

Spätestens im 12. Jahrhundert setzte sich durch, dass wer studieren wolle, auch in die Fremde gehen müsse: „Professoren wurden abgeworben, Studenten, in Genossenschaften organisiert, wurden zur ‚Auswanderung‘ bewogen, um sie andernorts mit höheren Einnahmen und günstigeren Studienbedingungen anzulocken. Man versprach sich Gewinn für die Stadt. Die Hohen Schulen konzentrierten sich europaweit das gesamte Mittelalter über an wenigen Orten: Bologna, Padua, Neapel, Paris, Montpellier, Salamanca und in wenigen anderen Städten, spät erst Krakau, Prag, Wien oder Heidelberg“, erläutert der Frankfurter Historiker.

Informationen: Prof. Dr. Johannes Fried, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798- 32426, Fried@em.uni-frankfurt.de

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Jan 7 2014
15:06

Abschlussdiskussion an der Frankfurter Börse in Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ am 15. Januar 2014

Philosophie-Reihe an der Börse zieht Bilanz

FRANKFURT. Das Podium wird prominent besetzt sein bei der Diskussion zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Anstand, Fairness, Gerechtigkeit – Ethische Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“. Die Gesprächsrunde findet am 15. Januar 2014 um 18.30 Uhr im Plenarsaal der Alten Börse statt (Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt). Ihre Teilnahme zugesagt haben: Dr. Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Finja Carolin Kütz, Deutschland-Chefin der auf Banken spezialisierten Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, Prof. Ferdinand Kirchhof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, und Prof. Rainer Forst, politischer Philosoph und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Moderation übernimmt Prof. Marcus Willaschek, Philosoph an der Goethe-Universität und Mitglied des Clusters.

In den Händen von Marcus Willaschek liegen auch die Konzeption und fachliche Leitung der Gesamtreihe, die die Deutsche Börse AG in Verbindung mit dem Frankfurter Exzellenzcluster veranstaltet. Ziel der Reihe ist es, durch einen Dialog zwischen Philosophie und Finanzwelt zu einem Reflexionsprozess über Werte in der Finanzwelt beizutragen. Frankfurt steht als der bedeutendste Finanzplatz Kontinentaleuropas in der Weltöffentlichkeit. Die Finanzmetropole mit der international angesehenen Goethe-Universität hat zudem eine strahlkräftige Tradition des philosophischen Diskurses, mit einem Schwerpunkt auf Sozialphilosophie. Der Dialog zwischen den beiden Welten ist durch die vielbeachteten öffentlichen Vorträge der Philosophen Prof. Otfried Höffe (Universität Tübingen), Prof. Axel Honneth (Universität Frankfurt) und Prof. Thomas Pogge (Yale University) erneut aufgenommen worden.

Die Vorträge fanden im Rahmen einer Vortrags- und Diskussionsreihe statt, die nun in ihrem vierten und letzten Teil mit der Podiumsdiskussion ihren Höhepunkt erreicht. Man darf auf eine angeregte und anregende Diskussion gespannt sein, in der es auch um die folgenden Fragen geht: An welchen ethischen Regeln kann sich die Finanzwirtschaft der Zukunft orientieren? Und an welchen muss sie sich orientieren, damit sie ihre „dienende Rolle“ (Dr. Wolfgang Schäuble) für Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen kann? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um das verlorengegangene Vertrauen der Politik und der Bevölkerung in die Finanzwirtschaft wiederherzustellen? Reichen dabei rechtliche Maßnahmen aus, oder ist ein fundamentales Umdenken bei den Akteuren im Finanzmarkt nötig?

Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit einer Einladungsbestätigung möglich. Einlass ab 17.30 Uhr. Anmeldungen werden erbeten unter: ethischeorientierung@deutsche-boerse.com

Informationen: Prof. Marcus Willaschek, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel: (069) 798-32761, Marcus.Willaschek@normativeorders.net, www.normativeorders.net; Deutsche Börse AG, Section Events, Tel: (069) 211-12222, www.deutsche-boerse.com

Forschung

Jan 7 2014
11:05

Pedelecs machen Spaß und ein gutes Gewissen

E-Bikes: eine kleine Revolution in der Elektromobiliät

FRANKFURT. Während bei elektromobilen Autos ein Durchbruch (noch) nicht in Sicht ist, erfreut sich das E-Bike zunehmender Beliebtheit. Es erlaubt Bewegung mit dosierter Anstrengung und schont die Umwelt. Der Nutzer hat ein doppelt gutes Gewissen. Was Menschen noch dazu antreibt, Pedelecs in ihren Alltag zu integrieren, untersucht die sozialwissenschaftliche Begleitforschung.

„Elektroautos empfinden viele potenzielle Nutzer als technisch unausgereift und nicht alltagstauglich“, weiß Steffi Schubert von der urbane konzepte GmbH in Offenbach. Gemeinsam mit Thomas Prill, Doktorand am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität, untersuchte sie, inwieweit Pedelecs oder E-Bikes einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Mobilitätssystem leisten können. Über die Ergebnisse eines Teilprojekts, das im Rahmen der Modellregion Elektromobilität RheinMain gefördert wurde, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“.

Pedelecs unterstützen die Tretkraft der Nutzenden bis zu einer Geschwindigkeit von 25 oder 45 Kilometer pro Stunde elektrisch. Ihre Verkaufszahl nimmt seit 2007 kontinuierlich zu und lag in Deutschland 2012 laut Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands bei zirka 400.000 Stück. Mittlerweile sollen mehr als eine Million dieser Zweiräder auf deutschen Straßen unterwegs sein. „Angesichts dieses Erfolges stellt sich die Frage, ob Pedelecs nicht weit mehr sein können, als ein getuntes Fahrrad“, erläutert Thomas Prill den Forschungsansatz.

In leitfadengestützten Interviews, Gruppengesprächen mit Nutzenden und Experteninterviews haben die Forscher Daten zur Akzeptanz, Nutzung und Wirkung von elektromobilen Angeboten erhoben und analysiert. Der Fokus lag dabei auf der Marktvorbereitung, -einführung und -verbreitung von Pedelecs sowohl für den Privatbesitz als auch für die Integration in Flottenkonzepte.

„Die Gespräche mit den Nutzerinnen und Nutzern zeigen, dass Pedelecs auf breite Akzeptanz stoßen, und dass vor allem die erste Fahrt mit einem E-Bike für viele ein Schlüsselerlebnis mit Wow-Effekt ist, das Begeisterung auslöst“, berichtet Steffi Schubert. Die Pedelecs werden vor allem bei Arbeitswegen und Dienstfahrten geschätzt, weil sie gegenüber dem ÖPNV oder Fahrgemeinschaften eine selbstbestimmtere Mobilität ermöglichen. Die Ankunft beim Kunden oder Geschäftspartner mit einem Pedelec eröffnet oftmals einen guten Gesprächseinstieg. Umwelt-, Nachhaltigkeits- oder Imageaspekte haben bei den meisten Befragten eine eher implizite Bedeutung; sie sind positive Nebeneffekte.

Ein hoher Mehrwert wird von vielen Nutzenden im privaten Bereich darin gesehen, Leistungsdefizite zum Partner auszugleichen. Insbesondere für einige Frauen ist dieser Aspekt sehr bedeutend. Und bei gemeinschaftlichen Freizeitfahrten mit nur einem Pedelec freuen sich alle, weil derjenige mit Tretkraftunterstützung den Kinderanhänger oder das Grillequipment angehängt bekommt.

„Insgesamt hat sich gezeigt, dass Pedelecs bei denjenigen, die die Möglichkeit hatten, diese ausgiebig testen zu können, meist auf großen Zuspruch stoßen“, fasst Prill die Ergebnisse der Studie zusammen. Arbeitgeber erwiesen sich dabei als gute Multiplikatoren. Unternehmen und Organisationen, die Pedelecs im Rahmen der Modellregion Elektromobilität als neue Option im Fuhrparkmanagement aufnahmen, berichteten über zahlreiche positive Effekte auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene.

„Um weitere Zielgruppen erreichen zu können, sind öffentlich zugängliche Angebote und andere Betreiberkonzepte interessant, wie beispielsweise Leih- und Testmöglichkeiten über Wohnungsgesellschaften, Energieversorger oder Verkehrsunternehmen“, empfiehlt Steffi Schubert. Auch diese Möglichkeiten werden derzeit in Modellprojekten getestet.

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Thomas Prill, Institut für Humangeographie, Campus Westend, Prill@em.uni-frankfurt.de, Steffi Schubert, urbane konzepte GmbH, Tel.: 0152-29585214; schubert@urbane-konzepte.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Forschung

Jan 6 2014
14:40

Die Politikwissenschaftlerin Sigrid Roßteutscher zu den Ursachen der veränderten Wahlverhaltens – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Der Wähler von heute: unberechenbar und mobil

FRANKFURT.Wähler gelten heute als unberechenbar und launisch, aber auch als empfänglich gegenüber Lockrufen populistischer Alternativen. Die Wähler von heute sind Wechselwähler und entscheiden häufig erst an der Wahlurne, wem sie die Stimme geben. Die Mobilität der Wähler gehört zum politischen System der heutigen Bundesrepublik und ist das Ergebnis massiver Veränderungen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten abgespielt haben. Details beschreibt die Frankfurter Politikwissenschaftlerin, Prof. Sigrid Roßteutscher, in ihrem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt mit dem Schwerpunktthema „Mobilität“.

In ihrer Diagnose des gesellschaftlichen Wandlungsprozesses spielen auch die massiven Veränderungen in der Medien- und Informationslandschaft eine entscheidende Rolle: Im Zuge der Liberalisierung des Medienmarkts ab 1990 nahm die Zahl der frei empfänglichen privaten Rund- und Fernsehkanäle explosionsartig zu, es folgte der Siegeszug des Internet sowie die Verbreitung der „social media“, was das potenzielle Angebot an Informationen drastisch ansteigen ließ. Dazu die Politikwissenschaftlerin er Goethe-Universität: „Die politischen Signale, die Bürger aus den Medien empfangen, sind somit weniger homogen und damit potenziell auch schwieriger einzuordnen und zu bewerten, als dies für lange Zeit der Fall war. Außerdem können Bürger, die sich nicht für Politik interessieren, intensiv andere Angebote in den vielfältigen Medien nutzen und Politik ausblenden.“

Für die Volksparteien sind die guten Jahre seit den 1990er vorbei: So sind beispielsweise immer weniger Arbeitnehmer gewerkschaftlich orientiert, weil viele klassische Arbeiterberufe verschwunden sind; damit schrumpft auch die Kernklientel der SPD. Ähnlich geht es der CDU/CSU, dort macht sich der Rückgang der aktiven Kirchgänger bemerkbar. „Diese sozialstrukturelle Veränderungen tragen zur Erosion traditioneller politischer Milieus bei, die über lange Zeit das Rückgrat der etablierten Parteien bildeten“, analysiert Roßteutscher.

Mit der schwindenden Bindungskraft der großen Parteien nimmt die Zahl neuer kleinerer Parteien zu, die sich nahe der Fünf-Prozent-Hürde bewegen – Ergebnis: die Fragmentierung des Parteiensystems. Im Zuge der deutschen Vereinigung etablierte sich über die SED, PDS dann schließlich „Die Linke“. Da die neue linke Partei ihre Klientel verstärkt im Osten hat, trug dies nachhaltig zur Regionalisierung des Parteiensystems. Die allmähliche Etablierung der Grünen und dann der Linkspartei führte zu einem graduellen Zuwachs der kleinen Parteien auf Kosten der Großparteien – zumindest bis zur Bundestagswahl im September. „Ob der erstaunliche Zuwachs der ‚Großen‘ bei der Bundestagswahl 2013 eine Trendumkehr signalisiert oder eher einmaliger Ausreißer ist, bleibt abzuwarten“, so die Wahlforscherin. Roßteutscher gehört zu den führenden bundesdeutschen Wissenschaftlern, die in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Deutschen Nationalen Wahlstudie kooperieren.

In der „German Longitudinal Election Study“ (GLES), dem bislang umfassendsten und ehrgeizigsten Projekt der deutschen Wahlforschung, werden als Datenbasis Querschnitts- und sowohl kurz- als auch langfristige Längsschnittumfragen eingesetzt und mit einem Kandidatensurvey, einer Analyse von TV-Duellen sowie Inhaltsanalysen der Medienberichterstattung kombiniert. Mit Blick auf die Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 untersucht die GLES, wie die mobilere Wählerschaft auf die Herausforderungen der neuen, sehr komplexen Konstellation elektoraler Politik reagiert. Bisher liegen intensive Untersuchungen zur Bundestagswahl 2009 vor, die Daten zu 2013 werden für die Analyse aufbereitet, eine erste gemeinsame Veröffentlichung zu den Besonderheiten dieser Wahl erscheint im Sommer 2014. Die Langfristperspektive wird dann vor allem nach der Bundestagswahl 2017, wenn Daten für drei aufeinanderfolgende Wahlen vorliegen, im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Analyse stehen.Drei von insgesamt neun Studienkomponenten der GLES werden unter Leitung von Roßteutscher an der Goethe-Universität realisiert. Zu den Kooperationspartnern gehören die Universität Frankfurt und Mannheim (Prof. Hans Rattinger, Prof. Rüdiger Schmitt-Beck) sowie das Wissenschaftszentrum Berlin (Prof. Bernhard Weßels) und das GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (Prof. Christof Wolf).

Festgesellt haben die Politikwissenschaftler und Soziologen auch, das mehr Parteien im Angebot nicht zu einer höheren Wahlbeteiligung führen. Gingen in den 1980er Jahren noch Bürger aller Schichten zur Wahl, sind es heute insbesondere die Wähler mit niedrigem Bildungsstatus, die zur stetig wachsenden Gruppe der Nichtwähler gehören. Dazu die Frankfurter Wissenschaftlerin: „Da die soziale Schere bei Jungwählern bis 29 Jahren noch sehr viel deutlicher zu erkennen ist als bei älteren Wählern, spricht viel dafür, dass diese Ungleichheit ein bleibendes Merkmal des politischen Systems Deutschlands wird.“ Die weiteren Untersuchungen der Wahlstudie werden auch darüber detaillierte Auskunft geben können.

Informationen: Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798- 36628, Rossteutscher@soz.uni-frankfurt.de

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Forschung Frankfurt im Web:  www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Sonstige

Dez 19 2013
15:25

Erfolgreiches Projekt der hessischen Universitäten für Professorinnennachwuchs startet neuen Durchgang.

Karrierestrategie in Richtung Professorin

FRANKFURT. ProProfessur, ein Projekt der fünf hessischen Universitäten, richtet sich an hoch qualifizierte fortgeschrittene Postdoktorandinnen, Habilitandinnen, Privatdozentinnen und Juniorprofessorinnen aller Fachrichtungen, die in einem Zeitraum von 18 Monaten gezielt an ihrer Karrierestrategie in Richtung Professur arbeiten möchten. Denn: Geschlechtsspezifische Studien und Statistiken bestätigen nach wie vor: Trotz hervorragender Fachexpertise gelingt noch immer viel zu wenigen Wissenschaftlerinnen der Sprung in die akademischen Spitzenpositionen. Mit einem kombinierten Angebot aus Qualifizierung in den soft skills für den Wissenschaftsbetrieb, strategischem Networking und One-to-One-Mentoring durch erfahrene Professorinnen und Professoren aus einem fachnahen Kontext erfolgt eine passgenaue Förderung. In einem vertrauensvollen Umfeld wird eine individualisierte Potenzialanalyse die sowohl die vorhandenen Kompetenzen sichtbar macht, als auch Felder identifiziert, auf denen vor dem Hintergrund der konkreten Anforderungen für eine Professur im jeweiligen Fach (z. B. Publikationen, Drittmittelakquise, Auslandsaufenthalte) verstärkt gearbeitet werden sollte.

Die bisherigen Durchgänge waren sehr erfolgreich. Aus dem Pilotdurchgang von ProProfessur 2008/2009 sind inzwischen 44 % der Teilnehmerinnen (21) in eine Professur berufen worden. Dieses Ergebnis liegt weit über dem bundesweiten Neuberufenenanteil an Professorinnen von derzeit 29,2 % (Stand 2012).

Die fünf hessischen Universitäten finanzieren bis Ende 2015 das ProProfessur-Projekt in einem weiteren Durchgang mit insgesamt 45 Plätzen. Die Bewerbungsfrist läuft bis 27.01.2014. Zu den Bewerbungsmodalitäten und Programmschwerpunkten findet auch an der Goethe-Universität Frankfurt eine Informationsveranstaltung statt: 

Dienstag, 14. Januar 2014, 17.00-18.30 Uhr, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt, PEG-Gebäude, Raum 135.

Potenziellen Bewerberinnen wird die Teilnahme empfohlen. Neben der Projektleiterin und der Frauenbeauftragten der Goethe-Universität Frankfurt stehen zwei ehemalige Teilnehmerinnen für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. Nähere Informationen zum Projekt sind auf der Homepage www.proprofessur.de zu finden.

Weitere Informationen: Dr. Astrid Franzke, Projekt ProProfessur, Goethe-Universität, Tel. (069) 798- 18117. franzke@em.uni-frankfurt.de; www.proprofessur.de

 

Forschung

Dez 19 2013
15:22

Soziologe Tilman Allert entwickelt eine Typologie der Passagiere – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Über den Wolken: Die latente Verortungskrise beim Fliegen

FRANKFURT. Fliegen ist für viele längst zur Routine geworden. Wer denkt schon darüber nach, um welchen Preis Menschen ihre Flugunfähigkeit und Bodenhaftung überwinden und dass sie ihre Autonomie des freien Agierens in einer bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft aufgeben müssen? Soziologen thematisieren dies und stellen fest: Fliegen stürzt Menschen in eine „transitorische Verortungskrise“, ohne dass sie sich dessen überhaupt bewusst werden. „Beim Fliegen verlässt der Mensch seine raumzeitliche Verortung, er wird unverrückbares Mitglied in einer losen Gruppe, der er sich nicht entziehen kann, und ist angewiesen auf die Dienstleistung der ebenfalls fliegenden Gastgeber“, so der Soziologe Prof. Tilman Allert in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (2/2013), die sich ganz dem Thema „Mobilität“ widmet.

„Das Bemerkenswerte am Fliegen ist der scharfe Kontrast zwischen maximaler Überwindung von Raumgrenzen und dem Minimum an Eigenanstrengung“, charakterisiert Allert die Situation über den Wolken. Extremer geht es in keinem anderen Verkehrsmittel zu: Das Höchstmaß an Mobilität im Flugzeug versetzt die Passagiere in einen beschäftigungslosen und bewegloses Zustand. Und das bezeichnet der Frankfurter Soziologe als „idiosynkrasieverdächtige Sozialsituation“: „Der Umstand, dass Menschen in einer anonymen Gruppenkonstellation mit erheblich eingeschränkter individueller Handlungsautonomie eingebunden sind, steigert das Bemühen, eigenwillige normative Strukturierungen der Situation zu entwerfen, normalitätsentlastet und in der Extraterritorialität befreit vom Sanktionsdruck der gewohnten ‚significant others‘.“

Sechs Reaktionstypen sind – nach Allert – zu beobachten: Flugreisende, die die Situation als handlungsentlastend empfinden, die Auszeit genießen und sich ihren Tagträumen hingeben. Dann die Querulanten, die bewusst abweichendes Verhalten zeigen, sich über irgendwelche nichtigen Dinge oder den schlechten Service lautstark beklagen und so die erzwungene Untätigkeit versuchen zu kompensieren. Der dritte Typus überdeckt die enge unbehagliche Zwangssituation mit besonderer Kommunikationsfreude, sprich mit Geschwätzigkeit. Dazu schreibt der Soziologe: „Dadurch treten diese Menschen aus der Anonymität der Mitgliedschaft aus und unternehmen Versuche vorübergehender Geselligkeit – nicht nur unter ihresgleichen, sondern auch mit dem Servicepersonal, das unter diesen Voraussetzungen den Wunsch nach individueller Ansprache und Kommunikation mit der gleichzeitig wirksamen Verpflichtung zur Gleichheit in der Kundenbetreuung zu überprüfen hat.“ Zur vierten Gruppe: Diese Passagiere nutzen das „normative Niemandsland des Fliegens“, um eine sublime Form der Flegelei und Vulgarität zu erproben – und nicht selten auch zu kultivieren. Sie nehmen sich Dinge heraus, die sie sich mit beiden Beinen auf der Erde nicht trauen würden. Der fünfte Typus neigt zur exzessiven Konsumfreude: Die Aura des Außeralltäglichen („Der Himmel steht ihm offen!“) scheint ihm die Legitimation zu verleihen, einfach mehr zu kaufen, als er es gewöhnlich tun würde. Und als letzte Gruppe stellt Allert noch die Menschen vor, die auf den Verlust der Bodenhaftung panisch reagieren: „Nicht etwa die Technologie des Flugzeugs, die Erschütterungen bei Start und Landung oder Ähnliches, vielmehr die konkretistisch wahrgenommene Entfernung von ‚significant others‘ beschwört die Panik herauf. Somit kristallisiert sich in der Flugangst eine Disposition gewordene Sehnsucht nach Verortung.“ Es kann also nicht verwundern, dass der Frankfurter Soziologe das Fliegen als „transitorische Verortungskrise“ bezeichnet!

Informationen: Prof. Dr. Tilman Allert, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, , Campus Westend, Tel. (069) 798- 36691, tilman.allert@t-online.de

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Forschung

Dez 18 2013
12:32

Auch Wissenschaftler gehören zur kleinen Gruppe der Hochmobilen

Hochmobile Lebensformen: Last oder Lust?

FRANKFURT. 60 Prozent der Flugmeilen, Bahn- oder Auto-Kilometer, die jährlich von Bundesbürgern zurückgelegt werden, entfallen auf eine kleine Gruppe sogenannter „Hochmobiler“. Sie sind Fernpendler, müssen aus beruflichen Gründen viel reisen oder können es sich einfach leisten, überall auf der Welt unterwegs zu sein. Ab circa 40.000 Kilometern im Jahr zählt man zu dieser privilegierten Gruppe. Auch Professoren gehören dazu. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ überprüfen wir die Aussagen einer quantitativen Befragung der Mobilitätsforschung am Beispiel vielreisender Professoren.

Große repräsentative Befragungen wie die Erhebung „Mobilität in Deutschland“, bei denen  etwa alle vier Jahre 60.000 deutsche Haushalte befragt werden, liefern die Eckdaten zum Verkehrsgeschehen in Deutschland. „Hochmobile sind dabei jedoch in der Regel stark unterrepräsentiert. Sie werden daher auch kaum bei der Verkehrsplanung und Erstellung von Szenarien zukünftiger Entwicklungen im Mobilitätsbereich berücksichtigt“, weiß Robert Schönduwe, Doktorand in der Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung von Prof. Martin Lanzendorf.

Verkehrsforscher gehen zumeist von traditionellen Haushaltsformen und Lebensstilen aus. Heute peitschen jedoch die Wogen der Globalisierung durch die Biografien hoch spezialisierter und hochmobiler Wissensarbeiter. Multilokale Lebensphasen werden häufiger, beispielsweise, wenn nach dem Kauf des Eigenheims ein beruflich bedingter Ortswechsel notwendig wird. Dadurch werden viele zu Fernpendlern. Andere Menschen leben zwar über Jahre mit ihrem Partner am gleichen Ort, zählen aber durch ihren Beruf zu den Hochmobilen. Dieser Typus ist auch unter Wissenschaftlern weitverbreitet, insbesondere, wenn sie in internationalen Projekten arbeiten.

Was Mobilitätsforscher wie Robert Schönduwe aus dem Verhalten von Hochmobilen lernen, ist, dass es für eine nachhaltige und ressourcenschonende Mobilität nicht reicht, Menschen aus dem Auto zu holen. In seiner Online-Befragung, in der er die Mobilitätsbiografien von 745 Hochmobil-en in den letzten zehn Jahren ermittelte, fand Schönduwe heraus, dass ein Viertel der Befragten kein Auto besitzen. Sie wohnen aber in Städten, die wie Frankfurt mit Autobahnkreuzen, ICE-Anschluss und Flughafen den Zugang zu genau den Transportmitteln erleichtern, die eine hochmobile Lebensform erst ermöglichen.

Die klassischen Strategien für eine nachhaltige Mobilität – Vermeidung und Verlagerung – sind bei hochmobilen Wissenschaftlern wie dem Kernphysiker Henner Büsching nur schwer zu verwirklichen, weil sie sonst nicht in internationalen Kooperationen wie dem CERN bei Genf arbeiten könnten. Sie sind, trotz täglicher Kommunikation über virtuelle Plattformen, darauf angewiesen, ihre Kollegen aus ganz Europa, den USA und Japan regelmäßig zu treffen.

Unterwegssein gehört auch für die meisten Geisteswissenschaftler  zu ihrer Profession. Das Reisen hilft ihnen, Bekanntes mit anderen Augen zu sehen und neu zu reflektieren. Anders als einst Immanuel Kant, der ja Königsberg nie verlassen haben soll. Aber letztlich ist auch für die Philosophen heute – so Rainer Forst im Interview –geistige Mobilität wichtiger als geografische: „Es gibt ja auch Leute, die sehr viel reisen, aber dennoch von der Welt nicht viel mitbekommen. Wenn Mobilität überhaupt einen Vorteil hat, dann nur, weil sie den Geist erweitert. Und ein erweiterter Geist ist auch immer ein Geist, der gewisse Wurzeln hat.“

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Robert Schönduwe, Institut für Humangeographie, Campus Westend, Tel.: (030) 238884107, schoenduwe@em.uni-frankfurt.de

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/