Pressemitteilungen 

Forschung

Mai 20 2015
16:54

Alternativer Drogen- und Suchtbericht aus Sicht der Frankfurter Wissenschaftler

Frankfurt weist gute Suchthilfe-Infrastruktur auf

FRANKFURT. Der 2. Alternative Drogen- und Suchtbericht wurde im Vorfeld der Veröffentlichung des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung am 21. Mai 2015  herausgegeben. Er hat zum Ziel, Irrtümer in der Drogenpolitik zu korrigieren und Erkenntnisse der Sucht- und Präventionsforschung in dauerhaft erfolgreiche Maßnahmen zu übersetzen. Initiatoren sind akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, die Deutsche AIDS-Hilfe und das Selbsthilfe-Netzwerk JES Bundesverband. An den Inhalten des Berichts waren die Frankfurter Wissenschaftler Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS) sowie Dr. Bernd Werse vom Centre For Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt beteiligt.

Die Kernaussage des Berichts lautet, dass der Markt für illegale Drogen reguliert werden muss, um ihn nicht länger der organisierten Kriminalität zu überlassen. Da Verbotspolitik und Repression gescheitert sind, sei das Betäubungsmittelgesetz dringend reformbedürftig. Es verfehle nicht nur das Ziel, Drogenkonsum und dessen schädliche Folgen für Individuen und Gesellschaft zu verhindern, sondern sei Mitverursacher dieser Schäden. Drogenverbote verdrängten das Geschehen lediglich ins Verborgene: Menschen, die Drogen konsumieren, werden in die Illegalität gedrängt, wo sie für Hilfsangebote schwer erreichbar sind; organisierte Kriminalität und Schwarzmarktpreise ziehen Beschaffungskriminalität nach sich; für inhaftierte Drogenkonsumenten ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV oder HCV zu infizieren um ein Vielfaches höher, u.a. weil keine sauberen Spritzen zur Verfügung stehen; auch ist die Qualität illegaler Substanzen nicht kontrollierbar, oft sind den Drogen gefährliche Strecksubstanzen beigemischt. Das Betäubungsmittelgesetz behindere Prävention, Schadensbegrenzung und Therapie und koste damit vielen Menschen ihre Gesundheit.

Mit einer staatlich kontrollierten Produktion und Abgabe von Cannabis-Produkten und einem ausgebauten Zugang zu Diamorphin (pharmazeutisch erzeugtem Heroin) über das Medizinsystem könnten verschiedene Probleme gelöst werden. Durch Drug-Checking-Angebote zur Untersuchung der Zusammensetzung von Drogen könnte der Verbraucherschutz gestärkt werden. Auch müsste der Zugang zu Konsumutensilien, vor allem sterilen Spritzen, in Haft ermöglicht werden. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Substitutionsärzte müsste verbessert und Substitutionsbehandlungen bundesweit zuverlässig als Therapie anerkannt werden.

Als Erfolg der Frankfurter Suchthilfe kann verzeichnet werden, dass es – verglichen mit anderen Städten mit einer ähnlichen Zahl an Drogenabhängigen – im Jahr 2014 in Frankfurt nur 23 Drogentote gab. In Frankfurt besteht eine Vielfalt ineinandergreifender Suchthilfe-Angebote: Europas größte Drogenhilfeeinrichtung, Eastside, befindet sich im Frankfurter Osthafen. Dort leben, wohnen und arbeiten Drogenabhängige unter einem Dach. Im Eastside werden auch Menschen begleitet, die durch ihre langjährige Drogenabhängigkeit unter schweren physischen und psychischen Erkrankungen leiden. Zudem wurde in Frankfurt die Heroin-Abgabe unter ärztlicher Aufsicht durchgesetzt, was aktuell rund 100 schwerabhängige Menschen betrifft, bei welchen die Stabilisierung durch Opioide, u.a. Methadon, nicht funktionierte. So soll deren Verelendung verhindert und ihr Leben stabilisiert werden. In Frankfurt ist durch die Suchthilfe-Einrichtungen das Drogenproblem nicht mehr im Alltagsgeschehen sichtbar, was es jenen Einrichtungen gleichzeitig auch erschwert, Gelder für Suchthilfe zu erhalten. Auffällig hoch ist in Frankfurt jedoch noch die HIV-Verbreitungsrate: Rund 9 % aller Heroin-Abhängigen sind HIV-positiv; in anderen Städten seien es hingegen 1 bis 3 %. Trotz vielfältiger Angebote besteht hier ein dringender Handlungsbedarf.

Der 2. Alternative Drogen- und Suchtbericht 2015: http://alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2015/05/Alternativer-Drogen-und-Suchtbericht-2015.pdf

Weitere Informationen: Dr. Bernd Werse, Centre for Drug Research, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-36386; werse@em.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/cdr

Veranstaltungen

Mai 20 2015
16:51

Enter_Zukunft_IT, 21. Mai, Campus Bockenheim

IT Fach- und Jobmesse

FRANKFURT. Der Fachbereich Informatik und Mathematik sowie der Career Service der Goethe-Universität Frankfurt veranstalten am Donnerstag, den 21. Mai 2015, die zweite IT Fach- und Jobmesse. Am Campus Bockenheim, im Sozialzentrum/Neue Mensa Foyer, begrüßt die Universität mit „Enter_Zukunft_IT“ interessierte Studierende, Absolventen sowie Fach- und Führungskräfte, die sich über Jobmöglichkeiten und Neuigkeiten in der IT-Branche informieren möchten. Unternehmen und Organisationen aus der Wirtschaft und der Goethe-Universität präsentieren sich den Besuchern zwischen 10 Uhr und 16 Uhr an Messeständen, in Unternehmenspräsentationen und in Fachvorträgen.

Der Eintritt ist kostenfrei.

Nähere Informationen zur Veranstaltung, zum Vortragsrahmenprogramm sowie den Messeausstellern finden Sie unter www.enter-zukunft-it.de.

Veranstaltungen

Mai 20 2015
16:44

Damit der Bildungsweg junger Zuwanderer und unbegleiteter Flüchtlinge in Schule und Arbeitswelt gelingt

Medien-Einladung: Übergänge begleiten – 10 Jahre FFM-Praxisprojekt

Liebe Medienvertreter, 

Schul- und Ausbildungskarrieren scheitern häufig beim Wechsel von einer Schulform in die nächste. Auch beim Übergang in die Arbeitswelt tauchen neue Strukturen auf, Anforderungen steigen und bestehende Probleme – etwa Sprachschwierigkeiten – treten besonders hervor. Damit Zuwandererkinder, jugendliche Flüchtlinge aus Krisengebieten und sozial benachteiligte Schüler mit besonderem Förderbedarf bildungs- und berufsentscheidende Schnittstellen besser meistern können, bieten Lehramtsstudierende und Studierende der Erziehungswissenschaften seit über zehn Jahren pädagogische Begleitung und Förderung mit dem „FFM-Praxisprojekt“ an.

Gerne möchten wie im Rahmen einer Pressekonferenz einen Blick auf die vergangenen zehn Jahre FFM-Praxisprojekt werfen und Ihnen die neuen Entwicklungen präsentieren. Insbesondere bieten wir einen Einblick in die 2014 gestartete Förderung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge in Frankfurt, die aktuell im Projektfokus steht. Unterstützt wird das FFM-Praxisprojekt der Didaktischen Werkstatt an der Goethe-Universität durch die Stadt Frankfurt am Main, die Crespo Foundation, die Peter Fuld Stiftung, die randstad stiftung und die Stiftung citoyen.

Herzlich laden wir Sie ein:

am Montag, 1. Juni, um 10:00 Uhr,
im PEG-Gebäude der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Didaktische Werkstatt, Raum PEG 1.G.116, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60629 Frankfurt am Main (Zum Lageplan: http://www.uni-frankfurt.de/38090278/lageplane).

Auf dem Podium begrüßen Sie:

Dr. Robert Bernhardt (Pädagogischer Leiter des FFM-Praxisprojekts);
Gabriele Buchholz (Geschäftsführerin der Peter Fuld Stiftung);
Rainer Götzelmann (Staatliches Schulamt Frankfurt, Teamleiter des Aufnahme- und BeratungsZentrums für Seiteneinsteiger);
Ines Peters (Teilnehmende Studentin im FFM-Praxisprojekt);
und Shirin (Teilnehmende Schülerin der Carlo-Mierendorff-Schule Frankfurt).

Die Referenten des Podiums geben aus verschiedenen Perspektiven Einblick in das FFM-Praxisprojekt und in die Arbeit mit jungen Flüchtlingen in Frankfurt am Main. Außerdem werden weitere Projektteilnehmer anwesend sein, die für Ihre Fragen zur Verfügung stehen. Über eine kurze Rückmeldung bezüglich Ihres Kommens freuen wir uns. Bei Fragen können Sie sich gerne an die Koordinatorin der Pressekonferenz, Dr. Laila Nissen, wenden: E-Mail: laila.nissen@gmx.de; Telefon: 0179-9531662

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Dirk Frank

Sonstige

Mai 20 2015
09:30

Mitarbeitende erhalten rückwirkend zum 1. März mehr Geld

Tarifeinigung an der Goethe-Universität

FRANKFURT. In den Tarifverhandlungen der Goethe-Universität mit den Gewerkschaften gibt es eine Einigung. Für die Beschäftigten der Goethe-Universität bedeutet der gestrige Abschluss rückwirkend zum 1. März 2015 2,0 Prozent und zum 1. April 2016 2,4 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 80 Euro mehr in den Entgeltgruppen 1 bis 9.

Trotz grundsätzlicher Einigkeit der Tarifparteien über eine Einkommenserhöhung für die Beschäftigten war eine Tarifeinigung bisher nicht zustande gekommen, da es Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung von Hilfskräften gab. Hier gelang gestern der Durchbruch: „Wir sind von Seiten des Präsidiums mit einem Vorschlag zu den Hilfskräften in die Verhandlungen gegangen, der nun Grundlage für die tarifliche Einigung geworden ist“, sagte Universitätskanzler Holger Gottschalk. „Darüber freue ich mich sehr. Trotz schwieriger, auch finanzieller Rahmenbedingungen ist es uns gelungen, eine tragfähige Lösung zu finden, die den Interessen aller Beteiligten und den Beschlüssen des Senats angemessen Rechnung trägt.“

Der Senat hatte sich in seiner April-Sitzung für die Aufnahme der Hilfskräfte in den Tarifvertrag sowie der Einrichtung einer Task Force ausgesprochen, die die Erfahrungen zu tariflichen Regelungen für Hilfskräfte in anderen Bundesländern ermitteln soll.

Die Tarifvertragsparteien haben sich gestern darauf geeinigt, im Rahmen der Fortentwicklung des Tarifrechts zeitnah Verhandlungen zur Personengruppe der Hilfskräfte zu führen. Dabei soll auf Basis der vom Senat der Goethe-Universität beschlossenen Task Force gemeinsam eruiert werden, welche tariflichen und/oder außertariflichen Vereinbarungen in diesem Zusammenhang getroffen werden können. Diese Verhandlungen sollen bis zum Ende des Wintersemesters 2015/16 abgeschlossen sein.

Forschung

Mai 19 2015
14:12

Rekonstruktion der arktischen Klimaverhältnisse in der Kreidezeit

Arktis: Warmzeit mit Pause

FRANKFURT. Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben gemeinsam mit kanadischen Kollegen die klimatische Entwicklung des arktischen Ozeans während der Kreidezeit, vor 145 bis 66 Millionen Jahren, rekonstruiert. Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass es während des für ein extremes Treibhausklima bekannten geologischen Zeitalters einen massiven Kälteeinbruch gab. Die heute im Fachjournal „Geology“ veröffentlichte Studie soll auch dabei helfen, die Prognosen über die zukünftige Klima- und Umweltentwicklung zu verbessern und den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel abzuschätzen.

Die Kreidezeit, vor rund 145 Millionen Jahren bis etwa 66 Millionen Jahren vor heute, war einer der wärmsten Abschnitte der Erdgeschichte: Die Pole waren eisfrei und in den Ozeanen herrschten Durchschnittstemperaturen von bis zu 35 Grad Celsius. „Ein typisches Treibhausklima; manche sprechen sogar von einem ‚Supertreibhaus‘“, erklärt Professor Dr. Jens Herrle von der Goethe-Universität und Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und fügt hinzu: „In der Arktis haben wir jetzt Hinweise gefunden, dass diese warme Epoche vor 112-118 Millionen Jahren für einen Zeitraum von etwa 6 Millionen Jahren unterbrochen wurde.“

Der Frankfurter Paläontologe hat gemeinsam mit einer kanadischen Kollegin Professor Claudia Schröder-Adams von der Carleton Universität in Ottawa den arktischen Glacier Fiord und die Lost Hammer Diapir Lokalität auf Axel Heiberg Island in 5 bis 10 Meter-Schritten beprobt. „Dabei haben wir auch sogenannte Glendonite gefunden“, erzählt Herrle. Als Glendonit werden sternförmige Calzit-Minerale bezeichnet, die die Gestalt des Minerals Ikait angenommen haben. „Diese so genannten Pseudomorphosen von Calzit nach Ikait entstehen, weil Ikait nur unterhalb von etwa 8 Grad Celsius stabil ist und sich bei wärmeren Temperaturen in Calzit umwandelt“, erläutert Herrle und ergänzt: „Unsere sedimentologischen Untersuchungen und Altersdatierung geben demnach einen konkreten Hinweis auf die Umweltbedingungen in der kreidezeitlichen Arktis und bestätigen die Vermutung, dass es zu dieser Zeit eine längere Unterbrechung der Warmzeit im arktischen Ozean gab.“

1700 Gesteinsproben hat Herrle bei zwei Forschungsreisen in den Jahren 2011 und 2014 aus der Arktis mit nach Frankfurt gebracht und dort mit seiner Arbeitsgruppe mit geochemischen und paläontologischen Methoden untersucht. Aber können die kreidezeitlichen Gesteine aus der Polarregion auch dabei helfen den derzeitigen Klimawandel besser zu verstehen? „Ja“, meint Herrle und erklärt: „Gerade die Polargebiete reagieren besonders sensibel auf globale Klimaschwankungen. Durch den Blick in die geologische Vergangenheit gewinnen wir grundlegende Kenntnisse zur Dynamik von Klimawandel und der ozeanischen Zirkulation unter extremen Treibhausbedingungen. Um den aktuellen menschgemachten Klimawandel besser abschätzen zu können, müssen wir beispielsweise verstehen, welche Prozesse in einem extremen Treibhausklima maßgeblich zum Klimawandel beitragen.“ Im Falle der kretazischen Kaltperiode nimmt Herrle an, dass durch die Öffnung des Atlantiks in Verbindung mit Veränderungen der ozeanischen Zirkulation und der marinen Produktivität mehr Kohlenstoff in die Sedimente eingetragen wurde. Dies hatte eine Abnahme des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre zur Folge, was wiederum zu einer globalen Abkühlung führte.

Die neugewonnenen Daten des Frankfurter Wissenschaftlers aus der Kreidezeit sollen nun mit Ergebnissen dieser Epoche aus dem Atlantik korreliert werden, „um eine genauere stratigraphische Einteilung der Kreidezeit zu erreichen und die Wechselbeziehungen zwischen den Polarregionen und den Subtropen besser zu verstehen“, gibt Herrle einen Ausblick.

 

Publikation
Jens O. Herrle, Claudia J., Schröder-Adams, William Davis, Adam T. Pugh, Jennifer M.

Galloway, and Jared Fath: Mid-Cretaceous High Arctic stratigraphy, climate, and Oceanic Anoxic Events, in: Geology, 19 Mai 2015, 10.1130/G36439.1

Open Access

http://geology.gsapubs.org/cgi/content/abstract/G36439.1v1

Bildmaterial finden Sie unter: www.senckenberg.de/presse

Informationen:  Prof. Dr. Jens O. Herrle, Senckenberg Biodiversität und Klimaforschung Zentrum, Paläontologie des Fachbereichs Geowissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt Tel.: ( 069) 798 40180, jens.herrle@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 19 2015
11:26

Prof. Raewyn Connell aus Australien zu Gast bei den Cornelia Goethe Colloquien

„Männlichkeiten der Welt: Perspektiven aus dem globalen Süden“

FRANKFURT. Die international bekannte australische Männlichkeitsforscherin Prof. Raewyn Connell (University of Sydney, Australien) ist am 26. Mai (Dienstag) Gastrednerin bei den öffentlichen Cornelia Goethe Colloquien zum Thema „Masculinities“ Mit ihrem Vortrag „Masculinities in the World: Perspectives from the Global South” („Männlichkeiten der Welt: Perspektiven aus dem globalen Süden“) wird die Australierin den Blickwinkel verschieben: Connell nimmt eine kritische Metaebene auf US- und eurozentristische Perspektiven der Männlichkeitsforschung ein.

Üblicherweise beruhen die Forschungsansätze zu diesem Thema auf Konzepten des globalen Nordens, meist werden diese Ideen – getreu der langen Geschichte des Kolonialismus über die letzten 500 Jahre – auf eine globale Ebene übertragen und universalisiert. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass die Weltgesellschaft geprägt von massiven Ungleichheiten ist, die häufig historische Wurzeln haben. Raewyn Connell ist der Auffassung, dass nicht nur Perspektiven des globalen Südens, sondern auch die intellektuellen Ressourcen postkolonialer Gesellschaften heute zum Verstehen von Männlichkeiten betrachtet werden müssen. Sie wird in ihrem Vortrag einige der Denker des globalen Südens vorstellen sowie historische Erfahrungen und aktuelle Themen, die notwendig sind, ein neues Verständnis aufzubauen. Der Vortrag, der um 18 Uhr c.t. im HZ 5, Hörsaalzentrum, Campus Westend beginnt, ist in englischer Sprache.

Die Wissenschaftlerin ist emeritierte Professorin der University of Sydney und eine der führenden Sozialwissenschaftlerinnen Australiens. Ihre Arbeiten wurden in 18 Sprachen übersetzt. Connell lehrte im Bereich der Soziologie, Politikwissenschaften, Erziehungswissenschaften und ist darüber hinaus seit langem in der Arbeiter- und Friedensbewegung aktiv.

Informationen: Barbara Kowollik, Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse, Campus Westend, Tel.(069) 798 35100,  E-Mail: cgcentrum@soz.uni-frankfurt.de, http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-kolloq.shtml

Forschung

Mai 18 2015
16:44

Zwei von zehn Plastikringen setzten Chemikalien mit hormonähnlicher Wirkung frei

Umwelthormone im Babybeißring

FRANKFURT. Zwei von zehn Beißringen aus Plastik, die zahnenden Babys zur Schmerzlinderung gegeben werden, setzten im Laborversuch Chemikalien mit einer hormonähnlichen Wirkung frei. Ein Produkt enthielt die normalerweise als Konservierungsstoff in Kosmetika verwendeten Parabene, das zweite sechs bisher nicht identifizierte Umwelthormone. Das berichten Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Applied Toxicology“.

„Die gute Nachricht ist, dass die meisten Beißringe, die wir untersucht haben, keine Umwelthormone enthalten. Auffällig ist aber der Nachweis von Parabenen in einem Produkt, weil diese Zusatzstoffe normalerweise nicht in Plastikspielzeugen verwendet werden“, sagt Dr. Martin Wagner von der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Die nachgewiesenen Stoffe – Methyl-, Ethyl- und Propylparaben – können im Körper wie natürliches Östrogen wirken und hemmen zudem die Wirkung von Androgenen wie Testosteron. Die EU-Kommission hat Propylparaben unlängst als Konservierungsstoff in Hautcremes für wunde Babypopos verboten, weil sie durch die rissige Haut in den Körper gelangen könnten.

„Unsere Studie zeigt, dass Plastikspielzeug eine Quelle unerwünschter Substanzen sein kann. Hersteller, Aufsichtsbehörden und Wissenschaftler sollten die chemische Belastung durch Plastikspielzeug gründlicher untersuchen“, schließt Wagner aus der Studie. Die Zusatzstoffe seien nur von begrenztem Nutzen für die Qualität des Produktes, könnten aber ein Gesundheitsrisiko darstellen. Das gelte insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder, deren Entwicklung einer fein austarierten hormonellen Kontrolle unterliegt. Zudem ist bei gleicher Dosis die Wirkung von Umwelthormonen bei Babys aufgrund des vergleichsweise geringen Körpergewichtes entsprechend höher als bei Erwachsenen.

Publikation:

Elisabeth Berger, Theodoros Potouridis, Astrid Haeger, Wilhelm Püttmann und Martin Wagner: Effect-directed identification of endocrine disruptors in plastic baby teethers, in Journal of Applied Toxicology, 18.5.2015, DOI: 10.1002/jat.3159

Informationen:  Dr. Martin Wagner, Abteilung Aquatische Ökotoxikologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42149, wagner@bio.uni-frankfurt.de; Elisabeth Berger, Tel.: (060516) 1954-3117, elisabeth.berger@senckenberg.de 

Forschung

Mai 18 2015
16:42

Forschungsprojekt untersucht individuelle Sichtweisen auf erfüllende Arbeit

Auf der Suche nach sinnvoller Arbeit

FRANKFURT. Wenn gegenwärtig Arbeit in Feuilletons oder Wirtschaftsmagazinen zum Thema wird, steht häufig die Suche nach einer sinnvollen Arbeit im Zentrum. So finden sich regelmäßig Berichte über Berufswechslerinnen und Berufswechsler, die ihren nine-to-five Job aufgegeben haben, um sich einer aus ihrer Sicht sinnvolleren Tätigkeit zuzuwenden. Weiterhin wird auf die Ansprüche der Generation Y eingegangen, die verstärkt nach dem Y („Why“), dem „Warum“ der Arbeit, fragt. In all diesen Beiträgen lässt sich ein einheitliches Verständnis davon, was unter einer sinnvollen Arbeit verstanden wird, nur schwerlich ausmachen: Ob Wünsche nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder nach einer Tätigkeit, die auf das Gemeinwohl zielt; all solche Fragen werden im Kontext beruflicher Sinnsuche und der Suche nach sinnvoller Arbeit subsumiert.

Das Forschungsprojekt „Gesellschaftliche Vorstellungen sinnvoller Arbeit und individuelles Sinnerleben in der Arbeitswelt“, kurz: Sinnarbeit, greift daher die Frage auf, was Beschäftigte unter einer sinnvollen Arbeit verstehen, und wie sie selbst ihre Arbeit zu einer für sie bedeutsamen Arbeit machen. Neben Interviews, die mit Beschäftigten aus verschiedenen Berufsfeldern geführt werden, um individuelle Prozesse der Sinnzuschreibung verstehen zu können, soll über eine Online-Befragung ein Eindruck davon gewonnen werden, welche Ansprüche Beschäftigte aus ganz verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt an Arbeit im Allgemeinen haben und wie sie ihre Arbeit erleben. Anders als in anderen Erhebungen geht es dabei weniger darum, allgemeine Einschätzungen der Arbeitszufriedenheit einzuholen. Es geht um die Bedeutungen, die der Arbeit zugeschrieben werden, um die Fragen, über die wir im Zusammenhang mit unserer Arbeit nachdenken und um die ganz eigenen Perspektiven, aus denen wir auf Arbeit schauen. Jeder hat eine eigene Vorstellung davon, was sie oder ihn an der Arbeit glücklich macht und auch davon, wie die Arbeitswelt gestaltet sein sollte. Diese individuellen Sichtweisen sollen mit dem Online-Fragebogen eingefangen werden.

Jeder, der bzw. die aktuell in einem Beschäftigungsverhältnis steht oder in der Vergangenheit erwerbstätig war, kann an der Studie teilnehmen. Im Fokus steht die individuelle Sicht auf die eigene Tätigkeit und die moderne Arbeitsgesellschaft. Die Teilnahme dauert etwa 15 Minuten.

Direkt zum Fragebogen: http://ww2.unipark.de/uc/sinnundarbeit oder über die Website des Projekts: www.sinn-arbeit.de.

Das Projekt „Sinnarbeit“ wird am Institut für Soziologie, dem Lehrstuhl für Arbeitssoziologie des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt und für zwei Jahre von der DFG gefördert. Die Projektleitung haben Prof. Heather Hofmeister, PhD. und Dr. Friedericke Hardering inne. Dr. Mascha Will-Zocholl ist für die Durchführung der Online-Befragung verantwortlich.

Weitere Informationen: Dr. Mascha Will-Zocholl, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt; Tel. (069) 798-36511; m.will-zocholl@soz.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:14

Bestseller-Autorin Julia Friedrichs zu Gast im Soziologischen Forschungskolloquium – Öffentliche Lesung mit Diskussion mit Prof. Dr. Sighard Neckel

„Wir Erben – Was Geld mit den Menschen macht“

FRANKFURT. Julia Friedrichs, die Bestseller-Autorin des viel diskutierten Buchs „Wir Erben – Was Geld mit den Menschen macht“ kommt am Mittwoch (20. Mai) zu einer öffentlichen Lesung mit anschließender Diskussion auf den Campus Westend. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im neuen Seminarhaus, Raum 4.101. Prof. Dr. Sighard Neckel hat die 36-jährige Journalistin in sein Soziologisches Forschungskolloquium eingeladen, das an diesem Tag auch für interessierte Bürger geöffnet ist.

„Die Erbengesellschaft ist ein soziologisches Thema von großer Aktualität und einiger Brisanz“, so Neckel, der sich im Kontext seiner Forschungen zur „Refeudalisierung“ der modernen Gesellschaft auch mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Noch nie wurde in Deutschland so viel Vermögen vererbt wie heute. Julia Friedrichs fordert eine neue Debatte über das Erben. Was bedeutet es, wenn im nächsten Jahrzehnt drei Billionen Euro in Deutschland vererbt werden? Was macht das Geld mit den Erben? Wie verändert eine Generation von Erben die überalterte Gesellschaft? Haben die Erben den Sozialvertrag längst aufgekündigt? Die Autorin hat versucht mit diversen Erben aus verschiedenen Dynastien zu sprechen – eine häufige Reaktion „Ich würde ja gern sprechen, aber ich kann nicht.“ Es war nicht so einfach, in dieser „unsichtbaren Parallelgesellschaft“, wie eine Bosch-Erbin ihr eigenes Milieu nennt, zu recherchieren; doch einige Gespräche hat Julia Friedrichs führen können.

Sie hat festgestellt, dass Erben ein Tabuthema ist: Es gibt zwar gutes statistisches Material über Armut in Deutschland, wenig aber über Reichtum, was nicht zuletzt daran liegt, dass Reiche meist diskret sind und es nicht mögen, wenn über sie gesprochen wird. In einem Vorabdruck des Buchs im Zeit-Magazin (18.März 2015 – „Erben – Eine Klasse für sich“) schreibt Friedrichs: „Bislang war man davon ausgegangen, dass die reichsten zehn Prozent rund 60 Prozent des Privatvermögens besitzen. Zu dieser Gruppe gehört man laut Sozio-oekonomischem Panel, wenn auf jede Person im Haushalt, die über 17 Jahre alt ist, ein Nettovermögen von mindestens 215.00 Euro entfällt. Im Februar präsentierte ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, wonach die Ballung noch massiver sein könnte: Sie vermuten zwischen 63 und 74 Prozent des Privatvermögens bei den reichsten zehn Prozent.“ Jährlich werden etwa 250 Milliarden Euro vererbt – fast so viel wie der gesamte Bundeshalt (2015 knapp 300 Milliarden Euro).

Auch wenn Friedrichs Buch von Rezensenten teilweise sehr kritisch besprochen wird, so hat es doch eine breite gesellschaftliche Debatte angeregt, die auch im Anschluss an ihre Lesung an der Goethe-Universität geführt werden soll: Sieht die Politik dem Phänomen der Erbungerechtigkeit tatenlos oder gar unterstützend zu, anstatt das sozialstaatliche Gerechtigkeitsversprechen zu verteidigen?

Informationen: Prof. Dr. Sighard Neckel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Tel. (069) 798-36593, neckel@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:12

Lucy Liefmann: Stolperstein erinnert an die erste promovierte Frau im Fachbereich Jura in Frankfurt

Ein Leben für die Fürsorge

FRANKFURT. Sie war die erste Frau, die an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität – heute Fachbereich Rechtswissenschaft – promoviert wurde: Lucy Liefmann wird am kommenden Sonntag mit einem „Stolperstein“ gewürdigt. Um 12.30 Uhr findet vor dem Haus an der Melemstraße 8 im Nordend die Verlegung des Gedenksteins durch den Künstler Gunther Demnig statt; für den Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität spricht Studiendekan Professor Guido Pfeifer vom Institut für Rechtsgeschichte.

Lucy Liefmann wuchs in Frankfurt als Kind des britischen Staatsbürgers Leo Liefmann und seiner Frau Auguste auf. Sie absolvierte die Elisabethenschule und das angeschlossene Lehrerinnenseminar und arbeitete dann als Lehrerin. 1912 bestand sie als Externe die Abiturprüfung an der Musterschule und nahm ein Jurastudium in Heidelberg auf. 1914 wechselte sie an die frisch gegründete Frankfurter Universität. Als erste Frau der rechtswissenschaftlichen Fakultät wurde sie 1918 promoviert. Ihre Dissertation befasste sich mit dem Thema „Die Unterhaltspflicht des ausserehelichen Vaters nach kontinentalen Rechten“.

Ihr Berufsleben widmete Lucy Liefmann vor allem dem sozialen Bereich. 1920 wurde sie wissenschaftliche Assistentin im Wohlfahrtsamt, zuständig für das Fürsorgearchiv und die Redaktion der Frankfurter Wohlfahrtsblätter, die sie auch fortführte, als während der Inflation keine städtischen Gelder dafür flossen. Ihre Beiträge thematisierten fürsorgerechtliche Fragen aus den Bereichen Jugendbewegung, Schwerbeschädigte, Erziehung, Altenheime, Kinderschutz, Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten und Erzieherinnenausbildung. Sie widmete sich der Ausbildung der ehrenamtlichen Armen- und Waisenpfleger in Frankfurt und übernahm die Geschäftsführung des eigens hierfür gegründeten Verbandes. Als Jüdin und Sozialdemokratin wurde Lucy Liefmann 1933 entlassen, jahrelang kämpfte sie vergeblich um eine angemessene Rente. Ihre Eltern nahmen sich 1940 und 1941 das Leben. Nachdem sie monatelang an einer schweren Sturzverletzung laboriert hatte, starb auch Lucy Liefmann im Januar 1942 – vermutlich wie die Eltern von eigener Hand. Das Haus an der Melemstraße 8 war vermutlich ihr letzter frei gewählter Wohnort. Dort soll auf Initiative der Historiker Hanna und Dieter Eckhardt hin ein Stolperstein an Lucy Liefmann erinnern.

Die Aktion „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig läuft seit den 90er Jahren. Mit den im Boden verlegten quadratischen Gedenktafeln will Demnig  an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die mit einer Messingtafel ausgestatteten Steine werden nach Möglichkeit vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in den Straßenbelag eingelassen. Im Januar 2015 waren es bereits 50.000 Steine, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in 18 weiteren europäischen Ländern verlegt worden waren. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Allerdings gibt es auch Kritiker: So wurden in München bislang keine Tafeln angebracht, weil Charlotte Knobloch und die Jüdische Gemeinde in München sich dagegen ausgesprochen haben mit der Begründung, dass die Namen der Opfer mit Füßen getreten würden.

Weitere Informationen finden sich in der virtuellen Literaturvitrine des Fachbereichs Rechtswissenschaft – unter anderem ein Zeitplan für die Stolpersteinverlegung, Lucy Liefmanns Dissertation in der Universitätsbibliothek Frankfurt, Unterlagen im Universitätsarchiv. Unter www.frankfurter-personenlexikon.de ist darüber hinaus seit kurzem ein biographischer Beitrag von Hanna Eckhardt über Lucy Liefmann eingetragen.

http://www.stolpersteine-frankfurt.de/aktuell.html

Weitere Informationen: Professor Dr. Guido Pfeifer, Telefon (069) 798-34327, pfeifer@jur.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:11

Benefiz-Konzert der drei Ehrensenatorinnen der Goethe-Uni erbringt fast 200.000 Euro an Spenden

Ein Herz für ausländische Studierende

FRANKFURT. Nach dem Benefizkonzert der drei Ehrensenatorinnen der Goethe-Universität zugunsten internationaler Studierender am 7. Mai ziehen die Organisatoren eine eindrucksvolle Bilanz: Auf den Spendenaufruf von Renate von Metzler, Karin Giersch und Johanna Quandt kamen im Laufe des Abends fast 200.000 Euro zusammen – deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Besonders freigebig waren die beiden Ehrensenatoren Josef Buchmann und Carlo Giersch sowie Friederich von Metzler und die Crespo Foundation.

Insgesamt verfolgten die berauschende Chopin-Interpretation der jungen Pianistin Olga Scheps im Festsaal des Uni-Casinos am Campus Westend 550 Gäste; die Gesamtzahl der Spender beläuft sich auf etwa 250 Personen oder Paare. Begleitet wurde Olga Scheps vom Stuttgarter Kammerorchester, das in den letzten Jahren bei Benefizkonzerten der Ehrensenatorinnen schon mehrfach zu Gast war und vor dem Chopin-Klavierkonzert mit einem Mozart-Divertimento glänzte.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff erklärt: „Die internationalen Studierenden haben es - das gilt für jede deutsche Uni - schwerer als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen mit deutschem Pass. Oft berichten sie, dass die neue Lehr- und Lernkultur ungewohnt ist. Ihre Erfolgsquote liegt deutlich unter derjenigen inländischer Studierender. Ich danke  allen Spendern, dass sie ein so großes Herz zeigen für unsere internationalen Studierenden. Damit verhelfen sie ihnen zu mehr Erfolg im Studium. Mehr erfolgreiche und zufriedene Absolventen und Absolventinnen hervorzubringen statt weiter steigender Erstsemesterzahlen ist ein wichtiges Ziel der Goethe-Uni für die nächsten Jahre. Für jede Unterstützung zur Erreichung dieses wichtigen Zieles sind wir sehr dankbar.“

Mit den gespendeten Mitteln sollen die Angebote für ausländische Studierende der Goethe-Universität verbessert werden. Geplant sind u.a. mehr Stipendien für begabte ausländische Studierende und Doktoranden, Deutsch-Intensiv-Kurse für Master-Studierende, kostenlose Exkursionen sowie eine Ausweitung der Sprechstunden des Internationalen Studientreffs (IST) und ein Online-Veranstaltungskalender, der auf einen Klick alle Veranstaltungen universitärer und universitätsnaher Institutionen bereithält.

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:08

Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach startet am 21. Mai.

Goethe Lectures Offenbach: Burnout als Beginn

FRANKFURT/OFFENBACH. Am Donnerstag, dem 21. Mai 2015, startet die Veranstaltungsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ mit ihrem ersten Vortrag. Das neue Format ist eine Kooperation des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main mit der Stadt Offenbach am Main. Federführend auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat und ein Ort des Wissensaustausches darstellt.

Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit einem Fokus auf die Region Frankfurt Rhein-Main. Die Veranstaltungen, insgesamt stehen in diesem Jahr zunächst vier auf dem Programm, finden jeweils im Klingspor-Museum statt.

Das erste Kooperationsprojekt zwischen dem Frankfurter Exzellenzcluster und der Stadt Offenbach datiert aus dem Sommer 2013. Dabei gab Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität, unter dem Titel „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“ auch einen Einblick in gegenwärtige rechtstheoretische Diskussionen. Im Frühling 2014 war der Forschungsverbund Kooperationspartner der Lichtinstallation „Say Say Say“ von Anny und Sibel Öztürk an der Fassade des Offenbacher Rathauses. Im Rahmenprogramm sprach Darrel Moellendorf, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Internationale Politische Theorie an der Goethe-Universität, bei seinem Vortrag „Energie, Armut und die Zukunft“ über globale Gerechtigkeit und Klimawandel.

„Immer mehr Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für aktuelle Erkenntnisse in der Forschung und in der Wissenslandschaft. Deshalb war ich sofort begeistert über die erneute Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Exzellenzcluster“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider. Die „Goethe Lectures Offenbach“ stellten ein herausragendes Beispiel für die Übermittlung von wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen in die Bürgerschaft dar. „Dass wir dem Exzellenzcluster hierfür nun ein Podium außerhalb Frankfurts bei uns in Offenbach bieten können, freut mich und zeigt deutlich, dass Offenbach als interessanter und kreativer Standort in der Region und darüber hinaus wahrgenommen wird.“

„Es ist schön, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität so intensiv an gesellschaftlich relevanten Fragen arbeiten und dabei die Regionalgesellschaft aktiv mit einbinden“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Für die Goethe-Universität und den Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ sind regionale Kooperationen, wie jetzt die ‚Goethe Lectures Offenbach‘, ein wichtiges Resonanzfeld.“

Auftaktredner ist Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 21. Mai um 19.00 Uhr dem Thema „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“. Burnout, so Neckel, tritt als ein subjektives Leid auf, in dem sich über individuelle Notlagen hinaus gesellschaftliche Probleme insbesondere des modernen Berufslebens dokumentieren. Als ein meist arbeitsbedingtes Erschöpfungssyndrom sind die Ursachen von Burnout in den Belastungsfaktoren eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen, der vom Einzelnen hohe berufliche Einsatzbereitschaft, starke Identifikation mit der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbststeuerung bei der Lebensbewältigung erwartet.

Ausgehend von der soziologischen Betrachtungsweise von subjektivem als sozialem Leid wird im Vortrag die Wettbewerbsgesellschaft der Gegenwart als eine Sozialordnung analysiert, die Erschöpfungssyndrome dadurch hervorbringt, dass sie die Individuen in eine permanente Sorge um die eigene Leistungsfähigkeit zwingt. Als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes kann Burnout aber auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden. Die öffentliche Debatte um Burnout trägt zur Herausbildung einer neuen Rechtfertigungsordnung des Kapitalismus bei, die unter dem Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ verspricht, schonender auch mit subjektiven Ressourcen umzugehen.

Sighard Neckel ist auch Mitglied des Kollegiums des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ungleichheitsforschung, die Wirtschaftssoziologie, die Emotions- und Kulturforschung sowie die Gesellschaftsanalyse des Finanzmarktkapitalismus. Zum Thema "Burnout" erschien zuletzt gemeinsam mit Greta Wagner "Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft" (Suhrkamp, Berlin 2013).

Die weiteren Termine (jeweils um 19.00 Uhr im Klingspor-Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach; der Eintritt ist frei):

23. Juni 2015: „Wer hat die Macht im Internet?“
Dr. Matthias C. Kettemann, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Rechtswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Menschenrechtliche Implikationen der Informationsgesellschaft

12. Oktober 2015: „Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien“
Prof. Dr. Annette Imhausen, Mitglied des Exzellenzclusters, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt an der Goethe-Universität

26. November 2015: „Banken und Menschenrechte – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
Dr. Manuel Wörsdörfer, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Wirtschafts- und Unternehmensethik

Weitere Informationen:

Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

Veranstaltungen

Mai 13 2015
16:25

Frühlingsfest im neuen Wissenschaftsgarten auf dem naturwissenschaftlichen Campus. Sonntag, 17. Mai, ab 11 Uhr

Goethe-Universität feiert auf dem Riedberg

FRANKFURT. Im Zuge der 100-Jahr-Feierlichkeiten der Goethe-Universität wurde der neue Wissenschaftsgarten auf dem Riedberg eröffnet. Der „botanische Garten“ der Universität mit seinen rund 1.500 Pflanzenarten dient der naturwissenschaftlichen Lehre und Forschung und umfasst unter anderem ein großes Gewächshaus und den rund 3 Hektar großen Freilandbereich. Am kommenden Sonntag feiert die Universität ihr Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten. Alle Bürger der Stadt, Anwohner, Studierende und Mitarbeiter sind herzlich eingeladen.

Ein reichhaltiges Programm mit Führungen zu Kunst & Natur rund um den Wissenschaftsgarten wartet auf die Besucher. Die Themen reichen von „Die Honigbiene – Bestäubung für die Forschung“ über „Ökologie und Nutzungsmöglichkeiten von Pilzen“ bis hin zu „Eichen für den Wald der Zukunft“.

Für Essen und Trinken sowie musikalische Unterhaltung ist gesorgt. Bei Regen werden die Gäste im Gewächshaus begrüßt. Der Campus Riedberg ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (U8 u. U9, Haltestelle „Uni-Campus Riedberg“).

Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten Campus Riedberg. Sonntag, 17. Mai, 11-17 Uhr.

Führungen zum Garten (Dauer jeweils ca. 50 Minuten)
13 und 15 Uhr: Führung durch den Arzneipflanzengarten (Ilse Zündorf); 14 Uhr Führung durch den Wissenschaftsgarten; (Robert Anton, Susanne Pietsch, Georg Zizka).

Informationsstände
(13-15 Uhr)
"Eichen für den Wald der Zukunft" (Abteilung Prof. Brüggemann); "Lebloser Waldboden?" und "Von der Vielfalt der Pflanzenfarbstoffe": Close to Science - Untersuchen und Experimentieren am Mitmachstand der Didaktik der Biowissenschaften (Abteilung Prof. Dierkes); "Boden und Gesteine" (Fachbereich Geowissenschaften/Geographie); "Die Honigbienen der Goethe Universität - Bestäubung für die Forschung" (Abteilung. Prof. Grünewald); "Ökologie und Nutzungsmöglichkeiten von Pilzen" (Abteilung Prof. Piepenbring).

Veranstaltungen

Mai 13 2015
15:56

Internationales Sommerseminar für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte findet erstmals in Frankfurt statt

Waffen und Gesetze beim römischen Militär

FRANKFURT. Das Militär in der römischen Antike steht im Mittelpunkt des dreitägigen Internationalen Sommerseminars für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte, das vom kommenden Donnerstag (Christi Himmelfahrt) an im Gästehaus der Goethe-Universität stattfindet. Unter dem Titel „Arma et Leges – Rechtliche Aspekte des römischen Militärwesens“ beschäftigen sich Professoren und Studierende aus fünf europäischen Ländern mit den juristischen Dimensionen des historischen Soldatenalltags. Thematisiert werden unter anderem  Militärdiplome und die damit verbundenen Bürgerrechtsverleihungen (Prof. Dr. Eva Jakab, Szeged/Ungarn), das Militärstrafrecht (Steffen Jauß, Frankfurt), Soldatentestamente (Matthias Bieniakonski, Mainz), aber auch die Bedeutung der Vorstellung von einem gerechten Krieg für das Privatrecht (Henrik Held, Zagreb/Kroatien) oder der Umgang mit der Kriegsbeute (Dr. Kirsten Jahn, Magdeburg). Den Eröffnungsvortrag hält Dr. Carsten Amrhein, der Direktor des Saalburgmuseums, über „Leben an der Grenze – Römischer Soldatenalltag in der Provinz“. Das Seminar umfasst auch eine Exkursion zum Römerkastell Saalburg mit Führung durch den Direktor und Abendessen in der Taberna sowie einen rechtshistorischen Stadtrundgang durch Frankfurt.

Das Internationale Sommerseminar für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte wurde Mitte der 90er Jahre vom inzwischen emeritierten österreichischen Rechtshistoriker Prof. Dr. DDr. h.c. Gerhard Thür ins Leben gerufen. Anlass waren die damaligen politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa, die auch mit Veränderungen in der akademischen Welt einhergingen. Der Frankfurter Rechtshistoriker Prof. Dr. Guido Pfeifer ist seit 2007 Mitveranstalter der Reihe. Das Sommerseminar findet in diesem Jahr erstmals in der Mainmetropole statt. Frankfurt ist inzwischen zu einem Zentrum der international profilierten rechtshistorischen Kompetenz geworden: Neben dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, einer der weltweit führenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Rechtsgeschichte, existiert an der Goethe-Universität das größte rechtshistorische Institut aller deutschen Universitäten.

Informationen: Professor Dr. Guido Pfeifer, Telefon +49 (0)69  798 34327, E-Mail: pessoa@jur.uni-frankfurt.de 

Personalia/Preise

Mai 13 2015
15:55

Früherer Rektor der Goethe-Universität, Prof. Walter Rüegg, im Alter von 97 Jahren gestorben

Pionier der Universitätshistorie

FRANKFURT. Walter Rüegg ist tot. Wie die Goethe-Universität erst jetzt erfuhr, starb ihr früherer Universitätsrektor am 29. April im Alter von 97 Jahren.

1961 war der Schweizer Rüegg auf eine ordentliche Professur für Soziologie an die Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät berufen worden: „Der Kontakt zu Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die am benachbarten Institut für Sozialforschung wirkten, blieb distanziert“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am 5. Mai 2015 in einem Nachruf. „Die offene Konfrontation zwischen einer bürgerlichen Gesellschaftslehre und einer marxistischen Soziologie vermied Walter Rüegg“.

Vielleicht war es auch dieses Bedürfnis nach Ausgleich zwischen Extrempositionen, das ihn in den sehr bewegten Jahren zwischen 1965 und 1970 als Rektor der Goethe-Universität Frankfurt wählbar machte. Wenig später (1967/68) versuchte er, als Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz hochschulpolitische Reformen zu initiieren: Auch in diesem anspruchsvollen Amt „vertraute der am humanistischen Ideal Geschulte auf die Kraft des Dialogs“, so die NZZ.

Früh hatte sich Rüegg als Wissenschafts- und Bildungshistoriker profiliert.  Mit seiner Arbeit „Geschichte der Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung des Humanismus“ erhielt er 1950 die Lehrbefugnis an der Universität Zürich – ein Thema, das er sehr viel später wieder aufgreift und zur Vollendung führt: Unter seinen Werken sticht die vierbändige «Geschichte der Universität in Europa» heraus (1993–2010) heraus.

In einem Interview aus dem Jahr 2008 bekannte Rüegg, der in der Fachwelt als ein Pionier der Universitätshistorie gilt, er habe mit seiner Universitätsgeschichte auch mit Legenden aufräumen wollen, die sich um abendländische Universitätsgründungen ranken: „Der Forschungsbereich „Universitätsgeschichte“ etablierte sich erst im letzten Halbjahrhundert  als eigenes Fach und räumte mit früheren Legenden auf. Die Universität Bologna hat 1888 ihre Gründung im Jahre 1088 regelrecht erfunden. Man fand in einem mittelalterlichen  Dokument, dass gegen Ende des 11. Jahrhunderts  zwei Juristen in Bologna lehrten, und nahm  das als Beweis für die Existenz einer Art Universität. Für das Datum gab es allerdings keinerlei Belege. Aber schon im Mittelalter konstruierten Universitäten ihre Gründungsgeschichte, um zu beweisen, dass es sich um keine moderne Einrichtung handelte, sondern dass sie bereits in einer Tradition stand: so behauptete man etwa in Paris, Karl der Große habe sie eingerichtet oder in Oxford Alfred der Große“, so Rüegg.

„Mit Walter Rüegg verlieren wir einen Hochschulreformer, der schon Mitte der 1960er Jahre mehr universitäre Eigenverantwortung forderte und sie - gemeinsam mit der Hessischen Rektorenkonferenz - auch erreichte. Und wir verdanken ihm ein neues Forschungsgebiet: die universitätshistorische Forschung“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Er hat der Goethe-Universität in entscheidenden Jahren ihrer Entwicklung viel gegeben. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.“

Forschung

Mai 13 2015
10:48

Children’s Worlds Studie veröffentlicht Ergebnisse

Wo leben die glücklichsten Kinder?

FRANKFURT/LONDON/ZÜRICH. Mehr als 50.000 Kinder wurden in 15 verschiedenen Ländern zu Erfahrungen, Perspektiven und Wohlbefinden befragt. Die Children’s Worlds Studie, in der Acht- bis Zwölfjährige in so unterschiedlichen Ländern wie Nepal und Norwegen, Äthiopien und Israel oder Deutschland und Südkorea direkt befragt wurden, ist bislang einzigartig. Der Bericht, der heute veröffentlicht wird, bringt wichtige Erkenntnisse, die zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern auf der ganzen Welt genutzt werden können. Die Jacobs Foundation hat dieses fortlaufende, internationale Projekt während der letzten drei Jahre gefördert.

Kinder erleben große Unterschiede. In  europäischen Ländern sind sie zufriedener mit ihren Freundschaften, während Kinder aus afrikanischen Ländern tendenziell glücklicher mit ihrem Schulleben sind. Kinder in nordeuropäischen Ländern hingegen sind insbesondere unzufrieden mit ihrem Aussehen und ihrem Selbstbewusstsein. Die Mehrheit der 53.000 befragten Kinder in allen 15 Ländern bewertet ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn in der Gesamtheit als positiv. Allerdings variiert der prozentuale Anteil der Kinder mit sehr hohem Wohlbefinden: Demnach rangieren die Türkei mit 78 % sowie Rumänien und Kolumbien mit 77 % ganz vorne, während in Südkorea nur 40 % ein hohes Wohlbefinden haben. Der Prozentsatz des niedrigen Wohlbefindens liegt bei 2 % in Rumänien und Kolumbien und wiederum bei über 7% in Südkorea und Südafrika.

Das Wohlbefinden der Kinder in Deutschland

Für die deutschen Ergebnisse hebt Studienleiterin Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt hervor: „Kinder in Deutschland sind im hohen Maße mit ihren Freundinnen und Freunden zufrieden. Mit Blick auf die Erwachsenen ist ihnen wichtig, dass sie ernst genommen und einbezogen werden. Generell sinkt das Wohlbefinden bei den Zwölfjährigen, vor allem Mädchen sind weniger zufrieden mit ihrem Aussehen. Im Vergleich zu anderen Ländern zeigt sich außerdem, dass Kinder in Deutschland weniger über ihre Rechte und die Kinderrechtskonvention wissen.“

Neben diesen Ergebnissen gibt die Studie auch Auskunft über grundlegende Aspekte wie Familie, Freundschaften, Geld und Besitz, Schulleben, Wohnumgebung, Freizeit und Zeitnutzung, persönliches Wohlbefinden und Kinderrechte. Hiermit liegen wichtige Informationen für Politik, Pädagogik und Wissenschaft vor.

Simon Sommer, Head of Research bei der Jacobs Foundation, betont die Bedeutung für die verschiedenen Handlungsfelder: „Wir sind hocherfreut, den ersten Bericht dieser neuen internationalen Studie vorzustellen. Die Stiftung ist stolz darauf, ein Teil davon zu sein, komplexe Forschung zugänglicher zu machen und dem Ziel eines besseren Verständnisses der kindlichen Lebenswelt durch die eigene Perspektive der Kinder, einen Schritt näher gekommen zu sein. Durch innovative Forschungsprojekte wie dieses möchten wir den Transfer von Forschung in die Praxis stärken und Impulse für politische Entscheidungsträger und Vertreter der Gesellschaft liefern.“ Die Ergebnisse bieten vielfältige Einsichten in globales Kinderleben.

Alters- und Geschlechterunterschiede

In Europa und Südkorea verringert sich das Wohlbefinden von Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren, während in anderen Ländern, wie zum Beispiel Israel und Äthiopien, keine Altersunterschiede sichtbar wurden. Das Geschlecht beeinflusste zwar nicht die Gesamtzufriedenheit, aber es wurden signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, Aussehen und Selbstbewusstsein in Europa und Südkorea aufgedeckt, die so in weiteren asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen Ländern nicht vorherrschen.

Mit wem Kinder zusammen wohnen

Auch die Wohn- und Familienformen sind international vergleichend interessant: Während mehr als die Hälfte der Kinder in Nepal (61 %) in einem Haushalt, der aus mindestens einem Elternteil und einem Großelternteil besteht, wohnen, berichten in England, Norwegen und Israel weniger als 10 % von einem Drei-Generationen-Haushalt. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Kinder einiger europäischer Länder zwei Wohnsitze als ihr Zuhause bezeichnen. Dies trifft auf über 10 % der Kinder in Norwegen, England und Estland zu – solch ein Familienmodell ist nur selten in anderen Ländern dieser Studie aufzufinden.

Hausaufgaben in Estland – sich um Geschwister kümmern in Nepal

Zwischen den Ländern wurden beachtliche Unterschiede gefunden, auf welche Weise Kinder ihre Zeit verbringen. Zum Beispiel bringen Kinder in Estland mehr Zeit für ihre Hausaufgaben auf als in Südkorea und England. Kinder in Polen, Norwegen und Israel widmen sich eher sportlichen Aktivitäten. Kinder in einigen Ländern, einschließlich Algerien, Nepal und Südafrika, verbringen hingegen sehr viel mehr Zeit damit, sich um ihre Geschwister oder andere Familienmitglieder zu kümmern als in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland, in der Türkei und in Südkorea.

Kinderrechte

Abschließend ist auf große Unterschiede bezüglich des Wissens und der Umsetzung der Kinderrechte innerhalb der 15 Länder hinzuweisen. Mehr als drei Viertel (77 %) der Kinder in Norwegen äußerten, dass sie die Rechte von Kindern kennen im Vergleich zu 36 % der Kinder im Vereinigten Königreich.  Darüber hinaus stimmten 84 % der Kinder in Norwegen zu, dass Erwachsene in ihrem Land die Rechte von Kindern respektieren im Vergleich zu weniger als 50 % der Kinder in sieben anderen Länder. Asher Ben-Arieh (Jerusalem), einer der Untersuchungsleiter und der Vorsitzende der International Society of Children’s Indicators, bemerkt: „Dieser Bericht ist der Höhepunkt vieler Jahre Arbeit an einem vertieften Verständnis für die Perspektive von Kindern, über ihre Lebenswelt und ihr Wohlbefinden. Die Studie „Children’s Worlds“ füllt eine Lücke der internationalen Forschung. Unsere Arbeit beweist, dass es möglich und wertvoll ist, Kinder zu fragen, was sie von ihrem Leben halten.  Wir möchten den 53.000 Kindern der 15 Länder, die bislang an dem Forschungsprojekt mitgewirkt haben, dafür danken, dass sie uns ihre Ansichten und Erfahrungen mitgeteilt haben. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede zwischen den Ländern, aber auch innerhalb der einzelnen Länder. Der Bericht beinhaltet wichtige Botschaften für Entscheidungsträger, Praktiker, Eltern und all diejenigen, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beschäftigen.“

Ergebnisse des Berichts werden heute der Versammlung des Europäischen Parlaments in Brüssel und im Laufe des Jahres 2015 auf vielen Konferenzen weltweit präsentiert. Dies ist der erste Bericht der gegenwärtigen Befragungswelle. Innerhalb dieser Welle nehmen noch weitere fünf Länder an der Studie teil. Im Laufe des Jahres werden weitere Berichte, einschließlich Befunde für achtjährige Kinder, veröffentlicht.

Weitere Informationen

Bei Rückfragen oder Anfragen zur internationalen Erhebung: www.isciweb.org
Asher Ben-Arieh, Hebrew University of Jerusalem: asher@haruv.org.il

Bei Rückfragen oder Anfragen zur deutschen Erhebung: Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt: S.Andresen@em.uni-frankfurt.de; Johanna Wilmes, Goethe-Universität Frankfurt: wilmes@em.uni-frankfurt.de

Pressekontakt der Jacobs Foundation: Alexandra Güntzer, Head of Communication, Tel.: +41 (0) 44 388 61; alexandra.guentzer@jacobsfoundation.org

Veranstaltungen

Mai 13 2015
10:44

Im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität werden die Lebensstationen von Jürgen Habermas beleuchtet

Kluge Mahnung aus Frankfurt

FRANKFURT. Jürgen Habermas ist weltweit einer der wichtigsten zeitgenössischen Philosophen und Soziologen. Nach der Promotion in Bonn machte er sich durch seine journalistische Tätigkeit einen Namen, etwa mit einer eindrucksvollen Kritik an Martin Heidegger. 1956 kam er als Forschungsassistent von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno ans Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Es waren diese Frankfurter Nachkriegsjahre, die für seine philosophische Entwicklung und intellektuelle Prägung von bleibender Bedeutung werden sollten.

Der Vortrag von Prof. em. Stefan Müller-Doohm bietet einen Rückblick auf die Lebensstationen eines Gelehrten, mit dem man es sich zu einfach machte, wenn man ihn als Repräsentanten einer „Zweiten Generation“ Kritischer Theorie etikettierte. Stellvertretend für eine ganze Nation spiegelt sich auch in der Biografie von Jürgen Habermas etwas Grundsätzliches über die Entwicklung Deutschlands wieder. Prof. em. Müller-Doohm lehrte von 1974 bis 2008 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Soziologie und ist u.a. Autor der 2014 erschienenen Habermas-Biografie.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Kluge Mahnung aus Frankfurt – Jürgen Habermas
Referent: Prof. em. Stefan Müller-Doohm

Zeit: Montag, 18. Mai 2015, um 19.30 Uhr
Ort: 
Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Forschung

Mai 12 2015
12:16

Neurobiologin Amparo Acker-Palmer erhält ERC Advanced Grant/ 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre

Wie „sprechen“ Nervenzellen und Blutgefäße miteinander?

FRANKFURT. Nervenzellen und Blutgefäße durchziehen den Körper oft Seite an Seite. Das bemerkte schon der flämische Anatom Andreas Vesalius im 16. Jahrhundert. Erst in den letzten zehn Jahren haben Forscher entdeckt, dass das Wachstum neuronaler und vaskulärer Netzwerke von denselben Molekülen gesteuert wird. Prof. Amparo Acker-Palmer, eine Pionierin auf diesem Gebiet, wird nun erstmals die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Blutgefäßzellen im Gehirn untersuchen. Dabei erhofft sie auch neue Erkenntnisse für die Therapie von Demenz und psychischen Erkrankungen. Der Europäische Forschungsrat fördert das Vorhaben mit einem Advanced Investigator Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren.

„Am interessantesten ist das Zusammenspiel von Nervenzellen und Blutgefäßen in der Hirnrinde. Bisher wissen wir wenig darüber, wie Neuronen mit den Endothelzellen im Inneren der Blutgefäße kommunizieren, damit sich das Gehirn richtig entwickeln und funktionieren kann“, erklärt Amparo Acker-Palmer. Sie will darum zunächst das schichtweise Wachstum der Gehirnrinde während der embryonalen Entwicklung untersuchen. Denn hier wachsen die neuronalen Strukturen von innen nach außen, während die Blutgefäße sich in umgekehrter Richtung von der Oberfläche her nach innen ausbreiten. Da beide Wachstumsprozesse aufeinander abgestimmt sind, vermutet Acker-Palmer, dass sie von denselben Signalmolekülen gesteuert werden. Acker-Palmer möchte nun untersuchen, inwiefern eine fehlerhafte Abstimmung dieser Signalkaskaden zu kognitiven Störungen beitragen kann.

Als Modellorganismen verwendet ihre Arbeitsgruppe genetisch veränderte Mäuse und Zebrafische. Letzte sind durchsichtig, so dass sie lebend mit modernsten Licht-Mikroskopen untersucht werden können. Hochauflösende Elektronenmikroskope sollen außerdem dazu eingesetzt werden, die besonders engen Verbindungen zwischen Endothelzellen der Blutkapillaren und der Gliazellen an der Blut-Hirn-Schranke zu untersuchen. Gliazellen sind Nervenzellen, die sich um die Blutkapillaren wickeln und verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blut in die Hirnzellen eindringen. Acker-Palmer möchte mit ihrer Arbeitsgruppe die molekularen Signalwege an dieser entscheidenden Stelle entschlüsseln. „Wenn es uns gelingt, in den Mechanismus einzugreifen, um die Blut-Hirn-Schranke zeitweise zu öffnen, können wir Wirkstoffe einschleusen und somit neue Ansatzpunkte zur Therapie von Demenz oder psychiatrischen Erkrankungen finden“, so die Neurobiologin.

Amparo Acker-Palmer, geboren 1968 in Sueca, Valencia, Spanien, studierte Biologie und Biochemie an der Universität von Valencia, wo sie 1996 promovierte.  Danach ging sie als Postdoktorandin an das Europäische Molekularbiologische Labor (EMBL) nach Heidelberg. 2001 wechselte sie als Leiterin einer selbstständigen Nachwuchsgruppe für Signaltransduktion an das Max-Planck-Institut für Neurobiologie nach Martinsried bei München. 2007 wurde sie an das Exzellenzzentrum „Makromolekulare Komplexe“ der Goethe-Universität Frankfurt berufen. Seit 2011 ist Acker-Palmer Leiterin der Abteilung Molekulare und Zelluläre Neurobiologie beim Fachbereich Biowissenschaften der Goethe Universität Frankfurt. 2012 erhielt sie ein Gutenberg Forschungskolleg(GFK)-Fellowship von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und ist eine der leitenden Wissenschaftlerinnen des Rhine-Main Neuroscience Network (rmn2). 2014 wurde Acker-Palmer zum Max-Planck-Fellow am MPI für Hirnforschung in Frankfurt berufen.  Amparo Acker-Palmer ist Mitglied der Deutschen Akademie für Naturforscher Leopoldina und der Academia Europaea. 2010 wurde sie mit dem Paul Ehrlich-Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55539781

Bildtexte

Prof. Amparo Acker-Palmer.

Mäuse-Gehirn: Das hier dargestellte mikroskopische Bild eines Mäusegehirns zeigt das enge Zusammenspiel zwischen Neuronen (grün), Astrozyten (blau) und Blutgefäßen (rot) im Gehirn. Die verschiedenen Zellpopulationen treten in einem spezifischen Muster auf und interagieren mit den Nachbarzellen.

Zebrafisch: Mikroskopiebild des Blutkreislaufsystems einer drei Tage alten Zebrafischlarve. Das linke Bild zeigt die Seitenansicht des Kopfes, das mittlere Bild den Rumpf und das rechte Bild die Rückenansicht des Kopfes. Mit Hilfe von fluoreszierenden Reportergenen erkennt man, dass die Blutgefäße (grün) zu diesem Zeitpunkt voll ausgebildet sind. Ebenfalls sieht man die einzelnen Blutzellen (rot) in den Blutgefäßen zirkulieren.

Informationen:  Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Buchmann-Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Mai 12 2015
10:50

Biologin Stefanie Dimmeler erhält ERC Advanced Grant/ 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre

Von Herzinfarkt bis Krebs: Welche Rolle spielen lange nicht-kodierende RNAs?

FRANKFURT. Etwa 70 Prozent unserer Gene sind die Blaupause für Biomoleküle, deren Funktion gerade erst entdeckt wird: die nicht-kodierenden RNAs. Statt in Proteine übersetzt zu werden, übernehmen sie vermutlich Steuerungsfunktionen im Körper. Stefanie Dimmeler konnte als eine der ersten Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass die Untergruppe der mikro-RNAs bei der Regeneration von Blutgefäßen eine Rolle spielt. Vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält sie nun den begehrten ERC Advanced Investigator Grant, um eine weitere große Gruppe von nicht-kodierenden RNAs zu untersuchen. Sie vermutet, dass diese an der Entstehung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebserkrankungen beteiligt sind. Der ERC bewilligte ihr 2,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre.

„Wenn Sie mich fragen, was den Menschen in seiner evolutionären Entwicklung besonders macht, würde ich sagen: Es sind die mehr als 30.000 nicht-kodierenden RNAs, die wir sonst nur mit den Primaten teilen“, sagt Stefanie Dimmeler. Aus der Sicht ihres Forschungsgebiets, der kardiovaskulären Regeneration, fällt besonders auf, dass Gefäßerkrankungen wie die den Herzinfarkt auslösende Arteriosklerose in ihrer typischen Form nur beim Menschen auftritt. Vieles deutet darauf hin, dass lange, nicht-kodierende RNAs, kurz lncRNAs, diese Krankheitsprozesse steuern. Sie wirken auf die Innenschicht der Blutgefäße, die sogenannten Endothelzellen, und tragen dazu bei, dass die Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Die Techniken zum Aufspüren der lncRNAs und deren komplexen Funktionen sind weitaus komplizierter als der Nachweis von Proteinen. Dimmeler hat mit ihrer Arbeitsgruppe zwei Kandidaten identifiziert, Angiolnc1 und Angiolnc2, welche die Funktion der  Endothelzellen regulieren. Nun möchte sie die molekularen epigenetischen Mechanismen untersuchen, über die diese beiden lncRNAs Gefäßerkrankungen auslösen und steuern. Ziel dieser Forschungsarbeiten ist, neue Behandlungsansätze zur Verhinderung der Arteriosklerose zu identifizieren, um darüber das Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu verringern.

Im dritten Teil ihres Projekts untersucht Stefanie Dimmeler, inwieweit ringförmige lncRNAs, die nach ihrer Freisetzung ins Blut besonders geschützt sind, sich als Biomarker für die Erkennung von Erkrankungen des Blutgefäßsystems oder Herzens eignen. Dazu will sie mit ihrer Gruppe Tests entwickeln, mit denen die Biomoleküle im Blut von Patienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen werden können.

Prof. Stefanie Dimmeler, Jahrgang 1967, studierte Biologie an der Universität Konstanz, wo sie 1993 promovierte. Nach zwei Jahren als wissenschaftliche Assistentin an der Universität zu Köln wechselte sie an die Goethe-Universität, wo sie sich 1998 im Fach Experimentelle Medizin habilitierte. 2001 nahm sie einen Ruf auf die Professur für Molekulare Kardiologie an der Goethe-Universität an. Seit 2008 ist sie Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration im Zentrum für Molekulare Medizin. Sie ist Co-Sprecherin des DFG-geförderten Exzellenzclusters „Kardio-Pulmonäre Systeme“, des vom Land Hessens geförderten „LOEWE Zentrums für Zell- und Gentherapie“ und des BMBF-geförderten Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) am Standort Rhein-Main. Sie ist Mitglied im Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe sowie mehrerer Sonderforschungsbereiche. Von 2008 bis 2012 war sie Mitglied des Deutschen Ethikrates. Stefanie Dimmeler erhielt zahlreiche Forschungspreise, darunter den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Ernst Jung-Preis für Medizin.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/55538604

Bildtexte

Prof. Stefanie Dimmeler.

Blutgefäße: Aufnahme von Blutgefäßen im Herzen (rot gefärbt). Das große Gefäß ist umgeben von kleinen Gefäßen (Kapillaren). Die Zellkerne sind blau dargestellt, die Nervenzellen grün. 

Informationen:  Prof. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration, Campus Niederrad, Sekretariat: Claudia Herfurth, Tel.: (069) 6301-6667, herfurth@med.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Mai 8 2015
15:47

Die Deutschen reagieren bislang gelassen auf den Streik der GDL. Aber ein Einverständnis mit den Zielen der Gewerkschaft lässt sich daraus nicht ableiten, so der Politikwissenschaftler Claudius Wagemann

Gelernt, mit dem Streik umzugehen

FRANKFURT. Der sechstägige Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) legt noch bis kommenden Sonntag weite Teile des Personen- und Güterverkehrs in Deutschland lahm. Der Politikwissenschaftler Prof. Claudius Wagemann zeigt sich aber überrascht vom Umgang der Bevölkerung mit der Ausnahmesituation: „Die Deutschen, die an sich nicht sehr streikerfahren sind, gehen damit recht gelassen um.“ Allerdings sei mit dem bereits achten Streik dieser Art die traditionelle „Gewerkschaftsfreundlichkeit“ der Mehrheit der Bevölkerung an ihre Grenze gekommen. „Ich glaube nicht, dass der Protest von der breiten Bevölkerung noch ernst genommen wird.“

Interessant findet Wagemann, dass der GDL-Streik extrem personalisiert sei; Gewerkschaftschef Weselsky polarisiere die Öffentlichkeit. Hingegen sei die Diskussion um den Streik der Pilotenvereinigung Cockpit mit wesentlich weniger Polemik geführt worden. „Cockpit hat eben keinen Weselsky an der Spitze“, so Wagemann. Er bestätigt ferner die Analyse vieler Beobachter, dass sich hinter dem aktuellen Streik der Lokführer ein weitreichenderer Konflikt verberge, nämlich der um das geplante Tarifeinheitsgesetz. Die GDL befinde sich im Kampf gegen das Gesetz in einem strategischen Dilemma: Mit ihrem aktuellen Streik, der die Macht einer vergleichsweise kleinen Gewerkschaft  vor Augen führe, mache sie das Zustandekommen des Gesetzes eher noch wahrscheinlicher. Andererseits müsse sie sich aus Gründen des Selbsterhalts dagegen wehren.

Wagemann hebt aber hervor, dass die GDL mit ihrem Streik durchaus ein Zeichen setze gegen neoliberale Tendenzen in Wirtschaft und Gesellschaft. „Sie bricht mit ihrem Streik verkrustete Strukturen auf. Eine Monopolgewerkschaft wie der DGB steht dagegen solchen  Streikformen eher ablehnend gegenüber, weil man die Zersplitterung der Gewerkschaftsfront und damit verbunden den eigenen Machtverlust fürchtet.“

Der Politikwissenschaftler verortet den Konflikt in einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel: Er spricht von einer „institutionellen Sklerosis“. Parteien, Gewerkschaften und Verbände verlören zunehmend Mitglieder und büßten Zustimmung seitens der Gesellschaft ein. Neue Formen des Protestes und der Beteiligung träten auf den Plan. „Bewegungen wie Blockupy, die besonders junge Leute über Social Media ansprechen, füllen gewissermaßen dieses Vakuum.“ Besonders die Gewerkschaften drohten den Anschluss zu verlieren, indem sie große gesellschaftliche Debatten über die Zukunft der Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Sozialismus den neuen Protestkulturen überließen.

Kontakt: Prof. Dr. Claudius Wagemann, Professur für Gesellschaftswissenschaften, Schwerpunkt Methoden der Qualitativen Empirischen Sozialforschung, Institut für Politikwissenschaft. Tel. (069) 069/798-36647;  methoden-qualitativ@soz.uni-frankfurt.de