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Dez 10 2018
14:28

Vortrag der renommierten Historikerin Dagmar Herzog thematisiert Paradoxien rund um die #metoo-Bewegung in den USA. 12. Dezember, 18 Uhr, Campus Westend.

Was bringt #metoo?

FRANKFURT. Knapp ein Jahr nach der Entstehung der #metoo-Bewegung ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. „Patriarchen stürzen vom Sockel, aber das Patriarchat ist stärker denn je." Mit diesem Zitat der feministischen Journalistin Susan Faludi verdeutlicht Dagmar Herzog das Paradox der unzureichenden Erfolge der #metoo-Bewegung seit ihrer Entstehung 2017. Wie passt die Bewegung in divergierende Tendenzen der Gegenwart – andauernde sexuelle Liberalisierung einerseits, aber aggressive rechtslastige Rollbacks andererseits, gegen weibliche Selbstbestimmung sowie auch gegen die staatlichen Wohlfahrtsleistungen, auf die weit mehr Frauen als Männer angewiesen sind? Wie ist die merkwürdige Diskrepanz des Erfolgs der #metoo-Anklagen zu erklären, wenn republikanische Politiker wie der US-Präsident im Amt bleiben, aber wichtige Kritiker der gegenwärtigen Regierung wie der jüdische Senator Al Franken oder der afroamerikanische Kongressabgeordneter John Conyers entmachtet sind? 

In ihrem Vortrag 

„Feminismen und Sexualpolitik. Die #metoo-Bewegung und ihre Kritiker*innen“ am Mittwoch, dem 12. Dezember 2018, um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino 1.801, auf dem Campus Westend, 

untersucht Dagmar Herzog die beunruhigten und differenzierten Argumente sogenannter “pro-Sex" feministischer, queerer und antirassistischer Kritiker*innen der Bewegung und fragt nach der möglichen Einordnung des #metoo-Phänomens in historische intrafeministische Konflikte und Ambivalenzen rund um Sexualität. Dagmar Herzog ist Distinguished Professor für Geschichte am Graduiertenzentrum der City University New York. Sie beforscht die Geschichte der Sexualität im US-amerikanischen und europäischen Kontext und ist eine bedeutende Expertin für Sexualmoral im europäischen Faschismus. Ihre neusten Publikationen beschäftigen sich mit „Lust und Verwundbarkeit“ (Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA, 2018), „Unlearning Eugenics“ (Sexuality, Reproduction and Disability in Post-Nazi Europe, 2018) sowie „Cold War Freud“ (Psychoanalysis in an Age of Catastrophes, 2017). 

Der Vortrag findet im Rahmen der Cornelia Goethe Colloquien „Feministische Erinnerungskulturen: 100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung“ statt, die das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt und weiteren Kooperationspartner*innen im Wintersemester 2018/19 organisiert. 

Interessierte sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. 

Informationen: Franziska Vaessen, Cornelia Goethe Centrum, vaessen@em.uni-frankfurt.de; Näheres zum Programm: www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien