​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – November 2017

 

Nov 9 2017
13:12

Emeritus der Goethe-Universität erhält höchste Auszeichnung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Henry-Dunant-Medaille für Völkerrechtler Michael Bothe

FRANKFURT. Für seinen langjährigen Einsatz für die Genfer Konventionen ist Prof. Michael Bothe, emeritierter Jura-Professor der Goethe-Universität, heute von der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit der Henry-Dunant-Medaille ausgezeichnet worden. Die Medaille gilt als die höchste Ehrung, die die Bewegung zu vergeben hat.

Seit mehr als 50 Jahren engagiert sich Prof. Michael Bothe für die Entwicklung, Verbreitung und Durchsetzung des Rechts der Genfer Konventionen zum Schutz der Opfer bewaffneter Konflikte. Als Mitglied der deutschen Regierungsdelegation war er an der Verhandlung der beiden Zusatzprotokolle von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 beteiligt. Seitdem wirkte er in zahlreichen Expertengremien und Konferenzen zu diesem Recht mit. Schon seit 1973 ist Bothe Mitglied des Deutschen Komitees für humanitäres Völkerrecht, einem Fachausschuss des Deutschen Roten Kreuzes, mehr als 20 Jahre lang war er dessen Vorsitzender. Zur Kenntnis und zum Verständnis der Genfer Konventionen hat der Frankfurter Wissenschaftler Entscheidendes beigetragen: durch eine Fülle von Veröffentlichungen, z.B. als Autor eines der beiden führenden Kommentare zu den Protokollen von 1977, durch seine akademische Lehrtätigkeit hier in Frankfurt und an Universitäten in Deutschland und rund um die Welt sowie durch zahlreiche Vorträge im In- und Ausland.

Auch für die Durchsetzung dieses Rechts hat sich Bothe wirksam eingesetzt: Er war Mitglied und Vorsitzender der Internationalen Humanitären Ermittlungskommission, hat Opfer von Rechtsverletzungen beraten, z.B. Bombenopfer im ehemaligen Jugoslawien. Hilfsorganisationen stand er mit seiner Expertise zur Verfügung, etwa wenn es darum ging, den Zugang für Hilfsaktionen in Syrien und im Gaza-Streifen sichern. Auch vor hohen Gerichten, z. B. vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag im Verfahren um den Bau einer Mauer im besetzten Gebiet Palästinas, hat er sich im Sinne der Genfer Konventionen eingesetzt. Inspiration für diese Arbeit, sagt Bothe, sei für ihn stets, durch Verwirklichung des Rechts das Leid zu lindern, das Kriege in unsäglicher Weise über die Menschheit bringen.

„Das DRK ist stolz, einen so engagierten und kompetenten Rotkreuzler sowie international anerkannten Völkerrechtler an seiner Seite zu wissen“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters am Rande der internationalen Tagung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes in Antalya, in deren Rahmen die Medaille verliehen wurde. „Wir alle freuen uns sehr über diese ehrenvolle und hochverdiente Auszeichnung unseres Kollegen Michael Bothe. Seine Arbeit ist ein Vorbild für theoretische rechtswissenschaftliche Tätigkeit, die unmittelbar fruchtbare Wirkung in der Praxis entfaltet“, so Prof. Albrecht Cordes, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität.

Die Henry-Dunant-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Sie ist für Mitglieder gedacht, die sich in besonderer Weise auf internationaler Ebene um die Bewegung des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes verdient gemacht hat – etwa durch den langjährigen außergewöhnlicher Einsatz für die Bewegung oder durch Einzelhandlungen von herausragender Einsatzbereitschaft und Tapferkeit unter schwierigen Bedingungen, die mit einem hohen persönlichen Risiko für das eigene Leben, die Gesundheit oder die persönliche Freiheit verbunden waren. Die Medaille wird alle zwei Jahre vergeben, in der Regel an nicht mehr als fünf Empfänger.

Die Medaille ist benannt nach Henry Dunant (1828-1910), dem Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Mit seiner Schrift „Eine Erinnerung an Solferino“ hatte der Schweizer Humanist und Kaufmann die Grundlage der Konventionen gelegt. Der Abschluss der ersten Genfer Konvention von 1864, die der erste Völkerrechtsvertrag des modernen humanitären Völkerrechts ist und auf die Garantie eines Mindestmaßes an Menschlichkeit in bewaffneten Konflikten abzielt, wurde von Henry Dunant initiiert.

Ein Bild von Prof. Michael Bothe finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/69176638 (Foto: Goethe-Universität)

Information: Dr. Susanne Pelster, Geschäftsführung Dekanat, Fachbereich Rechtswissenschaft, Theodor-W.-Adorno-Platz 4, 60629 Frankfurt, Telefon 069 798-34205; Fax 069 798-34530, E-Mail Pelster@jur.uni-frankfurt.de

 

Nov 8 2017
16:26

Bürger-Universität am 19. Januar 2018 widmet sich der Frage, welche Veranstaltungen und Debatten im Rahmen eines wissenschaftsgeleiteten Diskurses an der Uni möglich sind

Diskurskultur auf dem Campus

FRANKFURT. Die Goethe-Universität veranstaltet im aktuellen Wintersemester (19. Januar 2018, 19 Uhr, Campus Westend (Ort wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben)) eine zusätzliche „Bürger-Universität“ mit dem Titel: „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“ Teilnehmende des Forums sind Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, der Philosoph Prof. Rainer Forst, die Ethnologin Prof. Susanne Schröter, der Humangeograf Prof. Bernd Belina (angefragt) sowie ein/e Vertreter/Vertreterin (angefragt) der insgesamt 60 Unterzeichner eines Offenen Briefs gegen den Vortrag von Rainer Wendt; Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard. Mit der Veranstaltung greift die Goethe-Universität am Fall des kürzlich im Rahmen einer Veranstaltungsreihe kurzfristig ausgeladenen Gastredners Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, Diskussionsstränge einer kontroversen öffentlichen Debatte auf, die sich an der Ein- und Ausladung Wendts entzündet hatte.

Universitätspräsidentin Birgitta Wolff sagte: „Auch wir sehen Gesprächsbedarf darüber, welche Veranstaltungen und Debatten im Rahmen eines wissenschaftsgeleiteten Diskurses an der Uni möglich sind und welche nicht. Eine solche Debatte wird derzeit auch an vielen andere deutschen Universitäten und Hochschulen intensiv geführt. Unsere Veranstaltung ist ein Angebot zur Versachlichung der Debatte angesichts eines sich immer weiter verschärfenden, öffentlichen Meinungsklimas, das auch die Wissenschaftsfreiheit gefährdet.“

Wolff verwies darauf, dass ein inneruniversitärer Diskurs zum Thema Meinungsfreiheit an der Goethe-Universität bereits seit 2014 stattfinde, als die Universität ihr Leitbild diskutierte und beschloss. Hier heißt es u.a.: „(…) Ihrer wechselvollen Geschichte kritisch verpflichtet, ist sie (die Goethe-Universität) geleitet von den Ideen der Europäischen Aufklärung, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit und wendet sich gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus. Die Goethe-Universität ist ein Ort argumentativer Auseinandersetzung; Forschung und Lehre stehen in gesellschaftlicher Verantwortung (…)“

Wolff ergänzte: „Immer wieder gibt es Vorfälle und Themen, die eine Erörterung und Diskussion der praktischen Folgerungen aus diesem Leitbild notwendig machen. Die Diskussion darüber, welche Kommunikations- und Verständigungskultur auf dem Campus wünschenswert und demokratisch geboten ist, setzen wir nicht nur im Rahmen der zusätzlichen Bürger-Universität fort“, kündigte Wolff an, „sondern auch bei anderen Gelegenheiten wie im Senat, im AStA-Jour fixe oder in der AG „Leitbild leben“.

Eines müsse klar sein, so Wolff: Positionen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gedeckt seien, müssten im Rahmen der wissenschaftsgeleiteten Debatten selbstverständlich auch auf dem Campus offen angesprochen werden können. Dies gebiete der demokratische Respekt vor der Position des/der Andersdenkenden. Aufgabe der Universität sei ein wissenschaftsgestützter Diskurs über Positionen, nicht Tabuisierung. Ein Klima der Angst – ganz gleich von welcher Seite dieses geschürt werde – gefährde die Wissenschaftsfreiheit.

Die vollständige Stellungnahme von Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff vom 3. November zum Fall Wendt finden Sie unter: http://tinygu.de/Statement-Wolff

 

Nov 8 2017
15:01

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sagt finanzielle Unterstützung des Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek für die Jahre 2018 und 2019 zu

Weiterer Ausbau von Open Access an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität ist in ihren Bemühungen, allen Interessierten weltweit einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu ermöglichen, auf erfreuliche Weise bestärkt worden: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Goethe-Uni jetzt eine finanzielle Unterstützung des Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek für die Jahre 2018 und 2019 zugesagt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität mit rund 290.000 Euro. Insgesamt werden dem Fonds im Zeitraum 2018-2019 mehr als 400.000 Euro zur Verfügung stehen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität können durch Mittel aus diesem Budget dabei unterstützt werden, ihre Publikationen im Open Access (OA) und damit frei zugänglich für alle zu verbreiten.

Der OA-Publikationsfonds fördert die Publikation wissenschaftlicher Artikel, die in Open-Access-Zeitschriften erscheinen und für die Publikationsgebühren anfallen, indem er diese Gebühren bis zu einer Höhe von 2.000 Euro übernimmt. Alle Angehörigen der Universität können diese Förderung in Anspruch nehmen. Der Fonds wird durch die Universitätsbibliothek betreut, die zu allen praktischen Fragen des Open-Access-Publizierens berät. Zudem sollen nach Möglichkeit auch andere Formen des OA-Publizierens finanziell unterstützt werden, etwa indem Open-Access-Zeitschriften in den Geisteswissenschaften, die keine Publikationsgebühren erheben, direkt gefördert werden.

Bibliothekdirektor Heiner Schnelling sieht die Bibliothek und die Universität auf dem richtigen Weg: „Die Hochschulbibliotheken können nicht bei ihren traditionellen Aufgaben wie Sammeln und Erschließen von Medien verharren. Sie sind gefordert, Services zu entwickeln, welche die Forschenden im gesamten Publikationsprozess unterstützen. Hinzu kommt, dass Open Access nicht nur den Autorinnen und Autoren der Texte Vorteile bringt, indem sie besser sichtbar werden, sondern dass alle Forschenden und Studierenden von der freien Zugänglichkeit von Fachliteratur profitieren.“

In der Open-Access-Policy der Universität heißt es: „Die Goethe-Universität ermuntert ihre WissenschaftlerInnen, Open Access zu publizieren.“ Sie belässt es aber nicht bei diesem Appell, sondern unterstützt die wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren mit ganz konkreten Angeboten. Neben dem Publikationsfonds bietet die Bibliothek etwa eine Plattform für das kostenlose Hosting von OA-Zeitschriften, die bereits von fünf Herausgebern genutzt wird, während acht weitere Titel in Vorbereitung sind.

Die Universitätsbibliothek hatte 2015, 2016 und 2017 zur Förderung von OA-Publikationen testweise Mittel bereitgestellt, die rasch abgerufen wurden und eine große Resonanz auslösten. Dank der großzügigen Unterstützung des Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds konnte die Bibliothek den Fonds im Laufe des Jahres 2017 noch einmal erheblich aufstocken. Mit der Zusage der DFG kann nun für die nächsten Jahre ein verlässliches Angebot eingerichtet werden.

Weitere Informationen: http://www.ub.uni-frankfurt.de/publizieren/

Open-Access-Policy der Goethe-Universität: http://www.ub.uni-frankfurt.de/publizieren/oa_policy_goetheuniversitaet_2017.pdf

Kontakt: Dr. Roland Wagner, Open-Access-Beauftragter der Universität: Tel. 069/798-49101, Mail: r.wagner@ub.uni-frankfurt.de | Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, Tel. 069/798-39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de

 

Nov 8 2017
12:14

Wassergefilterte Infrarot-A-Strahlung lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen

Wärmetherapie vielseitig einsetzbar

FRANKFURT. Wärme tut bei vielen Beschwerden gut, besonders, wenn sie tief ins Gewebe eindringt. Seit 1991gibt es dafür spezielle Infrarotstrahler, mit denen Mediziner vor allem bei der Wundheilung und Schmerzlinderung gute Erfahrungen machen. Das zeigt ein aktueller Übersichtsartikel von einem Sportmediziner der Goethe-Universität.

Ein bestimmter Teil des Infrarotspektrums, das Infrarot A, dringt besonders tief ins Gewebe ein. Filtert man aus dem Spektrum zudem die Anteile, welche die Hautoberfläche erhitzen, kann die Strahlung optimale Wirkung entfalten und sogar bei Entzündungen und Verbrennungen eingesetzt werden.

Das Verfahren, mit dem man aus dem Infrarot-A-Spektrum die unerwünschten Anteile herausfiltert, orientiert sich am Vorbild der Natur: In gemäßigten Klimazonen wird die Wärmestrahlung der Sonne durch das Wasser und den Wasserdampf der Atmosphäre gefiltert. Entsprechend tritt die Strahlung in der Infrarotlampe durch eine mit Wasser gefüllte Küvette. Für bestimmte in der Medizin wichtige Wellenlängen, wie zum Beispiel 820 Nanometer, kann man daher im Vergleich zu Infrarotlampen („Rotlichtlampen“) ohne Wasserfilter mit wIRA eine 6-30mal so hohe Bestrahlungsstärke anwenden.

Wassergefiltertes Infrarot A hat drei Hauptwirkungen auf das Gewebe: Es steigert wesentlich die Temperatur, die Versorgung mit Sauerstoff und die Durchblutung. Bestrahlung mit wIRA lindert Schmerzen, hemmt Entzündungen und eine vermehrte Flüssigkeitsabgabe, fördert die Infektionsabwehr und die Regeneration. Das zeigt ein aktueller Übersichtsartikel von Prof. Gerd Hoffmann vom Institut für Sportwissenschaften zu den medizinischen Anwendungen von wIRA. Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift "Physikalische Medizin – Rehabilitationsmedizin – Kurortmedizin" erschienen.

Es gibt eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für wIRA. So verläuft die Heilung akuter und chronischer Wunden schneller und schmerzärmer. Typische Anwendungen sind Operationswunden und chronische Geschwüre („offenes Bein“). wIRA wird außerdem eingesetzt bei Warzen, Lippen-Herpes, Gürtelrose (Herpes Zoster), Sklerodermie, Akne und Lichtalterungsschäden der Haut (aktinischen Keratosen). Auf die Haut aufgetragene Substanzen werden unter Bestrahlung mit wIRA besser aufgenommen.

Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Arthrosen, Gelenkentzündungen (Arthritiden), Rückenschmerzen (Lumbago) oder Morbus Bechterew (ankylosierende Spondyloarthritis). wIRA lindert Schmerzen vom gewöhnlichen Muskelkater bis zum komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS). Die Strahlung fördert die Regeneration nach Sport und wird zudem bei Polyneuropathien und in Kombination mit Strahlentherapie oder Chemotherapie in der Tumortherapie (Onkologie) eingesetzt.

Die Schmerzminderung durch wIRA beruht auf verschiedenen Effekten: Dank der gesteigerten Durchblutung können angehäufte Stoffwechselprodukte wie Schmerzbotenstoffe, Milchsäure und Bakteriengifte besser entfernt werden. Die erhöhte Gewebetemperatur beschleunigt parallel dazu den Abbau dieser Substanzen und fördert die Regeneration. Nicht-thermische Effekte beinhalten direkte Wirkungen auf Zellen und zelluläre Strukturen und Substanzen und möglicherweise auch auf Schmerzrezeptoren. wIRA wirkt deutlich muskelentspannend und auch hierüber schmerzmindernd. Dadurch verbessert sich nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Sauerstoffversorgung im Gewebe – und das senkt deutlich das Infektionsrisiko bei Wunden.

Publikation: Hoffmann G. Klinische Anwendungen von wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) – eine Übersicht. Phys Med Rehabilitationsmed Kurortmed. 2017;27:265-274. DOI: 10.1055/s-0043-113047, frei zugänglich unter: http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/45000, urn:nbn:de:hebis:30:3-450002

Ausführliche frei zugängliche Darstellung zahlreicher Anwendungsmöglichkeiten von wassergefiltertem Infrarot A (in Deutsch mit englischer Zusammenfassung): http://www.waerme-therapie.com/fachartikel.html

Bilder zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/69156872

Abbildung 1: Spektren der Sonne, eines Strahlers für wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) und von zwei Halogenstrahlern ohne Wasserfilter. Grafik: Piazena

Abbildung 2: Wundheilungsverlauf einer infizierten Wunde nach 4 Tagen und nach insgesamt 3 Wochen mit täglich dreimal 1 Stunde Bestrahlung mit wassergefiltertem Infrarot A (wIRA). Foto: Winkel

Information: Prof. Dr. Gerd Hoffmann, Institut für Sportwissenschaften, Fachbereich 5, Sport Campus Ginnheim, Tel.: (06181)62287, hoffmann@em.uni-frankfurt.de.

 

Nov 8 2017
11:12

Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur zu neuer Therapie gegen Altersschäden des Gehirns

Eine Spritze gegen Alzheimer & Co.?

FRANKFURT. Kann man vorbeugen gegen Demenz, Altersschwerhörigkeit, Parkinson, Epilepsie und ALS? Die großen Pharma-Firmen scheinen nicht mehr daran zu glauben, aber überraschende Befunde der letzten zwei Jahre wecken die Hoffnung, dass regelmäßige Injektionen speziell designter RNA im nächsten Jahrzehnt zur Routine-Prävention gegen Altersschäden des Gehirns eingesetzt werden könnten.

Am Beispiel von zwei Krankheiten, bei denen fortschreitende Lähmungen auftreten, weil die Muskeln versorgende Nerven (Motoneuronen) absterben (SMA und ALS) zeigte der neue Therapieansatz überraschend vielversprechende Ergebnisse. An Mäusen konnte der diesjährige Merz Stiftungsgastprofessor Aaron Gitler von der Stanford University, USA, zusammen mit Prof. Georg Auburger von der Goethe Universität, den Krankheitsprozess über mehr als ein Jahr aufhalten. Unbehandelt sterben die Tiere nach 22 Tagen. Die Entdeckung, die im April 2017 in der angesehenen Fachzeitschrift „Nature“ publiziert wurde, diskutieren internationale Fachleute im Rahmen eines Symposiums

am 22. November von 9 bis 17 Uhr
im Hörsaalgebäude des Universitätsklinikums Frankfurt (Haus 22, HS 2).

In Deutschland haben an der Universitätsklinik Ulm (Direktor: Professor Albert Ludolph) bereits erste Therapie-Versuche mit RNA-Injektionen bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) begonnen. Prof. Jochen Weishaupt aus der Abteilung von Prof. Ludolph wird über die ALS-Arbeiten in Ulmauf dem Symposium an der Goethe-Universität berichten. Ebenso konnte Prof. Felix Rosenow von der Goethe Universität kürzlich nachweisen, dass die Injektion von RNA auch zur Behandlung von Epilepsie ein vielversprechender Weg ist.

Beim Bürgerforum haben Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, direkt mit den Forschern zu diskutieren

am 23. November (Donnerstag) von 16.30 bis 18 Uhr
im Arkadensaal des Goethe-Hauses, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt.

Themen der Podiumsdiskussion mit Prof. Aaron Gitler, Prof. Georg Auburger und Prof. Felix Rosenow unter der Moderation von Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz werden sein: Lässt sich dieser Ansatz übertragen auf Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer, auf fortschreitende Taubheit und Blindheit? An welchen Standorten kann man sich schon behandeln lassen? Wie viele Jahre werden vergehen bis zur routinemäßigen Einführung der Therapie? Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen? Wie kann man schon Jahre vor Ausbruch der Erkrankung wissen, ob man sich vorbeugend behandeln lassen sollte? Anschließend besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Pressevertreter sind zu beiden Veranstaltungen herzlich eingeladen. Wenn Sie ein Interview mit Aaron Gitler oder anderen Experten bei dem Symposium wünschen, wenden Sie sich bitte an Prof. Auburger: (069) 6301-7428, auburger@em.uni-frankfurt.de.

Information: Prof. Dr. Georg Auburger, Klinik für Neurologie, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-7428, auburger@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 6 2017
17:06

Struktur einer Entscheidungszentrale in der Immunabwehr aufgeklärt/ Publikation in Nature

Wie Zellen Status-Updates filtern

So wie wir aus der Informationsflut in sozialen Medien das für uns Wichtige herausfiltern, arbeiten auch Körperzellen. Im ständigen Kampf gegen Parasiten, Viren oder Krebs selektieren sie Informationen für das Immunsystem. Das geschieht durch eine hochkomplexe molekulare Maschinerie, deren Arbeitsweise Biochemiker der Goethe-Universität und des Max-Planck-Instituts für Biophysik zusammen mit Forschern der Universität Halle aufgeklärt haben.

Status-Updates aus dem Inneren der Zelle erhält das Immunsystem an deren Oberfläche. Dort präsentieren bestimmte Proteine, sogenannte MHC I-Moleküle, die Information in Form kleiner Proteinbruchstücke. Krebszellen oder von Viren infizierte Zellen werden so im Idealfall schnell erkannt und eliminiert. Viren und Tumore können das Immunsystem aber auch austricksen. Außerdem kann eine missverständliche Nachricht zu Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen führen.

Deshalb ist es besonders wichtig zu verstehen, wie die hochkomplexe molekulare Maschine im Zellinneren die relevanten Proteinbruchstücke selektiert und das Beladen der MHC I-Moleküle koordiniert. In der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature geben nun die Forscher aus Frankfurt und Halle erstmals Einblicke in die Arbeitsweise und die molekulare Architektur des sogenannten MHC I-Peptidbeladungskomplexes.

„Um diesen äußerst fragilen Komplex für Strukturanalysen aufzubereiten, mussten wir alle Register der Biochemie ziehen“, erklärt Dr. Simon Trowitzsch vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität. „So entwickelten wir zunächst einen viralen, molekularen Köder, um den MHC I-Peptidbeladungskomplex aus dem endoplasmatischen Retikulum isolieren zu können.“

„Dank der bahnbrechenden Verbesserungen in der Kryo-Elektronenmikroskopie, die kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, konnten wir den MHC I-Peptidbeladungskomplex unmittelbar betrachten und dessen genaue molekulare Struktur bestimmen. Sie ist ungefähr hunderttausend Mal kleiner als ein Stecknadelkopf“, berichtet Dr. Arne Möller vom Max-Planck-Institut für Biophysik.

Aus der erhaltenen Struktur lässt sich ableiten, wie die Zelle es schafft, für das Immunsystem relevante Informationen zu generieren. Hierfür müssen Transportproteine in der Membran, Faltungsenzyme und MHC I-Moleküle präzise in einem Komplex zusammenarbeiten.

„Die Arbeit zeigt, wie der MHC I-Peptidbeladungskomplex nur solche Informationsfragmente herausfiltert, die auch von Effektor-Zellen des Immunsystems gelesen werden können. Diese Arbeit löst ein jahrzehntealtes Puzzle und erlaubt uns nun, den Prozess der Antigen-Selektion präziser zu beschreiben und Immuntherapien weiter zu verbessern,“ schlussfolgert Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie.

Publikation: Andreas Blees, Dovilė Janulienė, Tommy Hofmann, Nicole Koller, Carla Schmidt, Simon Trowitzsch, Arne Moeller & Robert Tampé: Structure of the human MHC-I peptide-loading complex, NATURE (Nov 6, 2017, First Release) doi:10.1038/nature24627

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69093715

Bildtext: Struktur des MHC I-Peptidbeladungskomplexes in der Membran des endoplasmatischen Retikulums.

Bildrechte: Arne Möller (MPI für Biophysik), Simon Trowitzsch und Robert Tampé (Goethe-Universität)

Information: Prof. Dr. Robert Tampé und Dr. Simon Trowitzsch, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29273, tampe@em.uni-frankfurt.de, Trowitzsch@biochem.uni-frankfurt.de; Dr. Arne Möller, Max-Planck-Institut für Biophysik, Tel.: (o69) 63033057, arne.moeller@biophys.mpg.de.

 

Nov 3 2017
15:17

Jungautorinnen Lize Spit und Niña Weijers zu Gast an der Goethe-Universität

Ausgezeichnete Debütantinnen

FRANKFURT. Zwei äußerst erfolgreiche Jungautorinnen lesen demnächst an der Goethe-Universität: Lize Spit (geb. 1988) aus Flandern und Niña Weijers (geb. 1987) aus den Niederlanden.

Jung, begabt, erfolgreich: Lize Spit und Niña Weijers haben einiges gemeinsam. Auch das Sujet und die Sprache. Mit ihren Debütromanen, in deren Zentrum junge Frauen stehen, eroberten die 29-Jährige aus Flandern und die 30-Jährige aus den Niederlanden die Bestsellerlisten in beiden Ländern und räumten sämtliche Preise ab, die für Debütwerke zu bekommen sind. Auch für die wichtigsten sonstigen Literaturpreise waren sie nominiert, die Rechte an ihren Texten wurden vielfach ins Ausland verkauft.

Nun sind Lize Spit und Niña Weijers zu Gast an der Goethe-Universität. Die Lesungen in Niederländisch und Deutsch finden statt

am Donnerstag, 9. November (Lize Spit) im Renate-von-Metzler-Saal im Casinogebäude auf dem Campus Westend und am Donnerstag, 30. November (Niña Weijers) im IG-Farben-Bau auf dem Campus Westend Raum 1.411 (1. Stock), Beginn jeweils 19 Uhr.

Lize Spits Roman „Het smelt” von 2016 („Und es schmilzt“, 2017, Fischer Verlag) verkaufte sich in niederländischer Sprache mehr als 160.000 Mal, Niña Weijers Buch „De consequenties“ von 2014 (dt. „Die Konsequenzen“, 2016, Suhrkamp) erlebte bereits 16 Auflagen. Inhaltlich zeigen die beiden Romane allerdings kaum Ähnlichkeiten.

Spits 500 Seiten starker Roman „Und es schmilzt“ erzählt die düstere Geschichte der jungen Eva, die in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist und dort Ungeheuerliches und Unsagbares erlebt hat. Während einer erzähltechnisch raffiniert eingebauten Rückfahrt zu dem Dorf und zu ihrer Vergangenheit baut die Autorin die Spannung bis zu einem fast unerträglichen, aber unvermeidlichen Höhepunkt auf. Der Lebensweg der jungen bildenden Künstlerin Minnie Panis steht im Mittelpunkt von Niña Weijers Roman „Die Konsequenzen“. Die Protagonistin geht in ihren, an die Arbeiten der Performance-Künstlerin Marina Abramović angelehnten Projekten, sehr weit, fast zu weit.

Information: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich 10, Telefon 069 79832851, E-Mail artois@lingua.uni-frankfurt.de; Internet http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch

 

Nov 3 2017
15:15

10 Jahre nach Eröffnung: Renovierte NS-Gedenkstätte wird am 5. November in Anwesenheit von Oberbürgermeister Peter Feldmann wiedereröffnet

Wollheim-Memorial renoviert und technisch aktualisiert

FRANKFURT. Vor fast 10 Jahren, im November 2008, wurde auf dem Campus Westend der Goethe-Universität eine NS-Gedenkstätte eingeweiht: das Norbert Wollheim-Memorial. Gewidmet ist sie Norbert Wollheim und mit ihm stellvertretend allen ehemaligen Zwangsarbeitern der I.G. Farben AG, deren Verwaltungsgebäude mitsamt Gelände seit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Frankfurt von der Goethe-Universität als Campus Westend genutzt wird.

Nach der Einweihung des Memorials vor rund zehn Jahren waren verschiedene baulich-technische Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Nicht nur Materialmüdigkeit, Verschmutzungen und – wenige – Fälle von Vandalismus, sondern auch der informationstechnologische Fortschritt sowie neuere Sicherheitserfordernisse hatten das Präsidium der Universität Anfang dieses Jahres veranlasst, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Norbert Wollheim gibt durch sein persönliches Schicksal als Zwangsarbeiter der I.G. Farben und sein entschiedenes und erfolgreiches Drängen auf Wiedergutmachung dem Holocaust ein Gesicht. Das Wollheim-Memorial erinnert uns daran, dass wir nie aufhören dürfen, Unmenschlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Verfolgung entschieden entgegenzutreten.“

Oberbürgermeister Peter Feldmann ging in seinem Grußwort auf die jüdische Tradition Frankfurts ein: „Unsere Goethe-Universität, deren 100-jähriges Jubiläum wir gefeiert haben, zeigt wie keine andere Einrichtung unserer Stadt bereits in ihrer Gründungsgeschichte die gewaltige Bedeutung jüdischer Mäzene und jüdischer Wissenschaftlicher für unser Frankfurt. Paul Ehrlich und Franziska Speyer, Wilhelm Merton und Ludwig Edinger, Felix Weil und Max Horkheimer sind nur einige wenige der Persönlichkeiten, die innerhalb kurzer Zeit Frankfurts Uni zu einer der führenden Universitäten in Deutschland machten.“ Umso wichtiger sei ein klares Bewusstsein über die Nazi-Zeit: „I.G. Farben war ein großer und fester Bestandteil der Ausbeutung und der Vernichtung jüdischen Lebens. Eines dieser Opfer war Norbert Wollheim. Er war Überlebender des Konzentrationslagers Buna/Monowitz und musste für die I.G. Farben Zwangsarbeit auf der Baustelle in Auschwitz leisten.“ Weiter sagte Feldmann: „Der Einsatz für das Erinnern gilt natürlich den Überlebenden und den Opfern der Nazi-Barbarei sowie Ihren Nachkommen. Aber dieses Erinnern gilt zugleich uns allen, um uns immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus bringen nur Leid, Zerstörung und Tod.“

Für die Instandsetzung konnte die Universität auf Mittel aus dem Johanna Quandt-Jubiläumsfonds zurückgreifen sowie auf großzügige Spenden der Sanofi Deutschland GmbH, der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie und des Fördervereins Fritz Bauer Institut e. V. „Die Universität dankt allen Spendern für ihre wichtige Unterstützung, ohne die die notwendigen baulich-technischen Maßnahmen nicht hätten umgesetzt werden können“, betont Vizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz.

Koordiniert vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, waren an der Instandsetzung mehrere Einrichtungen der Universität beteiligt – beispielsweise das Fritz Bauer Institut, das Immobilienmanagement sowie das Hochschulrechenzentrum. Im Zuge der Instandsetzung entwickelte das Forschungszentrum auch einen Gedenkplan für den Campus Westend. Ab dem 5. November 2017 können sich alle Geschichtsinteressierten über die gedenkrelevanten Orte des Campus Westend informieren – auch online unter: www.uni-frankfurt.de/gedenkplan. „Der Gedenkplan wird insbesondere dem Wollheim-Memorial eine große Sichtbarkeit verleihen und das Gedenkstätten-Konzept besser veranschaulichen“, freut sich Steffen Bruendel, Historiker und Direktor des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften.

Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer-Instituts und Professorin zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität, sagte: „Der Prozess, den Norbert Wollheim Anfang der fünfziger Jahre gegen die I.G. Farben angestrengt hat, war eine Sensation. Zum einen, weil das Landgericht Frankfurt, später auch das Oberlandesgericht die Entschädigungspflicht des IG-Konzerns gegenüber ehemaligen Zwangsarbeitern grundsätzlich festgestellt haben, zum anderen, weil die Mitverantwortung des Unternehmens für die Ausbeutung der Häftlinge und für die Verbrechen von Auschwitz konstatiert wurde. Wollheim, der als Häftling Nummer 107984 Zwangsarbeit für die I.G. Farben hatte leisten müssen und dessen gesamte Familie in Auschwitz  ermordet wurde, kommt das Verdienst zu, den Blick der Öffentlichkeit auf die verheerende Rolle der Industrie im NS-Staat gelenkt zu haben. An ihn und seine Leistungen zu erinnern, ist wichtig.“

Am 5. November 2017, um 11:00 Uhr, begeht die Goethe-Universität feierlich das zehnjährige Bestehen der Wollheim-Gedenkstätte im Rahmen einer Matineeveranstaltung in der Eisenhower-Rotunde des I.G. Farben-Gebäudes.

 

Nov 3 2017
15:07

Eduardo Viveiros de Castro bei Kantorowicz Lecture

Wider die Ausnahmestellung unserer Spezies

FRANKFURT. Der Mensch – ein Wesen mit herausragender Stellung? Mit dieser Annahme abrechnen will der brasilianische Ethnologe Eduardo Viveiros de Castro in seiner Vorlesung am 15. November in der Goethe-Universität. Die Vorlesung findet im Rahmen der Kantorowicz Lecture statt.

„Against the Ontological Exceptional Position of ‚Our Species‘” (Wider die ontologische Ausnahmestellung ‚unserer Spezies‘) – so lautet der Titel von Eduardo Viveiros de Castros Vortrag, der am

Mittwoch, 15. November, um 18:15 Uhr im Casino, Raum 1.801 (Campus Westend)

stattfindet.

In seiner Kantorowicz-Lecture setzt sich Prof. Eduardo Viveiros de Castro mit einem zentralen Element der politischen Sprache der westlichen Linken auseinander: Der Vorstellung, dass dem Menschen im Verhältnis zur Tier- und Dingwelt eine herausgehobene Stellung zukommt. Diese Vorstellung ist so selbstverständlich, dass sie in der Regel unhinterfragt als Ausgangspunkt politischen Denkens und Handelns akzeptiert wird. Anschließend an seine Arbeiten zu den Wissenssystemen der Indigenen im Amazonas-Gebiet, in deren Sprache Menschen, Tiere und Dinge in ein anderes, gleichwertigeres Verhältnis gesetzt werden, wirft Viveiros de Castro die Frage auf, auf welche Begriffe ein politisches Denken kommen kann, das sich dieser westlich-europäischen Selbstverständlichkeit entledigt.

Eduardo Viveiros de Castro ist Professor für Anthropologie und Direktor des brasilianischen Nationalmuseums der Bundesuniversität in Rio de Janeiro.

Einmal pro Jahr findet die Kantorowicz Lecture in Political Language statt. Gewidmet ist sie Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Er musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011), der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015) oder die amerikanische Soziologin Joan W. Scott. Veranstalter sind das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die diesjährige Kantorowicz-Lecture 2017 steht im Zusammenhang mit dem Campus-Projekt „Tropical Underground. Revolutionen von Anthropologie und Kino“ (www.tropical-underground.de), in dessen Rahmen am 17. November um 19 Uhr im Weltkulturen Museum am Schaumainkai 37 auch die Ausstellung „Variationen des wilden Körpers“ mit fotografischen Arbeiten von Eduardo Viveiros de Castro eröffnet wird.

Ebenfalls zum „Tropical Underground“-Projekt gehört die aktuelle Lecture & Film-Reihe, auch dieses Mal veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem Kino des Deutschen Filmmuseums. Die Reihe, bei der nach einem einleitenden Vortrag jeweils ein Film auf dem Programm steht, umfasst bis zum Sommersemester insgesamt 16 Termine. Der Fokus liegt auf Filmen der späten 1960er und 1970er Jahre, die für die brasilianische Gegenkultur dieser Zeit prägend waren.

Information: Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/; Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Ko-Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Kurator „Tropical Underground“, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Nov 1 2017
11:34

Öffentliche Vortragsreihe der Goethe-Uni im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration

FRANKFURT. Weltweit sind Menschen auf der Flucht. Folglich treffen immer mehr Sprachen, kulturelle und historische Hintergründe, Religionen und individuelle Lebensgeschichten aufeinander und bereichern sich, gleichzeitig entstehen für die Gesellschaft neuartige Herausforderungen – so auch in Deutschland. Die Vortragsreihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“ nimmt die gesellschaftspolitischen, psychologischen sowie bildungswissenschaftlichen Problematiken von Fluchtmigration und die damit verbundenen Anforderungen in den Blick. Veranstaltet wird die Reihe von den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Psychologie sowie der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.

Den Auftakt der Reihe bildet der Vortrag „(Kinder-)Armut und Fluchtmigration. Herausforderungen für Schule und Gesellschaft“ des Armutsforschers Prof. Christoph Butterwegge

am 08. November (Mittwoch) um 18 Uhr
im Anbau Casino Saal West, Campus Westend.

Die Moderation übernehmen Prof. Holger Horz und Prof. Tim Engartner von der Goethe-Universität.

Auf Grund der Fluchtmigration der letzten Jahre dürfte sowohl die absolute als auch die relative Armut zunehmen. Es besteht die Gefahr einer dauerhaften ethnischen Unterschichtung der Gesellschaft, vor allem dann, wenn Geflüchtete sozial ausgegrenzt, in Wohnsilos am Rande der Städte gedrängt und diskriminiert werden. Um die Hauptgefahr der Ghettoisierung von Flüchtlingen und der Kriminalisierung von Migranten zu bannen, ist eine inklusive Sozial-, Bildungs-, Gesundheits-, Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik notwendig.

Christoph Butterwegge ist Politikwissenschaftler und Armutsforscher. Er war von 1998 bis 2016 Professor für Politikwissenschaft am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und ist Mitglied der Forschungsstelle für interkulturelle Studien. Zuletzt ist sein Buch „Armut“ (PapyRossa Verlag, Köln 2017) erschienen.

Aus pädagogischer und psychologischer Sicht werden viele langfristige Anforderungen auf uns zukommen: Welche sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen werden benötigt, damit Migranten nicht dauerhaft in Armut leben müssen? Wie gestalten sich die Bildungsbedingungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland langfristig? Mit welchen therapeutischen Handlungsweisen kann den besonderen psychischen Problemen und Belastungen geflüchteter Menschen angemessen begegnet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen, versuchen international renommierte Wissenschaftler an insgesamt sechs Abenden zu geben.

Termine und Themen im Überblick:

15. November 2017

Why the economic, social and cultural benefits of immigration are much greater than commonly thought
Philippe Legrain, Senior Visiting Fellow am London School of Economics’ European Institute
Moderation: Prof. Rolf van Dick, Goethe-Universität

24. Januar 2018

Im Jahrhundert der Migration. Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften
Thomas Elbert, Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

31. Januar 2018

Trauma in a cross-cultural perspective
Devon Hinton, Professor der Psychiatrie am Massachusetts General Hospital und am Department of Global Health and Social Medicine der Harvard Medical School
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

07. Februar 2018

Migration im Verlauf der Schulbiografie. Die Situation migrierter Kinder, Jugendlicher sowie junger Erwachsender im deutschen Bildungssystem und Möglichkeiten der Professionalisierung im Lehramt
Mona Massumi, Lehrerin und Mitarbeiterin im Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln
Moderation: Prof. Isabell Diehm, Goethe-Universität

14. Februar 2018

Let’s Talk about Difference. Enpowering First-generation College Students to Succeed
Nicole M. Stephens, Professorin für Management und Organisation an der Kellogg School of Management
Moderation: Prof. Tanja Brühl, Prof. Rolf van Dick, beide Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Für die Vorträge in englischer Sprache werden Zusammenfassungen in deutscher Sprache bereit gelegt.

Alle Veranstaltungen finden im Anbau Casino Saal West, Campus Westend, statt.

Programm im Internet: www.abl.uni-frankfurt.de/vortragsreihe

Informationen: Ute Kandetzki, Geschäftsführerin Goethe-Lehrerakademie, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22650, E-Mail: vortragsreihe@abl-uni-frankfurt.de