​​​​​Pressemitteilungen ​ – Juli 2019

 

Jul 24 2019
12:42

Frankfurter Forscher haben Mechanismus des Regulators SidJ im Detail aufgeklärt/ Publikation in Nature

Überraschende Erkenntnisse zur Legionellen-Infektion

FRANKFURT. Das Bakterium Legionella pneumophilia, Verursacher der berüchtigten Legionärskrankheit, setzt Hunderte Enzyme frei, um zelluläre Prozesse zu kontrollieren und das Immunsystem zu unterlaufen. Biochemiker der Goethe-Universität haben jetzt wichtige Details im Zusammenspiel der bakteriellen Effektoren aufgeklärt. Sie fanden heraus, wie das regulatorische Enzym SidJ andere gefährliche Virulenzfaktoren in Schach hält.

Die Legionärskrankheit trat in den vergangen zwei Jahrzehnten gehäuft auf. Der natürliche Lebensraum von Legionellen sind Frischwasserbiotope, wo sie sich hauptsächlich in Amöben vermehren. Darüber hinaus können Legionellen aber auch Wasserbehälter oder Leitungen besiedeln und sich zum Beispiel über schlecht gewartete Klimaanlagen mit Rückkühlwerken verbreiten. Die Infektion geschieht dann über kontaminierte Aerosole, die in die Luft gelangen. Die Erreger verursachen unter anderem Lungenentzündungen, die bei älteren und immungeschwächten Patienten oft tödlich verlaufen.

Was Legionellen so gefährlich macht, ist ihre Fähigkeit, sich in den Fresszellen des Immunsystems zu vermehren, indem sie Virulenzfaktoren absondern. Manche dieser Effektoren – die Enzyme der sogenannten SidE-Familie – sind so giftig, dass sie ohne Kontrolle ihre Wirtszellen sofort umbringen würden. Legionellen brauchen die Wirtszellen jedoch, um sich zu vermehren, und so haben sie einen ausgeklügelten Mechanismus entwickelt, um die Aktivität der SidE-Enzyme genau zu dosieren. Wie das funktioniert, berichten Wissenschaftler der Goethe-Universität und aus Grenoble nun in der Fachzeitschrift Nature.

Sie zeigten, dass der ebenfalls von Legionellen ausgeschüttete Reglator SidJ als Gegenspieler von SidE-Enzymen funktioniert und so eine exakte Kontrolle der SidE-Aktivität gewährleistet. Der SidJ-Regulator ist eine Glutamylase, d.h. er verfügt über eine seltene Enzymaktivität, mit der Aminosäure-Glutamate zu Ketten verknüpft werden können. In diesem Fall greift SidJ das zentrale Glutamat von SidE-Enzymen an und hemmt so deren Aktivität. Bislang ist nur wenig über Glutamylasen bekannt – umso überraschter waren die Wissenschaftler, als sie entdeckten, dass ausgerechnet dieser Enzymtyp wichtig für das koordinierte Zusammenspiel der Virulenzfaktoren von Legionellen ist.

„Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie völlig unvorhersehbare Ergebnisse die Forschung vorantreiben. Solche Entdeckungen sind es, die die Wissenschaft zu einem so faszinierenden und spannenden Beruf machen“, so Prof. Ivan Dikic vom Institut für Biochemie II und dem Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften der Goethe-Universität. „Ein molekulares Verständnis der komplexen Welt bakterieller Infektionen können wir nur in interdisziplinären Teams erlangen, indem wir Methoden der modernen Biochemie, Proteomik sowie Techniken der Zell- und Strukturbiologie kombinieren.“

Die Forscher fanden auch heraus, wie SidJ in Wirtszellen aktiviert wird: Das Enzym benötigt das Calcium-bindende Protein Calmodulin, welches in den Zellen von Säugetieren vorhanden ist. Bei der Aufklärung der Struktur des Calmodulin-SidJ Komplexes spielte die Kryo-Elektronenmikroskopie eine wesentliche Rolle. “Die Anheftung von Glutamatresten zur Regulation von Proteinen ist bislang viel zu wenig erforscht. Unsere Erkenntnis, dass Legionella pneumophilia genau diesen Mechanismus nutzt, um die Infektion aufrecht zu erhalten, zeigt, dass wir hier dringenden Nachholbedarf haben. Völlig offen ist beispielsweise, inwieweit Legionellen hierdurch auch andere zelluläre Prozesse regulieren“, erklärt Dr. Sagar Bhogaraju, der die mikroskopischen Untersuchungen am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Grenoble leitete.

Der bisher unbekannte Mechanismus eröffnet für die Forschung nun neue Möglichkeiten, die Ausbreitung von Legionellen im Wirtsorganismus zu hemmen. „Gegenwärtig arbeiten wir daran, SidJ gezielt auszuschalten, indem wir Inhibitoren für die Glutamylase-Domäne entwickeln. Sie könnten zusätzlich zur Gabe von Antibiotika die Vermehrung von Legionella pneumophilia in Fresszellen verhindern“, erklärt Dikic.

Publikation: Sagar Bhogaraju, Florian Bonn, Rukmini Mukherjee, Michael Adams, Moritz M. Pfleiderer, Wojciech P. Galej , Vigor Matkovic, Sissy Kalayil, Donghyuk Shin1, Ivan Dikic: Inhibition of SidE ubiquitin ligases through SidJ/Calmodulin catalyzed glutamylation, in Nature 22. Juli 2019 DOI: 10.1038/s41586-019-1440-8 https://www.nature.com/articles/s41586-019-1440-8

Informationen: Prof. Dr. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad und Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 6301 5964, Email: dikic@biochem2.uni-frankfurt.de.

 

Jul 23 2019
12:11

STIFTUNG GIERSCH fördert Labore „Physik“ sowie „Radioaktivität und Strahlung“ mit 293.000 Euro über vier Jahre

Großzügige Spende für Schülerlabore

FRANKFURT. Die STIFTUNG GIERSCH fördert das Schülerlabor „Radioaktivität und Strahlung“ auf dem Campus Riedberg in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 63.000 Euro. Bereits vor einem Jahr hatte die Stiftung für das Schülerlabor „Physik“ 50.000 Euro bewilligt; aufgrund der großen Nachfrage wurde der Betrag für die kommenden drei Jahre jetzt auf jährlich 60.000 Euro aufgestockt. Somit spendet die Stiftung des Frankfurter Mäzens Carlo Giersch insgesamt 293.000 Euro für die beiden Labore und sichert deren Existenz für drei weitere Jahre.

Das Schülerlabor Physik hat das Ziel, Schülerinnen und Schülerinnen wissenschaftliches Arbeiten durch lebensweltlich orientierte Versuche näher zu bringen. Das bisher eigenständige Schülerlabor „Radioaktivität und Strahlung“ wird diesem Labor nun angegliedert. Eröffnet wurde es im Februar 2017, um die Arbeit der Schülerlabore an der GSI Darmstadt fortzusetzen. Die waren im Sommer 2015 geschlossen worden. „Kinder und Jugendliche haben einen natürlichen Forscherdrang. Dieser muss während der Schulzeit erhalten und gefördert werden, damit Naturwissenschaften erlebbar sind, Spaß macht und für junge Leute auch beruflich zu einer Option werden.“, so Stifter Carlo Giersch. „Die hohe Nachfrage nach dem ersten Förderjahr hat uns bestätigt und bestärkt, unsere Förderung des Schülerlabors zu intensivieren“.

Die Angebote des Schülerlabors Physik knüpfen an den Lehrplan an. Mithilfe von Messgeräten und Simulations-Tools, die es in der Schule nicht gibt, wird das Wissen über den Schulstoff hinaus vertieft. Besonders beliebt waren im vergangenen Schuljahr die Themen „Magnetismus“ und „Videoanalyse von Bewegungen“ – ein Angebot, bei dem die Bewegung von Spielzeug gefilmt und am PC ausgewertet wird. Im vergangenen Jahr besuchten allein das Schülerlabor Physik 2.218 Schülerinnen und Schülerinnen aus 100 Klassen der Jahrgangsstufen 3 bis 13 zu dreizehn verschiedenen Themen. Das Schülerlabor „Radioaktivität und Strahlung“ richtet sein Angebot an Realschüler und Gymnasiasten der Jahrgangstufe 9/10 sowie 12/13.

„Bei vielen Schulabgängern und in der Öffentlichkeit gibt es zum Teil grobe Miss-Konzepte zu den Themen Radioaktivität und Strahlung. Deshalb werden die damit verbundenen Risiken auch oft falsch eingeschätzt“, so der Leiter des Schülerlabors Physik, Prof. Thomas Wilhelm. Für die fachlich qualifizierte Betreuung des Themas Radioaktivität konnte er den inzwischen pensionierten Gymnasiallehrer Dr. Axel Gruppe, der die Versuche anfänglich ehrenamtlich betreute, nun weiterhin beschäftigen. Unterstützt wird dieser vom Gymnasiallehrer Simon Cerny, den das Kultusministerium dafür teilabordnet.

„Der Betrieb von Schülerlaboren ist bundesweit stets eine pro bono-Leistung der anbietenden Wissenschaftseinrichtungen und ein Service für die umliegenden Schulen“, erläutert der Leiter des Schülerlabors Physik, Prof. Thomas Wilhelm. „Zwar bieten die Labore zugleich Lehramtsstudierenden die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Schülern zu sammeln, aber die große Nachfrage können wir nur mithilfe externer Förderung bewältigen.“

Information: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798 47845, E-Mail: wilhelm@physik.uni-frankfurt.de

 

Jul 18 2019
12:04

Forscher der Goethe-Universität und des Max Planck-Instituts für Biophysik haben Mechanismus eines ABC-Transporters im Detail aufgeklärt / Titelstory in Nature

Trickreiche Transportmoleküle

FRANKFURT. Fast alle Lebewesen – von der Bakterie bis zum Menschen – beherbergen in ihren Zellmembranen schleusenartige Proteinkomplexe, die unerwünschte oder lebensgefährliche Moleküle hinausbefördern. Nicht immer zum Vorteil des Menschen, denn in Bakterien oder Krebszellen sind die sogenannten ABC-Transporter auch verantwortlich für Resistenzen gegenüber Antibiotika oder Chemotherapie. Nun ist es Forschern der Goethe-Universität zusammen mit Kollegen des Frankfurter Max Planck-Instituts für Biophysik gelungen, den Transportmechanismus in allen Stadien zu entschlüsseln.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Gruppe von Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität intensiv daran gearbeitet, Proben empfindlicher Membranprotein-Komplexe so präparieren, dass man sie mit Kryo-Elektronenmikroskopie untersuchen kann. Die Kryo-Elektronenmikroskopie liefert hochaufgelöste Bilder, weil sie Moleküle einfriert, so dass Unschärfen durch Bewegungen minimiert werden.

Will man komplexe Molekülen wie ABC-Transporter nicht nur scharf abbilden, sondern ihnen auch bei der Arbeit zuschauen, braucht man Momentaufnahmen verschiedener Stadien. Die Biochemiker um Tampé konnten diese Stadien gezielt herbeiführen, indem sie den Transporter mit unterschiedlichen Konzentrationen von ATP und ADP versorgten. Der Transporter benötigt diese Energie, um Moleküle gegen das Konzentrationsgefälle zwischen dem Zellinneren und seiner Umgebung zu befördern.

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature zeigen Tampé und die Forschergruppe von Dr. Arne Möller in der Abteilung Strukturbiologie von Prof. Werner Kühlbrandt am Max Planck-Institut für Biophysik acht hochaufgelöste Konformationen eines ABC-Export-Komplexes, der aus zwei verschiedenen Protein-Untereinheiten besteht. Erstmals konnten die Forscher auch Zwischenstadien des Transportprozesses sichtbar machen. Die Herausgeber von Nature haben diese bedeutsame Entdeckung als Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe ausgewählt. Die Aufnahme wurde mit den Kryo-Elektronenmikroskopen der Gruppe von Dr. Möller am MPI für Biophysik durchgeführt.

„Die Arbeit könnte zu einem Paradigmenwechsel in der Strukturbiologie führen, da alle Bewegungszustände einer zellulären Maschine in fast atomarer Auflösung aufgeklärt werden konnten“, erklärt Prof. Robert Tampé. „Aufgrund dieser unerwarteten Entdeckung können wir bisher kontrovers diskutierte Fragen zum Transportmechanismus der ABC-Transporter beantworten, die von besonderer medizinischer Bedeutung sind.“ Darüber hinaus konnten die Forscher erstmals beobachten, wie sich die Schleusen nach außen oder innen öffnen. Die Auflösung von 2,8 Angström (Zehnmillionstel eines Millimeters) ist die höchste Auflösung, mit der je eine ABC-Transporter-Struktur mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie abgebildet wurde.

Publikation:
Susanne Hofmann, Dovile Januliene, Ahmad R. Mehdipour, Christoph Thomas, Erich Stefan, Stefan Brüchert, Benedikt T. Kuhn, Eric R. Geertsma, Gerhard Hummer, Robert Tampé, Arne Moeller: Conformation space of a heterodimeric ABC exporter under turnover conditions, in Nature, 17. Juli 2019. DOI: 10.1038/s41586-019-1391-0

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/80584173
Bildtext: Überlagerte Momentaufnahmen von der Schleusenfunktion eines ABC-Transporters, aufgenommen mit Kryo-Elektronenmikroskopie. Copyright: Christoph Thomas & Robert Tampé (Institut für Biochemie, Goethe Universität Frankfurt)

Informationen: Prof. Dr. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29475 , Email: tampe@em.uni-frankfurt.de, www.biochem.uni-frankfurt.de.

 

Jul 17 2019
10:32

Neue Einblicke in das Ribosom-Recycling mit dem Enzym ABCE1

Wandel für die Wiederverwertung

FRANKFURT. Ribosomen sind molekulare Maschinen, die in der Zelle Proteine erzeugen. Nach getaner Arbeit müssen Ribosome wieder funktionstüchtig gemacht werden. Dieser Prozess ist entscheidend für die Qualitätskontrolle der erzeugten Proteine und somit für die gesamte Zell-Homöostase und entwicklungsbiologische Prozesse. Biochemiker der Goethe Universität und Biophysiker der LMU München haben nun einem der entscheidenden Enzyme für die Ribosmon-Wiederverwertung, ABCE1, bei der Arbeit zugeschaut und gezeigt, dass es strukturell unerwartet wandelbar ist.

An Ribosomen wird die genetische Information von der Boten-RNA abgelesen und in Proteine übersetzt. Wenn sie ein Protein erzeugt haben, aber auch, wenn fehlerhafte Proteine im Ribosom steckenbleiben, müssen die Ribosomen „recycelt“ werden, so dass sie für eine neue Syntheserunde funktionsfähig sind. In allen Organismen (außer in Bakterien) koordiniert das Enzym ABCE1 diesen Vorgang, bei dem die Ribosomen in ihre beiden Untereinheiten zerlegt werden. Der Biochemiker Robert Tampé und der LMU-Biophysiker Thorben Cordes haben in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universität Groningen (Niederlande) gezeigt, dass ABCE1 drei räumliche Konformationen einnimmt, um das Recycling voranzutreiben. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Cell Reports.

Das Enzym ABCE1 kann ATP, die Energiewährung der Zelle, spalten und die dabei gewonnene Energie zur Trennung der beiden Ribosomen-Untereinheiten nutzen. „Jüngste strukturelle und funktionelle Daten haben gezeigt, dass dabei ein Konformationswechsel des Enzyms, also eine Änderung seiner räumlichen Struktur, für die vielfältigen Funktionen von ABCE1 unerlässlich ist“, sagt Cordes. Sein Team hat nun mit einem integrierten Versuchsansatz – unter anderem mithilfe der sogenannten Einzelmolekül-FRET-Methode – die Formvariabilität von ABCE1 auf der Ebene einzelner Molekülebene direkt beobachtet.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die beiden ATP-Bindestellen von ABCE1 drei Konformationen einnehmen können, die sich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden: offen, intermediär und geschlossen. Die Interaktion von ABCE1 mit dem Ribosom und das zur Verfügung stehende ATP beeinflussen die strukturelle Dynamik beider ATP-Stellen. So entsteht ein komplexes Netzwerk unterschiedlicher Zustände, wobei Ribosom und ATP das Gleichgewicht in Richtung der geschlossenen Formen verschieben.

„Wir gehen davon aus, dass die Konformationen funktionell unterschiedliche Rollen bei der Ribosomenspaltung, aber auch für die anderen vielfältigen Funktionen von ABCE1 haben“, sagt Cordes. „Das Ribosom-Recycling wird von einer außergewöhnlich komplexen und konservierten Maschinerie mit bisher ungeahnter medizinischer Bedeutung dirigiert“ ergänzt Robert Tampé.

Publikation: Giorgos Gouridis, Bianca Hetzert, Kristin Kiosze-Becker, Marijn de Boer, Holger Heinemann, Elina Nürenberg-Goloub, Thorben Cordes, Robert Tampé: ACBE1 controls ribosome recycling by an asymmetric dynamic conformational equilibrium, in: Cell Reports 2019 DOI: 10.1016/j.celrep.2019.06.052 https://doi.org/10.1016/j.celrep.2019.06.052

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/80584137

Bildtext: Drei Zustände der Nukleotidbindedomänen sind im Histogramm zu erkennen: offen, intermediär und geschlossen. Bild: T. Cordes, LMU München

Informationen: Prof. Dr. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29475 , Email: tampe@em.uni-frankfurt.de, www.biochem.uni-frankfurt.de

 

Jul 16 2019
12:25

​ Führungen zu den Skulpturen auf dem Uni-Campus Westend auf Nachfrage möglich

Auf Entdeckungstour durch die Blickachsen-Schau

FRANKFURT. Bunte Plastikeimer türmen sich zum Himmel auf, abstrakte Gebilde aus glänzendem Stahl spiegeln die Umgebung wieder: Auf dem Campus Westend der Goethe-Universität sind derzeit Skulpturen der Blickachsen 12 zu Gast. Kunstinteressierte können die Schau noch bis 6. Oktober auf eigene Faust erkunden – oder eine Führung buchen.

Zum 12. Mal findet derzeit in Bad Homburg und im Rhein-Main-Gebiet die Blickachsenausstellung statt. Alle zwei Jahre wird die Region zum Freilichtmuseum für dreidimensionale Kunst aus dem In- und Ausland. In diesem Jahr sind noch bis 6. Oktober rund 60 Arbeiten von 31 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Der Campus Westend der Goethe-Universität ist wieder einer von sechs Standorten. 1997 von Kurator Christian K. Scheffel gegründet, obliegt die Skulpturenbiennale inzwischen der Stiftung Blickachsen. Laut Veranstalter ist die Blickachsen-Ausstellung inzwischen die wichtigste Schau dieser Art im deutschsprachigen Raum. Von Beginn an ist Bad Homburg mit seinem idyllischen Kurpark Kern und Ausgangspunkt der Ausstellung. Die Bäderstadt stand auch beim Namen Pate: Die Blickachsen des von Peter Joseph Lenné entworfenen Kurparks setzen sich imaginär bis in den Schlosspark und weit über die Stadtgrenzen hinaus fort und verknüpfen Bad Hamburg mit den anderen Standorten Frankfurt und Bad Vilbel, Eschborn, Kloster Eberbach und Kronberg. Im Zusammenspiel mit Architektur und Landschaft sollen die Kunstwerke im historisch gewachsenen Ambiente neue Akzente setzen.

Das künstlerische Programm wechselt von Ausgabe zu Ausgabe und gibt jedes Mal einen frischen Einblick in die Strömungen und Entwicklungen innerhalb der zeitgenössischen Skulptur. Impulse geben dabei die wechselnden Partnerinstitutionen. In diesem Jahr ist das der schwedische Skulpturenpark Wanås Konst. Gemeinsam mit Kurator Christian K. Scheffel präsentieren sie 2019 eine vielfältige Ausstellung, die unterschiedliche künstlerische Positionen vereint und auch zahlreiche ortsspezifische Arbeiten zeigt. Auf dem Campus Westend sind Werke von drei Künstlern versammelt: Der Niederländer Ruud Kuijer, Jahrgang 1959, ist mit mehreren seiner abstrakten Kunstwerke aus Beton vertreten, die klar erkennbare, zum Teil geometrische Formen zeigen. Von Arik Levy aus Israel, Jahrgang 1963, stammt die spiegelnde Metallplastik vor dem PA-Gebäude. Und die farbenfrohe Installation aus Plastikeimern des britisch-jamaikanischen Künstlers Satch Hoyt ist auf der Wiese hinter dem IG-Farben-Gebäude zu sehen. Die Blickachsenausstellung hat das Gesicht der Goethe-Uni auch schon nachhaltig geprägt: So war Stifterin Johanna Quandt in Bad Homburg auf den spanischen Künstler Jaume Plensa aufmerksam geworden, der später die Skulptur „Body of Knowledge“ schaffen sollte.

Auch in diesem Jahr können Besucher anhand der QR-Codes an den Skulpturentafeln Informationen über die Kunstwerke abrufen. Und es gibt auch wieder einen Minikatalog im Taschenformat, der gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro unter anderem im Campus-Shop im Hörsaalgebäude auf dem Campus Westend erhältlich ist. Auch Gruppenführungen sind möglich (s. Informationen).

Bilder zum Download finden Sie unter: www.blickachsen.de/root/index.php?page_id=341
Bildnachweis: courtesy Stiftung Blickachsen gGmbH, Bad Homburg, und Künstler
Informationen: www.blickachsen.de; Gruppenführungen sind für alle Standorte der Blickachsen 12 über führungen@blickacksen.de oder telefonisch unter +49 (0)6172 6811946 buchbar.
Pressekontakt: Sunita Scheffel, Telefon: +49 (0)178 4732591, presse@blickachsen.de

 

Jul 15 2019
15:00

​ Wissenschaftsdelegation begleitet Ministerpräsident Volker Bouffier vom 8. bis 12. Juli in die USA und nach Kanada – Wisconsin als besonderer Schwerpunkt der Reise

Hessische Hochschulen bauen ihre Nordamerikabeziehungen aus

FRANKFURT. Um die Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten in den USA und Kanada weiter auszubauen, haben die Präsidentinnen und Präsidenten der hessischen Universitäten, Prof. Dr. Katharina Krause, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Prof. Dr. Reiner Finkeldey, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee und Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel sowie der stellvertretende Sprecher der hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Matthias Willems, verschiedene Stationen in den USA und in Kanada besucht. Aus der Goethe-Universität waren auch die Professoren Hackethal und Krahnen eingeladen, die die Themenfelder Finanzforschung und Start-ups abdeckten. Die Wissenschaftsdelegation war Teil der Delegation des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der von einer insgesamt 55-köpfigen Gruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft begleitet wurde. Vor Ort wurde die Wissenschaftsdelegation von dem Leiter der Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in New York, Benedikt Brisch, betreut.

Der erste Teil der Reise führte die hessische Delegation nach New York (USA) und Toronto (Kanada). In New York diente eine sehr gut besuchte Veranstaltung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) zum Thema „A Transatlantic Dialogue on Data-Sriven Innovation“ der transatlantischen Vernetzung von Akteuren aus der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Prof. Hackethal brachte u.a. die Perspektive des Frankfurter TechQuartiers ein. In Toronto führte die Delegation Kooperationsgespräche an der York University und besuchte die University of Toronto. An der renommierten Munk School of Global Affairs der University of Toronto hielt Ministerpräsident Bouffier eine Grundsatzrede zur Zukunft Europas nach den Wahlen zum Europäischen Parlament. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit kanadischen und deutschen Expertinnen und Experten, darunter die Präsidentin der Goethe Universität Frankfurt, Prof. Dr. Birgitta Wolff und der Direktor der Munk School, Prof. Randall Hanson, wurden die Ergebnisse der Europawahl, die zunehmenden zentrifugalen Kräfte innerhalb der Europäischen Union sowie Fragen zur Zukunft der Beziehungen zwischen Kanada, den USA und Deutschland intensiv und kontrovers diskutiert.

Der zweite Teil der Reise führte die Delegation nach Wisconsin, mit dem das Land Hessen seit 1976 partnerschaftlich verbunden ist. Der Ministerpräsident betonte die große Bedeutung der Landespartnerschaft zwischen Hessen und Wisconsin, unter anderem in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Partnerkommunen hessischer Städte und Kreise sowie des Freundschaftsvereins Hessen-Wisconsin. „Mit Amerikanerinnen und Amerikanern im Gespräch bleiben, die jahrzehntelangen freundschaftlichen Beziehungen in den Vordergrund rücken und den Gefahren eines Auseinanderdriftens entgegenzuwirken, ist gerade in diesen politisch bewegten und schwierigen Zeiten wichtiger denn je. Einen besonderen Beitrag leisten hierzu die engen Beziehungen der hessischen Städte, Kommunen, aber auch Schulen und Hochschulen mit Partnern in Wisconsin“, so der Ministerpräsident.

Ein Höhepunkt des Besuchsprogramms in Wisconsin war ein intensiver Austausch mit dem Präsidenten des University of Wisconsin (UW) System, Ray Cross, und allen Präsidentinnen und Präsidenten der 13 Universitäten im UW System. Die Hessen-Wisconsin Hochschulpartnerschaft auf Landesebene hat international Modell- und Vorbildcharakter: so sind in den vergangenen 20 Jahren rund 1.500 Studierende für Auslandsaufenthalte in Hessen bzw. Wisconsin gefördert worden. Auf beiden Seiten besteht weiterhin der feste Wille, die schon jetzt intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit weiter auszubauen – und das sowohl auf Hochschul- als auch auf Landesebene. An der UW Madison – einer auch im internationalen Vergleich sehr forschungsstarken Universität – wurden daher Gespräche zum Ausbau der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Fachgebiete geführt.

Das Besuchsprogramm in Wisconsin wurde abgeschlossen durch die Einweihung einer Stele in Madison zum Gedenken an Mildred Harnack-Fish, US-amerikanische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, Studentin und Alumna der Justus-Liebig-Universität Gießen; sie wurde 1941 in Gießen promoviert. Nach einem von Adolf Hitler erwirkten Todesurteil wurde sie von den Nationalsozialisten 1943 ermordet. Für das Frühjahr 2020 ist die Errichtung einer zweiten Gedenkstele an der Justus-Liebig-Universität Gießen geplant.

Bilder der hessischen Wissenschaftsdelegation können auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden.

 

Jul 15 2019
13:00

​ Internationales Symposium an der Goethe-Universität widmet sich dem afroamerikanischen Schriftsteller und Zeitdiagnostiker Ralph Ellison.

„(Re)Reading Ralph Ellison“

FRANKFURT. Im Jahr 1954 veröffentlichte der Frankfurter Fischer Verlag den mittlerweile klassischen Roman Invisible Man (1952) des afroamerikanischen Autors Ralph Ellison in deutscher Übersetzung unter dem Titel Unsichtbar. Im Herbst desselben Jahres besuchte Ellison die Stadt Frankfurt zum ersten Mal während einer Lesereise durch Deutschland. Er kehrte zum zweiten und letzten Mal nach Frankfurt zurück, um als Leiter der amerikanischen Delegation am Kongress der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. teilzunehmen, welcher am 19. Juli 1959 begann. Auf den Tag genau 60 Jahre später „bringt“ das „(Re)Reading Ralph Ellison“ Symposium den Autor ein drittes Mal nach Frankfurt „zurück“.

Die besondere Symbolik der Goethe-Universität als Veranstaltungsort ergibt sich nicht nur aus der biographischen Verbindung zwischen Ellison und Frankfurt, sondern auch aus der konzeptionellen Rolle, die Ellisons Roman für die Kritische Theorie der Frankfurter Schule spielte. So entwickelte Axel Honneth sein Konzept der „Unsichtbarkeit“ durch eine Interpretation von Ellisons Roman.

„(Re)Reading Ralph Ellison“. Internationales Symposium an der Goethe-Universität Frankfurt.
19.-21. Juli 2019, Eisenhower Raum, IG-Farben-Haus (IG 1.314), Campus Westend.

Ellisons 25. Todestag sowie die Veröffentlichung einer überarbeiteten Übersetzung seines Romans, der nun den Titel Der unsichtbare Mann trägt, erfordern 2019 ein „(re)reading“ seines Werks in Deutschland. Die Teilnehmer*innen des Symposiums werden im Zuge ihrer neuen Betrachtung des Autors aber auch aktuelle aktivistische Bewegungen in den USA (z.B. #BlackLivesMatter) und neuentfachte Debatten über Themen wie Rassismus, Populismus und den gegenwärtigen Zustand der Demokratie in den Blick nehmen. Die Konferenz strebt auf der Basis dreier verschränkter Schwerpunkte eine Neubewertung von Ellisons Literatur an. Diese Schwerpunkte sind: 1) Ellison im Kontext der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage der USA; 2) die interdisziplinäre Bedeutung von Ellisons Werk und seine Bedeutung für Kritische Theorie; 3) die neueren und bevorstehenden Publikationen aus Ellisons Nachlass.

Unter den Sprechern befindet sich auch Ellisons Nachlassverwalter, Prof. John F. Callahan, der demnächst einen Band mit Selected Letters von Ellison herausgeben wird. Auf Anfrage steht John F. Callahan gerne für Interviews zur Verfügung. Die Konferenz ist öffentlich und die Teilnahme kostenlos. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Weitere Informationen: https://rereadingralphellison.de

 

Jul 12 2019
16:02

Im Projekt „Cryosocieties“ des Soziologen Thomas Lemke wird erforscht, wie mit Technologien des Einfrierens Lebensprozesse verändert und gestaltet werden. Bericht im neuen UniReport. 

Chancen und Risiken des „eingefrorenen Lebens“ 

FRANKFURT. „Kryos“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Kälte oder Eis. Kryotechnologien ermöglichen es, menschliches und nichtmenschliches organisches Material durch Verfahren des Kühlens und Gefrierens dauerhaft verfügbar zu machen. Wenn biologische Prozesse aufgehalten werden und an einem beliebigen Punkt in der Zukunft wieder reaktiviert werden, verändert sich zugleich das bisherige Verständnis von Leben. Prof. Thomas Lemke, Soziologe an der Goethe-Universität, nutzt für sein Projekt die Perspektive einer interdisziplinären Wissenschafts- und Technikforschung; qualitative Sozialforschung geht einher mit ethnografischen Beobachtungen und Interviews. „Wir fragen: Was hat Kryotechnologie mit Individualisierungsprozessen zu tun, mit der Antizipation von Zukünften und deren Risiken?“, erläutert Lemke im neuen UniReport.

In drei unterschiedlichen Forschungsfeldern soll untersucht werden, wie „suspendiertes Leben“ in aktuellen Praktiken der Kryokonservierung hervorgebracht wird. Die Teilprojekte befassen sich mit dem Einfrieren von Nabelschnurblut als Vorbereitung auf spätere regenerative Therapien, mit dem Aufbau von Kryobanken für den Erhalt bedrohter oder bereits ausgestorbener Tierarten sowie mit der Kryokonservierung von Eizellen für Reproduktionszwecke. „Cryosocieties“ wird seit April 2019 mit einem ERC Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert.

Die weiteren Themen im UniReport 4/Juli 2019:

• Zum 90. Geburtstag von Jürgen Habermas: Beiträge von Birgitta Wolff, Rainer Forst, Klaus Günther und Rolf Wiggershaus. 

• Philanthropie und Macht: Der Politische Philosoph Theodore M. Lechterman erforscht, wie Stifterkultur und Demokratie zusammenpassen. 

• Gesunde Führungskräfte – ein Gewinn für Mitarbeiter und Organisation? Die Sozialpsychologin Antonia Kaluza erforscht den Zusammenhang von Wohlbefinden und Führungsstil. 

• Als das Universum die Größe einer Melone hatte: Der Humboldt-Forschungspreis bringt den Theoretiker Ulrich Heinz nach Frankfurt zurück. 

• Goethe, Deine Forscher: Die Erziehungswissenschaftlerin Barbara Asbrand forscht zum fachlichen Lernen im Schulunterricht und zu Kommunikationsprozessen in der Schule. 

• Der Verschwörung auf der Spur: Der japanische Rechtwissenschaftler Koji Adachi forscht in Frankfurt über die Unterschiede in der Strafbarkeit zwischen japanischem und deutschem Recht. 

• Ein europäischer Bürger zwischen Frankfurt und Mailand: Manfred Großkinsky, Leiter des Museums Giersch, über die Ausstellung über den Kaufmann und Kunstmäzen Heinrich Mylius. 

• Profilierung in der Vielfalt: In zwei Workshops wurde über Fächergrenzen hinweg über das Forschungsprofil der Goethe-Universität diskutiert. 

• Grenzen überschreiten mit „Imara“: Der Wirtschaftsingenieur Baraa Abu El-Khair entwickelt Empfehlungen für Moscheegemeinden. 

• Standards erlernen, die eigene Praxis reflektieren: Das interaktive Tool zur „Guten wissenschaftlichen Praxis in der Promotion“ von GRADE ist bundesweit gefragt. • Versorgungsqualität und Innovationskraft auf dem Prüfstand: Die achte Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare findet im September statt. 

• Plakate als Geschichtenerzähler: Studierende der Ethnologie und der Curatorial Studies berichten vom Ausstellungsprojekt „Indianische Plakate“. 

• Kunstwerke aus Wachs: Die Moulagensammlung des Universitätsklinikums vermittelt einen lebensechten Eindruck von Hautkrankheiten.

Der UniReport 3/2019 steht zum kostenlosen Download bereit unter: http://www.unireport.info/44450838

 

Jul 11 2019
13:51

Studierende der Geschichtswissenschaften nahmen insbesondere die NS-Zeit unter die Lupe 

Wie involviert waren die Altertumswissenschaften?

FRANKFURT. Wann haben Studierende schon die Möglichkeit, bei einer eigenen Publikation mitzuwirken? Dr. Fabian Link und Dr. Roland Färber, beide Historiker, haben ihnen diese Möglichkeit gegeben. Im Sammelband „Die Altertumswissenschaften an der Universität Frankfurt 1914-1950“ haben die angehenden Geschichtswissenschaftler ihre eigenen wissenschaftlichen Texte publiziert. Der im Schwabe Verlag erschienene Band ist gestern an der Goethe-Universität vorgestellt worden.

Am Anfang stand „eine schlichte Übung“, erzählt Dr. Roland Färber: Zusammen mit dem Kollegen Dr. Fabian Link, Wissenschaftshistoriker, hat der Althistoriker am Historischen Seminar der Goethe-Universität eine Veranstaltung angeboten, deren Titel lautete: „Die Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität während des NS-Regimes“. Die Teilnehmer sollten unter Anleitung neues, bisher unbekanntes Quellenmaterial aufspüren und bearbeiten. Ergänzt wurde dies durch die Betrachtung des Lehrangebots jener Jahre.

Dabei ergaben sich nicht nur eine unerwartete Fülle an neuem Material, sondern auch viele neue Beobachtungen von Seiten der Teilnehmer. Deshalb beschlossen die beiden Seminarleiter: Auf Basis der Hausarbeiten sollte ein eigener Sammelband entstehen. Die Studierenden waren begeistert und nahmen auch in den folgenden Semestern gern an der regelmäßig organisierten Schreibwerkstatt teil. Und auch für bislang noch nicht vergebene Themen fanden sich Studierende, die bereit waren, Zeit und Mühen zu investieren, auch wenn das nicht zu Leistungsnachweisen führte. „Forschung und Lehre gingen hier Hand in Hand“, sagt Färber. Die Teilnehmer konnten miterleben, wie eine Forschungsfrage von der Recherche bis zur Publikation bearbeitet wird. Die Erfahrung, schon früh im Studium selbst wissenschaftlich aktiv zu werden, sei für die jungen Menschen sehr wichtig. Dass Lehrende Lernenden etwas zutrauen, das habe er selbst im Studium als sehr hilfreich erfahren.

Wie haben sich die Altertumswissenschaften – Klassische Philologie, Klassische und Vorderasiatische Archäologie und Alte Geschichte – in der NS-Zeit entwickelt? Wie haben sich einzelne Personen verhalten? Wie eng haben die Protagonisten der Geisteswissenschaften mit den NS-Machthabern kollaboriert? Herausgekommen ist dabei nicht nur ein Werk über die Geschichte der Frankfurter Universität, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Geschichte der Geistes- und Kulturwissenschaften in jener Zeit allgemein. Maßen die Nationalsozialisten dem Altertum in ihrer Weltanschauung doch einen besonderen Stellenwert bei.

In den insgesamt 19, teils im Tandem verfassten Beiträgen werden die wissenschaftlichen Akteure jener Zeit und ihr Wirken vorgestellt – darunter der klassische Archäologe Hans Schrader und der Althistoriker Matthias Gelzer. Dabei wird deutlich: Es gab weder den großen Aufbegehrenden noch den ganz strammen Nationalsozialisten. Der klassische Philologe Karl Reinhard war einer der wenigen, die zunächst deutlich Stellung bezogen haben gegen die Nationalsozialisten, dann aber habe er doch klein beigegeben. „Aus Sicht friedvoller Zeiten tut man sich immer schwer, sich in das Leben in der Diktatur einzudenken“, sagt Färber. Es sei damals vielen nicht leichtgefallen, sich ihr wissenschaftliches Überleben zu sichern, und so hätten einige sich doch soweit notwendig den NS-Vorgaben gebeugt. Allerdings gab es auch Personen, die die herrschende Ideologie genutzt hätten, um unliebsame Kollegen aus dem Weg zu räumen.

Eine bedeutende Rolle wird in dem Band auch dem akademischen Mittelbau eingeräumt. So werfen die studentischen Autoren etwa anstelle des Archäologen Guido von Kaschnitz-Weinberg, der bereits in einem Band in der Reihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ gewürdigt worden ist, einen Blick auf seine Assistentin Hilde Heyland, die erste Frau in den Altertumsfächern der Frankfurter Universität, sowie auf Ernst Homann-Wedeking, der die Assistentenstelle ab 1946 innehatte.

Publikation: Roland Färber und Fabian Link (Hg.): Die Altertumswissenschaften an der Universität Frankfurt 1914-1950. Studien und Dokumente. Basel (Schwabe Verlag) 2019. 

Informationen: Dr. Roland Färber, faerber@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 8 2019
18:00

Lukas Schulze-Vorberg, Ingo Feldhausen, Barbara Friebertshäuser und Detlef Krömker erhalten den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre

Ein Festtag für die Lehre

FRANKFURT. Zum 18. Mal ist heute an der Goethe-Universität der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen worden. Damit ausgezeichnet wurden ein Psychologe, ein Romanist, eine Erziehungswissenschaftlerin und ein Informatiker. Der Preis, der von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse und der Goethe-Universität gemeinsam vergeben wird, soll die Aufmerksamkeit auf vorbildliche Lehre lenken. Nominiert werden die Kandidaten und Kandidatinnen von den Studierenden.

Den mit 15.000 Euro dotierten 1. Preis erhält Lukas Schulze-Vorberg, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften das Projekt PODIUM durchführt. Der 2. Preis (10.000 Euro) geht an den Privatdozenten Dr. Ingo Feldhausen, er den Studierenden die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens mit Hilfe einer Portfolio-Methode vermittelt. Den 3. Preis (5.000 Euro) hat die Jury zwei Personen zugedacht: Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Barbara Friebertshäuser und der Informatiker Detlef Krömker engagieren sich beide in herausragender Weise für die Lehre.

„Gute universitäre Lehre bedeutet gute Wissenschaft, denn Lehre und Forschung gehören hier auf das engste zusammen“, betonte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, anlässlich der 18. Verleihung des 1822-Universitätspreises für exzellente Lehre. „Der 1822-Universitätspreis bietet immer eine wunderbare Gelegenheit, die große Bedeutung guter Lehre zu betonen und Kolleginnen und Kollegen zu danken, die diese Aufgabe mit ganz besonderer Freude, Kreativität und Ausdauer annehmen“, so die Präsidentin.

Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, sagte: „Die Sicht der Studierenden ist uns sehr wichtig: Sie erfahren aus nächster Nähe, wie es um die Qualität der Lehre bestellt ist. Wissen interessant und ansprechend zu vermitteln und junge Leute für eine Sache zu begeistern, das ist eine Fähigkeit, die aller Ehren wert ist. Denn diese Lehrenden tragen erheblich zu einem erfolgreichen Studienabschluss bei. Und nichts brauchen wir in der Region mehr als gut ausgebildete Arbeitskräfte mit Begeisterung für ihr Fach.“

Als Fachleute in Sachen Lehrqualität wurden auch diesmal wieder die Studierenden herangezogen. Von Beginn an spielten sie beim 1822-Preis eine wichtige Rolle, denn nur sie haben das Vorschlagsrecht. Bei den Lehrenden an der Goethe-Universität werde inzwischen sehr genau verfolgt, wer eine Nominierung oder gar eine Auszeichnung erhält, meint Prof. Roger Erb, Vizepräsident der Goethe-Universität mit Zuständigkeitsbereich Lehre: „Der Preis erfreut sich großer Beliebtheit“, ist Erb überzeugt. In diesem Jahr wurden insgesamt 23 Vorschläge gezählt, sie kommen aus allen Fachbereichen. Die letztendliche Auswahl übernimmt eine eigens gebildete Kommission. Dieser statusgruppenübergreifenden Kommission gehören Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter, Professoren und Professorinnen der Universität an sowie die Geschäftsführung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Den „1822-Universitätspreis für exzellente Lehre“ gibt es seit 2002. Die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse haben ihn gemeinsam ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Bedeutung innovativer Hochschullehre zu schärfen und das Engagement herausragender Lehrender sichtbar zu machen. Den ersten und dritten Preis fördert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit insgesamt 20.000 Euro, der 2. Preis (10.000 Euro) wird von der Goethe-Universität finanziert. Der Preis wird jährlich vergeben.

Die Ausgezeichneten:

Lukas Schulze-Vorberg, der den 1. Preis erhält, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften im Interdisziplinären Kolleg Hochschuldidaktik. Als studierter Lehrer und Erziehungswissenschaftler leitet er vor allem Veranstaltungen für künftige Lehrerinnen und Lehrer. Dabei lässt er die Studierenden nicht einfach nur Referate halten, sondern legt viel Wert auf eine möglichst realitätsnahe Wissensvermittlung, so dass theoretische Inhalte praktisch erprobt werden können. Das eigens von ihm entwickelte Train-the-Trainer Lehr-Lernprojekt heißt PODIUM (Präsentieren, Organisieren, Diskutieren, Innovativ Unterrichten, Moderieren) und beinhaltet zum Beispiel das Feedback durch Videoaufzeichnungen und ausgiebige Reflexionsmöglichkeiten. Um ihren Vorschlag auf ein möglichst breites Fundament zu stellen, haben die Studierenden zwei Online-Befragungen erstellt. Die Zustimmung lag bei 96 Prozent. „Lukas Schulze-Vorbergs Lehre zeichnet sich durch eine wertschätzende Atmosphäre, eine konstruktive Feedbackkultur sowie eine unvergleichliche Methodenvielfalt aus. Inhaltlich durchdacht und didaktisch innovativ, verbessert seine Lehre durch die überdurchschnittliche Verknüpfung von Theorie und Praxis nachhaltig die Ausbildung unserer zukünftigen Lehrkräfte“, so das Resümee im Nominierungsschreiben.

Der 2. Preis geht 2019 an den Privatdozenten Dr. Ingo Feldhausen, der als Romanist im Fachbereich 10 (Neuere Philologien) tätig ist. Seit 2012 ist er Mitarbeiter im Programm „Starker Start ins Studium“ zur Verbesserung der Lehre in der Studieneingangsphase. Feldhausen hat eine spezielle Portfolio-Methode konzipiert, die den Studierenden das wissenschaftliche Arbeiten besonders nachhaltig vermitteln soll. Die Studierenden müssen dabei u.a. drei wissenschaftliche Texte konsequent erarbeiten und zusammenfassen, dabei üben sie sukzessive die Techniken wissenschaftlichen Arbeitens ein: Lesen, Verstehen und Schreiben. Indem sie sich gegenseitig ein Feedback geben, wenden sie das Erlernte außerdem praktisch an und werden sicherer, was ihre eigenen Fähigkeiten angeht. Feldhausens Methode, die zugleich Inhalte und Technik vermittelt, stößt bei den Studierenden auf viel Begeisterung; seine Seminare sind stets gut besucht. In Vorträgen gibt Ingo Feldhausen die Methode zudem an andere Dozenten weiter und stellt sich der Diskussion, was die Studierenden in ihrem Nominierungsschreiben eigens positiv hervorheben.

Den 3. Preis teilen sich die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Barbara Friebertshäuser und der Informatiker Prof. Detlef Krömker. Neu ist, dass zwei Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen in Sachen Lehre ausgezeichnet werden. Die Vergabekommission würdigt die beiden Wissenschaftler für ihr herausragendes Engagement für Lehre und Studium in ihrem jeweiligen Fachbereichen sowie in der gesamten Hochschule. In Bezug auf Barbara Friebertshäuser schreiben die Studierenden aus dem Fachbereich 04, sie habe ihre Lehrkonzepte stets weiterentwickelt und nehme sich Anregungen von Studierenden zu Herzen. „In allen ihren Veranstaltungen stehen die Studierenden im Mittelpunkt.“ „Erziehung zur Mündigkeit“ sei bei Friebertshäuser „gelebte Praxis“. Darüber hinaus hat sich Friebertshäuser fachübergreifend sehr für das neue Seminarhaus eingesetzt, dessen Räume jenseits der Veranstaltungen auch Lerngruppen zur Verfügung stehen. Die Fachschaft Informatik, die Detlef Krömker nominiert hat, betont, man beziehe sich nicht auf eine konkrete Veranstaltung, sondern wolle den Blick auf die langjährigen Verdienste Krömkers in der Lehre insgesamt richten. So habe er Studierenden der Informatik durch Kleingruppenmentoring einen informierten Start ins Studium ermöglicht. Besonders verdienstvoll war auch die Gründung der E-Learning-Einrichtung studiumdigitale, die den Studierenden an der Goethe-Universität fächerübergreifend zugutekomme. Damit habe er für die gesamte Universität Impulse gesetzt, um die digitale Lehre stärker zu etablieren.

Neben den Ausgezeichneten wurden folgende Lehrenden nominiert:
Dr. Ingo Sauer, FB Wirtschaftswissenschaften
Prof. Dr. Sabine Andresen, FB Erziehungswissenschaften
Dr. Ulrike Basten-Wissel, FB Psychologie u. Sportwissenschaften
Dr. Johannes F. Diehl, FB Evangelische Theologie
Prof. Dr. Melanie Köhlmoos, FB Evangelische Theologie
Philipp Betz, FB Katholische Theologie
Prof. Dr. Hans Aurenhammer, FB Sprach- und Kulturwissenschaften
Dr. Helen Barr, FB Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Kerstin Gottschalk, FB Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Michael Kinski, FB Sprach- und Kulturwissenschaften
Dr. Ulrich Wilker, FB Sprach- und Kulturwissenschaften
Dr. Marta Muñoz-Aunión, FB Neuere Philologien
Prof. Dr. Raman Sanyal, FB Informatik und Mathematik
Prof. Dr. Klaas Martinus Pos, FB Biochemie, Chemie und Pharmazie
Prof. Dr. Alexander Heckel, FB Biochemie, Chemie und Pharmazie
Dr. Mario Wurglics, FB Biochemie, Chemie und Pharmazie
Prof. Dr. Manfred Kössl, FB Biowissenschaften
Prof. Dr. Johannes Schulze, FB Medizin
Dr. Maria Kopp-Kavermann, Internationales Studienzentrum

Informationen: Dr. Martin Lommel und Nina Eger, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, E-Mail lommel@pvw.uni-frankfurt.de, Telefon 069 798-12786; E-Mail eger@pvw.uni-frankfurt.de, Telefon 069 798-12455

Aktuelle Bilder von der Preisverleihung können ab Dienstag, 9. Juli, zur Verfügung gestellt werden.

 

Jul 5 2019
12:31

Konflikte zwischen Eltern und Lehrern: Wird der Ton rauer?

„Pädagogisch völlig ungeeignet“

FRANKFURT. Lehrer und Eltern sollen Partner bei der Bildung und Erziehung der Kinder sein –, und zwar »mit gegenseitiger Wertschätzung und Respekt«. So formuliert es die Kultusministerkonferenz. Doch die Realität sieht zuweilen anders aus. Dies macht der Beitrag von Wissenschaftsjournalistin Katja Irle in der neuesten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ deutlich. Schwerpunktthema diesmal: „Konflikt! Zwischen Eskalation und Schlichtung“.

Belastbare empirische Belege dafür, dass der Ton an den Schulen tatsächlich rauer geworden ist, gibt es bislang nicht, hat Irle recherchiert. Aber es gibt Anzeichen, dass Lehrkräfte zunehmend am Pranger stehen – vor allem am virtuellen. Analog zu der allgemeinen Entwicklung, dass im Netz mehr erlaubt zu sein scheint als im echten Leben, gibt es dort auch erhebliche Ausfälle gegen Lehrkräfte. Davon berichten gleich mehrere deutsche Lehrerverbände. „Pädagogisch völlig ungeeignet“ – solche Aussagen gehören eher zu den harmloseren Anwürfen.

Dabei sind die Beteiligungsmöglichkeiten für Eltern an den Schulen größer denn je, Eltern werden in vielen schulischen Leitbildern als „wichtiger Teil der Schulgemeinde“ bezeichnet. Durch die neuen Möglichkeiten der Kommunikation sind sich Pädagogen und Eltern vermeintlich näher als früher, was nicht nur Vorteile hat. „Der Respekt vor Lehrkräften war vor 50 Jahren sicher größer als heute“, konstatiert Professorin Diemut Kucharz, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe an der Goethe-Universität. „Aber wer will denn in eine Zeit zurück, wo Pädagoginnen und Pädagogen die Kinder schlugen und Eltern gar nichts zu sagen hatten?“ Kucharz hält die sogenannten Helikoptereltern, die permanent um Wohl und Fortkommen ihrer Kinder kreisen, zwar für ganz besonders anstrengend. Ein Massenphänomen sei das aber nicht.

Tanja Jost, abgeordnete Lehrerin und Lehrbeauftragte am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, lenkt den Blick der Studierenden auf die Qualität der Elternarbeit: Gute oder schlechte Kommunikation seien entscheidend für das gegenseitige Verhältnis. Für Elterngespräche heißt das konkret: Müttern und Vätern nicht von oben herab begegnen und gut zuhören. Auch die Raumsituation gehört für Tanja Jost dazu: „Ich darf den Eltern keinen Kinderstuhl anbieten und selbst auf dem Chefsessel Platz nehmen.“ Gleichzeitig müssten gerade junge Lehrkräfte lernen, sich abzugrenzen – und nicht allen Eltern gleich die eigene Handynummer zu geben.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Beitrag von Katja Irle, der in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2019) erschienen ist. Die Ausgabe kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Web: www.forschung-frankfurt.de

Informationen: Katja Irle, k.irle@schreibenundsprechen.eu

 

Jul 4 2019
10:42

Zwei Film- und Gesprächsveranstaltungen des Exzellenzclusters Normative Ordnungen zusammen mit dem DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum am 12. und 16. Juli

Künstliche Intelligenz im Kino

FRANKFURT. „Talking About a Revolution: Rechtswissenschaft und Filmwissenschaft im Gespräch über künstliche Intelligenz und Kino“. Unter diesem gemeinsamen Motto stehen zwei Expertengespräche mit jeweils anschließender Filmvorführung, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in Kooperation mit dem DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum. Veranstaltungsort ist das DFF, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main.

Wie verändert künstliche Intelligenz die Filmproduktion? Welche Konsequenzen hat das für unsere Vorstellungen von Autor- und Urheberschaft? Wie beeinflusst die Darstellung künstlicher Intelligenz im Kino deren Entwicklung und Einbettung in unsere Lebensformen? Im Dialog der Disziplinen sollen die beiden filmwissenschaftlichen Schlüsselbegriffe der Autorschaft und der Repräsentation im Lichte der neusten Entwicklungen im Feld der künstlichen Intelligenz auf den Prüfstand gestellt werden. Die Diskutanten sind Mitglieder des Exzellenzclusters.

Am 12. Juli diskutiert Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität, mit Alexander Peukert, Professor für Immaterialgüterrecht an der Goethe-Universität, unter dem Titel „Können Roboter Autoren sein? Ein Gespräch über Copyright und künstliche Intelligenz rund um die Filme von Jan Bot“. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Im Anschluss an das Gespräch gibt es Filmbeispiele und Impressionen der Arbeitsweise des Film-Roboters „Jan Bot“. Dieser wurde am EYE Filmmuseum in Amsterdam entwickelt, um selbstständig mittels Algorithmen Experimentalfilme zu produzieren.

Auch am 16. Juli, diesmal um 20.15 Uhr, gehört der Filmwissenschaftler Vinzenz Hediger zu den Experten. Sein Partner auf dem Podium ist Christoph Burchard, Professor für Straf- und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Ihre Diskussion steht unter dem Titel „Verzerrt das Kino die KI? Ein Gespräch über Privatheit, IT-Vertrauen und Repräsentation anhand von The Circle“. Der im Anschluss gezeigte Film „The Circle“ (USA 2017) basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Dave Eggers über eine fiktive Firma im Silicon Valley, die die vollkommene Transparenz ihrer Nutzer anstrebt, wobei sich schon bald die Schattenseiten dieser Utopie offenbaren.

Die beiden Podiumsgespräche mit Filmvorführungen finden im Rahmen der derzeitigen Ausstellung „Digital Revolution“ im DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum statt und stehen gleichzeitig im Zusammenhang mit dem laufenden Projekt „Die normative Ordnung Künstlicher Intelligenz | NO:KI“ von Prof. Christoph Burchard im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die Veranstaltungen sind öffentlich. Der Eintritt ist frei. Wegen der begrenzten Platzzahl wird eine Kartenreservierung empfohlen unter: 069 961 220-220.

Informationen:
Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079, hediger@tfm.uni-frankfurt.de, www.normativeorders.net/de/, www.dff.film/

 

Jul 3 2019
12:10

​LOEWE-Schwerpunkt über alternative Wege der Streitbeilegung

Konflikte lösen ohne Gericht

FRANKFURT. Nicht nur vor Gericht lassen sich Konflikte lösen – ganz im Gegenteil. Der rechtswissenschaftliche LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ hat untersucht, welche Alternativen es gibt. Dabei rückten auch ferne Länder und zurückliegende Kulturen in den Fokus. Über einige Teilprojekte lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“.

Die Gerichte sind überlastet, was liegt da näher, als nach außergerichtlichen Wegen der Konfliktlösung Ausschau zu halten? Doch diese Wege sind nicht so neu und modern, wie man meinen könnte. Das hat das Verbundprojekt »Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung« gezeigt. Wie Prof. Guido Pfeifer in seinem Überblicksbeitrag schreibt, sollte die von 2012 bis 2015 vom Land als LOEWE-Schwerpunkt geförderte Initiative strukturelles Wissen zur Konfliktlösung hervorbringen. „Blickt man über die Grenzen der kontinentaleuropäischen Moderne hinaus, zeigt sich, dass vermeintlich hybride Modelle der Konfliktlösung gar nicht so selten sind, sondern häufig sogar zur alltäglichen Rechtserfahrung zählen“, so Pfeifer. Der Forschungsverbund habe versuchte, einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen unterschiedlichen Kulturräumen zu schlagen.

Drei der insgesamt 18 Teilprojekte werden in „Forschung Frankfurt“ vorgestellt: In einem Interview erläutert Moritz Bälz, Professor für Japanisches Recht und seine kulturellen Grundlagen, die Rolle außergerichtlicher Konfliktbeilegung nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Die Rechtshistorikerin und Privatdozentin Dr. Dr. Nadine Grotkamp schreibt über außergerichtliche Streitbeilegung im hellenistischen Ägypten. Und Dr. Frank Schreiber, Richter am Landessozialgericht, widmet sich in seinem Beitrag der Rolle der Mediation an deutschen Gerichten.

Ziel des LOEWE-Schwerpunkts, so Pfeifer, sei nicht die „Weltformel der Konfliktlösung“ gewesen. Das gewonnene Wissen habe weitere Fragen aufgeworfen und zu weiteren Projekten geführt.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2019) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Web: www.forschung-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Dr. Guido Pfeifer, Antike Rechtsgeschichte, Europäische Privatrechtsgeschichte und Zivilrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft, Uni-Campus Westend, Telefon +49(0)69 798-34328, E-Mail pfeifer@jur.uni-frankfurt.de

 

Jul 2 2019
11:00

Physiker und Ingenieure erklären, was jetzt schon möglich ist und diskutieren, wohin die Reise gehen könnte

Bürgertag zu Terahertz-Zukunftstechnologien

FRANKFURT. Globale Anforderungen an die Elektronik- und Photonikindustrie sind Thema der „29. International Travelling Summer School on Microwaves and Lightwaves", die vom 13. bis 19. Juli auf dem Campus Westend stattfindet. Erstmals in diesem Jahr laden die Veranstalter zu einem Bürgertag ein

am Samstag, dem 13. Juli von 14:30 – 18:00 Uhr
im Casino, Westend Campus,
Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Terahertzstrahlung durchdringt viele nichtleitende Materialien wie Kunststoffe, Gewebe und Keramiken, was sie für wissenschaftliche und industrielle Anwendungen interessant macht. Sie wird jetzt schon genutzt für die zerstörungsfreie Untersuchung von Objekten (z.B. für die Paket- und Postinspektion oder zur Fehlerlokalisierung und Qualitätskontrolle), für Sicherheitskontrollen und biomedizinische Diagnosen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sommerschule liegt auf zukünftigen Lösungen für die wachsenden Anforderungen an die drahtlose Kommunikation. Die zunehmende weltweite Vernetzung, Digitalisierung und neue Anwendungen wie das „Internet der Dinge“ und „ferngesteuerte Medizin“ fordern ultrahohe Bandbreiten um die Datenübertragung in dem erforderlich enormen Umfang zu ermöglichen.

Das Programm:
14:30
- Prof. Viktor Krozer, Goethe Leibniz Terahertz Center: Terahertz research within a European science network
15:00
- Prof. Idelfonso Tafur Monroy, TU/Eindhoven: Introduction to Terahertz Science – Key challenges, European research and societal impact
16:30
- Kaffee-Pause mit fließendem Übergang in die Poster-Session zu aktueller Terahertz Forschung; Gelegenheit zum Austausch mit Doktoranden zu spezifischen Themen

Die International Travelling Summer School findet seit 29 Jahren jährlich in verschiedenen Städten Europas statt. Über 100 Teilnehmer von Universitäten aus rund 12 verschiedenen Ländern, sowie Doktoranden und Studierende aus über 20 Ländern werden dieses Jahr erwartet. Gastgeber sind das Goethe Leibniz Terahertz Zentrum und das Physikalische Institut der Goethe-Universität. In diesem Jahr findet die Sommerschule außerdem in Verbindung mit den zwei EU Horizon2020 Projekten ITN CELTA und ITN TeraApps statt.

Information: Frederik Walla, Physikalisches Institut, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798 47211, E-Mail: walla@physik.uni-frankfurt.de

 

Jul 2 2019
10:30

Sommerfest der Goethe-Universität auf dem Campus Westend mit Fokus auf internationale Kooperation

Hessen trifft Steiermark

FRANKFURT. Am Freitag, den 5. Juli, feiert die Goethe-Universität wieder ihr Sommerfest und lädt alle Hochschulangehörigen sowie Freundinnen und Freunde der Hochschule herzlich ein. Das Sommerfest, das um 15 Uhr auf dem Campus Westend beginnt, steht 2019 im Zeichen des diesjährigen Partners, dem österreichischen Bundesland Steiermark. Das Partnerland wird sich an Infoständen präsentieren, kulinarische Köstlichkeiten und musikalische Spezialitäten aus der Steiermark werden einen Eindruck von der kulturellen Vielfalt des Landes vermitteln. Um 18.15 Uhr werden Universitätspräsidentin Prof. Wolff, die hessische Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium Ayse Asar und die steirische Landesrätin Mag. Barbara Eibinger-Miedl feierlich das Sommerfest eröffnen und die Gäste begrüßen.

Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität für Third Mission, betont: „Die Sommerfeste der Goethe-Universität standen in den letzten Jahren immer im Zeichen einer Landespartnerschaft. Das unterstreicht das internationale Profil der Goethe-Universität. Ich bin daher sehr froh, dass es in diesem Jahr gelungen ist, das Land Steiermark als Landespartner zu gewinnen. Mit Hessen verbindet die Steiermark bereits eine intensive und langjährige wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Kooperation. Diese enge Partnerschaft wollen wir mit dem gemeinsamen Fest sichtbar machen. Ohne die Unterstützung unserer offiziellen Partner und Sponsoren wäre das Sommerfest 2019 der Goethe-Universität nicht möglich gewesen. Wir danken daher dem Land Steiermark, der Sparda-Bank Hessen eG, der Umweltlotterie von Lotto Hessen sowie der BARMER.“

Ab 15 Uhr startet das Bühnen- und Musikprogramm auf dem Campusplatz: Den Auftakt macht die Gruppe Chess mit Blues, Jazz und Bossanova. Um 17 Uhr folgen dann Banki Moon mit Einflüssen aus dem Britpop und mit deutschen Texten. Klub Erika werden dann ab 19 Uhr poppig-funkige Tanzmusik präsentieren. Freunde der Hessischen Mundart werden dann ab 20.15 auf ihre Kosten kommen: „Welthits auf Hessisch“ singen Popsongs der letzten 70 Jahre, die sie meist aus dem Englischen ins Hessische übertragen haben. Um 21.45 Uhr schließlich werden die siebenköpfigen Mighty Maggots aus Graz beweisen, dass die Steiermark auch über hervorragende Ska-Bands verfügt. Moderiert wird das Bühnenprogramm von Mitgliedern des Debattierclubs Goethes Faust e.V.

Daneben wartet wieder auch ein reichhaltiges Rahmenprogramm auf die Gäste des diesjährigen Sommerfestes: Führungen über den Campus und durch verschiedene Sammlungen der Goethe-Universität, beispielsweise durch das Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung Antikensammlung und Skulpturensaal des Instituts für Archäologische Wissenschaften; Sonderführungen werden zur Imageausstellung „Geschichte hautnah erleben“ der Point Alpha Stiftung angeboten, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe „30 Jahre gemeinsame Freiheit – 30 Jahre Mauerfall“ noch bis zum 19. Juli im Foyer des I.G.-Farben-Hauses zu sehen sein wird. Auf dem Markt der Möglichkeiten präsentieren sich insgesamt 28 Aussteller, darunter das Museum Giersch der Goethe-Universität, die Katholische Hochschulgemeinde und Evangelische Studierendengemeinde und der Wissenschaftsgarten Riedberg.

Auch für sportliche Betätigung ist gesorgt: Das Zentrum für Hochschulsport präsentiert das „Goethe-Play“-Lastenrad - wer Lust hat, kann sich Frisbees ausleihen, Wikinger-Schach spielen, Spike Ball ausprobieren, im Luftsitzsack entspannen und vieles mehr; beim Bubble-Fußball des Fachbereichs 04 spielen die Teilnehmer mit über ihren Oberkörper gestülpte, aufblasbare, meist transparente, Kugeln Fußball. Sowohl Oberkörper als auch Kopf der Spieler sind durch die aufblasbaren Bubblebälle geschützt.

Für die kleinen Besucher wird von 15.- 20.00 Uhr ein Kinderprogramm angeboten, mit dem Spielmobil Riederwald e.V., Kinderschminken, einer Fotowand sowie dem Basteltisch des Museums Giersch.

Natürlich ist wie immer auch für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher gesorgt: Essen und Trinken wird im Sommergarten des Studentenwerk Frankfurts, im Sturm & Drang und zentral auf dem Campusplatz angeboten. In diesem Jahr dürften wohl vor allem die kulinarischen Angebote aus der Steiermark auf großes Interesse stoßen.

Das Sommerfest der Goethe-Universität findet statt am
Freitag, den 5. Juli 2019, ab 15 Uhr auf dem Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1.
Der Eintritt ist frei!

Weitere Informationen zum ausführlichen Programm in GOETHE-UNI online:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/sommerfest-der-goethe-universitaet-2019/

 

Jul 2 2019
10:00

Einladung der bekannten Autorin am Vorabend des Universitäts-Sommerfests unter dem Motto „Hessen trifft Steiermark“

Barbara Frischmuth liest an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die bekannte, mit vielen Preisen ausgezeichnete steierische Autorin Barbara Frischmuth liest am Donnerstag, den 4. Juli 2019, an der Goethe-Universität aus ihrem neuen Roman „Verschüttete Milch“. Die Lesung am Vorabend des Sommerfestes der Goethe-Universität (5.7., ab 15 Uhr, Campus Westend) ist eine besondere Referenz an die enge Kooperation zwischen dem österreichischen Bundesland Steiermark und Hessen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Hessen trifft Steiermark“ auch das Thema des Uni-Sommerfestes ist.

Barbara Frischmuth ist seit 1966 hauptberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin aktiv. Schon während ihrer Studienzeit veröffentlichte sie Gedichte und wurde 1962 Mitglied der später so genannten „Grazer Gruppe“. Mehrere Auslandsaufenthalte führten sie in die Türkei, nach Ungarn, Ägypten, England, China, Japan und die USA, wo sie am Oberlin College in Ohio und an der Washington University in St. Louis Vorlesungen hielt. Heute lebt die Autorin in ihrem steierischen Geburtsort Altaussee. Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin ist sie auch als Kolumnistin tätig.

Die Wiener Tageszeitung „Der Standard“ schrieb in einer Rezension über „Verschüttete Milch“: „Der Roman besticht aber nicht nur durch seine Archäologie der Bilder, sondern auch durch eine der Wörter. Es ist einzigartig, mit welcher erzähltechnischen Raffinesse das dialektische Wortmaterial der Kindheit präsent gesetzt und wie die unvermeidliche Erklärung – oft mit Ironie – auf jeweils andere Weise in das Erzählen integriert wird.“

„Hessens trifft Steiermark“ - Lesung mit der steierischen Autorin Barbara Frischmuth aus „Verschüttete Milch“
Donnerstag, 4. Juli, 19:00 Uhr, historischer Lesesaal der Goethe-Universität, Norbert-Wollheim-Platz 1,
IG-Farben Haus, Raum 1.121 im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften (BZG)

Der Eintritt ist frei.

 

Jul 1 2019
10:16

Reihe „New Frontiers in Memory Studies“ an der Goethe-Uni lädt ein zum Vortrag von Prof. Dr. Natan Sznaider (Tel Aviv/Jaffa) 

Karl Mannheim in Frankfurt

FRANKFURT. „Die andere Frankfurter Schule: Karl Mannheim und die Frankfurter Soziologie der 1930er Jahre“: So lautet der Titel eines Vortrags, den der israelische Soziologe Prof. Dr. Natan Sznaider (Tel Aviv-Yaffo) am Dienstag, 9. Juli, um 16 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 1.414 auf dem Campus Westend halten wird. Sznaider ist Gast an der Frankfurt Memory Studies Platform, er referiert im Rahmen der Vorlesungsreihe „New Frontiers in Memory Studies“.

Karl Mannheim gilt als einer der wichtigsten Begründer der Weimarer Wissenssoziologie. Die Wissenssoziologie beschäftigt sich damit, wie Wissen innerhalb von Gruppen und Gesellschaften entsteht, verbreitet, verwendet und bewahrt wir. Grundlegend ist die Hypothese, dass Erkenntnis sozial verankert ist, dass Denken sozial bedingt und kein autonomer Prozess ist. Karl Mannheim stellte sein neues soziologisches Programm in seiner Zeit in Frankfurt zwischen 1930 und 1933 vor. Sznaiders Vortrag wird sich um Mannheims Frankfurter Jahre drehen und zeigen, wie Leben und Karriere des ungarischen Juden von der Krise der europäischen Moderne vor dem Aufstieg des Nationalsozialismus geprägt waren.

„Auch wenn diese terminliche Überschneidung eher ein Zufall ist – wir freuen uns ganz besonders, dass der Vortrag von Natan Sznaider im Jubiläumsjahr der Soziologie an der Goethe Universität stattfindet“, sagt Anglistik-Professorin Astrid Erll, die die Vortragsreihe organisiert. „Denn Karl Mannheim ist für viele Forscher und Forscherinnen in Frankfurt interessant – aus der Soziologie, den Geschichts-, Literatur- und Kulturwissenschaften etwa –, die sich zum Beispiel für den Generationen-Begriff interessieren.“

Natan Sznaider ist Professor für Soziologie am Academic College Tel Aviv-Yaffo. Er hat zahlreiche grundlegende Studien zur weltweiten Erinnerung an den Holocaust, an Diktaturen in Spanien und Argentinien sowie zur Geschichte des Zionismus und zur Gegenwart Israels verfasst. Zu seinen Publikationen zählen „Erinnerung im globalen Zeitalter: der Holocaust“ (2001), „Gedächtnisraum Europa“ (2008) und „Gesellschaften in Israel: Eine Einführung in zehn Bildern“ (2017).

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Fritz auer Institut statt. 

Über FMSP
Die Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP) ist eine Initiative des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften (FzHG). Sie wurde 2011 von Prof. Astrid Erll gegründet. FMSP führt Gedächtnisforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt in einem interdisziplinären Forum zusammen. Die Mitglieder kommen aus den Literatur-, Medien- und Geschichtswissenschaften, aus der Soziologie und der Psychologie. 

Ein Bild von Prof. Natan Sznaider finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/79120913

Information und Anmeldung: Prof. Dr. Astrid Erll, IEAS, FB 10, IG 4.254, erll@em.uni-frankfurt.de, https://www.uni-frankfurt.de/76467309/Prof__Dr__Astrid_Erll. 

Mehr Informationen zur FMSP finden Sie hier: http://www.memorystudies-frankfurt.com/en. Einen Abstract von Sznaiders Vortrag finden Sie hier: http://www.memorystudies-frankfurt.com/events/natan-sznaider-die-andere-frankfurter-schule/

 

Jul 1 2019
10:08

Schamkonflikte im Zeitalter der digitalen Selbstdarstellung

Wenn Du Dein wahres Gesicht zeigen würdest

FRANKFURT. Digitale Medien haben neue Kulturen des Sich-Zeigens hervorgebracht. Als Kehrseite treten insbesondere Schamkonflikte hervor. Darauf verweist die Soziologin Vera King in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“.

Erfolg, Leistung und gut dastehen lässt sich in sozialen Medien ganz konkret und für viele andere sichtbar messen. „Die Ausrichtung an Likes und der Vergleich mit Konkurrenten kann paradoxe Folgen haben“, betont Vera King, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts und Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität. In einer Pilotstudie interviewte sie Jugendliche zu ihrer Selbstdarstellung in Social Media. Im noch laufenden transdisziplinären Forschungsprojekt „Das vermessene Leben“ befragte sie im quantitativen Teil der Studie, zusammen mit ihren Kooperationspartnern Hartmut Rosa und Benigna Gerisch aus Jena und in Berlin, über tausend Frauen und Männer. „Subjektiv mögen sie versuchen, sich kritisch von dieser Art der Selbstdarstellung und Vermessung zu distanzieren, aber sie können sich dem doch nicht ohne Weiteres entziehen“, sagt die Professorin.

Scham erweist sich im mehrfachen Sinne als eine Kehrseite des Sich-Zeigens. Sie kann sich einstellen, wenn man, für andere sichtbar, schlecht dasteht, wenig Likes und Follower hat, oder schlechte Bewertungen. Andererseits kann Scham aus dem Wissen oder Gefühl resultieren, dass man in Wirklichkeit gar nicht so ist, wie man sich digital zeigt – dass man womöglich, so ein Zitat, 10 000 Follower verlöre, wenn man sein wahres Gesicht zeigen würde. Nicht zuletzt kann sich Scham einstellen, wenn eben diese Abhängigkeit von der entsprechenden Anerkennung und von der Reaktion der digitalen Öffentlichkeit intensiv erlebt wird. „Schamkonflikte, im sozialen wie psychischen Sinn, gewinnen somit an Bedeutung“, folgert Vera King.

Denn der „Blick des Anderen“ auf das medial erzeugte Bild des Selbst ist von großer Relevanz und folgenreich. Die digital öffentlich sichtbaren Statusniveaus und Vergleiche mit anderen werden dabei teils als lustvolle Rivalität, als sportlicher Wettbewerb, aber teils auch als leidvoll bedrängend empfunden und gehen mit der Angst vor beschämendem Statusverlust einher. Vielfach geht es auch um die Spannung zwischen Konformität und Anderssein. Der anonyme Blick der digitalen Anderen und der damit verbundene Konformitätsdruck verleiten dazu, etwas nur zu tun, um anderen zu gefallen, wofür sich die Akteure wiederum schämen.

Zu verstärken scheint sich die Angst vor Beschämung durch sozialen Ausschluss, während gleichzeitig die Scham abzunehmen scheint, sich im Beisein von Anderen dem Smartphone zuzuwenden. Neue Gestalten von Scham entstehen wegen der Abhängigkeit von digitalen Praktiken, wegen der mitunter als suchtartig empfundenen Bezogenheit auf das Netz-Echo. Solche Abhängigkeit kann umso bedrängender wirken, wenn der digitale Blick des Anderen jene Sehnsüchte erfüllen soll (etwa nach Anerkennung, Zuwendung, Bindung), die mit den leiblich anwesenden Anderen nicht ausreichend erfüllt werden.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2019) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Web: www.forschung-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Vera King, Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel.: (069) 798 36531 , king@sigmund-freud-institut.de